Welche Ziele verfolgt Deel mit dem Wettbewerb „The Pitch“ und warum liegt der Fokus speziell auf Start-ups in der Seed-Phase?
“The Pitch” wurde von Deels CEO Alex Bouaziz als persönlicher Beitrag zur Förderung der nächsten Generation von Gründer ins Leben gerufen. Ziel ist es, die innovativsten Entrepreneur weltweit zu finden, unabhängig von ihrer Herkunft. Dabei erhalten sie Zugang zu passenden Expert und dem Kapital, das sie für ihren nächsten Entwicklungsschritt brauchen. Der Fokus auf die Seed Phase ist bewusst gewählt. Gerade in dieser frühen Phase ist Kapital weltweit besonders ungleich verteilt. Viele starke Ideen scheitern nicht an fehlendem Potenzial, sondern daran, an welchem Ort ein Startup gegründet wird und welche Kontakte bereits vorhanden sind. Deel kann hier gezielt unterstützen. Als globale Employer-of-Record- und HR-Plattform verfügt das Unternehmen über Renommee und ein Netzwerk in mehr als 150 Ländern.
Wie bewerten Sie die Rolle von Wettbewerben wie „The Pitch“ für die Frühphasenfinanzierung von Start-ups in Europa?
“The Pitch” schließt eine strukturelle Lücke im europäischen Startup-Ökosystem. Die Frühphasenfinanzierung konzentriert sich in Europa bisher auf wenige Städte wie London, Paris, Berlin oder Stockholm. Gründer außerhalb dieser Zentren oder ohne die richtigen Kontakte sind dadurch oft im Nachteil. “The Pitch“ schafft hier eine Alternative, indem es Startups einen strukturierten und öffentlich zugänglichen Weg zu Kapital eröffnet, bei dem Leistung im Mittelpunkt steht. Die Investition von 50.000 US Dollar für jede regionale Gewinner hat dabei auch Signalwirkung und kann den Startups helfen, weitere Türen zu öffnen. Auch die Zusammensetzung der Jury spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit General Catalyst, Speedinvest, Visionaries Club oder Plug & Play in Berlin erhalten die Gewinner Zugang zu und Glaubwürdigkeit bei institutionellen Investor.
Nach welchen Kriterien wurden die zwölf Gewinner des Berliner Finales ausgewählt?
Beim “The Pitch” Live-Event wurden die Startups, die vor der Jury gepitcht haben, nach verschiedenen Kriterien bewertet: Umsetzungsstärke, Ambition, Stringenz des Geschäftsmodells, sowie langfristiges Potenzial. Am Ende wählte die Jury die Gewinner rein leistungsbasiert aus.
Welche Trends oder Technologien haben die Jury bei den teilnehmenden Start-ups besonders überzeugt?
Mit Blick auf das Berliner Finale zeigt sich ein klares Bild: Themen wie KI-Agenten und KI-Infrastruktur dominierten und die Jury interessierte sich offenbar vor allem für KI-Lösungen, die über Chatbots hinausgehen, wie zum Beispiel Mav9 Technologies. Im Fokus standen insgesamt Anwendungen, die komplexe Workflows eigenständig ausführen können. Auch das Thema Cybersecurity für KMUs war stark vertreten. Im Bereich Klima und Nachhaltigkeit stach Grale hervor. Das Unternehmen entwickelt eine patentierte Technologie, die pflanzliche Abfälle in eine Plastikalternative verwandelt. Mit Grant Tech war zudem ein sehr europäisches Thema vertreten. “Granter”, ein KI-Berater für EU-Fördermittel, adressiert die jährlichen EU-Fördermittel in Höhe von 285 Milliarden Euro, die bislang nicht vollständig genutzt werden.
Welche konkreten Vorteile ergeben sich für die Gewinner über das Preisgeld hinaus, insbesondere im Hinblick auf Netzwerk, Sichtbarkeit und internationale Expansion?
Jede regionale Gewinner erhält neben dem SAFE Investment von Deel Ventures in Höhe von 50.000 US-Dollar automatisch eine Einladung zum Grand Finale in Paris. Hinzu kommt der Zugang zum “Investor Breakfast”, einem exklusiven Event mit 20 bis 25 Investor, sowie zum Jury-Netzwerk. Dadurch entstehen direkte Kontakte zu GPs von General Catalyst, Speedinvest, Visionaries Club, a16z und weiteren Investoren. Außerdem profitieren die Gewinner von Presse und Medienpräsenz, unterstützt durch Deels Kommunikationsteam. Zusätzlich erhalten sie Sichtbarkeit im Deel-Ökosystem, von denen viele genau die passenden potenziellen Kund oder Partner dieser Startups sind. Für die Gewinner des Grand Finales kommt als weiterer Vorteil hinzu, dass sie Zugang zum gesamten VC Partnernetzwerk von Deel erhalten. Zudem ist eine Folgeinvestition von bis zu 1 Million US-Dollar möglich.
Wie unterscheidet sich die deutsche Start-up-Szene im internationalen Vergleich innerhalb des Wettbewerbs?
Die Berliner Finalisten-Unternehmen zeigen sehr gut, wo Deutschlands Stärken liegen. Dazu zählen eine starke Deep-Tech-Präsenz, etwa mit Grale, Validproof und Hyphen Global, anspruchsvolle Enterprise-Software wie GetClaro und Nooxit sowie Cybersecurity-Infrastruktur wie Cybee. Gleichzeitig zog das Berliner Event nicht nur deutsche Unternehmen an, sondern auch Startups aus Schweden, Irland und Portugal. Das unterstreicht Berlins Rolle als europäischen Tech-Hub. Im Vergleich zu Paris, wo der Fokus stärker auf Consumer AI und Fintech lag, und Tel Aviv mit einem stärkeren Schwerpunkt auf Defence und Deep Tech, spiegelt das Berliner Event die klassischen Stärken der DACH-Region wider: B2B, industrielle Anwendungen und Infrastrukturlösungen.
Welche Rolle spielen Partner wie J.P. Morgan, Google oder Stripe für den Erfolg und die Skalierung des Programms?
J.P. Morgan ist der Hauptsponsor und stellt sowohl die Logistik als auch die institutionelle Glaubwürdigkeit bereit. So fanden die Investorühstücke in Berlin, London, New York und Tel Aviv jeweils in den Büros von J.P. Morgan statt. Das öffnet Startups die Möglichkeit, von Private Banking-Kund und institutionellen Investor wahrgenommen zu werden. Auch Google und AWS unterstützten mit Veranstaltungsorten. Durch die Einbindung von Google entsteht für Startups zudem der Zugang zu “Google Cloud Credits”, zu den Programmen “Google for Startups” sowie zu möglichen Enterprise-Kontakten. Und auch Stripe bringt Glaubwürdigkeit im Bereich Payment-Infrastruktur sowie den Zugang zu seinem Startup-Netzwerk ein.
Wie wichtig ist die internationale Vernetzung für Start-ups in einer so frühen Phase ihrer Entwicklung?
Gründer in der Seed Phase treffen grundlegende Entscheidungen zu Märkten, Hiring und Cap Tables. Die Beziehungen, die in dieser frühen Phase entstehen, bleiben oft langfristig bestehen. Genau darauf ist auch “The Pitch” ausgelegt. Das Investor Frühstück mit 20 bis 25 Investor, das exklusiv für die Gewinner nach jedem regionalen Finale stattfindet, soll gezielt persönliche Gespräche in kleiner Runde ermöglichen, die bei klassischen Networking Events oft zu kurz kommen.
Gab es während des Berliner Finales besondere Momente oder Pitches, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Grale, ein schwedisches Deep Tech Unternehmen, das aus pflanzlichen Abfällen Alternativen zu Plastik entwickelt, fiel besonders auf: 5 Millionen US Dollar ARR und 105 Prozent Wachstum pro Quartal sind für ein materialbasiertes Deep-Tech-Unternehmen außergewöhnlich stark, da solche Geschäftsmodelle meist langsamer skalieren als Software. Und Cybees Versprechen, Enterprise Security „in fünf Minuten einsatzbereit“ zu machen, stieß bei der Jury ebenfalls auf großes Interesse. Gerade für KMU ist Cybersicherheit ein wachsendes Thema. Auch Granters Positionierung rund um jährlich 285 Milliarden Euro an ungenutzten EU-Fördermitteln ist genau die Art von Marktpotenzial, die bei Pitches Aufmerksamkeit erzeugt.
Wie stellen Sie sicher, dass auch weniger sichtbare, aber innovative Start-ups eine faire Chance im Wettbewerb erhalten?
Die Bewerbung läuft zentral und global, ohne dass Gründer dafür Empfehlungen oder persönliche Kontakte brauchen. Zunächst werden die Bewerbungen anhand klarer Kriterien wie ARR, Wachstum, Erfahrung des Teams und Qualität des Pitchdecks vorausgewählt. Außerdem ist die Jury je nach Region unterschiedlich besetzt. So fließt in jedes Finale lokales Marktverständnis ein, anstatt alle Entscheidungen einem zentralen Panel zu überlassen.
Bild: Bildrechte: Boldie
Wir bedanken uns für das Interview
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