Teloro will sich mit Voice AI im deutschen Markt etablieren und zeigt, wie KI die Telefonie von Unternehmen automatisieren und gleichzeitig persönlicher gestalten kann
Können Sie Teloro kurz vorstellen und erzählen, warum Sie sich mit 20 Jahren für eine Gründung im Voice AI Markt entschieden haben?
Ich bin Deniss Danilciks, 20 Jahre alt und BWL-Student an der Universität Mannheim. Vor Teloro haben wir mit unserer eigenen Agentur dutzende Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe bei Webdesign, Automatisierung, Server-Infrastruktur und Telefonanlagen unterstützt.
Dabei haben wir immer wieder dasselbe Problem gesehen: Unternehmen investieren viel in neue Anfragen, verlieren aber einen Teil davon am Telefon und verbrennen damit Ihre Umsätze. Gerade in Stoßzeiten oder außerhalb der Öffnungszeiten fehlt schlicht die Kapazität.
Mit Voice AI beschäftigen wir uns deshalb schon länger. Im Mai 2025 haben wir mit der Entwicklung begonnen und rund um das Thema hunderte Gespräche mit Unternehmen geführt. Seit Februar 2026 haben wir zahlende Kunden, inzwischen im dreistelligen Bereich. Für uns war das also weniger eine Entscheidung für einen aktuellen KI-Trend als die logische Antwort auf ein Problem, das wir vorher schon bei unseren Kunden gesehen hatten.
Wer steht hinter Teloro, und welche Erfahrungen bringt das Team in den Aufbau des Unternehmens ein?
Wir sind aktuell fünf Leute und kommen aus BWL, Wirtschaftsinformatik, Jura und Artificial Intelligence. Im Team ergänzen wir uns dann bei Entwicklung, KI, Infrastruktur und rechtlichen Themen. Ich selbst bringe vor allem unternehmerische Erfahrung und die vorherige Zusammenarbeit mit vielen unserer heutigen Zielbranchen ein.
Diese Mischung passt erstaunlich gut zu Voice AI. Man braucht nicht nur technische Kompetenz, sondern muss Unternehmensprozesse verstehen, Datenschutz sauber umsetzen, Integrationen bauen und gleichzeitig ein Produkt entwickeln, das ein Mitarbeiter ohne technisches Studium bedienen kann.
Der Voice AI Markt wächst schnell und erste Wettbewerber verfügen über Millionenfinanzierungen. Warum sehen Sie trotzdem Raum für einen neuen Anbieter?
Weil wir es bei unseren Kunden sehen. Zu Teloro kommen nicht nur Unternehmen, die zum ersten Mal Voice AI einsetzen, sondern auch Kunden, die vorher bereits andere Lösungen getestet oder genutzt haben und dabei einen Bot statt einer KI bekommen haben, die wie ein Mensch telefoniert.
Der Markt ist noch lange nicht entschieden. Eine große Finanzierungsrunde macht noch keinen guten Telefonassistenten, das zeigt unser Hauptmitbewerber, der bereits nach Märkten außerhalb Europas greift, obwohl die KI immernoch 2 Sekunden zum Antworten braucht und Fragen doppelt stellt. Gerade am Telefon fallen Qualitätsunterschiede schnell auf und so erfreuen wir uns vieler wechselnder Kunden.
Unser Anspruch ist, dass die KI nicht nur menschlich klingt, sondern logisch handelt. Sie behält den Gesprächskontext, stellt bereits beantwortete Fragen nicht noch einmal und reagiert darauf, wenn ein Anrufer seine Aussage verändert.
Dazu kommt persönliche Umsetzung. Unsere Kunden können uns erreichen und Abläufe sehr individuell mit uns aufsetzen. Dass dafür Nachfrage besteht, sehen wir an Neukunden und Wechselkunden. Wer die Gesprächsqualität beurteilen möchte, kann unsere KI übrigens direkt auf unserer Website ausprobieren.
Welche Vision verfolgen Sie mit Teloro, und welche Rolle möchten Sie langfristig im Markt für KI Telefonie einnehmen?
Wir wollen Teloro zu einem der führenden Voice AI Anbieter in Deutschland aufbauen.
Dabei möchten wir unsere Expertise nicht verwässern, indem wir plötzlich jede beliebige KI-Software anbieten. Sprache und Telefonie bleiben unser Kern. Aktuell konzentrieren wir uns stark auf Inbound und setzen Outbound dort ein, wo es sinnvoll ist.
Wenn ein Kunde für einen guten Telefonprozess aber eine zusätzliche Integration oder ein ergänzendes Tool benötigt, bauen wir das natürlich. Wir wollen spezialisiert sein, aber nicht starr.
Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe haben sehr unterschiedliche Anforderungen. Wie stark muss sich ein KI Telefonassistent an einzelne Branchen anpassen?
Sehr stark. Eine Kanzlei führt andere Gespräche als eine Arztpraxis oder ein Handwerksbetrieb. Deshalb reicht es nicht, bei demselben Standardagenten nur den Begrüßungssatz auszutauschen. Wir standardisieren die technische Basis, passen aber Gesprächslogik, Weiterleitungen, Datenfelder, Integrationen und nachgelagerte Prozesse individuell an.
Wir integrieren unter anderem Microsoft 365 und Outlook, Kalender, CRM- und ERP-Systeme, RA-MICRO oder beispielsweise Afterbuy. Wenn ein relevantes System keine passende offene Schnittstelle besitzt, suchen wir auch individuelle Integrationswege.
Trotzdem muss die Umsetzung effizient bleiben. Unser Ziel ist nicht, für jeden Kunden ein komplett neues Softwareprojekt zu starten, sondern die Vorteile eines skalierbaren Produkts mit der notwendigen Individualisierung zu verbinden.
Was kann Teloro besser oder anders machen als große, branchenübergreifend arbeitende Anbieter?
Vor allem die Gesprächslogik.
Wenn ein Anrufer bereits erklärt hat, worum es geht, darf die KI ihn später nicht noch einmal danach fragen. Wenn jemand eine Angabe korrigiert, muss die KI den neuen Kontext übernehmen. Und eine Weiterleitung sollte nicht einfach blind ausgelöst werden, sondern nur dann, wenn sie in der konkreten Situation sinnvoll ist.
Technisch nutzen wir je nach Anwendungsfall sowohl moderne Realtime-Modelle als auch modularere Spracharchitekturen. Uns interessiert nicht, welche Architektur auf einer Präsentation moderner wirkt. Entscheidend ist, was beim echten Telefonat besser funktioniert. Und unsere Kunden können mit uns sprechen. Gerade bei geschäftskritischer Telefonie halten wir persönlichen Support für sehr wichtig.
Wie entscheiden Sie, welche Technologie Sie selbst entwickeln und wo bestehende KI Lösungen die bessere Wahl sind?
Wir entwickeln die Teile selbst, bei denen daraus ein echter Produktvorteil entsteht: Orchestrierung, Gesprächslogik, Integrationen, Routing, Dashboard und individuelle Schnittstellen.
Bei Basistechnologien greifen wir auf die jeweils besten verfügbaren Komponenten zurück. Es wäre wenig sinnvoll, nur für das Etikett „alles selbst entwickelt“ ein eigenes großes Sprachmodell zu bauen.
Entscheidend ist für uns nicht, möglichst viel Code selbst geschrieben zu haben, sondern die Teile zu kontrollieren, die für Qualität und Zuverlässigkeit unseres Produkts wichtig sind.
Voice AI entwickelt sich rasant. Besteht die Gefahr, dass KI Telefonie schon bald zur austauschbaren Standardtechnologie wird?
Die einfache künstliche Stimme wird definitiv austauschbarer. Einen beeindruckenden Demo-Agenten kann man heute relativ schnell bauen.
Bei einem System, dem ein Unternehmen wirklich seine Telefonie anvertraut, kommen aber ganz andere Themen dazu: Gesprächslogik, Datenschutz, AV-Verträge, Integrationen, Weiterleitungen, Speicherfristen, Verfügbarkeit und der Umgang mit unerwarteten Situationen.
Bei Teloro können beispielsweise Speicherfristen individuell festgelegt werden. Wir hosten zentrale Systeme bei Hetzner in Nürnberg, nutzen Telefonienabieter in der EU und können je nach eingesetzter Modellarchitektur auch mit Zero Data Retention arbeiten.
Die Basistechnologie wird standardisierter. Ein gutes Unternehmensprodukt deshalb noch lange nicht.
Welche Produktvorteile können in einem Markt langfristig bestehen, in dem sich die technologische Basis ständig weiterentwickelt?
Vor allem die Dinge, die näher am Kundenproblem als am zugrunde liegenden KI-Modell liegen.
Gesprächslogik, Integrationen, Branchenwissen, Datenschutz und zuverlässige Prozesse entstehen nicht automatisch dadurch, dass das nächste Modell besser wird.
Für uns ist besonders wichtig, dass die KI nicht nur spricht, sondern handelt. Sie kann Termine koordinieren, Informationen in andere Systeme übergeben, Prozesse auslösen oder abhängig vom Gespräch die richtige Person einbinden.
Ein Kunde hat uns beispielsweise zurückgemeldet, dass die Mitarbeiter am Empfang durch die First-Level-Unterstützung der KI insgesamt rund 80 Prozent mehr Anfragen bearbeiten konnten. Die KI übernimmt dort vor allem die einfachen, wiederkehrenden Vorgänge und ist gleichzeitig rund um die Uhr erreichbar. Genau solche Effekte sind für uns wichtiger als ein weiterer Prozentpunkt in irgendeinem technischen Benchmark.
Welche Herausforderungen bringt es mit sich, als sehr junger Gründer gegen deutlich größere und finanzstärkere Wettbewerber anzutreten?
Mehr Kapital ist natürlich ein Vorteil. Große Unternehmen können schneller Teams aufbauen und deutlich mehr Geld für Vertrieb und Bekanntheit ausgeben.
Wir können dafür schneller reagieren. Wenn ein Kunde ein echtes Problem nennt, muss es bei uns nicht erst durch mehrere Abteilungen und Meetings laufen.
Wir sind nah am Kunden und nah an der Technik. Das zwingt uns auch dazu, Probleme wirklich zu verstehen, statt einfach Funktionen von Wettbewerbern nachzubauen. Gerade in einem jungen Markt kann das ein großer Vorteil sein.
Wie soll sich Teloro in den kommenden Jahren entwickeln, und welche Branchen bieten aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?
Wir wollen Teloro zunächst in Deutschland sehr stark machen und uns langfristig als einer der führenden Anbieter für Voice AI etablieren.
Heute arbeiten wir bereits mit Kanzleien, Praxen, Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und größeren B2B-Szenarien bis hin zu Callcenter-Anwendungen.
Besonders interessant sind Branchen, in denen Telefonie täglich ein echter Engpass ist. Das kann die kleine Praxis sein, bei der während einer Behandlung niemand rangehen kann, genauso wie ein größeres Unternehmen mit hohem Anrufvolumen.
Unsere Zahl zahlender Kunden hat sich in einzelnen Monaten bereits ungefähr verdoppelt. Solche Wachstumsraten zeigen uns ziemlich deutlich, dass der Bedarf vorhanden ist und wo die Konkurrenz scheitert.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen jungen Gründerinnen und Gründern geben, die bewusst in einen bereits stark umkämpften Technologiemarkt einsteigen möchten?
Erstens: Sehr viel mit Kunden reden. Wir haben hunderte Gespräche geführt. Dabei merkt man schnell, dass das Problem, das man sich am Schreibtisch vorstellt, nicht unbedingt das ist, für dessen Lösung jemand tatsächlich bezahlt.
Zweitens: Nicht einfach Wettbewerber kopieren und auf den Linkedin thought leadeship Zug aufsteigen. Interessanter ist die Frage, was deren Kunden vermissen und welche Probleme bislang niemand wirklich gut löst.
Drittens: Einfach anfangen. Man kann sehr viel Zeit damit verbringen, Startup zu spielen. Am Ende muss jemand das Produkt kaufen und damit zufrieden sein.
Wir verbringen lieber eine Woche mit einem echten Kundenproblem als eine Woche damit, nach außen wie besonders aktive Gründer auszusehen.
Fotograf Sam Newman
Wir bedanken uns bei Deniss Danilciks für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: Teloro

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Ansprechpartner: Deniss Danilciks















