Dienstag, Mai 12, 2026
Start Blog Seite 10

Jenseits von Social Ads: Warum E-Mail-Marketing der zuverlässigste Wachstumsmotor für Startups ist

0
E-Mail Marketing für Startups gewinnt wieder an Kraft Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Startups jagen oft dem nächsten großen Plattform-Trend hinterher, investieren massiv in Social-Media-Reichweite und kämpfen mit steigenden Werbekosten. Doch in einem Umfeld volatiler Algorithmen und sinkender organischer Sichtbarkeit wird ein oft übersehener Kanal zur strategischen Notwendigkeit. E-Mail-Marketing erlebt eine Renaissance, nicht als veraltetes Werkzeug, sondern als hochmoderner, stabiler und effizienter Wachstumstreiber. Für Gründer, die nach planbarem Erfolg und echter Kundenbindung suchen, ist es die Antwort auf viele aktuelle Herausforderungen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Der unterschätzte Growth-Kanal: Warum E-Mail-Marketing für Startups wieder an Bedeutung gewinnt“ zeigt einen klaren Weg auf: weg von gemieteter Reichweite, hin zu einem eigenen, wertvollen Unternehmens-Asset.

Totgesagte leben länger: Warum E-Mail trotz Instagram & WhatsApp dominiert

In Zeiten von Reels, TikTok-Trends und WhatsApp-Marketing stellt sich für viele Gründer die Frage: „Ist die E-Mail nicht längst ein Relikt der Vergangenheit?“ Die Antwort der Daten ist eindeutig: Nein. Während Social-Media-Plattformen kommen und gehen, bleibt die E-Mail das fundamentale Identitätsmerkmal im Netz. Laut dem aktuellen Email Impact Report von Mailgun geben rund 75 % der Konsumenten an, dass die E-Mail ihr bevorzugter Kanal für die Kommunikation mit Marken ist – weit vor sozialen Medien oder Messengern. In einer Welt der ständigen Ablenkung bietet das Postfach einen geschützten Raum für tiefere Interaktion. Während WhatsApp oft als zu invasiv für die rein geschäftliche Kommunikation empfunden wird, ist die E-Mail das akzeptierte Medium für Transaktionen, tiefergehende Informationen und langfristigen Vertrauensaufbau. Für Startups bedeutet das: Wer die E-Mail ignoriert, ignoriert den Kanal mit der höchsten Konversionskraft.

Unabhängigkeit von Algorithmen: Der eigene, direkte Kommunikationskanal

Die größte Schwachstelle einer reinen Social-Media-Strategie ist die Abhängigkeit von Dritten. Ein Algorithmus-Update bei Meta oder Google kann die organische Reichweite über Nacht drastisch reduzieren und mühsam aufgebaute Communities unzugänglich machen. Startups agieren hier auf „gemietetem Grund“. Eine E-Mail-Liste hingegen ist ein „owned asset“ – ein eigener, direkter und uneingeschränkter Kommunikationskanal zum Kunden. Jeder Kontakt wurde mit Zustimmung gewonnen und gehört dem Unternehmen.

Diese Unabhängigkeit schafft eine stabile Basis für die Kundenkommunikation, die nicht von externen Plattformentscheidungen beeinflusst wird. Während Social-Media-Posts in einem überfüllten Feed untergehen, landet eine E-Mail direkt im persönlichen Posteingang des Nutzers. Um diesen wertvollen Kanal von Beginn an professionell aufzubauen, benötigen Startups eine zustellstarke E-Mail-Marketing-Software, die Skalierbarkeit, Sicherheit und eine hohe Zustellrate von Anfang an gewährleistet. So wird die E-Mail-Liste zu einem krisensicheren Rückgrat des Marketings.

„Unsere E-Mail-Liste ist unser wertvollstes Asset. Sie ist ein direkter Draht zu unseren Kunden, den uns kein Algorithmus nehmen kann.“

Maximale Effizienz: Automatisierung als Skalierungs-Booster

Für Startups sind Ressourcen wie Zeit und Personal knapp. E-Mail-Marketing entfaltet hier seine volle Stärke durch intelligente Automatisierung. Anstatt manuelle Kampagnen für jeden Anlass zu erstellen, können Gründer einmalig automatisierte Workflows einrichten, die personalisierte Kommunikation im großen Stil ermöglichen. Dies erlaubt es selbst kleinen Teams, eine professionelle und konsistente Customer Journey zu gestalten, die sonst nur mit großem Personalaufwand möglich wäre.

Solche automatisierten Strecken, sogenannte Drip-Kampagnen, reagieren auf spezifische Nutzeraktionen und begleiten den Kunden zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft. Plattformen wie Mailjet bieten hierfür intuitive Automatisierungs-Workflows, die ohne Programmierkenntnisse erstellt werden können. 

Typische Beispiele für hocheffiziente Automatisierungen sind:

  • Willkommens-Serien: Begrüßen neue Abonnenten und stellen das Startup sowie seine Kernvorteile schrittweise vor.
  • Reaktivierungs-Kampagnen: Sprechen inaktive Nutzer gezielt an, um sie mit speziellen Angeboten zurückzugewinnen.
  • Warenkorb-Abbrecher-Mails: Erinnern potenzielle Kunden an nicht abgeschlossene Käufe und überwinden letzte Hürden.
  • Onboarding-Prozesse: Führen neue Nutzer durch die ersten Schritte mit einem Produkt oder einer Dienstleistung.

Präzise Steuerung im Funnel: Vom Lead zur Konversion

Anders als bei breit gestreuten Social-Media-Kampagnen ermöglicht E-Mail-Marketing eine granulare Steuerung der Nutzer entlang des gesamten Marketing-Funnels. Durch Segmentierung lassen sich Zielgruppen anhand ihres Verhaltens, ihrer Interessen oder ihrer demografischen Daten präzise einteilen. Ein Nutzer, der wiederholt eine bestimmte Produktkategorie besucht hat, erhält andere Inhalte als ein brandneuer Abonnent. Diese Relevanz steigert die Öffnungs- und Klickraten signifikant.

Diese Fähigkeit zur Personalisierung erlaubt es Startups, jeden Kontaktpunkt zu optimieren – von der ersten Lead-Generierung bis zur finalen Konversion und darüber hinaus zur Kundenbindung. Hat ein Nutzer beispielsweise eine Preisseite besucht, aber keinen Kauf getätigt, kann eine automatisierte E-Mail folgen, die häufige Fragen zum Preismodell beantwortet oder eine Demo anbietet. Diese präzise Kontrolle ist ein Kernelement von „Der unterschätzte Growth-Kanal: Warum E-Mail-Marketing für Startups wieder an Bedeutung gewinnt. Fokus auf Effizienz, Unabhängigkeit von Plattformalgorithmen und bessere Steuerbarkeit im Funnel.“

Messbarer ROI und datengetriebene Optimierung

Für wachstumsorientierte Startups ist die Messbarkeit von Marketing-Aktivitäten entscheidend. E-Mail-Marketing bietet hier eine unübertroffene Transparenz. Kennzahlen wie Öffnungsrate, Klickrate (CTR), Konversionsrate und Abmelderate sind direkt und eindeutig zuzuordnen. Dies ermöglicht eine klare Berechnung des Return on Investment (ROI) für jede einzelne Kampagne. Gründer können genau nachvollziehen, welche Inhalte funktionieren und welche nicht.

Durch A/B-Tests lassen sich einzelne Elemente wie Betreffzeilen, Call-to-Action-Buttons oder Bilder systematisch gegeneinander testen und optimieren. Dieser datengetriebene Ansatz führt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Performance. Im Vergleich zu den oft vagen Attributionsmodellen im Social-Media-Bereich liefert E-Mail-Marketing harte Fakten, die als Grundlage für strategische Entscheidungen dienen.

MetrikE-Mail-MarketingSocial Media (Organic) 
Reichweite100% der Liste (theoretisch)1-5% der Follower
AttributionDirekt messbar (Klicks, Konversionen)Oft unklar, schwer zuzuordnen
Kosten pro KontaktSehr gering (nach Akquise)Steigend (Ad-Kosten) / Unvorhersehbar
KontrolleVollständige Kontrolle über Inhalt & TimingAbhängig von Algorithmen & Plattformregeln

Rechtssicherheit und Vertrauen: DSGVO-konformes Marketing

Seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist die rechtliche Konformität im Marketing unerlässlich. Was zunächst wie eine Hürde wirkt, ist für das E-Mail-Marketing tatsächlich ein Qualitätsmerkmal. Der Kanal basiert auf expliziter Zustimmung. Durch Verfahren wie das Double-Opt-in wird sichergestellt, dass nur wirklich interessierte Nutzer in den Verteiler aufgenommen werden. Dies führt nicht nur zu rechtlicher Sicherheit, sondern auch zu einer qualitativ hochwertigen und engagierten Empfängerliste.

Eine saubere, auf Einwilligung basierende Liste ist die Grundlage für hohe Öffnungsraten und geringe Spam-Beschwerden, was wiederum die Zustellbarkeit verbessert. Startups, die von Anfang an auf DSGVO-konformes E-Mail-Marketing setzen, bauen eine Vertrauensbasis bei ihren Kunden auf. Sie signalisieren, dass sie die Privatsphäre ihrer Nutzer respektieren. Professionelle E-Mail-Marketing-Plattformen stellen dabei sicher, dass alle technischen Anforderungen wie ein einfacher Abmeldelink oder die korrekte Verwaltung von Einwilligungen standardmäßig erfüllt sind.

Hohe Zustellbarkeit: Die Kunst, im Posteingang zu landen

Eine brillante E-Mail-Kampagne ist wertlos, wenn sie im Spam-Ordner landet. Die Zustellbarkeit – also die Fähigkeit, E-Mails erfolgreich in den primären Posteingang der Empfänger zu liefern – ist eine technische und strategische Disziplin. Internet Service Provider (ISPs) wie Google oder Microsoft bewerten jeden Absender anhand seiner Reputation. Faktoren wie die saubere Pflege der Kontaktliste, geringe Bounce-Raten und eine hohe Interaktion der Empfänger sind hier entscheidend.

Zusätzlich spielen technische Authentifizierungsverfahren wie SPF, DKIM und DMARC eine zentrale Rolle. Sie bestätigen den ISPs, dass der Absender legitim ist, und schützen vor Phishing. Für Startups ist es nahezu unmöglich, diese komplexe Infrastruktur selbst zu verwalten. Der Einsatz einer professionellen E-Mail-Plattform ist daher unerlässlich. Diese Anbieter investieren massiv in die Pflege ihrer IP-Adressen und pflegen Beziehungen zu ISPs, um eine maximale Zustellbarkeit für ihre Kunden zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Botschaft auch wirklich ankommt.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Autor Ben Petersen

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wird diese Zielgruppe endlich so gesehen, wie sie es verdient?

0
Sara Nadja en barbara. SARA Magazin Frauen 50+ Print Geschichten

SARA ist ein Magazin für Frauen 50+, das mit klarem Fokus auf Print authentische Geschichten und eine oft übersehene Zielgruppe in den Mittelpunkt stellt

Wie ist das Magazin SARA aus dem niederländischen Erfolg von SAAR entstanden, und wer steckt hinter dem deutschen Launch?

Barbara: In den Niederlanden ist SAAR Magazine eines der wenigen wachsenden Magazine. Eine neue, frische, abenteuerlustige Frau 50+ ist aufgestanden. Wir sind fitter als je zuvor, fühlen uns jünger als je zuvor, aber in den traditionellen Medien taucht dieses Frauenbild nirgends auf. Genau diese Frau feiern wir in SAAR. Ich, die Gründerin Barbara van Erp, bin viel in Deutschland gewesen, und dort sehe ich seit Jahren genau dieselben tollen Frauen 50+ herumlaufen. Weil mein Unternehmen in den Niederlanden dank seines Erfolges finanzielle Reserven aufgebaut hat, dachte ich: Dann wagen wir jetzt eben den großen Schritt. Ich habe als deutsche Chefredakteurin die freie Journalistin Nadja Bossmann ins Boot geholt, die viel Erfahrung mit Frauenthemen hat. Jetzt geht die erste SARA in Druck. Sehr spannend!

Was hat euch dazu bewogen, mit SARA bewusst auf Print zu setzen, obwohl der Markt oft als gesättigt gilt?

SAAR in den Niederlanden hat als Online-Magazin angefangen. Aber unsere Leserinnen haben uns angerufen: Sie wollten ein gedrucktes Magazin. Das wurde ein riesiger Erfolg. Außerdem gilt: Um online Geld zu verdienen, braucht man viele Werbekunden – und Werbekunden haben als Zielgruppe die 25- bis 49-Jährigen. Für Frauen über 50 wollen sie kein Geld ausgeben. Deshalb haben wir uns für Papier entschieden und für eine Finanzierung, die allein über Abos und den Abverkauf läuft. So haben wir die Freiheit, Artikel zu veröffentlichen, die zu 100 Prozent für unsere Leserinnen gemacht sind. Bei uns gibt es keinen Umfeld-Content für Werbekunden.

Welche Vision verfolgt SARA für den deutschen Medienmarkt, und wie möchtet ihr diese erreichen?

Auch in Deutschland wollen wir so viele Abonnentinnen wie möglich gewinnen. Das erreichen wir derzeit durch Meta- und Google-Werbung. Im März haben wir mit unseren Anzeigen begonnen und bis jetzt bereits mehr als 1.000 Abonnentinnen gewonnen. Zudem sind wir im Einzelverkauf erhältlich, zu Anfang mit einer Auflage von 33.000 Exemplaren.

Warum steht bei SARA die Zielgruppe Frauen 50+ so klar im Mittelpunkt?

Alle traditionellen Medien werden von der Zielgruppe 50+ am Leben gehalten, aber niemand dort sagt laut, dass er ein Medium für 50+ macht. Denn dann bekommt man keine oder kaum Werbekunden. Genau deshalb machen wir das bei SAAR und SARA ganz ausdrücklich – ein ehrliches und authentisches ein Heft genau für diese Zielgruppe.

Welche Bedürfnisse und Erwartungen dieser Zielgruppe werden aktuell von anderen Medien zu wenig berücksichtigt?

Dass sie überhaupt sichtbar ist. ‚Die Frau 50+‘ gibt es nicht, und sie wird fast immer mit ganz anderen Gruppen in einen Topf geworfen, auch mit Achtzigjährigen. Dann werden wir plötzlich als ‚Seniorinnen‘ oder ‚Ältere‘ bezeichnet. Damit identifizieren wir uns leider überhaupt nicht.

Was macht SARA inhaltlich anders als klassische Frauenmagazine?

Wir haben nur wenige Geschichten, in denen Expert:innen erklären, wie es ist, in den Wechseljahren zu sein, eine Beziehungskrise zu führen oder gesund zu leben. Die meisten Geschichten in SARA sind Ich-Erzählungen interessanter Autorinnen – direkt aus deren Erfahrung und deren Herzen.

Warum funktionieren ehrliche Geschichten über das Älterwerden besser als klassische Lifestyle-Inhalte?

Weil es die authentischen Geschichten sind, die Leserinnen berühren, und nicht Geschichten, die dir von oben herab etwas beibringen wollen. Oder dir etwas erklären, was du längst weißt.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, ohne großen Verlag im Rücken eine neue Medienmarke wie SARA aufzubauen?

Das ist sehr, sehr spannend. Ich weiß noch gar nicht, auf welche Probleme wir in Deutschland stoßen werden, aber wir werden sie hoffentlich dank unserer Leserinnen meistern.

Welche Learnings aus dem niederländischen Magazin SAAR fließen konkret in den deutschen Markt ein?

Geh 100 Prozent auf Print und hör auf, herumzudoktern und online Geld verdienen zu wollen, denn niemand in der Magazinwelt weiß im Moment noch, wie das ohne Werbekunden funktionieren soll.

Wie wollt ihr SARA langfristig im deutschen Markt positionieren und weiterentwickeln?

In den Niederlanden sind wir eine Bewegung, mit Podcasts, Tanzabenden und Kursen. Das fände ich für Deutschland auch großartig. Aber wir bewegen uns mit dem, was der Markt von uns verlangen wird.

Welche Rolle spielt der Launch in Berlin für eure Markenstrategie?

Alle ‚echten‘ Magazine kommen aus Hamburg oder München. Und ehrlich gesagt: All diese Magazine haben, genau wie in den Niederlanden, ein gewisses Maß an Spießigkeit. Das liegt an den großen Verlagen, die dort sitzen. Ein Magazin wie SAAR in den Niederlanden hätte auch nie aus einem großen Unternehmen heraus entstehen können, denn dann gibt es immer Männer im Anzug, die sagen: Ihr dürft keine Schimpfwörter benutzen, ihr müsst immer höflich bleiben, ihr dürft nicht 50+ sein. Dann hätte es SAAR nie gegeben. Wenn man in Berlin sitzt, hat man automatisch Freelancer:innen, die nicht nach diesem Schema gestrickt sind. Wir suchen freie Geister, so wie unsere Chefredakteurin in Berlin, Nadja Bossmann, die für Frauenmagazine wie Brigitte und Cosmopolitan, aber auch für Die Zeit, Merian und internationale Zeitungen wie The New York Times gearbeitet hat.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im Medienbereich mitgeben?

Setzt auf eure eigene Nische, vergesst die Werbekunden und habt den Mut, euch zu 100 Prozent auf eure Zielgruppe zu konzentrieren.

Bild Barbara von Erp und Nadja Bossmann Bildcredits: Privatarchiv

Wir bedanken uns bei Barbara von Erp für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: SARA

Kontakt:

SNIPPET MEDIA
Barbara van Erp
Bloemgracht 105 huis
1016 KJ Amsterdam
Niederlande

https://saramagazin.de/
barbara@snippetmedia.nl

Ansprechpartner: Barbara van Erp

Social Media:
LinkedIn
Instagram

elektrische C-Klasse: Kann Mercedes Tesla und BMW schlagen?

0
Mercedes elektrische C-Klasse
Der neue Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch.

Key Takeaways

  • Die elektrische C-Klasse positioniert sich stark im Wettbewerbsvergleich mit hoher Reichweite und schneller Ladeleistung.
  • Mercedes-Benz legt besonderen Wert auf Softwareintegration, darunter MB.OS und KI-Systeme von ChatGPT, Microsoft und Google.
  • Komfort, Effizienz und Alltagstauglichkeit stehen im Fokus, mit veganem Interieur als Teil der ESG-Strategie.
  • Marktchancen bestehen in der Übertragung von Qualität und Markenvertrauen, jedoch drohen hohe Preise und technologische Unsicherheiten.
  • Der Erfolg der elektrischen C-Klasse hängt von ihrer Leistung auf Langstrecken, im Stadtverkehr und von der Benutzerfreundlichkeit der Software ab.

Die Mittelklasse ist das Rückgrat der Autoindustrie. Hier werden keine Imageprojekte verkauft, sondern Stückzahlen gemacht. Genau deshalb ist der Start der elektrische C-Klasse mehr als nur eine Modellneuheit. Für Mercedes-Benz geht es um die Frage, ob sich das Premiumversprechen auch im Elektrozeitalter wirtschaftlich durchsetzen lässt.

Der Druck ist hoch. Wettbewerber wie Tesla und BMW haben ihre Angebote im Segment längst etabliert. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden. Ein modernes Elektroauto muss heute mehr können als lokal emissionsfrei fahren. Es soll effizient sein, schnell laden, intuitiv funktionieren und im Alltag überzeugen. Wer hier nicht liefert, verliert schnell an Relevanz.

Der neue Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch.

elektrische C-Klasse im Wettbewerbsvergleich

Mit Blick auf die Zahlen positioniert sich die elektrische C-Klasse bewusst an der Spitze des Segments. Die angegebene Reichweite von bis zu 762 Kilometern (WLTP) liegt über dem Niveau vieler direkter Konkurrenten. Ein Tesla Model 3 Long Range oder ein BMW i4 erreichen zwar ebenfalls hohe Werte, bleiben auf dem Papier aber darunter.

Noch wichtiger ist die Ladeleistung. Bis zu 325 Kilometer in zehn Minuten nachzuladen, ist ein klares Signal an Vielfahrer. Entscheidend wird allerdings sein, wie konstant diese Werte im Alltag erreicht werden. Ladeinfrastruktur, Temperatur und Fahrprofil spielen hier eine große Rolle.

Technisch setzt Mercedes-Benz auf Details, die im Wettbewerb herausstechen. Ein Zweigang-Getriebe soll sowohl starke Beschleunigung als auch Effizienz bei höheren Geschwindigkeiten ermöglichen. Das ist im Elektrosegment selten und adressiert ein bekanntes Problem: den steigenden Verbrauch auf der Autobahn.

Dazu kommen klassische Premium-Merkmale wie AIRMATIC und Hinterachslenkung. Letztere reduziert den Wendekreis auf rund 11,2 Meter. Das bringt ein Fahrzeug dieser Größe näher an die Handlichkeit kleinerer Modelle heran und ist besonders im Stadtverkehr ein spürbarer Vorteil.

Interieur der neuen elektrischen Mercedes-Benz C-Klasse, 2026.

elektrische C-Klasse und die neue Rolle von Software

Neben der Hardware rückt die Software immer stärker in den Mittelpunkt. Mit MB.OS verfolgt Mercedes-Benz das Ziel, die Kontrolle über zentrale Fahrzeugfunktionen selbst zu behalten und kontinuierlich zu erweitern.

Besonders auffällig ist die Integration mehrerer KI-Systeme. Erstmals kombiniert ein Fahrzeug Technologien von ChatGPT, Microsoft und Google. Das ist ein Novum in der Branche und zeigt, wie wichtig intelligente Assistenzsysteme geworden sind. Navigation, Sprachsteuerung und personalisierte Funktionen sollen dadurch deutlich leistungsfähiger werden.

Für den Konzern ist das auch wirtschaftlich relevant. Software ermöglicht neue Geschäftsmodelle über den Fahrzeugverkauf hinaus. Funktionen können nachträglich aktiviert oder erweitert werden. Gleichzeitig wächst die Skepsis bei Kunden, wenn grundlegende Features hinter Bezahlschranken verschwinden.

Hier entscheidet sich, ob Software als echter Mehrwert wahrgenommen wird oder als zusätzlicher Kostenfaktor.

elektrische C-Klasse: Mercedes setzt neue Maßstäbe
Interieur der neuen elektrischen Mercedes-Benz C-Klasse, 2026.

Komfort, Effizienz und Alltagstauglichkeit

Im Alltag will die elektrische C-Klasse vor allem durch Ausgewogenheit überzeugen. Mercedes-Benz setzt auf eine Kombination aus Komfort, Effizienz und praktischer Nutzbarkeit.

Die Wärmepumpe reduziert den Energiebedarf für Heizung und verbessert damit die reale Reichweite, besonders im Winter. Gleichzeitig sorgt ein leiser Innenraum für den klassischen C-Klasse-Komfort, den viele Bestandskunden erwarten.

Auch beim Platzangebot zeigt sich der Vorteil der Elektroplattform. Mehr Radstand bedeutet mehr Beinfreiheit, dazu kommen ein klassischer Kofferraum und ein zusätzlicher Stauraum vorne. Für viele Käufer ist genau diese Alltagstauglichkeit entscheidend.

Ein interessantes Detail ist das zertifizierte vegane Interieur. Für Mercedes-Benz ist das nicht nur eine Designentscheidung, sondern Teil einer größeren ESG-Strategie. Nachhaltigkeit wird zunehmend auch im Innenraum sichtbar und kann für bestimmte Kundengruppen kaufentscheidend sein.

Der neue Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch.

Marktchancen und Risiken

Die elektrische C-Klasse trifft auf einen Markt im Umbruch. Einerseits wächst die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiter. Andererseits verschärft sich der Wettbewerb, insbesondere durch neue Anbieter aus China.

Für Mercedes-Benz liegt die Chance darin, die eigenen Stärken zu übertragen: Qualität, Komfort und Markenvertrauen. Wenn es gelingt, diese Eigenschaften mit moderner Technologie zu verbinden, kann das Modell eine zentrale Rolle im Portfolio spielen.

Die Risiken sind jedoch ebenso klar. Hohe Preise könnten Kunden zu günstigeren Alternativen treiben. Gleichzeitig müssen reale Verbrauchswerte, Software-Stabilität und Ladeerlebnis überzeugen. Gerade im Flottengeschäft zählen nicht Versprechen, sondern belastbare Zahlen.

Ein weiterer Faktor ist der Restwert. Elektrofahrzeuge entwickeln sich technologisch schnell weiter, was die Wertstabilität beeinflussen kann. Hier muss Mercedes-Benz Vertrauen schaffen, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.

elektrische C-Klasse: Mercedes setzt neue Maßstäbe
Der neue Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch.

Praxis: Wo sich das Modell beweisen muss

Im Alltag entscheidet sich der Erfolg der elektrische C-Klasse in drei zentralen Bereichen.

Erstens auf der Langstrecke. Hohe Reichweite und schnelles Laden müssen auch unter realen Bedingungen funktionieren. Nur dann wird das Fahrzeug für Vielfahrer attraktiv.

Zweitens im Stadtverkehr. Die Kombination aus Hinterachslenkung und kompaktem Wendekreis kann hier einen echten Unterschied machen. Gerade in engen Innenstädten ist das ein klarer Vorteil.

Drittens bei der Bedienung. Software wie MB.OS muss intuitiv funktionieren. Wenn Nutzer lange suchen oder Funktionen kompliziert sind, verliert selbst die beste Technik an Wert.

elektrische C-Klasse: Mercedes setzt neue Maßstäbe
Der neue Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch.

Fazit

Mit der elektrische C-Klasse steht Mercedes-Benz vor einer entscheidenden Phase. Das Modell soll zeigen, ob sich Premium, Elektromobilität und Software zu einem überzeugenden Gesamtprodukt verbinden lassen.

Die Voraussetzungen sind da: hohe Reichweite, moderne Plattform, starke Technik und ein klarer Fokus auf Komfort. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, diese Stärken im Alltag erlebbar zu machen und wirtschaftlich sinnvoll zu positionieren.

Für die Branche ist das Fahrzeug ein wichtiger Indikator. Es zeigt, wie sich die Mittelklasse im Elektrozeitalter entwickelt und welche Faktoren künftig über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Foto/Quelle: Mercedes-Benz AG

Accounted Buchhaltung Österreich: Die App für EPU

0
Accounted Buchhaltung Österreich App Accounted Jolene Lederer

Accounted Buchhaltung Österreich richtet sich gezielt an EPU und Freelancer, die eine einfache und rechtssichere Lösung suchen

Wie ist die Idee zu GetAccounted beziehungsweise der App Accounted Buchhaltung Österreich entstanden?

Ich betreibe seit drei Jahren eine Eventfotoproduktion für Maturabälle in der Steiermark (JL-Creative). Irgendwann war klar, dass ich eine ordentliche Buchhaltung brauche, die mit dem Wachstum mithält. Ich habe die gängigen Tools ausprobiert und bin jedes Mal am selben Problem gescheitert: Die sind nicht für Österreich gebaut. Also habe ich angefangen, mir selbst etwas zu bauen. Ich habe 2022 eine HAK abgeschlossen und hatte durch mein Fotobusiness schon vorher eigene interne Tools entwickelt, weil es in der Eventbranche kaum fertige Software gibt. Mit dem gleichen Ansatz ist dann Accounted entstanden.

Was war der konkrete Auslöser, eine Buchhaltungslösung speziell für Österreich zu entwickeln?

Ich habe sevDesk, Lexoffice und FreeFinance ausprobiert. Bei allen drei dasselbe Problem: Die Apps sind auf Deutschland ausgelegt, die UVA funktioniert anders, und die E1a-Beilage gibt es gar nicht. Die Apps nehmen einen in der Steuerwelt nicht bei der Hand und sagen einem, was man wirklich alles konkret beachten muss. Für mich war das der Punkt, an dem ich gesagt habe: Wenn es das nicht gibt, baue ich es selbst.

Welche Vision verfolgst du mit GetAccounted und wie soll sich die App langfristig entwickeln?

Accounted soll die Buchhaltungs-App sein, die österreichische EPU und Freelancer als erstes finden, wenn sie nach einer Lösung suchen, die wirklich für Österreich gemacht ist. Kein Zwanzig-Jahres-Plan, sondern konkrete nächste Schritte: Gerade arbeite ich am Kanzleimodus, damit Steuerberater direkt auf die Daten ihrer Mandanten zugreifen können. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an. Und langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung schaffen, damit auch Dienstgeber ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App machen können.

Welche Zielgruppe steht bei Accounted Buchhaltung Österreich im Fokus und welche Probleme löst du konkret?

Die App ist für Ein-Personen-Unternehmen und Freelancer in Österreich gebaut, die eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen. Also Leute wie ich: Fotografen, Grafiker, Berater, Handwerker.

Warum stoßen viele bestehende Buchhaltungstools im DACH-Raum an ihre Grenzen beim österreichischen Steuerrecht?

Weil der DACH-Raum aus Softwaresicht meistens „D“ bedeutet und „A“ und „CH“ als Anhängsel mitlaufen. Die Steuergesetzgebung unterscheidet sich aber in vielen Details: Die Kleinunternehmergrenze liegt in Österreich bei 55.000 Euro und funktioniert anders als in Deutschland. Die E1a-Beilage zur Einkommensteuererklärung ist eine österreichische Besonderheit. USt-Sätze und Kategorisierungen sind teilweise unterschiedlich. Für die Hersteller lohnt es sich oft nicht, diese Unterschiede sauber einzubauen, weil der österreichische Markt im Vergleich zu Deutschland klein ist.

Was macht Accounted funktional besonders und wo liegt der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen?

Man kann Belege am iPhone oder Mac einscannen, die werden automatisch erkannt und nach kurzer Kontrolle direkt eingebucht. Die App zeigt live, wo man mit der Einkommensteuererklärung steht, damit es am Jahresende keine Überraschungen gibt. Und es gibt 13 Branchenvorlagen, die EPU das Einrichten der richtigen Kategorien ersparen. Der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen ist aber, dass Accounted nur auf Apple-Geräten funktioniert und Accounted keinerlei Zugriff auf die Unternehmensdaten hat, weil sich alles in der eigenen Apple ID des Benutzers abspielt.

Warum hast du dich bewusst für eine native App ohne eigenes Backend entschieden?

Ich wollte, dass die Daten der Nutzer bei ihnen bleiben und nicht auf irgendeinem Server liegen, den ich betreibe und absichern muss. Accounted nutzt CloudKit, das heißt, die Daten werden über das iCloud-Konto der Nutzer synchronisiert. Ich sehe sie nicht und habe keinen Zugriff darauf. Gleichzeitig wollte ich eine App, die sich auf Apple-Geräten wie eine echte App anfühlt und nicht wie ein Browser-Fenster mit Logo. Nativ in SwiftUI und SwiftData zu entwickeln war aufwändiger, aber das Ergebnis ist schneller, stabiler und braucht keine Internetverbindung zum Arbeiten.

Welche Rolle spielen Datenschutz und Datensouveränität bei GetAccounted?

Eine zentrale Rolle. Buchhaltungsdaten sind sensible Unternehmensdaten. Bei Accounted liegen diese Daten ausschließlich im iCloud-Konto der Nutzer, nicht auf meinen Servern. Das war eine bewusste Entscheidung, nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern auch, weil ich als Ein-Personen-Unternehmen nicht die Verantwortung für die sichere Aufbewahrung fremder Finanzdaten übernehmen möchte.

Mit welchen Herausforderungen warst du als Ein-Personen-Unternehmen beim Aufbau von Accounted konfrontiert?

Zeit ist die größte Herausforderung. Ich arbeite Vollzeit und betreibe daneben eine Eventproduktion mit bis zu zehn Mitarbeitern. Accounted musste in den Stunden entstehen, die übrig geblieben sind. Dazu kommt, dass man als Solo-Entwicklerin alles selbst machen muss: Konzept, Design, Entwicklung, Testing, App-Store-Texte, Website, Marketing. Man kann sich nicht auf das konzentrieren, was man am besten kann, weil alles gleichzeitig fertig werden muss. Und Marketing ist ehrlich gesagt der Teil, der mir am schwersten fällt.

Wie hast du es geschafft, die App ohne Funding und Team umzusetzen?

Indem ich keine andere Wahl hatte. Ich hatte kein Budget für externe Entwickler und keinen Investor, der mir ein Team finanziert. Also habe ich alles selbst gelernt und selbst gebaut. Das geht, wenn man bereit ist, abends und am Wochenende zu arbeiten. Was mir geholfen hat, ist, dass ich vorher schon interne Tools für meine Eventproduktion programmiert hatte. Accounted war nicht mein erstes Software-Projekt, nur mein erstes, das im App Store gelandet ist.

Welche nächsten Schritte sind für GetAccounted geplant?

Wird es neue Funktionen oder Erweiterungen geben?
Als nächstes kommt der Kanzleimodus. Damit können Steuerberater direkt auf die Buchhaltungsdaten ihrer Mandanten zugreifen, ohne dass Daten exportiert und per Mail verschickt werden müssen. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an, weil ich aus dem Feedback der ersten Nutzer lerne, wo die App im Alltag noch hakt. Langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung umsetzen, damit EPU mit Dienstnehmern ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App erledigen können.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die alleine ein Softwareprodukt entwickeln?

Erstens: Bau etwas, das du selbst brauchst. Wenn du dein eigener erster Nutzer bist, weißt du immer, ob das Produkt funktioniert oder nicht. Ich habe Accounted gebaut, weil ich selbst keine Lösung gefunden habe, die für mich als österreichische EPU passt. Das ist ein anderer Antrieb, als eine Marktlücke auf dem Papier zu füllen. Zweitens: Fang an, bevor du bereit bist. Die App muss nicht perfekt sein, wenn sie im Store landet. Wichtiger ist, dass sie dort ist und echte Menschen sie benutzen und dir sagen, was fehlt. Drittens: Sei ehrlich darüber, was du nicht kannst. Ich bin keine Steuerexpertin und kein Marketing-Profi. Aber ich kann Probleme erkennen und Lösungen bauen. Den Rest lerne ich unterwegs.

Bildrechte: © bottleplus

Wir bedanken uns bei Jolene Lederer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Pencilrec Automatisierung: KI für effizientere Unternehmen

0
Pencilrec Automatisierung mit KI erklärt Philipp Gassen Pencilrec

Pencilrec Automatisierung verbindet KI, Daten und Systeme, um Unternehmensprozesse effizienter und intelligenter zu gestalten

Wie ist Pencilrec entstanden und welche Idee steckt hinter der Pencilrec Automatisierung?

Die Idee entstand früh.

Mit 14 Jahren habe ich angefangen zu filmen und daraus meinen ersten Auftrag gemacht. Irgendwann habe ich mich verloren, wollte eigentlich Politiker werden. Dann war ich in den USA, habe dort einen Geschäftspartner kennengelernt, der mich wieder auf Kurs gebracht hat. Mit 18 habe ich mein Gewerbe angemeldet: erst Film und Video, dann Webseiten, einfache Dashboards, Marketing. Mit 19 kam der nächste Schritt, die Pencilrec GmbH. Der Gedanke dahinter: Unternehmen kommen zu uns, liefern ihre internen Daten, wir verknüpfen und werten diese aus und leiten daraus echte Erkenntnisse ab, von der Zielgruppe bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen.

Was hat dich als Gründer dazu bewegt, mit Pencilrec Automatisierung einen anderen Ansatz als klassische Digitalagenturen zu verfolgen?

Agenturen gibt es zu viele, und der häufigste Einwand meiner Kunden ist, dass sie zu teuer sind. Aber das Problem ist nicht der Preis an sich, sondern die Fragmentierung. Wer Video braucht, geht zu Agentur A. Wer eine Webseite will, zu Agentur B. Systeme entwickeln lässt er bei C, Beratung holt er bei D. Das sind vier Ansprechpartner, viermal Overhead, viermal Reibungsverlust. Bei Pencilrec gibt es einen Ansprechpartner und ein System, das alles verbindet.

Wie würdest du die Vision von Pencilrec und seiner Automatisierungslösung beschreiben?

Ich will, dass moderne Unternehmensinfrastruktur für jeden greifbar ist. In den USA ist professionelles Marketing längst Standard, auch für kleine Unternehmen. In Deutschland kommt das gerade erst an, mit vier Jahren Verzögerung. Genau diesen Fehler darf man bei KI und Automatisierung nicht wiederholen. Pencilrec will Unternehmen von innen heraus reformieren, langweilige und wiederholbare Aufgaben abnehmen und Produktivität steigern. Branchenübergreifend.

Euer Ansatz verbindet Intelligence, Infrastructure und Content. Wie greifen diese drei Bereiche konkret ineinander?

Daten stecken in allem, in jedem Kanal, jedem System, jedem Inhalt. Intelligence analysiert Nutzerverhalten und Zielgruppen, indem sie Kommunikation auswertet und Systeme miteinander verknüpft. Diese Erkenntnisse fließen direkt in den Content ein und umgekehrt. Das Problem bei 99 Prozent der Unternehmen ist, dass diese drei Bereiche parallel laufen, weil es zu viele Ansprechpartner gibt und die Systeme nicht miteinander reden. Bei Pencilrec gibt es ein System, das alles verbindet.

Welche Zielgruppe steht bei Pencilrec aktuell im Fokus und welche Probleme löst ihr konkret?

Aktuell entwickeln wir Systeme für die Immobilienbranche, eine Branche, die zwar neue Software einsetzt, deren Systeme aber oft nicht miteinander kommunizieren. E Mails, CRM, Kalender: alles Silos. Unser Produkt Grownd legt sich als Intelligenzschicht über die bestehenden Systeme, liest Daten über Schnittstellen aus und matcht sie miteinander. Das Ergebnis sind konkrete Handlungsempfehlungen. Das System erkennt zum Beispiel, welcher Deal zu kippen droht, wo einem Abschluss noch Informationen fehlen oder welche Leads gerade am relevantesten sind. KI bereitet alles vor, handelt tut der Mensch. Andere Branchen schließen wir dabei nicht aus.

Warum setzt Pencilrec bewusst darauf, bestehende Systeme zu nutzen statt neue Tools einzuführen?

Die meisten Systeme, die Unternehmen nutzen, passen zu 95 Prozent auf ihre Bedürfnisse. Die großen Anbieter haben einen enormen Vorsprung, da macht es keinen Sinn, als vergleichsweise kleines Unternehmen in direkten Wettbewerb zu treten. Deshalb setzen wir nicht daneben, sondern darüber. Wir verbinden uns über Schnittstellen mit den bestehenden Lösungen, lesen die Daten aus, verknüpfen und werten sie aus und spielen die Ergebnisse wieder ins System zurück.

Was macht euren Ansatz der Pencilrec Automatisierung im Vergleich zu klassischen Software oder Marketinglösungen besonders?

Wir machen beides gleichzeitig, Software und Marketing, und nutzen die Daten aus beiden Quellen, um das jeweils andere besser zu machen. Das ist eine Rückkopplung, die klassische Lösungen nicht bieten. Dazu kommt: Unsere Software legt sich als Schicht über bestehende Systeme. Der Kunde muss nichts ersetzen, wir ergänzen, was fehlt.

Welche Rolle spielen KI und Automatisierung konkret in euren Lösungen und im Alltag eurer Kunden?

KI spielt eine zentrale Rolle, sowohl in der Entwicklung als auch in den Systemen der Kunden. Aber wir setzen sie bewusst ein: Sie bereitet vor, der Mensch entscheidet. Automatisierungen nehmen repetitive Aufgaben ab, KI liefert Analysen und Empfehlungen, die Ausführung liegt beim Mitarbeiter. In der direkten Kundenkommunikation unterstützen wir KI nur teilweise. Es gibt Aufgaben, die von Menschen erledigt werden sollten. Das ist für uns keine Einschränkung, sondern Haltung.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim Aufbau dieser integrierten Systeme konfrontiert?

Die entscheidende Frage ist immer, ob eine Schreib und Leseschnittstelle verfügbar ist. In den meisten Fällen ist zumindest eine Leseschnittstelle vorhanden, wir können die bestehenden Daten auslesen, auch wenn wir nicht direkt ins System zurückschreiben können. Das ist dennoch ein enormer Fortschritt für die Kunden. Wir arbeiten pragmatisch mit dem, was vorhanden ist.

Wie entwickelt ihr eure Softwarelösungen weiter und welche Branchen stehen künftig im Fokus?

Wir beobachten, wo in einer Branche echte Probleme liegen, und bauen Systeme, die modular genug sind, um sich individuell anpassen zu lassen, für jeden Makler, Verwalter oder Investor anders. Ein Produkt ist nie abgeschlossen. Als nächste Branche sehen wir das Handwerk: administrativer Aufwand, Terminplanung, Kommunikation, vieles lässt sich dort automatisieren. Aber das Interesse muss vorhanden sein.

Welche nächsten Schritte plant ihr für Pencilrec?

Gibt es neue Produkte oder Entwicklungen in der Pipeline?
Es gibt immer etwas in der Pipeline. Aktuell bauen wir weitere Lösungen für unsere bestehenden Kunden, darunter Tools für Markenüberwachung und tiefere Research Funktionen. Ein Produkt ist für uns nie fertig, sondern wächst mit dem Kunden und den Möglichkeiten. Wir entwickeln iterativ und nah an der Praxis.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die im Bereich Software und Automatisierung starten?

Erstens: Jede Dienstleistung muss einen messbaren Mehrwert haben, und der ist am Ende immer monetär. Wenn du das nicht klar benennen kannst, hast du ein Problem. Zweitens: Einfach machen. Man kommt nicht voran, wenn man nur redet. Der Schritt, den viele scheuen, ist der einzige, der zählt. Drittens: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt. Es gibt keinen perfekten Moment, den gibt es nie. Wer wartet, wartet immer.

Bildrechte: © privat

Wir bedanken uns bei Philipp Gassen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Floryn Unternehmensfinanzierung: Schnelle Kredite für KMU

0
Floryn: Unternehmensfinanzierung für KMU Floryn-CEO Gion van den Bogaert

Floryn Unternehmensfinanzierung steht für schnelle, flexible Kredite für KMU und setzt auf datengetriebene Prozesse statt Bürokratie.

Wie ist Floryn entstanden und wer sind die Köpfe hinter der Floryn Unternehmensfinanzierung?

Floryn wurde 2016 von drei Unternehmern gegründet: Sven van der Biezen, Marijn van Aerle und mir. Sven und Marijn haben sich inzwischen neuen Projekten gewidmet, aber ihre Handschrift prägt das Unternehmen weiterhin. Heute wird Floryn von mir als CEO geführt, gemeinsam mit Stephan Punt als Chief Commercial Officer, Thijs Huiting als Chief Risk Officer und Stijn Meurkens als Chief Technology Officer. Zusammen leiten wir ein Team von rund 80 Mitarbeitenden in den Niederlanden und Deutschland. Auf Investorenseite wird Floryn von starken niederländischen Investoren unterstützt: Peak Capital, Endeit Capital und Kalo Bagijn. Sie begleiten uns seit mehreren Wachstumsphasen und teilen unsere langfristige Vision, der führende alternative KMU Kreditgeber in Europa zu werden.

Was war der konkrete Auslöser für die Floryn Unternehmensfinanzierung im Bereich digitale Finanzierung?

Floryn wurde gegründet, um eine klare strukturelle Lücke im KMU Finanzierungsmarkt zu schließen. Traditionelle Banken konzentrieren sich meist auf größere Kreditvolumina und arbeiten oft mit langsamen, bürokratischen Prozessen. Gleichzeitig wird der Bedarf an kleineren Finanzierungen, insbesondere zwischen 10.000 und 250.000 Euro, häufig nicht ausreichend bedient. Wir haben unser Modell gezielt entwickelt, um diese Ineffizienzen zu lösen und den Zugang zu Kapital für KMU zu verbessern.

Bei Floryn haben wir eine echte Leidenschaft für Unternehmer. Wir haben das Unternehmen aufgebaut, um Hindernisse zu beseitigen, die ausbremsen. Jedes Unternehmen braucht Zugang zu Kapital, um zu wachsen, Mitarbeiter einzustellen und Chancen zu nutzen. Für die meisten europäischen KMU ist dieser Zugang jedoch schwer erreichbar. Banken verstehen kleinere Unternehmen oft nicht ausreichend, konzentrieren sich auf größere Kredite und verlangen langwierige Prozesse und umfangreiche Dokumentation. Wir haben fast ein Jahrzehnt in Technologie und Daten investiert, um KMU ausschließlich auf Basis ihrer Bankdaten wirklich zu verstehen. Dadurch können wir Kapital nahezu sofort bereitstellen, ohne Bürokratie und ohne unnötige Reibung.

Welche Vision verfolgt Floryn für die Zukunft der Unternehmensfinanzierung in Europa?

Banken und Unternehmer funktionieren grundlegend unterschiedlich. Banken vermeiden Risiken, jeder KMU Kredit bindet teures Eigenkapital und regulatorische Anforderungen werden immer strenger. Unternehmer hingegen gehen berufliche Risiken ein. Dieses Missverhältnis ist strukturell und lässt sich nicht allein durch besseren Service lösen. Genau deshalb wird der Markt für alternative Finanzierungen weiterwachsen.

Unsere Vision ist eine Zukunft, in der sich die Finanzierung an den Unternehmer anpasst und nicht umgekehrt. Das bedeutet den Übergang von rückblickenden Kreditprüfungen hin zu vorausschauenden, datengetriebenen Finanzierungsmodellen. Die Rolle von Floryn besteht darin, Unternehmensfinanzierung schneller, flexibler und zugänglicher zu machen, angetrieben durch Daten und Technologie.

Wie gelingt es Floryn Unternehmensfinanzierung, Kreditentscheidungen schneller zu treffen als klassische Banken?

Die Geschwindigkeit entsteht durch einen vollständig digitalen Prozess. Unternehmen übermitteln ihre Bankdaten über PSD2, wodurch Floryn die Kreditwürdigkeit auf Basis von Transaktionsdaten in Echtzeit bewerten kann. Dies wird mit einer proprietären, KI gestützten Risiko Engine und schlanken internen Prozessen kombiniert. So können Entscheidungen schnell und effizient getroffen werden, ohne langwierige Kreditgremien.

Welche Zielgruppe steht bei Floryn besonders im Fokus und welche Probleme löst ihr konkret?

Floryn richtet sich primär an kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere inhabergeführte Betriebe in der Wachstumsphase. Im Fokus stehen Unternehmen mit Finanzierungsbedarf zwischen 10.000 und 250.000 Euro. Diese Unternehmen sehen sich häufig mit langsamen Entscheidungsprozessen, eingeschränktem Zugang zu Kapital und unflexiblen Finanzierungsstrukturen konfrontiert. Floryn löst diese Probleme durch schnelle, flexible und leicht zugängliche Finanzierungslösungen, die auf die operativen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Wie stellt Floryn sicher, dass die Finanzierungslösungen flexibel und fair bleiben?

Floryn bietet flexible Kreditlinien ohne starre Darlehensstrukturen. Unternehmen können Mittel nach Bedarf abrufen und zurückzahlen und zahlen nur Zinsen auf den tatsächlich genutzten Betrag. Die Preisgestaltung ist transparent und nutzungsbasiert, ohne feste Rückzahlungspläne. Dadurch passt sich die Finanzierung an den tatsächlichen Geschäftsalltag an.

Was unterscheidet Floryn im Kern von traditionellen Banken und anderen Fintechs?

Wir positionieren uns zwischen Banken und alternativen Kreditgebern und kombinieren die Stärken beider Modelle. Im Vergleich zu traditionellen Banken bietet Floryn schnellere Prozesse, weniger Bürokratie und einen stärkeren Fokus auf kleinere Finanzierungsvolumina. Im Vergleich zu vielen alternativen Kreditgebern legt Floryn mehr Wert auf Effizienz, Skalierbarkeit, niedrige Ausfallraten und wettbewerbsfähige Preise.

Welche Herausforderungen begegnen euch im stark regulierten Finanzmarkt und wie geht ihr damit um?

Wir arbeiten im bestehenden regulatorischen Rahmen und verfügen über eine PSD2 Lizenz der niederländischen Zentralbank, die einen sicheren Zugriff auf Finanzdaten ermöglicht. Neben regulatorischen Anforderungen ist der Aufbau von Vertrauen eine zentrale Herausforderung, insbesondere in konservativen Märkten wie Deutschland. Wir begegnen dem mit Transparenz, starken lokalen Partnerschaften und einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz in den Niederlanden.

Welche Rolle spielen Daten und Technologie bei euren Kreditentscheidungen?

Daten und Technologie bilden den Kern des Floryn Modells. Kreditentscheidungen basieren auf Banktransaktionsdaten und werden mithilfe einer firmeneigenen, KI gestützten Risikobewertungs Engine verarbeitet. Ein Ratingsystem von A bis C bestimmt die Finanzierungsbedingungen und ermöglicht es uns, wettbewerbsfähige Zinssätze anzubieten und gleichzeitig niedrige Ausfallquoten aufrechtzuerhalten.

Wie möchtet ihr Floryn in den kommenden Jahren weiterentwickeln und skalieren?

Wir konzentrieren uns darauf, die Präsenz von Floryn in ganz Europa auszubauen, wobei Deutschland der erste wichtige Schritt ist. Kurzfristig wollen wir im Preissegment von 10.000 bis 250.000 Euro wachsen und dabei operative Exzellenz und Marktanteile erzielen. Strategische Partnerschaften spielen eine Schlüsselrolle bei der Beschleunigung dieses Wachstums. Doch wir werden nicht mit dem deutschen Markt aufhören und planen, ab nächstem Jahr weitere Länder hinzuzufügen.

Gibt es neue Produkte oder Märkte, die ihr aktuell im Blick habt?

Deutschland ist in dieser Phase der wichtigste neue Markt für uns. Der offizielle Markteintritt folgt jetzt einem Soft Launch Anfang des Jahres. Produktseitig liegt unser Fokus aktuell auf dem Ausbau des Angebots an Geschäftskreditlinien. Wir prüfen gleichzeitig aber auch die Expansion in weitere Länder.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Es gibt keine Patentlösung und es kommt darauf an, ob man sich in der Gründungsphase befindet, das Unternehmen skalieren will oder bereits seit einigen Jahren erfolgreich geführt wird.

Eines gilt aber immer: Stellt sicher, dass ihr das beste Team habt, von Einstellung und Mitarbeiterbindung bis hin zum Mitarbeiteraustritt. Die richtigen Leute im Team machen immer den Unterschied. Und hört nie auf, mit euren Kunden zu sprechen. Nur so könnt ihr sicherstellen, dass sie mit eurem Produkt zufrieden und bereit sind, dafür auch zu zahlen. Letztlich: Kennt eure Liquiditätsreserven und kümmert euch rechtzeitig um Kapital, bevor euch das Geld ausgeht.

Bildrechte: © Floryn

Wir bedanken uns bei Gion van den Bogaert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie entsteht die Industrie von morgen schon heute?

0
Industrie Start-ups Künstliche Intelligenz Innovation Dr. Julian Lohf Bildrechte/ Fotograf Ingrid Hertfelder

Industrie, Start-ups und Künstliche Intelligenz stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries und treiben die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle voran.

Wie positioniert sich der de:hub Stuttgart – Future Industries innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle spielt der Hub für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart?

CODE_n wurde 2012 gegründet und gehört damit zu den frühen Startup-Initiativen Deutschlands.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries positioniert sich innerhalb der bundesweiten Digital Hub Initiative als zentraler Knotenpunkt für industrielle Zukunftstechnologien. Mit dem Innovation Campus rund um CODE_n verfügt der Hub über einen starken physischen Anker, der Start-ups, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und etablierte Corporates zusammenbringt. Diese enge Vernetzung ermöglicht es, neue Technologiefelder von KI-gestützter Automatisierung über Robotik bis hin zu Dual-Use-Technologien flexibel und frühzeitig anzuvisieren.
Gleichzeitig profitiert der Hub von der Nähe zur global agierenden GFT Technologies. Ein Technologieunternehmen mit tiefen Wurzeln in der Region, aus dem CODE_n als Business Innovation Einheit entstanden und im Jahr 2018 ausgegründet wurde. Das Unternehmen bringt weitreichende technologische Kompetenzen und globale Perspektiven in die Community ein.

Für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart spielt der Hub eine wichtige Rolle: Er verbindet die Innovationskraft junger Unternehmen mit der Erfahrung, Marktkenntnis und industriellen Stärke der zahlreichen Weltmarktführer der Region. Auf dem Campus entstehen seit seiner Gründung wertschöpfende und wachstumsstarke Unternehmen wie Flip, Instagrid, Straiv, TruPhysics oder GLOBE Fuel Cell Systems. Das signalisiert, dass der Hub nicht nur der Nährboden für Gründungen, sondern auch für Skalierungen verschiedener Technologiefokusse bildet.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries wirkt so als Innovationsplattform, die maßgeblich dazu beiträgt, die industrielle Zukunftsfähigkeit der Region und des Landes Baden-Württemberg zu sichern.

Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries? Warum sind diese Themen entscheidend für die Zukunft industrieller Wertschöpfung?

Ein Teil dieser technologischen Schwerpunkte ließen wir bereits anklingen. Dennoch lohnt sich ein kurzer Blick auf die zentralen Themenfelder, auf die sich der de:hub Stuttgart – Future Industries derzeit konzentriert.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere Künstliche Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien. Diese sind von zentraler Bedeutung für die industrielle Transformation in Baden-Württemberg, da sie direkt auf Automatisierung und teils auf neue datenbasierte Geschäftsmodelle einzahlen. Nicht neu ist: Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Produktivitäts- und Innovationsfaktor in industriellen Prozessen.
Robotik bildet die nächste Stufe der industriellen Automatisierung. Neben klassischen Industrierobotern gewinnen flexible Systeme wie kollaborative Robotik, autonome Logistiklösungen oder intelligente Serviceroboter zunehmend an Bedeutung. Um diese Entwicklungen stärker in den Blick zu nehmen, tauscht sich unser Hub Director regelmäßig mit unterschiedlichen Kompetenzträgern aus. Unter anderem traf er sich im März mit dem Repräsentanten Baden-Württembergs in China. Im Mittelpunkt stand, wie unsere Start-ups schneller Zugang zu internationalen Dynamiken und Märkten bekommen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Dual-Use-Technologien, also Lösungen mit sowohl zivilen als auch sicherheitsrelevanten Anwendungsmöglichkeiten. Viele Unternehmen aus unserer Community entwickeln Technologien, die sich auf unterschiedliche Märkte übertragen lassen, zuletzt jedoch auch unter der Krise der Automobilindustrie litten. Umso wichtiger ist eine realistische und ausgewogene Positionierung Deutschlands in diesem Feld.

Welche Rolle spielen Start-ups im Ökosystem des de:hub Stuttgart? Wie werden junge Unternehmen konkret dabei unterstützt, industrielle Lösungen zu entwickeln und zu skalieren?

Start-ups nehmen im Ökosystem des de:hub Stuttgart eine zentrale Rolle ein. Sie bringen frische Ideen und experimentierfreudige Ansätze ein, die den etablierten Unternehmen als Impuls für neue, mutige Wege dienen.
Wesentlich ist der physische Campus selbst. Auf dem Gelände stehen Office- und Coworking-Flächen zur Verfügung, die Start-ups sowohl eine flexible Infrastruktur als auch Raum für Skalierung bieten.

Darüber hinaus bietet der Hub ein modulares Membership-Programm, das auf die individuellen Bedürfnisse der Start-ups zugeschnitten ist. So können Gründer gezielt die Services auswählen, die für ihr Geschäftsmodell und ihre Wachstumsphase relevant sind. Insbesondere der Zugang zu Beratungsleistungen für die Bereiche Förderung und Finanzierung, Recht und Steuern sowie Marketing und Buchhaltung bilden die entscheidende Basis für den Aufbau eines erfolgreichen Business.
Für internationale Start-ups steht zudem unser Softlanding Programm bereit, das den Einstieg in den deutschen Markt erleichtert, regulatorische und kulturelle Hürden adressiert und den direkten Zugang zu regionalen Akteuren wie Verbänden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und sowohl Peers als auch etablierten Corporates ermöglicht.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen? Wie gelingt der Transfer von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen?

Die Zusammenarbeit des Hubs mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen dient vor allem dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in industrielle Anwendungen zu überführen. Durch die engen Kooperationen werden Start-ups und Spin-offs frühzeitig unterstützt, Forschungsideen rasch in Prototypen und Pilotlösungen zu verwandeln.
Und natürlich einfach Lust aufs Gründen zu machen.
Die vermehrten Gründungsaktivitäten in der Region werden vor allem im kommenden Jahr eine große Rolle im Hub spielen. Priorisiert werden dementsprechend die Integration neuer Teams in die bestehende Community und inhaltliche Unterstützung von neuen unternehmerischen Persönlichkeiten.

Wie unterstützt der de:hub Stuttgart Unternehmen dabei, ihre Produktions- und Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten?

Uns ist wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem sich junge Teams von Beginn an auf die stetige Weiterentwicklung ihrer Lösung konzentrieren können und ihnen zugleich der Einstieg in den Markt durch den Netzwerkeffekt vereinfacht gelingt.
Unserer Meinung nach ist es unabdingbar den Teams bereits von Anfang an finanziell unter die Arme zu greifen. Nicht zwingend durch Investments, sondern durch kostenlose bis hochattraktive Bürokonditionen. Der Netzwerkeffekt durch die physische Eingliederung in eine lebendige Community kombiniert mit einem angebotsreichen Ökosystem ergibt sich hieraus fast automatisch. Mit welchen Services wir darüber hinaus unterstützen, benannten wir bereits vorab.
Unterm Strich können wir als Hub befähigen und antreiben, intrinsisch motiviert zur Ausgründung und Skalierung müssen die Teams nach wie vor selbst sein.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – sowohl für Startups als auch für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der Region Stuttgart?

Der Erfolg unserer Aktivitäten zeigt sich vor allem daran, ob der Campus lebt: Wenn er gut gefüllt ist, Menschen gerne hier arbeiten und unsere Community wächst. Besonders wertvoll ist für uns das Feedback aus der Community wie etwa, wenn Start-ups oder Unternehmen berichten, dass über unsere Innovationsformate neue Leads entstanden sind und konkrete Kooperationen angestoßen wurden. Entscheidend ist, ob aus Vernetzung konkrete Wertschöpfung entsteht. Die Leistung der Gründungsteams lässt sich zudem u. a. anhand ihrer wachsenden Sichtbarkeit, in ihrer zunehmenden Etablierung innerhalb von Branchen oder in ihrer Aktivität auf internationalen Märkten messen.

Wenn Start-ups aus unserem Umfeld an Dynamik gewinnen und gleichzeitig etablierte Unternehmen neue Innovationsimpulse mitnehmen, ist das für uns ein sehr greifbarer Maßstab für den Erfolg unserer Arbeit, unserer Community. Wir messen Zufriedenheit und Weiterempfehlungsquote unserer Partner sehr genau, denn langfristige Kundenbeziehungen und eine hohe Auslastung unseres Campus sind Ausdruck echten Mehrwerts für die Region und das Ökosystem.

Darüber hinaus betrachten wir die Entwicklung der Community als strategischen Erfolgsfaktor für die Region Stuttgart. Eine engagierte, interdisziplinäre Community, die aktiv kooperiert und Wissen teilt, stärkt die Innovationsfähigkeit des Standorts nachhaltig und zieht national wie international Leistungsträger und Unternehmen langfristig an.

Welche Ziele verfolgt der de:hub Stuttgart – Future Industries in den kommenden Jahren, um den Weg in eine digitale und smarte Industrie weiter zu ebnen?

Der de:hub Future Industries Stuttgart verfolgt in den kommenden Jahren das klare Ziel, den industriellen Mittelstand konsequent bei der Transformation hin zu einer digitalen, KI-gestützten und resilienten Industrie zu begleiten. Im Fokus stehen der praxisnahe Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien sowie deren konkrete Anwendung in Produktion, Entwicklung und Wertschöpfungsketten.

Gleichzeitig bauen wir unser Ökosystem strategisch weiter aus. Durch die gezielte Einbindung internationaler Start-ups, die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie die Stärkung unserer Community als kollaborative Innovationsplattform. Unser Anspruch ist es, Stuttgart als führenden Innovationsstandort für Future Industries in Europa zu positionieren und belastbare Netzwerke zu schaffen, die langfristig Wettbewerbsfähigkeit sichern. Der Hub soll nicht nur Impulsgeber sein, sondern ein produktiver Arbeitsraum, in dem Innovation systematisch entsteht und in industrielle Realität überführt wird.

Bildrechte/ Fotograf Ingrid Hertfelder

Wir bedanken uns bei Dr. Julian Lohf für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Nox Mobility Nachtzug erhält 2 Millionen Euro für neue Reiseform

0
Nox Mobility Nachtzug sichert sich 2 Mio Euro Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Nox Mobility Nachtzug: Nox Mobility sammelt 2 Millionen Euro in Pre-Seed-Runde ein, um den europäischen Nachtzug neu zu erfinden

Nox Mobility Nachtzug erhält Finanzierung für Markteintritt

Berlin, 22. April 2026 – Nox Mobility hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2 Millionen Euro abgeschlossen, um eine neue Generation von Nachtzügen mit vollständig privaten Räumen aufzubauen. Die Runde wird vom Berliner Investor IBB Ventures angeführt, mit Beteiligung des italienischen Investors Tommaso Lucca sowie Branchenexperten wie HomeToGo-Mitgründer Dr. Patrick Andrae. Das frische Kapital fließt in den Teamaufbau, den Bau eines Mockups in Originalgröße sowie die Vorbereitung der ersten Strecken, die 2027 an den Start gehen sollen.

Nachtzüge erleben gerade eine Renaissance – doch trotz wachsender Nachfrage und Rekordbuchungen auf beliebten Strecken schrumpft der Markt seit Jahrzehnten. Zwischen 2001 und 2019 sank die Zahl der wöchentlichen Nachtzugverbindungen in Europa von rund 1.200 auf etwa 450.

Nox Mobility Nachtzug setzt auf private Zimmer statt Abteile

Eigenes Zimmer statt Abteilromantik – Nox denkt den Nachtzug neu

Während Passagiere bei herkömmlichen Nachtzügen Schlafabteile teilen, bekommt bei Nox Mobility jeder Reisende sein eigenes privates Zimmer mit Schlafplatz. Das Startup positioniert sich als echte Alternative zu Kurzstreckenflug und zusätzlicher Hotelübernachtung – zu einem vergleichbaren Preis. Die Züge starten abends von zentralen Bahnhöfen und kommen am nächsten Morgen direkt im Stadtzentrum an, ohne Flughafentransfer und Sicherheitskontrolle.

Operativ verbindet Nox Mobility die Zuverlässigkeit des Fliegens mit dem Gefühl eines Boutique-Hotels. Für Freizeitreisende ersetzt die Fahrt die Hotelübernachtung gleich mit. Business-Reisende – die in Frankreich bereits 30 Prozent der Nachtzug-Passagiere ausmachen – ersparen sich frühe Abflüge, Übernachtungen und verlorene Arbeitszeit. Mit durchdachtem Design, persönlichem Service an Bord und verlässlichen Abfahrtszeiten macht Nox Mobility Nachtzüge zu einer berechenbaren und angenehmen Reiseoption.

„Aus Berlin sind Mobilitätsunternehmen entstanden, die das Reisen in Europa verändert haben. Nox hat das Team, um das erneut zu schaffen: finanzielle Rückendeckung, operative Glaubwürdigkeit und eine Community, die schon jetzt wartet. Die Infrastruktur ist vorhanden. Was fehlt, ist ein Produkt, in dem man wirklich schlafen will“, sagt Roman Pimonov, Senior Investment Manager bei IBB Ventures.

„Als Mitgründer eines Berliner Travel-Tech-Unternehmens bin ich fest davon überzeugt, dass die europäische Bahn die nachhaltigere Art zu reisen ist. Deshalb setzen wir bei HomeToGo bei allen Geschäftsreisen konsequent auf die Bahn statt auf das Flugzeug. Nox trägt diese Vision weiter – und beweist, dass Nachhaltigkeit und echte Gastfreundschaft kein Widerspruch sein müssen“, sagt Dr. Patrick Andrae, Mitgründer & CEO von HomeToGo.

Nox Mobility Nachtzug will europäische Mobilität verändern

Ein Gründerteam, das Freizeit- und Geschäftsreisen neu erfindet

Nox Mobility wurde 2025 von Unternehmern mit Erfahrung in den Bereichen Bahn, Mobilitätsplattformen und Tech-Startups gegründet.

Thibault Constant hat mit Simply Railway (600.000+ Abonnenten) eine der größten Eisenbahn-Communities Europas aufgebaut. Janek Smalla bringt operative Expertise von FlixTrain und Bolt mit und hat neue Geschäftsmodelle in einigen der reguliertesten Mobilitätsmärkten Europas skaliert. Artur Hasselbach war zuvor Mitgründer des Payment-Fintechs orderbird, das für über 140 Millionen Euro von Nexi übernommen wurde, und gilt als ausgewiesener Mobilitätsexperte mit VC-Hintergrund.

„Nachtzüge sind eine der letzten großen ungenutzten Chancen im europäischen Mobilitätsmarkt. Die Infrastruktur steht, der Markt ist bereit. Diese Runde zeigt, dass Investoren an unseren Ansatz glauben: ein Produkt zu bauen, das Menschen wirklich lieben und mit einem tragfähigen Geschäftsmodell“, sagt Artur Hasselbach, Mitgründer von Nox Mobility.

Janek Smalla, Mitgründer von Nox Mobility, ergänzt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass aktuell viele neue Bahnbetreiber in Europa starten oder wachsen. Aber wir wollen mehr als ein weiteres Bahnunternehmen sein. Unser Anspruch ist es, das Image des Nachtzugs grundlegend zu verändern – hin zu einem echten Hospitality-First-Erlebnis.“

„Mehr als 600.000 Menschen folgen Simply Railway, weil sie an die Zukunft des Nachtzugs glauben. Sie schreiben mir jede Woche, was aktuell bei Nachtzugreisen im Argen liegt: enge Abteile mit Fremden, Verspätungen, intransparente Preise. Nox Mobility ist das Ergebnis von Jahren in Nachtzügen, unzähligen Gesprächen mit Fahrgästen und dem genauen Hinschauen, was funktioniert und was nicht“, sagt Thibault Constant, Mitgründer von Nox Mobility.

Bild Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Quelle Breforth Communications

Femizide: Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung

0
Femizide Deutschland: Interview mit Kristina Wolff Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Fast jeden Tag bringt in Deutschland ein Mann (s)eine Frau um – und der Staat schaut weg. Dr. Kristina Wolff ist Wissenschaftlerin, FEMEN-Aktivistin und Autorin des Buchs „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide“. Seit 2019 führt sie ehrenamtlich eine Datenbank*, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Damit schafft sie eine verlässliche Datengrundlage für dieses strukturelle Problem, das als Ansammlung von Einzelfällen abgetan wird. Im Interview mit herCAREER schildert sie, wie die Regierung, Institutionen und ganze Bevölkerungsgruppen die Sicherheit von Frauen und Mädchen systematisch vernachlässigen.

„Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle.“

herCAREER: Ihr Buch heißt „WIE VIELE NOCH? Deutschlands gebilligte Femizide“. Inwiefern billigt der Staat tödliche Gewalt gegen Frauen?

Dr. Kristina Wolff: Deutschland fehlt jegliche Haltung zu diesem Thema. Es fehlen der politische Wille, eine nationale Strategie sowie Gelder für Prävention und den Schutz von Betroffenen. In anderen Ländern wird zum Beispiel opferzentriert gearbeitet – zum Beispiel hält das spanische Parlament eine Schweigeminute für jedes Opfer eines Femizids ab, genau wie Großbritannien und Kanada. In Deutschland wurde zwei Tage vor unserem Gespräch in Mannheim eine 19-jährige Frau von einem 17-jährigen Jugendlichen getötet. Am gleichen Tag postete das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bei Instagram ein Style-Video mit der amtierenden Bundesfrauenministerin Prien – die auch in der Causa Ulmen mit krachendem Schweigen auffällt. Das spiegelt die Ignoranz in der Bundespolitik wider, die ich seit Jahren kritisiere.

herCAREER: Vergangenes Jahr trat das Gewalthilfegesetz (GewHG) in Kraft. Es soll den Schutz gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder in Deutschland deutlich verbessern. Werten Sie das nicht als Fortschritt?

Dr. Kristina Wolff: Der Kernauftrag des Staates – nach demokratischem Verständnis und im Sinne der Istanbul-Konvention – ist die Gewaltprävention. Und die verweigert Deutschland – auch hinsichtlich des GewHG. Es wird viel zu spät eingeführt und sichert Gewaltbetroffenen erst ab 2032 einen Rechtsanspruch, was bedeutet, dass nach der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik über 2.000 weitere Femizide in Kauf genommen werden. Außerdem beinhaltet es nur den Schutz und den Anspruch auf Rechtsberatung. Beides benötigt man erst, wenn man bereits Gewalterfahrungen durchlitten hat. Mit dem als „Meilenstein“ gefeierten Gesetz werden über einen Zeitraum von zehn Jahren 2,6 Milliarden Euro an die 16 Bundesländer ausgeschüttet. Schon 2022 hat das European Institute for Gender Equality allerdings festgestellt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland den Staat jedes Jahr 53 Milliarden Euro kostet. Das sind 148 Millionen Euro pro Tag – das GewHG liefert dagegen 162,5 Mio pro Jahr. Es ist eine Farce.

herCAREER: Seit 2019 dokumentieren Sie in eigener Recherche Femizide in Deutschland. Gab es in den vergangenen Jahren konstruktive Entwicklungen?

Dr. Kristina Wolff: Nein. Der erste Femizid, den ich bewusst wahrgenommen habe, war der Femizid an der Ex-Politikerin Petra Kelly durch ihren Partner, einen deutschen Ex-Generalmajor. Das ist bald 35 Jahre her – und bis heute wird in Deutschland fast jeden Tag eine Frau umgebracht. Ich werde in Interviews oft gebeten, zumindest zum Schluss noch eine positive Botschaft abzugeben. Aber ich habe keine! Ich gehe davon aus, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland zukünftig deutlich zunehmen und immer brutaler werden wird.

herCAREER: Daten sind heutzutage eine harte Währung, ohne Daten keine Handlungsgrundlage. Wie kann es sein, dass es – abgesehen von Ihrer – keine Datenbank für Femizide in Deutschland gibt?

Dr. Kristina Wolff: Das Problem beginnt schon damit, dass es in Deutschland keine einheitliche Definition des Begriffs Femizid gibt. Im Jahr 2018 hat die Partei Die Linke eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, ob diese die Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) übernehmen möchte: „Ein vorsätzliches Töten von Frauen und Mädchen, weil sie Frauen oder Mädchen sind.“ Die Regierung hat diese Definition abgelehnt, da sie ihr zu schwammig ist. Das ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist, dass bis heute noch keine eigene Definition nachgeliefert wurde. Was mir große Sorgen macht: Männer beanspruchen immer häufiger eine Deutungshoheit über Femizide oder das, was als Gewalt gegen Frauen eingestuft wird.

herCAREER: Inwiefern?

Dr. Kristina Wolff: In einer Studie, die knapp vier Jahre lang (2022-25) durch die Deutsche Forschungsgesellschaft finanziert wurde, lieferte der Studienleiter Prof. Dr. Kinzig keinerlei Erkenntnisgewinn: Er evaluierte Daten, die allein aus dem Jahr 2017 stammten. In Ermangelung einer deutschen Definition von „Femizid“ definierte Kinzig den Betriff eigenmächtig und reduzierte die Grundgesamtheit der zu untersuchenden Fälle um mehr als die Hälfte auf 127 Fälle. So sind die Daten weder repräsentativ für Deutschland noch mit anderen Ländern vergleichbar.

Der frisch veröffentlichte Sicherheitsbericht des Landes Baden-Württemberg für 2024 wurde nicht geschlechtsdifferenziert verfasst, sondern unterscheidet sowohl Tatverdächtige als auch Opfer lediglich in „deutsch“ oder „nichtdeutsch“.

Und die kürzlich veröffentlichte Dunkelfeldstudie „LeSubia“ suggeriert, dass nahezu gleich viele Männer wie Frauen von Gewalt durch ihre Partner:innen und Ex-Partner:innen betroffen seien. Ein Blick ins Studiendesign verrät, wie diese Verzerrung zustande kommt: Das Gewaltverständnis sei breit angelegt und gehe über den strafrechtlichen Gewaltbegriff hinaus, erfasse „teilweise auch nicht strafbewehrte Formen von (psychischer, digitaler und sexualisierter) Gewalt.“ Ghosting mit Femiziden gleichzusetzen, entspricht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. So wird die strukturelle geschlechtsbezogene Gewalt verharmlost.

herCAREER: Es gibt doch eine Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Warum liefert sie nicht die entsprechenden Daten?

Dr. Kristina Wolff: Unter anderem, weil die PKS nie zu diesem Zweck aufgesetzt wurde. Eigentlich soll sie als Leistungsnachweis für die Arbeit der Polizei dienen und hat das Ziel, der Bevölkerung zu vermitteln, dass sie in einem sicheren Land lebt.

herCAREER: Es besteht also ein Interessenkonflikt …

Dr. Kristina Wolff: Ja, einer, der der Rolle des oder der amtierenden Innenminister:in . Wie will diese:r den Frauen, die die Mehrheit der deutschen Bevölkerung stellen, bei diesen Zahlen vermitteln, dass Deutschland sicher ist? Und selbst wenn die PKS volle Transparenz bieten würde, könnten wir die Daten derzeit nicht zu unseren Zwecken auslesen. Zwar lassen sich die infrage kommenden Straftatbestände „vollendeter Mord“, „vollendeter Totschlag“ und „Körperverletzung mit Todesfolge“ darin finden. Aber sehr viele wichtige Details werden in der Statistik nicht abgefragt und abgebildet: Sie fragt etwa nicht, ob die weiblichen Opfer schwanger waren. Außer bei Messerkriminalität fragt sie nicht nach der Tatwaffe. Sie fragt nicht nach der Anzahl hochgradiger Gefährder, also bekannter Gewalttäter, und auch nicht nach einer Gewalthistorie der Täter. Auch das Motiv bildet die Statistik nicht ab.

Dazu sei gesagt: Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle. Aber Täter sagen aus, sie hätten aus Liebe getötet, aus Verzweiflung, aus Eifersucht oder um die Opfer von ihrem Leid zu erlösen – mit solchen Relativierungen zielen sie auf Strafmaßminderung ab. Wir haben einen riesigen Datenpool, können daraus aber nicht die Erkenntnisse ziehen, die wir brauchen, um Femizide als gesamtgesellschaftliches Problem zu definieren.

herCAREER: Bei uns wird jede Form von Gewalt gegen Frauen häufig als Zuwanderungs-Problem deklariert. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Kristina Wolff: Ein Argument, das gerne und vorrangig von Männern vorgebracht wird. Gewaltbetroffene haben sicher viele Fragen zum fehlenden Schutz von Mädchen und Frauen in Deutschland an die Regierungsverantwortlichen – ich bezweifle stark, dass die Frage nach dem Pass ihrer Peiniger dazugehört. Dazu ist dieses Framing völlig abwegig, weil seit über zehn Jahren 65 bis 70 Prozent der Tatverdächtigen bei Femiziden einen deutschen Pass haben. Wenn wir diese Diskussion konsequent führen würden, dann müssten wir in der PKS a) Täter berücksichtigen, die mit deutschem Pass im Ausland Frauen angreifen und töten, und b) beleuchten, wie viele deutsche Täter in Deutschland Frauen mit nichtdeutschem Pass umbringen. Mit dieser Argumentation wird das Problem ausgelagert. Es soll der Eindruck vermittelt werden, dass strukturelle, tradierte, patriarchale und sexualisierte Gewalt nichts mit unserem Land und unseren Männern zu tun hat.

herCAREER: Mit Ihren Aufzeichnungen für das Femicide Observation Center Germany wollen Sie Transparenz schaffen. Nach welchen Parametern sammeln und sortieren Sie die Daten und was geschieht dann damit?

Dr. Kristina Wolff: Die Datenbank ist eine große Excel-Tabelle, die versuchte und vollendete Attentate gegen Mädchen und Frauen erfasst. Ich schlüssele die Tötungsdelikte nach über 100 Parametern auf. Dabei prüfe ich beispielsweise, ob das Opfer schwanger war oder ob die Tat vermeidbar gewesen wäre, weil bereits Todesandrohungen durch den Täter oder eine Wegweisung vorlagen – also der Täter bereits offiziell aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurde. Ich prüfe auch, ob die Tat im öffentlichen Raum begangen wurde und ob Kinder betroffen sind.

herCAREER: Wie kommen Sie an diese Informationen?

Dr. Kristina Wolff: Die Arbeit beginnt mit der ersten Pressemeldung zu einer getöteten Frau. Dann beobachte ich in den folgenden Stunden und Tagen, welche weiteren Informationen veröffentlicht werden. Nicht jeder Femizid ist den Behörden eine Pressemeldung wert. Das heißt, manche muss ich aktiv suchen oder bei Staatsanwaltschaften abfragen und wieder andere werden mir von Privatpersonen zugespielt. Ich dokumentiere diese Artikel, indem ich sie als chronologisch sortierte PDFs ablege. Aus der Summe der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte lassen sich belastbare Trends und Aussagen ableiten, die ich dann publiziere.

herCAREER: Wie viele Femizide haben Sie bis zu unserem Gespräch am 30.03.2026 verzeichnet?

Dr. Kristina Wolff: Ich habe dieses Jahr bisher 55 Femizide dokumentiert, einige davon sind bis dato noch versuchte Femizide, die letzte Meldung lautete „lebensgefährlich verletzt“. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Für 2025 habe ich 165 vollendete Tötungsdelikte festgehalten, hochgerechnet erwarte ich auch für 2026 etwa 200 dokumentierte Femizide. Ich erhebe allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da ich immer mit der Arbeit hinterherhinke und keine Möglichkeit habe, meine Daten mit der PKS abzugleichen. Ich arbeite neben meiner Erwerbstätigkeit und an den Wochenenden Fälle ab. Es ist unbefriedigend, aber mehr geht unter den derzeitigen Umständen nicht.

herCAREER: Hat Ihnen je eine Behörde Mittel oder Unterstützung angeboten?

Dr. Kristina Wolff: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich werde als Quertreiberin betrachtet, die den Finger in die Wunde legt. Ich übe mit meiner Arbeit Kritik an allen Beteiligten: Legislative, Exekutive und Judikative, dem Hilfesystem und den involvierten Anwält:innen. Und ich frage immer wieder: „Wie konntet ihr alle es so weit kommen lassen?” Dazu kommt, dass ich als FEMEN-Aktivistin kontinuierlich sehr öffentlichkeitswirksam die Botschaft propagiere: „Frauen werden umgebracht, weil ihr euren Job nicht macht.“

herCAREER: Wer muss zuerst Verantwortung übernehmen?

Dr. Kristina Wolff: In diesem Fall stinkt der Fisch wirklich vom Kopf her. Ich kann alle Politiker:innen nur daran erinnern, dass sie einen Eid auf das Grundgesetz geschworen haben. In Artikel 2, Absatz 2 heißt es: „Jeder und jede hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.” Theoretisch bräuchten wir die Istanbul-Konvention gar nicht, denn gemäß unserer Verfassung müssen alle, insbesondere die Bundespolitiker:innen, daran interessiert sein, dass Frauen und Mädchen in unserem Land unversehrt und selbstbestimmt leben können. Indem staatliche Repräsentant:innen das (weiterhin) ignorieren, sind sie aktiver Teil der strukturellen Gewalt gegen Frauen.

herCAREER: Stichwort Istanbul-Konvention: Deutschland durchläuft gerade zum zweiten Mal die Prüfung durch GREVIO, die unabhängige Expertengruppe des Europarats. Bei der ersten Prüfung im Jahr 2022 wurden Deutschland „gravierende Defizite“ bescheinigt und konkrete Forderungen an die Regierung gestellt. Wie wird die Evaluation Ihrer Meinung nach ausfallen?

Dr. Kristina Wolff: Die Bundesregierung torpediert die Kommission in ihrem sogenannten Staatenbericht mit einem Katalog angeblicher Maßnahmen, die alle erst nach einer Gewalterfahrung greifen. Die schiere Masse der Maßnahmen soll den Eindruck erwecken, dass gehandelt wird. Stattdessen steigen die Zahlen von Gewalt und tödlicher Gewalt gegen Frauen seit Jahren an. Diese Liste führt beispielsweise das Gewalthilfetelefon an. Das existiert seit 1973, lange vor der Istanbul-Konvention! Ich wehre mich gegen diese Augenwischerei und habe mein Buch und meine Daten – als Teil der sogenannten Schattenberichte, die NGOs und Privatpersonen liefern sollen – an GREVIO geschickt, damit sie das Bild vervollständigen.

herCAREER: Im Vergleich zu Schweden, Frankreich, Italien und Spanien fehlt uns eine nationale Strategie. Was machen diese Länder richtig?

Dr. Kristina Wolff: Solange der politische Wille für die Bevölkerung nicht erkennbar ist, kann sich auch kein gesellschaftlicher Wille durchsetzen. Andere Länder erreichen Veränderung. Einige Beispiele: Kanada hat einen nationalen Gedenk- und Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen. Er erinnert an ein Massaker an 14 Studentinnen im Jahr 1989. In Großbritannien liest die Abgeordnete Jess Phillips seit 11 Jahren anlässlich des Internationalen Frauentags die Namen der Femizid-Opfer des vergangenen Jahres vor. Dieses Jahr waren es 110 Namen, die der Femicide Census erfasst hat – eine Datenbank, die ebenfalls von einer Privatperson geführt wird. Spanien ist federführend bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Europa und hat eine nationale Strategie aufgesetzt, die jedes Jahr überarbeitet und verbessert wird.

Sie wird mit entsprechenden Etats, Zielen und Verantwortlichkeiten hinterlegt und berücksichtigt, dass die Exekutive geschult ist und die Staatsanwaltschaften schneller arbeiten. Spanische Medien, analog und digital, melden jeden einzelnen Femizid sofort und schaffen so Bewusstsein. Die Ministerien ächten diese Gewaltexzesse umgehend öffentlich auf der offiziellen Homepage. Auch die Fußfessel würde in Deutschland nicht eingesetzt werden, wenn sie in Spanien nicht bereits mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote genutzt würde. In Ludwigsburg haben wir am 10. März jedes Jahres einen Gedenktag und eine Schweigeminute für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt eingeführt. Das ist ein leicht umzusetzendes und kostengünstiges Instrument, wurde aber weder vom Land noch vom Bund aufgegriffen. Bewusstsein und Erinnerungskultur sind Prävention, so wie sie von der Istanbul-Konvention eingefordert wird! In Deutschland finden sich Billigung und stille Akzeptanz sogar in der Sprache wieder.

herCAREER: Haben Sie hier Beispiele?

Dr. Kristina Wolff: In Medien heißt es „Gewalt an Frauen“, anstatt „Gewalt gegen Frauen“, was die korrekte Präposition wäre. Die Justiz nennt es „erweiterten Suizid“, wenn sich der Täter nach dem Mord an einer Frau oder einem Kind das Leben nimmt. Das Opfer wird so zur „Erweiterung“ entmenschlicht. Im Englischen heißt es dagegen korrekterweise Murder Suicide. Und statt der passiven Formulierung „Frau wurde erstochen“ bei sexualisierter und tödlicher Gewalt müsste es lauten: „Ein weiterer Mann hat (s)eine Frau erstochen“. Wenn Medien die Sprache aus Polizeiberichten und Pressemeldungen reproduzieren oder sogar voyeuristisch ändern, verfestigt und normalisiert auch das Gewaltstrukturen.

herCAREER: Welche Schritte braucht Deutschland auf politischer, institutioneller und individueller Ebene?

Dr. Kristina Wolff: Mit den Behörden mache ich sehr unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt Richter:innen, Staatsanwält:innen und Polizist:innen, die mich sehr unterstützt haben. Ich glaube, das Problem kann nur durch die Verbindung aller politischen Instanzen gelöst werden. Das heißt, das BMBFSFJ hat zwar die federführende Verantwortung, aber letztlich müssen das Bundesinnenministerium, das Bundesjustizministerium, das Kultusministerium und das Bundesgesundheitsministerium zusammenarbeiten. Auch das Wirtschaftsministerium muss involviert sein, denn wenn Frauen attackiert und/oder umgebracht werden, hat das erwiesenermaßen gravierende wirtschaftliche Konsequenzen. Meine Forderung ist, dass diese Instanzen ressortübergreifend eine gemeinsame Strategie entwickeln, angefangen mit einer gemeinsamen Definition des Begriffs „Femizid” und der adäquaten Bereitstellung von Mitteln sowie einem nachhaltigen Qualitätsmanagement. Ein Stück Butter unterliegt in Deutschland strengeren interdisziplinären Regeln und Gesetzen als der Schutz von weiblichem Leben.

herCAREER: Welche Forderungen stellen Sie an Männer?

Dr. Kristina Wolff: Ich fordere Männer auf, sich ein Beispiel an Alexander van der Bellen, dem österreichischen Bundespräsidenten, zu nehmen. Er hat am Internationalen Frauentag Männer dazu aufgerufen hat, sich nicht länger hinter dem Hashtag #NotAllMen zu verstecken. Es reicht nicht, zu sagen: „Ich kenne das Problem, aber ich bin ja selbst kein Täter.“ Das ist zu wenig! Wer sich darauf ausruht, ist Teil des Problems. Mittlerweile betrachte ich diese Verweigerungshaltung als Teil der strukturellen Gewalt. Das gilt auch für Frauen: Es reicht nicht aus, sich betroffen zu zeigen. Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung.


Die herCAREER Expo steht für: Austausch, Expertise und Inspiration.
Am 22. und 23. Oktober 2026 öffnet die herCAREER Expo ihre Türen im MOC München – ein Event, das Menschen anspricht, ganz gleich, ob sie aktiv auf Jobsuche sind oder einfach nach Inspiration und Netzwerk suchen.

Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel

*Wir hatten zunächst geschrieben, das FOCG sei die einzige Datenbank, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Das ist nicht korrekt. Es gibt weitere nationale Initiativen, die Tötungsdelikte gegen Frauen dokumentieren, wie z. B. Feminizidmap.org.

Quelle messe.rocks GmbH

Linexa Finanzierung: Münchner Startup bringt KI in Europas Fabriken

0
Linexa Finanzierung: 2 Mio für KI in Fabriken

Linexa Finanzierung stärkt Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit

  • Chinas Fabriken laufen im Dunkeln. Europas stehen still.
    Münchner Startup Linexa will das ändern und sammelt Millionen ein.
  • Linexa schließt 2 Millionen Euro Pre Seed ab, angeführt von Project A, mit Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehem. CTO CDO Kuka und Körber) als Angels.
  • Linexas Plattform entschlüsselt jahrzehntealte Steuerungstechnik herstellerübergreifend und macht damit Europas Fabriken erstmals KI fähig.
  • Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt Linexa bereits ein und beschleunigt die Digitalisierung der Produktion.

Die europäische Fertigungsindustrie steht unter massivem Druck: VW baut über 35.000 Stellen ab, ZF Friedrichshafen kürzt 14.000, Schaeffler 4.700. Gleichzeitig entstehen in China sogenannte Dark Factories: Werke, die so weit automatisiert sind, dass sie kein Licht mehr brauchen.

Der Grund ist strukturell: Steuerungsgeräte von Dutzenden Herstellern, über Jahrzehnte kontinuierlich angepasst, steuern dieselbe Linie und niemand versteht das System als Ganzes. Jede Anpassung riskiert Produktionsausfälle. Diese kosten bis zu 2,3 Millionen Dollar pro Stunde.

Die logische Konsequenz lautet bis heute: „Never change a running system.“

Linexa Finanzierung bringt KI direkt auf Maschinenebene

Das Münchner Startup Linexa bietet Fertigungsunternehmen, was ihnen aktuell fehlt: ein vollständiges Bild ihrer eigenen Produktion und KI Agenten, die diese optimieren.

Heute gibt Linexa eine Pre Seed Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro bekannt. Die Runde wird von Project A angeführt, als Angel Investoren beteiligen sich u. a. Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehemaliger CTO CDO von Kuka und Körber).

Das Kapital fließt in den Ausbau der Plattform und das Wachstum des Teams.

„Jeder Produktionsstandort, der in Deutschland und Europa schließt, jeder Hidden Champion, der von ausländischen Investoren aufgekauft wird, schwächt unsere Wirtschaftskraft und damit die Unabhängigkeit Europas. Eine starke Fertigungsindustrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands. Linexa gibt Fertigungsunternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Anlagen zurück und stärkt damit deren Wettbewerbsfähigkeit“, so Viktor Stryczek, Mitgründer und Co CEO.

Während konkurrierende Lösungen auf Geschäftsprozesse oder Sensordaten setzen, erschließt Linexa den Steuerungscode direkt auf Maschinenebene und überführt die Funktionslogik in ein einheitliches Datenmodell.

Was das in der Praxis bedeutet: Ein Kosmetikhersteller stellt eine Abfülllinie von Flüssigseife auf Handcreme um. Linexa analysiert die gesamte Steuerungslogik der Linie, erkennt Risiken, bevor sie zu Stillständen werden, und reduziert die Umrüstzeit deutlich.

Linexa Finanzierung zeigt erste Erfolge in der Praxis

Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt die Plattform bereits ein, mit dem Ziel, die Neuaufstellung der Produktionsnetzwerke und weitere Digitalisierunginitiativen mit Linexa durchzuführen.

Florian Heinemann, General Partner, Project A:
„Die europäische Fertigung ist unser wirtschaftliches Fundament. Mit Linexa gelingt die Shopfloor Modernisierung schnell genug, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten. Deshalb haben wir investiert.“

Bild Founding Team @ Linexa GmbH

Quelle Linexa GmbH 

Neueste Beiträge

moonshots & moneten 2026 in Paderborn Bild Foto (Universität Paderborn, Besim Mazhiqi): Der „Fire Talk“ mit Investor Carsten Maschmeyer zählt zu den Highlights beim diesjährigen „moonshots & moneten“ in Paderborn.

moonshots & moneten 2026 bringt Start-ups nach Paderborn

0
Der Start-up Summit „moonshots & moneten“ geht in Paderborn in die dritte Runde. Die garage33 bringt Gründerinnen, Investorinnen und Unternehmen aus der deutschen Start-up-Szene zusammen.