Freitag, Oktober 16, 2026
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Sammlerobjekte im Depot: Wie Collectible Invst Sachwerte als Wertpapier nutzbar macht

Collectible Invst macht Sammlerobjekte über ein depotfähiges Wertpapier für Anleger zugänglich und bündelt dafür verschiedene Sammlermärkte in einem Portfolio.

Malte, stell dich und Collectible Invst bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, Sammlerobjekte als eigenständige Anlageklasse zugänglich zu machen?

Ich bin Malte Häusler, CEO und Co-Founder von Timeless Investments in Berlin. Davor war ich gut 20 Jahre in der Managementberatung, bei Zalando und in E-Commerce- und Finance-Führungsrollen. Die Idee kam über Umwege aus unserer ersten Gründungsidee, einem Marktplatz für besondere Fahrzeuge mit lückenlosem digitalen Nachweis. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass diese Sammler-Märkte über Jahrzehnte stabile Wertentwicklungen gezeigt haben. Trotzdem war der Zugang fast nur Insidern mit viel Kapital und Expertise vorbehalten. Mit Timeless haben wir das geändert: Über 80.000 Kunden investieren bei uns digital und in Bruchteilen. Collectible Invst ist der nächste Schritt. Es ist ein depotfähiges Wertpapier, das Sammlerobjekte dorthin bringt, wo professionelles Vermögen verwaltet wird: ins Wertpapierdepot.

Mit Collectible Invst wollt ihr einen Markt verändern, der bisher stark von Sammlern und Liebhabern geprägt ist. Welche Lücke habt ihr darin erkannt?

Sammlermärkte sind riesig, aber für Anleger strukturell verschlossen. Drei Hürden sind entscheidend: hohe Einstiegssummen, fehlende Expertise und kein geregelter Zugang. Ein Vermögensverwalter kann für seine Kunden keine Rolex oder keinen Premium Fahrzeug wie Porsche oder Ferrari ins Depot legen. Genau hier fehlte ein Produkt mit drei Eigenschaften: zugänglich, depotfähig und breit gestreut. Ein Instrument, das sich in bestehende Prozesse von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices einfügt, statt eine neue App oder Plattform zu verlangen. Diese Brücke zwischen der Welt der Sammler und der Welt der Kapitalanlage bauen wir.

Ihr habt ein Wertpapier entwickelt, das Investments in sechs verschiedene Sammlermärkte bündelt. Wie funktioniert dieses Modell und welche Vorteile soll es Anlegern bieten?

Collectible Invst ist eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit ISIN und WKN. Emittentin ist unsere Zweckgesellschaft NH Collectible 1 GmbH. Das eingesammelte Kapital fließt in ein Portfolio aus sechs Sammlermärkten: Luxusuhren, Kunst, Spirituosen, Automobile, Edelsteine und einzigartige Memorabilien. Für Anleger hat das drei Vorteile:

  • Streuung: kein Einzelobjekt-Risiko, sondern ein Korb über mehrere Märkte mit unterschiedlichen Zyklen.
  • Einfachheit: Zeichnung und Verwahrung erfolgen wie bei jedem anderen Wertpapier, über das eigene Depot.
  • Expertise: Auswahl, Ankauf, Lagerung, Versicherung und Verkauf übernehmen wir. Dafür greifen wir auf die Erfahrung aus über 45 Mio. Euro tokenisiertem Volumen zurück.

Kunst, Luxusuhren, Oldtimer und Pokémon-Karten unterscheiden sich erheblich. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Märkte und Objekte für ein Investment infrage kommen?

Wir investieren nicht nach Bauchgefühl, sondern nach klaren Kriterien. Auf Marktebene schauen wir auf folgende Punkte:

  • Gibt es eine globale, liquide Nachfrage?
  • Gibt es verlässliche Preisdaten aus Auktionen und dem Sekundärmarkt?
  • Ist die Knappheit und der Objektzustand nachweisbar und dokumentiert?

Auf Objektebene zählen Provenienz, Zustand, Authentizität, Seltenheit und Exit-Fähigkeit. Bevor ein Objekt ins Portfolio kommt, durchläuft es unser Asset Review Council. Dort bewerten interne und externe Experten jedes Asset. Die Märkte unterscheiden sich stark, aber die Logik dahinter ist dieselbe: Wir kaufen nur, was wir auch wieder verkaufen können.

Bei Collectible Invst setzt ihr auf Künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen. Wie helfen euch diese Technologien dabei, den Wert einzelner Sammlerobjekte einzuschätzen?

Sammlermärkte erzeugen enorme Datenmengen, aber sie sind fragmentiert. Wir haben Auktionsergebnisse, Händlerpreise, Sekundärmarkt-Transaktionen und Nachfragesignale. Datenbasierte Modelle helfen uns, diese Daten zusammenzuführen, Preistrends früh zu erkennen und Ausreißer zu identifizieren. So sehen wir zum Beispiel, wann eine Uhrenreferenz im Vergleich zu ihrer Historie günstig bewertet ist. KI ersetzt dabei nicht den Experten, sie macht ihn schneller und präziser. Wir haben wir ein datengestützes analytisches Tool mit aktuell mehr als 30 Datenquellen (und vor allem auch unsere eigenen Daten aus der aufgebauten Expertise von mehr als 1.000 Sourcings seit 2021). Die finale Entscheidung für ein neues Asset auf der Plattform trifft natürlich immer ein Mensch.

Anders als bei Aktien gibt es für viele Sammlerobjekte keine einheitlichen Marktpreise. Wie geht ihr mit fehlender Transparenz und schwer vergleichbaren Bewertungen um?

Wir gehen das Problem offen an. Sammlerobjekte haben keinen täglichen Börsenkurs, und das sollte man auch nicht vortäuschen. Wir arbeiten deshalb mit drei Mitteln:

  • Breite Datenbasis: Vergleichstransaktionen aus mehreren Quellen statt eines einzelnen Preisanker.
  • Unabhängige Expertise: Bewertungen und Echtheitsprüfungen durch Spezialisten und Partner aus dem Auktionswesen.
  • Konservative Annahmen: lieber vorsichtig bewerten als Erwartungen schüren, die der Markt nicht erfüllt.

Transparenz heißt für uns auch, klar zu kommunizieren, wie wir bewerten und wo die Grenzen dieser Bewertung liegen.

Welche Anleger möchtet ihr mit Collectible Invst erreichen und wie erklärt ihr ihnen die besonderen Chancen und Risiken dieser Anlageklasse?

Unsere Zielgruppe sind zum einen Vermögensverwalter, Banken und institutionelle Investoren, die ihren Kunden echte Diversifikation jenseits von Aktien und Anleihen bieten wollen. Zum anderen erreichen wir Privatanleger, die Sammlerobjekte spannend finden, aber kein Einzelrisiko eingehen wollen. Bei der Kommunikation ist uns Ehrlichkeit wichtig. Die Chance liegt in einer Anlageklasse mit eigener Dynamik und geringer Korrelation zu klassischen Märkten. Die Risiken benennen wir genauso deutlich: Es handelt sich um ein Nachrangprodukt, ein Totalverlust ist möglich, die Liquidität ist begrenzt und Wertentwicklungen sind nicht garantiert. Das steht klar im Basisinformationsblatt, und das sage ich auch persönlich jedem, der mit mir spricht.

Was unterscheidet euer Geschäftsmodell von klassischen Investmentprodukten und dem direkten Kauf einzelner Sammlerobjekte?

Gegenüber klassischen Produkten bieten wir Zugang zu einer Anlageklasse, die in keinem Aktien-ETF und keinem Mischfonds vorkommt. Gegenüber dem Direktkauf ist der Unterschied noch größer. Wer selbst eine Patek Philippe kauft, braucht sechsstelliges Kapital, Expertise gegen Fälschungen, Lagerung, Versicherung und einen Plan für den Verkauf. Und er trägt das volle Risiko eines einzelnen Objekts. Bei uns zeichnet man ein Wertpapier, ist breit gestreut und gibt die operative Komplexität ab. Auch gegenüber tokenisierten Angeboten, unser eigenes Timeless eingeschlossen, gibt es einen Unterschied: Collectible Invst funktioniert im Depot, also genau dort, wo professionelles Geld liegt.

Ein Wertpapier auf Basis unterschiedlicher Sammlermärkte bringt besondere regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen mit sich. Welche Herausforderungen musstet ihr bei der Entwicklung bewältigen?

Ein Wertpapier auf Sachwertbasis zu strukturieren heißt, sich gleichzeitig mit Kapitalmarktrecht, Steuern und operativen Fragen auseinanderzusetzen. Wir haben dafür eine eigene Zweckgesellschaft gegründet und die Anleihe depotfähig aufgesetzt. Bei Versicherung, Verwahrung und Dokumentation hat jedes Detail Gewicht. Dazu kommt ein regulatorisches Umfeld, das sich laufend bewegt: Die Aufsichtspraxis verändert sich, und wir passen uns an. Unser Vorteil ist, dass wir mit Timeless schon heute nach der MiCAR-reguliert sind und unter einem Haftungsdach arbeiten. Regulierung ist für uns kein Hindernis, sondern Teil des Produkts.

Alternative Investments werden häufig mit hohen Renditechancen verbunden. Welche Risiken werden aus deiner Sicht unterschätzt, insbesondere bei Liquidität und Wertentwicklung?

An erster Stelle steht die Liquidität. Sammlerobjekte lassen sich nicht per Klick verkaufen. Ein guter Exit braucht Zeit und den richtigen Moment. Wer jederzeit an sein Geld muss, ist hier falsch. Zweitens die Bewertung: Ein Preis existiert erst, wenn jemand ihn bezahlt. Zwischenbewertungen sind Schätzungen, keine Kurse. Drittens die Zyklen. Auch Sammlermärkte haben Übertreibungen, das hat man bei Uhren und Trading Cards in den letzten Jahren deutlich gesehen. Und viertens die Konzentration: Wer alles auf ein Objekt oder einen Hype setzt, spekuliert, statt zu investieren. Genau deshalb setzen wir auf Streuung, Disziplin beim Einkauf und einen langen Anlagehorizont.

Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit Collectible Invst und welche weiteren Entwicklungen oder Anlagebereiche könnten künftig interessant werden?

Unsere Vision ist, Sammlerobjekte als selbstverständliche Beimischung in jedem gut diversifizierten Portfolio zu etablieren, so wie Immobilien oder Gold heute. Collectible Invst 1 ist der Anfang einer Serie. Denkbar sind weitere Emissionen mit eigenen Schwerpunkten, etwa auf einzelne Märkte oder Risikoprofile. Bei neuen Anlagebereichen beobachten wir sehr genau, wo sich Nachfrage, Datenlage und Knappheit verbinden. Dazu gehören Mineralien, Memorabilia aus Sport und Musik und Raritäten mit globaler Sammlerbasis. Parallel bauen wir die Distribution über Banken, Broker und Vermögensverwalter aus, denn das Produkt muss dort hin, wo die Anleger sind.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die einen traditionellen Markt mit einem innovativen Finanzprodukt verändern möchten?

  1. Regulierung früh mitdenken. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wer sie als Erster beherrscht, hat einen Burggraben.
  2. Den Markt lieben, aber verstehe deine Zahlen. Leidenschaft für das Produkt ist dein Antrieb. Disziplin bei der Bewertung entscheidet über das Vertrauen deiner Anleger.
  3. Dort hingehen, wo deine Kunden schon sind. Innovation muss sich in bestehende Gewohnheiten einfügen. Für uns heißt das: ins Depot, nicht nur in eine neue App.

Bildcredits Collectible Invst

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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