Freitag, November 6, 2026
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Venture Capital 2026: Wie Startups in Deutschland Investoren finden und an Wagniskapital kommen

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Startup-Gründerin im Gespräch mit Investoren über Venture Capital 2026 und Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen in Deutschland.

Mehr Geld, aber weniger Finanzierungsrunden: Der deutsche Venture-Capital-Markt zeigt sich 2026 von zwei Seiten. Während Milliarden in junge Technologieunternehmen fließen, bleibt die Suche nach Investoren gerade für Startups in der Frühphase schwierig. Welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt, worauf Kapitalgeber achten und welche deutschen VC-Fonds für Gründer interessant sind.

Eine gute Geschäftsidee ist schnell erklärt. Schwieriger wird es, wenn aus der Idee ein Unternehmen werden soll, das wächst, Mitarbeiter einstellt und neue Märkte erschließt. Denn dafür braucht es meistens Geld. Und das ist gerade in der Anfangsphase nicht immer leicht zu bekommen.

Venture Capital, also Wagniskapital, kann jungen Unternehmen den entscheidenden Schub geben. Doch wer 2026 auf Investorensuche geht, merkt schnell: Ein überzeugendes Pitch Deck und eine große Vision reichen längst nicht aus.

Kapitalgeber schauen genauer hin. Sie wollen wissen, ob ein Geschäftsmodell funktioniert, welche Risiken bestehen und wie sich aus einer innovativen Idee ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen entwickeln lässt.

Die Frage lautet deshalb nicht nur, wo Startups Investoren finden. Mindestens genauso wichtig ist, welche Finanzierung überhaupt zum eigenen Unternehmen passt.

Venture Capital 2026 in Deutschland: Mehr Kapital, aber nicht für alle

Auf den ersten Blick entwickelt sich der deutsche Wagniskapitalmarkt positiv. Nach Angaben des EY Startup-Barometers vom Juli 2026 erhielten deutsche Startups im ersten Halbjahr rund 5,3 Milliarden Euro Risikokapital. Das waren 14 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Allerdings ging die Zahl der Finanzierungsrunden gleichzeitig um elf Prozent auf 354 zurück.

Besonders auffällig ist die Konzentration auf große Investments. Finanzierungsrunden mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro machten 67 Prozent des gesamten investierten Kapitals aus. Ein Jahr zuvor waren es noch 55 Prozent.

Das zeigt, wie unterschiedlich die Situation am Markt ist. Während etabliertere Wachstumsunternehmen teilweise dreistellige Millionenbeträge einsammeln, müssen andere Startups deutlich länger nach einer passenden Finanzierung suchen.

Auch die regionale Verteilung fällt auf. Berlin lag mit knapp 1,7 Milliarden Euro an der Spitze, gefolgt von Baden-Württemberg mit rund 1,6 Milliarden Euro und Bayern mit mehr als 1,1 Milliarden Euro.

Allerdings können einzelne besonders große Finanzierungsrunden solche Statistiken erheblich beeinflussen. So entfiel ein wesentlicher Teil des baden-württembergischen Investitionsvolumens auf das Robotikunternehmen Neura Robotics.

Für Gründer bedeutet das vor allem eines: Ein steigendes Investitionsvolumen ist noch keine Garantie dafür, dass die eigene Finanzierungsrunde einfacher wird.

Quelle: EY Startup-Barometer Deutschland, Juli 2026.

Was ist Venture Capital und wann lohnt es sich für Startups?

Venture Capital ist Beteiligungskapital für junge Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Investoren stellen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür in der Regel Anteile am Unternehmen.

Anders als bei einem klassischen Bankkredit muss dieses Eigenkapital nicht nach einem festgelegten Tilgungsplan zurückgezahlt werden. Dafür geben Gründer einen Teil ihres Unternehmens ab.

Das kann sinnvoll sein, wenn ein Startup viel Kapital benötigt, um neue Technologien zu entwickeln, schnell zu wachsen oder international zu expandieren.

Besonders bei Softwareunternehmen, KI-Startups, Biotechnologie oder industriellen Innovationen kann der Finanzierungsbedarf hoch sein, lange bevor ausreichend eigene Umsätze entstehen.

Allerdings ist Venture Capital kein kostenloses Geld. Investoren erwarten eine attraktive Rendite und wollen bei wichtigen Unternehmensentscheidungen häufig mitreden. Zudem können weitere Finanzierungsrunden dazu führen, dass die Anteile der ursprünglichen Gründer kleiner werden.

Deshalb sollten sich Gründer frühzeitig fragen, ob sie tatsächlich ein stark skalierbares Geschäftsmodell aufbauen möchten oder ob eine Finanzierung über eigene Umsätze, Fördermittel oder Kredite besser geeignet wäre.

Wie kommen Startups 2026 an Venture Capital Wagniskapital?

Wer Investoren gewinnen möchte, sollte die Finanzierung nicht erst dann angehen, wenn das Geld knapp wird. Erfolgreiches Fundraising beginnt mit einer guten Vorbereitung.

1. Die passende Finanzierungsphase bestimmen

Nicht jeder Investor steigt zum gleichen Zeitpunkt ein. Entscheidend ist, wie weit das Unternehmen bereits entwickelt ist.

In der Pre-Seed-Phase stehen häufig das Gründerteam, die technologische Idee und erste Nachweise zur Umsetzbarkeit im Mittelpunkt. In der Seed-Phase erwarten Investoren meist konkretere Ergebnisse, etwa einen Prototyp, erste Kunden oder eine erkennbare Nachfrage.

Bei einer Series-A-Finanzierung geht es häufig darum, ein bereits erprobtes Geschäftsmodell systematisch auszubauen.

Diese Einteilung ist allerdings nicht starr. Gerade bei DeepTech- oder Biotech-Startups können Entwicklungszyklen länger sein. Hier bewerten Investoren neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch technologische Fortschritte, Patente und Forschungsergebnisse.

2. Gezielt nach passenden Investoren suchen

Ein häufiger Fehler bei der Kapitalbeschaffung ist, möglichst viele Venture Capital Fonds gleichzeitig anzuschreiben.

Sinnvoller ist es, eine Liste mit Investoren zusammenzustellen, die tatsächlich zum Startup passen. Dabei spielen Branche, Finanzierungsphase, Kapitalbedarf und geografischer Schwerpunkt eine wichtige Rolle.

Wer beispielsweise eine industrielle Robotiklösung entwickelt, sollte gezielt nach Investoren mit Erfahrung in Hardware, DeepTech oder industrieller Automatisierung suchen.

Ein B2B-Softwareunternehmen wiederum kann von einem Fonds profitieren, der bereits mehrere SaaS-Unternehmen beim Wachstum begleitet hat.

Ein Blick auf das bestehende Portfolio hilft dabei, die Investmentstrategie besser einzuschätzen.

3. Ein Pitch Deck erstellen, das Fragen beantwortet

Ein Pitch Deck soll Interesse wecken und die wichtigsten Informationen über das Unternehmen verständlich vermitteln.

Dazu gehören das Problem, die angebotene Lösung, die Marktgröße, das Geschäftsmodell, die Wettbewerbssituation und das Gründerteam.

Ebenso wichtig sind bisherige Fortschritte und eine nachvollziehbare Finanzplanung.

Investoren wollen wissen, wie viel Kapital benötigt wird, wofür es eingesetzt werden soll und welche konkreten Meilensteine damit erreicht werden können.

Wer beispielsweise zwei Millionen Euro einsammeln möchte, sollte erklären können, wie lange dieses Kapital reicht und welche wirtschaftlichen oder technologischen Fortschritte bis zur nächsten Finanzierungsrunde geplant sind.

4. Mit belastbaren Zahlen überzeugen

Natürlich interessieren sich Investoren für große Märkte und ambitionierte Wachstumsziele. Noch wichtiger ist jedoch, ob sich die Annahmen hinter dem Geschäftsmodell überprüfen lassen.

Bei Software-Startups können wiederkehrende Umsätze, Kundenbindung, Wachstumsraten und die Kosten der Kundengewinnung eine wichtige Rolle spielen.

Bei Hardware- und DeepTech-Unternehmen stehen dagegen häufig Entwicklungsfortschritte, Produktionskosten, Pilotkunden oder industrielle Partnerschaften im Vordergrund.

Nicht jedes Startup muss bereits Gewinne erzielen. Entscheidend ist, ob Gründer nachvollziehbar erklären können, wie das Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreich werden soll.

5. Kontakte aufbauen und frühzeitig Gespräche führen

Der Zugang zu Investoren entsteht häufig über persönliche Kontakte. Gründerveranstaltungen, Startup-Konferenzen, Acceleratoren und Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk können dabei helfen.

Besonders interessant sind Kontakte zu anderen Gründern, die bereits eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben.

Aber auch eine direkte Ansprache ist möglich. Wichtig ist, dass die Nachricht individuell formuliert ist und erkennen lässt, warum das Startup zur Investmentstrategie des Fonds passt.

Ein kurzer, gut vorbereiteter Kontakt ist meist sinnvoller als eine lange E-Mail, die an zahlreiche Investoren gleichzeitig verschickt wird.

Fünf deutsche Venture Capital Investoren, die Startups kennen sollten

Deutschland verfügt über eine vielfältige Landschaft an Venture-Capital-Fonds. Die folgenden fünf Investoren gehören zu den etablierten Ansprechpartnern für technologieorientierte Startups. Sie unterscheiden sich allerdings bei ihren Schwerpunkten und den Finanzierungsphasen, in denen sie investieren.

1. High-Tech Gründerfonds (HTGF)

Der High-Tech Gründerfonds mit Sitz in Bonn gehört zu den bekanntesten deutschen Frühphaseninvestoren. Der Schwerpunkt liegt auf technologieorientierten Startups aus den Bereichen Digital Tech, Industrial Tech, Climate & Deep Tech, Life Sciences und Chemie.

Der HTGF investiert insbesondere in der Pre-Seed- und Seed-Phase, begleitet Portfoliounternehmen über seine Multi-Stage-Struktur aber auch in späteren Wachstumsphasen.

2. UVC Partners

UVC Partners ist ein deutscher Venture-Capital-Investor mit Standorten in München und Berlin und enger Verbindung zum Innovationsökosystem der UnternehmerTUM.

Der Fonds konzentriert sich auf technologieorientierte B2B-Unternehmen, insbesondere aus Bereichen wie DeepTech, industrielle Technologien, Software und ClimateTech. Im Mittelpunkt stehen frühe Finanzierungsphasen.

3. Project A

Project A ist ein in Berlin gegründeter Venture-Capital-Investor, der sich auf technologieorientierte Unternehmen konzentriert.

Zu den Investitionsfeldern gehören unter anderem industrielle Technologien, Software und sicherheitsrelevante Innovationen. Neben Kapital unterstützt Project A seine Portfoliounternehmen auch mit operativer Expertise.

Der Investor ist insbesondere für ambitionierte Technologieunternehmen interessant, die sich in frühen Entwicklungs- und Wachstumsphasen befinden.

4. Capnamic

Capnamic ist ein deutscher Venture-Capital-Investor mit Wurzeln in Köln und einem Schwerpunkt auf technologieorientierten Geschäftsmodellen.

Im Fokus stehen insbesondere junge Unternehmen aus dem B2B-Technologieumfeld. Dazu gehören unter anderem Softwarelösungen und digitale Geschäftsmodelle mit internationalem Wachstumspotenzial.

Capnamic investiert vor allem in frühen Finanzierungsphasen, von Pre-Seed bis Series A.

5. Earlybird

Earlybird gehört zu den etablierten europäischen Venture-Capital-Investoren mit deutschen Wurzeln.

Der Investor engagiert sich über unterschiedliche Investmentstrategien in technologieorientierten Unternehmen. Zu den relevanten Feldern zählen digitale Geschäftsmodelle, DeepTech und Gesundheitstechnologien.

Je nach Fonds und Investmentstrategie begleitet Earlybird Unternehmen von frühen Finanzierungsphasen bis in spätere Entwicklungsstadien.

Die Übersicht stellt keine Rangliste dar. Gründer sollten vor einer Kontaktaufnahme immer prüfen, ob ein Fonds aktuell neue Investments tätigt und ob das eigene Geschäftsmodell zur jeweiligen Strategie passt.

Welche Branchen ziehen 2026 besonders viel Venture Capital an?

Ein Blick auf die aktuellen Finanzierungszahlen zeigt, dass vor allem technologieintensive Geschäftsmodelle hohe Investitionssummen erhalten.

Nach dem EY Startup-Barometer floss im ersten Halbjahr 2026 mit mehr als 1,6 Milliarden Euro besonders viel Kapital in den Hardwarebereich. Dahinter folgten Software & Analytics mit mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Auch Verteidigungstechnologien gewannen an Bedeutung. Startups aus diesem Sektor erhielten insgesamt 579 Millionen Euro. Die Bereiche Gesundheit und Energie verzeichneten jeweils Investitionen von mehr als 450 Millionen Euro.

Zu den auffälligen Entwicklungen gehören außerdem künstliche Intelligenz, Robotik und industrielle Automatisierung.

Allerdings sollte man diese Zahlen nicht falsch verstehen. Ein hohes Finanzierungsvolumen bedeutet nicht automatisch, dass in einer Branche besonders viele Startups Kapital erhalten. Einzelne große Deals können das Gesamtbild erheblich verändern.

Für Gründer ist deshalb weniger entscheidend, welcher Technologiebereich gerade besonders viel Aufmerksamkeit bekommt. Viel wichtiger ist, ob ihr Unternehmen ein relevantes Problem löst und sich daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Welche Alternativen zu Venture Capital gibt es 2026?

Nicht jedes Startup benötigt einen klassischen Venture Capital 2026 Investor. Gerade in frühen Unternehmensphasen können andere Finanzierungsformen sinnvoller sein.

Business Angels: Kapital und Erfahrung

Business Angels investieren privates Vermögen in junge Unternehmen. Häufig handelt es sich um erfahrene Unternehmer, die neben Kapital auch Kontakte und Branchenwissen einbringen.

Für Startups in der Pre-Seed- oder Seed-Phase kann das besonders wertvoll sein. Allerdings erhalten auch Business Angels für ihre Investitionen häufig Unternehmensanteile.

Staatliche Förderprogramme: Unterstützung ohne klassischen Venture Capital Fonds

Deutschland bietet verschiedene öffentliche Fördermöglichkeiten für Gründer.

Dazu gehört beispielsweise das EXIST-Gründungsstipendium, das innovative Gründungsvorhaben aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt.

Auch die KfW, Landesförderbanken und regionale Förderinstitutionen bieten unterschiedliche Finanzierungsinstrumente an.

Je nach Programm können Zuschüsse, Förderkredite oder Beteiligungskapital infrage kommen.

Wichtig ist, sich frühzeitig über die jeweiligen Voraussetzungen zu informieren. Bei manchen Förderprogrammen muss der Antrag gestellt werden, bevor bestimmte Projektmaßnahmen beginnen.

Corporate Venture Capital: Wenn Unternehmen zu Investoren werden

Auch etablierte Unternehmen investieren in Startups. Dieses Modell wird als Corporate Venture Capital bezeichnet.

Neben finanzieller Unterstützung können junge Unternehmen dadurch Zugang zu industriellen Partnern, Kunden oder Vertriebskanälen erhalten.

Allerdings sollten Gründer darauf achten, dass strategische Interessen des Venture Capital Investors die unternehmerische Unabhängigkeit nicht zu stark einschränken.

Crowdfunding und Crowdinvesting

Über digitale Plattformen können Startups Kapital von einer größeren Zahl einzelner Unterstützer einsammeln.

Beim klassischen Crowdfunding stehen häufig Produkte, Projekte oder Gegenleistungen im Vordergrund. Beim Crowdinvesting beteiligen sich Anleger über unterschiedliche vertragliche Modelle finanziell am Unternehmen.

Welche Form sinnvoll ist, hängt vom Geschäftsmodell, dem Kapitalbedarf und den rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

Wandeldarlehen und Venture Debt

Wandeldarlehen können eine Möglichkeit sein, eine Finanzierung zu überbrücken, ohne sofort eine abschließende Unternehmensbewertung festzulegen. Unter vertraglich vereinbarten Bedingungen kann das Darlehen später in Unternehmensanteile umgewandelt werden.

Venture Debt richtet sich dagegen vor allem an Unternehmen, die bereits eine gewisse Entwicklung erreicht haben und zusätzliches Fremdkapital aufnehmen möchten.

Anders als bei einer Eigenkapitalfinanzierung entstehen dabei Rückzahlungsverpflichtungen. Deshalb müssen die Liquidität und die künftige Finanzierungsfähigkeit sorgfältig geprüft werden.

Warum scheitert die Suche nach Investoren?

Eine Absage von einem Venture-Capital-Fonds bedeutet nicht automatisch, dass die Geschäftsidee schlecht ist.

Manchmal passt das Startup schlicht nicht zur Investmentstrategie. In anderen Fällen ist das Unternehmen noch zu früh dran oder die angestrebte Bewertung erscheint dem Investor zu hoch.

Auch fehlende Nachweise zur Kundennachfrage, unrealistische Finanzplanungen oder unklare Verantwortlichkeiten im Gründerteam können eine Finanzierung erschweren.

Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Fundraising kostet Zeit.

Von den ersten Investorengesprächen bis zur Vertragsunterzeichnung können mehrere Monate vergehen. Hinzu kommen rechtliche Prüfungen, Verhandlungen über Unternehmensanteile und die sogenannte Due Diligence, bei der Investoren das Unternehmen genauer untersuchen.

Wer erst dann nach Kapital sucht, wenn die finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht sind, verschlechtert seine Verhandlungsposition.

Deshalb lohnt es sich, die nächste Finanzierungsrunde frühzeitig vorzubereiten und den Kapitalbedarf realistisch zu planen.

Fazit: Wer 2026 Wagniskapital sucht, braucht die richtige Strategie

Der deutsche Venture-Capital-Markt bietet auch 2026 Chancen. Das gestiegene Investitionsvolumen zeigt, dass Investoren weiterhin bereit sind, erhebliche Summen in junge Technologieunternehmen zu investieren.

Gleichzeitig macht die rückläufige Zahl der Finanzierungsrunden deutlich, dass nicht alle Startups gleichermaßen von dieser Entwicklung profitieren.

Für Gründer kommt es deshalb darauf an, den passenden Investor zu finden, das eigene Geschäftsmodell überzeugend darzustellen und die Finanzierung frühzeitig vorzubereiten.

Ein gutes Netzwerk kann Türen öffnen. Entscheidend bleiben aber die Qualität des Teams, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell und belastbare Fortschritte.

Und manchmal ist die beste Entscheidung, zunächst auf Venture Capital zu verzichten und das Unternehmen mit Fördermitteln, Business Angels oder eigenen Umsätzen weiterzuentwickeln.

Denn eine erfolgreiche Finanzierungsrunde ist noch kein unternehmerischer Erfolg. Sie schafft lediglich die Voraussetzungen dafür, den nächsten Schritt zu gehen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Venture Capital 2026

1. Wie bekommen Startups in Deutschland Venture Capital?

Startups können Wagniskapital über Venture-Capital-Fonds, Business Angels oder Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften erhalten. Entscheidend sind ein überzeugendes Geschäftsmodell, ein geeignetes Gründerteam und nachvollziehbare Wachstumsperspektiven. Ein professionelles Pitch Deck und die gezielte Ansprache passender Investoren erleichtern den Einstieg in Finanzierungsgespräche.

2. Wie viel Venture Capital kann ein Startup bekommen?

Die Höhe einer Finanzierung hängt von der Unternehmensphase, der Branche und dem Kapitalbedarf ab. In frühen Finanzierungsrunden können bereits fünf- oder sechsstellige Beträge relevant sein. Bei wachstumsstarken Technologieunternehmen sind auch Finanzierungen in Millionenhöhe möglich. Einheitliche Mindest- oder Höchstbeträge gibt es nicht.

3. Welche deutschen Venture-Capital-Fonds investieren in Startups?

Zu den etablierten deutschen Investoren gehören der High-Tech Gründerfonds (HTGF), UVC Partners, Project A, Capnamic und Earlybird. Die Fonds unterscheiden sich bei ihren Branchen, Investmentstrategien und bevorzugten Finanzierungsphasen. Gründer sollten deshalb vor der Kontaktaufnahme prüfen, welcher Investor zum eigenen Unternehmen passt.

4. Können Startups ohne Umsatz Venture Capital erhalten?

Ja. Insbesondere in der Pre-Seed- und Seed-Phase investieren Kapitalgeber auch in Startups, die noch keine nennenswerten Umsätze erzielen. Entscheidend können beispielsweise ein erfahrenes Gründerteam, eine innovative Technologie, erste Prototypen oder nachweisbares Kundeninteresse sein. Eine Finanzierung ist allerdings nicht garantiert.

5. Müssen Gründer Venture Capital zurückzahlen?

Klassisches Venture Capital ist Eigenkapital und muss nicht wie ein Bankkredit nach einem festen Tilgungsplan zurückgezahlt werden. Im Gegenzug erhalten Investoren Unternehmensanteile. Anders verhält es sich bei Fremdfinanzierungen wie Venture Debt oder bei Wandeldarlehen, deren Rückzahlungs- und Umwandlungsbedingungen vertraglich geregelt sind.

6. Welche Alternativen zu Venture Capital gibt es für Startups?

Neben klassischen VC-Fonds kommen Business Angels, öffentliche Förderprogramme, Crowdfunding, Crowdinvesting, Bankkredite und die Finanzierung aus eigenen Umsätzen infrage. Welche Möglichkeit sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Geschäftsmodell, der Unternehmensphase und der Bereitschaft ab, Unternehmensanteile abzugeben.

Welche Erfahrungen habt ihr bei der Investorensuche gemacht? Und welche Finanzierungsform kommt für euer Startup infrage? Schreibt uns eure Erfahrungen und Einschätzungen.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – Gorodenkoff

Fertig-Cocktails im Shot-Format: Wie Kölsche Koks in der Höhle der Löwen punkten will

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Kölsche Koks: Die Höhle der Löwen – Cocktail Maximilian Koeser (l.) und Nicolas Lutz präsentieren mit „Kölsche Koks“ einen Espresso-Martini-Shot und Premix. Sie erhoffen sich ein Investment von 600.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Das Startup Kölsche Koks bringt fertig gemixte Cocktail-Kreationen auf den Markt und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Getränkemarke und die Pläne für weiteres Wachstum vorzustellen.

Wie ist die Idee zu Kölsche Koks entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Kölsche Koks ist aus unserer eigenen Gastronomie entstanden. Unser Espresso Martini Shot kam bei den Gästen so gut an, dass wir schnell gemerkt haben: Daraus kann eine eigenständige Marke werden. Heute treibe ich, Nicolas Lutz, als geschäftsführender Gesellschafter die Weiterentwicklung von Kölsche Koks voran.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

Wir sind in der Spirituosen- und Getränkebranche tätig sowie sehr aktiv in der Eventszene unterwegs. Unser Geschäftsmodell verbindet eine starke Marke mit unkomplizierten Cocktail- und Shot-Produkten, die wir über Gastronomie, Handel, Events und unseren Online-Shop vertreiben.

Welches konkrete Problem löst Kölsche Koks und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Ein klassischer Espresso Martini oder Pornstar Martini ist aufwendig zuzubereiten. Wir machen beide einfach und überall verfügbar: fertig gemixt, direkt trinkbar und trotzdem mit echtem Cocktail-Charakter.

Warum habt ihr euch entschieden, mit Kölsche Koks in der Höhle der Löwen zu pitchen?

Für uns war es die Chance, Kölsche Koks einem Millionenpublikum zu zeigen und gleichzeitig einen starken strategischen Partner für die nächste Wachstumsphase zu gewinnen.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe und warum?

Uns war besonders wichtig, einen Löwen zu gewinnen, der Erfahrung im Aufbau von Konsumgütermarken, starke Handelskontakte und echtes Vertriebs-Know-how mitbringt. Genau diese Kombination passt zu unserem nächsten Wachstumsschritt. Spannend wäre, wenn Andreas W. Herb als Gastlöwe dabei ist.

Welche Unterstützung erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Vor allem Unterstützung beim Vertrieb, beim Ausbau unserer Handelspräsenz und beim strategischen Markenaufbau.

Welche nächsten Schritte plant ihr nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen?

Wir wollen unsere Präsenz im Lebensmitteleinzelhandel weiter ausbauen, neue Handelspartner gewinnen und unser Produktsortiment gezielt erweitern. Langfristig soll Kölsche Koks deutschlandweit als starke Getränkemarke im Premium Cocktail Segment etabliert werden.

Welche Erfahrungen waren auf eurem bisherigen Gründerweg besonders wertvoll?

Dass ein gutes Produkt allein nicht reicht. Vertrieb, Geschwindigkeit, konsequente Umsetzung und die Bereitschaft, ständig dazuzulernen, sind mindestens genauso wichtig.

Welche Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Schnell starten, früh echtes Kundenfeedback einholen und den Vertrieb von Anfang an mitdenken. Und vor allem: bei Rückschlägen dranbleiben.

Was unterscheidet eure Produkte optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Kölsche Koks fällt durch den Namen und den eigenständigen Markenauftritt sofort auf. Gleichzeitig ist das Produkt extrem unkompliziert: fertig gemixt, direkt trinkbar und sowohl als Shot als auch als Cocktail einsetzbar.

Wie bereitet ihr euch auf den möglichen Nachfrageansturm nach der Ausstrahlung in der Höhle der Löwen vor?

Wir haben frühzeitig höhere Warenbestände aufgebaut und Produktion, Fulfillment, Logistik und unseren Online-Shop auf deutlich höhere Bestellmengen vorbereitet.

Sehen Sie Kölsche Koks am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Maximilian Koeser (l.) und Nicolas Lutz präsentieren mit „Kölsche Koks“ einen Espresso-Martini-Shot und Premix. Sie erhoffen sich ein Investment von 600.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Maximilian Koeser und Nicolas Lutz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Bio-Rasierkopf ohne Plastik: Wie das Startup Razeco in der Höhle der Löwen überrascht

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Razeco: Rasierer – Die Höhle der Löwen Gründer Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch (v.li.) Foto: RTL

Das Startup Razeco entwickelt Rasierer mit biobasiertem Klingenkopf und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Alternative zu herkömmlichen Plastikrasierern vorzustellen.

Wie ist die Idee zu Razeco entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter Razeco stehen wir drei: die Geschwister Victor und Louisa Haisch und unser Mitgründer Ivo Lovric. In unserer Familie dreht sich seit Jahren viel um Materialien. Sie betreibt Biotech-Unternehmen, die biobasierte Kunststoffe entwickeln, und Louisa führt als Geschäftsführerin die Firma. Angefangen hat alles mit einer Frage, die wir uns selbst gestellt haben. Wir achten darauf, was wir essen, welche Creme wir benutzen, was wir anziehen. Aber beim Rasierer, der jeden Tag direkt auf die Haut kommt, hatten wir keine echte Wahl. Wir haben gesucht und nichts gefunden, das sich anfühlt wie ein gewohnter Rasierer, ohne Plastikkopf und Gelstreifen auskommt und nicht verlangt, dass man sein ganzes System wechselt. Wir haben irgendwann gesagt: Dann bauen wir ihn eben selbst.

In welcher Branche ist Razeco tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

Wir machen Rasierer, also Körperpflege. Ein Massenmarkt, den seit Jahrzehnten ein paar große Konzerne unter sich aufteilen und in dem sich beim Material lange kaum etwas getan hat. Unser Razeco5 hat einen Griff aus Stahl, Stahlklingen und einen Klingenkopf aus biobasiertem Material, zu 99 % frei von fossilem Plastik. Unser wichtigster Kniff: Die Köpfe passen auch auf alle Griffe mit Gillette-Fusion5-Mechanismus und auf Gillette Venus. Wir wollten, dass die bessere Entscheidung die einfachere ist. In Millionen Badezimmern liegt schon ein passender Griff, und den kann man einfach weiter benutzen. Verkauft wird über unseren Shop, gerne im Abo, über Amazon und im Handel.

Welches konkrete Problem löst Razeco und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Fast jeder rasiert sich, und kaum jemand fragt, woraus das Produkt eigentlich besteht. Klingenköpfe sind meistens aus Plastik, viele haben einen Gelstreifen, der sich bei jeder Rasur auf der Haut verteilt. Für uns ist ein Rasierer ein Hautkontaktprodukt und sollte auch so gebaut werden. Bisher gab es zwei Möglichkeiten: den gewohnten Plastikrasierer aus dem Drogerieregal oder einen kompletten Umstieg, etwa auf einen Rasierhobel, mit dem viele erst mal nicht zurechtkommen. Eine Option dazwischen gab es nicht. Genau da setzen wir an. Unser Klingenkopf ist nach TÜV Austria OK Biobased mit vier Sternen zertifiziert, kommt ohne Gelstreifen aus. Die Routine bleibt gleich, nur die Entscheidung ist besser – für die eigene Haut und nebenbei auch für die Umwelt.

Warum habt ihr euch mit Razeco entschieden, in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Ehrlich gesagt, weil wir als kleines Team gegen sehr große Marken antreten. Die haben Werbebudgets, von denen wir nur träumen können. Viele Menschen wissen gar nicht, dass es eine Alternative zu ihrem Rasierer gibt, und die Höhle der Löwen ist eine der wenigen Bühnen, auf denen man das einem großen Publikum zeigen kann. Dazu kommt: Wir wollten Leute an Bord, die schon mal ein Konsumprodukt in den Handel gebracht haben und wissen, wie es dort läuft. Und ein bisschen war es auch der Reiz, uns als Team gemeinsam dieser Situation zu stellen.

Wer war von Anfang an euer Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum würde dieser Investor besonders gut zu Razeco passen?

Einen einzigen Wunschlöwen hatten wir nicht. Uns war wichtiger, wofür jemand steht: Erfahrung im Handel, ein Gespür für Produkte, die man täglich benutzt, und die Überzeugung, dass Menschen bessere Entscheidungen treffen, wenn man es ihnen leicht macht.

Welche Unterstützung erhofft ihr euch von den Investoren in der Höhle der Löwen neben dem Kapital am meisten?

Erfahrung, die man nicht kaufen kann. Wir drei haben schon gelernt, wie man ein Produkt entwickelt und online verkauft. Die richtigen Kontakte im Netzwerk erleichtern den Einstieg in die Drogerie. Genau dort fällt aber die Entscheidung der meisten Menschen, und dort wollen wir die Alternative sein. Da wünschen wir uns jemanden, der uns sagt, wo wir Fehler machen, bevor wir sie machen.

Welche nächsten Schritte plant ihr mit Razeco nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und welche konkreten Pläne gibt es für Wachstum und neue Entwicklungen?

Wir haben unser Sortiment bewusst verkleinert und konzentrieren uns komplett auf den Razeco5 und die Ersatzklingen. Lieber ein Produkt richtig gut als fünf halbe. Im Handel sind wir schon bei Budnikowsky und in den USA bei Erewhon vertreten, das wollen wir ausbauen. Und wenn die Rasur steht, geht es weiter mit Pflegeprodukten. Die Frage bleibt dieselbe: Was kommt eigentlich jeden Tag auf unsere Haut, und warum gibt es dafür so oft keine bessere Wahl?

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg mit Razeco als besonders wertvoll erwiesen?

Die wichtigste Lektion kam früh und war unangenehm. Bei unserer ersten Charge hat sich bei manchen Rasierern der Kopf gelöst. Das Material stand im Griff unter Dauerdruck und hat irgendwann nachgegeben. Wir haben uns zusammengesetzt, den Griff umkonstruiert, und seit der zweiten Charge ist das Problem weg. Seitdem wissen wir: Ein Produkt ist erst fertig, wenn es im Alltag funktioniert, nicht wenn es im Labor funktioniert. Die zweite Lektion: Menschen wollen bessere Entscheidungen treffen, aber nicht auf Kosten ihres Alltags. Und die dritte: Mit Familie zu gründen ist anstrengend und großartig zugleich. Man streitet ehrlicher, aber man weiß auch, dass niemand hinschmeißt.

Welche Ratschläge lassen sich aus euren Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Sucht euch ein Team, in dem jeder etwas anderes kann. Bei uns kommen Material, Produkt und Zahlen aus verschiedenen Köpfen, und genau das hat uns durch schwierige Phasen getragen. Wenn ihr selbst etwas vermisst und es keine Alternative gibt, ist das oft das beste Signal, dass andere es auch vermissen. Verkauft früh an echte Menschen, nicht nur an Freunde. Deren Feedback ist härter, aber ehrlicher. Wenn etwas schiefgeht, redet offen darüber und repariert es schnell. Versucht nicht, die Gewohnheiten von Menschen umzukrempeln, sondern macht die bessere Wahl zur einfachen. Und kümmert euch früh um die langweiligen Dinge: Marken, Verträge, Zertifikate.

Was unterscheidet den Razeco5 im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Im Rasierer-Regal ist meistens alles bunt, glänzend und aus Plastik. Der Razeco5 ist das Gegenteil: ein schlichter Stahlgriff, der sich wertig anfühlt und lange hält, mit einem Klingenkopf aus biobasiertem Material ohne Gelstreifen. Hinzu kommt die Verpackung, die an ein iPhone erinnert. Nachhaltigkeit muss nicht „Öko“ aussehen, sondern muss sich mindestens genauso gut anfühlen und aussehen, wie das, was die Menschen bisher kennen.

Wie bereitet ihr bei Razeco eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den möglichen Nachfrageansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Gemeinsam haben wir den kompletten Bestellweg immer wieder durchgespielt, von der Startseite über den Warenkorb bis zur Zahlung und zur Bestätigungsmail. Wir haben getestet, was wir testen konnten: verschiedene Geräte, verschiedene Zahlungsarten, Abo und Einzelkauf, viele Bestellungen gleichzeitig. Generell war Austausch und die Frage nach dem besten Vorgehen, wenn es schnell und viel sein muss, eine sehr zentrale in den letzten Wochen.

Sehen Sie Razeco am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Gründer Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch (v.li.) Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Louisa Haisch und Victor Haisch und Ivo Lovric für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kaufkraft durch Bewegung: Wie move2pay in der Höhle der Löwen mit „Movement Commerce“ überzeugen will

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move2pay: Bewegung in Die Höhle der Löwen Gründer Mia Allouche und Karim Allouche, move2pay und Markenbotschafter Steffen Baumgart (v.re.) Foto: RTL

Das Startup move2pay verwandelt Bewegung in Shopping-Guthaben und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um sein Geschäftsmodell vorzustellen.

Wie ist die Idee zu move2pay entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Die Idee zu move2pay entstand aus einer einfachen Frage: Warum belohnen wir Konsum, Loyalität und Umsatz – aber nicht das Verhalten, das für unsere Gesundheit am wichtigsten ist: Bewegung?

Ich habe mich schon lange mit dem Thema Prävention und der Frage beschäftigt, wie man Menschen nachhaltig zu mehr Bewegung motivieren kann. Daraus entstand die Vision, Bewegung einen echten wirtschaftlichen Wert zu geben. Gemeinsam mit meiner Tochter Mia und unserem Team haben wir daraus move2pay entwickelt.

Heute bauen wir mit der SVAX GmbH eine Plattform an der Schnittstelle von Digital Health, E-Commerce und Plattformökonomie auf. Unser Ziel ist es, eine neue Kategorie zu etablieren: Movement Commerce – also Bewegung in reale Kaufkraft zu verwandeln.

In welcher Branche ist move2pay tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

move2pay verbindet Digital Health mit E-Commerce. Nutzer verbinden ihre Health- oder Fitness-App mit move2pay, sammeln durch ihre tägliche Bewegung Shopping-Guthaben und können damit bei unseren Shop-Partnern einen Teil ihres Einkaufs bezahlen.

Das Besondere daran: Unsere Nutzer erhalten keinen klassischen Rabatt. Wir verhandeln mit unseren Shop-Partnern einen Einkaufs- beziehungsweise Margenanteil und verwandeln diesen wirtschaftlichen Vorteil in Shopping-Guthaben für Bewegung. Der reguläre Produktwert bleibt damit sichtbar, während Bewegung zur zusätzlichen Kaufkraft wird.

Für Marken entsteht gleichzeitig ein neuer Vertriebskanal, über den sie gesundheitsbewusste und aktive Konsumenten erreichen und Bewegung gezielt als Kaufanreiz einsetzen können.

Welches konkrete Problem löst move2pay und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Es gibt heute Milliarden von Menschen, die ihre Schritte, Workouts und Gesundheitsdaten über Smartphones, Smartwatches und Fitness-Apps erfassen. Gleichzeitig bewegen sich sehr viele Menschen zu wenig.

Bisher haben diese Daten für die Nutzer jedoch kaum einen direkten wirtschaftlichen Wert.

Genau hier setzt move2pay an: Wir machen Bewegung messbar wertvoll. Nutzer werden für etwas belohnt, das ihrer Gesundheit zugutekommt, und Marken erhalten gleichzeitig einen neuen Mechanismus, um Kunden zu aktivieren und zusätzlichen Umsatz zu generieren.

Wir verbinden damit erstmals Bewegung, Gesundheitsdaten und Commerce in einem durchgängigen Geschäftsmodell.

Warum habt ihr euch mit move2pay entschieden, in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Die Höhle der Löwen ist für ein Geschäftsmodell wie move2pay eine außergewöhnliche Plattform, weil wir unser Konzept innerhalb weniger Minuten einem Millionenpublikum erklären können.

Für uns ging es dabei nicht nur um Kapital. Die Sendung bietet die Möglichkeit, eine völlig neue Idee – Bewegung als Kaufkraft – sehr schnell bekannt zu machen und gleichzeitig potenzielle Nutzer, Markenpartner und strategische Partner zu erreichen.

Gleichzeitig wollten wir unser Geschäftsmodell vor sehr erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern auf den Prüfstand stellen. Gerade in einer frühen Wachstumsphase ist dieses Feedback enorm wertvoll.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Unser Wunschlöwe war von Anfang an Frank Thelen.

Für uns ist vor allem seine Erfahrung beim Aufbau und bei der Skalierung digitaler Geschäftsmodelle interessant. move2pay soll langfristig weit über den österreichischen Markt hinaus wachsen. Dafür braucht es neben Kapital vor allem Erfahrung bei Skalierung, Finanzierung und Internationalisierung sowie ein starkes unternehmerisches Netzwerk.

Genau diese Kombination war für uns besonders spannend.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren in der Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Für uns sind Netzwerk und Skalierungserfahrung fast genauso wichtig wie Kapital.

move2pay ist ein Plattformmodell. Je mehr attraktive Marken wir auf der einen und Nutzer auf der anderen Seite gewinnen, desto stärker wird das gesamte Ökosystem.

Besonders wertvoll sind deshalb Kontakte zu großen Marken und strategischen Partnern sowie Erfahrung bei User Acquisition, Vertrieb, Finanzierung und Internationalisierung.

Unser Ziel ist nicht, einfach nur eine App größer zu machen, sondern eine neue Kategorie im Commerce aufzubauen.

Welche nächsten Schritte plant ihr mit move2pay nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und welche konkreten Pläne gibt es für Wachstum und Skalierung?

Unser Fokus liegt klar auf Skalierung.

Aktuell arbeiten wir bereits mit rund 60 Shops und Marken zusammen und bauen dieses Netzwerk kontinuierlich aus. Parallel wollen wir die Zahl unserer Nutzer deutlich steigern und move2pay technologisch weiterentwickeln.

Neben der App bauen wir den Marketplace weiter aus und arbeiten unter anderem an einem Webshop, einer Shopify-Integration sowie perspektivisch an Lösungen für den stationären Handel.

Langfristig soll Bewegung nicht nur innerhalb der move2pay-App einen Wert haben. Unsere Vision ist, dass „Pay with move2pay“ zu einer eigenen Bezahloption wird – online und offline.

Gleichzeitig wollen wir unsere Daten- und AI-Komponenten ausbauen und Nutzern zukünftig noch stärker dabei helfen, Bewegung, Ernährung, Schlaf und andere gesundheitsrelevante Faktoren zu verstehen und positiv zu beeinflussen.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg mit move2pay als besonders wertvoll erwiesen?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für uns, wie entscheidend Geschwindigkeit und echtes Nutzerfeedback sind.

Man kann sehr lange über Produkte, Funktionen und Geschäftsmodelle nachdenken. Am Ende lernt man aber am meisten, wenn echte Nutzer das Produkt verwenden und echte Partner bereit sind, damit Geschäfte zu machen.

Eine zweite wichtige Erkenntnis ist, dass man als Startup sehr klar priorisieren muss. Ressourcen sind immer begrenzt. Deshalb muss man ständig entscheiden, welche wenigen Dinge gerade wirklich Wachstum oder Produktqualität voranbringen.

Und vielleicht am wichtigsten: Eine starke Vision ist wichtig – aber man darf sich nicht in die erste Version des Weges verlieben. Die Vision kann gleich bleiben, während sich das Geschäftsmodell und das Produkt auf dem Weg dorthin mehrfach verändern.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

So früh wie möglich mit echten Kunden sprechen und das Produkt in den Markt bringen.

Nicht darauf warten, bis alles perfekt ist. Die wichtigsten Erkenntnisse kommen meistens erst dann, wenn Menschen tatsächlich bereit sind, das Produkt zu nutzen oder dafür zu bezahlen.

Gleichzeitig sollte man sich sehr genau überlegen, welches eine Problem man wirklich lösen möchte. Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, gleichzeitig zehn Dinge zu bauen.

Und man sollte Ausdauer nicht unterschätzen. Startups entwickeln sich selten linear. Entscheidend ist, schnell zu lernen, Dinge zu verändern, wenn sie nicht funktionieren, und trotzdem konsequent an der übergeordneten Vision festzuhalten.

Welches spezifische Problem löst die Technologie von move2pay für Firmenkunden und wie messbar ist dieser Vorteil?

Für unsere Markenpartner lösen wir vor allem ein Problem: Wie schafft man einen zusätzlichen Kaufanreiz, ohne die eigene Marke permanent über klassische Rabatte zu entwerten?

Über move2pay können Marken einen Teil des Produktpreises mit Bewegung bezahlbar machen. Der Kunde erlebt dadurch einen starken Preisvorteil, gleichzeitig bleibt der reguläre Produktwert beziehungsweise UVP sichtbar.

Für die Marke entsteht damit ein neuer Performance- und Vertriebskanal.

Der Vorteil ist sehr konkret messbar: von Reichweite und Aktivierung über Klicks und Neukunden bis hin zu Bestellungen, Warenkorb und Umsatz. Langfristig wollen wir Marken diese Daten in einem eigenen Self-Service-Dashboard transparent zur Verfügung stellen.

Wie sieht eure Strategie aus, um B2B-Kunden zu gewinnen, und welche Rolle spielt der Auftritt in der Höhle der Löwen für die Markenbekanntheit von move2pay?

Unser stärkstes Argument im B2B-Bereich ist der tatsächliche Zugang zu einer aktiven Community.

Wir wollen Marken nicht einfach Werbefläche verkaufen, sondern zusätzliche Kunden und Umsatz bringen. Deshalb wachsen beide Seiten unseres Marktplatzes gemeinsam: Je größer unsere Nutzerbasis wird, desto interessanter wird move2pay für Marken. Und je attraktiver die Marken auf der Plattform werden, desto interessanter wird move2pay für Nutzer.

Die Höhle der Löwen kann diesen Netzwerkeffekt erheblich beschleunigen. Die enorme Bekanntheit der Sendung hilft uns nicht nur bei der Gewinnung neuer Nutzer, sondern macht move2pay gleichzeitig für deutlich mehr Marken und potenzielle strategische Partner sichtbar.

Unser Ziel ist, dass Marken künftig nicht mehr nur darüber nachdenken, wie viel Rabatt sie geben, sondern wie viel Bewegung sie ihren Kunden ermöglichen können.

Sehen Sie move2pay am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Gründer Mia Allouche und Karim Allouche, move2pay und Markenbotschafter Steffen Baumgart (v.re.) 
Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Mia Allouche und Karim Allouche für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sammlerobjekte im Depot: Wie Collectible Invst Sachwerte als Wertpapier nutzbar macht

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Malte_Haeusler_Collectible_Invst

Collectible Invst macht Sammlerobjekte über ein depotfähiges Wertpapier für Anleger zugänglich und bündelt dafür verschiedene Sammlermärkte in einem Portfolio.

Malte, stell dich und Collectible Invst bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, Sammlerobjekte als eigenständige Anlageklasse zugänglich zu machen?

Ich bin Malte Häusler, CEO und Co-Founder von Timeless Investments in Berlin. Davor war ich gut 20 Jahre in der Managementberatung, bei Zalando und in E-Commerce- und Finance-Führungsrollen. Die Idee kam über Umwege aus unserer ersten Gründungsidee, einem Marktplatz für besondere Fahrzeuge mit lückenlosem digitalen Nachweis. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass diese Sammler-Märkte über Jahrzehnte stabile Wertentwicklungen gezeigt haben. Trotzdem war der Zugang fast nur Insidern mit viel Kapital und Expertise vorbehalten. Mit Timeless haben wir das geändert: Über 80.000 Kunden investieren bei uns digital und in Bruchteilen. Collectible Invst ist der nächste Schritt. Es ist ein depotfähiges Wertpapier, das Sammlerobjekte dorthin bringt, wo professionelles Vermögen verwaltet wird: ins Wertpapierdepot.

Mit Collectible Invst wollt ihr einen Markt verändern, der bisher stark von Sammlern und Liebhabern geprägt ist. Welche Lücke habt ihr darin erkannt?

Sammlermärkte sind riesig, aber für Anleger strukturell verschlossen. Drei Hürden sind entscheidend: hohe Einstiegssummen, fehlende Expertise und kein geregelter Zugang. Ein Vermögensverwalter kann für seine Kunden keine Rolex oder keinen Premium Fahrzeug wie Porsche oder Ferrari ins Depot legen. Genau hier fehlte ein Produkt mit drei Eigenschaften: zugänglich, depotfähig und breit gestreut. Ein Instrument, das sich in bestehende Prozesse von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices einfügt, statt eine neue App oder Plattform zu verlangen. Diese Brücke zwischen der Welt der Sammler und der Welt der Kapitalanlage bauen wir.

Ihr habt ein Wertpapier entwickelt, das Investments in sechs verschiedene Sammlermärkte bündelt. Wie funktioniert dieses Modell und welche Vorteile soll es Anlegern bieten?

Collectible Invst ist eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit ISIN und WKN. Emittentin ist unsere Zweckgesellschaft NH Collectible 1 GmbH. Das eingesammelte Kapital fließt in ein Portfolio aus sechs Sammlermärkten: Luxusuhren, Kunst, Spirituosen, Automobile, Edelsteine und einzigartige Memorabilien. Für Anleger hat das drei Vorteile:

  • Streuung: kein Einzelobjekt-Risiko, sondern ein Korb über mehrere Märkte mit unterschiedlichen Zyklen.
  • Einfachheit: Zeichnung und Verwahrung erfolgen wie bei jedem anderen Wertpapier, über das eigene Depot.
  • Expertise: Auswahl, Ankauf, Lagerung, Versicherung und Verkauf übernehmen wir. Dafür greifen wir auf die Erfahrung aus über 45 Mio. Euro tokenisiertem Volumen zurück.

Kunst, Luxusuhren, Oldtimer und Pokémon-Karten unterscheiden sich erheblich. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Märkte und Objekte für ein Investment infrage kommen?

Wir investieren nicht nach Bauchgefühl, sondern nach klaren Kriterien. Auf Marktebene schauen wir auf folgende Punkte:

  • Gibt es eine globale, liquide Nachfrage?
  • Gibt es verlässliche Preisdaten aus Auktionen und dem Sekundärmarkt?
  • Ist die Knappheit und der Objektzustand nachweisbar und dokumentiert?

Auf Objektebene zählen Provenienz, Zustand, Authentizität, Seltenheit und Exit-Fähigkeit. Bevor ein Objekt ins Portfolio kommt, durchläuft es unser Asset Review Council. Dort bewerten interne und externe Experten jedes Asset. Die Märkte unterscheiden sich stark, aber die Logik dahinter ist dieselbe: Wir kaufen nur, was wir auch wieder verkaufen können.

Bei Collectible Invst setzt ihr auf Künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen. Wie helfen euch diese Technologien dabei, den Wert einzelner Sammlerobjekte einzuschätzen?

Sammlermärkte erzeugen enorme Datenmengen, aber sie sind fragmentiert. Wir haben Auktionsergebnisse, Händlerpreise, Sekundärmarkt-Transaktionen und Nachfragesignale. Datenbasierte Modelle helfen uns, diese Daten zusammenzuführen, Preistrends früh zu erkennen und Ausreißer zu identifizieren. So sehen wir zum Beispiel, wann eine Uhrenreferenz im Vergleich zu ihrer Historie günstig bewertet ist. KI ersetzt dabei nicht den Experten, sie macht ihn schneller und präziser. Wir haben wir ein datengestützes analytisches Tool mit aktuell mehr als 30 Datenquellen (und vor allem auch unsere eigenen Daten aus der aufgebauten Expertise von mehr als 1.000 Sourcings seit 2021). Die finale Entscheidung für ein neues Asset auf der Plattform trifft natürlich immer ein Mensch.

Anders als bei Aktien gibt es für viele Sammlerobjekte keine einheitlichen Marktpreise. Wie geht ihr mit fehlender Transparenz und schwer vergleichbaren Bewertungen um?

Wir gehen das Problem offen an. Sammlerobjekte haben keinen täglichen Börsenkurs, und das sollte man auch nicht vortäuschen. Wir arbeiten deshalb mit drei Mitteln:

  • Breite Datenbasis: Vergleichstransaktionen aus mehreren Quellen statt eines einzelnen Preisanker.
  • Unabhängige Expertise: Bewertungen und Echtheitsprüfungen durch Spezialisten und Partner aus dem Auktionswesen.
  • Konservative Annahmen: lieber vorsichtig bewerten als Erwartungen schüren, die der Markt nicht erfüllt.

Transparenz heißt für uns auch, klar zu kommunizieren, wie wir bewerten und wo die Grenzen dieser Bewertung liegen.

Welche Anleger möchtet ihr mit Collectible Invst erreichen und wie erklärt ihr ihnen die besonderen Chancen und Risiken dieser Anlageklasse?

Unsere Zielgruppe sind zum einen Vermögensverwalter, Banken und institutionelle Investoren, die ihren Kunden echte Diversifikation jenseits von Aktien und Anleihen bieten wollen. Zum anderen erreichen wir Privatanleger, die Sammlerobjekte spannend finden, aber kein Einzelrisiko eingehen wollen. Bei der Kommunikation ist uns Ehrlichkeit wichtig. Die Chance liegt in einer Anlageklasse mit eigener Dynamik und geringer Korrelation zu klassischen Märkten. Die Risiken benennen wir genauso deutlich: Es handelt sich um ein Nachrangprodukt, ein Totalverlust ist möglich, die Liquidität ist begrenzt und Wertentwicklungen sind nicht garantiert. Das steht klar im Basisinformationsblatt, und das sage ich auch persönlich jedem, der mit mir spricht.

Was unterscheidet euer Geschäftsmodell von klassischen Investmentprodukten und dem direkten Kauf einzelner Sammlerobjekte?

Gegenüber klassischen Produkten bieten wir Zugang zu einer Anlageklasse, die in keinem Aktien-ETF und keinem Mischfonds vorkommt. Gegenüber dem Direktkauf ist der Unterschied noch größer. Wer selbst eine Patek Philippe kauft, braucht sechsstelliges Kapital, Expertise gegen Fälschungen, Lagerung, Versicherung und einen Plan für den Verkauf. Und er trägt das volle Risiko eines einzelnen Objekts. Bei uns zeichnet man ein Wertpapier, ist breit gestreut und gibt die operative Komplexität ab. Auch gegenüber tokenisierten Angeboten, unser eigenes Timeless eingeschlossen, gibt es einen Unterschied: Collectible Invst funktioniert im Depot, also genau dort, wo professionelles Geld liegt.

Ein Wertpapier auf Basis unterschiedlicher Sammlermärkte bringt besondere regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen mit sich. Welche Herausforderungen musstet ihr bei der Entwicklung bewältigen?

Ein Wertpapier auf Sachwertbasis zu strukturieren heißt, sich gleichzeitig mit Kapitalmarktrecht, Steuern und operativen Fragen auseinanderzusetzen. Wir haben dafür eine eigene Zweckgesellschaft gegründet und die Anleihe depotfähig aufgesetzt. Bei Versicherung, Verwahrung und Dokumentation hat jedes Detail Gewicht. Dazu kommt ein regulatorisches Umfeld, das sich laufend bewegt: Die Aufsichtspraxis verändert sich, und wir passen uns an. Unser Vorteil ist, dass wir mit Timeless schon heute nach der MiCAR-reguliert sind und unter einem Haftungsdach arbeiten. Regulierung ist für uns kein Hindernis, sondern Teil des Produkts.

Alternative Investments werden häufig mit hohen Renditechancen verbunden. Welche Risiken werden aus deiner Sicht unterschätzt, insbesondere bei Liquidität und Wertentwicklung?

An erster Stelle steht die Liquidität. Sammlerobjekte lassen sich nicht per Klick verkaufen. Ein guter Exit braucht Zeit und den richtigen Moment. Wer jederzeit an sein Geld muss, ist hier falsch. Zweitens die Bewertung: Ein Preis existiert erst, wenn jemand ihn bezahlt. Zwischenbewertungen sind Schätzungen, keine Kurse. Drittens die Zyklen. Auch Sammlermärkte haben Übertreibungen, das hat man bei Uhren und Trading Cards in den letzten Jahren deutlich gesehen. Und viertens die Konzentration: Wer alles auf ein Objekt oder einen Hype setzt, spekuliert, statt zu investieren. Genau deshalb setzen wir auf Streuung, Disziplin beim Einkauf und einen langen Anlagehorizont.

Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit Collectible Invst und welche weiteren Entwicklungen oder Anlagebereiche könnten künftig interessant werden?

Unsere Vision ist, Sammlerobjekte als selbstverständliche Beimischung in jedem gut diversifizierten Portfolio zu etablieren, so wie Immobilien oder Gold heute. Collectible Invst 1 ist der Anfang einer Serie. Denkbar sind weitere Emissionen mit eigenen Schwerpunkten, etwa auf einzelne Märkte oder Risikoprofile. Bei neuen Anlagebereichen beobachten wir sehr genau, wo sich Nachfrage, Datenlage und Knappheit verbinden. Dazu gehören Mineralien, Memorabilia aus Sport und Musik und Raritäten mit globaler Sammlerbasis. Parallel bauen wir die Distribution über Banken, Broker und Vermögensverwalter aus, denn das Produkt muss dort hin, wo die Anleger sind.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die einen traditionellen Markt mit einem innovativen Finanzprodukt verändern möchten?

  1. Regulierung früh mitdenken. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wer sie als Erster beherrscht, hat einen Burggraben.
  2. Den Markt lieben, aber verstehe deine Zahlen. Leidenschaft für das Produkt ist dein Antrieb. Disziplin bei der Bewertung entscheidet über das Vertrauen deiner Anleger.
  3. Dort hingehen, wo deine Kunden schon sind. Innovation muss sich in bestehende Gewohnheiten einfügen. Für uns heißt das: ins Depot, nicht nur in eine neue App.

Bildcredits Collectible Invst

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI für Samtpfoten: Wie die App MiaoSense die Körpersprache von Katzen entschlüsselt

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MiaoSense: App erkennt die Stimmung von Katzen KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

MiaoSense ist eine App, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Körpersprache von Katzen analysiert und ihre Stimmung einschätzt. Entwickler Robert Sommer erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert, warum sämtliche Analysen direkt auf dem Smartphone stattfinden und welche Grenzen die KI hat.

Robert, kannst du dich und MiaoSense kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine App zur Einschätzung der Stimmung von Katzen zu entwickeln?

Ich bin Robert Sommer und habe MiaoSense in München entwickelt. MiaoSense ist eine Android-App zur visuellen Analyse der Stimmung von Katzen: Man richtet die Smartphone-Kamera auf eine Katze, und die App schätzt anhand der Körpersprache ein, in welcher Stimmung das Tier gerade ist. Anfangs war ich nur neugierig, ob KI die Mimik und Körpersprache von Katzen überhaupt auswerten kann. Mit der Zeit verstand ich, was möglich sein würde, und entschloss mich dazu, ein entsprechendes Projekt zu konzipieren, zu entwickeln und schließlich sogar auf den Markt zu bringen.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben dich dazu gebracht, dich mit der Körpersprache von Katzen zu beschäftigen und daraus eine digitale Anwendung zu entwickeln?

Auch wenn wir selbst schon seit einigen Jahren Katzen haben und uns auch recht gut damit auskennen, so kann es gerade für Anfänger in der Katzenhaltung oder Menschen, die noch davor stehen, sich eine oder mehrere Katzen anzuschaffen, durchaus eine Herausforderung sein, die Körpersprache von Katzen einzuschätzen. Daher will ich ihnen mit MiaoSense ein Hilfsmittel an die Hand geben, die Stimmung ihrer Katze einzuschätzen.

MiaoSense nutzt künstliche Intelligenz, um anhand der Körpersprache die Stimmung einer Katze einzuschätzen. Wie funktioniert die Analyse und welche Verhaltensmerkmale berücksichtigt die App dabei?

Zunächst einmal muss die App die Katze im Kamerabild erkennen: Ist überhaupt etwas im Kamerabild, und ist das, was dort zu sehen ist, überhaupt eine Katze? Danach wertet sie drei Dinge aus: Mimik, Körperhaltung und Bewegung. Daraus entsteht eine wahrscheinlichkeitsbasierte Einschätzung der Stimmung. Das Ergebnis erscheint live im Bild, als farbiger Rahmen um die Katze, darüber die eingeschätzte Stimmung und wie sicher sich die App dabei ist. Diese Angabe ist mir wichtig, weil sie offenlegt, wie sicher sich die App bei ihrer eigenen Einschätzung ist. Sie ist ein Hinweis und keine Garantie.

Katzen kommunizieren häufig über subtile Veränderungen ihrer Körperhaltung und Mimik. Welche Herausforderungen entstehen bei der Interpretation dieser Signale und wo liegen die Grenzen deiner Technologie?

Ein einzelnes Signal sagt bei Katzen wenig. Ohren, Augen, Schwanz und Haltung ergeben erst zusammen ein Bild, und auch das bleibt eine Deutung. Praktisch gibt es klare Grenzen: Bei schlechtem Licht, aus größerer Entfernung oder wenn die Katze nur halb im Bild ist, wird die Einschätzung unsicherer. Dann sollte man das Ergebnis besonders vorsichtig lesen bzw. das Tier unter entsprechend optimierten Umgebungsbedingungen analysieren lassen. Eine Katze, die lebhaft durch den Raum läuft, ist schwerer zu verfolgen als eine, die ruhig sitzt. Und manche Katzen reagieren auf das Handy selbst, was das Aufnehmen erschwert. Die grundsätzliche Grenze ist eine andere: MiaoSense schätzt Stimmung ein. Die Gesundheit der Katze beurteilt die App nicht.

Du hast dich bewusst dafür entschieden, die KI vollständig auf dem Smartphone auszuführen. Warum verzichtest du auf eine Cloud-Anbindung und welche technischen Herausforderungen bringt dieser Ansatz mit sich?

Eine Kamera, die ins Wohn- oder Schlafzimmer zeigt, sieht mehr als nur die Katze. Diese Bilder sollen dort ausgewertet werden, wo sie entstehen. Alle KI-Modelle sind Teil der App und laufen auf dem Prozessor des Telefons. Fotos, Audiodaten und Analyseergebnisse werden nicht in eine Cloud übertragen, und es gibt keinen Server, auf den Bilder hochgeladen würden. Nebenbei funktioniert die Analyse dadurch auch ohne Internetverbindung. Die Herausforderung: Die Modelle müssen klein und schnell genug sein, um auf ganz unterschiedlichen Android-Geräten live mitzulaufen, und trotzdem brauchbare Ergebnisse liefern. In der Cloud könnte man einfach mehr Rechenleistung einsetzen, auf dem Handy nicht.

MiaoSense benötigt kein Nutzerkonto und verarbeitet die Analysen direkt auf dem Gerät. Welche Bedeutung haben Datenschutz und eine möglichst unkomplizierte Nutzung für dein Produktkonzept?

Beides hängt zusammen. Die App startet ohne Anmeldung, man muss weder eine E-Mail-Adresse angeben noch ein Passwort anlegen. Gleichzeitig gibt es keinen MiaoSense-Server, auf dem Daten von Nutzern gespeichert würden. Verlauf und Profile liegen nur lokal auf dem Handy. Wer seine Daten entfernen möchte, löscht sie in den Einstellungen mit einer bestätigten Aktion aus der App. Das Recht auf Löschung ist damit technisch umgesetzt und nicht nur als Antragsweg beschrieben.

Die App liefert eine Einschätzung und ausdrücklich keinen tierärztlichen Befund. Wie stellst du sicher, dass Nutzer die Ergebnisse richtig einordnen und mögliche gesundheitliche Probleme ihrer Katze nicht übersehen?

Beim ersten Start erscheint ein Hinweis, dass MiaoSense eine Einschätzung liefert und keinen Befund. Erst wenn man ausdrücklich zustimmt, lässt sich die App verwenden. Zu jeder Einschätzung zeigt die App außerdem an, wie sicher sie ist. Wer sich Sorgen um seine Katze macht, sollte in die Tierarztpraxis gehen. Der Verlauf in der App kann dort höchstens eine Gedächtnisstütze sein, weil er frühere Beobachtungen neben die von heute legt. MiaoSense ist nicht dafür gedacht, tierärztliche Befunde zu liefern, und will das auch nicht.

Mit drei kostenlosen Analysen können Nutzer MiaoSense zunächst ausprobieren, bevor sie die Vollversion einmalig erwerben. Warum hast du dich gegen ein Abonnement entschieden und wie möchtest du die langfristige Weiterentwicklung finanzieren?

Eine App, die man ab und zu öffnet, um nach seiner Katze zu sehen, rechtfertigt für mich keine monatliche Gebühr. Und weil alles auf dem Gerät läuft, entstehen pro Analyse keine Serverkosten, die ein Abo decken müsste. Drei Analysen, ein Katzenprofil und der Verlauf der letzten sieben Tage sind kostenlos. Die Vollversion kostet in der Eurozone einmalig 7,99 Euro (Stand Oktober 2026) inklusive Mehrwertsteuer und schaltet unbegrenzte Analysen, mehrere Katzenprofile mit eigenem Verlauf, eine Aktivitäts-Heatmap und einen Wochenvergleich frei. Die Weiterentwicklung finanziere ich momentan eigenständig.

MiaoSense ist bereits in acht Sprachen bei Google Play verfügbar. Welche Zielgruppen möchtest du damit erreichen und welche Herausforderungen bringt die internationale Vermarktung einer solchen Spezialanwendung mit sich?

Die App gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Japanisch und Koreanisch. Zielgruppe sind Menschen, die die Körpersprache ihrer Katze genauer ansehen wollen, und die gibt es in jedem dieser Länder. Die Schwierigkeit liegt weniger in der Übersetzung als in der Wirkung der Worte. Ein Begriff für eine Stimmung klingt nicht in jeder Sprache gleich nüchtern, und was in der einen Sprache eine vorsichtige Einschätzung ist, kann in der anderen wie ein Versprechen klingen. Dazu kommt, dass jedes Land eigene Medien und eigene Gewohnheiten hat, wie man über Produkte berichtet. Zum Glück bin ich sprachbegabt und habe mindestens Anfängerkenntnisse in den aktuell unterstützten Sprachen, um wenigstens einschätzen zu können, ob eine Übersetzung passt oder daneben liegt. Da ich auch häufig die kulturellen und lokalen Befindlichkeiten einzuschätzen weiß, kann ich die internationale Vermarktung eigentlich recht gut steuern. Natürlich wäre die zusätzliche Unterstützung von Muttersprachlern hilfreich.

Du hast MiaoSense in München entwickelt. Welche technischen und unternehmerischen Herausforderungen musstest du bisher meistern und welche Erfahrungen haben dich dabei besonders geprägt?

Technisch war die größte Aufgabe, die analytische, visuelle Erkennung so klein zu bekommen, dass sie live auf dem Handy läuft. Vor der Veröffentlichung musste die App außerdem einen geschlossenen Test bei Google Play mit echten Testern durchlaufen. Die Rückmeldungen daraus haben die App spürbar verändert. Unternehmerisch war und ist für mich natürlich der Schritt in die Selbständigkeit eine gewisse Herausforderung und zugleich auch eine Befreiung.

Welche Rückmeldungen hast du seit der Veröffentlichung von Katzenhaltern erhalten und welche neuen Funktionen oder Verbesserungen möchtest du künftig umsetzen?

Vor der Veröffentlichung hat MiaoSense einen geschlossenen Test bei Google Play durchlaufen. Von den Testerinnen und Testern, die den abschließenden Fragebogen beantwortet haben, hatten alle die Live-Analyse, den Verlauf und die Katzenprofile genutzt, die meisten fast täglich, und niemand meldete einen Absturz. Alle gaben an, die Anzeige habe meistens zu dem gepasst, was sie selbst an ihrer Katze beobachtet haben. Das ist eine kleine Gruppe und keine Messung der Genauigkeit, aber ein ermutigender Anfang.

Genauso wichtig waren die kritischen Hinweise. Eine Testerin schrieb, dass die App draußen die Katze oft nur erkennt, wenn man sehr nah herangeht. Eine andere hat aus Neugier einen Schlüsselanhänger in Katzenform vor die Kamera gehalten und eine Stimmung angezeigt bekommen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Unsicherheit sichtbar zu machen, statt ein Ergebnis einfach anzuzeigen. Seit der Veröffentlichung kam bei Google Play der Hinweis, dass die App eine lebhaft herumlaufende Katze schwer verfolgen kann. Als Zielgruppe nannten die Testerinnen und Tester übrigens am häufigsten Haushalte mit mehreren Katzen und Menschen, die gerade erst eine Katze bekommen haben.

Daraus ergibt sich, was als Nächstes kommt: das Verfolgen von Katzen in Bewegung, eine bessere Erkennung auf Entfernung und im Freien sowie natürlich die kontinuierliche Verbesserung der Analysemodelle. Ebenfalls weit oben steht die Analyse von Lautäußerungen; eine Testerin, die seit Jahrzehnten Katzen hält, hat von sich aus danach gefragt. Sie soll die vorhandene Auswertung von Mimik, Haltung und Bewegung ergänzen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit künstlicher Intelligenz eine eigene App entwickeln und dabei bewusst auf Datenschutz, einfache Bedienung und ein transparentes Preismodell setzen möchten?

Erstens: Schreibt früh auf, was eure KI nicht kann, und sagt es den Nutzern in der App selbst. Das schützt die Nutzer und euch. Überhaupt: Seid ehrlich! Zu euch selbst und zu euren Nutzern. Zweitens: Datenschutz beginnt bei der Architektur. Daten, die das Gerät nie verlassen, muss man nicht auf einem Server absichern. Drittens: Macht den Preis so einfach, dass man ihn in einem Satz erklären kann. Wer erst rechnen muss, was ihn eine App am Ende kostet, kauft sie eher nicht.

KI-generierte Einschätzung, kein medizinischer oder diagnostischer Befund. Ersetzt keine tierärztliche Beurteilung.

Bild KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

Wir bedanken uns bei Robert Sommer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Compliance by Design:Warum Startups regulatorisch früher ready sein sollten

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Compliance: Datenschutz und Informationssicherheit Autor: Dr. Martin Mühlpfordt

Die Demo steht, das MVP funktioniert – und dann kommt der Enterprise-Kunde mit einem Vendor-Fragebogen. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Features und Product-Market-Fit, sondern um Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung. Für Startups ist Compliance deshalb kein späteres Backoffice-Thema. Sie wird zum Teil des Produkts, des Sales-Prozesses und der Finanzierungsstory.

Das ist nicht nur Theorie: Im Bitkom Startup Report 2025 nannten 33 Prozent der teilnehmenden Tech-Startups Anforderungen an den Datenschutz beziehungsweise die rechtliche Verwendbarkeit von Daten als größtes Hemmnis beim KI-Einsatz. 27 Prozent verwiesen auf rechtliche Hürden und Unsicherheiten, etwa im Zusammenhang mit dem AI-Act. Die Befragung von Bitkom Research aus dem Frühjahr 2025 ist zwar nicht repräsentativ, liefert aber ein aktuelles Stimmungsbild der Szene.

Die drei Compliance-Bausteine

Neben Gesellschafts-, Handels- und Steuerrecht sollten Gründerinnen und Gründer drei Themen früh auf die Produkt-Roadmap setzen: Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung.

Datenschutz betrifft den Umgang mit personenbezogenen Daten. Sofern die geplante Dienstleistung die Verarbeitung personenbezogener Daten der Kunden beinhaltet, so muss im B2B-Umfeld die Rolle eines Auftragsverarbeiters entsprechend der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unbedingt verinnerlicht werden.

Informationssicherheit schützt geschäftskritische Informationen vor Verlust, Manipulation und unbefugtem Zugriff. Für den Datenschutz ist es das technische und organisatorische Fundament. Je nach Branche werden Dienstleister von ihren Kunden zunehmend kritisch unter die Lupe genommen.

KI-Regulierung greift, wenn künstliche Intelligenz Bestandteil des Produkts oder eines internen Prozesses ist und folgt aus der EU-KI-Verordnung. Sofern künstliche Intelligenz ein wichtiges Element im Produkt werden soll, müssen Anbieterpflichten erfüllt werden. Diese hängen vom Risikograd des KI-Einsatzes ab.

Entscheidend ist für junge Unternehmen nicht, alles am ersten Tag perfekt zu lösen, sondern die relevanten Risiken zu kennen, Entscheidungen zu dokumentieren und die Maßnahmen passend zur Wachstumsphase aufzubauen.

Datenschutz: Kundendaten bleiben Kundendaten

Im B2B-Geschäft agieren Startups häufig als Auftragsverarbeiter – etwa wenn ein Cloud-Produkt personenbezogene Daten im Auftrag eines Kunden verarbeitet. Der zentrale Mindshift lautet: Diese Daten sind nicht „unsere Daten“. Sie dürfen grundsätzlich nur für die vereinbarte Leistung verarbeitet werden. Eine Nutzung für eigene Marketingzwecke, Nutzungsanalysen oder als Trainings- beziehungsweise Testdatensatz ist damit meist unzulässig.

Dieses Konzept der klaren Trennung von Kunden- und eigenen Daten sowie von Verarbeitungen für den Kunden und der für eigene Zwecke sollte bereits in der Ideenphase berücksichtigt und in der Unternehmenskultur verankert werden. Für das MVP bedeutet das: Privacy by Design und Privacy by Default sind keine juristischen Extras, sondern Produktanforderungen, die in die Architektur, die Prozesse und später in die Verträge und Dokumentationen für die Kunden gehören.

Für Enterprise-Kunden reicht es meist nicht, lediglich „DSGVO-konform“ zu sein. Sie wollen nachvollziehen können, wie die Verarbeitung funktioniert und fragen entsprechende Unterlagen nach: Datenflüsse, Zugriffsrechte, Löschkonzepte, einen fairen Auftragsverarbeitungsvertrag, Informationen zu Unterdienstleistern, Vorlagen für Datenschutzhinweise sowie Unterstützung bei Verarbeitungsverzeichnissen oder Datenschutz-Folgenabschätzungen. Und sie wollen zur rechtlichen Absicherung häufig eine Zusicherung einer rein EU-basierten Verarbeitung, auch durch Unterdienstleister.

Den Leidensdruck der Enterprise-Kunden zeigt eine 2026 erhobene repräsentative Bitkom-Studie zum Datenschutz bei Unternehmen: Nahezu alle Unternehmen (97 Prozent) berichten von einem hohen oder sehr hohen Umsetzungsaufwand. Für eine Lockerung der DSGVO sprechen sich 71 Prozent aus. Für Gründerteams gibt sie realistische Hinweise darauf, welche Prüf- und Dokumentationslasten die angebotenen eigenen Dienstleistungen auf Kundenseite auslösen werden.

Informationssicherheit: Erst verkaufen, dann prüfen?

Die klassischen Schutzziele der Informationssicherheit sind Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Im Produkt überschneiden sich viele Sicherheitsmaßnahmen mit dem Datenschutz: Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Protokollierung, Backup- und Löschprozesse oder ein belastbares Berechtigungsmodell.

Geht das MVP produktiv bei Kunden live, sollte es dem Stand der Technik und den Erwartungen des Zielmarktes entsprechen. Je nach Branche können zusätzliche Anforderungen gelten, etwa im Gesundheitswesen, in der Automobilindustrie oder bei kritischen Infrastrukturen. Werden diese Anforderungen erst in den Verhandlungen mit ersten Kunden deutlich, können aufwändige Anpassungsmaßnahmen notwendig werden, die nicht selten die vorgesehenen Budgets für Entwicklung und Compliance sprengen.

Deshalb sollten sich Startups zu Beginn einen Überblick verschaffen, was auf sie zukommen wird, und dann pragmatische Meilensteine definieren. Hilfreich dabei sind ein internes Security-Baseline-Dokument mit Betrachtung der wesentlichen Risiken und Absicherungsmaßnahmen sowie eine klare Liste der Nachweise, die Kunden typischerweise verlangen. Startups sollten sich hierfür z. B. mit den relevanten Bausteinen aus dem BSI-IT-Grundschutz vertraut machen. Eine ISO-27001-Zertifizierung ist nicht für jedes Startup sofort sinnvoll. Wichtig ist aber, den eigenen Reifegrad ehrlich zu kennen und Verbesserungen nach Priorität abzuarbeiten.

KI-Einsatz: Risikoprüfung vor Salestart

KI ist in der Startup-Szene längst Mainstream. Im Deutschen Startup Monitor 2026 gaben 53,3 Prozent der Startups an, dass KI im Zentrum ihres Produkts steht. Besonders deutlich sei der Trend bei den Neugründungen. Viele bauten ihr Tech-Stack und damit häufig auch die Grundlage ihres Produkts auf Generativer KI auf, so die Studie. Gerade deshalb sollte die Risikoprüfung nicht erst beginnen, wenn ein Kunde oder Investor danach fragt.

Die EU-KI-Verordnung ist ein Produktsicherheitsgesetz und verfolgt einen risikobasierten Ansatz. Bestimmte KI-Praktiken mit unannehmbarem Risiko sind seit 2025 verboten. Für KI-Modelle und KI-Systeme gelten bereits einige Pflichten und es kommen bis Ende 2027 nach und nach weitere dazu: unter anderem zu Risikomanagement, technischer Dokumentation, Aufzeichnungen, Transparenz und Konformitätsbewertung. Welche Pflichten konkret für den eigenen Einsatz oder das angebotene eigene Produkt greifen, hängt von der Risikoeinschätzung, dem Einsatzbereich und der eigenen Rolle ab.

Für ein Startup heißt das: Zuerst den konkreten Use Case und die eigene Rolle in der Wertschöpfungskette bestimmen. Anschließend die Risikoklassifikation nachvollziehbar dokumentieren. Wer bewusst in einen Hochrisiko-KI-Bereich geht, sollte Compliance nicht als Nebenaufgabe behandeln, sondern als Teil der Geschäftsidee, des Teams und des Finanzierungsbedarfs. Der professionelle Umgang mit diesen Compliance-Anforderungen wird – da mit großen Aufwänden verbunden – ein zentrales Element der Geschäftsidee sein.

Wer nicht in den Hochrisiko-Bereich fällt, sollte in einer nachvollziehbaren Risikoeinschätzung festhalten, warum das so ist, denn Kunden werden diese Frage stellen.

Compliance als Enterprise-Feature

Der Deutsche Startup Monitor 2026 zeigt, wie stark B2B für das Ökosystem geworden ist: 76,5 Prozent der Startup-Umsätze entfielen laut Studie auf Geschäftskunden. Je stärker ein Startup auf Enterprise-Vertrieb, öffentliche Auftraggeber oder regulierte Branchen setzt, desto eher wird Compliance zum Bestandteil der Kaufentscheidung.

Das gilt besonders für KI-Produkte. Wer KI ins Zentrum seines Produkts stellt und in diesem Markt nicht erklären kann, welche Modelle, Datenquellen, Dienstleister und Kontrollmechanismen eingesetzt werden, erzeugt auf Kundenseite zusätzliche Unsicherheit und verlängert den Sales Cycle.

Compliance by Design kann dagegen ein Selling Point sein: klare Datenflüsse, dokumentierte Sicherheitsmaßnahmen, transparente KI-Einsatzgrenzen und vorbereitete Vertragsunterlagen machen die Due Diligence einfacher. Das bedeutet nicht, jede Zertifizierung sofort einzukaufen. Es bedeutet, für die eigene Zielgruppe nachweisbar vorbereitet zu sein.

Der richtige Zeitpunkt

Ideenphase: Rolle im Datenschutz klären, Datenflüsse skizzieren, KI-Use-Case und mögliche Risikoklasse prüfen, Zielbranchen und deren Anforderungen an Sicherheit und Lieferkette (wie Verarbeitung in der EU) identifizieren.

Gründungs- und MVP-Phase: Privacy by Design, Privacy by Default und grundlegende Security Controls in die Architektur aufnehmen, KI-Risikoklassifikation dokumentieren, bei Hochrisiko-KI Compliance-System aufbauen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsdokumentation festlegen.

Markteintritt: Auftragsverarbeitungsvertrag, Subunternehmerübersicht, Datenschutzhinweise, Sicherheitskonzept und KI-Dokumentation für Kundenfragen vorbereiten.

Wachstumsphase: Prozesse skalieren, regelmäßige Risiko- und Lieferantenprüfungen etablieren, gegebenenfalls Datenschutzbeauftragte bestellen Informationssicherheitssystem aufbauen, Zertifizierungen anstreben (z. B. ISO 27001).

Fazit: Enterprise-ready statt compliance-perfect

Startups müssen nicht am ersten Tag wie ein Konzern organisiert sein. Sie sollten aber früh erkennen, welche regulatorischen Anforderungen ihr Produkt, ihr Zielmarkt und ihr Vertriebsmodell auslösen. Wer Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung in die Produktentwicklung integriert, reduziert spätere Nacharbeit, beschleunigt Prüfprozesse und schafft Vertrauen bei Kunden, Partnern und Investoren. Enterprise-ready bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, vorbereitet zu sein. Und zeigen zu können, wie man weiter besser wird.

Quellen:

  • Bitkom Research (2025): Startup Report 2025, Befragung von 152 Tech-Startups, DOI 10.64022/2025-startup-report. Studienbericht
  • Bitkom (2026): Datenschutz in der deutschen Wirtschaft | Studie 2025, Erhebung 2025 unter 603 Unternehmen. Studienbericht
  • Bundesverband Deutsche Startups e. V. (2025): Deutscher Startup Monitor 2025, 1.846 Fälle. Studienbericht
  • Bundesverband Deutsche Startups e. V. (2026): Deutscher Startup Monitor 2026, 1.803 Fälle. Studienbericht

Bildcredits Althammer & Kill

Autor: Dr. Martin Mühlpfordt

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

BLACKFORESTSPACE 2026: Die Digitalszene des Südwestens trifft sich in Offenburg

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BLACKFORESTSPACE 2026: Startups treffen sich in Offenburg Fotograf: Jigal Fichtner

BLACKFORESTSPACE 2026: Die größte Konferenz für Digitales Marketing, Tech & KI im Südwesten

180 Speaker, 3.000 Besucher, sechs Themenfelder – am 20. & 21. Oktober in der Messe Offenburg

Die BLACKFORESTSPACE 2026 ist die größte Konferenz für Digitales Marketing, Tech & KI im Südwesten – und sie findet nicht in Berlin oder München statt, sondern in Baden-Württemberg, wo Wirtschaftskraft, Unternehmergeist, Weltmarktführer, Hidden Champions und innovative Startups beheimatet sind.

Am 20. und 21. Oktober öffnet die Messe Offenburg ihre Türen für rund 3.000 Besucherinnen und Besucher. 180 Speaker aus Mittelstand, Tech, Startups, Marketing und Investorenwelt sprechen in Keynotes, Paneltalks und Masterclasses über die Fragen, die die digitale Wirtschaft gerade beschäftigen und teilen Impulse und exklusive Einblicke aus der Praxis.

Sechs Themenfelder, ein Anspruch

Die BLACKFORESTSPACE 2026 bündelt sechs Themenfelder: AI, Data & Automation – Industrial Tech & Innovation – Marketing & Creator Economy – Startups, Venture & Scaling – Software & Digital Business – Commerce & Brands. Das Programm umfasst neben klassischen Keynotes und Panels auch praxisnahe Masterclasses sowie Expert Sessions im 1:1 Format.

Zu den Speakern zählen unter anderem Janna Ensthaler (Die Höhle der Löwen), Nikita Fahrenholz (Delivery Hero / Fahrengold), Philipp Klöckner, Digitalminister Dr. Karsten Wildberger, Can Ergin (Black Forest Labs), Rebecca Gottwald (Burda), Hanno Renner (Personio), Michael Mack (Europa-Park), Ulrich Prediger (JobRad), sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lexware, Hansgrohe, Haufe Group, EDEKA Südwest, dm, Badenova und weiteren Unternehmen aus der Region.

Startup-Ökosystem im Fokus

Ein eigenes Format richtet sich gezielt an die Startup-Szene des Südwestens: Die „Startup Challenge: The Southwest Top 10 Showcase”, präsentiert von BadenCampus, gibt den stärksten Startups aus 18 offiziellen Acceleratoren in Baden-Württemberg eine Bühne. In zwei Tracks – Industrial & Physical World sowie Enterprise & Digital World – pitchen zehn Startups je drei Minuten vor Publikum und potenziellen Investoren.

Ergänzt wird das Ganze am zweiten Tag durch das Format „Hunting Soonicorns – Investor Portfolio Pitching”, ebenfalls präsentiert von BadenCampus Invest: Regionale und überregionale VCs präsentieren ihr Profil und diskutieren in einem Panel über die Zukunft von Wagniskapital im Südwesten.

Mehr als eine Konferenz

Neben dem Hauptprogramm bietet die BLACKFORESTSPACE 2026 eine Reihe von Side Events: darunter einen Community Run entlang der Kinzig am Morgen des zweiten Konferenztags, ein Padel-Cup-Turnier, eine KI-Rechenzentrum-Besichtigung, ein Unternehmer-Frühstück sowie eine New-Work-Bürobesichtigung. Den Abschluss bildet eine Aftershow-Party mit Oli.P.

Bild Fotograf: Jigal Fichtner

Quelle Local Ventures GmbH & Co. KG

Luxus fürs Haar: Wie Inessa mit Inessa Berlin Stil und Alltagsnähe vereint

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INESSA BERLIN: Qualität bei Hair Accessories Bild INESSA Berlin Ines Reiche Fotografin/Bildcredits: Mirela Bauer

INESSA BERLIN verbindet hochwertige Hair Accessories mit einem klaren Anspruch an Qualität, Design und Alltagstauglichkeit. Gründerin Ines erzählt im Interview, wie aus ihrer Erfahrung in der Luxusbranche und ihrem Berliner Nagelstudio CONCEPTNAILS eine eigenständige Marke entstand, welche Herausforderungen der Markenaufbau mit sich bringt und warum sie bewusst auf nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum setzt

Ines, kannst du dich und INESSA kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine eigene Marke zu gründen?

Ich bin Ines und habe 2018 CONCEPTNAILS in Berlin gegründet. Ein Premium Nagelstudio, in dem Nagelgesundheit, hochwertige Nagelpflege und die Arbeit mit zertifizierten Produkten im Mittelpunkt stehen. Unser Anspruch ist eine elegante Ästhetik, ohne dabei die Gesundheit der natürlichen Nägel aus den Augen zu verlieren. Über die Jahre kam ein kleiner, sorgfältig kuratierter Concept Store dazu. Ich liebe schöne Dinge, bin aber auch ziemlich kritisch, wenn es um Qualität geht. Gerade bei Hair Accessories habe ich oft gedacht: Wunderschön anzusehen, aber warum funktioniert das im Alltag nicht genauso gut? Irgendwann wollte ich nicht mehr nur nach dem passenden Produkt suchen, sondern selbst eines entwickeln. So entstand INESSA BERLIN, meine eigene Premium-Marke für Hair Accessories. Und damit begann für mich, nach vielen Jahren als Unternehmerin, noch einmal etwas völlig Neues.

Hinter jeder Unternehmensgründung steht eine persönliche Motivation. Was hat dich dazu bewegt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, und welche Erfahrungen haben deinen bisherigen Weg besonders geprägt?

Bevor ich 2018 CONCEPTNAILS gegründet habe, war ich rund 15 Jahre in der Luxus-, Mode-, Retail- und Dienstleistungswelt tätig, unter anderem bei CHANEL und Saint Laurent. Das war eine sehr prägende Zeit. Ich habe dort unglaublich viel über Qualität, Service, Markenführung und den Umgang mit anspruchsvollen Kundinnen und Kunden gelernt. Erfahrungen, von denen ich bis heute profitiere. Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich für mich keine wirkliche persönliche Entwicklung mehr gesehen habe. Vor allem habe ich mir eine Frage gestellt: Was möchte ich eigentlich in den kommenden 20 oder 30 Jahren beruflich machen? Und möchte ich das, was ich gerade tue, tatsächlich bis ins höhere Alter fortsetzen? Ich wollte noch einmal etwas Neues lernen, eigene Entscheidungen treffen und meine Vorstellungen von Qualität und Service selbst umsetzen.

So entstand die Idee zu CONCEPTNAILS. Rückblickend war dieser Schritt eine der wichtigsten Entscheidungen meines Berufslebens. Denn ich habe nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern mich auch persönlich noch einmal ganz neu entwickelt. Besonders geprägt haben mich dabei die Herausforderungen, die man als Gründerin nicht vorhersehen kann. Während der Corona-Pandemie mussten wir dreimal schließen und waren insgesamt rund neun Monate ohne regulären Studiobetrieb. Diese Zeit hat mir sehr deutlich gezeigt, was unternehmerische Verantwortung bedeutet. Gerade dann, wenn man nicht nur für sich selbst, sondern auch für ein Team verantwortlich ist. Heute weiß ich, dass Selbstständigkeit weit mehr bedeutet als persönliche Freiheit. Sie verlangt Ausdauer, wirtschaftliches Denken und die Bereitschaft, auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig möchte ich die Möglichkeit, etwas nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten zu können, nicht mehr missen.

Mit INESSA möchtest du eine eigene Marke am Markt etablieren. Welche Vision verfolgst du mit deinem Unternehmen und welche Werte sollen INESSA langfristig auszeichnen?

Meine Vision ist es, INESSA BERLIN als eigenständige Premium-Marke für Hair Accessories zu etablieren, die für modernes Design, Qualität und einen selbstverständlichen Umgang mit persönlichem Stil steht. Ich glaube, dass Accessoires nicht auffällig oder plakativ sein müssen, um eine besondere Wirkung zu haben. Oft sind es gerade die kleinen Details, die einen Look vollständig machen. Dabei ist mir wichtig, dass unsere Produkte nicht nur schön aussehen, sondern auch im Alltag funktionieren. Da gehören Ästhetik und Funktionalität untrennbar zusammen. Langfristig möchte ich, dass INESSA BERLIN für eine klare Designsprache, sorgfältig ausgewählte Produkte und einen hohen Anspruch an Gestaltung steht. Gleichzeitig soll die Marke nahbar bleiben. Ich möchte keine künstliche Perfektion vermitteln, sondern Frauen darin bestärken, ihren eigenen Stil zu leben. Unser Markenversprechen „Made for your natural beauty“ bringt diesen Gedanken für mich sehr schön auf den Punkt.

Der Aufbau einer neuen Marke beginnt häufig mit der Frage, welches konkrete Bedürfnis sie erfüllen soll. Welche Marktlücke hast du erkannt und was unterscheidet INESSA von bereits bestehenden Angeboten?

Ich würde nicht behaupten, dass es vorher keine schönen Haarklammern oder hochwertigen Hair Accessories gegeben hat. Der Markt ist groß und es gibt bereits viele etablierte Marken. Was ich allerdings im täglichen Kontakt mit meinen Kundinnen beobachtet habe, ist der Wunsch nach Accessoires, die mehrere Ansprüche gleichzeitig erfüllen. Sie sollen gut aussehen, angenehm zu tragen sein, zum persönlichen Stil passen, zuverlässig funktionieren und dabei höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Nicht jede schöne Haarklammer eignet sich für jede Haarstruktur oder jeden Stylingwunsch. Deshalb beschäftigen mich bei der Auswahl und Entwicklung unserer Produkte nicht nur Farben und Formen, sondern auch Größen, Proportionen und die tatsächliche Anwendung.

Ein weiterer Unterschied liegt für mich in der Nähe zu unseren Kundinnen. Durch CONCEPTNAILS habe ich die Möglichkeit, direkt zu erleben, welche Modelle gerne getragen werden, welche Fragen entstehen und was sich Frauen von einem Hair Accessory wünschen. Dieses unmittelbare Feedback fließt in meine Entscheidungen ein. INESSA BERLIN soll keine Marke sein, die ausschließlich schöne Bilder produziert. Die Produkte müssen auch im echten Leben überzeugen. In allen Alltagen, im Urlaub bei Sonne und Meer, genau wie im nasskalten Berliner Winter.

Eine klare Positionierung ist gerade für junge Unternehmen entscheidend. Welche Zielgruppen möchtest du mit INESSA erreichen und welche Bedürfnisse und Erwartungen stehen bei deiner Markenentwicklung im Mittelpunkt?

Ich möchte mit INESSA BERLIN vor allem Frauen ansprechen, die einen bewussten Blick für Qualität, Design und ihren persönlichen Stil haben. Frauen, die nicht jedem Trend folgen müssen. Die Accessoires auswählen, weil sie ihnen wirklich gefallen und zu ihrem Alltag passen. Dabei denke ich weniger in starren Altersgruppen als in einer gemeinsamen Haltung. Unsere Kundinnen schätzen schöne Materialien, durchdachte Formen und Produkte, die sich vielseitig kombinieren lassen. Sie möchten sich mit einem Accessoire wohlfühlen und nicht verkleidet wirken. Aus meiner Erfahrung weiß ich außerdem, wie wichtig eine persönliche Beratung ist. Manchmal entscheidet erst das Ausprobieren darüber, ob eine bestimmte Haarklammer wirklich passt. Deshalb ist für mich neben dem Design auch die Verbindung zwischen Produkt und Kundin ein wichtiger Bestandteil der Markenentwicklung. Sowohl im eigenen Store als auch in ausgewählten Boutiquen.

Von der ersten Idee bis zur Markteinführung müssen Gründerinnen zahlreiche Entscheidungen treffen. Welche Schritte waren beim Aufbau von INESSA besonders wichtig und welche Herausforderungen hast du dabei unterschätzt?

Eine der wichtigsten Entscheidungen war für mich, INESSA BERLIN als eigenständige Marke aufzubauen. Als ich im November 2025 mit CONCEPTNAILS by Inessa gestartet bin, war die Produktwelt zunächst noch eng mit meinem bestehenden Unternehmen verbunden. Relativ schnell wurde mir jedoch klar, dass ich langfristig mehr entwickeln möchte als eine ergänzende Kollektion für unseren Concept Store. Gemeinsam mit Art Director Oliver Fröhnel habe ich deshalb im Mai 2026 die strategische und visuelle Neuausrichtung umgesetzt. Aus CONCEPTNAILS by Inessa wurde INESSA BERLIN. Die größte Herausforderung liegt für mich gleichermaßen im kreativen wie im wirtschaftlichen Bereich. Beides ist eng miteinander verbunden und das eine funktioniert nicht ohne das andere. Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie unsere Produkte aussehen, sich anfühlen und im Alltag funktionieren sollen. Gleichzeitig muss jede kreative Entscheidung auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Materialqualität, Produktentwicklung, Produktionsmengen, Preisgestaltung und die Positionierung der Marke beeinflussen sich gegenseitig.

Hinzu kommt, dass ich mit CONCEPTNAILS bereits ein etabliertes Unternehmen führe und Verantwortung für mein Team trage. Eine weitere Marke aufzubauen bedeutet, erneut zu investieren. In Produkte, Markenauftritt, Marketing und Vertrieb. Dabei stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie viel ich zusätzlich investieren kann und möchte, ohne die Stabilität meines bestehenden Unternehmens zu gefährden. Diese Balance zu finden, ist für mich eine der anspruchsvollsten Aufgaben beim Aufbau von INESSA BERLIN. Ich möchte kreativ anspruchsvolle Produkte entwickeln, die meinen Vorstellungen von Qualität und Design entsprechen, und gleichzeitig ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen aufbauen. Deshalb gehe ich bewusst Schritt für Schritt vor. Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden, und nicht jede Möglichkeit ist automatisch die richtige. Ich lerne dabei, dass erfolgreiche Markenentwicklung nicht bedeutet, zwischen Kreativität und Wirtschaftlichkeit zu wählen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, beides miteinander in Einklang zu bringen.

Gerade in wettbewerbsintensiven Märkten ist es schwierig, als neue Marke Aufmerksamkeit und Vertrauen zu gewinnen. Mit welcher Strategie möchtest du INESSA bekannt machen und welche Rolle spielen Social Media, Markenkommunikation und persönliche Authentizität dabei?

Für mich beginnt eine erfolgreiche Marke immer beim Produkt. Ohne erstklassige Qualität ist alles andere letztendlich nichts wert. Ich habe 15 Jahre im Luxussegment gearbeitet. Da lernt man ziemlich schnell, dass eine schöne Verpackung allein noch kein gutes Produkt macht. Deshalb bin ich bei INESSA BERLIN auch ziemlich kompromisslos: Ohne erstklassige Qualität ist für mich alles andere zweitrangig. Natürlich beschäftige ich mich intensiv mit unserem Markenauftritt. Ich liebe schöne Bilder, eine klare Bildsprache und durchdachte Details. Aber ich möchte keine Marke aufbauen, die auf Instagram großartig aussieht und im Alltag nicht hält, was sie verspricht. Was mir beim Aufbau von INESSA besonders hilft, ist der direkte Kontakt zu unseren Kundinnen bei CONCEPTNAILS.

Ich sehe, welche Spangen sie ausprobieren, welche sie sofort wieder ablegen und bei welchen sie sagen: Die sitzt wirklich gut. Das ist für mich oft aufschlussreicher als jede Statistik. Social Media ist wichtig, um INESSA BERLIN sichtbar zu machen. Aber ich möchte, dass die Menschen unsere Produkte auch in die Hand nehmen können. Deshalb setze ich neben Instagram bewusst auf Pop-ups, Events und ausgewählte Handelspartner. Und was meine persönliche Rolle betrifft: Ich möchte mich nicht hinter einer perfekt inszenierten Marke verstecken. INESSA trägt meinen Namen. Natürlich soll man deshalb auch erkennen, wer dahinter steht. Am Ende kann ich viel über meine Produkte erzählen. Entscheidend ist aber, was eine Kundin darüber sagt, nachdem sie die Spange eine Zeit lang getragen hat.

Eine erfolgreiche Marke benötigt neben einer überzeugenden Idee auch ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wie ist INESSA wirtschaftlich aufgestellt, welche Vertriebswege nutzt du und wie möchtest du langfristig profitabel wachsen?

INESSA BERLIN befindet sich noch in der Aufbauphase. Deshalb ist es mir wichtig, wirtschaftlich bewusst und mit einer langfristigen Perspektive zu wachsen. Ein Vorteil ist, dass ich durch CONCEPTNAILS bereits über Erfahrung im stationären Handel, im direkten Kundenkontakt und in der Sortimentsgestaltung verfüge. Unsere Hair Accessories vertreiben wir über den CONCEPTNAILS Concept Store, unseren eigenen Onlineshop und ausgewählte Handelspartner.

Hinzu kommen Pop-ups, Veranstaltungen und Kooperationen, durch die wir neue Kundinnen erreichen und die Marke persönlich vorstellen können. Besonders wichtig ist mir der weitere Ausbau des B2B-Geschäfts. Ich möchte INESSA BERLIN langfristig auch in anderen sorgfältig ausgewählten Stores positionieren, deren Anspruch und Zielgruppe zu unserer Marke passen. Wachstum bedeutet für mich allerdings nicht, möglichst schnell überall vertreten zu sein. Ich möchte das Sortiment gezielt weiterentwickeln, verlässliche Partnerschaften aufbauen und wirtschaftliche Entscheidungen treffen, die zur Größe und Entwicklungsphase des Unternehmens passen. Eine starke Marke braucht aus meiner Sicht nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch eine gesunde wirtschaftliche Grundlage.

Als Gründerin musst du kreative Entscheidungen ebenso treffen wie wirtschaftliche und organisatorische. Welche persönlichen Stärken helfen dir beim Unternehmensaufbau und in welchen Bereichen musstest du besonders viel dazulernen?

Ich treffe viele Entscheidungen intuitiv. Meistens habe ich ziemlich schnell ein Gefühl dafür, ob etwas zu mir und meinen Vorstellungen passt oder nicht. Natürlich kommt dieses Bauchgefühl nicht von ungefähr. Nach 15 Jahren bei CHANEL und Saint Laurent und inzwischen über acht Jahren mit CONCEPTNAILS habe ich viel gesehen, ausprobiert und erlebt. Ich glaube, mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gespür für Menschen, Produkte, Wertigkeit und Situationen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich immer richtig liege. Gerade bei INESSA BERLIN merke ich, dass ich meine Intuition manchmal auch ausbremsen muss. Ich sehe eine schöne Farbe, entdecke ein interessantes Modell oder habe eine Idee und würde am liebsten sofort loslegen.

Dann kommt die unternehmerische Seite ins Spiel: Was kostet die Umsetzung? Welche Mengen müssen produziert werden? Ist das wirtschaftlich sinnvoll? Und passt es überhaupt zu dem, was ich langfristig aufbauen möchte? Diese beiden Seiten miteinander zu verbinden, ist für mich eine der spannendsten Herausforderungen. Was ich außerdem lernen musste, ist, dass nicht jeder Mensch meine Vorstellungen sofort nachvollziehen kann. Nur weil ich ein ziemlich klares Bild im Kopf habe, heißt das noch lange nicht, dass andere es genauso sehen. Deshalb versuche ich heute, meine Ideen besser zu vermitteln und gleichzeitig offen für andere Perspektiven zu bleiben. Ich glaube, meine Intuition hat mich beruflich schon ziemlich weit gebracht. Aber ich habe auch gelernt, dass ein gutes Bauchgefühl und eine gute Kalkulation sich nicht ausschließen müssen.

Der Weg in die Selbstständigkeit ist selten geradlinig. Gab es während der Entwicklung von INESSA Momente, in denen du deine ursprünglichen Pläne überdenken musstest, und welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen?

Ja, und zwar schon sehr früh. Der größte Perspektivwechsel war sicherlich die Entscheidung, aus CONCEPTNAILS by Inessa eine eigenständige Marke zu machen. Ursprünglich war die Idee stärker mit meinem bestehenden Unternehmen verbunden. Doch während der ersten Monate wurde mir immer deutlicher, dass ich INESSA langfristig unabhängig vom Studio entwickeln möchte. Das bedeutete, noch einmal grundlegend über den Namen, die Positionierung und die visuelle Identität nachzudenken. Ein Rebranding so kurz nach dem Marktstart ist natürlich keine kleine Entscheidung. Trotzdem war es für mich der richtige Schritt. Ich habe daraus gelernt, dass man nicht an einer ursprünglichen Idee festhalten muss, nur weil man bereits Zeit und Arbeit investiert hat. Manchmal gehört es zum Unternehmertum, eine Entscheidung noch einmal zu hinterfragen und bewusst eine neue Richtung einzuschlagen. Wichtig ist, dabei nicht die eigene Vision aus den Augen zu verlieren.

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, eigene Unternehmen und Marken aufzubauen. Welche Erfahrungen hast du als Gründerin gemacht und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben, die mit dem Gedanken spielen, ihre eigene Geschäftsidee umzusetzen?

Ich finde es schön zu sehen, wie viele Frauen heute ihre eigenen Ideen verwirklichen und unternehmerische Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig glaube ich, dass Selbstständigkeit manchmal etwas zu romantisch dargestellt wird. Natürlich ist es erfüllend, eigene Entscheidungen zu treffen und etwas aufzubauen, das die persönliche Handschrift trägt. Aber es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen, Unsicherheiten auszuhalten und Entscheidungen zu treffen, deren Ergebnis man nicht immer vorhersehen kann. Was ich dabei für unglaublich wichtig halte, ist die Unterstützung durch Familie und enge Freunde. Menschen an seiner Seite zu haben, die an einen glauben, einen motivieren, in schwierigen Momenten stärken und im Zweifel auch ganz selbstverständlich mit anpacken, ist unbezahlbar. Gerade beim Aufbau eines Unternehmens gibt es immer wieder Situationen, in denen nicht alles nach Plan läuft. Zu wissen, dass man dann nicht allein dasteht, gibt einem unglaublich viel Kraft.

Mein Rat an andere Frauen wäre deshalb, sich nicht von dem Anspruch aufhalten zu lassen, dass von Anfang an alles perfekt sein muss. Man kann vieles planen, aber bestimmte Erfahrungen macht man erst, wenn man tatsächlich beginnt. Gleichzeitig sollte man die wirtschaftliche Seite nie unterschätzen. Eine gute Idee braucht eine realistische Grundlage. Und ich würde jeder Gründerin empfehlen, sich mit Menschen zu umgeben, die ehrlich sind, konstruktiv mitdenken und einen wirklich weiterbringen. Was ich persönlich besonders wichtig finde: den eigenen Weg nicht ständig mit dem anderer zu vergleichen. Jedes Unternehmen hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Tempo und seine eigenen Herausforderungen.

Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst: Wo möchtest du INESSA als Marke positionieren, welche Meilensteine hast du dir vorgenommen und was möchtest du mit deinem Unternehmen langfristig erreichen?

In fünf Jahren wünsche ich mir, dass INESSA BERLIN als eigenständige Premium Marke für Hair Accessories etabliert ist und eine klare Wiedererkennbarkeit besitzt. Ich möchte mein Sortiment kontinuierlich weiterentwickeln und eine Kollektion aufbauen, die für modernes Design, Qualität und Vielseitigkeit steht. Ein wichtiger Meilenstein ist für mich der Ausbau unseres Händlernetzwerks. Ich möchte INESSA BERLIN in ausgewählten Concept Stores, Boutiquen und bei Handelspartnern sehen, deren Anspruch und Ästhetik zu unserer Marke passen. Und ja, ich denke dabei durchaus auch international.

Mich reizt besonders die Vorstellung, INESSA BERLIN über persönliche Begegnungen, Pop-ups, Events und ausgewählte B2B Partnerschaften auch außerhalb Deutschlands bekannt zu machen. Vielleicht irgendwann mit einem Pop-up auf meiner persönlichen Lieblingsinsel Ibiza. Warum eigentlich nicht? Ich finde, man darf als Unternehmerin durchaus größere Vorstellungen haben. Entscheidend ist für mich nur, dass man auf dem Weg dorthin realistisch bleibt und eine solide Grundlage schafft. Ich möchte INESSA BERLIN nicht möglichst schnell groß machen, sondern langfristig eine Marke aufbauen, die ihre eigene Handschrift behält. Eine Marke, die durch schöne Produkte, Qualität, eine klare Haltung und das Vertrauen ihrer Kundinnen wächst. Und wenn ich in fünf Jahren auf diese Entwicklung zurückblicken darf, wünsche ich mir vor allem, dass ich sagen kann: Ich bin meinen eigenen Weg gegangen.

Bild INESSA Berlin Ines Reiche Fotografin/Bildcredits: Mirela Bauer

Wir bedanken uns bei Ines Reiche für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von Minecraft zu europäischer Sprach-KI: Wie Deepslate die US-Tech-Riesen fordert

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DeepSlate: Voice AI und Sprach-KI aus Berlin

DeepSlate entwickelt eigene Sprach-KI und setzt mit Voice AI auf natürliche Gespräche in Echtzeit. Das Berliner Startup trainiert spezialisierte Speech-to-Speech-Modelle für europäische Sprachen und möchte damit eine Alternative zu internationalen KI-Anbietern schaffen. Im Interview sprechen die Gründer über ihre Anfänge in der Minecraft-Welt, eine Finanzierung über 7,7 Millionen Euro und ihre Pläne für den europäischen Markt.

Kannst du DeepSlate kurz vorstellen und erzählen, wie aus euren Erfahrungen in der Minecraft-Welt die Idee für ein eigenes Voice-AI-Unternehmen entstanden ist?

Deepslate ist ein AI Model Lab aus Berlin. Wir trainieren eigene Speech-to-Speech-Modelle, also Sprach-KI, die gesprochene Sprache versteht und natürlich darauf antwortet, wie ein Mensch. Unternehmen setzen unser Modell zum Beispiel im Kundenservice ein, wo es Anrufe annimmt und Anliegen klärt.

Minecraft war eher die Schule als der direkte Auslöser. Jan und ich haben als Jugendliche die Entwicklung auf den beiden größten europäischen Minecraft-Servern geleitet, und dort merkt jeder Spieler sofort, wenn ein System hakt. Damals gab es noch kein Claude, was einem Tipps zum Code gegeben hat oder den Code direkt selbst schreibt. Wir mussten uns alles erarbeiten in einer Umgebung, in der noch niemand vor uns gebaut hat, was wir gebaut haben.

In Minecraft hatten wir auch unsere ersten Anfänge mit AI: Zum Beispiel beim Erkennen von Cheatern, wo wir mithilfe von KI-Modellen die Spieler-Bewegungen analysiert haben.

Die eigentliche Idee kam 2023: In unserem ersten gemeinsamen Unternehmen haben Jan und ich einen KI-Assistenten gebaut, der in Meetings mithört und Fragen beantwortet. Bis er antwortete, vergingen rund drei Sekunden. Uns war schnell klar, dass das an der Architektur der damaligen Sprach-KI lag. Also haben wir uns die nächsten Monate in alle möglichen Paper und Architekturen eingelesen, um dann irgendwann ein eigenes Model zu bauen.

Wer steht hinter DeepSlate, und welche Erfahrungen aus dem Betrieb latenzkritischer Systeme für Millionen von Spielern prägen euch heute noch?

Gegründet haben wir Deepslate zu zweit. Jan ist CTO, ich bin CEO. Heute, Stand Oktober 2026 sind wir 20 Leute, verteilt über ganz Europa, mit Schwerpunkt und Office in Berlin.

Minecraft war die perfekte Schule, um wirklich Systeme für die reale Welt zu testen, mit echter Verantwortung und echten Nutzern. Diese Erfahrung prägt Jan und mich bis heute. Aber nicht nur uns beide, denn aus der Minecraft Zeit haben wir noch etwas mitgenommen: Zum Beispiel einen großen Teil unseres Teams. Bestimmt 50% oder mehr von unserem aktuellen Team kennen wir bereits aus der Minecraft-Zeit. Von Entwicklern, zu Design, bis hin zum GTM.

DeepSlate entwickelt eigene native Speech-to-Speech-Modelle. Warum habt ihr euch gegen die Kombination bestehender Sprach-, LLM- und Text-to-Speech-APIs entschieden?

Weil man mit dieser Kombination an zwei Grenzen stößt. Die erste ist Zeit: Jede Umwandlung von Sprache in Text, durch ein Sprachmodell und zurück in Sprache kostet Zeit, und diese Zeiten addieren sich.

Die zweite ist Information: Sobald Sprache zu Text wird, gehen Tonfall, Betonung und Dialekt verloren. Das Sprachmodell sieht nur noch die Wörter, nicht wie sie gesagt wurden.

Euer Modell erreicht laut Artificial Analysis eine Latenz von 440 Millisekunden. Warum ist Geschwindigkeit bei Voice AI so entscheidend für ein natürliches Gespräch?

Weil Menschen im Gespräch extrem schnell sind. Zwischen zwei Redebeiträgen liegen meist nur ein paar hundert Millisekunden. Wird die Pause länger, fängt der Anrufer an zu zweifeln, ob er verstanden wurde, redet dazwischen oder legt auf.

Aber das ist erst der Anfang. Intern arbeiten wir bereits an “Full-Duplex”. Aktuell ist die Kommunikation mit Voice AI noch so wie mit einem Walkie-Talkie. Man redet, wartet, hört zu, wartet, redet. Full-Duplex ist der nächste große Sprung in menschenähnlicher Voice AI. Ein Model, was zuhören und reden gleichzeitig kann. Unterbrechen, wenn es sinnvoll ist. Warten, wenn am anderen Ende gegrübelt wird, zwischendrin ja sagen etc. Eben so, wie wir Menschen sprechen.

Mit OpenAI, ElevenLabs und Gemini konkurriert ihr mit einigen der größten KI-Anbieter weltweit. Wo soll DeepSlate langfristig einen eigenen Wettbewerbsvorteil aufbauen?

Durch Fokus: OpenAI und Google bauen Modelle, die Text, Bild, Video und Sprache gleichzeitig können. Wir machen nur Sprache, und das mit Blick auf Europa: europäische Sprachen und Dialekte, Betrieb in Europa oder direkt beim Kunden.

Dazu kommt Effizienz. Aufgrund unserer Spezialisierung können wir die Voice AI Minute günstiger anbieten. Auf unserer Self-Service-Plattform kostet eine Gesprächsminute 2 Cent, vergleichbare Echtzeit Modelle aus den USA liegen je nach Nutzung bei 6 bis 15 Cent.

Ihr konzentriert euch auf europäische Sprachen, Namen, Adressen und Dialekte in mehr als 27 Sprachen. Wo stoßen internationale Sprachmodelle im europäischen Unternehmensalltag aus eurer Sicht noch an Grenzen?

Vor allem bei den Dingen, die im Kundenservice am meisten zählen: Namen, Straßennamen, Hausnummern, Vertragsnummern. Modelle, die überwiegend auf US-Englisch trainiert wurden, verstehen einen deutschen Nachnamen oder Straßennamen oft falsch. Bei einer Versicherung hat eine vertauschte Hausnummer echte Folgen.

Dazu kommen Dialekte und kleinere Sprachen. Schweizerdeutsch ist ein gutes Beispiel: Für ein großes US-Modell ist das eine Randerscheinung, für einen Schweizer Versicherer ist es Alltag. Genau in solche Daten investieren wir.

DeepSlate soll auch Frustration, Ironie und Betonung erkennen können. Wie wichtig ist dieses Verständnis für den Einsatz von Voice AI im Kundenkontakt?

Wir sehen die Erkennung und natürliche Reaktion auf Frustration, Wut, aber auch Ironie oder Sarkasmus als essentiellen Schritt, um Sprach-KI auf die gleiche Stufe wie menschliche Kommunikation zu heben. Gerade im Kundenkontakt, macht das aus, ob Kunden sich wertgeschätzt und verstanden fühlen oder ob sie die KI ablehnen und menschlichen Kontakt bevorzugen. Gerade das ist aktuell eines der größten Probleme im KI-Kundenservice.

Wichtig zu sagen ist hier natürlich, dass wir von dem was heute schon möglich ist weggehen und in die Forschung gehen.

Das gesagt: Sehr wichtig. Gerade Sarkasmus ist eine Kommunikationsform, die wir in Deutschland sehr oft und sehr trocken verwenden. Ein Model, welches den Text als Übersetzung Schritt nutzt, wird nicht in der Lage sein, Sarkasmus zu erkennen.

Banken, Versicherer und andere regulierte Unternehmen gehören zu eurer Zielgruppe. Warum brauchen diese ein eigenes europäisches Sprachmodell, wenn US-Anbieter inzwischen ebenfalls EU-Datenresidenz und Enterprise-Lösungen anbieten?

Weil EU-Datenresidenz nicht dasselbe ist wie Kontrolle. Auch wenn die Server in Frankfurt stehen, unterliegt ein US-Anbieter weiter US-Recht, zum Beispiel dem CLOUD Act.

Bei uns läuft das Modell entweder in Rechenzentren von europäischen Anbietern in Europa oder komplett in der Infrastruktur des Kunden, auf Wunsch ohne jede Verbindung nach außen.

Dann haben selbst wir keinen Zugriff auf die Daten. Zusätzlich kommen alle unsere Investoren aus Deutschland, auch das ist für viele Kunden ein Argument.

Self-Hosting soll Unternehmen mehr Kontrolle über sensible Daten geben. Welche technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bringt dieser Ansatz für euch mit sich?

Technisch geben wir beim Self-Hosting den Betrieb aus der Hand. Das Modell muss auf der Hardware des Kunden genauso schnell und stabil laufen wie bei uns, und wir können nicht einfach reinschauen, wenn etwas hakt. Updates müssen so gebaut sein, dass der Kunde sie selbst einspielen kann.

Wirtschaftlich passt die Abrechnung pro Minute hier oft nicht, deshalb vergeben wir Lizenzen. Für den Kunden ist das gut planbar. Wir konzentrieren uns dabei auf Modell und Schnittstelle, die Integration in die Systeme des Kunden übernehmen Partner, die diese Systeme und Prozesse kennen.

Mit der Seed-Runde über 7,7 Millionen Euro gewinnt DeepSlate neues Kapital für die nächste Entwicklungsphase. Wofür möchtet ihr die Finanzierung vor allem einsetzen?

Als Model Lab spielen wir im wesentlichen 3 verschiedene Spiele:

  1. Die Modellentwicklung. Hier bauen wir unser Team aktuell stark aus, hiren Forscher und Entwickler.
  2. Das Handling von GPUs. Auf Grafikkarten leben unsere Modelle. Hier müssen wir sinnvolle und kosteneffiziente Möglichkeiten finden, Grafikkarten zu mieten oder zu kaufen und das Geld dort investieren
  3. Der Verkauf von dem Modell. Hier spielt zum Beispiel rein, dass wir ein Sales und Marketing Team aufbauen und dass wir eine Self Service Plattform entwickelt haben, wo jeder das Model selbst in wenigen Sekunden ausprobieren kann. Der Link ist https://app.deepslate.eu

Welche Vision verfolgt ihr mit DeepSlate, und welche Rolle soll das Unternehmen langfristig im europäischen Voice-AI-Markt spielen?

Unser Ziel ist Sprach-KI, die man im Gespräch nicht mehr von einem Menschen unterscheiden kann. Bei Bildern und Videos ist KI da schon angekommen, bei Sprache in Echtzeit noch nicht.

Kundenservice ist dabei nur der erste Markt. Langfristig wird Sprache die natürliche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, im Auto, in Geräten zu Hause und in Robotern. In Europa wollen wir das Sprachmodell sein, auf das Unternehmen und Entwickler setzen, wenn sie Sprach-KI nutzen wollen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit eigener KI-Technologie gegen internationale Tech-Konzerne antreten möchten?

Hier muss man natürlich unterscheiden, wie groß das eigene Ziel ist.

Zum Beispiel eigene Frontier-Modelle zu bauen, benötigt oft viel Kreativität. Einen neuartigen Trainingsansatz, einen spezialisierten Use-Case oder eine neue Zielsetzung. Wir haben mit Antrophic, OpenAI, Google, etc. den Markt an riesigen Omni Modellen mit Milliarden Budget gefüllt, die alle mehr oder weniger die gleiche Strategie verfolgen. Dennoch öffnen sich genau dort dauerhaft neue Lücken, die selbst wieder Milliarden Märkte sind. Siehe zum Beispiel Jev von Typesafe AI.

Meine drei Tipps wenn ihr ähnliche große Missionen angeht:

  1. Glaubt an eure Vision und lasst euch nicht beirren: In Europa wird oft schnell zu sicheren und kleineren Geschäftsmodellen geraten. Wenn ihr eine große Vision habt, zieht sie durch, auch wenn Gegenwind kommt. Echte Innovation entsteht nicht durch das Mitspielen auf Nummer sicher.
  2. Bleibt extrem anpassungsfähig und hinterfragt euch ständig: Die Tech-Welt, besonders im KI-Bereich, dreht sich rasant. Was heute gilt, kann morgen schon überholt sein. Akzeptiert diesen Wandel als Normalzustand und nutzt ihn als Hebel für euer Wachstum.
  3. Sucht euch eine klare Nische und besetzt sie kompromisslos: Versucht gar nicht erst, die Tech-Giganten auf all ihren Spielfeldern zu schlagen. Spezialisiert euch auf Bereiche, in denen sie Schwächen haben – wie regionale Besonderheiten, Datenschutz oder extreme Latenz – und löst dieses eine Problem besser als jeder andere.

Bild Deepslate Gründer Paskal Paesler und Jan Brachthäuser Bildcredits: Deepslate AI generated

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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