Donnerstag, August 13, 2026
Start Blog Seite 10

KI-Plattform mint: Das neue Betriebssystem für die Filmproduktion

0
mint Filmproduktion Video mit KI neu gedacht creamAI: KI für moderne Filmproduktion

Vom Briefing zum fertigen Video in wenigen Stunden: Mit der neuen Plattform mint lanciert das Münchner KI-Unternehmen creamAI ein digitales All-in-One-Filmstudio, das komplexe KI-Modelle in einem einzigen professionellen Workflow bündelt und Nutzer selbst Regie führen lässt.

Welche Idee steckt hinter mint.creamai.de und wie ist das Unternehmen entstanden?

Die kurze Version lautet: Briefing rein, Film raus. Die längere hat viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun.

Ich komme aus der Film- und Motion-Design-Welt und arbeite seit über 15 Jahren an der Schnittstelle von Kreation und Marke und nun auch KI, unter anderem für Kunden wie SIXT, BMW, Samsung, IKEA oder Roland Berger, und habe in Keynotes und Workshops tausende Kreative zu KI ausgebildet. In dieser Zeit habe ich immer wieder dasselbe Muster gesehen: Der Bedarf an Bewegtbild explodiert, aber klassische Produktionen sind oft zu langsam, zu teuer und zu schwer skalierbar. Gleichzeitig sind mit KI enorm starke Modelle für Text, Bild, Voice und Video entstanden. Nur bleiben es meist einzelne Werkzeuge, die noch keinen professionellen Produktionsprozess ergeben.

Genau hier setzt mint an. Wir bauen mit mint ein Movie Production Betriebssystem für Unternehmen und Kreative. In mint läuft der gesamte Filmproduktionsprozess in einer Plattform ab: von der ersten Idee über Briefing, Skript, Charakterentwicklung, Storyboard, Bildgenerierung und VoiceOver bis hin zu Videogenerierung, Timeline, Schnitt und Video Export oder für die Weiterverarbeitung in Premiere Pro oder Final Cut.

Ein zentraler Begriff für uns ist die Netto-Produktionszeit – also die Zeit, in der ein Mensch wirklich aktiv an einem Film arbeitet. mint lässt sich vollständig manuell steuern, einzelne Schritte oder größere Teile der Produktion können aber an den Production Agent übergeben werden. Im Idealfall heißt das: Ein gutes Briefing rein, mint erstellt eine erste belastbare Filmversion, und der Mensch konzentriert sich danach auf Regie, Feedback und Feinschliff. Ein Erklärfilm, der früher 2–4 Wochen gedauert hat, entsteht so in wenigen Stunden Netto-Produktionszeit.

Unser Ziel ist deshalb nicht einfach, Filme schneller zu produzieren. Wir wollen Unternehmen ermöglichen, hochwertige Filme planbarer, günstiger und mit deutlich weniger Reibungsverlusten zu erstellen.

Wie würden Sie mint jemandem erklären, der sich bisher noch nicht intensiv mit KI beschäftigt hat?

Am einfachsten so: mint.creamai.de ist ein digitales Produktionsstudio für Filme. Eine klassische Filmproduktion besteht aus vielen Gewerken und Abstimmungsschleifen – von der Idee über Skript und Storyboard bis zu Schnitt und Export. Selbst kurze Erklärfilme dauern dadurch oft mehrere Wochen.

mint bringt diese Arbeitsschritte in eine gemeinsame Produktionsumgebung. Der Nutzer gibt eine Idee, ein Briefing oder ein Skript ein. Daraus kann mint eine Produktionsgrundlage entwickeln, Szenen planen, Bilder und Referenzen erzeugen, ein VoiceOver vorbereiten, Video-Takes erstellen und alles in einer Timeline zusammenführen.

Der entscheidende Punkt: mint ist kein reiner Videogenerator. Videogenerierung ist nur ein Teil des Systems. Der eigentliche Wert liegt darin, dass der gesamte Produktionskontext zusammenbleibt. Der Mensch entscheidet weiterhin über Tonalität, Stil, Freigaben und Details – die KI übernimmt vor allem die aufwendigen Zwischenschritte und macht den Prozess dadurch schneller und kontrollierbarer.

Welche Vision verfolgen Sie mit mint und welche Rolle soll das Unternehmen künftig im KI-Markt einnehmen?

Unsere Vision ist, dass hochwertige Filmproduktionen nicht mehr an große Budgets, lange Vorlaufzeiten und viel Spezialwissen gebunden sind. Unternehmen sollen Videocontent intern, planbar und skalierbar produzieren können, ohne die Kontrolle über Qualität, Marke und Botschaft zu verlieren.

Wir zielen dabei bewusst nicht auf einen Millionen-Nutzer-Markt für gelegentliche Experimente. mint ist für Unternehmen im DACH-Raum und in Europa gedacht, die regelmäßig Filme produzieren oder diesen Bereich künftig stärker intern aufbauen wollen: Marketingfilme, Produktvideos, Schulungsinhalte, Social Ads, Employer Branding, Erklärfilme und serielle Kurzformate.

Im KI-Markt möchten wir für eine neue Generation spezialisierter Produkte stehen. Die erste Welle war stark von einzelnen Tools und allgemeinen Chatbots geprägt. Die nächste Welle wird aus unserer Sicht von Lösungen bestimmt, die konkrete Geschäftsprozesse wirklich verstehen. Genau das ist unser Anspruch – und hier zahlt sich aus, dass wir Filmproduktion nicht als Außenstehende automatisieren, sondern das Handwerk seit Jahren aus der Praxis kennen. mint macht nicht nur ein Modell zugänglich, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess neu.

Viele Unternehmen stehen vor einer kaum überschaubaren Zahl an KI-Tools. Wie begegnet mint dieser Herausforderung?

Mit Fokus und Integration statt mit noch einem weiteren Tool. Viele Unternehmen haben inzwischen Zugriff auf zahlreiche KI-Werkzeuge – und genau dadurch entsteht ein neues Problem: Inhalte, Prompts, Dateien und Entscheidungen liegen über viele Systeme verstreut. Man spart an einer Stelle Zeit und verliert sie an anderer Stelle durch Abstimmung, Kontextverlust und Nacharbeit wieder.

mint ist bewusst nicht als weiteres allgemeines KI-Tool gedacht. Dafür gibt es mit creamAI bereits ein breiteres Multi-Gen-AI-Produkt. mint ist spitzer: Es konzentriert sich auf KI-gestützte Filmproduktion, also Prompt-to-Movie in einem professionellen Workflow.

Das bedeutet: Der Nutzer muss nicht für jeden Schritt ein neues Tool öffnen oder entscheiden, welches Modell gerade am besten passt. mint hält den Projektkontext zusammen und orchestriert Text-, Bild-, Voice- und Videomodelle im Hintergrund. So wird aus vielen einzelnen KI-Möglichkeiten ein klarer Produktionsprozess mit einem konkreten Ziel: ein fertiger, bearbeitbarer Film.

An welche Zielgruppen richtet sich mint besonders und welche Anforderungen stehen dort im Mittelpunkt?

mint richtet sich vor allem an Teams, die regelmäßig Videocontent brauchen – Marketing- und Brand-Teams, Kommunikationsabteilungen, Agenturen sowie HR- und Learning-Teams.

Die Anforderungen dort sind klar. Erstens Geschwindigkeit: Viele Teams müssen heute mehr Bewegtbild in kürzerer Zeit produzieren. Zweitens Wirtschaftlichkeit: Nicht jedes wiederkehrende Video kann eine große externe Produktion sein. Drittens Kontrolle: Stil, Marke, Produkte, Tonalität und Botschaften müssen konsistent bleiben.

Besonders stark ist mint deshalb bei wiederkehrenden Formaten wie Produktvideos, Kampagnenfilmen, Social Ads, Schulungsvideos, interner Kommunikation, Employer Branding oder Erklärfilmen. Unser Ziel ist, dass Unternehmen diese Formate als interne Produktionsfähigkeit aufbauen können, statt jedes Projekt komplett neu aufzusetzen.

Was unterscheidet mint von anderen Plattformen für KI-Anwendungen und Automatisierung?

Unser Prinzip bringt es auf den Punkt: Der Agent produziert den Film. Du führst Regie.

Viele KI- und Automatisierungsplattformen versuchen, möglichst viel gleichzeitig abzudecken. Das kann hilfreich sein, führt bei komplexeren Prozessen aber zu hoher Komplexität. Wir haben uns bewusst anders entschieden und konzentrieren uns auf einen einzigen, sehr relevanten Bereich: professionelle Filmproduktion.

Der Unterschied liegt darin, dass mint den Produktionszusammenhang versteht. Ein Bild ist in mint nicht einfach ein generiertes Bild – es gehört zu einer Szene, einem Stil, zu Referenzen, zu einem späteren Video-Take und am Ende zu einer Timeline. Ein VoiceOver ist nicht nur eine Audiodatei, sondern beeinflusst Timing, Szenenlänge und Schnitt.

Diese Verbindung der Schritte ist der eigentliche Wert. mint automatisiert nicht blind alles, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess so, dass Mensch und Agent sinnvoll zusammenarbeiten. Der Agent übernimmt Aufgaben, der Mensch behält Regie, Kontrolle und Freigabe.

Datenschutz und Datensicherheit sind bei KI ein großes Thema. Wie positioniert sich mint in diesem Bereich?

Datenschutz und Datensicherheit sind für uns zentral, weil mint mit Briefings, Skripten, Markenmaterialien, Referenzen und teilweise sensiblen Unternehmensinhalten arbeitet. Wir haben schon mit creamAI konsequent auf eine europäische Ausrichtung gesetzt und führen das mit mint weiter.

Unsere Infrastruktur ist auf deutsche und europäische Anforderungen ausgerichtet. Unsere Server stehen in Deutschland, und für textbasierte KI-Prozesse setzen wir auf Sprachmodelle mit europäischen Serverstandorten, etwa über große Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon. Dazu kommen vertragliche und technische Schutzmaßnahmen wie Auftragsverarbeitungsverträge, Zero-Data-Retention-Optionen und eine klare serverseitige Verwaltung von Zugangsdaten.

Wichtig ist mir dabei die ehrliche Einordnung: Der sensible Kern – Briefings, Skripte, Markenmaterial – bleibt in der europäischen Umgebung. Bei der reinen Videogenerierung gibt es im europäischen Markt aktuell noch keine Konkurrenz zu den stärksten internationalen Modellen. Wer heute hochwertige KI-Videos produzieren will, kommt an bestimmten amerikanischen oder asiatischen Modellen wie Seedance und Kling leider kaum vorbei.

Und schließlich unsere eigene Produktentwicklung: Unser Produkt- und Entwicklungsteam sitzt in München. Bei der Kernentwicklung arbeiten wir nicht mit Near- oder Offshoring-Strukturen. Das gibt uns mehr Kontrolle über Code, Architektur und Sicherheitsprozesse.

mint ist Teil des Hub Potsdam. Welche Impulse erhalten Sie dort für die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Der MediaTech Hub Potsdam bietet genau das Netzwerk, das wir als junges Unternehmen in dieser Phase brauchen. Relevante Kontakte, ehrliches Feedback, Zugang zu Unternehmen und einen starken Austausch mit Menschen, die Medien, Technologie und Unternehmertum verstehen.

In den letzten Wochen und Monaten sind über den Hub viele spannende Gespräche entstanden. Manche Kontakte haben uns durch Feedback weitergebracht, andere haben konkrete Projektideen oder Pilotmöglichkeiten eröffnet. Gerade bei einem Produkt wie mint ist es wichtig, die Idee immer wieder mit dem Markt zu spiegeln und nicht nur im eigenen Team weiterzuentwickeln.

Für uns hilft der Hub, schneller zu lernen, klarer zu kommunizieren und die richtigen nächsten Schritte zu priorisieren.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell beim Wachstum von mint?

Wir befinden uns im Übergang von einer geschlossenen Beta hin zu einer offeneren Beta-Phase mit ersten Pilotkunden. Wir führen aktuell rund fünf Gespräche pro Woche. Nachfrage und Feedback sind sehr positiv – gleichzeitig müssen Produktentwicklung, Sales, Onboarding und Kundenfeedback sauber zusammenlaufen.

Eine der größten Herausforderungen ist Fokus. Wenn man mit vielen potenziellen Kunden spricht, entstehen schnell viele gute Ideen und Wünsche. Als Gründer muss man genau zuhören, aber gleichzeitig entscheiden, welche Themen wirklich zum Kernprodukt gehören und welche später kommen.

Für die nächsten Monate ist mir deshalb besonders wichtig, viele Kunden persönlich zu onboarden. Ich will genau verstehen, wo die tatsächlichen Pain Points liegen, welche Workflows im Alltag entstehen und an welchen Stellen mint den größten Hebel hat. Dieses direkte Feedback ersetzt keine Produktstrategie, aber es macht sie deutlich besser.

Welche Bedeutung hat der Austausch mit anderen Startups und Technologieunternehmen im Hub Potsdam für Ihr Unternehmen?

Der Austausch ist sehr wichtig, weil viele Gründer vor ähnlichen Fragen stehen – auch wenn die Produkte unterschiedlich sind. Go-to-Market, Finanzierung, Teamaufbau, Produktfokus, Vertrieb, Pilotkunden, Partnerschaften: Bei all dem helfen konkrete Erfahrungen anderer Unternehmen enorm.

Besonders wertvoll ist die Praxisnähe. Man hört nicht nur theoretische Ratschläge, sondern echte Erfahrungen: Was hat funktioniert, was hat Zeit gekostet, welche Fehler würde jemand nicht noch einmal machen. Solche Gespräche beschleunigen den eigenen Lernprozess spürbar.

Auch die Coaches und das Umfeld des Hubs geben uns einen positiven Push. Sie helfen, Annahmen zu hinterfragen, die eigene Positionierung zu schärfen und schneller in Richtung Markt zu denken.

Welche Entwicklungen und Funktionen stehen bei mint in den kommenden Monaten auf der Roadmap?

Ein wichtiger Bereich ist Dubbing. Wir möchten es ermöglichen, produzierte Filme deutlich einfacher in andere Sprachen zu übertragen – idealerweise mit konsistenter Stimme und minimalem manuellem Aufwand. Für Unternehmen, die Inhalte international ausspielen, ist das ein großer Hebel.

Außerdem optimieren wir die Produktionsworkflows weiter. Schon heute entstehen kurze Erklärfilme mit sehr geringer Netto-Produktionszeit – also der Zeit, die ein Kollege wirklich aktiv an der Produktion mitwirkt. Spannend wird es vor allem bei Formaten, die in größerer Stückzahl entstehen – etwa Microdramas, Schulungsinhalte, Produktvideos oder Social-Formate. Hier geht es nicht um einen einzelnen Film, sondern um skalierbare Produktionslogik.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der bereits vorhandenen umfassenden agentischen Fähigkeiten. Nutzer können unserem Agenten erklären, was sie erreichen möchten. mint leitet daraus die passenden Produktionsschritte ab und zeigt trotzdem transparent, was passiert.

Zusätzlich arbeiten wir an speziellen Workflows für HR, Learning und interne Wissensvermittlung. Ein Beispiel: einfache Screencasts oder Rohaufnahmen von Mitarbeitenden, die automatisch strukturiert, gestalterisch verbessert und in hochwertige Trainings- oder Erklärvideos überführt werden. Viele Unternehmen haben intern enorm viel Wissen, aber zu wenig Zeit, daraus gute Inhalte zu machen. Genau hier kann mint einen großen Unterschied machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein Startup im KI-Bereich aufbauen möchten?

Baut nicht nur eine dünne Funktion um ein Large Language Model herum. Die Entwicklungsgeschwindigkeit im KI-Bereich ist enorm. Was heute wie ein Produkt wirkt, kann morgen eine Standardfunktion in einem größeren Modell sein. Prüft deshalb kritisch, ob ihr wirklich ein relevantes Problem löst oder nur eine kurzfristige technische Lücke nutzt.

Sucht euch einen Use Case mit echter Tiefe. Je stärker ein Produkt in reale Prozesse, Workflows, Daten, Nutzergewohnheiten und Fachlogik eingebettet ist, desto schwieriger ist es zu kopieren.

Bleibt extrem nah am Kunden. Gerade im KI-Bereich ändern sich Technologie, Erwartungen und Möglichkeiten sehr schnell. Man muss schnell bauen – aber noch schneller lernen. Kundenfeedback ist Gold wert, solange man nicht blind jedem Wunsch hinterherläuft. Idealerweise erkennt man Muster, nutzt diese für eine konsequente Weiterentwicklung des Produkts und verliert dabei die eigene Vision nicht aus den Augen.

Bild: AI generated by creamlabs AI GmbH

Wir bedanken uns bei Jacques Alomo für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Halleluja Sauna im Interview: Vom Schreinerbetrieb zur Millionen-Wellnessmarke

0
Halleluja Sauna: Longevity, Regeneration und Sauna Simon Bauer

Nach einem schweren Schicksalsschlag erfanden drei Brüder den traditionellen Familienbetrieb völlig neu: Mit Halleluja Sauna revolutioniert das junge Unternehmen den klassischen Saunabau und etabliert ein patentiertes Longevity-System, das Regeneration und High-Tech-Therapie direkt in den Alltag bringt.

Können Sie Halleluja Sauna kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem traditionsreichen Schreinerbetrieb ein Unternehmen für Longevity und Regeneration entstanden ist?

Halleluja Sauna ist aus einer klassischen Schreinerei entstanden. Allerdings nicht aus einer Geschäftsidee von drei Brüdern, sondern aus einem persönlichen Schicksalsschlag, den wir als Kinder erlebten. Nach dem schweren Unfall unseres Vaters hat sich unser Fokus komplett verändert. Plötzlich ging es nicht mehr darum, schöne Designermöbel zu bauen, sondern um eine viel grundlegendere Frage: Was braucht ein Mensch, um wieder mehr Lebensenergie, Regeneration und Lebensfreude zu gewinnen?

Mit dieser Frage haben wir uns über Jahre intensiv beschäftigt. Was heute unter dem Begriff Longevity bekannt ist, war für uns damals ein sehr persönlicher Antrieb. Aus dieser Suche ist schließlich die Halleluja Sauna entstanden.

Sie haben den Familienbetrieb übernommen und daraus ein Unternehmen mit Millionenumsatz aufgebaut. Welche Entscheidungen waren auf diesem Weg besonders entscheidend?

Für mich waren drei Dinge entscheidend. Erstens: ein Produkt zu entwickeln, das einen so klaren Nutzen bietet, dass Kunden nicht lange überlegen müssen. Wenn der Mehrwert offensichtlich ist, dann wird auch die Kaufentscheidung deutlich einfacher.

Zweitens: das richtige Team. Wir haben Menschen zusammengebracht, die nicht nur fachlich stark sind – von Produktentwicklung über deutsches Präzisionshandwerk bis hin zu Marketing und Vertrieb –, sondern die alle dieselbe Leidenschaft teilen. Wir wollen alle etwas Außergewöhnliches schaffen.

Und drittens hatten wir von Anfang an ein klares Ziel: Wir wollten nicht einfach eine gute Sauna bauen, sondern die beste Sauna der Welt. Dieses Ziel prägt bis heute jede unserer Entscheidungen im Unternehmen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Halleluja Sauna, und warum sind Sie überzeugt, dass Longevity alltagstauglich werden muss?

Unser Alltag ist heute schneller und intensiver als je zuvor. Stress ist nicht das Problem, aber Dauerstress ist es. Deshalb brauchen wir Orte und Routinen, an denen sich Körper und Nervensystem wirklich erholen können.

Genau das verstehen wir unter Longevity: kein Luxus-Wellness für wenige, sondern Regeneration als festen Bestandteil des Alltags. Wer dauerhaft leistungsfähig sein möchte, muss seinem Körper auch regelmäßig die Möglichkeit geben, sich zu erholen. Für uns ist das niemals ein Wellness-Trend gewesen, sondern ein Grundbedürfnis.

Mit Halleluja Sauna haben Sie nach eigener Aussage die weltweit erste konsequent auf Longevity ausgerichtete Sauna entwickelt. Was macht Ihr Konzept so besonders?

Die positiven Effekte des Saunierens werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Aus unserer Sicht liegt das eigentliche Problem aber nicht in der Sauna selbst, sondern darin, dass viele Menschen sie kaum nutzen. Jeder kennt jemanden, dessen Sauna daheim irgendwann zum Abstellraum geworden ist.

Deshalb haben wir nicht einfach eine weitere Sauna gebaut. Unser Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das sich leicht in den Alltag integrieren lässt und dadurch regelmäßig genutzt wird. Denn nur was regelmäßig genutzt wird, kann langfristig Teil einer Longevity-Routine werden. Genau darin sehen wir den entscheidenden Unterschied unseres Konzepts.

Ihre Sauna vereint sieben Therapieformen in einem patentierten System. Welche Vorteile bietet diese Kombination für die tägliche Anwendung?

Wir sprechen intern bewusst von sieben aufeinander abgestimmten Regenerationsmodulen und nicht von Therapieformen. Der entscheidende Unterschied liegt für uns nicht in der Anzahl der Funktionen, sondern darin, wie sie zusammenspielen und einen klaren Rückzugsort für Körper und Geist schaffen.

Der größte Vorteil im Alltag ist die Einfachheit. Statt verschiedene Geräte oder Anwendungen zu kombinieren, startet der Nutzer mit wenigen Handgriffen seine persönliche Regenerationsroutine. Dadurch wird die Hürde, die Sauna regelmäßig zu nutzen, deutlich kleiner.

Genau diese Regelmäßigkeit ist für uns entscheidend. Ein System ist nur dann wirklich wertvoll, wenn es sich dauerhaft und unkompliziert in den Alltag integrieren lässt. Deshalb entwickeln wir unsere Regenerationsmodule auch kontinuierlich weiter.

An welche Zielgruppen richtet sich Halleluja Sauna hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Produkt erfüllen?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die verstanden haben: Für das eigene Wohlbefinden und die eigene Regeneration muss man selbst Verantwortung übernehmen.

Dazu gehören Menschen, die einen Ausgleich zu einem anspruchsvollen Alltag suchen, genauso wie Profisportler, Unternehmer und Führungskräfte, die Regeneration fest in ihre Routine integrieren. Gleichzeitig arbeiten wir mit Ärzten, Osteopathen, Physiotherapeuten, Gesundheitskliniken und Premium-Wellnesshotels zusammen. Und wir erleben, dass auch viele Familien – insbesondere Mütter – sich einen Ort wünschen, an dem sie im hektischen Alltag bewusst abschalten und neue Energie tanken können.

Am Ende verbindet all diese Menschen ein gemeinsames Bedürfnis: Sie wollen Regeneration einfach und regelmäßig in ihren Alltag integrieren. Genau dafür haben wir die Halleluja Sauna entwickelt.

Während viele Longevity-Anbieter auf Kliniken, Diagnostik oder Abonnements setzen, verfolgt Halleluja Sauna einen anderen Ansatz. Warum haben Sie sich bewusst für ein physisches Produkt entschieden?

Wir glauben an einfache Lösungen. Die beste Longevity-Strategie bringt nichts, wenn sie im Alltag nicht umgesetzt wird.

Deshalb haben wir ein Produkt entwickelt, das Regeneration unkompliziert zu Hause möglich macht. Gute Gewohnheiten entstehen leichter, wenn die Hürde möglichst gering ist. Das ist für uns der entscheidende Hebel.

Unsere Sauna ist kein Ersatz für Diagnostik oder medizinische Betreuung, sondern eine sinnvolle Ergänzung für den Alltag. Genau deshalb nutzen sie auch viele Ärzte selbst privat – weil sie so Regeneration regelmäßig und ohne großen Aufwand in ihr Leben integrieren können.

Sie entwickeln und fertigen Ihre Produkte selbst und setzen gleichzeitig auf KI-gestützte Prozesse. Welche Rolle spielen Innovation und eigene Produktion für den Erfolg von Halleluja Sauna?

Innovation gepaart mit hoher Geschwindigkeit spielt eine sehr große Rolle. Sauna wurde 150 Jahre lang nicht weitergedacht. Genau wie das Telefonieren mit Nokia – bis Apple kam. Genau so ist es bei uns. Wir wollen nicht starr sein und Recht behalten, was wir tun – wir hinterfragen uns täglich, was anders und besser sein muss.

KI unterstützt uns dabei, schnell und kosteneffizient unsere Produkte und unser Unternehmen weiter zu entwickeln. Schließlich geht es um den Nutzen für unsere Kunden. Das steht im Mittelpunkt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Premium-Marke in einem internationalen Wachstumsmarkt, der von bekannten Unternehmen aus den USA geprägt wird?

Die größte Herausforderung ist nicht die Konkurrenz aus den USA. Es ist die eigene Geschwindigkeit. Wachstum gelingt nur, wenn man die richtigen Menschen für sein Team gewinnt. Diese Menschen müssen fachlich stark sein, aber vor allem zur Unternehmenskultur passen und die eigenen Werte teilen.

Genauso wichtig ist es, innovativ zu bleiben. Wer eine Premium-Marke aufbauen will, darf sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Man muss sich ständig weiterentwickeln und jeden Tag ein Stück besser werden. Genau das treibt uns an.

Halleluja Sauna hat bereits Kunden aus Wirtschaft, Sport und Unterhaltung gewonnen. Wie wichtig sind solche Referenzen für die weitere Entwicklung Ihres Unternehmens?

Solche Referenzen sind für uns kein Name-Dropping, sie bestätigen uns in unserem Tun. Wenn sich Menschen, die aus vielen Angeboten wählen können, ganz bewusst für uns entscheiden, zeigt das, dass sie von unserer Qualität überzeugt sind.

Trotzdem bauen wir nicht für prominente Namen, sondern für Menschen mit hohen Ansprüchen. Die Referenzen sind deshalb einfach das Ergebnis guter Arbeit.

Welche nächsten Produktentwicklungen und Wachstumsziele stehen bei Halleluja Sauna aktuell im Fokus?

Die neueste Entwicklung ist erst wenige Tage alt und heißt Halleluja Genesis. Mit der Genesis haben wir eine Longevity Sauna gebaut, die finnische Saunakultur und modernste Infrarot-Technologie vereint.

Außerdem haben wir unsere sieben Regenerationsmodule um ein weiteres ergänzt. So findet sich jetzt ein Ionisator in der Halleluja Genesis. Über eine Million Ionen pro cm³ sorgen für ein Gefühl von frischer Luft, wie man es beispielsweise vor einem Wasserfall kennt.

Ein völlig neuer Ansatz, der gerade auch vom Fraunhofer-Institut erforscht wird. Dort wird Raumluft-Ionisation zur Bekämpfung von Viren getestet und die Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

Uns ist die Kombination aus traditioneller Handwerkskunst in unserer Manufaktur und modernster Forschung und Innovation, die in unsere Produkte einfließt, ein großes Anliegen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Familienunternehmen übernehmen und mit einer innovativen Idee erfolgreich neu ausrichten möchten?

  1. Bewahre den Kern, aber hinterfrage alles. Respektiere das Lebenswerk der Generation vor dir, aber verstecke dich nicht dahinter. Die Werte dürfen bleiben, die Art, wie ihr sie lebt, muss sich weiterentwickeln.
  2. Denk groß und habe den Mut, sichtbar zu sein. Die meisten setzen sich zu kleine Ziele oder geben beim ersten Gegenwind auf. Wenn du von deiner Idee überzeugt bist, steh dafür ein, auch wenn nicht jeder in deinem Umfeld sie sofort versteht.
  3. Professionalisiere dein Unternehmen, aber verliere nie deine Seele. Nutze Daten, Prozesse und KI, wo sie sinnvoll sind. Investiere in die richtigen Menschen und lerne zu verkaufen. Denn am Ende kaufen Menschen nicht nur ein Produkt, sie kaufen Vertrauen. Und das entsteht durch Persönlichkeit, Qualität und echte Leidenschaft.

Bildcredits Halleluja Sauna

Wir bedanken uns bei Simon Bauer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

329 Täter überführt: Wie echte Chaterfahrungen die Kinderschutz-App ChildSaver prägten

0
ChildSaver: Kinderschutz vor Grooming Gründer Frederic Dluzinski

Ein digitaler Frühwarner für das Smartphone, der anschlägt, bevor es zu spät ist: Der Gründer von ChildSaver im Interview über den schmalen Grat zwischen Kinderschutz und Privatsphäre und warum klassische Überwachungs-Apps oft scheitern

Können Sie ChildSaver kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

ChildSaver ist eine Kinderschutz-App für Android. Sie läuft offen auf dem Handy des Kindes, mit dessen Wissen, und warnt Eltern früh, wenn im Chat etwas Gefährliches passiert: Anzeichen von Grooming, Mobbing, Hassrede oder Selbstgefährdung. Entstanden ist die Idee aus meiner Arbeit als Streamer BodenlosTV. Seit November 2024 gebe ich mich in sozialen Netzwerken als Kind aus, um Erwachsene zu erkennen, die an Kindern sexuelle Straftaten begehen wie bspw. Grooming und übergebe die Fälle der Polizei. So habe ich bis heute 329 Täter überführt und der Polizei übergeben. Teilweise haben die Medien auch darüber berichtet, wie im Januar diesen Jahres. In hunderten dieser Chats lief immer das gleiche Muster ab. Ich habe gesehen, wie ein Täter Vertrauen aufbaut, wie er Grenzen langsam verschiebt, welche Sätze kurz vor der Gefahr fallen. Dieses Wissen steckt heute in ChildSaver, damit Eltern solche Muster erkennen können, bevor es zu spät ist.

Welche Vision verfolgen Sie mit ChildSaver, und wie möchten Sie Familien im digitalen Alltag langfristig unterstützen?

Meine Vision ist ein Kinderschutz, der warnt, ohne zu bespitzeln. Eltern sollen nicht heimlich mitlesen. Sie sollen rechtzeitig einen Hinweis bekommen, wenn wirklich etwas Ernstes passiert, und dann mit ihrem Kind reden können. Langfristig soll ChildSaver mit den Gefahren mitwachsen, also mit neuen Plattformen, neuen Maschen und neuen Formen von Druck auf Kinder. Wir wollen der ruhige Frühwarner im Hintergrund sein, der Familien Sicherheit gibt, ohne das Vertrauen zwischen Eltern und Kind zu zerstören.

An welche Zielgruppen richtet sich ChildSaver hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie mit Ihrer Lösung lösen?

ChildSaver richtet sich an Eltern von Kindern und Jugendlichen, die ein eigenes Smartphone haben. Das Problem dahinter: Kein Elternteil kann jeden Chat mitlesen, und die meisten wollen das auch gar nicht. Trotzdem passieren Grooming, Mobbing und Übergriffe genau dort, wo Eltern nicht hinschauen. Diese Lücke schließen wir. Die App meldet die Gefahr, nicht den harmlosen Alltag des Kindes.

Viele Eltern wünschen sich mehr Sicherheit für ihre Kinder, möchten sie aber nicht permanent überwachen. Wie gelingt ChildSaver dieser Spagat?

Zwei Dinge machen das möglich: Offenheit und Datensparsamkeit. Das Kind weiß, dass die App läuft, es gibt keine versteckte Spionage. Und Eltern sehen nicht den ganzen Chatverlauf. Die App schlägt nur an, wenn sie ein echtes Risiko erkennt, alles andere bleibt privat. So haben Eltern im Ernstfall ein Auge darauf, ohne ihr Kind rund um die Uhr zu kontrollieren.

Was macht ChildSaver aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Kinderschutz- oder Monitoring-Apps?

Klassische Monitoring-Apps arbeiten oft heimlich und zeigen Eltern möglichst viel, vom Standort über alle Nachrichten bis zu Screenshots. Das ist Überwachung. Wir wollten das Gegenteil. ChildSaver ist offen, speichert keine Bilder und zeigt nicht alles, sondern nur den einen Moment, auf den es ankommt: eine erkannte Gefahr. Und unsere Erkennung stammt nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis, aus tausenden echten Chats mit Tätern.

Ihre Lösung erkennt Risiken wie Cybergrooming, Cybermobbing oder Hate Speech. Welche Rolle spielt dabei die lokale Analyse direkt auf dem Gerät?

Die erste Erkennung passiert direkt auf dem Gerät des Kindes. Das hat zwei Gründe. Der eine ist Datenschutz: Bild- und Videoinhalte verlassen das Gerät nicht, sie werden dort eingeordnet, und Eltern bekommen nur einen Texthinweis, niemals das Bild selbst. Der andere ist Tempo, die App kann sofort reagieren. Schwierigere Fälle laufen zusätzlich über eine abgeschottete Prüfung. Wichtig ist mir dabei: Die App macht auf Anzeichen aufmerksam, gerade bei einem sensiblen Thema wie Selbstgefährdung, damit Eltern das Gespräch suchen oder fachliche Hilfe holen können. Sie behandelt nichts und ersetzt keine Fachstelle.

Datenschutz und Privatsphäre sind gerade bei Kindern besonders wichtig. Wie stellt ChildSaver sicher, dass Schutz und Privatsphäre im Gleichgewicht bleiben?

Datenschutz bauen wir von Anfang an ein, nicht nachträglich. Standortdaten und die auf dem Kindergerät erkannten Risiko-Hinweise, also Auslöser und Kontext, sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Lesbar werden sie erst im Browser der Eltern, mit einem Schlüssel, der das Gerät der Eltern nie verlässt. Bilder speichern wir grundsätzlich nicht. Für die Texterkennung werden Sprachnachrichten kurz verarbeitet, das sagen wir offen dazu. Überhaupt ist mir wichtig, klar zu benennen, was verschlüsselt ist und was nicht, statt pauschal alles als sicher zu verkaufen. Gerade bei Kindern ist das Pflicht.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Technologie, die sowohl technisch zuverlässig als auch gesellschaftlich akzeptiert sein soll?

Technisch ist das Schwerste, echte Gefahr von harmlosem Alltag zu trennen. Ein Fehlalarm zu viel, und Eltern verlieren das Vertrauen. Ein übersehener Fall, und der Schutz greift genau dann nicht, wenn er zählt. Gesellschaftlich ist die größte Hürde die Angst vor Überwachung, die viele zu Recht haben. Meine Antwort darauf ist immer die gleiche: offen arbeiten, wenig Daten sammeln, und klarmachen, dass die App warnt und nicht ausspioniert.

Digitale Gefahren verändern sich ständig. Wie entwickelt ChildSaver seine Plattform weiter, um auf neue Risiken reagieren zu können?

Digitale Gefahren ändern sich ständig, also lernt unsere Erkennung ständig mit. Durch meine tägliche Arbeit an der Front sehe ich sehr früh, welche neuen Maschen Täter fahren, auf welche Plattformen sie ausweichen und wie sich ihre Sprache verändert. Das fließt direkt in die App zurück. Dadurch bleibt ChildSaver nah an dem, was wirklich passiert, statt einem starren Regelwerk zu folgen, das schnell veraltet.

Welche nächsten Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei ChildSaver aktuell im Fokus?

Gerade machen wir die Erkennung über noch mehr Apps und Situationen hinweg zuverlässiger und erklären Eltern die Meldungen so verständlich wie möglich. Parallel bauen wir den Schutz davor aus, dass die App unbemerkt abgeschaltet wird. Und wir arbeiten an der offiziellen Verfügbarkeit über den Google Play Store, damit Einrichtung und Updates für Eltern einfacher werden.

Wie sehen Sie die Zukunft des digitalen Kinderschutzes, und welche Rolle soll ChildSaver dabei langfristig übernehmen?

Ich glaube, digitaler Kinderschutz bewegt sich weg von der Rundum-Überwachung, hin zur gezielten Warnung im Ernstfall. Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre, Eltern ein Recht auf Sicherheit. Bei richtig gebauter Technik ist beides möglich. ChildSaver soll das Werkzeug sein, das diesen Mittelweg gangbar macht: im Alltag zurückhaltend, im Ernstfall unterstützend, und immer als Ergänzung zu Polizei und Fachstellen, nicht als Ersatz.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit ihrer Technologie einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen möchten?

Erstens: Bau aus echter Erfahrung, nicht aus Annahmen. ChildSaver ist praxisnah, weil die App aus tausenden realen Fällen entstanden ist und nicht aus einer Idee am Schreibtisch.

Zweitens: Sei ehrlich, gerade bei sensiblen Themen. Versprich nichts, was du nicht halten kannst, und sag offen, wo deine Lösung an Grenzen stößt.

Drittens: Halte durch. Gesellschaftlich wichtige Probleme sind selten schnell gelöst, und der Gegenwind ist größer als bei einer reinen Geschäftsidee. Aber die Fälle, die man dadurch verhindert, sind jede Mühe wert.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Frederic Dluzinski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

ver.di und Google vergeben 500 kostenlose KI-Stipendien zur Google Summer Academy 2026

0
Eine junge Angestellte arbeitet fokussiert am Laptop in einem hellen Büro an einer KI-Weiterbildung der Google Summer Academy 2026.
Eine junge Angestellte arbeitet fokussiert am Laptop in einem hellen Büro an einer KI-Weiterbildung der Google Summer Academy 2026.

Neue Bildungsallianz gegen den Fachkräftemangel: ver.di und Google starten exklusive KI-Qualifizierung

Berlin, 13. Juli 2026 – Pünktlich zum Start der diesjährigen „Google Summer Academy 2026“ am 27. Juli baut die Google Zukunftswerkstatt ihre strategische Partnerschaft mit dem ver.di Mitgliederservice grundlegend aus. Im Zuge dieser erneuerten Allianz vergeben die Partner im ersten Schritt 500 vollfinanzierte Stipendien exklusiv an Gewerkschaftsmitglieder. Das Programm ermöglicht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne technologische Vorkenntnisse einen barrierefreien Zugang zu international anerkannten Zertifikaten, um die rasante Disruption durch generative Künstliche Intelligenz im eigenen Arbeitsalltag aktiv mitzugestalten.

Key Takeaways

  • Google und ver.di erweitern ihre Partnerschaft mit 500 Stipendien für Gewerkschaftsmitglieder zur Google Summer Academy 2026.
  • Das Programm fördert lebenslanges Lernen mit Kursen zu KI, Datenanalyse und agilen Methoden.
  • Die Summer Academy 2026 bietet vom 27. Juli bis 14. August 2026 kostenlose Webinare für alle Interessierten an.
  • Zielgruppen sind KMU, Gründer, Privatpersonen und ver.di-Mitglieder, mit Fokus auf praxisnahe Weiterbildung.
  • Anmeldungen sind über die Website goo.gle/SummerAcademy26 möglich.

Der technologische Wandel in deutschen Büros und Betrieben hat sich durch generative KI dramatisch beschleunigt. Doch während Großkonzerne eigene Schulungsprogramme aufsetzen, stehen Arbeitnehmer im Mittelstand und im Dienstleistungssektor oft vor einer unüberwindbaren Hürde: dem Mangel an barrierefreien, praxisnahen Weiterbildungsangeboten. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Kooperation zwischen Google und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) an. Sie wollen KI-Kompetenz aus der Elitennische direkt in die Breite der Belegschaften tragen.

Google Summer Academy Lebenslanges Lernen als Schutz vor digitaler Deklassierung

Im Gegensatz zu akademischen Langzeitfortbildungen setzt das Programm auf das Modell der „Career Certificates“ auf Coursera. Kernstück ist das neu konzipierte AI Professional Certificate, das Kernkompetenzen im Bereich Prompt-Engineering, Datenanalyse und agile Arbeitsmethoden vermittelt. Dass Gewerkschaften hierbei eine tragende Rolle einnehmen, ist kein Zufall. Die Transformation der Arbeitswelt gelingt nur, wenn Arbeitnehmer nicht nur passiv zuschauen, sondern technologische Werkzeuge eigenständig beherrschen.

„Künstliche Intelligenz ist Chance und Herausforderung für die Wirtschaft zugleich – und zwar für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen. Mit diesem Angebot geben wir unseren Mitgliedern das passende Werkzeug an die Hand, um sich frühzeitig Schlüsselkompetenzen anzueignen und ihre Rolle im Betrieb aktiv zu sichern.“ — Holger Kloft, Geschäftsführer des ver.di Mitgliederservice

Drei Wochen Digitaloffensive für die breite Öffentlichkeit

Parallel zur exklusiven Gewerkschaftskooperation öffnet Google vom 27. Juli bis zum 14. August 2026 das virtuelle Klassenzimmer der Summer Academy 2026 für alle Interessierten. Über 20 kostenlose Live-Webinare richten sich gezielt an Freiberufler, KMU-Inhaber und Privatpersonen. Das Kursportfolio reicht von technologischen Schwerpunkten wie „SEO-Optimierung mittels KI“ und dem kollaborativen Arbeiten mit „Google NotebookLM“ bis hin zu praxisorientierten Business-Kursen für Gründer.

„Die digitale Transformation schreitet rasant voran. KI-Kompetenzen sind heute kein optionales Extra mehr, sondern der zentrale Schlüssel für beruflichen Erfolg. Wir müssen den Zugang zu diesem Wissen demokratisieren, um die Zukunft der Arbeit gemeinsam und zukunftssicher zu gestalten.“ — Philipp Justus, VP Zentraleuropa bei Google

Kompakt: Google Summer Academy 2026

  • Zeitraum: 27. Juli bis 14. August 2026 (Online-Live-Webinare)
  • Zielgruppe: KMU, Gründer, Privatpersonen, ver.di-Mitglieder
  • Highlights: KI-Prompting, NotebookLM, KI-gestütztes SEO, LinkedIn-Branding
  • Anmeldung: Webinare über goo.gle/SummerAcademy26
  • Stipendium: Bewerbung für ver.di-Mitglieder auf dem ver.di-Mitgliederserviceportal
Wer kann an der Google Summer Academy 2026 teilnehmen?

Die Webinare der Google Summer Academy stehen vom 27. Juli bis zum 14. August 2026 allen interessierten Privatpersonen, KMU und Gründern komplett kostenlos offen. Eine Anmeldung ist unkompliziert über den offiziellen Google-Shortlink möglich.

Wie erhalten ver.di-Mitglieder eines der 500 kostenlosen Google-Stipendien?

Mitglieder der Gewerkschaft ver.di können sich direkt über das Portal des ver.di Mitgliederservice für eines der 500 Stipendien bewerben. Diese ermöglichen einen flexiblen, kostenfreien Zugang zu berufsqualifizierenden Google Career Certificates auf Coursera.

Foto/Quelle: GamePixel

LegalTech-Startup Justima: Osborne Clarke gründet KI-Agenten-Plattform aus

0
Justima: KI für Unternehmen im Monitoring Bild Christian Braun, Alexander Lilienbeck, Gereon Abendroth v.l.n.r Credit: Justima

Um die Flut an europäischen Gesetzesänderungen für Unternehmen beherrschbar zu machen, geht die renommierte Kanzlei Osborne Clarke neue Wege: Das KI-native Spin-off Justima automatisiert das regulatorische Monitoring mithilfe von intelligenten KI-Agenten und setzt schon zum Start auf namhafte Kunden wie Condor und Autodoc

Können Sie Justima kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Ausgründung aus Osborne Clarke entstanden ist?

Alexander Lilienbeck: Wir automatisieren mit KI-Agenten das laufende Monitoring europäischer Regulierung für Rechts- und Compliance-Abteilungen. Unsere Systeme durchsuchen täglich hunderte Rechts- und Regulierungsquellen und filtern für jedes Unternehmen genau die Änderungen heraus, die für das jeweilige Geschäftsmodell relevant sind und erläutern die individuellen Anknüpfungspunkte.

Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Wir haben immer wieder erlebt, wie viel Zeit Mandanten, und auch wir selbst, damit verbringen, europäische Gesetzesänderungen lückenlos zu verfolgen, und wie teuer es wird, wenn eine relevante Änderung übersehen wird. Gleichzeitig gibt es nur selten Prozesse in den Unternehmen, wie das strukturiert abläuft. Meist informiert sich jeder selbst über Linkedin und Newsletter. Irgendwann stand für uns fest: Dieses Problem lässt sich mit KI deutlich besser lösen als mit noch mehr manueller Recherche. Daher haben wir entschieden, Justima zu gründen. Osborne Clarke ist als Kanzlei seit Jahren bekannt für die Beratung zu regulatorischen Themen und hoch aktueller Gesetzgebung. Außerdem ist die Kanzlei seit jeher neuen Technologien super aufgeschlossen.

Osborne Clarke blickt auf eine über 250-jährige Geschichte zurück. Warum hat sich die Kanzlei entschieden, mit Justima bewusst das eigene Geschäftsmodell anzugreifen?

Gereon Abendroth: Weil wir den Wandel lieber aktiv gestalten, als ihn passiv über uns ergehen zu lassen. Osborne Clarke ist sowohl im Regulatory-Bereich als auch im KI-Engineering schon länger stark aufgestellt, mit Justima bringen wir beides zusammen. Für unsere Mandanten heißt das: Überall dort, wo sich ein Problem mit KI lösen lässt, lösen wir es mit KI. Unsere Anwältinnen und Anwälte können sich so noch stärker fokussieren und kommen dort ins Spiel, wo es um Bewertung, Erfahrung und Einordnung geht, also genau dort, wo menschliches Urteilsvermögen zählt.

Zudem ist das auch eine Reaktion auf die berechtigten Erwartungen der Mandanten: Der Aufwand für regulatorisches Monitoring wächst branchenübergreifend, und Unternehmen erwarten zu Recht, dass KI ihnen einen wachsenden Teil dieser Basisarbeit abnimmt.

Welche Vision verfolgen Sie mit Justima, und wie möchten Sie das regulatorische Monitoring für Unternehmen langfristig verändern?

Alexander Lilienbeck: Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, vertikale KI zu bauen, also Systeme, die Fachexpertise fest in den Produkt-Workflow einbauen, statt sie bei jeder Anfrage neu in ein generalistisches Modell hineinzuformulieren. Der Anspruch für uns ist klar: Mandanten sollen nicht zu Anwaltsstundensätzen für Tätigkeiten zahlen, die Software zuverlässig erledigen kann. Mit Justima lässt sich der ganze Prozess zudem audit-sicher gestalten.

Langfristig wollen wir auch international wachsen: Unternehmen außerhalb Deutschlands, die europäische Regulierung im Blick behalten müssen, sollen dafür künftig Justima nutzen können, statt jeweils kleine Teams in den Märkten aufzubauen, in denen sie operieren.

Welche Herausforderungen lösen Sie für Ihre Kunden, und warum gewinnt automatisiertes regulatorisches Monitoring gerade jetzt an Bedeutung?

Alexander Lilienbeck: Rechtsmonitoring ist für viele Unternehmen ein Pain Point. Gleichzeitig wächst die Zahl relevanter Vorgaben kontinuierlich. Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass der Umfang der Regulierung in den letzten knapp 15 Jahren über 30 Prozent zugenommen hat. Die Einstellung neuer Anwälte in Rechtsabteilungen ist hingegen nicht gewachsen. Wird eine Regulierungslücke jedoch erst spät im Unternehmen erkannt, entstehen daraus schnell operative und finanzielle Belastungen. Die vorschnelle Änderung von Produktfeatures oder Verzögerungen in der Entwicklung sind Kosten von versäumtem Compliance-Monitoring. Unser Versprechen ist, dass keine geschäftskritische Änderung übersehen wird.

Gleichzeitig verbringen Compliance-Teams enorm viel Zeit mit manueller Recherche, die nicht ihrer eigentlichen juristischen und strategischen Expertise entspricht. Genau diese Zeit wollen wir ihnen zurückgeben. Der eigentliche Engpass ist heute nicht mehr der Zugang zu Informationen, sondern die Frage, was davon für das eigene Unternehmen wirklich relevant ist und genau diese Vorsortierung lösen wir.

Justima setzt konsequent auf KI-Agenten und verzichtet auf ein klassisches CRM-System. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?

Christian Braun: Ein klassisches CRM ist auf manuelle Dateneingabe und starre Vertriebsprozesse ausgelegt. Das passt nicht zu unserem Selbstverständnis als KI-natives Unternehmen. Unsere Agenten erfassen und pflegen Kundeninformationen automatisiert im Kontext des jeweiligen Workflows. Wenn wir über neue Features brainstormen oder technische Lösungen durchdenken, lassen wir die KI bei Vertrieb und Preisgestaltung mithören oder über besondere Kundenwünsche sowie gutes und schlechtes Feedback debattieren. Das wird natürlich alles kondensiert, aber steht dann als Kontext zur Verfügung und liefert erschreckend passgenaue Ergebnisse. Zahlen und Metriken haben wir ebenfalls angeschlossen. Der Aufbau war für uns nicht wesentlich aufwendiger als ein CRM auf unsere Bedürfnisse anzupassen. Es wächst aber kontinuierlich mit und es fühlt sich an, als hätten wir da etwas aus einem Guss. Auf lange Sicht spart das nicht nur Geld und Zeit, sondern hält die Daten auch aktueller und konsistenter.

Justima ist bewusst als schlankes Team konzipiert, KI-Agenten übernehmen wie gesagt den großen Teil der operativen Workflows, damit sich das Team auf das konzentrieren kann, wo menschliches Urteilsvermögen unersetzlich ist: grundsätzliche Architektur Entscheidungen im Engineering oder Datenstruktur darf die KI nie treffen, ebenso regulatorische Expertise und der direkte Kundenkontakt. Nach unserem Verständnis werden so 2026 Unternehmen gegründet.

Wie verändert Künstliche Intelligenz aus Ihrer Sicht den Gründungsprozess im Jahr 2026 im Vergleich zu noch vor zwei Jahren?

Alexander Lilienbeck: Vor zwei Jahren hätte man für ein Produkt wie Justima ein deutlich größeres Team gebraucht, allein um die Plattform aufrecht zu erhalten und zu entwickeln, regelmäßige Test Protokolle, dazu noch Buchhaltung, Kundensupport, Sales-Gespräche und vieles mehr. Heute starten wir mit einem Kernteam von fünf Leuten, weil KI-Agenten große Teile vom Testing, Engineering, Wissensaufbereitung, Vorbereitung der Demo-Termine und wiederkehrende Anfragen beantworten. Das verschiebt komplett, wie viel Kapital und wie viele Menschen man braucht, um ein B2B-Produkt auf den Markt zu bringen.

Bereits sechs Wochen nach dem Marktstart zählen Unternehmen wie Condor, Karlsberg Brauerei und Autodoc zu Ihren Kunden. Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für diesen schnellen Markteintritt?

Gereon Abendroth: Drei Dinge kamen zusammen. Erstens hatten wir bereits eine strukturierte Validierungsphase hinter uns. Rund 30 Unternehmen haben die Plattform vor dem offiziellen Launch mehrere Monate lang produktiv getestet, sodass wir die Relevanzlogik gemeinsam mit unserer Regulatory-Praxis verfeinern konnten. Zweitens gab es bereits einen spürbaren Nachfrage-Puffer: rund 60 Unternehmen aus dem Compliance-Bereich hatten sich schon vor dem Launch für den Early Access registriert. Und drittens profitieren wir vom Netzwerk von Osborne Clarke, die meisten unserer aktuellen Kunden kommen aus diesem Umfeld, ohne dass eine Mandatierung der Kanzlei Voraussetzung wäre oder Daten geteilt werden.

Welche Rolle spielen KI-Agenten heute bereits im operativen Alltag von Justima, und wo sehen Sie künftig weiteres Automatisierungspotenzial?

Christian Braun: Unsere Agenten durchsuchen täglich hunderte europäische und internationale Rechts- und Regulierungsquellen. Hier fließt schon eine ganze Menge Know-how in die Aufbereitung der Wissenspunkte und deren Strukturierung. Das Herzstück von Justima ist dann die Einwertung, die Filterung nach Relevanz für den jeweiligen Kunden. Daneben setzen wir KI auch intern ein, etwa in der Softwareentwicklung mit Claude Code und für automatisierte Abläufe im Vertrieb, etwa beim Aufsetzen von Kundendemos.

Der nächste Schritt ist, Justima individueller an die konkrete Unternehmensstruktur unserer Kunden anzupassen, etwa durch eine tiefere Verzahnung mit den internen Compliance-Systemen, mit denen sie ohnehin schon arbeiten.

Der Markt für KI-gestützte LegalTech-Lösungen entwickelt sich rasant. Wie positioniert sich Justima gegenüber internationalen Anbietern?

Christian Braun: Generische Modelle neigen zu Halluzinationen, das ist technisch sogar notwendig, damit sie überhaupt funktionieren. Justima bauen wir deshalb konsequent als vertikales Produkt für einen einzigen Anwendungsfall: regulatorisches Monitoring für Compliance-Teams in Unternehmen. Was auch immer die großen Modellbetreiber entwickeln, ihre Modelle werden in den kommenden Jahren zweifellos noch besser. Und davon wird Justima partizipieren, statt verdrängt zu werden. Denn wir sind nicht das Modell selbst, sondern die Ebene darüber. Was uns generell differenziert, sind die Prozesse und Strukturen, die wir aufgebaut haben, und unser Wissen um die Regulatorik in den Märkten weltweit. Und genau hier hat uns die Expertise von Osborne Clarke einen echten Vorsprung verschafft.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines KI-Startups in einem stark regulierten Umfeld?

Alexander Lilienbeck: Rechtsabteilungen beziehungsweise Juristen allgemein sind für Startups vermutlich besonders herausfordernd. Schließlich ist man im Jurastudium und der späteren Ausbildung jahrelang darauf trainiert worden, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden. Da hilft es, gut vorbereitet zu sein und möglichst alles schnell parat zu haben, was typischerweise an Rückfragen kommt.

Außerdem: Wer Compliance-Teams als Kunden gewinnen will, muss selbst höchste Standards erfüllen. Wir betreiben Justima ausschließlich in der EU, DSGVO-konform und nach ISO 27001 sowie SOC 2 zertifiziert. Den Zertifizierungsprozess haben wir sehr früh schon angestoßen. Das war zunächst eine ordentliche finanzielle und zeitliche Investition für uns. Die sich aber gelohnt hat: Zum einen konnten wir von Anfang an in die Prozesse hineinwachsen, zum anderen legen viele Unternehmen Wert darauf, dass die Partner, mit denen sie zusammenarbeiten, genauso diligent sind wie sie selbst.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Justima aktuell im Fokus?

Alexander Lilienbeck: Wir werden die Zahl der Länder erweitern, in denen wir das Monitoring anbieten. Die Auswahl der juristischen Quellen erfolgt bei uns generell manuell und handverlesen, denn uns ist besonders wichtig zu kontrollieren, was in unser System einfließt. Das bedeutet aber auch, dass wir manche Kundenwünsche zurückstellen mussten – etwa nach einer Datenschutz-Regulierung in Simbabwe, die erfahrungsgemäß nur selten nachgefragt wird.

Der nächste Schritt ist dann die internationale Vermarktung von Justima. Einige Anfragen haben wir bereits erhalten, doch außerhalb Deutschlands sind wir bislang kaum sichtbar präsent. Finanziert haben wir uns bisher ohne Venture Capital, das bleibt vorerst auch unser Weg, auch wenn wir das für die Zukunft nicht kategorisch ausschließen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein KI-Unternehmen aufbauen und dabei etablierte Geschäftsmodelle neu denken möchten?

Alexander Lilienbeck:

1.) Lasst Euch weder von denen entmutigen, noch von denen Zeit stehlen, die Euch erklären, dass dieser Geschäftsbereich viel zu komplex sei, um ihn neu zu denken.

2.) Nutzt den Vorteil, dass Ihr keine Legacy-Systeme mit Euch herumschleppt, so könnt Ihr die eigenen Prozesse von Grund auf neu denken.

3.) Der Klassiker: früh mit den Kunden sprechen. Wie wichtig die vielen Kollaborations-Features in unserem Produkt sein würden, hatten wir zum Beispiel völlig unterschätzt.

Bild Christian Braun, Alexander Lilienbeck, Gereon Abendroth v.l.n.r Credit: Justima

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Femtech-Startup AEYA: Neue Wege in der Perimenopause-Versorgung

0
AEYA: Perimenopause und Frauengesundheit neu gedacht Aeya Gründerrinnen Fotocredits: Sebastian Donath

Mit einer KI-gestützten Plattform statt einer reinen Tracking-App will das deutsche Femtech-Startup AEYA die oft vernachlässigte Phase der Perimenopause enttabuisieren und die digitale Infrastruktur für eine neue, selbstbestimmte Generation der Frauengesundheit schaffen

Können Sie AEYA kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Fast jede Frau wird die Perimenopause erleben. Trotzdem beginnt für viele eine jahrelange Suche nach Antworten. Wir haben AEYA gegründet, weil wir das selbst erlebt haben. Nicht als theoretisches Problem, sondern als persönliche Erfahrung. Plötzlich verändert sich der eigene Körper – Schlaf, Stimmung, Konzentration, Energie – und statt Antworten hört man oft: „Dafür sind Sie noch viel zu jung.“

Dabei beginnt die Perimenopause bei vielen Frauen bereits mit Anfang oder Mitte 40 – teilweise sogar früher. Irgendwann wurde uns klar: Das ist kein individuelles Problem. Es ist ein strukturelles Versorgungsproblem. Wir haben AEYA deshalb nicht gegründet, weil die Welt noch eine weitere Gesundheits-App braucht. Wir haben AEYA gegründet, weil wir nicht länger akzeptieren möchten, dass Millionen Frauen jahrelang nach Antworten suchen müssen. Und wir bauen keine weitere Tracking-App. Wir bauen die Infrastruktur für eine neue Generation der Frauengesundheit.

Welche Vision verfolgen Sie mit AEYA, und wie möchten Sie die Versorgung von Frauen in der Perimenopause langfristig verbessern?

Wir glauben, dass die klassische Gesundheitsversorgung diese Herausforderung allein nicht lösen kann.

Ärztinnen und Ärzte leisten jeden Tag Enormes. Gleichzeitig entsteht Gesundheit nicht in einem 15-minütigen Arzttermin, sondern in den übrigen über 525.000 Minuten eines Jahres.

Genau dort setzt AEYA an.

Unser Ziel ist eine intelligente tägliche Gesundheitsbegleiterin, die Veränderungen früh erkennt, Zusammenhänge sichtbar macht und Frauen dabei unterstützt, informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.

Wir verändern das System bewusst von der Patientinnenseite aus. Denn informierte Patientinnen stellen andere Fragen, treffen bessere Entscheidungen und verändern langfristig auch die medizinische Versorgung.

Unsere Vision endet deshalb nicht bei der Perimenopause. Wir möchten die digitale Infrastruktur für eine neue Generation der Frauengesundheit schaffen – personalisiert, präventiv, wissenschaftlich fundiert und KI-gestützt.

An welche Zielgruppen richtet sich AEYA hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer App erfüllen?

Unsere Hauptzielgruppe sind Frauen zwischen Mitte 30 und Mitte 50 – also genau die Jahre, in denen die ersten hormonellen Veränderungen häufig beginnen.

Viele Frauen glauben, sie seien noch zu jung für die Perimenopause. Tatsächlich startet sie oft zehn Jahre vor der Menopause.

Genau deshalb setzen wir bewusst früh an.

Wir möchten Frauen nicht erst begleiten, wenn Beschwerden den Alltag bestimmen. Wir möchten Veränderungen sichtbar machen, bevor sie zum Problem werden.

Frauen brauchen nicht noch mehr Informationen.

Sie brauchen Orientierung.

AEYA hilft dabei, individuelle Muster zu erkennen, den eigenen Körper besser zu verstehen und dadurch mehr Sicherheit für die richtigen Entscheidungen zu gewinnen.

Die Perimenopause wird häufig unterschätzt oder erst spät erkannt. Warum ist es Ihnen wichtig, diesem Lebensabschnitt mehr Aufmerksamkeit zu schenken?

Weil die Perimenopause keine Nische ist.

Sie betrifft jede Frau – und trotzdem behandeln wir sie gesellschaftlich und medizinisch noch immer wie ein Randthema.

Dabei erleben Frauen innerhalb weniger Jahre einen der größten hormonellen Umbrüche ihres Lebens. Ein vergleichbarer natürlicher Hormonabfall würde sich bei Männern – vereinfacht betrachtet – über rund 180 Jahre erstrecken. Trotzdem erwarten wir von Frauen häufig, dass sie diese Phase einfach neben Beruf, Familie und Alltag bewältigen.

Gleichzeitig sprechen wir in Deutschland ständig über Fachkräftemangel und investieren enorme Ressourcen in die Gewinnung neuer Talente. Gleichzeitig verlieren Unternehmen hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte mitten im Berufsleben, weil die Auswirkungen der Perimenopause noch immer unterschätzt werden.

Das ist längst nicht nur ein Gesundheitsthema.

Es ist auch ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema.

Was macht AEYA aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Gesundheits- oder Zyklus-Apps?

Wir glauben nicht, dass Frauen noch eine weitere Tracking-App brauchen.

Daten allein lösen kein Problem.

Der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn daraus Zusammenhänge, Orientierung und konkrete Handlungsmöglichkeiten werden.

Hinzu kommt: Die Perimenopause ist hochkomplex und hochindividuell. Keine Frau erlebt sie gleich. Gleichzeitig beobachten Wissenschaft und Medizin immer mehr Zusammenhänge zwischen Hormonschwankungen und Symptomen, die bislang häufig gar nicht damit in Verbindung gebracht wurden.

Genau deshalb reicht ein statischer Ratgeber nicht mehr aus.

Mit jeder Nutzerin lernen wir mehr darüber, welche Muster tatsächlich auftreten. Dieses Wissen fließt – wissenschaftlich begleitet – kontinuierlich zurück in unsere Plattform und hilft langfristig allen Frauen.

KI ist für uns dabei kein Buzzword. Sie hilft uns, aus Millionen einzelner Datenpunkte personalisierte Orientierung zu schaffen.

Ihre App kombiniert Symptom-Tracking, personalisierte Auswertungen und wissenschaftlich fundierte Inhalte. Welche Vorteile bietet dieser ganzheitliche Ansatz für die Nutzerinnen?

Unser Ziel ist nicht die intelligenteste KI.

Unser Ziel ist die verständlichste Gesundheitsbegleiterin.

Heute unterstützt AEYA Frauen dabei, Zusammenhänge zwischen Schlaf, Symptomen, Zyklus, Bewegung oder Stimmung zu erkennen.

Langfristig sehen wir AEYA als tägliche Gesundheitsbegleiterin, die den gesamten Lebenskontext berücksichtigt – Stress, Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit, Alltag, persönliche Ziele und die individuelle Lebensphase.

Gesundheit entsteht nie isoliert.

Warum sollte künstliche Intelligenz sie isoliert betrachten?

Je besser AEYA eine Frau versteht, desto individueller und persönlicher können Empfehlungen werden. Genau darin sehen wir die Zukunft digitaler Gesundheit.

Wie unterstützt AEYA Frauen dabei, ihre Beschwerden besser zu verstehen und informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen?

Wir möchten Frauen nicht sagen, was sie tun sollen.

Wir möchten ihnen helfen zu verstehen, was in ihrem Körper passiert.

Denn Wissen schafft Selbstbestimmung.

Wer Veränderungen dokumentiert, Muster erkennt und Beschwerden besser einordnen kann, geht mit einer ganz anderen Sicherheit in Arztgespräche, kann gezieltere Fragen stellen und informiertere Entscheidungen treffen.

Gesundheitsversorgung verändert sich nicht nur in Arztpraxen.

Sie verändert sich auch dann, wenn Patientinnen beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Digital-Health-Lösung für ein Thema, über das noch immer zu wenig gesprochen wird?

Die größte Herausforderung ist heute nicht die Technologie.

Sie ist die Finanzierung.

All-Female-Founding-Teams erhalten in Deutschland bis heute weniger als zwei Prozent des Venture-Capital-Fundings. Gleichzeitig entstehen genau hier Lösungen für Märkte, die jahrzehntelang übersehen oder unterschätzt wurden.

Wir sehen unsere Perspektive dabei als besondere Stärke.

Wir entwickeln keine Lösung für eine Zielgruppe, die wir beobachten.

Sondern wir entwickeln sie gemeinsam mit Frauen, die wir selbst sind.

Gleichzeitig entsteht AEYA nicht nur aus persönlicher Erfahrung. Gemeinsam mit unserem interdisziplinären Medical- und Advisory Board und unserer Community verbinden wir wissenschaftliche Evidenz, medizinische Expertise und die Lebensrealität unserer Nutzerinnen.

Genau diese Kombination macht aus unserer Sicht die besten Gesundheitslösungen möglich.

Wie wichtig sind Datenschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten für die Entwicklung von AEYA?

Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt.

Vertrauen ist deshalb die Grundlage jeder digitalen Gesundheitslösung.

Datenschutz ist für uns kein nachgelagerter Prozess, sondern Teil der Produktentwicklung.

Gleichzeitig gilt: Technologie allein reicht im Gesundheitsbereich nicht aus.

Jede Weiterentwicklung unserer Plattform basiert auf wissenschaftlicher Evidenz und wird gemeinsam mit unserem Medical- und Advisory Board eingeordnet.

KI kann Muster erkennen.

Medizinische Expertise sorgt dafür, dass diese Erkenntnisse verantwortungsvoll genutzt werden.

Welche nächsten Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei AEYA aktuell im Fokus?

Aktuell entwickeln wir unsere KI konsequent weiter.

Heute erkennt AEYA bereits individuelle Muster.

Langfristig soll daraus eine tägliche Gesundheitsbegleiterin entstehen, die den gesamten Kontext einer Frau versteht und personalisierte Empfehlungen gibt – nicht nur auf Basis einzelner Symptome, sondern unter Berücksichtigung ihres gesamten Lebens.

Parallel bauen wir unsere wissenschaftlichen Inhalte, unsere Community und unsere Kooperationen mit Expertinnen und Experten kontinuierlich aus.

Denn wir glauben, dass die besten Gesundheitsprodukte nicht hinter verschlossenen Türen entstehen, sondern gemeinsam mit Wissenschaft und den Frauen, für die wir sie entwickeln.

Wie sehen Sie die Zukunft der digitalen Frauengesundheit, und welche Rolle soll AEYA dabei langfristig übernehmen?

Über Jahrzehnte wurde Frauengesundheit in Forschung und Versorgung systematisch unterrepräsentiert.

Jetzt erleben wir erstmals, wie digitale Technologien und künstliche Intelligenz helfen können, individuelle Gesundheitsverläufe besser zu verstehen und Frauen kontinuierlich zu begleiten.

Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.

Unser Ziel ist nicht, die größte Perimenopause-App zu werden.

Unser Ziel ist es, die digitale Infrastruktur für die nächste Generation der Frauengesundheit aufzubauen.

Perimenopause ist dabei nicht das Ziel.

Sie ist der Anfang.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einem Digital-Health-Startup ein gesellschaftlich relevantes Problem lösen möchten?

Erstens: Verlieben Sie sich nicht in Ihre Lösung, sondern in das Problem. Wirklich relevante Unternehmen entstehen dort, wo echte Probleme gelöst werden.

Zweitens: Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihren Nutzerinnen und Nutzern. Kein Pitchdeck ersetzt ehrliches Feedback aus dem Alltag.

Und drittens: Denken Sie größer als Ihr erstes Produkt. Die erfolgreichsten Unternehmen bauen keine App – sie verändern einen Markt.

Fotocredits: Sebastian Donath

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen Camilla Rando, Doreen Schwanck und Dr. Julia Binder für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

NextGO Epi: 2 Millionen Euro für Europas einzigen Galliumoxid-Hersteller

0
Galliumoxid: NextGO Epi erhält 2 Millionen Euro für Halbleiter gruppen foto

Europas einziger Hersteller von Galliumoxid-Halbleitern sichert sich 2 Millionen Euro

NextGO Epi erhält 2 Millionen Euro Pre-Seed-Finanzierung

Berlin, 14. Juli 2026 – NextGO Epi, ein Berliner Deeptech-Startup und Spin-off des Leibniz-Instituts für Kristallzüchtung (IKZ), hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen produziert Galliumoxid-Epitaxiewafer für die Leistungselektronik der nächsten Generation. Sein Verfahren erzeugt ein bahnbrechendes Halbleitermaterial, das die Ladezeit von Elektroautos von 60 auf nur 10 Minuten verkürzen und zugleich die Herstellungskosten von Leistungshalbleitern um bis zu 75 Prozent senken könnte.

NextGO Epi ist das einzige europäische Unternehmen, das Galliumoxid-Epitaxiewafer in Industriequalität mit bis zu vier Zoll Durchmesser fertigt. Das Material bildet die elektrisch aktive Schicht der nächsten Generation von Leistungshalbleitern: Bauelemente auf Galliumoxid-Basis halten höheren Spannungen stand und arbeiten effizienter als das heute gängige Siliziumkarbid oder Galliumnitrid. Die Technologie steckt im Kern jeder Stromübertragung, von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge über Wechselrichter für erneuerbare Energien bis hin zu KI-Rechenzentren und Systemen zur Raketenortung.

Angeführt wurde die Pre-Seed-Runde von Vireo Ventures, unter Beteiligung von Ultratech Capital Partners, IBB Ventures sowie Business Angel Boris Habets. Nur eine Woche nachdem die Europäische Kommission mit dem Chips Act 2.0 ihren bislang ambitioniertesten Vorstoß für Europas Halbleitersouveränität vorgestellt hat, markiert die Runde das erste institutionelle Investment in Europas einzigen Hersteller von Galliumoxid-Epiwafern. Das frische Kapital fließt in die Beschleunigung der Produktentwicklung, den Ausbau des Teams und die Stärkung der kommerziellen Präsenz in Europa und auf den globalen Märkten.

Investoren setzen auf Europas Halbleiterzukunft

„Ta-Shun und sein Team bei NextGO Epi haben eine großartige Zukunft vor sich. Sie verbinden tiefes technisches Know-how mit modernsten Fertigungskapazitäten, um Galliumoxid-Halbleiter zu produzieren, die die Elektronik der nächsten Generation revolutionieren werden. Wir freuen uns sehr, sie am Beginn ihres Weges zum führenden Anbieter dieser zunehmend strategischen Schlüsseltechnologie zu begleiten“, sagt Damian Perl, Gründer und General Partner von Ultratech Capital Partners.

Das Gründungsteam vereint mehr als zehn Jahre Erfahrung in Galliumoxid-Forschung und Epitaxie, untermauert durch zwei internationale Patente und über 30 wissenschaftliche Publikationen. Unterstützt wird das Unternehmen zudem von Dr. Jochen Linck, ehemaliger COO von Aixtron, der als Operating Partner das Wachstum und die kommerzielle Skalierung von NextGO Epi begleitet.

„Galliumoxid ist für die Leistungselektronik, was Silizium für die Computertechnik war – und Europa sollte diese Wertschöpfungskette besitzen“, sagt Dr. Ta-Shun Chou, CEO und Mitgründer von NextGO Epi. „Wir bauen die Materialbasis, die die nächste Energierevolution möglich macht. Und wir bauen sie in Europa.“

Stephan Schulze, Investment Director bei IBB Ventures, ergänzt: „NextGO Epi kommerzialisiert eine Technologie, die auf dem Kontinent einzigartig ist. Entwickelt in Berlin, verwurzelt im starken Forschungsökosystem der Stadt und ihrer jahrzehntelangen Halbleiterexpertise, ist das Unternehmen bestens positioniert, um zu einem zentralen europäischen Lieferanten von Galliumoxid-Epiwafern zu werden.“

Chips Act 2.0 stärkt Europas Halbleiterindustrie

Der im Juni vorgestellte Chips Act 2.0 der Europäischen Kommission zielt ausdrücklich darauf ab, Europas Abhängigkeit von asiatischen und US-amerikanischen Lieferanten bei jenen Halbleitermaterialien zu verringern, die Elektrofahrzeuge, KI-Server und das Stromnetz der Energiewende antreiben. NextGO Epi ist genau die Art von Unternehmen, die diese Politik hervorbringen soll: Es baut die grundlegende Lieferkette auf, die Europa braucht, um die nächste Welle der Energie- und Mobilitätswende anzuführen.

Galliumoxid bietet gegenüber dem heute verbreiteten Siliziumkarbid einen erheblichen Effizienzsprung: Das Material ist zehnmal energieeffizienter, verkraftet eine bis zu sechsmal höhere Spannungsdichte und lässt sich um bis zu 75 Prozent günstiger herstellen. Das dreiköpfige, durchgängig promovierte Gründerteam – Dr. Ta-Shun Chou, Dr. Andreas Popp und Dr. Andreas Fiedler – hat über ein Jahrzehnt daran gearbeitet, defektfreies Galliumoxid in Industriequalität zu entwickeln, mit starker Unterstützung des IKZ.

„Das Wissenschafts- und Technologieprogramm des IKZ hat sich der Entwicklung und Bereitstellung von Kristallen höchster Qualität für Elektronik und Photonik verschrieben. Im Fall unserer Ausgründung NextGO Epi freue ich mich, sagen zu können: Höchste Qualität gilt hier nicht nur für das Galliumoxid-Produkt, sondern gleichermaßen für das Gründerteam“, erklärt IKZ-Direktor Prof. Dr. Thomas Schroeder.

Vom Forschungslabor zum internationalen Lieferanten

Das Unternehmen produziert bereits, erzielt Umsätze und beliefert Kunden auf drei Kontinenten. Kern des Produkts ist das Aufwachsen einer epitaktischen Galliumoxid-Schicht – der sogenannten Epi-Schicht – auf ein Wafersubstrat. Sie bildet den elektrisch aktiven Teil eines Hochleistungs-Halbleiterbauelements. NextGO Epi ist das einzige europäische Unternehmen, das diese Schicht aus Galliumoxid in der von Industriekunden geforderten Qualität herstellt.

Galliumoxid beschleunigt Elektromobilität und Energiewende

Die naheliegendste Anwendung ist das Laden von Elektrofahrzeugen: Eine Ladesäule mit Bauelementen auf Basis des NextGO-Epi-Materials könnte ein Fahrzeug in 10 statt heute 60 Minuten vollständig laden – und das zuverlässig auch im Winter, wenn Lithium-Batterien typischerweise am schwächsten sind. Darüber hinaus steigert dasselbe Material die Effizienz von Wechselrichtern für erneuerbare Energien, Stromversorgungen in KI-Rechenzentren, Netztransformatoren und Verteidigungssystemen.

„Halbleiter mit ultrabreiter Bandlücke entwickeln sich zur entscheidenden Schlüsseltechnologie für die Hochvolt-Leistungselektronik der nächsten Generation – und Galliumoxid führt dieses Feld an. Kein anderes Material erreicht dieses Leistungsspektrum“, sagt Mischa Wetzel, Mitgründer und Managing Partner von Vireo Ventures. „Was NextGO Epi auszeichnet: Das ist kein Forschungsprojekt. Das Team produziert bereits, liefert bereits an Kunden – und weltweit kann praktisch niemand, was sie können. Diese Position, aufgebaut auf Jahren erstklassiger Forschung am IKZ, macht sie zu einem einzigartig starken Kandidaten für die Rolle als Schlüssellieferant dieser Industrie.“

Bildcredits NextGO Epi 

Quelle Elevate2Impact

Deep-Tech-Startup All About Accuracy sichert sich siebenstellige Pre-Seed-Runde

0
All About Accuracy erhält Finanzierung für Physical AI und Robotik Bildcredits All About Accuracy GmbH

All About Accuracy erhält siebenstellige Pre-Seed-Finanzierung für Bewegungssensorik-Chips

Deep-Tech-Startup sichert sich siebenstellige Finanzierung

Potsdam, 14. Juli 2026 – Die All About Accuracy GmbH, ein Deep-Tech-Spin-off des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP), hat eine siebenstellige Pre-Seed-Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Die Runde wurde von Campus Capital by STS Ventures, Brandenburg Kapital und ZOHO.VC unterstützt. Zusätzlich beteiligten sich erfahrene Angel-Investoren mit tiefgehender Expertise im Bereich Ultra-Wideband-Technologie (UWB) über Gigahertz Venture und Superangels.

Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Entwicklung seiner neuartigen Bewegungssensorik-Chips beschleunigen und erste Industrie- und Robotikpartnerschaften weiter ausbauen.

Präzise Sensortechnologie für Physical AI

Physical-AI-Systeme stehen heute vor einem grundlegenden Zielkonflikt. Kameras und visionsbasierte Systeme können Daten in großem Maßstab erzeugen. Oft fehlt ihnen jedoch die Genauigkeit, Robustheit und die verlässlichen Referenzdaten, die für präzise robotische Steuerung erforderlich sind. Am anderen Ende des Spektrums liefern Systeme zur Bewegungserfassung auf Forschungsniveau hohe Präzision. Sie bleiben jedoch teuer, komplex und außerhalb kontrollierter Umgebungen schwer einsetzbar.

All About Accuracy schließt diese Lücke mit einer robusten und skalierbaren Sensortechnologie, die speziell für industrielle Anwendungen, Robotik und Physical AI entwickelt wurde.

Bewegungssensorik ohne Kameras

Im Gegensatz zu optischen Systemen ist die Technologie von All About Accuracy nicht auf Kameras angewiesen. Sie ist darauf ausgelegt, auch in Umgebungen zuverlässig zu funktionieren, die durch Verdeckung, wechselnde Lichtverhältnisse, Staub, Reflexionen oder komplexe industrielle Anlagenstrukturen geprägt sind. Da die Sensorik direkt in kompakte elektronische Module integriert ist, lässt sie sich über Wearables, Roboter, Werkzeuge, mobile Maschinen und industrielle Infrastruktur hinweg skalieren. Damit ist die Technologie besonders relevant für die nächste Generation von Robotik- und Physical-AI-Anwendungen.

Neue Möglichkeiten für humanoide Robotik

Besonders relevant ist die Technologie für humanoide Roboter. Diese müssen ihre eigene Position und ihre Interaktionen mit Menschen, Objekten und Maschinen jederzeit zuverlässig erfassen können. Die Sensorik von All About Accuracy liefert dafür hochpräzise Referenzdaten und kann die Grenzen rein visionsbasierter Systeme ausgleichen.

Das Unternehmen wird das Kapital einsetzen, um die Produktentwicklung voranzutreiben und Pilotprojekte mit Robotik- und Industriepartnern auszubauen. Zu den zentralen Anwendungsbereichen zählen humanoide Robotik, Roboterkalibrierung, Bewegungserfassung und die Generierung realer Daten für Physical AI.

Gründer und Investoren sehen großes Marktpotenzial

„Unsere Mission ist es, Maschinen Zugang zu einer präzisen physischen Realität zu geben“, sagt Yori Fournier Co-Founder und CEO von All About Accuracy. „Damit Physical AI skalieren kann, brauchen Roboter mehr als Wahrnehmung. Sie brauchen kontinuierliche, zuverlässige und hochpräzise Ground-Truth-Daten. Genau daran arbeiten wir.“

„All About Accuracy adressiert eine der zentralen Infrastrukturlücken im Bereich Physical AI“, sagt Philipp Hauptmann, Investment Manager bei Campus Capital by STS Ventures. „Die nächste Generation der Robotik wird zuverlässige, hochpräzise physische Daten in großem Maßstab benötigen. Der halbleiterbasierte Ansatz von AAA hat das Potenzial, zu einer grundlegenden Sensorikschicht für diesen Markt zu werden.“

Binh Vu, Investment Managerin bei Brandenburg Kapital, kommentiert: „All About Accuracy zeichnet sich durch ein starkes Gründerteam, wissenschaftliche Tiefe und praktische Industrieerfahrung aus. Das Unternehmen hat das Potenzial, die Interaktion von Robotern und Physical AI mit der realen Welt deutlich zu verbessern. Mit seinem technologischen Vorsprung und dem starken Marktpotenzial ist All About Accuracy gut positioniert, um zu einem wichtigen Wegbereiter der nächsten Generation der Automatisierung zu werden.“

Bildcredits All About Accuracy GmbH

Quelle Investitionsbank des Landes Brandenburg

Venture Capital für alle: Wie Akka Pre-IPO-Investments ab 300 Euro zugänglich macht

0
Akka: Investitionen in Unternehmen ab 300 Euro Interviewpartner Thomas Rebaud

Die Investment-Plattform Akka demokratisiert den Zugang zu nicht börsennotierten Unternehmen und öffnet hochkarätige Venture-Capital-Anlagen für eine breite Zielgruppe.

Können Sie Akka kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Ich habe Akka gemeinsam mit meinem Mitgründer Benoît Lagarde im Januar 2024 gegründet, weil wir privaten Anlegerinnen und Anlegern den Zugang zu nicht börsennotierten Unternehmen ermöglichen wollten. Über unsere App können Akka-Mitglieder bereits ab 300 Euro in einige der vielversprechendsten Technologieunternehmen Europas und der USA investieren. Bis heute haben unsere Mitglieder fast 25 Millionen Euro in mehr als 34 Unternehmen investiert.

Wie entstand die Idee, Startup- und Pre-IPO-Investments für eine breitere Zielgruppe zugänglich zu machen?

Bevor ich Akka gegründet habe, hatte ich bereits in mehr als 40 Unternehmen investiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich fast ausschließlich gemeinsam mit sehr vermögenden Privatpersonen und Investmentfonds investiert habe. Ich habe mit diesen Investitionen sehr gute Renditen erzielt, und viele Freunde hätten ebenfalls gern investiert. Doch die Mindestanlage lag meist bei 50.000 Euro oder mehr. Selbst mit meinen Kontakten konnte ich ihnen diesen Zugang nicht ermöglichen.

Irgendwann wurde mir klar, dass das kein Einzelfall war. Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen gehören seit Jahrzehnten zu den renditestärksten Anlageklassen, waren aber fast ausschließlich einer kleinen Gruppe professioneller Investoren vorbehalten. Genau das wollten wir mit Akka ändern und diesen Markt für deutlich mehr Menschen öffnen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Akka, und wie möchten Sie den Zugang zu Venture-Capital-Investments langfristig verändern?

Aus meiner Sicht kommt es auf zwei Dinge an: Wir müssen unseren Mitgliedern Zugang zu den vielversprechendsten Unternehmen ermöglichen und gleichzeitig die Einstiegshürde deutlich senken.

Innerhalb von nur drei Jahren haben wir die Mindestanlage bereits auf 300 Euro reduziert und unseren Mitgliedern den Zugang zu einigen der weltweit spannendsten Unternehmen ermöglicht, darunter Anthropic, Epic Games und Perplexity.

Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen. Gleichzeitig möchten wir unser Angebot kontinuierlich ausbauen – etwa durch bessere Möglichkeiten, Anteile zu veräußern, umfangreiche Lernangebote, ein starkes Netzwerk von Investor sowie Veranstaltungen in ganz Europa. Mit Akka möchten wir ein neues Investitionsumfeld schaffen, das allen offensteht.

An welche Zielgruppen richtet sich Akka hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer Plattform erfüllen?

Die meisten unserer Mitglieder haben vor ihrer Anmeldung bei Akka noch nie in nicht börsennotierte Unternehmen investiert. Viele verfügen aber bereits über Erfahrungen mit Aktien, Immobilien oder Kryptowährungen. Sie möchten in Unternehmen investieren, deren Entwicklung sie nachvollziehen können und die gleichzeitig noch erhebliches Wachstumspotenzial bieten.

Wir übernehmen den gesamten Investitionsprozess – von der Auswahl geeigneter Unternehmen über deren Analyse und die Vertragsverhandlungen bis hin zu allen rechtlichen Schritten sowie der Begleitung während der gesamten Haltedauer und beim späteren Verkauf der Anteile. Dadurch benötigen unsere Mitglieder keine besonderen Vorkenntnisse.

Gleichzeitig beobachten wir, dass sich zunehmend auch erfahrene Investoren, Business Angels und Family Offices für Akka entscheiden, weil unser Ansatz für sie deutlich einfacher und effizienter ist, als jede Investition selbst zu organisieren.

Viele Privatanleger haben bislang keinen Zugang zu Startup-Investments. Warum möchten Sie diese Hürde abbauen?

Nicht börsennotierte Unternehmen gehörten in den vergangenen Jahrzehnten zu den renditestärksten Anlageklassen und haben sich langfristig besser entwickelt als Aktien, Immobilien oder Kryptowährungen. Dennoch blieb dieser Markt für die meisten Menschen verschlossen. Hohe Mindestanlagesummen, exklusive Netzwerke und das Fachwissen, das für die Bewertung nicht börsennotierter Unternehmen erforderlich ist, machten den Zugang nahezu unmöglich.

Gleichzeitig haben die europäischen Aufsichtsbehörden in den vergangenen Jahren neue regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen, damit diese Anlageklasse über regulierte Plattformen einer breiteren Anlegergruppe zugänglich wird. Diese regulatorischen Entwicklungen haben überhaupt erst den Rahmen geschaffen, in dem ein Angebot wie Akka möglich ist.

Was macht Akka aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Investmentplattformen?

Für mich liegt der größte Unterschied in der Qualität der Unternehmen, zu denen wir unseren Mitgliedern Zugang ermöglichen. Viele Plattformen stellen jeden Monat zehn oder zwanzig Investitionsmöglichkeiten ein und liefern dazu nur wenige Informationen. Das ähnelt eher einem Marktplatz, auf dem die Unternehmen selbst im Mittelpunkt stehen.

Bei Akka ist das anders. Unser Fokus liegt auf den Anleger. Deshalb wählen wir jeden Monat nur ein oder zwei Unternehmen aus, von deren Potenzial wir wirklich überzeugt sind. Ebenso wichtig sind für uns die Konditionen, zu denen wir investieren.

Ein gutes Beispiel ist Anthropic. Heute bieten mehrere Plattformen Anteile an dem Unternehmen an, allerdings auf Basis einer Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar oder mehr. Wir haben unseren Mitgliedern bereits Zugang ermöglicht, als das Unternehmen noch mit rund 60 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Genau diese sorgfältige Auswahl schafft aus unserer Sicht langfristig den größten Mehrwert für unsere Mitglieder.

Darüber hinaus bieten wir weit mehr als reine Investitionsmöglichkeiten. Zu Akka gehören auch Lernangebote und ein Netzwerk, in dem sich unsere Mitglieder austauschen können.

Welche Rolle spielen Bildung und Wissensvermittlung, wenn es darum geht, neue Anleger an das Thema Startup-Investments heranzuführen?

Sie sind für uns unverzichtbar. Die meisten Menschen, die Mitglied bei Akka werden, haben zuvor noch nie in nicht börsennotierte Unternehmen investiert. Deshalb geht es für uns nicht nur darum, ihnen den Zugang zu diesem Markt zu ermöglichen. Wir möchten ihnen auch das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ihre Entscheidungen selbstbewusst treffen zu können.

Dazu gehört zum Beispiel, zu erklären, wie Startups bewertet werden, was die Verwässerung von Anteilen bedeutet oder wie eine Finanzierungsrunde abläuft.

Dabei spielt auch der Austausch unter unseren Mitgliedern eine wichtige Rolle. Bei Akka kommen angehende Gründer, Fachleute aus der Technologiebranche und Menschen zusammen, die sich für Innovationen interessieren. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen den Austausch besonders wertvoll.

Wir möchten unsere Mitglieder nicht nur dazu befähigen zu investieren, sondern genau zu verstehen, in welches Unternehmen sie investieren und warum.

Wie stellen Sie sicher, dass Nutzer die Chancen und Risiken dieser Anlageform besser verstehen können?

Zu jeder Investitionsmöglichkeit stellen wir unseren Mitgliedern eine Zusammenfassung unserer Analyse sowie wichtige Unternehmensunterlagen zur Verfügung. Außerdem organisieren wir Gespräche mit den Gründer, bei denen unsere Mitglieder ihre Fragen direkt stellen können.

Uns ist wichtig, ein möglichst vollständiges und zugleich verständliches Bild jedes Unternehmens zu vermitteln. Deshalb erläutern wir nicht nur, warum wir investieren, sondern sprechen auch offen über die Risiken, die wir bei der jeweiligen Investition sehen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Plattform, die Venture-Capital-Investments für mehr Menschen zugänglich machen möchte?

Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die Wissensvermittlung. Die meisten Menschen, die zu Akka kommen, haben sich bislang nie als Investoren im Bereich Wagniskapital verstanden – schlicht deshalb, weil sie bisher keinen Zugang dazu hatten.

Bevor wir überhaupt über einzelne Unternehmen sprechen, müssen wir zunächst eine andere Form des Investierens erklären. Dazu gehören längere Anlagezeiträume, eine geringere Handelbarkeit der Anteile und die Tatsache, dass einzelne erfolgreiche Unternehmen den Wert eines gesamten Portfolios maßgeblich beeinflussen können. Diese Zusammenhänge sind nicht besonders kompliziert, aber vielen Menschen zunächst fremd.

Unser Anspruch ist deshalb, dass jedes Mitglied genau versteht, worauf es sich einlässt, bevor es zum ersten Mal investiert. Dafür steht unseren Mitgliedern ein erfahrenes Expert zur Seite. Wer Fragen hat, kann jederzeit ein persönliches Gespräch mit uns führen. Wir nehmen uns gerne die Zeit zu erklären, wie Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen funktionieren.

Wie wichtig ist die Community innerhalb von Akka, und welchen Mehrwert bietet sie den Nutzern?

Der Austausch unter unseren Mitgliedern ist ein wichtiger Bestandteil von Akka. Neben den Investitionsmöglichkeiten bieten wir umfangreiche Lernangebote sowie die Möglichkeit, sich sowohl online als auch bei Veranstaltungen in ganz Europa mit anderen Anleger zu vernetzen.

So können unsere Mitglieder Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Wissen rund um Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen aufbauen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Akka aktuell im Fokus?

Deutschland ist für uns einer der attraktivsten Wachstumsmärkte in Europa. Deshalb bauen wir unsere Präsenz hier gezielt aus und suchen derzeit einen General Manager für Deutschland. Bis Ende 2026 wollen wir rund 1.000 Nutzer in Deutschland gewinnen.

Langfristig möchten wir hier eine starke lokale Präsenz aufbauen und perspektivisch auch in deutsche Unternehmen investieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die einen traditionellen Markt durch digitale Lösungen zugänglicher machen möchten?

Der erste Rat ist: Macht es den Menschen so einfach wie möglich. Zugang bedeutet nicht nur, finanzielle Hürden zu senken. Genauso wichtig ist es, komplexe Themen verständlich zu erklären.

Mein zweiter Rat: Eure Glaubwürdigkeit ist euer wichtigstes Kapital. Gerade in einem Markt, der auf Vertrauen basiert, stärkt oder schwächt jede Entscheidung das Vertrauen eurer Nutzerinnen und Nutzer. Deshalb solltet ihr sehr sorgfältig auswählen, was ihr anbietet.

Und mein dritter Rat: Denkt langfristig. Regulatorische Anforderungen, eine langsame Marktentwicklung oder etablierte Wettbewerber mögen zunächst wie Hindernisse erscheinen. Tatsächlich können sie aber auch ein Vorteil sein, weil sie den Markteintritt erschweren und euch die Zeit geben, etwas Nachhaltiges aufzubauen.

Bildcredits Akka Europe

Wir bedanken uns bei Thomas Rebaud für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Akka

akka logo grün highlightgreen

Kontakt:

Akka Europe
3 Rue des Renaudes
75017 Paris
France

https://www.akka.app/
francois@akka.app

Ansprechpartner: François Barone

Social Media:
Instagram
Facebook
LinkedIn

Xient im Interview: Warum der Tech-Branche vor lauter KI die Orientierung abhandenkommt

0
Xient: Technologie und KI für mehr Klarheit Gründer CEO Yavuz Yildiz

Immer neue Tools, Datenquellen und KI-Modelle: Viele Unternehmen investieren massiv in Technologie, verlieren im Systemdschungel jedoch die Handlungsfähigkeit – ein Problem, das Gründer Yavuz Yildiz mit seinem Startup Xient durch radikale Klarheit und interdisziplinäre Teams lösen will.

Herr Yildiz, können Sie Xient kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung Ihres Unternehmens entstanden ist?

Ich denke, viele Unternehmen erleben gerade etwas, das zunächst gar nicht nach einem Technologieproblem aussieht. Über Jahre kommen neue Systeme hinzu. Neue Datenquellen. Neue Anforderungen. KI steigert diese Dynamik und Komplexität zusätzlich: Hier noch ein Tool, dort noch ein Update, noch eine Plattform. Alles für sich genommen sinnvoll. Irgendwann merkt man aber, dass nicht die Technologie das Problem geworden ist, sondern die Orientierung. Die Systeme werden mehr, die Klarheit immer weniger. Entscheidungen dauern länger, Abstimmungen werden schwieriger und im schlimmsten Fall geht die Handlungsfähigkeit verloren. Weniger, weil es an Daten oder Technologie fehlt, sondern weil niemand mehr das große Ganze überblickt.

Ich benutze dafür gerne das Bild einer Uhr: Wir bauen immer neue Funktionen ein, immer präzisere Zahnräder, immer intelligentere Mechanismen. Am Ende haben wir eine beeindruckende Uhr, aber wir verlieren die Fähigkeit, sie zu lesen. Genau dort arbeiten wir mit Xient. Wir helfen Unternehmen dabei, komplexe Daten-, System- und Transformationslandschaften so zu ordnen, dass aus Komplexität wieder Klarheit entsteht. Denn erst wenn Menschen verstehen, was sie vor sich haben, können sie gute Entscheidungen treffen und neue Technologien sinnvoll nutzen.

Die Idee zur Gründung ist aus meiner eigenen Laufbahn entstanden. Ich habe viele Jahre in internationalen Transformationsprojekten gearbeitet und dabei immer wieder erlebt, dass die eigentliche Herausforderung tatsächlich selten die Technologie allein ist. Meist fehlt jemand, der zwischen Fachbereichen, IT und Management übersetzen kann.

Deshalb wollte ich keine klassische IT- oder SAP-Beratung aufbauen. Mich hat immer interessiert, warum Projekte ins Stocken geraten und wie man Menschen wieder Orientierung gibt. Technologie ist dabei ein wichtiger Teil der Lösung, aber eben nicht die Lösung allein. Heute arbeiten wir mit einem interdisziplinären Team an Daten-, KI- und Transformationsprojekten für Mittelstand, DAX-Konzerne und europäische Forschungsprojekte. Uns verbindet dabei eine Überzeugung: Zukunft entsteht nicht dadurch, dass Unternehmen immer neue Technologien einkaufen. Sie entsteht, wenn Menschen verstehen, wie sie diese sinnvoll nutzen können.

Wie hat Ihr eigener Werdegang Ihre Sicht auf Talente, Karrierewege und Unternehmensaufbau geprägt?

Mein Berufsleben begann sogesehen mit einem Abschied. In meinen ersten Tagen als Berufsanfänger besuchten wir bei einer Werksführung das ThyssenKrupp-Werk in Dortmund – in den letzten Tagen, in denen dort noch Hochöfen standen. Der Mann, der uns durch das Werk führte, hatte sein ganzes Berufsleben dort verbracht. Schon sein Vater und sein Großvater hatten dort gearbeitet. Früher, erzählte er, habe es geheißen: „Dein Opa hat hier gearbeitet, dein Vater arbeitet hier, du wirst hier arbeiten und deine Kinder vermutlich auch.“ So kam es nicht. Man sah ihm an, was diese Erkenntnis mit ihm machte.

Für fast jeden in meinem Umfeld war das kein Strukturwandel auf dem Papier, sondern der Boden, der unter den Füßen nachgab. Ich zog daraus einen einfachen Schluss: Wer nicht nach unten will, muss nach oben. Für mich hieß das damals: der neuesten Technologie hinterherzulaufen, zu lernen, mich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten, egal wo auf der Welt. Den Satz „wer stehen bleibt, geht unter“ hatte ich mir zu eigen gemacht, fast um jeden Preis, nicht nur in der IT.

Viele Jahre später habe ich gemerkt, dass dieser Satz nur die halbe Wahrheit ist. Die nächste Bergspitze sieht genauso aus. Derselbe Aufstieg, dieselbe Mühe, derselbe kurze Moment oben. Ich war so mit dem Hinterherlaufen beschäftigt, dass ich aufgehört hatte zu fragen, wohin eigentlich. Es zählt nicht nur das Tempo, sondern die Richtung.

Das prägt heute auch meine Antwort auf KI. Die Technologie entwickelt sich in einem unglaublichen Tempo. Noch ein Modell, noch ein Tool, noch ein Update. Ich verstehe jeden, der das Gefühl hat, ständig hinterherlaufen zu müssen. Mir geht es manchmal genauso. Aber gegen zu viel Tempo hilft nicht mehr Tempo. Es hilft Klarheit.

Das Pikante daran ist, dass ich genau diese Klarheit ausgerechnet wieder im Ruhrgebiet gefunden habe – dort, wo ich einmal losgelaufen bin. Ich bin um die halbe Welt gerannt und am Ende dort angekommen, wo alles begann. Nur sehe ich heute anders auf die Dinge. Vielleicht schaue ich deshalb auch anders auf Menschen. Ein Lebenslauf erzählt, wo jemand war. Er sagt aber nur selten etwas darüber, wie jemand denkt, wie neugierig er ist oder ob er bereit ist, sich immer wieder neu einzuarbeiten.

Welche Vision verfolgen Sie mit Xient, und welche Rolle möchten Sie bei der digitalen Transformation von Unternehmen einnehmen?

Ich glaube, Unternehmen verwechseln in unserer heutigen Zeit oft Geschwindigkeit mit Fortschritt. Sie investieren in KI, automatisieren Prozesse und führen immer neue Technologien ein. Das ist grundsätzlich richtig. Doch KI macht die Welt nicht einfacher. Sie macht sie zunächst komplexer. Noch ein Modell, noch ein Tool, noch eine Entscheidung. Gegen diese Komplexität hilft aus meiner Sicht nicht noch mehr Geschwindigkeit. Es hilft Klarheit.

Deshalb verstehen wir unsere Rolle auch etwas anders als viele klassische Technologieberatungen. Wir wollen Unternehmen nicht möglichst schnell durch die nächste Transformation treiben. Wir wollen ihnen helfen, Orientierung zu gewinnen. Denn erst wenn Daten, Systeme und Menschen zusammenfinden, entstehen gute Entscheidungen. Und aus guten Entscheidungen entsteht Zukunftsfähigkeit. Meine Vision für Xient ist deshalb eigentlich eine sehr einfache: Ich möchte, dass Unternehmen nicht jeder neuen Bergspitze hinterherlaufen müssen. Ich möchte, dass sie wissen, warum sie losgehen und wohin.

Viele Technologieunternehmen legen bei Bewerbungen großen Wert auf Abschlüsse und lückenlose Lebensläufe. Warum halten Sie diesen Ansatz für überholt?

Ich kann gut verstehen, warum Unternehmen so auswählen. Ein Abschluss, ein geradliniger Lebenslauf oder die Stationen bei bekannten Unternehmen vermitteln zunächst einmal Sicherheit. Gerade wenn Fachkräfte knapp sind, greift man gern auf das zurück, was sich leicht vergleichen und einordnen lässt.

Ich frage mich aber, ob das heute noch ausreicht. Die Welt verändert sich schneller als jeder Studienplan. KI ist dafür das beste Beispiel. Was heute aktuell ist, kann in einem Jahr schon wieder überholt sein. Das bedeutet, dass wir alle ständig lernen müssen, unabhängig davon, welchen Abschluss wir haben. Deshalb interessiert mich bei Bewerbungen irgendwann eine andere Frage: Wie geht jemand mit etwas um, das er noch nicht kennt? Hat er oder sie den Ehrgeiz, sich ein komplexes Thema zu erschließen? Werden die richtigen Fragen gestellt? Bleibt er oder sie dran, wenn es schwierig wird?

Ich habe selbst keinen klassischen Karriereweg hinter mir. Vielleicht schaue ich deshalb anders auf Menschen. Ein Lebenslauf erzählt, wo jemand war. Er erzählt aber nur selten, wie jemand denkt. Gerade in Transformationsprojekten brauchen wir aber Teammitglieder, die sich immer wieder auf Neues einlassen können. Technologie entwickelt sich weiter. Methoden entwickeln sich weiter. Die Fähigkeit zu lernen bleibt. Und ich glaube, genau darin liegt heute das eigentliche Potenzial.

Sie sagen, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger häufig die besseren Technologieübersetzer sind. Welche Eigenschaften machen diese Menschen aus Ihrer Sicht besonders wertvoll?

Meiner Überzeugung nach, weil sie gelernt haben, zwischen verschiedenen Welten zu wechseln. Wer einen klassischen Karriereweg geht, bewegt sich oft viele Jahre in denselben Denkmustern. Das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil, daraus entsteht fachliche Tiefe. Aber Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen mussten sich häufiger auf Neues einstellen. Sie haben gelernt, sich einzuarbeiten, Fragen zu stellen und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Genau das brauchen wir heute in Transformationsprojekten.

Die wenigsten Projekte scheitern daran, dass niemand SAP versteht oder niemand etwas über KI weiß. Sie scheitern oft daran, dass IT, Fachbereiche und Management aneinander vorbeireden. Jeder kennt die eigene Sprache, aber kaum jemand übersetzt sie. Wir müssen heute besser zuhören können denn je. Zusammenhänge erkennen. Und bereit sein, uns immer wieder auf neue Themen einzulassen. Natürlich gibt es diese Menschen auch mit einem klassischen Werdegang. Aber ich habe häufig erlebt, dass Quereinsteiger genau diese Fähigkeiten besonders stark ausgeprägt haben. Vielleicht, weil sie selbst immer wieder neue Sprachen lernen mussten, fachlich wie menschlich. Am Ende entscheidet nicht das beste Tool über den Erfolg, sondern ob Menschen es gemeinsam verstehen und sinnvoll nutzen.

Bei Xient achten Sie stärker auf Neugier, Lernfähigkeit und Problemlösungskompetenz als auf den klassischen Lebenslauf. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Ansatz gemacht?

In unseren Projekten gibt es selten Standardlösungen. Jede Kund bringt eine andere Organisation, andere Systeme und andere Herausforderungen mit. Man muss sich jedes Mal neu hineindenken, Fragen stellen, zuhören und ein Problem wirklich verstehen wollen. Deshalb schaue ich bei Bewerbungen heute auf etwas anderes. Fachliche Exzellenz ist wichtig, darüber gibt es für mich keine Diskussion. Aber ich frage mich genauso: Wie geht jemand mit einer Situation um, die er noch nicht kennt? Ist da Neugier? Hat jemand den Ehrgeiz, sich etwas zu erschließen? Bleibt er oder sie dran, wenn es kompliziert wird?

Daraus ist auch unsere Unternehmenskultur entstanden. Wir haben Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen. Gerade diese Mischung macht uns stärker, weil jede etwas anderes mitbringt. Am Ende ist das vielleicht die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben: Technologie verändert sich ständig. Die Fähigkeit zu lernen bleibt. Und deshalb stellen wir lieber Menschen ein, die auch in fünf Jahren noch wachsen wollen, als Menschen, die heute schon jede Antwort kennen.

Xient begleitet Unternehmen bei Transformations-, Daten- und KI-Projekten. Wie wichtig sind dabei interdisziplinäre Teams mit unterschiedlichen Perspektiven?

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Transformationsprojekte erlebt. Und ich würde sagen: Die wenigsten Unternehmen sind zuvor an der Technologie selbst gescheitert. Oft war das Wissen, Daten und die Systeme da. Das Problem war vielmehr, dass jeder nur seinen eigenen Ausschnitt gesehen hat. Die IT hat anders auf das Projekt geschaut als die Fachbereiche. Das Management hatte wieder eine andere Perspektive. Alle hatten ihren Teil der Wahrheit, aber niemand das ganze Bild.

Deshalb betrachte ich Transformation heute vor allem als Übersetzungsarbeit. Wir brauchen Menschen, die technische Zusammenhänge verstehen. Genauso brauchen wir Menschen, die Geschäftsprozesse kennen, Organisationen verstehen oder Forschungserfahrung mitbringen. Erst wenn diese Perspektiven zusammenkommen, entsteht ein Gesamtbild. Und erst dann können gute Entscheidungen entstehen.

Das gilt heute mehr denn je. KI macht viele Dinge einfacher, gleichzeitig erhöht sie die Komplexität. Neue Möglichkeiten bedeuten auch neue Fragen. Genau deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht mehr, wenn jede Disziplin für sich arbeitet. Ich habe gelernt, dass die besten Lösungen meistens dort entstehen, wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen und Menschen bereit sind, einander zuzuhören.

Vielfalt wird häufig über Herkunft definiert. Warum beginnt Diversität aus Ihrer Sicht vor allem mit unterschiedlichen Denkweisen und Erfahrungen?

Herkunft ist ein Teil von Vielfalt, aber sie allein macht noch keine unterschiedlichen Perspektiven aus. Zwei Menschen können im selben Ort aufgewachsen sein und trotzdem völlig unterschiedlich denken. Genauso können Menschen aus verschiedenen Ländern sehr ähnliche Erfahrungen und Sichtweisen haben.

Für mich entsteht Vielfalt vor allem durch unterschiedliche Lebenswege. Es geht mir um die Vielfalt von Erfahrungen. Jemand, der sich vieles selbst erarbeitet hat, bringt oft einen anderen Blick mit als jemand, der einen klassischen Karriereweg gegangen ist. Beides ist wertvoll. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen und sich ergänzen.

Bei Xient versuchen wir Teams zusammenzustellen, in denen verschiedene Denkweisen aufeinandertreffen. Menschen, die analytisch denken, Menschen mit Projekterfahrung, mit Forschungshintergrund oder mit einem untypischen Werdegang. Diese Vielfalt führt oft zu besseren Fragen und damit auch zu besseren Lösungen und die Reduktion von blinden Flecken. Für mich ist Diversität deshalb kein Selbstzweck. Sie ist eine Voraussetzung dafür, komplexe Herausforderungen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Genau das brauchen Unternehmen heute mehr denn je.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen, wenn Sie Unternehmen davon überzeugen möchten, ihre Recruiting-Strategien und ihre Unternehmenskultur neu zu denken?

Ich glaube gar nicht, dass Unternehmen grundsätzlich falsch rekrutieren. Sie suchen nach Sicherheit. Ein geradliniger Lebenslauf, ein bekannter Arbeitgeber oder ein bestimmter Abschluss geben zunächst das Gefühl, eine gute Entscheidung zu treffen. Das kann ich nachvollziehen.

Die Frage ist nur, ob diese Kriterien noch ausreichen. Ich habe den Eindruck, dass sich unsere Arbeitswelt gerade schneller verändert als die Muster, nach denen wir Menschen auswählen. Unternehmen müssen anfangen, Potenzial genauso ernst zu nehmen wie Erfahrung. Die entscheidende Frage ist für mich nicht nur: Was kann jemand heute? Sondern auch: Wie entwickelt sich jemand weiter? Ähnlich ist es mit der Unternehmenskultur. Unterschiedliche Perspektiven einzustellen ist der einfache Teil. Schwieriger wird es, ihnen wirklich zuzuhören und Brücken zu bauen. Vielfalt entfaltet ihren Wert erst dann, wenn Menschen unterschiedliche Sichtweisen einbringen dürfen und daraus gemeinsam bessere Entscheidungen entstehen.

Employer Branding in der Tech-Branche dreht sich häufig um Technologien und Benefits. Was sollten Unternehmen stattdessen stärker in den Mittelpunkt stellen?

Die meisten Menschen möchten Teil von etwas sein. Sie möchten verstehen, welchen Beitrag ihre Arbeit leistet, ob sie sich weiterentwickeln können und ob ihre Ideen ernst genommen werden. Das ist aus meiner Sicht viel entscheidender als die Frage, ob es den neuesten Laptop oder jeden Freitag Pizza gibt.

Gerade in der Technologiebranche verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens damit, komplexe Probleme zu lösen. Dafür braucht es ein Umfeld, in dem Menschen lernen dürfen, Verantwortung übernehmen und auch einmal Fehler machen können. Das lässt sich nicht mit Benefits ersetzen.

Bei Xient versuchen wir deshalb zu zeigen, wie wir zusammenarbeiten. Wir geben Menschen die Möglichkeit, sich in neue Themen einzuarbeiten, an Forschungsprojekten mitzuwirken oder Verantwortung in anspruchsvollen Kundenprojekten zu übernehmen. Das zieht genau die Menschen an, die wir suchen: neugierig, lernbereit und mit dem Anspruch, sich weiterzuentwickeln.

Employer Branding beginnt deshalb nicht mit der Frage, wie ein Unternehmen nach außen wirkt. Es beginnt mit der Frage, welche Kultur Menschen jeden Morgen erleben, wenn sie zur Arbeit kommen. Wenn diese Kultur stimmt, wird sie früher oder später auch nach außen sichtbar.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Xient aktuell im Fokus?

Wir stehen gerade an einem spannenden Punkt. Viele Unternehmen beschäftigen sich verständlicherweise mit den Problemen von heute. Gleichzeitig entstehen die Technologien, die ihre Arbeit in fünf oder zehn Jahren prägen werden, schon jetzt.

Deshalb war es für mich immer wichtig, dass Xient nicht nur im operativen Geschäft arbeitet. Wir wollen genauso verstehen, was als Nächstes kommt. Aus diesem Grund engagieren wir uns seit Jahren in europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten, unter anderem in Horizon-Europe- und Erasmus+-Programmen. Dort beschäftigen wir uns mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity, Datenräumen, Nachhaltigkeit oder intelligenter Infrastruktur. Dieses Wissen nehmen wir nicht als Selbstzweck mit. Wir bringen es zurück in die Unternehmen und verbinden es mit den Herausforderungen, die unsere Kund heute beschäftigen.

Gleichzeitig möchten wir weiter wachsen und die richtigen Menschen gewinnen. Menschen, die neugierig sind und Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. Denn am Ende entsteht Zukunft nicht im Labor und auch nicht im Besprechungsraum. Sie entsteht dort, wo neue Ideen den Weg in die Praxis finden. Genau daran möchten wir weiterarbeiten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen aufbauen und dabei bewusst auf vielfältige Lebensläufe und Perspektiven setzen möchten?

Ich tue mich immer etwas schwer mit Ratschlägen, weil jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden muss. Aber drei Dinge habe ich auf meinem eigenen Weg gelernt, die ich hier teilen möchte.

Erstens: Stellen Sie Menschen nicht für das ein, was sie gestern gemacht haben. Stellen Sie sie für das ein, was sie morgen lernen können. Gerade in der Technologie verändert sich die Welt so schnell, dass Lernfähigkeit aus meiner Sicht wichtiger wird als perfekte CVs.

Zweitens: Die spannendsten Diskussionen in unserem Unternehmen entstehen oft dann, wenn unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen. Das kostet manchmal Zeit. Aber genau dort entstehen meistens die besseren Lösungen. Wer nur Menschen einstellt, die genauso denken wie man selbst, bekommt selten neue Perspektiven.

Und drittens: Seien Sie bereit, Ihre eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Ich war lange überzeugt, dass der nächste Schritt automatisch der richtige ist. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die nächste Bergspitze genauso aussieht wie die vorherige. Seitdem frage ich mich nicht mehr zuerst, wie schnell wir wachsen können, sondern ob wir in die richtige Richtung gehen. Ich glaube, diese Frage sollten sich Unternehmen genauso stellen wie Gründer.

Bildrechte: Xient GmbH

Wir bedanken uns bei Yavuz Yildiz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Neueste Beiträge