Mittwoch, Oktober 28, 2026
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Wasserkraft im Fitnessbogen: Wie Ajambow vor „Die Höhle der Löwen“ das Training revolutioniert

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Ajambow: Die Höhle der Löwen trifft auf neues Training Bild Heiratsantrag: Simon Werner geht für seine Susan Schmidt auf die Knie. Foto: RTL

Ajambow verbindet innovatives Training mit einem wassergefüllten Sport- und Therapiebogen: Am 12. Oktober 2026 wird das Startup seine Idee in der Die Höhle der Löwen präsentieren und um ein Investment pitchen.

Wie ist die Idee entstanden, wer steht hinter dem Startup Ajambow und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter Ajambow stehen wir, Susan Schmidt und Simon Werner. Susan ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und seit vielen Jahren im Gesundheits- und Präventionsbereich tätig. Ich selbst komme ursprünglich aus der Fliegerei und Schauspielerei – wir bringen also zwei ziemlich unterschiedliche berufliche Welten zusammen.

Am Anfang stand durch einen ehemaligen Partner die Idee, Wasser in einem gebogenen Trainingsgerät als bewegliches Gewicht zu nutzen und das Ganze in einen Gruppenkurs zu integrieren. Wir haben darin sehr schnell großes Potenzial gesehen und begonnen, diesen Ansatz gemeinsam konsequent weiterzuentwickeln. Nach dem Ausscheiden dieses Partners haben Susan und ich die Entwicklung über viele Jahre fortgeführt. Daraus entstanden der heutige, in Deutschland hergestellte Sport- und Therapiebogen Ajambow und ein umfassendes Trainingskonzept mit eigenen Übungen, Musik, Choreografien, Ausbildungen und Präventionsangeboten.

Dabei wurde für uns eine Frage immer wichtiger: Warum bewegen sich so viele Menschen zu wenig, obwohl eigentlich jeder weiß, wie wichtig Bewegung ist? Unsere Antwort darauf lautet: Wir haben weniger ein Wissensproblem als ein Motivationsproblem. Genau deshalb wollen wir mit Ajambow vor allem auch Menschen erreichen, die mit klassischem Sport und Training bisher wenig anfangen konnten.

In welcher Branche ist Ajambow tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell eures Startups aus?

Ajambow bewegt sich an der Schnittstelle von Gesundheit, Therapie, Prävention und Fitness. Unser Geschäftsmodell besteht deshalb nicht nur aus dem Verkauf eines Trainingsgerätes. Wir verbinden den Ajambow mit Trainingskonzepten, Ausbildungen, Musik, Choreografien und einer inzwischen umfangreichen Videobibliothek.

Wir arbeiten sowohl mit Privatkunden als auch mit Physiotherapien, Reha-Einrichtungen, Fitnessstudios, Vereinen und weiteren Gesundheitseinrichtungen. Ein wichtiger Bereich sind außerdem unsere zertifizierten Präventionsangebote für Land und Aqua.

Welches konkrete Problem löst ihr mit Ajambow und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Wir glauben, dass wir im Gesundheitsbereich weniger ein Wissensproblem als ein Motivationsproblem haben. Fast jeder weiß, dass Bewegung wichtig ist – trotzdem erreichen viele klassische Trainingsangebote gerade diejenigen Menschen nicht, die Bewegung eigentlich am dringendsten benötigen.

Genau dort setzen wir an. Im Ajambow befindet sich Wasser, das bei jeder Bewegung in Bewegung gerät und unvorhersehbare Impulse erzeugt. Der Körper muss permanent darauf reagieren und ausgleichen. Gleichzeitig nimmt der Trainierende das Wasser akustisch und körperlich wahr. Dadurch entsteht ein Training, das sich deutlich von klassischen statischen Gewichten unterscheidet.

Dass dahinter mehr steckt als nur ein interessantes Trainingsgefühl, konnten wir auch wissenschaftlich untersuchen lassen. In einer EMG-Untersuchung der Universität Leipzig wurde beim Training mit Ajambow eine bis zu 30 Prozent höhere Muskelaktivierung gemessen. Inzwischen wird das Konzept wissenschaftlich weiter untersucht.

Warum habt ihr euch für die Teilnahme an Die Höhle der Löwen entschieden und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Ajambow ist ein Produkt, das man am besten versteht, wenn man es sieht und erlebt. Genau deshalb ist Die Höhle der Löwen für uns eine außergewöhnliche Möglichkeit. Innerhalb weniger Minuten können sehr viele Menschen sehen, was mit diesem auf den ersten Blick einfachen Bogen passiert, sobald Wasser ins Spiel kommt.

Gleichzeitig standen wir an einem Punkt, an dem wir Ajambow deutlich größer machen wollten. Dafür braucht es neben Kapital vor allem Reichweite, Erfahrung und starke Partner.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe bei Die Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Unser Wunschlöwe war von Anfang an Janna Ensthaler. Ausschlaggebend waren für uns vor allem ihre bisherigen Erfahrungen und Investments im Gesundheitsbereich. Ajambow bewegt sich heute längst nicht mehr nur im klassischen Fitnessmarkt, sondern zunehmend in Prävention, Therapie und Rehabilitation. Deshalb war uns wichtig, eine Investorin an unserer Seite zu haben, die diesen Markt versteht und das Potenzial von Ajambow auch über den reinen Verkauf eines Trainingsgerätes hinaus erkennt.

Gleichzeitig bringt Janna die unternehmerische Erfahrung mit, die wir für den nächsten Wachstumsschritt brauchen. Diese Kombination aus Verständnis für den Gesundheitsmarkt, strategischem Blick und Erfahrung beim Aufbau und der Skalierung von Unternehmen machte sie für uns von Anfang an zur Wunschlöwin.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren bei Die Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Ganz klar: Erfahrung, Netzwerk und Vertrieb. Wir haben sehr viel Zeit und Energie in die Entwicklung des Produktes, der Trainingskonzepte und in die wissenschaftliche Begleitung investiert. Jetzt geht es darum, Ajambow viel bekannter zu machen und die Strukturen für Wachstum aufzubauen.

Dabei kann ein erfahrener Investor Türen öffnen, für die ein junges Unternehmen allein wesentlich länger braucht.

Welche nächsten Schritte sind für Ajambow nach eurem Auftritt bei Die Höhle der Löwen geplant und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Unser Ziel ist es, Ajambow sowohl im Endkundenbereich als auch im professionellen Gesundheitsmarkt deutlich stärker zu etablieren. Dazu bauen wir unsere Produktion und Lieferfähigkeit aus und entwickeln unsere digitalen Trainingsangebote weiter.

Gleichzeitig wächst der professionelle Bereich. Wir möchten Ajambow noch stärker in Physiotherapien, Rehabilitation, Fitnessstudios, Vereine und weitere Gesundheitseinrichtungen bringen. Dabei geht es uns nicht nur um das Gerät, sondern um ein vollständiges Konzept aus Produkt, Ausbildung und Trainingsinhalten.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Wissenschaft. Nach ersten Untersuchungen an der Universität Leipzig laufen weitere Forschungsarbeiten rund um den Einsatz und die Wirkung von Ajambow. Für uns ist das besonders spannend, weil sich daraus langfristig weitere Einsatzfelder ergeben können.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Durchhalten. Ajambow ist nicht über Nacht entstanden. Zwischen der ersten Idee und dem Produkt, mit dem wir heute vor den Löwen stehen, liegen viele Jahre Entwicklung, Tests, Veränderungen und auch Rückschläge.

Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse ist deshalb: Eine gute Idee allein reicht nicht. Man muss bereit sein, sie immer wieder infrage zu stellen, zuzuhören und weiterzuentwickeln. Und man braucht Menschen, die auch dann an die Idee glauben, wenn es gerade schwierig wird.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen leiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Nicht zu früh aufgeben – aber gleichzeitig nicht so sehr in die eigene Idee verliebt sein, dass man Kritik nicht mehr hört. Diese Balance war auch für uns ein Lernprozess.

Und man sollte so früh wie möglich mit echten Nutzern arbeiten. Die entscheidenden Erkenntnisse bekommt man selten am Schreibtisch. Man bekommt sie, wenn Menschen das Produkt tatsächlich benutzen.

Welches spezifische Problem löst eure Technologie oder Software für eure Firmenkunden und wie messbar ist dieser Vorteil?

Ajambow ist zwar keine Software, unser B2B-Geschäft ist für uns aber ein zentraler Bereich. Physiotherapien, Reha-Einrichtungen, Fitnessstudios und Vereine stehen häufig vor derselben Herausforderung: Wie motivieren wir Menschen zu Bewegung und wie schaffen wir Trainingsangebote, die gleichzeitig wirksam, vielseitig und einfach einsetzbar sind?

Hier bietet Ajambow einen besonderen Ansatz. Durch die Bewegung des Wassers entstehen permanent wechselnde Anforderungen an den Körper. In einer EMG-Untersuchung der Universität Leipzig wurde eine bis zu 30 Prozent höhere Muskelaktivierung gemessen. Gleichzeitig kann Ajambow sehr unterschiedlich eingesetzt werden – vom Einzeltraining über Therapie und Rehabilitation bis zum Präventions- oder Gruppenkurs.

Wie sieht eure Strategie aus, um B2B-Kunden zu gewinnen, und welche Rolle spielt der Auftritt bei Die Höhle der Löwen für eure B2B-Markenbekanntheit?

Unser B2B-Vertrieb funktioniert sehr stark über das Erleben. Wenn Therapeutinnen, Trainer oder Einrichtungen Ajambow selbst ausprobieren, verstehen sie sehr schnell, was das Besondere daran ist. Deshalb spielen Demonstrationen, Fortbildungen, Ausbildungen und Veranstaltungen für uns eine große Rolle.

Die Höhle der Löwen kann uns dabei helfen, eine der größten bisherigen Hürden zu überwinden: Bekanntheit. Wenn wir künftig bei einer Physiotherapie, einem Studio oder einer Gesundheitseinrichtung anrufen und unser Gegenüber Ajambow bereits kennt, verändert das natürlich den Einstieg in ein Gespräch erheblich.

Was unterscheidet euer Produkt im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Schon die Form macht neugierig. Ajambow sieht nicht aus wie ein klassisches Trainingsgerät – und genau das ist er auch nicht. Der entscheidende Unterschied befindet sich im Inneren: Wasser.

Durch die Wasserbewegung verhält sich Ajambow bei jeder Übung dynamisch. Gleichzeitig lässt sich die Belastung über die Wassermenge verändern. Hinzu kommt unser gesamtes Trainingskonzept mit Musik, Choreografien und rund 200 Übungsvideos. Der Kunde kauft deshalb nicht einfach nur einen Bogen, sondern bekommt sehr viele Möglichkeiten, ihn einzusetzen.

Wie bereitet ihr eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den enormen Nachfrage-Ansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Die Vorbereitung auf die Ausstrahlung beschäftigt uns tatsächlich seit Wochen sehr intensiv. Wir haben unsere Produktionsplanung hochgefahren, Material und Komponenten disponiert und stimmen uns eng mit unseren Fertigungspartnern ab, damit wir kurzfristig größere Stückzahlen produzieren und ausliefern können. Gleichzeitig bereiten wir unseren Online-Shop technisch auf deutlich mehr Zugriffe und Bestellungen vor.

Eine besondere Herausforderung ist dabei unser Anspruch, Ajambow weiterhin in Deutschland zu produzieren. Wir wollen wegen einer möglichen hohen Nachfrage nicht plötzlich unsere bisherige Produktionsphilosophie über Bord werfen.

Wie groß der Ansturm am Ende tatsächlich wird, kann natürlich niemand vorhersagen. Wir tun gerade alles dafür, vorbereitet zu sein – und wenn wir am Abend der Ausstrahlung irgendwann feststellen sollten, dass wir trotz aller Vorbereitung nicht mehr hinterherkommen, wäre das vermutlich ein Problem, über das wir uns trotzdem sehr freuen würden.

Sehen Sie Ajambow am 12. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Heiratsantrag: Simon Werner geht für seine Susan Schmidt auf die Knie.
Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Susan Schmidt und Simon Werner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

kujau.AI bringt KI-Software in Tierheime und Nischenbranchen

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kujau.AI: Software und KI für kleine Branchen

kujau.AI entwickelt Software für bislang wenig digitalisierte Branchen und setzt KI gezielt dort ein, wo sie im Arbeitsalltag einen echten Mehrwert schafft.

Können Sie kujau.AI kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Gründung des Unternehmens steht?

Die kujau.AI GmbH ist ein Softwareunternehmen aus München. Wir bauen Branchensoftware für Bereiche, um die sich sonst niemand kümmert: Tierschutz, Reitställe, Tanzschulen. Dazu entwickeln wir individuelle Software und Automatisierungen für Unternehmen. Die Idee dahinter ist einfach: Es gibt sehr viele Betriebe und Organisationen, die ihre tägliche Arbeit immer noch mit Excel, Zetteln und WhatsApp organisieren, weil es für sie nie eine passende Software gab. Für solche Nischen Software zu bauen, ist hochinteressant.

Wer steht hinter kujau.AI, und welche Erfahrungen haben Ihren Blick auf Softwareentwicklung und betriebliche Prozesse besonders geprägt?

Ich bin Lisa Kujau, Gründerin und Geschäftsführerin. Ich komme nicht aus der Softwareentwicklung, sondern aus dem Vertrieb. Das prägt, wie wir Software bauen: Ich habe Jahre damit verbracht, Kunden zuzuhören und zu verstehen, woran ihr Alltag hakt, und genau das machen wir heute, bevor wir einfach loslegen. Was mich zur Software gebracht hat, war Neugier. Ich habe gesehen, was mit KI plötzlich möglich ist, und wollte wissen, wie weit das geht. Dazu kommt bei PawManager+ etwas Persönliches: Ich bin mit Tierschutzhunden aufgewachsen, und meine Hündin Sunny kommt selbst aus dem Tierschutz. Ich kenne die Arbeit in den Vereinen aus nächster Nähe.

Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit Excel, Papier und verschiedenen Insellösungen. Wo sehen Sie den größten Bedarf für eine grundlegende Digitalisierung?

Überall dort, wo wenige Menschen viele Pflichten tragen. Ein Tierschutzverein mit drei Ehrenamtlichen muss Tierakten nach Tierschutzgesetz führen, Fundtiere der Kommune melden, Spendenquittungen fürs Finanzamt ausstellen und den Datenschutz für Adoptanten einhalten, und das alles nach Feierabend. Dasselbe Muster sehe ich in Reitställen und Tanzschulen: kleine Teams, viel Verantwortung, und die Werkzeuge stammen aus einer Zeit, in der es noch keine besseren gab. Der größte Bedarf liegt nicht bei den Konzernen, die haben ihre Systeme. Er liegt bei den Kleinen, für die sich bisher niemand interessiert hat.

Sie entwickeln Software bewusst entlang realer Arbeitsabläufe. Warum scheitern digitale Lösungen Ihrer Erfahrung nach häufig daran, dass sie diese Prozesse nicht ausreichend berücksichtigen?

Weil sie am Schreibtisch entstehen und nicht im Zwinger. Wenn eine Pflegestelle abends das Gewicht eines Welpen eintragen will, macht sie das mit dem Handy in der Hand und dem Hund auf dem Arm. Wenn die Software dann einen Laptop und fünf Klicks braucht, wird sie nicht benutzt, und die Information landet wieder in der WhatsApp-Gruppe. Software scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass der Moment, in dem jemand sie bedienen soll, nicht mitgedacht wurde. Deshalb fragen wir bei allem zuerst: Wer macht das, wann, wo und mit welcher Hand frei?

Mit Tierschutz und Tanzschulen konzentrieren Sie sich auch auf Branchen, die von großen Softwareanbietern wenig beachtet werden. Welche Chancen sehen Sie gerade in solchen Nischen?

Für große Anbieter sind diese Märkte zu klein und zu speziell. Für Generalisten sind sie zu regulierungslastig, ein Tierheim hat andere Pflichten als ein Sportverein. Genau das ist die Chance: In einer Nische kann man ein Produkt bauen, das die Arbeit wirklich versteht, statt eines, das für alle ein bisschen passt. Und wer in so einer Nische das erste gute Produkt hat, wird weiterempfohlen. In der Tierschutz-Szene läuft fast alles über Empfehlung von Verein zu Verein.

PawManager+ wird für Tierheime und Tierschutzorganisationen dauerhaft kostenlos angeboten. Welche Überlegungen stehen hinter dieser Entscheidung?

Ich wollte dem Tierschutz etwas zurückgeben, und irgendwann war klar, dass eine Software für diese Vereine mehr wert ist als eine Spende. Eine Spende ist irgendwann ausgegeben. Eine Software, die jeden Tag Zeit spart, wirkt dauerhaft. Und jeder Euro, den ein Verein für Software ausgeben müsste, fehlt bei den Tieren. Das ist aber keine Wohltätigkeit, das sage ich offen. Wir haben auch etwas davon: Jeder Verein, der mit PawManager+ arbeitet, ist für uns eine Referenz und ein Beweis, dass unsere Software in einer echten Nische funktioniert. Das belebt unser übriges Geschäft.

Mit Tanzschule+ entwickeln Sie ein weiteres branchenspezifisches SaaS-Produkt. Welche Probleme im Alltag von Tanzschulen möchten Sie damit lösen?

Eine Tanzschule lebt von Kursen, Anmeldungen und Beiträgen, und die meisten verwalten das mit einer Mischung aus Kalender, Excel und Papierlisten. Wer ist in welchem Kurs, wer hat bezahlt, wer hat drei Mal gefehlt, wann ist die Aufführung und wer bringt welches Kostüm. Tanzschule+ bringt das an einen Ort: Kurse und Stundenpläne, Anmeldungen, Beiträge, Kommunikation mit Schülern und Eltern. Der Anspruch ist derselbe wie bei PawManager+: Die Software muss so funktionieren, wie der Tag in einer Tanzschule tatsächlich läuft, nicht umgekehrt.

kujau.AI: Software und KI für kleine Branchen Lisa Kujau, Gründerin und Geschäftsführerin

KI kann Dokumente auswerten, Anfragen bearbeiten oder interne Wissensbestände zugänglich machen. Wie entscheiden Sie, wann KI tatsächlich einen Mehrwert schafft und wann klassische Automatisierung sinnvoller ist?

Meine Faustregel: Wenn die Aufgabe jedes Mal gleich ist, gehört sie automatisiert, nicht mit KI gelöst. Ein SEPA-Mandat anlegen, eine Fundtiermeldung erzeugen, eine Erinnerung an die Impfung schicken, das ist klassische Automatisierung und muss hundertprozentig zuverlässig sein. KI setzen wir dort ein, wo Menschen mit unstrukturierten Dingen kämpfen: einen Tierarztbrief auswerten, in tausend Akten etwas finden, eine Anfrage vorsortieren. Also überall, wo es um Verstehen geht und nicht um Ausführen. Und wir fragen immer, was passiert, wenn die KI falsch liegt. Wenn die Antwort ist, dass ein Tier keine Medikamente bekommt, dann bleibt der Schritt beim Menschen.

Neben eigenen SaaS-Produkten realisiert kujau.AI auch individuelle Software- und Automatisierungslösungen. Wie lassen sich Produktentwicklung und kundenspezifische Projekte unter einem Dach verbinden?

Sie matchen perfekt miteinander. In den Kundenprojekten sehen wir, wie Betriebe wirklich arbeiten und wo es im Alltag hakt, das fließt in die Produkte. Und aus den Produkten kommen Bausteine, die wir in Projekten wiederverwenden, statt jedes Mal bei null anzufangen. Wichtig ist nur, ehrlich zu unterscheiden: Ein Produkt muss für hunderte Organisationen passen, ein Projekt für eine. Wer das vermischt, baut am Ende beides schlecht.

Der Markt für KI-Software wächst rasant und viele Anbieter versprechen umfassende Automatisierung. Wodurch möchte sich kujau.AI langfristig differenzieren?

Dadurch, dass wir keine KI verkaufen, sondern Lösungen für konkrete Arbeit. Niemand in einem Tierheim will KI. Die Leute wollen, dass die Tierakte stimmt, das Veterinäramt zufrieden ist und die Pflegestelle Bescheid weiß. Wir bauen für Branchen, die wir verstehen, und wir verschwinden nicht nach dem Verkauf. Bei PawManager+ heißt das: Ich begleite im Tierheim die Inbetriebnahme unseres SaaS, richte es mit den betreffenden Personen ein und schaue zu, wie die Leute damit arbeiten. Das machen die Großen nicht, und das ist unser Vorteil.

Welche Vision verfolgen Sie mit kujau.AI, und welche Rolle sollen die eigenen SaaS-Produkte künftig im Unternehmen spielen?

Ich möchte, dass kujau.AI das Unternehmen ist, an das man denkt, wenn eine kleine Branche endlich richtige Software braucht. Die eigenen Produkte sind dafür das Fundament: Jedes zeigt, dass wir eine Nische ernst nehmen und liefern können. PawManager+ soll die Software werden, mit der Tierschutz in Deutschland organisiert wird, und zwar ohne dass ein Verein dafür zahlen muss. Wenn in ein paar Jahren ein Vorstand in einem Tierheim sagt, dass er sich nicht mehr vorstellen kann, wie es vorher ging, dann ist das die Vision.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Softwareunternehmen für bislang wenig digitalisierte Branchen aufbauen möchten?

Erstens: Geh hin. Nicht anrufen, nicht Umfragen schicken, hinfahren und einen Tag zuschauen. Die wichtigsten Anforderungen sagt dir niemand, die siehst du. Zweitens: Baue das Ganze, nicht ein Stück. Wer nur die Tierakte digitalisiert und die Spenden in Excel lässt, hat dem Verein ein zweites System geschenkt, kein besseres. Drittens: Rechne damit, dass Vertrauen länger dauert als Technik. In einer Branche, die zwanzig Jahre lang von Software enttäuscht wurde, gewinnt nicht das beste Produkt, sondern das, dem man glaubt. Also sei erreichbar, sei ehrlich über das, was noch fehlt, und bleib.

Fotocredits: privat

Wir bedanken uns bei Lisa Kujau für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up:kujau.AI

Kontakt:

kujau.AI GmbH
Karlsplatz 3 (am Stachus)
80335 München
Deutschland

www.kujau.ai
lisa@kujau.ai

Ansprechpartnerin: Lisa Kujau
Gründerin und Geschäftsführerin

Social Media:
LinkedIn Lisa Kujau

Schluss mit dem ewigen Suchen: Wie wrappr die Essensentscheidung per Swipe löst

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wrappr: Entscheidung für Restaurants einfacher machen dotmonks team bild stehend

wrappr erleichtert die gemeinsame Entscheidung rund ums Essen und hilft Gruppen dabei, passende Restaurants zu finden, ohne lange über verschiedene Vorschläge diskutieren zu müssen.

Dennis, stell dich und dotmonks bitte kurz vor. Wer steckt hinter dem Unternehmen und wie ist wrappr entstanden?

Hi, Ich bin Dennis Jansen, Ingenieur und Produktmanager mit einem Hintergrund in Nanotechnologie und Industrie-4.0-Anwendungen. Ich bin einer von drei Gründern und Geschäftsführern von dotmonks. In meinem anderen Leben beschäftige ich mich mit digitalen Produkten und IoT.

Hinter dotmonks steht ein kleines, technisch geprägtes Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Produktentwicklung, Backend, UI/UX und Business. Uns verbindet vor allem die Freude daran, digitale Produkte selbst aufzubauen und Probleme möglichst pragmatisch zu lösen. Und was uns vereint, ist unser Appetit. Zwar haben wir unterschiedliche Anforderungen -die einen haben Kinder zu ernähren, andere gehen gerne raus, und dann haben wir noch die studentische Küche – aber wir mögen es alle nicht, wenn uns der Appetit durch langes Aussuchen vergeht.

Die Idee für wrappr ist letztlich aus einem sehr alltäglichen Problem entstanden: Mehrere Menschen wollen gemeinsam etwas essen, haben aber unterschiedliche Vorlieben oder Anforderungen. Klassische Plattformen helfen jedem Einzelnen dabei, etwas zu finden – aber nicht unbedingt dabei, gemeinsam zu einer Entscheidung zu kommen. Genau diese Lücke wollten wir schließen.

Die Frage „Was essen wir heute?“ kennt vermutlich fast jeder. Wann habt ihr gemerkt, dass daraus tatsächlich ein Produkt und ein Geschäftsmodell entstehen könnte?

Das Problem liegt nicht darin, dass es zu wenig Auswahl gibt – im Gegenteil. Es gibt heute mehr Restaurants, Rezepte und Werbung als je zuvor. Das eigentliche Problem ist die Entscheidung innerhalb einer Gruppe.

Wenn vier Menschen jeweils zehn Vorschläge haben, entstehen nicht automatisch vierzig Möglichkeiten, sondern häufig erst einmal eine Diskussion – über eine Sache, die sich mit Argumenten kaum besprechen lässt. Wir haben deshalb angefangen, über einen spielerischen Entscheidungsprozess nachzudenken: Jeder äußert seine Präferenzen, ohne dass die Gruppe jede einzelne Option gemeinsam diskutieren muss: das Swipen.

Daraus ist die Grundidee von wrappr entstanden: Nicht nach dem perfekten Vorschlag für eine Person suchen, sondern schnell eine Option finden, mit der die Gruppe gemeinsam zufrieden ist. Ein Match, oder wie wir sagen: Wrap.

Wie funktioniert wrappr konkret und wie kommt eine Gruppe am Ende zu einer gemeinsamen Entscheidung?

Alle, die mitmachen, bekommen Vorschläge und entscheiden individuell, ob etwas für ihn infrage kommt oder nicht. Dabei müssen die anderen nicht sehen, wie die einzelnen Personen abgestimmt haben. wrappr gleicht die Präferenzen anschließend miteinander ab.

Das Entscheidende ist: Man muss nicht gemeinsam durch eine lange Liste scrollen und bei jedem Restaurant darüber diskutieren, ob es allen gefällt. Die App übernimmt diesen Teil der Koordination.

Sobald sich eine ausreichende Übereinstimmung ergibt, gibt es ein Wrap – also eine gemeinsame Entscheidung der Gruppe. Das macht den Prozess eher zu einem kleinen Spiel als zu einer Abstimmung am Konferenztisch.

Ihr beschränkt euch inzwischen nicht mehr auf Restaurants, sondern integriert auch Rezepte und einen Essensplaner. Welche Vision verfolgt ihr mit wrappr langfristig?

Unsere Vision ist größer als „eine App für Restaurants“. Wir wollen wrappr zu einer Entscheidungsplattform für gemeinsames Essen entwickeln.

Restaurant und Rezept sind dafür zwei Seiten desselben Problems: Was wollen wir gemeinsam essen? Wenn wir zu Hause kochen, brauchen wir andere Inhalte als beim Restaurantbesuch – der Entscheidungsprozess kann aber derselbe sein. Insbesondere wollen wir dort verhindern, dass die Entscheidung an immer derselben Person hängen bleibt – Stichwort Mental Load.

Daraus ergeben sich auch weitere Funktionen. Mehrere Entscheidungen können beispielsweise zu einem Wochenplan zusammengeführt werden, inklusive Einkaufsliste. Perspektivisch lässt sich das System außerdem auf andere gemeinschaftliche Entscheidungen übertragen.

Der Kern bleibt dabei immer gleich: Individuelle Präferenzen werden zusammengeführt und daraus entsteht eine gemeinsame Entscheidung.

Für wen habt ihr wrappr in erster Linie entwickelt und in welchen Situationen wird die App besonders häufig genutzt?

Primär für Menschen, die regelmäßig oder auch zu besonderen Anlässen mit anderen Entscheidungen rund ums Essen treffen müssen: Paare, Freundeskreise, Familien, WGs oder auch Gruppen im Arbeitsumfeld. Urlaub, Ausflug, Geschäftsreise, Weihnachtsfeier. Wenn wir jemanden erreichen, der sich sagt: „Sonst brauche ich es eigentlich nicht, aber bei der Orga des letzten Workshops hätte mir das das Leben erleichtert,“ sind wir zufrieden.

Besonders interessant ist wrappr immer dann, wenn mehrere Menschen beteiligt sind und niemand die Entscheidung allein treffen möchte. Das kann die spontane Frage beim Abendessen sein, die Suche nach einem Restaurant für eine Gruppe oder die Planung der Mahlzeiten für die kommende Woche.

Wir wollen dabei ausdrücklich nicht nur eine bestimmte Alters- oder Nutzergruppe ansprechen. Das zugrunde liegende Problem ist universell.

Gerade bei Consumer-Apps ist es schwierig, Nutzer dauerhaft zu halten. Was tut ihr dafür, dass wrappr nicht nur ausprobiert, sondern regelmäßig genutzt wird?

Für uns ist der wichtigste Punkt, dass wrappr einen wiederkehrenden Anwendungsfall löst und nicht nur ein einmaliges Gimmick ist. Die Mechanik, das Swipen, macht Lust auf Mehr und aufs Widerkommen.

Letztlich geht es aber darum, dass die App einen echten Mehrwert für die Nutzer schafft. Nur dann wird sie dauerhaft genutzt werden. Von diesem Mehrwert sind wir absolut überzeugt und nutzen die App selbst ständig für unsere Entscheidungen. Es ist eine App, die schöne Momente, Zusammenkünfte und Ideen miteinander verbindet, ohne selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen.

Das beginnt bei Restaurants und geht über Rezepte bis hin zur Wochenplanung. Dadurch entstehen mehrere Situationen, in denen die App sinnvoll eingesetzt werden kann. Gleichzeitig versuchen wir, die Nutzung so niedrigschwellig wie möglich zu halten: keine langen Fragebögen, keine komplizierte Einrichtung, sondern möglichst schnell zu einer Entscheidung.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Gruppenmechanismus selbst. Idealerweise bringt nicht nur eine Person wrappr in ihren Freundeskreis, sondern jede Person installiert die App und kann sie anschließend bei der nächsten Gruppe wieder selbst starten. Dadurch kann aus einem einzelnen Nutzer eine ganze Gruppe von Nutzern entstehen.

Was unterscheidet wrappr von klassischen Restaurantplattformen, Rezept-Apps oder anderen Angeboten zur Essensplanung?

Der wesentliche Unterschied ist der Ausgangspunkt.

Klassische Restaurantplattformen sind in erster Linie Such- und Buchungsplattformen. Rezept-Apps helfen dabei, Rezepte zu entdecken oder nachzukochen. Essensplaner organisieren Mahlzeiten.

wrappr setzt davor an und fragt: Was davon wollen wir eigentlich gemeinsam?

Wir versuchen also nicht, die größtmögliche Auswahl anzubieten, sondern die relevante Auswahl für eine konkrete Gruppe zu finden. Das ist ein anderer Use Case. Restaurant, Rezept und Essensplanung sind für uns unterschiedliche Inhalte, die auf demselben Entscheidungsprinzip aufbauen.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus und welche Möglichkeiten zur Monetarisierung sind für die Zukunft geplant?

Wir verfolgen ein mehrseitiges Geschäftsmodell. Auf der Nutzerseite soll wrappr möglichst niedrigschwellig und kostenlos nutzbar sein. Monetarisierung kann insbesondere über allgemeine als auch zielgerichtete Werbeflächen und perspektivisch über zusätzliche beziehungsweise transaktionsbezogene Services erfolgen.

Auf der B2B-Seite sehen wir Potenzial bei Restaurants und anderen Anbietern. Restaurants können beispielsweise für zusätzliche Sichtbarkeit innerhalb von wrappr bezahlen. Dafür haben wir unterschiedliche Präsenz- und Werbemöglichkeiten entwickelt.

Langfristig sind außerdem Kooperationen und Affiliate-Modelle interessant, etwa bei Reservierungen, Lieferdiensten oder beim Einkauf von Zutaten für Rezepte. Entscheidend ist für uns, dass Monetarisierung möglichst dort entsteht, wo wrappr tatsächlich einen Mehrwert vermittelt – und nicht durch eine künstliche Bezahlschranke auf der eigentlichen Kernfunktion.

Welche Rolle spielen Restaurants, Marken oder andere Partner in eurem Geschäftsmodell und plant ihr hier weitere Kooperationen?

Restaurants sind für uns natürlich besonders wichtig, weil sie direkt von zusätzlichen Gästen profitieren können. wrappr kann dabei eine Art zusätzliche Entscheidungsschicht zwischen Nutzer und Restaurant darstellen: Nicht „Welches Restaurant hat die beste Sichtbarkeit?“, sondern „Welches Restaurant passt zu dieser konkreten Gruppe?“

Daneben sehen wir perspektivisch interessante Partner entlang der gesamten Food-Kette. Bei Rezepten sind beispielsweise Anbieter von Einkaufs- und Lieferlösungen relevant, bei Restaurants Buchungsplattformen und die gängigen Lieferdienste.

Wir wollen dabei nicht möglichst viele Partnerschaften um ihrer selbst willen schließen. Entscheidend ist, dass eine Kooperation sinnvoll in den Nutzerprozess passt.

Ihr befindet euch aktuell in der Skalierungsphase. Was bedeutet das konkret und welche Märkte oder Nutzergruppen wollt ihr als Nächstes erreichen?

Wir haben wrappr bereits als App für iOS und Android veröffentlicht und arbeiten jetzt daran, die Grundlage für skalierbares Wachstum zu schaffen.

Der nächste Schritt ist deshalb vor allem Wachstum: mehr Nutzer, mehr Gruppen und mehr wiederkehrende Nutzung. Wir wollen aus dem Nutzungsverhalten lernen, wie wir wrappr noch besser in den Alltag integrieren und parallel anhand von Feedback das Produkt stets weiter verfeinern können. Geografisch konzentrieren wir uns zwar marketingseitig auf D-A-CH, unterstützen aber auch schon Spanisch und Englisch. Wir wollen im Bereich Restaurants insbesondere urbane Regionen erschließen, in denen es eine hohe Restaurantdichte und eine entsprechend große Zahl potenzieller Nutzer gibt.

Dazu gehören für uns unter anderem größere Städte und Ballungsräume. Entscheidend ist aber weniger die einzelne Stadt als die Frage, ob wir dort einen funktionierenden lokalen Nutzerkreislauf aufbauen können.

Was waren bisher die größten Herausforderungen beim Aufbau von wrappr und was habt ihr daraus gelernt?

Eine der größten Herausforderungen ist wahrscheinlich gleichzeitig die spannendste: Eine Consumer-App muss nicht nur funktionieren, sondern Menschen dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern.

Technisch kann man in Zeiten von Gen-AI und Vibe-Coding relativ schnell eine funktionierende App bauen. Wichtiger ist es jedoch herauszufinden, welche Funktionen tatsächlich regelmäßig genutzt werden und wie man Nutzer überhaupt dazu bringt, die erste Session zu starten.

Wir haben deshalb gelernt, dass Produktentwicklung und Marktentwicklung nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Man kann nicht monatelang im stillen Kämmerchen das vermeintlich perfekte Produkt bauen und anschließend erwarten, dass der Markt darauf wartet.

Unser Ansatz ist heute deutlich stärker daten- und nutzerorientiert: veröffentlichen, messen, Feedback sammeln, verbessern – und dabei auch bereit sein, eigene Annahmen zu verwerfen.

Wo soll wrappr in drei bis fünf Jahren stehen und welche nächsten Meilensteine habt ihr euch vorgenommen?

Kurzfristig geht es aber erst einmal um die Grundlagen: Nutzerwachstum, wiederkehrende Nutzung, lokale Netzwerkeffekte und die Validierung unseres Geschäftsmodells. Wenn diese Dinge funktionieren, können wir die Plattform Schritt für Schritt erweitern.

In drei bis fünf Jahren soll wrappr eine etablierte Plattform für gemeinsame Entscheidungen rund ums Essen sein – mit einer relevanten Nutzerbasis und einem funktionierenden Geschäftsmodell.

Dabei möchten wir nicht nur eine größere Restaurantdatenbank sein. Unser Ziel ist ein System, das verschiedene Situationen rund ums Essen miteinander verbindet: spontan ein Restaurant auswählen, gemeinsam ein Rezept finden, mehrere Mahlzeiten planen und daraus beispielsweise direkt eine Einkaufsliste erzeugen.

Aus dem Nähkästchen: Ich habe versprochen, meinen Kollegen ein paar Drinks zu spendieren, wenn „wrappen“ Jugendwort für „gemeinsam eine Entscheidung treffen“ wird. Vielleicht wird etwas daraus.

Welche drei Tipps würdest du anderen Gründern geben, die mit einer Consumer-App einen umkämpften Markt erobern wollen?

Erstens: Baut nicht für euch selbst, sondern für ein echtes Problem.
Eine Idee kann sich großartig anfühlen und trotzdem niemandem wichtig genug sein. Entscheidend ist, ob Menschen das Problem tatsächlich haben und bereit sind, ihr Verhalten dafür zu verändern.

Zweitens: Geht so früh wie möglich raus.
Eine unfertige App mit echten Nutzern ist für die Produktentwicklung wertvoller als ein perfektes Produkt ohne Nutzer. Erst im echten Einsatz erkennt man, welche Annahmen stimmen und welche nicht.

Drittens: Unterschätzt Distribution nicht.
Ein gutes Produkt allein erzeugt noch kein Wachstum. Gerade bei Consumer-Apps muss man sich früh Gedanken darüber machen, wie Nutzer auf das Produkt aufmerksam werden und warum sie andere Menschen mitbringen. Bei wrappr ist genau dieser Gruppenmechanismus deshalb ein zentraler Bestandteil des Produkts – Wachstum und Produkt sind hier unmittelbar miteinander verbunden.

Bildrechte dotmonks

Wir bedanken uns bei Dennis Jansen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von Keleya zu Glimmer: Wie die Schwangerschafts-Plattform profitabel wächst

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Glimmer: Schwangerschaft und Hebammen digital verbinden Julia Neumann

Glimmer begleitet Frauen während der Schwangerschaft digital und verbindet fundiertes Wissen mit persönlicher Unterstützung durch Hebammen.

Können Sie Keleya kurz vorstellen und erzählen, welche Entwicklung das Unternehmen seit der Gründung 2017 genommen hat?

Keleya ist 2017 als Lifestyle Produkt mit für die Schwangerschaft sicheren Yogaübungen und Rezepten für werdende Mütter gestartet. Seitdem haben wir das Angebot Schritt für Schritt erweitert: um Geburtsvorbereitung, digitale Hebammenberatung und mit ammely um eine gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband entwickelte Plattform für die Hebammensuche. Heute begleiten wir Frauen digital durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und helfen ihnen dabei, zum richtigen Zeitpunkt die passende Unterstützung zu finden. Rund 100.000 Frauen nutzen unsere Angebote jährlich, mehr als 10.000 Hebammen sind über ammely vertreten und mehr als 80 gesetzliche Krankenkassen sowie private Versicherungen übernehmen Kosten für unsere Leistungen.

Diese Entwicklung von der Schwangerschafts-App zur digitalen Versorgungsinfrastruktur haben wir zum Anlass genommen, einen vollumfänglichen Markenrelaunch vorzunehmen: Seit dem 8. Oktober heißt Keleya Glimmer. Dabei ging es nicht nur um einen neuen Namen und eine neue Gestaltung. Die bisherige Marke war über Jahre gewachsen, ohne unsere heutige Positionierung konsistent abzubilden; auch der Name war schwer auszusprechen und zu erinnern. Glimmer beschreibt einen Lichtschimmer und steht für Orientierung und Zuversicht in einer Lebensphase, die trotz aller Vorbereitung mit Ungewissheit verbunden bleibt. Gleichzeitig lösen wir uns bewusst von den typischen visuellen FemTech-Klischees: Schwangerschaft wird weder romantisiert noch primär als medizinisches Risiko inszeniert. Zum Start der neuen Marke haben wir außerdem unseren vollständig neu entwickelten Geburtsvorbereitungskurs veröffentlicht und die digitale Hebammensprechstunde integriert.

Wer steht heute hinter Glimmer, und wie hat sich Ihre eigene Rolle als CEO mit dem Wachstum des Unternehmens verändert?

Heute arbeiten knapp 50 Mitarbeitende für Glimmer. Etwa die Hälfte davon sind Hebammen, die in Teilzeit bei uns tätig sind und parallel freiberuflich arbeiten. Dadurch verbinden wir medizinische und hebammenfachliche Expertise direkt mit Produktentwicklung und Technologie. Ich bin 2019 als Head of Operations eingestiegen, wurde später Co-CEO und führe das Unternehmen seit rund drei Jahren allein. Anfangs habe ich mich häufig gefragt, ob jemand wie ich CEO sein kann: Ich bin nicht die Lauteste im Raum und höre zunächst eher zu. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ruhige Führung trotzdem sehr klar sein muss. Heute treffe ich schwierige Entscheidungen schneller und spreche Feedback früher und direkter aus.

Der Merger mit Kinderheldin 2024 war ein wichtiger Schritt. Was hat sich dadurch am Geschäftsmodell und am Angebot konkret verändert?

Durch die Fusion konnten wir zwei komplementäre Angebote verbinden: Keleya brachte die digitale Wissensplattform und Online-Kurse und Kinderheldin insbesondere die Erfahrung mit individueller Hebammenberatung ein. Seitdem haben wir die digitale Hebammensprechstunde vollständig integriert, den Geburtsvorbereitungskurs neu entwickelt und unser kassenfinanziertes Geschäftsmodell ausgebaut. So ist aus einzelnen Angeboten schrittweise eine gemeinsame Infrastruktur für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett entstanden.

Mehr als 80 gesetzliche Krankenkassen sowie private Versicherungen übernehmen inzwischen die Kosten für Ihre Angebote. Wie entscheidend ist diese Erstattung für die weitere Skalierung von Keleya?

Die Erstattung ist für unsere Skalierung zentral, denn gute Geburtsvorbereitung darf keine Frage des Geldbeutels sein. Würden unsere Angebote ausschließlich selbst bezahlt, würden wir gerade die Frauen schlechter erreichen, die besonders von einem niedrigschwelligen Zugang profitieren können. Mittlerweile stammen rund 90 bis 95 Prozent unserer Produktumsätze aus dem Krankenkassenkanal. Das gibt uns eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage, um unsere Angebote weiterzuentwickeln und bundesweit zugänglich zu machen – unabhängig von lokalen Kurskapazitäten oder dem Wohnort der Nutzerinnen.

Rund 100.000 Frauen nutzen Ihre Angebote jährlich. Welche Bedürfnisse während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett stehen dabei besonders im Mittelpunkt?

Im Mittelpunkt steht Orientierung. In Deutschland gibt es viele gute Angebote, aber Frauen wissen häufig nicht, welche Unterstützung ihnen zusteht, wann sie sich darum kümmern müssen oder wo sie diese finden. Manche beginnen deshalb beispielsweise zu spät mit der Hebammensuche. Gleichzeitig brauchen sie verlässliche Informationen, die sich in ihren Alltag integrieren lassen. Glimmer ordnet medizinisch fundiertes Wissen entlang der Schwangerschaft ein, weist frühzeitig auf die nächsten Schritte hin und bietet flexible Geburtsvorbereitung sowie persönliche Hebammenberatung. Dabei geben wir nicht die eine richtige Entscheidung vor, sondern schaffen eine Grundlage, auf der Frauen ihren eigenen Weg wählen können.

Über ammely sind mehr als 10.000 Hebammen vertreten. Welche Rolle spielt die Verbindung von digitaler Versorgung und persönlicher Hebammenbetreuung in Ihrem Konzept?

Gesundheitsversorgung kann aus unserer Sicht nie vollständig digital sein. Gerade während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bleibt die persönliche Begleitung durch Hebammen unverzichtbar. Digitale Angebote können jedoch Orientierung zwischen den Terminen schaffen, häufige Fragen beantworten und Frauen frühzeitig in die persönliche Versorgung navigieren. Über ammely finden Familien eine Hebamme; die digitale Sprechstunde ergänzt die Versorgung abends und am Wochenende. Digitalisierung ersetzt Hebammen deshalb nicht, sondern schafft ihnen mehr Raum für individuelle Betreuung und menschliche Nähe.

Keleya wächst nach eigenen Angaben profitabel und erwartet in diesem Jahr rund 50 Prozent Umsatzwachstum. Was waren die wichtigsten Faktoren für diese Entwicklung?

Ein wichtiger Faktor war der konsequente Ausbau unseres kassenfinanzierten Geschäftsmodells. Dadurch erreichen wir viele Frauen und schaffen gleichzeitig wiederkehrende, wirtschaftlich tragfähige Erlösstrukturen. Ebenso wichtig war eine stärkere Fokussierung. Wir haben Produkte und Kooperationen beendet, die nicht ausreichend auf unsere Ziele eingezahlt haben, und Team und Budget auf die Bereiche mit dem größten Nutzen und Wachstumspotenzial konzentriert. Das hat uns aus einer Phase herausgebracht, in der wir vermeintlich viel gemacht haben, tatsächlich aber zu langsam vorangekommen sind.

Viele Digital-Health- und FemTech-Unternehmen sind stark auf externe Finanzierung angewiesen. Welche Entscheidungen haben Ihnen geholfen, einen anderen Weg einzuschlagen?

Wir haben Wachstum nie größer dargestellt, als wir es realistisch liefern können. Ich wollte Investoren nicht mit Prognosen überzeugen, an die ich selbst nicht glaube. Diese Haltung wurde mir anfangs teilweise als mangelnder Ehrgeiz ausgelegt. Heute wissen unsere Investoren, dass wir eher vorsichtiger planen und unsere Zusagen zuverlässig einlösen.

Nach einer Phase der Stagnation mussten wir das Unternehmen zunächst sanieren: Produkte und Kooperationen auf den Prüfstand stellen, unsere Kostenstruktur anpassen und Ressourcen stärker fokussieren. Das hat die Grundlage geschaffen, um unser Geschäft wieder konsequent auszubauen. In die Profitabilität hat uns dann das Umsatzwachstum geführt. Kosten zu senken allein ist keine langfristige Perspektive – entscheidend ist, ein Angebot zu entwickeln, das gebraucht wird und dessen Umsatz nachhaltig wächst.

Digitale Angebote rund um Schwangerschaft und Geburt betreffen einen besonders sensiblen Lebensbereich. Wie schaffen Sie Vertrauen und stellen gleichzeitig eine hohe Qualität der Inhalte und Angebote sicher?

Unsere Inhalte werden von Hebammen und anderen Expert:innen entwickelt und geprüft. Am neuen Geburtsvorbereitungskurs waren insgesamt fünf Hebammen an Erstellung und Review beteiligt; umgesetzt wurde er mit drei Hebammen. In der digitalen Sprechstunde beantworten ausschließlich examinierte Hebammen die persönlichen Fragen der Nutzerinnen. Ebenso wichtig ist, die Grenzen digitaler Angebote klar zu benennen. Glimmer ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine Hebammenbetreuung vor Ort. Wir vermitteln Wissen, ordnen Möglichkeiten ein und unterstützen Frauen dabei, informierte Entscheidungen zu treffen – ohne Angst zu schüren oder eine vermeintlich richtige Schwangerschaft vorzugeben.

Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Keleya, und welche Rolle soll das Unternehmen künftig in der Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett übernehmen?

Unsere Vision ist eine Versorgung, in der jede Frau Zugang zu guter Vorbereitung und Begleitung hat – unabhängig von Wohnort, Zeitbudget, Einkommen oder Bildungshintergrund. Glimmer soll zu einem der wichtigsten digitalen Zugänge zur Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett werden. Idealerweise begleiten wir Frauen ab dem positiven Schwangerschaftstest und helfen ihnen, die vorhandene persönliche Versorgung besser zu nutzen. Wir wollen Ärzt:innen und Hebammen nicht ersetzen, sondern Lücken zwischen Terminen schließen und dort eine verlässliche Alternative bieten, wo Unterstützung vor Ort gerade nicht erreichbar ist.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen geben, die ein Unternehmen im anspruchsvollen Digital-Health- oder FemTech-Markt aufbauen möchten?

Erstens: Testet neue Ideen zunächst im kleinen Rahmen und entscheidet dann schnell, ob ihr sie konsequent weiterverfolgt oder beendet. Wer zu wenig Nein sagt, verliert leicht den Fokus.

Zweitens: Verwechselt Lautstärke nicht mit Ambition. Entscheidend ist nicht das größte Versprechen, sondern ein reales Problem zu lösen und Zusagen zuverlässig einzuhalten.

Drittens: Sprecht schwierige Dinge früh und klar an. Indirektes Feedback hilft weder dem Team noch dem Unternehmen. Klarheit kann kurzfristig unangenehm sein, ist langfristig aber fairer und produktiver.

Bild Copyright: Glimmer

Wir bedanken uns bei Julia Neumann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Welcher KI-Assistent passt zu meinem Startup?

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KI-Assistent: KI-Dienst für Startups richtig wählen STRATO_Digitale Systeme überwachen_KI-generiert

Schneller Einstieg, wichtige Entscheidung

ChatGPT, Claude, Mistral oder doch ein anderer Dienst? Ein KI-Assistent ist schnell ausgewählt und ebenso schnell eingerichtet. Gerade für Startups ist das attraktiv: Mit wenig Aufwand lassen sich Aufgaben und Abläufe beschleunigen, für die sonst zusätzliche Zeit oder personelle Ressourcen nötig wären.

Ein wichtiger Teil der Entscheidung für einen Dienst ist die Antwortqualität. Genauso wichtig ist aber, wofür das Team den Assistenten einsetzen will. Denn schon ein einzelner Prompt oder Datei-Upload kann sensible Informationen nach außen tragen. Wer einen KI-Dienst auswählt, sollte deshalb vor allem fünf Punkte im Blick behalten.

1. Festlegen, wofür die KI genutzt werden soll

Bevor ein Startup einen KI-Assistenten auswählt, sollte klar sein, welche Aufgaben er übernehmen soll. Geht es um Recherche, Social-Media-Texte oder um Unterstützung beim Programmieren? Oder soll die KI auch mit internen Dokumenten, Kundendaten oder eigenem Unternehmenswissen arbeiten? Das macht einen großen Unterschied. Ein öffentlich zugänglicher Produkttext ist deutlich weniger sensibel als ein Kundenvertrag oder ein internes Protokoll. Für die Festlegung der Nutzung braucht es keine komplizierten Regeln. Für den Anfang genügt oft eine klare Vereinbarung im Team: Was darf in den KI-Assistenten hinein und was bleibt draußen?

2. Nicht nur auf Sitz des Anbieters schauen

Ob ein KI-Dienst von einem US-amerikanischen oder europäischen Anbieter stammt, ist ein wichtiger Punkt, aber nicht der einzige. Ein Anbieter außerhalb Europas kann Daten innerhalb der EU verarbeiten. Umgekehrt kann ein europäisches Unternehmen für Betrieb, Support oder Wartung internationale Partner einsetzen. Für Startups lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf den Anbieter: Mit wem wird der Vertrag geschlossen? Wo werden Prompts und Dateien verarbeitet? Welche weiteren Dienstleister sind beteiligt? Und aus welchen Ländern sind technische oder administrative Zugriffe möglich?

Auch der Serverstandort allein sagt wenig aus. Je nach Unternehmensstruktur können zusätzlich rechtliche Herausgabepflichten eine Rolle spielen. Wer sensible Daten verarbeiten will, sollte deshalb die Vertragsunterlagen und Datenschutzinformationen des konkreten Tarifs prüfen. Zertifizierungen wie ISO 27001 oder ein C5-Testat können dabei Orientierung geben. Sie ersetzen aber nicht den Blick auf das konkrete Angebot.

3. Prüfen, was mit Prompts und Dateien passiert

Viele schauen zuerst darauf, ob ihre Eingaben für das Modelltraining verwendet werden. Doch auch wenn die Daten für das Training ausgeschlossen sind, können Inhalte gespeichert oder verarbeitet werden, zum Beispiel für technische Abläufe, Missbrauchsprävention, Fehleranalysen oder Support. Hinzu kommt: Je nach Tarif können unterschiedliche Regeln gelten. Ein kostenloser Zugang, ein Business-Angebot und die API-Nutzung werden nicht immer gleich behandelt.

Deshalb lohnt es sich, genau zu schauen, welche Daten wie lange gespeichert werden und wofür sie verwendet werden. Dazu zählen nicht nur Prompts und hochgeladene Dateien, sondern auch Chatverläufe, Kontodaten, technische Protokolle und Backups. Gerade bei vertraulichen Informationen sollte das Team wissen, wann Daten tatsächlich gelöscht werden und was mit ihnen passiert, wenn ein Account gekündigt wird.

4. Teamnutzung von Anfang an organisieren

Solange nur eine Person mit dem KI-Assistenten arbeitet, bleibt vieles überschaubar. Das ändert sich schnell, wenn es sich um ein Team handelt, welches wächst oder Agenturen und Freelancer dazukommen. Private Einzelkonten können dann zum Problem werden: Zugänge sind verstreut, Zuständigkeiten unklar und beim Ausscheiden einer Person bleiben womöglich Daten in deren Account zurück.

Für die geschäftliche Nutzung sind zentral verwaltete Zugänge deshalb die bessere Lösung. Über Rollen und Berechtigungen lässt sich festlegen, wer den Dienst nutzen, Dateien hochladen oder zusätzliche Funktionen freischalten darf. Eine Mehrfaktor-Authentifizierung sorgt für zusätzlichen Schutz beim Login. Besonders wichtig wird die Rechtevergabe, wenn die KI auf interne Dokumente oder Wissensbestände zugreift. Dabei sollte dieselbe Regel gelten wie im restlichen Unternehmen: Wer auf eine Datei oder einen Bereich keinen Zugriff hat, darf die darin enthaltenen Informationen auch nicht über den KI-Assistenten erhalten.

5. Den späteren Anbieterwechsel mitdenken

Was heute gut passt, muss nicht für immer die beste Lösung bleiben. Preise ändern sich, Funktionen kommen hinzu oder verschwinden, und mit dem Wachstum des Startups entstehen neue Anforderungen. Deshalb lohnt sich schon bei der Auswahl die Frage: Wie einfach wäre ein Wechsel zu einem anderen Anbieter? Lassen sich Chatverläufe, Dokumente, Prompts oder Konfigurationen exportieren? Und können diese Daten anschließend auch sinnvoll weiterverwendet werden?

Denn ein Download allein reicht nicht immer aus. Wenn Informationen nur in einem proprietären Format vorliegen oder zentrale Abläufe komplett neu aufgebaut werden müssen, wird ein Wechsel schnell aufwendig. Für technisch versierte Startups können auch Modelle mit offen zugänglichen Modellgewichten interessant sein. Sie bieten unter bestimmten Voraussetzungen mehr Spielraum bei Betriebsform und Anbieterwahl. Ob sich das lohnt, hängt von Lizenz, Know-how und den eigenen Ressourcen ab.

Digitale Souveränität heißt: handlungsfähig bleiben

Für Startups heißt digitale Souveränität vor allem, Entscheidungen bewusst zu treffen und die eigene Handlungsfähigkeit zu bewahren. KI kann viel Arbeit abnehmen – vorausgesetzt, das Team weiß, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt wird. Dann bleibt der Assistent ein Werkzeug, das das Unternehmen unterstützt, statt seine Möglichkeiten unbemerkt einzuschränken.

Bild STRATO Digitale Systeme überwachen KI-generiert

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Proteine aus Leuna: Wie MicroHarvest Europas Ernährungssicherheit sichert

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MicroHarvest: Produktion in Europa wird ausgebaut Jonathan Roberz MicroHarvest

MicroHarvest treibt die Produktion in Europa voran und will mit einer eigenen Großanlage in Leuna die Proteinherstellung in den industriellen Maßstab überführen

Können Sie sich und MicroHarvest kurz vorstellen und erklären, welche Vision hinter dem Unternehmen steht?

Ich bin Jonathan Roberz, Mitgründer und Co-CEO von MicroHarvest. Wir sind die Biotech-Antwort auf eine Frage, die Europa zu lange ignoriert hat: Wie sicher ist unsere Proteinversorgung? Fehlen Chips, steht in der Autoindustrie das Band wochenlang still. Was passiert, wenn Protein fehlt, möchte sich niemand ausmalen. Heute importiert die EU 94 Prozent ihrer Sojaproteine aus Drittstaaten. Europas Lebensmittelindustrie darf nicht von fragilen globalen Lieferketten abhängen. Deshalb produzieren wir hochwertiges Protein per Fermentation, direkt in Europa.

MicroHarvest befindet sich auf dem Weg vom Pilotbetrieb zur industriellen Produktion. Was verändert sich, wenn aus einer technologischen Idee Produktion im großen Maßstab werden soll?

Für uns kommt dieser Schritt nicht plötzlich. Wir sind angetreten, ein produzierendes Unternehmen zu bauen, und haben den industriellen Maßstab von Anfang an mitgedacht. Schon heute produzieren wir mit industriellen Partnern. Die eigene Großanlage ist trotzdem ein großer Schritt, vor dem wir Respekt haben und auf den ich mich riesig freue. Entscheidend ist, unser Tempo in der Entwicklung zu halten und in der Produktion ein neues Mindset zu leben. Denn an unserem Protein hängen Lieferketten. Das ist eine große Verantwortung.

Sie haben sich gemeinsam mit Katelijne Bekers für eine Doppelspitze entschieden. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Weil gerade sehr viel gleichzeitig passiert: Wir bauen Leuna, erschließen neue Märkte und entwickeln unsere Technologie weiter. Wer schnell skalieren und zugleich ein stabiles Fundament bauen will, braucht das richtige Führungsteam. Unsere nächste Phase verlangt zwei Schwerpunkte, die parallel mit voller Kraft laufen: kommerzielle Expansion und der Aufbau der Produktion in Europa. Mit der Doppelspitze und dem neu aufgestellten Leadership-Team können wir auf alles schnell und professionell reagieren.

Wie teilen Sie die Verantwortlichkeiten konkret auf und wo arbeiten Sie weiterhin eng zusammen?

Kate verantwortet die kommerzielle Expansion über Märkte und Regionen hinweg. Ich verantworte die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie und den Aufbau unseres Fundaments in Europa, allen voran Leuna. In seinem Bereich entscheidet jeder eigenständig. Das macht uns schneller. Gemeinsam entscheiden wir über alles, was die Richtung von MicroHarvest prägt: Strategie, Finanzierung, Schlüsselpositionen und große Partnerschaften. Die strategische Ausrichtung legen wir zusammen mit unserer CTO Luísa Cruz fest.

Welche Herausforderungen bringt diese klare Aufgabenteilung mit sich?

Die Doppelspitze verlangt vor allem Klarheit darüber, wer was entscheidet. Diese Linien haben Kate und ich früh und sauber gezogen, so laufen kommerzielle Expansion und Produktionsaufbau parallel mit vollem Tempo. Dass das Modell trägt, zeigt die Praxis: Netflix wird seit Jahren erfolgreich von einer Doppelspitze geführt. Laut einer Analyse der Harvard Business Review erzielen Unternehmen mit Co-CEOs im Schnitt eine höhere Rendite für ihre Anteilseigner. Entscheidend ist, dass das Team funktioniert. Das tut es, zwischen Kate und mir und im gesamten Leadership-Team.

Im Chemiepark Leuna entsteht Ihre erste großskalige Produktionsanlage mit einer geplanten Jahreskapazität von 15.000 Tonnen. Warum haben Sie sich für diesen Standort entschieden?

Aus zwei Gründen. Erstens liegt Leuna mitten in einer starken Agrarregion. In direkter Umgebung produzieren Pfeifer & Langen, Nordzucker und Südzucker, dazu viele weitere Agrarbetriebe. Dort fallen genau die Neben- und Restströme an, die unser Rohstoff sind. Zweitens stellt InfraLeuna als Chemieparkbetreiber alles außerhalb unserer Anlage bereit, im Engineering „Outside Battery Limits“ genannt. Wir müssen uns nicht um Versorgungseinrichtungen kümmern und können uns voll auf unseren Kernprozess konzentrieren.

Die Anlage soll bis Ende 2028 aufgebaut werden. Welche entscheidenden Meilensteine müssen Sie auf dem Weg zur großskaligen Produktion noch erreichen?

Wir übersetzen jetzt alles, was wir gelernt haben, in eine eigene Anlage. Die wichtigsten Meilensteine sind der Abschluss der Finanzierung mit der finalen Investitionsentscheidung sowie langfristige Abnahmeverträge mit Kunden. Dazu kommen Genehmigung und Engineering sowie Bau, Inbetriebnahme und Hochfahren auf volle Kapazität. Jeder Schritt ist anspruchsvoll. Ich bin überzeugt, dass wir sie alle meistern.

MicroHarvest stellt Proteine mithilfe von Fermentation und unter Nutzung von Agrar-Nebenströmen her. Wie funktioniert das Verfahren und welche Vorteile bietet es gegenüber herkömmlichen Proteinquellen?

Im Prinzip ganz einfach. Wir nutzen Mikroorganismen aus der Natur, wie man sie aus der Herstellung von Joghurt oder Kimchi kennt. In einem Prozess ähnlich einer Brauerei verwerten sie die Energie aus Agrar-Nebenströmen und wachsen exponentiell. Die entstehende Biomasse ist das MicroHarvest-Protein. Anders als eine Brauerei ist unser Prozess um ein Vielfaches produktiver, darin liegt unsere Kernexpertise.

Das Ergebnis ist ein Protein ohne Kompromisse: exzellenter Nährwert, sehr guter Geschmack, hervorragende Verdaulichkeit und viele Mikronährstoffe. Produziert in Europa, unabhängig von Anbauflächen, Wetter und globalen Lieferketten.

Produkte mit Ihren Proteinen sind bereits in mehr als 1.800 Verkaufsstellen in Deutschland erhältlich. Was haben Sie aus der bisherigen Markteinführung über die Akzeptanz bei Herstellern, Handel und Verbrauchern gelernt?

Die Markteinführung lief sehr gut. Die wichtigste Erkenntnis: Der Bedarf ist größer, als wir ihn heute bedienen können. Hersteller suchen Proteine, die funktional überzeugen und verlässlich verfügbar sind. Bei Handel und Verbrauchern zählen am Ende Geschmack und Qualität. Diese Nachfrage gibt uns Sicherheit: Wir legen schon heute die Basis für den Ramp-up in Leuna und vertiefen unsere Kundenbeziehungen. So können wir die Produktion nach der Inbetriebnahme sehr schnell hochfahren.

Europa ist bei verschiedenen Proteinquellen auf Importe angewiesen. Welchen Beitrag kann eine europäische Produktion wie die von MicroHarvest langfristig zu einer unabhängigeren Versorgung leisten?

Einen entscheidenden. Wir machen Protein dort verfügbar, wo es fehlt, aus Rohstoffen, die in Europa ohnehin anfallen. Die ersten 15.000 Tonnen aus Leuna sind nur der erste Schritt, wir werden weiter wachsen. Für Märkte außerhalb Europas bauen wir deshalb auch dort Standorte auf. Der Anspruch bleibt überall gleich: hochwertiges Protein verlässlich dort liefern, wo es gebraucht wird. Daran wollen wir uns messen lassen.

Mit dem Bau einer eigenen Großanlage steigen Kapitalbedarf, operative Komplexität und wirtschaftliches Risiko erheblich. Wie bereiten Sie MicroHarvest organisatorisch und finanziell auf diese nächste Größenordnung vor?

Organisatorisch investieren wir gezielt in unser Team. Wir binden erfahrene Menschen an uns, bei MicroHarvest selbst und über Partnerschaften, und wachsen gemeinsam mit ihnen. Finanziell setzen wir auf starke Partner: Unsere Seed-Runde finanzierte FoodLabs, einer der bekanntesten Food-Tech-Investoren Europas. Die Series A führte Astanor an, einer der führenden Agrifood-Investoren Europas. Zuletzt haben wir mit ABN AMRO eine der drei größten Banken der Niederlande gewonnen. Dazu kommen strategische Partner, die Kompetenz und Zugang zu Rohstoffen und Märkten mitbringen.

Mit COO Jan-Philipp Birke und CFO Justus Reich haben Sie zwei Führungspositionen aus dem eigenen Team besetzt. Warum war es Ihnen wichtig, diese nächste Wachstumsphase mit Führungskräften aus den eigenen Reihen zu gestalten?

Als wir Jan-Philipp und Justus eingestellt haben, war mir sofort klar: Die beiden sind in ihren Bereichen deutlich besser als ich. Genau das ist mein Anspruch bei jeder Einstellung. Wenn jeder Bereich mit jemandem besetzt ist, der wirklich exzellent ist, können wir aus den eigenen Reihen wachsen. Beide arbeiten längst auf diesem Niveau, jetzt machen wir es offiziell. Das motiviert das ganze Team und macht MicroHarvest stärker.

Was waren bislang die größten Herausforderungen beim Aufbau von MicroHarvest und welche Entscheidungen würden Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders treffen?

Die größte Herausforderung war, Technologie, Produktion und Finanzierung gleichzeitig voranzutreiben, in einem für Deep-Tech schwierigen Kapitalmarkt. Wir arbeiten extrem datengetrieben und entscheiden auf Basis von Fakten. Rückblickend hätte ich manche Entscheidung gern früher getroffen. Einen Vorwurf mache ich uns nicht: Ohne die Daten von heute fehlte damals die Klarheit. Unterm Strich bin ich sehr zufrieden, wo wir stehen und wie wir dahin gekommen sind.

Wo soll MicroHarvest nach der Inbetriebnahme der Anlage in Leuna stehen und welche weiteren Märkte oder Anwendungen möchten Sie anschließend erschließen?

Wir haben Leuna so geplant, dass wir am Standort weiter ausbauen können. Damit allein geben wir uns nicht zufrieden. Wir werden zusätzliche Anlagen bauen, um die Proteinversorgung global zu sichern. Und wir übertragen unsere Technologie auf weitere Märkte und Anwendungen, damit die Effizienzgewinne unseres Prozesses auch in anderen Bereichen wirken.

Welche drei Tipps würden Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben, die ihr Unternehmen vom Startup zum industriell produzierenden Scale-up entwickeln möchten?

  1. Seid mutig und geht voran: Respekt vor dem großen Schritt ist richtig. Wer auf den perfekten Moment wartet, kommt nie an.
  2. Denkt den Maßstab von Anfang an mit: Eine Technologie, die nur im Labor funktioniert, hilft niemandem.
  3. Umgebt euch mit guten Leuten: Holt Menschen an Bord, die in ihrem Bereich besser sind als ihr, und bindet starke Partner an euch.

Bildrechte MicroHarvest

Wir bedanken uns bei Jonathan Roberz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mehr als nur ein Formular: Wie Zeitmaker mit KI die deutsche Forschungszulage revolutioniert

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Zeitmaker: Software und KI für die Forschungszulage Gründer Team Bild

Zeitmaker verbindet Software und KI, um Unternehmen den Zugang zur Forschungszulage zu vereinfachen und den Prozess von der Prüfung bis zur Auszahlung zu beschleunigen

Können Sie Zeitmaker kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist?

Zeitmaker holt für innovative Unternehmen die Forschungszulage, den deutschen Steuerbonus für Forschung und Entwicklung. Abgerechnet wird rein erfolgsbasiert, ohne Vorkosten und ohne Honorar, falls keine Förderung stattfindet.

Wir haben den Prozess von Anfang an AI-first gedacht. Die Leitfrage war: Wie würde man Software und Service heute bauen, wenn KI der Kern ist und die Besonderheiten der Forschungszulage von Beginn an berücksichtigt werden? Und nicht: Wie digitalisiert man eine bestehende Beratung?

Die Software lernt aus Hunderten erfolgreicher Anträge und genauso aus den Absagen. Inzwischen betreuen wir über 100 Kunden: von KI-Startups über den industriellen Mittelstand bis zu börsennotierten Software-Häusern. Auch PE- und VC-Fonds beauftragen uns, durch ihre gesamten Portfolios zu gehen.

Wer steht hinter Zeitmaker, und welche Erfahrungen bringt das Gründerteam mit?

Erich Lehmann ist Y-Combinator-Alumnus, mehrfacher Gründer und seit Jahren tief im BSFZ-Prozess. Er verantwortet Fachlichkeit und Antragsqualität.

Daniel Höpfner hat über 20 Jahre Erfahrung im Aufbau von venture-finanzierten Tech-Startups in Deutschland und im Silicon Valley. Er hat mehrfach gegründet, unter anderem mit Exit bei pressmatrix.com, anschließend den VC-Fonds b10.vc aufgebaut und verantwortet bei Zeitmaker Sales, Go-to-Market und Partnerschaften.

Welche Vision verfolgen Sie mit Zeitmaker?

Zeitmaker soll das Synonym für die Forschungszulage in Deutschland werden: Fördermittel so einfach wie Online-Banking. Prüfen, klicken, Geld erhalten.

Die KI übernimmt Vorprüfung, Strukturierung und Plausibilisierung, unsere Software sorgt für revisionssichere Zeiterfassung und Dokumentation. Die Software ist das Unternehmen, die Beratung ist die Qualitätssicherung darüber, und wir sind die Dirigenten.

Welche Herausforderungen nehmen Sie Ihren Kunden konkret ab?

Zuerst die Frage „Lohnt sich das überhaupt?“. Die beantwortet unser Schnell-Check, bevor jemand Zeit investiert.

Wir wissen, wie man Sachverhalte darstellt, welches Wording passt und welches verwirrt und wir kennen die Fallstricke. Wir sind ihr Partner an der Seite für den ganzen Prozess.

Sie beschreiben Zeitmaker als servicebasiertes Unternehmen mit eigener Software. Was macht dieses Geschäftsmodell aus Ihrer Sicht besonders?

Software kann heute jeder bauen. Entscheidend ist, welches Problem sie löst. Wir sind auf zwei Extreme spezialisiert: die Qualität der Datenlage und die Geschwindigkeit der Auszahlung.

Datenlage. Unsere Pipeline wird mit jedem Ausnahmefall besser: mit jeder Bewertung durch einen Prüfer, jeder Korrespondenz mit der BSFZ. Über vier Jahre ist so eine immense Checkliste entstanden, die sämtliche Angriffsvektoren gegenüber Prüfern vorzeitig schließt. Wir rechnen damit, dass bald eine Welle von Rückforderungen durch das Land zieht. Wer keine wasserdichte Dokumentation vorweisen kann, muss Rückzahlungen inklusive Zinsen fürchten. Unsere Kunden sollen sicher sein, dass sie das ausgezahlte Geld auch behalten.

Geschwindigkeit. Dieser Aspekt wird in der Branche schlicht übersehen. Meist dauert es vom Start der Beantragung bis zum Geld auf dem Konto locker über ein Jahr, weil erst reagiert wird, wenn Nachforderungen eintreffen. Der Bescheid der Bescheinigungsstelle kommt spätestens nach drei Monaten, entscheidend ist eine solide Dokumentation. Wir messen deshalb die Zeit von unserem Onboarding bis zum Geld auf dem Konto. Das ist die Zahl, auf die es ankommt.

Unser eigener KI-Judge antizipiert die Nachforderungen, bevor sie entstehen. Was sich typischerweise über Monate zieht, ist in Wochen gelöst. Ein börsennotierter Kunde hatte mit der Auszahlung erst Ende nächsten Jahres gerechnet, nach über 18 Monaten Wartezeit. Mit uns kann er das Geld innerhalb von sechs Monaten haben. Beides hängt direkt zusammen: Ist die Datenlage von Anfang an perfekt, muss niemand mehr nachfragen.

Reine Beratung skaliert mit Köpfen, reine Software scheitert am Einzelfall. Bei uns standardisiert die Software 80 Prozent, der Mensch entscheidet die 20 Prozent, die über die Bewilligung entscheiden. Die Erfolgsvergütung zwingt uns zur Effizienz: Jeder manuelle Schritt kostet Marge, also wird er automatisiert.

Sie bezeichnen Zeitmaker als AI Full Stack Company. Was unterscheidet das von klassischem SaaS?

Klassisches SaaS verkauft Werkzeuge, und der Kunde muss sie bedienen. Wir verkaufen das Ergebnis und bauen den ganzen Prozess dahinter selbst.

KI erlaubt es erstmals, dass ein kleines Team Dienstleistung in Softwarequalität und Softwaregeschwindigkeit liefert. Nischen, die früher zu erklärungsbedürftig für Software waren, werden dadurch skalierbar. Aus VC-Perspektive heißt das: Service-Umsätze mit Software-Multiples, wenn die Automatisierung nachweisbar ist.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, einen komplexen Förderprozess so weit zu standardisieren und zu automatisieren, dass er für Unternehmen einfacher wird?

Die schwierigste Aufgabe ist die Unterscheidung zwischen Standardfall und Spezialfall. Jeder Ausnahmefall stärkt die Pipeline, darf den Standardfall aber nicht verkomplizieren. Der Kunde soll nie vor einer riesigen Checkliste stehen.

Diese Optimierung braucht Menschen mit Praxiswissen. Das steht in keinem Gesetz, man kann es nicht recherchieren, und das werden auch die nächsten Modellgenerationen nicht lösen.

Dazu kommen Ermessensspielräume statt klarer Regeln, denn eine BSFZ-Prüferin entscheidet über Neuartigkeit und Innovationslevel. Jedes Unternehmen dokumentiert F&E anders, Zeiterfassung und Personalkosten sind verteilt in verschiedenen Systemen, und Gesetzesänderungen wie das Jahressteuergesetz 2026 verschieben Fristen. Die Hauptaufgabe ist das Ausbalancieren: maximale Vereinfachung für den Kunden bei perfekter Datenlage und hoher Geschwindigkeit.

Wie spielen persönliche Beratung und digitale Prozesse bei Ihnen zusammen?

Software für Wiederholbares, Menschen für Urteilsvermögen.

Konkret heißt das: vier strukturierte Kundengespräche, dazwischen arbeiten Software und KI. Der Kunde spricht dabei immer mit einer Person, die den Fall kennt, nie mit einem Ticket-System. Die KI bereitet jedes Gespräch vor, damit der Berater die Zeit für Entscheidungen nutzt statt für Vorbereitung.

Welche Entwicklungen sehen Sie derzeit bei den Förderprogrammen?

Der Trend geht weg von Zuschussprogrammen mit Antragslotterie hin zu steuerlichen Instrumenten mit Rechtsanspruch. Fördersätze und Volumen wurden deutlich erhöht, viele Unternehmen wissen das noch nicht.

Das Jahressteuergesetz 2026 bringt neue Fristen und Verjährungsregeln: Ansprüche für 2022 müssen bis Jahresende gesichert werden. Ab 2027 kommen elektronische Bescheide, damit wird Fristenmanagement endgültig zur Softwareaufgabe. Unsere Antwort darauf sind Fristen-Kampagnen, Bescheid-Monitoring und eine laufend aktualisierte Wissensbasis.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Zeitmaker derzeit im Fokus?

Im Fokus steht die drastische Reduktion der Zeit bis zum Geld auf dem Konto, bei gleichzeitig hoher Qualität der Datenlage. Konkret arbeiten wir an vier Dingen:

  • Ein Schnell-Check mit automatisierter Ersteinschätzung aus öffentlichen Daten.
  • KI-Prüfer, die Nachfragen der Prüfer noch genauer vorwegnehmen. Statt monatelang auf eine Antwort zu warten, sollen diese Iterationen vorher per Knopfdruck passieren.
  • Automatisiertes Bescheid- und Fristenmonitoring.
  • Ein Partnerprogramm für Steuerberater sowie VC- und PE-Fonds.

Viel Potenzial sehen wir außerdem im Lernen aus vorhandener Dokumentation. Viele Unternehmen haben längst GitHub-Commits, Tickets und Präsentationen, nur unsauber. Wenn wir direkt daraus lernen, sinkt die Belastung für den Kunden weiter.

Wo sehen Sie Zeitmaker in einigen Jahren?

Als erste Adresse für die Forschungszulage in Deutschland, den USA und weiteren EU-Ländern, mit einer vierstelligen Mandantenzahl im wiederkehrenden Geschäft und einer White-Label-Lösung zur Integration in andere Software. Das Thema Innovationsförderung ist ein 100 Mrd Euro Markt und wird wachsen. Nur über Innovation werden wir die großen Herausforderungen unserer Zeit lösen und wir wollen helfen das die richtige Firmen diese Förderung erhalten.

Dahinter steht eine durchgängig digitale Plattform von Antrag bis Auszahlung, die in einem zersplitterten Beratungsmarkt den Standard für prüfungssichere F&E-Dokumentation setzt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein servicebasiertes Unternehmen mit eigener KI-gestützter Software erfolgreich skalieren möchten?

Erstens: Verkauft das Ergebnis, nicht das Werkzeug, und lasst euch daran messen. Automatisiert erst, was ihr zehnmal manuell gemacht habt. Vorher kennt ihr die Ausnahmen nicht, und genau die entscheiden über die Qualität.

Zweitens: Context-Management ist Priorität, und es braucht Menschen. Bei vielen Mandanten wächst der Kontext, bis er kaum mehr greifbar ist. Beim dritten Mandanten funktioniert der Prompt noch, beim siebten ist so viel Schmutz im Kontext, dass der Agent immer schlechter wird. Wir nennen das intern The Purge: das regelmäßige Wegnehmen von unsinnigem Kontext. Das muss ein Ritual werden, und im Zweifel nimmt man lieber einen Ticken zu viel weg als zu wenig.

Drittens: Denkt in Loops, und baut die Firma so, dass sie ohne euch funktioniert. Wer mit KI arbeitet, wird irgendwann selbst zum Bottleneck, weil die KI einen Prompt braucht, um zu starten. Die Alternative: Die KI läuft, promptet sich selbst, pflegt ihren Kontext und arbeitet so weit wie möglich ohne dich. Loops erzeugen allerdings auch Kontext, deshalb funktionieren sie nur mit Punkt zwei. Deine eigentliche Arbeit als Gründer fließt dann ins Kontextmanagement, nicht mehr in die Arbeit selbst. Du willst schlafen oder am Wochenende in die Berge, die KI braucht das nicht. Der Mensch ist verantwortlich für die Kommunikation mit den Kunden und connecting the dots.

Und ein Gedanke zum Schluss: Das Wie ist durch KI weitgehend gelöst. Umso wichtiger ist die Entscheidung, was man überhaupt baut. Sie entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Zeitmaker

Kontakt:

Zeitmaker GmbH
Freddie-Mercury-Straße 5
80797 München
Deutschland

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contact@zeitmaker.com

Ansprechpartner: Daniel Höpfner & Erich Lehmann

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Rahmen neu gedacht: Wie Vater und Sohn mit NOVBYX das E-Bike revolutionieren

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NOVBYX: Fahrrad mit patentierter Konstruktion Filip Lacny NOVBYX

NOVBYX entwickelt ein urbanes Fahrrad mit einer patentierten Konstruktion aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen und will damit einen neuen Ansatz beim Rahmenbau verfolgen

Wer steckt hinter NOVBYX und wie ist die Idee entstanden, gemeinsam als Vater und Sohn ein eigenes E-Bike zu entwickeln?

Hinter NOVBYX stehen mein Vater Tadeusz Lacny und ich, Filip Lacny.

Die ursprüngliche Idee für die Rahmenkonstruktion stammt von meinem Vater und ist schon deutlich älter als NOVBYX als Marke. Er hat sich damals eine eigentlich sehr einfache Frage gestellt: Muss ein Fahrradrahmen wirklich immer aus mehreren einzelnen Rohren bestehen, die anschließend miteinander verschweißt werden?

Aus dieser Überlegung entstand zunächst die Konstruktion und später das europäische Patent.

Mein Vater ist Ingenieur und führt in Deutschland die Lacny Engineering GmbH. Dort werden seit vielen Jahren technische Komponenten und Systeme entwickelt – vom Konzept bis zur Serie. Dieses Denken merkt man auch bei NOVBYX: Eine Idee ist erst der Anfang. Am Ende muss daraus etwas entstehen, das sich zuverlässig fertigen lässt.

Ich bin später stärker in das Projekt eingestiegen, als wir beschlossen haben, aus der technischen Idee ein echtes Produkt und eine Marke zu entwickeln. Heute arbeiten wir gemeinsam daran: Mein Vater vor allem auf der technischen Seite, ich stärker an Produkt, Marke und Geschäftsentwicklung. Die Entwicklung wird dabei auch vom Team von Lacny Engineering unterstützt.

Mein Vater stammt aus Jaworzynka, ich aus Cieszyn direkt an der polnisch-tschechischen Grenze. Heute lebt mein Vater in München. NOVBYX ist für uns deshalb auch ein sehr persönliches Projekt – etwas, das wir als Vater und Sohn gemeinsam von einer Idee bis zu einem realen Fahrrad gebracht haben.

Was hat euch dazu bewegt, beim Rahmen von NOVBYX einen anderen konstruktiven Ansatz als bei klassischen Fahrrädern zu verfolgen?

Eigentlich genau diese eine Frage: Muss man einen Fahrradrahmen immer auf die gleiche Art bauen?

Mein Vater wollte ausprobieren, ob sich die Hauptstruktur vereinfachen lässt und ob man mit durchgehenden Profilen arbeiten kann, anstatt mehrere einzelne Rohre zuzuschneiden und anschließend zusammenzuschweißen.

Daraus ist die heutige Rahmenarchitektur von NOVBYX entstanden.

Das Aussehen kam dabei nicht zuerst. Wir haben nicht versucht, ein möglichst ungewöhnliches Fahrrad zu zeichnen. Die Form ist vielmehr eine Folge der Konstruktion. NOVBYX sieht anders aus, weil es anders aufgebaut ist.

Der Hauptrahmen besteht aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen mit mechanischen Verbindungen. Welche Vorteile soll diese Konstruktion bieten?

Wir reduzieren die Anzahl der einzelnen strukturellen Bauteile und verzichten in der primären Rahmenstruktur auf die klassischen Schweißverbindungen.

Die Profile werden geformt und über präzise mechanische Verbindungen zusammengefügt. Das eröffnet aus unserer Sicht interessante Möglichkeiten bei Fertigung, Montage und langfristig auch bei Service und Austausch einzelner Komponenten. Uns geht es darum, ein Fahrrad zu entwickeln, das lange genutzt und bei Bedarf repariert werden kann.

Unsere bisherigen internen Tests verlaufen sehr gut, und wir sind mit dem Verhalten der Konstruktion bislang wirklich zufrieden. Trotzdem wollen wir die gesamte technische Überprüfung sauber abschließen, bevor wir daraus endgültige Aussagen für die Serie ableiten.

Ein physischer Prototyp von NOVBYX ist bereits vorhanden. Was konntet ihr damit bisher lernen und welche Fragen sind noch offen?

Der wichtigste Moment war wahrscheinlich der, als aus Patent, CAD-Daten und einzelnen Bauteilen plötzlich ein Fahrrad wurde, auf das man sich setzen und losfahren konnte.

Mit einem realen Prototyp lernt man Dinge, die man am Bildschirm einfach nicht vollständig beurteilen kann: Wie fühlt sich die Geometrie an? Wie funktioniert die Montage? Wie verhalten sich die Verbindungen? Welche Teile können leichter oder einfacher werden?

Unser aktueller Prototyp ist deshalb ganz bewusst ein Entwicklungsfahrzeug. Wir fahren damit, testen ihn und verändern Details.

Die bisherigen Ergebnisse stimmen uns sehr positiv. Parallel zur weiteren Erprobung bereiten wir intern bereits den nächsten Schritt vor: den Übergang vom Einzelprototyp zu einem wiederholbaren Produktionsprozess.

Die Erprobung läuft derzeit noch. Welche Tests sind für euch besonders wichtig, bevor ihr den nächsten Schritt Richtung Produktion geht?

Besonders wichtig sind für uns die Belastungs- und Ermüdungstests des Rahmens.

Ein Fahrradrahmen muss nicht nur eine einzelne hohe Belastung aushalten. Im normalen Alltag erlebt er über Jahre sehr viele wiederkehrende Belastungszyklen. Genau deshalb ist dieser Bereich für uns so wichtig.

Daneben betrachten wir die mechanischen Verbindungen, Fertigungstoleranzen und die Wiederholbarkeit der Montage.

Unsere eigenen bisherigen Tests liefern sehr gute Ergebnisse. Die abschließende Validierung läuft aber noch. Unser Ziel ist nicht nur ein funktionierender Prototyp, sondern eine Konstruktion, die später zuverlässig und reproduzierbar gefertigt werden kann.

Für welche Zielgruppe entwickelt ihr NOVBYX und welche Anforderungen dieser Nutzer standen bei der Entwicklung im Mittelpunkt?

NOVBYX ist zunächst ein urbanes E-Bike für Menschen, die sich für Technik und Design interessieren und ein Fahrrad suchen, das schon in seiner Grundkonstruktion anders ist.

Trotzdem soll NOVBYX kein reines Designobjekt sein. Es soll im Alltag unkompliziert bleiben und sich gut warten lassen.

Deshalb sehen wir für die Serienausstattung bei vielen Komponenten bewusst bewährte Lösungen vor, zum Beispiel Shimano CUES und hydraulische Shimano-Bremsen. Die Ausstattung des Entwicklungsprototyps kann davon noch abweichen.

Das Ungewöhnliche soll vor allem dort stattfinden, wo NOVBYX wirklich anders ist: in der Architektur des Rahmens, nicht in der Bedienung des Fahrrads.

Was unterscheidet NOVBYX aus eurer Sicht am stärksten von anderen E-Bikes auf dem Markt?

Ganz klar der Ausgangspunkt.

Bei E-Bikes stehen oft der Antrieb, der Akku oder die Software im Mittelpunkt. Bei uns begann die Entwicklung beim Rahmen.

Die beiden durchgehenden Profile und die mechanischen Verbindungen bestimmen die gesamte Silhouette des Fahrrads.

Deshalb erkennt man NOVBYX sehr schnell wieder. Aber dieser Wiedererkennungswert wurde nicht nachträglich gestaltet – er ist aus der Konstruktion entstanden.

Eure Konstruktion ist durch ein europäisches Patent geschützt. Welche Bedeutung hat das Patent für eure weitere Unternehmensentwicklung?

Das Patent ist für uns wichtig, weil hinter der Konstruktion eine lange Entwicklungsgeschichte steht.

Die Priorität der Erfindung reicht bis 2014 zurück. Das europäische Patent EP 2 944 554 B1 wurde 2019 erteilt. Mein Vater ist darin als Erfinder genannt, die Anmeldung erfolgte durch die Lacny GmbH.

Für ein junges Unternehmen ist dieses geistige Eigentum natürlich wertvoll. Trotzdem sehen wir das sehr nüchtern: Ein Patent allein macht noch kein gutes Produkt.

Jetzt geht es darum, aus dieser Idee ein Fahrrad zu machen, das technisch überzeugt, die Tests besteht und sich zuverlässig produzieren lässt. Das ist für uns momentan viel wichtiger als einfach nur sagen zu können, dass die Konstruktion patentiert ist.

Vom funktionierenden Prototyp zur wiederholbaren Kleinserie ist es ein großer Schritt. Wo liegen für euch aktuell die größten Herausforderungen?

Genau darin, aus einem funktionierenden Einzelstück einen Prozess zu machen.

Bei einem Prototyp kann man viele Dinge noch individuell lösen. In einer Serie müssen Profile, Verbindungsteile, Toleranzen, Montage und Qualitätskontrolle jedes Mal nach dem gleichen Standard funktionieren.

Deshalb arbeiten wir inzwischen nicht mehr nur am Fahrrad selbst. Intern bereiten wir bereits die spätere Serienproduktion und größere Stückzahlen vor – von Fertigungsprozessen und Lieferanten bis zu Montage und Qualitätskontrolle.

Dabei hilft die Erfahrung meines Vaters und des Teams von Lacny Engineering. Dort gehört es seit vielen Jahren zum Alltag, technische Lösungen vom Konzept in Richtung Serie zu entwickeln.

Unsere ersten 77 Fahrräder sehen wir als wichtigen Zwischenschritt. Lieber bauen wir diese erste Serie richtig und lernen daraus, als sofort Stückzahlen zu versprechen, die wir noch nicht sicher beherrschen.

Welche Rolle soll Kickstarter bei der Finanzierung und beim Markteintritt von NOVBYX spielen?

Kickstarter ist für uns der nächste Schritt zwischen Prototyp und erster Produktion.

Die erste Signature 77 Series soll aus 77 individuell nummerierten Fahrrädern bestehen. Diese ersten Unterstützer sind für uns die Menschen, die NOVBYX ganz am Anfang begleiten.

Natürlich soll Kickstarter auch einen Teil der ersten Produktion finanzieren. Fast genauso interessant ist für uns aber die direkte Rückmeldung: Aus welchen Ländern kommt Interesse? Was überzeugt die Menschen an dem Fahrrad? Welche Fragen stellen sie?

Die Kampagne bereiten wir aktuell vor. Wir wollen dabei realistische Aussagen machen, statt zu früh feste Produktions- oder Liefertermine zu versprechen. Parallel laufen die Tests und intern bereits die Vorbereitungen für die spätere Serienfertigung.

Wo möchtet ihr mit NOVBYX in den kommenden Jahren stehen und welche nächsten Meilensteine habt ihr euch gesetzt?

Wir wollen aus NOVBYX eine Marke mit einer eigenen technischen Grundlage aufbauen, nicht nur ein einzelnes auffälliges Fahrrad vorstellen.

Der nächste Schritt ist, die laufende Validierung abzuschließen und gleichzeitig die Produktion vorzubereiten. Danach möchten wir die ersten 77 Fahrräder bauen.

Damit wollen wir zeigen, dass die Konstruktion nicht nur einmal als Prototyp funktioniert, sondern sich zuverlässig und wiederholbar herstellen lässt. Darauf wollen wir die weitere Produktion aufbauen.

Langfristig ist für uns auch die Rahmenarchitektur selbst spannend. Wenn sich das System bewährt, muss NOVBYX nicht bei einem einzigen Fahrradmodell bleiben.

Aber zuerst wollen wir das erste Fahrrad richtig machen.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen ein eigenes Hardware-Produkt entwickeln möchten?

Erstens: Baut so früh wie möglich etwas Reales. Ein physischer Prototyp beantwortet Fragen, über die man am Computer sehr lange diskutieren kann.

Zweitens: Erwartet nicht, dass die erste Version perfekt ist. Hardware entwickelt sich Schritt für Schritt. Unser heutiger Prototyp ist auch das Ergebnis vieler Entscheidungen, Änderungen und Lernprozesse.

Und drittens: Sprecht mit Menschen außerhalb des eigenen Teams. Lieferanten, Ingenieure, potenzielle Kunden und auch Journalisten stellen manchmal eine einfache Frage, auf die man selbst nach Monaten Arbeit nicht mehr kommt.

Bildcredits NOVBYX

Wir bedanken uns bei Filip Lacny für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Reise planen, Begleitung finden: Wie Voyalyo Urlaub und KI-Matching verbindet

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Voyalyo: Reiseplanung und Reisepartner verbinden Sven Rosalewski, KI-bearbeitetes Porträt auf Grundlage eines Originalfotos

Voyalyo verbindet KI-gestützte Reiseplanung mit der Suche nach passenden Reisepartnern und möchte Menschen vom ersten Reisewunsch bis zur gemeinsamen Reise begleiten.

Sven, können Sie Voyalyo kurz vorstellen und erzählen, wer hinter der Plattform steht?

Voyalyo ist eine Reiseplattform von DAVECTO Design. Ich bin Sven Rosalewski aus Schneverdingen und der Betreiber des Projekts. Voyalyo verbindet Reiseinspiration, die KI-gestützte Reiseplanung mit unserem Assistenten Lyo und die Suche nach passenden Reisepartnern. Die Idee lässt sich in einem Satz ausdrücken: Reise planen und den passenden Menschen dafür finden. Voyalyo ist für Web, Android und iOS verfügbar.

Wie ist die Idee entstanden, KI-gestützte Reiseplanung mit der Suche nach passenden Reisepartnern auf einer Plattform zu verbinden?

Ausgangspunkt ist eine alltägliche Hürde: Jemand möchte verreisen, aber im eigenen Umfeld hat niemand Zeit oder dieselben Vorstellungen. Eine Reiseidee allein löst dieses Problem nicht. Ebenso hilft ein neuer Kontakt wenig, wenn Zeitraum, Budget und Reisestil nicht zusammenpassen. Deshalb verbindet Voyalyo beide Schritte: Zunächst wird das Reisevorhaben konkreter, anschließend können Menschen mit ähnlichen Reiseplänen einander kennenlernen.

Welches konkrete Problem möchten Sie mit Voyalyo lösen und für welche Zielgruppe ist das Angebot besonders interessant?

Wir möchten die Lücke zwischen einer Urlaubsidee und einer gemeinsamen Reise verkleinern. Voyalyo richtet sich besonders an Menschen, die Reisebegleitung suchen, weil ihre Freunde andere Pläne haben oder zeitlich nicht können. Entscheidend ist nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern auch, wie man die Reise erleben möchte. Die Plattform soll dabei helfen, diese Erwartungen früh zu besprechen, statt Unterschiede erst während des Urlaubs zu bemerken.

Mit Lyo haben Sie einen eigenen KI-Reiseplaner integriert. Wie funktioniert dieser und welche Informationen benötigt er, um einen individuellen Reiseplan zu erstellen?

Lyo führt durch ein Gespräch und fragt schrittweise nach den wichtigsten Angaben. Dazu gehören Ziel oder Urlaubsart, Zeitraum, Dauer, Budget, Abflughafen, Unterkunft, Verpflegung und persönliche Interessen. Auch ohne festes Reiseziel kann Lyo zunächst Ideen vorschlagen. Aus den Antworten entsteht ein Reiseplan, der sich weiter anpassen lässt. Lyo bucht nicht automatisch. Preise, Verfügbarkeiten und Einreisebestimmungen müssen vor einer Buchung beim Anbieter oder einer offiziellen Stelle geprüft werden.

Viele Reisende nutzen bereits allgemeine KI-Anwendungen oder klassische Reiseportale für ihre Planung. Was kann Lyo beziehungsweise Voyalyo anders als bestehende Angebote?

Unser Schwerpunkt ist die Verbindung von Planung und Reisebegleitung. Ein Reiseplan beantwortet, wohin und wie jemand reisen möchte. Voyalyo ergänzt die Frage, mit wem dieses Vorhaben zusammenpasst. Lyo ist damit Teil eines Ablaufs aus Inspiration, Planung, Reisepartnersuche und Kennenlernen. Wir behaupten nicht, dass KI jede Reiseentscheidung besser trifft. Ihr Nutzen liegt darin, Wünsche zu ordnen und daraus ein konkreteres Vorhaben zu entwickeln.

Ein wesentlicher Bestandteil von Voyalyo ist die Suche nach passenden Mitreisenden. Nach welchen Kriterien werden Nutzerinnen und Nutzer zusammengebracht und wie verhindern Sie, dass Voyalyo als Dating-Plattform wahrgenommen oder genutzt wird?

Reiseziel, Zeitraum, Budget, Interessen und Reisestil sind die zentralen Anhaltspunkte. Profile und Reisepläne machen Gemeinsamkeiten sichtbar; über Nachrichten können Nutzer anschließend ihre Erwartungen klären. Voyalyo ist auf gemeinsame Reisen ausgerichtet und keine Dating-Plattform. Das muss in der Darstellung und Nutzung deutlich bleiben. Vollständig verhindern lässt sich eine zweckfremde Nutzung keiner offenen Plattform. Deshalb gehören klare Regeln und Möglichkeiten zum Melden und Blockieren dazu.

Wer mit bislang unbekannten Personen verreist, muss Vertrauen aufbauen können. Welche Verifizierungs- und Sicherheitsfunktionen bietet Voyalyo und wie schützen Sie Ihre Community vor Fake-Profilen oder Missbrauch?

Voyalyo bietet Verifizierungsfunktionen sowie Möglichkeiten zum Melden und Blockieren. Nachrichten unterstützen das Kennenlernen vor einer gemeinsamen Buchung. Diese Funktionen können Risiken verringern, garantieren aber keine sichere Reise oder ein bestimmtes Verhalten anderer Menschen. Wir empfehlen, Erwartungen und Kosten vorab zu besprechen und sich zunächst per Video oder an einem öffentlichen Ort kennenzulernen. Niemand sollte unter Zeitdruck buchen oder Geld an unbekannte Personen überweisen.

Bei Reiseprofilen, Matching und persönlichen Nachrichten fallen sensible Nutzerdaten an. Welche Bedeutung haben Datenschutz und Datensicherheit bei der Entwicklung Ihrer Plattform?

Datenschutz ist eine Voraussetzung für Vertrauen in eine Plattform, auf der Menschen persönliche Reisevorstellungen teilen und miteinander schreiben. Angaben in einem Reiseprofil und persönliche Nachrichten müssen entsprechend ihrer Funktion behandelt werden. Für mich gehören verständliche Informationen über die Verarbeitung und die Rechte der Nutzer ebenso dazu wie angemessene technische Schutzmaßnahmen. Eine pauschale Behauptung, eine Plattform sei hundertprozentig sicher, wäre unseriös. Konkrete Aussagen zu Speicherung, Zugriffen oder Verschlüsselung müssen den tatsächlich eingesetzten Verfahren entsprechen.

Voyalyo wird von DAVECTO Design entwickelt und ist für Web, Android und iOS ausgelegt. Wie groß ist das Team hinter dem Projekt und wie haben Sie die Entwicklung bislang finanziert?

Das Team besteht aus mir, Sven Rosalewski. Ich entwickle und betreibe Voyalyo unter DAVECTO Design. Die Entwicklung habe ich privat finanziert.

Wie sieht das Geschäftsmodell von Voyalyo aus und welche Funktionen sollen dauerhaft kostenlos beziehungsweise kostenpflichtig angeboten werden?

Voyalyo arbeitet mit einem Freemium-Modell: Ein kostenloser Einstieg wird durch kostenpflichtige Premium-Funktionen ergänzt. Wichtig ist eine verständliche Trennung, damit Nutzer vor einem Kauf wissen, welche Leistungen enthalten sind. Das Ziel ist, den Zugang zur Plattform niedrigschwellig zu halten und zusätzliche Leistungen für Menschen anzubieten, die Voyalyo intensiver nutzen möchten.

Plattformen, die Menschen miteinander verbinden, stehen häufig vor dem klassischen Henne-Ei-Problem: Ohne genügend Nutzer gibt es wenige passende Matches. Wie möchten Sie eine ausreichend große Community aufbauen und erste Nutzer für Voyalyo gewinnen?

Eine kleine Community darf nicht als bereits großes Netzwerk dargestellt werden. Gerade am Anfang müssen wir Erwartungen ehrlich halten und Menschen mit konkreten Reisevorhaben erreichen. Dafür setzen wir auf verständliche Reiseinhalte, die Vorstellung der Plattform auf passenden Portalen und den direkten Austausch mit Interessierten. Die Planung mit Lyo kann schon helfen, bevor eine passende Begleitung gefunden ist. Entscheidend wird sein, aus ersten Kontakten eine aktive Community zu entwickeln und die Rückmeldungen der Nutzer ernst zu nehmen.

Wo soll Voyalyo in den kommenden drei bis fünf Jahren stehen und welche Funktionen oder Märkte möchten Sie als Nächstes erschließen?

Mein Ziel ist, dass Voyalyo Menschen verlässlich vom ersten Reisewunsch bis zum Kennenlernen passender Mitreisender begleitet. Dafür ist eine aktive Community wichtiger als eine lange Liste neuer Funktionen. Zunächst möchte ich die Planung, die Suche und das Kennenlernen anhand echter Nutzung weiter verbessern. Weitere Märkte oder Sprachen sind dann sinnvoll, wenn das Angebot im bestehenden Umfeld funktioniert. Eine schnelle internationale Expansion wäre für mich kein Selbstzweck.

Sven Rosalewski, KI-bearbeitetes Porträt auf Grundlage eines Originalfotos

Wir bedanken uns bei Sven Rosalewski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Entscheiden unter Unsicherheit: Wie Dennis Besseler Unternehmern hilft, das Rätselraten zu beenden

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Entscheidungen: Informationen bei Unsicherheit richtig nutzen Dennis Besseler

Entscheidungen unter Unsicherheit gehören zum Unternehmertum: Dennis Besseler erklärt, wie Informationen richtig eingeordnet werden und Gründer auch ohne vollständige Sicherheit handlungsfähig bleiben.

Dennis, können Sie sich unseren Leserinnen und Lesern zunächst kurz vorstellen und erzählen, welche Stationen Sie als Unternehmer besonders geprägt haben?

Ich bin Unternehmer, Autor und Coach für Entscheidungen unter Unsicherheit. Mich beschäftigt seit mehr als drei Jahrzehnten die Frage, wie Menschen handlungsfähig bleiben, wenn Informationen fehlen, Situationen unübersichtlich werden oder Entscheidungen nicht beliebig verschoben werden können.

Geprägt haben mich dabei sehr unterschiedliche Welten. Seit meiner Jugend reise ich in Regionen, in denen Planung allein häufig nicht ausreicht. Gleichzeitig habe ich mehrere unternehmerische Projekte aufgebaut und erlebt, wie unterschiedlich eine Idee auf dem Papier und ihre Realität im Markt sein können.

Eine wichtige Erfahrung war für mich deshalb: Unternehmertum besteht nicht darin, ständig die richtige Entscheidung vorherzusagen. Entscheidend ist, ein System zu entwickeln, mit dem man auch dann vernünftig entscheiden und anschließend reagieren kann, wenn die eigene Einschätzung falsch war.

Mit „Don’t Cry. Eat It!“ haben Sie sich unternehmerisch mit essbaren Insekten beschäftigt. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben Ihren heutigen Blick auf unternehmerische Entscheidungen beeinflusst?

„Don’t Cry. Eat It!“ war für mich besonders lehrreich, weil es ein Markt war, bei dem Produkt, gesellschaftliche Wahrnehmung und tatsächliches Kundenverhalten weit auseinanderliegen konnten.

Menschen können beispielsweise sagen, dass sie Nachhaltigkeit wichtig finden und alternative Proteinquellen interessant finden. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie an der Kasse tatsächlich ein Produkt mit Insekten kaufen.

Für Unternehmer ist genau diese Differenz wichtig: Interesse ist noch keine Nachfrage, Aufmerksamkeit noch kein Geschäftsmodell und Zustimmung noch keine Kaufentscheidung.

Ich habe daraus gelernt, Annahmen möglichst früh mit der Realität zu konfrontieren. Nicht endlos darüber diskutieren, was der Markt möglicherweise tun könnte, sondern kleine reale Tests durchführen und beobachten, was tatsächlich passiert.

Sie beschäftigen sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit Entscheidungen unter Unsicherheit. Was unterscheidet aus Ihrer Sicht eine schwierige Entscheidung von einer Entscheidung, bei der schlicht wichtige Informationen fehlen?

Eine schwierige Entscheidung kann vollständig analysierbar sein. Ich kenne beispielsweise alle relevanten Zahlen, aber zwei Handlungsoptionen haben jeweils erhebliche Vor- und Nachteile.

Eine Entscheidung unter Unsicherheit ist anders. Ein Teil der Informationen existiert noch gar nicht. Niemand kann mir heute zuverlässig sagen, wie Kunden in zwölf Monaten reagieren, wie sich ein Markt entwickelt oder ob eine neue Strategie funktioniert.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn Informationen grundsätzlich beschaffbar sind, sollte ich sie beschaffen. Wenn die Information jedoch erst in der Zukunft entstehen wird, bringt weiteres Warten irgendwann keinen Erkenntnisgewinn mehr.

Dann muss entschieden werden.

Sie haben die Dennis-Navigationslogik entwickelt, die aus den vier Schritten Wahrnehmen, Einordnen, Entscheiden und Handeln besteht. Wie funktioniert dieses Modell konkret?

Der erste Schritt ist Wahrnehmen. Was ist tatsächlich passiert? Welche Informationen habe ich? Dabei versuche ich zunächst, Beobachtung und Interpretation voneinander zu trennen.

Danach kommt das Einordnen. Welche Informationen sind für meine Entscheidung relevant? Was weiß ich, was vermute ich und was kann ich momentan überhaupt nicht wissen?

Der dritte Schritt ist die Entscheidung. Ich bestimme eine Richtung auf Grundlage der verfügbaren Informationen. Nicht auf Grundlage der Informationen, die ich gerne hätte.

Der vierte Schritt ist Handeln. Eine Entscheidung, die keine Handlung verändert, bleibt letztlich nur eine Absicht.

Wichtig ist außerdem, dass das System zyklisch funktioniert. Nach dem Handeln entstehen neue Informationen. Diese werden wieder wahrgenommen und eingeordnet. Dann kann die Entscheidung bestätigt, angepasst oder verworfen werden.

Gerade Gründerinnen und Gründer wünschen sich häufig möglichst viele Daten, bevor sie eine wichtige Entscheidung treffen. Ab welchem Punkt wird zusätzliche Information nicht mehr hilfreich, sondern zum Hindernis?

Wenn neue Informationen die Entscheidung nicht mehr verändern würden.

Das ist für mich eine sehr praktische Grenze. Man kann sich fragen: Welche konkrete Information fehlt mir noch, und was würde ich anders machen, wenn ich sie hätte?

Wenn darauf keine klare Antwort kommt, wird Informationssuche schnell zur Verschiebung der eigentlichen Entscheidung.

Mehr Informationen vermitteln außerdem häufig ein Gefühl von Sicherheit, ohne tatsächlich mehr Sicherheit zu schaffen. Gerade bei strategischen Entscheidungen kann man hundert Marktanalysen lesen und trotzdem nicht wissen, wie der eigene Marktversuch ausgehen wird.

Irgendwann liefert nur das Handeln neue Informationen.

Markteintritt, Finanzierung oder eine neue strategische Ausrichtung können über die Zukunft eines Startups entscheiden. Wie lässt sich Ihre Navigationslogik auf solche Situationen übertragen?

Nehmen wir einen Markteintritt.

Wahrnehmen bedeutet zunächst: Welche Nachfrage existiert tatsächlich? Welche Wettbewerber gibt es? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?

Beim Einordnen trenne ich belastbare Erkenntnisse von Annahmen. Vielleicht kenne ich die Marktgröße, weiß aber noch nicht, ob Kunden mein konkretes Angebot kaufen werden.

Dann erfolgt die Entscheidung. Beispielsweise nicht sofort bundesweit zu starten, sondern einen begrenzten Markttest durchzuführen.

Das Handeln erzeugt anschließend reale Daten: Kaufverhalten, Rückfragen, Abbrüche, Preise, Reaktionen und Nutzung.

Auf dieser Grundlage beginnt der Prozess erneut.

Damit wird aus einer großen, abstrakten Entscheidung eine Folge überschaubarer Entscheidungen mit möglichst kurzen Lernschleifen.

Welche Rolle spielen Intuition und persönliche Erfahrung, wenn belastbare Zahlen oder eindeutige Fakten für eine Entscheidung fehlen?

Intuition ist für mich weder etwas Mystisches noch grundsätzlich zuverlässig. Häufig ist sie verdichtete Erfahrung.

Wer viele ähnliche Situationen erlebt hat, erkennt Muster manchmal schneller, als er sie sprachlich erklären kann. In einem bekannten Umfeld kann Intuition deshalb sehr wertvoll sein.

Problematisch wird sie, wenn wir Erfahrung aus einem Bereich auf eine völlig andere Situation übertragen.

Ein erfahrener Unternehmer kann beispielsweise ein gutes Gespür für Kundengespräche haben. Das bedeutet nicht automatisch, dass sein Bauchgefühl auch bei einer neuen Technologie oder einem völlig fremden Markt richtig liegt.

Ich nutze Intuition deshalb als Signal, nicht als Beweis.

Sie haben auch auf Expeditionen und Fernreisen Entscheidungen unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen treffen müssen. Was lässt sich aus solchen Extremsituationen tatsächlich auf den Unternehmensalltag übertragen – und wo stößt dieser Vergleich an seine Grenzen?

Übertragen lässt sich vor allem die Struktur der Entscheidung.

Auch unterwegs kann ich nicht jede Entwicklung vorhersehen. Ich muss wahrnehmen, Veränderungen einordnen, eine Entscheidung treffen und anschließend beobachten, ob sie funktioniert.

Eine zweite wichtige Erfahrung ist die Bedeutung von Handlungsoptionen. Gute Entscheidungen bestehen nicht nur darin, einen perfekten Plan zu verfolgen. Sie sollten möglichst verhindern, dass man sich ohne Not alle Alternativen abschneidet.

Die Grenzen des Vergleichs sind aber ebenso wichtig. Eine Expedition ist kein Unternehmen. Risiken, Verantwortlichkeiten und Konsequenzen sind unterschiedlich.

Ich halte deshalb wenig davon, Abenteuererfahrungen romantisch auf Unternehmen zu übertragen. Relevant sind nicht die spektakulären Situationen selbst, sondern bestimmte Entscheidungsprinzipien, die sich darin besonders deutlich beobachten lassen.

Fehlentscheidungen gehören zum Unternehmertum. Woran erkennt man, ob man an einer einmal getroffenen Entscheidung festhalten oder seinen Kurs korrigieren sollte?

Man sollte vor einer wichtigen Entscheidung möglichst festlegen, woran man später erkennen möchte, ob sie funktioniert.

Das können Umsätze, Kundenzahlen, Zeiträume, Kosten oder andere konkrete Beobachtungen sein.

Schwierig wird es, wenn diese Kriterien erst nachträglich verändert werden, weil man sich von einer Entscheidung emotional nicht trennen möchte.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: War meine damalige Entscheidung richtig?

Sie lautet: Ist diese Entscheidung auf Grundlage der Informationen, die ich heute habe, weiterhin sinnvoll?

Eine damals vernünftige Entscheidung kann heute falsch sein, weil sich die Situation verändert hat. Kurskorrektur bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die ursprüngliche Entscheidung schlecht war.

Besonders schwer fällt vielen Gründerinnen und Gründern die Entscheidung, ein Projekt, ein Produkt oder sogar ein Unternehmen zu beenden. Welche Kriterien können dabei helfen, Durchhaltevermögen von einem zu langen Festhalten zu unterscheiden?

Ich würde drei Dinge voneinander trennen: das Ziel, die Strategie und die bereits investierten Ressourcen.

Nur weil viel Zeit oder Geld in ein Projekt geflossen ist, entsteht daraus kein Grund, weiteres Geld oder weitere Zeit zu investieren. Vergangene Investitionen kommen durch zukünftige Investitionen nicht zurück.

Entscheidend ist deshalb die Zukunft: Würde ich mit meinem heutigen Wissen dieses Projekt noch einmal beginnen oder weiterfinanzieren?

Daneben muss man prüfen, ob lediglich die gewählte Strategie nicht funktioniert oder ob das eigentliche Ziel unrealistisch geworden ist.

Durchhaltevermögen bedeutet für mich, an einem sinnvollen Ziel festzuhalten und den Weg dorthin verändern zu können. Starrheit bedeutet, auch dann denselben Weg weiterzugehen, wenn die Realität längst dagegen spricht.

Welche typischen Fehler beobachten Sie bei Unternehmerinnen und Unternehmern, wenn wichtige Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen?

Ein Fehler ist, Geschwindigkeit mit Hektik zu verwechseln.

Unter Zeitdruck werden Informationen häufig nicht mehr sauber getrennt. Vermutungen werden plötzlich wie Fakten behandelt und der erste plausible Erklärungsansatz wird zur Wahrheit.

Ein zweiter Fehler ist, gleichzeitig zu viele Probleme lösen zu wollen.

Ich versuche stattdessen zu klären: Welche Entscheidung muss jetzt tatsächlich getroffen werden und welche kann warten?

Der dritte Fehler ist das Gegenteil: Aus Angst vor einer falschen Entscheidung wird gar nicht entschieden. Auch das ist eine Entscheidung, nur häufig eine unkontrollierte.

Wenn Sie Gründerinnen und Gründern drei Grundsätze für bessere Entscheidungen unter Unsicherheit mitgeben könnten: Welche wären das?

Erstens: Trennen Sie konsequent zwischen dem, was Sie wissen, dem, was Sie vermuten, und dem, was momentan nicht bekannt sein kann.

Zweitens: Warten Sie nicht auf Sicherheit, die grundsätzlich erst durch das Handeln entstehen kann. Treffen Sie stattdessen Entscheidungen so, dass Sie möglichst schnell neue belastbare Informationen erhalten.

Drittens: Verwechseln Sie Konsequenz nicht mit Starrheit. Eine Entscheidung gibt eine Richtung vor. Wenn neue Informationen zeigen, dass diese Richtung nicht mehr sinnvoll ist, ist eine Kurskorrektur kein Scheitern, sondern Teil eines funktionierenden Entscheidungsprozesses.

Bildcredits besseler

Wir bedanken uns bei Dennis Besseler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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