Cygrid verlässt den Stealth-Modus mit 2,66 Mio. € und will Sicherheitsverletzungen durch digitale Identitäten verhindern
Auf einen Menschen kommen 79 KI-Agenten. Das Berliner Start-up startet eine Plattform zur Identitätsdurchsetzung, die den Zugriff auf vertrauliche Informationen kontrolliert.
Das Berliner Unternehmen Cygrid hat in einer Pre-Seed-Runde 2,66 Mio. € von Atlantic und D11Z.Ventures (Schwarz Group) erhalten. Gegründet wurde es von Cyber-Veteranen des israelischen Militärgeheimdienstes und von Palo Alto Networks. Die Plattform zur Identitätsdurchsetzung ist bereits im Produktivbetrieb.
Cygrid hat eine einheitliche Plattform entwickelt, die die Identitäten von Menschen, Maschinen und KI-Agenten miteinander verknüpft. Sie setzt in Beziehung, wozu jede Identität berechtigt ist, was sie tatsächlich tut und in wessen Auftrag sie handelt. Mithilfe KI-gestützter Verhaltens- und Kontextanalysen schützt sie vertrauliche Unternehmensdaten vor unerwünschtem Zugriff durch Menschen, Maschinen und KI-Agenten.
Ihre KI und Ihre Agenten haben die Schlüssel zu Ihren Unternehmensdaten
Für die meisten Unternehmen besteht die realistische Cyberbedrohung nicht darin, dass ein Frontier-Modell aus den USA aus seiner Entwicklungsumgebung ausbricht. Sie geht vielmehr von KI-Agenten aus, die Mitarbeiter bereits nutzen und autorisiert haben. Auf einen Menschen kommen 109 Maschinenidentitäten, davon 79 KI-Agenten (Palo Alto Networks, 2026). Schon ein einzelner Agent, den ein Mitarbeiter autorisiert hat, stellt ein Sicherheitsrisiko dar.
Diese Agenten arbeiten mit Zugangsdaten, die ihnen rechtmäßig zugewiesen wurden. Deshalb lösen die meisten Systeme keinen Alarm aus, wenn ein Agent kompromittiert wurde oder böswillig handelt. Laut dem Global Threat Report 2026 von CrowdStrike kam bei 82 % der Detektionen überhaupt keine Malware zum Einsatz. Angreifer nutzen einfach eine Identität, der bereits vertraut wird: ein geleaktes Token oder einen gehackten Agentenanbieter.
- Klue, Juni 2026. Mit alten Zugangsdaten gelangten Angreifer in die Salesforce-Umgebungen von Klue und griffen in großem Umfang Kundendaten ab.
- Vercel, April 2026. Ein einzelner Mitarbeiter hatte eine KI-App mit seinem Google-Konto verbunden. Die App wurde gehackt, und die Angreifer erhielten Zugriff auf einige interne Systeme des Unternehmens.
- Meta, März 2026. Ein interner KI-Agent beantwortete die Frage eines Mitarbeiters und machte dabei Unternehmens- und Nutzerdaten für Ingenieure sichtbar, die dafür keine Berechtigung hatten. Meta stufte den Vorfall als „Sev 1“ ein.
Früher lag die Cyberbedrohung in den Händen des Unternehmens. Mit KI-Agenten ist nun die Abhängigkeit von Drittanbietern hinzugekommen. Solche tokenbasierten Integrationen von KI-Agenten schaffen „direkte, oft unkontrollierte Interaktionen zwischen Drittanbieterdiensten und den sensiblen internen Ressourcen von Unternehmen“, warnte Patrick Opet, CISO von JPMorgan Chase, in einem offenen Brief an die Lieferanten der Bank.
Zwar bieten große Anbieter wie Microsoft, Okta und AWS inzwischen Plattformen für das Identitätsmanagement an, doch beschränken sie sich auf ihr jeweiliges Ökosystem. Integrationen von Drittanbietern, von Metabase bis Shopify, liegen außerhalb ihres Geltungsbereichs. Zudem gewähren diese Lösungen den Zugriff bei der Anmeldung. Danach kann ein KI-Agent mit Zugriff eine Kundendatenbank exportieren, ohne dass der Identitätsanbieter Alarm schlägt.
„Die Zugriffskontrolle sagt Ihnen, wer sich anmelden darf. Sie sagt nichts darüber aus, was eine Identität anschließend tut. Jede Identität in einem Unternehmen kann handeln, und sobald ein Token gültig ist, kann keine Kontrolle im Sicherheits-Stack die Aktion mehr stoppen. Cygrid ist die Plattform, die genau das tut: Sie entscheidet, was jede Identität tun darf, und setzt das durch, bevor irgendetwas ausgeführt wird. Mit dieser Finanzierung können wir diesen Ansatz skalieren und Unternehmen helfen, von reaktiver Identitätssicherheit zu kontinuierlicher Durchsetzung in Echtzeit zu kommen. So können sie KI-Agenten mit voller Geschwindigkeit einsetzen, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren, was diese Agenten tun dürfen.“
Dmitry Kharchenko, CEO und Gründer von Cygrid
Jeder KI-Agent ist eine Identität. Cygrid setzt ihm Grenzen
Um die Kontrolle zurückzugewinnen, bietet Cygrid eine Lösung für den gesamten Lebenszyklus, die Identitäten von Menschen, Maschinen und KI-Agenten in einem einzigen Graphen abbildet. Sie greift zu drei Zeitpunkten. Bevor ein Agent, eine App oder eine Integration Zugriff erhält, wird die Anfrage erfasst und bewertet, einschließlich ihres Kontexts, ihres Verhaltens und des Auftraggebers. Während der Agent arbeitet, prüft die Plattform jede Aktion und kann sie blockieren oder einschränken. Nachdem der Zugriff gewährt wurde, überwacht sie das Verhalten des Agenten und schreitet ein, wenn er etwas außerhalb seines zulässigen Rahmens versucht. Ein vergessenes Token wird innerhalb von Sekunden widerrufen, und ein riskanter Befehl eines KI-Agenten wird blockiert, bevor er überhaupt ausgeführt wird.
„Cygrid hat uns gezeigt, was jede Identität tatsächlich tun kann, und stoppt nun, was nicht passieren darf. So setzen wir KI in der Praxis sicher ein.“
Olga Khorkova, CTO und Mitglied des Boards bei Barfer’s
Neun Monate nach der Gründung betreut Cygrid 19 Designpartner aus den Bereichen Fintech, E-Commerce und SaaS, sechs davon bereits im Produktivbetrieb.
Ein Berliner D2C-Unternehmen hat Cygrid an seine Kernsysteme angebunden. Dabei entdeckte Cygrid KI-Agenten und Apps, von deren Anbindung das Sicherheitsteam nichts wusste, sowie riskante Zugriffe über menschliche, maschinelle und KI-Identitäten hinweg. Cygrid automatisierte Erkennung, Risikoanalyse und Bereinigung und half dem Team, mehr als 100 riskante Befunde zu beseitigen. Außerdem zeigte sich, dass das Unternehmen über sein Marketing- und sein Finanzteam Claude Zugriff auf sensible Daten in Metabase, Shopify und weiteren Systemen gegeben hatte.
Wenn ein Mitarbeiter Claude nutzte, beobachtete Cygrid die Tool-Aufrufe, die Claude an Unternehmenssysteme richtet, nicht den Prompt selbst. Cygrid verarbeitet ausschließlich sicherheitsrelevante Daten: welche Identität, welches System, welche Aktion und welche Entscheidung. Weil Cygrid die Anfragen des Agenten prüfte, konnte das Unternehmen dessen Zugriff einschränken und unerwünschte Aktionen wie den Export vollständiger Kundendatensätze blockieren.
Gegründet von Cyber-Experten, die Identitätsmanagement im großen Maßstab betrieben haben
Die Gründer Dmitry Kharchenko (CEO) und Dekel Paz (Chief Security Architect) waren beide im israelischen Militärgeheimdienst tätig. Danach war Dmitry CTO bei bonify (von der SCHUFA übernommen), CTO und CDO bei Friendsurance (von Cover Genius übernommen) und Tech Leader bei Firelayers (von Proofpoint übernommen). Dekel leitete Teams bei Zero Networks, Novartis und LightCyber (von Palo Alto Networks übernommen).
„Dmitry und Dekel sind erfahrene Gründer, die fundierte Cybersicherheitserfahrung mit einem echten Verständnis dafür verbinden, was Unternehmen brauchen: Sicherheit, die unzulässige Aktionen stoppt, ohne das Geschäft zu verlangsamen. KI-Agenten erweitern die Angriffsfläche bei Identitäten schneller, als jede Kontrolle mithalten kann. Nur eine intelligenzgetriebene Durchsetzung skaliert. Der Zeitpunkt für Cygrid könnte nicht besser sein.“
Marc-Olivier Lücke, General Partner bei Atlantic
Dmitry Kharchenko, CEO: war in der Cyber-Einheit des israelischen Militärgeheimdienstes tätig und arbeitete dort an Netzwerksicherheit und Verschlüsselung. Seriengründer mit drei Exits, jeweils in der Rolle des CTO. Ausgezeichnet als CTO Craft 100 (2025), World’s Top CIOs/CTOs (2024) und Top FinTech CTOs (2021).
Dekel Paz, Chief Security Architect: war in der Einheit 81 des israelischen Militärgeheimdienstes tätig und arbeitete dort an Netzwerk- und IT-Sicherheit. Er leitet seit mehr als 15 Jahren Red und Blue Teams. Forscher bei Zero Networks, Entwickler der Open-Source-Tools BlueHound und WireHound.
Eine Milliarde neuer KI-Mitarbeiter ohne Aufsicht
Jensen Huang, CEO von Nvidia, sagte auf der CES 2025: „Die IT-Abteilung jedes Unternehmens wird in Zukunft die Personalabteilung für KI-Agenten sein.“ Laut dem Cyber-Pulse-Bericht von Microsoft (März 2026) setzen bereits mehr als 80 % der Fortune-500-Unternehmen KI-Agenten ein, und 29 % der Mitarbeiter haben Agenten ohne Genehmigung des Unternehmens genutzt.
Europäische Unternehmen sind bei Frontier-Modellen und Agenten auf die USA angewiesen, und auch beim Schutz vor genau den Cyberbedrohungen, die von diesen Agenten ausgehen. Cygrid mit Sitz in Berlin ist die europäische Alternative: in Europa entwickelt, mit europäischen Investoren, für den europäischen Mittelstand. Mit der Finanzierung will das Unternehmen die Durchsetzungsfunktionen der Plattform ausbauen, das Team vergrößern und den Markteintritt in ganz Europa vorantreiben.
Bildcredits Cygrid
Quelle Lukas Jaworski















