Dienstag, Oktober 20, 2026
StartInterviewsWachstum ohne Blitzscaling: Wie das Massage-Startup NEW SOUL städteübergreifend skaliert

Wachstum ohne Blitzscaling: Wie das Massage-Startup NEW SOUL städteübergreifend skaliert

NEW SOUL setzt auf regelmäßige Massagen, wirtschaftlich rentable Studios und nachhaltiges Wachstum und hat innerhalb von weniger als drei Jahren bereits 21 Standorte in zehn deutschen Städten aufgebaut.

NEW SOUL ist in weniger als drei Jahren auf 21 Standorte in zehn deutschen Städten gewachsen. Was waren die entscheidenden Faktoren für diese Entwicklung?

Wir haben von Anfang an nicht einfach Massagestudios eröffnet, sondern ein skalierbares Geschäftsmodell entwickelt. Vier Faktoren waren entscheidend: ein begeisterndes Kundenerlebnis, konsequente Standardisierung, wirtschaftlich funktionierende Standorte und der beste Arbeitgeber im Markt zu sein. Wir sind ein Team, das jeden Tag daran arbeitet, Massagen für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Unser Wachstum ist das Ergebnis eines funktionierenden Modells und einer breiten Community.

Ihr verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als viele schnell wachsende Startups. Warum setzt ihr auf funktionierende Unit Economics statt auf klassisches Blitzscaling?

Wachstum ist kein Geschäftsmodell. Wir glauben nicht daran, dauerhaft Geld zu verbrennen, um Marktanteile zu kaufen. Jeder neue NEW SOUL Standort muss wirtschaftlich funktionieren und einen positiven Beitrag zum Unternehmen leisten. Erst wenn das Modell bewiesen ist, skalieren wir. Das klingt weniger spektakulär als klassisches Blitzscaling, ist langfristig aber wesentlich nachhaltiger und die bisherige Entwicklung gibt uns recht.

Neue Studios sollen bereits nach rund drei Monaten cashpositiv sein. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit dieses Modell funktioniert?

Die Wirtschaftlichkeit eines Massagestudios entscheidet sich bereits vor der Eröffnung. Wir analysieren Einzugsgebiet, Nachfrage, Standortkosten und Personalverfügbarkeit sehr genau. Gleichzeitig haben wir die Einrichtung, Prozesse, Buchungssysteme und Personalplanung weitgehend in unserem eigenen Tech-System standardisiert. So können neue Studios schnell starten, effizient arbeiten und nach rund drei Monaten cashpositiv werden.

Mit NEW SOUL wollt ihr Massagen von einer gelegentlichen Dienstleistung zu einer festen Routine machen. Wie verändert ihr dafür das Verhalten eurer Kunden?

Fitnessstudios haben Sport zur Routine gemacht. Wir wollen dasselbe mit Massagen und Regeneration schaffen. Dafür muss eine professionelle Massage einfach buchbar, bezahlbar und jederzeit in den Alltag integrierbar sein. Unsere Memberships ermöglichen regelmäßige Behandlungen zu attraktiven Konditionen. Wir wollen, dass Menschen nicht erst eine Massage buchen, wenn der Rücken schmerzt, sondern Regeneration selbstverständlich in ihren Alltag integrieren.

Ein Großteil eurer Mitglieder hatte zuvor keine regelmäßigen Massagen. Was habt ihr daraus über eure Zielgruppe und das Marktpotenzial gelernt?

Dass ein Großteil unserer Mitglieder vorher keine regelmäßigen Massagen hatten, zeigt uns, wie groß das unerschlossene Potenzial ist. Viele Menschen wollen etwas für ihr Wohlbefinden tun, brauchen dafür aber ein unkompliziertes, qualitativ hochwertiges und bezahlbares Angebot. Genau diese Lücke schließen wir.

Der Massagemarkt ist stark fragmentiert und von kleineren Anbietern geprägt. Was unterscheidet NEW SOUL von klassischen Massagestudios?

Wir verbinden die persönliche Qualität einer professionellen Massage mit der Verlässlichkeit einer modernen Service-Marke. Einheitliche Qualitätsstandards, digitalisierte Prozesse, Memberships und ein wachsendes Netzwerk an Standorten machen den Unterschied. Gleichzeitig investieren wir konsequent in unsere Therapeuten, ihre Weiterbildung und gute Arbeitsbedingungen. Denn am Ende entscheidet nicht die Technologie über eine gute Massage, sondern der Mensch.

Ihr habt ein eigenes Betriebssystem für eure Studios entwickelt. Welche Probleme löst die Technologie und warum setzt ihr auf eine eigene Software?

Ein Massagestudio zu betreiben ist einfach. Hunderte Massagestudios mit gleichbleibender Qualität zu betreiben, ist hochkomplex. Deshalb haben wir unser eigenes, KI-gestütztes Betriebssystem entwickelt. Es verbindet Buchungen, Personalplanung, Kundenmanagement und operative Abläufe. Das reduziert administrative Arbeit, verbessert die Auslastung und ermöglicht unseren Teams, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: unsere Kunden.

Ein stationäres Geschäftsmodell bringt hohe Anforderungen an Personal, Standorte und Qualität mit sich. Wo liegen für euch die größten Herausforderungen bei der Expansion?

Unsere größte Herausforderung ist nicht, neue Studios zu eröffnen, sondern mit jedem neuen Studio unsere Qualität zu halten. Dafür brauchen wir die richtigen Standorte, hervorragende Therapeuten und belastbare Prozesse. Besonders wichtig ist uns die Professionalisierung des Berufs: mit bezahlter Weiterbildung, planbaren Arbeitszeiten und echten Karriereperspektiven. Langfristig gewinnen wir nur, wenn Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen begeistert sind.

Für 2026 erwartet ihr einen zweistelligen Millionen-Umsatz. Wie gelingt es euch, Wachstum und Profitabilität miteinander zu verbinden, ohne bei der Servicequalität Kompromisse einzugehen?

Profitabilität und Qualität sind für uns kein Widerspruch, sondern bedingen einander. Zufriedene Kunden kommen wieder, empfehlen uns weiter und werden langfristige Mitglieder. Wir haben seit Gründung eine enorm hohe Kundenzufriedenheit und behalten diese auch in Zeiten des ständigen Wachstums stabil oben. Gleichzeitig erreichen unsere Studios nach rund drei Monaten einen positiven operativen Cashflow und verdienen ihre Ausbaukosten ebenfalls zügig zurück. Das zeigt, dass Qualität und wirtschaftlicher Erfolg zusammen funktionieren.

Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit NEW SOUL und wie soll sich das Unternehmen in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickeln?

New Soul wird die führende Wellbeing-Marke Europas! Unsere Vision ist, dass regelmäßige Massagen und professionelle Regeneration genauso selbstverständlich werden wie der Besuch im Fitnessstudio. Dafür wollen wir unser Netzwerk in Deutschland weiter ausbauen und anschließend in weitere europäische Märkte expandieren. Unser langfristiges Ziel sind knapp viele hundert Studios in Europa in den kommenden 10 Jahren.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die ein stationäres Geschäftsmodell aufbauen und nachhaltig skalieren möchten?

Erstens: Verliebt euch nicht in Wachstum, sondern in eure Unit Economics. Ein Standort muss funktionieren, bevor ihr den nächsten eröffnet.

Zweitens: Standardisiert alles, was nicht unmittelbar zum Kundenerlebnis beiträgt. Gute Prozesse schaffen die Freiheit, sich auf Qualität zu konzentrieren.

Drittens: Investiert in eure Mitarbeiter. Gerade bei stationären Serviceunternehmen entsteht der entscheidende Wettbewerbsvorteil durch die Menschen, die jeden Tag mit den Kunden arbeiten.

Bildcredits NEW SOUL

Wir bedanken uns bei Philipp Desgranges für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!