Donnerstag, Juli 30, 2026
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Nomado24: KI-Plattform trennt echte Remote-Jobs von Hybrid-Mogeleien

Die innovative Stellenbörse Nomado24 prüft mithilfe künstlicher Intelligenz jedes Stellenangebot und schafft damit volle Transparenz für verlässliches Remote-Arbeiten auf einer zentralen Plattform

Können Sie Nomado24 kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Nomado24 ist eine Jobbörse für Remote-Arbeit. Die Idee kam aus mitbekommenem Frust von Freunden und Bekannten: Auf den meisten Portalen sind die Remote-Treffer voll mit Stellen, die gar nicht remote sind, weil dort nur nach dem Stichwort gefiltert wird. Man klickt sich durch Dutzende Anzeigen und findet im Kleingedruckten drei Präsenztage pro Woche. Wir wollten eine Börse, bei der man sich auf das Label verlassen kann. Bei uns liest deshalb ein KI-Modell jede einzelne Anzeige und stuft ein, wie ortsunabhängig die Stelle wirklich ist.

Wer steht hinter Nomado24, und welche eigenen Erfahrungen haben die Entwicklung der Plattform geprägt?

Hinter Nomado24 stehen wir zwei, Anton Petuchow und Lars Schreiner, beide aus Frankenthal. Lars studiert Sustainable Management an der HWG Ludwigshafen und hat die Idee aus seiner Erfahrung als Surflehrer mit vielen Kollegen, die außerhalb der Saison trotz Ausbildung unterqualifizierte Stellen auf Campingplätzen angenommen haben. Lars hat bereits durch Werkstudentenstellen Erfahrung im HR gesammelt. Ich habe an der WHU studiert und komme über Stationen bei BASF, Allianz und Kipu Quantum an Managementerfahrung und ein Netzwerk in der Startup-Welt. Wir haben selbst nach ortsunabhängiger Arbeit gesucht, weil wir Studium, Arbeit und Reisen verbinden wollten. Neben den Erfahrungen der oben genannten Freunde war diese Suche der Auslöser: Die Portale versprachen Remote und lieferten Hybrid. Dass wir beide aus der eigenen Nutzerperspektive kommen, prägt bis heute jede Produktentscheidung. Wir bauen zuerst das, was uns selbst gefehlt hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nomado24, und wie möchten Sie ortsunabhängiges Arbeiten langfristig weiterentwickeln?

Unsere Vision ist, dass niemand seinen Beruf nach dem Pendelweg aussuchen muss. Ortsunabhängige Arbeit ist heute vor allem ein Privileg gut vernetzter Menschen in wenigen Branchen. Wir wollen sie sichtbar und auffindbar machen, auch für Menschen im ländlichen Raum, für Eltern und für Quereinsteiger. Dazu gehört auch, ehrlich zu benennen, wo Remote nur behauptet wird. Langfristig soll Nomado24 der Ort sein, an dem man nicht nur den Job findet, sondern auch durch die einfache Buchung von Coworking-Spaces und den Zugang zu Gleichgesinnten sein Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann.

An welche Zielgruppen richtet sich Nomado24 hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer Plattform erfüllen?

Auf der einen Seite Menschen, die ortsunabhängig arbeiten wollen oder müssen: digitale Nomaden, Eltern, Pendler, Menschen im ländlichen Raum, Quereinsteiger und Leute, die einen Neben- oder Minijob von zu Hause suchen. Sie brauchen vor allem Verlässlichkeit, also die Sicherheit, dass eine als remote gekennzeichnete Stelle auch remote ist. Auf der anderen Seite Arbeitgeber, die ernsthaft Remote-Arbeit anbieten und im allgemeinen Rauschen untergehen. Für sie ist unsere Prüfung ein Vorteil, weil ehrliche Anzeigen sichtbarer werden.

Viele Remote-Jobbörsen bieten nur begrenzte Informationen zu Stellenangeboten. Wie schafft Nomado24 mehr Transparenz für Bewerber?

Wir lesen jede Anzeige maschinell und ziehen genau die Angaben heraus, die für ortsunabhängiges Arbeiten entscheidend sind: Wie viel Präsenz wird verlangt, aus welchen Ländern darf man arbeiten, welche Sprache wird erwartet und wird ein Gehalt genannt. Das führt zu unbequemen Ergebnissen, die wir trotzdem zeigen. In unserem eigenen Bestand waren 14,5 Prozent der als Remote gelisteten Stellen nach dem Urteil unseres Klassifikators nicht wirklich remote, das sind 356 von 2.459 geprüften Anzeigen. Nur jede vierzigste Anzeige nennt überhaupt ein Gehalt, und das sechs Wochen nach Ablauf der EU-Frist zur Entgelttransparenz. Solche Zahlen veröffentlichen wir, auch wenn sie unserem eigenen Bestand kein gutes Zeugnis ausstellen.

Was macht Nomado24 aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Plattformen für Remote Jobs?

Der Unterschied liegt in der Prüfung. Andere filtern nach dem Wort Remote, wir lassen jede Anzeige KI-gestützt lesen und einstufen. Das ist aufwendiger und langsamer, aber es ist der einzige Weg, bei dem am Ende wirklich drin ist, was draufsteht. Der Nebeneffekt ist, dass wir dadurch eigene Daten über den Markt haben und nicht nur Stellen weiterreichen.

Mit Ihrem KI-gestützten Karriereberater und der Kombination aus Jobbörse und Coworking-Suche verfolgen Sie einen ganzheitlichen Ansatz. Welche Vorteile bietet das Ihren Nutzern?

Weil bei ortsunabhängiger Arbeit der Job nur die halbe Frage ist. Die andere Hälfte ist: Wo arbeite ich, was kostet das Leben dort, was bleibt netto übrig und passt die Stelle überhaupt zu meinem Profil? Der KI-Karriereberater beantwortet Fragen zum eigenen Werdegang und hilft bei der Einordnung von Stellen, die Coworking-Suche und unsere Rechner für Gehalt und Lebenshaltungskosten decken den Rest ab. Für Nutzer heißt das, dass sie nicht zwischen fünf Diensten hin- und herspringen müssen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in einem Markt, in dem sich die Anforderungen an Remote Work und flexible Arbeitsmodelle ständig verändern?

Die größte Herausforderung ist die Knappheit auf der Angebotsseite. Viele Unternehmen holen ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro, und echte Remote-Stellen werden dadurch nicht mehr, sondern weniger. Die zweite Herausforderung ist Qualität: Wo Remote-Jobs gesucht werden, tauchen auch unseriöse Anzeigen auf, deshalb prüfen wir neue Arbeitgeber vor der Veröffentlichung. Und die dritte ist, dass sich die Sprache des Marktes ständig ändert. Was heute hybrid heißt, hieß vor zwei Jahren remote friendly. Ein Klassifikator, der Bedeutung liest statt Stichworte zu zählen, ist dagegen deutlich robuster als eine feste Filterliste.

Wie wichtig sind Informationen zu Sprache, Zeitzonen, Visa und Gehalt für die Nutzer Ihrer Plattform?

Sie sind der eigentliche Kern der Suche. Eine Stelle, die formal remote ist, aber Deutsch auf Muttersprachenniveau verlangt, ist für einen Teil unserer Nutzer nicht relevant. Eine Stelle, die Arbeit nur aus Deutschland erlaubt, ist für jemanden in Lissabon wertlos. Und wer mit einem Team in einer anderen Zeitzone zusammenarbeitet, muss vorher wissen, ob feste Kernzeiten verlangt werden. Genau solche Angaben ziehen wir aus den Anzeigen heraus und machen sie filterbar, damit niemand sie im Kleingedruckten suchen muss. Gehaltsangaben zeigen wir an, wo sie vorhanden sind, da ist der Markt insgesamt aber noch sehr zurückhaltend.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Nomado24 aktuell im Fokus?

Zwei Dinge. Erstens entwickeln wir unseren KI-Karriereberater weiter: Er soll nicht nur Fragen beantworten, sondern das eigene Profil laufend mit den geprüften Stellen abgleichen und konkrete nächste Schritte vorschlagen – vom passenden Job bis zum Feinschliff der Bewerbung. Zweitens bereiten wir eine Coworking-Partnerschaft mit einem der größten Anbieter weltweit vor. Wenn sie live ist, findet man über Nomado24 nicht nur den Remote-Job, sondern bucht auch gleich den Arbeitsplatz dazu.

Wo soll Nomado24 in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Remote Work und digitale Arbeitswelten einnehmen?

Wir wollen im deutschsprachigen Raum die Adresse sein, bei der man sich auf die Angabe Remote verlassen kann. Und darüber hinaus die Plattform, die ortsunabhängiges Arbeiten komplett abdeckt: der geprüfte Job, der buchbare Arbeitsplatz und die KI-gestützte Beratung, die beides zusammenbringt. Wenn jemand in ein paar Jahren ortsunabhängig arbeiten will, soll der erste Schritt ganz selbstverständlich über Nomado24 führen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform für die Arbeitswelt von morgen entwickeln möchten?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst habt. Wir hätten den Unterschied zwischen echtem und behauptetem Remote nie so genau verstanden, wenn wir nicht selbst wochenlang danach gesucht hätten. Zweitens: Messt euren eigenen Bestand ehrlich, auch wenn das Ergebnis unangenehm ist. Unsere unbequemste Zahl ist inzwischen unser stärkstes Argument. Drittens: Redet früh mit Leuten, die euch widersprechen. Das ehrlichste Feedback kam bei uns nicht von Fans, sondern von Menschen, die uns erklärt haben, warum unser Plan noch nicht trägt.

Bild: Anton Petuchow und Lars Schreiner Bildcredits Nomado24 UG (haftungsbeschränkt)

Wir bedanken uns bei Anton Petuchow und Lars Schreiner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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