Inhaltsverzeichnis
- Dieselbe Sprache, andere Bedeutung
- Drei Kommunikationsmuster, die fast immer für Reibung sorgen
- 1. Tempo: Wer als „schnell“ gilt – und wer als „nachlässig“
- 2. Feedback: Direkt oder eingebettet?
- 3. Entscheidungsstil: Konsens oder klare Ansage?
- Was sich verändert, sobald ihr das einmal aussprecht
- Drei Schritte, mit denen du heute anfangen kannst
- Generationen sind nicht das Problem
„Wir verstehen uns einfach nicht.“ – Diesen Satz hören wir in Beratungen mit gemischten Gründerteams beinahe jede Woche. Was als Generationenkonflikt erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen meist als etwas anderes: zwei unterschiedliche Kommunikationswelten, die im selben Slack-Channel aufeinandertreffen. Die gute Nachricht: Das lässt sich auflösen – wenn ihr wisst, wo ihr ansetzen müsst.
Dieselbe Sprache, andere Bedeutung
Eine Szene aus einem unserer Workshops: Ein 52-jähriger Mitgründer ist verärgert, weil seine 28-jährige Co-Founderin nicht auf seine Slack-Nachricht von Sonntagabend reagiert hat. Sie wiederum versteht nicht, warum er um 22 Uhr noch operative Themen schickt – „ist doch nicht dringend, sonst hätte er angerufen“. Beide haben recht. Und beide haben unrecht. Denn sie sprechen dieselbe Sprache mit unterschiedlichen Bedeutungen.
Für ihn ist Slack ein Werkzeug, das man asynchron bedient: „Lies, wenn du Zeit hast, antworte, wenn du kannst.“ Für sie ist Slack der Ort, an dem akute Dinge kurz geklärt werden – mit der unausgesprochenen Erwartung, dass das, was nicht akut ist, dort gar nicht erst landet. Wer in welchem Verständnis aufgewachsen ist, hat selten mit dem Geburtsjahr zu tun, aber sehr viel mit beruflicher Prägung.
Drei Kommunikationsmuster, die fast immer für Reibung sorgen
Aus über 30 Jahren Beratungs- und Trainingsarbeit kristallisieren sich drei Muster heraus, die in altersgemischten Gründerteams regelmäßig knirschen. Kein einziges davon hat mit „Generation“ zu tun. Alle drei haben mit unausgesprochenen Erwartungen zu tun.
1. Tempo: Wer als „schnell“ gilt – und wer als „nachlässig“
Schnelle Antworten gelten in jungen Teams oft als Engagement-Signal. Wer innerhalb von 30 Minuten zurückschreibt, zeigt: „Ich bin dran.“ Erfahrene Gründer lesen dasselbe Verhalten häufig anders – als Mangel an Tiefe, als reflexhafte Reaktion ohne durchdachtes Argument.
Beide haben einen Punkt. Was nicht hilft: jede Seite über die eigene Definition von „professionell“ belehren. Was hilft: einmal explizit verabreden, was bei euch eine sofortige Antwort erfordert (Kundenkrise, Pressanfrage, Investor) und was warten darf, bis jemand die Zeit für eine durchdachte Antwort hat.
2. Feedback: Direkt oder eingebettet?
Junge Teammitglieder erwarten von Feedback meistens, dass es eingebettet ist: zuerst, was gut läuft, dann der Verbesserungspunkt, am Ende ein Ausblick. Erfahrenere Gründer sind oft direkter sozialisiert: Sie kommen zum Punkt, weil sie davon ausgehen, dass jeder im Raum das aushält. Beides ist legitim. Beides erzeugt Verletzungen, wenn die andere Seite das eigene Muster als universellen Standard versteht.
Was hier hilft: nicht das Feedback ändern, sondern den Rahmen. Verabredet euch auf zwei klare Feedback-Settings – ein wöchentliches, in dem direkter Klartext erwartet wird, und ein monatliches, in dem Entwicklung und Anerkennung ihren Platz haben. So weiß jede, in welchem Modus gerade gesprochen wird.
3. Entscheidungsstil: Konsens oder klare Ansage?
Der dritte Klassiker: Wie wird im Team entschieden? Viele jüngere Gründer sind in Strukturen sozialisiert, in denen breit konsultiert wird, bevor eine Entscheidung fällt. Erfahrenere Mitgründer, vor allem mit Führungserfahrung aus etablierten Unternehmen, kennen das anders: Wer verantwortet, entscheidet – und holt sich gezielt Input, statt jede abzuholen.
Beide Stile funktionieren in unterschiedlichen Kontexten. Was nicht funktioniert: dass im selben Team unausgesprochen zwei Erwartungssysteme parallel laufen. Klärt einmal sauber, welche Entscheidungen wo getroffen werden – und vor allem, wer in welchem Format wirklich Stimme hat und wer informiert wird.
Was sich verändert, sobald ihr das einmal aussprecht
In unserer Beratungspraxis erleben wir immer wieder denselben Effekt: Sobald ein Team diese drei Muster einmal benennt – am besten in einem zweistündigen, moderierten Setting – verschwinden 70 bis 80 Prozent der „Generationenreibung“ innerhalb weniger Wochen. Nicht weil die Unterschiede weg sind, sondern weil sie aus dem Bereich der unausgesprochenen Erwartungen in den Bereich der verabredeten Spielregeln wandern.
Was bleibt, ist die produktive Reibung: die zwischen unterschiedlichen Erfahrungen, Risikoprofilen und Marktinstinkten. Genau die Reibung, wegen der ihr euch ursprünglich zusammengeschlossen habt.
Drei Schritte, mit denen du heute anfangen kannst
Inventur. Setzt euch zu zweit oder zu dritt hin und beschreibt eine konkrete Reibungssituation der letzten zwei Wochen. Nicht „der Konflikt mit Sven“, sondern: Welche Nachricht, welche Reaktion, welches Missverständnis?
Übersetzung. Ordnet die Situation einem der drei Muster zu: Tempo, Feedback, Entscheidung. In neun von zehn Fällen passt eines davon.
Spielregel. Formuliert eine einzige, konkrete Verabredung, mit der ihr ab morgen anders umgeht. Eine. Nicht zehn. Lieber klein und gehalten als groß und vergessen.
Generationen sind nicht das Problem
Gemischte Gründerteams sind keine Belastung. Sie sind ein Vorteil. Was sie für viele schwierig macht, ist nicht die Mischung selbst, sondern die unausgesprochenen Erwartungen, die wir mitbringen – und für selbstverständlich halten.
Wer diese Erwartungen einmal sauber auf den Tisch legt, gewinnt zweimal: weniger Konflikt im Alltag und ein Team, das sich genau dort ergänzt, wo es vorher gerieben hat.
Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir konkret darauf, was Gen Z und erfahrene Gründer tatsächlich voneinander lernen – jenseits der üblichen Klischees.
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























