Mittwoch, September 9, 2026
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Mietminderung bei Wasserschaden: Das steht Mietern zu

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Mieter: Schaden und Minderung richtig handhaben Benjamin Kominek

Ein dunkler Fleck an der Decke, Wasser im Laminat oder ein Rohrbruch in der Wand: Wasserschäden zählen zu den häufigsten Problemen in Mietwohnungen. Für die Bewohner beginnt dann oft ein wochenlanger Ausnahmezustand. Feuchte Wände, aufgequollene Böden und dröhnende Trocknungsgeräte machen das Wohnen zur Belastung. Viele Mieter wissen nicht, dass sie in dieser Zeit weniger Miete zahlen müssen. Dabei ist die Rechtslage eindeutig.

Wann Mieter die Miete mindern dürfen

Die Grundlage steht in Paragraf 536 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Schränkt ein Mangel die Nutzung der Wohnung spürbar ein, ist die Miete automatisch gemindert. Ein Antrag ist nicht nötig. Auch auf die Zustimmung des Vermieters kommt es nicht an. Die Minderung gilt ab dem Tag, an dem der Schaden gemeldet wurde. Gerechnet wird tagesgenau bis zur vollständigen Beseitigung, die Trocknungsphase eingeschlossen. Eine Ausnahme gibt es: Wer den Schaden selbst verursacht hat, darf nicht mindern. Das gilt etwa, wenn der Schlauch der eigenen Waschmaschine platzt.

Ohne Meldung kein Recht

Der wichtigste Schritt ist die Mängelanzeige. Mieter müssen den Schaden unverzüglich melden. Wer das versäumt, verliert das Minderungsrecht für diesen Zeitraum und haftet im schlimmsten Fall sogar für Folgeschäden. Bei laufendem Wasser gilt: sofort anrufen, danach schriftlich nachziehen. Die Anzeige sollte den Schaden konkret beschreiben und eine Frist zur Beseitigung setzen. Fotos mit Datum, kurze Notizen zum Verlauf und Zeugen sichern die Beweislage. Auch die Ankündigung der Minderung gehört in das Schreiben. Das schafft klare Verhältnisse und beugt Streit vor.

Wie hoch darf die Minderung ausfallen?

Eine gesetzliche Tabelle gibt es nicht, die Quote richtet sich nach dem Einzelfall. Aus der Rechtsprechung lassen sich aber Orientierungswerte ableiten. Feuchte Wände ohne echten Nutzungsausfall rechtfertigen etwa fünf bis fünfzehn Prozent. Ist ein Raum nicht mehr nutzbar, sind fünfzehn bis dreißig Prozent üblich. Laufen Trocknungsgeräte in mehreren Räumen, steigen die Quoten wegen Lärm, Abwärme und blockierter Flächen auf dreißig bis sechzig Prozent. Bei einer unbewohnbaren Wohnung entfällt die Miete komplett. Berechnungsgrundlage ist die Bruttomiete, also Kaltmiete plus Nebenkostenvorauszahlung. Wer unsicher ist, zahlt zunächst unter Vorbehalt weiter und fordert den Differenzbetrag später zurück.

Trocknungsgeräte: Der Strom geht auf den Vermieter

Bautrockner laufen meist Tag und Nacht, oft über mehrere Wochen. Je Gerät kommen schnell 15 bis 25 Kilowattstunden am Tag zusammen. Das summiert sich auf über hundert Euro Stromkosten im Monat. Diese Kosten trägt der Vermieter beziehungsweise dessen Versicherung. Mieter sollten den Zählerstand beim Aufstellen und beim Abbau der Geräte fotografieren und die Differenz in Rechnung stellen. Die Minderung wegen Lärm und eingeschränkter Nutzung kommt zusätzlich dazu. Ein Punkt für später: In der Nebenkostenabrechnung haben Trocknungs- und Reparaturkosten nichts verloren.

Wer zahlt was?

Nach einem Wasserschaden sind oft mehrere Versicherungen im Spiel. Schäden am Gebäude, also Wände, Böden und die Trocknung, laufen über die Gebäudeversicherung des Eigentümers. Beschädigte Möbel und Geräte des Mieters ersetzt dessen Hausratversicherung oder der Verursacher. Wichtig zu wissen: Auch wenn der Nachbar den Schaden verursacht hat, bleibt der Vermieter der richtige Ansprechpartner für Minderung und Reparatur. Der Mietvertrag besteht mit ihm. Das Geld holt er sich anschließend beim Verursacher zurück.

Diese Fehler kosten Geld

Der häufigste Fehler ist eine überzogene Quote. Wer über Monate deutlich zu wenig zahlt, riskiert eine Kündigung wegen Zahlungsverzugs. Kritisch wird es ab einem Rückstand von zwei Monatsmieten. Die Zahlung unter Vorbehalt ist deshalb der sichere Weg. Fehler Nummer zwei sind mündliche Absprachen. Was nicht schriftlich festgehalten ist, lässt sich später kaum beweisen. Und schließlich verschenken viele Betroffene schlicht Geld, weil sie ihre Rechte gar nicht erst geltend machen.

Digitale Hilfe für Mieter

Wer sich Formulierungen und Fristen nicht zutraut, muss nicht gleich zum Anwalt. Mieterportale im Netz übernehmen inzwischen viele dieser Schritte. Sie erstellen Mängelanzeigen mit korrekter Fristsetzung, ordnen Fotos des Schadens einer realistischen Minderungsquote zu, erinnern an laufende Fristen und versenden Schreiben direkt an den Vermieter. Auch die spätere Nebenkostenabrechnung lässt sich digital auf unzulässige Posten prüfen. Eine Rechtsberatung im Streitfall ersetzt das nicht. Für die ersten Schritte reicht es aber meistens aus. Wer schnell meldet, sauber dokumentiert und mit Augenmaß mindert, kommt gut durch die nasse Zeit.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sechsstelliges Investment: Indoor-Garten-Startup Everleaf expandiert

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Everleaf: Marketing und Produktentwicklung im Fokus Bild: Christophe Vermeersch vor Indoor Garten @ Everleaf

Everleaf holt mittleren sechsstelligen Betrag und bereitet den Schritt über DACH hinaus vor

Das Wiener Indoor-Garten-Startup Everleaf hat eine neue Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich abgeschlossen. Zu den neuen Investoren zählt ein Gründer, der bereits im Silicon Valley ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut und verkauft hat. Der größte Teil des Kapitals geht in die Vorfinanzierung der Ware, dazu kommen Marketing und Produktentwicklung. Ab dem kommenden Jahr will das Unternehmen erstmals neue Märkte erschließen.

Frisches Gemüse in der eigenen Wohnung ernten, ohne Garten und ohne grünen Daumen: Mit diesem Versprechen ist Everleaf mit der ersten Version seines vertikalen Indoor-Gartens auf den Markt gegangen. Zuletzt hatte sich im Mai 2025 Bestandsinvestor Michael Grabner, der über „2 Minuten 2 Millionen“ eingestiegen war, an einer sechsstelligen Runde beteiligt. Damals lautete das Ziel, den Umsatz im laufenden Jahr zu verzehnfachen. Dieses Ziel hat Everleaf nach eigenen Angaben beinahe erreicht. Im laufenden Jahr wächst das Unternehmen erneut deutlich.

Jetzt folgt die nächste Runde. Everleaf hat frisches Kapital im mittleren sechsstelligen Bereich aufgenommen und mehrere neue Investoren an Bord geholt.

Silicon Valley Erfahrung im Gesellschafterkreis

Die neuen Investoren beteiligen sich als Business Angels und bringen neben Kapital vor allem Netzwerk und operative Erfahrung mit. Einer von ihnen hat im Silicon Valley selbst ein Unternehmen aufgebaut und erfolgreich verkauft. Auf eigenen Wunsch werden die neuen Gesellschafter nicht namentlich genannt.

„Geld allein löst in unserer Phase wenig. Was uns wirklich weiterbringt, sind Leute, die den Weg vom Startup zum großen Unternehmen schon einmal gegangen sind und wissen, wo es dabei knirscht“, sagt Gründer Christophe Vermeersch.

Stärkung des Working Capital

Ein Großteil der neuen Mittel fließt nicht in Marketing, sondern in die Ware selbst. Für Everleaf ist das die zentrale Herausforderung im Consumer Hardware Geschäft: Produktion und Einkauf müssen Monate vorfinanziert werden, lange bevor ein einziger Garten verkauft ist. Je stärker das Unternehmen wächst, desto größer wird der Kapitalbedarf, der in Lager und Vorproduktion gebunden ist.

Klassische Einkaufsfinanzierungen von Banken greifen in dieser Größenordnung noch nicht. Genau hier setzt die neue Runde an: Sie stärkt das Working Capital und schafft damit die Basis für das geplante Wachstum. Everleaf hält sich außerdem die Option offen, künftig ein weiteres Double Equity zu beantragen, um diesen Bereich dauerhaft abzusichern.

„Bei Hardware entscheidet nicht nur, wie gut du verkaufst, sondern ob du die Ware überhaupt durchgehend vorfinanzieren kannst, ohne dabei Out of Stock zu sein. Diese Hürde wird mit jedem Wachstumsschritt größer“, so Vermeersch.

Creative Diversity: Everleaf sucht Verstärkung im Marketing

Als DTC Marke wächst Everleaf vor allem über Online Marketing. Umsatzwachstum entsteht dort allerdings nicht dadurch, dass man den Geldhahn bei Meta weiter aufdreht. Entscheidend sind Menge und Qualität der Werbemittel, im Fachjargon Creative Diversity. Bisher hat Vermeersch diesen Bereich selbst verantwortet. Für die nächste Skalierungsstufe reicht das nicht mehr.

Everleaf sucht daher ab sofort eine Growth & Marketing Manager mit Erfahrung im E-Commerce oder DTC Umfeld. Die Position ist in Wien angesiedelt.

Produktentwicklung mit 3D-Druckern statt langer Roadmaps

Seit Everleaf die Produktentwicklung vollständig In-house geholt und vor einem Jahr einen eigenen Produktentwickler eingestellt hat, kommen deutlich mehr Produkte auf den Markt, vor allem Zubehör für den Everleaf Garden. Noch in diesem Jahr folgen zwei weitere Produkte, die das Gartenerlebnis erweitern.

Der Ansatz dahinter ist bewusst schlank. In der hauseigenen Werkstatt stehen mehrere 3D-Drucker. Aus einer Idee kann innerhalb einer Woche ein Produkt im Shop werden, das im echten Markt getestet wird. Erst wenn Kundinnen und Kunden es kaufen und mit Qualität und Funktion zufrieden sind, investiert das Team in skalierbare Fertigungsverfahren wie Spritzguss, die immer mit hohen Werkzeugkosten verbunden sind.

Genauso ist Everleaf schon beim Garten selbst vorgegangen. Die erste Version war alles andere als perfekt, kam dafür aber früh auf den Markt und lieferte echtes Feedback. Heute ist das Produkt weitgehend ausentwickelt. Das Team soll auch künftig bewusst klein bleiben, Prozesse werden so weit wie möglich mit KI aufgesetzt.

Vier Jahre Everleaf und der Blick über DACH hinaus

Im August 2022 begann Christophe Vermeersch mit der Konzeptentwicklung von Everleaf, im März 2023 folgte die Gründung der GmbH. Vier Jahre nach der ersten Idee ist der Antrieb derselbe geblieben: die Lebensmittelproduktion wieder näher an die Endverbraucher bringen, mit kurzen Wegen, frischerem Gemüse und ohne Belastung durch Pestizide.

Mit dem neuen Kapital will Everleaf ab dem kommenden Jahr erstmals über den deutschsprachigen Raum hinausgehen.

„Uns war immer wichtig, erst zu zeigen, dass unser Produkt und unser Ansatz in DACH funktioniert, bevor wir in neue Märkte gehen“, sagt Vermeersch. „Inzwischen haben wir ein System gefunden, das funktioniert. Genau das wollen wir jetzt auf weitere Länder übertragen.“

Bild: Christophe Vermeersch vor Indoor Garten @ Everleaf

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI für Unternehmenswissen: amber erhält sieben Millionen Euro für weiteres Wachstum

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amber entwickelt KI für Unternehmenswissen und erhält sieben Millionen Euro für Wachstum. Drei Millionen Euro investiert die NRW.BANK in das Start-up. NRW.BANK Gebäude in Düsseldorf mit Fahnen und blick nach oben entlang des Gebäudes!

NRW.BANK investiert drei Millionen Euro in Aachener Start-up. Im Fokus der Investition steht KI für Unternehmenswissen.

Mit seiner KI für Unternehmenswissen will das Aachener Start-up amber Informationen aus unterschiedlichen Systemen zentral zugänglich machen. Mehr als 400 Unternehmen setzen die Business-KI bereits ein. Nun erhält amber sieben Millionen Euro für Produktentwicklung, Teamaufbau und die weitere Expansion in Europa.

KI für Unternehmenswissen: NRW.BANK investiert drei Millionen Euro in amber

Mehr als 400 Unternehmen nutzen bereits die Business-KI von amber, um schneller auf das gesamte Unternehmenswissen zuzugreifen und Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Jetzt erhält das Aachener Unternehmen sieben Millionen Euro für sein weiteres Wachstum. NRW.Venture, der Venture-Capital-Fonds der NRW.BANK, steuert drei Millionen Euro bei. amber will damit sein Produkt weiterentwickeln, das Team vergrößern und weitere Märkte in Europa erschließen. Die Bedeutung von KI bei der Organisation und dem Management von Unternehmenswissen wächst stetig.

„In vielen mittelständischen Unternehmen steckt enormes Wissen. Im Arbeitsalltag ist es aber oft nur schwer zugänglich, weil es über viele Systeme verteilt ist“, sagt Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK. „amber löst diese konkrete Herausforderung und macht vorhandenes Wissen direkt nutzbar. Wir unterstützen mit unserem Investment ein Start-up aus Nordrhein-Westfalen, das sich an einen großen europäischen Markt richtet und ganz gezielt die Zukunftsfähigkeit des Mittelstands steigert.“ Für viele Mittelständler bieten sich damit neue Chancen durch den Einsatz von KI für Unternehmenswissen.

KI für Unternehmenswissen bündelt Daten aus verschiedenen Systemen

Das gesamte Unternehmenswissen immer parat Durch den gezielten Einsatz von KI lassen sich viele Herausforderungen rund ums Unternehmenswissen meistern.

amber wurde von Bastian Maiworm, Philipp Reißel und Igli Manaj gegründet, die über langjährige Erfahrung mit künstlicher Intelligenz verfügen. Das Start-up aus dem Umfeld der RWTH Aachen richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. Viele von ihnen wollen künstliche Intelligenz einsetzen, stehen aber vor der Herausforderung, dass die Daten oftmals über verschiedene Laufwerke und in verschiedenen Programmen, Dokumenten oder E-Mails verteilt sind. Bei der zentralen Sammlung von Unternehmenswissen kann die Integration von KI neue Maßstäbe setzen.

Die Plattform von amber führt dieses Wissen mithilfe eines proprietären AI Data Layers zusammen. Basis dafür ist eine Suchfunktion für interne Unternehmensdaten, ergänzt durch einen KI-Assistenten sowie KI-Agenten, die zunehmend einzelne Aufgaben übernehmen können. Mitarbeitende können Fragen in Alltagssprache stellen und erhalten Antworten auf Grundlage der Informationen ihres Unternehmens. Damit entfällt die langwierige Suche nach Dokumenten und Informationen – hier spielt sich die wahre Stärke von KI im Bereich Unternehmenswissen aus.

amber soll im europäischen Mittelstand wachsen

Wachstum im europäischen Mittelstand Mehr Unternehmen erkennen die Vorteile von KI für Unternehmenswissen.

Zu den Kunden von amber zählen unter anderem Unternehmen aus dem Maschinenbau, der industriellen Produktion und dem Ingenieurwesen. Sie nutzen die Plattform vor allem, um Wissen zu sichern, neue Mitarbeitende schneller einzuarbeiten und Informationen im Arbeitsalltag leichter verfügbar zu machen. Gerade im Mittelstand sorgt die Nutzung fortschrittlicher KI für Produktivitätszuwächse und bessere Nutzung des Unternehmenswissens.

Mit dem neuen Kapital will amber zunächst seine Präsenz in ganz Europa ausbauen. Außerdem plant das Unternehmen, weitere Beschäftigte einzustellen und seine KI-Lösungen weiterzuentwickeln. Die NRW.BANK stellt über ihren Venture-Capital-Fonds NRW.Venture drei Millionen Euro Eigenkapital bereit. In gleicher Höhe ist Ventech investiert, eine international aktive VC-Gesellschaft aus Frankreich. Die restliche Summe kommt von verschiedenen weiteren Investoren. So wird KI für das Unternehmenswissen bei amber künftig eine zunehmend zentrale Rolle bei der Expansion spielen.

Foto/Quelle: NRW.BANK

Robo-Guru: Neue Vergleichsplattform bringt Transparenz in die B2B-Robotik

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Robo-Guru: Roboter für professionelle Robotik Sebastian Hosbach Robo-Guru

Robo-Guru schafft mehr Transparenz im Markt für professionelle Robotik und ermöglicht Unternehmen einen unabhängigen Vergleich verschiedener Hersteller.

Können Sie Robo-Guru kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine unabhängige Beratungs- und Vergleichsplattform für professionelle Robotik entstanden ist?

Robo-Guru ist eine herstellerunabhängige Beratungs- und Vergleichsplattform für professionelle Robotik im deutschsprachigen Raum. Unternehmen finden bei uns Orientierung in einem zunehmend unübersichtlichen Markt: Welcher Roboter passt zu meiner Fläche, meinem Budget und meinem Einsatzfall? Was kostet der Betrieb wirklich — und ab wann rechnet sich die Investition? Vom ersten Informieren über den Modellvergleich bis hin zu konkreten Angeboten mehrerer Anbieter begleiten wir den gesamten Entscheidungsprozess.

Die Idee entstand im Dezember 2025. Ich beschäftigte mich damals intensiv mit der Frage, warum es in der professionellen Robotik keinen zentralen Ort für Austausch und Wissen gibt — eine Community mit Erfahrungsberichten aus der Praxis, mit Videos, Bildern und ehrlichen Einschätzungen von Menschen, die diese Maschinen tatsächlich im Einsatz haben. Ich hatte mir sämtliche Marken angesehen, alle einschlägigen Foren durchforstet — und musste feststellen: So etwas existierte schlicht nicht. Dabei war es genau das, was ich mir als Branchenkenner selbst immer gewünscht hatte.

Also habe ich nicht lange überlegt, sondern angefangen. Ich habe die erste Version der Plattform eigenhändig mit WordPress aufgebaut — mit unzähligen Plugins, unzähligen Arbeitsstunden und, ganz ehrlich, auch mit einigen schlaflosen Nächten. Stück für Stück habe ich das Projekt weiterentwickelt und ausgebaut, bis ich irgendwann an einen Punkt kam, an dem klar wurde: Mit WordPress stoße ich an technische Grenzen. Die Plattform, die mir vorschwebte, ließ sich damit nicht mehr sauber und zukunftsfähig umsetzen.

An diesem Punkt habe ich meinen Freund und Entwickler Sebastian Angelone angerufen und ihm meine Idee vorgestellt: eine ganzheitliche, professionelle Plattform für gewerbliche Robotik — unabhängig, fundiert und mit echtem Mehrwert für die Betreiber. Er war sofort Feuer und Flamme. Seine Reaktion war unmissverständlich: Dieses Thema greifen wir gemeinsam an — und wir wollen im Bereich der B2B-Robotikplattformen Marktführer im deutschsprachigen Raum werden. Aus dieser gemeinsamen Überzeugung ist Robo-Guru entstanden.

Wer steht hinter Robo-Guru, und welche Erfahrungen bringen Sie ein?

Hinter Robo-Guru stehen Sebastian Angelone und ich, Sebastian Hosbach. Wir haben das Unternehmen 2026 als GbR mit Sitz in Dortmund gegründet. Ich bringe über 20 Jahre B2B-Vertriebserfahrung mit, davon einen erheblichen Teil in der professionellen Robotik — ich kenne also beide Seiten des Tisches: die Argumentation der Anbieter und die tatsächlichen Fragen der Betreiber. Genau dieses Insiderwissen macht die Plattform glaubwürdig: Wir wissen, wo Datenblätter schönen und wo die echten Kostentreiber liegen.

Welche Vision verfolgen Sie, und wie erleichtern Sie Unternehmen den Zugang?

Unsere Vision: Robo-Guru soll die zentrale Anlaufstelle für gewerbliche Robotik im deutschsprachigen Raum werden — vom ersten Informieren bis zum konkreten Angebot. Konkret erleichtern wir den Zugang dreifach: mit dem Robot-Finder, der aus dem Einsatzprofil passende Modelle filtert, mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die aus dem Bauchgefühl eine belastbare Zahl machen, und mit der Anfrage, über die Interessenten bis zu fünf vergleichbare Angebote erhalten — oft bis zu 30 % günstiger als die Listenpreise auf den Websites.

An welche Zielgruppen richtet sich Robo-Guru, und welche Herausforderungen lösen Sie?

Unser Kern sind Gebäudedienstleister, Facility Manager und Betreiber größerer Flächen — Handel, Logistik, Hotellerie, Kliniken, Kommunen. Ihre Herausforderungen sind immer dieselben: Personalmangel, steigende Kosten und ein unübersichtlicher Anbietermarkt. Viele wissen, dass Robotik helfen kann, aber nicht, welches Gerät für ihren Fall taugt und ab wann es sich rechnet. Wir nehmen ihnen die Recherche ab, übersetzen Technik in Betriebswirtschaft und bringen sie mit den passenden Anbietern zusammen.

Warum fällt es Unternehmen trotz des vielfältigen Marktes schwer, die passende Lösung zu finden?

Gerade weil der Markt so vielfältig geworden ist. Es gibt Dutzende Hersteller, ständig neue Modelle, und die Datenblätter sind untereinander kaum vergleichbar — Flächenleistungen werden unter Idealbedingungen gemessen, Folgekosten für Verbrauchsmaterial, Service und Software tauchen oft gar nicht auf. Dazu kommt: Wer beim Hersteller anfragt, bekommt naturgemäß dessen Lösung empfohlen. Ohne neutrale Instanz vergleicht der Kunde Äpfel mit Birnen und entscheidet am Ende nach Sympathie statt nach Fakten.

Was macht Robo-Guru besonders im Vergleich zur direkten Beratung durch Hersteller oder Händler?

Der Hersteller berät im Rahmen seines Portfolios — das ist legitim, aber begrenzt. Wir starten beim Einsatzfall des Kunden und schauen dann über den gesamten Markt, welche Lösung passt. Dazu pflegen wir eine bewusst spezifikationskritische Redaktion: Wo Herstellerangaben unklar oder widersprüchlich sind, benennen wir das offen, statt Marketingtexte zu übernehmen. Und am Ende erhält der Interessent nicht ein Angebot, sondern mehrere im direkten Vergleich — das allein verändert die Verhandlungsposition erheblich.

Wie stellen Sie sicher, dass die Unabhängigkeit langfristig erhalten bleibt?

Durch das Geschäftsmodell selbst. Wir leben nicht von einem einzelnen Hersteller, sondern von der Vermittlung qualifizierter Anfragen — und jede Anfrage geht an bis zu fünf Anbieter gleichzeitig, die sich im Wettbewerb um den Kunden bemühen müssen. Kein Partner bekommt Exklusivität, kein Partner kann sich ein besseres Ranking kaufen. Redaktion und Vermittlung sind sauber getrennt: Was wir über einen Roboter schreiben, hängt nicht davon ab, ob der Hersteller Leads bei uns einkauft. Diese Struktur ist unsere Unabhängigkeitsgarantie — sie ist nicht von gutem Willen abhängig.

Wie wichtig ist der messbare ROI für Unternehmen bei der Entscheidung für Robotik?

Entscheidend. Kaum ein Unternehmen kauft einen Roboter, weil er beeindruckend fährt — gekauft wird, wenn die Rechnung aufgeht. Deshalb ist unser Wirtschaftlichkeitsrechner eines der meistgenutzten Werkzeuge auf der Plattform: Anschaffung oder Miete, Personalkosten, Flächenleistung, Laufzeit — daraus entsteht eine Amortisationsrechnung, mit der ein Facility Manager intern argumentieren kann. Unsere Erfahrung: Sobald der Business Case schwarz auf weiß vorliegt, wird aus „interessant“ sehr schnell „wann können wir starten“.

Welches Potenzial sehen Sie über Reinigungsroboter hinaus bei Service-, Transport- oder humanoiden Robotern?

Enormes. Reinigungsrobotik ist für uns der etablierte Einstieg, nicht die Obergrenze. Der Facility Manager, der heute einen Reinigungsroboter beschafft, ist morgen derselbe Ansprechpartner für Transport-, Service- und Inspektionsroboter — bis hin zu Laufrobotern und humanoiden Systemen. Wir folgen also der Kundenbeziehung, nicht einer einzelnen Technologie. Die Erweiterung unserer Kategoriestruktur läuft bereits, und gerade im humanoiden Bereich bauen wir aktuell aktiv Anbieterbeziehungen auf. Der Markt steht hier erst am Anfang — und genau dann ist neutrale Orientierung am wertvollsten.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, diesen Markt transparent abzubilden?

Die größte ist die Geschwindigkeit: Modellzyklen werden kürzer, ständig treten neue Anbieter — vor allem aus Asien — in den Markt ein, und die Datenqualität der Hersteller ist sehr unterschiedlich. Herstellerangaben lassen sich nicht immer unabhängig verifizieren; damit gehen wir transparent um und kennzeichnen offene Punkte, statt sie zu glätten. Und schließlich müssen wir Komplexität reduzieren, ohne unseriös zu vereinfachen — ein Vergleich, der alles auf eine Schulnote eindampft, würde dem Thema nicht gerecht.

Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen an, und wie möchten Sie die Plattform langfristig ausbauen?

Kurzfristig erweitern wir die Roboter-Segmente deutlich über die Reinigung hinaus. Der größte Schritt ist aber der Ausbau von robo-guru.de zur Community: ein Fachnetzwerk für Betreiber und Anbieter mit Erfahrungsberichten aus der Praxis, Fragen und Antworten, Gruppen nach Branche und Segment sowie einer Academy mit Kursen, Zertifikaten und Live-Webinaren. Denn die ehrlichste Information über einen Roboter kommt von dem, der ihn täglich im Einsatz hat. Langfristig folgt eine native App, damit die Plattform auch mobil das tägliche Werkzeug der Branche wird.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern in einem jungen Technologiemarkt geben?

Erstens: Baut auf Branchenwissen, nicht nur auf eine Idee. In einem jungen Markt ist Glaubwürdigkeit die härteste Währung — die bekommt man nur, wenn man das Geschäft der Kunden wirklich versteht. Zweitens: Verkauft früh. Nicht monatelang im stillen Kämmerlein perfektionieren, sondern mit einem funktionierenden Kern an den Markt und aus echten Anfragen lernen. Drittens: Wachst aus eigener Kraft, wo es geht. Ein profitables, fokussiertes Geschäft gibt einem die Freiheit, langfristig zu denken — und die braucht man in einem Markt, der sich alle sechs Monate neu sortiert.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Sebastian Hosbach für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Robo-Guru GbR
Sebastian Angelone & Sebastian Hosbach
Seehang 28
44263 Dortmund
NRW, Germany

www.robo-guru.de
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Ansprechpartner: Sebastian Angelone & Sebastian Hosbach

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Die Rettungsinsel: Carolin Emmerling bringt den mobilen Kiosk direkt auf den Campground

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Die Rettungsinsel: Festival trifft Community mit KI erstellt

Die Rettungsinsel bringt als mobiler Kiosk praktische Versorgung direkt aufs Festival und setzt dabei auf faire Preise, persönliche Nähe und Community.

Können Sie Die Rettungsinsel kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für einen mobilen Festival Kiosk entstanden ist?

„Die Rettungsinsel“ ist ein mobiler Festival-Kiosk, der direkt auf den Campgrounds dorthin rollt, wo die Versorgung auf den weitläufigen Campingflächen oft mühsam ist. Die Idee ist schlicht aus eigener Praxiserfahrung auf Festivals entstanden. Wenn nach einer langen Nacht oder mitten im Festivalgeschehen Kleinigkeiten fehlen oder die Wege zum offiziellen Supermarkt kilometerweit sind, braucht es einen unkomplizierten Anlaufpunkt direkt vor Ort.

Wer steht hinter Die Rettungsinsel, und welche Erfahrungen aus Ihrer Arbeit auf Festivals fließen in das Konzept ein?

Hinter dem Projekt steht Carolin Emmerling. Die direkte Praxiserfahrung aus der Arbeit an Festivalständen – zuletzt in einer Art Festival-Drogerie – fließt unmittelbar in das Konzept ein. Dort wurde hautnah miterlebt, dass es zwar Drogerieprodukte gab, aber vor Ort leider oft schlicht die richtigen Artikel fehlten, die man in dem Moment wirklich gebraucht hätte.

Welche Situationen auf Festival Campgrounds haben Ihnen gezeigt, dass es einen solchen mobilen Kiosk braucht?

Es sind die klassischen, wiederkehrenden Situationen. Die Wege zum zentralen Festival-Supermarkt sind bei Hitze oder Erschöpfung viel zu weit, wichtige Dinge gehen aus, oder man braucht einfach eine schnelle, unkomplizierte Versorgung direkt im Zeltbereich, ohne stundenlang unterwegs zu sein.

An welche Festivalbesucher richtet sich Ihr Angebot, und welche Produkte dürfen auf der Rettungsinsel auf keinen Fall fehlen?

Das Angebot richtet sich an alle Festivalbesucher, die das autarke Camping schätzen, aber den Alltag im Zelt durch kluge Helfer erleichtern möchten. Auf der Rettungsinsel geht es nicht um Lebensmittel oder Getränke, sondern um die unverzichtbaren Problemlöser. Von hochwertigen Ohrstöpseln für die nötige Nachtruhe über Ersatzbatterien bis hin zu essenziellen Hygieneartikeln und Camping-Gadgets – genau die Dinge, die den Unterschied zwischen einem mühsamen Aufenthalt und einem entspannten Festivalerlebnis ausmachen.

Faire Preise sind ein wichtiger Teil Ihres Konzepts. Wie möchten Sie diese trotz der besonderen Bedingungen auf Festivals gewährleisten?

Durch eine schlanke Logistik, effiziente Abläufe und den Verzicht auf unnötige Zwischenstrukturen gelingt es, die Preise bodenständig und fair zu halten, anstatt die besonderen Bedingungen für übertriebene Aufschläge zu nutzen.

Was unterscheidet Die Rettungsinsel von klassischen Festival Shops oder anderen Verkaufsständen auf Veranstaltunggeländen?

Klassische Shops stehen meist starr am Rand oder zentral im Event-Bereich. Die Rettungsinsel holt die Versorgung direkt dorthin, wo das echte Festivalleben stattfindet – nah an die Community, mobil und mit einem unkomplizierten Ansatz.

Sie möchten bewusst Herzlichkeit und persönlichen Kontakt mit einem praktischen Angebot verbinden. Welche Rolle spielt dieser Community Gedanke für das Projekt?

Der Community-Gedanke ist das Fundament. Ein Festival lebt vom Miteinander, vom direkten Austausch und von einer Atmosphäre der Offenheit. Genau dieses persönliche, herzliche Gefühl soll der Kiosk widerspiegeln, statt eine anonyme Verkaufsbude zu sein.

Für den Start setzen Sie auf Crowdfunding. Warum ist dieser Finanzierungsweg für Die Rettungsinsel besonders passend?

Crowdfunding ermöglicht es, die ersten logistischen Hürden direkt gemeinsam mit den Menschen zu nehmen, die das Konzept unterstützen wollen. Es ist der direkteste Weg, um unabhängig zu starten und die Community von Beginn an einzubinden.

Als Dankeschön erstellen Sie handgemachte Kunstwerke. Wie verbinden sich Ihre Arbeit als Künstlerin und Ihre Festival Erfahrung in diesem Projekt?

Die künstlerische Arbeit und die Festival-Praxis ergänzen sich perfekt. Beide Welten basieren auf Kreativität, Haltung und echtem Handwerk. Als Dankeschön fließen handgemachte Unikate ein, die dem Projekt eine ganz persönliche, unverwechselbare Note geben.

Welche Herausforderungen erwarten Sie beim Aufbau und Betrieb eines mobilen Kiosks, der auf unterschiedlichen Festivals eingesetzt werden soll?

Die größten Herausforderungen liegen in der Logistik, den wechselnden Bedingungen vor Ort auf den Geländeplätzen und der präzisen Touren- und Einsatzplanung während der Festivalsaison.

Wie soll sich Die Rettungsinsel nach dem erfolgreichen Start weiterentwickeln, und welche Perspektive sehen Sie langfristig für das Konzept?

Nach dem erfolgreichen Start soll das Konzept stabil etabliert und die Präsenz auf weiteren Festivals Schritt für Schritt ausgebaut werden, um die mobile Infrastruktur langfristig zu festigen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Erfahrung eine Geschäftsidee entwickeln möchten?

  1. Dem eigenen Instinkt vertrauen und die Idee konsequent durchziehen, anstatt sich von äußeren Zweifeln bremsen zu lassen.
  2. Nah an der Realität bleiben und echte Probleme lösen, statt am Reißbrett vorbei zu planen.
  3. Pragmatisch bleiben und die Ressourcen auf das Wesentliche fokussieren.

Bild mit KI erstellt

Wir bedanken uns bei Carolin Emmerling für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Gegen müffelnde Sneaker: Jan und Udo Schulte über ihre Zimtsohlen-Marke spiceboys

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spiceboys: Zimt-Einlegesohlen gegen Fußgeruch spiceboys gründer bild  Jan und Udo Schulte 

spiceboys entwickelt Zimt-Einlegesohlen gegen Fußgeruch und verbindet dabei die natürliche Wirkung von Zimt mit einem urbanen Design für Sneaker-Fans.

Können Sie spiceboys kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem persönlichen Problem die Idee zur Gründung entstanden ist?

spiceboys sind Zimt-Einlegesohlen im urbanen Streetwear-Look gegen müffelnde Sneaker, entwickelt von uns, den Brüdern Jan und Udo Schulte. Angefangen hat alles ganz unspektakulär und wie so oft in einer Küche: Wir haben uns mal wieder darüber ausgetauscht, wie uns das Thema Schweißfüße in der Jugend und zum Teil auch noch heute begleitet, und was wir für verrückte Dinge dagegen ausprobiert hatten. Jan hat erzählt, dass er es zuletzt mit Zimtsohlen versucht hat, und dass es tatsächlich funktioniert hat. Als er sie mir zeigte, war der erste Gedanke: Das Prinzip ist super, aber die sehen wirklich fürchterlich aus. Das muss doch besser gehen. Aus genau diesem Moment ist die Idee zu spiceboys entstanden.

Wer steht hinter spiceboys, und wie haben Sie als Brüder gemeinsam den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gestaltet?

Hinter spiceboys stehen wir, die Brüder Jan und Udo Schulte, betrieben über unsere SchuSchu UG mit Sitz in Jesteburg bei Hamburg. Wir haben beide feste Jobs, Udo in der Medienbranche, Jan im sozialen Bereich, und spiceboys ist daneben entstanden, am Wochenende und in unserer Freizeit. Das Unternehmen haben wir schon im April 2024 gegründet, danach aber erst mal in Ruhe die Idee ausgearbeitet: welchen Produzenten wir wollen, wie das Material sein soll, wie wir als Marke überhaupt kommunizieren wollen. Anfang 2026 sind wir dann in eine intensivere Phase gegangen und haben in konzentrierten Wochenendsessions alles fertig gemacht. Finanziert haben wir das komplett selbst, aus eigenen Mitteln, im niedrigen fünfstelligen Bereich, ohne Investor, ohne Kredit.

Welche Vision verfolgen Sie mit spiceboys, und warum möchten Sie das Thema Fußgeruch aus der Tabuzone holen?

Unsere Vision ist, ein Alltagsproblem ohne Scham ansprechen zu können, locker, ehrlich und ohne erhobenen Zeigefinger. Besonders hart trifft das Thema oft in der Pubertät, gerade Jungs, in einer Phase, in der man sich ohnehin schon nicht in der eigenen Haut wohlfühlt und Orientierung sucht. Wir wollen genau dieser Zielgruppe zeigen, dass sie Teil einer viel größeren Schicksalsgemeinschaft ist, als man denkt, und dass man sich dafür nicht schämen muss. Das Thema bleibt dabei nicht auf die Jugend beschränkt: Auch im Erwachsenenalter kämpfen viele Menschen damit, und für die ist spiceboys genauso gemacht.

An welche Zielgruppen richten sich die Zimt-Einlegesohlen von spiceboys, und welche Probleme möchten Sie im Alltag Ihrer Kunden lösen?

Unsere Zielgruppe sind vor allem Sneaker-affine Menschen, die ihre Schuhe lieben, aber mit dem Thema Schweißfüße kämpfen, ganz besonders junge Leute in der Pubertät und Erwachsene, die das Problem bis heute begleitet. Das Problem, das wir lösen wollen, ist nicht nur der Geruch selbst, sondern das Gefühl, sich dafür schämen zu müssen und keine Lösung zu haben, die man auch gerne benutzt, weil sie gut aussieht.

Sie haben zahlreiche Hausmittel ausprobiert, bevor Sie Ihr eigenes Produkt entwickelt haben. Was hat Ihnen auf diesem Weg die wichtigsten Erkenntnisse geliefert?

Wir haben so ziemlich jeden Hack durchprobiert: Backpulver in den Socken und sonstige Natron-Tricks aus dem Netz oder auch ein Fußbad mit Essig. Hat alles irgendwie ein bisschen funktioniert, aber nie wirklich und nie langfristig. Die wichtigste Erkenntnis kam dann über die Zimtsohlen-Idee: Das Prinzip mit dem Zimt funktioniert, aber alles, was es auf dem Markt gab, sah aus wie aus dem Reformhaus. Genau da haben wir gemerkt, dass die Lösung nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen muss, damit man sie wirklich gern benutzt.

Was macht spiceboys aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Einlegesohlen oder anderen Lösungen gegen Fußgeruch?

Bei der Suche nach dem richtigen Produzenten haben wir uns sehr viele Muster schicken lassen, wahrscheinlich um die zwanzig Sohlen von verschiedenen Herstellern. Dabei haben wir echte Überraschungen erlebt: Manche Produkte, die sich Zimtsohle nannten, hatten gar keinen echten Zimt drin, sondern nur einen aufgesprühten Duft. Unsere Sohlen sind mit reinem Saigon-Zimt gefüllt, einer der wirkstoffreichsten und effektivsten Zimtsorten, wenn es um die natürliche Wirkung gegen Bakterien geht. Dazu kommt ein einfarbiges, atmungsaktives Mesh im urbanen Look statt Reformhaus-Optik. Diese Kombination aus echtem Wirkstoff und Design, das man gerne trägt, unterscheidet uns von den meisten anderen Anbietern.

Die Inspiration stammt aus einer Tradition in Vietnam. Wie haben Sie dieses Wissen in ein modernes Produkt mit Streetwear-Charakter übertragen?

Die Idee stammt aus Vietnam, wo Zimt traditionell gegen Fußgeruch genutzt wird, dort unter anderem auch in Form von Zimtsandalen. Wir haben dieses Prinzip genommen und eine Einlegesohle kreiert, die in jeden Sneaker passt, mit einem einfarbigen, atmungsaktiven Mesh im urbanen Look statt der klassischen, eher unauffälligen braun/beigen Optik. So wird aus einer jahrhundertealten Idee ein Produkt, das sich in die heutige Sneaker- und Streetwear-Kultur einschmiegt.

Warum war es Ihnen wichtig, Funktionalität und Design gleichermaßen in den Mittelpunkt zu stellen?

Für uns war klar: Eine Sohle sieht zwar keiner direkt, aber wer jung ist oder Wert auf seinen Style legt, will trotzdem ansprechendes Design. Funktionalität allein reicht nicht, wenn das Produkt niemand benutzen will, weil es unattraktiv aussieht. Deswegen haben wir von Anfang an beides gleich stark priorisiert: die Wirkung über echten, hochwertigen Zimt, und die Optik über ein Design, das zu Sneakern passt statt dagegen zu arbeiten.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung der Materialien und der passenden Produktion meistern?

Die größte Herausforderung lag in der Materialsuche: Bei den Mesh-Stoffen für die Oberfläche gab es riesige Qualitätsunterschiede, viele Anbieter sind rausgeflogen, weil die Qualität einfach nicht gestimmt hat. Uns war wichtig, dass die Oberfläche weich und angenehm ist und gut atmet. Dazu kamen die klassischen Herausforderungen unerfahrener Gründer: Zoll, Einfuhrbestimmungen, Haltbarkeitsfragen. Da haben wir uns Schritt für Schritt reingearbeitet, auch mit Unterstützung von KI-Tools, die uns geholfen haben, mit unserem vietnamesischen Hersteller klar zu kommunizieren.

Seit dem Sommer sind die spiceboys Zimt-Einlegesohlen erhältlich. Welche Rückmeldungen Ihrer Kunden haben Sie bisher besonders überrascht?

Ehrlich gesagt sind wir noch ganz am Anfang, aber überrascht hat uns schon jetzt, wie offen Leute reagieren, wenn man das Thema einfach ohne Umschweife anspricht. Viele sagen uns direkt: Kenn ich, gut dass es das jetzt so gibt.

Welche neuen Produkte oder Entwicklungen stehen bei spiceboys als Nächstes auf Ihrer Roadmap?

Ein Abo-Modell haben wir uns bereits angeschaut, das bietet sich bei einer Haltbarkeit von rund vier Monaten geradezu an, kommt aber bewusst nicht sofort, weil wir erst Feedback aus unserer Community einholen wollten. Für das kommende Jahr sind außerdem weitere Kampagnen und Content geplant, mit denen wir unser Kernthema weiter nach vorn treiben. Den stationären Handel haben wir auf dem Schirm, dort ist aber aktuell noch wenig Energie reingeflossen, das steht für Mitte bis Ende nächsten Jahres auf der Agenda. Ein paar weitere Ideen haben wir schon, die wollen wir aber noch nicht spoilern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem alltäglichen Problem eine eigenständige Marke aufbauen möchten?

Erstens: Lasst euch Zeit. Wir haben uns bewusst nicht unter Druck gesetzt, ohne Investoren im Nacken konnten wir Prototypen verwerfen und noch mal von vorn anfangen, das hätten wir mit Zeitdruck nicht so sauber hinbekommen.

Zweitens: Schaut genau hin, bevor ihr euch für einen Partner entscheidet. Wir haben um die zwanzig Muster verglichen und dabei auch Anbieter erlebt, die mit falschen Versprechen gearbeitet haben. Wer beim ersten Angebot stoppt, zahlt später drauf.

Drittens: Bleibt ehrlich, auch wenn es unbequem ist. Wir sagen lieber weniger, aber das, was wir sagen, können wir auch belegen. Das gilt für Wirkversprechen genauso wie für alles andere, was ihr über euer Produkt behauptet.

Bildcredits © spiceboys

Wir bedanken uns bei Jan und Udo Schulte für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von der Botschaft zum Austausch: Wie Kommunikation zum Kreislauf wird

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Kommunikation: Feedback verändert Marketing Sandra Hommel Foto: kollex © Annette Koroll

Schnell wachsen, sichtbar werden, Nutzer:innen gewinnen – gerade in der Startup-Welt ist Kommunikation oft vor allem eines: laut und nach außen gerichtet. Auch für das Software-Unternehmen kollex, das eine digitale Bestellplattform für Gastronomie und Getränkefachgroßhandel bietet, lag dieser Weg nahe. Doch schnell zeigte sich: Einseitige Botschaften reichen nicht aus. Für das B2B-Marketing mit einer kleinen Zielgruppe ist eine andere Strategie viel wirkungsvoller.

Feedback ist kein Nice-to-have, sondern Entscheidungsgrundlage

Wie viele Unternehmen sorgt kollex über Marketing-Mailings, Umfragen und andere Feedback-Kanäle dafür, dass Nutzer:innen nicht nur informiert werden, sondern auch zurück kommunizieren können. Entscheidend ist für uns, was wir aus den gewonnenen Informationen machen, statt sie verpuffen zu lassen. Früh hat kollex Kennzahlen wie den Net-Promoter-Score in Entscheidungen einbezogen, um die Zufriedenheit unser Kund:innen zu messen und deren Bedürfnisse auch langfristig besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse helfen uns so, die Traditionsbranchen Gastronomie und Getränkefachgroßhandel digital zusammen zu bringen. Denn diese Rolle können wir nur erfüllen, wenn wir zuhören, lernen und vermitteln – und Kommunikation als echten Dialog verstehen. Das gilt sowohl im Austausch mit unseren Partnern und B2B-Kund:innen als auch intern im Zusammenspiel von Produkt, Entwicklung und Vertrieb.

Der Wendepunkt zum echten Partnerdialog

Das Verständnis von Kommunikation als Kreislauf hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Als ich 2023 in die Geschäftsleitung von kollex wechselte, war ich bereits seit über drei Jahren Teil des Startups und habe Kampagnen optimiert und Kennzahlen gesteigert. Erst in meiner neuen Rolle konnte ich das volle Potenzial des direkten Austauschs mit unseren Nutzer:innen ausschöpfen. Feedback aus dem Support, Erkenntnisse aus Sales-Gesprächen und Erfahrungen aus der tatsächlichen Produktnutzung flossen nicht nur ein, sondern entwickelten sich zur Grundlage unserer Prozesse. Das Verständnis von Kommunikation als Kreislauf hat uns als B2B-Unternehmen sehr viel weiter gebracht als Performance-Marketing es je hätte können – egal, ob wir 500 oder 10.000 Euro in die Hand genommen hätten.

Interne Kommunikation als Taktgeber

Mein Wechsel in die Head-of-Rolle und schließlich in die Geschäftsleitung bot mir die Chance, diesen Ansatz auch intern im Unternehmen zu verankern. Heute leite ich nicht nur das Marketing-, sondern auch das Customer Support, Success- und Sales-Team. Dabei betrachte ich Kommunikation längst nicht nur als Kampagne, sondern als System – eins, das alle Abteilungen, Kanäle und Zielgruppen verbindet. Es geht nicht darum, Informationen zu verbreiten, sondern sie gezielt zu steuern. Ich bereite zentrale Informationen aus dem Tech-Produkt gezielt für meine Teams auf, sodass sie einfach zurück kommunizieren können. Statt sich durch Release Notes oder einzelne Updates zu arbeiten, erhalten die Abteilungen genau die Inhalte, die für sie relevant sind – und werden so deutlich produktiver. Der Schlüssel ist dabei das Verständnis für Nutzer:innen, Branchenerfahrung und Kommunikation auf Augenhöhe.

Die verbindende Kraft im Unternehmen

Gerade in einem Tech-Unternehmen, in dem sich täglich etwas verändert – von kurzfristigen Releases über neue Produkt-Features bis hin zu Störungsfällen – zeigt sich, wie entscheidend strukturierte Kommunikation ist. Dazu kommen wechselnde Kundenanforderungen, die Abstimmung zwischen Sales, Support und Produktentwicklung und das schnelle Feedback aus der Community. Da reicht es nicht, wenn wichtige Informationen irgendwo im Chat stehen. Unser Ansatz ist daher, Informationen stets auf Basis des Feedbacks aus unserer bisherigen Kommunikation zu bewerten und dementsprechend anzupassen. So entsteht der Kreislauf, für den wir gemeinsam mit dem Management-Team die Prozesse geschaffen und Informationssilos aufgebrochen haben.

Was sich verändert hat

Der Kreislauf-Gedanke hat unsere Zusammenarbeit spürbar verändert. Heute prägt das ganzheitliche Verständnis von Marketing und Kommunikation meinen Arbeitsalltag: auf strategischer, operativer und menschlicher Ebene. Marketing, Product, Sales und Customer Success greifen auf dieselben Erkenntnisse zu und arbeiten enger zusammen. Entscheidungen werden fundierter, weil sie auf realem Nutzerfeedback basieren und nicht auf Annahmen.

Fazit: Zum echten Kreislauf

In einer digital vernetzten Organisation geht es darum, Wissen zu verknüpfen, Feedback in Entscheidungen zu übersetzen und eine Kommunikationskultur zu schaffen, die Offenheit und Orientierung ermöglicht. Nur wenn der Kunden-Service die Herausforderungen kennt und das Produkt-Team Feedback erhält, entsteht ein echter Kreislauf. Gleichzeitig steigt die Geschwindigkeit, weil ein gemeinsamer Wissensstand zum echten Wettbewerbsvorteil wird. Das macht für mich Kommunikation zum strategischen Führungsinstrument.


Foto: kollex © Annette Koroll

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie Lyght Living die Möblierung von Unternehmen revolutioniert

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Lyght Living: flexible Möblierung & Corporate Housing Daniel Ishikawa GF Lyght Living_Porträt_Nahe_Sitzend

Lyght Living zeigt, wie flexible Möblierung und Corporate Housing Unternehmen dabei helfen, Einrichtung bedarfsgerecht zu nutzen und Ressourcen länger im Kreislauf zu halten.

Können Sie Lyght Living kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für das Mietmöbelmodell entstanden ist?

Lyght Living bietet flexible Möblierungslösungen für Unternehmen, Immobilienpartner und Relocation-Dienstleister. Unsere Kunden nutzen Einrichtungen genau so lange, wie sie benötigt werden. Anschließend werden die Möbel aufbereitet und erneut eingesetzt – Zirkularität ist damit ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.

Die Idee ist auch durch meinen deutsch-japanischen Hintergrund geprägt. In Japan steht „Mottainai“ für die Haltung, Ressourcen wertzuschätzen und möglichst lange zu nutzen. Genau diesen Gedanken verbinden wir bei Lyght Living mit einem konkreten Bedarf im B2B-Markt: Flexibilität für Unternehmen, ohne Ressourcen unnötig zu verbrauchen.

Wer steht hinter Lyght Living, und welche Erfahrungen haben Ihren Weg als Unternehmer besonders geprägt?

Als Deutschjapaner bin ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen und dies hat sicherlich meine Perspektive geprägt – auch auf Unternehmertum und den Umgang mit Ressourcen.

Unternehmerisch war für mich aber vor allem entscheidend zu erleben, wie sich ein zunächst erklärungsbedürftiges Geschäftsmodell über die Jahre etablieren kann. Als wir 2011 gestartet sind, war die Idee, komplette Einrichtungen für einen bestimmten Zeitraum zu mieten, im B2B-Bereich noch deutlich weniger bekannt.

Wir haben deshalb sehr früh gelernt, nah an unseren Kunden zu arbeiten und unser Angebot entlang realer Anforderungen weiterzuentwickeln. Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden. Diese Entwicklung zeigt mir, dass sich neue Geschäftsmodelle vor allem dann durchsetzen, wenn sie ein konkretes Problem besser lösen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Lyght Living, und warum glauben Sie, dass Unternehmen Einrichtung zunehmend nutzen statt besitzen werden?

Unternehmen werden immer flexibler – und damit verändern sich auch ihre Anforderungen an Infrastruktur und Ausstattung.

Hier ein paar Anwendungsbeispiele aus vergangenen Lieferungen:

Eine Expat-Familie aus den USA wird im Rahmen einer Mitarbeiterentsendung für zwei Jahre nach Berlin versetzt und findet keine geeignete möblierte Wohnung.
Ein KI-Start-up eröffnet einen neuen Standort und möchte sein Büro schnell und flexibel einrichten.
Ein Automobilkonzern zieht um und benötigt eine temporäre Möblierungslösung, bis die bestellten Möbel im neuen Büro eintreffen.

Eine Einrichtung dauerhaft zu kaufen, obwohl sie möglicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt wird, passt nicht immer zu dieser Realität.

Wir glauben deshalb, dass Unternehmen künftig stärker danach entscheiden werden, was sie für welchen Zeitraum benötigen, statt automatisch alles dauerhaft anzuschaffen. Unsere Vision ist es, flexible Möblierung als selbstverständliche Alternative zum klassischen Kauf zu etablieren.

Mehr als 600 Unternehmenskunden setzen bereits auf Ihre Lösungen. Was treibt die Nachfrage nach flexibler Möblierung aktuell besonders an?

Wir sehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Internationale Mobilität und Relocation spielen eine große Rolle, ebenso Corporate Housing und der Bedarf an kurzfristig verfügbarem Wohnraum für Mitarbeitende.

Gleichzeitig möchten Unternehmen flexibel auf Veränderungen reagieren können und Kapital nicht unnötig langfristig binden. Hinzu kommt ein stärkeres Bewusstsein dafür, Ressourcen länger zu nutzen.

Flexible Möblierung verbindet diese Anforderungen: Unternehmen bekommen die Ausstattung, die sie benötigen, für den Zeitraum, in dem sie gebraucht wird – ohne sich langfristig festlegen zu müssen.

Welche Rolle spielen Corporate Housing, Relocation und internationale Mobilität für das Geschäftsmodell von Lyght Living?

Eine zentrale. Wenn Unternehmen internationale Mitarbeitende an einen neuen Standort holen, reicht es nicht, lediglich eine Wohnung bereitzustellen. Sie muss im Idealfall vom ersten Tag an tatsächlich bewohnbar sein.

Gerade bei Relocations muss das häufig kurzfristig und für einen klar definierten Zeitraum funktionieren. Unternehmen und Relocation-Dienstleister benötigen deshalb Lösungen, die schnell verfügbar und gleichzeitig flexibel skalierbar sind.

Corporate Housing und internationale Mobilität gehören entsprechend zu den Bereichen, in denen die Vorteile flexibler Möblierung besonders deutlich werden.

Sie zählen auch zahlreiche DAX-Unternehmen zu Ihren Kunden. Welche Anforderungen stellen große Unternehmen an flexible Möblierung?

Bei großen Unternehmen stehen vor allem Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und standardisierte Prozesse im Vordergrund.

Wenn mehrere Wohnungen an unterschiedlichen Standorten ausgestattet werden müssen, muss das genauso zuverlässig funktionieren wie bei einer einzelnen Einheit. Gleichzeitig können Anforderungen sehr kurzfristig entstehen.

Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden, darunter 18 der 40 DAX-Unternehmen. Für diese Kunden geht es deshalb nicht nur um die Möbel selbst. Entscheidend sind planbare Abläufe, definierte Qualitätsstandards, flexible Laufzeiten und die Möglichkeit, auch größere Projekte zuverlässig umzusetzen.

Was unterscheidet Lyght Living aus Ihrer Sicht von klassischen Möbelhändlern oder anderen Mietmodellen?

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir nicht vom Verkauf eines Möbelstücks ausgehen, sondern vom konkreten Bedarf des Kunden und der Dauer seiner Nutzung.

Dazu gehört der gesamte Prozess: von der Planung und Bereitstellung über die Nutzung bis zur Rücknahme und Wiederaufbereitung der Möbel.

Wir verfügen heute über einen Bestand von rund 17.000 Möbelstücken. Unser Geschäftsmodell funktioniert deshalb gerade nicht darüber, möglichst viele neue Möbel zu verkaufen, sondern vorhandene Möbel möglichst effizient über mehrere Projekte hinweg einzusetzen.

Möbel erreichen bei Ihnen durchschnittlich sieben Verwendungszyklen. Wie organisieren Sie die Aufbereitung und Wiederverwendung in der Praxis?

Nach jedem Einsatz kommen die Möbel zurück und werden geprüft, professionell gereinigt und bei Bedarf repariert oder aufgearbeitet. Dafür betreiben wir ein eigenes Möbel-Reparaturzentrum in Rodgau.

Erst wenn ein Möbelstück unseren Qualitätsstandards entspricht, geht es zurück in den Bestand und kann erneut eingesetzt werden. Im Durchschnitt erreichen unsere Möbel auf diese Weise sieben Verwendungszyklen.

Die Aufbereitung ist deshalb kein Zusatz unseres Geschäftsmodells, sondern ein wesentlicher Teil davon.

Eine Aufbereitungsquote von 94 Prozent zeigt einen starken Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Wo liegen dennoch die größten Herausforderungen eines zirkulären Möbelmodells?

Die Herausforderung besteht darin, Kreislaufwirtschaft im großen Maßstab tatsächlich praktikabel zu machen.

Möbel müssen zurücktransportiert, geprüft, gereinigt, gegebenenfalls repariert, gelagert und anschließend wieder zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt werden. Gleichzeitig darf der nächste Kunde keinen Qualitätsunterschied wahrnehmen.

Aktuell können wir 94 Prozent der zurückkommenden Möbel wieder aufbereiten. Darin steckt letztlich auch der Gedanke, der mich schon durch meine japanische Herkunft geprägt hat: Bestehendes nicht vorschnell zu ersetzen, sondern seinen Wert möglichst lange zu erhalten. Entscheidend ist aber, daraus funktionierende Prozesse zu machen.

Sie statten jährlich mehr als 1.200 Wohneinheiten in mehreren europäischen Märkten aus. Welche Herausforderungen bringt diese Größenordnung für Logistik und Skalierung mit sich?

Wir realisieren B2B-Projekte in der gesamten DACH-Region sowie in den Benelux-Staaten und Dänemark. Bei mehr als 1.200 ausgestatteten Wohneinheiten pro Jahr besteht die Herausforderung darin, Flexibilität und Standardisierung miteinander zu verbinden.

Skalierung bedeutet für uns deshalb nicht einfach, mehr Möbel vorzuhalten. Bestand, Aufbereitung, Logistik und Projektplanung müssen ineinandergreifen.

Gleichzeitig müssen wir flexibel genug bleiben, um auf individuelle Anforderungen und teilweise sehr kurze Vorlaufzeiten reagieren zu können. Genau dieses Zusammenspiel ist aus meiner Sicht eine der entscheidenden Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

Wie soll sich Lyght Living in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welches Potenzial sehen Sie für flexible Möblierungslösungen in Europa?

Wir sehen in Europa weiterhin erhebliches Potenzial. Internationale Mobilität, Corporate Housing und flexible Arbeitsmodelle nehmen zu, gleichzeitig hinterfragen Unternehmen stärker, welche Ressourcen sie tatsächlich selbst besitzen müssen.
Für Lyght Living geht es deshalb darum, unser bestehendes Modell weiterzuentwickeln, Prozesse noch effizienter zu gestalten und flexible Möblierung für Unternehmen und Immobilienpartner weiter zu etablieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem zunächst ungewöhnlichen Geschäftsmodell eine etablierte B2B-Lösung entwickeln möchten?

Erstens: Ein echtes Problem lösen. Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell allein ist noch keine Innovation. Entscheidend ist, ob es dem Kunden einen konkreten Mehrwert bietet.

Zweitens: Den Kunden zuhören. Gerade im B2B entstehen viele der besten Weiterentwicklungen im direkten Austausch mit den Menschen, die eine Lösung tatsächlich einsetzen.

Drittens: Ausdauer haben, ohne starr zu werden. Neue Geschäftsmodelle brauchen Zeit, bis der Markt sie versteht. Man sollte deshalb nicht bei jedem Widerstand die Grundidee infrage stellen – gleichzeitig aber bereit sein, Angebot und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bildcredits @ Lyght Living

Wir bedanken uns bei Daniel Ishikawa für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

MirAI &cafe: Wie Dohyun Hong Stuttgarts ersten Anime-Treffpunkt aufbaut

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MirAI &cafe: Anime und Community in Stuttgart

MirAI &cafe verbindet Anime und Community in Stuttgart mit einem Café, das Fans, Sammler und neugierige Gäste an einem gemeinsamen Ort zusammenbringen soll.

Können Sie MirAI &cafe kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Verbindung aus Café, Anime Shop und Community Treffpunkt steckt?

MirAI &cafe soll ein Café in Stuttgart werden, in dem es gleichzeitig originale Anime-Figuren, Merchandise und Ichiban Kuji gibt. Vorne sitzt man bei einem Kaffee, hinten stehen die Regale.

Die Idee kommt aus einem sehr konkreten Problem. Wer eine Figur vorbestellt, wartet oft wochenlang auf den Erscheinungstag. Und wenn man sie dann endlich in der Hand hält, will man sie jemandem zeigen. Nur gibt es dafür keinen Ort. Man packt zu Hause aus, macht ein Foto und postet es. Das ist nicht dasselbe.

Deshalb möchte ich beides an einem Ort haben: etwas zu trinken, etwas zu entdecken und jemanden, der versteht, warum man sich freut.

Wer steht hinter MirAI &cafe, und wie haben Ihre Erfahrungen als Unternehmer in Korea und Küchenchef in Deutschland das Konzept geprägt?

Ich heiße Dohyun Hong und bin selbst Sammler. Das ist der Ausgangspunkt für alles andere.

In Korea hatte ich sechs Jahre lang mein eigenes Unternehmen im Merchandise-Bereich und habe das lizenzierte Toei-Animation-Café MAHODANG aufgebaut und betrieben. Dort habe ich gelernt, wie Beschaffung funktioniert und wie Sammler wirklich ticken.

In Deutschland habe ich in der Gastronomie noch einmal von vorne angefangen und mich bis zum Küchenchef hochgearbeitet. Diese Jahre haben mich geprägt. Ich verstehe inzwischen, wie eine deutsche Küche organisiert ist, was Hygienevorschriften im Alltag bedeuten und warum am Ende die Kalkulation über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Beides zusammen ergibt MirAI &cafe. Ohne die Zeit in Korea hätte ich keinen Zugang zur Ware und kein Gefühl für die Community. Ohne die Jahre in deutschen Küchen würde ich den gastronomischen Teil unterschätzen.

Sie haben bereits ein Anime Café in Korea aufgebaut und durch die Corona Pandemie verloren. Warum haben Sie sich entschieden, noch einmal zu gründen?

Ehrlich gesagt hing ich danach noch eine ganze Weile an dem, was weg war. Das Café war kein Betrieb, den man einfach abhakt, sondern mehrere Jahre meines Lebens. Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich hätte anders machen können.

In Deutschland musste ich dann beruflich ganz unten wieder anfangen, beim Abwasch in der Küche. Der Kontrast war hart. Aber genau dort hat sich etwas verändert. Wenn man jeden Tag Neues lernt und sich Schritt für Schritt nach oben arbeitet, bleibt irgendwann keine Energie mehr für die Frage, was man verloren hat. Man fragt sich stattdessen, was als Nächstes kommt.

Das war der eigentliche Wendepunkt. Kein bestimmter Tag, sondern die Erkenntnis, dass ich nach vorne schauen muss statt zurück.

Ich gründe heute nicht, um mein altes Café zurückzuholen. Ich versuche es noch einmal, weil ich glaube, dass ich manches inzwischen besser einschätzen kann als damals.

Welche Erfahrungen aus Korea möchten Sie auf MirAI &cafe und den deutschen Markt übertragen?

Vor allem den Umgang mit Neuerscheinungen. In Korea ist ein Release ein Ereignis. Es gibt ein Datum, alle wissen davon, und am Tag selbst passiert im Laden tatsächlich etwas. Diese Dynamik wünsche ich mir auch hier.

Dazu kommt der Zugang zu echter Originalware. Ich weiß, bei welchen Lieferanten ich einkaufe und woran man gefälschte Figuren erkennt. Bei mir soll nur lizenzierte Ware im Regal stehen, damit sich niemand fragen muss, ob das Sammelstück echt ist.

Was ich nicht übernehmen möchte, ist das Tempo. In Korea läuft vieles sehr schnell und sehr laut. Mir selbst gefällt es ruhiger, und ich möchte einen Laden, in dem man in Ruhe schauen kann, ohne dass jemand hinter einem steht.

Welche Vision verfolgen Sie mit MirAI &cafe, und warum braucht die Anime und Sammler Community in Stuttgart aus Ihrer Sicht einen festen Treffpunkt?

Stuttgart hat eine große Szene, aber kaum Orte dafür. Conventions gibt es ein- oder zweimal im Jahr, Online-Shops liefern Kartons. Dazwischen ist nichts.

Meine Vision ist deshalb ziemlich unspektakulär: ein Laden mit festen Öffnungszeiten, zu dem man an einem normalen Mittwochnachmittag einfach hingehen kann. Kein Event, keine Anmeldung. Man kommt vorbei, trinkt etwas, schaut, was Neues da ist, und trifft vielleicht jemanden.

Genau das fehlt mir hier selbst. Und weil es das nicht gibt, versuche ich es aufzubauen.

Sie möchten ausdrücklich auch Menschen ansprechen, die bisher wenig mit Anime oder Ichiban Kuji zu tun haben. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Community Ort und offenem Café?

Indem der Kaffee gut ist und niemand etwas erklären muss.

Wer nur einen Cappuccino trinken will, soll einen guten Cappuccino bekommen. Es gibt keine Schwelle, keinen Test und kein Insiderwissen, das man mitbringen müsste. Der Verkaufsbereich liegt bewusst hinten und ist durch eine Wand abgetrennt. Man sieht ihn, man muss aber nicht hin.

Meine Erfahrung ist ohnehin, dass die Neugier von allein kommt. Wenn am Nachbartisch jemand ein Kuji zieht und sich freut, fragen die Leute nach. Das funktioniert besser als jede Erklärung von mir.

Guter Kaffee soll genauso wichtig sein wie Figuren und Merchandise. Warum ist die gastronomische Qualität für das Konzept entscheidend?

Weil schlechter Kaffee alles kaputt macht.

Ein Themen-Café, in dem das Getränk nur Nebensache ist, funktioniert genau einmal. Die Leute kommen aus Neugier, trinken etwas Mittelmäßiges und kommen nicht wieder. Am Ende hängt der ganze Laden am Warenverkauf, und das ist mir zu wackelig.

Ich komme aus der Küche, deshalb ist das für mich auch eine Frage des eigenen Anspruchs. Jemand soll bei uns einen Kaffee trinken können, ohne die Regale überhaupt zu beachten, und trotzdem zufrieden nach Hause gehen. Wenn das klappt, funktioniert der Rest hoffentlich auch.

Was unterscheidet MirAI &cafe von klassischen Anime Shops, Onlinehändlern oder zeitlich begrenzten Pop ups?

Man kann bleiben.

In einem normalen Shop kauft man und geht. Online kommt ein Paket. Ein Pop-up ist nach drei Wochen wieder weg, und niemand kann darauf etwas aufbauen.

Bei uns soll man sich hinsetzen können. Genau darin liegt für mich der Unterschied. Menschen kommen nicht nur wegen einer Figur, sondern weil sie irgendwo dazugehören wollen. Ein Ort mit Tischen, festen Öffnungszeiten und einem bekannten Gesicht hinter der Theke leistet etwas anderes als ein Onlineshop mit größerem Sortiment.

Tauschtreffen, Release Events und Kooperationen sollen Teil des Konzepts werden. Welche Rolle spielt die Community bereits vor der Eröffnung?

Eine große. Ich frage lieber vorher nach, statt hinterher zu raten.

Bei Startnext können Unterstützerinnen und Unterstützer zum Beispiel mit abstimmen, welche Getränke auf die erste Karte kommen. Solche Antworten sind für mich wertvoller als jede Marktanalyse, weil dahinter echte Menschen mit echten Vorlieben stehen.

Außerdem spreche ich schon jetzt mit lokalen Gruppen, mit Cosplayerinnen und Cosplayern und mit anderen Leuten aus der Szene. Wer von Anfang an dabei ist, kommt später vielleicht auch wieder. Das ist mir deutlich lieber, als am Eröffnungstag vor einem leeren Laden zu stehen.

Sie finanzieren einen Teil des Projekts über Crowdfunding. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden und welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Zum einen brauche ich das Geld für Einrichtung, Cafétechnik und den ersten Warenbestand. Zum anderen ist es der ehrlichste Test, den ich mir vorstellen kann. Wenn niemand unterstützt, will Stuttgart diesen Ort vielleicht nicht.

Die Erfahrung bisher ist anstrengender als gedacht. Man muss ständig erklären, immer wieder dieselben Fragen beantworten und aushalten, dass Reaktionen manchmal ausbleiben. Dafür sind die Rückmeldungen sehr direkt und meistens hilfreich.

Ein Punkt ist mir wichtig: Das Crowdfunding deckt nicht die kompletten Gründungskosten. Es ist ein Baustein neben Eigenmitteln und einer geplanten Bankfinanzierung. So steht es auch auf der Projektseite.

Welche Herausforderungen sehen Sie beim Aufbau eines stationären Geschäfts, das Gastronomie, Handel und Community Angebote miteinander verbindet?

Drei Bereiche gleichzeitig sauber zu betreiben, ist die eigentliche Schwierigkeit. Jeder hat eigene Regeln, eigene Genehmigungen und eigene Fehlerquellen.

Am meisten beschäftigt mich der Warenbestand. Figuren sind teuer, und falsch eingekaufte Ware steht im Regal und bindet Geld. Deshalb fange ich lieber kleiner an und erweitere erst, wenn ich weiß, was tatsächlich gefragt ist.

Dazu kommt der Standort. In Stuttgart eine bezahlbare Fläche zu finden, die auch gastronomisch nutzbar ist, ist nicht einfach. Und Veranstaltungen kosten Zeit, die im laufenden Betrieb erst einmal da sein muss.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die nach einem unternehmerischen Rückschlag noch einmal neu anfangen möchten?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht in der Position, Ratschläge zu geben. Ich stehe selbst wieder ganz am Anfang und weiß noch nicht, ob es diesmal funktioniert. Ich kann nur sagen, was ich für mich gemerkt habe.

Das Erste ist, dass es eine Weile dauern darf. Bei mir hat es lange gebraucht, bis ich aufhören konnte, im Rückblick zu leben. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass mir jemand sagt, dass diese Phase normal ist.

Das Zweite ist, dass die Zeit dazwischen nicht verloren ist. Ich habe die Jahre in deutschen Küchen lange als Umweg empfunden. Heute merke ich, dass ich ohne sie dieselben Fehler wieder machen würde.

Und das Dritte: Man muss die Schließung nicht verstecken. Ich habe lange vermieden, darüber zu sprechen, weil es sich wie ein Makel angefühlt hat. Für das Crowdfunding musste ich die Geschichte dann aufschreiben, mit allem, was schiefgegangen ist. Es hat mich niemand dafür abgeschrieben. Im Gegenteil, seitdem sind die Gespräche ehrlicher geworden.

Bildrechte: Dohyun Hong / privat

Wir bedanken uns bei Dohyun Hong für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Nullprozente: Wie zwei Brüder den Markt für alkoholfreie Getränke erobern

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Nullprozente: alkoholfreie Getränke und Weine Gründerteambild

Nullprozente zeigt, wie alkoholfreie Getränke und insbesondere alkoholfreie Weine geschmacklich, nachhaltig und gesellschaftlich immer relevanter werden

Können Sie Nullprozente kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstand, einen Onlineshop ausschließlich für alkoholfreie Getränke aufzubauen?

Die Idee dazu ist während meines Bachelorstudiums entstanden. Mein Vater hatte das Potenzial alkoholfreier Getränke schon früh erkannt und mit Somée eine eigene Range alkoholfreier Weine entwickelt. Während meines Studiums sollte ich mich intensiver um die Marke und ihre Vermarktung kümmern.

Dadurch habe ich mich erstmals wirklich intensiv mit dem Markt beschäftigt. Dabei ist mir aufgefallen, dass es zwar immer mehr hochwertige alkoholfreie Weine und andere spannende Produkte gab, aber nur wenige Anbieter, die diese Vielfalt gebündelt angeboten haben. Gleichzeitig habe ich gesehen, wie stark sich gerade die Qualität alkoholfreier Weine entwickelt.

Aus dieser Erfahrung entstand schließlich die Idee, größer zu denken und nicht nur eine einzelne Marke zu vermarkten, sondern einen spezialisierten Onlineshop aufzubauen, der gute alkoholfreie Produkte verschiedener Hersteller an einem Ort zusammenbringt. So ist Nullprozente entstanden.

Wer steht hinter Nullprozente, und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg als Gründer besonders geprägt?

Hinter Nullprozente stehen heute mein jüngerer Bruder Louis Gouverneur und ich, Christopher Gouverneur. Mit der Zeit habe ich Louis mit ins Unternehmen geholt und seitdem entwickeln wir Nullprozente gemeinsam weiter.

Besonders geprägt hat uns, wie viel man beim Aufbau eines Unternehmens in kurzer Zeit lernen muss. Gerade am Anfang haben wir vieles selbst gemacht, vom Aufbau des Shops und der Auswahl neuer Produkte über Einkauf und Marketing bis hin zu Verpackung, Versand und Kundenservice.

Dabei haben wir gelernt, dass beim Gründen nicht immer alles nach Plan läuft. Man muss ausprobieren, Fehler machen, daraus lernen und sich schnell an neue Situationen anpassen. Gleichzeitig ist es für mich etwas Besonderes, Nullprozente heute gemeinsam mit meinem Bruder aufzubauen und zu sehen, wie sich aus einer Idee während meines Studiums Schritt für Schritt ein wachsendes Unternehmen entwickelt hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nullprozente, und wie möchten Sie alkoholfreien Genuss langfristig in der Gesellschaft etablieren?

Unsere Vision ist, dass alkoholfreie Getränke irgendwann genauso selbstverständlich sind wie alkoholhaltige. Wer keinen Alkohol trinken möchte, sollte bei einem Restaurantbesuch, einer Feier oder einem gemütlichen Abend eine hochwertige und vielfältige Auswahl haben. Wir möchten zeigen, dass alkoholfreier Genuss nicht automatisch Verzicht bedeutet.

Gleichzeitig gehört Nachhaltigkeit fest zu unserer langfristigen Vision. Mit diesem Thema habe ich mich auch in meiner Masterarbeit intensiv beschäftigt. Dabei haben wir die CO₂-Bilanzen von Nullprozente für 2023 und 2024 wissenschaftlich untersucht und erstmals genau erfasst, wo unsere Emissionen entstehen und welche Möglichkeiten wir als kleines E-Commerce-Unternehmen haben, diese zu reduzieren.

Unser langfristiges Ziel ist es, unseren CO₂-Fußabdruck kontinuierlich zu senken und perspektivisch CO₂-neutral zu wirtschaften. Dabei möchten wir nicht einfach mit Nachhaltigkeit werben, sondern unsere Entwicklung anhand regelmäßiger CO₂-Bilanzen messbar und transparent machen.

Für uns gehören deshalb zwei Dinge zur Zukunft von Nullprozente zusammen: alkoholfreien Genuss gesellschaftlich selbstverständlicher zu machen und gleichzeitig ein Unternehmen aufzubauen, das möglichst verantwortungsvoll wächst. Wir möchten damit zeigen, dass Wachstum, moderner alkoholfreier Genuss und ökologische Verantwortung zusammengehören können.

An welche Zielgruppen richtet sich Nullprozente hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Sortiment erfüllen?

Unsere Zielgruppe ist tatsächlich sehr vielfältig. Wir richten uns nicht nur an Menschen, die komplett auf Alkohol verzichten, sondern vor allem auch an diejenigen, die bewusster konsumieren und ihren Alkoholkonsum reduzieren möchten. Dazu kommen beispielsweise Schwangere, Autofahrer oder Menschen, die aus persönlichen Gründen keinen Alkohol trinken möchten.

Was diese unterschiedlichen Gruppen verbindet, ist der Wunsch nach einer guten Alternative, ohne beim Geschmack und beim Genusserlebnis große Abstriche machen zu müssen. Genau hier setzen wir mit unserem Sortiment an.

Uns ist wichtig, für unterschiedliche Geschmäcker und Anlässe etwas anzubieten, vom alkoholfreien Wein zum Essen über Sekt für besondere Anlässe bis hin zu Aperitifs und Cocktails. Gleichzeitig möchten wir unseren Kunden Orientierung geben, weil die Auswahl mittlerweile sehr groß ist und die Qualitätsunterschiede teilweise erheblich sind.

Unser Anspruch ist deshalb nicht, einfach möglichst viele Produkte anzubieten, sondern ein Sortiment zusammenzustellen, in dem möglichst jeder eine alkoholfreie Alternative findet, die wirklich schmeckt.

Der Markt für alkoholfreie Getränke wächst stetig. Welche Entwicklungen beobachten Sie, und wie reagiert Nullprozente darauf?

Der Markt für alkoholfreie Getränke und insbesondere für alkoholfreie Weine und Sekte, wächst aktuell sehr stark. Wir merken, dass das Thema immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

Gleichzeitig hat sich die Qualität enorm weiterentwickelt. Gerade bei alkoholfreien Weinen kommen immer mehr spannende Produkte auf den Markt, und auch etablierte Weingüter beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema. Dadurch steigen natürlich auch die Erwartungen der Kunden: Nur alkoholfrei zu sein, reicht heute nicht mehr, das Produkt muss geschmacklich überzeugen.

Für uns ist diese Entwicklung eine große Chance. Wir beobachten den Markt sehr genau, probieren regelmäßig neue Produkte und entwickeln unser Sortiment entsprechend weiter. Dabei möchten wir aber nicht einfach jeden neuen Artikel aufnehmen. Unser Anspruch ist es, gute Produkte herauszufiltern und unseren Kunden durch Verkostungen, Vergleiche und Empfehlungen Orientierung in einem immer größer werdenden Markt zu geben.

Was macht Nullprozente aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Anbietern alkoholfreier Getränke?

Was Nullprozente besonders macht, ist für uns vor allem die persönliche Nähe zum Kunden. Gerade beim Online-Einkauf fehlt der direkte Kontakt, den man aus einem Geschäft kennt. Deshalb ist es uns wichtig, Nullprozente ein Gesicht zu geben und zu zeigen, wer hinter dem Unternehmen steht.

Das beginnt schon bei der Bestellung: Jeder Kunde bekommt von uns eine handgeschriebene Karte ins Paket. Kundenzufriedenheit steht für uns an oberster Stelle und wenn einmal etwas nicht wie geplant läuft, versuchen wir, schnell und unkompliziert eine Lösung zu finden. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Geschwindigkeit. Unsere Pakete sind in der Regel innerhalb von ein bis zwei Werktagen beim Kunden.

Dass dieser Anspruch bei unseren Kunden ankommt, sehen wir auch auf Trustpilot. Dort werden wir aktuell mit 4,8 von 5 Sternen bewertet. Zudem belegt Nullprozente derzeit Platz 3 von 15 im Bereich Getränkevertrieb und Platz 9 von 58 im Bereich Online-Marktplatz. Besonders häufig werden unsere schnelle Lieferung, die Auswahl und die Qualität positiv hervorgehoben.

Aber für uns hört der Service nicht beim Versand auf. Gerade bei alkoholfreien Getränken möchten viele Kunden wissen, was zu ihnen passt und wie sie die Produkte verwenden können. Deshalb erstellen wir beispielsweise Cocktail-Videos mit eigenen Rezepten, die wir auf unserem Blog veröffentlichen. So möchten wir nicht einfach nur Getränke verkaufen, sondern Inspiration geben und unseren Kunden helfen, neue Produkte und Möglichkeiten des alkoholfreien Genusses zu entdecken.

Ich glaube, genau diese Kombination macht Nullprozente aus: persönlicher Service, schneller Versand, eine sorgfältige Produktauswahl und echte Beratung und Inspiration rund um alkoholfreien Genuss. Auch wenn unsere Kunden online bei uns einkaufen, sollen sie das Gefühl haben, zu wissen, wer hinter Nullprozente steht.

Nach welchen Kriterien wählen Sie neue Produkte für Ihr Sortiment aus, und welche Rolle spielt dabei die Qualität?

Qualität ist für uns eines der wichtigsten Kriterien bei der Sortimentsauswahl. Deshalb wird jedes neue Produkt von uns persönlich verkostet, bevor wir entscheiden, ob wir es bei Nullprozente aufnehmen.

Dabei verkosten nicht nur mein Bruder Louis und ich. Meistens beziehen wir auch unsere Eltern sowie Freunde mit ein. Uns ist wichtig, verschiedene Meinungen zu bekommen, denn gerade beim Geschmack gibt es natürlich große Unterschiede. Was einer Person hervorragend schmeckt, kann bei der nächsten ganz anders ankommen.

Deshalb haben wir für uns eine einfache Regel entwickelt: Ein neues Produkt sollte mindestens drei Viertel der Personen bei unserer Verkostung überzeugen. Erst dann kommt es für eine Aufnahme ins Sortiment infrage.

Natürlich schauen wir zusätzlich auf Faktoren wie Zutaten, Preis-Leistungs-Verhältnis und die Positionierung des Produktes. Entscheidend bleibt für uns aber der Geschmack. Wir möchten unseren Kunden nichts anbieten, nur weil es neu oder gerade im Trend ist. Wenn ein Produkt geschmacklich nicht überzeugt, nehmen wir es nicht ins Sortiment.

Nachhaltigkeit spielt bei Nullprozente eine wichtige Rolle. Wie verbinden Sie wirtschaftliches Wachstum mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Thema, das wir nur nach außen kommunizieren möchten, sondern etwas, das wir messbar machen und langfristig in unsere Unternehmensentwicklung integrieren wollen.

Im Rahmen meines Masterstudiums Umwelt- und Betriebswirtschaft (M.A.) am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier habe ich mich deshalb auch in meiner Masterarbeit intensiv mit der Frage beschäftigt, wie ein wachsendes E-Commerce-Unternehmen wie Nullprozente seinen CO₂-Fußabdruck erfassen und langfristig reduzieren kann. Dafür haben wir vollständige CO₂-Bilanzen für 2023 und 2024 nach dem GHG Protocol erstellt.

Besonders interessant war das Ergebnis: Von 2023 auf 2024 hat sich unser Umsatz nahezu verdoppelt, während unsere CO₂-Emissionen deutlich langsamer gestiegen sind. Dadurch konnten wir die CO₂-Intensität pro Euro Umsatz um rund 22 Prozent reduzieren. Für uns zeigt das, dass wirtschaftliches Wachstum und eine bessere CO₂-Effizienz durchaus miteinander vereinbar sein können.

Nachhaltigkeit versuchen wir aber auch mit ganz einfachen Maßnahmen in unseren Alltag zu integrieren. Jeden Sonntag sammeln wir bei uns im Dorf Altpapier ein, das wir anschließend direkt als Polstermaterial für unsere Pakete wiederverwenden. Statt neues Verpackungsmaterial zu beschaffen, geben wir dem vorhandenen Papier damit einen weiteren Produktlebenszyklus. Zusätzlich setzen wir auf recycelte Kartonagen und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Liefer- und Bestellprozesse effizienter zu gestalten.

Unser langfristiges Ziel ist es, unsere CO₂-Bilanzen regelmäßig fortzuführen, die größten Emissionsquellen gezielt zu reduzieren und Nullprozente Schritt für Schritt in Richtung CO₂-Neutralität weiterzuentwickeln. Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht als einmalige Maßnahme, sondern als einen kontinuierlichen Prozess, bei dem auch viele kleine Veränderungen einen Beitrag leisten können.

Welche Herausforderungen bringt der Aufbau eines spezialisierten E-Commerce-Unternehmens mit sich, und wie gehen Sie damit um?

Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich, dass man als kleines E-Commerce-Unternehmen sehr viele Bereiche gleichzeitig abdecken muss. Mein Bruder und ich kümmern uns um vieles selbst, vom Einkauf und der Auswahl neuer Produkte über Marketing und Content bis hin zu Kundenservice, Lager und Versand. Gerade in Wachstumsphasen muss man deshalb sehr schnell lernen und Prioritäten setzen.

Eine weitere Herausforderung ist unser Sortiment selbst. Wir versenden überwiegend Glasflaschen. Das bedeutet, dass Verpackung, Lagerhaltung und Logistik besonders gut funktionieren müssen. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, Bestellungen sehr schnell zu bearbeiten und unseren Kunden eine Lieferzeit von in der Regel ein bis zwei Werktagen zu ermöglichen.

Hinzu kommt, dass wir uns in einem jungen und sehr dynamischen Markt bewegen. Ständig kommen neue Produkte und Hersteller hinzu, gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Kunden. Für uns bedeutet das, den Markt kontinuierlich zu beobachten, viel selbst zu testen und unser Sortiment immer wieder anzupassen.

Wir versuchen diese Herausforderungen vor allem pragmatisch anzugehen: ausprobieren, messen, aus Fehlern lernen und Prozesse Schritt für Schritt verbessern. Gerade als kleines Unternehmen haben wir den Vorteil, dass wir Entscheidungen schnell treffen und Veränderungen oftmals direkt umsetzen können. Und genau diese Flexibilität möchten wir uns auch bewahren, wenn Nullprozente weiter wächst.

Welche neuen Produkte, Kategorien oder Entwicklungen stehen bei Nullprozente aktuell im Fokus?

Aktuell finden wir vor allem die technologische Entwicklung bei alkoholfreien Weinen sehr spannend. In den vergangenen Jahren hat sich bei der Entalkoholisierung enorm viel getan. Für uns geht es dabei immer stärker um die Frage: Wie kann man den Alkohol entfernen und gleichzeitig möglichst viel vom ursprünglichen Charakter und den Aromen des Weines erhalten?

Ein Beispiel, mit dem wir uns aktuell intensiv beschäftigen, ist die SOLOS-Technologie mit Aromenrückgewinnung. Dabei liegt der Fokus darauf, Aromakomponenten, die während der Entalkoholisierung verloren gehen können, zurückzugewinnen und dem Wein wieder zuzuführen. Solche Verfahren können aus unserer Sicht einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die geschmackliche Qualität alkoholfreier Weine weiterzuentwickeln.

Genau solche Innovationen möchten wir mit Nullprozente frühzeitig entdecken und unseren Kunden näherbringen. Wir beobachten deshalb nicht nur neue Marken und Produkte, sondern auch die Technologien hinter den Produkten. Denn wir glauben, dass die nächsten großen Qualitätssprünge im alkoholfreien Wein vor allem durch bessere Herstellungs- und Entalkoholisierungsverfahren entstehen werden.

Daneben bleiben für uns natürlich neue alkoholfreie Weine, Sekte, Aperitifs und Cocktails interessant. Entscheidend ist aber immer: Ein neues Produkt muss uns geschmacklich überzeugen und einen echten Mehrwert für unser Sortiment bieten.

Wo soll Nullprozente in den kommenden Jahren stehen, und welche Ziele möchten Sie mit Ihrem Unternehmen erreichen?

Unser Ziel ist es, Nullprozente in den kommenden Jahren als eine der führenden Anlaufstellen für alkoholfreie Getränke in Deutschland zu etablieren und anschließend auch über Deutschland hinaus zu wachsen. Perspektivisch möchten wir europaweit versenden und damit weitere Märkte erschließen.

Ein wichtiger nächster Schritt ist außerdem der Aufbau einer eigenen Marke für alkoholfreie Weine, die aktuell unter dem Namen Vino Zero in Planung ist. Dabei möchten wir unsere Erfahrungen aus den vergangenen Jahren und aus zahlreichen Verkostungen nutzen, um Weine zu entwickeln, die genau unseren Vorstellungen von Geschmack und Qualität entsprechen.

Gleichzeitig möchten wir Nullprozente über den reinen Onlineshop hinaus als Experten und Ansprechpartner für alkoholfreien Genuss positionieren: mit Verkostungen, Rezepten, Videos, Produktvergleichen und einer persönlichen Beratung.

Auch unsere Nachhaltigkeitsziele möchten wir konsequent weiterverfolgen. Dazu gehört, unsere CO₂-Bilanzen regelmäßig fortzuführen, Emissionen weiter zu reduzieren und langfristig unserem Ziel näherzukommen, CO₂-neutral zu wirtschaften.

Unser Ziel ist also, Nullprozente nachhaltig weiterzuentwickeln, europaweit zu wachsen und mit Vino Zero zukünftig auch eigene alkoholfreie Weine auf den Markt zu bringen, ohne dabei den persönlichen Charakter zu verlieren, der Nullprozente heute ausmacht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer klaren Nische erfolgreich ein Unternehmen aufbauen möchten?

Mein erster Rat wäre: Akzeptiert, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Gerade beim Gründen gibt es ständig Situationen, die man vorher nicht vorhersehen kann. Produkte funktionieren anders als erwartet, Entscheidungen stellen sich im Nachhinein als falsch heraus oder plötzlich entsteht ein Problem, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat. Entscheidend ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen, sondern daraus zu lernen und weiterzumachen.

Mein zweiter Rat ist: Traut euch, einfach anzufangen. Man kann eine Geschäftsidee ewig planen und versuchen, für jedes Problem schon vorher eine Lösung zu finden. Viele Dinge lernt man aber erst, wenn man tatsächlich startet. Nullprozente hat sich seit der ursprünglichen Idee ebenfalls immer wieder verändert und weiterentwickelt.

Und mein dritter Rat wäre: Gründet etwas, für das ihr euch wirklich begeistern könnt. Selbstständig zu sein bedeutet natürlich viel Arbeit und Verantwortung, aber für mich macht es unglaublich viel mehr Spaß, für das eigene Unternehmen zu arbeiten. Mein Bruder und ich freuen uns tatsächlich auf jeden neuen Tag, weil wir sehen können, was wir selbst aufbauen und weiterentwickeln.

Wenn man eine klare Nische gefunden hat, an die man glaubt, sollte man deshalb nicht nur auf den schnellen Erfolg schauen. Dranbleiben, aus Rückschlägen lernen und Freude an dem haben, was man aufbaut, das ist für mich wahrscheinlich das Wichtigste.

Bild Gründerteam Bildcredits Nullprozente UG (haftungsbeschränkt)

Wir bedanken uns bei Christopher Gouverneur für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Nullprozente

Kontakt:

Nullprozente UG
Am Sauerborn 24
54317 Gusterath
Deutschland

https://nullprozente.com
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Ansprechpartner: Christopher Gouverneur

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