Donnerstag, April 9, 2026
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Warum scheitert moderne Gesundheitsversorgung oft an den einfachsten Stellen?

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Versorgung Diagnostik System Trends im Gesundheitsmarkt Christoph Neumeier

Versorgung und Diagnostik rücken immer stärker in den Fokus, während der Druck auf die bestehenden Strukturen spürbar wächst und Veränderungen notwendig werden. Im Interview erklärt Christoph Neumeier, CEO CKM, warum vor allem funktionierende Übergänge entscheidend dafür sind, wie gut Patientinnen und Patienten begleitet werden.

Herr Neumeier, viele Debatten zur digitalen Gesundheitsversorgung drehen sich um Technologie. Wo sehen Sie aktuell tatsächlich die größten Engpässe?

Das System redet über Tools, während es an Übergaben scheitert. Zwischen Arzt und Apotheke. Zwischen Diagnose und Behandlung. Zwischen digital und analog. Nicht weil die Technologie fehlt, sondern weil niemand konsequent die Patienten Journey zu Ende denkt. Wir haben Hightech-Medizin und Lowtech-Zugang. Das ist kein Ressourcenproblem. Es ist eine Prioritätsfrage.

2025 hat gezeigt, dass hybride Versorgungsmodelle schneller entstehen als lange erwartet. Ist das aus Ihrer Sicht Fortschritt oder eher eine Reaktion auf strukturelle Überlastung?

Ehrlich gesagt: hauptsächlich Reaktion. Hybride Modelle entstehen nicht, weil das System vorausgedacht hat. Sie entstehen, weil das System seine eigene Nachfrage nicht mehr bedient. Märkte füllen, was Strukturen lassen. Das ist kein Zufall und kein Verdienst der Politik. Wer das als Fortschritt verkauft, verwechselt Symptombehandlung mit Strategie.

Sie beobachten seit Jahren die Schnittstelle zwischen Prävention, Diagnostik und Versorgung. Was hat sich seit 2025 erstmals messbar verändert?

Die Nutzung hat die Theorie eingeholt. Sechsstellige Patientenzahlen in der Telemedizin sind kein Pilotprojekt mehr, das ist Realität. Was sich wirklich verändert hat: Wir wissen jetzt genau, wo es kippt. Nicht beim Einstieg in die digitale Versorgung, sondern bei der Übergabe. Wo Rezepte und Befunde nahtlos weiterlaufen, bleibt die Journey stabil. Wo die Schnittstelle fehlt, fällt man zurück ins alte System.

In mehreren Präventionspfaden wird inzwischen eine höhere Nachfrage verzeichnet als in klassischen stationären Angeboten. Was sagt das über das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in bestehende Versorgungsstrukturen aus?

Es sagt, dass Menschen mit den Füßen abstimmen. Und das System sollte aufhören, das als Konkurrenz zu lesen, und anfangen, es als Signal zu verstehen. Das ist kein Misstrauen gegenüber Medizin. Es ist Misstrauen gegenüber dem Weg dorthin. Wer krank ist, will keine Warteschleife. Sobald jemand eine Alternative anbietet, die funktioniert, wird sie genutzt. Das ist kein Trend. Das ist Verhalten, das sich nicht mehr umkehren lässt.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die vorgelagerte Diagnostik für den Erfolg digitaler und hybrider Versorgungsmodelle?

Sie ist die Voraussetzung, keine Ergänzung. Ohne frühe Diagnostik ist hybrid nur ein schnellerer Weg zur gleichen Lücke. Was viele unterschätzen: Frühdiagnostik ist nicht nur ein medizinisches Argument, es ist ein systemisches. Abwasseranalytik zeigt Resistenzentwicklungen, bevor sie klinisch eskalieren. Das System hätte die Instrumente, früher zu reagieren. Es entscheidet sich nur zu selten dafür.

Home Testing und dezentrale Diagnostik werden oft als Komfortlösung beschrieben. Welche strukturelle Bedeutung haben solche Angebote tatsächlich für das Gesundheitssystem?

Komfort ist das falsche Framing. Es geht um Triage im großen Maßstab. Heimtests für Darm- oder Gebärmutterhalskrebs, die heute bereits über Krankenkassen verfügbar sind, sind kein Nice-to-have. Sie sind ein Frühwarnsystem. Wer früh testet, kommt früher in die richtige Versorgung. Wer wartet, bis Symptome zwingen, kommt teurer an. Für den Menschen und für das System. Dezentrale Diagnostik ist keine Serviceleistung. Sie ist Infrastruktur.

Sie sprechen von einer Anpassung der Versorgung an die real verfügbare Infrastruktur. Wie verändert dieser Pragmatismus die bisherigen Idealvorstellungen von Versorgung?

Die Idealvorstellung war immer: einheitliche Struktur, optimale Versorgung für alle. Das ist ein schöner Gedanke. Aber er hat dazu geführt, dass das System rund um seine eigenen Prozesse gebaut wurde, nicht rund um den Menschen, der es braucht. Pragmatismus heißt nicht, Ansprüche aufzugeben. Es heißt, die Patient Journey ernst zu nehmen und aufzuhören, Versorgung dort enden zu lassen, wo die Zuständigkeit endet. Versorgung endet, wenn der Mensch weiß, was er tun muss. Nicht früher.

Welche Signale senden die Krankenkassen mit ihrer wachsenden Beteiligung an präventiven und diagnostischen Versorgungsmodellen?

Sie haben gerechnet. Prävention kostet weniger als Spätbehandlung. Das ist keine Überraschung, das ist Mathematik. Was interessant ist: Wenn Kassen anfangen, diese Rechnung aktiv umzusetzen, verschiebt sich der Anreiz im gesamten System. Weg vom Akutfall, hin zur Verhinderung. Das ist strukturell bedeutsamer als jede Digitalstrategie, die je beschlossen wurde. Die Frage ist, ob die Versorgungslandschaft das Tempo mithält.

Wenn Sie auf die Nutzungszahlen und die Präventionsbereitschaft blicken, was lernen wir daraus über das Verhalten der Patientinnen und Patienten?

Dass sie nie passiv waren. Sie hatten nur kein gutes Angebot. Sobald Hürden sinken, steigt Nachfrage. Was wir wirklich lernen: Menschen wollen verstehen, was mit ihnen passiert. Verständlichkeit ist heute eine medizinische Leistung. Wer das als selbstverständlich behandelt, unterschätzt, wie lange das System das Gegenteil als Normal verkauft hat.

Wird digitale Gesundheitsversorgung Ihrer Einschätzung nach künftig weniger über Innovationen definiert sein als über verlässliche Zugangsmodelle?

Ja. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht, auch wenn es für viele unbequem klingt. Die spannendste Technologie ist wertlos, wenn niemand sie im richtigen Moment erreicht. Was jetzt zählt, ist nicht das nächste Feature. Es ist die Frage, ob Versorgung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Zuverlässig, ohne Brüche, ohne Formular dazwischen.

Welche Annahmen über digitale Versorgung haben sich 2025 aus Ihrer Sicht als nicht tragfähig erwiesen?

Zwei vor allem. Erstens: dass digital allein reicht. Eine Videosprechstunde ersetzt kein System. Sie funktioniert nur, wenn die gesamte Kette dahinter steht. Wer digital startet und analog steckenbleibt, hat dem Patienten keinen Gefallen getan. Er hat nur das Wartezimmer verschoben. Zweitens: dass Geschwindigkeit und Qualität sich ausschließen. Das stimmt nicht. Es braucht Struktur, die beides trägt. Wer nur Momentum erzeugt, baut keine Infrastruktur.

Mit Blick auf 2026: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, wenn Diagnostik zur zentralen Infrastrukturfrage der Versorgung wird?

Standards. Wer definiert Qualität, wenn Diagnostik dezentral wird? Wer vergütet was, unter welchen Bedingungen? Das sind keine technischen Fragen. Das sind politische. Und genau da liegt das eigentliche Tempo-Problem. Nicht bei den Anbietern. 2025 hat bewiesen, dass hybride Versorgung funktioniert. 2026 zeigt bereits jetzt, ob das System bereit ist, das als Realität anzuerkennen oder ob es hybrid weiter als Ausnahme behandelt. Hybrid darf kein Dauerpilot bleiben. Es muss Standard werden.

Bildcredits CKM Group

Wir bedanken uns bei Christoph Neumeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie Bewerber durch exzellente Kommunikation punkten

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Wie Bewerber durch exzellente Kommunikation punkten Bildquelle resume genius unsplash

Der Arbeitsmarkt gleicht einem sich ständig wandelnden Spielfeld. Früher reichten Qualifikationen und Erfahrung, um Türen zu öffnen. Heute, in einer Ära, in der künstliche Intelligenz (KI) Standardtexte für jedermann generiert, verschiebt sich der Fokus. Qualifikationen sind nach wie vor wichtig, doch die Art und Weise, wie man diese kommuniziert, wird zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal. Es entsteht ein Paradoxon: Während Technik das Verfassen von Texten vereinfacht, steigt der Wert individueller, sprachlich präziser Kommunikation.

Warum Standardtexte keine Türen mehr öffnen

Wer heute eine Bewerbung verfasst, greift oft fast automatisch zu digitalen Helfern. Diese Tools strukturieren Lebensläufe und formulieren Anschreiben, die grammatikalisch korrekt und inhaltlich solide sind. Doch genau hier liegt das Problem: Tausende andere Bewerber tun dasselbe. Die Folge ist eine Flut von Bewerbungen, die sich alle ähnlich lesen. Personalverantwortliche in Unternehmen, besonders in dynamischen Startups, entwickeln schnell einen Blick für diesen maschinell erstellten Einheitsbrei. Ein Anschreiben, das keine persönliche Note erkennen lässt, wird oft nach wenigen Sekunden aussortiert.

Die erste Hürde ist nicht die Qualifikation, sondern die Authentizität. Eine KI kann Fakten anordnen, aber sie kann keine Leidenschaft, keine feinen Nuancen der Motivation und keine echte Persönlichkeit vermitteln. Diese Elemente sind es jedoch, die einen Kandidaten von einem anderen mit ähnlichem Lebenslauf unterscheiden. Wer sich auf das sprachliche Minimum verlässt, signalisiert, bewusst oder unbewusst, Desinteresse an der Stelle und am Unternehmen. In einem Umfeld, in dem Fachkräfte gesucht werden, aber gleichzeitig die Ansprüche an die Teamkultur steigen, ist dies ein fatales Signal.

Bewerbungen in gutem Deutsch sind ein entscheidender Faktor, um im ersten Sichtungsprozess nicht aussortiert zu werden. Das gilt gerade für internationale Bewerber. Wer es schafft, seine Motivation und seine Fähigkeiten in einer Sprache auszudrücken, die präzise, lebendig und frei von Floskeln ist, beweist nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Kultur des Landes und des Unternehmens. Es zeigt, dass man sich Mühe gibt, dass man über das Offensichtliche hinausdenkt und dass man in der Lage ist, komplexe Gedanken klar zu strukturieren. Dies sind alles Soft Skills, nach denen Recruiter händisch suchen, während sie sich durch die Flut von KI-Bewerbungen kämpfen.

So hebt man sich von der Masse ab

Um sich von der Masse abzuheben, braucht es keine literarischen Meisterwerke, sondern handwerkliche Präzision. Wer den eigenen Text kritisch prüft, deckt schnell die typischen Schwachstellen automatisierter Entwürfe auf. Konkrete Anpassungen geben dem Dokument sofort mehr Profil:

  • Aktive Formulierungen wählen: Konstruktionen mit Hilfsverben wirken oft schwerfällig. Wer stattdessen starke, aktive Verben nutzt, vermittelt direkt Tatkraft.
  • Situationen statt Adjektive: Das bloße Aufzählen von Eigenschaften wie „kreativ“ oder „zielstrebig“ überzeugt selten. Besser wirkt es, wenn man eine berufliche Station beschreibt, in der diese Stärke zum Tragen kam.
  • Den Einstieg neu denken: Der allererste Satz entscheidet über das Weiterlesen. Ein direkter Start mit dem klaren Grund für die Bewerbung wirkt stärker als verstaubte Standard-Einleitungen.

Fazit

Man kann die Bedeutung sprachlicher Präzision im Zeitalter der Automatisierung nicht hoch genug einschätzen. Es geht nicht darum, ein Germanistikstudium vorzuweisen. Es geht um die Fähigkeit, Sprache als Werkzeug zu nutzen, um Verbindungen herzustellen. Ein gut gewählter Begriff, ein Satz, der eine persönliche Erfahrung prägnant zusammenfasst, kann mehr bewirken als ein Absatz voller KI-generierter Phrasen. Es sind die Nuancen, die den Unterschied machen. Es ist der Unterschied zwischen einem Satz, der besagt, man sei „teamfähig“, und einem, der beschreibt, wie man in einem konkreten Projekt mit Kollegen zusammengearbeitet hat, um ein Ziel zu erreichen. Letzterer ist glaubwürdig und zeigt echte Erfahrung. 

Bild Resume Genius Unsplash

Autor Hannes Graubohm

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Die Fähigkeit zu funktionieren ist wertvoll – solange wir sie nicht ständig einsetzen müssen

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Kathleen Kunze herCAREER Funktionsmodus Kathleen-Kunze_Copyright_Fotostudio-HaniArt-Frankfurt

„Funktionieren“ ist eine Überlebensstrategie des Nervensystems. So weit, so gut. Doch was passiert, wenn unsere Funktionsfähigkeit uns krank macht, wenn Funktionieren unweigerlich zur Funktionsunfähigkeit führt? Die Coaching und Autorin Kathleen Kunze erklärt, wann wir die Grenzen unserer Kapazitäten überschreiten und wie wir aus der Funktionsspirale ausbrechen können.

„Wenn Menschen bei der Arbeit und für die Familie alles geben, aber nichts mehr für sich selbst tun, beginnt die Erschöpfung.“

herCAREER: Kathleen, in unserer neoliberalen Gesellschaft ist der Begriff „funktionieren” eigentlich positiv besetzt. Gestresst und erschöpft zu sein, wird mit Leistung und Einsatz gleichgesetzt. Warum sagst du also, der Funktionsmodus sei ein Zeichen von Überlastung?

Kathleen Kunze: Die Fähigkeit zu funktionieren ist grundsätzlich gut und wertvoll, solange wir bewusst entscheiden können, wann und wie wir sie einsetzen. Solange wir nicht gezwungen sind, sie ständig einzusetzen. Nur – wir leben und arbeiten in einem System, in dem stete Leistung gefordert wird. Manche Menschen schaffen es in diesem System recht gut, bei sich zu bleiben, andere eben nicht. Das System belohnt diejenigen, die die entsprechende Veranlagung haben.

herCAREER: Hast du sie, diese Veranlagung?

Kathleen Kunze: Ich stamme aus der ehemaligen DDR, da galt natürlich „Pass ins System!“ und ich habe gelernt zu tun, was von mir erwartet wurde. Gleichzeitig bin ich in einem Haus mit einem emotional nicht immer berechenbaren Vater aufgewachsen. So habe ich früh begonnen, Situationen zu scannen, Konflikte zu vermeiden und mich anzupassen.

herCAREER: In deinem Buch beschreibst du drei Typen von „Funktionierenden“: den Fight-, Flight- und Fawn-Typen. Was sind die Ursachen, die sie in den Funktionsmodus bringen?

Kathleen Kunze: Mein primäres Überlebensmuster ist der Fawn-Typ, Fawn bedeutet wörtlich Rehkitz. Wir stellen Sicherheit über Verbindungen mit anderen Menschen her. Fawn-Typen sind oft sozial intelligente Kinder, die sowohl ihre eigenen Gefühle als auch die der anderen gut wahrnehmen können. Das führt auch dazu, dass sie ständig ermitteln: Wie ist die Stimmung im Raum? Wie ist die Laune meines Gegenübers? Um das tun zu können, müssen sie ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellen. Sie verlernen unter Stress und Anspannung, sich selbst wahrzunehmen, und haben ein hohes Risiko, auszubrennen.

herCAREER: Was zeichnet dagegen den Flight-Typen aus?

Kathleen Kunze: Flight-Typen flüchten, weil sie Angst vor dem Alleinsein, Scheitern oder Verbindungsabbruch haben. Oft wurden diese Menschen in der Kindheit nicht ausreichend begleitet, wenn sie Angst oder Unsicherheit erfahren haben. Sobald solche Gefühle aufkommen, flüchten sie aus Beziehungen, in Ablenkungen, in die Arbeit – letztlich, um nicht mit den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Der Flight-Typ ist daher prädestiniert für die Funktionsspirale: ständig im Tun, mit dem Ziel, das Fühlen zu vermeiden.

herCAREER: Bleibt der Fight-Typ …

Kathleen Kunze: Diese Menschen haben bereits in jungen Jahren verinnerlicht, dass sie Leistung erbringen müssen, um Sicherheit zu erlangen. Erfolg simuliert Sicherheit, die wiederum Stärke und Leistungsfähigkeit suggeriert. „Fight-Typen” fühlen sich handlungsfähig und somit in Kontrolle, solange sie funktionieren. Oft sind sie sehr konkurrenzorientiert und erwarten von anderen genauso viel Leistung und Funktionsfähigkeit wie von sich selbst. Das hat Konfliktpotenzial.

herCAREER: Unabhängig vom Typ: Welche Verhaltensweisen weisen darauf hin, dass jemand in meinem Umfeld oder ich selbst in eine Funktionsspirale abrutsche?

Kathleen Kunze: Es gibt verschiedene Anzeichen. Oft sind diese Menschen immer unterwegs, immer busy, immer im Kontakt mit anderen. Manche kümmern sich ständig um andere, andere sind über die Maßen pflichtbewusst. Das sind die Kolleg:innen, die auch im Urlaub ans Firmenhandy gehen.

herCAREER: Glauben sie, dass sie unersetzlich sind?

Kathleen Kunze: Zumindest sind sie überzeugt, ständig verfügbar sein zu müssen. Andere dieses Typus sind hoch engagiert, motiviert und lernwillig. Dazu vergessen sie keinen Geburtstag zu Hause und kein Jubiläum im Team. Sie investieren alles in ihre Karriere, alles in ihre Beziehungen und wollen so allen Erwartungen entsprechen.

herCAREER: Ketzerische Frage: Sind das nicht genau die High-Performer:innen, die so gefragt sind?

Kathleen Kunze: Ja, dieser Funktionstyp wird oft sehr positiv gesehen. Diese Menschen haben Initiative und Drive! Sie jonglieren alles, sind ehrgeizig, kommen aber nur schwer zur Ruhe.

herCAREER: Wann kippt das? Wann werden sogenannte Leistungsträger:innen zu Funktionierenden im negativen Sinn?

Kathleen Kunze: Wenn sich die Erschöpfung einschleicht. Wenn Menschen bei der Arbeit und für die Familie alles geben, aber nichts mehr für sich selbst tun. Wenn sie anfangen, Termine mit Freund:innen abzusagen, weil der Alltag zu sehr schlaucht.

herCAREER: Was passiert dabei im Körper?

Kathleen Kunze: Im Funktionsmodus ist unser sympathisches Nervensystem ständig aktiviert. Der Stress sorgt noch eine Weile für viel Energie, damit der Körper weiter funktioniert, aber das kann der Organismus nur eine gewisse Zeit lang verkraften. Dann schickt er uns in den Gegenzustand: Das parasympathische Nervensystem wird aktiviert und die Erschöpfung setzt ein. Wir benötigen Regeneration. Wenn wir diese aber nicht zuverlässig bekommen, geraten wir in erste Erschöpfungsphasen.

herCAREER: Wie sehen diese aus?

Kathleen Kunze: Sobald wir Zeit haben, zur Ruhe zu kommen, uns zu regenerieren oder etwas für uns zu tun, geht einfach gar nichts mehr. Man merkt das zum Beispiel abends, wenn man nach Hause kommt: Man fällt direkt auf die Couch und kann nicht einmal mehr richtig fernsehen, sondern ist einfach nur fertig. Unsere Prägungen, pushen uns, gegen die Erschöpfung anzukämpfen – aber das ist natürlich kontraproduktiv. Über die Jahre laugen wir so unseren Körper aus. So sehr, dass sich unser Hormonsystem, unser Immunsystem und unser Krafthaushalt durch diese kontinuierliche Überlastung nachhaltig verändern. Dadurch entsteht das Risiko, Krankheiten zu entwickeln.

herCAREER: Wie unterbricht man diesen Teufelskreis?

Kathleen Kunze: Funktionieren ist ein chronisches Muster und schwer zu durchbrechen. Der erste und wichtigste Schritt ist, sich dessen bewusst zu werden. Teste dich: Setz dich eine Minute hin und tu 60 Sekunden lang gar nichts.

herCAREER: Puh …

Kathleen Kunze: Ja, genau. Einfach aus dem Fenster sehen und den Baum gegenüber betrachten – das kann für Funktionierende unendlich schwer sein.

herCAREER: Und wenn ich mir dessen bewusst geworden bin, was sind erste Schritte zum Wandel?

Kathleen Kunze: Eine Möglichkeit ist es, das Nervensystem zu regulieren. Es gilt, die Aktivierung des Sympathikus zu reduzieren. Dadurch verändert sich die Sichtweise auf die Dinge und ich bekomme die Chance, freie Entscheidungen zu treffen. Es gibt viele Reflexions- und Selbsthilfetools, mit denen man dem eigenen Funktionsmodus auf die Schliche kommen kann – einige davon beschreibe ich im Buch.

herCAREER: Stellen wir uns eine Stresssituation vor: Vielleicht haben wir uns mit dem Vorgesetzten angelegt oder uns zum x-ten Mal mit den Kindern über die Unordnung gestritten. Gibt es Möglichkeiten, den Sympathikus aktiv zu regulieren?

Kathleen Kunze: Ein einfacher Schritt ist, vor die Tür zu gehen. Die bilaterale Bewegung beim Laufen sorgt dafür, dass das Gehirn aus dem Überlebensmodus heraus und in den klaren Denkmodus zurückkommt. Darum lassen sich beim Spazierengehen Gedanken so gut sortieren. Grundsätzlich ist es gut, aufzustehen und etwas ganz anderes zu tun, um eine neue Perspektive zu erlangen. Und dann gibt es noch Körper- und Atemübungen.

herCAREER: Wie funktionieren die?

Kathleen Kunze: Stelle dich zum Beispiel auf die Füße und wippe von rechts nach links oder von vorne nach hinten. Diese wiegenden, schaukelnden Bewegungen wirken regulierend und nehmen schnell die Spannung aus dem Körper – das funktioniert auch im Sitzen. Wo Schaukeln gerade nicht geht, kann Atmung helfen: Normal durch die Nase in den Bauch einatmen und verlängert ausatmen. Das immer wiederholen, die Ausatmung immer weiter verlängern. Es hat denselben regulierenden Effekt.

herCAREER: Was funktioniert für dich besonders gut?

Kathleen Kunze: Mir hilft diese Übung: Ich nehme zwei kleine Bälle oder irgendwelche anderen Gegenstände in die Hand und gebe einem die Bedeutung „Funktionieren” und dem anderen die Bedeutung „Erschöpfung”. Dann spüre ich hinein, wie sich der eine Ball anfühlt und wie der andere. Ich merke sehr schnell, wie ein Ball sehr präsent wird, wenn ich mich darauf konzentriere. Wenn du es ausprobierst, wird der Erschöpfungs-Ball unter Umständen ganz schwer in deiner Hand oder wird ganz leicht und fliegt. Es ist ein tolles Werkzeug, um herauszufinden: Wo stehe ich gerade? Funktioniere ich noch oder bin ich vielleicht schon in der Erschöpfung angekommen? Anschließend kannst du deine Aufmerksamkeit bewusst von diesen beiden Gegenständen weglenken und in den freien Raum zwischen ihnen treten. Dort bist du weder erschöpft noch funktionierst du.

herCAREER: Was sagst du zu Menschen, für die sich das esoterisch anhört?

Kathleen Kunze: Im Grunde habe ich gerade Aufstellungsarbeit beschrieben. Wir nutzen stellvertretende Gegenstände und projizieren die Energie, die in unserem Körper ist, auf diese Gegenstände. In den meisten Fällen hilft diese Technik dabei, von außen auf uns zu blicken, und wenn ich die Dinge beobachten, sehen und in die Hand nehmen kann, werde ich wieder handlungsfähig.

herCAREER: Dann kann ich damit beginnen, meine Muster zu durchbrechen. Was bedeutet das im Alltag?

Kathleen Kunze: Üben, üben, üben. Das hört niemand von uns gerne. Aber wir müssen alte, scheinbar erfolgreiche und tief verankerte Bewältigungsstrategien ablegen. Das sind neuronale Verbindungen, die erst aufgebrochen werden müssen. Muster zu durchbrechen, bedeutet auch auszuprobieren, Dinge liegen zu lassen, sie auf morgen zu vertagen oder zu delegieren. Und dann zu erleben, dass gar nichts Schlimmes passiert. So machen wir neue Erfahrungen und verankern in unserem Gehirn ein anderes, neues Bild von Sicherheit.

herCAREER: Wir haben uns nun stark auf das Innenleben konzentriert. Zu Beginn unseres Gesprächs haben wir aber auch über Strukturen und Systeme gesprochen, die uns viel, manchmal sogar zu viel, Leistung abverlangen.

Kathleen Kunze: Ja. In einem Umfeld, das ständige Leistung fordert, wird es schwierig sein, die eigene Haltung zu verändern. Das bedeutet, dass ich mein Umfeld verändern darf, oder zumindest ein Umfeld finden muss, in dem ich auch dann akzeptiert werde, wenn ich mal nicht „funktioniere”.

herCAREER: Heißt das, manchmal muss man den Job wechseln oder die Partnerschaft beenden?

Kathleen Kunze: Es ist immer ein Prozess. In einem Familienkonstrukt kann ich anfangen, mehr an meine:n Partner:in und die Kinder abzugeben. Das erfordert allerdings, dass mein Umfeld meine Veränderung auch mitmacht. Es kann auch zu massiven Konflikten führen.
Wenn du wirklich aus dem Funktionsmuster aussteigen möchtest, gilt es meiner Erfahrung nach häufig, irgendwann ein gesünderes berufliches Umfeld zu finden.

herCAREER: Voraussetzung ist, dass wir unsere eigenen Grenzen kennen und respektieren gelernt haben.

Kathleen Kunze: Richtig, genauso wie deine Fähigkeiten, Kräfte und Ressourcen.

herCAREER: Und wenn es mir allein oder mithilfe deines Buches nicht gelingt?

Kathleen Kunze: Je länger und stärker die Muster in uns verankert sind, desto schwerer sind sie zu durchbrechen. Desto hilfreicher ist es, sich Unterstützung in Form von Coaching oder Therapie zu holen. Es kann sehr hilfreich sein, wenn jemand diese Muster spiegelt und dabei unterstützt, sie zu verändern.

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel.

Auf der herCAREER Expo 2026 wird Kathleen Kunze ihr Buch „Raus aus dem Funktionsmodus – zurück zu dir“ beim Authors Meet-up vorstellen und ihre Ansätze und Methoden teilen.

Bild Kathleen Kunze Copyright Fotostudio HaniArt Frankfurt

Quelle messe.rocks GmbH

Bolzano Slush’D wird zu To The Peak

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To The Peak Bolzano Slush’D Startup Ökosystem Christian Frigo

Weiterentwicklung eines kuratierten founderzentrierten Formats für skalierende Startups

Nach zwei erfolgreichen Ausgaben tritt Bolzano Slush’D in eine neue Entwicklungsphase ein und wird ab 2026 unter dem Namen To The Peak fortgeführt. Mit dieser Weiterentwicklung geht eine strategische Neuausrichtung einher, die darauf abzielt, Unternehmertum, Investitionstätigkeit sowie die Zusammenarbeit zwischen Innovationsökosystemen in Italien und im Alpenraum gezielt zu stärken.

Erfolgreiche Entwicklung als Grundlage für den nächsten Schritt

Seit 2024 hat sich Bolzano Slush’D als relevanter Knotenpunkt innerhalb des italienischen Startup Ökosystems etabliert. Insgesamt nahmen mehr als 2.000 Personen teil, darunter über 500 Gründer, mehr als 160 Unternehmen sowie rund 120 Investoren, die gemeinsam ein verwaltetes Vermögen von über 16,4 Milliarden Euro repräsentieren

Aufbauend auf dieser Entwicklung wird die Initiative ab 2026 als To The Peak weitergeführt. Die Neuausrichtung verfolgt das Ziel, unternehmerische Kompetenzen zu stärken, den Zugang zu Kapital zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen Startups, Investoren und etablierten Unternehmen zu vertiefen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Skalierung, Kapitalallokation sowie der Aufbau tragfähiger langfristiger Beziehungen zwischen den relevanten Akteuren des Innovationssystems.

Veranstaltung und Road to the Peak Formate

Die dreitägige Veranstaltung findet vom 9. bis 11. September 2026 in Bozen Südtirol statt. Die Region fungiert dabei als strategische Schnittstelle zwischen Italien und der DACH Region, zwei zentralen industriellen Wirtschaftsräumen Europas.

Im Vorfeld der Veranstaltung werden mehr als fünf Road to the Peak Formate in Italien und im DACH Raum umgesetzt. Ziel dieser Formate ist es, regionale Innovationsökosysteme zu stärken und den strukturierten Austausch zwischen Gründern, Investoren sowie Industrieakteuren zu fördern. Der Auftakt ist für den 16. bis 17. April in Florenz vorgesehen.

Fokus auf Skalierung, Kapital und langfristige Beziehungen

To The Peak markiert die nächste Entwicklungsstufe der Initiative und trägt dazu bei, die Rolle des italienischen Startup Ökosystems im Kontext einer wettbewerbsfähigeren europäischen Wirtschaft weiter zu stärken.

Gleichzeitig bleibt der Ansatz bewusst nicht hierarchisch und auf Peer to Peer Interaktion ausgerichtet, um einen effizienteren Einsatz von Kapital durch Investoren, Unternehmen und Family Offices innerhalb eines zunehmend integrierten europäischen Marktes zu ermöglichen.

Das Format stellt weiterhin Gründer in den Mittelpunkt, indem es das Innovationsökosystem gezielt um sie herum strukturiert und den Zugang zu Kapital, Fachwissen und langfristigen Partnerschaften erleichtert.

Selektive Teilnahme und Umgang mit unternehmerischer Diskontinuität

Die Teilnahme erfolgt auf Grundlage eines selektiven Verfahrens, das darauf ausgerichtet ist, relevante Expertise einzubinden und den Austausch von anwendungsorientiertem Wissen sicherzustellen.

Vor dem Hintergrund struktureller Herausforderungen im Startup Ökosystem wird auch die unternehmerische Diskontinuität systematisch adressiert. Der Umgang mit gescheiterten Ansätzen wird dabei nicht als Ausnahme, sondern als integraler Bestandteil unternehmerischer Entwicklungsprozesse verstanden.

Ziel ist es, durch eine strukturierte Analyse von Erfolgs und Misserfolgsfaktoren nachhaltigere Wachstums und Skalierungsstrategien zu identifizieren im Sinne des im Namen To The Peak angelegten Entwicklungsprozesses.

Advisory Board mit führenden europäischen Unternehmern

Die Weiterentwicklung wird durch ein Advisory Board unterstützt, dem führende europäische Unternehmer und Investoren angehören, darunter Peter Vesterbacka Gründer von Slush, Petter Made Gründer von SumUp, Claudio Erba Gründer von Docebo, Luca Rancilio CEO von Rancilio Cube Sicaf sowie Paolo Privitera Gründer von Events.com. Weitere Mitglieder sollen in den kommenden Monaten hinzukommen.

Stimmen aus dem Organisationskomitee

„To The Peak verfolgt das Ziel, zu einem stärker integrierten Innovationsökosystem beizutragen, indem Gründer in den Mittelpunkt gestellt und die strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, damit sie sich austauschen, weiterentwickeln und Zugang zu den notwendigen Ressourcen für ihre Skalierung erhalten“, erklärt Cristian Frigo, CEO des Organisationskomitees.

„Das Vertrauen von Partnern dieses Kalibers ist ein wesentliches Signal für unsere Initiative. Seit dem Start im Jahr 2024 hat sich das Projekt zu einem Netzwerk mit mehr als 30 jungen Fachkräften auf ganz Europa entwickelt. Dies unterstreicht das gemeinsame Engagement für ein stärker integriertes und resilienteres Startup Ökosystem.“

Einbindung in das internationale Slush Netzwerk

Als offizielles Slush’D Alumni Event anerkannt, gewährleistet To The Peak ignited by Slush’D die Kontinuität zum internationalen Slush Netzwerk und entwickelt gleichzeitig eine eigenständige europäische Positionierung.

Bild Cristian Frigo, CEO des Organisationskomitees von To The Peak

Quelle Bolzano Slush’D

Neustart für den Innovationswettbewerb CONTENTshift

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Künftig unter einem Dach: CONTENTShift und der Landesstand Baden-Württemberg auf der Frankfurter Buchmesse © MFG

Neustart für den Innovationswettbewerb CONTENTshift unter dem Dach von Baden-Württemberg

Die Zukunft des Accelerators für Start ups in der Publishing Industrie ist gesichert. Der Börsenverein Baden Württemberg führt das Innovationsprogramm fort, das seit zehn Jahren erfolgreich technologische Neuerungen in die Verlagswelt trägt. Nationale und internationale Start ups können sich bis 30. April bewerben und haben Aussicht auf ein Mentoring, ein starkes Netzwerk in die Buchbranche sowie den mit 10.000 Euro dotierten CONTENTshift Award, der am 8. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse am Baden Württemberg Stand verliehen wird.

Gefördert wird das Innovationsprogramm CONTENTshift vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden Württemberg sowie unterstützt durch die MFG Medien und Filmgesellschaft Baden Württemberg.

CONTENTshift als etablierte Innovationsplattform

Der CONTENTshift Accelerator hat sich in den vergangenen zehn Jahren als zentrale Innovationsplattform der Buch und Medienbranche etabliert. Angesichts aktueller technologischer Entwicklungen gewinnt er neue Relevanz als Impulsgeber für Transformation. Nach einer kreativen Pause startet das Programm 2026 unter dem Dach des starken Verlagsstandorts Baden Württemberg neu. Es fördert innovative Geschäftsmodelle und vernetzt Start ups branchenübergreifend mit etablierten Unternehmen aus der Verlags und Medienbranche.

Bewerbung für CONTENTshift gestartet

Die nationale und internationale Ausschreibung zur Teilnahme am Innovationsprogramm CONTENTshift ist gestartet. Start ups mit innovativen Lösungen für die Publishing Industrie können sich bis zum 30. April 2026 auf der Website www.contentshift.de bewerben.

Internationale Sichtbarkeit und starkes Netzwerk

Unter den Bewerberinnen und Bewerbern wählt eine Expertenjury im Rahmen eines Pitch Events zehn Start ups aus. Diese erhalten internationale Sichtbarkeit auf der Frankfurter Buchmesse, wo sie ihre Geschäftsmodelle vom 7. bis 11. Oktober 2026 am Landesstand THE LÄND „Future Publishing Future Content“ präsentieren.

Das Herzstück von CONTENTshift ist ein dreimonatiges Mentoring für sechs der zehn ausgewählten Start ups. Die Teams profitieren von individuellem Coaching sowie einem Netzwerk aus Investorinnen, Investoren und Branchenexpertinnen und Experten.

CONTENTshift Award 2026

Die Jury ermittelt unter den Teilnehmern des Mentoring Programms den Gewinner. Der mit 10.000 Euro dotierte CONTENTshift Award 2026 wird am 8. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Jury mit Branchenexpertinnen und Experten

Die Jury setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern führender Unternehmen der Buch und Medienbranche zusammen, darunter Ravensburger, Hugendubel, Herder Verlag, Springer Nature sowie weitere Branchenakteure. Auch das Land Baden Württemberg ist durch Vertreterinnen aus Ministerium und Mediengesellschaft eingebunden.

Stimmen zum Neustart von CONTENTshift

„Die Förderung von Start ups aus der Medien Kreativ und Digitalbranche durch das CONTENTshift Innovationsprogramm ist von großer Bedeutung für den tiefgreifenden Strukturwandel der Buch und Medienbranche. Damit stärken wir die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft in Baden Württemberg“, sagt Dr. Nicole Hoffmeister Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus.

„Baden Württemberg ist einer der führenden Verlags und Innovationsstandorte in Deutschland. Wir freuen uns, dass CONTENTshift hier eine neue Heimat gefunden hat“, sagt Thomas Lindemann, Vorsitzender des Börsenvereins Baden Württemberg.

„Als Verlagsstudiengang unterstützen wir Innovation und Transformation in der Branche aktiv“, sagt Prof. Dr. Okke Schlüter von der Hochschule der Medien Stuttgart.

„Mit CONTENTshift wird die Innovationskraft der Start up Szene gestärkt und gleichzeitig mit der Buch und Medienbranche vernetzt. Das Programm schafft nationale und internationale Sichtbarkeit für Baden Württemberg als Publishing Standort“, sagt Dr. Ellen Koban von der MFG Medien und Filmgesellschaft Baden Württemberg.

Die Jury des CONTENTshift Innovationsprogramms 2026:

Die Jury des CONTENTshift Innovationsprogramms 2026: Fotos: Hannah Löhr, Mirjam Hagen, Christoph Kannegießer, privat

Titelbild Künftig unter einem Dach: CONTENTShift und der Landesstand Baden-Württemberg auf der Frankfurter Buchmesse © MFG

Quelle Börsenverein des Deutschen Buchhandels

EU Inc. als Meilenstein für Startups

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EU Inc. KI Bundesverband europäische Startups Bild by StartupStockPhotos from Pixabay

EU Inc. KI Bundesverband begrüßt Kommissionsvorschlag zum 28th Regime als Meilenstein für europäische Startups

Berlin — Der KI Bundesverband begrüßt den heute von der Europäischen Kommission vorgelegten Legislativvorschlag für EU Inc. als einen überfälligen und ambitionierten Schritt zur Stärkung des europäischen Binnenmarkts. Die neue, optionale EU Unternehmensform soll es Gründerinnen und Gründern erstmals ermöglichen, innerhalb von 48 Stunden eine Gesellschaft zu gründen, die in allen 27 Mitgliedstaaten anerkannt wird. Dies soll vollständig digital erfolgen, ohne zwingende physische Beteiligung eines Notars und ohne Mindestkapitalanforderung. Standardisierte EU Vorlagen sollen die bisherige Notarfunktion digital erfüllen.

Starke Signalwirkung für Europas Startup Ökosystem

„Der heutige Vorschlag ist ein echtes Signal an alle europäischen Gründerinnen und Gründer. Europa meint es ernst mit dem Binnenmarkt. Dass die Kommission den Mut hat, eine Verordnung vorzulegen und nicht nur eine Richtlinie, zeigt, dass die Botschaft angekommen ist. Fragmentierung ist der größte Standortnachteil, den wir haben. Für unsere über 600 Mitgliedsunternehmen bedeutet EU Inc. konkret eine einzige Rechtsform, ein digitaler Registrierungspunkt und EU weite Mitarbeiterbeteiligungsprogramme. Das sind genau die Instrumente, die europäische KI Startups brauchen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.“

Rasmus Rothe, Vorstandsvorsitzender des KI Bundesverbands

Zentrale Forderungen des Verbands aufgegriffen

Der KI Bundesverband und sein europäischer Dachverband, das European AI Forum EAIF, hatten sich im September 2025 in einer gemeinsamen Konsultationsantwort für eine ambitionierte Ausgestaltung des 28th Regime eingesetzt. Zentrale Forderungen, darunter die Form einer Verordnung, digitale Gründung und harmonisierte Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, finden sich im heutigen Vorschlag wieder.

ESOP Regelung als wichtiger Fortschritt

Besonders positiv bewertet der Verband die geplante ESOP Regelung. Mitarbeiteraktienoptionen sollen künftig erst beim Verkauf besteuert werden und nicht bereits bei der Zuteilung. Damit würde eine der größten Hürden bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte für europäische Startups beseitigt.

Nachbesserungsbedarf bei SAFE und Innovationszonen

Gleichzeitig weist der KI Bundesverband darauf hin, dass der Vorschlag in einigen Bereichen noch nachgebessert werden muss. SAFE Instrumente werden im Entwurf zwar erwähnt und grundsätzlich ermöglicht, jedoch fehlt ein wirklich standardisiertes und harmonisiertes EU SAFE Verfahren. Ebenso fehlen regulatorische Innovationszonen, die den Standort Europa gezielt für technologiegetriebene Unternehmen attraktiver machen könnten.

Gesetzgebungsprozess entscheidend für Umsetzung

„Die Arbeit beginnt jetzt erst. Es wird darauf ankommen, den Vorschlag im Europäischen Parlament und im Rat gegen Verwässerung zu schützen. Wir werden uns aktiv in den Gesetzgebungsprozess einbringen, damit EU Inc. nicht an nationalen Partikularinteressen scheitert.“

Rasmus Rothe, Vorstandsvorsitzender des KI Bundesverbands

Zeitplan der Europäischen Kommission

Die Kommission fordert eine Einigung zwischen Europäischem Parlament und Rat bis Ende 2026. Kommissionspräsidentin von der Leyen hat das Ziel „One Europe one market by 2028″ ausgegeben.

Bild by StartupStockPhotos from Pixabay

Quelle: Bundesverband der Unternehmen der Künstlichen Intelligenz in Deutschland e.V. 

Wie gelingt der Schritt von KI Pilotprojekten zum produktiven Einsatz?

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Blockbrain KI Wissensmanagement Unternehmen Blockbrain Founders Antonius Gress, Mattias Protzmann, Nam Hai Ngo Bildcredits @Blockbrain

Blockbrain entwickelt vertrauenswürdige KI-Lösungen für Wissensmanagement und integriert intelligente Systeme tief in das operative Kerngeschäft von Unternehmen

Welche strategische Bedeutung hat die Serie-A-Finanzierung für Blockbrain über reines Wachstumskapital hinaus?

Unsere Investoren ergänzen uns in Bereichen, die für Blockbrain besonders wichtig sind: Giesecke + Devrient ist ein Champion im Sicherheitsbereich, Alstin als neuer Lead-Investor im Bereich Sales herausragend und 13Books bringt als Londoner Investor Kontakte und Know How im außereuropäischen Bereich mit. Wir konzentrieren uns momentan zwar auf DACH, sind aber bereits bei vielen unserer Kunden global ausgerollt.

Wie hat sich eure Positionierung seit dem ersten Interview verändert, insbesondere mit Blick auf Unternehmen, die KI nicht mehr testen, sondern produktiv einsetzen wollen?

Unser Fokus ist noch stärker auf die Bedürfnisse stark regulierter Konzerne ausgerichtet. Wir sind in fast allen Fällen tief in interne Abläufe integriert und mussten dadurch zwangsläufig viele unserer ehemals guten Vorsätze hart professionalisieren. Wir haben beispielsweise inzwischen dedizierte Teams, die sich nur um Compliance, Governance oder Security kümmern. Und wir folgen natürlich auch intern diesem Code.

Die Verfünffachung des Umsatzes innerhalb eines Jahres ist ein starkes Signal. Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend und was habt ihr dabei über euren Markt gelernt?

Wir sind sehr glücklich über unser Team. Ich habe in meiner Karriere in keinem inspirierenderen Umfeld arbeiten dürfen. Und wir haben glücklicherweise Kunden, die bereit sind, gemeinsam das Thema „KI“ als große Herausforderung zu begreifen und nicht als Schnellschuss. Man lernt, dass der direkte Weg meistens nicht der beste ist. Es geht einfach nicht um Nutzung von Technologie, sondern um den damit erzielten Wert.

Viele Unternehmen sprechen über Wissensmanagement. Wo zieht ihr heute die klare Trennlinie zwischen Blockbrain und klassischen Wissensdatenbanken oder rein LLM-basierten Assistenzlösungen?

Blockbrain sieht sich ganz klar als Teil eines neuen Paradigma: Suchen, Extrahieren und Speichern sind die klassischen Bestandteile von Informationslösungen. Neu sind aktive Anreicherung, Kreation und Validierung von Wissen. Wir sind auf die Orchestrierung dieser fünf Schritte spezialisiert.

Ihr sprecht bewusst von vertrauenswürdigen KI-Agenten. Was bedeutet Vertrauen im Unternehmenskontext konkret und wie lässt es sich technisch absichern?

Transparenz und Kontrolle sind für Blockbrain die beiden wichtigsten Pfeiler beim Umgang mit KI und kritischen Informationen. Technologisch ist das nur durch Prozessketten zu sichern. Spätestens hier verliert unser Job ein bisschen seine Magie und man findet sich beim disziplinierten Erfüllen sehr hoher Standards wieder.

Der unabhängige Benchmark von Giesecke+Devrient hebt euch deutlich vom Wettbewerb ab. Welche architektonischen Entscheidungen haben diesen Vorsprung ermöglicht?

Wir verbinden Innovation mit Erfahrung. Unsere Architektur folgt dabei dem Prinzip „Trust but Verify“: Wir haben strikte Kontrollmechanismen tief im Tech-Stack verankert, weil wir KI als mächtiges Werkzeug verstehen, nicht als Spielerei. Technisch setzen wir zudem früher an als der Wettbewerb: Wir optimieren die Datenqualität aktiv bereits beim Import. Denn die beste KI-Architektur nützt nichts, wenn der Input nicht stimmt.

Datensouveränität ist eines eurer Kernversprechen. Wie reagieren internationale Kunden, insbesondere in Großbritannien, auf euren Ansatz mit regionalen Cloud-Umgebungen?

Das Thema territoriale oder sogar nationale Daten-Souveränität ist sehr gefragt. Nicht nur in Europa. Wir haben das Glück, im vielleicht weltweit am härtesten regulierten Markt als Firma gewachsen zu sein. Das hilft uns sehr im Kontakt mit internationalen Kunden. Eines ist dabei völlig klar – eine Firma in UK hat kein Interesse daran, Daten in Deutschland liegen zu haben. Unser Produkt ist auf diese Anforderungen aber ausgerichtet.

Knowledge Bots bilden Entscheidungslogiken und Erfahrungswissen ab. Wie verändert das aus eurer Sicht Führungsarbeit und Verantwortungsstrukturen in Unternehmen?

Mit Blockbrain sorgen wir für Transparenz, indem wir Wissen im gesamten Unternehmen verfügbar machen und so die Kommunikation massiv beschleunigen. Wir iterieren auf einer gemeinsamen Faktenbasis statt in Silos, was die Arbeitsweise grundlegend verändert. Für das Team bedeutet das echtes Empowerment: Nur wer direkten Zugang zu allen Informationen hat, kann den Kontext verstehen und autonom exzellente Entscheidungen treffen.

Ihr arbeitet mit stark regulierten Branchen zusammen. Welche Use Cases eignen sich besonders gut für einen Einstieg und wo begegnet ihr noch Zurückhaltung?

Am besten startet man mit Prozessen, die klaren Regeln folgen und wenige Abhängigkeiten haben. Gerade in regulierten Branchen muss das Ergebnis zu 100 Prozent wiederholbar sein, da darf es keine Varianz geben. Wir empfehlen: Sucht euch die Themen mit großem Hebel, die aber logisch simpel gestrickt sind – das garantiert schnelle Erfolge. Bei den richtig komplexen Brocken funktioniert es dann nur gemeinsam: Hier arbeiten wir eng mit dem Kunden zusammen, um auch vielschichtige Prozesse sauber abzubilden.

Forward-Deployed AI-Engineers sind ein zentraler Bestandteil eurer Skalierungsstrategie. Warum ist diese Rolle für euch so entscheidend?

Wir haben gelernt, dass Technologie allein nicht reicht – der echte Wert entsteht erst bei der tiefen Integration in die Kundenabläufe. Damit wir unser Produkt skalieren und gleichzeitig den Kunden individuell helfen können, trennen wir Entwicklung und Service. Unsere Forward-Deployed AI-Engineers sind dabei das entscheidende Bindeglied: Sie sorgen vor Ort für das technische Enablement, unterstützen bei der API-Integration und spielen gleichzeitig essenzielles Feedback zurück, um unser Produkt noch besser zu machen.

Mit der Serie-A-Finanzierung investiert ihr stark in die Weiterentwicklung der Plattform. Welche Funktion wird für eure Kunden den größten unmittelbaren Mehrwert schaffen?

Wir fokussieren uns auf drei zentrale Treiber für direkten Mehrwert: Erstens übersetzen wir State-of-the-Art AI-Agents in konkreten Kundennutzen. Zweitens revolutionieren wir Workflows – weg von starrer Konzern-Automation hin zu persönlichen Tools, die Mitarbeiter dank natürlicher Sprache ohne technisches Vorwissen steuern und erstellen können. Drittens bauen wir das Knowledge Management weiter aus, um über „Knowledge Digital Twins“ Wissen im gesamten Unternehmen intelligent verfügbar und skalierbar zu machen.

Ihr arbeitet an Ersatz- und Ausweichprozessen für KI-Antworten. Welche Rolle spielt Zuverlässigkeit für die Akzeptanz von KI im operativen Kerngeschäft?

Verlässlichkeit ist die Währung für KI im Business, ohne sie fehlt einfach das Vertrauen für den operativen Einsatz. Wir sichern das technisch doppelt ab: Erstens tun wir technologisch alles, um Halluzinationen aktiv zu verhindern. Zweitens garantieren wir echte Ausfallsicherheit durch Vendor-Neutralität. Wenn ein Hyperscaler wie Microsoft ausfällt, müssen Anfragen im Hintergrund nahtlos auf einen anderen Anbieter geleitet werden. Dem Kunden ist die Infrastruktur egal, er braucht eine stabile, sichere Lösung.

Wie verändert sich der Umgang mit Wissen in Unternehmen, wenn KI-Antworten nicht nur schnell, sondern auch nachvollziehbar und überprüfbar sind?

Die Kommunikation im Team wird insgesamt schneller und relevanter. Firmen können endlich das gesamte Wissen der Company hebeln, weil alle auf derselben Faktenbasis arbeiten. Und es gibt diese lähmenden Orientierungsphasen nicht mehr, wo keiner so richtig weiß, worum es eigentlich geht.

Blockbrain positioniert sich klar als produktionsreife Enterprise-KI. Welche internen Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, um diesen Schritt erfolgreich zu gehen?

Entscheidend ist der Wille, in konkreten Schritten zu denken statt nur in abstrakten Visionen. Letzteres ist zwar großartig als Kompass, aber die operative Umsetzung erfordert klar abgegrenzte Etappen, die jeweils maximalen Mehrwert liefern sollten. Unternehmen sind mit uns dann erfolgreich, wenn sie dieses Mindset leben: sequenzielle Ziele definieren und konsequent abarbeiten, anstatt einen großen Sprung zu wagen. Dadurch, dass sich KI so schnell entwickelt, sind die Sequenzen auch großartige Zäsuren, um die Gesamtstrategie im Projekt zu überprüfen.

Wenn ihr auf die kommenden zwei Jahre blickt, woran wollt ihr messen, ob Blockbrain sein Ziel erreicht hat, KI als verlässliches Werkzeug im Kerngeschäft zu etablieren?

Wir schauen auf die Qualität der Nutzung – entscheidend ist, wie tief Blockbrain in den Arbeitsalltag integriert wird und wie viel Zeit die Teams mit uns verbringen. Noch wichtiger ist allerdings der direkte Business-Impact: Wir wollen nur Lösungen bauen, die das Geschäft unserer Kunden spürbar weiterbringen. Diese qualitativen KPIs sind ganz klar unser Maßstab für die nächsten zwei Jahre und daran lassen wir uns auch messen.

Bild Blockbrain Founders Antonius Gress, Mattias Protzmann, Nam Hai Ngo Bildcredits @Blockbrain

Wir bedanken uns bei Mattias Protzmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Blockbrain

blockbrain logo schwarz weiss

Kontakt:

Blockbrain GmbH
Marienstraße 37
70178 Stuttgart

www.blockbrain.ai
marketing@blockbrain.ai

Ansprechpartner: Stefan Killer-Haug

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Kontrolle für kritische Datenströme

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Kafka: Factor House expandiert bei Streaming Technologien Bild Kylie und Derek Troy-West

Factor House expandiert nach Deutschland

Der australische Softwareanbieter Factor House baut seine Präsenz in Europa aus und eröffnet mit München seinen ersten Standort in Deutschland. Das Unternehmen entwickelt Software zur Kontrolle, Absicherung und transparenten Überwachung von Kafka und Flink Umgebungen – Technologien, die in vielen Unternehmen zentrale Datenströme steuern. Mit Falko Schwarz, der zuvor fast ein Jahrzehnt beim Kafka Marktführer Confluent tätig war, besetzt Factor House erstmals eine Position vor Ort. Weitere Stellen in Deutschland sowie die Gründung einer europäischen Gesellschaft sind geplant.

Deutschland ist für Factor House bereits heute der stärkste europäische Markt nach Kundennutzung. Der europäische Umsatz ist in den vergangenen zwölf Monaten um 178 Prozent gewachsen. Die Software wird in Finanzinstituten ebenso eingesetzt wie in Handels, Logistik und Technologieunternehmen. Zu den Kunden zählen unter anderem Adidas und die NORD LB. Im Zuge der Modernisierung ihrer Dateninfrastruktur ersetzte die Bank ihre bisher eingesetzte Lösung durch Kpow, die Managementlösung von Factor House. Nach eigenen Angaben halbierte sich dadurch die Debugging Zeit. Für ein reguliertes Institut bedeutet das nicht nur Effizienzgewinn, sondern reduziert operative Risiken in einer zentralen Infrastruktur.

Streaming Technologien werden zur Kernarchitektur

Apache Kafka ist in deutschen Unternehmen Teil der Kernarchitektur. Banken, Industrie und Handelsunternehmen verarbeiten über Streaming Systeme kontinuierliche Ereignisse: Zahlungen, Produktionsdaten, Lagerbewegungen oder verdächtige Transaktionen. Anders als klassische Batch Systeme speichert Kafka Ereignisse dauerhaft, garantiert Reihenfolgen und ermöglicht Replays. Diese Eigenschaften machen die Technologie in regulierten Umgebungen attraktiv, in denen Nachvollziehbarkeit, Auditierbarkeit und Resilienz entscheidend sind. Der globale Markt für Streaming Technologien wird auf 44 Milliarden US Dollar geschätzt.

„Europa gehört zu unseren am schnellsten wachsenden Märkten, und Deutschland sticht besonders hervor – vor allem dort, wo Echtzeit Daten geschäftskritisch sind und hohe Anforderungen an Governance und Sicherheit gelten“, sagt Derek Troy West, CEO und Co Founder von Factor House. „Mit einer lokalen Präsenz reagieren wir auf die Nachfrage aus genau diesen regulierten und komplexen Umgebungen.“

Wachsende Datenkomplexität in Unternehmen

Mit der rasant wachsenden Zahl an Datenquellen, spezialisierten Tools und Echtzeit Anwendungen ist die IT Infrastruktur insgesamt deutlich komplexer geworden, eine Entwicklung, die durch den verstärkten Einsatz von KI zusätzlich beschleunigt wird. IT und Data Engineering Teams müssen Cluster überwachen, Zugriffsrechte steuern, Datenflüsse nachvollziehen und Fehler analysieren – häufig verteilt über mehrere Tools und Cloud Umgebungen. Die Folge sind lange Fehlersuchen, Entwicklungszeiten und eingeschränkte Transparenz. Studien gehen davon aus, dass bis zu 40 Prozent der Arbeitszeit von Datenteams in Troubleshooting fließen. Zugleich kaufen viele Unternehmen aus Vorsicht mehr Cloud Kapazitäten ein, als sie tatsächlich benötigen.

Software für mehr Kontrolle über Datenströme

Anders als Anbieter wie Confluent, die Kafka als Plattform betreiben oder vertreiben, ergänzt Factor House bestehende Installationen um zusätzliche Funktionen zur Steuerung und Überwachung. Die Software funktioniert herstellerunabhängig und greift direkt auf Kafka und Flink Umgebungen zu – unabhängig davon, ob diese selbst betrieben werden oder über Cloud Anbieter laufen. Statt eine weitere Streaming Plattform anzubieten, ergänzt Factor House bestehende Systeme um Funktionen für Transparenz, Zugriffskontrolle, Auditierung und die Steuerung verteilter Multi Cluster Umgebungen. Der Mehrwert liegt weniger im Streaming selbst als in der Beherrschbarkeit komplexer Infrastrukturen.

Bild Kylie und Derek Troy-West

Quelle The PR Network

 

Warum steckt in diesem Milliardenmarkt noch so viel ungenutztes Potenzial?

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finperks Prepaid Plattform für Cashback Programme Bild finperks Teambild Bildcredits/Fotograf:Lina Retzlaf

finperks entwickelt eine API Plattform für Prepaid Lösungen und Cashback Programme, die Banken, Fintechs und HR Software Zugang zu digitalen Gutscheinen und Benefits ermöglicht

Wie ist finperks entstanden und wer sind die Personen, die das Unternehmen gegründet haben und heute vorantreiben?

finperks wurde von Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Andreas Veller gegründet. Das gleiche Kernteam hat zuvor Viafintech (Barzahlen) aufgebaut und 2021 für einen dreistelligen Millionenbetrag an die NYSE-notierte Paysafe Group verkauft.
Unser Gründerteam bringt über ein Jahrzehnt Erfahrung in Prepaid, Payments und B2B-Integrationen mit. Wir arbeiten mit einem starken Techteam zusammen, das von Anfang an Teil des Unternehmens ist und auch bereits viele Jahre Erfahrung im Bereich Prepaid hat.

Welche Vision verfolgt finperks im Bereich digitaler Prepaid Produkte, Gutscheine und Cashback Programme?

finperks will die globale Zahlungsinfrastruktur für Prepaid werden über eine einzige API, einen Vertrag, eine Abrechnung für über 1.000 Marken und in aktuell über 30 europäischen Märkten.

Unsere Mission wurde von zwei zentralen Erkenntnissen inspiriert: Die Prepaid-Zahlungsbranche ist veraltet und träge, aber reif für Innovation. Gleichzeitig decken Prepaid-Lösungen echte Verbraucherbedürfnisse ab, wie Budgetkontrolle und Zugang zu attraktiven Vorteilen, und sind damit ein wirksames Instrument zur finanziellen Selbstbestimmung.

Wir haben die Chance erkannt, diese Branche zu modernisieren und weiterzuentwickeln, ohne ihre Kernstärken aus dem Blick zu verlieren. So schaffen wir Lösungen, die innovativ, zugänglich und wirkungsvoll sind.

Unsere Vision geht über bloße Vorteile hinaus. Wir wollen Finanzinstrumente neu denken, für eine Welt, in der Prepaid-Lösungen Wachstum, Inklusion und Innovation vorantreiben. Wir sind überzeugt, dass der Prepaid-Markt ein enormes Potenzial birgt: mit Möglichkeiten, Innovation zu fördern, ungedeckte Bedürfnisse zu adressieren und Unternehmen wie Verbraucher auf neue Weise zu stärken. In unserem Wachstum ist es unser Ziel, dieses Potenzial zu erschließen und zwar durch Tools, die sich den sich wandelnden Anforderungen einer sich verändernden Welt anpassen.

Welche Zielgruppen möchte finperks mit seiner Plattform erreichen und welche Bedürfnisse dieser Nutzer stehen dabei im Mittelpunkt?

finperks adressiert primär B2B-Kunden: Banken und Fintech-Apps, die ihren Nutzern Cashback bieten wollen, sowie HR-SaaS-Plattformen, die steuerfreie Mitarbeiter-Benefits-Whitelabel in ihre Software integrieren möchten.

Im Mittelpunkt steht jedoch der Endnutzer, der über seine Banking-App automatisch relevante Cashback-Angebote bekommt, oder nativ steuerfreien Sachbezug beziehen kann.

Wie hilft die API Plattform von finperks Unternehmen dabei, digitale Gutscheine, Cashback oder Mitarbeiterbenefits einfacher in ihre Systeme zu integrieren?

Statt viele einzelne Lieferantenverträge und -integrationen zu managen, erhalten Unternehmen über eine einzige Integration Zugang zu über 1.000 Marken. finperks übernimmt Compliance, Abrechnung und technische Wartung und das skalierbar in ganz Europa.

Die Plattform ist modular aufgebaut: Ob Cashback, steuerfreier Sachbezug oder Treuepunkte-Einlösung alle Use Cases laufen über dieselbe API.

Was unterscheidet finperks von anderen Anbietern im Bereich Gutscheine, Prepaid Lösungen und Belohnungssysteme?

finperks ist fokussiert auf die Infrastruktur: Der Fokus liegt auf B2B-Orchestrierung über Märkte und Lieferanten hinweg. Das ist vergleichbar mit dem, was Stripe für Kartenzahlungen getan hat.

Dabei denkt finperks Prepaid mobile first, über Ländergrenzen hinweg und über verschiedene Use Cases jedoch mit einem Onboarding.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, Marken, Distributoren und Plattformen technisch miteinander zu verbinden?

Jeder Lieferant hat andere technische Standards, Vertragsstrukturen und Compliance-Anforderungen. finperks normalisiert all das zu einer einheitlichen Schnittstelle.

Hinzu kommt die regulatorische Fragmentierung in Europa: Steuerregelungen für Mitarbeiter-Benefits z.B. unterscheiden sich in Deutschland, Italien und den Niederlanden stark. Das erfordert tiefes lokales Know-how, welches wir mit finperks liefern können.

Wie baut finperks Partnerschaften mit Marken und Plattformen auf und welche Rolle spielen Kooperationen für das Wachstum des Unternehmens?

Da finperks als reiner B2B-Whitelabel-Anbieter agiert, sind Partnerschaften das Herz von finperks und der klare Weg für zukünftiges Wachstum.

Wir schließen direkte Verträge mit globalen Distributoren sowie lokalen Spezialisten und bündeln deren Sortiment für alle Kunden.

Gleichzeitig kooperieren wir mit Banken, Fintechs oder HR-SaaS-Anbietern, die wiederum selber Millionen von Endkunden bedienen, so dass finperks innerhalb kürzester Zeit durch Kooperationen viele Millionen von Endkunden bedienen kann.

Welche Rolle spielen Banken, Fintech Apps oder HR Software in der Strategie von finperks?

Banken und Fintechs sind unser wichtigster Distributionskanal: Sie bringen verifizierte Nutzer mit echtem Kaufverhalten. Das ist ideal für personalisierten Cashback auf Basis echter Transaktionsdaten.

HR-SaaS-Plattformen (HRIS, Benefits- oder Payroll Anbieter) erschließen den wachsenden Markt für steueroptimierte Mitarbeiter-Benefits. Allein in Deutschland können Arbeitgeber bis zu 50 Euro monatlich pro Mitarbeiter steuerfrei auszahlen. finperks will Unternehmen durch eine integrierte Lösung in ihre bestehende HR-Software den Zugang zu diesen Benefits vereinfachen und leichter zugänglich machen.

Wie sieht die weitere Entwicklung von finperks aus und welche neuen Funktionen oder Angebote sind geplant?

Kurzfristig steht der Launch mit mehreren Banking sowie HR-SaaS-Partnern im Fokus. Parallel wird das Marken-Portfolio um Direktintegrationen erweitert.

Auch neue Use Cases wie die Einlösung von Loyalty Punkten oder Crypto Off-Ramp sollen erschlossen werden.

Mittelfristig ist die Expansion außerhalb Europas geplant.

Welche Erfahrungen aus dem bisherigen Aufbau von finperks waren besonders prägend für euch als Gründerteam?

Ein eingespieltes Team, welches bereits erfolgreich gemeinsam gearbeitet hat, beschleunigt die Umsetzung enorm, weshalb wir nach 6 Monaten bereits über 1.000 Brands in über 30 Märkten ersten B2B-Partnern wie flizpay anbieten können.

Der Aufbau von Viafintech hat gezeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig in belastbare B2B-Beziehungen zu investieren. Das gilt bei finperks noch mehr, da wir auf beiden Seiten des Marktes gleichzeitig Vertrauen aufbauen müssen.

Gleichzeitig sind wir überrascht von der hohen Nachfrage bei B2B-Partnern, die über ganz Europa verteilt sind und entlang verschiedenster Use Cases, so dass wir daher sehr positiv in die Zukunft blicken.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben, die selbst ein Technologie Startup aufbauen möchten?

Team, Team, Team: Investiert in das Team und vor allem die Technik, denn am Ende schafft das Team den Wettbewerbsvorteil.

Nutzt euren unfairen Vorteil und arbeitet daran diesen weiter auszubauen: Branchen-Netzwerke, Erfahrung mit Regulatorik oder technisches Spezialwissen sind wertvoller als jeder generische Go-to-Market-Plan.

Parallelisiert konsequent: Vertragsverhandlungen, Produktentwicklung und Kundengespräche müssen gleichzeitig laufen, denn sequentielles Arbeiten kostet Zeit, die Startups nicht haben.

Was motiviert euch persönlich, mit finperks den Markt für digitale Gutscheine und Belohnungssysteme weiterzuentwickeln?

Wir sehen einen 1,4-Billionen-Dollar-Markt, der technisch noch im 2010er-Jahre-Modus feststeckt und dementsprechend fragmentiert, papierlastig und nicht skalierbar ist. Das ist eine klassische Infrastruktur-Chance.

Und es ist konkret: Wenn ein Nutzer über seine Banking-App 5% Cashback auf seine alltäglichen Ausgaben erhält, ist das ein echter, messbarer Mehrwert. Damit können wir gerade geringen und mittleren Einkommensschichten etwas zurückgeben und das treibt uns am meisten an.

Bild finperks Teambild Bildcredits/Fotograf:Lina Retzlaf

Wir bedanken uns bei Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Andreas Veller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum scheitert Weiterbildung oft daran, was Menschen wirklich brauchen?

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velpTEC Weiterbildung Kompetenz im Wandel der Bildung Robin Marsch

velpTEC gestaltet Weiterbildung neu, indem der Fokus klar auf Kompetenzentwicklung und anwendbare Fähigkeiten gelegt wird. Ziel ist es, Lernen stärker an realen Anforderungen auszurichten und Menschen nachhaltig für die Arbeitswelt zu befähigen.

Wie ist velpTEC entstanden und welche fachlichen Hintergründe bringt das Team hinter dem Unternehmen mit?

velpTEC ist aus dem Anspruch heraus entstanden, digitale Weiterbildung wirksamer, praxisnäher und wissenschaftlich fundierter zu gestalten. Das Gründungsteam bringt viele Jahre Erfahrung im Bereich digitaler Weiterbildung sowie teilweise auch im pädagogischen Umfeld mit. Über die Jahre haben wir uns intensiv mit Bildungsinnovationen, Zukunftstrends und insbesondere mit den Erkenntnissen der Didaktikforschung der letzten zehn bis fünfzehn Jahre auseinandergesetzt.
Dabei wurde uns immer deutlicher, dass zwischen dem Wissen darüber, wie Menschen effektiv lernen, und der tatsächlichen Umsetzung in der Bildungspraxis häufig eine große Lücke besteht.
Wir wollten uns bewusst von starren Curricula, reiner Wissensvermittlung und einem erzwungenen „Gleichschritt“ im klassischen Frontalunterricht lösen. Stattdessen setzen wir auf kompetenzorientierte, personalisierte und praxisnahe Lernformate, die individuelle Entwicklung ermöglichen und sich an realen Anforderungen orientieren.
velpTEC ist somit aus dem Wunsch entstanden, Weiterbildung neu zu denken – wissenschaftlich fundiert, technologisch zeitgemäß und konsequent auf die Zukunft ausgerichtet.

Welche Vision verfolgen Sie mit velpTEC im Bereich digitaler Weiterbildung und Qualifizierung?

Unsere Vision ist eine Zukunft, in der Bildung Menschen befähigt, technologische und gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten..
Mit velpTEC bereiten wir insbesondere berufstätige Menschen auf die sich wandelnden Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft vor. Dazu stärken wir gezielt Zukunftskompetenzen – von technologischem Verständnis über digitale Souveränität bis hin zu Transformations- und Handlungskompetenz. Unser Ziel ist es, Menschen nicht nur mit neuen Technologien vertraut zu machen, sondern sie in die Lage zu versetzen, diese sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen.
Angesichts rasanter technologischer Entwicklungen und vielfältiger gesellschaftlicher Perspektiven erleben viele Menschen Orientierungslosigkeit oder Unsicherheit. Hier setzen wir an: Wir unterstützen sie dabei, Bildung als zukunftsgerichteten Prozess zu verstehen, neue berufliche Perspektiven zu entwickeln und möglichen Ängsten oder Vorbehalten gegenüber Innovationen konstruktiv zu begegnen.
Im Mittelpunkt steht für uns eine personalisierte und kompetenzorientierte Weiterbildung. Lernen muss sich an individuellen Potenzialen und realen Anforderungen orientieren. So schaffen wir die Grundlage dafür, dass Menschen nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern die Zukunft aktiv mitgestalten können.

An wen richten sich Ihre Weiterbildungsangebote konkret und welche Bedürfnisse stehen bei Privatpersonen und Unternehmen im Mittelpunkt?

Unsere Weiterbildungsangebote richten sich sowohl an Privatpersonen als auch an Unternehmen, die ihre Kompetenzen im Zuge der Transformation der Arbeitswelt gezielt weiterentwickeln möchten.

Bei Privatpersonen stehen häufig berufliche Neuorientierung, Spezialisierung oder der Einstieg in neue technologische Themenfelder im Mittelpunkt. Viele unserer Teilnehmenden möchten ihre beruflichen Perspektiven erweitern, sich in wachstumsstarken Bereichen qualifizieren oder sich gezielt auf neue Anforderungen in ihrem Beruf vorbereiten. Dabei geht es nicht nur um den Erwerb von Fachwissen, sondern vor allem um den Aufbau konkreter Handlungskompetenz und die Fähigkeit, das Gelernte unmittelbar im beruflichen Kontext anzuwenden.

Unternehmen verfolgen häufig eine andere, aber eng verwandte Zielsetzung. Für sie steht vor allem die gezielte Weiterentwicklung von Teams und Organisationen im Fokus – etwa im Kontext von Digitalisierung, technologischer Transformation oder neuen Arbeitsformen. Hier geht es darum, Mitarbeitende nicht nur fachlich weiterzubilden, sondern sie auch dazu zu befähigen, Veränderungen aktiv mitzugestalten und neue Technologien souverän in den Arbeitsalltag zu integrieren.

In beiden Fällen steht für uns die gleiche Grundidee im Mittelpunkt: Weiterbildung sollte sich an realen Anforderungen orientieren und Menschen dazu befähigen, konkrete Herausforderungen in ihrem beruflichen Umfeld besser zu bewältigen.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Programme praxisnah bleiben und echten Mehrwert für den Berufsalltag liefern?

Praxisnähe entsteht für uns vor allem durch die enge Verzahnung von Fachwissen, Didaktik und realer Berufserfahrung. Unsere Lerninhalte entwickeln wir daher bewusst in interdisziplinären Teams: Lehrkräfte mit didaktischer Expertise arbeiten eng mit Trainern und Trainerinnen zusammen, die überwiegend in der Wirtschaft tätig sind und ihren fachlichen Schwerpunkt klar in der praktischen Anwendung haben – nicht primär in der Lehre.
Diese Kombination stellt sicher, dass unsere Programme didaktisch fundiert sind und gleichzeitig nah an den realen Anforderungen der Arbeitswelt bleiben.
Die Praxisexperten und -expertinnen bringen konkrete Projekte, typische Herausforderungen und reale Fallbeispiele aus ihrem Berufsalltag ein. Dadurch spiegeln unsere Inhalte die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und Entscheidungsprozesse wider, mit denen unsere Teilnehmenden konfrontiert sind.

Zudem verstehen wir Praxisnähe nicht nur als inhaltliche Aktualität, sondern als Anwendbarkeit: Unsere Lernformate sind so konzipiert, dass Teilnehmende das Gelernte direkt auf ihre eigenen beruflichen Kontexte übertragen können – sei es durch projektbasierte Aufgabenstellungen, individuelle Coachings oder die Bearbeitung konkreter Fragestellungen aus dem eigenen Arbeitsumfeld.
So stellen wir sicher, dass unsere Programme nicht nur Wissen vermitteln, sondern unmittelbar relevanten Mehrwert für den Berufsalltag schaffen.

Welche Rolle spielen digitale Lernformate und individuelle Betreuung im Konzept von velpTEC?

Digitale Lernformate sind für uns kein Selbstzweck, sondern ermöglichen Flexibilität, Individualisierung und zeitgemäße Kompetenzentwicklung. Sie schaffen den Rahmen, in dem Lernen orts- und zeitunabhängig stattfinden kann – angepasst an die berufliche und persönliche Situation unserer Teilnehmenden. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, digitale Formate mit persönlicher Begleitung zu verbinden.
Ein zentrales Element unseres Konzepts ist die individuelle fachliche Betreuung. Statt standardisierter Lernprozesse setzen wir auf persönliche 1:1 Coachings, in denen fachliche Fragen vertieft, individuelle Schwerpunkte gesetzt und konkrete berufliche Herausforderungen bearbeitet werden können.

Darüber hinaus bieten wir eine kostenfreie flankierende Betreuung im überfachlichen Bereich an. Dazu gehören begleitende 1:1 Coachings durch erfahrene Business Coaches oder auch durch eine Sozialpädagogin. Themen wie Selbstorganisation, berufliche Neuorientierung, Self-Empowerment oder der konstruktive Umgang mit Veränderungsprozessen spielen dabei eine wichtige Rolle. Wir betrachten berufliche Weiterbildung ganzheitlich. Fachliche Entwicklung und persönliche Stabilität gehen für uns Hand in Hand.
Ergänzt wird dieses Angebot durch eine persönliche Betreuung im organisatorischen Bereich, sodass Teilnehmende auch bei administrativen Fragen verlässliche Ansprechpersonen haben.
Unser Ansatz verbindet somit digitale Flexibilität mit intensiver individueller Begleitung und schafft damit einen Lernraum, der sowohl effizient als auch menschlich nahbar ist.

Welche Herausforderungen erleben Sie aktuell im stark wachsenden Weiterbildungsmarkt?

Der Weiterbildungsmarkt wächst stark und das ist grundsätzlich positiv. Gleichzeitig beobachten wir zwei zentrale Herausforderungen.
Zum einen halten viele Anbieter weiterhin an klassischen Bildungskonzepten fest. Häufig dominieren starre Curricula, standardisierte Lernpfade und Formate, die stark auf Frontalunterricht oder rein digitale Wissensvermittlung setzen. Der Fokus liegt dabei oft auf der Vermittlung und Abfrage von lexikalischem Wissen und weniger auf der tatsächlichen Anwendung oder Kompetenzentwicklung.

Zum anderen gibt es Anbieter, die Weiterbildung bewusst „anders“ gestalten möchten und innovative Ansätze verfolgen. Allerdings fehlt hier mitunter die fundierte didaktisch-methodische oder pädagogische Expertise. Insbesondere im Hinblick auf die Erkenntnisse der Bildungs- und Didaktikforschung der vergangenen Jahre. Innovation allein reicht nicht aus; sie muss wissenschaftlich fundiert und lernwirksam umgesetzt werden.
Insgesamt sehen wir im Markt noch zu selten eine konsequente Kompetenzorientierung. Aus unserer Sicht geht es nicht primär darum, Wissen anzuhäufen oder Zertifikate zu erwerben, sondern darum, Fähigkeiten zu entwickeln und Handlungskompetenz zu stärken. Weiterbildung sollte Menschen befähigen, das Gelernte souverän in realen beruflichen Kontexten anzuwenden.
Die Herausforderung besteht also darin, Qualität, wissenschaftliche Fundierung und echte Praxisorientierung miteinander zu verbinden und Weiterbildung konsequent vom Lernenden und seinen Kompetenzen her zu denken.

Was unterscheidet velpTEC aus Ihrer Sicht von klassischen Bildungsanbietern oder reinen Online Kursplattformen?

Der zentrale Unterschied liegt für uns im Bildungsverständnis. Während klassische Bildungsanbieter häufig mit starren Curricula und festen Lernstrukturen arbeiten und reine Online-Kursplattformen vor allem auf skalierbare Wissensvermittlung setzen, stellen wir konsequent die individuelle Kompetenzentwicklung in den Mittelpunkt.
Wir verstehen Weiterbildung nicht als Konsum von Inhalten, sondern als begleiteten Entwicklungsprozess. Unsere Programme sind hochgradig modularisiert und ermöglichen personalisierte Lernpfade statt standardisierter „One-size-fits-all“-Lösungen. Ergänzt wird dies durch intensive 1:1 Coachings im fachlichen Bereich, ohne das Gießkannenprinzip des klassischen Frontalunterrichts.
Ein weiterer Unterschied ist die enge Verbindung von Didaktik, Praxis und individueller Betreuung. Unsere Inhalte entstehen in der Zusammenarbeit von pädagogisch erfahrenen Lehrkräften und Expert:innen, die überwiegend aktiv in der Wirtschaft tätig sind. So verbinden wir wissenschaftlich fundierte Lernkonzepte mit realen beruflichen Anforderungen.

Darüber hinaus betrachten wir Weiterbildung ganzheitlich: Neben der fachlichen Qualifizierung bieten wir auch überfachliche Begleitung sowie eine persönliche organisatorische Betreuung. Digitale Lernformate schaffen dabei Flexibilität, werden jedoch stets durch individuelle Begleitung ergänzt.
Kurz gesagt: Wir kombinieren digitale Möglichkeiten mit persönlicher Nähe, wissenschaftlicher Fundierung und konsequenter Kompetenzorientierung. Das unterscheidet uns sowohl von klassischen Bildungsinstitutionen als auch von rein digitalen Kursplattformen.

Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Lernniveaus und beruflichen Zielsetzungen Ihrer Teilnehmenden um?

Wir gehen davon aus, dass es in der Weiterbildung keine zwei identischen Ausgangssituationen gibt. Menschen bringen unterschiedliche berufliche Erfahrungen, Lernvoraussetzungen und Zielsetzungen mit – entsprechend individuell muss auch Weiterbildung gestaltet sein.
Deshalb setzen wir konsequent auf Kompetenzorientierung und Personalisierung. Unsere Inhalte sind hochgradig modularisiert, sodass Lernpfade flexibel zusammengestellt und an das jeweilige Kompetenzniveau angepasst werden können. Je nach Bedarf integrieren wir ergänzende individuelle Inhalte sowie vertiefende oder spezialisierende Exkurse. Perspektivisch bauen wir diese Personalisierung weiter aus, um Lernangebote noch gezielter auf individuelle Entwicklungsziele abzustimmen.

Ein zentraler Baustein sind zudem fachliche 1:1 Coachings – ohne starre Begrenzung in Anzahl, Dauer oder Schwerpunktsetzung. Statt eines Frontalunterrichts nach dem Gießkannenprinzip steht bei uns die individuelle Begleitung im Mittelpunkt. So können wir gezielt auf persönliche Fragen, konkrete berufliche Kontexte und spezifische Entwicklungsfelder eingehen.
Die Spannbreite unserer Teilnehmenden reicht dabei von Menschen, die einen vollständigen Quereinstieg in ein neues Fachgebiet anstreben, bis hin zu erfahrenen Fachkräften, die seit Jahren in ihrem Bereich tätig sind und für eine berufliche Neuorientierung oder Weiterentwicklung einen anerkannten Kompetenznachweis benötigen. Unsere Struktur ermöglicht es, beide Extreme – und alle Szenarien dazwischen – passgenau zu begleiten.
Unser Anspruch ist es, Weiterbildung so flexibel und differenziert zu gestalten, wie es die berufliche Realität unserer Teilnehmenden erfordert.

Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit besonders aufmerksam im Bereich Weiterbildung und Qualifizierung?

Wir beobachten derzeit eine durchaus ambivalente Entwicklung. Auf der einen Seite gibt es beeindruckende technologische Fortschritte und neue didaktische Möglichkeiten, insbesondere durch digitale Tools und Künstliche Intelligenz. Auf der anderen Seite erkennen wir in Teilen des Bildungsmarktes eine Rückbesinnung auf sehr klassische Methoden.
Teilweise erleben wir eine Tendenz zurück zu stark lehrkraftzentrierten Formaten, mit Fokus auf Frontalunterricht und primär wissensorientierter Vermittlung. Häufig steht weiterhin das Abprüfen von lexikalischem Wissen im Vordergrund, anstatt die Entwicklung von Handlungskompetenz und Problemlösungsfähigkeit systematisch zu fördern.

Besonders aufmerksam verfolgen wir den Umgang mit neuen Technologien, insbesondere mit KI. In einigen Kontexten werden diese eher verboten oder sanktioniert, statt ihren sinnvollen und verantwortungsvollen Einsatz didaktisch zu begleiten. Aus unserer Sicht ist das eine verpasste Chance. Denn diese Technologien werden die Arbeitswelt nachhaltig prägen. Lernende sollten daher nicht von ihrer Nutzung ausgeschlossen, sondern dazu befähigt werden, reflektiert, kritisch und kompetent mit ihnen umzugehen.
Die zentrale Frage ist für uns nicht, ob neue Technologien eingesetzt werden, sondern wie. Weiterbildung sollte Menschen in die Lage versetzen, technologische Entwicklungen zu verstehen, einzuordnen und produktiv zu nutzen, statt sie davon fernzuhalten. Nur so entsteht echte Zukunftsfähigkeit.

Wohin soll sich velpTEC in den kommenden Jahren entwickeln und welche Themen wollen Sie weiter ausbauen?

In den kommenden Jahren möchten wir insbesondere das personalisierte und konsequent kompetenzorientierte Lernen weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, individuelle Entwicklungsprozesse noch präziser zu begleiten und Lernangebote stärker an tatsächlichen Handlungskompetenzen auszurichten.
Ein zentrales Zukunftsthema ist dabei die Weiterentwicklung von Prüfungs- und Bewertungsformaten. Gerade vor dem Hintergrund technologischer Entwicklungen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, müssen klassische Prüfungsformen neu gedacht werden. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI-Tools unterstützend eingesetzt werden können, stellt sich die Frage, wie echte Kompetenz, Transferfähigkeit und Problemlösungskompetenz valide erfasst werden können. Hier sehen wir erheblichen Entwicklungsbedarf und gleichzeitig große Gestaltungsmöglichkeiten.

Darüber hinaus möchten wir den Lern- und Lehrprozess im tertiären Bildungsbereich insgesamt neu gestalten. Basierend auf den technologischen, didaktischen und pädagogischen Erkenntnissen der vergangenen Jahre verfolgen wir das Ziel, Bildungsstrukturen von Grund auf weiterzuentwickeln, nicht erst auf Ebene der Weiterbildung, sondern bereits vorgelagert im Hochschulkontext.
Aus diesem Grund befinden wir uns aktuell in der finalen Phase der Gründung einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Damit möchten wir einen Raum schaffen, in dem innovative, kompetenzorientierte und zukunftsgerichtete Bildungsmodelle systematisch umgesetzt und weiterentwickelt werden können.
Unsere Vision ist es, Bildung ganzheitlich zu transformieren – von der akademischen Ausbildung bis zur beruflichen Weiterbildung – und so nachhaltige, zukunftsfähige Bildungsstrukturen mitzugestalten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Startup im Bildungs oder EdTech Bereich aufbauen möchten?

  1. Bildung zuerst verstehen – Technologie danach einsetzen. Technologie ist ein kraftvolles Werkzeug, aber kein Selbstzweck. Wer im EdTech-Bereich gründet, sollte sich intensiv mit Lernprozessen, Didaktik und pädagogischen Grundlagen auseinandersetzen. Entscheidend ist die Frage: Wie lernen Menschen wirksam? Erst wenn dieses Fundament klar ist, sollte Technologie gezielt eingesetzt werden, um Lernprozesse zu unterstützen.
  2. Konsequent vom Kompetenzaufbau her denken – nicht vom Content. Viele Angebote scheitern daran, dass sie Inhalte skalieren, statt Kompetenzen zu entwickeln. Erfolgreiche Bildungsangebote orientieren sich daran, was Lernende am Ende tatsächlich können sollen – also an Handlungskompetenz, Problemlösungsfähigkeit und Transfer. Inhalte sind Mittel zum Zweck, nicht das Ziel.
  3. Den Menschen in den Mittelpunkt stellen – nicht das Produkt. Gerade im Bildungsbereich geht es um individuelle Entwicklungsprozesse. Unterschiedliche Ausgangssituationen, Motivationen und Lebensrealitäten erfordern flexible und personalisierte Ansätze. Wer Bildung anbietet, trägt Verantwortung. Deshalb sollte neben wirtschaftlichen Überlegungen immer auch der gesellschaftliche Impact mitgedacht werden. Zusammengefasst: Wer im EdTech-Bereich gründet, sollte Technologie, pädagogische Fundierung und echte gesellschaftliche Wirkung zusammendenken. Bildung ist kein schneller Markt, sondern ein langfristiges Gestaltungsfeld.

Bildcredits velpTEC

Wir bedanken uns bei Robin Marsch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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