Donnerstag, Oktober 15, 2026
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Schluss mit Kompromissen: Wie MYRON Menswear für kleinere Männer neu denkt

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MYRON: Passform für Männer neu gedacht Bildunterschrift: Kevin Scholl, Gründer von MYRON. Foto: Kevin Scholl / privat. Hintergrund für das Querformat KI-gestützt erweitert

MYRON entwickelt Kleidung für Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter und setzt dabei auf eine Passform, die Länge, Weite und Proportionen berücksichtigt

Können Sie MYRON kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihren eigenen Problemen beim Kleidungskauf die Idee für eine Menswear-Marke entstanden ist?

MYRON ist ein Münchner Menswear-Label für Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter. Wir entwickeln Kleidung, bei der Länge, Weite und Proportionen gemeinsam berücksichtigt werden.

Ich bin selbst 1,70 Meter groß und kannte das Problem seit Jahren: Eine kleinere Größe war oft zu eng, die passende Weite wiederum zu lang. Mir gefielen die Kleidungsstücke, aber an mir saßen sie anders als gedacht. Daraus entstand die Frage, warum ich mich ständig mit Kompromissen zufriedengeben sollte. Mit MYRON wollte ich Kleidung entwickeln, die zu meinem Körper und zu meinem Stil passt.

Wer steht hinter MYRON, und welche Erfahrungen bringen Sie persönlich in den Aufbau der Marke ein?

Ich habe MYRON gemeinsam mit meinem Bruder gegründet und verantworte den operativen Aufbau inzwischen allein. Mein Hintergrund liegt im Wirtschaftsingenieurwesen. Außerdem habe ich bei PwC Erfahrungen mit Prozessanalysen und strukturiertem Arbeiten gesammelt.

Eine klassische Modeausbildung habe ich nicht. Die Entwicklung von Schnitten, die Zusammenarbeit mit Produzenten und den Aufbau eines Onlineshops musste ich mir Schritt für Schritt erschließen. Dabei hilft mir, Probleme systematisch anzugehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass eine saubere Tabelle noch keine gute Passform garantiert: Entscheidend ist, wie sich ein Kleidungsstück am Menschen verhält.

Sie haben mehr als 100 Männer vermessen, bevor Sie Ihr Größensystem entwickelt haben. Welche Erkenntnisse aus diesen Vermessungen haben Sie besonders überrascht?

Besonders deutlich wurde, wie unterschiedlich Männer mit ähnlicher Körpergröße gebaut sein können. Aus der Körpergröße allein lässt sich weder die benötigte Weite noch die genaue Verteilung von Oberkörper- und Beinlänge zuverlässig ableiten.

Das hat unseren Ansatz geprägt. Ein Mann mit 1,70 Meter braucht nicht automatisch ein schmales Oberteil. Er kann mehr Platz an Brust und Schultern benötigen, ohne deshalb längere Ärmel zu brauchen. Wir mussten deshalb stärker in Kombinationen denken und weniger in einer einzigen Größenangabe.

Bei MYRON werden Länge und Weite stärker voneinander getrennt als bei klassischen Konfektionsgrößen. Welches Problem lösen Sie damit konkret?

Wir möchten vermeiden, dass Kunden eine falsche Länge akzeptieren müssen, nur um die passende Weite zu bekommen. Bei einem Oberteil braucht beispielsweise ein breiter gebauter Mann mehr Raum am Körper, aber nicht zwangsläufig längere Ärmel oder einen längeren Rumpf.

Unsere Oberteile kombinieren deshalb unterschiedliche Längen mit Regular und Loose Fit. Bei Hosen bieten wir drei Längen und drei Weitenkombinationen an. Dabei geht es auch um die Position des Knies, den Beinverlauf und den Saum. Eine Hose nachträglich zu kürzen kann die Länge korrigieren, verändert aber nicht automatisch die übrigen Proportionen.

Ihre Zielgruppe sind Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter Körpergröße. Warum wird diese Gruppe von etablierten Modemarken aus Ihrer Sicht bislang nicht ausreichend berücksichtigt?

Es gibt spezialisierte Anbieter, die ich vor allem aus dem Ausland kenne. Ihre Designsprache und Umsetzung unterscheiden sich allerdings von dem, was wir mit MYRON entwickeln möchten.

Viele etablierte Marken arbeiten mit Größensystemen, in denen Länge und Umfang gemeinsam wachsen. Ein Mann mit 1,63 Meter braucht beispielsweise kurze Ärmel, kann aber gleichzeitig die Brust- und Schulterweite einer M benötigen. Die kleinere Größe ist dann zu eng, die größere zu lang. Eine zusätzliche XS löst diesen Konflikt nicht.

Auf Produktseiten sieht man häufig große, schlanke Models in Größe M. Wer deutlich kleiner ist, aber eine ähnliche Weite benötigt, bekommt dadurch noch keine passende Alternative. Viele Käufer arrangieren sich dann mit Umschlagen, Änderungen oder einer unpassenden Länge.

Bestehende Schnitte und Größenstrukturen zu erweitern bedeutet zusätzlichen Entwicklungs- und Produktionsaufwand. Wir haben MYRON deshalb von Anfang an um diese Passformfrage herum aufgebaut.

Mehr Größenkombinationen bedeuten auch mehr Varianten in Produktion und Lagerhaltung. Welche Herausforderungen entstehen dadurch für eine junge DTC-Marke?

Jede zusätzliche Kombination verteilt die Nachfrage auf weitere Varianten. Gerade am Anfang wissen wir noch nicht genau, welche Kombinationen besonders häufig gebraucht werden. Gleichzeitig müssen Mindestbestellmengen erfüllt werden, und Bestand bindet Geld.

Deshalb konzentrieren wir uns zunächst auf eine überschaubare Kollektion. Wir müssen sorgfältig entscheiden, welche Produkte und Farben wir ergänzen und welche Größen wir nachproduzieren. Dazu kommt die Abstimmung mit den Produzenten: Mehr Varianten verlangen eindeutig dokumentierte Maße und eine genaue Kontrolle der Umsetzung. Fehler wirken sich bei einer kleinen Marke unmittelbar aus.

Passform ist online schwer zu vermitteln, weil Kunden Kleidung nicht vorher anprobieren können. Wie möchten Sie Vertrauen in Ihr eigenes Größensystem schaffen?

Ein eigenes Größensystem muss vor allem verständlich sein. Kunden sollen schnell erkennen können, welche Länge und welcher Fit für sie infrage kommen. Dafür nutzen wir Maßtabellen, Größenangaben zu unseren Models und Erklärungen zu den unterschiedlichen Passformen.

Auf unserer Website gibt es außerdem einen interaktiven Passformvergleich: Mit einem Schieberegler lässt sich der Unterschied zwischen Standard-Fit und MYRON-Fit direkt gegenüberstellen. Die Darstellung veranschaulicht beispielsweise, wie sich überschüssiger Stoff an Ärmeln oder Hosenbeinen auf die Silhouette auswirkt. So wird unser Ansatz auch ohne schnitttechnisches Vorwissen verständlich.

Ergänzend bieten wir persönliche Unterstützung bei der Größenwahl und eine kostenlose Retoure. Langfristig entsteht Vertrauen durch die tatsächliche Erfahrung: Das bestellte Kleidungsstück muss die Erwartungen erfüllen, die wir vorher geweckt haben.

Der Modemarkt ist von großen Marken und zahlreichen DTC-Labels geprägt. Was soll MYRON langfristig unverwechselbar machen?

MYRON soll für eine Verbindung aus durchdachter Passform und einer klaren gestalterischen Haltung stehen. Ich mag Kleidung, die entspannt und modern wirkt, aber auch eine gewisse Eleganz hat. Sie soll im Alltag funktionieren und durch Schnitt, Material und Details überzeugen.

Dabei möchte ich Männer nicht auf ihre Körpergröße reduzieren. Sie ist für uns eine wichtige Grundlage der Konstruktion, aber keine Identität, die wir unseren Kunden überstülpen wollen. Menschen sollen MYRON tragen, weil ihnen die Kleidung gefällt und sie sich darin wohlfühlen.

Aus einem persönlichen Problem wurde zunächst eine Produktidee und anschließend eine Marke. Wann haben Sie gemerkt, dass daraus tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen könnte?

Einen einzelnen Moment gab es für mich nicht. Zunächst zeigten mir die Gespräche und Vermessungen, dass das Problem über meine eigene Erfahrung hinausgeht. Mit den ersten Bestellungen kam dann eine andere Form der Bestätigung: Menschen waren bereit, Geld für unseren Lösungsansatz auszugeben.

Trotzdem würde ich frühe Verkäufe nicht mit einem bereits bewiesenen Geschäftsmodell gleichsetzen. Wir stehen noch am Anfang. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir Kunden wiederholt erreichen, mit unseren Produkten überzeugen und wirtschaftlich nachproduzieren können. Die bisherigen Erfahrungen geben mir den Antrieb, diesen Weg weiterzugehen.

Ein eigenes Größensystem lässt sich nicht einfach aus bestehenden Standards übernehmen. Wie entwickeln Sie dieses mit zunehmender Kundenzahl weiter?

Die ursprünglichen Vermessungen bilden unsere Grundlage. Mit jeder Bestellung kommen praktische Erfahrungen dazu: Welche Kombinationen werden gekauft? Wo entstehen Unsicherheiten? Warum wird ein Teil zurückgeschickt?

Ein konkretes Thema aus bisherigen Rückmeldungen sind beispielsweise zusätzliche schmalere Bundweiten. Solche Hinweise helfen uns, Lücken zu erkennen. Dabei möchten wir nicht auf jede einzelne Rückmeldung sofort mit einer Schnittänderung reagieren, sondern wiederkehrende Muster verstehen. Anpassungen sollen anhand von Samples überprüft werden, bevor sie in die nächste Produktion einfließen.

Welche Vision verfolgen Sie mit MYRON, und wie soll sich die Marke über das heutige Angebot hinaus entwickeln?

Ich möchte, dass Männer unserer Zielgruppe bei MYRON eine Garderobe aufbauen können, bei der sie sich auf die Passform verlassen können. Wer eine passende Hose gefunden hat, soll später auch andere Schnitte und Anlässe innerhalb der Marke abdecken können.

Als nächste Schritte interessieren mich weitere Hosenformen, etwa eine Straight Jeans oder eine elegantere Hose, sowie zusätzliche Oberteile. Langfristig kann ich mir auch ausgewählte Accessoires vorstellen. Entscheidend ist für mich, dass neue Produkte zur Marke passen und wir unsere bestehende Kollektion zuverlässig weiterentwickeln. Breite allein ist noch kein Fortschritt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem eigenen Alltagsproblem eine neue Produktmarke aufbauen möchten?

Erstens: Prüft, ob andere Menschen das Problem ähnlich erleben. Die eigene Erfahrung ist ein guter Ausgangspunkt, ersetzt aber keine Gespräche und Tests mit potenziellen Kunden.

Zweitens: Kontrolliert die Umsetzung bis ins Detail. Wir haben selbst erlebt, wie falsch übertragene Maße einen Schnitt unbrauchbar machen können. Samples, eindeutige Unterlagen und sorgfältige Freigaben verdienen viel Aufmerksamkeit.

Drittens: Beschäftigt euch früh mit dem Vertrieb. Ich habe lange sehr viel Energie in das Produkt und die Marke gesteckt. Heute ist mir noch klarer, dass auch ein gutes Produkt regelmäßig erklärt und sichtbar gemacht werden muss. Produktentwicklung und Kundengewinnung müssen gemeinsam vorankommen.

Bild Bildunterschrift: Kevin Scholl, Gründer von MYRON. Foto: Kevin Scholl / privat. Hintergrund für das Querformat KI-gestützt erweitert

Wir bedanken uns bei Kevin Scholl für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Media Kit für Startups: Das brauchen Journalisten

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Media Kit: Journalisten finden alle Startup-Fakten Anna Ferdinand

Wer Pressearbeit macht, sollte Journalisten das Leben so einfach wie möglich machen. Genau dafür ist ein gutes Media Kit da – also die digitale Pressemappe eines Startups. Es bündelt die wichtigsten Informationen kompakt, verständlich und journalistisch aufbereitet.

Ein Media Kit ersetzt keine gute Story. Aber wenn ein Journalist sich nach einem Pitch näher mit einem Startup beschäftigt oder selbst recherchiert, sollten die wichtigsten Fakten zum Unternehmen schnell auffindbar sein – ohne lange Suche und widersprüchliche Angaben.

Was in ein Media Kit gehört

Ein professionelles Media Kit muss nicht umfangreich sein. Entscheidend ist, dass die wichtigsten Informationen schnell erfassbar sind.

Dazu gehört zunächst ein kurzes Unternehmensprofil. Was macht das Startup? Welches Problem löst es? Für wen ist das Angebot relevant? Wichtig sind klare Aussagen statt Marketing-Slogans.

Ergänzt wird das Unternehmensprofil durch ein Fact Sheet. Darin stehen die wichtigsten Daten auf einen Blick. Dazu können Gründungsjahr, Sitz, Gründerteam, Mitarbeiterzahl, Auszeichnungen und Awards, Geschäftsmodell, Produkte oder relevante Unternehmenskennzahlen gehören.

Auch ein Gründerprofil sollte nicht fehlen. Journalisten interessieren sich häufig nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Menschen dahinter. Wer hat gegründet? Welche Expertise bringt die Person mit? Was ist der persönliche oder berufliche Hintergrund?

Ein Boilerplate fasst das Unternehmen zusätzlich in wenigen Sätzen zusammen. Diese Kurzbeschreibung lässt sich zum Beispiel am Ende einer Pressemitteilung verwenden und sorgt dafür, dass das Startup überall konsistent beschrieben wird.

Gute Pressefotos sind kein Nice-to-have

Zu einem Media Kit gehören auch professionelle Pressefotos. Mindestens ein bis zwei gute Bilder des Gründers oder der Gründerin sollten verfügbar sein. Je nach Geschäftsmodell können zusätzlich Team-, Produkt- oder Unternehmensfotos sinnvoll sein.

Wichtig ist, dass die Bilder für Printmedien in ausreichend hoher Auflösung vorliegen und klar angegeben ist, wer sie nutzen darf und wie der Bildnachweis lautet.

Gerade bei kurzfristigen Anfragen kann gutes Bildmaterial entscheidend sein. Wenn eine Redaktion einen Beitrag plant und passende Fotos fehlen, erhöht das unnötig den Abstimmungsaufwand.

Journalistische Informationen statt Werbesprache

Ein Media Kit ist kein Sales-Deck. Formulierungen wie „revolutionär“, „einzigartig“ oder „führend“ helfen Journalisten wenig, wenn sie nicht belegt werden können.

Redaktionen brauchen vor allem belastbare Informationen. Was unterscheidet das Geschäftsmodell tatsächlich? Welche Entwicklung im Markt ist relevant? Welche Zahlen lassen sich belegen? Und welche Expertise bringt das Gründerteam mit?

Das Ziel ist nicht, das Startup möglichst groß klingen zu lassen. Das Ziel ist, es schnell einordnen zu können.

Deshalb sollten alle Angaben aktuell und konsistent sein. Stehen auf der Website 15 Mitarbeitende, im Fact Sheet aber 22, wirkt das unprofessionell. Dasselbe gilt für Gründungsjahr, Finanzierungsrunden, Standorte oder Produktinformationen.

Ein Ansprechpartner muss erreichbar sein

Ein oft unterschätzter Bestandteil des Media Kits sind klare Kontaktdaten für Redaktionen.

Eine allgemeine Mailadresse allein reicht nicht immer aus. Besser ist ein konkreter Ansprechpartner mit Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Journalisten arbeiten häufig unter Zeitdruck. Wenn eine Rückfrage schnell geklärt werden kann, erleichtert das die Zusammenarbeit deutlich.

Wer Pressearbeit macht, sollte sich deshalb auch als Dienstleister für Journalisten verstehen. Informationen sollten schnell verfügbar sein, Rückfragen zügig beantwortet werden und zugesagte Unterlagen zuverlässig kommen.

Das Media Kit gehört auf die Website

Am einfachsten ist ein Media Kit als Download auf der Website. Es kann beispielsweise im Bereich „Über uns“ eingebunden werden.

Noch besser ist eine eigene Presseseite. Dort können neben dem Media Kit auch Pressefotos, aktuelle Pressemitteilungen oder Unternehmensnews und bereits erschienene Medienberichte gebündelt werden.

Ein solcher Pressebereich hat zwei Vorteile: Journalisten finden bei einer eigenen Recherche schnell belastbare Informationen. Gleichzeitig können Gründer nach einem Pitch direkt auf eine zentrale Seite verweisen.

Ein „Bekannt aus“-Bereich mit bisherigen Medienberichten kann zusätzlich zeigen, welche Themen bereits aufgegriffen wurden und wie das Unternehmen öffentlich eingeordnet wird.

Das Media Kit ist Teil guter Pressearbeit

Ein professionelles Media Kit sorgt nicht automatisch für Berichterstattung. Dafür braucht es weiterhin relevante Themen, gute Pitches und die gezielte Ansprache passender Redaktionen.

Es schafft aber die Grundlage dafür, dass Journalisten ein Startup schnell verstehen und einordnen können. Genau das ist besonders dann wichtig, wenn ein Pitch Interesse geweckt hat oder eine Redaktion selbst recherchiert.

Für Startups bedeutet das: Je einfacher sie Journalisten den Zugang zu relevanten Informationen machen, desto professioneller wirkt die Zusammenarbeit. Ein gutes Media Kit spart Zeit, reduziert Rückfragen und sorgt dafür, dass die wichtigsten Fakten genau dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mit Sprach-KI gegen Einsamkeit: Berliner Startup Amara erhält 3,7 Millionen Euro

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Amara Finanzierungsrunde: 3,7 Mio. Euro für AgeTech portrait founder amara

Amara sichert sich 3,7 Millionen Euro für sprachbasierte Senioren-Technologie

Das Berliner AgeTech-Startup Amara hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,7 Millionen Euro eingesammelt. Econa, Caesar VC und IBB Ventures beteiligen sich. Mit dem Geld will das Team seine Sprachtechnologie weiterentwickeln, die ältere Menschen ohne komplizierte Bedienung mit Familie und Alltag verbindet.

Econa, Caesar VC und IBB Ventures investieren in Berliner AgeTech-Startup

  • Finanzierungssumme: 3,7 Millionen Euro
  • Runde: Pre-Seed
  • Investoren: Econa, Caesar VC, IBB Ventures
  • Gründer: Philipp Hartz, Richard Hector
  • Sitz: Berlin
  • Gründung: 2025 (Betreibergesellschaft H2 Technologies GmbH)

Nach eigener Einschätzung zählt die Runde zu den größten öffentlich bekannten Pre-Seed-Finanzierungen im europäischen AgeTech-Markt. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt nicht vor.

Sprache statt Menüs: So funktioniert Amara

Amara dreht das übliche Prinzip um. Ältere Menschen sollen nicht lernen, wie Technik funktioniert. Stattdessen soll sich die Technik an sie anpassen. Deshalb setzt das Startup vollständig auf Sprache. Nutzerinnen und Nutzer rufen per Stimme Nachrichten, Spiele und Quizze auf. Außerdem können sie Gespräche führen und mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben. Menüs, Passwörter oder Hilfe durch Angehörige brauchen sie dafür nicht.

„Ältere Menschen scheitern nicht an Technologie. Technologie scheitert oft an ihnen“, sagt Mitgründer Richard Hector. Das Team hat Amara daher von Anfang an gemeinsam mit älteren Menschen entwickelt.

Künstliche Intelligenz arbeitet dabei im Hintergrund. Sie macht die Bedienung per Sprache erst möglich und sorgt zudem für Abwechslung im Alltag. Im Mittelpunkt soll jedoch nicht die Maschine stehen, sondern der Kontakt zu anderen Menschen.

Bewusst ohne Überwachung

Ein klarer Unterschied liegt im Umgang mit Daten. Amara verzichtet auf Dashboards und Berichte, die Angehörigen zeigen, wie jemand seinen Tag verbringt. Die älteren Menschen bleiben damit selbstbestimmt. Sie entscheiden selbst, wann und wie sie mit Familie, Freunden und Umfeld in Kontakt treten.

Den Bedarf sieht das Startup vor allem in der Demografie. In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen über 80 Jahre. Viele von ihnen leben schon lange vorher allein. Gleichzeitig wohnen Familien oft weit voneinander entfernt. Dadurch wird es schwerer, im Alltag verbunden zu bleiben.

Erfahrene Gründer mit persönlichem Antrieb

Hartz und Hector sind keine Neulinge. Seit mehr als 20 Jahren gründen, führen und finanzieren sie Tech-Unternehmen in Europa. Den Anstoß für Amara gab jedoch die eigene Familie.

„Als meine Großmutter nach einem Besuch sagte: ‚Jetzt werde ich wieder einsam sein‘, wurde mir klar, dass es ihr nicht nur um Einsamkeit ging“, erzählt Philipp Hartz. Es sei vielmehr darum gegangen, nicht mehr selbst Teil des Familienalltags zu sein. „Älterwerden ist kein Problem, das gelöst werden muss“, sagt Hartz. Niemand solle sich aber von den Menschen abgeschnitten fühlen, die ihm wichtig sind.

Hausnotruf und Alarmarmband zum Jahreswechsel geplant

Mit dem neuen Kapital will Amara seine Technik ausbauen und die nächsten Wachstumsschritte vorbereiten. Neben Kontakt und Teilhabe rückt dabei auch Sicherheit in den Fokus. Zum Jahreswechsel 2026/2027 will das Startup sein Angebot Amara Home um einen Hausnotruf und ein Alarmarmband erweitern.

Langfristig planen die Gründer mehr als ein einzelnes Produkt. Sie wollen ein digitales Ökosystem aufbauen, das Senioren in vielen Bereichen ihres Alltags unterstützt.


Wie viel Kapital hat Amara eingesammelt?

Amara hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,7 Millionen Euro eingesammelt.

Wer sind die Investoren von Amara?

An der Runde beteiligen sich Econa, Caesar VC und IBB Ventures.

Was macht Amara?

Amara entwickelt eine sprachbasierte Technologie für ältere Menschen. Nutzer greifen per Stimme auf Nachrichten, Spiele und Gespräche zu und bleiben so mit Familie und Freunden in Kontakt.

Wer hat Amara gegründet?

Philipp Hartz und Richard Hector, die seit über 20 Jahren als Gründer und Investoren in der europäischen Tech-Szene aktiv sind.

Was plant Amara als Nächstes?

Zum Jahreswechsel will Amara sein Angebot Amara Home um einen Hausnotruf und ein Alarmarmband erweitern.

Bild Philipp Hartz und Richard Hector@ Amara

Quelle schoesslers GmbH

Wie Diana von „Die Höhle der Löwen“ zu Gründerin von artem oral care wurde

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artem oral care: Zahnpflege in Die Höhle der Löwen Rebecca Linneweber, Diana Zur Löwen und Julia von Wolff (v.li.), Gründerinnen von Artem oral care Foto: RTL

Diana zur Löwen kehrt mit artem oral care als Gründerin zurück, denkt Zahnpflege neu und wird am 28. September 2026 in der Höhle der Löwen pitchen.

Wie ist die Idee zu artem oral care entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter artem oral care stehen Diana und Rebecca. Die Idee entstand, als Diana in der Drogerie vor dem Zahnpflegeregal stand: Dort hatte sich seit Jahrzehnten kaum etwas verändert, während Haut- und Haarpflege längst eine Skinification erlebt haben. Dazu kam ein persönlicher Painpoint, denn Diana leidet selbst unter Zahnfleischrückgang. Über einen LinkedIn-Post suchte sie eine Co-Founderin, Rebecca bewarb sich und passte perfekt: Bei ihr wurde Parodontitis festgestellt, und nach vier Jahren in der Unternehmensberatung ergänzt sie Diana mit Operations und Finance, während Diana Marketing und Brand verantwortet. Gemeinsam mit Zahnärztinnen, Zahnärzten und einem Labor entwickelten sie die ersten Produkte.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell eures Startups aus?

Wir sind im Bereich Mund- und Zahnpflege tätig und verorten uns in der Kosmetik: Wir bringen Skincare in die Zahnpflege. Unser Sortiment bildet eine komplette, mikrobiomfreundlich gedachte Routine, von Zahnpasta für morgens und abends über Mundspray und Mundziehöl bis zu Zahnseide und einer elektrischen Zahnbürste mit einem Kooperationspartner. Aktuell verkaufen wir Direct-to-Consumer über unseren eigenen Onlineshop und wachsen über organische Reichweite auf Social Media und Meta Ads. Mittelfristig wollen wir in die Drogerie und international wachsen.

Welches konkrete Problem löst ihr und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Viele Menschen wissen wenig über Zahnpflege und darüber, welche Inhaltsstoffe zu ihnen passen. Wir wollen zeigen, dass Zahnpflege Spaß machen kann, und Menschen dazu bringen, sich damit zu beschäftigen, denn Mundgesundheit ist wichtig für den ganzen Körper. Dafür klären wir auf und verbinden das mit Produkten, die clean, ästhetisch und lifestylig sind und die man gerne im Bad stehen hat.

Warum habt ihr euch mit artem oral care für die Teilnahme an Die Höhle der Löwen entschieden und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Die Höhle der Löwen ist eine unserer Lieblingssendungen, und es gibt kaum eine größere Bühne, um eine neue Kategorie wie Oral Skincare bekannt zu machen und solche sollen Investoren potenziell zu überzeugen. Besonders spannend war es für Diana, die die Sendung früher als Investorin erlebt hat und diesmal als Gründerin auf der anderen Seite stand.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe bei Die Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Einer unserer Wunschlöwen war Judith Williams. Sie hat viele eigene Marken aufgebaut und investiert gleichzeitig, deckt also beide Seiten ab, so wie Diana es gerade auch für sich aufbaut. Mit ihrer Beauty-Erfahrung passt sie perfekt zu unserer Vision.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren bei Die Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Vor allem Unterstützung auf dem Weg in den stationären Handel und Erfahrung darin, eine Marke zu einer echten Love Brand zu entwickeln.

Welche nächsten Schritte sind für artem oral care nach eurem Auftritt bei Die Höhle der Löwen geplant und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Wir bauen unser Sortiment weiter aus: Aktuell arbeiten wir an einer Mundspülung, an unserer Zahnpasta in Tubenform und an einem Lipgloss, der die Zähne noch strahlender wirken lassen soll.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Dass eine starke Marke nur so gut ist wie das Produkt dahinter und man bei Formulierung und Inhaltsstoffen keine Abkürzungen nehmen sollte. Und dass die richtige Co-Founderin mit ergänzenden Stärken alles leichter macht.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen leiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Sprecht früh mit echten Kundinnen und Kunden und hört genau hin. Sucht euch Mitgründer, deren Stärken eure ergänzen. Und traut euch, eine Kategorie neu zu denken, auch wenn sie seit Jahrzehnten unverändert scheint.

Was unterscheidet euer Produkt im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Wir arbeiten sehr clean, positionieren uns aber nicht als Öko-Marke, sondern als Lifestyle-Brand mit modernen, studienbasierten Inhaltsstoffen. Unsere Formulierungen verbinden Mikrobiomfreundlichkeit, etwa durch ein Postbiotikum auf Ferment-Basis, mit Skincare-Inhaltsstoffen wie Panthenol, die den gesamten Mundraum pflegen. Beim Whitening setzen wir statt auf Aktivkohle oder Peroxid auf Enzyme, die oberflächliche Verfärbungen sanft lösen können. Dazu kommt ein Brandfing, das eher an Beauty erinnert als an klassische Zahnpasta.

Wie bereitet ihr eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den enormen Nachfrage-Ansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Wir wachsen kontinuierlich und haben unsere Kapazitäten schrittweise erhöht. Mit unseren Lieferanten und unserem Fulfillment-Partner haben wir früh über eine mögliche Ausstrahlung gesprochen, und sobald der Termin feststand, haben wir alles auf rechtzeitiges Hochfahren ausgerichtet. Alle Partner ziehen mit. Sollte es dennoch zu Verzögerungen kommen, informieren wir unsere Kundinnen und Kunden proaktiv und transparent.

Sehen sie artem oral care am 28. September 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Rebecca Linneweber, Diana Zur Löwen und Julia von Wolff (v.li.), Gründerinnen von artem oral care  Foto: RTL

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Akademie für Elektrische Sicherheit: Rechtssichere Schulung für Betriebe

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Akademie für Elektrische Sicherheit: Unterweisung im Betrieb Jan Illemann

Die Akademie für Elektrische Sicherheit zeigt Unternehmen, wie eine Unterweisung rund um elektrische Sicherheit praxisnah umgesetzt und zuverlässig dokumentiert werden kann.

Können Sie die Akademie für Elektrische Sicherheit kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung entstanden ist?

Die Akademie für Elektrische Sicherheit (AfES) schult Mitarbeiter, die in Betrieben mit Strom arbeiten: Elektrofachkräfte (EFK), Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) und elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP). Alle drei Gruppen müssen jedes Jahr fachlich unterwiesen werden, das schreibt die DGUV Vorschrift 1 § 4 vor. Wir schulen das an einem Tag, online live oder inhouse, mit Marcel Kroner als Dozent. Über das Nachweis-Zertifikat hinaus liefern wir ein Dokumentations-Paket, das der Geschäftsführer bei einer Prüfung durch die BG (Berufsgenossenschaft) lückenlos vorlegen muss: Bestellurkunde, Tätigkeitsabgrenzung, Pflichtenübertragung, Jahresunterweisungs-Plan.

Marcel und ich kennen uns seit über 20 Jahren aus einem Blasorchester. Im April 2026 hatten wir beide unabhängig voneinander in Berlin zu tun. Eines Abends kreuzten sich unsere Wege im Berliner Hofbräuhaus. Marcel war zu dem Zeitpunkt schon Dozent an einer Akademie und berichtete, dass er sich in diesem Bereich nun selbstständig machen wolle. Dann fragte er: „Jan, wie komme ich eigentlich an Kunden?“ Weil ich aus dem Marketing komme, sagte ich nur: „Willkommen in meiner Welt.“ Das war der Startschuss für unsere gemeinsame Akademie.

Mit Marcel Kroner als Elektrotechnik-Ingenieur und Ihnen aus dem Marketing treffen zwei unterschiedliche Fachwelten aufeinander. Wie ergänzt sich das im Gründeralltag?

Die Aufgabenverteilung musste im Prinzip nicht groß besprochen werden. Jeder hat seine Kompetenzen und bringt sie entsprechend ein. Marcel die fachliche Komponente, ich den Unternehmensaufbau drumherum. Kurzum: Ich führe die Leute in die Schulung, Marcel bringt sie durch die Schulung.

Der eigentliche Vorteil liegt woanders. Ich verstehe von Elektrotechnik nichts. Wenn Marcel mir einen Sachverhalt erklärt und ich ihn nicht verstehe, dann versteht ihn der Geschäftsführer eines Küchenstudios auch nicht. Dieser Filter läuft bei jedem Text und bei jedem Telefonat mit. Umgekehrt bremst Marcel mich, wenn ein Satz auf der Website griffig klingt, fachlich aber nicht haltbar ist. Bei einem Thema, bei dem es auch um rechtliche Absicherung geht, ist das wichtiger als jede Headline.

Sie bewegen sich in einem Markt, in dem viele potenzielle Kunden ihr eigenes Problem noch gar nicht kennen. Wie macht man aus einer unbekannten Pflicht ein relevantes Angebot?

Man verkauft zuerst nichts. Man stellt eine Frage: Wer in Ihrem Betrieb arbeitet eigentlich an oder mit elektrischem Strom?

Fast jeder Geschäftsführer antwortet spontan „niemand“ oder „nur unser Elektriker“. Dann kommt: Der Hausmeister, der die durchgebrannte Leuchte tauscht. Der Monteur, der beim Kunden den Herd anklemmt. Der Schichtleiter, der nachts die Sicherung wieder einlegt. Drei Beispiele, und die Antwort ändert sich.

Erst danach ist die Pflicht ein Thema, das jemanden interessiert. Deshalb steckt der größte Teil unserer Arbeit nicht im Verkauf, sondern im Erklären: Blogartikel, die Vergleichsseite zu EFK, EFKffT und EuP auf a-fes.de oder ein kostenfreies Erstgespräch von 30 Minuten, in dem wir einmal sauber den Bedarf analysieren. Wer das Problem verstanden hat, sucht sich die Lösung und sollte uns finden.

Fehlende Unterweisungsnachweise können für Geschäftsführer erhebliche Konsequenzen haben. Warum erhält das Thema elektrische Sicherheit Ihrer Erfahrung nach dennoch so wenig Aufmerksamkeit?

Weil meistens nichts passiert. Strom gibt keine Vorwarnung. Eine Leitung unter Spannung sieht genauso aus wie eine, die nicht unter Spannung steht. Solange es gut geht, fragt meistens keiner nach.

Dazu kommt ein Denkfehler, der sehr verbreitet ist: Sobald ein ausgebildeter Elektriker im Betrieb ist, gilt das Thema als erledigt. Die Zahlen sagen jedoch etwas ganz anderes. 49,3 Prozent der Stromunfälle im Niederspannungsbereich treffen ausgebildete Elektrofachkräfte. Und bei den erfassten Verstößen gegen die fünf Sicherheitsregeln entfallen rund 80 Prozent auf zwei übersprungene Handgriffe: freischalten und Spannungsfreiheit feststellen. So weist es die BG ETEM in ihrer Statistik der Stromunfälle aus. Routine ist gefährlicher als Unwissen.

Und die Pflicht steht an einer Stelle, an der ein Geschäftsführer im Alltag nicht vorbeikommt: in der DGUV Vorschrift 1, der DGUV Vorschrift 3 und der DIN VDE 1000-10. Die liest meist niemand freiwillig.

Ihre Unterweisungen finden als eintägige Live-Online-Schulungen mit Dozent statt. Warum haben Sie sich bewusst gegen reine E-Learning-Videos entschieden?

Weil ein Video nicht erfüllt, was eine Unterweisung leisten muss. Die Inhalte müssen arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen sein, es muss eine Verständnisprüfung geben, Rückfragen müssen jederzeit möglich sein und die Teilnahme muss dokumentiert werden. Für Unterweisungen mit elektronischen Hilfsmitteln stellt die DGUV Information 211-005 das ausdrücklich klar.

Der zweite Grund ist der wichtigere. In fast jeder Schulung kommt der Moment, in dem ein Teilnehmer fragt: „Moment, darf ich das bei uns eigentlich?“ Dann beschreibt er eine Situation aus seinem Betrieb und Marcel zieht die Grenze. Genau dieser Moment entscheidet darüber, ob jemand am nächsten Montag anders handelt. Das ist in einem Videokurs nur schwer darstellbar.

Welche Unternehmen möchten Sie mit der Akademie für Elektrische Sicherheit besonders erreichen, und wo sehen Sie aktuell den größten Informationsbedarf?

Mittelständische Betriebe zwischen etwa 10 und 250 Mitarbeitern, die ihre Jahresunterweisungen für EFK, EFKffT und EuP nicht selbst durchführen können: Hausmeisterdienste und Facility Management, SHK- und Solarbetriebe, Küchenmontage, produzierendes Gewerbe, Kommunen und Wohnungsgesellschaften sowie kleine Elektrobetriebe.

Der größte Informationsbedarf liegt bei einer einzigen Frage: Wer darf bei uns was? Der Unterschied zwischen Elektrofachkraft, Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und elektrotechnisch unterwiesener Person ist den meisten Geschäftsführern nicht geläufig. Dabei entscheidet er darüber, wer die Sicherung wechseln darf und wer nicht. Unsere meistgelesene Seite ist deshalb keine Verkaufsseite, sondern die Vergleichsseite a-fes.de/welcher-kurs.

Bei einem Pflichtthema besteht schnell die Gefahr, dass Kunden nur das Nötigste erledigen möchten. Wie schaffen Sie es, den tatsächlichen Nutzen der Unterweisungen zu vermitteln?

Wir reden gegen diesen Reflex gar nicht an. Ein Geschäftsführer, der eine Pflicht mit möglichst wenig Aufwand erfüllen will, verhält sich vernünftig. Also machen wir den Aufwand klein: ein Tag, online, kein Reisetag oder Hotel, buchbar von Montag bis Samstag, ab 299 Euro netto pro Teilnehmer. Wenn gewünscht, dann auch Inhouse; vor Ort in der Firma.

Und dann liefern wir mehr, als bestellt war. Andere Anbieter schicken nur eine Teilnahmebescheinigung. Bei uns kommt zu der Teilnahmebescheinigung noch das Dokumentations-Paket dazu (wenn gewünscht): Bestellurkunde nach DIN VDE 1000-10, Tätigkeitsabgrenzung, Pflichtenübertragung nach § 13 Abs. 2 ArbSchG, Jahresunterweisungs-Plan und Aufkleber für den Sicherheitspass. Wir füllen aus, der Kunde unterschreibt.

Der Nutzen zeigt sich nicht am Schulungstag. Er zeigt sich, wenn die Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft im Betrieb steht und nach Nachweisen fragt. Dann sollte der Ordner mit den vollständig dokumentierten Nachweisen bereitliegen.

Marcel Kroner bringt sieben Jahre Erfahrung als Verantwortliche Elektrofachkraft bei der DB Netz AG mit. Wie fließt diese praktische Erfahrung in Ihr Angebot ein?

Marcel hat als Leiter Instandhaltung LST und somit verantwortliche Elektrofachkraft in seinem Bereich unter anderem für die elektrische Sicherheit von 144 Mitarbeitern unterschrieben. Wäre an einer seiner Anlagen jemand schwer verletzt worden, hätte der Staatsanwalt zuerst bei ihm angerufen. Diese Perspektive kann man sich nicht anlesen.

Im Seminar merkt man das an den Beispielen. Marcel unterrichtet nicht den Paragrafen, sondern die Situation, in der der Paragraf gebrochen wird. Er hat bisher über 80 Unterweisungen gehalten und über 1.000 Teilnehmer geschult.

Der zweite Punkt ist die Dokumentation. Marcel saß jahrelang auf der anderen Seite des Tisches und weiß, welche Unterlagen ein Prüfer als Erstes sehen will. Das ganze Doku-Paket ist im Grunde die Antwort auf die Frage, die er sich selbst jahrelang gestellt hat: Was fehlt mir, wenn morgen jemand fragt?

Akademie für Elektrische Sicherheit: Unterweisung im Betrieb Marcel Kroner
Marcel Kroner

Vertrauen und fachliche Kompetenz sind bei sicherheitsrelevanten Schulungen entscheidend. Wie kann sich ein junges Unternehmen in diesem Umfeld etablieren?

Indem es aufhört, so zu tun, als wäre es alt. Auf unserer Website steht wörtlich: Wir sind neu. Wir haben keine 5.000 Teilnehmer und keine 15 Jahre auf dem Schild. Das kostet vielleicht den einen oder anderen Interessenten. Es kostet aber keine Glaubwürdigkeit.

Was stattdessen zählt: Vertrauen entsteht bei uns nicht über die Firma, sondern über die Person. Marcels Lebenslauf steht mit allen Stationen auf a-fes.de/uber-uns. Jede Aussage zur Rechtslage ist belegt, mit Paragraf, Norm oder Aktenzeichen. Wer nachprüfen kann, muss nicht glauben.

Und dann die unspektakulären Dinge. Wir rufen werktags innerhalb von 24 Stunden zurück. Es gibt einen Ansprechpartner statt eines wechselnden Service-Teams und ein einfaches Buchungssystem. Das können große Anbieter strukturell meist nicht leisten. Das ist einer von vielen Vorsprüngen, den ein junges Unternehmen von Tag eins an hat.

Was ist beim Aufbau eines Geschäftsmodells schwieriger: ein bestehendes Problem besser zu lösen oder Kunden zunächst davon zu überzeugen, dass überhaupt Handlungsbedarf besteht?

Überzeugen ist schwerer, und zwar deutlich.

Wer ein bestehendes Problem besser löst, trifft auf Menschen, die bereits suchen. Die Nachfrage ist da, man muss nur besser oder preislich attraktiver sein als die anderen. Bei uns liegt häufig vor einem Verkaufsgespräch ein Aufklärungsgespräch. Das dauert länger, kostet mehr und ein Teil dieser Arbeit kommt nie zurück, weil der Betrieb danach zu einem anderen Anbieter geht. Damit muss man rechnen.

Die andere Seite: Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist klein, weil kaum jemand diese Aufklärungsarbeit macht. Und die Pflicht kommt jedes Jahr wieder. Wer einmal verstanden hat, warum er unterweisen muss, ist nicht Kunde für eine Schulung, sondern für die nächsten zehn Jahre.

Welche Vision verfolgen Sie mit der Akademie für Elektrische Sicherheit, und wie möchten Sie das Unternehmen künftig weiterentwickeln?

Kurzfristig: jede Woche mindestens eine Schulung, über alle vier Kursformate hinweg.

Mittelfristig wollen wir vom Einzeltermin wegkommen. Eine Schulung ist ein Datum, die Pflicht ist ein Kreislauf. Wir merken uns den Folgetermin und melden uns etwa zehn Monate später von selbst. Über die Jahre entsteht so die lückenlose Dokumentation, die bei einer Begehung den Unterschied macht. Dafür brauchen wir weitere Dozenten, damit das Angebot nicht an einer Person hängt.

Das Ziel ist: Ein Geschäftsführer soll bei einer Prüfung einen Ordner aufschlagen und nichts suchen müssen. Und ein Hausmeister soll wissen, wo er aufhören muss, bevor er seine Kompetenzen überschreitet.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen in einem erklärungsbedürftigen Markt aufbauen möchten?

Erstens: Klärt zuerst, wer überhaupt zuständig ist. In einem erklärungsbedürftigen Markt ist nicht nur das Problem unbekannt, sondern auch der Ansprechpartner. Bei uns haftet der Geschäftsführer, gefragt wird meistens der Elektromeister, und buchen soll am Ende die Personalabteilung. Jeder verweist auf den nächsten. Wer das nicht früh klärt, führt viele freundliche Gespräche mit Leuten, die gar nicht entscheiden dürfen.

Zweitens: Redet MIT der Zielgruppe, bevor ihr die erste Zeile schreibt. Foren, Rezensionen, Telefonate, Fragen von Bestandskunden. Die Sätze, die später auf der Website funktionieren, hat meistens vorher jemand anderes gesagt.

Drittens: Sagt offen, was ihr noch nicht habt. Der Reflex geht in die andere Richtung, gerade am Anfang. Aber eine ehrliche Lücke kostet weniger als ein Versprechen, das beim ersten Kundengespräch auffliegt. Und sie macht alles glaubwürdiger, was daneben steht.

Bildrechte: privat

Wir bedanken uns bei Jan Illemann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Akademie für Elektrische Sicherheit

Kontakt:

Akademie für Elektrische Sicherheit
St.-Georg-Str. 22
31177 Harsum
Deutschland

a-fes.de
info@a-fes.de
+49 160 96501312

Ansprechpartner: Jan Illemann

Ortsportal trifft Bürger-KI: Wie kommunity360 kleine Gemeinden digitalisiert

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kommunity360: Plattform für Bürger und Gemeinden Martin Dellwing

kommunity360 entwickelt eine digitale Plattform, die Bürger mit lokalen Informationen, Unternehmen, Vereinen, Veranstaltungen und kommunalen Angeboten verbindet.

Können Sie kommunity360 kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Plattform für Städte und Gemeinden steht?

kommunity360 ist eine lokale Informationsplattform, die Ortsportal, Bürger-App, lokale Redaktion und die Bürger-KI Tobi miteinander verbindet. Bürger finden dort unter anderem Veranstaltungen, Unternehmen, Vereine, Sehenswürdigkeiten, Mülltermine, wichtige Anlaufstellen sowie aktuelle Meldungen aus der Gemeinde oder dem Bürgerbüro.

Entstanden ist das Projekt vor allem für kleinere Städte und Gemeinden. Viele bestehende digitale Angebote konzentrieren sich verständlicherweise auf größere Städte, weil sich dort mehr Nutzer und häufig auch größere Budgets befinden. Mein Ziel war deshalb von Anfang an, eine technische Infrastruktur zu schaffen, die auch für kleine Gemeinden funktioniert und für die Gemeinde selbst kostenlos genutzt werden kann.

Der erste reale Pilot läuft in meinem Heimatort Neukirchen in Nordfriesland.

Wer steht hinter kommunity360, und welche Erfahrungen haben zur Entwicklung des Unternehmens geführt?

Ich bin Martin Dellwing, Geschäftsführer der DELLWING ONLINE GmbH und Gründer von kommunity360. Mein beruflicher Weg führte vom Onlinehandel über Agenturarbeit immer stärker in Richtung Software, Automatisierung und künstliche Intelligenz.

Seit 2023 beschäftige ich mich sehr intensiv mit HighLevel und bin der erste deutschsprachige HighLevel Certified Admin. In Videos, Kursen und Communities vermittle ich den praktischen Einsatz der Plattform und ihrer KI-Funktionen. 2025 habe ich außerdem den HighLevel AI Agent Contest gewonnen.

kommunity360 ist für mich die konsequente Weiterentwicklung daraus. Statt KI und Automatisierung nur für einzelne Unternehmen einzusetzen, möchte ich damit eine Infrastruktur aufbauen, die Menschen im Alltag eines ganzen Ortes hilft.

Lokale Informationen verteilen sich häufig auf Gemeindewebseiten, Social Media, Vereinsseiten und verschiedene Veranstaltungskalender. Welches Problem möchten Sie dadurch konkret lösen?

Das eigentliche Problem ist nicht, dass lokale Informationen fehlen. Sie liegen nur an sehr vielen verschiedenen Stellen. Die Trainingszeit steht beim Verein, eine Veranstaltung bei Facebook, der Mülltermin beim Entsorger und eine wichtige Meldung auf der Gemeindeseite.

kommunity360 führt diese Informationen strukturiert an einer Stelle zusammen. Damit sie anschließend nicht wieder veralten, ist das System bereits auf automatisierte Pflege ausgelegt. Pro Ort arbeitet die technische Struktur mit sechs sogenannten Managed Agents, die jeweils unterschiedliche Informationsbereiche überwachen, Quellen prüfen und Aktualisierungen in den zentralen Datenbestand übernehmen.

Dadurch stehen Änderungen sowohl auf der kommunity360-Website als auch für Tobi, die lokale Bürger-KI, zur Verfügung. Automatisierung ersetzt dabei nicht jede menschliche Kontrolle, sie reduziert aber den Pflegeaufwand erheblich.

Bürger, Vereine, Unternehmen und Kommunen haben sehr unterschiedliche Interessen. Wie schaffen Sie eine Plattform, die für alle Beteiligten einen echten Mehrwert bietet?

Der gemeinsame Nenner sind lokale Informationen. Ein Bürger sucht einen Handwerker, ein Unternehmen möchte gefunden werden. Ein Verein möchte auf sein Angebot aufmerksam machen, während jemand im Ort genau nach diesem Angebot sucht. Die Gemeinde wiederum möchte wichtige Meldungen möglichst einfach an die Menschen bringen.

Zusätzlich zur automatisierten Datenpflege habe ich deshalb eine passwortgeschützte kommunity360-Redaktion entwickelt. Der jeweilige Bürgermeister oder andere autorisierte Personen können dort vorhandene Informationen bearbeiten, Bilder ändern, Veranstaltungen ergänzen oder aktuelle Meldungen veröffentlichen.

Die Redaktion funktioniert auch mobil. Dadurch kann beispielsweise ein Bürgermeister unterwegs innerhalb weniger Minuten eine wichtige Information veröffentlichen oder korrigieren, ohne sich mit der technischen Infrastruktur im Hintergrund beschäftigen zu müssen.

Mit „Tobi“ setzen Sie auf einen digitalen Ortsassistenten. Welche Aufgaben soll er übernehmen und wie möchten Sie sicherstellen, dass seine Antworten zuverlässig und aktuell sind?

Tobi ist die Bürger-KI von kommunity360 und beantwortet lokale Fragen per Sprache oder Text. Besonders hilfreich ist er bei Fragen, bei denen ein Nutzer nicht genau weiß, wo er suchen müsste. Zum Beispiel: „Wo kann ich heute Abend noch etwas essen?“, „Wo kann ich mein E-Bike laden?“ oder „Was kann ich am Wochenende mit Kindern machen?“.

Tobi ersetzt aber bewusst nicht die normale Navigation. Wer einfach alle Handwerker oder Veranstaltungen sehen möchte, soll das direkt in der App oder auf der Website tun können.

Die Zuverlässigkeit entsteht vor allem dadurch, dass Tobi auf denselben strukturierten Datenbestand zugreift wie die öffentliche Plattform. Änderungen durch die Redaktion und automatisierte Aktualisierungen der Managed Agents stehen damit auch Tobi zur Verfügung. Wenn eine Information nicht ausreichend gesichert ist, soll Tobi das deutlich sagen, anstatt etwas zu erfinden.

Eine lokale Plattform wird erst interessant, wenn genügend Menschen und Organisationen sie aktiv nutzen. Wie wollen Sie diese kritische Masse in einer Gemeinde erreichen?

kommunity360 ist bewusst so aufgebaut, dass der Nutzen nicht erst entsteht, wenn sich hunderte Menschen registriert haben. Veranstaltungen, Unternehmen, Mülltermine, Vereine oder wichtige Anlaufstellen helfen bereits dem ersten Nutzer.

In Neukirchen ist die Plattform bereits funktionsfähig aufgebaut, und Bürgermeister Jörg Hansen unterstützt den Pilot. Gemeinden können anschließend selbst entscheiden, wie intensiv sie die automatisierte Pflege zusätzlich über ihre Redaktion unterstützen möchten.

Mein Ziel ist aber ausdrücklich, dass langfristig kein Ort in Deutschland ausgeschlossen wird, nur weil er klein ist oder kein Budget für eine eigene digitale Lösung hat. Deshalb möchte ich die technische Basis möglichst schnell auf weitere Orte übertragen. Mit zunehmender Größe sollen zusätzlich regionale Betreuungsteams entstehen, die mehrere Gemeinden einer Region begleiten, Datenqualität kontrollieren und Ansprechpartner vor Ort unterstützen.

kommunity360 startet zunächst in Neukirchen in Nordfriesland. Welche Erkenntnisse möchten Sie dort gewinnen, bevor weitere Orte hinzukommen?

Die technische Grundlage steht bereits, deshalb geht es im Pilot weniger darum herauszufinden, ob sich die Idee grundsätzlich umsetzen lässt. Entscheidend ist jetzt die Nutzung unter realen Bedingungen.

Ich möchte sehen, welche Informationen Bürger besonders häufig benötigen, wie intuitiv Website, App und Tobi tatsächlich genutzt werden und an welchen Stellen wir die Datenpflege noch weiter automatisieren können.

Gleichzeitig testen wir in Neukirchen die redaktionellen Abläufe und das Geschäftsmodell mit lokalen Unternehmen und Unterstützern. Die Erkenntnisse daraus fließen unmittelbar in den weiteren Ausbau ein. Der nächste Schritt ist Nordfriesland. Die Architektur wurde von Anfang an so entwickelt, dass ein neuer Ort möglichst über Daten und Konfiguration angelegt werden kann und nicht jedes Mal eine neue Software benötigt.

Datenschutz und Vertrauen sind bei einer kommunalen Plattform besonders wichtig. Wie gehen Sie mit diesen Anforderungen um?

Datenschutz gehört von Anfang an zur Produktentwicklung. Öffentliche Ortsinformationen werden klar von personenbezogenen Nutzerdaten getrennt, und Funktionen sollen möglichst ohne unnötige Datenerhebung nutzbar sein.

Bei Sprach- und KI-Funktionen informieren wir transparent über den Einsatz künstlicher Intelligenz und die Datenverarbeitung. Berechtigungen innerhalb der Redaktion sind ebenfalls so aufgebaut, dass Verantwortliche nur auf die für sie vorgesehenen Bereiche zugreifen können.

Zusätzlich arbeite ich eng mit einer zertifizierten Datenschutz-Expertin zusammen, die kommunity360 bei diesen Themen begleitet. Gerade bei einer Plattform, die perspektivisch von vielen Gemeinden und Bürgern genutzt werden soll, möchte ich Datenschutz nicht nachträglich ergänzen, sondern bei neuen Funktionen direkt mitdenken.

Gemeinden sollen ihre Plattform auch mithilfe lokaler Partner finanzieren können. Wie funktioniert dieses Modell und wie bewahren Sie dabei die Unabhängigkeit der Inhalte?

Mein Ziel war von Anfang an, dass Gemeinden für kommunity360 nichts bezahlen müssen. Die Finanzierung soll stattdessen unter anderem über freiwillige Unternehmenspakete, lokale Unterstützer und Sponsoren funktionieren.

Unternehmen erhalten bereits kostenlose Basiseinträge, damit das örtliche Verzeichnis für Bürger möglichst vollständig bleibt. Wer zusätzliche Darstellungsmöglichkeiten, umfangreichere Unternehmensprofile oder weitere Funktionen nutzen möchte, kann ein kostenpflichtiges Paket buchen.

Dabei ist die Trennung wichtig: Ein Unternehmen bezahlt für zusätzliche Sichtbarkeit oder Funktionen, aber nicht dafür, dass sachliche Informationen verändert oder andere Betriebe ausgeblendet werden. Auch kostenlose Einträge müssen korrekt und für Bürger hilfreich bleiben.

Viele Kommunen verfügen bereits über Webseiten, Apps oder Social-Media-Kanäle. Was soll kommunity360 gegenüber diesen bestehenden Angeboten besonders machen?

kommunity360 soll bestehende Angebote nicht einfach ersetzen. Der Unterschied liegt darin, Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und auf mehreren Wegen zugänglich zu machen.

Ein Bürger kann klassisch durch Veranstaltungen, Unternehmen, Vereine oder Sehenswürdigkeiten navigieren, die App nutzen oder Tobi einfach eine Frage stellen. Im Hintergrund greifen diese Zugänge auf denselben Datenbestand zurück.

Dazu kommt die automatisierte Aktualisierung durch Managed Agents und die lokale Redaktion. Eine Änderung soll möglichst nur einmal vorgenommen werden müssen und anschließend überall verfügbar sein. Genau diese Verbindung aus lokaler Informationsplattform, Automatisierung und Bürger-KI ist der Kern von kommunity360.

Welche Vision verfolgen Sie mit kommunity360, und wie lässt sich ein stark lokales Konzept langfristig auf viele unterschiedliche Städte und Gemeinden übertragen?

Meine langfristige Vision ist eine kommunity360 für jede Stadt und Gemeinde in Deutschland. Das sind rund 10.700 Orte, und gerade die kleineren davon möchte ich nicht außen vor lassen.

Technisch haben wir deshalb eine gemeinsame Grundlage entwickelt, bei der Website, App, Redaktion und Tobi aus derselben lokalen Datenstruktur versorgt werden. Ein neuer Ort soll nicht bedeuten, dass eine neue Software programmiert werden muss. Im Idealfall werden lediglich die Ortsdaten, Quellen und Zuständigkeiten hinterlegt und die vorhandene Infrastruktur übernimmt den Rest.

Neukirchen ist der Ausgangspunkt, anschließend soll Nordfriesland folgen. Mit wachsender Verbreitung werden Automatisierung und regionale Betreuung kombiniert. Die Technik kann zentral skaliert werden, trotzdem soll sich kommunity360 für einen Bürger immer wie eine Plattform für seinen eigenen Ort anfühlen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform aufbauen, bei der mehrere unterschiedliche Nutzergruppen gleichzeitig gewonnen werden müssen?

Erstens: Das Produkt muss bereits für den ersten Nutzer einen Nutzen haben. Wer zuerst tausende Mitglieder benötigt, bevor seine Plattform interessant wird, macht sich den Start unnötig schwer.

Zweitens: Automatisierung von Anfang an mitdenken. Was bei einem Pilotprojekt zehn Minuten Handarbeit verursacht, kann bei 10.000 Standorten zu einem riesigen Problem werden.

Drittens: Nicht versuchen, jede Nutzergruppe mit demselben Argument zu überzeugen. Bürger, Unternehmen und Kommunen nutzen kommunity360 aus unterschiedlichen Gründen. Das Produkt muss diese Interessen zusammenbringen, ohne dass eine Gruppe auf Kosten der anderen gewinnt.

Bildcredits DELLWING ONLINE GmbH

Wir bedanken uns bei Martin Dellwing für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mehr Abschlüsse im Alltag: Wie die Plattform vertrieb.de Profis trainiert

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vertrieb.de: Vertrieb und Weiterbildung neu gedacht Michael Silberberger Workshop

vertrieb.de verbindet Vertrieb mit kontinuierlicher Weiterbildung und unterstützt Unternehmen, Führungskräfte und Verkaufsteams dabei, ihre Fähigkeiten praxisnah weiterzuentwickeln.

Können Sie vertrieb.de kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung der Plattform entstanden ist?

vertrieb.de hilft Menschen und Unternehmen dabei, erfolgreicher zu kommunizieren, zu führen und zu verkaufen. Unser Anspruch ist klar: mehr Abschlüsse, mehr Sicherheit und messbar bessere Ergebnisse im Vertrieb.

Vertrieb begleitet mich durch mein gesamtes unternehmerisches Leben. Mit starken Vertriebsteams habe ich Unternehmen aufgebaut, skaliert und vier davon zur Marktführerschaft geführt.

2010 hatte ich die Gelegenheit, die Domain vertrieb.de zu kaufen. Schon damals war mir bewusst, welches Potenzial in diesem Namen steckt. Zuvor hatte ich mit Semigator Deutschlands größte Seminarplattform aufgebaut. Ich kannte also sowohl die Weiterbildungsbranche als auch die Kraft, die entsteht, wenn Menschen neues Wissen unmittelbar anwenden.

Mit vertrieb.de bringen wir diese beiden Welten zusammen: unternehmerische Vertriebspraxis und moderne, kontinuierliche Weiterbildung.

Aus einer starken Domain wurde eine klare Mission: Menschen und Unternehmen messbar besser zu machen.

Wer steht hinter vertrieb.de, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihres Weiterbildungsangebots geprägt?

Hinter vertrieb.de stehe ich gemeinsam mit einem Team aus erfahrenen Unternehmern, Trainern und Vertriebsexperten.

Seit 1999 habe ich vier Unternehmen zur Marktführerschaft aufgebaut. Zusammen haben diese Unternehmen inzwischen mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet. Die Geschäftsmodelle waren unterschiedlich, aber der entscheidende Wachstumstreiber war immer derselbe: ein starker Vertrieb.

Ich weiß, wie aus einer Idee ein Unternehmen entsteht, wie Teams wachsen und wie aus ersten Verkaufserfolgen skalierbare Prozesse werden. Ich kenne aber auch die andere Seite: Rückschläge, Liquiditätsdruck und Situationen, in denen der nächste Abschluss darüber entscheidet, ob ein Unternehmen den nächsten Entwicklungsschritt gehen kann.

Genau diese Erfahrungen prägen unser Angebot. Wir vermitteln keine Theorie aus dem Lehrbuch, sondern Methoden, die sich in echten Unternehmen und konkreten Verkaufssituationen bewährt haben.

Unternehmen wachsen nicht durch Hoffnung. Sie wachsen, wenn Menschen ihre Ideen überzeugend in den Markt bringen.

Welche Vision verfolgen Sie mit vertrieb.de, und wie möchten Sie die Weiterbildung im Vertrieb langfristig verändern?

Wir möchten, dass Menschen besser kommunizieren, klarer führen und erfolgreicher verkaufen.

Klassische Seminare und Workshops bleiben dabei wichtig. Sie schaffen Energie, Austausch und neue Perspektiven. Aber nachhaltige Veränderung entsteht selten an einem einzigen Seminartag.

Deshalb verbinden wir intensive Trainings mit kurzen, regelmäßigen Lerneinheiten. Unsere täglichen 12-Minuten-Impulse lassen sich direkt in den Arbeitsalltag integrieren. Die Teilnehmer lernen nicht nur auf Vorrat. Sie wenden neue Methoden unmittelbar in Kundengesprächen, Führungssituationen und Verhandlungen an.

Unser Ziel ist, Weiterbildung von einem gelegentlichen Ereignis zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu machen.

Ein Seminartag kann begeistern. Kontinuierliches Training verändert Verhalten.

An welche Zielgruppen richtet sich vertrieb.de hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie lösen?

Unsere Hauptzielgruppen sind kleine und mittelständische Unternehmen, Start-ups, Gründer, Vertriebsmitarbeiter und Führungskräfte.

Gerade in einem Start-up ist Vertrieb nicht nur eine einzelne Abteilung. Vertrieb ist die Voraussetzung dafür, dass aus einer guten Idee überhaupt ein tragfähiges Unternehmen entsteht.

Wir helfen Vertriebsmitarbeitern, sicherer aufzutreten, bessere Fragen zu stellen, Kundensituationen klarer zu verstehen und konsequenter zum Abschluss zu kommen. Führungskräfte unterstützen wir dabei, ihre Teams systematisch zu entwickeln und Orientierung zu geben. Unternehmen helfen wir, wiederholbare Prozesse aufzubauen, damit Wachstum nicht vom Zufall oder von einzelnen Top-Verkäufern abhängt.

Ohne Kunden kein Umsatz. Ohne Umsatz kein dauerhaftes Unternehmen. Vertrieb entscheidet, ob aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte wird.

Viele Weiterbildungsangebote vermitteln vor allem Theorie. Warum setzt vertrieb.de bewusst auf einen praxisnahen Ansatz?

Weil Unternehmen keine Zeit für Wissen haben, das im Alltag nicht funktioniert.

Unsere Programme sind konsequent an der Realität kleiner und mittelständischer Unternehmen ausgerichtet: wenig Zeit, begrenzte Ressourcen und ein klarer Anspruch an die wirtschaftliche Wirkung.

Deshalb erhalten Teilnehmer bei uns keine abstrakten Modelle, sondern konkrete Gesprächseinstiege, Fragetechniken, Leitfäden, Übungen und Aufgaben. Vieles davon kann bereits im nächsten Kundengespräch eingesetzt werden.

Entscheidend ist nicht, ob ein Training am Ende gute Bewertungen bekommt. Entscheidend ist, ob Menschen ihr Verhalten verändern und Unternehmen bessere Ergebnisse erzielen.

Weiterbildung darf nicht nur gefallen. Sie muss im Arbeitsalltag wirken.

Was macht vertrieb.de im Vergleich zu anderen Anbietern für Vertriebs- und Führungstrainings besonders?

Am besten probiert man vertrieb.de aus und macht sich selbst ein Bild.

Wir verbinden tägliche 12-Minuten-Impulse mit digitalen Lerninhalten, Live-Workshops, Gruppencoachings, Einzelcoachings und klassischen Inhouse-Trainings. Dadurch entsteht nicht nur ein kurzfristiger Motivationsschub. Es entsteht ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Ein weiterer Unterschied ist die Vielfalt unserer Experten. Unsere Teilnehmer lernen nicht nur die Methode eines einzelnen Trainers kennen. Sie erhalten unterschiedliche Perspektiven auf Kommunikation, Verkauf, Führung, Psychologie, Prozesse und Technologie.

Unser Anspruch bleibt dabei immer gleich: Weiterbildung muss messbar etwas verändern.

Wir liefern nicht einfach mehr Inhalte. Wir wollen mehr Wirkung erzielen.

Sie kombinieren digitale Lerninhalte mit Live-Trainings und Coachings. Welche Vorteile bietet dieses Konzept?

Menschen lernen unterschiedlich. Manche benötigen den direkten Austausch in einer Gruppe, andere wollen Inhalte flexibel wiederholen oder ein konkretes Thema individuell vertiefen.

Live-Trainings schaffen Energie, Verbindlichkeit und einen intensiven Austausch. Digitale Angebote sorgen dafür, dass Lernen in den Arbeitsalltag passt. Ein Teilnehmer kann beispielsweise kurz vor einer wichtigen Verhandlung noch einmal gezielt das passende Modul aufrufen.

Coachings ermöglichen zusätzlich, persönliche Situationen und konkrete Herausforderungen zu bearbeiten. Durch die Verbindung dieser Formate wird Wissen nicht nur gehört. Es wird wiederholt, ausprobiert, reflektiert und dauerhaft verankert.

Der Lernweg kann unterschiedlich sein. Entscheidend ist, dass am Ende eine sichtbare Verbesserung entsteht.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei einem Angebot für unterschiedliche Branchen und Unternehmensgrößen?

Die Grundlagen erfolgreichen Vertriebs sind in vielen Branchen ähnlich: Kunden ansprechen, Vertrauen aufbauen, die richtigen Fragen stellen, Bedürfnisse erkennen, Nutzen vermitteln, Einwände behandeln und Entscheidungen herbeiführen.

Natürlich gibt es zusätzlich branchenspezifische Produkte, Prozesse und Kundenerwartungen. Darauf gehen wir in individuellen Inhouse-Trainings, digitalen Formaten und persönlichen Coachings ein.

Die größte Herausforderung ist jedoch häufig nicht die Branche. Es ist die Bereitschaft der Menschen, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Nicht jeder Mitarbeiter möchte Gewohnheiten verändern oder neue Methoden ausprobieren. Deshalb richtet sich vertrieb.de vor allem an Menschen, die wirklich besser werden wollen. Denn kein Trainer kann Entwicklung verordnen.

Veränderung beginnt bei den Menschen, die bereit sind, den ersten Schritt zu gehen.

Wie wichtig ist kontinuierliches Lernen für nachhaltigen Vertriebserfolg?

Kontinuierliches Lernen ist einer der stärksten Hebel für langfristigen Erfolg.

Dabei beobachte ich seit vielen Jahren ein interessantes Muster: Gerade die besten Verkäufer, Unternehmer und Führungskräfte entwickeln sich permanent weiter. Sie könnten sich auf ihren Erfolgen ausruhen, tun es aber nicht. Sie suchen neue Perspektiven, trainieren ihre Fähigkeiten und überprüfen regelmäßig ihr eigenes Verhalten.

Das ist kein Widerspruch. Es ist einer der wesentlichen Gründe für ihren Erfolg.

Die Besten trainieren nicht, weil sie schlecht sind. Sie sind die Besten, weil sie niemals aufhören zu trainieren.

Welche neuen Inhalte und Weiterentwicklungen stehen bei vertrieb.de aktuell im Fokus?

Ein großer Schwerpunkt ist künstliche Intelligenz im Vertrieb. Wir zeigen, wie Verkäufer KI konkret für Recherche, Gesprächsvorbereitung, Angebotserstellung, Nachbereitung und Kundenkommunikation einsetzen können.

Gleichzeitig verändern sich die Kaufprozesse im B2B-Bereich. Kunden informieren sich heute häufig lange vor dem ersten persönlichen Gespräch. Sie vergleichen Anbieter, recherchieren online und beobachten Unternehmen und Experten auf Plattformen wie LinkedIn.

Ein moderner Verkäufer muss deshalb nicht nur im persönlichen Gespräch überzeugen. Er muss digital sichtbar sein, relevante Inhalte teilen und frühzeitig Vertrauen aufbauen.

Dabei gilt: KI kann Prozesse beschleunigen, Informationen strukturieren und Routineaufgaben übernehmen. Empathie, Glaubwürdigkeit und echtes Verständnis für den Kunden bleiben jedoch menschliche Fähigkeiten.

Der Vertrieb der Zukunft wird digitaler und intelligenter. Der Mensch bleibt trotzdem der entscheidende Unterschied.

Wo soll vertrieb.de in den kommenden Jahren stehen?

Unser erstes Ziel war bewusst klein: Wir wollten mindestens 100 Menschen besser machen. Das haben wir mittlerweile erreicht. Jetzt dürfen es gerne einige mehr werden.

Wir wollen die Plattform aufbauen, die bei Mitarbeitern und Unternehmen die größte tatsächliche Veränderung auslöst. Dabei geht es uns nicht darum, möglichst viele Videos, Kurse oder Materialien zu produzieren.

Es geht darum, dass Menschen sicherer kommunizieren, besser führen, erfolgreicher verkaufen und ihre Entwicklung auch an konkreten Ergebnissen erkennen können.

Unser Ziel ist nicht maximaler Content. Unser Ziel ist maximale Veränderung.

Bildcredits Michael Silberberger

Wir bedanken uns bei Michael Silberberger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Lebensstimmen: Die KI-Plattform für selbstbestimmte Abschiedsvorsorge

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Lebensstimmen: KI und Bestatter für neue Abschiedsformen die drei Gründer und der Investor Dr. Helmut Marko

Lebensstimmen verbindet KI mit der Erfahrung von Bestatter-Experten, um persönliche Abschieds- und Erinnerungsformate bereits zu Lebzeiten selbstbestimmt zu gestalten

Kannst du Lebensstimmen kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist?

Lebensstimmen-Words that Remain ist eine neuartige KI-gestützte Plattform, mit der Menschen persönliche Abschieds- und Erinnerungsformate zu Lebzeiten als Vorsorgemodell und ergänzend zum bestehenden Angebot selbstbestimmt gestalten können. Das sind z.B. Grußbotschaften, die eigene Trauer bzw. Abschiedsrede oder eine würdevolle Rede der Familie, als Audio oder Video.

Die Idee ist aus persönlichen Erfahrungen und eigenen Wünschen heraus entstanden, kommt aber auch direkt aus der Praxis der Bestattung. Zunehmend wünschen sich auch immer mehr Menschen, ihren Abschied selbst zu Lebzeiten in die Hand zu nehmen, um die Angehörigen zu entlasten, aber auch um diesen nach eigenen Wünschen und Inhalten mitzugestalten, so dass auch sprachliche, kulturelle, aber auch digitale Kanäle und deren Herausforderungen darin Berücksichtigung finden. Unsere Antwort darauf: Nicht andere sprechen über einen Menschen, sondern er oder sie kann zu Lebzeiten selbst Autor der eigenen letzten Worte im gewünschten Rahmen dieses Vorsorgeproduktes sein. Die KI ist dabei Werkzeug und nicht Hauptdarsteller, sie ergänzt und unterstützt sinnvoll wenn gewünscht, damit ein neues Erinnerungsformat entsteht, welches für den Tod und darüber hinaus Bestand hat.

Wer steht hinter Lebensstimmen, und wie ergänzen sich eure Erfahrungen?

Lebensstimmen wurde von drei Partnern mit umfangreicher Expertise gegründet.

  • Dr. Markus Pinter (Pinter Bestattung) bringt langjährige Branchenerfahrung und ein starkes europäisches und globales Netzwerk ein, unter anderem über seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien, aber auch seiner Rolle als Vizepräsident des Europäischen Bestatter Verbandes EFFS, aber auch als Delegierter des Weltverbands der Bestatter FIAT-IFTA.
  • Lukas Stern (Aldea Agency) ist mit mir in der Geschäftsführung und verantwortet Plattformkonzeption, KI-Produktion, Videoproduktion und Qualitätssicherung und bringt langjährige Erfahrung mit internationalen Kunden ein.
  • Ich selbst, Dr. Philipp Berkessy (Berkessy Consulting), führe als Geschäftsführer Strategie, Marketing, Sales und PR und schaue auf über 30 Berufsjahre in Führungspositionen u.a. im internationalen Motorsport wie u.a. Head of Marketing des Bahrain International Circuit, COO der DTM, Geschäftsführer am Red Bull Ring, oder als SMO der Firma Frutura zurück. Mein internationales Netzwerk ist aktiv in den Aufbau von Lebensstimmen involviert.

Ergänzt werden wir durch starke Beratungspartner:

  • BLCKs rund um Philipp Fuchs für die KI-Orchestrierung, Software und Frontend-Lösung
  • Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte rund um Hon. Prof. Sascha Verovnik für Recht und Datenschutz
  • Green Encoded rund um Michael Kien für digitale Assets und Tokenisierung

Diese Kombination ist unser Kern. Die Branche weiß, was gebraucht wird. Die Technik weiß, was möglich ist. Beratung und Management sorgen dafür, dass daraus ein neuartiges und international skalierbares Geschäftsmodell wird, welches am Ende jeden Menschen betrifft.

Was hat euch überzeugt, dass es für ein solches Angebot Bedarf gibt?

Die Bestattungskultur befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Standardisierte Abläufe weichen individuellen Abschiedsformen. Menschen und vor allem die junge Generation lebt sehr digital und erwartet immer stärke Einbindung und Unterstützung von Ton, Bild und digitalen Formate. Die Gesellschaft wird vielfältiger in Sprachen, Kulturen und Religionen. Die Freunde, Familien oder Kollegen sind weltweit verstreut und Social Media verbindet immer mehr Menschen global. Und der Wunsch nach Selbstbestimmung wächst, auch beim eigenen Abschied. Man hat viel selbst zu sagen, u.a. über sein Leben, seine Erinnerungen, seine Familien und Freunde, aber auch seine Wünsche und wie man selbst in Erinnerung bleiben will. Dies alles will Lebensstimmen festhalten, bewußt zu Lebzeiten in entsprechendem würdigen Rahmen.

Hinzu kommt die Vorsorge: Wer heute sein Begräbnis regelt, will zunehmend auch mitentscheiden, was dort gesagt wird. In Gesprächen mit Bestattern und Versicherern, Vereinen, Institutionen, aber auch der Gesellschaft selbst, hören wir immer öfter: Das Bedürfnis ist da, es fehlten bisher aber würdevolle, rechtssichere, aber auch innovative Angebote im digitalen Bereich. Alleine in der DACH-Region gibt es rund 1,4 Millionen Sterbefälle pro Jahr, und digital ist dieser Bereich mit entsprechenden Produkten weltweitgesehen noch weitgehend unerschlossen.

Wie findet ihr die Balance zwischen Technologie und würdevollem Umgang?

Für uns ist Würde das oberste Prinzip und der Mensch steht im Mittelpunkt. Keine technologische Optimierung rechtfertigt einen Verlust an Würde. Das zeigt sich konkret an drei Punkten:

  • Der Mensch kuratiert. Jede Rede entsteht aus den Vorgaben echter Menschen und wird vor der Auslieferung von einem Menschen geprüft.
  • Die Gestaltung ist bewusst reduziert. Digitale Möglichkeiten, Bildsprache, Inhalte und Sprache sind Teil des Respekts und werden in einen dem Thema entsprechendem Rahmen erarbeitet.
  • Das neuartige Zusatzangebot kommt neben Versicherungen, relevanten Institutionen und Medie, vor allem auch über den Bestatter. Die Familie erhält es über jemanden, dem sie in dieser Situation ohnehin vertraut.

Technologie ist bei uns Mittel und nicht Selbstzweck. Sie soll Menschen in einer sensiblen Lebenssituation entlasten, nicht menschliche Zuwendung ersetzen.

Wo zieht Lebensstimmen die ethischen Grenzen?

Die Grenze ist klar: Wir lassen keine Menschen nach dem Tod weiterleben oder sprechen, sondern schaffen neuartige Erinnerungsformate zu Lebzeiten, die dem Willen des betroffenen Menschen entsprechend und verwendet werden. Alle Inhalte sind bewusst stilisiert und tragen die Kennzeichnung „Digitale Inszenierung zur Erinnerung“. Unsere KI-Trauerredner sind neutrale, würdevolle digitale Redner, die im Sinne des Verstorbenen nach seinen Vorgaben sprechen. Sie spielen ihn nicht nach.

Die eigene Stimme kommt also nur dann zum Einsatz, wenn der Mensch das zu Lebzeiten selbst ausdrücklich wünscht und in entsprechendem ethisch würdigem Rahmen freigibt. Ein „digitales Weiterleben“, also einen Avatar, der nach dem Tod neue Dinge sagt oder mit Angehörigen Gespräche führt, bieten wir bewusst nicht an! Was bleibt, sind die Worte, die ein Mensch selbst hinterlassen wollte.

Wie stellt ihr sicher, dass auch nach dem Tod eindeutig geregelt ist, was mit den Inhalten geschehen darf?

Die Grundlage bildet eine schriftliche Einwilligung. Der Mensch legt zu Lebzeiten fest, welche Inhalte entstehen, in welchem Rahmen sie verwendet werden und wann sie wie bereitgestellt werden. Diese Freigabe ist jederzeit widerrufbar. Die Inhalte werden archiviert und erst im Anlassfall digital bereitgestellt.

Rechtlich entwickeln wir Einwilligungs-, Freigabe- und Widerrufsregeln gemeinsam mit der Kanzlei Scherbaum Seebacher. Die Orchestrierungsplattform nutzt spezielle Verschlüsselungen und die Daten liegen DSGVO-konform in der EU. Langfristig soll weitere Add Ons wie u.a. ein tokenisiertes Familien-Erinnerungsarchiv die Rechteverwaltung über Generationen hinweg nachvollziehbar sichern.

Warum setzt ihr auf ein Lizenz- und White-Label-Modell statt auf direkten Zugang zu Endkunden?

Die Produkte sind neuartig und müssen wie bei jedem neuen Produkt erst gelernt werden, damit Menschen in den relevanten Lebensphasen aktiv nach den eigenen letzten Worten bzw. einer KI-Trauerrede fragen. Sie vertrauen ihrem Bestatter, ihrem Vorsorgeversicherer oder den relevanten Institution, Vereinen und relevanten Anbietern von bestehenden Produkten. Deshalb gehen wir im Rahmen von Partnerschaften und einfachen Möglichkeiten der Verfügbarkeit und Umsetzung unserer Produkte für den Kunden dorthin, wo dieses Vertrauen bereits besteht; werden aber auch Interessierten eine direkte Möglichkeit schaffen, Lebensstimmen für sich zu nutzen.

Für Partner ist Lebensstimmen ein emotional starkes Zusatzangebot mit völlig neuen und vor allem auch wiederkehrenden Erlösquellen und einfacher Integration. Für uns bedeutet das ein asset-light Modell: Wir produzieren zentral, vertrieben wird dezentral ohne komplizierte Systemanbindungen oder Adaptierungen. Über White-Label und Lizenzen lässt sich das international ausrollen, ohne dass wir in jedem Land eine eigene Endkundenmarke aufbauen müssen.

Wie reagieren Bestatter auf eure Plattform, und wo gibt es Vorbehalte gegenüber KI?

Die Reaktionen sind überwiegend interessiert, neugierig und positiv, das haben wir zuletzt beim KI-Symposium TODTAL des Bundesverband Deutscher Bestatter in Düsseldorf deutlich gespürt, an dem wir als Speaker und Diskussionsteilnehmer teilgenommen haben. Viele in der Branche sehen, dass sich die Erwartungen ihrer Kunden verändern, und suchen nach zeitgemäßen Angeboten, die dennoch zu ihrer Haltung passen und KI ist in aller Munde, aber es gibt natürlich so wie aktuell überall im Bereich der KI auch Vorbehalte und diese sind auch nachvollziehbar. Genau deshalb haben wir den ethischen Rahmen von Anfang an zum Kern des Produkts gemacht. Hinzu kommt, dass mit Dr. Markus Pinter ein langjähriger Branchenexperte Mitgründer ist.

Welche Anforderungen unterscheiden sich zwischen Märkten und Kulturen?

Abschied ist zutiefst kulturell geprägt. Die Unterschiede zeigen sich u.a. in mehreren Punkten:

  • Rituale und religiöse Traditionen, etwa wer spricht, wie lange und in welchem Ton
  • Die Rolle von Musik und Bild
  • Wie offen man über den Tod spricht
  • Natürlich auch über die Sprachen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere beim Datenschutz und beim Persönlichkeitsrecht

Unsere Antwort darauf ist Modularität. Sprache, Tonalität, Bildwelten und Redner sind anpassbar, bis hin zu einer Auswahl an Rednern, die Vielfalt nach Herkunft und Religion abgebildet. Langfristig planen wir Versionen in über 50 Sprachen. Wir wollen keine österreichische Lösung exportieren, sondern einen Rahmen schaffen, den lokale Partner in Ihren Ländern mit ihrer eigenen Kultur füllen und wir die spezifischen Anforderungen in den jeweiligen Märkten aufnehmen und entsprechend für die dann dort angebotene Lösung anpassen.

Welche Rolle soll Dr. Helmut Marko über die finanzielle Beteiligung hinaus spielen?

Dr. Helmut Marko ist für uns weit mehr als ein Kapitalgeber. Er steht für unternehmerische Erfahrung, internationale Vernetzung und eine Persönlichkeit, die internationales Vertrauen genießt. Kaum ein Fachgebiet hat deutlicher gezeigt, wie beständige Innovationen etwas grundlegend verändern können als der Motorsport. Sein Zitat im Rahmen des Beitritts „Motorsport wurde nie durch Zufall verbessert, sondern durch den Mut, konsequent neue Technologien im Dienst der Menschen einzusetzen. Genau diese Haltung erkenne ich in Lebensstimmen“ hat uns besonders gefreut und beflügelt. Dass wir mit ihm einen weiteren starken Grazer Partner an Bord haben, unterstreicht auch unsere regionale Verankerung.

Welche nächsten Schritte sind entscheidend, um eine internationale Plattform aufzubauen?

  1. Offizieller Plattformpräsentation: Die Vorstellung erfolgt am 20. Oktober diesen Jahres rund um Allerheiligen und Allerseelen mit dem PR-Kick-off in Wien, der Go-Live der vier Kernmodelle erfolgt im ersten Quartal 2027.
  2. Pilotbetrieb: Wir starten mit ersten Bestatterpartnern in Österreich und entwickeln das Produkt mit echtem Kundenfeedback weiter.
  3. Final Investor: Finalisierung der Investorengespräche und Beitritt eines zweiten und letzten Investors bis zum offiziellen Rollout
  4. Rollout in Q1 2027: Wir starten im DACH-Raum, danach Europa, die MENA Region und weltweit über ausgewählte Partner, aber auch im Direktvertrieb. Schlussendlich können wir bei Interesse eines fast jeden Marktes dort rasch operativ tätig werden.
  5. Ausbau der Plattform: Dazu gehören Sprach- und Kulturmodule sowie eine Vielzahl an Add-ons wie z.B. das genannte digitale Familienarchiv.

Die Technik skaliert leicht. Entscheidend ist, in jedem Markt die richtigen, vertrauenswürdigen Partner für eine schnelle internationale Skalierung zu finden.

Welche drei Ratschläge gebt ihr Gründerinnen und Gründern, die mit KI in einem sensiblen Bereich arbeiten?

  1. Macht Ethik zur Produktfunktion, nicht zur Fußnote. Legt eure Grenzen fest und macht sie sichtbar. In sensiblen Märkten und Branchen ist Vertrauen das eigentliche Produkt.
  2. Holt die Branche ins Gründerteam. Technologie allein öffnet keine Türen. Wer die Menschen, Abläufe und Ängste eines Feldes wirklich kennt, entscheidet über Akzeptanz.
  3. Lasst den Menschen im Mittelpunkt und in der Schleife. Menschliche Prüfung, klare Einwilligung und das Recht auf Widerruf sind kein Bremsklotz, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt skalieren zu dürfen und Vertrauen zu schaffen.
  4. Erzählt die richtigen Geschichten und schafft Praxisbeispiel, die die Menschen erreichen und die komplexe Technik verständlich lassen werden. Story-Telling ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor!

Bild 3 Gründer und Investor Dr. Helmut Marko Bildrechte: ©Lebensstimmen

Wir bedanken uns bei Philipp Berkessy für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kultur kann man nicht nicht gründen

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Kultur: Unternehmen mit dem Kulturradar weiterentwickeln Rainer Krumm axiocon

Warum Start-ups sich früher mit ihrer Unternehmenskultur beschäftigen sollten

Wenn Gründerinnen und Gründer über Wachstum sprechen, geht es meistens um Märkte, Finanzierung, Produkte, Technologie, Vertrieb oder die nächsten Mitarbeitenden. Eine Frage steht deutlich seltener auf der Agenda: Welche Kultur entsteht hier eigentlich gerade?

Dabei entsteht Unternehmenskultur vom ersten Tag an. Sie beginnt nicht mit dem ersten Leitbild-Workshop und auch nicht mit der Einstellung eines Head of People. Sie entsteht mit jeder Entscheidung, die ein Gründerteam trifft: Wer darf entscheiden? Wie gehen wir mit Fehlern um? Was passiert, wenn jemand widerspricht? Zählt Geschwindigkeit mehr als Gründlichkeit? Was wird belohnt? Was wird stillschweigend toleriert? Wie viel Freiheit geben wir und wie viel Kontrolle brauchen wir?

All das sind kulturelle Entscheidungen. Selbst dann, wenn sie nie als solche bezeichnet werden.

Und genau darin liegt eine der großen Herausforderungen wachsender Unternehmen: Was in der Gründungsphase intuitiv funktioniert, lässt sich nicht automatisch skalieren.

Aus fünf werden fünfzig

Stellen wir uns ein Start-up mit fünf Menschen vor. Die Gründer sitzen mit im Raum. Informationen verbreiten sich schnell. Entscheidungen können spontan getroffen werden. Wenn etwas schiefläuft, wird es direkt besprochen. Rollen sind vielleicht noch nicht eindeutig definiert – aber irgendwie funktioniert es.

Dann wächst das Unternehmen. Aus fünf werden 15, aus 15 werden 40 und irgendwann 100 Mitarbeitende. Die Gründer können nicht mehr überall dabei sein. Es entstehen Teams und Führungsebenen. Prozesse werden notwendig. Menschen kommen hinzu, die die gemeinsame Gründungsgeschichte nicht erlebt haben. Was früher über persönliche Beziehungen funktionierte, muss plötzlich über Strukturen funktionieren.

Und nun tauchen Fragen auf, die vorher kaum relevant waren: Wer entscheidet eigentlich was? Wie verbindlich sind Vereinbarungen? Wie viel Eigenverantwortung wollen wir wirklich? Welche Führung erwarten wir? Welche Regeln brauchen wir? Wie gehen wir mit Leistung, Konflikten oder Fehlern um?

Das Unternehmen hat sich verändert – aber häufig ist die Kultur nicht bewusst mitgewachsen.

Kultur ist mehr als das, was an der Wand steht

Unternehmenskultur wird gerne mit Werten gleichgesetzt. Dann stehen Begriffe wie „Innovation“, „Vertrauen“, „Mut“ oder „Teamwork“ auf der Website.

Das Problem: Ein formulierter Wert ist noch keine gelebte Kultur.

Der Organisationspsychologe Edgar Schein unterscheidet zwischen sichtbaren Artefakten, öffentlich vertretenen Werten und tieferliegenden grundlegenden Annahmen. Gerade diese Annahmen sind entscheidend: Was halten Menschen in dieser Organisation tatsächlich für richtig und wichtig? Danach richten sie ihr Verhalten aus – insbesondere dann, wenn es schwierig wird.

Ein Unternehmen kann beispielsweise „Eigenverantwortung“ propagieren. Wenn aber jede relevante Entscheidung vom Gründer freigegeben werden muss, lernen die Mitarbeitenden etwas anderes.

Es kann „Fehlerkultur“ auf der Website stehen. Wenn der erste größere Fehler jedoch dazu führt, dass nach einem Schuldigen gesucht wird, ist auch das eine kulturelle Botschaft. Kultur zeigt sich nicht darin, was eine Organisation über sich sagt. Kultur zeigt sich darin, was im Alltag tatsächlich passiert.

Das Unsichtbare besprechbar machen

Genau hier liegt eine Schwierigkeit: Kultur ist vorhanden, aber sie ist schwer zu greifen.

Sätze wie „Bei uns läuft das eben so“, „Das passt nicht zu uns“ oder „So ticken wir hier nicht“ beschreiben kulturelle Wahrnehmungen, bieten aber kaum eine Grundlage für eine systematische Diskussion.

Als Organisationsentwickler erlebe ich deshalb immer wieder: Bevor Unternehmen Kultur verändern können, brauchen sie zunächst eine Sprache, mit der sie über Kultur sprechen können.

Eine solche Sprache bietet das Modell der 9 Levels of Value Systems, das auf den Arbeiten des amerikanischen Psychologieprofessors Clare W. Graves aufbaut. Es betrachtet unterschiedliche Wertesysteme und die dahinterliegenden Vorstellungen davon, was Menschen beziehungsweise Organisationen für richtig und wichtig halten.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, eine Kultur als „gut“ und eine andere als „schlecht“ zu klassifizieren. Entscheidend ist vielmehr die Passung zwischen Kultur und Herausforderung. Genau diesen Gedanken stellt auch der Kulturradar in den Mittelpunkt: Nicht ein bestimmtes Level ist grundsätzlich erstrebenswert, sondern die Frage, ob die aktuell gelebte Kultur zu den Zielen und Herausforderungen der Organisation passt.

Das ist gerade für Start-ups ein wichtiger Gedanke.

Denn ein Unternehmen benötigt in unterschiedlichen Entwicklungsphasen unterschiedliche Antworten.

Was gestern Stärke war, kann morgen zum Engpass werden

In der frühen Gründungsphase können beispielsweise hohe Geschwindigkeit, starke Gründerpersönlichkeiten, Pragmatismus und große individuelle Entscheidungsfreiheit enorme Vorteile sein.

Beim Wachstum können andere Anforderungen hinzukommen: Verlässlichkeit, klare Verantwortlichkeiten, reproduzierbare Prozesse, professionelle Führung oder eine gemeinsame Vorstellung davon, wie Entscheidungen getroffen werden.

Gleichzeitig darf ein Unternehmen nicht alles regeln und standardisieren. Sonst verliert es womöglich genau die Agilität, Eigenverantwortung und Innovationskraft, die es erfolgreich gemacht hat.

Kulturentwicklung bedeutet deshalb nicht, die vermeintlich „alte“ Kultur gegen eine „modernere“ auszutauschen.

Es geht um die Frage: Welche kulturellen Fähigkeiten brauchen wir für die nächste Entwicklungsphase unseres Unternehmens – und was von dem, was uns erfolgreich gemacht hat, wollen wir unbedingt erhalten?

Die 9 Levels betrachten Kulturen entsprechend nicht als einzelne Schubladen. Unterschiedliche Werteebenen wirken vielmehr gemeinsam. Tragfähige Gemeinschaft und individuelle Gestaltungskraft gehören beispielsweise beide zu einer reifen Organisationskultur. Und wenn sich die Rahmenbedingungen durch Wachstum, Krisen oder strategische Veränderungen verschieben, muss sich auch Kultur weiterentwickeln können.

Der Kulturradar: aus Bauchgefühl wird ein Gespräch

Hier setzt der 9 Levels Kulturradar an. Sein Nutzen besteht aus meiner Sicht nicht darin, einer Organisation ein buntes Etikett aufzukleben. Viel interessanter ist, dass er etwas schwer Greifbares strukturiert und damit sichtbar und besprechbar macht. Der Kulturradar betrachtet Kultur anhand konkreter organisationaler Gestaltungselemente: Führung, Mitarbeitende, kollektive Fähigkeiten, Prozesse, Struktur und Strategie.

Das ist gerade für Gründer spannend. Denn dadurch lautet die Diskussion plötzlich nicht mehr abstrakt: „Welche Kultur haben wir?“ Sondern beispielsweise: Wie führen wir tatsächlich? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie viel Verantwortung übertragen wir? Welche Fähigkeiten fördern wir? Wie stark strukturieren wir Prozesse? Wie organisieren wir Zusammenarbeit? Und welche Werte spiegeln sich in unserer Strategie wider?

Der Kulturradar verbindet diese beobachtbaren Gestaltungselemente mit den Werteebenen nach Graves. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild darüber, welche kulturellen Logiken in einer Organisation wirksam sind. Und dieses Bild ist zunächst genau das: eine Momentaufnahme und keine Bewertung.

Besonders spannend: IST gegen SOLL

Für wachsende Unternehmen wird die Analyse aus meiner Sicht dort besonders interessant, wo sie nicht beim IST stehen bleibt. Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wie sind wir heute?“ Sondern: „Welche Kultur brauchen wir für das Unternehmen, das wir morgen sein wollen?“ Wenn ein Start-up beispielsweise von 20 auf 100 Mitarbeitende wachsen möchte, internationalisiert, eine zweite Führungsebene aufbaut oder Investoren an Bord holt, verändert sich nicht nur die Organisationsstruktur.

Es verändern sich die Anforderungen an Führung, Kommunikation, Verantwortung und Zusammenarbeit.

Der Kulturradar kann damit eine Brücke zwischen IST und SOLL schaffen. Genau diese Reflexion ist auch Bestandteil des Analyseansatzes: Wo erkennen wir unsere Organisation wieder? Was passt zu unseren heutigen Herausforderungen? Und wie könnte ein gewünschtes kulturelles SOLL-Bild aussehen?

Damit wird Kultur zu einem Thema strategischer Organisationsentwicklung.

Kultur ist kein HR-Projekt

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft an Gründerinnen und Gründer: Delegiert Kultur nicht zu früh an HR.

People & Culture kann später einen wichtigen Beitrag leisten. Aber die grundlegende Kultur eines Unternehmens entsteht wesentlich durch das Verhalten der Gründer und Führungskräfte.

Worauf richten sie Aufmerksamkeit? Was dulden sie? Was belohnen sie? Wie entscheiden sie unter Druck? Wie gehen sie selbst mit Fehlern um? Und wie reagieren sie auf Widerspruch?

Gerade in jungen Unternehmen beobachten Mitarbeitende sehr genau, welches Verhalten tatsächlich erfolgreich ist. Daraus entstehen mit der Zeit Regeln, die nirgendwo geschrieben stehen – aber oft stärker wirken als jedes Leitbild.

Die Kultur von morgen entsteht heute

Wer ein Unternehmen gründet, baut deshalb vom ersten Tag an zwei Dinge: ein Geschäftsmodell und eine Kultur. Das Geschäftsmodell wird analysiert, getestet, gemessen und weiterentwickelt. Bei der Kultur verlassen sich dagegen erstaunlich viele Unternehmen lange auf ihr Bauchgefühl. Das kann funktionieren. Es wird aber mit jedem Wachstumsschritt riskanter. Der Kulturradar kann dabei helfen, frühzeitig innezuhalten und gemeinsam hinzuschauen: Was prägt uns heute? Was davon macht uns erfolgreich? Wo entstehen erste Spannungen? Und welche Kultur brauchen wir für unsere nächste Entwicklungsphase?

Denn Kultur ist kein weiches Thema neben Strategie, Struktur und Wachstum.

Kultur entscheidet mit darüber, ob Strategie, Struktur und Wachstum überhaupt funktionieren.

Und vielleicht sollten Gründerinnen und Gründer deshalb nicht erst dann über ihre Kultur sprechen, wenn sie zum Problem geworden ist.

Sondern genau dann, wenn alles gerade richtig gut läuft.

Bildcredits axiocon

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Andreas W. Herb bei Die Höhle der Löwen: Wer ist der Unternehmer?

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Andreas W. Herb mit Frank Thelen, Judith Williams, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel bei Die Höhle der Löwen (v.li.) Foto: RTL
Die Löwen Frank Thelen, Judith Williams, Andreas W. Herb, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (v. li.). Foto: RTL

Andreas W. Herb ist Gründer und CEO der MBG Group aus Paderborn, zu der Marken wie SALITOS, effect Energy, SCAVI & RAY und 9 MILE Vodka gehören. Andreas Herb Höhle der Löwen ist seit September 2026 als einer von zwei neuen Investoren in der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ bei VOX vertreten. Sein bislang größtes Investment in der Show: 500.000 Euro für das Startup Irisgo.

Aktualisiert am 26. September 2026

Wer ist Andreas W. Herb?

Andreas W. Herb stammt aus Paderborn und gilt als eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Getränkebranche. Seit der Gründung seines ersten Unternehmens 1993 hat er eine international tätige Markengruppe aufgebaut, die Getränke- und Lifestyle-Marken entwickelt, vermarktet und vertreibt.

Neben seiner Rolle als CEO ist Herb in den sozialen Netzwerken aktiv. Dort teilt er Einblicke in Unternehmensführung, Markenaufbau und seinen Arbeitsalltag, weshalb er häufig als Corporate Influencer bezeichnet wird. Mit Herb Watches hat er sein Engagement zudem über Getränke hinaus auf weitere Lifestyle-Segmente ausgeweitet.

Welche Unternehmen gehören zur MBG Group?

Kern seines unternehmerischen Wirkens ist die MBG Group mit Sitz in Paderborn. Nach Unternehmensangaben erwirtschaftet die Gruppe über 240 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt rund 250 Mitarbeitende und vertreibt ihre Produkte in mehr als 60 Ländern. Verkauft wird über den Lebensmitteleinzelhandel, Getränkehändler, Tankstellen und die Gastronomie.

Zu den bekanntesten Marken der MBG Group zählen:

  • SALITOS – Bier-Mixgetränke
  • effect Energy – Energydrinks
  • SCAVI & RAY – Prosecco und Schaumweine
  • 9 MILE Vodka – Spirituosen

Außerhalb der Getränkewelt steht Herb außerdem hinter der Uhrenmarke Herb Watches.

Wie wurde Andreas W. Herb Unternehmer?

Herbs Weg in die Selbstständigkeit verlief nicht klassisch. Nach einer Bankausbildung in Paderborn beteiligte er sich gemeinsam mit Partnern an der Diskothek „Die Fabrik“. Dort verantwortete er das Bar- und Getränkegeschäft und lernte früh Einkauf, Vermarktung und Vertrieb kennen.

1993 gründete er die P.O.S. Marketing + Vertrieb GmbH, aus der später die MBG Group hervorging. Den entscheidenden Impuls lieferte ein Urlaubsfund: Auf Mallorca entdeckte Herb das mexikanische Bier SOL und übernahm 1994 die Generalvertretung für Deutschland.

In den folgenden Jahren wandelte sich das Unternehmen vom reinen Vertriebspartner zum Entwickler eigener Marken. Ab 2000 baute MBG die Marke SALITOS auf, 2002 folgte effect. Nachdem sich die Warsteiner Brauerei 1998 zur Hälfte an der damaligen Miller Brands Germany beteiligt hatte, übernahmen Herb und sein Geschäftspartner Peter Jürgens diese Anteile im März 2003 wieder.

Andreas W. Herb bei Die Höhle der Löwen

Im Juni 2026 bestätigten RTL und VOX Andreas W. Herb als neuen Investor der Jubiläumsstaffel. Gemeinsam mit SNOCKS-Gründer Johannes Kliesch ist er einer von zwei Neuzugängen. Damit sitzen in der 20. Staffel acht Investoren im Löwenrudel: Ralf Dümmel, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Janna Ensthaler, Johannes Kliesch und Andreas W. Herb.

Die erste Folge lief am 7. September 2026 bei VOX. Herb lieferte sich direkt einen Bieterkampf mit Frank Thelen und Ralf Dümmel und schloss noch in derselben Sendung seinen ersten Deal ab. In der zweiten Folge folgte mit Irisgo sein bislang größtes Investment. Neu eingeführt wurde dabei ein Battle-Format, in dem zwei Gründerteams jeweils nur 90 Sekunden Zeit hatten, die Löwen zu überzeugen.

Aus seiner Erfahrung mit Krisen und Rückschlägen macht Herb in der Show keinen Hehl. Gründerinnen und Gründern will er vor allem als Sparringspartner beim Markenaufbau, im Handel und bei der Internationalisierung zur Seite stehen.

In welche Startups investiert Andreas W. Herb?

Übersicht aller Deals von Andreas W. Herb in Staffel 20 (wird nach jeder Folge aktualisiert):

FolgeStartupProduktDealStatus nach der Show
1 (7.9.2026)KORALLSHaaröl mit 17 Pflanzenölen150.000 € für 30 %, gemeinsam mit Judith WilliamsNicht zustande gekommen
2 (14.9.2026)IrisgoThermobecher mit patentiertem Irisverschluss500.000 €Bestätigt

KORALLS war Herbs erster Deal in der Show. Gründerin Kaschma Bakhtiar entschied sich für das gemeinsame Angebot von Herb und Judith Williams, die jeweils 15 Prozent verlangten. Herb schlug unter anderem eine gemeinsame Kampagne mit SCAVI & RAY vor. Nach der Aufzeichnung kam das Investment laut der Gründerin jedoch nicht zustande.

Irisgo ist Herbs bislang größtes Investment. Während Frank Thelen das Wachstum kritisierte und Ralf Dümmel die Bewertung für zu hoch hielt, lobte Herb das Produktdesign und setzte sich gegen das Duo Williams und Thelen durch. Den Deal bestätigte er nach der Show per Pressemitteilung.

Welche Branchen interessieren Andreas W. Herb?

Naheliegend sind Food & Beverage, Konsumgüter und Lifestyle-Marken. Hier kann Herb sein Netzwerk in Handel, Gastronomie und internationalem Vertrieb am direktesten einbringen. Festlegen lassen will er sich darauf aber nicht: Nach eigener Aussage sucht er starke Geschäftsmodelle und kreative Köpfe – es müssten „nicht immer Getränke sein“.

Mindestens so wichtig wie das Produkt sind für ihn die Menschen dahinter. Herb achtet auf Durchhaltevermögen, Mut und Offenheit für Neues. Perfekte Gründer erwartet er nicht, wohl aber Leidenschaft und eine Idee mit echtem Veränderungspotenzial.

Rückblick: Die Startups aus Herbs erster Folge

In der Auftaktfolge der Jubiläumsstaffel pitchten fünf Startups vor den Löwen.

sauberdropz: Bieterkampf mit Thelen und Dümmel

Andreas und Fabian Berger aus Österreich präsentierten mit sauberdropz biologisch abbaubare Reinigungstabs für Trinkflaschen und boten 10 Prozent für 65.000 Euro. Herb bot die Summe für 20 Prozent, doch die Gründer entschieden sich für Ralf Dümmel und Frank Thelen, die ihre Forderung zuletzt auf 25 Prozent senkten.

KORALLS: Herbs erster Deal

Kaschma Bakhtiar aus Köln stellte ein Haaröl mit 17 Pflanzenölen vor. Sie nahm das gemeinsame Angebot von Herb und Judith Williams an (150.000 Euro für 30 Prozent), das nach der Show jedoch nicht umgesetzt wurde.

Piesel Piepser

Elke und Marlon Osthoff aus Erkrath arbeiten seit rund drei Jahrzehnten an einem medizinischen Hilfsmittel, das Kinder beim Trockenwerden unterstützt. Sie boten 10 Prozent für 100.000 Euro.

Naturally Naughty

Ingwer Sörensen und Micaela Schäfer präsentierten ein aphrodisierendes Ingwer-Spray und boten 10 Prozent für 75.000 Euro. [ERGÄNZEN: Ergebnis]

Ding Dong Ping Pong

Zehn Jahre nach seinem ersten Auftritt kehrte Waldemar Zeiler gemeinsam mit Kian Pariwar zurück. Ihr Konzept: vollautomatisierte Tischtennis-Clubs mit digitalem Buchungssystem. Gefordert waren 500.000 Euro für 10 Prozent. [ERGÄNZEN: Ergebnis]

Alle Produkte der Staffel findest du in unserer Übersicht zu den Höhle der Löwen Produkten 2026.

Häufige Fragen zu Andreas W. Herb

Wer ist Andreas W. Herb?

Andreas W. Herb ist Gründer und CEO der MBG Group aus Paderborn und seit 2026 Investor bei „Die Höhle der Löwen“.

Welche Marken gehören zu Andreas Herb?

Zur MBG Group gehören unter anderem SALITOS, effect Energy, SCAVI & RAY und 9 MILE Vodka. Außerdem steht Herb hinter Herb Watches.

Woher kommt Andreas W. Herb?

Aus Paderborn, wo er auch sein Unternehmen führt.

Wie alt ist Andreas W. Herb?

Zu seinem Geburtsjahr kursieren unterschiedliche Angaben. Die MBG Group feierte seinen 50. Geburtstag im November 2020.

Wie hoch ist das Vermögen von Andreas W. Herb?

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Das „Vermögen Magazin“ schätzt es auf rund 120 Millionen Euro.

Seit wann ist Andreas W. Herb bei Die Höhle der Löwen?

Seit der 20. Staffel, die am 7. September 2026 bei VOX startete.

Bild:Die Löwen Frank Thelen, Judith Williams, Andreas W. Herb, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (v.li.) Foto: RTL

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