Freitag, Oktober 16, 2026
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Zehn Jahre Die Höhle der Löwen: Carsten Maschmeyer über Exits, Erfolge und seine Investment-Strategie

Im exklusiven Interview spricht Investor Carsten Maschmeyer über zehn Jahre Höhle der Löwen und verrät, was einen erfolgreichen Gründer ausmacht.

Herr Maschmeyer, Sie sind seit 2016 Teil von „Die Höhle der Löwen“. Wenn Sie heute auf zehn Jahre zurückblicken: Was hat diese Zeit mit Ihnen persönlich als Investor gemacht?

Carsten Maschmeyer: Durch die Höhle habe ich Gründer, Produkte und ganze Branchen kennengelernt, mit denen ich sonst wahrscheinlich nie in Berührung gekommen wäre. Man kann noch so viel Investmenterfahrung haben, am Ende überraschen einen die Gründerinnen und Gründer immer wieder mit fantastischen Ideen und Lösungen für alltägliche Probleme.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag und daran, mit welchen Erwartungen Sie damals in „Die Höhle der Löwen“ gestartet sind?

Ich war vor meinem Start in der Höhle der Löwen ja schon viele Jahre als Investoir tätig. Ich wollte also vor allem auf einem neuen Weg spannende Gründer kennenlernen, ihnen mit Kapital, Vertrieb und Netzwerk helfen und dabei selbst Spaß haben. Dass daraus zehn Jahre werden, hätte ich damals nicht gedacht.

Sie sagen: „Ich investiere in Gründerinnen und Gründer. Nicht in Businesspläne.“ Hat sich Ihr Blick auf Menschen und Gründerpersönlichkeiten durch zehn Jahre „Die Höhle der Löwen“ verändert?

Carsten Maschmeyer: Mein Grundsatz hat sich nicht verändert, sondern eher bestätigt: Wer vor Was. Person vor Produkt! Gerade bei sehr frühphasigen Startups ist die Gründerpersönlichkeit entscheidend. Ein Geschäftsmodell kann man verändern, ein Produkt weiterentwickeln, eine Strategie korrigieren. Aber Charakter, mentale Stärke, Lernfähigkeit und dieser unbedingte Hunger sind sehr viel schwerer auszutauschen. Lieber habe ich ein First-Class-Team mit einem Second-Class-Produkt als umgekehrt.

Rund 280 Arbeitsplätze sind nach Ihrer Bilanz durch DHDL-Startups mit Ihrer Unterstützung entstanden. Was bedeutet Ihnen diese Zahl im Vergleich zu Renditen, Exits und Unternehmensbewertungen?

In Wahrheit sind es wohl weit mehr, aber: Nicht ich, sondern die Gründer schaffen die Arbeitsplätze, das ist mir wichtig. Und das ist natürlich großartig, denn an einem Arbeitsplatz hängt nicht nur die Möglichkeit, sich und der eigenen Familie das Leben finanzieren zu können, sondern oft auch Selbstwert und das Gefühl, etwas beizutragen.

Mit Presize gelang Ihnen eine besondere Erfolgsgeschichte, die schließlich in der Übernahme durch Meta mündete. Wann haben Sie erkannt, dass aus diesem DHDL-Investment etwas außergewöhnlich Großes werden könnte?

Carsten Maschmeyer: Schon beim Pitch war klar, dass da außergewöhnlich starke Gründer mit einer technologisch anspruchsvollen Lösung vor mir stehen. Sie kannten ihre Zahlen, ihre Technologie und ihren Markt und konnten gleichzeitig erklären, warum ihr Produkt ein echtes Problem löst. Dass daraus einmal ein Verkauf an Meta werden würde, konnte natürlich niemand vorhersehen. Aber bei Presize hatte ich sehr früh dieses Gefühl: Wenn die beiden liefern, kann das international richtig groß werden.

Bei Finanzguru haben Sie damals eine Million Euro investiert und damit ein außergewöhnlich großes Einzelinvestment gewagt. Welche Eigenschaften der Gründer haben Sie überzeugt, dieses Risiko einzugehen?

Alexander und Benjamin hatten etwas, das ich bei Gründern suche: fachliche Kompetenz, Ehrgeiz und absolute Überzeugung von ihrer Idee, ohne dabei beratungsresistent zu sein. Sie hatten außerdem nicht irgendeine App gebaut, sondern ein echtes Problem erkannt: Viele Menschen haben keinen vernünftigen Überblick über ihre Finanzen. Ich war also von Geschäftsmodell und Gründern gleichermaßen überzeugt.

Zu zehn Jahren als Investor gehören neben Erfolgen zwangsläufig auch Entscheidungen, die man später anders beurteilt. Bei welchem DHDL-Deal oder Nicht-Deal haben Sie sich im Nachhinein am meisten geärgert?

Carsten Maschmeyer: Bei keinem einzelnen DHDL-Deal so sehr, dass ich heute sagen würde: Das war ein riesiger Fehler. Hinten habe ich keine Augen. Eine Investmententscheidung muss mit den Informationen richtig sein, die man zu diesem Zeitpunkt hat, nicht mit dem Wissen fünf Jahre später. Natürlich sieht man Unternehmen, die sich hervorragend entwickeln, obwohl man nicht investiert hat, aber das gehört zum Geschäft.

In zehn Jahren haben Sie zahlreiche Gründerinnen und Gründer kommen sehen. Woran erkennen Sie heute schneller als früher, ob jemand tatsächlich das Potenzial hat, ein großes Unternehmen aufzubauen?

Gute Gründer kennen ihre Zahlen, brennen für ihr Startup, haben sich auf alle Fragen vorbereitet und wollen nicht nur Geld, sondern unsere Expertise. Vor allem haben sie diesen Hunger: Sie wollen ihr Unternehmen unbedingt erfolgreich machen und nicht nur möglichst schnell Geld einsammeln. Und sie müssen Menschen begeistern können: Kunden, Mitarbeiter und Investoren.

Die Startup-Welt des Jahres 2026 unterscheidet sich deutlich von der des Jahres 2016. Sind Gründerinnen und Gründer heute professioneller geworden – oder vielleicht auch vorsichtiger und weniger risikobereit?

Carsten Maschmeyer: Die Qualität ist deutlich gestiegen. Gründer beschäftigen sich heute früher mit Finanzierung, Vertrieb und Internationalisierung. Gleichzeitig wünsche ich mir in Deutschland wieder etwas mehr Mut zum Risiko. Wer erst gründen möchte, wenn sämtliche Risiken ausgeschlossen sind, wird nie gründen. Allerdings erleben wir gerade einen regelrechten Gründerboom. Rund 690.000 Menschen haben 2025 in Deutschland gegründet, nach rund 585.000 im Jahr davor. Das freut mich natürlich.

Fotograf Thomas von Aagh

KI hat innerhalb kürzester Zeit ganze Geschäftsmodelle verändert und ist für viele Startups zum zentralen Thema geworden. Was muss ein KI-Startup heute mitbringen, damit Sie noch wirklich neugierig werden?

Nur irgendwo KI draufzuschreiben, ist heute kein Geschäftsmodell mehr. Mich interessiert, welches konkrete Problem gelöst wird und ob der Nutzen messbar ist: Spart die Lösung Zeit, Kosten oder Energie, verbessert sie Qualität oder schafft sie etwas, das vorher gar nicht möglich war? Dazu braucht es eigene Daten, technologischen Vorsprung oder tiefes Branchenwissen, damit nicht morgen jeder dasselbe bauen kann. Für mich gilt: AI or bye-bye, aber eben mit echtem Mehrwert und nicht als Etikett.

Nach zehn Jahren „Die Höhle der Löwen“: Gibt es einen Deal, eine Begegnung oder einen Moment abseits der großen Erfolgsgeschichten, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Carsten Maschmeyer: Was mich tatsächlich immer wieder berührt, sind Nachrichten von Eltern, die erzählen, dass ihre Kinder durch die Sendung plötzlich verstehen wollen, was Unternehmensanteile, Bewertungen oder Prozentrechnung bedeuten. Da sitzen Familien zusammen und diskutieren darüber, ob zehn Prozent für 200.000 Euro ein guter Deal sind. Das hätte ich vor zehn Jahren nie erwartet. Unternehmertum in die Wohnzimmer zu bringen, ist für mich eine der größten Leistungen dieser Sendung.

Sie haben inzwischen weit über 160 Technologie-Startups in Europa und Nordamerika im Portfolio. Was kann „Die Höhle der Löwen“ Ihnen als Investor heute noch bieten, das Sie außerhalb der Sendung nicht finden?

Über unsere Fonds in München, Berlin und San Francisco landen jeden Monat sehr viele gute Pitchdecks auf dem Schreibtisch. Aber die Höhle bringt mich immer wieder mit Gründern, Produkten und Branchen zusammen, nach denen ich selbst wahrscheinlich nie gesucht hätte. Leonie von ivyclip ist dafür ein gutes Beispiel: Eine Einzelgründerin mit einer Haarklammer wäre in meinem Alltag als Tech-Investor wahrscheinlich nicht in Frage gekommen. Aber sie war fokussiert, ehrgeizig, kannte ihre Zielgruppe genau und wollte aus ivyclip nicht nur ein Produkt, sondern eine große Marke bauen. Da habe ich gerne investiert! Heute stehen ihre Produkte Deutschlandweit im dm-Regal.

Wenn Sie noch einmal zehn Jahre vorausblicken: Welche Entwicklung würden Sie sich für „Die Höhle der Löwen“, die deutsche Startup-Szene und Ihren eigenen Weg als Investor wünschen?

Carsten Maschmeyer: Für die Höhle wünsche ich mir, dass sie weiterhin Lust auf Unternehmertum macht und noch mehr Zukunftsthemen zeigt – KI, Robotik, HealthTech, Energie und neue industrielle Technologien. Für Deutschland wünsche ich mir weniger Angst vor dem Scheitern, weniger Bürokratie und sehr viel mehr Geschwindigkeit, damit aus unseren Ideen auch hier Weltmarktführer entstehen. Und für mich persönlich? Solange ich neugierig bin, starke Gründer treffe und ihnen wirklich helfen kann, möchte ich weiter investieren.

Fotocredits/ Fotograf: Thomas von Aagh

Wir bedanken uns bei Carsten Maschmeyer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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