LIZZY in Ludwigsburg schafft neue Möglichkeiten für Startups im Bereich Industrie, Produktion und innovative Geschäftsmodelle.
Ludwigsburg startet mit dem LIZZY und dem Wettbewerb ein ambitioniertes Projekt – was war der konkrete Auslöser dafür?
In Ludwigsburg entsteht mit dem Ludwigsburg Industriezentrum (LIZ) gerade eines der größten privatwirtschaftlich finanzierten Industrie- und Transformationsprojekte Süddeutschlands. Wir sind schon sehr lange mit der Entwicklerin im Austausch und fördern die Entwicklung von städtischer Seite aus, wo wir können. Da kam der Vorschlag von der Entwicklerin Inbright, eine Fläche für Start-ups dort einzurichten. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen jedoch, dass es für Städte oft nicht sinnvoll ist, in Flächen zu investieren und diese vorzuhalten – ohne Gewissheit, dass diese auch von Start-ups angemietet werden. Das konnte man sich in finanziell besseren Zeiten vielleicht noch leisten, aber heute geht das bei Kommunen eigentlich nicht mehr. Daher haben wir uns für eine andere Strategie entschieden: Wir fördern die Start-ups dann, wenn die Tinte auf dem Mietvertrag trocken ist. Ein weiterer Vorteil: Wir können flexibel auf konkreten Bedarf reagieren.
Der Wettbewerb LIZZY richtet sich gezielt an Start-ups und Scale-ups in der Wachstumsphase – welche Lücke im Markt möchtet ihr damit schließen?
Wir richten uns explizit an Hardware-Unternehmen mit leichter Produktion. Dafür gibt es aktuell nur sehr wenige Angebote. Die meisten Gründungszentren und Venture-Capital-Fonds richten sich an schnell wachsende, digitale, KI-basierte Geschäftsmodelle. Da wollen wir gar nicht mitspielen, sondern uns auf die DNA unserer Stadt fokussieren: Industrie und Produktion haben hier Tradition.
Was unterscheidet das LIZZY Konzept von klassischen Gründerzentren oder Co-Working-Spaces?
Wie gesagt, wir gehen nicht so vor, dass wir ein ausgebautes Zentrum vorhalten und dann warten, bis das jemand anmietet. Außerdem richten wir uns nicht an Start-ups mit Bedarf nach Schreibtischen und Büros. Im LIZZY gibt es eine riesige Fläche, die frei bespielt werden kann.
Mit über 100.000 Euro Mietzuschuss ist der Wettbewerb sehr attraktiv – welche Wirkung erwartest du dir davon für die Region?
Vielleicht muss man zur Transparenz erklären, wie sich der Betrag zusammensetzt: Wir als Stadt geben für zwei Jahre 4.000 Euro monatlich Zuschuss auf die reguläre Miete. Der Verband Region Stuttgart zahlt davon die Hälfte im Rahmen eines Förderprogramms. Zusätzlich geht die Vermieterin der Flächen zwei Euro im ersten und einen Euro im zweiten Jahr im Quadratmeterpreis runter. Zuschuss und Ersparnis müssen also zusammengerechnet werden und hängen am Ende auch von der Größe der Fläche ab.
Für uns lohnt sich diese Investition auf jeden Fall. Denn: Unsere Region ist gerade sehr vom Strukturwandel betroffen. Die Automobilindustrie ist nicht mehr so stark wie sie mal war. Daher brauchen wir unbedingt Unternehmen in anderen zukunftsfähigen Branchen, die Arbeitsplätze schaffen. Diese Unternehmen sind auch wichtig für unsere Wertschöpfungsketten, z. B. potenzielle Kundschaft für die hiesige Kreativwirtschaft oder Innovations-Impulse für unsere KMUs.
Welche Kriterien sind für dich bei der Auswahl der Gewinner-Start-ups besonders entscheidend?
Das haben wir transparent in unseren Teilnahmebedingungen formuliert: Innovationsgrad, Arbeitsplatzpotenzial, Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Branche.
Viele Start-ups kämpfen mit fehlenden Produktions- und Gewerbeflächen – wie groß ist dieses Problem aktuell wirklich?
Mir müssen ganz ehrlich sein: Gewerbeflächen gehen aktuell nicht mehr so gut weg, das gilt vor allem für Büros. Bei Industrieflächen sieht es noch anders aus: Im ländlichen Raum ist hier vielleicht noch viel vorhanden, aber gerade in einer so dicht besiedelten Region wie der Region Stuttgart sind Industrieflächen verhältnismäßig dünn gesät. Hier gibt es zwar durch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung auch immer mehr Leerstand, aber die Vermieter erwarten teilweise immer noch die Mieten von früher. Das passt sich erst sehr langsam an. Zudem sind diese Flächen dann oft nicht mehr auf dem neusten Stand und sanierungsbedürftig. Die Flächen im LIZ hingegen sind bereits modernisiert.
Welche Branchen oder Technologien möchtet ihr gezielt nach Ludwigsburg holen?
Wir sind hier noch relativ offen, da wir als Standort sehr breit und divers aufgestellt sind. Mit den Begriffen „Hardware“ oder „Light Industrial“ wird schon eine gewisse Richtung eingeschlagen. Wir freuen uns hier über Bewerbungen aus Greentech, Biotech, Robotik, Luft- und Raumfahrt – und Branchen, die wir vielleicht heute noch gar nicht kennen.
Wie wichtig ist das Netzwerk im LIZ – also die Nähe zu anderen Unternehmen aus Bereichen wie Greentech, Robotik oder Biotech?
Wir alle wissen, dass Netzwerke und Ökosysteme für Start-ups der entscheidende Faktor sein können. Das LIZ, aber auch das ganze Umfeld der Ludwigsburger Weststadt, bieten hier sehr viele Möglichkeiten, Kundschaft zu gewinnen, Partnerschaften einzugehen oder gemeinsam Technologien weiterzuentwickeln.
Ludwigsburg wurde als „gründungsfreundliche Kommune“ ausgezeichnet – was macht den Standort aus deiner Sicht so besonders?
Ludwigsburg vereint auf besondere Weise Lifestyle mit Wirtschaftskraft. Unsere Unternehmen lieben die tollen Freizeitangebote, die hübschen Plätze und die florierende Innenstadt. Gleichzeitig sind wir mit zwei Personen im Start-up-Management, einer stabilen Wirtschaftsförderung, einer modernen Verwaltung und einem Oberbürgermeister, der selbst mal Wirtschaftsförderer war, sehr stark bei der Betreuung von Unternehmen aufgestellt.
Welche Rolle spielt die Stadt aktiv in der Förderung von Start-ups – und wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?
Wir sind zwei Start-up-Manager*innen, die sehr aktiv die Community betreuen, Gründungsvorhaben unterstützen und Strategien und Konzepte schmieden. Neben dem Preis als gründungsfreundliche Kommune konnten wir so mehrere andere Förderungen von Region, Land und EU gewinnen. Verbesserungspotenzial sehe ich noch bei der Vernetzung von Start-ups mit unserem Mittelstand – aber das ist bei allen ein dickes Brett.
Wie wichtig sind Themen wie Community, Netzwerke und Austausch für den Erfolg eines Startup-Standorts?
Da wir einen großen Teil unserer Zeit dafür einsetzen, genau das zu fördern, muss ich sagen: Natürlich sehr wichtig! (haha) Ich komme ursprünglich aus der Kreativwirtschaftsförderung. Dort sprechen wir von informellen Netzwerk-Organisationen. Netzwerke und Austausch können Türen öffnen, Kosten sparen, neue Ideen hervorbringen und sind daher wichtige Vermögenswerte, die in keiner Bilanz stehen.
Du bist seit 2023 Start-up-Manager der Stadt Ludwigsburg – was hat dich persönlich an dieser Aufgabe gereizt?
Ich habe selbst in Ludwigsburg studiert und kannte einige Akteure schon. Durch eine Promotion im Bereich Entrepreneurship und Tätigkeiten im Start-up-Umfeld war das für mich der sinnvolle nächste Schritt.
Wie sieht dein Arbeitsalltag konkret aus – zwischen Strategie, Netzwerk und direktem Kontakt zu Gründerinnen und Gründern?
Aktuell ist es genau das: Strategien und Konzepte schmieden. Von denen gibt es aktuell jede Menge. Kreative Wege finden, wie wir das in der deutschen Bürokratie hinkriegen könnten. Mit den Akteuren im engen Austausch sein, von ihnen auch mal gepusht werden.
Was motiviert dich persönlich, dich für Start-ups und Gründerökosysteme einzusetzen?
Ich finde die Menschen hinter den Gründungen immer sehr inspirierend. Es gibt genug Strukturen, die Kreativität, Innovation und Gründungsgeist hemmen. Mich motiviert es, ein Gegengewicht dazu zu sein. Ich bekomme oft gesagt: Schön, dass du nicht direkt sagst “Das geht nicht, weil …”, sondern “Damit das geht, müssen wir …”.
Wenn du heute selbst ein Start-up gründen würdest: Welche Branche würdest du wählen – und warum?
Ich sage es ganz ehrlich: Ich bin kein Techie und auch kein Marketing-Mensch. Mein Hintergrund ist Verwaltung und BWL, daraus lässt sich eigentlich nur eine klassische Gründung als Berater aufbauen (haha). Da ich ganz gerne zeichne, bin ich schon seit 10 Jahren als Innovationsmanager und Visualisierer / Graphic Recorder freiberuflich tätig. Die Start-ups entwickle ich dann lieber hier intern in der Verwaltung.
Photocredit: David Klumpp
Wir bedanken uns bei Max Höllen für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























