Dienstag, Oktober 20, 2026
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Voice Agents im Einsatz: Wie Sona8 Mitarbeiterwissen für Transformationsprojekte nutzt

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Sona8: Unternehmen nutzen Interviews mit KI Teambild

Sona8 nutzt KI-gestützte Interviews, um Unternehmen dabei zu helfen, Mitarbeiterwissen für strategische Entscheidungen und Transformationen nutzbar zu machen.

Können Sie sich, Ihr Team und Sona8 kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für das Unternehmen entstanden ist?

Ich bin Anton Hantel, Mitgründer und CEO von Sona8. Wir sind ein Team aus vier Leuten in San Francisco: Thilo Tamme, Madeleine Malmsten und ich als Gründer, dazu Jakob Schepers als Founding Engineer. Thilo und ich teilen uns Go to Market und Sales. Mein Fokus liegt auf den frühen Phasen im Vertrieb, also neuen Kontakten und ersten Kundengesprächen, auf Fundraising und allem, was beim Aufbau sonst noch anfällt. Thilos Fokus liegt stärker auf der Produktentwicklung, der Iteration mit bestehenden Pilotkunden und dem Ausbau dieser Zusammenarbeit. Madeleine ist unsere CTO und kommt von QuantumBlack, der AI Unit von McKinsey. Gemeinsam mit Jakob entwickelt sie die Technologie hinter Sona8.

Sona8 führt mit Voice Agents Mitarbeiterinterviews für Strategie- und Transformationsprojekte. Die Idee entstand aus unserer gemeinsamen Zeit bei BCG. In solchen Projekten hängt die Diagnose stark davon ab, mit wem man spricht. Wir wollten diese Gespräche auf viel mehr Menschen ausweiten. Angefangen haben wir neben meinem MBA am MIT und Thilos Promotion an der TUM.

Sie haben Ihren MBA am MIT abgebrochen, Thilo Tamme seine Promotion an der TUM, um Sona8 aufzubauen. Was hat Ihnen beiden die Sicherheit gegeben, diesen Schritt zu gehen?

Ehrlich gesagt: richtige Sicherheit gab es nicht. Wir hatten erste Piloten und sahen, dass Kunden das Produkt wirklich nutzen wollten. Irgendwann ließ sich das nicht mehr nebenbei machen. Wenn ein Kunde etwas für sein laufendes Projekt braucht, kann man ihn schlecht auf die Zeit nach den Prüfungen vertrösten. Wir mussten uns entscheiden, wie ernst wir es meinen. Ob das Timing perfekt war, wissen wir vielleicht erst in ein paar Jahren. Aber auf vollständige Sicherheit hätten wir lange warten können.

Sie bringen Erfahrungen aus der Beratung mit. Welches konkrete Problem in Unternehmen haben Sie dort beobachtet, das schließlich zum Ausgangspunkt für Sona8 wurde?

Viele Strategieprojekte starten mit einer Interviewphase. Das Team spricht mit Führungskräften und ausgewählten Leuten aus dem Business. Diese Gespräche sind wertvoll, bilden aber nur einen kleinen Ausschnitt ab. Wer weiß zum Beispiel, warum ein Freigabeprozess ständig umgangen wird? Meist die Leute, die täglich damit arbeiten. Ihre Sicht kommt nicht immer bis ins Projektteam. Dazu kommt: Die Interviews finden häufig am Anfang statt. Wenn die Umsetzung später hakt, fehlt ein aktuelles Bild. Diese Kombination aus begrenzter Reichweite und punktuellen Gesprächen war unser Ausgangspunkt.

Sona8 entwickelt Voice Agents, die Mitarbeiterwissen für die Unternehmensstrategie nutzbar machen sollen. Wie funktioniert das in der Praxis?

Das Projektteam definiert eine Fragestellung, etwa: Wie läuft der Rollout des neuen CRM im Vertrieb? Ich begleite Kunden vom ersten Gespräch durch den Piloten und kläre mit ihnen, wo die Interviews im Projekt helfen können. Thilo entwickelt das Produkt im engen Austausch mit unseren bestehenden Pilotkunden weiter. Er übersetzt ihr Feedback in neue Produktiterationen und arbeitet mit ihnen daran, den Einsatz von Sona8 auszubauen. Auf die jeweilige Fragestellung richten wir die Interviews aus. Die Mitarbeitenden bekommen einen Link und sprechen mit dem Agenten, wenn es ihnen passt. Der Agent fragt nach Beispielen und lässt sich erklären, wie ein Ablauf tatsächlich funktioniert. Daraus entstehen Prozessübersichten und eine strukturierte Sammlung von Problemen und Verbesserungsideen nach Teams oder Standorten. Später kann das Team mit weiteren Gesprächen prüfen, was sich durch die Maßnahmen verändert hat.

In vielen Unternehmen ist wertvolles Wissen auf einzelne Teams und Mitarbeiter verteilt. Warum gelingt es klassischen Befragungen, Meetings oder internen Tools aus Ihrer Sicht nicht ausreichend, dieses Wissen zu erfassen?

Surveys eignen sich gut, um bekannte Fragen regelmäßig zu messen. Sie können aber kaum einer unerwarteten Antwort nachgehen. In Meetings fehlt häufig die Person, die ein Problem aus dem Alltag kennt. Und ein Wiki enthält nur, was jemand aufgeschrieben hat. Viele Workarounds sind für die Beteiligten so selbstverständlich, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, sie zu dokumentieren. Dazu kommen die Silos: Der Werksleiter kennt sein Werk, die Vertriebsleiterin ihre Region. Spannend wird es, wenn man diese Perspektiven zusammenbringt und erkennt, dass zwei scheinbar unterschiedliche Probleme dieselbe Übergabe betreffen.

Welche Fragen stellen die Voice Agents den Mitarbeitern und wie schaffen Sie es, aus vielen einzelnen Gesprächen strategisch relevante Erkenntnisse herauszufiltern?

Die Fragen sind oft ziemlich einfach: „Was hat sich seit der Umstellung der Software in deinem Arbeitsalltag verändert?“ Wenn jemand sagt, die Freigaben dauerten ewig, fragt der Agent: „Wie lange konkret? Wann ist dir das zuletzt passiert? Was machst du in der Zwischenzeit?“ So kommt man von einer allgemeinen Beschwerde zu einem nachvollziehbaren Ablauf. In der Auswertung schauen wir darauf, wo Themen wiederkehren und welche Folgen sie haben. Häufigkeit allein reicht aber nicht: Auch ein einzelner Hinweis kann wichtig sein. Interessant sind außerdem Themen, nach denen wir ursprünglich gar nicht gefragt haben, die aber in mehreren Gesprächen auftauchen.

Gerade bei internen Gesprächen können sensible oder vertrauliche Informationen zur Sprache kommen. Wie gehen Sie bei Sona8 mit Datenschutz, Vertraulichkeit und der Akzeptanz bei Mitarbeitern um?

Die Teilnahme ist freiwillig. Die Auswertung soll Probleme in Abläufen sichtbar machen, ohne einzelne Mitarbeitende bloßzustellen. Dafür müssen vor dem Einsatz Zweck, Zugriffsrechte und der Umgang mit den Aussagen verständlich geklärt sein. Eine KI, die nach dem eigenen Job fragt, kann erst einmal nach Kontrolle klingen. Diese Sorge muss man ernst nehmen. Weil wir in Deutschland gestartet sind, haben Datenschutz, Security und Mitbestimmung unser Produkt früh geprägt. Genauso wichtig ist für mich, was nach den Interviews passiert: Wenn Menschen ihre Zeit investieren, sollten sie sehen, dass mit ihren Hinweisen etwas gemacht wird.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei der Auswertung der Gespräche und wie verhindern Sie, dass wichtige Aussagen falsch interpretiert oder aus dem Zusammenhang gerissen werden?

Madeleine entwickelt als CTO die Analysepipeline weiter, die Aussagen aus den Gesprächen strukturiert und zu gemeinsamen Themen zusammenführt. Hier liegt für uns das Herz des Produkts: Aus den Interviews müssen nachvollziehbare Erkenntnisse für das Projektteam werden. Viel lässt sich schon im Interview klären, indem der Agent nachfragt. In der Auswertung müssen die zugrunde liegenden Aussagen nachvollziehbar bleiben. Ein einzelner Vorfall, eine regelmäßige Erfahrung und eine Vermutung über die Ursache sind drei verschiedene Dinge. Das darf eine Zusammenfassung nicht glattziehen. Auch Widersprüche wollen wir sichtbar halten: Vielleicht läuft derselbe Prozess an zwei Standorten tatsächlich unterschiedlich. Die Ergebnisse liefern Hinweise und Hypothesen. Welche Schlüsse daraus gezogen werden, entscheidet das Projektteam.

Sie konnten bereits eine der drei großen Unternehmensberatungen als Kunden gewinnen. Was hat Ihnen dieser frühe Erfolg über den tatsächlichen Bedarf im Markt gezeigt?

Dass der Bedarf auch bei Teams besteht, die Interviews sehr gut selbst führen können. Auf Projekten sind Zeit und Kapazität begrenzt. Mit Sona8 können mehr Perspektiven in die Diagnose einfließen, während die Berater ihre eigenen Gespräche weiterführen. Für uns war das ein naheliegender Einstieg, weil wir den Arbeitsalltag kennen. Wir lernen dabei, wie sich zusätzliche Mitarbeiterperspektiven in die bestehende Projektarbeit einfügen. Entscheidend ist, ob das Produkt im Projekt hilft und beim nächsten Mal wieder gebraucht wird.

Wer sind die typischen Nutzer von Sona8 innerhalb eines Unternehmens und bei welchen strategischen Entscheidungen kann die Plattform besonders hilfreich sein?

Vor allem Beratungs- sowie interne Strategie- und Transformationsteams. Typische Fragen sind: Warum wird eine neue Software an einem Standort genutzt und am anderen kaum? Wo verliert der Vertrieb Zeit? Welche Zuständigkeiten sind nach einer Übernahme unklar? Für manche dieser Fragen fehlt intern die Kapazität für viele Gespräche, während sich ein externes Projekt dafür kaum rechnen würde. Sona8 soll solche Analysen leichter zugänglich machen. Beratungen können es wiederum in größere Programme einbinden und sich schneller ein breiteres Bild verschaffen.

Sona8 ist Teil von Y Combinator. Welche Bedeutung hat die Aufnahme für die Entwicklung des Unternehmens und was hat sich dadurch für Sie als Gründer verändert?

YC war für uns der Anstoß, als Team nach San Francisco zu gehen. Den US-Markt hatten wir vorher schon von Boston aus kennengelernt. Hier ist der Anspruch an Fortschritt sehr hoch. Die Partner haben viele Startups in einer ähnlichen Phase begleitet und fragen ziemlich direkt, was diese Woche tatsächlich vorangegangen ist. Das verändert den eigenen Takt. Man kann lange an einer Idee feilen. Spätestens beim nächsten Gespräch muss man sagen können, was man mit Kunden gelernt oder im Produkt verbessert hat.

Der Markt für KI-basierte Unternehmenslösungen entwickelt sich rasant. Wodurch unterscheidet sich Sona8 von klassischen Employee-Survey-, Knowledge-Management- und AI-Tools?

Für uns gehört die ganze Strecke zusammen: eine konkrete Unternehmensfrage, die passenden Gespräche und eine Auswertung, mit der das Projektteam weiterarbeiten kann. Wir erschließen dabei Wissen, das noch in den Köpfen der Mitarbeitenden steckt. Viele Anwendungen mit KI helfen dem Einzelnen beim Schreiben oder Suchen. Unser Fokus liegt darauf, die Erfahrungen vieler Menschen für eine gemeinsame Entscheidung zusammenzuführen. Dafür reicht eine gut klingende Stimme nicht. Die Gespräche müssen zum Projekt passen und die Ergebnisse im Arbeitsalltag brauchbar sein.

Was waren bisher die größten Herausforderungen beim Aufbau von Sona8 und welche Annahmen aus der Anfangszeit mussten Sie bereits korrigieren?

Vertrauen und Zuverlässigkeit. Mitarbeitende müssen verstehen, was mit ihren Aussagen passiert. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass die Software im Einsatz funktioniert. Dabei hilft uns die Erfahrung von Madeleine und Jakob. Jakob kommt aus der IT von Volkswagen, war schon früh dabei und hat die erste Plattform von Sona8 gebaut. Heute entwickelt er sie gemeinsam mit Madeleine weiter und arbeitet vor allem an Architektur und Deployment.

Eine Annahme war, dass die Stimme möglichst menschlich klingen müsse. Heute sehen wir darin weniger den entscheidenden Punkt: Es kann Menschen sogar leichter fallen, offen zu sprechen, wenn klar ist, dass ihnen eine KI zuhört. Außerdem hatten wir anfangs stärker HR als Käufer im Kopf. Heute konzentrieren wir uns auf Strategie- und Transformationsteams sowie Beratungen, die eine konkrete Entscheidung vorbereiten.

Welche nächsten Schritte planen Sie mit Sona8 und wo möchten Sie mit dem Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?

Kurzfristig wollen wir weitere Piloten in den USA umsetzen und die Ergebnisse stärker mit vorhandenen Unternehmensdaten verbinden. Wenn Mitarbeitende von Verzögerungen berichten und die Systemdaten zeigen, wo Wartezeiten entstehen, kann das die Diagnose deutlich verbessern. Langfristig möchten wir, dass dieses Verständnis auch während der Umsetzung aktuell bleibt. Heute wird Mitarbeiterwissen oft für ein einzelnes Projekt erhoben und veraltet danach. Wir wollen regelmäßige Gespräche so einfach machen, dass Teams früh erkennen, wo sie nachsteuern müssen. Woran wir uns messen lassen wollen: ob daraus bessere Entscheidungen und konkrete Verbesserungen entstehen.

Welche drei Tipps würden Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Dranbleiben, gerade im Enterprise Sales. Große Unternehmen brauchen Zeit. Nicht bei jeder ausbleibenden Antwort gleich die Richtung ändern.
  2. Baut für Kunden, mit denen ihr gern Zeit verbringt. Ihr werdet viel mit ihnen zu tun haben, gerade am Anfang.
  3. Einfach machen. Etwas falsch zu machen ist meistens besser, als ewig zu warten und nichts zu tun.

Bildrechte: Foto: Albert Law

Wir bedanken uns bei Anton Hantel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mehr Sichtbarkeit für das Catering: Wie Caterino Veranstalter und Anbieter verbindet

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Caterino: Plattform für Anbieter und Veranstalter Jonathan Di Giacomo/ Caterino

Caterino entwickelt eine Plattform, über die Veranstalter passende Anbieter für Catering und Eventlocations finden, vergleichen und direkt anfragen können.

Können Sie sich und Caterino kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

Ich bin Jonathan Di Giacomo, Gründer von Caterino und selbst Betreiber eines Cateringunternehmens. Caterino ist eine Plattform, die Veranstalter mit Caterern und Eventlocations zusammenbringt und die Suche sowie die anschließende Anfrage deutlich vereinfachen soll.

Die Idee entstand aus meiner eigenen Erfahrung im Catering. Dabei habe ich gemerkt, dass sowohl Veranstalter als auch Anbieter immer wieder mit denselben Problemen konfrontiert sind. Als ich nach einer Plattform gesucht habe, die diese Probleme gebündelt löst, habe ich festgestellt, dass es in dieser Form noch keine passende Lösung gibt. Daraus entstand Caterino.

Sie haben selbst ein Cateringunternehmen betrieben. Welche Probleme haben Sie dort immer wieder erlebt, die schließlich zur Gründung von Caterino geführt haben?

Wir werden selbst regelmäßig von Kunden, Freunden oder Familienmitgliedern gefragt, ob wir bei der Suche nach einer passenden Eventlocation helfen können. Dabei zeigt sich schnell, wie schwierig die Suche wird, sobald besondere Anforderungen hinzukommen, beispielsweise ob Hunde erlaubt sind, ob eine Location barrierefrei ist oder wie lange gefeiert werden darf.

Auf der anderen Seite erhalten wir mit unserem Cateringunternehmen immer wieder Nachrichten von Kunden, die uns sagen, dass sie gar nicht wussten, dass es einen italienischen Caterer in ihrer Nähe gibt. Dadurch wurde mir bewusst, dass nicht nur die Suche aufwendig ist, sondern auch viele gute regionale Anbieter schlicht nicht ausreichend sichtbar sind.

Wer eine Veranstaltung plant, muss häufig zahlreiche Anbieter einzeln kontaktieren. An welcher Stelle setzt Caterino an und wie funktioniert die Suche über die Plattform konkret?

Caterino bündelt die Suche nach Caterern und Eventlocations an einem Ort. Nutzer geben zunächst den Ort ihrer Veranstaltung an und können anschließend passende Anbieter in der Umgebung entdecken und miteinander vergleichen.

Einzelne Anbieter können direkt über ihr Profil angefragt werden. Alternativ kann eine offene Anfrage erstellt werden, auf die passende Caterer oder Locations reagieren können. Rückmeldungen lassen sich anschließend zentral vergleichen und weitere Details direkt über den Chat klären.

Welche Kriterien können Nutzer bei der Suche nach Caterern und Eventlocations berücksichtigen und wie detailliert lassen sich individuelle Anforderungen abbilden?

Bei Caterern können unter anderem Küchenrichtung, Liefergebiet, Gästezahl und Ernährungswünsche berücksichtigt werden. Bei Locations spielen beispielsweise Kapazität, Ausstattung, Barrierefreiheit, Haustiere oder Veranstaltungszeiten eine Rolle.

Zusätzliche individuelle Wünsche können direkt in der Anfrage angegeben werden. So erhalten Anbieter möglichst früh ein genaues Bild davon, was für die Veranstaltung benötigt wird.

Barrierefreiheit, Haustiere, Ernährungswünsche oder bestimmte Veranstaltungszeiten können bei der Planung entscheidend sein. Wie stellen Sie sicher, dass solche Informationen bei Caterino zuverlässig und aktuell sind?

Die Anbieter pflegen ihre Profile selbst und können ihre Angaben jederzeit aktualisieren. Dazu gehören beispielsweise Ausstattung, Hausregeln, Ernährungsangebote oder andere wichtige Eigenschaften.

Auch Verfügbarkeiten und ausgebuchte Termine können gepflegt werden. Unser Ziel ist es, die Aktualisierung für Anbieter so einfach wie möglich zu gestalten, damit Nutzer bereits vor einer Anfrage möglichst viele relevante Informationen erhalten.

Nicht nur Veranstalter, sondern auch Caterer und Eventlocations sollen von Caterino profitieren. Welches Problem lösen Sie auf der Anbieterseite?

Für Anbieter geht es vor allem um Sichtbarkeit und passende Anfragen. Gerade kleinere regionale Unternehmen haben häufig nicht dasselbe Marketingbudget wie große Anbieter, obwohl ihr Angebot für eine Veranstaltung vielleicht genau passend wäre.

Bei Caterino können Anbieter ihr Unternehmen ausführlich präsentieren und relevante Anfragen erhalten. Dabei ist uns eine faire und neutrale Vermittlung wichtig. Bezahlte Top Platzierungen oder gekaufte Hervorhebungen sind deshalb nicht vorgesehen.

Unvollständige Anfragen kosten Caterern und Locations viel Zeit. Wie sorgt Caterino dafür, dass Anbieter von Anfang an die Informationen erhalten, die sie für ein passendes Angebot benötigen?

Anfragen werden bei Caterino strukturiert erstellt. Wichtige Angaben wie Datum, Gästezahl, Veranstaltungsart, Ort, Budget und besondere Wünsche werden bereits bei der Anfrage erfasst.

Dadurch können Anbieter schneller einschätzen, ob eine Veranstaltung zu ihrem Angebot passt und müssen weniger grundlegende Informationen im Nachhinein erfragen.

Wie funktioniert die Kommunikation zwischen Interessenten und Anbietern und welche Schritte können bereits vollständig über Caterino abgewickelt werden?

Die Suche, Anfrage, Rückmeldung und weitere Kommunikation können bereits über Caterino stattfinden. Nutzer können Anbieter direkt kontaktieren oder eine offene Anfrage erstellen und anschließend die eingehenden Antworten miteinander vergleichen.

Über den integrierten Chat lassen sich weitere Details direkt zwischen Veranstalter und Anbieter abstimmen. Die eigentliche Bezahlung des Auftrags erfolgt weiterhin direkt zwischen beiden Parteien.

Caterino ist als Web App sowie für iOS und Android verfügbar. Welche Erfahrungen haben Sie seit dem Start mit der Nutzung der Plattform gemacht?

Eine interessante Beobachtung ist, dass Anbieter deutlich häufiger unsere Web App nutzen, während Kunden stärker auf die Apps für iOS und Android zurückgreifen.

Das zeigt uns, dass beide Zugänge wichtig sind. Anbieter verwalten ihre Profile und Anfragen häufig am Computer, während Kunden die Plattform eher unterwegs oder spontan auf dem Smartphone nutzen. Diese Erfahrungen fließen direkt in die weitere Entwicklung ein.

Plattformen stehen häufig vor der Herausforderung, gleichzeitig genügend Anbieter und genügend Nutzer gewinnen zu müssen. Wie gehen Sie bei Caterino mit diesem klassischen Marketplace-Problem um?

Das ist auch für Caterino eine der größten Herausforderungen. Eine Plattform funktioniert nur, wenn sowohl genügend Anbieter als auch genügend Nachfrage vorhanden sind.

Deshalb arbeiten wir aktuell parallel daran, auf beiden Seiten zu wachsen. Anbieter sollen möglichst einfach auf Caterino präsent sein können und gleichzeitig möchten wir dafür sorgen, dass genügend Veranstalter die Plattform für ihre Suche und Anfragen nutzen.

Wie verdient Caterino Geld und welches Geschäftsmodell möchten Sie langfristig etablieren?

Für Veranstalter ist Caterino kostenlos. Auch Anbieter können kostenlos ein Profil erstellen und aktuell bis zu drei Anfragen pro Monat kostenlos freischalten.

Für weitere Anfragen werden Connects benötigt. Je nach Paket kostet eine zusätzliche Freischaltung derzeit ungefähr 0,70 bis 1,20 Euro. Gekaufte Connects verfallen nicht.

Auf den vermittelten Auftrag erhebt Caterino keine Provision. Ebenso verzichten wir bewusst auf bezahlte Top Platzierungen. Unser Geschäftsmodell soll langfristig darauf basieren, Anbietern passende Kontakte zu ermöglichen und nicht darauf, einen prozentualen Anteil ihres Auftrags einzubehalten.

Der Markt für Catering und Eventlocations ist regional geprägt und teilweise stark fragmentiert. Wodurch unterscheidet sich Caterino von klassischen Verzeichnissen, Suchmaschinen und bestehenden Eventplattformen?

Klassische Verzeichnisse oder Suchmaschinen zeigen häufig nur eine Auswahl an Anbietern und grundlegende Informationen. Bei Caterino können Nutzer Anbieter anhand relevanter Eigenschaften vergleichen, direkt anfragen und anschließend mit ihnen kommunizieren.

Ein weiterer Unterschied ist die faire Sichtbarkeit. Auf vielen Plattformen können Unternehmen für eine bessere Platzierung bezahlen oder müssen hohe Gebühren zahlen, um besonders sichtbar zu sein. Darauf verzichten wir bewusst. Auch kleinere Anbieter sollen die Chance haben, gefunden zu werden, wenn ihr Angebot zu einer Veranstaltung passt.

Welche Herausforderungen waren beim bisherigen Aufbau von Caterino am größten und was haben Sie daraus als Gründer gelernt?

Eine der größten Herausforderungen ist es, die App und die Web App so zu gestalten, dass bei der Nutzung möglichst keine Fragen entstehen. Die Plattform soll sich von selbst erklären.

Eine Location oder einen Caterer zu finden und anzufragen sollte kein komplizierter Prozess sein. Deshalb versuchen wir bei jeder neuen Funktion darauf zu achten, dass Caterino trotz der vielen Möglichkeiten einfach und verständlich bleibt.

Welche nächsten Schritte planen Sie mit Caterino und wo soll die Plattform in den kommenden Jahren stehen?

Der nächste große Schritt ist der Ausbau unseres Anbieternetzwerks und eine stärkere deutschlandweite Abdeckung.

Unser Ziel ist es, dass Kunden schnell passende Caterer und Eventlocations finden und Anbieter gleichzeitig genau die Menschen erreichen, die nach ihrem Angebot suchen. Langfristig soll Caterino eine zentrale Anlaufstelle für die Suche nach Catering und Eventlocations in der DACH Region werden.

Darüber hinaus haben wir mit unserem Team noch viele weitere Ideen für die Plattform. Diese möchten wir bewusst Schritt für Schritt umsetzen. Einige der geplanten Funktionen befinden sich aktuell bereits im Test mit ausgewählten Partnern und werden erst anschließend für alle Nutzer freigeschaltet.

Welche drei Tipps würden Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Ein Problem lösen, das man wirklich versteht. Mir hat meine eigene Erfahrung im Catering enorm geholfen, weil Caterino aus Problemen entstanden ist, die ich selbst erlebt habe.

Zweitens: Nicht darauf warten, dass alles perfekt ist. Ein Produkt entwickelt sich vor allem durch echte Nutzung und Feedback weiter.

Drittens: Eine gute Quelle für den eigenen Antrieb haben. Gründen bringt immer wieder schwierige oder frustrierende Phasen mit sich. Mir persönlich gibt mein Glaube dabei viel Kraft und hilft mir, den Fokus wiederzufinden. Für andere kann diese Quelle genauso gut die Familie, ein Hobby oder etwas anderes sein, das ihnen neue Energie gibt.

Bildrechte: Jonathan Di Giacomo/ Caterino

Wir bedanken uns bei Jonathan Di Giacomo für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Vom SimRacing zur KI-Zentrale: Wie Jan Koselka JELMARA aufbaut

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JELMARA: KI für Unternehmen neu organisiert JELMARA Jan Koselka

JELMARA entwickelt KI für Unternehmen, die Software, Prozesse und spezialisierte Systeme kontrolliert miteinander verbinden und automatisieren wollen

Können Sie JELMARA kurz vorstellen und erzählen, wer hinter dem Unternehmen steht?

JELMARA Technologies ist ein junges Technologieunternehmen, das Software, KI und Automatisierung nicht als einzelne Werkzeuge betrachtet, sondern miteinander verbinden möchte. Im Mittelpunkt steht JelmaraOS – unsere Technologie- und Steuerungsplattform, über die spezialisierte KI-Fähigkeiten künftig unterschiedliche Aufgaben eines Unternehmens kontrolliert übernehmen und zusammenarbeiten sollen.

Hinter JELMARA stehe aktuell vor allem ich, Jan Koselka. Mein beruflicher Hintergrund ist eher ungewöhnlich für ein Technologieunternehmen: Ich komme aus Technik, Handwerk und Vertrieb und bin kein klassisch ausgebildeter Softwareentwickler. Gleichzeitig habe ich privat starken Rückhalt – insbesondere von meiner Frau, die mir in dieser intensiven Aufbauphase den Rücken freihält und stärkt.

Genau daraus ist aber auch JELMARA entstanden. Ich habe angefangen, mit KI eigene Probleme zu lösen und mir die Werkzeuge zu bauen, die mir gefehlt haben. Aus einzelnen Lösungen wurde irgendwann die größere Frage: Wie müsste ein Unternehmen aufgebaut sein, das KI nicht nur benutzt, sondern sie als kontrollierten Teil seiner eigenen Arbeitsorganisation einsetzt?

Seit Sommer 2026 konzentriere ich mich vollständig auf JELMARA und darauf, diese Idee Schritt für Schritt technisch und wirtschaftlich aufzubauen.

Sie kommen ursprünglich aus Technik, Handwerk und Vertrieb. Wie entstand aus einem privaten SimRacing-Projekt schließlich die Idee für JELMARA?

Der Ausgangspunkt war tatsächlich ziemlich unspektakulär: Anfang 2024 wollte ich mir einen SimRig bauen, und zwar genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Mir fehlte dafür in vielen Bereichen das Wissen – vor allem bei Software und Programmierung. Also begann ich, ChatGPT als Werkzeug zu nutzen, um Dinge zu verstehen, auszuprobieren und selbst umzusetzen.

Aus einem privaten Hobbyprojekt wurde dadurch schnell viel mehr. Ich merkte, dass ich mit KI plötzlich Probleme lösen konnte, an die ich mich vorher gar nicht herangetraut hätte. Gleichzeitig begann ich, immer tiefer zu verstehen, wie KI-Systeme funktionieren, wo ihre Stärken liegen – und vor allem, wo ihre Grenzen sind.

Parallel dazu arbeitete ich im Vertrieb und erlebte dort immer wieder sehr starre Unternehmenssoftware und Insellösungen. Oft mussten sich die Menschen an die Software anpassen, statt dass die Software den Menschen unterstützt. Das hat mich zunehmend gestört. Also begann ich auch dort, eigene kleine Lösungen und Werkzeuge zu bauen.

Irgendwann kamen diese beiden Welten zusammen: meine technische Neugier aus dem SimRacing-Projekt und die realen Probleme aus dem Unternehmensalltag. Ein scherzhafter Satz meines Vaters hat den Gedanken dann noch einmal auf eine sehr einfache Weise auf den Punkt gebracht: Er sagte, er „hetze gerne die eine KI auf die andere“. Das brachte mich auf die Frage, warum man KI eigentlich immer nur einzeln benutzt.

Daraus entstand nach und nach die Idee, spezialisierte KI-Systeme unterschiedliche Rollen übernehmen und kontrolliert miteinander arbeiten zu lassen. Aus einzelnen Werkzeugen wurde so Schritt für Schritt die Idee für JELMARA – und schließlich für JelmaraOS als übergeordnete Plattform.

Welche Vision verfolgen Sie mit JelmaraOS und welches konkrete Problem in Unternehmen möchten Sie damit lösen?

Die Vision hinter JelmaraOS ist im Grunde eine Unternehmenszentrale, in der Informationen, Prozesse, Software und spezialisierte KI-Fähigkeiten nicht mehr isoliert nebeneinander arbeiten, sondern sinnvoll miteinander verbunden werden.

In vielen Unternehmen sehe ich heute das gleiche Grundproblem: Es gibt für nahezu jede Aufgabe ein eigenes System, eine eigene Software oder inzwischen auch ein eigenes KI-Tool. Vertrieb arbeitet in einem System, Wissen liegt an anderer Stelle, Informationen werden manuell übertragen und wichtige Zusammenhänge hängen oft an einzelnen Menschen. Am Ende entsteht trotz immer mehr Software sehr viel Koordinationsaufwand.

Mit KI kommt gerade eine weitere Ebene dazu. Unternehmen führen Chatbots oder einzelne KI-Lösungen ein, aber häufig bleiben auch diese wieder isolierte Werkzeuge. Mich interessiert deshalb weniger die Frage, wie man noch einen weiteren KI-Assistenten baut, sondern wie man diese Fähigkeiten zu einer kontrollierten Arbeitsorganisation verbindet.

Genau dort setzt JelmaraOS an. Das System soll verstehen, welche Aufgabe gerade entsteht, welches Wissen dafür benötigt wird, welche spezialisierte Fähigkeit sie übernehmen kann und welche Prüfung oder Freigabe anschließend notwendig ist. Ein Marktsignal könnte beispielsweise analysiert und bewertet werden, daraus kann eine Entscheidung entstehen und später vielleicht ein Entwicklungsauftrag. Das Development-Team wiederum kann daraus Software bauen, prüfen und testen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse sollen anschließend wieder in die Wissensbasis zurückfließen.

Langfristig soll dadurch ein Unternehmen entstehen, in dem immer mehr operative Arbeit automatisiert und koordiniert werden kann, ohne dass der Mensch die Kontrolle darüber verliert. Der Mensch gibt Ziele und Grenzen vor, trifft wesentliche Entscheidungen und trägt weiterhin die Verantwortung.

Für mich geht es also nicht darum, Menschen durch KI zu ersetzen. Es geht darum, den heute enormen Aufwand für Suchen, Übertragen, Abstimmen und Koordinieren zu reduzieren und Menschen ein System zu geben, das sie bei ihrer eigentlichen Arbeit unterstützt, anstatt ihnen noch ein weiteres isoliertes Werkzeug hinzustellen.

JELMARA setzt auf spezialisierte KI-Systeme, die unterschiedliche Rollen übernehmen und zusammenarbeiten. Wie funktioniert dieses Prinzip in der Praxis?

Am einfachsten lässt sich das an unserem Development-Team erklären. Wenn dort eine Entwicklungsaufgabe entsteht, geht sie nicht einfach an eine einzelne KI mit dem Auftrag: „Programmiere das.“

Stattdessen wird die Arbeit in unterschiedliche Rollen und Verantwortlichkeiten aufgeteilt. Zuerst wird die Aufgabe strukturiert und geplant. Anschließend erhält eine dafür qualifizierte Coding-Rolle einen klar begrenzten Auftrag. Das daraus entstandene Ergebnis wird wiederum von einer unabhängig qualifizierten Review-Rolle geprüft und anschließend durch eine separate Qualitätssicherung getestet. Inzwischen haben wir Coding und Review nicht nur einzeln qualifiziert, sondern auch nachgewiesen, dass beide Fähigkeiten im selben vorgesehenen Job-Kontext unter den vorgesehenen Regeln gemeinsam ausgewählt werden können.

Wichtig ist dabei, dass diese Rollen nicht einfach gegenseitig alles abnicken können. Sie haben unterschiedliche Aufgaben, Informationen und Berechtigungen. Eine Coding-Rolle kann beispielsweise nicht selbst entscheiden, dass ihre Arbeit korrekt ist. Und auch die Einschätzung eines Review-Modells wird nicht automatisch zur endgültigen Systementscheidung.

Genau das konnten wir inzwischen praktisch nachweisen: In unserem Governed Review kann ein KI-Modell ein Ergebnis zunächst akzeptieren, während eine unabhängige Prüfung anhand der tatsächlichen technischen Nachweise trotzdem feststellt, dass eine Überarbeitung notwendig ist. Das System setzt dann nicht das Modellurteil durch, sondern verlangt Rework.

Wenn an irgendeiner Stelle die notwendigen Nachweise, Berechtigungen oder Voraussetzungen fehlen, soll der Prozess im Zweifel stoppen, anstatt einfach weiterzulaufen. Das ist für mich ein zentraler Unterschied zwischen „mehrere KIs miteinander reden lassen“ und einem kontrollierten KI-Team.

Der Mensch bleibt dabei ebenfalls Teil der Architektur. Er gibt Ziele und Grenzen vor und setzt an den entscheidenden Stellen bewusst die Freigabe. Innerhalb dieses Rahmens können die spezialisierten Systeme dann zunehmend selbstständig zusammenarbeiten.

Dieses Prinzip wollen wir langfristig auch auf andere Unternehmensbereiche übertragen. Eine Market-Intelligence-Fähigkeit braucht andere Informationen und Regeln als ein Development-Team oder später eine operative Unternehmensfunktion. Die Grundidee bleibt aber dieselbe: klare Rollen, begrenzte Zuständigkeiten, unabhängige Prüfung und nachvollziehbare Verantwortung.

Für welche Unternehmen und Anwendungsfälle ist JelmaraOS besonders interessant?

JelmaraOS soll ausdrücklich nicht nur für große Konzerne interessant sein. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben häufig sehr viele unterschiedliche Systeme, aber keine eigene große IT- oder KI-Abteilung, die diese sinnvoll miteinander verbindet.

Besonders spannend wird es überall dort, wo Informationen zwischen Menschen und Software hin- und hergetragen werden müssen, Wissen an einzelnen Personen hängt oder sich wiederkehrende Abstimmungs- und Koordinationsaufgaben durch den Arbeitsalltag ziehen.

Das können beispielsweise Vertriebs- und Serviceprozesse sein, interne Workflows, individuelle Unternehmenssoftware, Auswertungen und Dashboards oder Aufgaben, bei denen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und anschließend weitere Schritte angestoßen werden müssen.

Dabei ist für mich nicht entscheidend, ob ein Unternehmen drei, dreißig oder dreihundert Mitarbeitende hat. Entscheidend ist, welchen Wert das Problem hat. Auch ein kleines Team kann sehr stark davon profitieren, wenn jeden Tag Zeit durch manuelle Übertragung, Suche, Doppelarbeit oder unpassende Software verloren geht.

Gerade aus meiner eigenen Vertriebserfahrung kenne ich Situationen, in denen Unternehmen viel Geld in Software investiert haben und trotzdem zahlreiche Excel-Listen, manuelle Zwischenschritte oder Insellösungen benötigen. Genau solche Brüche finde ich interessant.

Unser Ansatz für den Einstieg ist deshalb auch nicht: „Hier ist JelmaraOS, jetzt stellen wir Ihr gesamtes Unternehmen um.“ Wir möchten zunächst ein konkretes Problem lösen, den Nutzen beweisen und das System anschließend dort erweitern, wo es tatsächlich sinnvoll ist.

Sie betonen, dass Ziele, Grenzen, Verantwortung und wichtige Freigaben beim Menschen bleiben sollen. Wie stellen Sie diese Kontrolle bei zunehmender Automatisierung sicher?

Für mich bedeutet menschliche Kontrolle nicht, dass ein Mensch jeden einzelnen Schritt eines automatisierten Prozesses manuell bestätigen muss. Dann hätten wir am Ende zwar viele KI-Systeme, aber kaum echte Automatisierung. Entscheidend ist vielmehr, dass der Mensch festlegt, innerhalb welcher Grenzen ein System handeln darf.

Deshalb versuchen wir Kontrolle direkt in die Architektur von JelmaraOS einzubauen. Unterschiedliche KI-Rollen erhalten klar definierte Aufgaben und Berechtigungen. Eine Fähigkeit darf nicht automatisch alles tun, nur weil sie technisch dazu in der Lage wäre. Bestimmte Rollen müssen zuerst qualifiziert sein, Ergebnisse werden unabhängig geprüft und wichtige Zustandsänderungen benötigen nachvollziehbare technische Nachweise.

Ein gutes Beispiel ist wieder unser Development-Team. Ein KI-Modell kann in einem Review zu dem Ergebnis kommen, dass eine Änderung akzeptiert werden sollte. Dieses Urteil allein reicht aber nicht aus. Eine unabhängige Kontrollstufe kann anhand der tatsächlichen Nachweise feststellen, dass eine Überarbeitung notwendig ist und das Modellurteil überstimmen. Damit trennen wir bewusst zwischen dem, was eine KI empfiehlt, und dem, was das System tatsächlich tun darf.

Ein zweites Prinzip ist für uns „fail closed“. Wenn eine notwendige Berechtigung, ein Nachweis oder eine eindeutige Zuordnung fehlt, soll das System im Zweifel stoppen. Es darf sich die fehlende Autorität nicht einfach selbst geben. Gerade mit wachsender Automatisierung halte ich dieses Prinzip für enorm wichtig.

Zusätzlich bleiben bestimmte Grenzen heute bewusst beim Menschen. In unserem bisher live nachgewiesenen Entwicklungsprozess gibt es beispielsweise einen menschlichen Startpunkt. Auch ein technisch erfolgreich abgeschlossenes Ergebnis führt nicht automatisch zu Merge, Veröffentlichung oder Deployment. Diese Schritte behandeln wir separat.

Langfristig können sich solche Grenzen natürlich verschieben. Wenn ein Prozess zuverlässig nachgewiesen ist, kann der Mensch später vielleicht mehr davon freigeben. Aber die Grenze soll nicht verschwinden, sondern bewusst neu gesetzt werden.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Idee von JelmaraOS: Der Mensch soll nicht jeden Handgriff machen müssen, aber er soll jederzeit bestimmen, was das System darf, wo es stoppen muss und wer am Ende die Verantwortung trägt.

Was unterscheidet JELMARA aus Ihrer Sicht von anderen KI-Plattformen und Unternehmenssoftware am Markt?

Ich würde gar nicht behaupten, dass jeder einzelne technische Baustein von JELMARA für sich einzigartig ist. Es gibt sehr leistungsfähige KI-Modelle, Agentenplattformen, Automatisierungslösungen und etablierte Unternehmenssoftware. Der Unterschied liegt für mich eher darin, wie wir diese Dinge zusammendenken.

Klassische Unternehmenssoftware bildet meistens bestimmte Funktionen oder Prozesse ab. Viele heutige KI-Lösungen setzen wiederum einen Assistenten oder Agenten daneben. JelmaraOS soll dagegen langfristig die verbindende Steuerungsebene dazwischen sein: Es soll verstehen, welche Aufgabe entsteht, welches Wissen benötigt wird, welche spezialisierte Fähigkeit dafür zuständig ist, innerhalb welcher Grenzen sie handeln darf und wie ihr Ergebnis anschließend geprüft wird.

Ein zweiter wichtiger Unterschied ist unser Umgang mit Autonomie. Unser Ziel ist nicht, einem möglichst leistungsfähigen Modell einfach möglichst viele Werkzeuge zu geben und darauf zu hoffen, dass es die richtigen Entscheidungen trifft. Bei uns soll ein Modell Vorschläge machen oder Arbeit ausführen können, aber daraus entsteht nicht automatisch Autorität.

Deshalb beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Qualifikation, Rollen, Berechtigungen, unabhängigen Prüfungen, technischen Nachweisen und klaren Abbruchbedingungen. Für mich ist nicht entscheidend, wie autonom ein System in einer Demo wirkt, sondern wie kontrolliert es reagiert, wenn etwas nicht stimmt.

Dazu kommt die Wissensbasis. JelmaraOS soll nicht nur Aufgaben ausführen, sondern Entscheidungen, Erfahrungen, Fehler und Ergebnisse so erhalten, dass das Unternehmen später darauf aufbauen kann. Dadurch möchten wir vermeiden, dass jede neue KI-Rolle und jedes neue Projekt wieder bei null beginnt.

Und vielleicht der ungewöhnlichste Punkt ist, dass wir JelmaraOS nicht nur als Produkt entwickeln. JELMARA selbst soll damit arbeiten. Market Intelligence, Development, digitale Produkte und später weitere Unternehmensbereiche sollen zunehmend über dieselbe Grundarchitektur verbunden werden. Wir bauen also die Werkzeuge, mit denen wir unser eigenes Unternehmen führen und weiterentwickeln wollen.

Für mich ist JelmaraOS deshalb weder nur ein KI-Assistent noch einfach die nächste Unternehmenssoftware. Die langfristige Idee ist eine kontrollierte technologische Arbeitsorganisation, in der Menschen, Software und spezialisierte KI-Fähigkeiten zusammenarbeiten – mit mehr Autonomie dort, wo sie nachweislich funktioniert, und klaren Grenzen dort, wo Verantwortung beim Menschen bleiben muss.

Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für JELMARA an und wann sollen Unternehmen davon profitieren können?

Beim Development-Team stehen wir unmittelbar vor einem für uns wichtigen nächsten Nachweis. Die einzelnen Rework- und QA-Mechanismen sind aufgebaut, Coding und Review sind qualifiziert und ihre gemeinsame Auswahl im vorgesehenen Job-Kontext wurde bereits vorvalidiert. Als nächstes wollen wir diesen gesamten Selbstkorrektur-Kreislauf in einem einzigen realen DevelopmentJob live schließen: Ein Review erkennt, dass eine Überarbeitung notwendig ist, das System stößt diese selbstständig an, das neue Ergebnis wird erneut geprüft, getestet und anschließend sauber abgeschlossen.

Danach geht es schrittweise an größere reale Entwicklungsaufgaben. Dazu gehören Änderungen über mehrere Dateien, mehrere voneinander abhängige Arbeitspakete, die Wiederaufnahme eines laufenden Auftrags nach einem Neustart, mehrere Entwicklungsaufträge hintereinander und später auch parallele Jobs.

Ein wichtiger Schritt wird außerdem sein, diese Fähigkeiten nicht nur an technischen Testfällen zu beweisen, sondern zunehmend an echten Funktionen für JelmaraOS und unseren eigenen digitalen Produkten einzusetzen. Das Development-Team soll also immer stärker an dem System mitbauen, dessen Teil es selbst ist.

Parallel dazu entwickeln wir weitere Bereiche wie Market Intelligence, Wissensmanagement und die Verbindung unterschiedlicher Unternehmensfähigkeiten weiter. Langfristig sollen daraus immer mehr geschlossene Abläufe entstehen – vom Erkennen einer Chance über eine Entscheidung bis hin zur Entwicklung, Umsetzung und späteren Auswertung.

Unternehmen sollen davon aber nicht erst profitieren, wenn diese gesamte Vision vollständig umgesetzt ist. Unser Einstieg ist bewusst wesentlich pragmatischer: Wir wollen konkrete Probleme mit individueller Software, Automatisierung, KI-Anwendungen, Schnittstellen oder Datenlösungen lösen und dabei nach und nach Fähigkeiten von JelmaraOS einsetzen.

Ich glaube deshalb auch nicht an den einen Tag, an dem JelmaraOS plötzlich „fertig“ ist. Die Plattform soll aus realen Anwendungen wachsen. Jede Fähigkeit muss ihren Nutzen zunächst in einem klaren Bereich beweisen, bevor wir ihr mehr Verantwortung geben.

Der Weg ist für mich also zweigeteilt: Unternehmen sollen möglichst früh von konkreten Lösungen profitieren können – während im Hintergrund Schritt für Schritt die größere Unternehmenszentrale entsteht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Meine drei Ratschläge wären wahrscheinlich weniger klassische Gründungsregeln, sondern Dinge, die ich selbst in den vergangenen Monaten gelernt habe.

Erstens: Fang an, bevor du das Gefühl hast, wirklich bereit zu sein. Als ich Anfang 2024 mit meinem SimRacing-Projekt angefangen habe, hatte ich kaum Erfahrung mit Softwareentwicklung. Wenn ich damals darauf gewartet hätte, erst alles zu können, gäbe es JELMARA heute wahrscheinlich nicht. Vieles versteht man erst, wenn man beginnt, ein echtes Problem zu lösen.

Zweitens: Bau nicht für eine Technologie, sondern für ein Problem. Gerade bei KI ist es sehr leicht, sich von dem beeindrucken zu lassen, was technisch möglich ist. Aber am Ende hat eine Lösung nur dann einen Wert, wenn sie jemandem tatsächlich Arbeit abnimmt, einen Prozess verbessert oder ein relevantes Problem löst. Ich versuche deshalb immer wieder zu fragen: Was wird hier eigentlich besser, wenn wir das bauen?

Und drittens: Nutze KI als Verstärker – aber gib dein eigenes Urteilsvermögen nicht ab. KI hat mir ermöglicht, in extrem kurzer Zeit Dinge zu lernen und umzusetzen, die für mich vorher kaum erreichbar wirkten. Gleichzeitig habe ich genauso gelernt, dass ein überzeugendes KI-Ergebnis noch lange kein richtiges Ergebnis sein muss. Hinterfragen, testen und auch einmal bewusst stoppen zu können, wird mit leistungsfähigeren Systemen eher wichtiger als unwichtiger.

Vielleicht würde ich noch einen Gedanken über diese drei Punkte stellen: Ein ungewöhnlicher Lebenslauf ist nicht automatisch ein Nachteil. Ich komme nicht aus einer klassischen Gründer- oder Softwareentwicklerkarriere. Aber Technik, Handwerk und Vertrieb haben mir unterschiedliche Blickwinkel gegeben, die heute in JELMARA zusammenkommen.

Man muss am Anfang nicht schon die Person sein, die das fertige Unternehmen irgendwann braucht. Man muss bereit sein, sich auf dem Weg dorthin ständig weiterzuentwickeln.

Bildcredits Jan Koselka

Wir bedanken uns bei Jan Koselka für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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ZENNY in Die Höhle der Löwen: Wie eine persönliche Idee zur Marke wurde

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ZENNY: Die Höhle der Löwen trifft Ohrakupressur Jelena Meyer Vicente Zenny Ohrakupressur

ZENNY macht Ohrakupressur als Self-Care-Ritual für zuhause zugänglich und wird am 05. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen

Wie ist die Idee entstanden, wer steht hinter ZENNY und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Entstanden ist die Idee aus einer sehr persönlichen Erfahrung: Meine Mutter hat während einer schweren Erkrankung die traditionelle Ohrakupressur für sich entdeckt, konnte sie aber nur über kostenpflichtige Praxistermine nutzen. Der inspirierende Moment war die Erkenntnis, dass es für dieses jahrtausendealte Wissen noch keine zugängliche, alltagstaugliche Lösung für zuhause gab – das wollte ich ändern. Hinter ZENNY stehen wir zu zweit: ich, Jelena Meyer Vicente, und mein Geschäftspartner, der die strategische und B2B-Seite verantwortet.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell eures Startups aus?

ZENNY ist im Beauty- und Wellness-Segment zuhause, genauer im Bereich kosmetischer Self-Care-Rituale. Unser Geschäftsmodell verbindet Direct-to-Consumer über unseren eigenen Online-Shop zenny.care mit stationärem Handel – seit Sommer 2026 sind wir in über 500 Rossmann-Filialen gelistet. Ergänzt wird das durch ein wachsendes Themen- und Refill-Sortiment, das aus ZENNY perspektivisch ein echtes abo-fähiges Verbrauchsprodukt macht.

Welches konkrete Problem löst ZENNY und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Ohrakupressur ist in der traditionellen chinesischen Medizin seit über 2.000 Jahren bekannt, war in Deutschland aber eher über spezialisierte Praxen zugänglich – mit Terminwartezeiten und Kosten, die sich viele Menschen nicht regelmäßig leisten wollen. Die Marktlücke, die wir schließen, ist der Zugang: Wir übersetzen dieses traditionelle Ritual in ein einfach verständliches, hochwertig gestaltetes Produkt, das jede und jeder für unter zehn Euro selbst zuhause anwenden kann – ganz ohne Vorwissen und sogar bequem beim Wocheneinkauf in der Drogerie erhältlich.

Warum habt ihr euch mit ZENNY für die Teilnahme an Die Höhle der Löwen entschieden und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Für uns stand vor allem im Vordergrund, ZENNY einem Millionenpublikum live zu zeigen – bei einem erklärungsbedürftigen Produkt wie unserem ist das durch keinen Werbespot zu ersetzen. Dazu kommt der Zugang zu Handelsexpertise: Wir haben den Sprung in über 500 Rossmann-Filialen aus eigener Kraft geschafft, und für die nächste Stufe der Skalierung sind Reichweite und Erfahrung der Löwen genau das, was wir brauchen.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe bei Die Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Meine absolute Wunschlöwin war zu Beginn Judith Williams – ihre Erfahrung im Beauty- und Kosmetikbereich und ihr Gespür für starke Marken haben mich besonders beeindruckt. Wie sich das im Studio dann tatsächlich entwickelt hat, verraten ich erst mit der Ausstrahlung am 5. Oktober 2026.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren bei Die Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Am meisten erhoffen wir uns Zugang zu Handelsnetzwerken, die über Jahrzehnte gewachsen sind – gerade für die flächendeckende Listung in Drogerien und dem Einzelhandel ist das unbezahlbar. Genauso wichtig ist uns strategisches Sparring beim Markenaufbau, damit ZENNY langfristig als eigenständige, starke Marke wahrgenommen wird.

Welche nächsten Schritte sind für ZENNY nach eurem Auftritt bei Die Höhle der Löwen geplant und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Am 5. Oktober 2026 läuft die Folge bei „Die Höhle der Löwen“, und für alle, die ZENNY an diesem Abend entdecken, gibt es ein exklusives Special. Danach bauen wir unser Handelsnetzwerk konsequent weiter aus, arbeiten an einer neuen, noch einfacheren Produktvariante und entwickeln ein Refill- und Abo-Modell, um ZENNY fest im Alltag unserer Kundinnen zu verankern.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Besonders wertvoll war die Erkenntnis, dass Zugänglichkeit selbst das eigentliche Produkt ist – nicht nur die Methode. Wir haben anderthalb Jahre und mehrere Produktversionen gebraucht, bis Anwendung und Ohrkarten wirklich für jeden verständlich waren. Und ich habe gelernt, dass nachhaltiges Wachstum Geduld braucht.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen leiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Kennt eure Zahlen so gut, dass ihr sie nachts um drei Uhr aufsagen könntet – der Pitch ist die Kür, die Zahlen sind die Pflicht und Persönlichkeit und Autentizität sind das BonBon. Und: Macht euch nicht klein. Ihr bietet etwas an, ihr verkauft Anteile an einem Unternehmen, das ihr aufgebaut habt – diese Haltung verändert, wie man steht, spricht und verhandelt.

Was unterscheidet ZENNY im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

ZENNY sieht aus wie Schmuck, nicht wie Therapie: 24-karätig goldplattiert, in einer Verpackung, die von Anfang an für den Handel entwickelt wurde. Inhaltlich unterscheiden wir uns durch unsere illustrierten Ohrkarten, die nicht mit medizinischer Fachsprache arbeiten, sondern nach Alltagsmomenten sortiert sind – von „Hektische Tage“ bis „Schreibtischmarathon“. Dazu kommt der Preis: Mit einer UVP von 9,99 Euro bietet ZENNY einen besonders zugänglichen Einstieg in dieses Self-Care-Ritual auf dem deutschen Markt.

Wie bereitet ihr eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den enormen Nachfrage-Ansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Wir haben unsere Produktion und unseren Sicherheitsbestand deutlich hochgefahren, Logistik und Kundenservice personell verstärkt und unseren Online-Shop technisch ausgebaut und zu einem persönlichen Kauferlebnis gemacht. Zusätzlich stehen wir im engen Austausch mit unserem Handelspartner Rossmann, um auch stationär für den Ausstrahlungsabend eine gute Verfügbarkeit sicherzustellen.

Sehen Sie Zenny am 05. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Jelena Meyer Vicente präsentiert mit „Zenny“ Ohrakupressur zur Selbstanwendung. Sie erhofft sich ein Investment von 100.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Jelena Meyer Vicente für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

10 Millionen Euro für Kuro: Wie das KI-Startup die Bauwirtschaft digitalisiert

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Kuro: KI für Generalunternehmer in der Bauindustrie Gründerteam bild Lea Scherer und Jonas Minkler

10 Millionen Euro für Kuro: Deutschlands größte Generalunternehmer setzen auf das Berliner KI-Unternehmen

Köln/Berlin, 30. September 2026 – Europa hat entschieden, wieder zu bauen: Straßen, Wohnungen, Rechenzentren, Energie, Verteidigung. Die EU-Staaten investierten 2025 rund 1,6 Billionen Euro in den Bau. Umsetzen werden das vor allem die Generalunternehmer. Sie stehen im Zentrum jedes Projekts, das bedeutet, bei ihnen laufen alle Projektdaten zusammen. Schnell handelt es sich dabei um Hunderttausende Seiten. Ihre Teams in Vertrieb, Kalkulation, Einkauf und Bauleitung verbringen rund die Hälfte ihrer Zeit damit, diese Informationen zu sichten und einzuordnen. Hinzu kommt: Die Unterlagen eines Projekts widersprechen sich regelmäßig. Bleibt ein Widerspruch unentdeckt, trägt der Generalunternehmer den Schaden, je nach Projekt in Millionenhöhe. Wer diese Projekte bearbeitet, trifft jeden Tag Entscheidungen, die auf langer Erfahrung beruhen und über den Projekterfolg bestimmen. Mit jedem abgeschlossenen Projekt geht dieses Wissen jedoch verloren.

Kuro baut das KI-Fundament für Generalunternehmer

Die Plattform liest alle diese Unterlagen ein und verknüpft sie zu einem Datenmodell. Darüber liegt das Regelwerk des Unternehmens – seine Bauteile, Prüfkriterien und Vergabeeinheiten. Die Plattform findet Widersprüche zwischen Plänen und Baubeschreibungen, analysiert, was gebaut werden muss und wo die Risiken liegen, reichert Bauteile in 3D-Modellen an, bearbeitet öffentliche Ausschreibungen und wertet Nachunternehmerangebote aus. Korrekturen des Kalkulators bleiben im Regelwerk und gelten im nächsten Projekt.

Weniger Zeitaufwand und höhere Qualität

Das Ergebnis: weniger Zeitaufwand und höhere Qualität. Kunden berichten von rund 90 Stunden Zeitersparnis je Angebot. 70 Prozent der Nutzer sagen, Kuro habe Informationen gefunden, die sie sonst übersehen hätten. Das verhindert teure Fehler bis hin zu größeren Schäden auf der Baustelle.

Zu den Kunden zählen Goldbeck, Köster, Geiger, Riedel und Implenia. Sechs der insgesamt zwölf Kunden gehören zu den 20 größten Generalunternehmern im deutschsprachigen Raum.

„Wir kalkulieren mit derselben Mannschaft mehr Angebote, aber das ist der Nebeneffekt. Entscheidend ist, dass wir schnell Risiken in der Ausschreibung erkennen, bevor wir den Preis abgeben“, sagt Nils Köster, CEO von Köster GmbH.

Bauwirtschaft verliert erfahrene Fachkräfte

Die Aufträge kommen. Zugleich verliert die Bauwirtschaft ihre Erfahrungsträger: Allein in Deutschland gingen 2024 rund 19.800 Beschäftigte des Bauhauptgewerbes in Rente – und mit ihnen ihr Wissen.

„Eine Branche, die schneller vergisst, als sie lernt, kann diese Aufträge nicht erfüllen. Wir sehen die Bauindustrie als Fundament des Fortschritts. Mit Kuro ist es unsere Aufgabe, ihr das technische Fundament zu geben, mit dem sie der Ambition dieses Kontinents gerecht wird. Die GUs, die es schaffen, ihr Wissen zu produktisieren, werden im Wachstum weniger abhängig von einzelnen Personen“, sagt Lea Scherer, CEO von Kuro Technology.

Kuro erweitert die Plattform auf das gesamte Backoffice

„Wir sind in der Kalkulation gestartet, weil dort das Projekt geboren und entschieden wird“, sagt Jonas Minkler, Mitgründer und CPO von Kuro Technology. „Die Probleme ziehen sich aber in den darauffolgenden Bereichen durch: zu viele widersprüchliche Daten und Wissen, das nicht von Projekt zu Projekt weitergegeben wird. Deshalb erweitern wir die Plattform jetzt Schritt für Schritt auf das gesamte Backoffice und bauen ein System, das lernt und mit jedem Projekt besser wird.”

10 Millionen Euro unter Führung von UVC Partners

“Wir freuen uns, mit Lea und Jonas zusammenarbeiten zu dürfen. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren, bereits vor der Gründung von Kuro. Sie verfügen über langjährige Startup-Erfahrung und tiefes Branchenwissen, was gerade in der Bauindustrie von großer Bedeutung ist. Und das zahlt sich aus: Sie erzielen bereits mit den ersten Use Cases in der Kalkulation messbaren Kundennutzen und weiten das Produkt nach und nach auf weitere Backoffice-Prozesse wie Einkauf, Buchhaltung und Compliance aus. Die schnell wachsende Kundenbasis mit führenden Generalunternehmern ist ein Beleg ihrer Strategie“, sagt Dr. Ingo Potthof, Managing Partner bei UVC Partners.

Kuro wurde 2024 gegründet

Kuro wurde 2024 von Jonas Minkler und Lea Scherer gegründet, die zuvor jeweils acht Jahre in der Bauindustrie gearbeitet hatten. Das Unternehmen beschäftigt 16 Mitarbeiter in Berlin.

Was macht Kuro?

Kuro entwickelt eine KI-Plattform für Generalunternehmer. Sie analysiert Projektunterlagen, erkennt Widersprüche und Risiken und soll Wissen aus abgeschlossenen Bauprojekten für zukünftige Projekte nutzbar machen.

Wie hoch ist die aktuelle Finanzierung von Kuro?

Kuro erhält 10 Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde unter Führung von UVC Partners. Auch Foundamental, Realyze Ventures und helloworld beteiligen sich an der Runde.

Wer hat Kuro gegründet?

Kuro wurde 2024 von Lea Scherer und Jonas Minkler gegründet. Beide hatten zuvor jeweils acht Jahre in der Bauindustrie gearbeitet.

Bild Gründerteam @ Kuro

Quelle Realyze Ventures Management GmbH

Sichere Compliance: Wie Sustaind mit KI und Munich Re die Rechtsüberwachung automatisiert

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Sustaind: Compliance für Unternehmen automatisieren Lous Schulze Bildcredits Sustaind Gmbh

Sustaind unterstützt Unternehmen dabei, Compliance mithilfe von KI zu automatisieren und regulatorische Änderungen frühzeitig zu erkennen

Kannst du Sustaind kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, Compliance mithilfe von KI zu automatisieren?

Sustaind ist eine KI-gestützte Plattform für Rechtskataster und Legal Monitoring mit Sitz in Bielefeld. Die Idee ist 2023 entstanden, im Zuge der regulatorischen Entwicklungen rund um den European Green Deal. Damals haben uns viele Mittelständler immer wieder dasselbe berichtet: Die neuen Compliance-Pflichten nehmen stetig zu, und mit ihnen steigen Aufwand und Kosten. Genau dort wollten wir ansetzen. Unser Ziel war es, Unternehmen diese Last abzunehmen, indem wir die zeitintensiven manuellen Schritte mithilfe von KI automatisieren. Dazu gehören das Recherchieren, Aufbereiten und Nachverfolgen von Rechtsvorschriften.

Wer steht hinter Sustaind, und welche Erfahrungen hast du persönlich in die Gründung des Unternehmens eingebracht?

Sustaind wurde von Niclas Musies und mir gegründet, und unsere Profile ergänzen sich sehr gut. Niclas hat als Data Scientist mehrere Jahre in der Unternehmensberatung gearbeitet und dort Unternehmen bei Daten- und KI-Strategien begleitet. Bei Sustaind verantwortet er Technologie, KI-Entwicklung und Produkt. Ich war über fünf Jahre im industriellen Mittelstand tätig und habe dort die operativen und regulatorischen Herausforderungen von Unternehmen aus erster Hand kennengelernt. Parallel dazu habe ich mit einer Social-Media-Agentur erste Erfahrungen in der Selbstständigkeit gesammelt. Nachdem ich meine Anteile an der Agentur an meine beiden Mitgründer verkauft hatte, war ich zwei Jahre bei der Founders Foundation, um die Tech- und Start-up-Welt von innen kennenzulernen. Heute verantworte ich bei Sustaind Strategie, Vertrieb und Finanzen.

Du sagst, dass kein Unternehmen vollständig compliant sein kann. Warum ist selbst eine hundertprozentige Regelkonformität aus deiner Sicht kaum erreichbar?

Aus meiner Sicht gibt es zwei Gründe, die sich gegenseitig verstärken. Der erste ist die schiere Menge an Regeln: Auf europäischer wie nationaler Ebene kommen laufend neue Vorschriften und Änderungen hinzu. Der zweite sind die begrenzten Ressourcen. Würde sich jedes Unternehmen mit jeder Regulierung weltweit gleich intensiv befassen, bliebe für das eigentliche Geschäft kaum noch Zeit. In der Praxis priorisieren Unternehmen deshalb nach Risiko, und Vorgaben mit geringem Risiko rücken dabei häufig in den Hintergrund. Das ist nachvollziehbar. Umso wichtiger ist aber ein verlässlicher Überblick, damit diese Priorisierung auf einer fundierten Grundlage stattfindet.

Sustaind überwacht Rechtsänderungen in mehr als 120 Ländern. Wie schafft ihr es, daraus genau die Pflichten herauszufiltern, die für ein einzelnes Unternehmen tatsächlich relevant sind?

Im ersten Schritt verarbeiten wir die offiziellen Gesetzestexte aus öffentlich zugänglichen amtlichen Quellen, etwa EUR-Lex oder dem Bundesgesetzblatt. Die darin enthaltenen Pflichten lesen wir in einem technischen Prozess strukturiert aus. Anschließend prüfen wir die Verknüpfungen zu anderen Gesetzen und ergänzen, wo sinnvoll, offizielle Begleitdokumente wie Leitlinien oder FAQ. So entsteht eine möglichst umfassende Datenbasis. Diese gleichen wir mit dem Profil ab, das jedes Unternehmen bei uns hinterlegt, also etwa Standorte, Branche und Tätigkeiten. Daraus ergibt sich eine Einschätzung, welche Vorschriften und Änderungen für das jeweilige Unternehmen voraussichtlich relevant sind. Was schließlich ins eigene Rechtskataster aufgenommen wird, entscheidet das Unternehmen selbst.

Gerade der Mittelstand verfügt häufig nicht über große Compliance-Abteilungen. Welche Aufgaben kann eure Plattform übernehmen und welche Verantwortung bleibt weiterhin beim Unternehmen?

Man kann sich Sustaind wie ein „allsehendes Auge“ vorstellen. Wir liefern täglich regulatorische Updates und übersetzen sie in konkrete Pflichten. Mithilfe unserer Software überführen wir diese dann in nachvollziehbare, auditierbare Prozesse mit klaren Zuständigkeiten, Fristen und Nachweisen. Gerade für Unternehmen ohne große Compliance-Abteilung entfällt damit ein Großteil der manuellen Recherche- und Dokumentationsarbeit. Was Sustaind bewusst nicht ist, ist „die Hand“, also der Umsetzungsteil. Die Interpretation einer Pflicht und die Entscheidung, wie sie im eigenen Betrieb umgesetzt wird, bleiben beim Unternehmen. Wir verstehen uns als Arbeits- und Entscheidungsgrundlage für die Compliance unserer Kunden, nicht als deren Ersatz.

Gemeinsam mit Munich Re habt ihr eine vertragliche Leistungsgarantie für euer KI-gestütztes Rechtskataster entwickelt. Wie funktioniert dieses Modell konkret?

Wir wollten die Rolle von Software in der Compliance grundlegend weiterdenken. Die Leistungsgarantie ist Bestandteil unseres Rechtskatasters und bezieht sich auf unsere eigene Leistung: Relevante Rechtsänderungen sollen vollständig und tagesaktuell erkannt und nachverfolgt werden. Übersieht unser System eine relevante Rechtsänderung und entsteht dem Kunden dadurch ein nachweisbarer Schaden, stehen wir im Rahmen der vertraglich vereinbarten Bedingungen dafür ein. Wir liefern also nicht nur das Werkzeug für den Monitoring-Prozess. Wir übernehmen auch die Verantwortung dafür, dass dabei nichts Relevantes übersehen wird. Munich Re war bei der Entwicklung dieses Modells unser Partner, die Garantie selbst geben wir unseren Kunden.

Wenn eure KI eine relevante Rechtsänderung übersieht, übernimmt Sustaind das Risiko. Warum wart ihr bereit, bei einer KI-Anwendung einen so weitreichenden Schritt zu gehen?

Wichtig ist mir dabei: Wir stehen für die Qualität unserer eigenen Leistung ein. Unsere Kunden erwarten zu Recht eine hohe Qualität von uns. Ein Rechtskataster, das nicht vollständig ist, oder eine KI, der nicht einmal der Anbieter selbst vollständig vertraut, verfehlt seinen Zweck. Mit der Leistungsgarantie wollten wir deshalb ein klares Zeichen setzen, dass wir höchsten Wert auf die Qualität unserer Arbeit legen. Ich freue mich sehr, dass Munich Re diesen Anspruch durch die Partnerschaft unterstreicht.

KI-Systeme können Fehler machen und rechtliche Vorgaben können unterschiedlich ausgelegt werden. Wo zieht ihr die Grenze zwischen einem Fehler eurer Technologie und der Verantwortung des Kunden?

Entscheidend ist, dass die Auslegung einer gesetzlichen Pflicht beim Kunden verbleibt. Unsere Aufgabe ist es, aus möglichst vielen Daten eine fundierte Einschätzung zu liefern, ob ein Gesetz auf Basis der im System hinterlegten Unternehmensdaten als anwendbar einzustufen ist. Der Kunde ist dafür verantwortlich, sein Unternehmen in unserem geführten Onboarding-Prozess vollständig und korrekt abzubilden, gewissermaßen als „digitalen Zwilling“. Wie belastbar unsere Einschätzung ist, machen wir über einen sogenannten Confidence Score transparent. Er zeigt dem Kunden, ob ausreichend Daten vorliegen, um die Anwendbarkeit valide bewerten zu können. So bleibt jederzeit nachvollziehbar, auf welcher Grundlage eine Einschätzung beruht.

Mehr als 110 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen nutzen Sustaind bereits. Was habt ihr dadurch über die unterschiedlichen Compliance-Probleme von Unternehmen gelernt?

Wir haben vor allem gesehen, dass Compliance in vielen Unternehmen noch zu häufig ein isoliertes Silo ist, also eine separate Funktion neben dem eigentlichen Geschäft. In einer idealen Welt wäre Compliance aber gar keine eigene Funktion. Sie wäre direkt in die Wertschöpfungsprozesse des Unternehmens integriert. Am Ende möchte ein Unternehmen compliant sein und nicht Compliance machen.

In der Vergangenheit hat man häufig versucht, eine sogenannte Compliance-Kultur zu etablieren, indem man Mitarbeitende sensibilisiert und schult. Das ist nicht per se schlecht, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch mit der besten Schulung ist Compliance damit noch nicht automatisiert und in die Prozesse integriert.

Das größte Potenzial sehe ich künftig in der direkten Verknüpfung von Prozessen und Compliance-Anforderungen, und genau hier wird KI sehr viel verändern. Erstmals wird eine wirklich prozessintegrierte Compliance möglich. KI-Systeme werden Anforderungen auf Knopfdruck analysieren und eine Rückmeldung zum Compliance-Status geben können, ähnlich wie eine eigenständige Prüfinstanz.

Die Zusammenarbeit eines jungen SaaS-Unternehmens mit einem internationalen Rückversicherer ist ungewöhnlich. Wie kam die Partnerschaft mit Munich Re zustande?

Wir haben uns schon länger mit der Frage beschäftigt, wie wir unseren Qualitätsanspruch gegenüber unseren Kunden glaubwürdig untermauern können. Bei unserer Suche und über Kontakte aus unserem Netzwerk sind wir auf Munich Re aufmerksam geworden. Aus unserer Sicht ist Munich Re in diesem Bereich ein Vorreiter und hat die Bedeutung der technologischen Entwicklung von KI früh erkannt. Entsprechend offen waren die Gespräche von Beginn an. In mehreren Schritten haben wir anschließend gemeinsam die Details der Kooperation ausgearbeitet.

Welche Vision verfolgt ihr mit Sustaind, und könnte die Übernahme von Risiken durch KI-Anbieter auch in anderen regulierten Branchen zu einem neuen Geschäftsmodell werden?

Compliance darf kein Hindernis für Wertschöpfung sein. Compliance-Checks müssen deshalb nahezu unsichtbar und in Echtzeit in die Prozesse von Unternehmen integriert werden. Das gilt umso mehr in einem agentischen Zeitalter, in dem KI-Systeme zunehmend Entscheidungen treffen. Dann braucht es glaubwürdige Instanzen, die dazu beitragen, dass auch das Handeln von KI regelkonform ist, und genau dieses Puzzlestück wollen wir sein. Ich glaube auch, dass sich dieser Gedanke übertragen lässt. In jedem Bereich, in dem für Unternehmen Risiken bestehen, können sich KI-Anbieter fragen, wie sie diese Risiken für ihre Kunden wirksam reduzieren und für die Qualität ihrer eigenen Leistung einstehen können. Das ist mehr, als nur das „Prozesswerkzeug“ zu liefern.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die KI-Produkte für stark regulierte Märkte entwickeln möchten?

Ehrlich gesagt: niemals Ratschläge geben, die holen einen früher oder später immer wieder ein. Was wir selbst versuchen, ist ganz einfach. Wir wollen jeden Tag einen kleinen Schritt vorankommen, unseren Kunden genau zuhören und ihre Erwartungen möglichst übertreffen.

Bildcredits  Sustaind GmbH

Wir bedanken uns bei Louis Schulze für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

True Insights: Wie zwei Gründer mit KI und Dackeln eine Modemarke aufbauen

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True Insights: KI für erfolgreiche Nischen Kai Danneberg

True Insights setzt auf KI und klar definierte Nischen, um mit schlanken Strukturen eine eigenständige Statement-Mode-Marke aufzubauen.

Können Sie True Insights kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem Shirt für Dackelfans eine eigene Statement-Mode-Marke entstanden ist?

True Insights ist ein kleines Label aus Berlin-Charlottenburg, gegründet 2025. Der Anlass war Langeweile im eigenen Kleiderschrank: immer dieselben Sprüche, mäßige Drucke, Stoffe, die nach drei Wäschen nichts mehr taugen. Wir wollten Shirts, die eine Haltung haben und die man auch nach einem Jahr noch gern trägt. Das erste Motiv entstand für Dackelmenschen, weil ich selbst einen Dackel habe und gesehen habe, dass es für diesen sehr speziellen Humor nichts Passendes gab. Daraus wurde eine Kollektion, dann kamen Oldtimer-Fans dazu und Menschen, die zum runden Geburtstag etwas mit ihrem Geburtsjahr suchen. Der Dackel ist bis heute unser Maskottchen und die meistverkaufte Linie.

Wer steht hinter True Insights, und warum haben Sie sich entschieden, das Label weitgehend allein aufzubauen?

Hinter True Insights stehen ich, Kai Danneberg, und Erik Grieser. Wir machen das zu zweit, ohne Agentur und ohne Investor. Diese Entscheidung war zuerst eine Frage des Budgets und ist inzwischen eine Überzeugung: Ich wollte nicht für Agenturen und Werkzeuge zahlen, die nur mittelmäßige Arbeit liefern und deren Interesse am Ende ein Stundensatz ist. Wer selbst macht, versteht sein Geschäft. Der Preis dafür ist, dass man alles können oder lernen muss, von Druckdaten über Steuerrecht bis zu Rechtstexten. Das funktioniert nur, weil ein großer Teil der Wiederholungsarbeit an eigene Programme abgegeben ist.

Sie setzen mit True Insights bewusst auf klar definierte Nischen statt auf eine möglichst breite Zielgruppe. Warum funktioniert dieser Ansatz für Ihre Marke?

Weil ein breites Motiv niemandem gehört. Ein Dackelbesitzer erkennt in drei Sekunden, ob jemand den Hund wirklich kennt oder nur ein Hundebild gekauft hat. Diese drei Sekunden entscheiden über den Kauf. In einer Nische muss ich außerdem nicht gegen die großen Plattformen anbieten. Wer „T-Shirt lustig“ sucht, landet bei Amazon. Wer „Dackel Geschenk mit Humor“ sucht, findet uns. Der dritte Grund ist die Wiederholung: Wer ein Motiv mag, kauft das nächste aus derselben Welt.

Dackelfans, Oldtimer-Fahrer oder bestimmte Jahrgänge haben sehr unterschiedliche Interessen. Wie erkennen Sie, welche Nischen tatsächlich Potenzial für neue Produkte bieten?

Zuerst über Zahlen, dann über Bauchgefühl, nie umgekehrt. Ich schaue, wonach Menschen tatsächlich suchen und wie stark der Wettbewerb ist, und ich schaue in die eigenen Daten: Für welche Begriffe werden wir schon gefunden, ohne ein passendes Produkt zu haben? Das sind die besten Hinweise, weil die Nachfrage dort belegt ist. Ein Beispiel: Ein Motiv brachte über 400 Aufrufe im Suchergebnis, aber kaum Klicks, weil keine Seite dazu passte. Solche Lücken sind wertvoller als jede Trendliste. Dazu kommen Anlässe mit festem Datum, runde Geburtstage etwa, die jedes Jahr wiederkehren.

True Insights arbeitet ohne klassische Agentur und setzt stattdessen auf KI und eigene Automatisierungen. Welche Aufgaben könnten Sie als Kleinstunternehmen sonst kaum selbst bewältigen?

Zwei Bereiche. Der erste ist die Menge: rund 800 Produkte in acht Sprachen, dazu mehrere Amazon-Marktplätze mit eigenen Texten je Land, Preise, Versandregeln, Produktbilder. Das ist von Hand nicht zu schaffen. Der zweite Bereich ist die Auswertung, und der ist mir fast wichtiger: Unsere eigene Software prüft laufend, wie wir bei Google und Bing stehen, welche Seiten Besucher bringen und wo Wettbewerber besser sind, und leitet daraus Aufgaben ab. Sie schreibt nicht nur Texte, sie sagt mir, welcher Text sich lohnt. Genau das hätte ich sonst einkaufen müssen, und zwar teuer und mit Verzögerung.

Sie überprüfen regelmäßig, ob KI-Assistenten True Insights empfehlen. Welche Bedeutung könnte Generative Engine Optimization künftig für kleine Onlineshops haben?

Eine große, und zwar schneller, als viele denken. Wir messen jede Woche für rund 35 typische Kundenfragen, ob ChatGPT und Gemini uns nennen, an welcher Stelle und welche Shops stattdessen empfohlen werden. Was dabei auffällt: Zitiert wird man für Inhalte, empfohlen wird man für klare Fakten. KI-Systeme lesen die Über-uns-Seite, Preise, Größen, Versandbedingungen. Wer dort schwammig bleibt, taucht nicht auf. Die Messung allein bringt aber nichts. Wir aktualisieren auf dieser Grundlage regelmäßig Seiten und Inhalte, sonst wäre es nur eine hübsche Statistik. Für kleine Shops ist das eine Chance, weil hier ein sauber beschriebener Nischenshop gegen große Plattformen bestehen kann.

KI kann viele Prozesse beschleunigen. Wo haben Sie beim Aufbau von True Insights aber auch erlebt, dass Automatisierung nicht funktioniert oder menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibt?

Überall dort, wo eine falsche Angabe teuer wird. Wir hatten Produkttexte, die einen Pullover als Kapuzenpullover beschrieben haben, Preisangaben, die nicht mehr stimmten, und Aussagen zu Bio-Baumwolle, die für den größten Teil des Sortiments schlicht falsch waren. Nichts davon war Absicht, alles war ein automatisch übernommener Textbaustein. Seitdem gilt: Automatik schreibt Entwürfe, Menschen veröffentlichen. Und jede Zahl im Text muss aus den echten Produktdaten kommen, nicht aus der Erinnerung eines Sprachmodells. Zweites Beispiel: Eine gut gemeinte Filterregel hat eine ganze Kategorieseite geleert. Aufgefallen ist das einem Menschen, nicht dem System.

Ihre Produkte werden erst nach einer Bestellung produziert. Welche Vorteile bietet dieses Modell und welche Herausforderungen entstehen dadurch bei Qualität, Lieferzeiten und Kundenerwartungen?

Der Vorteil ist, dass wir kein Lager voller unverkaufter Ware haben und jedes Motiv ausprobieren können, ohne 50 Stück vorzufinanzieren. Für die Umwelt ist das der ehrlichere Weg, weil nichts auf Verdacht produziert wird. Die Kehrseite: Zwischen Bestellung und Versand liegen ein bis zwei Tage Produktion mehr als beim Versand ab Lager. In der Weihnachtszeit muss man das offen sagen, sonst entsteht Enttäuschung. Und die Qualität liegt in fremden Händen. Deshalb prüfen wir Rohlinge, Druckbilder und Zertifikate selbst und schreiben lieber „überwiegend in Deutschland gedruckt“ als etwas Schöneres, das nicht für jedes Produkt stimmt.

True Insights verkauft über mehrere Amazon-Marktplätze und pflegt Inhalte inzwischen in acht Sprachen. Wie komplex wird Internationalisierung, wenn man sie als Kleinstunternehmen weitgehend selbst steuert?

Inzwischen sind es acht Sprachen, und das Übersetzen ist der einfache Teil. Schwierig sind die Details: Versandkosten je Land, Pflichtangaben, Produktsicherheitsvorgaben, unterschiedliche Suchbegriffe, andere Anlässe im Jahr. Ein Beispiel: Ein englischer Aufdruck funktioniert in den Niederlanden gut, in Frankreich kaum, dort verkaufen sich Motive auf Französisch. Dazu kommt, dass jede Plattform eigene Regeln hat und diese gern ändert. Wir lösen das, indem alle Länderangaben an einer Stelle gepflegt und täglich automatisch abgeglichen werden. Trotzdem finden wir regelmäßig Stellen, an denen eine Sprache hinterherhinkt.

Statement-Mode lässt sich vergleichsweise einfach auf den Markt bringen. Wie möchten Sie verhindern, dass True Insights zwischen zahlreichen ähnlichen Angeboten austauschbar wird?

Durch eigene Motive, bessere Qualität und einen erkennbaren Ton. Genau deshalb haben wir angefangen: Uns haben die immer gleichen Sprüche auf mäßigem Material gestört. Unsere Entwürfe entstehen mit Absicht, nicht als Spruch aus einer Datenbank, und wer die Sachen kennt, erkennt die Handschrift auch ohne Logo. Dazu kommt Tiefe in der Nische: Es ist ein Unterschied, ob man drei Dackelmotive hat oder über sechzig, vom minimalistischen Linienhund bis zur Street-Art-Variante. Und drittens Ehrlichkeit in den Texten. Keine erfundenen Zertifikate, keine geschönten Lieferzeiten.

Welche Vision verfolgen Sie mit True Insights, und wie groß kann oder soll ein Unternehmen werden, das bewusst mit schlanken Strukturen aufgebaut wird?

Unser Ziel ist nicht Größe um jeden Preis, sondern ein Label, das von seinen Nischen leben kann und in dem Entscheidungen weiter in Minuten fallen. Wachsen soll es über mehr gut gemachte Motive und über Länder, in denen dieselben Gemeinschaften existieren, nicht über breitere Beliebigkeit. Ich glaube, dass zwei Leute mit guten Werkzeugen heute den Umfang stemmen können, für den man vor zehn Jahren ein kleines Team gebraucht hätte. Wo die Grenze liegt, wissen wir noch nicht. Wir merken sie daran, wo die Qualität leidet, und dort hören wir auf.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die heute mithilfe von KI und Automatisierung eine Marke mit begrenzten Ressourcen aufbauen möchten?

Erstens: Automatisiere das Wiederholte, nicht das Wichtige. Texte, Übersetzungen, Abgleiche und Auswertungen ja. Entscheidungen, Produktqualität und alles, was rechtlich bindet, nein. Zweitens: Lass die KI mit echten Daten arbeiten. Jede Zahl im Text muss aus dem System kommen, sonst erfindet sie irgendwann etwas, das eine Abmahnung kostet. Drittens: Miss, statt zu glauben. Wir haben monatelang eine Kennzahl für einen Erfolg gehalten, die in Wahrheit ein Messfehler war. Seitdem wird jede Zahl einmal an der Quelle geprüft, bevor eine Entscheidung darauf aufbaut.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Kai Danneberg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wir müssen uns einander wieder zumuten

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Verbundenheit: Arbeitsplatz und Politik neu denken Alev Doğan Stellvertretende Chefredakteurin bei The Pioneer © Mark Hurek

Wir verbringen so viel Zeit allein wie nie zuvor.  Homeoffice, Lieferdienste und Streaming machen es möglich, andere Menschen zu meiden. Politikjournalistin Alev Doğan hält das für gefährlich: In ihrem Buch „Verbunden“ plädiert sie dafür, sich bewusst für andere zu öffnen – auch wenn es unbequem ist. Im Interview mit herCAREER erklärt sie, warum Gemeinschaft im Alltag, am Arbeitsplatz und auch in der Politik nur so funktioniert

„Am Arbeitsplatz kommen wir mit Menschen in Kontakt, die wir uns nicht ausgesucht haben. Das ist Demokratie in Übung.“

herCAREER: Alev, du bist Politikjournalistin, keine Psychologin oder Soziologin. Was hat dich bewegt, ein Buch über Verbundenheit zu schreiben?

Alev Doğan: Verbundenheit ist ein blinder Fleck in unserer Gesellschaft. Spätestens seit Corona diskutieren wir über Einsamkeit, also über die Kehrseite der Verbundenheit, aber betrachten nicht, was Verbundenheit eigentlich ausmacht. Natürlich ist es eine wichtige Errungenschaft der Moderne, dass wir unser Leben individuell gestalten können, dass nicht mehr alles davon bestimmt wird, in welche Verhältnisse wir hineingeboren werden. Doch als Gesellschaft sehen wir schon länger, dass Vereinzelung zunimmt. Die Bindungskraft von ehemals starken Institutionen schwindet, ob das die Kirche ist, ob es Vereine oder Parteien sind. Selbst die Bindung an die Familie lässt nach. Deshalb habe ich mich gefragt: Wie entsteht Verbundenheit? Wie lässt sie sich im Privaten, aber auch im öffentlich-politischen Bereich kultivieren? Denn ich glaube, für eine demokratische Gesellschaft ist Verbundenheit eine Bedingung, ohne die es nicht geht.

herCAREER: Laut Studien verbringen wir so viel Zeit allein wie nie zuvor. Woran liegt das?

Alev Doğan: Daran, dass es möglich ist. Wir sind durch den technologischen Fortschritt heute weniger darauf angewiesen, eine verlässliche Verbindung zu anderen zu haben. Statt Freunde zu bitten, mir beim Umzug zu helfen oder mich von A nach B zu fahren, kann ich das als Dienstleistung buchen. Ich muss mich auch zum Einkaufen nicht mehr unter Menschen begeben, sondern kann mir alles liefern lassen. Ich komme allein klar. Das ist komfortabel, aber wir verlieren darüber das alltägliche Miteinander, und das lässt sich nicht durch Quality Time mit einer Freundin alle paar Monate aufwiegen.

Für mich gehört zu einer alltäglichen Verbundenheit auch, zu wissen, wer den Kiosk nebenan betreibt, wer der Nachbar ist, der meine Pakete annimmt, oder zum Busfahrer „Hallo“ zu sagen, besonders, wenn ich jeden Tag mit ihm fahre. Alltägliche Begegnungen, im Alltag füreinander da sein, sich im Netz mit anderen sehen – das ist der Kern von Verbundenheit. Und das ist nicht nur wichtig in Freundschaften und Familie, sondern auch für das politische Gemeinwesen.

herCAREER: Du hältst den Arbeitsplatz für einen unterschätzten politischen Ort. Inwiefern?

Alev Doğan: Am Arbeitsplatz kommen wir mit Menschen in Kontakt, die wir uns nicht ausgesucht haben. Das ist Demokratie in Übung. Wir arbeiten mit ihnen zusammen, verfolgen gemeinsame Ziele, suchen Lösungen für Probleme, stehen Misserfolge durch, feiern Erfolge und fühlen uns zugehörig. Das ist im Kleinen das, was die Gesellschaft im Großen im besten Falle miteinander erlebt. Dafür ist der Arbeitsplatz nach der Familie der wichtigste Ort, sogar noch vor Freundschaft, weil ich bei der Arbeit eben mit Menschen in alltäglichem Kontakt stehe.

herCAREER: Ein Viertel aller Beschäftigten arbeitet heute im Homeoffice, und davon 25 Prozent sogar ausschließlich zuhause.

Alev Doğan: Ich halte das, ehrlich gesagt, für die reinste Idiotie. „Remote“ zu arbeiten, bedeutet wörtlich: nicht verbunden zu sein, an einem entfernten Ort zu arbeiten. Wenn jeder von uns in seiner eigenen kleinen Zelle sitzt, schaffen wir uns perspektivisch unsere eigene Dystopie. Natürlich kann Homeoffice Teil eines flexiblen Arbeitsmodells sein, aber es sollte nicht der neue Standard werden. Menschen müssen sich begegnen. Nicht nur, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Ich erfahre erst in der Teeküche, wenn sich der Chef oder die Chefin falsch gegenüber einer Kollegin verhält. Auf die Idee, einen Betriebsrat zu gründen, komme ich nicht allein zuhause, und ich bekomme da auch nicht mit, wie es den Kollegen geht. Solidarität und Verantwortungsübernahme füreinander fangen bei der Arbeit an. Das ist aber nur möglich, wenn wir körperlich zusammenkommen.

herCAREER: Wie lässt sich Verbundenheit kultivieren?

Alev Doğan: Wir müssen uns einander wieder zumuten. Wir haben uns in eine Situation manövriert, in der es sinnvoll scheint, alles fernzuhalten, was „negative Vibes“ auslöst. Der anstrengende Onkel mit den toxischen Sprüchen? Besser meiden. Die Freundin hat eingeladen? Aber ich fühle es gerade nicht, bis in ihren Kiez zu fahren. Essen gehen mit den Kolleginnen? Passt nicht zum Intervallfasten. Natürlich haben wir jedes Recht, in uns hineinzuhören: Wer tut mir gut und was nicht – aber es lohnt trotzdem, die eigene Komfortzone nicht über alles zu stellen. Und ich plädiere auch dafür, nicht jeden kategorisch auszusortieren, der eine andere Meinung hat oder im Lebensstil von unserem abweicht, da sollten wir nicht zu rigoros sein. Ich glaube, wir müssen uns manchmal für das Unbequeme entscheiden, weil Gemeinschaft nur so funktioniert.

herCAREER: Du hast als Deutsch-Türkin oder türkische Deutsche der dritten Generation oft erlebt, als „die andere“ gelesen zu werden. Wie hat das dein Verständnis von Zugehörigkeit geprägt?

Alev Doğan: Ich bin „unzugehörig“. Und das ist okay. Ich glaube sogar, dass es ein Zugehörigkeitsgefühl der Unzugehörigen untereinander gibt. Ich bin früh damit konfrontiert worden, dass ich nicht so richtig zu den anderen Deutschen gehöre, mal wurde mir das auf nette Weise vermittelt, mal offen rassistisch. Dass ich dritte Generation bin, macht da für viele keinen Unterschied. Menschen sehen und hören, was sie sehen und hören wollen – gerade deshalb habe ich gelernt, Zugehörigkeit bei Menschen zu finden und nicht in Kategorien oder Gruppen. Hinzu kommt: Ich hatte selbst nie ein Problem mit meinem Türkischsein, im Gegenteil, ich empfinde diese Kultur als Geschenk. Auf seine Wurzeln reduziert zu werden oder überhaupt darauf angesprochen zu werden, erlebt man aber vermutlich anders, wenn man zum Beispiel selbst Fluchterfahrung hat oder eben mit seiner Herkunft hadert.

herCAREER: Es gibt ja diese vermeintlich progressive Haltung, die sich in einem Satz niederschlägt wie: „Ich sehe gar keine Hautfarben.“

Alev Doğan: Aber es gibt Unterschiede, und eben nicht nur in Hautfarben, sondern auch in vielen Haltungen, im gesamten politischen Spektrum. Diese Unterschiede werden sich nicht einebnen lassen, und ich halte das auch gar nicht für wünschenswert.

herCAREER: Wie kann Verbindung darüber hinweg gelingen?

Alev Doğan: Indem man sich offen und neugierig begegnet. Ich glaube, dass wir unterschiedlich sind, hat überhaupt nichts damit zu tun, ob wir zueinander passen oder nicht. Oder ob wir miteinander können oder nicht. Meine tiefsten Freundschaften verbinden mich mit Menschen, deren Herkunft und Sozialisierung nicht konträrer zu meiner sein könnten. Das ist eher etwas, was unsere Verbindung befruchtet. Die Frage ist doch, welche Geisteshaltung habe ich? Diese Idee, man müsse sich ähneln, um miteinander eine Verbindung einzugehen, stimmt auf ganz vielen Ebenen nicht.

herCAREER: In Sachsen-Anhalt haben wir gesehen, wie Ähnlichkeiten und Unterschiede propagandistisch stark betont werden, zum Teil unverhohlen völkisch. Das „Wir“ auf der einen Seite und dem gegenüber „die anderen“. Du stellst im Buch fest, dass es Populist:innen leichter gelingt, Verbundenheit zu ihren Wähler:innen herzustellen, als den etablierten demokratischen Parteien. Was beobachtest du?

Alev Doğan: Das ist ein internationales Phänomen. Wir sehen auch in den USA, in Frankreich und anderen vergleichbaren Industrienationen, dass rechtspopulistische Kräfte die Disruption des gesamten Systems vorantreiben und in weiten Teilen der Bevölkerung auf große Resonanz stoßen. Sie setzen bei ihren Kandidaten oft auf Leute, die etwas „hermachen“, die ein gewisses Charisma haben. Die etablierten Parteien leiden da zum Teil an ihrer Überprofessionalisierung. In der deutschen Parteiendemokratie ist der Parteienapparat Dreh- und Angelpunkt jeder Regierungsbildung. Dieser Apparat hat aber eine solche Komplexität erreicht, dass er sich oft nur noch um sich selbst dreht und nach ganz eigenen Mechanismen funktioniert. Das sehen wir deutlich bei Parteien wie der SPD, wie der CDU/CSU und in Teilen auch bei den Grünen.

herCAREER: Welche Folgen siehst du?

Alev Doğan: Es gibt zum Beispiel einen Beförderungsmechanismus, über den Leute an die Spitze kommen, die die parteiinternen Logiken verstanden haben. Aber das heißt nicht, dass sie beim Wähler ankommen. Menschen wählen Menschen. Und ich kann von Ulrich Siegmund halten, was ich will, aber ich erkenne ihn als Menschen. Da kann ich dann sagen: „Das finde ich fürchterlich, denn die AfD ist rechtsradikal.“ Oder: „Das finde ich ganz toll.“ Aber über den SPD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt kann ich überhaupt nichts sagen.

herCAREER: Gibt es einen Ausweg?

Alev Doğan: Parteien müssen schon gucken, um wessen Stimme werbe ich da eigentlich? Und wen stelle ich auf, um die Menschen zu erreichen? Gerade bei schwierigen Wahlen muss es darum gehen, den brillantesten, wärmsten, „umarmendsten“ Spitzenkandidaten loszuschicken, der rhetorisch versiert genug ist, die Menschen zu erreichen.

herCAREER: Das sind ziemlich hohe Anforderungen. Viele gehen ja nicht wegen ihrer psychologischen oder ihrer Entertainer:innen-Qualitäten in die Politik, sondern weil sie ein Anliegen haben.

Alev Doğan: Ja, aber um Anliegen umzusetzen, muss man Menschen erreichen. Und wenn ich mich für politische Anliegen begeistere – für Gerechtigkeit kann und sollte man sich begeistern –, dann darf man mir diese Begeisterung auch ansehen, sie spüren. Bei den populistischen Parteien kommt noch etwas hinzu, was, glaube ich, noch nicht genug wahrgenommen wird: Politiker dieser Parteien haben oft große Freude an sich selbst.

herCAREER: Wie meinst du das?

Alev Doğan: Es gibt im Bundestag ziemlich genau eine Fraktion, in der viel gelacht wird. Das ist die AfD. Es ist zwar oft höhnisch oder ein Feixen, aber es ist eine Partei, eine Fraktion, die für alle sichtbar von sich selbst begeistert ist. Das kann man in den vergangenen Jahren weder über die allermeisten in der SPD-Fraktion sagen noch über die meisten in der CDU-Fraktion. Auch das halte ich für eine Folge der Überprofessionalisierung. Die Populisten wirken dagegen emotional ehrlich. Bei Trump hat man die ganze Zeit das Gefühl, er redet, was er denkt. Ich sehe Alice Weidel oder auch Giorgia Meloni an, wenn sie genervt sind. Sie verdrehen die Augen, fluchen, Alice Weidel verlässt Interviews. Ich sehe ihr auch an, wenn sie glücklich ist. Die sind emotional bei sich und das kommt bei ihren Wählern an.

herCAREER: Aber das sehe ich Friedrich Merz auch an, nur verzeihen wir es ihm nicht.

Alev Doğan: Merz ist noch mal ein Sonderfall. Ihm merkt man zu oft eine Mischung aus Überheblichkeit und Ungeduld an. Das ist manchmal rübergekommen, als wäre er der Einzige, der noch versteht, was Arbeit ist. Mit so etwas wird niemand gern konfrontiert.

herCAREER: Es gibt einen Schulterschluss der Rechtspopulist:innen und Rechtsextremen über Grenzen hinweg. Sie blenden Unterschiede aus und ziehen an einem Strang, während sich progressive Kräfte, auch im Feminismus, oft untereinander zerlegen. Siehst du eine Chance, eine Verbundenheit zu schaffen, die rechtspopulistischen Kräften etwas entgegensetzen kann?

Alev Doğan: Es heißt leider nicht umsonst: „The left are eating their own.“ Das ist ein Phänomen, das auch damit zu tun hat, dass in rechten und rechtsextremen Bewegungen so etwas wie Korpsgeist anders funktioniert. Linke und Progressive achten stärker auf Individualisierung, bei ihnen ist die Ausdifferenzierung wichtig. Ich glaube, das lässt sich nur durch zwei Dinge überwinden: Erstens braucht es das richtige Personal. Wir sehen das zum Beispiel gerade in New York, wo es jemandem wie Zohran Mamdani offenbar gelingt, eine Bewegung loszutreten. Auch wenn da noch die Frage ist, wie nachhaltig das ist.

herCAREER: Und zweitens?

Alev Doğan: Dass es nicht ohne die Konservativen geht. Das war für mich ein Lernprozess. Aber ich halte Stabilität in einem Land wie Deutschland heute ohne einen echten Wertekonservatismus nicht für möglich. Ein Konservatismus, der sich dem Bürgerlichen verpflichtet fühlt, gerade auch in Abgrenzung zum Rechtsextremen und Populistischen. Der kann das Progressive einbinden, aber Stabilität gelingt nur mit den Konservativen. Da kann Heidi Reichinneck noch so groß werden, da können einzelne etwas in Bewegung bringen – am Ende des Tages ist Deutschland ein konservatives Land, und es braucht diese Bindungskraft, um überhaupt progressive Politik möglich zu machen.

Das Gespräch führte die freie herCAREER-Redakteurin Silvi Feist.

Alev Doğan wird am 22. Oktober 2026 von 16.40 bis 17.20 Uhr beim Podcast-MeetUp auf der herCAREER Expo live Fragen zu ihrem Buch „Verbunden – Die Kunst, sich und andere nicht zu verlieren“ beantworten.

Bild Alev Doğan Stellvertretende Chefredakteurin bei The Pioneer © Mark Hurek

Quelle messe.rocks GmbH

2,2 Mio. Euro Frisches Kapital: Wie HR-Startup Ahron KI-Prozesse automatisiert

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Ahron: KI-Agenten automatisieren HR-Prozesse Ahron-Gründerteam: Carl Hoffmann (CEO) und Rado Pavlov (COO)

2,2 Millionen Euro für Ahron: Münchner HR-Startup treibt KI-Automatisierung voran

Das Münchner HR Start-up Ahron hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Cusp Capital, mit Beteiligung von Superangels sowie einem exklusiven Kreis von Business Angels aus dem HR-Umfeld, darunter Sabine Kohleisen, ehemaliges Vorstandsmitglied Personal der Mercedes-Benz Group. Ahron nutzt das neue Kapital für die Weiterentwicklung des Produkts, insbesondere einer zentralen Steuerungsebene, die den KI-Agenten ihren Kontext gibt, sowie für die internationale Expansion.

Ahron-Gründerteam: Carl Hoffmann (CEO) und Rado Pavlov (COO)

KI-Agenten sollen komplexe HR-Prozesse automatisieren

Ahron wurde Ende letzten Jahres von Carl Hoffmann und Rado Pavlov gegründet mit der Idee, agentische KI auf HR Prozesse anzuwenden, um diese systemübergreifend zu automatisieren.

Große Unternehmen nutzen oft weit über hundert verschiedene HR-Tools, die kaum miteinander sprechen. Das führt zu langen Wartezeiten, hohen Kosten und wenig Überblick über den gesamten Prozess: von der Einstellung bis zum Austritt einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters. Einzelne KI-Tools lösen dieses Problem nicht, weil ihnen der Blick auf den gesamten Prozess fehlt.

Ahron setzt deshalb nicht auf ein weiteres Einzeltool, sondern auf eine Schicht, die sich über die bestehende HR-Systemlandschaft legt. Diese Schicht macht Prozesse sichtbar, beschleunigt sie und sorgt dafür, dass alle KI-Agenten nach denselben Regeln arbeiten. So können KI-Agenten HR-Aufgaben wirklich selbstständig erledigen, beispielsweise vom Einholen von Feedback bei Hiring Managern über die Prüfung von Gehaltsabrechnungen bis zum vollständigen Onboarding neuer Mitarbeiter.

Partnerschaft mit Celonis liefert Kontext für KI-Agenten

Zentral für das Produkt ist eine Partnerschaft mit Celonis. Ahron nutzt die Process-Intelligence-Technologie von Celonis, um aus den Daten der bestehenden HR-Systeme ein digitales Abbild jedes HR-Prozesses zu erstellen. Auf dieser Grundlage erkennt Ahron, wo sich der Einsatz von KI lohnt, und gibt den KI-Agenten gleichzeitig genau den Kontext, den sie für ihre Arbeit benötigen.

HR soll wieder mehr Zeit für wertstiftende Arbeit haben

Viele HR-Teams verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit administrativen Aufgaben statt mit Arbeit, die wirklich einen Unterschied macht, etwa der Entwicklung von Talenten oder der Beratung von Führungskräften. Ahron ist überzeugt: Wenn KI-Agenten die wiederkehrende, administrative Arbeit übernehmen, gewinnt HR genau die Zeit zurück, die heute für diese wertstiftende Arbeit fehlt.

Sabine Kohleisen, Investorin und ehemaliges Vorstandsmitglied Personal der Mercedes-Benz Group

„Ich kenne das aus eigener Erfahrung: zu viele HR-Systeme, die nicht miteinander sprechen, Daten, die von Hand von einem System ins nächste übertragen werden. Was mich an Ahron überzeugt hat, ist der Ansatz, Unternehmen wieder die Übersicht über ihre Prozesse zu geben, ohne bestehende Systeme zu ersetzen. Ich freue mich daher sehr, das Ahron-Team um Rado und Carl auf ihrer weiteren Reise zu unterstützen“, so Sabine Kohleisen, Investorin und ehemaliges Vorstandsmitglied Personal der Mercedes-Benz Group.

Governance wird bei sensiblen HR-Daten entscheidend

Zudem rückt KI immer mehr in den Fokus der Cybersecurity. Gerade bei sensiblen Personaldaten ist es umso wichtiger, KI-Agenten unter eine transparente, unternehmensweite Governance zu stellen.

„HR ist ein besonders sensibler Bereich. Wenn KI-Agenten hier selbstständig arbeiten, brauchen sie klare Leitplanken und Richtlinien, damit sie sich immer regelkonform verhalten. Genau das ermöglicht unsere Plattform: Unternehmen können diese Leitplanken und Richtlinien für den gesamten HR-Kontext zentral festlegen und verwalten – für jeden Prozess und jeden Agenten gleichermaßen“, erläutert Rado Pavlov, Mitgründer und COO von Ahron.

Mehr als eine Million Euro wiederkehrender Jahresumsatz

Bereits im ersten Jahr nach der Gründung erzielt Ahron mehr als 1 Million Euro einen wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) und hat namhafte Kunden aus den USA und Europa gewonnen.

„Unsere Kunden messen den Erfolg nicht daran, wie viele KI-Agenten sie einsetzen, sondern daran, was am Ende zählt: schnellere Prozesse, spürbar geringere Kosten und HR-Teams, die ihre Kapazität auf das lenken können, was wirklich Wert schafft: Führung, Entwicklung, Kultur. Das ist der Maßstab, an dem wir uns bei Ahron messen lassen“, sagt Carl Hoffmann, Mitgründer und CEO von Ahron.

Serial-Gründer bringen Erfahrung aus der HR-Technologie mit

Carl Hoffmann und Rado Pavlov sind erfahrene Gründer und in der HR-Tech-Szene bestens vernetzt. Hoffmann gründete zuvor Talentry, ein Recruiting-Technologie-Unternehmen, das er über neun Jahre aufbaute, bevor es 2022 von CleverConnect übernommen wurde. Pavlov hat vor Ahron bereits mehrere Software-Startups erfolgreich aufgebaut und bringt tiefe Erfahrung im Umgang mit sicheren KI-Systemen und Plattformen mit.

Wie viel Kapital hat Ahron eingesammelt?

Ahron hat eine Finanzierungsrunde über 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Cusp Capital.

Was macht Ahron?

Ahron entwickelt eine Plattform, die KI-Agenten nutzt, um HR-Prozesse systemübergreifend zu automatisieren und bestehende HR-Systeme miteinander zu verbinden.

Wofür nutzt Ahron die Finanzierung?

Ahron will das Kapital vor allem für die Weiterentwicklung seiner Plattform und die internationale Expansion einsetzen. Ein Schwerpunkt liegt auf der zentralen Steuerung der KI-Agenten.

Bild Ahron-Gründerteam: Carl Hoffmann (CEO) und Rado Pavlov (COO)

Quelle Breforth Communications GmbH

Der erste Merch-Auftrag als Lernstück

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Auftrag für Teamkleidung: Logo und Textil richtig planen Christoph Schulze

Der erste Auftrag für Teamkleidung ist selten der größte. Aber er ist der, aus dem ein Team am meisten lernt. Ich habe dafür über 1500 Aufträge meines eigenen Betriebs ausgewertet. Viele davon von Startups und Scaleups. Was dabei herauskommt, ist unspektakulär. Genau deshalb hilft es beim Planen.

Klein anfangen ist normal

Der typische erste Auftrag liegt bei 50 Teilen. Fast die Hälfte der Firmen startet mit weniger. Die erste Rechnung liegt im Median bei rund 1.100 Euro. Die Hälfte aller Erstaufträge bewegt sich zwischen 460 und 2.500 Euro. Bei fast jeder zweiten ist ein T-Shirt dabei, bei jeder dritten ein Hoodie. Wer beim ersten Mal 300 Teile bestellt, hat meist ein Event vor der Tür und keinen Plan für danach.

Das ist keine Kritik. Ein kleiner erster Auftrag ist die günstigste Art, herauszufinden, ob das Team die Sachen überhaupt trägt. (Ein Hoodie, der im Homeoffice läuft, sagt mehr als jede Umfrage.) Wer mit 30 oder 50 Teilen anfängt, kann beim zweiten Mal gezielt nachlegen.

Was dabei auffällt: Die Firmen, die klein starten, sind nicht die, die es nicht ernst meinen. Sie sind meist die, die vorher gefragt haben, was das Team wirklich anziehen würde. Der Auftrag folgt der Antwort, nicht umgekehrt.

Woran der erste Auftrag hakt

Drei Dinge kommen immer wieder vor. Keines davon hat mit dem Textil zu tun.

Das Logo liegt nur als PNG vor. Meist ist es die Datei aus der Kopfzeile der Website, oft nur ein paar hundert Pixel breit. Für den Bildschirm reicht das, für Stick oder Druck nicht. Gebraucht wird eine Vektordatei, also SVG, EPS oder ein PDF mit Pfaden. Ein PDF ist dabei nicht automatisch Vektor, oft steckt nur das PNG darin. Der Test: auf 800 Prozent zoomen. Bleiben die Kanten glatt, passt es. (Wer das Logo von einer Agentur hat, bekommt sie dort mit einer Mail.) Ohne Vektordatei muss das Logo nachgezeichnet werden, und das kostet Zeit, bevor überhaupt etwas produziert wird.

Die Hausfarbe gibt es nicht. Zertifizierte Bio-Textilien kommen in vielen Farben, aber selten in genau dem Blau aus dem Corporate Design. Es gibt drei saubere Wege. Erstens: das Textil in einer nahen Farbe, das Logo trägt die Hausfarbe. Zweitens: ein neutrales Textil in Schwarz, Weiß oder Grau, und das Logo bringt die Farbe. Drittens, und das ist neu: ungefärbte Bio-Rohware, die erst nach der Bestellung in der Wunschfarbe gefärbt wird. Das gab es lange nur in Mengen, die kein junges Unternehmen bestellt, inzwischen geht es ab gut hundert Teilen. Der Haken: Die Färbung braucht rund vier Wochen, bevor überhaupt bedruckt wird, und zwei Färbepartien sind nie exakt gleich. (Wer diesen Weg wählt, lässt sich vorher ein Farbmuster freigeben.) Alle drei funktionieren. Was nicht funktioniert, ist die Entscheidung erst zu treffen, wenn das Angebot schon steht.

Niemand weiß, wer lagert. Fünfzig Hoodies kommen in drei Kartons. Wer nimmt sie an? Wo stehen sie? Wer gibt neuen Leuten eins? Wird das nicht vor der Bestellung geklärt, steht der Karton nach einem Jahr halb voll im Abstellraum. Ein Name reicht. Es muss nicht HR sein, aber es muss jemand sein.

Zeit ist der stille Fehler

Von der Freigabe des Designs bis zur Lieferung vergehen drei bis vier Wochen. Das ist normal und lässt sich nur in Ausnahmen verkürzen. In meinen Zahlen ist der November mit Abstand der stärkste Monat, rund die Hälfte mehr Lieferungen als im Durchschnitt. Das heißt: Wer Kleidung zu Weihnachten oder zum Jahresauftakt verteilen will, fragt im Oktober an. Wer im November anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben Produktionsplätze.

Dasselbe gilt für Sommerfeste und Firmenläufe. Mai und Juni sind der zweite Höhepunkt. Gibt es eine Deadline, lohnt es sich, sie in der ersten Mail zu nennen. Dann lässt sich rückwärts planen.

Der erste Auftrag ist selten der letzte

Knapp zwei Drittel der Firmen bestellen nach dem ersten Auftrag erneut, im Median nach rund drei Monaten. Das ist der eigentliche Grund, beim ersten Mal die Grundlagen sauber zu machen: die Vektordatei ablegen, die Farbentscheidung notieren, die Zuständigkeit festhalten. Der zweite Auftrag ist dann eine Mail mit einer Zahl drin.

Wer das beim ersten Mal versäumt, fängt beim zweiten Mal von vorn an. Dieselben Fragen, dieselben Rückfragen, dieselbe Wartezeit. Der Unterschied zwischen einem Team, bei dem Merch einfach läuft, und einem, bei dem es jedes Mal ein Projekt ist, liegt fast nie am Produkt. Er liegt an drei Entscheidungen, die vor der ersten Bestellung getroffen wurden.

Bildrechte: Christoph Schulze

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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