Mittwoch, November 4, 2026
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Transparenz im E-Commerce: Wie OneCircle für ethischen Online-Handel sorgt

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OneCircle: Online-Marktplatz für geprüfte Händler Baris Mert Colak

OneCircle ist ein Online-Marktplatz, der Händler und Marken vor der Aufnahme ins Sortiment überprüft und damit mehr Transparenz beim Einkaufen schaffen möchte. Gründer Baris Mert Colak erklärt im Interview, wie das Prüfverfahren funktioniert, warum bestimmte Unternehmen ausgeschlossen werden und weshalb zehn Prozent des eigenen Marktplatzanteils in einen Spendenfonds fließen

Baris, stell dich und OneCircle bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, einen eigenen Online-Marktplatz aufzubauen?

Ich bin Baris Mert Colak, 26, aus Schwandorf in der Oberpfalz. OneCircle ist ein Online-Marktplatz mit Vollsortiment, von der Bohrmaschine bis zur Zahnbürste. Der Unterschied liegt vor dem Verkauf: Bei uns kommt keine Marke ins Sortiment, ohne dass wir vorher geschaut haben, welche Firmen eigentlich an ihr verdienen.

Die Idee kam aus einer ziemlich simplen Beobachtung. Beim Online-Einkauf weiß man praktisch nie, wem das Geld am Ende zufließt. Man kauft eine Uhr von einer bekannten Marke und denkt, man kauft bei dieser Marke. Tatsächlich steckt oft eine ganz andere Firma dahinter, manchmal in einem anderen Land, manchmal in einem Konzern, von dem man noch nie gehört hat. Wer nur den Markennamen prüft, prüft ein Etikett.

Also habe ich angefangen, es andersherum aufzuziehen. Erst die Prüfung, dann der Shop.

Mit OneCircle möchtet ihr kleinen und mittleren Händlern eine Verkaufsplattform bieten. Welche Probleme wollt ihr für diese Zielgruppe lösen?

Drei Dinge. Erstens die Kosten: Bei den großen Plattformen zahlt man Grundgebühren, bevor man den ersten Euro verdient hat. Bei uns nicht. Zweitens die Austauschbarkeit: Wer auf einem großen Marktplatz ein gutes Produkt hat, steht auf derselben Seite neben zehn billigeren Nachbauten.

Und drittens, das ist für mich der eigentliche Punkt: Händler, die sauber arbeiten, können das nirgends zeigen. Sie stehen zwischen allen anderen, ununterscheidbar. Bei uns ist die Aufnahmeregel selbst das Verkaufsargument. Wer bei uns gelistet ist, ist durch dieselbe Prüfung gegangen wie jeder andere.

Euer Geschäftsmodell verzichtet auf Grundgebühren und setzt auf eine Verkaufsprovision zwischen 10 und 15 Prozent. Warum habt ihr euch für diesen Ansatz entschieden?

Der Gedanke dahinter ist einfach. Eine monatliche Gebühr zahlt man, egal ob man verkauft hat. Für einen Händler, der gerade anfängt oder erst ein paar Artikel bei uns listet, ist das ein Risiko ohne Gegenwert. Bei einer Provision zahlt er nur, wenn etwas passiert ist. Für uns heißt das: Wir verdienen erst, wenn der Händler verdient hat. Das macht unsere Planung unbequemer, aber es ist die ehrlichere Richtung.

Bevor Händler bei OneCircle verkaufen dürfen, überprüft ihr die Unternehmen anhand bestimmter Kriterien. Wie funktioniert dieser Prüfprozess konkret?

Wir prüfen weder das Produkt noch die Marke, sondern jede Firma, die an einer Marke verdient. Bei einer Lizenzmarke sind das mindestens zwei: die Firma, der der Name gehört, und die, die herstellt und vertreibt. Dazu kommen Konzernmütter und Vertriebsgesellschaften.

Der Ablauf hat vier Schritte. Zuerst ermitteln wir zu jeder Marke alle beteiligten Firmen. Dann laufen zwei voneinander unabhängige Recherchen: eine freie Suche nach dokumentierten Vorwürfen und ein Abgleich gegen unseren eigenen Quellen-Index, der jede Nacht neu aus öffentlichen Listen aufgebaut wird, zuletzt 35.465 Einträge. Darin stecken unter anderem die Sanktionslisten der EU und der USA, die Liste des US-Arbeitsministeriums zu Waren aus Kinder- und Zwangsarbeit, die SIPRI-Rüstungsliste, OECD Watch und der ITUC Global Rights Index. Stimmen beide Wege überein, bestätigen sie sich gegenseitig. Weichen sie ab, ist genau das der Hinweis, genauer hinzusehen.

Daraus entsteht ein Vorschlag, der noch gar nichts bewirkt. Erst ein Mensch entscheidet: grün, gelb oder rot. Jede Sperre braucht ein zweites Augenpaar und eine Quelle mit Titel, Fundstelle und Jahr.

Und eine Regel, die oft überrascht: Die schlechteste Bewertung gewinnt. Hängt eine Marke an fünf Firmen und eine davon ist gesperrt, ist die Marke gesperrt. Das Geld fließt ja trotzdem dorthin.

Ausbeutung, Kinderarbeit, Kriegsfinanzierung und Unterdrückung sind für euch klare Ausschlussgründe. Wie geht ihr mit Fällen um, in denen öffentliche Informationen fehlen oder widersprüchlich sind?

Das ist der ehrlichste Teil unserer Arbeit, weil es der häufigste Fall ist.

Wir unterscheiden streng zwischen drei Stufen. Ein Beleg heißt: Die Firma steht namentlich in einer belastbaren Quelle, also in einem Urteil, einer Behördenentscheidung, einer Sanktionsliste oder einer nachlesbaren Recherche. Das führt zur Sperre. Ein Signal heißt: Die Firma wird nur mittelbar genannt, etwa über die Konzernmutter. Das führt zu einer Prüfung von Hand, nicht zu einer Sperre. Ein Risiko heißt: Es gibt keinen Eintrag, aber Branche oder Lieferkette sind auffällig. Das wird vermerkt, mehr nicht.

Ein Boykottaufruf allein ist für uns kein Nachweis. Er ist eine Meinung, und Meinungen sind kein Beleg.

Und wenn wir nichts finden, schreiben wir nicht „sauber“, sondern: Gegen diese Firma ist nichts dokumentiert. Das ist ein Unterschied. Kleine Firmen stehen oft in keiner Quelle, einfach weil sie niemand beobachtet. Das ist eine Datenlücke, keine Entwarnung.

Ihr habt bereits 1.782 Firmen in eurem Prüfsystem erfasst. Wie stellt ihr sicher, dass die Bewertungen aktuell und nachvollziehbar bleiben?

Über drei Mechanismen.

Ohne Quelle keine Bewertung. Gelb und Rot lassen sich im System gar nicht erst speichern, wenn Titel, Fundstelle und Jahr fehlen. Das ist keine Frage der Disziplin, das Feld lässt sich sonst nicht abschicken.

Jede Bewertung bekommt ein Datum zur Wiedervorlage. Bewertungen veralten, Firmen ändern sich, Verfahren enden.

Und: einmal bewertet, überall gültig. Wir bewerten lieferantenübergreifend. Wer gesperrt ist, bleibt gesperrt, egal über welchen Lieferanten seine Ware bei uns ankäme.

Ein Teil eurer Einnahmen fließt in einen Spendenfonds. Welche Ziele verfolgt ihr damit und nach welchen Kriterien wählt ihr gemeinnützige Organisationen aus?

Das Ziel ist, dass ganz normales Einkaufen automatisch etwas abwirft, ohne dass jemand extra dafür bezahlt oder sich extra darum kümmern muss. Kein Aufrunden an der Kasse, kein Häkchen beim Checkout, kein Aufpreis. Du kaufst eine Pfanne, und ein Teil dessen, was dabei bei uns hängen bleibt, ist schon weg, bevor wir überhaupt an uns denken.

Der zweite Teil des Ziels ist eine Selbstbindung. Fast jede Firma spendet irgendwann etwas, meistens dann, wenn ein gutes Jahr hinter ihr liegt. Wir wollten eine Regel, die auch in schlechten Monaten gilt. Deshalb geht der Anteil weg, bevor wir unsere eigenen Kosten abziehen. Von dem, was nach Auszahlung der Händler bei uns bleibt, gehen zehn Prozent in den Fonds. Wenn für uns am Ende nichts übrig bleibt, hat der Fonds trotzdem etwas bekommen.

Im August waren das 5,66 Euro, bei einem Marktplatzanteil von 56,60 Euro. Überwiesen am 9. September an Ärzte ohne Grenzen. Ja, das ist wenig. Wir hätten warten können, bis eine Zahl dasteht, die sich besser anfühlt. Aber eine Regel, die erst ab einem angenehmen Betrag gilt, ist keine Regel. Jeden Monat kommt eine neue Zeile dazu, auch eine kleine.

Bei der Auswahl halten wir es offen: Unsere Kundinnen und Kunden können Organisationen vorschlagen, die Entscheidung treffen wir. Jede Auszahlung steht mit Betrag, Empfänger, Datum und Beleg im Shop. Wer nachrechnen will, kann das.

Der Onlinehandel wird von großen Plattformen dominiert. Was unterscheidet OneCircle von etablierten Marktplätzen und warum sollten Händler und Kunden zu euch wechseln?

Technisch ist der Unterschied die Richtung. Die großen Plattformen arbeiten mit Einschluss: Ein Produkt muss ein Merkmal erfüllen, dann darf es rein. Wir arbeiten mit Ausschluss: Eine Firma darf keine unserer vier Linien überschreiten, sonst kommt sie nicht rein. Keine Ausbeutung, keine Kinderarbeit, keine Kriegsfinanzierung, keine Unterdrückung. Und bei uns entscheidet kein Siegel, sondern ein Mensch, der schriftlich begründet, warum.

Für Händler heißt das: Wer sauber arbeitet, hat bei uns zum ersten Mal einen Ort, an dem das sichtbar ist. Auf den großen Plattformen steht er neben allem anderen, nicht unterscheidbar.

Für Kunden ist es etwas anderes, und ich glaube, das ist der eigentliche Punkt. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben sich das beim Online-Einkauf irgendwann abgewöhnt, überhaupt nachzudenken. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil es nicht machbar ist. Du willst eine Pfanne kaufen und sitzt plötzlich zwanzig Minuten vor einer Firmenstruktur mit vier Tochtergesellschaften, verstehst sie nicht und bestellst am Ende doch das Billigste. Dieses Gefühl kennt jeder, und es ist zermürbend.

Was wir anbieten, ist, dass diese Arbeit vorher schon gemacht wurde. Nicht perfekt, das behaupten wir nicht, aber nachvollziehbar und mit Quellen, die du nachlesen kannst. Du musst uns nicht glauben, du kannst nachsehen. Und wenn wir etwas nicht wissen, schreiben wir das hin, statt es zu überspielen.

Ehrlich gesagt gewinnen wir beim Preis und bei der Lieferzeit gegen die Großen nicht. Wer in zwei Stunden ein Ladekabel braucht, ist bei uns falsch. Aber wer beim Einkaufen schon mal dieses leise Unbehagen hatte und keine Lust hat, es jedes Mal wegzuklicken: Genau dafür bauen wir das hier.

Seit August 2026 ist OneCircle online. Welche Erfahrungen habt ihr mit euren ersten Händlern, Lieferanten und Bestellungen gesammelt?

Stand Oktober 2026 sind es neun Bestellungen, drei aktive Händler und ein vierter, der gerade zugesagt hat, dazu vier Lieferanten im Eigenhandel. Im Shop stehen 120.062 Artikel, weitere 19.258 halten wir zurück, weil die Bewertung aussteht oder Herstellerangaben fehlen.

Die wichtigste Erfahrung: Die Prüfung kostet uns Umsatz, und zwar sichtbar. Seit dem 10. September kommt neue Ware grundsätzlich als nicht verkäuflicher Entwurf herein und wird erst freigeschaltet, wenn alles stimmt. Das heißt, gut verkäufliche Artikel liegen manchmal wochenlang still. Das auszuhalten ist schwerer, als es sich vorher angehört hat.

Die zweite Erfahrung war eine positive Überraschung. Händler, die selbst sauber arbeiten, finden eine strenge Aufnahmeregel gut, weil sie sie von anderen unterscheidet. Ich hatte mit mehr Widerstand gerechnet.

Ihr arbeitet zu viert, ohne eigenes Büro und mit Kapital aus eurem privaten Umfeld. Welche Herausforderungen bringt dieser schlanke Unternehmensaufbau mit sich?

Der größte Vorteil ist Geschwindigkeit. Wir brauchen für keine Entscheidung ein Meeting. Wenn etwas kaputt ist, wird es am selben Tag repariert, ohne Abstimmungsrunde.

Der Preis dafür ist, dass nichts doppelt besetzt ist. Die gesamte technische Infrastruktur habe ich selbst gebaut. Vier Dienste laufen im Betrieb: die Lieferantenanbindung, eine eigene Suche, ein eigener Zahlungsablauf und die Sortimentsprüfung. Wenn ich zwei Wochen ausfalle, steht ein Teil davon still. Deshalb gibt es zu jedem System ein Handbuch, das so geschrieben ist, dass auch jemand ohne Technikkenntnisse damit arbeiten kann.

Und ganz praktisch: Ohne Budget muss jede Entscheidung vorher richtig sein. Wir können uns keinen teuren Irrtum leisten, also wird vorher gerechnet statt hinterher repariert.

Wie wollt ihr OneCircle in den kommenden Jahren weiterentwickeln und welche nächsten Schritte sind für das Wachstum entscheidend?

Vier Dinge stehen an.

Das Prüfregister öffnen. Heute dokumentieren wir intern. Ziel ist, dass jeder zu jeder Marke sehen kann, wann wir sie geprüft haben und worauf wir uns stützen.

Die offene Sichtung abarbeiten. Einige Rechercheergebnisse warten auf die Entscheidung durch einen Menschen.

Die Händlerbasis ausbauen, vor allem dort, wo es noch dünn ist, etwa Drogerie und Körperpflege.

Und die Prüfung tiefer in die Lieferkette ziehen. Ab Dezember 2027 verbietet die EU Produkte aus Zwangsarbeit. Was wir heute freiwillig machen, wird dann für viele Pflicht, und darauf bauen wir jetzt schon auf.

Entscheidend für das Wachstum ist im Moment allerdings nichts davon, sondern Bekanntheit. Technik und Sortiment stehen. Es wissen nur zu wenige, dass es uns gibt.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die mit begrenzten finanziellen Mitteln einen eigenen Online-Marktplatz aufbauen möchten?

Erstens: Bau zuerst das, was dich von allen anderen unterscheidet, und kauf den Rest ein. Unser Shop läuft auf Standardsoftware. Selbst gebaut habe ich die Prüfung, weil es die so nicht zu kaufen gab. Wer alles selbst baut, verbringt ein Jahr mit Dingen, die es längst gibt.

Zweitens: Schreib auf, was du nicht kannst. In unseren Unterlagen gibt es eine Seite mit der Überschrift „Was unsere Prüfung nicht kann“. Das war eine der besten Entscheidungen überhaupt. Es nimmt den Druck, perfekt wirken zu müssen, und es kommt bei Leuten besser an als jedes Versprechen.

Drittens: Fang mit der kleinen Zahl an. Unsere erste Spende waren 5,66 Euro, und genau so steht sie auf unserer Seite, mit Beleg. Wer wartet, bis die Zahlen gut aussehen, fängt nie an. Und wer bei den kleinen Zahlen ehrlich war, dem glaubt man später die großen.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Baris Mert Colak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Unabhängige KI aus Baden-Württemberg: Das steckt hinter MARCO KI

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MARCO KI: KI-Plattform mit Fokus auf Datenschutz Marco Klingenberg

MARCO KI ist eine mehrsprachige KI-Plattform, die alltägliche Aufgaben wie Schreiben, Lernen und Recherche erleichtern soll und dabei auch den Datenschutz berücksichtigt. Entwickler Marco erklärt im Interview, warum er die Plattform eigenständig in Baden-Württemberg aufbaut, welche technischen Herausforderungen bestehen und wie er langfristig unabhängiger von großen KI-Anbietern werden möchte.

Marco, kannst du dich und MARCO KI kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eigenständig eine mehrsprachige KI-Plattform zu entwickeln?

Ich entwickle MARCO KI eigenständig in Baden-Württemberg. Die Idee dahinter ist, KI-Unterstützung für Alltagsfragen, Schreiben, Lernen und Recherche möglichst unkompliziert zugänglich zu machen. Mich interessiert besonders, wie weit man mit offenen Technologien, klarer Nutzerführung und eigenen Qualitätstests kommt.

Der Markt für KI-Anwendungen wird bereits von großen Technologieunternehmen geprägt. Was hat dich dazu bewegt, als Einzelentwickler ein eigenes Angebot aufzubauen?

Ich möchte selbst gestalten, wie eine KI-Plattform funktioniert, welche Grenzen sie offenlegt und wie Fehler korrigiert werden. Dazu gehört das Ziel, einzelne Dienstleister langfristig ersetzen zu können, ohne die Nutzerqualität zu verlieren.

Mit MARCO KI möchtest du alltägliche Aufgaben wie Schreiben, Lernen und Recherche erleichtern. Welche konkreten Probleme soll deine Plattform lösen und welche Zielgruppen möchtest du erreichen?

Die Plattform soll verständliche Antworten geben, beim Formulieren helfen und den Einstieg in neue Themen erleichtern. Angesprochen sind zunächst Privatpersonen; später kommen beispielsweise Schulen, Vereine und kleine Unternehmen als mögliche Nutzergruppen infrage.

Ein zentraler Bestandteil deines Konzepts ist die Nutzung ohne verpflichtendes Nutzerkonto. Warum ist dir dieser unkomplizierte Zugang besonders wichtig und welche Herausforderungen entstehen dadurch?

Wer eine Frage hat, soll nicht zuerst einen Registrierungsprozess durchlaufen müssen. Gleichzeitig braucht ein offen zugänglicher Dienst belastbaren Missbrauchsschutz, Datenschutz und eine realistische Kontrolle der Betriebskosten.

MARCO KI bietet bei aktuellen Themen Antworten mit Quellenangaben. Wie funktioniert dieser Ansatz und wie gehst du mit der Herausforderung um, dass KI-Systeme auch ungenaue oder falsche Informationen liefern können?

Für bestimmte aktuelle Themen werden strukturierte Datenquellen und Quellenhinweise einbezogen. Ein Link allein garantiert aber keine richtige Antwort. Deshalb arbeiten wir an Prüfprozessen, die tatsächliche Antwortqualität und sichtbare Fehlermeldungen erfassen. Der öffentliche Hauptchat hat derzeit noch Anbieter-Ausfälle; diese Lücke benenne ich offen und arbeite an eigenen Ersatzwegen.

Deine Plattform ist mehrsprachig und soll international nutzbar sein. Welche technischen und organisatorischen Herausforderungen bringt dieser Anspruch für dich als Einzelentwickler mit sich?

Mehrsprachigkeit geht weit über Menütexte hinaus. Funktionen, Fehlermeldungen und Antworten müssen auch in unterschiedlichen Sprachen verständlich und konsistent bleiben. Deshalb werden Sprachvarianten schrittweise mit realen Anwendungsfällen getestet.

Viele KI-Plattformen bieten ähnliche Grundfunktionen an. Wodurch möchtest du MARCO KI langfristig von etablierten Angeboten unterscheiden?

Mit einem einfachen Einstieg, austauschbarer Technik und verifizierbarer Qualität. Ich möchte keine unbelegten Überlegenheitsversprechen machen, sondern sichtbar zeigen, welche Funktionen funktionieren und wo wir noch verbessern.

Du entwickelst die Plattform eigenständig in Baden-Württemberg. Wie organisierst du die technische Entwicklung, den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung ohne ein größeres Team?

Ich arbeite mit dokumentierten Entwicklungsaufgaben, automatisierten technischen Prüfungen und einem eigenen MASTER-System zur Nachverfolgung von Fehlern, Änderungen und Wiederanlaufprozessen. Technische Tests sind hilfreich, aber echte Nutzerwege müssen zusätzlich geprüft werden.

Einzelne Funktionen befinden sich noch in der Beta- oder Vorbereitungsphase. Welche Funktionen sind bereits zuverlässig nutzbar und welche Entwicklungsschritte stehen aktuell noch aus?

Die Website ist öffentlich zugänglich und verschiedene Bereiche sind umgesetzt. Ein lokal betriebenes offenes Qwen-Modell konnte bereits echte Testfragen beantworten. Seine sichere, dauerhaft erreichbare Anbindung an die öffentliche Website steht jedoch noch aus. Auch der Hauptchat, mobile Nutzerwege und die Android-App benötigen weitere Qualitätstests.

Datenschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit Informationen spielen bei KI-Anwendungen eine wichtige Rolle. Wie gehst du bei MARCO KI mit Nutzerdaten, Sicherheit und Transparenz um?

Ziel sind möglichst sparsame Datenverarbeitung, begrenzte Zugriffsrechte und nachvollziehbare Dienstleisterrollen. Entscheidend ist, dass Datenschutzhinweise und technische Umsetzung übereinstimmen. Das wird fortlaufend überprüft.

Eine öffentlich zugängliche KI-Plattform verursacht laufende Kosten. Wie finanzierst du das Projekt bisher und welches Geschäftsmodell kannst du dir für die Zukunft vorstellen?

Ich entwickle MARCO KI mit begrenzten Ressourcen und prüfe derzeit Förder- und Beratungsmöglichkeiten sowie potenzielle Partner. Für die Zukunft ist ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb wichtig; ein abschließendes Geschäftsmodell steht noch nicht fest.

Welche Ziele verfolgst du mit MARCO KI in den kommenden Jahren und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen ein eigenes Technologieprojekt aufbauen möchten?

Ich möchte zuerst einen zuverlässigen Kern schaffen, unabhängiger von einzelnen KI-Anbietern werden und die Plattform anhand echten Nutzerfeedbacks weiterentwickeln. Meine drei Ratschläge: früh praktisch testen, Fehler transparent dokumentieren und Aufwand sowie Kosten vor jeder Erweiterung realistisch einplanen.

Bildcredits Privat / Marco Klingenberg

Wir bedanken uns bei Marco Klingenberg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI im Gesundheitswesen: Wie AvisCode die ärztliche Privatabrechnung automatisiert

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AvisCode: GOÄ-Abrechnung mit KI automatisieren Felix Vogel stellt seine Forschung auf der CVPR vor

AvisCode entwickelt eine KI, die Arztpraxen bei der GOÄ-Abrechnung unterstützt und aus vorhandenen Behandlungsdokumentationen automatisch Rechnungsentwürfe erstellt. Gründer Felix Vogel erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert, welche Vorteile sie für Arztpraxen bietet und warum Datenschutz und fachliche Kontrolle entscheidend sind

Felix, kannst du dich und das Team hinter AvisCode kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, die ärztliche Privatabrechnung mithilfe künstlicher Intelligenz zu automatisieren?

Ich bin Felix Vogel, Gründer und Geschäftsführer der AvisCode GmbH. Ich habe einen Master in Informatik mit Schwerpunkt künstliche Intelligenz abgeschlossen und 2025 eigene Forschung auf der CVPR, einer der weltweit führenden KI-Konferenzen, vorgestellt.

AvisCode haben wir Anfang 2025 als digitale privatärztliche Verrechnungsstelle aufgebaut. In der Produktentwicklung verbinden wir unsere technische Expertise mit den praktischen Erfahrungen unserer Kundenpraxen. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur das Rechnungsmanagement, sondern vor allem die eigentliche Rechnungserstellung viel Zeit kostet. Deshalb haben wir gemeinsam mit mehreren Arztpraxen unsere GOÄ-KI entwickelt.

Mit eurer GOÄ-KI möchtet ihr die Rechnungserstellung in Arztpraxen grundlegend vereinfachen. Welche konkreten Probleme habt ihr im bisherigen Abrechnungsprozess erkannt und welche Vision verfolgt ihr mit AvisCode?

Ärzte müssen jede Behandlung ohnehin dokumentieren. Für die Privatabrechnung beginnt danach häufig ein zweiter, zeitintensiver Arbeitsschritt: GOÄ-Ziffern heraussuchen, Leistungen kombinieren, Steigerungsfaktoren begründen und Ausschlussregeln prüfen. Gerade bei komplexeren Behandlungen werden dabei schnell Leistungen übersehen.

Genau diesen zweiten Arbeitsschritt haben wir automatisiert. Aus der ohnehin vorhandenen Behandlungsdokumentation wird mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand eine vollständige, korrekte Rechnung.

Eure Software erstellt direkt aus der Behandlungsdokumentation einen fertigen GOÄ-Rechnungsentwurf. Wie funktioniert dieser Prozess in der Praxis und welche Aufgaben übernimmt die künstliche Intelligenz dabei?

Der Arzt stellt unserer KI seine Behandlungsdokumentation zur Verfügung. Daraus erkennt sie die erbrachten Leistungen und erstellt einen vollständigen GOÄ-Rechnungsentwurf. Berücksichtigt werden neben den Gebührenziffern auch Steigerungsfaktoren, individuelle Begründungen, Analogziffern, Zuschläge und Auslagen.

Besonders interessant sind unsere zwei Modi: Im ersten werden ausschließlich dokumentierte Leistungen berücksichtigt. Im zweiten gibt die KI zusätzlich Hinweise auf möglicherweise übersehene Leistungen oder sinnvolle Ergänzungen für zukünftige Behandlungen. Diese werden ausdrücklich als „kontextuell“ gekennzeichnet und dürfen natürlich nur bei tatsächlicher Leistungserbringung und entsprechender Dokumentation abgerechnet werden.

Der Arzt prüft anschließend den Entwurf und gibt die Rechnung frei.

Die Gebührenordnung für Ärzte ist komplex und stellt insbesondere neu gegründete Praxen vor Herausforderungen. Welche typischen Fehler oder Schwierigkeiten treten bei der GOÄ-Abrechnung auf und wie kann AvisCode dabei unterstützen?

Häufig werden Leistungen nicht abgerechnet, obwohl sie erbracht wurden. Hinzu kommen komplizierte Ziffernkombinationen, Ausschlussregeln und Unsicherheiten bei Steigerungsfaktoren oder Analogabrechnungen.

Ein weiteres Problem ist, dass das Abrechnungswissen in vielen Praxen bei wenigen erfahrenen Mitarbeitenden liegt.

Unsere KI schlägt nicht nur passende Ziffern vor, sondern liefert direkt die zugehörigen GOÄ-Informationen und verlinkt relevante Ziffernketten. So können auch weniger erfahrene Mitarbeitende die Vorschläge nachvollziehen.

Etablierte Praxen können unsere KI außerdem nutzen, um ihre bisherigen Standardabrechnungen einmalig zu überprüfen und zu optimieren, ohne sie anschließend dauerhaft einsetzen zu müssen.

Eure KI lässt sich individuell an die Anforderungen einzelner Praxen anpassen und berücksichtigt eigene Ziffern, Ziffernketten, Faktoren und Begründungen. Wie gelingt diese Anpassung technisch und welche Vorteile ergeben sich dadurch für unterschiedliche medizinische Fachrichtungen?

Unsere KI arbeitet mit einer umfangreichen, fachspezifischen Wissensbasis, die typische Abrechnungskombinationen der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen enthält.

Zusätzlich können Praxen eigene Ziffern, Ziffernketten, bevorzugte Steigerungsfaktoren und individuelle Begründungen hinterlegen. Diese werden bei der Rechnungserstellung automatisch berücksichtigt.

Dadurch erhält beispielsweise ein Kardiologe andere Vorschläge als ein Orthopäde oder Dermatologe. Gleichzeitig kann jede Praxis ihre eigenen Abrechnungsstandards beibehalten und gezielt verbessern.

Bei der automatisierten medizinischen Abrechnung müssen Leistungen korrekt und nachvollziehbar erfasst werden. Wie stellt ihr sicher, dass die von AvisCode vorgeschlagenen Abrechnungspositionen den geltenden GOÄ-Vorgaben entsprechen und wie werden mögliche Fehler erkannt?

Wir setzen bewusst nicht auf ein einzelnes Sprachmodell. Im Hintergrund arbeiten mehrere spezialisierte KI-Modelle zusammen, die medizinische Dokumentationen analysieren, passende Gebührenziffern ermitteln und daraus Rechnungsentwürfe erstellen.

Zusätzlich erfolgt eine deterministische Prüfung mit über 10.000 Regeln. Diese kontrolliert unter anderem Abrechnungsausschlüsse, zulässige Ziffernkombinationen und notwendige Begründungen. Dabei können auch vorherige Rechnungen berücksichtigt werden, wenn Ausschlussregeln rechnungsübergreifend gelten.

Für jede vorgeschlagene Ziffer zeigen wir außerdem die zugehörige Textstelle aus der Behandlungsdokumentation. So ist unmittelbar nachvollziehbar, worauf sich der Vorschlag stützt. Die abschließende fachliche Freigabe bleibt bei der Praxis.

Ihr befindet euch bereits im Praxiseinsatz und habt eure kostenlose Pilotphase aufgrund der Nachfrage verlängert. Welche Erfahrungen habt ihr bisher gesammelt und welche konkreten Rückmeldungen aus den Arztpraxen beeinflussen die Weiterentwicklung eurer Software?

Wir haben unsere kostenlose Pilotphase im August 2026 gestartet und aufgrund der positiven Rückmeldungen erweitert.

Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die Praxen unsere KI einsetzen. Einige erstellen damit regelmäßig ihre Rechnungen, andere lassen ihre bisherigen Standardabrechnungen überprüfen und übernehmen neu erkannte Ziffernkombinationen in ihre bestehenden Abläufe.

Positiv hervorgehoben werden vor allem der geringere Aufwand und Hinweise auf bislang nicht berücksichtigte Leistungen.

Ein wichtiger Wunsch ist die direkte Integration in die Praxissoftware. Daran arbeiten wir aktuell mit verschiedenen Softwareherstellern.

AvisCode richtet sich sowohl an neu gegründete als auch an etablierte Arztpraxen. Welche Zielgruppen stehen für euch zunächst im Mittelpunkt und wie groß schätzt ihr das Potenzial für KI-gestützte Abrechnungslösungen im deutschen Gesundheitswesen ein?

Wir richten uns an alle medizinischen Fachrichtungen, die nach GOÄ abrechnen – von der Einzelpraxis über Haus- und Facharztpraxen bis zu größeren MVZ und Kliniken.

Besonders interessant ist die KI für Praxisgründer, die noch wenig Erfahrung mit der GOÄ haben, und für etablierte Praxen, die ihre Abrechnung optimieren oder Mitarbeitende entlasten möchten.

Das Potenzial ist entsprechend groß. Privatärztliche Leistungen werden täglich in zahlreichen Praxen und Kliniken erbracht. Die medizinische Dokumentation existiert bereits – die daraus abgeleitete Rechnung muss heute aber häufig noch manuell erstellt werden. Genau diesen Prozess können wir automatisieren.

Da eure KI auf medizinische Behandlungsdokumentationen zugreift, spielen Datenschutz und Datensicherheit eine besonders wichtige Rolle. Wie gewährleistet ihr den Schutz sensibler Patientendaten und welche technischen und rechtlichen Anforderungen müsst ihr dabei erfüllen?

Wir verarbeiten Patientendaten ausschließlich in Europa und verwenden sie nicht zum Training der KI-Modelle.

Da wir bereits als privatärztliche Verrechnungsstelle tätig sind, gehört der vertrauliche Umgang mit medizinischen und personenbezogenen Daten zu unserem Kerngeschäft.

Neben der DSGVO müssen wir insbesondere die ärztliche Schweigepflicht und die Anforderungen an eine sichere Datenverarbeitung berücksichtigen. Bei unseren geplanten Praxissoftware-Schnittstellen achten wir deshalb auch darauf, dass nur die jeweils benötigten Daten kontrolliert übertragen werden.

Der Markt für digitale Praxisverwaltung und medizinische Abrechnungssoftware ist bereits von etablierten Anbietern geprägt. Was unterscheidet AvisCode von bestehenden Lösungen und wie lässt sich eure Technologie in vorhandene Praxisverwaltungssysteme integrieren?

Wir bieten die gesamte Privatabrechnung aus einer Hand – von der KI-gestützten Rechnungserstellung über den Rechnungsversand bis hin zu Zahlungskontrolle, Patientenkommunikation, Mahnwesen und Inkasso.

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen klassischen Verrechnungsstellen ist, dass die Patienten direkt auf das Konto der Arztpraxis überweisen. Das Geld steht der Praxis dadurch früher zur Verfügung, da keine gesammelten Auszahlungen durch die Verrechnungsstelle abgewartet werden müssen. Gleichzeitig bleibt die direkte, persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient erhalten. Durch unsere weitgehend automatisierten Prozesse können wir die Leistungen zudem deutlich günstiger anbieten.

Technisch unterstützen wir bereits die etablierten Schnittstellen PAD und PADNeXt. Zusätzlich entwickeln wir direkte KI-Schnittstellen, damit Ärzte künftig ihre Behandlungsdokumentation unmittelbar aus der Praxissoftware verarbeiten und die vorgeschlagenen GOÄ-Ziffern dort übernehmen können.

Der Aufbau eines HealthTech-Unternehmens erfordert neben technologischer Entwicklung auch Vertrauen und ein tragfähiges Geschäftsmodell. Welche Herausforderungen habt ihr bei der Gründung und Produktentwicklung erlebt, wie finanziert ihr euer Wachstum und welche Strategie verfolgt ihr nach Abschluss der Pilotphase?

Die größte technische Herausforderung ist die enorme Komplexität der GOÄ. Ein Sprachmodell allein reicht dafür nicht aus. Deshalb haben wir eine Architektur entwickelt, die medizinisches Sprachverständnis mit einer umfangreichen Wissensbasis und festen Abrechnungsregeln kombiniert.

Gleichzeitig muss die Software einfach zu bedienen sein und sich in bestehende Praxisabläufe integrieren lassen. Gerade im Gesundheitswesen sind fachliche Zuverlässigkeit und Vertrauen entscheidend.

Wir haben AvisCode bislang ohne externe Investoren aufgebaut und finanzieren unser Wachstum aus eigenen Mitteln und laufenden Einnahmen. Das Unternehmen arbeitet bereits profitabel.

Nach der Pilotphase wollen wir unsere KI breiter verfügbar machen, weitere Praxissoftware-Schnittstellen integrieren und unsere Kundenbasis ausbauen.

Wenn ihr fünf Jahre in die Zukunft blickt: Welche Ziele verfolgt ihr mit AvisCode, welche weiteren Einsatzmöglichkeiten seht ihr für eure KI und wie könnte sich die medizinische Abrechnung durch Automatisierung langfristig verändern?

Unser Ziel ist, AvisCode als eine der führenden Plattformen für die automatisierte Privatabrechnung in Deutschland zu etablieren.

Im Idealfall dokumentiert ein Arzt seine Behandlung wie gewohnt in der Praxissoftware. Unsere KI erstellt daraus automatisch den passenden Rechnungsentwurf, berücksichtigt individuelle Abrechnungsstandards und prüft die GOÄ-Vorgaben. Nach der Freigabe übernimmt AvisCode die weitere Abwicklung bis zum Zahlungseingang.

Darüber hinaus kann die KI Praxen dabei unterstützen, ihre Abrechnungsstandards kontinuierlich zu verbessern und bislang übersehene Leistungen zu erkennen.

Langfristig möchten wir erreichen, dass die Privatabrechnung für Ärzte keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand mehr bedeutet.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Felix Vogel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Social Media ist erwachsen geworden: Wie Start-ups ohne Überforderung professionalisieren

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Social Media: Content und KI für Startups Portrait Mirco Gluch Casual

Vor über zehn Jahren startete Social Media für die meisten Firmen als reines Nebenprojekt. Praktikant:innen oder Teamassistenz luden gelegentlich ein Foto hoch und schrieben einen kurzen Text dazu.

Heute hat sich dieses Bild gewandelt. Plattformen wie Instagram und TikTok setzen extrem stark auf Bewegtbild – Material, das sich nicht einfach mal nebenbei filmen oder schneiden lässt. Social Media ist längst der Ort geworden, an dem kulturelle Trends entstehen, und hat andere Leitmedien daher für die meisten Generationen abgelöst. Damit wächst der Druck auf Unternehmen erheblich, sichtbare Ergebnisse zu liefern.

Die Realität in Start-ups mit kleinem Team hinkt dieser Entwicklung jedoch oft hinterher. Meist kümmert sich eine halbe Stelle oder eine Einzelperson um alle Netzwerke. Die Geschäftsführung wundert sich dabei häufig, warum die Arbeit so viel Zeit frisst. Dabei suchen Unternehmen eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau. Eine einzige Person soll den Markt analysieren, der Zielgruppe zuhören, in den Dialog treten, Strategien entwickeln, packende Texte schreiben, Videos drehen, fotografieren, schneiden und Kampagnen auswerten. Diese Erwartungshaltung an eine Einzelperson ist schlichtweg unrealistisch.

Um diesen Teufelskreis aus Überforderung und falschen Erwartungen zu durchbrechen, ist ein grundlegendes Umdenken nötig.

Klare Strukturen statt kreatives Chaos

Damit der Wandel gelingt und echte Professionalität einkehrt, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Das beginnt bei der Personalplanung: Ein erfolgreiches Team besteht aus mindestens zwei Personen. Eine feste Kraft und eine studentische Aushilfe sollten das kleinste Setup sein. So steht die Kommunikation bei Krankheit oder Urlaub nicht sofort still.

Sobald das Team steht, sollten Teams so viel wie möglich im Voraus planen, mit Content-Plänen über drei bis acht Wochen, aber mit bewusstem Raum für Spontanes dazwischen. So eine Planung entlastet den Alltag deutlich.

Auch gebündelte Drehtage, sogenanntes Content Batching, etwa zweimal im Monat, steigern die Effizienz der Produktion enorm. An solch einem Tag lassen sich problemlos zehn bis fünfzehn kurze Videos aufnehmen, sofern keine cineastische Hochglanzqualität gefordert ist.

Statt jedem Trend hinterherzujagen, sollten Start-ups außerdem eigene Beitragsreihen, sprich Content-Serien, entwickeln. Diese Formate kehren regelmäßig wieder. Zwei bis drei parallele Serien genügen für den Anfang völlig. Ein monatliches Content-Brainstorming reicht hierfür aus, um frische Ideen zu sammeln. Viel wichtiger ist das tiefe Verständnis für die eigene Zielgruppe. Daran richtet sich die gesamte Produktionsplanung aus.

KI als Helfer, nicht als Ersatz

KI unterstützt heute hervorragend bei der Vorbereitung von Drehtagen oder bei der Auswertung von Statistiken. Dank ihr werden kleine Teams deutlich effizienter. So bewältigt eine Arbeitskraft bewältigt mit KI im Schnitt das Pensum von fast eineinhalb Personen. Sie hat aber auch klare Grenzen. Die finalen Ideen und die ersten Textentwürfe stammen idealerweise weiterhin aus menschlicher Feder. Denn KI ersetzt kein strategisches Denken und echte Kreativität. Sie ist somit ein nützliches Werkzeug für mehr Effizienz im Hintergrund, taugt aber nicht als Wundermittel für fehlendes Personal.

Kleine Budgets mit großer Hebelwirkung

Bereits mit überschaubaren Mitteln erzielen Start-ups gewaltige Qualitätsunterschiede. Externe Profis für den Videoschnitt verlangen meist zwischen 50 und 120 Euro pro Kurzvideo. Bei zehn Videos im Monat sind das gerade einmal rund 1.000 Euro Mehrkosten, die aber einen riesigen Qualitätsunterschied machen.

Ein weiterer, sehr effektiver Hebel kostet gar kein Geld: ein Beobachtungskonto in der eigenen Branche anlegen. Wer gezielt Mitbewerber:innen und Creator:innen folgt, erkennt schnell gut funktionierende Muster. Mit einer freien Grafikdesignerin bzw. einem freien Grafikdesigner lassen sich zudem einmalig hochwertige Vorlagen für Karussells erstellen. Diese sollten sich daran orientieren, was auf den Explore-Pages der Plattformen funktioniert. Später kann das Team sie eigenständig in Canva oder Figma wiederverwenden.

Beim Zubehör genügt oft eine minimalistische, aber durchdachte Ausstattung. Ein iPhone der letzten drei Jahre, ein stabiles Stativ, kabellose Mikrofone und zwei gute Lichter reichen aus. Das nötige Wissen für die richtige Beleuchtung bietet YouTube zur Genüge.

Zudem fordern soziale Netzwerke zunehmend den Einsatz von Mediabudget. Die organische Reichweite stößt schnell an ihre Grenzen. Daher lohnt es sich, nachweislich erfolgreiche Beiträge zusätzlich mit kleinen Geldbeträgen zu boosten. Auch bei professionellen Werkzeugen für Projektmanagement oder Planungssoftware sparen Profis nicht am falschen Ende.

Weniger ist oft mehr

Ein weiterer Tipp: Qualität schlägt Menge. Das heißt, drei bis vier erstklassige Beiträge pro Woche wirken wesentlich stärker als tägliches Mittelmaß. Gerade am Anfang spart es viel Mühe, denselben Inhalt über TikTok, Reels und YouTube Shorts hinweg zu recyclen. Erst später, wenn Routinen sitzen, sollten Unternehmen anfangen, Formate stärker zu differenzieren.

Im hektischen Alltag nicht zu vernachlässigen ist das Community-Management, denn dieser Dialog ist die Basis des Erfolgs. Anfangs sollten Teams auf jede Frage antworten und aktiv auf andere Profile zugehen. KI-Lösungen helfen zwar bei der Übersicht, ersetzen jedoch nicht den persönlichen und menschlichen Austausch.

Die Realität einer Arbeitswoche

Zum Abschluss nun ein realistischer Blick auf eine typische Arbeitswoche einer Social-Media-Person mit einer 38-Stunden-Woche:

  • Analyse des eigenen Contents: 2 Stunden
  • Boosting: 1 Stunden
  • Briefings schreiben: 5 Stunden
  • Community-Management: 5 Stunden
  • Content-Planung: 3 Stunden
  • Copywriting für Captions: 2 Stunden
  • Design von Assets (alle 2 Wochen, amortisiert): 4 Stunden
  • Meetings: 4 Stunden
  • Produktion (Drehtag alle 2 Wochen, amortisiert): 4 Stunden
  • Research: 3 Stunden
  • Produktionsplanung: 4 Stunden
  • Scheduling: 1 Stunde

Diese Stundenverteilung zeigt somit deutlich, warum Einzelkämpfer:innen sehr schnell an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Start-ups, die soziale Medien daher heute professionell betreiben wollen, brauchen verlässliche Strukturen, realistische Erwartungen der Führungsebene und einen klugen Einsatz von KI – und kein unbegrenztes Budget oder riesiges Team. Nur so gelingt der Wandel vom chaotischen Nebenprojekt zum messbar erfolgreichen Marketingkanal.

Bildcredits Piggyback

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was Gründer:innen von Hochleistern lernen können

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Leistungsfähigkeit: Gründer:innen brauchen Regeneration. Die Porträtfotos für das Mosaik-Bild wurden von den Interviewten zur Verfügung gestellt. Foto © Remo Neuhaus, Foto © Freddy Olander, Foto © Jennifer Wendland, Foto © Marko Seifert, Foto © Max Meister, Foto © Jan Strempel Photography Jeppe Hein Portrait 2022

Gründerinnen und Gründer müssen ausdauernd, risikobereit und belastbar sein. Viele sind stolz darauf, auch unter hohem Druck immer weiterzumachen. Doch genau darin liegt die Gefahr. Wer Leistungsfähigkeit ausschließlich mit Durchhalten gleichsetzt, erkennt die eigenen Grenzen oft erst, wenn Körper oder Psyche nicht mehr mitspielen.

Was kann man als Gründer:in von Menschen lernen, für die extreme Belastungen und außergewöhnliche Leistungen zum Berufsalltag gehören? Erstaunlich viel, denn auch wenn die Tätigkeiten eines Extremsportlers, eines Big-Wave-Surfers, einer Apnoetaucherin, eines Spitzenkochs, eines Investors und eines Künstlers völlig unterschiedlich erscheinen, folgen sie erstaunlich ähnlichen Prinzipien.

Leistung beginnt mit einem eigenen Warum

Kaum ein deutscher Extremsportler steht so sehr für Ausdauer, Selbstdisziplin und mentale Stärke wie Jonas Deichmann. 120 Ironman-Distanzen an 120 aufeinanderfolgenden Tagen, ein Triathlon um die Welt, das sind nur zwei seiner zahlreichen Hochleistungsprojekte. Doch wie ist er in der Lage solche Leistungen zu erbringen? Ein wichtiger Aspekt ist, dass er sich vor jedem neuen Projekt eine einfache Frage stellt: Würde ich es auch machen, wenn es nicht mein Beruf wäre? Lautet die Antwort „Nein“, verfolgt er die Idee nicht weiter.

Für Gründer:innen ist diese Frage besonders wichtig, denn am Anfang einer Unternehmensgründung stehen die eigene Idee und die eigene Überzeugung. Doch mit der Zeit können andere Erwartungen zunehmend an Gewicht gewinnen. Investoren erwarten Wachstum. Kunden verlangen schnelle Lösungen. Mitarbeitende brauchen Sicherheit. Der Markt fordert ständige Anpassung.

So kann ein Unternehmen, das aus einer eigenen Idee entstanden ist, zunehmend fremdbestimmt werden. Somit kann die Arbeit nicht erst ihren Sinn verlieren, wenn das Geschäftsmodell scheitert. Sie verliert ihn, wenn der Gründer keinen inneren Bezug mehr zu ihr hat.

Große Ziele brauchen kleine Etappen

Eine Unternehmensgründung wird oft als Marathon beschrieben. Doch das Bild ist falsch. Ein Marathon hat eine bekannte Distanz und ein festgelegtes Ziel. Beim Aufbau eines Unternehmens verschiebt sich die Ziellinie dagegen ständig.

Deichmann betrachtet sein Leben deshalb als eine Abfolge von Sprints. Auch der Schweizer Unternehmer und Gründer von KOYO Capital, Max Meister, hält dieses Denken für Gründer:innen für überaus wertvoll. Große Vorhaben sollten in überschaubare Etappen zerlegt werden. Auf intensive Phasen müssen Zeiten folgen, in denen Kräfte gesammelt werden. Zwischenziele sind dabei mehr als ein Instrument des Projektmanagements. Sie begrenzen die Belastung. Sie schaffen Erfolgserlebnisse und ermöglichen die Frage: Wie viel Kraft brauche ich für die nächste Etappe?

Vorbereitung schafft Gelassenheit

Wer die Apnoetaucherin und Weltrekordhalterin Jennifer Wendland mit einem Atemzug in 120 Meter Tiefe tauchen sieht, könnte ihre Leistung für außergewöhnlichen Mut halten. Sie selbst beschreibt etwas anderes: jahrelange Vorbereitung und langsame Annäherung.

Auch Big-Wave-Surfer Freddy Olander verlässt sich nicht auf Mut. Vor jeder Session prüft er die Bedingungen, seinen körperlichen und mentalen Zustand, sein Selbstvertrauen und seine Angst. Stress verschwindet dadurch nicht. Er wird aber regulierbar.

Für Gründer:innen bedeutet das: Unsicherheit gehört zum Unternehmertum. Sie lässt sich nicht beseitigen. Doch gute Vorbereitung und Training können verhindern, dass jede unerwartete Entwicklung als Bedrohung erlebt wird. Wer Szenarien durchdenkt, Kompetenzen aufbaut und auf Erfahrungen zurückgreifen kann, bleibt auch unter Druck handlungsfähig.

Struktur schützt in unsicheren Zeiten

In der Spitzengastronomie herrschen Zeitdruck und hohe Qualitätsansprüche. Micha Schäfer, Culinary Director im Berliner Sternerestaurant Nobelhart & Schmutzig, begegnet diesem Umfeld mit Ordnung und Disziplin. Er unterscheidet konsequent zwischen wichtigen und unwichtigen sowie zwischen dringenden und weniger dringenden Aufgaben.

Gerade in einem Start-up wird Struktur leicht mit Bürokratie verwechselt. Dabei kann sie entlasten. Feste Abläufe, klare Prioritäten und verlässliche Routinen verringern die Zahl der Entscheidungen, die täglich getroffen werden müssen.

Leistungsfähigkeit beruht daher nicht allein auf Willenskraft. Sie ist ein System aus Gewohnheiten, Vorbereitung und einem Umfeld, das Stabilität ermöglicht.

Regeneration ist Teil der Leistung

Gründer:innen sind häufig besonders gut darin, Warnsignale zu übergehen. Erschöpfung wird als vorübergehende Schwäche gedeutet. Pausen werden verschoben, Schlaf wird verkürzt und Erholung soll irgendwann nachgeholt werden. Doch Regeneration ist kein Gegenpol zur Leistung. Sie ist ihre Voraussetzung. Deichmann plant nach intensiven Projekten bewusste Erholungsphasen ein. Wendland nimmt sich nach Wettkämpfen Zeit, ihre körperlichen und mentalen Speicher wieder zu füllen.

Grenzen wahrzunehmen ist Stärke

Langfristige Leistungsfähigkeit bedeutet deshalb nicht, immer mehr auszuhalten. Dies gilt sowohl für Extremsportler:innen, Sterneköch:innen, Apnoetaucher:innen als auch für Start-up-Gründer:innen. Sie entsteht durch den Wechsel von Leistung und Erholung, durch Selbstkenntnis und durch den Mut, Grenzen ernst zu nehmen. Außergewöhnlich leistungsfähig ist nicht, wer niemals aufhört, sondern wer weiß, wann es Zeit ist, weiterzumachen – und wann es Zeit ist, eine Pause einzulegen, um danach wieder mit voller Kraft das Ziel zu verfolgen: ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

Der Artikel basiert auf der Publikation „Die Kunst außergewöhnlicher Leistungsfähigkeit – Was Founder vom Spitzenkoch, Extremsportler, Investor und Unternehmer, Künstler und der Apnoetaucherin über Leistungsfähigkeit, Regeneration und Stress lernen können“.

Bild Die Porträtfotos für das Mosaik-Bild wurden von den Interviewten zur Verfügung gestellt. Foto © Remo Neuhaus, Foto © Freddy Olander, Foto © Jennifer Wendland, Foto © Marko Seifert, Foto © Max Meister, Foto © Jan Strempel Photography Jeppe Hein Portrait 2022

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was Start-ups von der Frankfurter Buchmesse lernen können: Menschen kaufen Geschichten und die Möglichkeit, sich selbst neu zu entdecken

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Anabel Ternès von Hattburg Frankfurter Buchmesse Buchbranche: Community und Reichweite neu denken

Warum emotionale Relevanz, Community und persönliche Veränderung zu entscheidenden Erfolgsfaktoren werden – in der Buchbranche ebenso wie in der Wirtschaft.

236.000 Menschen aus 137 Ländern besuchten die Frankfurter Buchmesse 2026. 4.000 Aussteller und mehr als 3.800 Veranstaltungen machten Frankfurt erneut zum internationalen Treffpunkt der Buchbranche. Doch hinter den Zahlen steht eine Frage, die weit über den Buchmarkt hinausreicht: Was bringt Menschen heute noch dazu, sich auf eine Geschichte einzulassen, Zeit zu investieren und sich emotional mit einem Produkt zu verbinden? (Frankfurter Buchmesse)

Für Start-ups ist diese Frage besonders relevant. Denn in einer Wirtschaft, in der digitale Produkte schnell kopiert, Inhalte automatisiert produziert und Zielgruppen mit Angeboten überflutet werden, reicht es immer seltener, lediglich eine gute Leistung anzubieten. Entscheidend wird, ob ein Angebot Menschen wirklich erreicht, in ihrem Leben Bedeutung gewinnt und eine Beziehung entstehen lässt.

Ein Markt im Wandel und eine überraschende Zahl

Wie stark sich die Erwartungen des Publikums verändern, zeigt ein Blick auf die aktuellen Buchmarktdaten. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Umsatz mit New-Adult-Titeln in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,6 Prozent zu. Die Zahl der Käuferinnen und Käufer in diesem Segment ist seit 2021 um 47,5 Prozent gestiegen. Das zeigt, wie dynamisch sich ein Genre entwickeln kann, das emotionale Nähe, Identität und persönliche Lebensphasen ins Zentrum stellt. (GfK Entertainment / NielsenIQ BookData)

Der Erfolg lässt sich nicht allein durch Geschichten über Liebe, Konflikte oder fantastische Welten erklären. Entscheidend ist auch, wie diese Geschichten entdeckt und erlebt werden: über Empfehlungen, soziale Netzwerke, Creator, Lesegemeinschaften und den Austausch mit anderen Menschen.

Die Buchbranche zeigt damit etwas, das auch für junge Unternehmen gilt: Ein Produkt kann der Ausgangspunkt sein. Eine Community kann daraus ein dauerhaftes Erlebnis machen.

Vier Geschichten, vier Wege der Veränderung

Ein Blick auf unterschiedliche Bücher macht deutlich, wie vielfältig die menschlichen Bedürfnisse hinter Geschichten sind.

In One Year von Kari Borgmann steht Sydnie im Mittelpunkt. Nach 38 Jahren Ehe verändert ein schwerer Verlust ihr Leben grundlegend. Sie muss sich beruflich neu orientieren, wagt sich in die unberechenbare Welt des modernen Datings und entdeckt, dass ein Neuanfang selten geradlinig verläuft. Die Geschichte berührt eine universelle Erfahrung: Selbst wenn ein Lebenskapitel endet, ist die eigene Zukunft noch nicht festgeschrieben.

Eugene, der unter dem Pseudonym ADD-Vantage Experience schreibt, schlägt mit The Moon Chose Us: Unveiling The Secrets Of Limitless Power eine andere Richtung ein. Seine Geschichte verbindet persönliche Entdeckungen mit Geheimnissen, ungewöhnlichen Wahrnehmungen und der Vorstellung, dass Wirklichkeit mehr Ebenen haben könnte, als wir unmittelbar erkennen.

Ann Simard erzählt in Wear Your Waders: From Panic to Peace von schwierigen Lebensphasen, Glauben, Selbstwert und der Suche nach einem Weg aus destruktiven Mustern. Trevor James Wilson wiederum blickt in Where Have I Been All My Life? auf mehr als sechs Jahrzehnte des Reisens zurück. Seine Erfahrungen führen zu einer Erkenntnis, die weit über geografische Entdeckungen hinausgeht: Menschen, Begegnungen und kulturelle Unterschiede können den Blick auf das eigene Leben verändern.

Diese Bücher sind weder dasselbe Genre noch bedienen sie dieselben Zielgruppen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie nicht allein Informationen oder Unterhaltung versprechen. Sie erzählen von Veränderung, Zugehörigkeit, Hoffnung und Selbstentdeckung.

Genau darin liegt eine unternehmerisch interessante Beobachtung: Menschen suchen nicht nur nach Lösungen für ein Problem. Sie suchen auch nach Möglichkeiten, sich selbst und ihre Welt anders zu verstehen. Um vielmehr jetzt, wo auf Vieles im Außen kein Verlass mehr erscheint.

Die Lektion für Gründerinnen und Gründer: Relevanz schlägt Reichweite

Viele Start-ups messen ihren Erfolg an Reichweite, Downloads, Klicks oder kurzfristigen Conversion Rates. Diese Kennzahlen sind wichtig. Sie beantworten jedoch nicht automatisch die entscheidende Frage, ob ein Produkt für seine Nutzerinnen und Nutzer wirklich Bedeutung besitzt.

Die Buchbranche zeigt, wie aus Aufmerksamkeit eine Beziehung werden kann. Menschen empfehlen Bücher weiter, diskutieren Figuren, tauschen Interpretationen aus und organisieren sich rund um gemeinsame Interessen. Digitale Plattformen verstärken diese Dynamik, doch die emotionale Grundlage entsteht durch das, was Menschen miteinander verbindet.

Für Start-ups ergeben sich daraus drei konkrete Ansatzpunkte.

Erstens: Das eigentliche Bedürfnis verstehen. Kundinnen und Kunden kaufen nicht immer das, was ein Produkt technisch leistet. Sie kaufen möglicherweise Sicherheit, Selbstvertrauen, Orientierung, Zeitersparnis oder das Gefühl, Teil von etwas zu sein. Erfolgreiche Geschäftsmodelle erkennen den Unterschied zwischen der angebotenen Funktion und dem menschlichen Bedürfnis dahinter.

Zweitens: Gemeinschaft nicht mit Reichweite verwechseln. Eine große Zahl an Followern ist noch keine belastbare Beziehung. Unternehmen, die Austausch ermöglichen, Feedback ernst nehmen und Menschen miteinander verbinden, können Vertrauen und langfristige Bindung aufbauen. Das ist besonders relevant für Geschäftsmodelle, die auf wiederkehrende Nutzung, Empfehlungen oder Mitgliedschaften setzen.

Drittens: Veränderung als Teil des Produktversprechens verstehen. Die stärksten Angebote verändern nicht zwangsläufig das ganze Leben ihrer Kundschaft. Aber sie helfen dabei, etwas besser zu verstehen, eine Hürde zu überwinden oder eine neue Möglichkeit zu entdecken. Dieser wahrnehmbare Mehrwert schafft eine Grundlage für langfristige Kundenbeziehungen.

Was KI nicht automatisch schafft

Künstliche Intelligenz verändert auch die Buchbranche. Sie kann Texte generieren, Übersetzungen beschleunigen, Marketingmaterial erstellen und neue Formen des Storytellings ermöglichen. Gleichzeitig wächst die Menge digital verfügbarer Inhalte.

Damit verschiebt sich die wirtschaftliche Herausforderung. Wenn die Produktion von Inhalten einfacher wird, wird die Frage wichtiger, warum Menschen gerade diesem Inhalt, dieser Autorin, diesem Unternehmen oder dieser Marke ihre Aufmerksamkeit schenken sollten.

Die Antwort liegt nicht darin, Technologie zu meiden. Sie liegt darin, Technologie mit einem klaren Verständnis menschlicher Bedürfnisse zu verbinden.

KI kann Inhalte skalieren. Vertrauen entsteht dagegen durch Glaubwürdigkeit, nachvollziehbare Qualität und Erfahrungen, die Menschen als relevant wahrnehmen. Communitys können Reichweite erzeugen, aber eine tragfähige Gemeinschaft braucht mehr als algorithmische Sichtbarkeit: Sie braucht gemeinsame Interessen und echte Gründe, miteinander in Verbindung zu bleiben.

Für Gründerinnen und Gründer bedeutet das, ihre Geschäftsmodelle nicht allein danach zu bewerten, was sich automatisieren lässt. Sie sollten ebenso fragen, welcher menschliche Mehrwert durch Technologie überhaupt erst möglich wird – und wo persönliche Nähe, Verantwortung oder individuelle Erfahrung entscheidend bleiben.

Die Zukunft gehört Unternehmen, die Menschen verstehen

Die Frankfurter Buchmesse ist weit mehr als eine Bühne für Neuerscheinungen. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Inhalte, Begegnungen, digitale Kommunikation und gemeinsame Interessen zusammenwirken. Die Dynamik einzelner Genres zeigt zugleich, dass Märkte nicht statisch sind: Neue Zielgruppen entstehen, Bedürfnisse verändern sich und Communities können die Beziehung zwischen Produkt und Publikum neu gestalten.

Für Start-ups ist das eine wichtige Erinnerung. Innovation beginnt nicht allein mit einer neuen Technologie oder einer originellen Geschäftsidee. Sie beginnt mit einer präzisen Beobachtung des Menschen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was können wir entwickeln? Sondern: Was wird für Menschen so relevant, dass sie sich damit beschäftigen, es weiterempfehlen und langfristig verbunden bleiben wollen?

Wer darauf eine überzeugende Antwort findet, schafft mehr als ein Produkt. Er schafft Bedeutung und damit eine Grundlage für nachhaltiges Wachstum.

Co Autoren Kari Borgmann, Eugene, Ann Simard und Trevor James Wilson

Bilder@ Anabel Ternès von Hattburg

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Vom Regionalportal zur Digitalagentur: Wie spot it media mit echten Communities Mehrwert schafft

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spot it media: Communities und Plattformen vernetzen. Marcel Schaefer, Gruender von SPOT IT MEDIA. Fotografie: Dintelmann.net

spot it media verbindet regionale Communities mit digitalen Plattformen, um Menschen und Unternehmen besser zu vernetzen und Informationen zugänglich zu machen. Gründer Marcel Schäfer erklärt im Interview, wie aus einer Facebook-Seite ein Unternehmen entstand, welche Rolle ehrenamtliche Warnmeldungen und die Tierkarte spielen und welche digitalen Angebote künftig geplant sind.

Stell dich und spot it media bitte kurz vor. Wie wurde aus der Facebook-Community „Spotted Westerwald“ die Idee für ein eigenes Unternehmen?

Ich bin Marcel Schäfer, Gründer und Inhaber von spot it media aus Büttelborn in Hessen. Angefangen hat alles am 19. Oktober 2014 mit der Facebook-Seite „Spotted Westerwald“.

Was zunächst als kleines Social-Media-Projekt gedacht war, entwickelte sich über die Jahre zu einem Netzwerk aus regionalen Seiten, Gruppen und Informationskanälen. Dabei habe ich gemerkt, wie viel solche Communities bewegen können. Sie bringen Menschen zusammen, helfen bei konkreten Anliegen und ermöglichen Unternehmen, regional sichtbar zu werden.

Im April 2024 habe ich deshalb spot it media gegründet. Heute verbinden wir regionale Medien, Marketing und Content Creation mit eigenen digitalen Plattformen und Apps.

Du hast bereits 2014 mit einer regionalen Community begonnen. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben deinen unternehmerischen Weg besonders geprägt?

Am meisten hat mich geprägt, dass es bei einer Community nicht nur um Followerzahlen oder Reichweite geht, sondern vor allem um die Menschen dahinter.

Ob bei der Suche nach vermissten Tieren, bei regionalen Hilfsaktionen oder während der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Immer wieder hat sich gezeigt, dass digitale Communities auch ganz praktische Hilfe ermöglichen können.

Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig Vertrauen und Verantwortung sind. Gerade wenn viele Menschen auf Informationen vertrauen, muss man sorgfältig damit umgehen.

Unternehmerisch hat mich außerdem die Erkenntnis geprägt, dass man nicht immer mit einem fertigen Geschäftsmodell starten muss. Manchmal entwickelt sich aus einer einfachen Idee über viele Jahre etwas, das man ursprünglich überhaupt nicht geplant hatte.

Mit spot it media verbindest du klassische Medien- und Marketingleistungen mit eigenen digitalen Plattformen. Welche Vision steckt hinter diesem Geschäftsmodell?

Ich möchte mit spot it media etwas aufbauen, das langfristig Bestand hat und nicht nur von einzelnen Werbeaufträgen lebt.

Über die Jahre haben wir starke regionale Communities aufgebaut. Dahinter stecken Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen, Fragen und Problemen. Irgendwann habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was wir mit diesen Möglichkeiten noch alles machen können.

Heute unterstützen wir Unternehmen mit Marketing, Werbung und Content Creation. Gleichzeitig entwickeln wir eigene digitale Plattformen, die konkrete Probleme lösen sollen.

Dabei muss nicht jedes Projekt sofort Geld verdienen. Unser Warnnetzwerk betreiben wir beispielsweise komplett ehrenamtlich.

Langfristig möchte ich eigene Produkte entwickeln, die wirklich genutzt werden und vielleicht irgendwann weit über unsere bisherigen Regionen hinaus Menschen erreichen.

Viele eurer digitalen Projekte entstehen aus konkreten Problemen innerhalb eurer Communities. Wie erkennt ihr, welche Bedürfnisse sich für eine eigene Plattform eignen?

Das ergibt sich häufig aus dem direkten Austausch mit unseren Communities. Wenn Menschen immer wieder dieselben Fragen stellen oder bestimmte Abläufe unnötig kompliziert sind, überlegen wir, ob sich dafür eine bessere Lösung finden lässt.

Ein Beispiel sind Tiermeldungen. Wenn ein Hund vermisst wird, verteilen sich Suchmeldungen und Hinweise häufig auf zahlreiche Facebook-Gruppen und WhatsApp-Kanäle. Irgendwann verliert man den Überblick.

Genau solche Situationen bringen mich auf Ideen. Dabei muss es nicht immer gleich eine große Plattform sein. Manchmal reicht eine einfache Website.

Natürlich habe ich ständig neue Ideen. Aber ich versuche auch darauf zu achten, was wirklich gebraucht wird. Denn selbst die beste Idee bringt wenig, wenn sie später niemand nutzt.

Mit spot it Warnmeldungen bietet ihr eine öffentliche Live-Warnkarte und einen digitalen Bürgerhinweis-Prozess. Wie funktioniert das Angebot und welchen Mehrwert schafft es für die Menschen vor Ort?

Unsere Warnmeldungen haben sich aus regionalen WhatsApp-Kanälen entwickelt. Inzwischen betreiben wir zusätzlich eine öffentliche Live-Warnkarte, auf der wir über Gefahrenlagen, Unwetter, Verkehrsstörungen und andere wichtige Ereignisse informieren. Dabei fließen auch offizielle Meldungen ein, beispielsweise über die Landesmeldestelle Rheinland-Pfalz.

Über unser Bürgerhinweis-System können uns sowohl Privatpersonen als auch Behörden auf Ereignisse aufmerksam machen. Bevor daraus eine eigene Meldung entsteht, prüfen wir die Informationen redaktionell.

Unser Ziel ist es, wichtige Informationen schnell und unkompliziert zugänglich zu machen, auch ohne WhatsApp oder Facebook. Dabei ergänzen wir die offiziellen Warnsysteme, ersetzen diese aber ausdrücklich nicht. Das gesamte Warnnetzwerk betreiben wir ehrenamtlich und ohne kommerzielle Werbung.

Eure Tierkarte unterstützt bei der Suche nach vermissten Tieren und der Meldung von Fundtieren oder Sichtungen. Wie ist dieses Projekt entstanden und welche Herausforderungen bringt es mit sich?

Tiermeldungen begleiten unsere Communities schon seit vielen Jahren. Immer wieder erreichen uns Nachrichten über vermisste Hunde, gefundene Katzen oder Tiere, die irgendwo gesichtet wurden. Die Hilfsbereitschaft ist meistens riesig, aber die Informationen verteilen sich oft auf zahlreiche Facebook-Gruppen und WhatsApp-Kanäle.

Genau daraus ist die Idee zur Tierkarte entstanden. Wir möchten solche Meldungen, Sichtungen und Hinweise an einem zentralen Ort zusammenbringen, damit Betroffene nicht überall einzeln suchen müssen.

Die größte Herausforderung ist für mich, die Plattform möglichst einfach und zuverlässig zu gestalten. Wer sein Tier vermisst, befindet sich oft in einer emotionalen Ausnahmesituation und braucht schnelle Hilfe statt komplizierter Technik. Gleichzeitig müssen wir Datenschutz, Standortinformationen und die Prüfung von Meldungen berücksichtigen.

Die Webplattform befindet sich aktuell in einer geschlossenen Testphase.

Regionale Communities leben von Vertrauen und aktiver Beteiligung. Wie stellt ihr sicher, dass Informationen zuverlässig sind und eure Plattformen verantwortungsvoll genutzt werden?

Vertrauen ist für mich die wichtigste Grundlage unserer Arbeit. Wir haben unsere Communities über viele Jahre aufgebaut und möchten dieses Vertrauen natürlich nicht durch falsche oder ungeprüfte Informationen gefährden.

Deshalb unterscheiden wir zwischen offiziellen Informationen und Hinweisen aus der Bevölkerung. Gerade bei unseren Warnmeldungen wird nicht einfach alles veröffentlicht, was uns zugeschickt wird. Wir prüfen die Informationen vorher und entscheiden, ob eine Veröffentlichung sinnvoll und verantwortbar ist.

Auch beim Datenschutz achten wir darauf, nicht mehr persönliche Informationen oder genaue Standorte öffentlich zu zeigen, als tatsächlich notwendig ist.

Marcel Schaefer mit Laptop und Kamera. Fotografie: Dintelmann.net

Was unterscheidet spot it media von klassischen regionalen Medienunternehmen und anderen digitalen Informationsplattformen?

Wir sind eigentlich viel mehr als ein klassisches Medienunternehmen. Bei uns laufen ganz unterschiedliche Anliegen zusammen. Menschen suchen etwas, bieten etwas an, brauchen Hilfe, möchten Informationen teilen oder andere Menschen erreichen. Genauso kommen Unternehmen auf uns zu, die Mitarbeiter, Kunden oder passende Dienstleister suchen.

Wir verbinden dabei verschiedene Bereiche miteinander. Unternehmen mit Unternehmen, Unternehmen mit Privatpersonen und natürlich auch Privatpersonen untereinander. Unsere regionalen Communities, Medienkanäle und digitalen Plattformen greifen dabei ineinander.

Genau das macht spot it media für mich besonders. Wir beschränken uns nicht auf ein einzelnes Thema, sondern versuchen, für möglichst viele unterschiedliche Anliegen passende Menschen, Informationen oder Lösungen zusammenzubringen.

Aus einem Communityprojekt ist ein Unternehmen mit verschiedenen Geschäftsbereichen entstanden. Wie finanziert ihr eure Entwicklung und welche Rolle spielen die einzelnen Angebote für euer Geschäftsmodell?

Wir finanzieren unsere Entwicklung bisher aus eigenen Mitteln und sind unabhängig von Investoren. Ein wichtiger wirtschaftlicher Bestandteil meiner Selbstständigkeit ist meine Tätigkeit als Fachberater und Abschnittsleiter im Bereich der Afrikanischen Schweinepest. Daneben erzielen wir mit spot it media Einnahmen durch regionale Werbeplatzierungen sowie Marketing- und Mediendienstleistungen.

Einen Teil der erwirtschafteten Mittel investieren wir in unsere eigenen digitalen Projekte. Dabei muss nicht jedes Angebot sofort Geld verdienen. Unser Warnnetzwerk betreiben wir beispielsweise komplett ehrenamtlich und ohne Werbung.

Langfristig möchte ich die unterschiedlichen Geschäftsbereiche weiter ausbauen und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten durch eigene digitale Produkte schaffen.

Ihr entwickelt aktuell native App-Lösungen für eure Plattformen. Welche neuen Möglichkeiten sollen dadurch für eure Nutzer entstehen?

Mit unseren Apps möchten wir Informationen schneller und einfacher zugänglich machen. Bei den Warnmeldungen geht es uns darum, die Bevölkerung möglichst frühzeitig über relevante Ereignisse zu informieren. Das muss nicht immer gleich eine große Katastrophe sein. Auch ein Waldbrand, eine Evakuierung oder wichtige Hinweise von Kommunen und Landkreisen können für die Menschen vor Ort entscheidend sein.

Bei den Tiermeldungen möchten wir die Suche nach vermissten Tieren und den Umgang mit Fundtieren deutlich vereinfachen. Neben einem digitalen Ratgeber planen wir langfristig auch eine intelligente Verknüpfung von Vermisst- und Fundmeldungen. Wenn beispielsweise jemand einen braunen Hund vermisst und in der Nähe ein ähnlicher Hund gefunden wird, könnte das System künftig automatisch auf eine mögliche Übereinstimmung aufmerksam machen.

Beide Apps befinden sich noch in unterschiedlichen Entwicklungs- und Testphasen. Unser Ziel ist, dass daraus wirklich hilfreiche Alltagsbegleiter werden.

Welche nächsten Schritte plant ihr für spot it media und wie möchtet ihr das Unternehmen über die bisherigen regionalen Strukturen hinaus weiterentwickeln?

Neben der Weiterentwicklung unserer Warn- und Tierkarten-Apps beschäftigen wir uns auch mit der Idee einer eigenen, übergreifenden spot it App. Langfristig möchten wir eine Plattform schaffen, die Menschen und Unternehmen bei ganz unterschiedlichen Anliegen miteinander verbindet. Egal ob jemand Hilfe sucht, einen Job anbietet, einen Handwerker benötigt oder etwas in seiner Umgebung finden möchte.

Gleichzeitig möchten wir unsere regionalen Netzwerke weiter ausbauen, möglichst auf Landkreisebene. Mir ist besonders wichtig, dass dabei die kleinen Geschäfte und Unternehmen vor Ort nicht untergehen. Die Bäckerei um die Ecke, der Blumenladen im Dorf oder der Handwerksbetrieb aus dem Nachbarort sollen durch unsere Netzwerke wieder mehr Sichtbarkeit bekommen und neue Kunden erreichen können.

Wir möchten die Möglichkeiten einer großen digitalen Plattform mit der Nähe und dem Vertrauen regionaler Communities verbinden. Denn gerade in einer zunehmend digitalen Welt finde ich es wichtig, dass die eigene Region und die Menschen und Unternehmen vor Ort nicht an Bedeutung verlieren.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die aus einer bestehenden Community ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln möchten?

Mein erster Rat wäre, die Menschen hinter der Community ernst zu nehmen und immer nah an der Basis zu bleiben. Es geht nicht darum, möglichst viele Follower zu sammeln, sondern Vertrauen aufzubauen. Dafür muss man den Menschen zuhören, ihre Anliegen verstehen und auch selbst Teil der Community bleiben.

Zweitens sollte man genau hinschauen, wo Menschen Unterstützung brauchen. Oft entstehen die besten Geschäftsideen aus Problemen, die einem im direkten Austausch begegnen. Man muss nicht ständig das Rad neu erfinden, sondern manchmal einfach bestehende Dinge besser miteinander verbinden.

Und drittens: Einfach mal machen! Ich habe 2014 auch nicht gewusst, was aus meiner kleinen Facebook-Seite einmal entstehen würde. Man darf Fehler machen, muss daraus lernen und sollte sich nicht von jedem Rückschlag ausbremsen lassen.

Bildcredits Stefan Dintelmann

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: spot it media

Kontakt:

spot it media
Inhaber: Marcel Schäfer
Theodor-Heuss-Str. 23
64572 Büttelborn
Deutschland

spotitmedia.de
marcel@spotitmedia.de
+49 176 72330725

Ansprechpartner: Marcel Schäfer

Social Media – spot it media:
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Persönliche Präsenz – Marcel Schäfer:
Portfolio
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Die Höhle der Löwen am 19. Oktober 2026: Fünf Gründerteams kämpfen um Millioneninvestments

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Geschäftsideen: Innovative Produkte suchen Investment Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Janna Ensthaler, Andreas W. Herb und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Neue Geschäftsideen, innovative Produkte und ambitionierte Bewertungen prägen die siebte Folge der Gründershow auf VOX

Fünf Gründerteams präsentieren am 19. Oktober 2026 in „Die Höhle der Löwen“ ihre Geschäftsideen und innovative Produkte. Von nachhaltigen Rasierern über neue Lebensmittelkonzepte bis hin zu digitalen Anwendungen und moderner Sanitärtechnik reicht das Spektrum der Unternehmen, die auf ein Investment hoffen.

Am Montag, dem 19. Oktober 2026, um 20:15 Uhr zeigt VOX die siebte Folge der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Fünf Unternehmen aus Deutschland und Österreich treten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen vor die Investoren. Dabei geht es nicht nur um Kapital, sondern auch um Vertrieb, Markenaufbau und die Frage, wie sich neue Lösungen langfristig am Markt behaupten können.

Die Gründerinnen und Gründer bringen bereits erste Umsätze, bestehende Handelspartnerschaften oder Erfahrungen aus ihren jeweiligen Branchen mit. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre finanziellen Forderungen erheblich. Während ein Unternehmen vergleichsweise bescheidene 30.000 Euro sucht, verlangt ein anderes 600.000 Euro für zehn Prozent seiner Firmenanteile.

Nachhaltige Rasierer: RAZECO setzt auf biobasierte Materialien

RAZECO – Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch

Wie lassen sich alltägliche Produkte umweltfreundlicher gestalten, ohne dass Verbraucher bei Funktionalität und Design Kompromisse eingehen müssen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Victor Haisch (27), Ivo Lovric (26) und Louisa Haisch (31). Das Gründerteam aus Berlin hat mit RAZECO eine Rasierermarke entwickelt, die den Einsatz fossiler Kunststoffe deutlich reduzieren möchte.

Das Unternehmen konzentriert sich auf nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen System- und Einwegrasierern. Dafür nutzt RAZECO nachwachsende Rohstoffe, die als Abfallprodukte anderer Industrien entstehen. Besonders bemerkenswert ist der Klingenkopf des Systemrasierers, der nach Unternehmensangaben zu 99 Prozent aus biobasiertem Material besteht. Das Material ist mit dem Zertifikat „OK biobased“ von TÜV Austria ausgezeichnet.

Ein langlebiger Stahlgriff und austauschbare Rasierköpfe sollen dazu beitragen, den Materialverbrauch zu reduzieren. Damit richtet sich RAZECO an Verbraucher, die Wert auf umweltbewusste Körperpflege legen, gleichzeitig aber eine zuverlässige Rasur erwarten.

Die Geschwister Louisa Haisch und Victor Haisch sowie ihr Mitgründer Ivo Lovric haben bereits erste Vertriebskanäle erschlossen. Ihre Produkte sind sowohl online als auch im stationären Handel erhältlich.

Für die weitere Entwicklung bietet das Team den Investoren zehn Prozent der Firmenanteile für 30.000 Euro an. Vor Judith Williams, Janna Ensthaler, Ralf Dümmel, Frank Thelen und Andreas W. Herb müssen die Gründer zeigen, wie sich ihre Marke gegen etablierte Wettbewerber behaupten kann.

Innovative Produkte für die Gastronomie: Kölsche Koks will den Cocktailmarkt verändern

Kölsche Koks – Nicolas Lutz und Maximilian Koeser

Mit Kölsche Koks präsentieren Nicolas Lutz (35) und Maximilian Koeser (37) aus Köln ein Getränkekonzept, das aus ihrer eigenen Gastronomieerfahrung entstanden ist. Die beiden Unternehmer betreiben drei Gastronomiebetriebe und kennen die Herausforderungen, die mit der Zubereitung beliebter Cocktails verbunden sind.

Besonders Espresso Martini gehört zu den Getränken, deren Herstellung im laufenden Gastronomiebetrieb zeitaufwendig sein kann. Frischer Espresso muss zubereitet, abgekühlt und anschließend mit weiteren Zutaten verarbeitet werden.

Kölsche Koks soll diesen Prozess vereinfachen. Das Unternehmen bietet einen fertig gemischten Espresso-Martini-Likör mit 15 Prozent Alkohol, echtem Arabica-Kaffee und natürlichem Koffein an. Das Produkt kann direkt ausgeschenkt oder als Grundlage für weitere Cocktails verwendet werden.

Neben einer 0,7-Liter-Flasche gibt es kleinere Shot-Fläschchen, die sich insbesondere für Veranstaltungen, Festivals und Messen eignen.

Die Geschäftsidee hat bereits wirtschaftliche Ergebnisse geliefert. Nach Angaben der Gründer wurde mit Kölsche Koks bislang ein Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt.

Für die weitere Expansion fordern Nicolas Lutz und Maximilian Koeser 600.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Daraus ergibt sich eine Unternehmensbewertung von sechs Millionen Euro nach dem Investment.

Eine zentrale Frage für Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen und Andreas W. Herb dürfte sein, wie sich die Marke über ihre Kölner Herkunft hinaus im nationalen Getränkemarkt positionieren lässt.

Digitale Geschäftsideen: move2pay belohnt Bewegung im Alltag

move2pay – Mia Allouche und Karim Allouche

Bewegung und Konsum miteinander zu verbinden, ist die Geschäftsidee hinter move2pay. Die 19-jährige Mia Allouche und ihr Vater Karim Allouche (49) haben eine Anwendung entwickelt, die körperliche Aktivität mit einem digitalen Belohnungssystem kombiniert.

Das Unternehmen mit Standorten in Lustenau und Wien verfolgt einen Ansatz, der auf bestehende Gesundheits- und Fitnessanwendungen aufbaut. Nutzer können move2pay mit entsprechenden Apps verbinden und für Schritte, Trainingseinheiten oder andere Aktivitäten Bewegungsguthaben sammeln.

Dieses Guthaben lässt sich anschließend bei verschiedenen Handelspartnern im move2pay-Shop einsetzen. Das Geschäftsmodell verbindet damit Elemente aus Fitness, Kundenbindung und digitalem Handel.

Die Idee entstand bereits vor rund fünf Jahren innerhalb der Familie. Mia Allouche und Karim Allouche wollten einen zusätzlichen Anreiz schaffen, um Menschen zu mehr Bewegung im Alltag zu motivieren.

Unterstützung erhält das Unternehmen von Steffen Baumgart. Der ehemalige Fußballprofi und bekannte Fußballtrainer begleitet move2pay nach Angaben der Gründer bereits seit fünf Jahren als Markenbotschafter.

Für die nächste Wachstumsphase suchen Mia Allouche und Karim Allouche 350.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile.

Im Mittelpunkt des Pitches vor Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen steht die Frage, ob sich aus dem Belohnungsmodell ein wirtschaftlich tragfähiges und skalierbares Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Innovative Produkte aus der Lebensmittelbranche: FRYZZA bringt Pizza in den Air Fryer

FRYZZA – Dieter Könnes, Ronny Schreiber und Alexander Wulf

Mit FRYZZA verbindet ein Gründerteam aus Baesweiler zwei beliebte Bereiche der modernen Küche: Tiefkühlpizza und Heißluftfritteusen. Hinter dem Unternehmen stehen TV-Moderator Dieter Könnes (54), Sommelier Ronny Schreiber (44) und Sternekoch Alexander Wulf (43).

Die Geschäftsidee entstand bei einem gemeinsamen Abend im Restaurant TROYKA von Alexander Wulf. Ziel war es, eine Pizza zu entwickeln, die speziell auf die Anforderungen eines Air Fryers abgestimmt ist.

Anders als klassische runde Tiefkühlpizzen besitzt FRYZZA eine rechteckige Form. Dadurch soll sie in handelsübliche Heißluftfritteusen passen und innerhalb von etwa fünf bis sechs Minuten zubereitet werden können.

Die Rezeptur basiert auf Natursauerteig, handgezogenem und handbelegtem Teig, einer Steinofen-Zubereitung sowie einer eigens entwickelten Gewürzmischung.

Aktuell bietet FRYZZA vier Sorten an: Salami, Thunfisch, Veggie und Margherita.

Das Unternehmen kann bereits auf erste Vertriebserfolge verweisen. Nach eigenen Angaben ist FRYZZA in rund 700 Märkten und sieben Handelsketten in Deutschland und Österreich vertreten. Innerhalb der ersten sechs Monate soll ein Umsatz von mehr als 500.000 Euro erzielt worden sein.

Neben Dieter Könnes, Ronny Schreiber und Alexander Wulf gehören zwei weitere Gesellschafter mit Erfahrung in Handel und Distribution zum Unternehmen.

Für den nächsten Wachstumsschritt bietet das Team zehn Prozent der Firmenanteile für 350.000 Euro an.

Judith Williams, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen müssen beurteilen, ob FRYZZA das Potenzial besitzt, sich langfristig als eigenständige Produktkategorie im Lebensmittelhandel zu etablieren.

Nachhaltige Sanitärtechnik: MISSOIR entwickelt ein Frauenurinal

MISSOIR – Lena Olvedi

Lange Warteschlangen vor Frauentoiletten gehören bei Konzerten, Festivals und anderen Großveranstaltungen häufig zum Alltag. Die Berliner Unternehmerin Lena Olvedi (44) möchte mit MISSOIR eine praktische Alternative schaffen.

Ihr Unternehmen hat ein Frauenurinal entwickelt, das speziell auf die natürliche Hockhaltung ausgerichtet ist. Die Konstruktion ermöglicht eine kontaktlose Nutzung und soll insbesondere an stark frequentierten Veranstaltungsorten für eine schnellere Abwicklung sorgen.

MISSOIR wird fest im Boden installiert und verfügt über Haltegriffe sowie einen Spritzschutz. Mehrere Anlagen können nebeneinander eingebaut werden, um die vorhandenen Sanitärkapazitäten zu erweitern.

Ein weiterer Aspekt ist der Wasserverbrauch. Da das System ohne Spülung auskommt, können Betreiber nach Angaben des Unternehmens Wasser und damit verbundene Kosten einsparen.

Die Idee entstand bereits 2018. Nach ersten erfolgreichen Einsätzen auf Festivals und Veranstaltungen wurde das Produkt in die Serienproduktion überführt.

Mit MISSOIR richtet sich Lena Olvedi insbesondere an Betreiber von Clubs, Konzerthallen, Stadien und Veranstaltungsstätten.

Für den weiteren Ausbau ihres Unternehmens sucht die Gründerin 180.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Vor Judith Williams, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Johannes Kliesch möchte Lena Olvedi zeigen, dass sich mit einer verbesserten Sanitärinfrastruktur nicht nur ein alltägliches Problem lösen, sondern auch ein wirtschaftlich interessantes Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Geschäftsideen zwischen Wachstum, Wettbewerb und hohen Unternehmensbewertungen

Die siebte Folge von „Die Höhle der Löwen“ zeigt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen junger Unternehmen sein können. Während RAZECO auf nachhaltige Materialien setzt, konzentriert sich Kölsche Koks auf die Vereinfachung gastronomischer Abläufe. move2pay verbindet Bewegung mit digitalen Kaufanreizen, FRYZZA erschließt neue Möglichkeiten für die Zubereitung von Tiefkühlpizza und MISSOIR möchte bestehende Sanitärkonzepte verbessern.

Auch die Bewertungen verdeutlichen die unterschiedlichen Erwartungen der Gründerteams. Die angebotenen Beteiligungen entsprechen Unternehmensbewertungen nach Investment zwischen 300.000 Euro bei RAZECO und sechs Millionen Euro bei Kölsche Koks.

Insgesamt suchen die fünf Unternehmen 1,51 Millionen Euro Kapital. Ob die Investoren bereit sind, diese Summen zu den angebotenen Konditionen bereitzustellen, bleibt bis zur Ausstrahlung offen.

Entscheidend dürfte dabei nicht allein die Originalität der Geschäftsideen sein. Auch die bisherigen Umsätze, die Vertriebsmöglichkeiten, die Wettbewerbssituation und die wirtschaftliche Skalierbarkeit spielen eine wichtige Rolle.

Die siebte Folge von „Die Höhle der Löwen“ läuft am Montag, 19. Oktober 2026, um 20:15 Uhr bei VOX.

Bild Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Janna Ensthaler, Andreas W. Herb und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Nach dem Löwen-Deal: Andreas W. Herb will hottey zur führenden Hot-Honey-Marke machen

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Hot Honey: hottey und Andreas W. Herb starten Expansion Bild hottey-Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich sowie Andreas W. Herb (v.l.n.r.) / Die Höhle der Löwen Bildcredits MBG Group

Der Unternehmer Andreas W. Herb bestätigt den Abschluss seines Deals mit dem Dresdner Startup hottey. Gemeinsam mit den Gründern Maximilian Voigt und Julian Herrlich will Andreas W. Herb den US-Trend Hot Honey in Deutschland etablieren und das Unternehmen anschließend international weiterentwickeln. hottey ist echter Blütenhonig mit frischer Chili in den drei Geschmacksrichtungen Original, Extra Spicy und Barbecue.

Paderborn/Dresden. Der Deal ist abgeschlossen, die Zusammenarbeit läuft bereits auf Hochtouren: Andreas W. Herb steigt bei hottey ein. Nach den Gesprächen im Anschluss an die Aufzeichnung von „Die Höhle der Löwen“ haben sich Andreas W. Herb und die beiden Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich auf eine gemeinsame Zukunft verständigt. Inzwischen arbeiten beide Seiten bereits eng an Vertrieb, Expansion und dem weiteren Markenaufbau.

Hot Honey: Ein Food-Trend aus den USA erobert Deutschland

Mit hottey kommt ein Trend nach Deutschland, der sich in den USA längst etabliert hat. Hot Honey, die Kombination aus Honig und Chili, wird dort auf Pizza, Burgern, Fried Chicken, Sandwiches und zahlreichen weiteren Gerichten eingesetzt und hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer eigenen Produktkategorie entwickelt.

„Ich bin heute noch begeisterter von hottey als damals beim Pitch. Die beiden Gründer sind absolute Macher. Sie bringen nicht nur eine starke Idee mit, sondern auch genau die Leidenschaft, Energie und Entschlossenheit mit, die ich bei jungen Unternehmern sehen möchte. Gleichzeitig treffen wir mit Hot Honey auf einen Trend, dessen Potential international bereits bewiesen ist. Das macht die Ausgangslage für den weiteren Aufbau der Marke außergewöhnlich spannend“, sagt Andreas W. Herb.

hottey baut Vertrieb aus und plant 50 Tonnen Honig

Bereits in den Monaten nach der Aufzeichnung konnten erste wichtige Meilensteine erreicht werden. hottey ist inzwischen unter anderem bei 60 Seconds to Napoli, NYSC und Ciao Bella gelistet. Weitere Listungen befinden sich aktuell in Vorbereitung. Nach Angaben des Unternehmens wurden die gemeinsamen Wachstumspläne schneller umgesetzt als ursprünglich erwartet. Für das laufende Jahr rechnen die Beteiligten bereits mit der Auslieferung von rund 50 Tonnen hottey-Honig.

Internationale Expansion mit Andreas W. Herb

Neben dem Ausbau des Geschäfts im deutschsprachigen Raum laufen bereits erste Gespräche mit internationalen Partnern. Dabei profitiert hottey auch von der langjährigen Erfahrung von Andreas W. Herb im internationalen Markenaufbau und seinem weltweiten Netzwerk in Handel, Gastronomie und Distribution.

hottey will führende Hot-Honey-Marke werden

Für Andreas W. Herb geht das Potential von hottey deutlich über eine klassische Produktmarke hinaus. Aus seiner Sicht bietet sich die seltene Chance, eine in Europa noch junge Kategorie aktiv mitzugestalten und gleichzeitig von einem globalen Food-Trend zu profitieren.

„Wir haben ein außergewöhnliches Produkt, ein starkes Gründerteam und bereits die ersten wichtigen Vertriebserfolge erreicht. Das ist eine hervorragende Basis für die nächsten Jahre. Unser Ziel ist es, hottey zur führenden Hot-Honey-Marke im deutschsprachigen Raum zu entwickeln und die Marke anschließend international weiter auszubauen. Wenn wir das aktuelle Tempo beibehalten, ist Deutschland erst der Anfang“, so Andreas W. Herb.

Bild hottey-Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich sowie Andreas W. Herb (v.l.n.r.) / Die Höhle der Löwen Bildcredits MBG Group

Quelle Borgmeier Media Gruppe GmbH

Jobsuche wie TikTok: Wie Scrolljob den Arbeitsmarkt mit kurzen Videos revolutioniert

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Scrolljob: Video-Stellenanzeigen verändern die Jobsuche Sufian Bourkha

Scrolljob möchte die Jobsuche mit Video-Stellenanzeigen nach dem Vorbild von TikTok verändern und Bewerbungen deutlich vereinfachen. Im Interview erklärt Gründer Sufian, wie seine Plattform funktioniert, welche Rolle KI spielt und warum besonders Unternehmen mit Fachkräftemangel profitieren könnten.

Sufian, kannst du dich und Scrolljob kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, die Jobsuche nach dem Prinzip von TikTok zu gestalten?

Mein Name ist Sufian und ich bin Gründer von Scrolljob. Mit Scrolljob möchte ich die Art verändern, wie Menschen in Deutschland ihren nächsten Job entdecken.

Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Unternehmen investieren bereits viel Geld in Recruiting-Videos auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Sie zeigen ihre Teams, ihre Arbeitsplätze und geben authentische Einblicke in den Berufsalltag. Doch diese Videos verschwinden im Social-Media-Feed zwischen Unterhaltung, Werbung und anderen Inhalten.

Gleichzeitig funktioniert die klassische Jobsuche noch immer überwiegend über lange Textanzeigen, Suchfilter und teilweise komplizierte Bewerbungsprozesse.

Da habe ich mich gefragt: Warum gibt es keine Plattform, auf der man Jobs genauso einfach entdecken kann, wie man heute Videos auf TikTok anschaut?

Genau daraus ist Scrolljob entstanden. Eine Plattform mit einem vertikalen Video-Feed, in dem Nutzer durch echte Video-Stellenanzeigen scrollen, Arbeitgeber kennenlernen und sich bei Interesse mit wenigen Klicks bewerben können.

Mein Ziel ist es, Jobsuche moderner, einfacher und vor allem zugänglicher zu machen.

Scrolljob setzt auf einen vertikalen Video-Feed statt klassischer Stellenanzeigen. Welches grundlegende Problem im heutigen Bewerbungsprozess möchtest du damit lösen?

Das größte Problem ist für mich, dass die klassische Jobsuche oft unnötig kompliziert und wenig persönlich ist.

Viele Stellenanzeigen bestehen aus langen, austauschbaren Texten. Man liest etwas über Anforderungen, Aufgaben und Benefits, bekommt aber kaum ein echtes Gefühl dafür, wie der Arbeitsalltag aussieht oder wer hinter dem Unternehmen steckt.

Gleichzeitig schrecken komplizierte Bewerbungsprozesse viele potenzielle Kandidaten ab. Gerade Menschen, die im Handwerk, in der Pflege, in der Logistik oder Gastronomie arbeiten, haben nach einem langen Arbeitstag häufig wenig Zeit und Lust, Anschreiben zu formulieren oder Lebensläufe zu aktualisieren.

Mit Scrolljob möchte ich beide Probleme angehen.

Durch Videos erhalten Bewerber innerhalb weniger Sekunden einen authentischen Einblick in ein Unternehmen. Sie sehen beispielsweise das Team, den Arbeitsplatz oder typische Tätigkeiten.

Und wenn ihnen ein Job gefällt, können sie direkt zum Bewerbungsprozess gelangen, der bei vielen Stellen bereits auf wenige Schritte reduziert ist.

Ich bin überzeugt, dass eine Bewerbung heute genauso einfach funktionieren sollte wie viele andere digitale Prozesse, die wir täglich auf unserem Smartphone nutzen.

Besonders in Branchen wie Handwerk, Pflege, Logistik und Gastronomie ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Warum konzentriert sich Scrolljob auf diese Bereiche und welche Chancen siehst du dort?

Gerade in diesen Branchen ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern besonders groß. Gleichzeitig erreichen viele Unternehmen ihre potenziellen Bewerber über klassische Stellenportale nur eingeschränkt.

Ein großer Teil dieser Zielgruppe ist täglich auf Social Media unterwegs, aber nicht unbedingt auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing.

Dazu kommt, dass sich viele dieser Berufe hervorragend über Videos präsentieren lassen.

Ein Handwerksbetrieb kann seine Baustellen und Mitarbeiter zeigen, eine Pflegeeinrichtung den Arbeitsalltag im Team und ein Restaurant seine Küche und die Atmosphäre.

Solche Einblicke vermitteln innerhalb weniger Sekunden viel mehr Persönlichkeit als eine reine Stellenbeschreibung.

Besonders spannend finde ich außerdem die Menschen, die momentan gar nicht aktiv nach einem neuen Job suchen, aber grundsätzlich offen für eine berufliche Veränderung sind.

Wenn sie beim Scrollen plötzlich einen sympathischen Arbeitgeber oder eine interessante Stelle entdecken, kann daraus ein echter Bewerbungsimpuls entstehen.

Ich sehe darin eine große Chance, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, die im Wettbewerb um Fachkräfte häufig weniger Sichtbarkeit haben als große Arbeitgeber.

Mit über 10.000 Stellenanzeigen aus ganz Deutschland bietet Scrolljob bereits eine große Auswahl. Wie kommen diese Stellenangebote auf die Plattform und wie stellst du sicher, dass sie aktuell und seriös sind?

Scrolljob verfolgt bei der Gewinnung von Stellenanzeigen einen anderen Ansatz als klassische Jobbörsen.

Wir erfassen echte Video-Stellenanzeigen, die Unternehmen und Recruiting-Agenturen bereits aktiv auf Social-Media-Plattformen als Werbung schalten.

Viele Unternehmen investieren bereits in professionell produzierte Recruiting-Videos und nutzen diese, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Scrolljob macht solche Stellenangebote gezielt für Jobsuchende auffindbar.

Im Hintergrund läuft eine weitgehend automatisierte technische Infrastruktur, die relevante Anzeigen erfasst, analysiert und für unseren Video-Feed aufbereitet.

Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die Inhalte ausgewertet und den passenden Berufsfeldern, Branchen und Regionen zugeordnet.

Dabei achten wir darauf, dass es sich tatsächlich um Recruiting-Anzeigen handelt. Außerdem werden die Anzeigen regelmäßig überprüft und nicht mehr aktive Angebote aussortiert.

Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass viele dieser Stellenanzeigen auf bestehende Bewerbungs-Funnels von Unternehmen oder Recruiting-Agenturen verweisen. Bewerber gelangen dadurch direkt in einen bereits eingerichteten Bewerbungsprozess.

Unser Ziel ist nicht einfach nur, möglichst viele Stellenanzeigen aufzulisten, sondern einen aktuellen und relevanten Video-Jobfeed anzubieten, in dem Nutzer schnell interessante Möglichkeiten entdecken können.

Bewerber können sich über Scrolljob innerhalb von 60 Sekunden und häufig ohne Lebenslauf bewerben. Wie funktioniert dieser Prozess konkret und welche Vorteile bietet er Unternehmen und Jobsuchenden?

Der Bewerbungsprozess ist bewusst so einfach wie möglich gestaltet.

Nutzer entdecken im Scrolljob-Feed eine interessante Video-Stellenanzeige und können über den Bewerbungsbutton direkt mit ihrer Bewerbung starten.

Die meisten Stellenanzeigen auf Scrolljob führen zu sogenannten Recruiting-Funnels. Das sind speziell optimierte Bewerbungsformulare, die den gesamten Prozess auf wenige Schritte reduzieren.

Oft reichen bereits der Name, die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse aus. Bei manchen Stellen werden zusätzlich wenige Fragen zur Berufserfahrung oder Qualifikation gestellt. Ein klassischer Lebenslauf oder ein Anschreiben ist häufig gar nicht notwendig.

Nach dem Absenden der Bewerbung werden die Interessenten in der Regel von der zuständigen Recruiting-Agentur oder direkt vom Unternehmen telefonisch kontaktiert.

In diesem ersten Gespräch werden grundlegende Fragen geklärt und eine erste Einschätzung vorgenommen, ob die Stelle und der Bewerber zueinander passen.

Bei vielen Angeboten kann eine Bewerbung dadurch tatsächlich innerhalb von ungefähr 60 Sekunden abgeschickt werden, direkt vom Smartphone aus.

Für Bewerber entfällt ein großer Teil des klassischen Bewerbungsaufwands. Unternehmen und Recruiting-Agenturen profitieren gleichzeitig davon, dass sie schneller mit interessierten Kandidaten in Kontakt kommen können.

Genau das ist mein Ansatz mit Scrolljob: den Weg vom ersten Interesse bis zum persönlichen Kontakt so kurz und unkompliziert wie möglich zu machen.

Künstliche Intelligenz spielt bei der Klassifikation der Video-Stellenanzeigen eine wichtige Rolle. Welche Technologien setzt du ein und wie sorgt die KI dafür, dass Nutzer passende Jobangebote entdecken?

Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Bestandteil der technischen Infrastruktur von Scrolljob.

Wir setzen KI-Modelle ein, um die erfassten Video-Stellenanzeigen automatisiert zu analysieren und zu klassifizieren.

Dabei werden sowohl Informationen aus den Anzeigentexten als auch aus den Videoinhalten ausgewertet. Die KI hilft uns beispielsweise dabei zu erkennen, welcher Beruf gesucht wird, zu welcher Branche das Angebot gehört und für welche Region die Stelle relevant ist.

Gleichzeitig unterstützt sie dabei, Inhalte herauszufiltern, bei denen es sich nicht um passende Stellenanzeigen handelt.

Aus diesen Informationen entsteht ein strukturierter Katalog aus Video-Stellenanzeigen, den Nutzer nach Berufsfeld und Standort durchsuchen beziehungsweise filtern können.

Ohne diese Automatisierung wäre das in dieser Größenordnung kaum möglich. Als Solo-Gründer könnte ich nicht Tausende Videos manuell anschauen, kategorisieren und regelmäßig aktualisieren.

Die KI hilft mir deshalb nicht nur bei der Weiterentwicklung des Produkts, sondern ermöglicht überhaupt erst den effizienten Betrieb der Plattform.

Langfristig möchte ich diese Technologie weiterentwickeln, damit Nutzer noch relevantere Stellenangebote entdecken können, ohne jedes Mal aufwendig danach suchen zu müssen.

Scrolljob wurde erst im Mai 2026 gegründet und bislang vollständig eigenfinanziert aufgebaut. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, eine solche Plattform ohne Investoren und als Solo-Gründer zu entwickeln?

Als Solo-Gründer ist die größte Herausforderung definitiv, dass man viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig übernehmen muss.

An einem Tag entwickelt man neue Funktionen, löst technische Probleme, verbessert die Benutzeroberfläche und beschäftigt sich gleichzeitig mit Marketing, Strategie und Geschäftsmodell.

Dabei muss man ständig Prioritäten setzen, weil die Liste an Ideen meistens deutlich länger ist als die verfügbare Zeit.

Ich habe Scrolljob seit der Gründung vollständig eigenfinanziert aufgebaut. Das bedeutet, dass ich sehr bewusst mit meinen Ressourcen umgehen und viele Dinge selbst lösen muss.

Gleichzeitig sehe ich darin auch einen großen Vorteil.

Ich kann Entscheidungen schnell treffen, neue Ideen direkt ausprobieren und die Plattform so entwickeln, wie ich es für die Nutzer am sinnvollsten halte, ohne mich nach den Erwartungen externer Investoren richten zu müssen.

Ein enormer Vorteil sind heute moderne KI-Werkzeuge und Automatisierungsmöglichkeiten. Damit lassen sich Prozesse aufbauen, für die man vor einigen Jahren wahrscheinlich ein größeres Team benötigt hätte.

Ein Beispiel ist unsere automatisierte Verarbeitung und Klassifikation der Video-Stellenanzeigen.

Natürlich bringt das alles viel Verantwortung mit sich. Aber für mich ist es unglaublich motivierend zu sehen, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine funktionierende Plattform mit bereits über 10.000 Stellenanzeigen geworden ist.

Während Scrolljob für Bewerber kostenlos ist, muss die Plattform langfristig wirtschaftlich funktionieren. Auf welchem Geschäftsmodell basiert dein Konzept und wie möchtest du Unternehmen als Kunden gewinnen?

Für Bewerber soll Scrolljob dauerhaft kostenlos bleiben.

Unser Geschäftsmodell richtet sich an Unternehmen, die ihre offenen Stellen sichtbarer machen und neue Mitarbeiter gewinnen möchten.

Geplant sind unter anderem Möglichkeiten, Video-Stellenanzeigen direkt auf Scrolljob zu veröffentlichen und durch zusätzliche Platzierungen im Feed hervorzuheben.

Viele Unternehmen investieren heute bereits erhebliche Budgets in Recruiting-Kampagnen auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen.

Der Vorteil von Scrolljob ist, dass diese Unternehmen ihre bestehenden Videos zusätzlich in einer Umgebung präsentieren können, in der es ausschließlich um Jobs und berufliche Möglichkeiten geht.

Während eine Recruiting-Anzeige auf Social Media zwischen Unterhaltungsvideos und anderen Werbeanzeigen erscheint, treffen Unternehmen auf Scrolljob auf Menschen, die sich gezielt oder auch spontan mit neuen beruflichen Möglichkeiten beschäftigen.

Besonders wichtig ist mir, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen einen einfachen Zugang bekommen, ohne komplizierte technische Voraussetzungen oder große Recruiting-Abteilungen.

Langfristig möchte ich ein Geschäftsmodell aufbauen, das Unternehmen einen messbaren Mehrwert bietet und gleichzeitig sicherstellt, dass Jobsuchende die Plattform kostenlos nutzen können.

Viele Menschen verbringen täglich Zeit auf Social-Media-Plattformen, suchen ihren nächsten Job aber weiterhin über klassische Stellenportale. Wie möchtest du diese Gewohnheiten verändern und welche Zielgruppen erreichst du mit Scrolljob besonders gut?

Ich glaube, dass man die Gewohnheiten der Menschen gar nicht grundlegend verändern muss. Man muss sie sinnvoll nutzen.

Menschen sind längst daran gewöhnt, Inhalte über kurze Videos zu entdecken. Sie scrollen durch ihren Feed und entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob etwas für sie interessant ist.

Warum sollte dieses Prinzip nicht auch bei der Jobsuche funktionieren?

Genau hier setzt Scrolljob an.

Statt zuerst eine Berufsbezeichnung eingeben und lange Ergebnislisten durchsuchen zu müssen, können Nutzer einfach durch Video-Stellenanzeigen scrollen und neue Arbeitgeber entdecken.

Besonders interessant ist dieser Ansatz für die Generation Z und junge Menschen, die mit TikTok, Instagram Reels und ähnlichen Formaten aufgewachsen sind.

Aber ich sehe das Potenzial deutlich breiter.

Auch erfahrene Fachkräfte aus Handwerk, Pflege, Logistik und Gastronomie können von einer einfacheren und visuelleren Jobsuche profitieren.

Eine besonders wichtige Zielgruppe sind außerdem Menschen, die aktuell beschäftigt sind, aber grundsätzlich offen für einen Jobwechsel wären.

Diese Menschen besuchen möglicherweise keine klassischen Jobportale. Wenn sie aber ein interessantes Video sehen, das einen sympathischen Arbeitgeber oder bessere Arbeitsbedingungen zeigt, kann daraus spontan Interesse entstehen.

Wenn sie sich dann auch noch mit wenigen Angaben bewerben können und anschließend einen Rückruf erhalten, wird der gesamte Prozess deutlich einfacher.

Genau diese Verbindung aus Entdecken und unkompliziertem Bewerben möchte ich mit Scrolljob schaffen.

Der Markt für digitale Jobvermittlung ist stark umkämpft. Was unterscheidet Scrolljob von etablierten Jobbörsen und anderen Recruiting-Plattformen, und wo siehst du deinen größten Wettbewerbsvorteil?

Der größte Unterschied liegt für mich im gesamten Nutzererlebnis.

Klassische Jobbörsen funktionieren hauptsächlich wie Suchmaschinen. Man gibt einen Beruf und einen Standort ein und erhält eine Liste aus Textanzeigen.

Scrolljob funktioniert dagegen wie eine Entdeckungsplattform.

Nutzer müssen nicht unbedingt wissen, wonach sie suchen. Sie können durch echte Video-Stellenanzeigen scrollen, Arbeitgeber kennenlernen und innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob sie eine Stelle interessant finden.

Ein weiterer Unterschied ist unsere technische Infrastruktur.

Wir nutzen bereits vorhandene Video-Recruiting-Inhalte, die von Unternehmen und Recruiting-Agenturen produziert werden, und bereiten diese mithilfe einer automatisierten KI-Pipeline für unsere Plattform auf.

Damit können wir ein großes Angebot an Video-Stellenanzeigen bereitstellen, ohne jede einzelne Anzeige manuell erstellen zu müssen.

Hinzu kommt der direkte Übergang in bestehende Recruiting-Funnels.

Nutzer entdecken einen Job im Video, geben bei Interesse häufig nur ihre grundlegenden Kontaktdaten ein und können anschließend bereits von einer Recruiting-Agentur oder dem Unternehmen kontaktiert werden.

Für mich liegt der Wettbewerbsvorteil genau in dieser Kombination aus authentischen Arbeitgebervideos, automatisierter Technologie und einem möglichst einfachen Bewerbungsprozess.

Ich möchte nicht einfach eine weitere Jobbörse aufbauen, sondern die Art, wie Menschen neue berufliche Möglichkeiten entdecken, grundlegend moderner gestalten.

Datenschutz und Vertrauen spielen bei Bewerbungen eine entscheidende Rolle. Welche Bedeutung haben das Hosting in Deutschland und der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten für deine Plattform?

Datenschutz ist für mich ein grundlegender Bestandteil von Scrolljob.

Gerade bei der Jobsuche geht es um sensible Informationen. Vielleicht möchte jemand den Arbeitgeber wechseln, ohne dass sein aktuelles Unternehmen davon erfährt.

Deshalb ist mir wichtig, dass Scrolljob in Deutschland gehostet wird und wir beim Umgang mit personenbezogenen Daten die Anforderungen der DSGVO berücksichtigen.

Ein zentraler Grundsatz ist dabei die Datensparsamkeit.

Nutzer können auf Scrolljob Stellenangebote entdecken, ohne vorher ein umfangreiches Profil erstellen oder ihren Lebenslauf auf unserer Plattform hochladen zu müssen.

Wenn sich jemand für eine Stelle interessiert, wird er über den Bewerbungsbutton zum jeweiligen Bewerbungsprozess des Unternehmens oder der zuständigen Recruiting-Agentur weitergeleitet.

Die eigentliche Bewerbung findet somit in der Regel im jeweiligen Recruiting-Funnel statt und nicht in einem umfangreichen Bewerberverwaltungssystem von Scrolljob.

Mir ist wichtig, dass die Abläufe für Nutzer nachvollziehbar sind und sie wissen, an wen sie ihre Bewerbungsdaten übermitteln.

Ich bin überzeugt, dass eine moderne Recruiting-Plattform nicht möglichst viele persönliche Daten sammeln muss, sondern Menschen möglichst einfach mit passenden Arbeitgebern verbinden sollte.

Wenn du auf die kommenden Jahre blickst: Welche Ziele verfolgst du mit Scrolljob, welche Weiterentwicklungen sind geplant und wo soll die Plattform in fünf Jahren stehen?

Mein erstes großes Ziel ist es, Scrolljob in Deutschland als bekannte Plattform für videobasierte Jobsuche zu etablieren.

Dafür möchte ich das Angebot an Video-Stellenanzeigen kontinuierlich erweitern, die Qualität der Inhalte verbessern und die Benutzererfahrung noch intuitiver gestalten.

Ein wichtiger nächster Schritt ist außerdem, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Video-Stellenanzeigen direkt auf Scrolljob zu veröffentlichen und zu verwalten.

Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz sehe ich großes Potenzial. Langfristig soll der Feed noch besser erkennen können, welche Jobs für Nutzer interessant sein könnten, und relevante Stellenangebote entsprechend präsentieren.

Darüber hinaus möchte ich den gesamten Weg von der Entdeckung einer Stelle bis zur Bewerbung noch einfacher gestalten.

Schon heute führen viele unserer Anzeigen zu Recruiting-Funnels, bei denen wenige Angaben ausreichen, um den ersten Kontakt zu einem potenziellen Arbeitgeber herzustellen.

Diesen Gedanken möchte ich konsequent weiterentwickeln.

Mittelfristig kann ich mir außerdem vorstellen, Scrolljob auf weitere europäische Märkte auszuweiten.

In fünf Jahren möchte ich, dass Scrolljob für videobasierte Jobsuche genauso selbstverständlich ist, wie es heute ist, durch Social Media zu scrollen.

Meine Vision ist, dass Menschen nicht mehr erst lange Stellenanzeigen lesen müssen, um herauszufinden, ob ein Arbeitgeber zu ihnen passt.

Sie sollen einen Job sehen, ein Gefühl für das Unternehmen bekommen und bei Interesse innerhalb weniger Sekunden den ersten Schritt in Richtung eines neuen Arbeitsplatzes machen können.

Wenn Scrolljob dazu beiträgt, dass Menschen schneller passende Arbeitgeber finden und Unternehmen einfacher neue Mitarbeiter erreichen, dann haben wir etwas wirklich Wertvolles geschaffen.

Foto: privat/mit ki verbessert

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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