Dienstag, September 8, 2026
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Gegen müffelnde Sneaker: Jan und Udo Schulte über ihre Zimtsohlen-Marke spiceboys

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spiceboys: Zimt-Einlegesohlen gegen Fußgeruch spiceboys gründer bild  Jan und Udo Schulte 

spiceboys entwickelt Zimt-Einlegesohlen gegen Fußgeruch und verbindet dabei die natürliche Wirkung von Zimt mit einem urbanen Design für Sneaker-Fans.

Können Sie spiceboys kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem persönlichen Problem die Idee zur Gründung entstanden ist?

spiceboys sind Zimt-Einlegesohlen im urbanen Streetwear-Look gegen müffelnde Sneaker, entwickelt von uns, den Brüdern Jan und Udo Schulte. Angefangen hat alles ganz unspektakulär und wie so oft in einer Küche: Wir haben uns mal wieder darüber ausgetauscht, wie uns das Thema Schweißfüße in der Jugend und zum Teil auch noch heute begleitet, und was wir für verrückte Dinge dagegen ausprobiert hatten. Jan hat erzählt, dass er es zuletzt mit Zimtsohlen versucht hat, und dass es tatsächlich funktioniert hat. Als er sie mir zeigte, war der erste Gedanke: Das Prinzip ist super, aber die sehen wirklich fürchterlich aus. Das muss doch besser gehen. Aus genau diesem Moment ist die Idee zu spiceboys entstanden.

Wer steht hinter spiceboys, und wie haben Sie als Brüder gemeinsam den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gestaltet?

Hinter spiceboys stehen wir, die Brüder Jan und Udo Schulte, betrieben über unsere SchuSchu UG mit Sitz in Jesteburg bei Hamburg. Wir haben beide feste Jobs, Udo in der Medienbranche, Jan im sozialen Bereich, und spiceboys ist daneben entstanden, am Wochenende und in unserer Freizeit. Das Unternehmen haben wir schon im April 2024 gegründet, danach aber erst mal in Ruhe die Idee ausgearbeitet: welchen Produzenten wir wollen, wie das Material sein soll, wie wir als Marke überhaupt kommunizieren wollen. Anfang 2026 sind wir dann in eine intensivere Phase gegangen und haben in konzentrierten Wochenendsessions alles fertig gemacht. Finanziert haben wir das komplett selbst, aus eigenen Mitteln, im niedrigen fünfstelligen Bereich, ohne Investor, ohne Kredit.

Welche Vision verfolgen Sie mit spiceboys, und warum möchten Sie das Thema Fußgeruch aus der Tabuzone holen?

Unsere Vision ist, ein Alltagsproblem ohne Scham ansprechen zu können, locker, ehrlich und ohne erhobenen Zeigefinger. Besonders hart trifft das Thema oft in der Pubertät, gerade Jungs, in einer Phase, in der man sich ohnehin schon nicht in der eigenen Haut wohlfühlt und Orientierung sucht. Wir wollen genau dieser Zielgruppe zeigen, dass sie Teil einer viel größeren Schicksalsgemeinschaft ist, als man denkt, und dass man sich dafür nicht schämen muss. Das Thema bleibt dabei nicht auf die Jugend beschränkt: Auch im Erwachsenenalter kämpfen viele Menschen damit, und für die ist spiceboys genauso gemacht.

An welche Zielgruppen richten sich die Zimt-Einlegesohlen von spiceboys, und welche Probleme möchten Sie im Alltag Ihrer Kunden lösen?

Unsere Zielgruppe sind vor allem Sneaker-affine Menschen, die ihre Schuhe lieben, aber mit dem Thema Schweißfüße kämpfen, ganz besonders junge Leute in der Pubertät und Erwachsene, die das Problem bis heute begleitet. Das Problem, das wir lösen wollen, ist nicht nur der Geruch selbst, sondern das Gefühl, sich dafür schämen zu müssen und keine Lösung zu haben, die man auch gerne benutzt, weil sie gut aussieht.

Sie haben zahlreiche Hausmittel ausprobiert, bevor Sie Ihr eigenes Produkt entwickelt haben. Was hat Ihnen auf diesem Weg die wichtigsten Erkenntnisse geliefert?

Wir haben so ziemlich jeden Hack durchprobiert: Backpulver in den Socken und sonstige Natron-Tricks aus dem Netz oder auch ein Fußbad mit Essig. Hat alles irgendwie ein bisschen funktioniert, aber nie wirklich und nie langfristig. Die wichtigste Erkenntnis kam dann über die Zimtsohlen-Idee: Das Prinzip mit dem Zimt funktioniert, aber alles, was es auf dem Markt gab, sah aus wie aus dem Reformhaus. Genau da haben wir gemerkt, dass die Lösung nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen muss, damit man sie wirklich gern benutzt.

Was macht spiceboys aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Einlegesohlen oder anderen Lösungen gegen Fußgeruch?

Bei der Suche nach dem richtigen Produzenten haben wir uns sehr viele Muster schicken lassen, wahrscheinlich um die zwanzig Sohlen von verschiedenen Herstellern. Dabei haben wir echte Überraschungen erlebt: Manche Produkte, die sich Zimtsohle nannten, hatten gar keinen echten Zimt drin, sondern nur einen aufgesprühten Duft. Unsere Sohlen sind mit reinem Saigon-Zimt gefüllt, einer der wirkstoffreichsten und effektivsten Zimtsorten, wenn es um die natürliche Wirkung gegen Bakterien geht. Dazu kommt ein einfarbiges, atmungsaktives Mesh im urbanen Look statt Reformhaus-Optik. Diese Kombination aus echtem Wirkstoff und Design, das man gerne trägt, unterscheidet uns von den meisten anderen Anbietern.

Die Inspiration stammt aus einer Tradition in Vietnam. Wie haben Sie dieses Wissen in ein modernes Produkt mit Streetwear-Charakter übertragen?

Die Idee stammt aus Vietnam, wo Zimt traditionell gegen Fußgeruch genutzt wird, dort unter anderem auch in Form von Zimtsandalen. Wir haben dieses Prinzip genommen und eine Einlegesohle kreiert, die in jeden Sneaker passt, mit einem einfarbigen, atmungsaktiven Mesh im urbanen Look statt der klassischen, eher unauffälligen braun/beigen Optik. So wird aus einer jahrhundertealten Idee ein Produkt, das sich in die heutige Sneaker- und Streetwear-Kultur einschmiegt.

Warum war es Ihnen wichtig, Funktionalität und Design gleichermaßen in den Mittelpunkt zu stellen?

Für uns war klar: Eine Sohle sieht zwar keiner direkt, aber wer jung ist oder Wert auf seinen Style legt, will trotzdem ansprechendes Design. Funktionalität allein reicht nicht, wenn das Produkt niemand benutzen will, weil es unattraktiv aussieht. Deswegen haben wir von Anfang an beides gleich stark priorisiert: die Wirkung über echten, hochwertigen Zimt, und die Optik über ein Design, das zu Sneakern passt statt dagegen zu arbeiten.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung der Materialien und der passenden Produktion meistern?

Die größte Herausforderung lag in der Materialsuche: Bei den Mesh-Stoffen für die Oberfläche gab es riesige Qualitätsunterschiede, viele Anbieter sind rausgeflogen, weil die Qualität einfach nicht gestimmt hat. Uns war wichtig, dass die Oberfläche weich und angenehm ist und gut atmet. Dazu kamen die klassischen Herausforderungen unerfahrener Gründer: Zoll, Einfuhrbestimmungen, Haltbarkeitsfragen. Da haben wir uns Schritt für Schritt reingearbeitet, auch mit Unterstützung von KI-Tools, die uns geholfen haben, mit unserem vietnamesischen Hersteller klar zu kommunizieren.

Seit dem Sommer sind die spiceboys Zimt-Einlegesohlen erhältlich. Welche Rückmeldungen Ihrer Kunden haben Sie bisher besonders überrascht?

Ehrlich gesagt sind wir noch ganz am Anfang, aber überrascht hat uns schon jetzt, wie offen Leute reagieren, wenn man das Thema einfach ohne Umschweife anspricht. Viele sagen uns direkt: Kenn ich, gut dass es das jetzt so gibt.

Welche neuen Produkte oder Entwicklungen stehen bei spiceboys als Nächstes auf Ihrer Roadmap?

Ein Abo-Modell haben wir uns bereits angeschaut, das bietet sich bei einer Haltbarkeit von rund vier Monaten geradezu an, kommt aber bewusst nicht sofort, weil wir erst Feedback aus unserer Community einholen wollten. Für das kommende Jahr sind außerdem weitere Kampagnen und Content geplant, mit denen wir unser Kernthema weiter nach vorn treiben. Den stationären Handel haben wir auf dem Schirm, dort ist aber aktuell noch wenig Energie reingeflossen, das steht für Mitte bis Ende nächsten Jahres auf der Agenda. Ein paar weitere Ideen haben wir schon, die wollen wir aber noch nicht spoilern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem alltäglichen Problem eine eigenständige Marke aufbauen möchten?

Erstens: Lasst euch Zeit. Wir haben uns bewusst nicht unter Druck gesetzt, ohne Investoren im Nacken konnten wir Prototypen verwerfen und noch mal von vorn anfangen, das hätten wir mit Zeitdruck nicht so sauber hinbekommen.

Zweitens: Schaut genau hin, bevor ihr euch für einen Partner entscheidet. Wir haben um die zwanzig Muster verglichen und dabei auch Anbieter erlebt, die mit falschen Versprechen gearbeitet haben. Wer beim ersten Angebot stoppt, zahlt später drauf.

Drittens: Bleibt ehrlich, auch wenn es unbequem ist. Wir sagen lieber weniger, aber das, was wir sagen, können wir auch belegen. Das gilt für Wirkversprechen genauso wie für alles andere, was ihr über euer Produkt behauptet.

Bildcredits © spiceboys

Wir bedanken uns bei Jan und Udo Schulte für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von der Botschaft zum Austausch: Wie Kommunikation zum Kreislauf wird

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Kommunikation: Feedback verändert Marketing Sandra Hommel Foto: kollex © Annette Koroll

Schnell wachsen, sichtbar werden, Nutzer:innen gewinnen – gerade in der Startup-Welt ist Kommunikation oft vor allem eines: laut und nach außen gerichtet. Auch für das Software-Unternehmen kollex, das eine digitale Bestellplattform für Gastronomie und Getränkefachgroßhandel bietet, lag dieser Weg nahe. Doch schnell zeigte sich: Einseitige Botschaften reichen nicht aus. Für das B2B-Marketing mit einer kleinen Zielgruppe ist eine andere Strategie viel wirkungsvoller.

Feedback ist kein Nice-to-have, sondern Entscheidungsgrundlage

Wie viele Unternehmen sorgt kollex über Marketing-Mailings, Umfragen und andere Feedback-Kanäle dafür, dass Nutzer:innen nicht nur informiert werden, sondern auch zurück kommunizieren können. Entscheidend ist für uns, was wir aus den gewonnenen Informationen machen, statt sie verpuffen zu lassen. Früh hat kollex Kennzahlen wie den Net-Promoter-Score in Entscheidungen einbezogen, um die Zufriedenheit unser Kund:innen zu messen und deren Bedürfnisse auch langfristig besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse helfen uns so, die Traditionsbranchen Gastronomie und Getränkefachgroßhandel digital zusammen zu bringen. Denn diese Rolle können wir nur erfüllen, wenn wir zuhören, lernen und vermitteln – und Kommunikation als echten Dialog verstehen. Das gilt sowohl im Austausch mit unseren Partnern und B2B-Kund:innen als auch intern im Zusammenspiel von Produkt, Entwicklung und Vertrieb.

Der Wendepunkt zum echten Partnerdialog

Das Verständnis von Kommunikation als Kreislauf hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Als ich 2023 in die Geschäftsleitung von kollex wechselte, war ich bereits seit über drei Jahren Teil des Startups und habe Kampagnen optimiert und Kennzahlen gesteigert. Erst in meiner neuen Rolle konnte ich das volle Potenzial des direkten Austauschs mit unseren Nutzer:innen ausschöpfen. Feedback aus dem Support, Erkenntnisse aus Sales-Gesprächen und Erfahrungen aus der tatsächlichen Produktnutzung flossen nicht nur ein, sondern entwickelten sich zur Grundlage unserer Prozesse. Das Verständnis von Kommunikation als Kreislauf hat uns als B2B-Unternehmen sehr viel weiter gebracht als Performance-Marketing es je hätte können – egal, ob wir 500 oder 10.000 Euro in die Hand genommen hätten.

Interne Kommunikation als Taktgeber

Mein Wechsel in die Head-of-Rolle und schließlich in die Geschäftsleitung bot mir die Chance, diesen Ansatz auch intern im Unternehmen zu verankern. Heute leite ich nicht nur das Marketing-, sondern auch das Customer Support, Success- und Sales-Team. Dabei betrachte ich Kommunikation längst nicht nur als Kampagne, sondern als System – eins, das alle Abteilungen, Kanäle und Zielgruppen verbindet. Es geht nicht darum, Informationen zu verbreiten, sondern sie gezielt zu steuern. Ich bereite zentrale Informationen aus dem Tech-Produkt gezielt für meine Teams auf, sodass sie einfach zurück kommunizieren können. Statt sich durch Release Notes oder einzelne Updates zu arbeiten, erhalten die Abteilungen genau die Inhalte, die für sie relevant sind – und werden so deutlich produktiver. Der Schlüssel ist dabei das Verständnis für Nutzer:innen, Branchenerfahrung und Kommunikation auf Augenhöhe.

Die verbindende Kraft im Unternehmen

Gerade in einem Tech-Unternehmen, in dem sich täglich etwas verändert – von kurzfristigen Releases über neue Produkt-Features bis hin zu Störungsfällen – zeigt sich, wie entscheidend strukturierte Kommunikation ist. Dazu kommen wechselnde Kundenanforderungen, die Abstimmung zwischen Sales, Support und Produktentwicklung und das schnelle Feedback aus der Community. Da reicht es nicht, wenn wichtige Informationen irgendwo im Chat stehen. Unser Ansatz ist daher, Informationen stets auf Basis des Feedbacks aus unserer bisherigen Kommunikation zu bewerten und dementsprechend anzupassen. So entsteht der Kreislauf, für den wir gemeinsam mit dem Management-Team die Prozesse geschaffen und Informationssilos aufgebrochen haben.

Was sich verändert hat

Der Kreislauf-Gedanke hat unsere Zusammenarbeit spürbar verändert. Heute prägt das ganzheitliche Verständnis von Marketing und Kommunikation meinen Arbeitsalltag: auf strategischer, operativer und menschlicher Ebene. Marketing, Product, Sales und Customer Success greifen auf dieselben Erkenntnisse zu und arbeiten enger zusammen. Entscheidungen werden fundierter, weil sie auf realem Nutzerfeedback basieren und nicht auf Annahmen.

Fazit: Zum echten Kreislauf

In einer digital vernetzten Organisation geht es darum, Wissen zu verknüpfen, Feedback in Entscheidungen zu übersetzen und eine Kommunikationskultur zu schaffen, die Offenheit und Orientierung ermöglicht. Nur wenn der Kunden-Service die Herausforderungen kennt und das Produkt-Team Feedback erhält, entsteht ein echter Kreislauf. Gleichzeitig steigt die Geschwindigkeit, weil ein gemeinsamer Wissensstand zum echten Wettbewerbsvorteil wird. Das macht für mich Kommunikation zum strategischen Führungsinstrument.


Foto: kollex © Annette Koroll

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie Lyght Living die Möblierung von Unternehmen revolutioniert

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Lyght Living: flexible Möblierung & Corporate Housing Daniel Ishikawa GF Lyght Living_Porträt_Nahe_Sitzend

Lyght Living zeigt, wie flexible Möblierung und Corporate Housing Unternehmen dabei helfen, Einrichtung bedarfsgerecht zu nutzen und Ressourcen länger im Kreislauf zu halten.

Können Sie Lyght Living kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für das Mietmöbelmodell entstanden ist?

Lyght Living bietet flexible Möblierungslösungen für Unternehmen, Immobilienpartner und Relocation-Dienstleister. Unsere Kunden nutzen Einrichtungen genau so lange, wie sie benötigt werden. Anschließend werden die Möbel aufbereitet und erneut eingesetzt – Zirkularität ist damit ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.

Die Idee ist auch durch meinen deutsch-japanischen Hintergrund geprägt. In Japan steht „Mottainai“ für die Haltung, Ressourcen wertzuschätzen und möglichst lange zu nutzen. Genau diesen Gedanken verbinden wir bei Lyght Living mit einem konkreten Bedarf im B2B-Markt: Flexibilität für Unternehmen, ohne Ressourcen unnötig zu verbrauchen.

Wer steht hinter Lyght Living, und welche Erfahrungen haben Ihren Weg als Unternehmer besonders geprägt?

Als Deutschjapaner bin ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen und dies hat sicherlich meine Perspektive geprägt – auch auf Unternehmertum und den Umgang mit Ressourcen.

Unternehmerisch war für mich aber vor allem entscheidend zu erleben, wie sich ein zunächst erklärungsbedürftiges Geschäftsmodell über die Jahre etablieren kann. Als wir 2011 gestartet sind, war die Idee, komplette Einrichtungen für einen bestimmten Zeitraum zu mieten, im B2B-Bereich noch deutlich weniger bekannt.

Wir haben deshalb sehr früh gelernt, nah an unseren Kunden zu arbeiten und unser Angebot entlang realer Anforderungen weiterzuentwickeln. Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden. Diese Entwicklung zeigt mir, dass sich neue Geschäftsmodelle vor allem dann durchsetzen, wenn sie ein konkretes Problem besser lösen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Lyght Living, und warum glauben Sie, dass Unternehmen Einrichtung zunehmend nutzen statt besitzen werden?

Unternehmen werden immer flexibler – und damit verändern sich auch ihre Anforderungen an Infrastruktur und Ausstattung.

Hier ein paar Anwendungsbeispiele aus vergangenen Lieferungen:

Eine Expat-Familie aus den USA wird im Rahmen einer Mitarbeiterentsendung für zwei Jahre nach Berlin versetzt und findet keine geeignete möblierte Wohnung.
Ein KI-Start-up eröffnet einen neuen Standort und möchte sein Büro schnell und flexibel einrichten.
Ein Automobilkonzern zieht um und benötigt eine temporäre Möblierungslösung, bis die bestellten Möbel im neuen Büro eintreffen.

Eine Einrichtung dauerhaft zu kaufen, obwohl sie möglicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt wird, passt nicht immer zu dieser Realität.

Wir glauben deshalb, dass Unternehmen künftig stärker danach entscheiden werden, was sie für welchen Zeitraum benötigen, statt automatisch alles dauerhaft anzuschaffen. Unsere Vision ist es, flexible Möblierung als selbstverständliche Alternative zum klassischen Kauf zu etablieren.

Mehr als 600 Unternehmenskunden setzen bereits auf Ihre Lösungen. Was treibt die Nachfrage nach flexibler Möblierung aktuell besonders an?

Wir sehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Internationale Mobilität und Relocation spielen eine große Rolle, ebenso Corporate Housing und der Bedarf an kurzfristig verfügbarem Wohnraum für Mitarbeitende.

Gleichzeitig möchten Unternehmen flexibel auf Veränderungen reagieren können und Kapital nicht unnötig langfristig binden. Hinzu kommt ein stärkeres Bewusstsein dafür, Ressourcen länger zu nutzen.

Flexible Möblierung verbindet diese Anforderungen: Unternehmen bekommen die Ausstattung, die sie benötigen, für den Zeitraum, in dem sie gebraucht wird – ohne sich langfristig festlegen zu müssen.

Welche Rolle spielen Corporate Housing, Relocation und internationale Mobilität für das Geschäftsmodell von Lyght Living?

Eine zentrale. Wenn Unternehmen internationale Mitarbeitende an einen neuen Standort holen, reicht es nicht, lediglich eine Wohnung bereitzustellen. Sie muss im Idealfall vom ersten Tag an tatsächlich bewohnbar sein.

Gerade bei Relocations muss das häufig kurzfristig und für einen klar definierten Zeitraum funktionieren. Unternehmen und Relocation-Dienstleister benötigen deshalb Lösungen, die schnell verfügbar und gleichzeitig flexibel skalierbar sind.

Corporate Housing und internationale Mobilität gehören entsprechend zu den Bereichen, in denen die Vorteile flexibler Möblierung besonders deutlich werden.

Sie zählen auch zahlreiche DAX-Unternehmen zu Ihren Kunden. Welche Anforderungen stellen große Unternehmen an flexible Möblierung?

Bei großen Unternehmen stehen vor allem Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und standardisierte Prozesse im Vordergrund.

Wenn mehrere Wohnungen an unterschiedlichen Standorten ausgestattet werden müssen, muss das genauso zuverlässig funktionieren wie bei einer einzelnen Einheit. Gleichzeitig können Anforderungen sehr kurzfristig entstehen.

Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden, darunter 18 der 40 DAX-Unternehmen. Für diese Kunden geht es deshalb nicht nur um die Möbel selbst. Entscheidend sind planbare Abläufe, definierte Qualitätsstandards, flexible Laufzeiten und die Möglichkeit, auch größere Projekte zuverlässig umzusetzen.

Was unterscheidet Lyght Living aus Ihrer Sicht von klassischen Möbelhändlern oder anderen Mietmodellen?

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir nicht vom Verkauf eines Möbelstücks ausgehen, sondern vom konkreten Bedarf des Kunden und der Dauer seiner Nutzung.

Dazu gehört der gesamte Prozess: von der Planung und Bereitstellung über die Nutzung bis zur Rücknahme und Wiederaufbereitung der Möbel.

Wir verfügen heute über einen Bestand von rund 17.000 Möbelstücken. Unser Geschäftsmodell funktioniert deshalb gerade nicht darüber, möglichst viele neue Möbel zu verkaufen, sondern vorhandene Möbel möglichst effizient über mehrere Projekte hinweg einzusetzen.

Möbel erreichen bei Ihnen durchschnittlich sieben Verwendungszyklen. Wie organisieren Sie die Aufbereitung und Wiederverwendung in der Praxis?

Nach jedem Einsatz kommen die Möbel zurück und werden geprüft, professionell gereinigt und bei Bedarf repariert oder aufgearbeitet. Dafür betreiben wir ein eigenes Möbel-Reparaturzentrum in Rodgau.

Erst wenn ein Möbelstück unseren Qualitätsstandards entspricht, geht es zurück in den Bestand und kann erneut eingesetzt werden. Im Durchschnitt erreichen unsere Möbel auf diese Weise sieben Verwendungszyklen.

Die Aufbereitung ist deshalb kein Zusatz unseres Geschäftsmodells, sondern ein wesentlicher Teil davon.

Eine Aufbereitungsquote von 94 Prozent zeigt einen starken Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Wo liegen dennoch die größten Herausforderungen eines zirkulären Möbelmodells?

Die Herausforderung besteht darin, Kreislaufwirtschaft im großen Maßstab tatsächlich praktikabel zu machen.

Möbel müssen zurücktransportiert, geprüft, gereinigt, gegebenenfalls repariert, gelagert und anschließend wieder zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt werden. Gleichzeitig darf der nächste Kunde keinen Qualitätsunterschied wahrnehmen.

Aktuell können wir 94 Prozent der zurückkommenden Möbel wieder aufbereiten. Darin steckt letztlich auch der Gedanke, der mich schon durch meine japanische Herkunft geprägt hat: Bestehendes nicht vorschnell zu ersetzen, sondern seinen Wert möglichst lange zu erhalten. Entscheidend ist aber, daraus funktionierende Prozesse zu machen.

Sie statten jährlich mehr als 1.200 Wohneinheiten in mehreren europäischen Märkten aus. Welche Herausforderungen bringt diese Größenordnung für Logistik und Skalierung mit sich?

Wir realisieren B2B-Projekte in der gesamten DACH-Region sowie in den Benelux-Staaten und Dänemark. Bei mehr als 1.200 ausgestatteten Wohneinheiten pro Jahr besteht die Herausforderung darin, Flexibilität und Standardisierung miteinander zu verbinden.

Skalierung bedeutet für uns deshalb nicht einfach, mehr Möbel vorzuhalten. Bestand, Aufbereitung, Logistik und Projektplanung müssen ineinandergreifen.

Gleichzeitig müssen wir flexibel genug bleiben, um auf individuelle Anforderungen und teilweise sehr kurze Vorlaufzeiten reagieren zu können. Genau dieses Zusammenspiel ist aus meiner Sicht eine der entscheidenden Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

Wie soll sich Lyght Living in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welches Potenzial sehen Sie für flexible Möblierungslösungen in Europa?

Wir sehen in Europa weiterhin erhebliches Potenzial. Internationale Mobilität, Corporate Housing und flexible Arbeitsmodelle nehmen zu, gleichzeitig hinterfragen Unternehmen stärker, welche Ressourcen sie tatsächlich selbst besitzen müssen.
Für Lyght Living geht es deshalb darum, unser bestehendes Modell weiterzuentwickeln, Prozesse noch effizienter zu gestalten und flexible Möblierung für Unternehmen und Immobilienpartner weiter zu etablieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem zunächst ungewöhnlichen Geschäftsmodell eine etablierte B2B-Lösung entwickeln möchten?

Erstens: Ein echtes Problem lösen. Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell allein ist noch keine Innovation. Entscheidend ist, ob es dem Kunden einen konkreten Mehrwert bietet.

Zweitens: Den Kunden zuhören. Gerade im B2B entstehen viele der besten Weiterentwicklungen im direkten Austausch mit den Menschen, die eine Lösung tatsächlich einsetzen.

Drittens: Ausdauer haben, ohne starr zu werden. Neue Geschäftsmodelle brauchen Zeit, bis der Markt sie versteht. Man sollte deshalb nicht bei jedem Widerstand die Grundidee infrage stellen – gleichzeitig aber bereit sein, Angebot und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bildcredits @ Lyght Living

Wir bedanken uns bei Daniel Ishikawa für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

MirAI &cafe: Wie Dohyun Hong Stuttgarts ersten Anime-Treffpunkt aufbaut

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MirAI &cafe: Anime und Community in Stuttgart

MirAI &cafe verbindet Anime und Community in Stuttgart mit einem Café, das Fans, Sammler und neugierige Gäste an einem gemeinsamen Ort zusammenbringen soll.

Können Sie MirAI &cafe kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Verbindung aus Café, Anime Shop und Community Treffpunkt steckt?

MirAI &cafe soll ein Café in Stuttgart werden, in dem es gleichzeitig originale Anime-Figuren, Merchandise und Ichiban Kuji gibt. Vorne sitzt man bei einem Kaffee, hinten stehen die Regale.

Die Idee kommt aus einem sehr konkreten Problem. Wer eine Figur vorbestellt, wartet oft wochenlang auf den Erscheinungstag. Und wenn man sie dann endlich in der Hand hält, will man sie jemandem zeigen. Nur gibt es dafür keinen Ort. Man packt zu Hause aus, macht ein Foto und postet es. Das ist nicht dasselbe.

Deshalb möchte ich beides an einem Ort haben: etwas zu trinken, etwas zu entdecken und jemanden, der versteht, warum man sich freut.

Wer steht hinter MirAI &cafe, und wie haben Ihre Erfahrungen als Unternehmer in Korea und Küchenchef in Deutschland das Konzept geprägt?

Ich heiße Dohyun Hong und bin selbst Sammler. Das ist der Ausgangspunkt für alles andere.

In Korea hatte ich sechs Jahre lang mein eigenes Unternehmen im Merchandise-Bereich und habe das lizenzierte Toei-Animation-Café MAHODANG aufgebaut und betrieben. Dort habe ich gelernt, wie Beschaffung funktioniert und wie Sammler wirklich ticken.

In Deutschland habe ich in der Gastronomie noch einmal von vorne angefangen und mich bis zum Küchenchef hochgearbeitet. Diese Jahre haben mich geprägt. Ich verstehe inzwischen, wie eine deutsche Küche organisiert ist, was Hygienevorschriften im Alltag bedeuten und warum am Ende die Kalkulation über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Beides zusammen ergibt MirAI &cafe. Ohne die Zeit in Korea hätte ich keinen Zugang zur Ware und kein Gefühl für die Community. Ohne die Jahre in deutschen Küchen würde ich den gastronomischen Teil unterschätzen.

Sie haben bereits ein Anime Café in Korea aufgebaut und durch die Corona Pandemie verloren. Warum haben Sie sich entschieden, noch einmal zu gründen?

Ehrlich gesagt hing ich danach noch eine ganze Weile an dem, was weg war. Das Café war kein Betrieb, den man einfach abhakt, sondern mehrere Jahre meines Lebens. Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich hätte anders machen können.

In Deutschland musste ich dann beruflich ganz unten wieder anfangen, beim Abwasch in der Küche. Der Kontrast war hart. Aber genau dort hat sich etwas verändert. Wenn man jeden Tag Neues lernt und sich Schritt für Schritt nach oben arbeitet, bleibt irgendwann keine Energie mehr für die Frage, was man verloren hat. Man fragt sich stattdessen, was als Nächstes kommt.

Das war der eigentliche Wendepunkt. Kein bestimmter Tag, sondern die Erkenntnis, dass ich nach vorne schauen muss statt zurück.

Ich gründe heute nicht, um mein altes Café zurückzuholen. Ich versuche es noch einmal, weil ich glaube, dass ich manches inzwischen besser einschätzen kann als damals.

Welche Erfahrungen aus Korea möchten Sie auf MirAI &cafe und den deutschen Markt übertragen?

Vor allem den Umgang mit Neuerscheinungen. In Korea ist ein Release ein Ereignis. Es gibt ein Datum, alle wissen davon, und am Tag selbst passiert im Laden tatsächlich etwas. Diese Dynamik wünsche ich mir auch hier.

Dazu kommt der Zugang zu echter Originalware. Ich weiß, bei welchen Lieferanten ich einkaufe und woran man gefälschte Figuren erkennt. Bei mir soll nur lizenzierte Ware im Regal stehen, damit sich niemand fragen muss, ob das Sammelstück echt ist.

Was ich nicht übernehmen möchte, ist das Tempo. In Korea läuft vieles sehr schnell und sehr laut. Mir selbst gefällt es ruhiger, und ich möchte einen Laden, in dem man in Ruhe schauen kann, ohne dass jemand hinter einem steht.

Welche Vision verfolgen Sie mit MirAI &cafe, und warum braucht die Anime und Sammler Community in Stuttgart aus Ihrer Sicht einen festen Treffpunkt?

Stuttgart hat eine große Szene, aber kaum Orte dafür. Conventions gibt es ein- oder zweimal im Jahr, Online-Shops liefern Kartons. Dazwischen ist nichts.

Meine Vision ist deshalb ziemlich unspektakulär: ein Laden mit festen Öffnungszeiten, zu dem man an einem normalen Mittwochnachmittag einfach hingehen kann. Kein Event, keine Anmeldung. Man kommt vorbei, trinkt etwas, schaut, was Neues da ist, und trifft vielleicht jemanden.

Genau das fehlt mir hier selbst. Und weil es das nicht gibt, versuche ich es aufzubauen.

Sie möchten ausdrücklich auch Menschen ansprechen, die bisher wenig mit Anime oder Ichiban Kuji zu tun haben. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Community Ort und offenem Café?

Indem der Kaffee gut ist und niemand etwas erklären muss.

Wer nur einen Cappuccino trinken will, soll einen guten Cappuccino bekommen. Es gibt keine Schwelle, keinen Test und kein Insiderwissen, das man mitbringen müsste. Der Verkaufsbereich liegt bewusst hinten und ist durch eine Wand abgetrennt. Man sieht ihn, man muss aber nicht hin.

Meine Erfahrung ist ohnehin, dass die Neugier von allein kommt. Wenn am Nachbartisch jemand ein Kuji zieht und sich freut, fragen die Leute nach. Das funktioniert besser als jede Erklärung von mir.

Guter Kaffee soll genauso wichtig sein wie Figuren und Merchandise. Warum ist die gastronomische Qualität für das Konzept entscheidend?

Weil schlechter Kaffee alles kaputt macht.

Ein Themen-Café, in dem das Getränk nur Nebensache ist, funktioniert genau einmal. Die Leute kommen aus Neugier, trinken etwas Mittelmäßiges und kommen nicht wieder. Am Ende hängt der ganze Laden am Warenverkauf, und das ist mir zu wackelig.

Ich komme aus der Küche, deshalb ist das für mich auch eine Frage des eigenen Anspruchs. Jemand soll bei uns einen Kaffee trinken können, ohne die Regale überhaupt zu beachten, und trotzdem zufrieden nach Hause gehen. Wenn das klappt, funktioniert der Rest hoffentlich auch.

Was unterscheidet MirAI &cafe von klassischen Anime Shops, Onlinehändlern oder zeitlich begrenzten Pop ups?

Man kann bleiben.

In einem normalen Shop kauft man und geht. Online kommt ein Paket. Ein Pop-up ist nach drei Wochen wieder weg, und niemand kann darauf etwas aufbauen.

Bei uns soll man sich hinsetzen können. Genau darin liegt für mich der Unterschied. Menschen kommen nicht nur wegen einer Figur, sondern weil sie irgendwo dazugehören wollen. Ein Ort mit Tischen, festen Öffnungszeiten und einem bekannten Gesicht hinter der Theke leistet etwas anderes als ein Onlineshop mit größerem Sortiment.

Tauschtreffen, Release Events und Kooperationen sollen Teil des Konzepts werden. Welche Rolle spielt die Community bereits vor der Eröffnung?

Eine große. Ich frage lieber vorher nach, statt hinterher zu raten.

Bei Startnext können Unterstützerinnen und Unterstützer zum Beispiel mit abstimmen, welche Getränke auf die erste Karte kommen. Solche Antworten sind für mich wertvoller als jede Marktanalyse, weil dahinter echte Menschen mit echten Vorlieben stehen.

Außerdem spreche ich schon jetzt mit lokalen Gruppen, mit Cosplayerinnen und Cosplayern und mit anderen Leuten aus der Szene. Wer von Anfang an dabei ist, kommt später vielleicht auch wieder. Das ist mir deutlich lieber, als am Eröffnungstag vor einem leeren Laden zu stehen.

Sie finanzieren einen Teil des Projekts über Crowdfunding. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden und welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Zum einen brauche ich das Geld für Einrichtung, Cafétechnik und den ersten Warenbestand. Zum anderen ist es der ehrlichste Test, den ich mir vorstellen kann. Wenn niemand unterstützt, will Stuttgart diesen Ort vielleicht nicht.

Die Erfahrung bisher ist anstrengender als gedacht. Man muss ständig erklären, immer wieder dieselben Fragen beantworten und aushalten, dass Reaktionen manchmal ausbleiben. Dafür sind die Rückmeldungen sehr direkt und meistens hilfreich.

Ein Punkt ist mir wichtig: Das Crowdfunding deckt nicht die kompletten Gründungskosten. Es ist ein Baustein neben Eigenmitteln und einer geplanten Bankfinanzierung. So steht es auch auf der Projektseite.

Welche Herausforderungen sehen Sie beim Aufbau eines stationären Geschäfts, das Gastronomie, Handel und Community Angebote miteinander verbindet?

Drei Bereiche gleichzeitig sauber zu betreiben, ist die eigentliche Schwierigkeit. Jeder hat eigene Regeln, eigene Genehmigungen und eigene Fehlerquellen.

Am meisten beschäftigt mich der Warenbestand. Figuren sind teuer, und falsch eingekaufte Ware steht im Regal und bindet Geld. Deshalb fange ich lieber kleiner an und erweitere erst, wenn ich weiß, was tatsächlich gefragt ist.

Dazu kommt der Standort. In Stuttgart eine bezahlbare Fläche zu finden, die auch gastronomisch nutzbar ist, ist nicht einfach. Und Veranstaltungen kosten Zeit, die im laufenden Betrieb erst einmal da sein muss.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die nach einem unternehmerischen Rückschlag noch einmal neu anfangen möchten?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht in der Position, Ratschläge zu geben. Ich stehe selbst wieder ganz am Anfang und weiß noch nicht, ob es diesmal funktioniert. Ich kann nur sagen, was ich für mich gemerkt habe.

Das Erste ist, dass es eine Weile dauern darf. Bei mir hat es lange gebraucht, bis ich aufhören konnte, im Rückblick zu leben. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass mir jemand sagt, dass diese Phase normal ist.

Das Zweite ist, dass die Zeit dazwischen nicht verloren ist. Ich habe die Jahre in deutschen Küchen lange als Umweg empfunden. Heute merke ich, dass ich ohne sie dieselben Fehler wieder machen würde.

Und das Dritte: Man muss die Schließung nicht verstecken. Ich habe lange vermieden, darüber zu sprechen, weil es sich wie ein Makel angefühlt hat. Für das Crowdfunding musste ich die Geschichte dann aufschreiben, mit allem, was schiefgegangen ist. Es hat mich niemand dafür abgeschrieben. Im Gegenteil, seitdem sind die Gespräche ehrlicher geworden.

Bildrechte: Dohyun Hong / privat

Wir bedanken uns bei Dohyun Hong für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Nullprozente: Wie zwei Brüder den Markt für alkoholfreie Getränke erobern

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Nullprozente: alkoholfreie Getränke und Weine Gründerteambild

Nullprozente zeigt, wie alkoholfreie Getränke und insbesondere alkoholfreie Weine geschmacklich, nachhaltig und gesellschaftlich immer relevanter werden

Können Sie Nullprozente kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstand, einen Onlineshop ausschließlich für alkoholfreie Getränke aufzubauen?

Die Idee dazu ist während meines Bachelorstudiums entstanden. Mein Vater hatte das Potenzial alkoholfreier Getränke schon früh erkannt und mit Somée eine eigene Range alkoholfreier Weine entwickelt. Während meines Studiums sollte ich mich intensiver um die Marke und ihre Vermarktung kümmern.

Dadurch habe ich mich erstmals wirklich intensiv mit dem Markt beschäftigt. Dabei ist mir aufgefallen, dass es zwar immer mehr hochwertige alkoholfreie Weine und andere spannende Produkte gab, aber nur wenige Anbieter, die diese Vielfalt gebündelt angeboten haben. Gleichzeitig habe ich gesehen, wie stark sich gerade die Qualität alkoholfreier Weine entwickelt.

Aus dieser Erfahrung entstand schließlich die Idee, größer zu denken und nicht nur eine einzelne Marke zu vermarkten, sondern einen spezialisierten Onlineshop aufzubauen, der gute alkoholfreie Produkte verschiedener Hersteller an einem Ort zusammenbringt. So ist Nullprozente entstanden.

Wer steht hinter Nullprozente, und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg als Gründer besonders geprägt?

Hinter Nullprozente stehen heute mein jüngerer Bruder Louis Gouverneur und ich, Christopher Gouverneur. Mit der Zeit habe ich Louis mit ins Unternehmen geholt und seitdem entwickeln wir Nullprozente gemeinsam weiter.

Besonders geprägt hat uns, wie viel man beim Aufbau eines Unternehmens in kurzer Zeit lernen muss. Gerade am Anfang haben wir vieles selbst gemacht, vom Aufbau des Shops und der Auswahl neuer Produkte über Einkauf und Marketing bis hin zu Verpackung, Versand und Kundenservice.

Dabei haben wir gelernt, dass beim Gründen nicht immer alles nach Plan läuft. Man muss ausprobieren, Fehler machen, daraus lernen und sich schnell an neue Situationen anpassen. Gleichzeitig ist es für mich etwas Besonderes, Nullprozente heute gemeinsam mit meinem Bruder aufzubauen und zu sehen, wie sich aus einer Idee während meines Studiums Schritt für Schritt ein wachsendes Unternehmen entwickelt hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nullprozente, und wie möchten Sie alkoholfreien Genuss langfristig in der Gesellschaft etablieren?

Unsere Vision ist, dass alkoholfreie Getränke irgendwann genauso selbstverständlich sind wie alkoholhaltige. Wer keinen Alkohol trinken möchte, sollte bei einem Restaurantbesuch, einer Feier oder einem gemütlichen Abend eine hochwertige und vielfältige Auswahl haben. Wir möchten zeigen, dass alkoholfreier Genuss nicht automatisch Verzicht bedeutet.

Gleichzeitig gehört Nachhaltigkeit fest zu unserer langfristigen Vision. Mit diesem Thema habe ich mich auch in meiner Masterarbeit intensiv beschäftigt. Dabei haben wir die CO₂-Bilanzen von Nullprozente für 2023 und 2024 wissenschaftlich untersucht und erstmals genau erfasst, wo unsere Emissionen entstehen und welche Möglichkeiten wir als kleines E-Commerce-Unternehmen haben, diese zu reduzieren.

Unser langfristiges Ziel ist es, unseren CO₂-Fußabdruck kontinuierlich zu senken und perspektivisch CO₂-neutral zu wirtschaften. Dabei möchten wir nicht einfach mit Nachhaltigkeit werben, sondern unsere Entwicklung anhand regelmäßiger CO₂-Bilanzen messbar und transparent machen.

Für uns gehören deshalb zwei Dinge zur Zukunft von Nullprozente zusammen: alkoholfreien Genuss gesellschaftlich selbstverständlicher zu machen und gleichzeitig ein Unternehmen aufzubauen, das möglichst verantwortungsvoll wächst. Wir möchten damit zeigen, dass Wachstum, moderner alkoholfreier Genuss und ökologische Verantwortung zusammengehören können.

An welche Zielgruppen richtet sich Nullprozente hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Sortiment erfüllen?

Unsere Zielgruppe ist tatsächlich sehr vielfältig. Wir richten uns nicht nur an Menschen, die komplett auf Alkohol verzichten, sondern vor allem auch an diejenigen, die bewusster konsumieren und ihren Alkoholkonsum reduzieren möchten. Dazu kommen beispielsweise Schwangere, Autofahrer oder Menschen, die aus persönlichen Gründen keinen Alkohol trinken möchten.

Was diese unterschiedlichen Gruppen verbindet, ist der Wunsch nach einer guten Alternative, ohne beim Geschmack und beim Genusserlebnis große Abstriche machen zu müssen. Genau hier setzen wir mit unserem Sortiment an.

Uns ist wichtig, für unterschiedliche Geschmäcker und Anlässe etwas anzubieten, vom alkoholfreien Wein zum Essen über Sekt für besondere Anlässe bis hin zu Aperitifs und Cocktails. Gleichzeitig möchten wir unseren Kunden Orientierung geben, weil die Auswahl mittlerweile sehr groß ist und die Qualitätsunterschiede teilweise erheblich sind.

Unser Anspruch ist deshalb nicht, einfach möglichst viele Produkte anzubieten, sondern ein Sortiment zusammenzustellen, in dem möglichst jeder eine alkoholfreie Alternative findet, die wirklich schmeckt.

Der Markt für alkoholfreie Getränke wächst stetig. Welche Entwicklungen beobachten Sie, und wie reagiert Nullprozente darauf?

Der Markt für alkoholfreie Getränke und insbesondere für alkoholfreie Weine und Sekte, wächst aktuell sehr stark. Wir merken, dass das Thema immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

Gleichzeitig hat sich die Qualität enorm weiterentwickelt. Gerade bei alkoholfreien Weinen kommen immer mehr spannende Produkte auf den Markt, und auch etablierte Weingüter beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema. Dadurch steigen natürlich auch die Erwartungen der Kunden: Nur alkoholfrei zu sein, reicht heute nicht mehr, das Produkt muss geschmacklich überzeugen.

Für uns ist diese Entwicklung eine große Chance. Wir beobachten den Markt sehr genau, probieren regelmäßig neue Produkte und entwickeln unser Sortiment entsprechend weiter. Dabei möchten wir aber nicht einfach jeden neuen Artikel aufnehmen. Unser Anspruch ist es, gute Produkte herauszufiltern und unseren Kunden durch Verkostungen, Vergleiche und Empfehlungen Orientierung in einem immer größer werdenden Markt zu geben.

Was macht Nullprozente aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Anbietern alkoholfreier Getränke?

Was Nullprozente besonders macht, ist für uns vor allem die persönliche Nähe zum Kunden. Gerade beim Online-Einkauf fehlt der direkte Kontakt, den man aus einem Geschäft kennt. Deshalb ist es uns wichtig, Nullprozente ein Gesicht zu geben und zu zeigen, wer hinter dem Unternehmen steht.

Das beginnt schon bei der Bestellung: Jeder Kunde bekommt von uns eine handgeschriebene Karte ins Paket. Kundenzufriedenheit steht für uns an oberster Stelle und wenn einmal etwas nicht wie geplant läuft, versuchen wir, schnell und unkompliziert eine Lösung zu finden. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Geschwindigkeit. Unsere Pakete sind in der Regel innerhalb von ein bis zwei Werktagen beim Kunden.

Dass dieser Anspruch bei unseren Kunden ankommt, sehen wir auch auf Trustpilot. Dort werden wir aktuell mit 4,8 von 5 Sternen bewertet. Zudem belegt Nullprozente derzeit Platz 3 von 15 im Bereich Getränkevertrieb und Platz 9 von 58 im Bereich Online-Marktplatz. Besonders häufig werden unsere schnelle Lieferung, die Auswahl und die Qualität positiv hervorgehoben.

Aber für uns hört der Service nicht beim Versand auf. Gerade bei alkoholfreien Getränken möchten viele Kunden wissen, was zu ihnen passt und wie sie die Produkte verwenden können. Deshalb erstellen wir beispielsweise Cocktail-Videos mit eigenen Rezepten, die wir auf unserem Blog veröffentlichen. So möchten wir nicht einfach nur Getränke verkaufen, sondern Inspiration geben und unseren Kunden helfen, neue Produkte und Möglichkeiten des alkoholfreien Genusses zu entdecken.

Ich glaube, genau diese Kombination macht Nullprozente aus: persönlicher Service, schneller Versand, eine sorgfältige Produktauswahl und echte Beratung und Inspiration rund um alkoholfreien Genuss. Auch wenn unsere Kunden online bei uns einkaufen, sollen sie das Gefühl haben, zu wissen, wer hinter Nullprozente steht.

Nach welchen Kriterien wählen Sie neue Produkte für Ihr Sortiment aus, und welche Rolle spielt dabei die Qualität?

Qualität ist für uns eines der wichtigsten Kriterien bei der Sortimentsauswahl. Deshalb wird jedes neue Produkt von uns persönlich verkostet, bevor wir entscheiden, ob wir es bei Nullprozente aufnehmen.

Dabei verkosten nicht nur mein Bruder Louis und ich. Meistens beziehen wir auch unsere Eltern sowie Freunde mit ein. Uns ist wichtig, verschiedene Meinungen zu bekommen, denn gerade beim Geschmack gibt es natürlich große Unterschiede. Was einer Person hervorragend schmeckt, kann bei der nächsten ganz anders ankommen.

Deshalb haben wir für uns eine einfache Regel entwickelt: Ein neues Produkt sollte mindestens drei Viertel der Personen bei unserer Verkostung überzeugen. Erst dann kommt es für eine Aufnahme ins Sortiment infrage.

Natürlich schauen wir zusätzlich auf Faktoren wie Zutaten, Preis-Leistungs-Verhältnis und die Positionierung des Produktes. Entscheidend bleibt für uns aber der Geschmack. Wir möchten unseren Kunden nichts anbieten, nur weil es neu oder gerade im Trend ist. Wenn ein Produkt geschmacklich nicht überzeugt, nehmen wir es nicht ins Sortiment.

Nachhaltigkeit spielt bei Nullprozente eine wichtige Rolle. Wie verbinden Sie wirtschaftliches Wachstum mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Thema, das wir nur nach außen kommunizieren möchten, sondern etwas, das wir messbar machen und langfristig in unsere Unternehmensentwicklung integrieren wollen.

Im Rahmen meines Masterstudiums Umwelt- und Betriebswirtschaft (M.A.) am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier habe ich mich deshalb auch in meiner Masterarbeit intensiv mit der Frage beschäftigt, wie ein wachsendes E-Commerce-Unternehmen wie Nullprozente seinen CO₂-Fußabdruck erfassen und langfristig reduzieren kann. Dafür haben wir vollständige CO₂-Bilanzen für 2023 und 2024 nach dem GHG Protocol erstellt.

Besonders interessant war das Ergebnis: Von 2023 auf 2024 hat sich unser Umsatz nahezu verdoppelt, während unsere CO₂-Emissionen deutlich langsamer gestiegen sind. Dadurch konnten wir die CO₂-Intensität pro Euro Umsatz um rund 22 Prozent reduzieren. Für uns zeigt das, dass wirtschaftliches Wachstum und eine bessere CO₂-Effizienz durchaus miteinander vereinbar sein können.

Nachhaltigkeit versuchen wir aber auch mit ganz einfachen Maßnahmen in unseren Alltag zu integrieren. Jeden Sonntag sammeln wir bei uns im Dorf Altpapier ein, das wir anschließend direkt als Polstermaterial für unsere Pakete wiederverwenden. Statt neues Verpackungsmaterial zu beschaffen, geben wir dem vorhandenen Papier damit einen weiteren Produktlebenszyklus. Zusätzlich setzen wir auf recycelte Kartonagen und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Liefer- und Bestellprozesse effizienter zu gestalten.

Unser langfristiges Ziel ist es, unsere CO₂-Bilanzen regelmäßig fortzuführen, die größten Emissionsquellen gezielt zu reduzieren und Nullprozente Schritt für Schritt in Richtung CO₂-Neutralität weiterzuentwickeln. Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht als einmalige Maßnahme, sondern als einen kontinuierlichen Prozess, bei dem auch viele kleine Veränderungen einen Beitrag leisten können.

Welche Herausforderungen bringt der Aufbau eines spezialisierten E-Commerce-Unternehmens mit sich, und wie gehen Sie damit um?

Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich, dass man als kleines E-Commerce-Unternehmen sehr viele Bereiche gleichzeitig abdecken muss. Mein Bruder und ich kümmern uns um vieles selbst, vom Einkauf und der Auswahl neuer Produkte über Marketing und Content bis hin zu Kundenservice, Lager und Versand. Gerade in Wachstumsphasen muss man deshalb sehr schnell lernen und Prioritäten setzen.

Eine weitere Herausforderung ist unser Sortiment selbst. Wir versenden überwiegend Glasflaschen. Das bedeutet, dass Verpackung, Lagerhaltung und Logistik besonders gut funktionieren müssen. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, Bestellungen sehr schnell zu bearbeiten und unseren Kunden eine Lieferzeit von in der Regel ein bis zwei Werktagen zu ermöglichen.

Hinzu kommt, dass wir uns in einem jungen und sehr dynamischen Markt bewegen. Ständig kommen neue Produkte und Hersteller hinzu, gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Kunden. Für uns bedeutet das, den Markt kontinuierlich zu beobachten, viel selbst zu testen und unser Sortiment immer wieder anzupassen.

Wir versuchen diese Herausforderungen vor allem pragmatisch anzugehen: ausprobieren, messen, aus Fehlern lernen und Prozesse Schritt für Schritt verbessern. Gerade als kleines Unternehmen haben wir den Vorteil, dass wir Entscheidungen schnell treffen und Veränderungen oftmals direkt umsetzen können. Und genau diese Flexibilität möchten wir uns auch bewahren, wenn Nullprozente weiter wächst.

Welche neuen Produkte, Kategorien oder Entwicklungen stehen bei Nullprozente aktuell im Fokus?

Aktuell finden wir vor allem die technologische Entwicklung bei alkoholfreien Weinen sehr spannend. In den vergangenen Jahren hat sich bei der Entalkoholisierung enorm viel getan. Für uns geht es dabei immer stärker um die Frage: Wie kann man den Alkohol entfernen und gleichzeitig möglichst viel vom ursprünglichen Charakter und den Aromen des Weines erhalten?

Ein Beispiel, mit dem wir uns aktuell intensiv beschäftigen, ist die SOLOS-Technologie mit Aromenrückgewinnung. Dabei liegt der Fokus darauf, Aromakomponenten, die während der Entalkoholisierung verloren gehen können, zurückzugewinnen und dem Wein wieder zuzuführen. Solche Verfahren können aus unserer Sicht einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die geschmackliche Qualität alkoholfreier Weine weiterzuentwickeln.

Genau solche Innovationen möchten wir mit Nullprozente frühzeitig entdecken und unseren Kunden näherbringen. Wir beobachten deshalb nicht nur neue Marken und Produkte, sondern auch die Technologien hinter den Produkten. Denn wir glauben, dass die nächsten großen Qualitätssprünge im alkoholfreien Wein vor allem durch bessere Herstellungs- und Entalkoholisierungsverfahren entstehen werden.

Daneben bleiben für uns natürlich neue alkoholfreie Weine, Sekte, Aperitifs und Cocktails interessant. Entscheidend ist aber immer: Ein neues Produkt muss uns geschmacklich überzeugen und einen echten Mehrwert für unser Sortiment bieten.

Wo soll Nullprozente in den kommenden Jahren stehen, und welche Ziele möchten Sie mit Ihrem Unternehmen erreichen?

Unser Ziel ist es, Nullprozente in den kommenden Jahren als eine der führenden Anlaufstellen für alkoholfreie Getränke in Deutschland zu etablieren und anschließend auch über Deutschland hinaus zu wachsen. Perspektivisch möchten wir europaweit versenden und damit weitere Märkte erschließen.

Ein wichtiger nächster Schritt ist außerdem der Aufbau einer eigenen Marke für alkoholfreie Weine, die aktuell unter dem Namen Vino Zero in Planung ist. Dabei möchten wir unsere Erfahrungen aus den vergangenen Jahren und aus zahlreichen Verkostungen nutzen, um Weine zu entwickeln, die genau unseren Vorstellungen von Geschmack und Qualität entsprechen.

Gleichzeitig möchten wir Nullprozente über den reinen Onlineshop hinaus als Experten und Ansprechpartner für alkoholfreien Genuss positionieren: mit Verkostungen, Rezepten, Videos, Produktvergleichen und einer persönlichen Beratung.

Auch unsere Nachhaltigkeitsziele möchten wir konsequent weiterverfolgen. Dazu gehört, unsere CO₂-Bilanzen regelmäßig fortzuführen, Emissionen weiter zu reduzieren und langfristig unserem Ziel näherzukommen, CO₂-neutral zu wirtschaften.

Unser Ziel ist also, Nullprozente nachhaltig weiterzuentwickeln, europaweit zu wachsen und mit Vino Zero zukünftig auch eigene alkoholfreie Weine auf den Markt zu bringen, ohne dabei den persönlichen Charakter zu verlieren, der Nullprozente heute ausmacht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer klaren Nische erfolgreich ein Unternehmen aufbauen möchten?

Mein erster Rat wäre: Akzeptiert, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Gerade beim Gründen gibt es ständig Situationen, die man vorher nicht vorhersehen kann. Produkte funktionieren anders als erwartet, Entscheidungen stellen sich im Nachhinein als falsch heraus oder plötzlich entsteht ein Problem, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat. Entscheidend ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen, sondern daraus zu lernen und weiterzumachen.

Mein zweiter Rat ist: Traut euch, einfach anzufangen. Man kann eine Geschäftsidee ewig planen und versuchen, für jedes Problem schon vorher eine Lösung zu finden. Viele Dinge lernt man aber erst, wenn man tatsächlich startet. Nullprozente hat sich seit der ursprünglichen Idee ebenfalls immer wieder verändert und weiterentwickelt.

Und mein dritter Rat wäre: Gründet etwas, für das ihr euch wirklich begeistern könnt. Selbstständig zu sein bedeutet natürlich viel Arbeit und Verantwortung, aber für mich macht es unglaublich viel mehr Spaß, für das eigene Unternehmen zu arbeiten. Mein Bruder und ich freuen uns tatsächlich auf jeden neuen Tag, weil wir sehen können, was wir selbst aufbauen und weiterentwickeln.

Wenn man eine klare Nische gefunden hat, an die man glaubt, sollte man deshalb nicht nur auf den schnellen Erfolg schauen. Dranbleiben, aus Rückschlägen lernen und Freude an dem haben, was man aufbaut, das ist für mich wahrscheinlich das Wichtigste.

Bild Gründerteam Bildcredits Nullprozente UG (haftungsbeschränkt)

Wir bedanken uns bei Christopher Gouverneur für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Warum Gründungsförderung mehr braucht als Wachstumskapital

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Finanzierung: Kapital durch Kleinstkredite sichern Steffen Kaiser Bildcredits Kontist

Die neue Startup- und Scale-up-Strategie der Bundesregierung setzt wichtige Akzente. Mehr Wachstumskapital, bessere Bedingungen für Ausgründungen und weniger Bürokratie sind zweifellos notwendig. Bei der Finanzierung greift die Debatte trotzdem zu kurz. Der Fokus der Strategie liegt vor allem auf technologiegetriebenen Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf. Die Gründungsrealität in Deutschland ist jedoch deutlich breiter gefächert.

Laut KfW-Gründungsmonitor haben sich 2025 rund 690.000 Menschen selbstständig gemacht, und 70 Prozent gründeten im Nebenerwerb. Aber: Viele von ihnen brauchen weder eine Series A noch Millionen für die internationale Expansion. Ihr Finanzierungsproblem beginnt bei wesentlich kleineren Beträgen. Entscheidend kann sein, ob kurzfristig 3.000, 5.000 oder 10.000 Euro verfügbar sind.

Wenn wenige Tausend Euro über Wachstum entscheiden

Kleinstkredite wirken auf den ersten Blick kaum wie ein Instrument der Wachstumspolitik. Für Gründer und Solo-Selbstständige können sie jedoch genau das sein. Sie überbrücken die Zeit, bis eine verspätete Kundenrechnung eingeht. Darüber hinaus finanzieren sie Material für einen neuen Auftrag, eine notwendige Software oder die erste größere Marketingmaßnahme. Nicht zuletzt verhindern sie, dass eine Steuervorauszahlung die operative Liquidität vollständig aufzehrt.

Wie nah diese Beträge an der tatsächlichen Gründungsrealität liegen, zeigen ebenfalls die KfW-Daten: 2025 kamen 38 Prozent aller Gründer mit höchstens 1.000 Euro aus. Weitere 33 Prozent setzten zwischen 1.000 und 10.000 Euro ein. Für einen großen Teil des Gründungsgeschehens liegt der relevante Kapitalbedarf damit weit unter den Summen, über die in der Startup-Finanzierung meist gesprochen wird.

Fehlt der Zugang zu diesen kleinen Beträgen, kann sich ein vorübergehender Engpass schnell zu einer Wachstumsbremse entwickeln. Aufträge können nicht angenommen, Investitionen nicht vorgezogen und Nebenerwerbsgründungen nicht in den Vollerwerb überführt werden. Das Problem ist also nicht nur fehlendes Kapital. Es fehlt häufig Kapital in der passenden Größenordnung, zur passenden Zeit und mit einem vertretbaren Antragsaufwand.

Warum klassische Kreditprüfungen oft zu kurz greifen

Etablierte Prüfverfahren sind oft besser geeignet für Angestellte oder Unternehmen mit einer längeren Historie. Sie orientieren sich an regelmäßigen Gehaltseingängen, Jahresabschlüssen, Sicherheiten und Vergangenheitswerten. Junge Selbstständige können vieles davon noch nicht vorweisen. Ihre Einnahmen schwanken, obwohl ihr Geschäft wirtschaftlich tragfähig sein kann.

Eine belastbare Kreditentscheidung muss deshalb nicht weniger gründlich, sondern näher am laufenden Geschäft sein. Mit Zustimmung des Antragstellers können aktuelle Kontobewegungen ein differenzierteres Bild liefern: Wie entwickeln sich die Zahlungseingänge? Wie hoch sind die laufenden Ausgaben? Werden Rücklagen für Steuern gebildet? Bestehen saisonale Muster oder starke Abhängigkeiten von einzelnen Auftraggebern?

Solche Daten ersetzen keine sorgfältige Risikoprüfung. Sie können diese jedoch verbessern. Anstatt Selbstständige allein deshalb abzulehnen, weil sie nicht in ein für Angestellte entwickeltes Raster passen, lässt sich ihre tatsächliche Zahlungsfähigkeit genauer beurteilen. Das eröffnet die Chance auf schnellere Entscheidungen und passendere Kreditbeträge.

Dabei braucht es klare Grenzen. Die Nutzung von Finanzdaten muss auf einer ausdrücklichen Einwilligung beruhen, auf den notwendigen Umfang beschränkt und nachvollziehbar sein. Automatisierung darf außerdem nicht dazu führen, dass unplausible Ergebnisse ungeprüft übernommen werden. Datenbasierte Verfahren schaffen nur dann besseren Zugang, wenn Transparenz, Datenschutz und menschliche Kontrolle mitgedacht werden.

Gründungsförderung muss die Breite des Marktes erreichen

Eine zeitgemäße Gründungsförderung sollte Wachstumskapital und Kleinstfinanzierung nicht gegeneinander ausspielen – Deutschland braucht beides. Die Instrumente müssen sich jedoch stärker an den tatsächlichen Finanzierungsphasen orientieren.

Dazu gehören niedrigschwellige Kredite für Betriebsmittel und kurzfristige Liquidität. Öffentliche Garantien und Förderprogramme sollten mit digitalen Anträgen und einer datenbasierten Prüfung verbunden werden. Der Aufwand muss zum Kreditbetrag passen. Wer 5.000 Euro benötigt, darf nicht an einem Verfahren scheitern, das für eine Finanzierung im sechsstelligen Bereich konzipiert wurde.

Zugleich sollte Gründungserfolg breiter gemessen werden. Nicht jede wirtschaftlich relevante Gründung strebt eine Finanzierungsrunde oder einen Exit an. Auch der erste feste Kundenstamm, der Wechsel in den Vollerwerb und die erste Einstellung sind Wachstum.

Die neue Strategie setzt beim großen Kapital an. Der nächste Schritt muss darin bestehen, auch die kleinen Finanzierungslücken zu schließen. Denn für viele Gründer entscheidet nicht die nächste Millionenrunde über den Erfolg, sondern der rechtzeitige Zugang zu wenigen Tausend Euro.

Autor: 

Steffen Kaiser ist Director Banking bei Kontist und Experte für Gründer sowie Freelancer.

Bild Steffen Kaiser Bildcredits: Kontist

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

elef. Fragrance: Wie ein 21-Jähriger Erinnerungen in Nischenparfüms verwandelt

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elef. Fragrance: Düfte vom Parfümeur selbst kreiert elef. Fragrance Lieven Flohr

elef. Fragrance steht für handgefertigte Düfte, die persönliche Erinnerungen einfangen und vom Gründer und Parfümeur selbst entwickelt werden

Können Sie elef. Fragrance kurz vorstellen und erzählen, wie aus persönlichen Erinnerungen die Idee für eine eigene Parfummarke entstanden ist?

elef. Fragrance ist eine deutsche Nischenparfüm-Marke für handgefertigte, besondere Düfte. Gegründet habe ich sie 2025 – ich bin gleichzeitig die Nase (der Parfümeur) dahinter, entwickle also jeden Duft selbst. Der Name kommt von meinen Initialen: L. F., ausgesprochen „el-ef“.

Angefangen hat alles 2023, als ich zum ersten Mal in Limone sul Garda war. Dort gab es eine kleine Parfümerie, in der ich mir mein erstes richtiges Parfüm gekauft habe. Dieser Duft hat mich den ganzen Urlaub begleitet – und wenn ich heute daran rieche, bin ich sofort wieder dort.

Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, was Duft eigentlich kann: Einen in Ort und Erinnerungen zurückversetzen. Genau darauf ist die Marke gebaut. Jeder elef.-Duft fängt einen konkreten Moment ein – nicht ein Konzept aus dem Marketing, sondern einen Moment, den ich selbst erlebt habe.

Wer steht hinter elef. Fragrance, und wie haben Sie sich das Wissen für die Entwicklung eigener Düfte angeeignet?

Hinter elef. steht ein 21-Jähriger. Ich habe mir das Handwerk komplett autodidaktisch beigebracht – über kleinere Kurse, Videos, Bücher, viel Eigenrecherche und vor allem über dutzende Versuche.

Parfümerie ist ein Beruf, den man in Deutschland kaum lernen kann. Es gibt keine Ausbildung, die man einfach so machen kann – die großen Häuser in Frankreich und Italien bilden intern aus und nehmen nur sehr wenige Leute. Also blieb nur der Weg über die Praxis: Rohstoffe bestellen, riechen, verstehen, kombinieren, verwerfen, neu anfangen.

Welche Vision verfolgen Sie mit elef. Fragrance, und warum möchten Sie die Marke stärker als Erlebnismarke positionieren?

Meine Vision ist, dass elef. irgendwann nicht als Parfümmarke wahrgenommen wird, sondern als Erlebnismarke – die Momente konserviert und sie immer wieder erlebbar macht.

Der Unterschied ist größer, als er klingt. Eine Parfümmarke verkauft einen Duft, der gut riecht und fast jedem gefällt. Eine Erlebnismarke verkauft die Rückkehr in ein Gefühl, einen Ort oder eine Erinnerung. Das Produkt ist dasselbe, aber der Grund, warum jemand es trägt, ist ein völlig anderer – obwohl sich das gut riechen dabei nicht ausschließt.

Langfristig will ich, dass jemand einen elef.-Duft aufmacht und sofort weiß: Daran erinnere ich mich – das ist der Moment, für den ich diesen Duft habe.

Ihre Düfte entstehen aus persönlichen Momenten und Erinnerungen. Wie übersetzen Sie solche Erlebnisse in eine konkrete Duftkomposition?

Zu dieser Frage, gebe ich ein Beispiel: Mein neuer Duft Windy Woods, der am 1. Oktober 2026 erscheint, geht auf Wanderungen und Bergabstiege zurück, die ich damals mit meinen Eltern oft gemacht habe, da diese wandern lieben. Ich stand oben, habe tief eingeatmet und bin dann langsam durch einen Nadelwald den Berg hinuntergegangen. Was ich festhalten wollte, war nicht einfach „Wald“ oder „Holz“ als Kategorie, sondern diese ganz bestimmte Stille. Kühle und klare Luft, ohne den Stress vom Alltag.

Der Übersetzungsschritt besteht dann darin, dieses Gefühl in Struktur zu übersetzen. Kühle und Klarheit brauchen andere Moleküle als Wärme. Ein Duft, der Ruhe transportieren soll, darf nicht laut anfangen. Es geht also weniger darum, die Zutaten des Ortes nachzubauen, sondern die Wirkung des Ortes. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem beschreibenden und einem erzählenden Duft.

Danach folgen die Iterationen. Bei manchen Düften waren es über vierzig Versionen, bis das Gefühl gestimmt hat.

An welche Menschen richtet sich elef. Fragrance, und was suchen Ihre Kunden abseits klassischer Mainstream Düfte?

Meine Kunden sind Menschen, die keine Lust mehr darauf haben, wie alle anderen zu riechen oder sich mit dem Momente / der Erinnerung identifizieren können. Die meisten von ihnen haben irgendwann gemerkt, dass ihnen bei einem sehr bekannten Duft ständig jemand entgegenkommt, der genau denselben trägt – und dass damit etwas verloren geht.

Was unterscheidet elef. Fragrance aus Ihrer Sicht von anderen Nischenparfum Marken?

Erstens: Bei den meisten Marken sind Gründer und Parfümeur zwei verschiedene Personen. Die Marke hat eine Idee, ein externes Duftlabor setzt sie um. Bei mir ist das dieselbe Person. Es gibt keine Übersetzungsverluste zwischen dem, der die Geschichte erzählt, und dem, der den Duft baut.

Zweitens: Jeder Duft hat einen echten, überprüfbaren Ursprung. Kein Marketing-Konzept, das man nachträglich draufschreibt, sondern ein Moment, den ich tatsächlich erlebt habe. Das kann man nicht faken, und man merkt es einem Duft an.

Drittens: Ich mache alles in kleinen Chargen von Hand. Das begrenzt mein Wachstum zwar leicht, aber es hält die Qualität und die Nähe zum Produkt.

Ich bin ehrlich, nichts davon ist ein Alleinstellungsmerkmal, das niemand kopieren könnte. Aber die Kombination aus einem Parfümeur, der gleichzeitig die Marke ist, echten Geschichten und echter Handarbeit findet man selten

Sie entwickeln, mischen und fertigen Ihre Düfte selbst in kleinen Chargen. Welche Bedeutung hat diese handwerkliche Herstellung für Ihre Marke?

Zum einen bleibt die Qualität in meiner Kontrolle. Wenn eine Charge nicht stimmt, geht sie nicht raus. Zum anderen bleibe ich nah am Produkt. Ich merke sofort, wenn sich etwas verändert hat oder eine Formel nicht so reift wie gedacht. Diese Nähe verliert man, sobald man auslagert.

Und es passt zu dem, was ich verkaufe. Es wäre komisch, von Momenten und Handschrift zu sprechen und die Produktion dann in einer Fabrik machen zu lassen.

Der Parfummarkt ist stark von großen Marken und bekannten Namen geprägt. Wie schafft sich eine junge Marke wie elef. Fragrance darin Aufmerksamkeit?

Sehr langsam und ohne Abkürzung.

Menschen kaufen nicht das Produkt, sondern die Person dahinter – konkret heißt das: Ich zeige das Handwerk.
Wie ein Duft entsteht, warum ein Rohstoff etwas bewirkt, was schiefgeht. Auf TikTok, Instagram und LinkedIn. Das erreicht keine Millionen, aber es erreicht die richtigen Leute – und es baut etwas auf, das Millionenbudgets der anderen Marken nicht können: Vertrauen in eine Person.

Der zweite Weg, den ich für den wichtigsten halte: Ich entwickle inzwischen auch Düfte im Auftrag für andere Marken und Unternehmen. Das macht mich als Parfümeur bekannt und unabhängig von meiner eigenen Marke. Dieser Ruf ist etwas, das über Jahre wächst und das man nur mit guter Arbeit beschleunigen kann.

Sie positionieren sich bewusst gegen Duftzwillinge. Warum sind eigenständige Duftkreationen für Ihre Markenidentität so wichtig?

Weil ein Duftzwilling per Definition die Erinnerung von jemand anderem transportiert – das Widerspricht ja dem, was ich möchte: Meine Erinnerungen in Düfte packen. Es wäre kurzfristig deutlich einfacher, Dupes zu verkaufen. Aber man baut damit keine komplett eigene Marke auf, sondern nur einen Vertriebsweg für die Ideen anderer.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, gleichzeitig Parfümeur, Produzent und Unternehmer einer jungen Marke zu sein?

Die größte Herausforderung ist, dass es in einem normalen Unternehmen fünf oder sechs verschiedene Stellen wären. Duftentwicklung, Produktion, Design, Marketing, Vertrieb, Buchhaltung, Recht, Regulatorik. Ich mache das alles – und zwar neben einem Vollzeitjob, der die Marke mitfinanziert.

Außerdem hat man als junge Marke wenig Puffer. Wenn ich in Verpackung und Rohstoffe für einen Launch investiere, ist das Geld weg, bevor der erste Flakon verkauft ist. Damit umzugehen, ohne in Panik falsche Entscheidungen zu treffen, ist wahrscheinlich die unterschätzteste Fähigkeit beim Gründen.

Wo soll elef. Fragrance in den kommenden Jahren stehen, und welche weiteren Entwicklungen planen Sie für die Marke?

Kurzfristig will ich die bestehenden Düfte weiterentwickeln und meine Formulierung technisch auf ein höheres Niveau bringen sowie die Sichtbarkeit meiner Marke deutlisch ankurbeln.

Mittelfristig möchte ich in ausgewählten Parfümerien stehen – aber gezielt, nicht überall. Die Marke lebt davon, dass sie nicht beliebig verfügbar ist. Lieber fünf Häuser, die verstehen, was sie da verkaufen, als fünfzig Regale, in denen ich untergehe.

Parallel baue ich die Auftragsparfümerie weiter aus, also die Entwicklung von Düften für andere Marken, Hotels und Unternehmen. Das ist ein eigenes Standbein, das gleichzeitig meinen Namen als Parfümeur trägt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Leidenschaft eine eigene Marke aufbauen möchten?

Fangt an, bevor ihr euch bereit fühlt. Ich hatte keine Ausbildung, kein Netzwerk und kein Kapital. Hätte ich gewartet, bis ich mich qualifiziert fühle, hätte ich wahrscheinlich immernoch nicht angefangen. Das meiste lernt man erst beim Machen – und zwar deutlich schneller, als wenn man sich vorher lange theoretisch vorbereitet.

Behaltet die Kontrolle über die Sache, die euch oder eure Marke ausmacht. Bei mir ist das die Duftentwicklung. Alles andere kann man irgendwann abgeben, aber den Kern nicht. Wer den auslagert, verliert genau das, was die Marke unterscheidbar macht.

Rechnet in Jahren, nicht in Monaten. Der Vergleich mit etablierten Marken macht einen fertig – die haben zwanzig Jahre Erfahrung und Budgets, die man nicht so aufholt. Wer in fünf Jahren noch da ist und in der Zeit besser geworden ist, hat einen Vorsprung, den kein Marketingbudget ersetzt. Der schwierigste Teil am Gründen ist nicht unbedingt der Start, sondern das Dranbleiben in der Phase, in der noch niemand hinschaut.

Bildcredits @ T&P Cine GmbH

Wir bedanken uns bei Lieven Flohr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Cash statt Trash: Wie reo Kosmetik-Verpackungen an den Pfandautomaten bringt

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reo: Verpackungen für die Kreislaufwirtschaft Team reo mit Eloise Mayer, Florian Mayr und Gründerin Steffanie Rainer Fotografin: Isabelle Dupont

reo entwickelt eine digitale Lösung, mit der Verpackungen über bestehende Rückgabesysteme in eine skalierbare Kreislaufwirtschaft integriert werden können

Können Sie reo kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung entstanden ist?

reo ist eine digitale Plattform, die Mehrwegverpackungen in der Kosmetik- und Körperpflegebranche möglich macht – über bestehende Pfandautomaten im Handel. Die Idee kam aus einer einfachen Beobachtung: Bei Getränken ist Rückgabe längst Alltag, bei Kosmetik gibt es dafür bislang keine Infrastruktur. Wir wollten diese Lücke schließen, ohne neue Systeme aufzubauen, und stattdessen den bereits vorhandenen Maschinenpark nutzen. Der Unterschied zu allen anderen Mehrweg-Systemen: Wir belassen den Marken ihre Identität der Verpackung; Voraussetzung zur Teilnahme sind also keine neuen Mehrweg-Gebinde, wie wir sie aus anderen Anwendungen kennen.

Bei reo hingegen behält die Marke ihre bisherige Verpackungs-Optik, diese wird nahtlos in unser System integriert. Das freut nicht nur das Marketing, sondern auch Controlling und Beschaffung in den beteiligten Unternehmen. Wir glauben an die Marken-Vielfalt im Regal und nicht an die Einheitlichkeit aller Gebinde, das ist der zentrale Unterschied. Und wir haben die Lösung geliefert – was uns am Anfang vielleicht nicht alle zugetraut hätten. Unsere Investoren aber schon, und deshalb stehen wir heute hier – mit einem einzigartigen Angebot.

Wer steht hinter reo, und welche Erfahrungen haben Sie motiviert?

Wir sind ursprünglich zu dritt: Nina Hillemeir-Köhler, Samira Nabatian und ich haben reo 2023 in Heilbronn gegründet. Jede von uns bringt unterschiedliche Erfahrungen aus Handel, Konsumgüterindustrie und Digitalisierung mit. Verbindend war die Überzeugung, dass Kreislaufwirtschaft nur dann skaliert, wenn Wiederverwenden so einfach ist wie Wegwerfen.

Welche Vision verfolgen Sie mit reo?

Wir wollen, dass Mehrfachnutzung in der Kosmetikbranche zum Standard wird – markenübergreifend und ohne Zusatzaufwand für Verbraucher:innen. Jede Verpackung bekommt über einen GS1 DataMatrix-Code eine digitale Identität, einen digitalen Zwilling. So werden Rückgabequoten, Zustand und Umlauf nachvollziehbar – die Datenbasis, die einen echten Kreislauf erst wirtschaftlich macht. Wir reden von einem Markt, der bspw. für Einweg-Shampooflaschen 400 Millionen Gebinde pro Jahr allein in Deutschland ausmacht. Und wer sich einmal in seinem Bad umschaut, erkennt sofort das riesige Potential für Mehrfach-Verwendung dieser Verpackungen.

An welche Zielgruppen richtet sich reo, und welche Vorteile bietet das System?

Verbraucher:innen bekommen einen einfachen, vertrauten Rückgabeweg und eine Cashback-Prämie: 29 Cent für jede zurückgegebene Verpackung, geschenkt von reo. Marken erhalten dadurch belastbare Daten zu Rückläufen und Nutzungsverhalten. Unsere Handelspartner – initiativ Kaufland und Voll-Corner – gewinnen ein zusätzliches, kommunizierbares Nachhaltigkeitsangebot, das auf vorhandener Infrastruktur läuft – ohne Investition in bspw. neue Automaten. Dazu kommt: in der Regel wird der Cashback in der Filiale re-investiert. Unsere Handelspartner bekommen durch reo prognostisch Hunderttausende neue Kund:innen in ihr Filialnetz, ohne dafür auch nur 1 Cent zusätzlich investieren zu müssen, denn die Leergut-Automaten sind dort bereits in Betrieb. Win-win-win mit Sonderziehung, sozusagen.

Warum ist die Nutzung bestehender Pfandautomaten aus Ihrer Sicht besonders?

Weil sie sofort skaliert. Statt jahrelang eigene Rücknahme-Infrastruktur aufzubauen, docken wir an ein System an, das Handel und Verbraucher:innen bereits kennen und nutzen: retailseitige Infrastruktur, Rücknahme-Mechaniken etablierter Logistiker und unsere einzigartige und kosmetik-zertifizierte Reinigungs-Lösung. Das senkt die Einstiegshürde für alle Beteiligten enorm – sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich.

Welche Herausforderungen mussten Sie meistern?

Technisch war die größte Aufgabe, Verpackungen zuverlässig über Standard-Pfandtechnik zu erfassen, obwohl sie nicht für Kosmetik gedacht ist. Organisatorisch ging es darum, Handel, Hersteller und Automatenbetreiber auf eine gemeinsame Sprache – GS1 Standards – zu bringen, damit Daten systemübergreifend funktionieren. Kommunikativ ging es um das Umsetzen einer Verhaltensänderung, da wir nicht den 20. Proteinriegel in’s Regal legen, der den 19. verdrängt, sondern den Verbaucher:innen ein Handlungsmuster an die Hand geben, welches vorbildlich ist und die early adoption sogar mit 29 Cent pro Verpackung belohnt. Das sind bei 100 Verpackungen immerhin stabile 29 Euro: umsonst, gratis und geschenkt. Von reo, für die Kund:innen unserer Partner. CASH STATT TRASH!

Welche Erkenntnisse aus dem Münchner Pilotprojekt sind für Sie besonders wertvoll?

Der Test mit Kaufland und VollCorner in München zeigt uns vor allem, wie intuitiv Kund:innen das System annehmen, wenn Kennzeichnung an Regal und Verpackung eindeutig sind. Gleichzeitig liefert er belastbare Daten zu Rückgabequoten, die wir jetzt in die nächste Ausbaustufe einfließen lassen. Auf Basis dieser Datenlage konnten wir Kaufland davon überzeugen, einen weiteren Ballungsraum anzuschließen: Heilbronn und Umland sind seit Juli ebenfalls live in unserem System und liefern wertvolle Erkenntnisse und damit noch mehr Empirie.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Handel und Marken für den langfristigen Erfolg?

Entscheidend. Ein Kreislaufsystem funktioniert nur, wenn alle Beteiligten mitziehen – deshalb arbeiten wir von Anfang an eng mit Partnern wie Kaufland, VollCorner, lavera, Kneipp, Santé und Logona zusammen. Die Naturkosmetik-Marken haben Vorbildlichkeit und Innovation in ihrer DNA, deshalb sprechen wir dieselbe Sprache und können Entscheidendes lernen, was auch für etablierte Industrie-Unternehmen der Branche wichtig ist, die in unserem System tatsächlich sehr willkommen sind. Erste Gespräche fanden bereits statt, und da reden wir auch nicht mehr von Naturkosmetik, sondern dem nächstgrößeren Segment. reo versteht sich demnach als der natürliche Infrastrukturpartner, nicht als eine isolierte Zusatzlösung.

Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen aktuell im Fokus?

Wir sprechen aktuell mit weiteren Marken- und Handelspartnern, verfeinern unser Marketing in Hinblick auf Roll-out-Anforderungen und arbeiten an der Skalierung unserer eigenen digitalen Plattform, damit diese auch für weitere Warengruppen und Regionen einsatzbereit wird. Körperpflege ist erst der Anfang. Wir arbeiten hierbei übrigens vorausschauend in Bezug auf die aktuellen Gesetzgebungen (Stichwort PPWR / DPP), die ab 2030 EU-weit für alle Inverkehrbringer gelten. reo ist die smarte Lösung, um all diese Anforderungen zu erfüllen. Auch für die Klimabilanzierung der beteiligten Unternehmen sind wir ein wertvolles Asset.

Sie sind Teil von butterfly & elephant, dem GS1 Germany Accelerator. Welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Die Beteiligung von butterfly & elephant ist für uns mehr als Kapital: Es öffnet uns Zugang zu GS1 Standards und einem einzigartigen Handels- und Industrienetzwerk, das für die Skalierung unseres Modells entscheidend ist. Mehrfachnutzung funktioniert nur, wenn alle Beteiligten dieselbe Sprache sprechen – genau das ermöglicht diese Partnerschaft.

Gab es durch butterfly & elephant bereits wertvolle Impulse, Kontakte oder Partnerschaften?

Ja – der direkte Draht zu GS1 Germany hat uns geholfen, unsere Kennzeichnung sauber an bestehende Standards anzudocken und schneller mit weiteren Handelspartnern ins Gespräch zu kommen, als wir das allein geschafft hätten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründer:innen geben, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen bestehende Branchen verändern wollen?

Erstens: Baut auf vorhandener Infrastruktur auf, statt das Rad neu zu erfinden – das spart Zeit und gibt Vertrauen.
Zweitens: Sucht euch früh engagierte Partner aus Handel und Industrie, die eure Idee im Alltag testen, nicht nur im Pitch.
Drittens: Sustainability muss für Endkund:innen so einfach sein wie der bisherige Weg – sonst heißt es sterben in der Nische.

Nur wenn ein Nachhaltigkeits-Angebot so attraktiv ist, dass damit die viel zitierte Green Fatigue überwunden werden kann, besteht die Chance auf echte Verhaltensänderung – und damit eine der größten Disruptionen, die im gesamten FMCG-Markt denkbar sind.

So etwas zu bauen, ist extrem attraktiv. Und am besten ohne Zeigefinger, aber mit ausgestreckter Hand. Soll heißen: Wandel wird wirksam, wenn wir die Menschen dabei abholen, was sie ohnehin suchen: ein Angebot zur Teilhabe, zur Selbstwirksamkeit. Also Gutes tun, aber ohne Besserwisserei. Das richtige Leben – in Leichtigkeit. Selbstverständlich korrekt, aber bitte ohne anstrengend zu sein.

Wir glauben fest daran, dass wir mit unserem Modell der incentivierten Verpackungs-Abgabe die notwendigen 60 % der Verhaltens-Flexitarier zu Rückgabe-Wiederholern machen. Dann wird auf Strecke die Mehrheit der Vernünftigen unser System tragen, und es wird irgendwann die Frage aufkommen: „Wie – du schmeißt echt noch weg?“

Wichtig: Im Testzeitraum werden die zurückgegebenen Verpackungen noch nicht wiederverwendet – es entsteht also noch kein Mehrwegkreislauf, sondern die Verpackungen werden fachgerecht im gelben Sack recycelt.

Bild: Team reo mit Eloise Mayer, Florian Mayr und Gründerin Steffanie Rainer Fotografin: Isabelle Dupont

Wir bedanken uns bei Steffanie Rainer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

EIT Urban Mobility: 36 Millionen Euro für Europas Mobility-Startups

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Mobilität: EIT Urban Mobility stärkt Start-ups

EIT Urban Mobility unterstützt Start-ups dabei, innovative Lösungen für eine nachhaltige Mobilität in Europa zu entwickeln, zu finanzieren und erfolgreich zu skalieren.

Können Sie EIT Urban Mobility kurz vorstellen und erläutern, welche Rolle die Initiative bei der Förderung von Mobilitätsinnovationen in Europa übernimmt?

EIT Urban Mobility ist die größte Innovationsgemeinschaft Europas im Bereich der urbanen Mobilität und eine Initiative des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT), einer Einrichtung der Europäischen Union. Unsere Mission ist es, europäische Städte bei dem Übergang zu einer nachhaltigeren, inklusiveren und resilienteren Mobilität zu unterstützen.

Dies erreichen wir, indem wir Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördern – von der Bildung und Kompetenzentwicklung bis hin zur Schaffung neuer Märkte, öffentlich-privater Partnerschaften und Investitionen. Innerhalb dieses Ökosystems stellt Impact Ventures Finanzmittel für vielversprechende Mobilitäts-Start-ups von der Pre-Seed-Phase bis zur Serie A bereit. Unser Fokus liegt auf Start-ups mit Lösungen in den Bereichen Elektrifizierung und alternative Kraftstoffe, KI und Mobilitätsdatenmanagement, nachhaltige Stadtlogistik, öffentlicher und gemeinschaftlicher Verkehr sowie Gesundheit und Mobilität. Zwischen 2026 und 2028 werden wir rund 36 Millionen Euro bereitstellen, wobei die Investitionen bis zu 2,5 Millionen Euro betragen können.

Investitionen sind jedoch nur ein Teil des Ganzen. Was Gründer oft am dringendsten benötigen, ist Zugang: zu Kunden, Partnern, Städten, Investoren und dem richtigen Fachwissen. Durch unser Netzwerk aus mehr als tausend Organisationen helfen wir Unternehmen dabei, ihre Lösungen zu testen, in neue Märkte zu expandieren und sich in der komplexen regulatorischen Landschaft Europas zurechtzufinden. Unser Ziel ist es nicht nur, Innovationen zu finanzieren, sondern den besten Mobilitätsunternehmen dabei zu helfen, schneller zu wachsen und europaweit eine bedeutende Wirkung zu erzielen.

Frau Xifara, Sie verantworten als Director of Impact Ventures die Investitionsstrategie für Start-ups. Welche Kriterien sind für Sie entscheidend, wenn Sie in junge Unternehmen investieren?

Es gibt keinen einzelnen Faktor, der eine Investitionsentscheidung bestimmt. Die besten Unternehmen vereinen ein herausragendes Team, ein bedeutendes Problem und eine Lösung, die das Potenzial hat, zu einem skalierbaren Geschäft zu werden. Wir verfügen über ein umfassendes Bewertungssystem, aber wenn ich einen Aspekt hervorheben müsste, wären es immer die Gründer.

In der Phase, in der wir investieren, werden sich Unternehmen weiterentwickeln, Produkte werden sich verändern, Geschäftsmodelle werden angepasst und Märkte werden sich weiterentwickeln. Am wichtigsten ist, ob die Gründer über die nötige Belastbarkeit, das technische Fachwissen und das unternehmerische Urteilsvermögen verfügen, um Unsicherheiten zu meistern und die richtigen Entscheidungen zu treffen, während das Unternehmen wächst. Deshalb legen wir Wert auf vielfältige Teams, denn unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven führen oft zu besseren Entscheidungen und stärkeren Unternehmen.

Was das Problem und die Lösung angeht, achten wir über die technische Ausgereiftheit und Differenzierung eines bestimmten Produkts hinaus besonders auf den Markt. Die urbane Mobilität ist ein komplexer Sektor mit langen Verkaufszyklen und vielen Akteuren, und die Herausforderung besteht darin, sich in ein fragmentiertes Ökosystem aus Städten, Betreibern, Regulierungsbehörden und Infrastruktur zu integrieren. Es ist wirklich wichtig, diese Komplexität vom ersten Tag an zu verstehen. Wir wollen verstehen, warum Kunden ein Produkt annehmen werden, wer dafür bezahlen wird, welche Hindernisse der Einführung im Wege stehen und ob das Unternehmen einen realistischen Weg zur europaweiten Skalierung hat.

Neben diesen drei Punkten ist es wichtig, dass die Investitionsmöglichkeiten zu unserem Auftrag passen. Wir investieren in Unternehmen mit Sitz in der EU und in mit „Horizon Europe“ assoziierten Ländern, die die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und gleichzeitig zu einer nachhaltigeren städtischen Mobilität beitragen können. Wir sind ein Impact-Investor, betrachten jedoch die gesellschaftliche Wirkung und die finanzielle Performance nicht als getrennte Ziele. Eine nachhaltige Wirkung entsteht durch den Aufbau von Unternehmen, die wirtschaftlich erfolgreich und finanziell tragfähig sind.

Welche Vision verfolgt EIT Urban Mobility, und wie möchten Sie den Wandel hin zu einer nachhaltigen und barrierefreien urbanen Mobilität in Europa beschleunigen?

Unsere Vision ist es, europäische Städte lebenswerter zu machen, indem wir die Art und Weise verändern, wie sich Menschen und Güter in ihnen bewegen. Neben der Finanzierung von Technologien erfordert dies die Zusammenarbeit von Städten, Unternehmen, Forschern, Bildungseinrichtungen und Investoren – oft über nationale Grenzen hinweg –, um Innovationen in Lösungen umzusetzen, die die Menschen täglich nutzen.

EIT Urban Mobility wurde gegründet, um diese Gruppen miteinander zu vernetzen. Wir unterstützen Innovationsprojekte, helfen bei der Erprobung und Einführung neuer Lösungen in Zusammenarbeit mit Städten, fördern die Kompetenzentwicklung durch unsere Bildungsprogramme und vernetzen öffentliche und private Organisationen in ganz Europa. Unsere Arbeit konzentriert sich auf Branchen, die die europäischen Prioritäten widerspiegeln. Im Rahmen dieses übergeordneten Auftrags konzentriert sich die Abteilung „Impact Ventures“ darauf, vielversprechende Start-ups dabei zu unterstützen, sich zu Unternehmen zu entwickeln, die bedeutende Veränderungen in großem Maßstab bewirken können.

EIT Urban Mobility arbeitet mit Start-ups, Unternehmen, Hochschulen und dem öffentlichen Sektor zusammen. Warum ist diese enge Zusammenarbeit für erfolgreiche Innovationen so wichtig?

Innovation im Bereich Mobilität ist von Natur aus kooperativ, da Mobilität ein System ist. Selbst die fortschrittlichste Technologie wird es ohne die Zusammenarbeit zwischen Städten, Betreibern, Regulierungsbehörden, Forschern und der Industrie schwer haben, den Markt zu erreichen. Jeder Akteur bringt unterschiedliche Perspektiven und Anreize mit, und nachhaltiger Fortschritt hängt davon ab, dass alle Beteiligten von Anfang an an einem Strang ziehen.

Das ist der Gedanke hinter dem „Wissensdreieck“ von EIT Urban Mobility, das Bildung, Innovation und Investitionen miteinander verbindet. In der Praxis bringen Hochschulen neue Ideen und Talente hervor, Unternehmen entwickeln Produkte und Dienstleistungen, während Städte das reale Umfeld bieten, in dem neue Lösungen getestet, verbessert und eingeführt werden können.

Für die von uns unterstützten Start-ups schafft Zusammenarbeit Chancen, die weit über die reine Finanzierung hinausgehen. Über unser Netzwerk erhalten Gründer Zugang zu Pilotprojekten, kommerziellen Partnerschaften, neuen Märkten und Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern, deren Aufbau sonst Jahre dauern würde.

Vor Kurzem haben Sie 2,5 Millionen Euro in das deutsche Startup NexDash investiert. Was hat Sie an diesem Unternehmen und seinem Geschäftsmodell besonders überzeugt?

NexDash steht für eine neue Generation von Frachtunternehmen in Europa. Diese verbinden Technologie und Betrieb, um die Elektrifizierung im großen Maßstab voranzutreiben. Zwar wird die Technologie für Elektro-Lkw immer ausgereifter und der regulatorische Druck nimmt zu, doch die Einführung verläuft nach wie vor nur langsam. Für die meisten Betreiber erfordert der Wandel Kapital, betriebliche Fachkompetenz und die Fähigkeit, ein grundlegend anderes Flottenmodell zu verwalten.

NexDash begegnet dieser Herausforderung als Vertreter einer neuen Generation von Logistikunternehmen, die auf vollständiger vertikaler Integration basieren, die durchgängige Verantwortung für die Elektrifizierung der Flotte sowie den Betrieb übernehmen. Durch die Übernahme mittelständischer Spediteure, die Umstellung ihrer Flotten auf Elektroantrieb und das Leistungsmanagement über das firmeneigene, KI-gesteuerte Betriebssystem NexOS bietet NexDash traditionellen Transportunternehmen einen skalierbaren, integrierten Weg zur Umstellung auf den elektrischen Güterverkehr. Damit unterstützt das Unternehmen die Mission von EIT Urban Mobility, nachhaltige Mobilität in ganz Europa voranzutreiben.

Mit der neuen Partnerschaft zwischen EIT Urban Mobility und Techstars möchten Sie Gründerinnen und Gründer in einer frühen Phase unterstützen. Welche Chancen eröffnet dieses Programm für europäische Mobility-Startups?

Der „Techstars x EIT Urban Mobility Founder Catalyst“ verbindet das weltweit bewährte Gründerförderungsmodell von Techstars mit dem europäischen Mobilitäts-Ökosystem und der Investitionsplattform von EIT Urban Mobility. Er ist darauf ausgelegt, Gründern praktische Unterstützung in einer Phase zu bieten, in der die richtige Beratung und die richtigen Kontakte den größten Einfluss haben können.

Techstars verfügt über eines der weltweit stärksten Gründerförderungsprogramme mit bewährter Expertise in den Bereichen Mentoring und Unternehmensaufbau sowie über ein globales Netzwerk aus erfolgreichen Unternehmern, Investoren und Akteuren der Branche. EIT Urban Mobility bringt fundiertes Mobilitäts-Know-how und ein einzigartiges europäisches Ökosystem ein, das Städte, Unternehmen, Universitäten, Investoren und politische Entscheidungsträger umfasst. Gemeinsam erhalten Gründer sowohl erstklassige Unterstützung für ihr Start-up als auch direkten Zugang zu den Menschen und Organisationen, die die Zukunft der Mobilität in Europa gestalten. Das Programm läuft über drei Jahre und umfasst mehrere 10-wöchige Kohorten. Dadurch entsteht ein langfristiger Nachschub an Mobilitätsgründern, die Teil sowohl der Techstars- als auch der EIT Urban Mobility-Community werden.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren für verantwortungsvolle Investitionen und ESG im Venture Capital. Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung heute bei Investitionsentscheidungen?

Als Investoren müssen wir über die aktuelle Marktlage hinausblicken und berücksichtigen, in welche Richtung sich die Märkte entwickeln. Nachhaltigkeit spielt bei dieser Einschätzung eine immer wichtigere Rolle, da Regulierung, Kundenerwartungen und Technologie die Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen grundlegend verändern. Unternehmen, die auf diese Veränderungen reagieren können, sind oft am besten für langfristiges Wachstum positioniert.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Unternehmen mit einem Nachhaltigkeitskonzept eine gute Investition ist. Wir suchen nach Unternehmen, bei denen sich wirtschaftlicher Erfolg und messbare Wirkung gegenseitig verstärken. Wir prüfen, ob Gründer ihre Ambitionen in greifbare Ergebnisse umsetzen können, ob diese Ergebnisse mit dem Wachstum des Unternehmens skalieren und ob das Unternehmen mit der für langfristiges Wachstum erforderlichen Unternehmensführung und Resilienz aufgebaut wird.

Die vielversprechendsten Chancen bieten Unternehmen, bei denen wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Wirkung strukturell aufeinander abgestimmt sind. Wenn jeder zusätzliche Kunde weniger Emissionen, sicherere Straßen oder einen besseren Zugang zu Mobilität bedeutet, wird die gesellschaftliche Wirkung zu einem Wachstumsmotor und nicht nur zu einem separaten Engagement. Das sind die Unternehmen, die sowohl starke Renditen als auch nachhaltigen Wert für europäische Städte schaffen können.

Welche Herausforderungen beobachten Sie derzeit bei europäischen Mobility-Startups, wenn es um Finanzierung, Skalierung und den Markteintritt geht?

Der Aufbau eines Mobilitätsunternehmens bedeutet, in einem der komplexesten Innovationsumfelder tätig zu sein. Einige Start-ups benötigen erhebliches Kapital, um neue Technologien zu entwickeln und einzuführen, während andere vor einer anderen Herausforderung stehen: Lösungen in einem Sektor auf den Markt zu bringen, der durch lange Beschaffungszyklen, uneinheitliche Regulierung und zahlreiche Entscheidungsträger geprägt ist. Die Zusammenarbeit mit Städten, Verkehrsbetrieben und Behörden erfordert Geduld, Vertrauen und ein tiefes Verständnis dafür, wie das Mobilitätsökosystem funktioniert.

Deshalb geht unsere Rolle weit über reine Investitionen hinaus. Wir unterstützen Unternehmen durch ein auf diese Herausforderungen zugeschnittenes Rahmenkonzept zur Wertschöpfung und helfen ihnen dabei, Zugang zu Kunden, strategischen Partnern, Fachwissen und Folgekapital zu erhalten. Gleichzeitig nutzen wir unser europäisches Netzwerk, um die Expansion in neue Märkte zu fördern. Unser Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass vielversprechende Unternehmen erfolgreich skalieren.

Lokale Innovationsökosysteme sind ein wichtiger Bestandteil dieses Ansatzes. Durch Partnerschaften mit Organisationen wie dem Moove Lab in Paris, MotionLab.Berlin und Sustainable Ventures in London verbinden wir lokale Marktkenntnisse mit einem europaweiten Netzwerk. So helfen wir Gründern, sich in neuen Märkten effektiver zurechtzufinden, und stärken gleichzeitig die Verbindungen innerhalb des europäischen Mobilitätsökosystems. Europa verfügt über außergewöhnliche Gründer und Innovationen von Weltklasse. Die Herausforderung besteht nicht darin, neue Ideen zu entwickeln, sondern darin, mehr dieser Unternehmen dabei zu unterstützen, zu globalen Unternehmen heranzuwachsen.

Europa verfügt über viele innovative Gründerinnen und Gründer. Was braucht das europäische Startup-Ökosystem aus Ihrer Sicht, um international noch wettbewerbsfähiger zu werden?

Europa verfügt über alle Voraussetzungen für ein florierendes Start-up-Ökosystem: außergewöhnliche Talente, Forschung auf Weltklasseniveau, starke industrielle Kapazitäten und einen Markt mit mehr als 450 Millionen Menschen. Nun bietet sich die Chance, Europa stärker als einen einheitlichen Innovationsmarkt zu gestalten, damit Start-ups grenzüberschreitend mit derselben Zuversicht expandieren können wie auf ihrem Heimatmarkt.

Heute bedeutet die Expansion in ein anderes europäisches Land oft, sich in unterschiedlichen rechtlichen, regulatorischen und administrativen Systemen zurechtfinden zu müssen. Das kostet Zeit und Ressourcen, die besser für die Produktentwicklung und die Kundengewinnung genutzt werden könnten. Initiativen wie das vorgeschlagene „28th Regime“ haben das Potenzial, diesen Weg zu vereinfachen, indem sie die Fragmentierung verringern und es innovativen Unternehmen erleichtern, europaweit zu expandieren.

Gleichzeitig wird die Gesetzgebung allein nicht ausreichen, um das volle Potenzial Europas freizusetzen. Gründer benötigen zudem Zugang zu Kunden, Talenten, Kapital und strategischen Partnern über ihren Heimatmarkt hinaus. Ebenso wichtig wird es sein, die Verbindungen zwischen den lokalen Innovationsökosystemen Europas zu stärken und diese Netzwerke effektiver zusammenarbeiten zu lassen. Wenn es uns gelingt, einen stärker integrierten Markt mit einer intensiveren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu verbinden, wird Europa in einer noch besseren Position sein, um global wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen und gleichzeitig die Vielfalt zu bewahren, die sein Innovationsökosystem einzigartig macht.

Welche Mobilitätstrends werden aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen in europäischen Städten in den kommenden Jahren auslösen?

Drei Trends prägen die urbane Mobilität neu: die zunehmende Bedeutung von KI und autonomer Technologie, der Bedarf an resiliente Infrastruktur und ein stärkerer Fokus darauf, bestehende Verkehrssysteme besser funktionieren zu lassen. Zusammen spiegeln sie einen umfassenderen Wandel hin zu Lösungen wider, die Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit verbessern, anstatt lediglich neue Infrastruktur zu schaffen.

Der erste Trend ist die KI.

Wir bewegen uns weit über KI als Software-Tool hinaus hin zu KI, die in physische Systeme eingebettet ist. Von der vorausschauenden Instandhaltung im Schienenverkehr mit Unternehmen wie PANTOhealth bis hin zum autonomen Betrieb mit OTIV und Zeabuz verbessert KI die Zuverlässigkeit, Sicherheit und Effizienz bestehender Verkehrssysteme, anstatt diese einfach zu ersetzen.

Der zweite Trend ist die Infrastruktur.

Europas Prioritäten in den Bereichen Dekarbonisierung, Energiesicherheit und Widerstandsfähigkeit gestalten die Investitionen neu. Deshalb beobachten wir nicht nur bei der Elektrifizierung eine starke Dynamik, sondern auch bei der Batteriereparatur, der Zweitverwertung und dem Recycling durch Unternehmen wie NOWOS und R3 Robotics. Der Fokus verlagert sich von der Herstellung weiterer Batterien hin zu einer besseren Nutzung der bereits im Umlauf befindlichen Batterien, während gleichzeitig die industrielle Widerstandsfähigkeit Europas gestärkt und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen verringert wird.

Der dritte Trend ist eine Hinwendung zu Geschäftsmodellen, die die Leistungsfähigkeit bestehender Verkehrsnetze verbessern, anstatt eine völlig neue Infrastruktur zu erfordern.

Unternehmen wie Meight und Optiyol nutzen KI und Daten, um den Güterverkehr deutlich effizienter zu gestalten, während neue, betreiberunabhängige Ansätze für die „Last-Mile“-Logistik Kosten und Staus reduzieren, ohne die ohnehin schon überlasteten Städte mit weiteren Fahrzeugen zu belasten. Zudem beobachten wir eine zunehmende Verbreitung servicebasierter Modelle, bei denen Funktionen wie Autonomie oder Flottenoptimierung als Dienstleistung bereitgestellt werden, wodurch fortschrittliche Technologien zugänglicher und einfacher einsetzbar werden.

Allen drei Trends ist gemeinsam, dass Innovation zunehmend systemisch wird. Die größten Auswirkungen werden weniger von einzelnen technologischen Durchbrüchen ausgehen, sondern vielmehr von der Vernetzung von Energie, Infrastruktur, Software und Betriebsabläufen zu integrierten Mobilitätssystemen, die sauberer, intelligenter und widerstandsfähiger sind. Genau hier werden sich unserer Meinung nach in den kommenden Jahren einige der bedeutendsten Chancen ergeben.

Welche Schwerpunkte und Initiativen stehen bei EIT Urban Mobility in den nächsten Jahren im Fokus?

In den kommenden Jahren liegt der Schwerpunkt von EIT Urban Mobility darauf, dazu beizutragen, dass mehr Mobilitätsinnovationen den Sprung von vielversprechenden Ideen zur praktischen Umsetzung schaffen. Das bedeutet, den gesamten Innovationsprozess zu unterstützen – von der Ausbildung über erste Experimente bis hin zur Kommerzialisierung, Investition und internationalen Expansion. Europa verfügt bereits über eine starke Innovationskraft. Die nächste Herausforderung besteht darin, mehr Lösungen auf den Markt zu bringen und deren erfolgreiche Skalierung zu fördern.

Um dieses Ziel zu unterstützen, werden wir im Rahmen unserer Innovationsaktivitäten rund 60 Millionen Euro über Programme bereitstellen, die Städten und Unternehmen dabei helfen, neue Mobilitätslösungen europaweit zu testen, zu validieren und zu skalieren. Gleichzeitig wird unsere Akademie weiterhin die für den Mobilitätswandel erforderlichen Kompetenzen entwickeln, während Impact Ventures zwischen 2026 und 2028 rund 36 Millionen Euro in Mobilitätsunternehmen in der Frühphase investieren wird. Darüber hinaus wird der „Techstars x EIT Urban Mobility Founder Catalyst“ dazu beitragen, die nächste Generation von Mobilitätsgründern zu stärken.

Letztendlich liegt unser Fokus darauf, die Voraussetzungen für den Erfolg von Innovationen zu schaffen, indem wir Städte bei der Einführung neuer Lösungen unterstützen, Gründer bei der Skalierung begleiten und sicherstellen, dass vielversprechende Technologien europaweit eine spürbare Wirkung entfalten können.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Mobilitätslösungen einen nachhaltigen Beitrag für die Städte von morgen leisten möchten?

Anstatt Ratschläge zu geben, möchte ich drei Eigenschaften nennen, die ich bei Gründern der erfolgreichsten Unternehmen immer wieder beobachte:

Die erste ist ein tiefes Verständnis für das Problem, das sie zu lösen versuchen. Die besten Unternehmer verwenden genauso viel Zeit darauf, ihre Kunden und das gesamte Mobilitätssystem zu verstehen, wie darauf, die Technologie selbst zu verfeinern.

Das zweite Merkmal ist eine außergewöhnliche Umsetzungsstärke. Der Aufbau eines Unternehmens verläuft selten geradlinig, insbesondere im Mobilitätsbereich. Start-ups in der Frühphase halten sich selten an ihren ursprünglichen Plan; daher zeichnet sich ein Team dadurch aus, dass es schnell lernt, sich anpasst und trotz Unsicherheiten stetige Fortschritte erzielt.

Das dritte Merkmal ist die Erkenntnis, dass dauerhafte Veränderungen durch Zusammenarbeit entstehen. Die erfolgreichsten Unternehmen verstehen, dass nachhaltige Wirkung durch die Zusammenarbeit mit Städten, Betreibern, der Industrie und politischen Entscheidungsträgern entsteht – und nicht dadurch, dass sie versuchen, das System im Alleingang zu verändern. Mobilitätslösungen entfalten nur dann echte Wirkung, wenn sie übernommen und in bestehende Systeme integriert werden können. Erfolgreiche Gründer verstehen es, mit Städten, Betreibern, der Industrie und politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten, um Innovationen in sinnvolle Veränderungen umzusetzen. Letztendlich ist es diese Kombination aus Neugier, Umsetzung und Zusammenarbeit, die neuen Ideen die größten Chancen bietet, die Art und Weise zu verbessern, wie sich Menschen in europäischen Städten fortbewegen.

Bildcredits  EIT Urban Mobility

Wir bedanken uns bei Denise Xifara für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von der eigenen Erfahrung zum Health-Startup: Friderike Bruchmann über XO Life

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Patienten: brite als digitale Plattform von XO Life Friderike Bruchmann XO Life

XO Life möchte mit brite die digitale Gesundheitsversorgung neu denken und Patienten von den ersten Symptomen bis zur langfristigen Therapie kontinuierlich begleiten

Stellen Sie XO Life doch kurz vor. Wer steckt hinter dem Startup und welche Erfahrungen bringt das Team mit?

Hinter XO Life steht ein Team von knapp dreißig Personen mit einem klaren Schwerpunkt auf Produkt- und Technologieentwicklung – alles in-house, mit einem starken Fokus auf KI. Ergänzt wird das durch ein eigenes medizinisches Team, das sicherstellt, dass unsere Lösungen klinisch fundiert und regulatorisch compliant sind.

Ich bin Friderike Bruchmann, Gründerin und CEO. Ich habe Technologiemanagement studiert und viele Jahre mit Daten gearbeitet – das prägt bis heute, wie wir bei brite an Produktentwicklung und Entscheidungen herangehen.

Was uns als Team besonders macht: Wir haben die Expertise wirklich intern aufgebaut – über Jahre am Markt, mit echtem Geschäft im Rücken. Das erlaubt uns heute, sehr erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten zu gewinnen, die die besten Trends und Entwicklungen direkt einbringen. Und was mich persönlich sehr freut: Wir kommen aus über vierzehn Nationen – das bringt eine echte globale Perspektive in alles, was wir tun.

Wie entstand die Idee, eine digitale Plattform für Patientenbegleitung und Therapiesupport aufzubauen?

Die Idee entstand aus einer ganz persönlichen Erfahrung. Während meiner Doktorarbeit hatte ich Nebenwirkungen aufgrund eines Medikaments – und habe natürlich angefangen, im Internet zu recherchieren. Heute würde man ChatGPT, Claude oder Perplexity befragen. Was mir damals wie heute fehlt, ist eine wirklich vertrauenswürdige, gut gestaltete Plattform, auf der ich als Patient meine Erfahrungen teilen, mich selbst managen und tracken kann – mit einer User Experience, die ernst nimmt, was ich durchmache.

Was mich aber noch mehr beschäftigt hat: Diese Daten, die Patienten täglich erzeugen, werden kaum genutzt – weder von Ärzten noch von Pharmaunternehmen, obwohl sie enormen klinischen und kommerziellen Wert hätten. Ich wollte eine bidirektionale Plattform schaffen, auf der Patienten nicht nur Daten eingeben, sondern auch wirklich relevante Insights zurückbekommen. Eine Plattform, auf der jeder Patient zählt und ernst genommen wird – so wie man es von exzellentem Kundensupport kennt, nur eben im Gesundheitsbereich.

Welche Vision verfolgt XO Life für die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung?

Unsere Vision ist einfach: Kein Patient soll jemals wieder alleingelassen werden.

Heute ist die Realität, dass es zwar viele digitale Lösungen gibt – aber jede löst nur einen kleinen Teil des Problems. Man googelt die Symptome hier, trackt die Medikamente dort, findet Informationen irgendwo anders – und dann hört jede Lösung auf, genau wenn man sie am meisten braucht. Der Patient springt von Tool zu Tool, und niemand begleitet ihn wirklich durch den gesamten Weg.

Das wollen wir grundlegend ändern. Unsere Vision ist, dass jeder Patient – egal welche Erkrankung, egal welche Therapie – von den ersten Symptomen bis zur langfristigen Behandlung digital begleitet wird. Durchgehend, vertrauenswürdig, und in einer einzigen App. brite ist diese eine Plattform. Für jeden Patienten. Über jede Erkrankung, jede Therapie, jeden Lebensabschnitt.

Welche Probleme im Gesundheitsalltag von Patienten möchte XO Life konkret lösen?

1 in 3 Patienten mit einer behandelbaren Erkrankung wird nie diagnostiziert. 1 in 2 Patienten, die diagnostiziert werden, nehmen ihre Therapie nicht wie vorgeschrieben ein. Patienten wenden sich an Google und Social Media – und verlieren sich in Fehlinformationen. Niemand begleitet sie wirklich vom ersten Symptom zur richtigen Therapie.

Gleichzeitig ist der Alltag chronisch kranker Patienten hochkomplex: Sie haben oft mehrere Erkrankungen, nehmen verschiedene Medikamente und brauchen Unterstützung an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Behandlungsreise. Bestehende Lösungen lösen immer nur einen kleinen Teil dieses Problems – und hören dann auf. brite schließt diese Lücke: eine durchgängige, vertrauenswürdige Begleitung vom ersten Symptom bis zur langfristigen Therapie, in einer einzigen App.

Wie funktioniert die Plattform „brite™“ im Alltag?

brite ist für den Patienten ganz einfach eine App – aber dahinter steckt deutlich mehr als ein klassisches Tracking-Tool.

Der Patient gibt alle seine Medikamente und Erkrankungen ein und hat damit sofort einen zentralen Ort für seine gesamte Gesundheit. Er kann Vitaldaten tracken, Symptome erfassen, Wearable-Daten integrieren – aber was uns wirklich unterscheidet, ist der medizinische Layer, den wir darüber legen. Wir arbeiten mit medizinischen Fachgesellschaften zusammen und binden validierte Fragebögen und klinische Assessments direkt in die App ein. Das sind wissenschaftlich anerkannte Instrumente, die echte medizinische Tiefe erzeugen – weit über simples Datentracking hinaus. Wer möchte, kann darüber hinaus auch unstrukturiert berichten – Erlebnisse, Beobachtungen, persönliche Eindrücke, ganz wie in einem digitalen Tagebuch.

Für jedes Medikament und jede Therapie gibt es zusätzlich eigene Therapiebereiche in der App – mit spezifischen Inhalten und Services, die direkt vom jeweiligen Hersteller bereitgestellt werden. brite ist eine App für alle Medikamente und alle Erkrankungen – vollständig unabhängig von einem einzelnen Pharmaunternehmen.

Welche Rolle spielen Patient Reported Outcomes für die Weiterentwicklung moderner Therapien?

Patient Reported Outcomes sind für uns absolut essenziell – und zwar aus einem ganz grundlegenden Grund: Klinische Studien sind wertvoll, aber sie sind limitiert. Sie werden unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt, mit einer sehr spezifischen Patientenpopulation. Der Alltag eines echten Patienten sieht jedoch anders aus – andere Komorbiditäten, andere Lebensumstände, andere Verhaltensweisen.

Genau hier entsteht der Wert von Patient Reported Outcomes in der Real World. Sie ermöglichen es zu verstehen, wann eine Therapie wirklich funktioniert – und wann nicht. Bei wem sie wirkt, unter welchen Lebensumständen, in welchem Alltag. Das sind Insights, die keine klinische Studie liefern kann.

brite macht genau diese Real-World-Evidenz möglich – strukturiert über validierte Assessments und Vitalwerte, unstrukturiert über Patientenberichte und Tagebucheinträge. Das Ergebnis sind tiefgehende, alltagsnahe Einblicke, die sowohl für die medizinische Forschung als auch für die kommerzielle Strategie von Pharmaunternehmen einen echten Mehrwert darstellen.

Was unterscheidet XO Life von klassischen Gesundheits-Apps oder digitalen Patientenplattformen?

Ein zentraler USP von brite ist, dass wir wirklich eine App für alle Medikamente und alle Erkrankungen sind. Die Realität der meisten Patienten ist, dass sie nicht nur ein Medikament nehmen und nicht nur eine Erkrankung haben. Genau das sollte über eine einzige Plattform abgebildet werden – nur so entstehen wirklich tiefgehende, umfassende Insights über einen Patienten als Ganzes.

Was uns darüber hinaus unterscheidet: Wir verbinden drei Dimensionen, die bisher nie zusammengedacht wurden – Patientenaktivierung, klinisch fundierte Therapiebegleitung und Real-World-Evidenz für Pharma. Medication-Reminder-Apps starten zu spät. Allgemeine KI-Apps haben keine klinische Tiefe und keine Kontinuität. Einzelindikations-Apps skalieren weder über Erkrankungen noch über Portfolios hinweg.

Wenn wir so drüber nachdenken: Wir haben LinkedIn für berufliche Netzwerke, wir haben Meta für soziale Verbindungen – aber für Gesundheit hat sich noch keine Plattform wirklich durchgesetzt. Genau diesen Platz will brite einnehmen.

Welche Zielgruppen stehen aktuell besonders im Fokus und welche Bedürfnisse haben diese Nutzer?

Unser primärer Fokus liegt klar auf Patienten mit chronischen Erkrankungen – das ist die Zielgruppe, bei der der Bedarf an kontinuierlicher digitaler Begleitung am größten ist. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Projekte im Bereich Rare Diseases, wo der Bedarf an spezifischer Unterstützung und Real-World-Evidenz besonders hoch ist.

Was uns zunehmend beschäftigt, ist der OTC-Bereich. Auch hier arbeiten wir bereits mit großen Unternehmen zusammen. Der Grund ist einfach: Es reicht heute nicht mehr, ein Produkt zu verkaufen. Patienten und Nutzer erwarten ein digitales Erlebnis drum herum – das Gefühl, dass die Marke auch über den Kaufmoment hinaus für sie da ist.

Insgesamt decken wir ein breites Spektrum ab – von chronischen Volkskrankheiten über seltene Erkrankungen bis hin zu OTC-Produkten. Aber der strategische Kern bleibt: chronische Erkrankungen, wo die Kontinuität der Begleitung den größten Unterschied macht.

Wie wichtig sind geprüfte Informationen und der Austausch mit anderen Betroffenen für Patienten heute?

Geprüfte, verlässliche Informationen sind für Patienten absolut entscheidend – und der Bedarf daran wächst paradoxerweise genau in dem Maße, in dem das Informationsangebot zunimmt. Das Internet ist voll von Gesundheitsinformationen, die sich widersprechen oder schlicht falsch sind. Auch KI-Systeme wie ChatGPT oder Claude sind auf das gesamte Internet trainiert – mit allem, was dazugehört. Was Patienten in einer schwierigen Situation wirklich brauchen, ist keine Liste von zehn Optionen, sondern klare, vertrauenswürdige Orientierung: Das ist es. Das solltest du tun.

Der Austausch mit anderen Betroffenen hat dabei eine eigene, tiefere Bedeutung. Chronisch kranke Menschen haben in ihrem direkten Umfeld oft niemanden, der wirklich versteht, wie es sich anfühlt. Das Gefühl, nicht allein zu sein, ist emotional von enormer Bedeutung.

Und was heute durch moderne KI möglich wird: Apps können wesentlich empathischer, persönlicher und kontextueller mit Patienten interagieren als je zuvor. brite nutzt genau diese Möglichkeiten – um nicht nur informativ, sondern wirklich begleitend da zu sein. Nicht wie eine Datenbank. Sondern wie ein Begleiter, dem man vertraut.

Welche Herausforderungen bringt die Zusammenarbeit mit Pharma- und Gesundheitsunternehmen mit sich?

Die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen ist komplex – und das ist auch gut so, denn Komplexität schafft Eintrittsbarrieren für Wettbewerber. Die größten Herausforderungen sind Compliance und regulatorische Anforderungen: Inhalte müssen medizinisch geprüft und freigegeben werden, Datenschutz nach europäischen Standards ist nicht verhandelbar, und Pharmakovigilanz-Anforderungen müssen in jede Produktentscheidung einfließen.

Dazu kommen lange Entscheidungszyklen. Große Pharmaunternehmen haben viele interne Stakeholder – Medical, Marketing, Legal, IT – und bis ein Projekt grünes Licht bekommt, können Monate vergehen. Was dabei hilft: ein starker interner Champion auf Kundenseite, der das Projekt aktiv vorantreibt.

Was uns aber ermutigt: Wer diese Komplexität einmal gemeistert hat – und das haben wir mit über 40 Pharmakunden – der hat einen echten Wettbewerbsvorteil. Vertrauen in der Pharmaindustrie baut man nicht über Nacht auf. Es ist das Ergebnis von Jahren konsequenter Arbeit.

Wie verändert künstliche Intelligenz und Digitalisierung aus Ihrer Sicht die Patientenbegleitung?

Künstliche Intelligenz ist für die Patientenbegleitung ein echter Segen – das muss man so klar sagen.

Wenn man ehrlich zurückblickt: Ohne LLMs waren die meisten Gesundheits-Apps eigentlich dem Tode geweiht. Jede Interaktion, jeder Text, jede Antwort musste vorprogrammiert sein. Alles war statisch, alles war generisch. Die einzigen digitalen Plattformen, die wirklich funktioniert haben, waren Social-Media-Apps – weil dort der Content von den Nutzern selbst kam.

KI verändert das fundamental. Zum ersten Mal ist es möglich, ein wirklich persönliches, individuelles Erlebnis zu schaffen – eines, das sich an den Nutzer anpasst, das auf seine Situation eingeht, das empathisch reagiert. Es ist kein Zufall, dass viele Menschen heute sagen, ChatGPT sei für sie so etwas wie ein Freund geworden.

Für brite bedeutet das: Wir können zum ersten Mal eine digitale Begleitung schaffen, die sich wirklich wie eine Begleitung anfühlt. Personalisiert, empathisch, kontextuell – über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg. KI macht aus einer App einen echten Companion. Und genau das ist der Durchbruch, auf den diese Branche gewartet hat.

Welche neuen Funktionen oder Entwicklungen plant XO Life in den kommenden Jahren?

In den kommenden Wochen stehen bei brite ganz große Updates an – also am besten jetzt schon die brite App herunterladen, geschrieben B-R-I-T-E.

Unser Anspruch ist dabei nichts weniger als das: Wir wollen eine Gesundheits-App launchen, die besser ist als ChatGPT, besser als Claude, besser als Perplexity – und besser als jede andere Health-App auf dem Markt. Eine App, die nicht nur antwortet, sondern wirklich begleitet.

Darüber hinaus haben wir eine klare Wachstumsagenda: Wir wollen neue Technologien konsequent für unsere Nutzer nutzbar machen, immer mehr Pharmaunternehmen dabei unterstützen, wirklich patientenfreundlich zu werden, und brite in immer mehr Sprachen und Märkten verfügbar machen. Wir expandieren bereits in verschiedene Länder – der nächste Schritt ist klar: brite soll global verfügbar sein. Unser Ziel ist, dass kein Patient weltweit mehr alleingelassen wird.

Warum ist XO Life Teil des Chemistry & Health Hub Mannheim/Ludwigshafen geworden?

Teil des Chemistry & Health Hub Mannheim zu werden ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt in unserer Netzwerkstrategie – und Netzwerk ist für brite von Anfang an essenziell gewesen.

Wir sind bewusst Teil verschiedener Acceleratoren und Unterstützungsnetzwerke geworden, weil wir verstehen, dass in einer Branche wie dem Gesundheitswesen der richtige Kontakt zum richtigen Zeitpunkt alles verändern kann. Unsere Pharmapartnerschaften, unsere Kooperationen mit medizinischen Fachgesellschaften, unsere Investorenbeziehungen – vieles davon ist über genau solche Netzwerke entstanden. Über Pitches, Events, persönliche Gespräche, zufällige Begegnungen, die sich als wegweisend herausgestellt haben.

Welche Vorteile bietet das Innovationsumfeld in Mannheim und Ludwigshafen für ein Digital-Health-Startup wie Ihres?

Die Region Mannheim und Ludwigshafen ist einer der dichtesten Pharma- und Chemie-Standorte Europas – mit globalen Konzernen, Forschungsinstituten und einem tief verwurzelten Verständnis für die Anforderungen der Gesundheitsbranche. Für ein Unternehmen wie brite, das Pharmaunternehmen als Kernkunden hat, ist das ein strategisch ideales Umfeld.

Was uns besonders schätzen: die kurzen Wege zu Entscheidungsträgern in der Industrie, das starke akademische und wissenschaftliche Netzwerk in der Region und ein Ökosystem, das Health Innovation nicht als Nischenthema behandelt, sondern als strategische Priorität. Das ist für uns als wachsendes Digital-Health-Unternehmen ein echter Standortvorteil.

Welche drei Tipps würden Sie anderen Gründern im Bereich Digital Health und HealthTech mit auf den Weg geben?

Erstens: Sei realistisch über dein Finanzierungsmodell.

Digital Health ist eine großartige Branche mit enormem gesellschaftlichem Impact – aber man muss ehrlich sein: Das klassische Venture-Capital-Modell mit exponentiellen Wachstumskurven lässt sich im Gesundheitswesen nicht immer so einfach umsetzen wie in anderen Branchen. Wenn externes Kapital keine realistische Option ist, sollte man von Anfang an überlegen, wie man das Unternehmen Cashflow-positiv aufbaut – vielleicht langsamer, aber nachhaltiger.

Zweitens: Löse die Zahlerfrage früh.

Wer zahlt – das ist im Gesundheitswesen die entscheidende Frage. Direct-to-Consumer ist in Deutschland und Europa schwierig, weil Patienten für digitale Gesundheitsleistungen bisher kaum zu zahlen bereit sind. Selektivverträge mit Krankenkassen sind möglich, aber langwierig. Man muss früh verstehen, welcher Zahler wirklich erreichbar ist – und das Geschäftsmodell danach ausrichten.

Drittens: Denke in Hybridmodellen.

Was heute in Digital Health wirklich funktioniert, sind Hybridansätze – man dockt an bestehende Strukturen an, an etablierte Unternehmen, an bestehende Budgets, und innoviert von dort aus. Man kauft sich sozusagen in ein funktionierendes System ein und schafft von innen heraus Mehrwert. Das ist weniger glamourös als die reine Startup-Romantik – aber deutlich erfolgsversprechender.

Bildcredits  XO Life

Wir bedanken uns bei Friderike Bruchmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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