Mittwoch, August 19, 2026
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ClimateLaunchpad 2026: Diese drei Greentech-Startups vertreten Deutschland

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ClimateLaunchpad: Diese Startups vertreten Deutschland

Drei deutsche Teams stehen fest: Sie vertreten Deutschland beim europäischen Finale von ClimateLaunchpad

CiX Greentech, exære und MAD haben die deutschen ClimateLaunchpad-Nationals in Nürtingen gewonnen und vertreten Deutschland nun beim europäischen Regionalfinale am 15. September 2026.

ClimateLaunchpad ist der weltweit größte Wettbewerb für innovative grüne Geschäftsideen. Getragen wird er von EIT Climate-KIC, Europas größter öffentlich-privater Innovationspartnerschaft im Klimabereich, die sich für nachhaltige Gründungen, Bildungsprogramme und systemischen Klimaschutz einsetzt. Seit mehr als zwölf Jahren ist der Wettbewerb in über 52 Ländern aktiv, seit seiner Gründung haben sich mehr als 18.000 Teams beworben. Die Alumni haben gemeinsam über 500 Millionen Euro an Finanzierung eingesammelt und arbeiten heute an Lösungen, die Energie-, Ernährungs- und Mobilitätssysteme weltweit verändern.

Zukunft.Gründen Venture Studio ist offizieller nationaler Partner von ClimateLaunchpad und verantwortet die Auswahl der besten deutschen Gründungsideen. Das diesjährige nationale Finale fand am 16. Juli an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen statt. Für die diesjährigen Nationals gingen 100 Bewerbungen aus ganz Deutschland ein, ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell die Zahl klimaorientierter Gründerinnen und Gründer im Land wächst.

Die zehn Finalteams präsentierten Lösungen aus drei Bereichen: Energie und Infrastruktur, Kreislaufwirtschaft und neue Materialien sowie Wasseraufbereitung. Die Ideen reichten von Technologien, die Kommunen helfen, Energieprojekte schneller umzusetzen, über Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung und zur Skalierung von E-Mobilität bis hin zu zirkulären Ansätzen, die Böden regenerieren, kritische Rohstoffe sichern, Energie aus Abfall gewinnen und neue biobasierte Baumaterialien schaffen.

Warum die Wahl auf den Standort Nürtingen fiel

Nürtingen ist Sitz der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), die konsequent auf angewandte Wissenschaft setzt und Wirtschaft und Umwelt in enger Zusammenarbeit mit der Industrie verbindet. Genau dieser Fokus verleiht der Stadt echtes Gewicht in Deutschlands Klima- und Nachhaltigkeitsszene und ist der Grund, warum die Nationals hier stattfanden. Auch das Zukunft.Gründen Venture Studio selbst hat hier seinen Ursprung.

Die Standortwahl steht dabei für mehr als nur die Stadt. Baden-Württemberg gilt als eine der innovativsten Regionen Europas, und Greentech rückt zunehmend ins Zentrum dieser Reputation. Mehr als 420 Unternehmen sind bereits Teil von GreenTech BW, dem Greentech-Netzwerk des Landes, und folgen damit derselben Richtung, auf die auch Deutschland insgesamt setzt: einer Wirtschaft, in der Klima- und Ressourcentechnologien zu zentralen Exportgütern werden.

Erfahrene Fachjury entschied über die Platzierungen

Über die Platzierungen entschied eine vierköpfige Jury mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von Klimaschutz, Kapital und dem Aufbau funktionierender Unternehmen. Teil der Jury waren Matthias Ballweg, Mitgründer von Circular Republic und Direktor bei UnternehmerTUM, sowie Birgit Handl, die als erste Mitarbeiterin von ecoplanet das Unternehmen von der Pre-Seed- bis zur Series-A-Phase begleitete und heute zum Investment-Team von Aurum Impact gehört. Vervollständigt wurde das Gremium durch Cosima Richardson, Gründerin von Kynd Hair, und Andjela Cvetanovic, Head of Investment Management bei der Impact-Plattform capacura.

Matthias Ballweg betonte bei den Nationals, dass Kreislaufwirtschaft die Zukunft sei. Es sei kein Zufall, dass zwei der drei Gewinnerteams genau daran arbeiten. Auch Deutschlands eigene Zahlen bestätigen das: Eine BCG-Studie aus dem Jahr 2026 beziffert das Wertschöpfungspotenzial der Kreislaufwirtschaft für die deutsche Industrie auf 880 Milliarden Euro. Die zirkuläre Bruttowertschöpfung könnte sich demnach von heute 60 Milliarden Euro auf 125 Milliarden Euro bis 2045 mehr als verdoppeln.

Die drei Gewinnerteams und ihre Innovationen

Das Team CiX Greentech aus Nürnberg unter der Leitung von CEO Timo Fromm widmet sich der Beseitigung von PFAS, den sogenannten „ewigen Chemikalien“, direkt an der Quelle mit Fokus auf Flughäfen und Industriestandorte.

Das Hamburger Startup exære um CEO Yelda Demirdöğen arbeitet an der Rückgewinnung kritischer Metalle, darunter Seltene Erden, aus europäischen Abfallströmen wie Elektroschrott, Batterien und Schlacke.

Aus Berlin überzeugte das Team MAD – Material Alternative Design der Gründerinnen Marta Agueda Carlero und Manuela Garcia mit Verbundwerkstoffen aus Myzel als zirkuläre Alternative zu Hartplastik.

Ausblick auf das europäische Regionalfinale und die globale Bühne

CiX Greentech, exære und MAD vertreten Deutschland beim europäischen Regionalfinale am 15. September 2026 und treten dort gegen die nationalen Gewinnerteams aus ganz Europa an, um sich einen Platz im ClimateLaunchpad Global Grand Final in Singapur im Oktober zu sichern. Zukunft.Gründen Venture Studio begleitet alle drei Teams auch weiterhin auf diesem Weg. Diese Gründerinnen und Gründer haben eine echte Chance, das Finale zu erreichen, doch der Weg dorthin braucht kontinuierliche Unterstützung und eine Bühne, auf der sie gesehen werden.

Allein in diesem Jahr verzeichnete ClimateLaunchpad mehr als 4.150 Bewerbungen aus 51 Ländern, was einen Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet, wobei zwölf Länder erstmals teilnahmen. Dieses Wachstum zeigt deutlich, dass Klima- und Kreislaufwirtschafts-Ventures längst keine Nische mehr sind, sondern ein Bereich, in dem ein wachsender Teil der weltweiten Gründertalente aktiv wird.

Deutschland hat an dieser Entwicklung ein reales Interesse.

Diese Chance zu nutzen, gelingt aber nur mit Unternehmen, die bereit sind, sie auch zu ergreifen. Wettbewerbe wie dieser sind einer der wenigen Orte, an denen solche Unternehmen früh identifiziert, im internationalen Vergleich getestet und mit Kapital verbunden werden. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung, drei Teams im September nach Europa zu schicken: Es ist Teil davon, wie Deutschland seinen Platz an einem Tisch behält, der von Jahr zu Jahr umkämpfter wird.

Ein besonderer Dank gilt der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sowie dem Zukunft.Gründen Startup Campus für die Ausrichtung der Veranstaltung nebst den Eröffnungsworten von Dr. Johannes Fridrich, Oberbürgermeister von Nürtingen, und Prof. Dr. Andreas Frey. Dank gebührt ebenso den Sponsoren RSM Ebner Stolz und der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Der Wettbewerb wird zudem von Irish Aid und der Bank of America unterstützt. Das Programm wird im Rahmen von „Nachhaltig wirken – Förderung gemeinwohlorientierter Unternehmen“ gefördert und finanziert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus.

Fotograf David George

Quelle Zukunft.Gründen – Venture Studio for Entrepreneurship & Innovation GmbH

Feierabendparken: ALDI SÜD & Wemolo starten in München

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Von links: Alexander Schumm, Manager Real Estate bei ALDI SÜD; Sebastian Pyschik, Key Account Manager Retail bei Wemolo; Greta Petersen, Director Real Estate bei ALDI SÜD; Peter Nemec, Senior Customer Success Manager bei Wemolo. © Wemolo

ALDI SÜD und Wemolo starten Feierabendparken in München

An sechs ausgewählten ALDI-SÜD-Standorten sind ab sofort 81 bestehende Stellplätze nach Ladenschluss digital buchbar, ohne neue Flächen zu versiegeln; ab 5 € pro Nacht bis 50 € pro Monat.

München, 23. Juli 2026. Parkdruck, volle Wohnstraßen, knappe Flächen: ALDI SÜD und das Münchner Technologieunternehmen Wemolo machen in München Supermarktparkplätze nach Ladenschluss digital buchbar. An sechs ausgewählten ALDI-SÜD-Standorten im Stadtgebiet können Anwohnerinnen und Anwohner ab sofort 81 bestehende Stellplätze abends, nachts und sonntags nutzen, ohne dass neue Flächen versiegelt werden. Die Standorte liegen in Berg am Laim, Trudering, Neuperlach, Feldmoching-Hasenbergl, Hadern und Freimann. Die Tarife reichen von 5 Euro pro Nacht bis 50 Euro pro Monat. Im Rahmen des Münchner Piloten prüfen ALDI SÜD und Wemolo, wie das Angebot angenommen wird und ob weitere Standorte folgen. Nach Standorten in Krefeld, Augsburg sowie im Allgäu und Oberland folgt nun der Heimatmarkt von Wemolo.

München macht Platz, ohne neu zu bauen

Das Prinzip ist einfach: Tagsüber stehen die ALDI-Parkplätze der Kundschaft zur Verfügung, nach Ladenschluss werden sie digital für Anwohnerinnen und Anwohner freigegeben. Die Buchung erfolgt über eine Web-App unter www.go.wemolo.de/aldi oder über QR-Codes an den Filialen. Eine App-Installation ist nicht erforderlich. Vor Ablauf der Buchung erinnert das System per E-Mail und in der Web-App. Die Buchung lässt sich anschließend direkt verlängern oder erneuern. Nutzbar sind die Stellplätze montags bis samstags von 18:30 bis 8:30 Uhr sowie sonntags ganztägig. Im Münchner Mietgefüge, in dem private Stellplatzmieten in zentraleren Lagen häufig im dreistelligen Bereich pro Monat liegen, entsteht damit eine bezahlbare Alternative.

Technisch möglich macht das die schrankenlose Kennzeichenerkennung von Wemolo. Nutzerinnen und Nutzer hinterlegen bei der Buchung ihr Kennzeichen. Das System gleicht automatisch ab, ob das Fahrzeug im gebuchten Zeitraum parkberechtigt ist. So werden bestehende Parkflächen mehrfach genutzt, ohne Schranken, Tickets oder zusätzliche Flächenversiegelung.

ALDI SÜD öffnet Parkflächen für Anwohnende

„Mit dem Angebot Feierabend-Parken leisten unsere ALDI-SÜD-Filialen nun auch in München einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssituation. An sechs Standorten entlasten wir den öffentlichen Raum und reduzieren vor Ort den Parkdruck – und das alles ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Auch das bedeutet für uns Gutes für alle.“

— Greta Petersen, Director Real Estate bei ALDI SÜD

„Ich begrüße die Möglichkeit der Zweitnutzung der ALDI-Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten und bin gespannt auf die Annahme des Angebots durch die umliegende Bevölkerung.“

— Patric Wolf, Vorsitzender des Bezirksausschusses 12 Schwabing-Freimann

Sechs Standorte, ein Prinzip: vorhandene Flächen besser nutzen

Die sechs Standorte liegen in unterschiedlichen Münchner Stadtteilen, folgen aber derselben Logik. Wohnnutzung, Pendelverkehr, Nachverdichtung und knapper Straßenraum treffen auf Parkflächen, die außerhalb der Ladenöffnungszeiten frei sind. Genau dort setzt der Münchner Pilot an. Er macht bestehende ALDI-SÜD-Flächen abends, nachts und sonntags zusätzlich nutzbar und schafft damit ein Angebot für Viertel, in denen die Parkplatzsuche für viele Anwohnerinnen und Anwohner zum Alltag gehört.

In Berg am Laim stehen an der Hermann-Weinhauser-Straße 90 insgesamt 13 Stellplätze zur Verfügung. Der Stadtteil verbindet gewachsene Wohnlagen mit neuen Quartiersentwicklungen wie Baumkirchen Mitte, wo in den vergangenen Jahren zusätzlicher Wohnraum entstanden ist. Das Feierabendparken schafft hier ein weiteres Angebot auf bereits vorhandener Fläche, ohne den öffentlichen Raum zusätzlich zu beanspruchen.

In Neuperlach an der Maximilian-Kolbe-Allee 1 werden 15 Stellplätze freigegeben. Neuperlach gehört zu den großen Wohnstandorten im Münchner Südosten mit dichter Struktur, Nahversorgung und Pendelbewegungen. Das Feierabendparken ergänzt das bestehende Stellplatzangebot um Flächen, die außerhalb der Ladenöffnungszeiten bislang ungenutzt bleiben.

In Trudering am Bognerhofweg 5 ergänzen 14 Stellplätze das Parkangebot im Umfeld der Wohnstraßen. Trudering ist eine gewachsene Wohnlage im Münchner Osten, geprägt von Einfamilienhäusern, Geschosswohnungsbau und laufender Nachverdichtung. Tagsüber dienen die Plätze dem Einkauf, abends und nachts können sie das Parkangebot ergänzen.

In Feldmoching-Hasenbergl an der Lerchenauerstraße 240 stehen 10 Stellplätze bereit. Der Bezirk verbindet Großwohnsiedlungen, gewachsene Quartiere und stark nachgefragte Wohnlagen im Münchner Norden. In Teilen des Bezirks ist der Parkdruck für Anwohnerinnen und Anwohner spürbar, während zusätzliche Flächen im öffentlichen Raum kaum verfügbar sind. Die zehn Stellplätze schaffen ein kleines, aber konkret nutzbares Zusatzangebot.

In Hadern an der Großhaderner Straße 44 werden 12 Stellplätze abends und nachts nutzbar. Hadern liegt im Münchner Südwesten und ist durch Wohnnutzung sowie den Pendelverkehr rund um das Klinikum Großhadern geprägt. Das Feierabendparken schafft zusätzliche Stellplätze in einem Umfeld, in dem Wohngebiet, Klinikstandort und Alltagsmobilität aufeinandertreffen.

In Schwabing-Freimann an der Heidemannstraße 9 befindet sich mit 17 Stellplätzen der größte Standort des Auftakts. Freimann nördlich des Frankfurter Rings verbindet Wohnlagen, Gewerbe und stark genutzte Verkehrsachsen im Münchner Norden. Er eignet sich besonders, um zu zeigen, wie bestehende Handelsflächen nach Ladenschluss einen konkreten Beitrag im Quartier leisten können.

Nach Krefeld, Augsburg und Allgäu folgt der Heimatmarkt

Feierabendparken ist für Wemolo kein Einzelprojekt mehr. Das 2019 aus einem Projekt der UnternehmerTUM gegründete Münchner Unternehmen bringt das Modell gemeinsam mit Handels- und Standortpartnern in immer mehr Städte und Regionen. In Krefeld öffnete ALDI SÜD im November 2025 gemeinsam mit Wemolo und der Stadt 40 Stellplätze am Gahlingspfad für das Feierabendparken. Im Juli 2026 kam ein zweiter Krefelder Standort an der Kölner Straße in Fischeln mit 20 Stellplätzen hinzu. In Augsburg startete ALDI SÜD im Februar 2026 mit vier Standorten und 110 Stellplätzen. Im Allgäu und Oberland sind weitere ALDI-SÜD-Standorte in Kaufbeuren-Neugablonz, Kempten, Grainau und Oberau hinzugekommen. Auch in Berlin, Hamburg und Innsbruck setzt Wemolo vergleichbare Modelle mit Partnern aus Handel und Standortbetrieb um.

„Entscheidend ist Verlässlichkeit im Alltag. Wer abends bucht, muss genau wissen, wann und wo er parken darf. Gleichzeitig muss für ALDI SÜD klar sein, dass die Flächen morgens wieder für Kundinnen und Kunden verfügbar sind. Genau diese Steuerung übernimmt unser System: digital, schrankenlos und ohne zusätzlichen Aufwand vor Ort.“

— Sebastian Pyschik, Key Account Manager Retail bei Wemolo

Datenschutz und Betrieb

Die Kennzeichenerkennung erfolgt zweckgebunden und DSGVO-konform. Kennzeichen werden ausschließlich erfasst, um zu prüfen, ob gebuchte Zeitfenster eingehalten werden. Die Daten werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden gelöscht, sofern kein Verstoß vorliegt. Die Technologie ist seit Jahren im Einsatz und entsprechend rechtlich geprüft.

Auf einen Blick: Feierabendparken München

Insgesamt stehen an den sechs teilnehmenden ALDI-SÜD-Standorten in Berg am Laim (Hermann-Weinhauser-Straße 90, 13 Stellplätze), Neuperlach (Maximilian-Kolbe-Allee 1, 15 Stellplätze), Trudering (Bognerhofweg 5, 14 Stellplätze), Feldmoching-Hasenbergl (Lerchenauerstraße 240, 10 Stellplätze), Hadern (Großhaderner Straße 44, 12 Stellplätze) und Schwabing-Freimann (Heidemannstraße 9, 17 Stellplätze) zusammen 81 Stellplätze zur Verfügung. Die Nutzung ist von Montag bis Samstag jeweils von 18:30 bis 8:30 Uhr sowie sonntags ganztägig möglich.

Die Tarifoptionen betragen 5,00 Euro für eine Nacht, 25,00 Euro für eine Woche sowie 50,00 Euro für einen Monat. Die Buchung erfolgt unkompliziert ohne App-Installation oder Abo-Pflicht unter www.go.wemolo.de/aldi.

Hintergrund der Initiative ist die Reduzierung des innerstädtischen Parksuchverkehrs, der Studien zufolge bis zu 30 Prozent des Verkehrsaufkommens ausmachen kann. Vergleichbare Modelle laufen bereits in Krefeld mit insgesamt 60 Stellplätzen, in Augsburg mit 110 Stellplätzen sowie im Allgäu und Oberland mit 118 Stellplätzen. Auch in Berlin mit Getränke Hoffmann, in Hamburg in Winterhude und Altona sowie in Innsbruck mit einer regionalen Supermarktkette existieren bereits ähnliche Angebote.

Bild Von links: Alexander Schumm, Manager Real Estate bei ALDI SÜD; Sebastian Pyschik, Key Account Manager Retail bei Wemolo; Greta Petersen, Director Real Estate bei ALDI SÜD; Peter Nemec, Senior Customer Success Manager bei Wemolo.© Wemolo

Quelle Scrivo Communications/ Wemolo GmbH

Meta Business Agents: Wie KI die Kundenkommunikation auf WhatsApp revolutioniert

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Meta Business Agents: KI für WhatsApp & Kundenkommunikation Josef-Raasch©WLOsocial.png

Meta Business Agents bei Instagram und WhatsApp: Warum die KI die Kundenansprache und -kommunikation grundlegend verändert

Berlin, 23.07.2026 – Mit der Einführung der Meta Business Agents startet Meta eine neue Ära der digitalen Kundenkommunikation. Erstmals können Unternehmen KI-Assistenten einsetzen, die Produkte, Prozesse und Markenwerte kennen, selbstständig mit Kunden kommunizieren und über Schnittstellen zu Shop-, CRM- oder Supportsystemen direkt in bestehende Geschäftsprozesse integriert werden. So lassen sich Detailfragen zu Produkten beantworten, Beratungstermine vereinbaren und Verkaufsprozesse abschließen – und das in der jeweiligen Sprache des Kunden und der Tonalität des Unternehmens. Während künstliche Intelligenz bislang vor allem Inhalte erstellt oder interne Prozesse automatisiert hat, verlagert sie sich damit erstmals in den direkten Dialog mit Endkunden – und zwar auf WhatsApp, den meistgenutzten Messenger Deutschlands, und perspektivisch auch auf Instagram.

Für Josef Raasch, CEO der Berliner Meta-Advertising-Agentur WLO Social, markiert diese Entwicklung einen fundamentalen Strategiewechsel: „Meta Business Agents sind kein nettes Feature, sie verändern, wie Unternehmen mit Kunden kommunizieren. WhatsApp hat in Deutschland eine Nutzerbasis, die kaum ein anderer Kanal erreicht, und wer jetzt einen KI-gestützten Agenten dort platziert, sitzt buchstäblich zwischen dem Familien-Chat und der besten Freundin.“

Von Chatbots zu digitalen Markenberatern

Lange galten Chatbots als wenig intelligente FAQ-Systeme mit starren Entscheidungsbäumen. Moderne Large Language Models verändern diese Wahrnehmung grundlegend. Sie verstehen Kontext, führen natürliche Gespräche und können komplexe Anfragen eigenständig bearbeiten.

Mit den Meta Business Agents wird diese Technologie nun unmittelbar in WhatsApp integriert. Unternehmen können ihre KI mit Produktinformationen, Prozessen und Markenrichtlinien trainieren und so rund um die Uhr Beratung, Support oder Lead-Qualifizierung anbieten. Gleichzeitig ermöglichen zahlreiche Integrationen – etwa mit Shopsystemen oder CRM-Lösungen – eine direkte Verbindung zwischen Konversation und Geschäftsprozess.

Der Wettbewerbsvorteil liegt in der direkten Kundennähe

Nach Einschätzung von WLO Social wird die eigentliche Bedeutung der Entwicklung häufig unterschätzt: „Der Business Agent ist der erste Kundenberater, der niemals schläft. Entscheidend ist aber, dass Marken plötzlich ins persönlichste digitale Umfeld ihrer Kunden vorrücken. Sie kommunizieren nicht mehr im E-Mail-Postfach oder im Social Feed, sondern dort, wo Menschen täglich mit Familie und Freunden schreiben. Das schafft eine Nähe, die klassische Werbekanäle nicht erreichen.“

Insbesondere für Direct-to-Consumer-Brands eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, Kaufentscheidungen direkt im Gespräch zu begleiten. Lead-orientierte Geschäftsmodelle können Interessenten automatisiert vorqualifizieren und Vertriebsteams entlasten, ohne zusätzliche personelle Ressourcen aufbauen zu müssen.

WhatsApp wird zum Vertriebskanal der Zukunft

Obwohl WhatsApp seit Jahren zu den reichweitenstärksten digitalen Plattformen Deutschlands gehört, nutzen bislang vergleichsweise wenige Unternehmen den Messenger systematisch für Vertrieb oder Kundenservice.

„Dabei wäre gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen die von Meta bereitgestellte KI aufgrund ihrer natürlichen Tonalität und hohen Antwortqualität gut geeignet, um komplexe LLM-Bots der dritten Generation zu entwickeln – ein Werkzeug, das KMU in der Vergangenheit nur eingeschränkt zur Verfügung stand“, erklärt Raasch.

Aus seiner Sicht entsteht dadurch aktuell ein Zeitfenster, in dem sich Unternehmen frühzeitig Wettbewerbsvorteile sichern können: „Viele Unternehmen haben WhatsApp bislang als zu aufwendig oder personell nicht skalierbar wahrgenommen. Genau diese Hürde fällt jetzt weg. KI macht persönliche Kommunikation erstmals wirtschaftlich skalierbar. Wer den Kanal heute strategisch besetzt, kann sich einen Vorsprung erarbeiten, bevor er für alle selbstverständlich wird.“

Fünf Tipps für den erfolgreichen Einsatz von Meta Business Agents

  • WhatsApp strategisch denken: Messenger sollten nicht nur als Supportkanal, sondern als Bestandteil der gesamten Customer Journey betrachtet werden.
  • Wissensbasis strukturieren: Produktinformationen, FAQs und interne Prozesse müssen sauber dokumentiert werden, damit KI-Agenten belastbare Antworten liefern können.
  • CRM- und Shopsysteme integrieren: Der größte Mehrwert entsteht durch die Verbindung von Konversation und operativen Systemen.
  • Markentonalität definieren: Auch KI-Agenten repräsentieren die Marke. Sprache, Stil und Werte sollten deshalb klar festgelegt werden.
  • Mensch und KI kombinieren: Standardanfragen können automatisiert werden, komplexe Beratung und emotionale Situationen sollten weiterhin an Mitarbeitende übergeben werden.

Unternehmen sollten sich frühzeitig vorbereiten

Auch wenn die neuen Agents derzeit noch nicht in Deutschland angekommen sind, sollten Unternehmen sich jetzt vorbereiten, um die entsprechenden Weichenstellungen nicht zu verpassen. Für Josef Raasch jedenfalls steht fest, dass Unternehmen die Entwicklung nicht als kurzfristigen Technologietrend betrachten sollten.

„Wir erleben gerade den Moment, in dem KI vom Assistenten zum Kundenberater wird. Die eigentliche Innovation ist nicht die Automatisierung, sondern die Möglichkeit, dauerhaft und persönlich mit Menschen in Kontakt zu treten. Wer heute die richtigen Prozesse aufsetzt, verschafft sich einen Vorsprung, der sich in den kommenden Jahren kaum noch aufholen lässt.“

Bild Josef-Raasch©WLOsocial

Quelle PRESSEHERZ

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Startup Week Bonn/Rhein-Sieg: Erster Durchlauf setzt starke Impulse für die Region

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Erfolgreiche Startup Week stärkt die Region Bonn von links nach rechts: Sven Wittich (Vorstand des DIGITALHUB.DE), Mona Neubaur (Wirtschaftsministerin NRW), Dr. Hubertus Hille (Vorsitzender des Aufsichtsrats des DIGITALHUB.DE und Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg) & Gabriel Kunze (Bürgermeister der Stadt Bonn) Copyright: DIGITALHUB.DE (2026)

Startup Week setzt starke Impulse für das regionale Innovationsökosystem

Bonn, 23. Juli 2026 – Eine erfolgreiche erste Startup Week Bonn/Rhein-Sieg liegt hinter uns. Den Auftakt der Woche bildete am Montag die Kick-off-Veranstaltung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, bei der Vertreter:innen aus Startups, Unternehmertum und Wissenschaft zusammenkamen. Eine Woche lang wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, das Gründungsinteressierten, Startups und Unternehmen vielfältige Möglichkeiten bot, sich über Zukunftsthemen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Praxisnahes Programm an mehreren Standorten

Ob Workshops, Paneldiskussionen, Vorträge, Pitch-Formate oder Networking-Events – die Startup Week bot praxisnahe Einblicke in Themen wie Künstliche Intelligenz, Finanzierung, Nachhaltigkeit, HealthTech und Unternehmenswachstum. An verschiedenen Standorten in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis konnten Teilnehmende von Expert:innen lernen, Best Practices kennenlernen und Impulse für die eigene Gründung oder Unternehmensentwicklung mitnehmen.

Ein besonderer Höhepunkt der Woche war die PHISH & CHIPS Cyber Security-Konferenz. Hier kamen Expert:innen aus Cybersicherheit, Unternehmertum und Startup-Szene zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Cyber Security zu diskutieren.

Gemeinsam den Innovationsstandort stärken

Die Startup Week fand im Jubiläumsjahr des DIGITALHUB.DE statt, der seit zehn Jahren Ideen zu Unternehmen macht. Gemeinsam mit seinen Partnern zeigte der Hub, wie stark das Innovationsökosystem in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis aufgestellt ist und wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist.

Am Abschluss der Startup Week am Freitag nahmen unter anderem die Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, sowie der Bonner Bürgermeister Gabriel Kunze teil. Ihre Teilnahme unterstrich die Bedeutung des Startup-Standorts Bonn/Rhein-Sieg und die Relevanz eines starken regionalen Innovationsökosystems.

Innovation endet nicht mit der Startup Week

Der DIGITALHUB.DE bietet auch außerhalb der Startup Week das ganze Jahr über regelmäßige Veranstaltungen für Gründende und KMU an. Dazu zählen das monatliche Startup-Frühstück am ersten Mittwoch des Monats sowie die Transfer Health Academy, die KMU mit Wissenschaft und Forschung zusammenbringt und somit den Transfer von Innovationen in die Praxis fördert.

Angebote für Gründende und Unternehmen

Wer auch künftig Teil des regionalen Ökosystems sein möchte, findet alle Termine und Angebote auf der Website des DIGITALHUB.DE.

Bild von links nach rechts: Sven Wittich (Vorstand des DIGITALHUB.DE), Mona Neubaur (Wirtschaftsministerin NRW), Dr. Hubertus Hille (Vorsitzender des Aufsichtsrats des DIGITALHUB.DE und Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg) & Gabriel Kunze (Bürgermeister der Stadt Bonn) Copyright: DIGITALHUB.DE (2026)

Quelle Digitaler Hub Region Bonn AG

DRIK 17: Neuer Carrier bringt praktische Fahrrad-Innovation auf den Markt

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DRIK 17 Carrier startet nach erfolgreichem Crowdfunding in den Fahrradmarkt. Die innovative Fahrradflasche ist ab sofort erhältlich. Bild: Ralph Seel-Mayer und Emma Ehrenberg @ DRIK 17

DRIK 17 startet Auslieferung des Carriers und bringt Innovation für Radfahrer auf den Markt

Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne im September 2025, bei der das Finanzierungsziel bereits nach 33 Stunden erreicht wurde, startet DRIK 17 jetzt in die nächste Phase: Im Juli beginnt die Auslieferung des DRIK 17 Carriers. Gleichzeitig ist das Produkt ab sofort über www.drik17.com erhältlich und wird künftig auch bei ausgewählten Fachhändlern verfügbar sein.

Der DRIK 17 Carrier ist eine zum Patent angemeldete Fahrradflasche mit integriertem Stauraum für Reparatur-Equipment. Entwickelt von Radfahrerinnen und Radfahrern für die Praxis, vereint er Trinkflasche und Werkzeugfach in einem Produkt und ersetzt damit klassische Satteltaschen oder überfüllte Trikottaschen.

Der integrierte Stauraum lässt sich individuell bestücken – beispielsweise mit Multitool, CO₂-Kartusche, Reifenhebern, Flickset oder TPU-Schlauch. Auch Schlüssel, AirTag, Bargeld oder Energiegels finden darin Platz. So bleibt wichtiges Equipment sicher verstaut und jederzeit griffbereit direkt am Fahrrad. Gleichzeitig reduziert die Lösung zusätzliche Anbauteile und kann dadurch auch die Sicherheit bei einem Sturz erhöhen.

Produkt gemeinsam mit der Community weiterentwickelt

Seit Abschluss der Crowdfunding-Kampagne hat DRIK 17 das Produkt gemeinsam mit seinem Produktions- und Entwicklungspartner kontinuierlich optimiert. Ziel war es, den Carrier bis zur Marktreife in Funktion, Qualität und Detail weiterzuentwickeln.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit mit der Community. Das Feedback der Unterstützer floss direkt in die Weiterentwicklung ein und führte unter anderem zu einer Vergrößerung des Trinkvolumens. Statt der ursprünglich geplanten 417 Milliliter fasst der DRIK 17 Carrier nun 450 Milliliter – ohne dass sich die äußeren Abmessungen der Flasche verändert haben. Möglich wurde dies durch konstruktive Anpassungen im Inneren und eine optimierte Nutzung des verfügbaren Bauraums.

Produktion in Deutschland und Ausbau des Vertriebs

Produziert wird der DRIK 17 Carrier in Deutschland. Kurze Wege und die enge Zusammenarbeit mit den Produktionspartnern ermöglichen eine kontinuierliche Qualitätskontrolle und transparente Fertigungsprozesse.

Parallel zum Marktstart baut das Unternehmen seinen Vertrieb weiter aus. Neben dem Direktverkauf über den eigenen Onlineshop soll der DRIK 17 Carrier künftig auch über ausgewählte Retail- und Online-Partner erhältlich sein.

Auch über den aktuellen Produktlaunch hinaus arbeitet DRIK 17 bereits an weiteren Lösungen. Geplant sind ergänzende Produkte, die den DRIK 17 Carrier sinnvoll erweitern und das Fahrraderlebnis weiter verbessern.

Emma Ehrenberg über den Marktstart

Emma Ehrenberg, Co-Founderin von DRIK 17:

„Wir freuen uns sehr, jetzt endlich in die Saison zu starten und den DRIK 17 Carrier ausliefern zu können. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie viele Schritte notwendig sind, um ein Produkt wirklich marktreif zu entwickeln. Umso glücklicher sind wir mit dem Ergebnis. Gemeinsam mit unserer Community konnten wir den Carrier kontinuierlich verbessern und genau das Produkt entwickeln, das wir uns vorgestellt haben. Unser besonderer Dank gilt allen Kickstarter-Unterstützern, die uns von Anfang an begleitet und mit ihrem Feedback maßgeblich unterstützt haben.“

Bild: Ralph Seel-Mayer und Emma Ehrenberg @ DRIK 17

Quelle DRIK 17

Quantencomputing aus Europa: Wie Peak Quantum die Schlüsseltechnologie der Zukunft skaliert

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Peak Quantum: Europa und Quantencomputing stärken Alexander Schult

Im Exklusiv-Interview spricht Alexander Schult, Mitgründer und CFO von Peak Quantum, über supraleitende Prozessoren, die Finanzierungslücke für Deep Tech in Europa und warum technologische Souveränität beim Quantencomputing über die digitale Zukunft des Kontinents entscheidet.

Herr Schult, können Sie Peak Quantum kurz vorstellen und erklären, welche Rolle Sie im Unternehmen übernehmen?

Alexander Schult: Peak Quantum entwickelt die nächste Generation von Quantencomputer-Prozessoren. Unser Ziel ist es, Quantencomputing wirtschaftlich skalierbar zu machen und damit eine zentrale Recheninfrastruktur der Zukunft aufzubauen. Peak Quantum ist ein 2024 gegründetes Münchner Deep-Tech-Startup und Spin-off der TU München sowie des Walther-Meißner-Instituts. Wir entwickeln supraleitende Quantencomputing-Prozessoren, bei denen Fehlerschutz direkt in die Hardware-Architektur der Qubits integriert wird. Mit diesem Ansatz werden Quantencomputer künftig leistungsfähiger, kompakter und kosteneffizienter. Peak Quantum ist Partner des Munich Quantum Valley und am Aufbau der europäischen Quantenchip-Pilotlinie SUPREME im Rahmen des EU Chips Act beteiligt. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zum Aufbau europäischer Quanteninfrastruktur. Als Mitgründer und CFO verantworte ich die Bereiche Finance, Administration, HR, Legal und Investor Relations und gestalte die strategische Finanzierung sowie den organisatorischen Aufbau des Unternehmens.

Warum hat sich Peak Quantum bewusst für europäische Investoren entschieden?

Alexander Schult: Wir haben unsere Investoren nach drei Kriterien ausgewählt: Kapital, Netzwerk und operative Erfahrung. Wir glauben, dass Europa im Quantencomputing die Chance hat, technologische Souveränität aufzubauen. Dafür braucht es Investoren, die diese langfristige Perspektive teilen und bereit sind, den Aufbau eines europäischen Technologieführers zu unterstützen. Genau diese Passung finden wir aktuell vor allem im europäischen Investorenumfeld. Bei einer strategischen Technologie wie Quantencomputing, die stark mit öffentlicher Förderung, Infrastruktur und langfristigen industriepolitischen Zielen verbunden ist, ist diese Interessenübereinstimmung essentiell.

Europa bringt viel Spitzenforschung hervor. Warum gelingt es dennoch oft nicht, daraus dauerhaft europäische Technologieführer aufzubauen?

Alexander Schult: Europa verfügt über exzellente Universitäten, Institute und Talente. Deshalb liegt es aus meiner Sicht nicht an der Forschung. Die Herausforderung liegt vor allem in der Geschwindigkeit der Kommerzialisierung. Technologietransfer dauert häufig zu lange, Kapitalbeschaffung ist aufwändig und die Skalierung über viele nationale Märkte hinweg ist komplex. Hinzu kommen oft langwierige Entscheidungsprozesse – sowohl auf politischer als auch administrativer Ebene. Auch der kulturelle Faktor spielt eine Rolle: In Europa wird Scheitern noch immer häufiger als Makel statt als Lernerfahrung betrachtet. Das verändert sich zwar zunehmend, insbesondere in der Startup-Szene, aber hier können wir noch von anderen Innovationsökosystemen lernen. Wer Technologieführung aufbauen will, muss nicht nur gute Ideen hervorbringen, sondern diese schneller in Produkte, Unternehmen und Märkte übersetzen. Am Ende entscheidet die Umsetzung.

Wo sehen Sie aktuell die größte Finanzierungslücke für europäische Deep Tech Startups?

Alexander Schult: In der Frühphase hat sich Europa deutlich verbessert. Es gibt heute mehr Seed-Fonds, mehr erfahrene Business Angels und bessere Förderinstrumente als noch vor zehn Jahren. Aber bei Risikobereitschaft und Investitionsgeschwindigkeit besteht weiterhin Aufholbedarf. Die eigentliche Finanzierungslücke entsteht in der Wachstumsphase. Wenn Unternehmen 50, 100 oder mehr Millionen Euro benötigen, um Forschung in industrielle Produkte und Produktionskapazitäten zu überführen, wird das Angebot an europäischem Wachstumskapital deutlich dünner. Genau in dieser Phase entscheiden sich häufig Eigentumsstruktur, Standort und langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens. Gerade kapitalintensive Deep-Tech-Unternehmen spüren diese Lücke besonders stark.

Was unterscheidet die Frühphasenfinanzierung in Europa von der Finanzierung späterer Skalierungsphasen?

Alexander Schult: Vereinfacht gesagt: In der Frühphase wird auf technologische Durchbrüche gewettet, in der Skalierungsphase auf deren erfolgreiche Industrialisierung. In Europa funktioniert die Finanzierung dieser frühen Technologiephase heute deutlich besser als noch vor zehn Jahren. In den späteren Skalierungsphasen wird das Angebot an großen Finanzierungsrunden jedoch deutlich dünner als beispielsweise in den USA. Insbesondere bei kapitalintensiven Deep-Tech-Unternehmen steigen die Kapitalbedarfe schnell und damit auch die Anforderungen der Investoren. Themen wie Governance, Board-Strukturen, Internationalisierung und Exit-Perspektiven rücken stärker in den Vordergrund. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist jedoch, dass die langfristigen Ziele von Investoren und Unternehmen weiterhin zusammenpassen. Denn Finanzierungsrunden beeinflussen nicht nur die Kapitalausstattung eines Unternehmens, sondern auch dessen Eigentumsstruktur, strategische Kontrolle und langfristige Entwicklung.

Welche strategischen Folgen kann es haben, wenn europäische Startups bei großen Finanzierungsrunden stark auf US Kapital angewiesen sind?

Alexander Schult: US-Kapital ist grundsätzlich nichts Negatives. Viele der weltweit erfahrensten Technologieinvestoren sitzen in den USA. Gleichzeitig bringt jeder Investor eigene Prioritäten und Erwartungen mit. Durch zunehmende Kapitalintensität können Fragen nach Standort, Expansion, Lieferketten oder strategischer Ausrichtung an Bedeutung gewinnen. Gerade bei Schlüsseltechnologien sollten Gründer deshalb darauf achten, dass Kapitalgeber nicht nur finanzielle, sondern auch strategische Partner sind.

Sie sprechen davon, dass mit Kapital oft mehr kommt als nur Geld. Welche Rolle spielen Boardsitze, Standortfragen und strategische Kontrolle?

Alexander Schult: Kapital und Governance sind eng miteinander verbunden. Ein Boardsitz bedeutet Einfluss auf zentrale strategische Entscheidungen. Deshalb sollten Gründer nicht nur über Bewertung und Kapitalhöhe sprechen, sondern auch darüber, wie Entscheidungsrechte verteilt werden und welche langfristigen Ziele die Beteiligten verfolgen. Der Austausch mit erfahrenen Gründern und eine frühzeitige rechtliche Begleitung können hier viel Lehrgeld ersparen. Gerade bei Deep-Tech-Unternehmen können Governance-Entscheidungen langfristige Auswirkungen auf Standortwahl, Partnerschaften, Förderfähigkeit und strategische Ausrichtung haben.

Peak Quantum: Europa und Quantencomputing stärken

Warum ist gerade Quantencomputing ein Bereich, in dem technologische Souveränität für Europa besonders wichtig ist?

Alexander Schult: Quantencomputing hat das Potenzial, eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu werden – mit Auswirkungen auf Sicherheit, Verteidigung, Industrie, Forschung und Energie. Gleichzeitig wird es ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen digitalen Infrastruktur sein. Die Wertschöpfung im Quantencomputing beruht maßgeblich auf hochkomplexer Hardware, Fertigungskapazitäten und spezialisierten Lieferketten. Wer diese Fähigkeiten nicht selbst aufbaut, wird langfristig von anderen abhängig. Ähnliche Diskussionen führen wir heute bereits bei Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und KI. Europa sollte deshalb nicht nur Nutzer dieser Technologie sein, sondern zu denjenigen gehören, die sie entwickeln, produzieren und kontrollieren. Das stärkt die technologische Souveränität und schafft gleichzeitig Wertschöpfung, hochqualifizierte Arbeitsplätze und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Europa.

Was bedeutet es konkret, wenn Forschung und Technologie in Europa entstehen, die Kontrolle darüber aber später ins Ausland wandert?

Alexander Schult: Europa investiert erhebliche öffentliche Mittel in Forschung und Ausbildung. Wenn Unternehmen später abwandern oder wesentliche Entscheidungen außerhalb Europas getroffen werden, profitieren die europäischen Volkswirtschaften nur begrenzt von diesen Investitionen. Wertschöpfung, Arbeitsplätze und strategische Kompetenzen sollten möglichst dort entstehen und wachsen, wo auch die Grundlagen geschaffen wurden. Zudem bedeutet der Verlust von Kontrolle häufig neue Abhängigkeiten. Die Folgen haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach gesehen, etwa bei Halbleitern, kritischen Rohstoffen oder KI-Infrastruktur. Bei Peak Quantum wollen wir diesen Kreislauf im Bereich des Quantencomputings durchbrechen – mit Technologie, die in Europa entsteht, und einer Eigentümerstruktur, die langfristig zu dieser Vision passt.

Welche strukturellen Veränderungen braucht es, damit institutionelles Kapital stärker in europäische Deep Tech Fonds fließt?

Alexander Schult: Europa hat kein Kapitalproblem. Europa hat ein Investitionsproblem. Es ist schwer zu erklären, warum europäische Ersparnisse häufig in amerikanische Technologieunternehmen investiert werden, während europäische Technologieunternehmen Kapital im Ausland suchen müssen. Wir brauchen mehr Anreize für langfristige Investitionen in Innovation, weniger regulatorische Hürden und eine stärkere Beteiligung von Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und Industrieunternehmen an Zukunftstechnologien. Dabei sollte die Diskussion nicht auf Venture Capital verengt werden. Deep-Tech-Unternehmen benötigen unterschiedliche Formen von Kapital entlang ihres Wachstumsweges. Entscheidend ist, dass mehr europäische Kapitalgeber den Mut finden, in europäische Technologie zu investieren.

Wie kann Europa verhindern, dass sich Entwicklungen aus der Halbleiterindustrie oder KI-Infrastruktur im Quantencomputing wiederholen?

Alexander Schult: Indem Europa frühzeitig entlang der gesamten Wertschöpfungskette investiert – von Forschung über Fertigung bis hin zur kommerziellen Anwendung. Technologische Souveränität entsteht erst dann, wenn Forschung, Produktion und Marktpräsenz zusammenkommen. An Erkenntnissen mangelt es dabei nicht. Programme wie der EU Chips Act, das Tech Sovereignty Package oder die deutsche High-Tech-Agenda setzen wichtige Impulse. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. Förderprogramme müssen sich an den Entwicklungszyklen der Industrie orientieren und Innovation beschleunigen, statt sie durch langwierige Prozesse auszubremsen. Gleichzeitig muss Europa seine Stärken besser nutzen: exzellente Universitäten, starke Industrie, hochqualifizierte Talente und ein großer gemeinsamer Wirtschaftsraum. Wettbewerb ist wichtig, aber nicht jede Initiative muss mehrfach aufgebaut werden. In strategischen Technologien werden wir nur dann international wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir Ressourcen gezielt bündeln, europäische Kooperationen stärken und den europäischen Binnenmarkt stärker als gemeinsamen Innovationsraum denken.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern im Deep Tech Bereich geben, die Kapital aufnehmen und zugleich strategische Unabhängigkeit bewahren wollen?

Alexander Schult: Erstens: Investoren genauso sorgfältig auswählen wie Mitarbeiter oder Mitgründer. Kapital ist langfristig, deshalb müssen die strategischen Ziele zusammenpassen. Zweitens: Governance-Themen früh adressieren. Board-Strukturen, Entscheidungsrechte und Vetorechte wirken oft abstrakt, werden aber später sehr relevant. Drittens: Öffentliche Fördermittel intelligent nutzen. Sie können Wachstum beschleunigen und Verwässerung reduzieren. Gleichzeitig sollte jedes Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln, das mittel- bis langfristig auch ohne Fördermittel funktioniert.

Bildcredits Peak Quantum

Wir bedanken uns bei Alexander Schult für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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BG prevent im Wandel: Wie Arbeitsschutz und mentale Gesundheit die Arbeitswelt von morgen sichern

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BG prevent: Moderner Arbeitsschutz & Gesundheit im Fokus Thomas Auhuber CEO BG prevent Bildcredits Christof Mattes

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums spricht BG prevent über den Wandel vom klassischen Arbeitsschutz hin zur ganzheitlichen Gesundheit im Betrieb – und wie digitale Lösungen sowie KI-Tools kleinen Unternehmen dabei helfen, mentale Belastungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen.

Welche Meilensteine haben BG prevent in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt und welche Entwicklungen waren rückblickend entscheidend für den heutigen Erfolg des Unternehmens?

Unser Erfolg basiert von Beginn an auf den Menschen in unserem Unternehmen. Das war schon immer so und das bleibt auch in Zukunft unser Fundament. Wir bringen fortlaufend neue Ideen ein, treiben Arbeitsmedizin, den Arbeitsschutz sowie das Gesundheitsmanagement aktiv voran und betrachten diese Aufgaben immer wieder aus völlig neuen Blickwinkeln. Genau diese Dynamik zeichnet uns aus. Ein aktueller und einschneidender Schritt prägt uns besonders: Wir haben vor knapp einem Jahr unseren Namen geändert. Aus der B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH ist BG prevent geworden.

Unter dem Motto „One Company“ feiert BG prevent das Jubiläum in Bonn. Welche Botschaft steckt hinter diesem Motto und was bedeutet es konkret für die Unternehmenskultur?

Dieses Motto drückt genau das aus, was uns im Innersten zusammenhält: Trotz unserer über 150 Standorte in ganz Deutschland gehören wir als Team zusammen und entwickeln uns gemeinsam weiter. Ob im höchsten Norden oder tiefsten Süden des Landes, ob Auszubildende, Verwaltungsmitarbeitende, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Gesundheitsmanager:innen, Arbeitsmediziner:innen oder die Geschäftsführung – wir alle ziehen fest an einem Strang. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und genau dieses Wir-Gefühl prägt unsere tägliche Kultur im Betrieb.

Wie hat sich die Bedeutung von Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert – insbesondere seit der Pandemie?

Bezogen auf die vergangenen 50 Jahre: Früher haben wir Beschäftigte in erster Linie vor harten körperlichen Gefahren bei der Arbeit geschützt. Heute geht es in viel größerem Maß auch um psychische Themen. Durch die Entwicklung unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren hat sich unser Auftrag natürlich mitverändert – wenn er im Kern auch gleichbleibt: Wir schützen die Gesundheit der Mitarbeitenden. Das bedeutet zum Beispiel: Klassische Betriebsärzt:innen entwickeln sich zu strategischen Berater:innen weiter, die gesunde Systeme im Betrieb aufbauen. Wir blicken heute weit über den reinen Arbeitsplatz hinaus. Der Schutz der arbeitenden Menschen bildet den Kern, um die gesamte Gesellschaft widerstandsfähig und stabil zu halten.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Unternehmen beim Thema Arbeitssicherheit und betriebliches Gesundheitsmanagement?

Unternehmen und Mitarbeitende spüren heute einen enormen Druck, weil Arbeit sich mehr verdichtet und immer effizienter werden muss. Zudem hängen viele Strukturen in der Prävention noch in der Vergangenheit fest. Zwar gibt es beispielsweise bereits die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Gerade für kleine Betriebe ist es allerdings eine große Herausforderung, diese umzusetzen. Das ist übrigens ein Thema, für das wir bald eine Lösung bieten.

Ein großes Problem ist seit jeher das Vorurteil, dass Vorsorge unnötig sei, solange niemand krank wird. Bleibt beispielsweise eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dank eines früh erkannten Bluthochdrucks und entsprechender Gegenmaßnahmen aus, wird die Vorsorgeuntersuchung an sich fälschlicherweise oft als unnötig angesehen. Diesen Trugschluss müssen wir ein für alle Mal widerlegen, um den Wert von Prävention für alle Menschen sichtbar zu machen.

Viele Unternehmen kämpfen mit Fachkräftemangel, Stressbelastung und steigenden Krankheitsausfällen. Welche Rolle kann modernes Gesundheitsmanagement dabei spielen?

Wer Menschen nach einer schweren Phase schnell und sicher zurück in den Beruf holt, rettet Lebensentwürfe und sichert die Lebensqualität. Arbeit gibt dem Leben Struktur, bietet soziale Kontakte und stärkt das Selbstwertgefühl. Wenn wir die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft erhalten, stabilisieren wir damit das gesamte Unternehmen und die Resilienz der Mitarbeitenden. Nur gesunde, leistungsfähige Mitarbeitende können ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Damit ist die Gesundheit der Mitarbeitenden selbstverständlich auch eine zentrale Verantwortung des Arbeitgebers.

BG prevent begleitet Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell besonders häufig in der Arbeitswelt?

Wir sehen immer weniger klassische Schwerindustrie und Fließbänder. Stattdessen entstehen neue Berufe, die von digitalen Abläufen und komplexen Informationsflüssen geprägt sind. Die Arbeit wird mehrdimensional. Das verlagert die Risiken: weg von reinen Unfällen, hin zu mentalen Belastungen und seelischen Faktoren.

Digitalisierung, mobiles Arbeiten und KI verändern Arbeitsprozesse rasant. Wie beeinflussen diese Entwicklungen den Arbeitsschutz der Zukunft?

Die künstliche Intelligenz verändert, wie wir Aufgaben erledigen, und sie analysiert riesige Datenmengen. Sie dient uns als ein mächtiges Werkzeug, bei dem wir uns fragen müssen, wo uns diese Technik nützt und wo wir bewusst darauf verzichten, um den Wert menschlicher Arbeit zu schützen.

Welche gesundheitlichen Risiken werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren stärker in den Fokus rücken?

Wir müssen uns intensiv um die seelische Stabilität der Menschen kümmern. Der wachsende Druck im Alltag und die Angst der Menschen vor neuen Technologien belasten die Beschäftigten stark. Arbeitsfähigkeit wird zum Seismografen gesellschaftlicher und individueller Stabilität. Es geht nicht mehr nur darum, Gifte oder Unfälle zu vermeiden, sondern die kognitive Gesundheit zu sichern.

Wie gelingt es BG prevent, klassische Arbeitssicherheit mit modernen Ansätzen rund um mentale Gesundheit und Prävention zu verbinden?

Der Kern bleibt unverändert: Wir bewahren Menschen vor gesundheitlichen Schäden. Aber wir erweitern den Blickwinkel. Wir verknüpfen den Schutz vor Unfällen im Betrieb mit einer umfassenden Strategie, die den ganzen Menschen im Alltag begleitet, damit alle gesund älter werden können. Das bedeutet auch, Daten sinnvoll zu nutzen und sie intelligent auszuwerten. So lässt sich gezielt in Prävention und Vorsorgeuntersuchungen investieren.

Welche Erwartungen haben Mitarbeitende heute an Arbeitgeber, wenn es um Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz geht?

Beschäftigte verlangen heute zu Recht, dass Betriebe Gesundheit nicht mehr als reine Privatsache ansehen. Sie erwarten, dass der Arbeitgeber einen sicheren Rahmen schafft und die nötige Fürsorge bietet, damit sie leistungsfähig und gesund bleiben können.

Welche Innovationen oder neuen Dienstleistungen treiben Sie bei BG prevent derzeit besonders voran?

Wir wollen notwendiges Wissen für alle zugänglich machen und Daten verständlich aufbereiten. Ein konkretes Beispiel habe ich bereits angedeutet: Wir arbeiten gerade an einer digitalen Lösung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Ganz konkret heißt das, dass wir auch kleinen Unternehmen ein Werkzeug an die Hand geben werden, das ihnen dabei hilft, die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fokussieren. Damit wird es möglich, dass kleinere Betriebe eine solche Gefährdungsbeurteilung digital durchführen können. Mithilfe eines KI-Assistenten lässt sich die ansonsten sehr aufwendige Analyse in kurzer Zeit durchführen.

Der Mittelstand steht oft vor der Herausforderung, Gesundheitsmanagement pragmatisch umzusetzen. Welche konkreten Lösungen braucht es hier aus Ihrer Sicht?

Wir müssen Vorsorge in den Alltag integrieren, sodass sie für jeden Betrieb ohne Hürden funktioniert. Das gelingt über eingespielte Prozesse und einen direkten digitalen Zugang für die Belegschaft.

Wie wichtig ist Unternehmenskultur für gesunde und sichere Arbeitsplätze?

Die Kultur ist entscheidend. Nur wenn eine offene Haltung im Betrieb herrscht, greifen auch moderne Schutzmaßnahmen. Gesunde Beschäftigte, die sich wohlfühlen, bilden das Fundament für ein krisenfestes Unternehmen.

Was macht BG prevent als Arbeitgeber aus und wie schaffen Sie es, Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden?

Wir leben selbst jeden Tag das vor, was wir anderen Betrieben empfehlen. Wir achten intensiv auf die Gesundheit, stärken die seelische Stabilität und fangen Belastungen frühzeitig auf. Zudem wandelt sich unser Unternehmen seit fünf Jahrzehnten ununterbrochen. Wer bei uns arbeitet, kann den eigenen Arbeitsplatz flexibel anpassen und sich ständig weiterentwickeln. Genau diese Offenheit bindet unser Team langfristig, weil wir gemeinsam wachsen.

Wenn Sie auf die kommenden zehn Jahre blicken: Wie wird sich der Arbeitsschutz in Deutschland verändern?

Wir brechen alte Strukturen auf. Arbeitsmediziner:innen müssen künftig fach- und sektorenübergreifend handeln dürfen, denn sie haben Zugang zur gesamten arbeitenden Bevölkerung. Wenn wir bei einer Routineuntersuchung ein Risiko wie hohen Blutdruck entdecken, müssen wir den Patienten sofort versorgen dürfen, statt ihn nur zum Hausarzt weiterzuschicken.

Welche Vision verfolgen Sie persönlich für die Zukunft von BG prevent?

Wir starten in eine Zeit, in der wir den Schutz der Gesundheit konsequent umsetzen. Wir demokratisieren das Wissen über den eigenen Körper. Jedes Mitglied einer Belegschaft soll eigenverantwortlich im Sinne der körperlichen und mentalen Gesundheit handeln können. So werden wir zur ersten Wahl für Prävention.

Was wünschen Sie sich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um Gesundheit und Prävention in der Arbeitswelt stärker zu verankern?

Wir müssen gesamtgesellschaftlich in Prävention investieren, solange Menschen gesund sind, statt später teure Therapien oder frühe Renten zu bezahlen. Das System reagiert bisher zu spät. Die Politik muss Vorsorge stärker einfordern. Wer sich aktiv schützt, verdient Belohnung; wer sich verweigert, muss die wirtschaftlichen Folgen spüren. Das erfordert Mut zu Regeln, die manche im ersten Moment als übergriffig empfinden, die aber letztlich Schäden abwenden.

Was bedeutet Ihnen das Jubiläum persönlich und welcher Moment aus der Geschichte von BG prevent bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Die 50-Jahr-Feier – sie ist mehr als nur ein Jubiläum: viele tolle Menschen mit Historie und Tradition bis zurück zur Anfangszeit, mit Gegenwart, mit viel Erreichtem und mitten in der Transformation, mit Zukunft und spannenden Herausforderungen – alle eint die gemeinsame Idee, der Einsatz für das Unternehmen, die Gemeinschaft, wunderbare und fröhliche Menschen, eine Mega-Party. „One Company“ war spürbar.

Bildcredits Christof Mattes

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Thomas Auhuber für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

TigerShark Science gewinnt Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2026

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Businessplan Wettbewerb Nordbayern: TigerShark Science gewinnt. BayStartUP zeichnet die besten Gründerteams aus Nordbayern aus. BPWN Finale 2026 - Gruppenfoto Sieger - Foto by Bert Willer

LIGARO und SOLISTIQ belegen die Plätze zwei und drei

Nürnberg, 22. Juli 2026 – Menschliche Hautmodelle für aussagekräftigere Forschung, fossilfreie Industrieklebstoffe und künstliche Intelligenz für eine effizientere Bestandsplanung: TigerShark Science aus Würzburg gewinnt den Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2026. Den zweiten Platz belegt LIGARO aus Ornbau im Landkreis Ansbach, auf Platz drei folgt das Würzburger Startup SOLISTIQ. BayStartUP und die LfA Förderbank Bayern zeichneten die drei Siegerteams im Rahmen der Prämierung am 21. Juli in Nürnberg aus.

Der Businessplan Wettbewerb Nordbayern verzeichnete in diesem Jahr mit 188 Einreichungen einen neuen Höchststand. BayStartUP begleitet Gründerteams dabei, technologische und wissenschaftliche Ideen in markt- und finanzierungsfähige Geschäftsmodelle zu übersetzen.

Rekordbeteiligung zeigt Innovationskraft in Nordbayern

„Die Rekordzahl von 188 unterschiedlichen Geschäftskonzepten in 2026 zeigt, wie viel unternehmerische Energie und technologische Kompetenz in Nordbayern stecken. Die teilnehmenden Teams in Phase 3 verfolgen nicht mehr nur eine Idee, sondern haben die ernsthafte Absicht, tragfähige Unternehmen aufzubauen und tragen zur Wirtschaftskraft des Standortes Bayern bei. BayStartUP unterstützt die Gründerteams dabei“, sagt Barbara Dombay, Geschäftsführerin von BayStartUP.

Die Jury bewertete unter anderem die Marktchancen der Geschäftsideen, den Kundennutzen, die Umsetzungsstrategie sowie die Finanz- und Kapitalplanung der Teams. Die drei Sieger überzeugten mit technologisch anspruchsvollen Lösungen, klar definierten Anwendungsfeldern und schlüssigen Geschäftsmodellen.

Der Wettbewerb ermöglicht Gründerteams eine intensive Arbeitsphase für den Unternehmensaufbau. Die Teilnehmenden überprüfen Marktannahmen, schärfen ihr Geschäftsmodell und entwickeln ihre Finanzierungs- und Umsetzungsstrategie weiter. Das Feedback erfahrener Unternehmerinnen und Unternehmer, Branchenfachleute sowie Kapitalgeber hilft ihnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die nächsten Entwicklungsschritte fundiert vorzubereiten.

Thomas Langer, Vorstandsmitglied der LfA Förderbank Bayern, sagt: „Die Kreativität, das Talent und die Ambitionen der Siegerteams beeindrucken mich sehr. KI, Medizintechnik oder Hightech-Industrieanwendungen – überall wo in Zukunft die Musik spielt, gibt es in Nordbayern vielversprechende Hoffnungsträger. Mit ihren topmodernen Geschäftsideen zeigen die Nachwuchsunternehmerinnen und -unternehmer, dass die Gründerszene hier auf Spitzenniveau unterwegs ist. Gemeinsam mit unserer VC-Tochter Bayern Kapital unterstützt die LfA Gründerinnen und Gründer mit attraktiven Förderkrediten und Wagniskapital. Mit der VC4Start-ups Initiative Bayern bauen wir dieses Engagement weiter aus.“

Platz 1: TigerShark Science entwickelt menschliche Hautmodelle

TigerShark Science aus Würzburg züchtet menschliche Hautmodelle im Labor und stellt damit realitätsnahe Testsysteme für Pharma- und Kosmetikunternehmen bereit. Die Modelle bilden die Struktur menschlicher Haut besonders genau ab, enthalten zusätzliche Strukturen wie Haare und bleiben über mehrere Wochen stabil.

Unternehmen können neue Wirkstoffe und Produkte dadurch frühzeitig unter realistischen Bedingungen testen. Die Lösung soll Entwicklungszeiten und Kosten reduzieren, fundiertere Entscheidungen ermöglichen und zugleich dazu beitragen, Tierversuche zu vermeiden. Die Herstellung der Hautmodelle ist nach Angaben des Teams standardisiert, teilautomatisiert und skalierbar.

„Für uns ist der Businessplan Wettbewerb eine wertvolle Plattform, um aus Forschung ein starkes Unternehmen zu entwickeln. Das konstruktive Feedback der Jury hilft uns, unser Marktverständnis weiter zu vertiefen und unser Geschäftsmodell zu präzisieren. Besonders schätzen wir den Austausch mit erfahrenen Unternehmerinnen, Investoren und Expertinnen im BayStartUP-Netzwerk“, sagt Amelie Reigl, Geschäftsführerin von TigerShark Science.

Platz 2: LIGARO ersetzt erdölbasierte Klebstoffe

Den zweiten Platz erreicht LIGARO aus Ornbau (Landkreis Ansbach). Das Team entwickelt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe für die Holz- und Papierindustrie. Herkömmliche Industrieklebstoffe basieren häufig auf Erdöl und können gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd enthalten. LIGARO arbeitet an einer nachhaltigen Alternative mit hoher mechanischer Leistungsfähigkeit.

Die Klebstoffe sollen unter anderem in Möbeln, Spanplatten, Parkett und Dämmstoffen eingesetzt werden. Ziel ist es, den Verbrauch fossiler Rohstoffe und die damit verbundenen CO₂-Emissionen zu reduzieren sowie gesundheitliche Risiken in der Verarbeitung zu vermeiden.

„Wir nehmen am Businessplan Wettbewerb teil, um unser Geschäftsmodell weiter zu schärfen und im Austausch mit erfahrenen Jury-Mitgliedern kritisch zu reflektieren. Besonders wertvoll sind für uns das strukturierte Feedback zu Finanzplanung und IP-Strategie sowie der Zugang zu einem starken Netzwerk aus Industrie- und Finanzierungspartnern“, sagt Joana Kappes, Co-Founderin von LIGARO.

Platz 3: SOLISTIQ automatisiert die Bestandsplanung

SOLISTIQ aus Würzburg belegt den dritten Platz. Das Startup entwickelt einen KI-basierten Disponenten, der Unternehmen bei der Planung ihrer Bestellungen unterstützt. Die Software analysiert kontinuierlich Absatz- und Bestandsdaten und ermittelt, wann welche Produkte in welcher Menge nachbestellt werden sollten.

Unternehmen sollen dadurch Überbestände, Lieferengpässe und manuellen Planungsaufwand reduzieren können. Gleichzeitig macht die Software ihre Vorschläge nachvollziehbar. Die Einführung soll ohne langwierige IT-Projekte möglich sein.

Rekordbeteiligung im Wettbewerbsjahr 2026

Insgesamt beteiligten sich 188 unterschiedliche Gründerteams mit ihren Geschäftskonzepten am Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2026. Die hohe Beteiligung zeigt nicht nur die Breite und Dynamik der nordbayerischen Gründungsszene. Sie unterstreicht auch den Bedarf an qualifiziertem Feedback, Finanzierungskompetenz und belastbaren Kontakten zu erfahrenen Markt- und Netzwerkpartnern.

Mehr als die Hälfte der Einreichungen 2026 entfiel auf den Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Verteilung nach Branchen:

  • Informations- und Kommunikationstechnologie: 53 Prozent
  • Life Sciences: 20 Prozent
  • Technologie: 11 Prozent
  • Dienstleistungen und Sonstiges: 16 Prozent

Acht Teams im Finale

Neben den drei ausgezeichneten Startups hatten sich ailusive aus Erlangen, Calcutron aus Bamberg, Eberlein Health aus Forchheim, UroPro aus Erlangen und WerkUp aus Ansbach für das Finale qualifiziert. Ihre Lösungen reichen von der Erkennung fehlerhafter KI-Aussagen und der automatisierten Angebotserstellung im Handwerk bis zu neuen medizintechnischen Anwendungen und einer KI-basierten Unternehmenssoftware für Handwerksbetriebe.

Bild BPWN Finale 2026 – Gruppenfoto Sieger – Foto by Bert Willer

Quelle BayStartUp GmbH

Narzissmus als Muster in der Außenpolitik – Strategien und Ausblicke

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Europa und Deutschland: Narzissmus als neue Perspektive der Außenpolitik Sofie Lilli Stoffel Head of Foreign and Security Policy Heinrich-Böll-Stiftung © GPPi

Sofie Lilli Stoffel ist Expertin für Außen- und Sicherheitspolitik. Sie macht sich Gedanken über Deutschlands Rolle in der Welt und wie wir dafür sorgen können, dass Menschen in Deutschland, Europa und der Welt sicher sind. Ihr besonderer Fokus liegt darauf, wie Neurologie und Psychologie dabei helfen können, Kriege, Konflikte und Politik besser zu verstehen. Ihre aktuelle Studie trägt den Titel „Wenn dein Verbündeter zum Narzissten wird“ und soll Europa als Ratgeber für die Gestaltung transatlantischer Beziehungen dienen.

„Unsere Verteidigung ist für mich auch eine feministische und menschenrechtliche Frage.“

herCAREER: Sofie, wir erleben derzeit mehrere internationale Krisen. Was hat sich deiner Meinung nach geopolitisch verändert?

Sofie Stoffel: Seit Bestehen der Bundesrepublik konnten wir uns immer darauf verlassen, dass die USA uns im Fall eines Konflikts den Rücken stärken und gemeinsam mit uns sicherheitspolitische Maßnahmen durchführen würden. Das ist jetzt nicht mehr so, spätestens seit der zweiten Amtszeit Trumps auch ganz explizit.

Hinzu kam der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Annäherung an Europa, die Deutschland sich in den 2000ern und 2010ern von Russland naiverweise erhofft hatte, ließ sich nicht realisieren.

Gleichzeitig sind wir stark von China abhängig, dessen Interessen europäischen und deutschen Interessen in vielerlei Hinsicht entgegenlaufen.

Unsere Studie ist ein Versuch, aus dem Status-Quo-Denken herauszukommen, die Perspektive zu wechseln und über Deutschlands und Europas Rolle in der Welt sowie die internationale Politik nachzudenken. Welche Optionen haben wir? Denn momentan befinden wir uns sprichwörtlich „between a rock and a hard place“ – also in einer echt unangenehmen Lage.

herCAREER: Das Machtgehabe der USA und Russlands könnte man auf Kapitalismus und Patriarchat zurückführen. Deine Studie eröffnet jedoch eine neue Perspektive: Narzissmus. Doch wer ist in diesem Kontext narzisstisch? Sind es die Regierungschefs Trump, Putin und Co., ihre Regierungen oder die Nationen selbst?

Sofie Stoffel: In unserer Studie betrachten wir nicht Individuen, sondern Muster politischer Handlungen. Wir sprechen darin über Regierungen, analysieren also Maßnahmen auf staatlicher Ebene. Natürlich gibt es Wechselwirkungen, denn Regierungen werden auch durch die Person an ihrer Spitze geprägt. Die MAGA-Bewegung zum Beispiel ist aber trotzdem viel mehr als nur Donald Trump und sein engster Kreis. MAGA hat ein politisches Klima geschaffen und ist gleichzeitig ein Produkt dessen. Deswegen kann man die aktuelle US-Außenpolitik nicht rein auf den Präsidenten zurückführen.

herCAREER: In eurer Untersuchung habt ihr sieben Kriterien zur Erkennung narzisstischer Muster in der Außenpolitik definiert.

Sofie Stoffel: Die Art und Weise, wie wir – und noch stärker die USA – unsere demokratischen Systeme aufgebaut haben, befördert narzisstische Tendenzen. Meist wählen wir Personen in Machtpositionen, die auf der narzisstischen Skala weiter oben stehen. Das ist nicht per se schlecht, denn Narzissmus ist zwar negativ konnotiert, auf niedrigeren Levels aber auch mitverantwortlich für Eigenschaften wie Humor, Innovationswille, Durchsetzungsstärke und ein gesundes Selbstbewusstsein. Bei höheren Maßen narzisstischer Eigenschaften wird dies aber problematisch, dann geht es primär um Macht, Ansehen und Status. Es gibt außerdem das sozialpsychologische Phänomen des kollektiven Narzissmus, eine unkritische Überzeugung von der Großartigkeit der eigenen Gruppe oder Nation. Leider ist es kein isoliertes Phänomen, dass in solchen Fällen die Zustimmung zu autoritären und populistischen Politiker:innen und Bewegungen steigt, die sich in Europa und Nordamerika primär am rechten Rand finden.

herCAREER: Ihr habt unter anderem das Streben nach Aufmerksamkeit, einen ausbeuterischen und herabwürdigenden Umgang mit Verbündeten, performative und zwingende Überlegenheit, rachsüchtige Vergeltung sowie einen risikobehafteten, kurzfristigen Fokus als Kriterien für narzisstische Regierungen angesetzt. Anhand dieser Kriterien – wie narzisstisch ist Deutschland?

Sofie Stoffel: In puncto Außen- und Sicherheitspolitik: nicht besonders. Denn Deutschland sucht aktiv den Schulterschluss mit europäischen Partner:innen. Deutschlands Währung auf dem internationalen Parkett ist Verlässlichkeit. Egal, welche Regierung bei uns an der Macht ist, unsere Außenpolitik bleibt in ihren Grundzügen ähnlich. Und das ist das genaue Gegenteil des volatilen Narzissmus. Wir sind auch nicht für Public Stunts bekannt – im Gegenteil: In der Auswertung unserer Studie rufen wir vielmehr dazu auf, mehr Imagepflege zu betreiben, neue Partnerschaften zu bilden und uns gemeinsam mit diesen Ländern etwas mehr zu inszenieren.

herCAREER: Um was zu erreichen?

Sofie Stoffel: Damit wir neben den USA und anderen narzisstischen Playern nicht unnötig vulnerabel wirken. Es geht in solchen Dynamiken oft sehr explizit um Wahrnehmung und Zurschaustellung.

herCAREER: Welche Fehler macht Deutschland derzeit?

Sofie Stoffel: Wir befinden uns noch immer in vielen Situationen in einer reaktiven Haltung, einen Schritt zu langsam, einen Schritt hinterher. Was liegt in unserem Interesse – in Europas Interesse? Welche Rolle wollen wir unter veränderten geopolitischen Umständen haben? Um diesen Effekt zu durchbrechen, ist der Narzissmus-Begriff meiner Meinung nach sehr hilfreich, er macht es einfacher, eine neue Perspektive einzunehmen und die Muster zu betrachten, anstatt von Krise zu Krise zu denken.

herCAREER: Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Europa und Deutschland?

Sofie Stoffel: Deutschland und Europa bauen derzeit ihre Verteidigungsfähigkeiten stark aus. Das wird aber dauern, denn wir haben viel zu spät damit angefangen. Dementsprechend müssen wir in der Zwischenzeit einen guten Weg finden, mit den USA und ihrer aktuellen Außenpolitik umzugehen.

Unsere Verteidigung ist für mich übrigens auch eine feministische und menschenrechtliche Frage. Wenn uns jemand angreift, annektieren will oder Abhängigkeiten zur politischen Dominanz ausnutzt, werden dies aller Annahme nach Akteure sein, die antidemokratisch und antifeministisch sind, wie Russland. Wenn wir ein solches Leben nicht führen möchten, müssen wir uns verteidigen – und zwar auf einer Ebene, die auch international respektiert wird. Dafür brauchen wir unbedingt neue Partner.

herCAREER: Wer kommt da infrage?

Sofie Stoffel: Primär brauchen wir natürlich ein starkes und möglichst vereintes Europa. Ich habe die Hoffnung, dass die europäische Kooperation ohne Orbán auch noch besser wird.

Außerdem brauchen wir Partner, die in ähnlichen Situationen sind, die sogenannten „Mittelmächte“. Viele davon sind Länder aus dem Globalen Süden, der Global Majority, wie es jetzt oft heißt. Die haben jedoch nicht unbedingt Lust, mit uns zusammenzuarbeiten, solange wir uns ihnen gegenüber nicht demütig zeigen und klar machen, was Deutschland und Europa zu attraktiven Partnern macht.

herCAREER: Das wird interessant. Von wem könnten wir uns in dieser Hinsicht etwas abschauen?

Sofie Stoffel: Ein gutes Vorbild sind Mexiko und seine Präsidentin Claudia Sheinbaum. Konflikte zwischen den USA und Mexiko sind derzeit kaum Thema. Das liegt nicht daran, dass es keine Provokationen mehr gibt, sondern daran, dass Mexiko nicht mehr auf die Trump-Regierung eingeht. Zugegeben, Venezuela ist mit seinen Öl-Ressourcen gerade interessanter für die USA. Doch Mexiko macht das hervorragend. Wir müssen von und mit solchen Ländern lernen – und das geht nur, wenn wir es schaffen, ein zuverlässiger und ehrlicher Partner zu sein.

herCAREER: Die Studie nennt sich auch ein „Self-Help Manual for Europe“. Was sind eure Handlungsempfehlungen?

Sofie Stoffel: Partner:innen finden haben wir schon erwähnt. Wenn wir Bündnisse und interessenbasierte Kooperationen eingehen, bilden die ein Gegengewicht zur narzisstischen Politik und erschweren es den narzisstischen Playern, uns zu spalten und gegeneinander auszuspielen. Überhaupt sollte sich niemand von etwas mitreißen lassen, das auf Truth Social oder Fox News verbreitet wird.

Dann: Nicht nachgeben! Jedes Mal, wenn man narzisstischen Manipulationen nachgibt, hängt der Reifen, durch den man springen soll, ein wenig höher und weiter rechts. Wir denken, wir können so möglichen Vergeltungsaktionen vorbeugen. Das ist ein Trugschluss! Irgendwann hängt der Reifen so hoch, dass man ihn unmöglich überwinden kann – und dann trifft die folgende Vergeltung gleich dreimal so stark.

Zuletzt, und auch das habe ich schon angedeutet: Es hilft uns nicht, uns als kleines, abhängiges Europa zu positionieren. Wir brauchen mehr Kühnheit, denn narzisstische Akteure respektieren starke Partner. Wir sollten uns also ein wenig mehr aufplustern, auch wenn uns gewisse Kapazitäten noch fehlen.

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel.

Sofie Lilli Stoffel wird am Freitag, den 23. Oktober 2026, beim Podcast-MeetUp auf der herCAREER Expo über ihre Studie und Lehren aus der Psychologie im Kontext globaler Sicherheitspolitik sprechen.

Bild Sofie Lilli Stoffel Head of Foreign and Security Policy Heinrich-Böll-Stiftung © GPPi

Quelle messe.rocks GmbH

Vision AI im Handel: Wie Scandit Smartphones in KI-gestützte Scan-Tools verwandelt

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Scandit: Vision AI verwandelt Smartphones in Scanner CTO Christian Floerkemeier

Vom Forschungsprojekt an der ETH Zürich zum globalen Tech-Pionier: Das Gründerteam von Scandit erklärt im Interview, wie ihre Software Smartphones in leistungsstarke Erfassungswerkzeuge verwandelt und wie Unternehmen mit Vision AI alltägliche Abläufe revolutionieren.

Können Sie Scandit kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Scandit entwickelt Smart Data Capture-Software, die auf Vision AI basiert und aus Smartgeräten leistungsstarke Datenerfassungs-Tools macht. Sie ermöglicht es Smartphones, Handheld-Computern, stationären Kameras und Robotern, Barcodes, Ausweise, Texte und Objekte mit der Geschwindigkeit und Genauigkeit spezialisierter Hardware zu scannen – in den meisten Fällen sogar vollständig auf dem Gerät selbst.

Die Idee dazu entstand an der ETH Zürich, wo sich Samuel Mueller (CEO), Christof Roduner (CIO) und ich kennenlernten. Ursprünglich wollten wir physische Objekte mit dem Internet verbinden, und zwar über RFID (Radio Frequency Identification). Christof und ich waren Teil des Auto-ID Lab, einer Forschungskooperation zwischen dem MIT (Massachusetts Institute of Technology) und der ETH. Irgendwann wurde uns klar, dass die Smartphone-Kamera der eigentlich interessantere Sensor war, da bald jeder ein Smartphone besitzen würde. Also gründeten wir noch im Jahr 2009 Scandit mit dem Ziel, eine Barcode-Scan-Technologie zu entwickeln, die auch auf den damals noch sehr limitierten Handykameras zuverlässig funktioniert.

Herr Floerkemeier, Sie gehören zum Gründerteam von Scandit. Was hat Sie damals motiviert, Computer Vision und Smart Data Capture in den Mittelpunkt Ihres Unternehmens zu stellen?

Während meiner Zeit am Auto-ID Lab des MIT habe ich an RFID gearbeitet. Das zugrundeliegende Versprechen war dabei stets dasselbe: Computern die Möglichkeit zu geben, die physische Welt wahrzunehmen. RFID benötigt jedoch spezielle Lesegeräte und mit Tags versehene Objekte, was den Einsatzbereich stark einschränkt. Bei Kameras gibt es dieses Problem nicht.

Die frühe Technologie war allerdings ernüchternd. So lief unsere erste Demo auf einem Nokia N95 mit einer Fünf-Megapixel-Kamera ohne Autofokus und einige frühe Prototypen wiesen eine Fehlerquote von rund zehn Prozent beim Auslesen auf. Der CIO eines der größten Lebensmittelhändler Europas sagte uns damals, unsere Technologie werde niemals gut genug sein. Genau diese Lücke zwischen Vision und Realität machte die Sache zu einem lohnenden technischen Problem. Sie zu schließen – unter anderem mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen, die selbst aus unscharfen Bildern Barcodes lesen konnten – bildet bis heute die Grundlage unserer Produkte.

Welche Vision verfolgen Sie mit Scandit, und wie möchten Sie den Einsatz von KI und Computer Vision in Unternehmen langfristig verändern?

Unser Ziel ist es, dass jeder, egal ob Verkaufsmitarbeiter:in, Pflegekraft, Verbraucher:in oder Zusteller:in, mit einem Gerät ganz einfach auf ein Objekt zeigen kann, um die physische und die digitale Welt miteinander zu verbinden. Unsere Mission ist es, die Alltagshelden zu stärken, die diese Arbeit jeden Tag leisten.

Langfristig bleibt diese Mission bestehen, richtet sich aber zunehmend auf größere geschäftliche Herausforderungen, bei denen Vision AI zum Einsatz kommt. Ein Beispiel ist die verbreitete Lücke in der Store Execution: Händlern fehlt die nötige Transparenz über ihren Warenbestand, um ihr Geschäft zu maximieren und Abläufe zu optimieren. Deshalb investieren wir so stark in Vision AI: Wenn die Intelligenz in den Händen der Mitarbeitenden liegt und in Millisekunden reagiert, verändert das die Art und Weise, wie sie arbeiten und wofür sie ihre Zeit einsetzen.

An welche Zielgruppen richtet sich Scandit hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie mit Ihren Lösungen lösen?

Zu unseren Kunden zählen vor allem Unternehmen aus den Bereichen Einzelhandel, Post-, Paket- und Expressdienste, Flugreisen, Supply Chain, Gesundheitswesen und Fertigung, unter anderem Walmart, Sephora, Levi’s Strauss, Air France KLM, der NHS, Lufthansa und La Poste. Allein im Einzelhandel gehören sieben der zehn größten Lebensmittelhändler der USA zu unseren Kunden.

Die Herausforderungen sind meist Variationen desselben Themas: Manuelle, langsame und fehleranfällige Prozesse im Tagesgeschäft stellen ein Problem dar, insbesondere in einer Zeit, in der Arbeitskräfte knapp und teuer sind. Man denke an eine Mitarbeiterin, die Regale Artikel für Artikel überprüft, einen Zusteller, der seinen Lieferwagen nach einem einzelnen Paket durchsucht, oder eine Self-Checkout-Kasse, die blockiert ist, weil jemand eine Flasche Wein gekauft hat.

Wir verleihen den Geräten, die Menschen ohnehin bei sich tragen oder die Unternehmen bereits im Einsatz haben, die Fähigkeit zu sehen und zu verstehen, sodass diese Aufgaben nur noch Sekunden statt Minuten dauern. Unternehmen erhalten auf diese Weise verlässliche Daten darüber, was in ihrem Betrieb tatsächlich passiert. Über die reine Datenerfassung hinaus liefern wir handlungsrelevante Erkenntnisse für Mitarbeitende im operativen Geschäft, damit sie ihre nächsten Schritte priorisieren können – sei es, welche margenstarken Artikel nachgefüllt werden müssen oder ob der Ausweis eines Kunden bei einem altersbeschränkten Produkt echt oder gefälscht ist.

Mit Age Verified Self-Checkout bringt Scandit eine Altersverifikation auf den Markt, bei der die Gesichtsanalyse vollständig auf dem Smartphone erfolgt. Wie funktioniert dieser Ansatz, und warum war Ihnen der Datenschutz dabei so wichtig?

Wenn ein Kunde an der Selbstbedienungskasse ein altersbeschränktes Produkt kauft, zeigt das Terminal einen QR-Code an. Der Kunde scannt diesen ohne vorherigen App-Download mit dem eigenen Smartphone und macht ein Selfie. Ein direkt im Browser auf dem Smartphone laufendes Vision AI-Modell schätzt daraufhin das Alter. Liegt die Person eindeutig über der Altersgrenze, ist die Prüfung innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen. Ist das nicht der Fall, scannt der Kunde zusätzlich seinen Ausweis, dessen Echtheit wir prüfen. Anschließend gleichen wir das Ausweisfoto mit dem Selfie ab. Am Ende erhält das Kassenterminal ausschließlich ein „Bestanden“- oder „Nicht bestanden“-Signal. Es werden keine biometrischen Daten, Ausweisdaten oder weitere persönliche Informationen übertragen oder gespeichert. Falls gewünscht oder eine weitere Prüfung nötig ist, kann die Kundin beziehungsweise der Kunde jederzeit eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter hinzuziehen.

Datenschutz war hier keine Option, sondern Voraussetzung. Da es sich bei der Gesichtsanalyse um eine sensible Datenkategorie handelt, würden weder Händler noch Kund:innen eine Lösung akzeptieren, die solche Informationen speichert. Da die Verarbeitung auf dem Gerät, nämlich dem eigenen Smartphone der Kund:innen, erfolgt, ist der Datenschutz architektonisch verankert und nicht nur ein Versprechen auf dem Papier. Neben der vollständigen On-Device-Verarbeitung erfüllt die Lösung zudem zentrale Standards, darunter die DSGVO, den CCPA, ISO/IEC 27566-1, ISO 27001 sowie die UKAS-Challenge-25-Zertifizierung.

Viele KI-Lösungen verarbeiten Daten in der Cloud. Warum hat sich Scandit bewusst für einen Ansatz entschieden, bei dem die Daten das Smartphone nicht verlassen?

Die On-Device-Verarbeitung bietet drei Vorteile gegenüber der Cloud für diese Art von Anwendung:

Geschwindigkeit, weil ein Scan in Millisekunden reagieren muss, was ein zentraler Faktor für unsere leistungsstarke Scan-Technologie ist.

Zuverlässigkeit, da sich ein Lager oder ein Ladenkeller nicht auf eine perfekte Internetverbindung verlassen kann.

Und Datenschutz, denn Daten, die nie erhoben werden, können auch nicht durchsickern.

On-Device-Scanning reduziert die Datenübertragung und maximiert gleichzeitig die Verfügbarkeit und Sicherheit. Für die meisten unserer Arbeitsprozesse bietet On-Device-Scanning die beste Leistung und gibt unseren Kunden und deren Endnutzer:innen gleichzeitig die nötige Sicherheit.

Was macht Scandit aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Anbietern von Computer-Vision- und KI-Lösungen für den Handel?

Wir haben über fünfzehn Jahre in die Lösung eines einzigen, anspruchsvollen Problems investiert: Unser Ziel war es, Vision AI so zuverlässig zu machen, dass sie auf Geräten aller Leistungsklassen unter chaotischen, realen Bedingungen funktioniert. Dazu gehören beispielsweise Blendlicht an einer Kühltür, ein zerknittertes Etikett, schlechte Beleuchtung im Lager oder ein fünf Jahre altes Android-Smartphone. Nur wer unter echten Praxisbedingungen testet, kann sicherstellen, dass die eigenen Datenerfassungs-Tools den Betrieb tatsächlich unterstützen und nicht behindern. Unsere gesamte Vision AI-Expertise aus dem Bereich Barcode-Scanning haben wir inzwischen auf ShelfView und weitere Store-Intelligence-Lösungen ausgeweitet. Mithilfe von Vision AI erkennt ShelfView Bilder und Objekte, um falsch einsortierte Ware in den Gängen eines Supermarkts oder fehlende Bestände, die nachgefüllt werden müssen, zu identifizieren. Die dafür nötige Genauigkeit und Komplexität ist entscheidend und liefert Händlern messbare Geschäftsergebnisse, die die Marge und den Umsatz steigern.

Ein weiterer Unterschied ist, dass wir unsere Leistungsfähigkeit in großen Unternehmen bewiesen haben. Unsere Software läuft jährlich auf 170 Millionen Geräten bei einigen der größten Unternehmen weltweit – und das ohne spezielle Hardware. Wir haben einen Kundenstamm von über 2.100 Unternehmen und pflegen vertrauensvolle Partnerschaften mit Hardware-Partnern, ISVs (Independent Software Vendors) sowie Systemintegratoren. Zudem überzeugt unsere Plattform durch ihre Breite: Barcode-Scanning, ID-Scanning, Etiketten-Erfassung und Store Intelligence. Ein Händler kann für sämtliche Filialprozesse mit nur einem Anbieter zusammenarbeiten.

Welche Vorteile bietet die neue Altersverifikation sowohl für Händler als auch für Kund:innen und Kunden im Alltag?

Für Händler ist die Rechnung eindeutig: Rund 80 Prozent der Altersprüfungen werden innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen, ganz ohne Mitarbeitende. Die Prüfungen sind rund sechsmal schneller und die Filialen verzeichnen bis zu fünf Prozent mehr Self-Checkout-Transaktionen, da die Kassen einfach weiterlaufen. Das führt wiederum zu mehr Umsatz. Es ist keine neue Hardware nötig, da die Arbeit von den Smartphones der Kund:innen übernommen wird und sich die Lösung in bestehende Self-Checkout-Systeme integrieren lässt. Dadurch wird Compliance einheitlich und nachvollziehbar, statt davon abzuhängen, wie aufmerksam eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter am Ende einer langen Schicht noch ist.

Für Kund:innen entfällt ein unangenehmer Moment. Niemand steht gerne vor einem blinkenden Terminal und wartet darauf, begutachtet zu werden. Ein Selfie dauert nur wenige Sekunden, es findet keine Bewertung statt und die Daten bleiben auf dem Smartphone. Die Gründe, warum sich Menschen überhaupt für Self-Checkout entscheiden, sind Geschwindigkeit und Unabhängigkeit – und genau dieses Versprechen wird nun auch bei altersbeschränkten Käufen eingehalten.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung von KI-Lösungen, die hohe Anforderungen an Datenschutz, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit erfüllen müssen?

Unser Ziel bei unserer Age Verified Self-Checkout-Lösung ist es, dass der gesamte Ablauf auf jedem beliebigen Smartphone, das eine Kundin oder ein Kunde besitzt, funktioniert – in Echtzeit sowie präzise genug für eine Compliance-Entscheidung. Wir sind seit jeher stolz darauf, unsere Software auf über 20.000 verschiedenen Gerätetypen lauffähig zu machen, um eine möglichst breite Kompatibilität sicherzustellen.

Der Datenschutz bringt eine weitere, jedoch notwendige Einschränkung mit sich. Da wir keine Daten speichern, muss jede Schutzmaßnahme, etwa der Abgleich eines Ausweisfotos mit einem Live-Selfie zur Betrugsprävention, in Echtzeit direkt auf dem Gerät erfolgen. Über all dem steht die Benutzerfreundlichkeit. Sowohl ein Teenager als auch eine 80-Jährige müssen den Ablauf beim ersten Versuch ohne Anleitung abschließen können. Wir investieren seit jeher stark in die User Experience, um auf Basis von Best Practices aus Tausenden von Implementierungen hohe Akzeptanzraten zu erzielen.

Wie sehen Sie die Zukunft von Computer Vision und KI im Einzelhandel, und welche Rolle wird datenschutzkonforme Verarbeitung dabei spielen?

Computer Vision oder Vision AI wird zunehmend Teil der Infrastruktur von Filialen. Heute kommt sie vor allem in den Händen der Mitarbeitenden zum Einsatz, die Produkte und Regale scannen. Zunehmend sehen wir, wie sie eine kontinuierliche Store Intelligence speist und somit Echtzeit-Transparenz über den Warenbestand schafft: Welche Regale sind leer, welche Preise sind falsch ausgezeichnet, welche Produkte laufen bald ab, wo gibt es Engpässe? Anstatt eigene, gesonderte Kontrollen durchführen zu müssen, entsteht dieses Wissen als Nebenprodukt der ohnehin stattfindenden Arbeit. Neben den Vorteilen der Echtzeitdaten lassen sich durch den Wegfall bestimmter Aufgaben auch erhebliche Effizienzgewinne bei der Arbeitsproduktivität erzielen. So können Mitarbeitende ihre Zeit in wertschöpfendere Tätigkeiten investieren.

Zum Thema Datenschutz würde ich sagen: Datenschutzkonforme Verarbeitung wird nicht mehr lange ein Verkaufsargument sein. Sie wird zur Eintrittskarte. Aufgrund der DSGVO, des EU AI Acts und des wachsenden Bewusstseins der Verbraucher:innen muss alles, was mit Menschen, ihren Gesichtern, ihren Ausweisen oder ihrem Verhalten zu tun hat, von Grund auf Datensparsamkeit nachweisen. Händler:innen haben das verstanden. Die Frage, die wir in jedem Gespräch hören, lautet nicht mehr „Wie genau ist es?“, sondern „Wohin gehen die Daten?“

Welche nächsten technologischen Entwicklungen und Wachstumsziele stehen bei Scandit aktuell im Fokus?

Am wichtigsten ist unsere Store Intelligence Plattform. Sie verwandelt Bestandsdaten aus zentralen Filial-Workflows in eine Echtzeitübersicht über den Filialbetrieb, anstatt jeden Workflow als eigenes Silo zu belassen. Sie enthält auch priorisierte Handlungsempfehlungen. Jede aktivierte Lösung macht das Gesamtbild reichhaltiger.

Technologisch treiben wir kontinuierlich voran, was mit KI-gestützter Smart Data Capture möglich ist: die Kombination von Barcode- und Texterkennung in einer einzigen Erfassung für komplexe Etiketten, eine bessere KI-basierte Analyse von Regalen sowie die Erweiterung unserer Software von Smartphones auf stationäre Kameras, Drohnen und Roboter. Zudem erkunden wir laufend neue Herausforderungen im Filialbetrieb und Problemfelder im Handel, die wir lösen können.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein DeepTech-Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz erfolgreich aufbauen möchten?

Erstens: Sucht euch ein einziges, echtes Problem und sagt zu fast allem anderen Nein, das euch ablenken könnte. In den Anfangsjahren haben wir versucht, für zu viele potenzielle Kunden zu viele verschiedene Dinge zu sein. Das hat uns wahrscheinlich ein Jahr gekostet. Man muss in 90 Prozent der Fälle Nein sagen, und das fühlt sich nie bequem an.

Zweitens: Verlasst früh das Labor. Unsere Technologie wurde erst dadurch gut, dass uns echte Kunden, manchmal sehr direkt, gesagt haben, wo sie versagt. In der akademischen Welt wirkt eine Fehlerquote von 10 Prozent wie ein solides Forschungsergebnis. Ein Händler wird euch hingegen sagen, dass die Technologie unbrauchbar ist.

Drittens: Behandelt Ablehnung als Information, nicht als Urteil. Der CIO, der sagte, unsere Technologie werde niemals gut genug sein, hat unseren Fokus mehr geschärft als jeder Berater. Er beschrieb das Produkt so, wie es damals war, nicht, wie es sein könnte. Genau in diesem Unterschied liegt das Unternehmen, das man aufbaut.

Bildcredits Scandit

Wir bedanken uns bei Christian Floerkemeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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