Dienstag, August 11, 2026
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amsight: KI-Qualitätsmanagement im 3D-Druck

Qualitätsnachweise in der additiven Fertigung sind oft in unübersichtlichen Ordnern und Excel-Tabellen verstreut. Die Gründer von amsight erklären, wie ihre Software alle relevanten Prozess- und Materialdaten verbindet, um den industriellen 3D-Druck lückenlos nachvollziehbar und serienreif zu machen.

Können Sie amsight kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

amsight entwickelt Software für das Qualitätsmanagement in der industriellen additiven Fertigung, also im professionellen 3D-Druck von Bauteilen. Vereinfacht gesagt, helfen wir Unternehmen dabei, alle qualitätsrelevanten Daten rund um ein Bauteil sauber zu dokumentieren und dadurch datenbasiert die Qualität nachweisbar zu machen.

Die Idee entstand aus einer sehr praktischen Beobachtung, die wir während unserer langjährigen Tätigkeit am Fraunhofer IAPT gesammelt haben: In der additiven Fertigung entstehen unglaublich viele Daten – Maschinendaten, Pulverdaten, Prüfberichte, CT-Scans, Freigaben und Prozessparameter. In vielen Unternehmen liegen diese Informationen aber in unterschiedlichen Systemen, Excel-Listen, PDFs oder Ordnerstrukturen. Spätestens wenn ein Audit, eine Kundenanfrage oder eine Fehleranalyse ansteht, beginnt dann die Suche.

Wir wollten eine Lösung schaffen, die diese Qualitätsnachweise nicht erst im Nachhinein zusammensucht, sondern während der Produktion strukturiert aufbaut. An dieser Stelle kommt amsight ins Spiel: als digitale Qualitätsbasis für additive Fertigung, mit Rückverfolgbarkeit auf Bauteilebene und auditfähiger Dokumentation.

Wer steht hinter amsight, und welche Erfahrungen aus der additiven Fertigung und Softwareentwicklung haben die Entstehung Ihres Unternehmens geprägt?

Gegründet wurde amsight von Tim Wischeropp, Peter Lindecke, Raoul Tietgen und Simon Schauß. Zusammen bringen wir langjährige praktische Erfahrung aus dem industriellen 3D-Druck (durch Tim und Peter) sowie aus der professionellen Softwareentwicklung (durch Raoul und Simon) mit. Diese Kombination war wichtig, weil amsight nicht als reine Softwareidee entstanden ist, sondern aus realen Problemen in der industriellen Fertigung.

Welche Vision verfolgen Sie mit amsight, und wie möchten Sie das Qualitätsmanagement in der additiven Fertigung langfristig verändern?

Unsere Vision ist, dass Qualitätsmanagement in der additiven Fertigung nicht mehr als nachgelagerte Dokumentationsaufgabe verstanden wird. Qualität sollte während des gesamten Produktionsprozesses digital mitlaufen.

Langfristig soll amsight dazu beitragen, additive Fertigung serienreifer und besser kontrollierbar zu machen. Denn für industrielle Anwendungen reicht es nicht, ein einzelnes gutes Bauteil zu fertigen. Unternehmen müssen nachweisen können, warum ein Bauteil gut ist und ob der Prozess stabil genug ist, um viele gute Bauteile wiederholbar herzustellen.

An welche Zielgruppen richtet sich amsight hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie mit Ihrer Software lösen?

amsight richtet sich vor allem an Unternehmen, die additive Fertigung industriell einsetzen, insbesondere Fertigungsdienstleister für regulierte Branchen wie Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung oder Halbleiterindustrie. Viele von ihnen kämpfen mit manueller Dokumentation und hohem Aufwand bei Rückverfolgbarkeit, Audits und Fehleranalysen. Mit amsight verbinden die relevanten Daten vom Ausgangsmaterial bis zum geprüften Bauteil und machen daraus strukturierte, nutzbare Daten.

Viele Unternehmen arbeiten noch mit unterschiedlichen Systemen und manueller Dokumentation. Wie hilft amsight dabei, mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu schaffen?

Der erste Schritt ist, die relevanten Informationen miteinander zu verbinden. In der additiven Fertigung reicht es nicht zu wissen, dass ein Bauteil geprüft wurde. Man muss auch wissen: Welches Pulver wurde verwendet? Auf welcher Maschine wurde es gebaut? Mit welchen Parametern? In welchem Build Job? Welche Nachbearbeitung hat stattgefunden? Welche Prüfergebnisse gehören genau zu diesem Teil?

amsight verknüpft diese Informationen auf Bauteilebene. Dadurch entsteht eine durchgängige Rückverfolgbarkeit, die nicht erst im Audit aufwendig rekonstruiert werden muss. Für Unternehmen bedeutet das weniger Suchen, weniger manuelle Nachweisführung und eine deutlich bessere Grundlage für Entscheidungen. Wenn ein Problem auftritt, kann man gezielter analysieren und den Prozess datenbasiert optimieren, damit der Fehler nicht wieder auftritt.

Was macht amsight aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Lösungen für Qualitätsmanagement und Prozessüberwachung in der additiven Fertigung?

amsight ist bewusst nicht als generisches Tool gedacht, dass alle Funktionen von Einkauf, über Produktionssteuerung und Ressourcenplanung abdeckt. Wir fokussieren uns auf das Qualitätsmanagement im industriellen 3D- Druck – also darauf, wie Pulver-, Prozess-, Nachbearbeitungs- und Prüfdaten so verbunden werden, dass daraus belastbare Qualitätsnachweise entstehen.

Ves gibt viele Systeme, die Daten speichern. Das ist zwar wichtig, aber noch nicht genug. Entscheidend ist, ob die Daten auch im richtigen Zusammenhang stehen. Ein CT-Bericht, ein Pulverzeugnis oder ein Maschinenlog bringt wenig, wenn später niemand schnell nachvollziehen kann, zu welchem Bauteil, welchem Auftrag oder welchem Prozessschritt es gehört.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Digitalisierung hochkomplexer Fertigungsprozesse und wie gehen Sie damit um?

Die größte Herausforderung ist, dass additive Fertigung sehr datenreich, aber oft nicht einheitlich strukturiert ist – unter anderem auch deshalb, weil Standards fehlen. Das bedeutet, dass unterschiedliche Maschinen, unterschiedliche Dateiformate, verschiedene Prüfmethoden, manuelle Prozessschritte und kundenspezifische Anforderungen zusammenkommen und harmonisiert werden müssen.

Bei der Implementierung versuchen wir nicht, die Fertigung eines Unternehmens komplett neu zu erfinden. Stattdessen schauen wir uns an, welche Daten bereits vorhanden sind, welche Nachweise wirklich gebraucht werden und wo die größten manuellen Aufwände entstehen.

Die vollständige Rückverfolgbarkeit von Pulver-, Prozess- und Prüfdaten ist ein zentrales Merkmal Ihrer Lösung. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Ihre Kunden?

Der größte Vorteil ist das Vertrauen in den eigenen Prozess. Wenn alle relevanten Daten miteinander verbunden sind, können Unternehmen schneller nachweisen, wie ein Bauteil entstanden ist und ob es die geforderten Qualitätskriterien erfüllt.

Das hilft unter anderem bei Audits, bei Kundenfreigaben, bei internen Qualitätsentscheidungen und bei der Ursachenanalyse, wenn etwas nicht wie erwartet läuft. Statt Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzusuchen, können Teams gezielt auf die vollständige Bauteilhistorie zugreifen.

Ein weiterer Vorteil ist die langfristige Prozessverbesserung. Rückverfolgbarkeit zeigt zunächst, was passiert ist. Wenn diese Daten systematisch auswertbar sind, entsteht daraus die Grundlage, Prozesse stabiler zu machen, Abweichungen früher zu erkennen und Qualitätsentscheidungen stärker datenbasiert zu treffen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Innovationen stehen bei amsight aktuell im Fokus?

Aktuell liegt unser Fokus darauf, die Nutzung von Qualitätsdaten noch einfacher und wirkungsvoller zu machen. Dazu gehören bessere Auswertungsmöglichkeiten, stärkere Unterstützung für auditfähige Reports und Funktionen, die Unternehmen bei der Bewertung von Prozessstabilität helfen, unter anderem mittels statistischer Prozesskontrolle – kurz SPC.

Ein wichtiges Thema ist außerdem die Integration in bestehende IT-Landschaften. Viele Unternehmen haben bereits MES-, ERP-, QMS- oder Maschinensysteme im Einsatz. amsight soll diese Systeme nicht ersetzen, sondern die qualitätsrelevanten AM-Daten sinnvoll verbinden. Aufgrund fehlender Standards ist jede Integration heute noch ein individuelles Projekt. Durch die Mitentwicklung von Standards wollen wir das vereinfachen.

Wo soll amsight in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie für die industrielle Serienfertigung im 3D-Druck einnehmen?

Wir möchten, dass amsight zu einer zentralen digitalen Qualitätslösung für industrielle additive Fertigung wird. Wenn Unternehmen AM-Bauteile in Serie fertigen, brauchen sie nicht nur produktive Maschinen, sondern auch belastbare Prozesse und nachvollziehbare Qualitätsdaten.

Langfristig soll amsight für AM-Teams der Standard für Qualitätsmanagement in der industriellen additiven Fertigung sein und Unternehmen dabei helfen, ihre Prozesse kontinuierlich und datenbasiert zu optimieren.

Sie nehmen am GS1 Germany Accelerator butterfly & elephant teil. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Programm, und wie unterstützt es die Weiterentwicklung von amsight?

Ende 2025 haben wir uns bewusst für eine strategische Partnerschaft mit butterfly & elephant entschieden. Wir sehen in GS1 Germany einen starken Partner, mit dem wir Standards bezüglich Bauteilidentifikation und Rückverfolgbarkeit im industriellen 3D-Druck nicht nur entwickeln, sondern auch im Markt verbreiten können. Zusätzlich profitieren wir sehr von dem starken Netzwerk von GS1 Germany mit Zugang zu potenziellen Kunden, Partnern und möglichen zukünftigen Investoren.

Gab es durch die Zusammenarbeit mit butterfly & elephant bereits neue Impulse, Partnerschaften oder Erkenntnisse, die Ihr Unternehmen vorangebracht haben?

Ja, einige. Gerade beim Thema Entwicklung der genannten Standards, aber auch durch Kontakte zu Entwicklungspartnern und potenziellen Kunden. Besonders im Bereich der Verteidigungsindustrie gibt es aktuell einen großen Bedarf an Lösungen, die wir gemeinsam mit GS1 Germany anbieten können.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein technologiegetriebenes Unternehmen im industriellen Umfeld aufbauen möchten?

Erstens: Startet beim echten Problem, nicht bei der Technologie. Gerade im industriellen Umfeld gibt es viele spannende technische Möglichkeiten. Entscheidend ist aber, ob sie ein Problem lösen, für das Unternehmen wirklich Zeit und Geld aufbringen.

Zweitens: Sprecht früh mit den Menschen, die später täglich mit der Lösung arbeiten sollen und versucht diese eng in die Entwicklung eines ersten Prototyps einzubeziehen. Dadurch sieht man sehr schnell, ob eine Idee in der Praxis funktioniert und fokussiert sich auf die wirklich relevanten Features eines Produktes oder Angebots.

Drittens: Unterschätzt Vertrauen nicht, denn Industrieunternehmen kaufen keine Vision allein. Sie müssen verstehen, dass eine Lösung zuverlässig ist und langfristig Bestand hat. Deshalb sind Vertrauen und ein gutes Verständnis für industrielle Realität mindestens genauso wichtig wie die Technologie selbst.

Bildcredits amsight

Wir bedanken uns bei Tim Wischeropp für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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