Sonntag, August 2, 2026
StartInterviewsQuantencomputing aus Europa: Wie Peak Quantum die Schlüsseltechnologie der Zukunft skaliert

Quantencomputing aus Europa: Wie Peak Quantum die Schlüsseltechnologie der Zukunft skaliert

Im Exklusiv-Interview spricht Alexander Schult, Mitgründer und CFO von Peak Quantum, über supraleitende Prozessoren, die Finanzierungslücke für Deep Tech in Europa und warum technologische Souveränität beim Quantencomputing über die digitale Zukunft des Kontinents entscheidet.

Herr Schult, können Sie Peak Quantum kurz vorstellen und erklären, welche Rolle Sie im Unternehmen übernehmen?

Alexander Schult: Peak Quantum entwickelt die nächste Generation von Quantencomputer-Prozessoren. Unser Ziel ist es, Quantencomputing wirtschaftlich skalierbar zu machen und damit eine zentrale Recheninfrastruktur der Zukunft aufzubauen. Peak Quantum ist ein 2024 gegründetes Münchner Deep-Tech-Startup und Spin-off der TU München sowie des Walther-Meißner-Instituts. Wir entwickeln supraleitende Quantencomputing-Prozessoren, bei denen Fehlerschutz direkt in die Hardware-Architektur der Qubits integriert wird. Mit diesem Ansatz werden Quantencomputer künftig leistungsfähiger, kompakter und kosteneffizienter. Peak Quantum ist Partner des Munich Quantum Valley und am Aufbau der europäischen Quantenchip-Pilotlinie SUPREME im Rahmen des EU Chips Act beteiligt. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zum Aufbau europäischer Quanteninfrastruktur. Als Mitgründer und CFO verantworte ich die Bereiche Finance, Administration, HR, Legal und Investor Relations und gestalte die strategische Finanzierung sowie den organisatorischen Aufbau des Unternehmens.

Warum hat sich Peak Quantum bewusst für europäische Investoren entschieden?

Alexander Schult: Wir haben unsere Investoren nach drei Kriterien ausgewählt: Kapital, Netzwerk und operative Erfahrung. Wir glauben, dass Europa im Quantencomputing die Chance hat, technologische Souveränität aufzubauen. Dafür braucht es Investoren, die diese langfristige Perspektive teilen und bereit sind, den Aufbau eines europäischen Technologieführers zu unterstützen. Genau diese Passung finden wir aktuell vor allem im europäischen Investorenumfeld. Bei einer strategischen Technologie wie Quantencomputing, die stark mit öffentlicher Förderung, Infrastruktur und langfristigen industriepolitischen Zielen verbunden ist, ist diese Interessenübereinstimmung essentiell.

Europa bringt viel Spitzenforschung hervor. Warum gelingt es dennoch oft nicht, daraus dauerhaft europäische Technologieführer aufzubauen?

Alexander Schult: Europa verfügt über exzellente Universitäten, Institute und Talente. Deshalb liegt es aus meiner Sicht nicht an der Forschung. Die Herausforderung liegt vor allem in der Geschwindigkeit der Kommerzialisierung. Technologietransfer dauert häufig zu lange, Kapitalbeschaffung ist aufwändig und die Skalierung über viele nationale Märkte hinweg ist komplex. Hinzu kommen oft langwierige Entscheidungsprozesse – sowohl auf politischer als auch administrativer Ebene. Auch der kulturelle Faktor spielt eine Rolle: In Europa wird Scheitern noch immer häufiger als Makel statt als Lernerfahrung betrachtet. Das verändert sich zwar zunehmend, insbesondere in der Startup-Szene, aber hier können wir noch von anderen Innovationsökosystemen lernen. Wer Technologieführung aufbauen will, muss nicht nur gute Ideen hervorbringen, sondern diese schneller in Produkte, Unternehmen und Märkte übersetzen. Am Ende entscheidet die Umsetzung.

Wo sehen Sie aktuell die größte Finanzierungslücke für europäische Deep Tech Startups?

Alexander Schult: In der Frühphase hat sich Europa deutlich verbessert. Es gibt heute mehr Seed-Fonds, mehr erfahrene Business Angels und bessere Förderinstrumente als noch vor zehn Jahren. Aber bei Risikobereitschaft und Investitionsgeschwindigkeit besteht weiterhin Aufholbedarf. Die eigentliche Finanzierungslücke entsteht in der Wachstumsphase. Wenn Unternehmen 50, 100 oder mehr Millionen Euro benötigen, um Forschung in industrielle Produkte und Produktionskapazitäten zu überführen, wird das Angebot an europäischem Wachstumskapital deutlich dünner. Genau in dieser Phase entscheiden sich häufig Eigentumsstruktur, Standort und langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens. Gerade kapitalintensive Deep-Tech-Unternehmen spüren diese Lücke besonders stark.

Was unterscheidet die Frühphasenfinanzierung in Europa von der Finanzierung späterer Skalierungsphasen?

Alexander Schult: Vereinfacht gesagt: In der Frühphase wird auf technologische Durchbrüche gewettet, in der Skalierungsphase auf deren erfolgreiche Industrialisierung. In Europa funktioniert die Finanzierung dieser frühen Technologiephase heute deutlich besser als noch vor zehn Jahren. In den späteren Skalierungsphasen wird das Angebot an großen Finanzierungsrunden jedoch deutlich dünner als beispielsweise in den USA. Insbesondere bei kapitalintensiven Deep-Tech-Unternehmen steigen die Kapitalbedarfe schnell und damit auch die Anforderungen der Investoren. Themen wie Governance, Board-Strukturen, Internationalisierung und Exit-Perspektiven rücken stärker in den Vordergrund. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist jedoch, dass die langfristigen Ziele von Investoren und Unternehmen weiterhin zusammenpassen. Denn Finanzierungsrunden beeinflussen nicht nur die Kapitalausstattung eines Unternehmens, sondern auch dessen Eigentumsstruktur, strategische Kontrolle und langfristige Entwicklung.

Welche strategischen Folgen kann es haben, wenn europäische Startups bei großen Finanzierungsrunden stark auf US Kapital angewiesen sind?

Alexander Schult: US-Kapital ist grundsätzlich nichts Negatives. Viele der weltweit erfahrensten Technologieinvestoren sitzen in den USA. Gleichzeitig bringt jeder Investor eigene Prioritäten und Erwartungen mit. Durch zunehmende Kapitalintensität können Fragen nach Standort, Expansion, Lieferketten oder strategischer Ausrichtung an Bedeutung gewinnen. Gerade bei Schlüsseltechnologien sollten Gründer deshalb darauf achten, dass Kapitalgeber nicht nur finanzielle, sondern auch strategische Partner sind.

Sie sprechen davon, dass mit Kapital oft mehr kommt als nur Geld. Welche Rolle spielen Boardsitze, Standortfragen und strategische Kontrolle?

Alexander Schult: Kapital und Governance sind eng miteinander verbunden. Ein Boardsitz bedeutet Einfluss auf zentrale strategische Entscheidungen. Deshalb sollten Gründer nicht nur über Bewertung und Kapitalhöhe sprechen, sondern auch darüber, wie Entscheidungsrechte verteilt werden und welche langfristigen Ziele die Beteiligten verfolgen. Der Austausch mit erfahrenen Gründern und eine frühzeitige rechtliche Begleitung können hier viel Lehrgeld ersparen. Gerade bei Deep-Tech-Unternehmen können Governance-Entscheidungen langfristige Auswirkungen auf Standortwahl, Partnerschaften, Förderfähigkeit und strategische Ausrichtung haben.

Peak Quantum: Europa und Quantencomputing stärken

Warum ist gerade Quantencomputing ein Bereich, in dem technologische Souveränität für Europa besonders wichtig ist?

Alexander Schult: Quantencomputing hat das Potenzial, eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu werden – mit Auswirkungen auf Sicherheit, Verteidigung, Industrie, Forschung und Energie. Gleichzeitig wird es ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen digitalen Infrastruktur sein. Die Wertschöpfung im Quantencomputing beruht maßgeblich auf hochkomplexer Hardware, Fertigungskapazitäten und spezialisierten Lieferketten. Wer diese Fähigkeiten nicht selbst aufbaut, wird langfristig von anderen abhängig. Ähnliche Diskussionen führen wir heute bereits bei Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und KI. Europa sollte deshalb nicht nur Nutzer dieser Technologie sein, sondern zu denjenigen gehören, die sie entwickeln, produzieren und kontrollieren. Das stärkt die technologische Souveränität und schafft gleichzeitig Wertschöpfung, hochqualifizierte Arbeitsplätze und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Europa.

Was bedeutet es konkret, wenn Forschung und Technologie in Europa entstehen, die Kontrolle darüber aber später ins Ausland wandert?

Alexander Schult: Europa investiert erhebliche öffentliche Mittel in Forschung und Ausbildung. Wenn Unternehmen später abwandern oder wesentliche Entscheidungen außerhalb Europas getroffen werden, profitieren die europäischen Volkswirtschaften nur begrenzt von diesen Investitionen. Wertschöpfung, Arbeitsplätze und strategische Kompetenzen sollten möglichst dort entstehen und wachsen, wo auch die Grundlagen geschaffen wurden. Zudem bedeutet der Verlust von Kontrolle häufig neue Abhängigkeiten. Die Folgen haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach gesehen, etwa bei Halbleitern, kritischen Rohstoffen oder KI-Infrastruktur. Bei Peak Quantum wollen wir diesen Kreislauf im Bereich des Quantencomputings durchbrechen – mit Technologie, die in Europa entsteht, und einer Eigentümerstruktur, die langfristig zu dieser Vision passt.

Welche strukturellen Veränderungen braucht es, damit institutionelles Kapital stärker in europäische Deep Tech Fonds fließt?

Alexander Schult: Europa hat kein Kapitalproblem. Europa hat ein Investitionsproblem. Es ist schwer zu erklären, warum europäische Ersparnisse häufig in amerikanische Technologieunternehmen investiert werden, während europäische Technologieunternehmen Kapital im Ausland suchen müssen. Wir brauchen mehr Anreize für langfristige Investitionen in Innovation, weniger regulatorische Hürden und eine stärkere Beteiligung von Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und Industrieunternehmen an Zukunftstechnologien. Dabei sollte die Diskussion nicht auf Venture Capital verengt werden. Deep-Tech-Unternehmen benötigen unterschiedliche Formen von Kapital entlang ihres Wachstumsweges. Entscheidend ist, dass mehr europäische Kapitalgeber den Mut finden, in europäische Technologie zu investieren.

Wie kann Europa verhindern, dass sich Entwicklungen aus der Halbleiterindustrie oder KI-Infrastruktur im Quantencomputing wiederholen?

Alexander Schult: Indem Europa frühzeitig entlang der gesamten Wertschöpfungskette investiert – von Forschung über Fertigung bis hin zur kommerziellen Anwendung. Technologische Souveränität entsteht erst dann, wenn Forschung, Produktion und Marktpräsenz zusammenkommen. An Erkenntnissen mangelt es dabei nicht. Programme wie der EU Chips Act, das Tech Sovereignty Package oder die deutsche High-Tech-Agenda setzen wichtige Impulse. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. Förderprogramme müssen sich an den Entwicklungszyklen der Industrie orientieren und Innovation beschleunigen, statt sie durch langwierige Prozesse auszubremsen. Gleichzeitig muss Europa seine Stärken besser nutzen: exzellente Universitäten, starke Industrie, hochqualifizierte Talente und ein großer gemeinsamer Wirtschaftsraum. Wettbewerb ist wichtig, aber nicht jede Initiative muss mehrfach aufgebaut werden. In strategischen Technologien werden wir nur dann international wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir Ressourcen gezielt bündeln, europäische Kooperationen stärken und den europäischen Binnenmarkt stärker als gemeinsamen Innovationsraum denken.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern im Deep Tech Bereich geben, die Kapital aufnehmen und zugleich strategische Unabhängigkeit bewahren wollen?

Alexander Schult: Erstens: Investoren genauso sorgfältig auswählen wie Mitarbeiter oder Mitgründer. Kapital ist langfristig, deshalb müssen die strategischen Ziele zusammenpassen. Zweitens: Governance-Themen früh adressieren. Board-Strukturen, Entscheidungsrechte und Vetorechte wirken oft abstrakt, werden aber später sehr relevant. Drittens: Öffentliche Fördermittel intelligent nutzen. Sie können Wachstum beschleunigen und Verwässerung reduzieren. Gleichzeitig sollte jedes Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln, das mittel- bis langfristig auch ohne Fördermittel funktioniert.

Bildcredits Peak Quantum

Wir bedanken uns bei Alexander Schult für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Kontakt:

Peak Quantum GmbH
Lichtenbergstraße 8
85748 Garching b. München

https://peakquantum.de/
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Ansprechpartner: Thomas Luschmann

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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