Energiewende, StartUps und Erneuerbare Energien stehen im Fokus des dehub Lübeck und treiben die Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme aktiv voran.
Wie positioniert sich der de:hub Lübeck – Renewable Energy innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle spielt der Hub für die Energiewende in Schleswig-Holstein?
Als einziger de:hub Schleswig-Holsteins und zugleich als einziger Hub im deutschen de:hub Netzwerk mit dem Themenschwerpunkt Erneuerbare Energien nimmt der de:hub Lübeck – Renewable Energy eine besondere Rolle ein. Mit dem StartUp-Accelerator GATEWAY49, getragen vom Technikzentrum Lübeck (TZL), bietet der Hub ein zentrales Programm für junge Unternehmen, die innovative Lösungen für die Energiewende entwickeln.
Gleichzeitig verfolgt der Hub einen kooperativen, landesweiten Ansatz: Durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand in ganz Schleswig-Holstein entsteht ein starkes Innovationsökosystem für Energietechnologien. Im engen Austausch mit benachbarten de:hubs etwa in Hamburg oder Rostock werden zusätzliche Kompetenzen gebündelt und Netzwerke erweitert.
Der Hub adressiert die Energiewende im Sinne eines Umsetzungs- und Beschleunigungsprogramms: Der GATEWAY49-Accelerator bringt StartUps, etablierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Investoren zusammen, um Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Energiewende voranzubringen. Dazu gehören unter anderem Lösungen in den Bereichen Windenergie, intelligente Netze, E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Wasserstofftechnologien, Solarenergie sowie datengetriebene Energiesysteme. Seit 2025 ergänzt daher ein Excellence Track das GATEWAY49-Programm. Dieser richtet sich an bis zu fünf fortgeschrittene nationale und internationale StartUps im Bereich erneuerbare Energien und unterstützt sie gezielt bei Skalierung, Pilotprojektentwicklung und Finanzierung, um besonders vielversprechende Technologien schneller in den Markt zu bringen.
Aufgrund seiner geografischen Nähe zu Dänemark sowie zum Ostseeraum verfügt das TZL außerdem über hervorragende Voraussetzungen für internationale Kooperationen. Zahlreiche Internationalisierungsprojekte am Technikzentrum Lübeck mit der Baltic Sea Region ermöglichen es StartUps im GATEWAY49-Programm, ihre Geschäftsmodelle frühzeitig über Schleswig-Holstein hinaus zu skalieren und Märkte im baltischen Raum zu erschließen.
Schleswig-Holstein gilt als Spitzenregion für Erneuerbare Energien. Welche Standortvorteile machen die Region besonders attraktiv für innovative Energie-Startups und Unternehmen?
Schleswig-Holstein bietet für innovative Energie-Startups außergewöhnlich starke Standortvorteile. Das Land deckt bilanziell schon heute nahezu 200 Prozent seines eigenen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien und ist damit bundesweit Spitzenreiter. Der größte Anteil entfällt dabei mit rund zwei Dritteln und rund 8,7 Gigawatt installierte Leistung auf die Windenergie sowohl an Land als auch auf See. Gleichzeitig treibt das Land den Ausbau weiterer regenerativer Quellen konsequent voran, insbesondere von Photovoltaik sowie der Biomassenutzung im ländlichen Raum.
Diese hohe EE-Durchdringung macht das Land zu einem realen Testfeld für die zentralen Fragen der Energiewende von Netzengpässen über Flexibilitätsoptionen bis hin zu Speicher- und Wasserstofflösungen. Gleichzeitig entsteht durch diese Überproduktion ein enormer Innovationsdruck: Strom muss intelligent verteilt, gespeichert oder in andere Energieträger, etwa Wasserstoff umgewandelt werden. Genau hier finden Startups konkrete Anwendungsfälle und Pilotpartner. Hinzu kommt ein eng verzahntes Ökosystem aus Stadtwerken, Netzbetreibern, Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Wege zwischen Idee, Pilotprojekt und Markteinführung sind vergleichsweise kurz. Schleswig-Holstein ist damit nicht nur ein bedeutender Erzeugungsstandort für grüne Energie, sondern ein Praxislabor für das Energiesystem der Zukunft.
Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub Lübeck – Renewable Energy? Warum sind diese Themen entscheidend für den nachhaltigen Umbau des Energiesystems?
Im Fokus des de:hub Renewable Energy stehen technologische Lösungen in den Bereichen Windenergie, intelligente Netze, Energiespeichersysteme, E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Smart Grids, Wasserstofftechnologien, Solarenergie, flexibles Last- und Energiemanagement sowie datengetriebene Energiesysteme. Ein anschauliches Beispiel ist das Verbundprojekt „AI Power Match“, das aus den drei GATEWAY49 Alumni Teams EnergieDock, NAECO Blue und IO-Dynamics zusammen mit den Stadtwerken Lübeck hervorgegangen ist. Die daraus entstehenden Business Cases sorgen nicht nur für eine umweltfreundlichere und sichere Energieversorgung, sondern schaffen auch finanziellen Mehrwert für alle Stakeholder, vom Energieversorger über den Netzbetreiber bis hin zum Endkunden.
Die beteiligten Startups vereinen Innovations- und Digitalisierungskompetenz und sind über GATEWAY49 zusammengekommen: EnergieDock bietet mit ihrer Handelsplattform NEMO.spot eine innovative Lösung zur Aggregation von Flexibilität, IO-Dynamics bietet mit IO-ELON einen effizienten Zugriff auf die Steuerung von Flottenladungen und NAECO Blue schafft mit künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten der Vorhersagen und Prognosen für das Stromnetz der Zukunft. Zusammen mit den Stadtwerken Lübeck können so neuartige Geschäftsprozess untersucht und etabliert werden.
Wie unterstützt der Hub Startups bei der Entwicklung, Erprobung und Skalierung von Lösungen im Bereich erneuerbare Energien?
Seit 2025 gibt es begleitend zum GATEWAY49-Programm einen Excellence Track für bis zu fünf fortgeschrittene nationale wie internationale StartUps aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, der sie gezielt bei der Skalierung, Pilotprojektierung und Finanzierung unterstützt. Im Rahmen der de:hub Initiative bekommen diese StartUps Zugang zum bundesweiten Netzwerk, zu Investoren und Risikokapital und auch zu (internationalen) Networking-Events und Messen. Unsere letztjährigen Teams elementarhy (Wasserstoff), CCS42 (Dekarbonisierung), ADC (Windkraft) und SDK (digitale Plattform) konnten im Rahmen des Excellence Track Programms an wichtigen Pitch-Events teilnehmen und ihre Geschäftsmodelle durch gezieltes 1:1-Coaching weiter schärfen und entwickeln.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit etablierten Energieunternehmen, Netzbetreibern und Industriepartnern im Hub-Ökosystem?
Wir bieten unseren Teams Zugang zu unserem Partnernetzwerk, das aus unterstützenden Unternehmen, aber auch Verbänden, Vereinen und Clusterorganisationen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien bestehen. Die enge Kooperation mit Energieunternehmen, Netzbetreibern und Industriepartnern ist ein zentraler Baustein des Hub-Ansatzes. Denn innovative Energielösungen lassen sich nur dann realistisch bewerten und weiterentwickeln, wenn sie unter echten Markt- und Netzbedingungen erprobt werden. Genau hier setzt GATEWAY49 an: Der Hub vermittelt Startups gezielt den Zugang zu Industriepartnern und Pilotkunden und verweist auf bereits laufende Pilotkooperationen etwa mit Stadtwerken. Im Bereich Erneuerbare Energien sind dies unter anderem ARGE NETZ, die Stadtwerke Lübeck, die Stadtwerke Neumünster sowie Clusterorganisationen wie EE.SH, EE.HH oder EKSH. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch weitere regionale Innovationsakteure, die gemeinsam daran arbeiten, neue Lösungen schneller in die praktische Anwendung zu bringen.
Wie werden Forschungseinrichtungen und Hochschulen in die Arbeit des de:hub Lübeck eingebunden? Wie gelingt der Transfer von Forschung in marktfähige Energielösungen?
Wir arbeiten eng mit Hochschulen in Schleswig-Holstein zusammen, unter anderem mit Einrichtungen in Lübeck, Flensburg, Heide und Wedel. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse und technologische Entwicklungen frühzeitig mit unternehmerischem Denken zu verbinden. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Kooperation mit Initiativen wie dem Gründungskontor und dem GründerCube der Lübecker Hochschulen. Dort werden gründungsinteressierte Studierende und Forschende bereits auf dem Campus an das Thema Entrepreneurship herangeführt. In kompakten Seminarprogrammen erwerben sie grundlegende Kenntnisse zur Unternehmensgründung. Die Gewinner des Gründungskontors erhalten eine Wildcard, um vor der GATEWAY49 Jury zu pitchen und sich für eine Aufnahme ins Programm zu bewerben.
Welche Bedeutung haben Digitalisierung, Datenanalyse und KI für die Optimierung von Energieerzeugung, Netzen und Speichern im Hub-Kontext?
Digitalisierung ist im Kontext von GATEWAY49 und dem de:hub Renewable Energy kein ergänzendes Element, sondern grundlegendes Prinzip. Daten- und softwarebasierte Lösungen bilden die Basis für präzise Prognosen, eine effiziente Betriebsführung, die intelligente Steuerung von Flexibilitäten sowie die Optimierung von Netzen. So entwickelt beispielsweise ein GATEWAY49 Alumni-Team KI-basierte Einspeiseprognosen für erneuerbare Energien NAECO Blue und schafft damit die Voraussetzung für mehr Planungssicherheit im Netzbetrieb. Im Excellence Track Renewable Energy arbeiten Teams an Lösungen zur systemübergreifenden Datenintegration, um Energiesysteme automatisiert zu steuern, sowie an spezialisierten Datenplattformen für Energieversorgungsunternehmen und Verteilnetzbetreiber.
Wie fördert der de:hub Lübeck Investitionen und Partnerschaften, um Innovationen im Bereich Renewable Energy schneller in die Umsetzung zu bringen?
Der de:hub Lübeck – Renewable Energy versteht sich vor allem als Vernetzer und Türöffner zwischen StartUps, Industrie, Investoren und relevanten Organisationen. Ein zentraler Ansatz ist dabei, junge Unternehmen mit etablierten Energieunternehmen, Netzbetreibern, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Akteuren in Kontakt zu bringen. Über Formate wie Pitch-Events, Netzwerkveranstaltungen und gezielte Matchmaking-Termine schaffen wir Gelegenheiten, bei denen StartUps ihre Technologien präsentieren und potenzielle Partner oder Investoren gewinnen können. Insbesondere die GATEWAY49 Cluster Days zu führenden Branchenthemen Schleswig-Holsteins wie der Clusterday Erneuerbare Energien fördern den Austausch und schaffen so gezielt neue Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten.
Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – für Startups, Unternehmen und den Fortschritt der Energiewende in der Region?
Wir erheben jährlich Kennzahlen, anhand derer wir den Erfolg messen. Beispielsweise, wie viele neue Mitarbeiter:innen unsere StartUps an Bord geholt haben, in welcher Höhe sie Funding eingeworben haben oder wie viele neue Kooperationen sie mit unserem Partnernetzwerk eingegangen sind.
Welche Ziele verfolgt der de:hub Lübeck – Renewable Energy in den kommenden Jahren, um den technologischen Fortschritt im Bereich nachhaltiger Energie weiter zu beschleunigen?
In den kommenden Jahren möchten wir vor allem unsere Rolle als Vernetzer und Beschleunigungsprogrammn für Innovationen im Bereich erneuerbare Energien weiter stärken. Durch aktives Vernetzen der Akteure landes- wie bundesweit möchten wir in den kommenden Jahren noch mehr Pilotprojektierungen zwischen StartUps und etablierten Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien initiieren und realisieren, damit innovative Technologien schneller den Weg aus der Entwicklung in die praktische Anwendung finden. Außerdem möchten wir durch einen Ausbau unseres Venture-Clienting-Programms das Angebot für Supporter zielgerichtet erweitern. Für unsere Supporter und Industriepartner bedeutet das einen direkten Zugang zu neuen Technologien etwa durch StartUp Scouting und Matchmaking-Formate, während StartUps wertvolle Praxiserfahrungen und Referenzprojekte gewinnen können. Unser langfristiges Ziel ist es, Schleswig-Holstein als starken Innovationsstandort für nachhaltige Energietechnologien zu positionieren.
Bildrechte: de:hub Lübeck
Wir bedanken uns für das Interview
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