Donnerstag, Oktober 1, 2026
StartInterviewsWärme wird Strom: Wie Deep-Tech-Startup HEIONTEC in Die Höhle der Löwen kommt

Wärme wird Strom: Wie Deep-Tech-Startup HEIONTEC in Die Höhle der Löwen kommt

HEIONTEC entwickelt eine Technologie zur Energiegewinnung aus Wärme und wird am 05. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen.

Wie ist die Idee zu HEIONTEC entstanden, wer steht hinter dem Unternehmen und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Die Idee zu HEIONTEC entstand aus der Frage, ob sich bislang weitgehend ungenutzte Wärme aus unserer Umgebung direkt in elektrische Energie umwandeln lässt. Gemeinsam mit unserem Erfinder und einem interdisziplinären Team aus Wissenschaft, Technik und Unternehmertum haben wir daraus eine neue Technologie entwickelt.

Der entscheidende Moment war, als wir gesehen haben, dass unser thermo-elektro-chemisches Prinzip tatsächlich elektrische Energie erzeugt. Aus einer wissenschaftlichen Idee entstand damit die Vision, eine neue Energiequelle für Anwendungen zu entwickeln, bei denen Batterien heute teuer, wartungsintensiv oder schlicht unpraktisch sind.

Inzwischen ist aus der ursprünglichen Idee ein deutlich größeres Team geworden, das HEIONTEC wissenschaftlich, technisch und unternehmerisch weiterentwickelt.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell eures Startups aus?

HEIONTEC ist ein Deep-Tech-Unternehmen im Bereich Energy Harvesting. Wir entwickeln mit unserem Thermo-Electro-Chemical Generator, kurz TEC-G, eine Technologie, die niedrig temperierte Wärme beziehungsweise Temperaturunterschiede zur Erzeugung elektrischer Energie nutzbar machen soll.

Unser Geschäftsmodell ist klar B2B ausgerichtet. Wir wollen die Technologie gemeinsam mit Industriepartnern in konkrete Anwendungen integrieren und perspektivisch in großen Stückzahlen produzieren beziehungsweise über Technologie- und Lizenzmodelle skalieren.

Welches konkrete Problem löst HEIONTEC und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Milliarden Sensoren und andere kleine elektronische Geräte benötigen Energie. Gerade im Internet of Things bedeutet das heute häufig Batterien, Kabel, Wartung und regelmäßige Batteriewechsel.

HEIONTEC setzt genau dort an: Unsere Technologie soll kleinste elektrische Verbraucher aus vorhandener Wärme beziehungsweise Temperaturunterschieden versorgen können. Besonders interessant ist das für Sensorik und IoT-Anwendungen, die über viele Jahre möglichst wartungsarm funktionieren sollen.

Unser Ziel ist nicht, die Batterie überall zu ersetzen. Wir wollen sie dort überflüssig machen, wo geringe Leistungen benötigt werden und eine dauerhaft verfügbare Energiequelle einen entscheidenden Vorteil bietet.

Warum habt ihr euch für die Teilnahme an Die Höhle der Löwen entschieden und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Deep Tech hat ein grundsätzliches Kommunikationsproblem: Eine komplexe Technologie lässt sich nicht so einfach erklären wie ein Produkt, das man aus dem Supermarktregal kennt.

Genau deshalb fanden wir Die Höhle der Löwen spannend. Wir wollten zeigen, dass aus wissenschaftlicher Forschung eine Technologie entstehen kann, die für sehr viele Unternehmen und Anwendungen relevant werden könnte.

Für uns standen deshalb neben dem Thema Finanzierung vor allem Sichtbarkeit, Bekanntheit und die Herausforderung im Vordergrund, HEIONTEC und unsere Vision einem Millionenpublikum verständlich zu präsentieren.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe bei Die Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Bei einer Deep-Tech-Technologie wie HEIONTEC war für uns weniger ein einzelner Name entscheidend als die Frage, wer unsere langfristige Vision versteht und bereit ist, gemeinsam mit uns den Weg von einer technologischen Innovation in industrielle Anwendungen zu gehen.

Wir haben deshalb sehr genau darauf geschaut, welcher Löwe neben unternehmerischer Erfahrung auch Netzwerk, strategisches Verständnis und Begeisterung für eine außergewöhnliche Technologie mitbringt.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren bei Die Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Für uns sind industrielle Kontakte und strategische Partnerschaften besonders wertvoll. HEIONTEC ist kein klassisches Konsumprodukt, das möglichst schnell in ein Handelsregal gebracht werden muss. Unsere Technologie muss in Anwendungen und Produkte anderer Unternehmen integriert werden.

Deshalb sind Kontakte zu Industrieunternehmen, Technologiepartnern und potenziellen Kunden für uns mindestens ebenso interessant wie Kapital. Hinzu kommt die enorme kommunikative Reichweite der Löwen.

Welche nächsten Schritte sind für HEIONTEC nach eurem Auftritt bei Die Höhle der Löwen geplant und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Wir stehen vor dem wichtigen Schritt von der Technologieentwicklung in Richtung Industrialisierung und Markteinführung. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Millionen Euro in die Entwicklung von HEIONTEC investiert. Inzwischen haben wir eine weitere Kapitalrunde abgeschlossen, unser Team gezielt um wissenschaftliche und unternehmerische Kompetenz erweitert und mit der Gründung unserer US-Tochter den Grundstein für unsere internationale Expansion gelegt.

Parallel treiben wir die wissenschaftliche Einordnung und Validierung unserer Technologie weiter voran. An der Hochschule Düsseldorf hat Prof. Dr.-Ing. Jens Bockstette ein umfangreiches wissenschaftlich-technisches Skript zu thermo-elektrochemischen Generatorzellen erstellt, in dem die HEIONTEC-Zelle als konkretes Fallbeispiel behandelt wird. Das Skript wird inzwischen auch in der Lehre eingesetzt. Das Dokument behandelt unter anderem Aufbau, Zyklus, Energiebilanzen und Messmethoden der Technologie. TECG_Skript-Deutsch

Auch international präsentieren wir unsere Technologie im wissenschaftlich-technischen Umfeld. Beim PSMA International Workshop EnerHarv 2026 in Madrid wird HEIONTEC mit einem eigenen technischen Beitrag zur thermo-elektro-chemischen Energiegewinnung vertreten. 20260430-poster-draft-V07

Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Technologie weiter zu skalieren, Produktionsprozesse zu automatisieren und gemeinsam mit Industriepartnern konkrete Anwendungen auf dem Weg zur Serienreife zu entwickeln.

Auch die öffentliche Wahrnehmung von HEIONTEC nimmt deutlich zu. Nach einem Fernsehbeitrag des WDR wurde HEIONTEC 2026 Sieger des Überflieger-Wettbewerbs Schleswig-Holstein und ist für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft nominiert, in dessen Rahmen HEIONTEC auch von den Lübecker Nachrichten vorgestellt wird.

Im Frühjahr geht es für uns als Gewinner des Überflieger-Wettbewerbs ins Silicon Valley. Dort wollen wir die mit unserer US-Tochter bereits begonnene Expansion weiter vorantreiben, Kontakte zu Technologieunternehmen, Investoren und potenziellen Industriepartnern aufbauen und den nächsten Schritt unserer internationalen Entwicklung gehen.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Deep Tech braucht Ausdauer. Zwischen einer guten Idee, einem funktionierenden Prototyp und einer industriell skalierbaren Technologie liegen viele Entwicklungsschritte.

Eine unserer wichtigsten Erfahrungen ist deshalb, wissenschaftliche Neugier mit unternehmerischer Konsequenz zu verbinden. Man muss bereit sein, Ergebnisse immer wieder kritisch zu hinterfragen, Tests zu wiederholen und auch Rückschläge als Teil der Entwicklung zu akzeptieren.

Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig ein starkes Team ist. Eine Technologie wie HEIONTEC kann nicht von einer einzelnen Person entwickelt werden. Dafür braucht es unterschiedliche Kompetenzen aus Wissenschaft, Technik, Produktion und Unternehmertum.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen leiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Nicht zu früh aufgeben und gleichzeitig nie aufhören, die eigene Idee kritisch zu hinterfragen.

Gerade bei technologischen Innovationen hört man sehr oft, warum etwas angeblich nicht funktionieren kann. Das darf einen nicht davon abhalten, neue Wege auszuprobieren. Gleichzeitig muss man bereit sein, sich den schwierigsten Fragen zu stellen und die eigene Technologie immer wieder durch Daten, Messungen und unabhängige Untersuchungen zu überprüfen.

Und vielleicht am wichtigsten: Menschen suchen, die Fähigkeiten besitzen, die man selbst nicht hat. Gute Unternehmen entstehen selten durch Einzelkämpfer.

Welches spezifische Problem löst eure Technologie für Firmenkunden und wie messbar ist dieser Vorteil?

Für unsere Firmenkunden geht es vor allem darum, Sensoren und andere elektronische Kleinstverbraucher möglichst lange, wartungsarm und unabhängig mit Energie zu versorgen.

Wenn beispielsweise ein Sensor über Jahre an einer schwer zugänglichen Stelle betrieben wird, können Batteriewechsel einen erheblichen Teil der Gesamtkosten verursachen. Kabel wiederum schränken die Einsatzmöglichkeiten ein.

HEIONTEC soll vorhandene Wärme beziehungsweise Temperaturunterschiede direkt vor Ort nutzbar machen. Der Vorteil lässt sich daher sehr konkret messen: weniger Batteriewechsel, geringerer Wartungsaufwand, längere Einsatzdauer und neue Möglichkeiten für Sensorik an Orten, an denen eine klassische Stromversorgung schwierig oder unwirtschaftlich ist.

Genau dieses Einsatzgebiet wird auch in unserem technischen Beitrag für EnerHarv beschrieben: als mögliche Anwendungen werden unter anderem batterielose, durch Umgebungswärme versorgte IoT-/IIoT-Systeme und Smart-Building-Infrastruktur genannt. 20260430-poster-draft-V07

Wie sieht eure Strategie aus, um B2B-Kunden zu gewinnen, und welche Rolle spielt der Auftritt bei Die Höhle der Löwen für eure B2B-Markenbekanntheit?

Unsere Strategie basiert stark auf Kooperationen mit Industrieunternehmen. Wir sprechen gezielt mit Unternehmen aus den Bereichen Sensorik, Gebäudeautomation, IoT und weiteren Branchen, in denen kleine elektrische Verbraucher möglichst autark betrieben werden sollen.

Dabei wollen wir nicht einfach eine Technologie verkaufen, sondern gemeinsam mit Partnern konkrete Anwendungen entwickeln und zeigen, welchen wirtschaftlichen Nutzen HEIONTEC dort erzeugen kann.

Unsere internationale Vernetzung bauen wir ebenfalls gezielt aus. Dazu gehören unsere Aktivitäten innerhalb der Power Sources Manufacturers Association (PSMA), die Teilnahme an internationalen Fachveranstaltungen wie EnerHarv und der Aufbau unserer US-Aktivitäten.

Die Höhle der Löwen bietet uns zusätzlich etwas, das für ein junges Deep-Tech-Unternehmen nur schwer zu kaufen ist: enorme Bekanntheit in sehr kurzer Zeit. Auch Entscheider in Unternehmen sind Fernsehzuschauer. Wenn durch die Sendung aus einem erklärungsbedürftigen Technologienamen eine bekannte Marke wird, kann uns das bei Gesprächen mit Kunden, Industriepartnern, Mitarbeitern und Investoren erheblich helfen.

Sehen Sie HEIONTEC am 05. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Dr. Frank Schneider, Anton Ledwon, Waldemar Lewtschenko und Andreas Heine (v.li.), Gründer von HEIONTEC Bildcredits RTL

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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