Dienstag, Juni 9, 2026
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Lexroom baut KI Plattform für Europas Zivilrecht

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Lexroom erhält 50 Millionen Dollar v.l.: Andrea Lonza, Paolo Fois, Martina Domenicali

Lexroom entwickelt mit Lexroom KI Zivilrecht eine Plattform für europäische Kanzleien und Rechtsabteilungen. Das Startup will juristische Arbeit schneller, präziser und einfacher machen und expandiert nun weiter in Europa.

Lexroom KI Zivilrecht erweitert den europäischen Rechtsmarkt

Lexroom sichert sich 50 Millionen US-Dollar in Series B – KI für das europäische Zivilrecht

Die Runde wird von Left Lane Capital angeführt, gemeinsam mit Base10 Partners, Eurazeo, Acurio Ventures und weiteren Bestandsinvestoren. Sie folgt acht Monate auf die 19-Millionen-Series-A und finanziert die Expansion in den kontinentaleuropäischen Rechtsmarkt. Dort arbeitet die Mehrheit der über eine Million Anwälte Europas täglich.

Mailand, 19. Mai 2026 – Lexroom gibt heute den Abschluss einer Series-B-Finanzierungsrunde über 50 Millionen US-Dollar bekannt. Angeführt wird die Runde von Left Lane Capital. Außerdem beteiligen sich Base10 Partners, Eurazeo, Acurio Ventures sowie die Early Investors Entourage und View Different.

Die Finanzierung folgt acht Monate nach der Series A über 19 Millionen US-Dollar. Damit steigt das insgesamt eingeworbene Kapital auf mehr als 73 Millionen US-Dollar. Die Plattform zählt inzwischen mehr als 8.000 Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen zu ihren Nutzern.

Fehlerhafte KI Lösungen sorgen für Probleme in Kanzleien

Hinter der Finanzierung steht eine klare These: KI für Juristen funktioniert nur mit einer starken Datenbasis.

Viele Anbieter verfolgen aktuell einen anderen Ansatz. Sie passen allgemeine Sprachmodelle an juristische Inhalte an und kombinieren diese mit einer entsprechenden Oberfläche. Allerdings lassen sich die Ergebnisse oft weder prüfen noch sauber zitieren.

Deshalb verlieren viele Anwälte das Vertrauen in solche Systeme. Bereits mehr als 1.300 Gerichtseingaben mit KI-generierten Fehlern wurden dokumentiert. Dazu zählen erfundene Urteile, nicht existierende Paragraphen und falsch wiedergegebene Quellen.

Mehrere führende Kanzleien mussten sich deshalb bereits öffentlich bei Richtern entschuldigen.

Lexroom setzt auf verlässliche juristische Daten

„Als wir Lexroom gegründet haben, war uns von Anfang an klar: Anwälte brauchen bessere Werkzeuge, und Sprachmodelle können sie liefern“, sagt Paolo Fois, CEO und Mitgründer von Lexroom.

„Was bislang fehlte, war die Datengrundlage – aktuelle Gesetze, einschlägige Urteile und juristische Verfahren. Eine KI für das kontinentaleuropäische Recht muss zuerst in Daten denken. Genau das bauen wir jetzt gemeinsam mit Left Lane auf: das KI-Rückgrat der Rechtsbranche.“

Die Nutzungsdaten zeigen bereits deutliche Ergebnisse. Zwei Drittel der Lexroom-Anwender sind täglich aktiv. 94 Prozent nutzen die Plattform jede Woche. Solche Werte erreichen meist nur zentrale Arbeitswerkzeuge wie E-Mail oder Word.

Auch im Kanzleialltag zeigt sich der Effekt deutlich. Recherchen dauern heute oft nur noch Minuten statt Stunden. Schriftsätze entstehen in Stunden statt in Tagen.

Dadurch können Anwälte mehr Mandate gleichzeitig betreuen, ohne an Qualität zu verlieren.

Expansion nach Deutschland und Spanien startet

Die Auswirkungen reichen über einzelne Kanzleien hinaus. In Europa arbeiten mehr als eine Million Anwälte. Die meisten davon sind in Einzelkanzleien oder kleinen Sozietäten tätig.

Diese Kanzleien übernehmen einen großen Teil der juristischen Arbeit. Oft sind sie außerdem die erste Anlaufstelle für Bürger mit rechtlichen Fragen.

Schnellere Kanzleien bedeuten deshalb auch ein schnelleres Rechtssystem. Mandanten erhalten schneller fundierte Antworten und der Zugang zum Recht wird einfacher.

Die mehr als 8.000 Kanzleien auf der Plattform profitieren bereits davon. Mit der neuen Series B will Lexroom diesen Vorteil nun im gesamten europäischen Rechtsmarkt ausbauen.

„Paolo, Martina und Andrea haben etwas geschafft, das in diesem Markt selten ist“, sagt Paddy Dillon, VP bei Left Lane Capital.

„Lexroom hat ein B2B-Produkt entwickelt, das Nutzer wirklich begeistert und täglich verwenden. Gleichzeitig macht die Plattform Anwälte besser und nicht überflüssig. KI wird hier zum Partner und nicht zur Bedrohung.“

Den Anfang machte Italien. Das Land zählt rund 250.000 zugelassene Anwälte und gilt als eines der anspruchsvollsten Rechtssysteme Europas.

Mit der Series B startet Lexroom jetzt den Markteintritt in Spanien und Deutschland. Lokale Teams entwickeln dort gemeinsam mit Kanzleien neue Funktionen für die jeweiligen Rechtssysteme.

Bild v.l.: Andrea Lonza, Paolo Fois, Martina Domenicali@Lexroom

Quelle akima

GridCARE baut neue Kategorie für KI Energieversorgung

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GridCARE sichert 64 Millionen Dollar Gridcare founders picture

GridCARE entwickelt mit GridCARE Power Acceleration eine neue Lösung für die Energieversorgung von KI Rechenzentren. Das Startup will vorhandene Netzkapazitäten schneller nutzbar machen und damit die wachsende KI Infrastruktur unterstützen.

GridCARE Power Acceleration beschleunigt KI Infrastruktur

GridCARE sammelt 64 Millionen Dollar Series A Finanzierung ein, um eine neue Kategorie für KI Infrastruktur aufzubauen.

Die überzeichnete Finanzierungsrunde wurde von Sutter Hill Ventures und John Doerr angeführt. Beide investierten bereits früh in Unternehmen wie NVIDIA, Google und Amazon. Die Investoren sehen Energieversorgung heute als größten Engpass für die KI Branche.

REDWOOD CITY, Kalifornien — GridCARE gab den Abschluss einer überzeichneten Series A Finanzierung über 64 Millionen Dollar bekannt. Die Bewertung stieg damit deutlich gegenüber der vorherigen Finanzierungsrunde vor weniger als einem Jahr.

Die Runde wurde von Sutter Hill Ventures angeführt. Das Unternehmen zählt zu den bekanntesten Venture Capital Firmen im Silicon Valley. Frühere Investments umfassen NVIDIA, Snowflake und Astera Labs.

„Vor einem Jahr sprach kaum jemand über Stromversorgung als Engpass für KI. Heute ist sie der limitierende Faktor für die gesamte Branche“, sagte Vic Miller, Managing Director bei Sutter Hill Ventures.

„GridCARE löst genau dieses Problem mit einem starken Team, tiefem Branchenwissen und hoher Kundennachfrage. Stromversorgung bildet die Grundlage der gesamten KI Infrastruktur. Deshalb glauben wir, dass Power Acceleration eine zentrale Technologie für die Zukunft der KI Wirtschaft wird.“

Auch John Doerr beteiligte sich an der Finanzierungsrunde. Der bekannte Investor unterstützte bereits Unternehmen wie Amazon, Google und Netscape.

„KI beschleunigt Fortschritte in Medizin, Wissenschaft und Klimaschutz. Gleichzeitig bleibt Energieversorgung ein Engpass“, sagte John Doerr. „GridCARE schafft bezahlbare und nachhaltige Energie, indem bestehende Netzkapazitäten besser genutzt werden.“

Weitere Investoren sind National Grid Partners, Future Energy Ventures, Emerson Collective, die Stanford University sowie bestehende Investoren wie Xora, Aina Ventures, Overture, Acclimate Ventures und Clearvision Ventures.

Stromnetze bremsen den Ausbau von KI Rechenzentren

Eine Analyse der Stanford University zeigt, dass Stromnetze durchschnittlich nur zu rund 30 Prozent ausgelastet sind. Große Teile der vorhandenen Infrastruktur bleiben deshalb ungenutzt.

Trotzdem dauert die Stromversorgung neuer Großprojekte wie KI Rechenzentren oft sechs bis zehn Jahre. Zusätzlich entstehen Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar.

„Die Lücke zwischen Strombedarf und tatsächlicher Bereitstellung entwickelt sich zu einem der größten Wachstumshemmnisse für die KI Wirtschaft“, sagte Amit Narayan, Mitgründer und CEO von GridCARE.

„Wir nennen dieses Problem die Time to Energize Crisis. KI Fabriken warten auf Strom, obwohl sie Innovationen in Gesundheit, Bildung und Klimaschutz vorantreiben könnten.“

GridCARE nutzt bestehende Netzkapazitäten effizienter

Mit dem neuen Kapital baut GridCARE die neue Kategorie Power Acceleration weiter aus. Im Mittelpunkt steht die Plattform GridCARE Energize.

Die KI Plattform analysiert in Echtzeit Billionen möglicher Netzsituationen. Dabei berücksichtigt sie Netzengpässe, Ausfälle, Wetterdaten und schwankende Nachfrage gleichzeitig.

Dadurch erkennt GridCARE freie Kapazitäten, die klassische Netzprüfungen oft nicht sichtbar machen. Die Plattform verkürzt Netzanschlüsse von mehreren Jahren auf wenige Monate.

„Die größte neue Energiequelle für die KI Wirtschaft muss nicht erst gebaut werden“, sagte Ram Rajagopal, Mitgründer und CTO von GridCARE.

„Sie existiert bereits im Stromnetz. Unsere Aufgabe ist es, diese Kapazitäten sichtbar zu machen und innerhalb weniger Monate nutzbar zu machen.“

Neue Finanzierung unterstützt weiteres Wachstum

GridCARE arbeitet eng mit Energieversorgern zusammen. Das Unternehmen will bestehende Stromnetze effizienter nutzen und gleichzeitig Versorgungssicherheit gewährleisten.

„Der schnellste und günstigste Weg für mehr Netzkapazität besteht darin, bereits vorhandene Megawatt sichtbar zu machen“, sagte Steve Smith, President von National Grid Partners.

Ein gemeinsames Projekt mit Portland General Electric bestätigte diesen Ansatz bereits im Jahr 2025. Das Projekt erschloss mehr als 400 MW zusätzlicher Kapazität in Hillsboro im US Bundesstaat Oregon.

Die ersten 80 MW sollen bereits 2026 verfügbar sein.

GridCARE arbeitet inzwischen an Projekten in mehr als einem Dutzend Märkten. Zusammen umfassen diese Projekte mehr als 2 GW neue KI Rechenkapazität.

Zusätzlich plant das Unternehmen den ersten GridCARE Power Acceleration Summit im September 2026. Dort sollen führende Unternehmen aus KI und Energie gemeinsam neue Lösungen für die Energieversorgung der KI Wirtschaft entwickeln.

Bild GridCARE Teambild @GRIDCARE

Quelle Future Energy Ventures GmbH

Tokenize.it startet Agentic Fundraising mit KI

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Tokenize.it startet Agentic Fundraising Christoph Jentzsch,_Founder & CEO of Tokenize.it_(c)Tokenize.it

Tokenize.it erweitert seine Plattform um das neue Angebot Tokenize.it Agentic Fundraising. Durch die direkte Verbindung mit KI-Systemen wie Claude sollen Gründerinnen und Gründer Fundraising-Prozesse schneller, einfacher und effizienter umsetzen können.

Tokenize.it Agentic Fundraising verbindet KI und Startup Finanzierung

Tokenize.it startet Agentic-Fundraising

Claude und andere KI-Systeme sind aus der Startup-Szene nicht mehr wegzudenken. Das belegen auch die Zahlen hinsichtlich Neugründungen und dem KI-Anteil aus dem neuen Startupdetector Report. Um in diesem wachsenden KI-Umfeld das Fundraising noch einfacher zu machen, hat Tokenize.it einen eigenen MCP-Konnektor gelauncht, mit dem KI-Systeme wie etwa Claude direkt mit der Plattform verbunden werden können.

Das ermöglicht den Gründerinnen und Gründern direkt in Claude Private Offer zu erstellen oder Mitarbeiterbeteiligungen anzulegen. Darüber hinaus sind über eine Anbindung an den Datenprovider Dealroom und eigens erstellte Claude-Skills folgende Funktionen verfügbar:

KI Integration erleichtert Investorenansprache

Analyse des eigenen Startups und darauf aufbauend die Suche nach passenden Investoren in Dealroom (ein zusätzlicher Check auf mögliche warme Intros ist verfügbar), die anschließend als Leads in der Web-App von Tokenize.it angelegt werden können

Verwaltung des eigenen Unternehmensprofils und Erstellung eines Pitch-Decks basierend auf diesen Daten

Zusätzlich zur Erstellung von Private Offers kann auch ein Anschreiben per E-Mail als Draft in Gmail erstellt werden

„Mit unserer KI-Integration machen wir den Fundraising-Prozess von Gründerinnen und Gründern noch einfacher und schneller, indem wir nun auch bei der Suche und dem Outreach behilflich sind. Damit können sich die Founder ganz auf die Überzeugung der Investoren fokussieren und den Rest der Tokenize.it-Plattform überlassen“, kommentiert Christoph Jentzsch den Start.

Christoph Jentzsch steht auf Anfrage für Interviews zur Verfügung.

Tokenize.it baut digitale Fundraising Plattform weiter aus

Über Tokenize.it: Die Fundraising-Plattform ermöglicht Startups kontinuierliches Fundraising über den Invest-Now-Button. Die Innovation liegt dabei in speziell ausgestalteten Genussrechten, die Investoren wirtschaftlich mit Gesellschaftern gleichstellen. So können Startups jederzeit Investoren onboarden – komplett digital, ohne Notar und bereits ab 50 Euro.

Die Startups geben dabei keinerlei Kontrolle ab und bleiben ein VC-Investmentcase, da die Genussrechts-Investoren nicht Teil der Gesellschafterliste im Handelsregister werden.

Blockchain Technologie ermöglicht digitales Fundraising

Im Hintergrund sind die Genussrechte als Token auf der Blockchain abgebildet – dies ermöglicht die Handelbarkeit auf Sekundärmärkten. Neben Fundraising können auch Mitarbeiterbeteiligungen über die Plattform abgebildet werden und es existiert ein eigener Sekundärmarkt, über den die Genussrechte gehandelt werden können.

Die Tokenize.it GmbH ist ein vertraglich gebundener Vermittler im Sinne des § 3 Abs. 2 WpIG und wird bei der Anlagevermittlung gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 3 WpIG ausschließlich auf Rechnung und unter Haftung der Concedus GmbH, Nürnberg, tätig

Bild Christoph Jentzsch,Founder & CEO of Tokenize.it Bildcredits: Tokenize.it

Quelle Maschmeyer Group MM Support GmbH

Wird Alleineigentum bei Ferienhäusern zum Auslaufmodell?

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MYNE Homes Co-Ownership für Ferienimmobilien Nikolaus Thomale Mallorca

MYNE Homes ist ein Anbieter für Managed Co-Ownership von Premium-Ferienimmobilien und zeigt, wie sich Co-Ownership als neue Lösung im Ferienimmobilienmarkt etabliert

Wie hat sich MYNE Homes seit dem ersten Interview konkret weiterentwickelt und was waren die wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg?

Seit unserem letzten Gespräch bei StartupValley hat MYNE einen enormen Entwicklungssprung gemacht. 2022 waren wir noch ein junges Startup mit klarer Vision, aber überschaubarer Präsenz. Heute sind wir der führende Anbieter für Managed Co-Ownership von Premium-Ferienimmobilien in Europa – mit über 100 Objekten, mehr als 25 Destinationen in 9 Ländern und bald 1.000 Co-Ownern.

2024 haben wir mehr als 60 Millionen Euro an Eigen- und Fremdkapital von namhaften Investoren und Banken eingeworben. Das gibt uns die Mittel, das europäische Wachstum weiter zu beschleunigen und unsere Plattform auf ein nächstes Level zu heben.

Und wir sind nicht mehr nur in Deutschland und Österreich aktiv, sondern konnten mittlerweile Miteigentümer aus 30 Ländern überzeugen. Das zeigt: Das Modell funktioniert länderübergreifend.

Wenn Sie auf die letzten vier Jahre zurückblicken, welche Ihrer ursprünglichen Annahmen haben sich bestätigt und wo mussten Sie umdenken?

Was sich vollständig bestätigt hat:

Die fundamentale Annahme war richtig und das Problem ist sogar größer geworden als erwartet. Eine Ferienimmobilie steht im Schnitt 40 bis 45 Wochen im Jahr leer, während der Eigentümer 100 Prozent der Kosten trägt. Wir haben damals gesagt: Dieses strukturelle Missverhältnis wird nicht kleiner werden. Und genau das ist passiert. Steigende Kaufpreise, höhere Zinsen, wachsende Betriebskosten – der Druck auf klassisches Alleineigentum ist heute noch deutlicher als 2022.

Bestätigt hat sich auch: Rechtssicherheit ist nicht verhandelbar. Das war unsere Kernthese von Anfang an und wir haben früh entschieden, keine Abkürzungen zu nehmen. Nur echtes Miteigentum, abgesichert im Grundbuch, mit allen Rechten und Möglichkeiten, die dazu gehören. Unsere Co-Owner wollen keine zeitlich begrenzten Nutzungsrechte. Sie wollen smarte Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten sein. Diese Entscheidung hat uns mehr als einmal Aufwand bereitet. Sie war trotzdem richtig.

Und bestätigt hat sich schließlich: Wiederholungskäufe als stärkster Qualitätsbeweis. Heute kauft jeder vierte Co-Owner einen zweiten oder dritten Anteil. 2021 war das eine Hypothese. Heute ist es eine Kennzahl und für uns das wichtigste Signal, dass das Modell wirklich funktioniert.

Wo wir umdenken mussten:

Umdenken mussten wir beim Thema KI – aber anders als erwartet. Die eigentliche Erkenntnis: KI ist keine Bedrohung für unser Geschäftsmodell, sondern ein Beschleuniger. Je digitaler und virtueller die Welt wird, desto mehr steigt der Wert realer Assets und echter Erlebnisse. Ferienimmobilien in Premium-Lagen, abgesichert im Grundbuch, werden nicht von Algorithmen verdrängt, sie gewinnen in einer zunehmend digitalen Welt an Bedeutung. Gleichzeitig profitiert unser Betriebsmodell massiv von KI-gestützten Prozessen: in der Verwaltung, im Co-Owner-Service, in der Plattformskalierung. KI macht uns effizienter, nicht überflüssig. Das macht Managed Co-Ownership auch zu einem strategisch interessanten Investment: ein realer, erlebnisbasierter Asset, der von der digitalen Transformation profitiert. MYNE ist der perfekte Hedge für jedes Tech-Portfolio.

Der Ferienimmobilienmarkt zeigt steigende Kosten bei gleichzeitig geringer Auslastung. Wie genau löst MYNE Homes dieses strukturelle Problem?

Das Grundproblem ist einfach beschrieben: Eine Ferienimmobilie steht durchschnittlich 40 bis 45 von 52 Wochen leer, aber der Eigentümer trägt 100 Prozent der Kosten. Das ist schlicht ineffizient, für den Eigentümer, für die Immobilie und für die Umgebung.

MYNE löst das mit Managed Co-Ownership. Zwei bis acht Co-Owner mit komplementären Nutzungsbedürfnissen erwerben gemeinsam eine Ferienimmobilie im Teileigentum. Sie teilen Kauf- und Unterhaltskosten anteilig, nutzen die Immobilie entsprechend ihres Anteils – bei einem Achtel-Anteil sind das 44 Nächte oder 6,5 Wochen im Jahr und profitieren gemeinsam von der Wertentwicklung.

Der entscheidende Punkt: Wir sprechen hier nicht von Timeshare. Unsere Co-Owner sind echte Teileigentümer, die Immobilien sind im Grundbuch eingetragen. Sie können ihren Anteil verkaufen, weitergeben oder vermieten. Und während sie die volle Kontrolle behalten, kümmert sich MYNE um alles Operative: Ankauf, Renovierung, Einrichtung, laufende Instandhaltung und Koordination.

Das Ergebnis: echtes Immobilieneigentum in Toplagen für einen Bruchteil der Kosten, ohne den üblichen Aufwand. Co-Owner kommen einfach an, schalten ab und genießen.

Co-Ownership hat sich inzwischen deutlich weiter etabliert. Wann haben Sie gemerkt, dass aus einer Idee eine ernstzunehmende Assetklasse wird?

Ein klares Signal war, als wir sahen, dass ein Viertel unserer Co-Owner erneut investiert, also nicht nur einen Anteil in einer Immobilie kauft, sondern einen zweiten, manchmal einen dritten Anteil einer MYNE-Ferienimmobilie erwirbt. Das ist kein Zufallskauf. Das ist bewusstes Portfolio-Denken. In diesem Moment wird aus einer Lifestyle-Entscheidung eine Assetklasse.

Ein weiteres Signal kam von der institutionellen Seite: Wenn führende europäische Investoren in unser Modell investieren und von einer einzigartigen Plattform sprechen, bestätigt das, dass hier echtes Kapital in eine neue Assetklasse fließt.

Und schließlich die Marktentwicklung selbst: Steigende Immobilienpreise, höhere Zinsen und wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben dazu beigetragen, dass Co-Ownership als smarte Alternative zu Alleineigentum wahrgenommen wird – das sieht man an unserer stets steigenden Zahl an Co-Ownern deutlich.

Was unterscheidet MYNE Homes heute klar von klassischen Ferienimmobilienmodellen oder Plattformlösungen wie Airbnb?

Der fundamentale Unterschied: Unsere Co-Owner sind Miteigentümer, keine Mieter. Das klingt banal, aber es verändert alles.

Bei Airbnb buchen Sie einen Aufenthalt. Sie zahlen für den Zeitraum, haben keine Mitsprache über das Objekt und bauen kein Vermögen auf – Im Gegenteil, das sind reine Konsumausgaben. Bei MYNE kaufen Sie anteiliges Immobilieneigentum – abgesichert durch Grundbucheintrag und Eintrag ins deutsche Handelsregister. Sie partizipieren an der Wertsteigerung. Sie können Ihren Anteil jederzeit am Markt verkaufen oder auch vermieten.

Gegenüber dem klassischen Alleineigentum: Eine Ferienimmobilie wird im Schnitt nur 7 bis 10 Wochen im Jahr genutzt, der Eigentümer trägt dabei 100 Prozent der Kosten, 100 Prozent der Verantwortung und bindet 100 Prozent des Kapitals. Das ist ökonomisch schwer zu rechtfertigen. Mit einem Achtel-Anteil bei MYNE investieren Sie ab ca. 109.000 Euro in eine hochwertige Ferienimmobilie in Toplagen und nutzen diese 44 Nächte pro Jahr. Nur eben zu einem Bruchteil der Kosten. Die laufenden Betriebskosten und Instandhaltung werden anteilig geteilt. Alleineigentum bindet 100 Prozent des Kapitals in einem einzigen Objekt, das zu 80 Prozent leer steht. Co-Ownership bei MYNE öffnet stattdessen ein ganzes Netzwerk hochwertiger Ferienimmobilien in 9 Ländern und über 25 Destinationen.

Dazu kommt das Rundum-Sorglos-Paket: Beim Alleineigentum trägt man die gesamte Last der Immobilienverwaltung allein: von der Koordination von Handwerkern über Reinigung bis hin zu lokalen Behörden. MYNE übernimmt das vollständig: Buchungskoordination, Wartung, Reinigung, Serviceprovider, Concierge-Services. Unsere Co-Owner kommen an – und schalten ab.

Sie sprechen von Managed Co-Ownership als skalierbares Modell. Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Skalierung in mehreren Ländern?

Skalierung in mehreren Ländern bedeutet: Man muss jedes Mal ein Stück weit neu denken. Rechtliche Strukturen, steuerliche Rahmenbedingungen, kulturelle Unterschiede in der Nutzung von Ferienimmobilien, regionale Marktkenntnis – das ist keine triviale Aufgabe.

Die grösste Herausforderung ist der Aufbau echter Marktexpertise in jedem neuen Land: Welche Destinationen sind wirklich wertstabil? Wo ist die Infrastruktur auch außerhalb der Hochsaison gut genug? Welche lokalen Partner brauchen wir für Property Management und Handwerk?

Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass das Erlebnis für den Co-Owner in Schweden dasselbe ist wie auf Mallorca. Das setzt eine starke Standardisierung unserer Prozesse, unserer App und unserer Service-Level voraus.

Was uns hilft: Wir haben MYNE von Anfang an als skalierbare Plattform gebaut. Die Technologie, unsere Co-Owner-App, unser Reservierungssystem, unsere internen Management-Tools, sind von Beginn an auf mehrere Märkte ausgelegt gewesen. Das ist ein echter struktureller Vorteil.

Was Skalierung heute zusätzlich massiv unterstützt: KI. Ob Objektbewertung, Co-Owner-Matching, Buchungsoptimierung oder Property Management – KI ist in all diesen Bereichen ein massiver Effizienzgewinn. Wir können mehr Märkte, mehr Objekte und mehr Co-Owner betreuen, ohne proportional mehr Overhead aufzubauen. Gleichzeitig verbessert KI das Produkterlebnis direkt: personalisierter Service, proaktive Kommunikation, besseres Matching. KI richtig genutzt ist ein struktureller Wettbewerbsvorteil, den wir aktiv ausbauen.

Mit 9 Ländern, über 25 Destinationen und mehr als 100 Objekten ist MYNE Homes stark gewachsen. Wie behalten Sie dabei Qualität und Standardisierung im Griff?

Qualität ist keine Frage des Zufalls, sondern des Prozesses. Wir haben von Anfang an klare Standards definiert: für die Lage, für die Bausubstanz, für die Ausstattung, für die Einrichtung und für den Service.

Jede MYNE-Ferienimmobilie erfüllt bestimmte Qualitätskriterien: ausnahmslos Top-Lage, hochwertige Ausstattung von Pool, Sauna oder Kamin je nach Destination – und ganzjährige Nutzbarkeit. Das ist nicht verhandelbar.

Gleichzeitig investieren wir stark in unsere Plattform. Die MYNE Co-Owner-App ist dabei ein zentrales Werkzeug: Über sie koordinieren unsere Co-Owner ihre Aufenthalte und kommunizieren mit dem Eigentümer- und Concierge-Service. Je besser unsere Plattform, desto konsistenter das Erlebnis – egal ob die Immobilie auf Rügen, auf Mallorca oder am Gardasee liegt.

Die hohe Auslastung Ihrer Immobilien ist ein zentraler Vorteil. Wie schaffen Sie es konkret, diese im Vergleich zu klassischen Modellen so deutlich zu steigern?

Die deutlich höhere Auslastung hat mehrere Ursachen, die zusammenwirken.

Wir matchen Co-Owner nach komplementären Nutzungsbedürfnissen. Familien mit schulpflichtigen Kindern aus verschiedenen Bundesländern werden mit kinderlosen Paaren und Menschen kombiniert, die nicht an Schulferien gebunden sind. So entstehen keine Nutzungsengpaesse in den begehrten Zeiträumen und gleichzeitig eine ganzjährige Nutzung.

Alle MYNE-Objekte sind für ganzjährige Nutzung konzipiert: Regionen mit guter Infrastruktur auch außerhalb der Hochsaison, ausgestattet mit Sauna, Kamin und Jacuzzi für den Winter und Pool für den Sommer.

Ungenutzte Zeiten können an Dritte vermietet werden. Das steigert die Gesamtauslastung und erzeugt Mieteinnahmen für die Co-Owner.

Ein Viertel Ihrer Co-Owner investiert erneut. Was sagt das über Ihr Produkt und die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe aus?

Diese Kennzahl ist für uns eine der aussagekräftigsten überhaupt und zwar nicht primär als Wachstumsmetrik, sondern als Qualitätssignal.

Wenn ein Viertel unserer Co-Owner einen zweiten oder dritten Anteil kauft, dann bedeutet das: Sie haben positive Erfahrung gemacht. Sie haben das Modell gelebt. Und sie sind so überzeugt, dass sie erneut investieren – oft in einer anderen Destination oder einem anderen Objekt-Typ. Das sagt dreierlei: Erstens funktioniert unser Produkt. Zweitens verstehen unsere Co-Owner den Wert von Co-Ownership als Teil ihres persönlichen Portfolios. Und drittens erreichen wir die richtige Zielgruppe: Menschen, die Qualität und Service schätzen und Immobilien als persönliches Asset betrachten.

Wie hat sich die Zielgruppe von MYNE Homes in den letzten Jahren verändert oder erweitert?

2022 hatten wir eine relativ klare Kernzielgruppe: gut verdienende Berufstätige ab 45, Familie, Interesse an Ferienimmobilien, aber Preis und Aufwand als Hürden. Diese Gruppe ist nach wie vor stark.

Was sich verändert hat: Die Zielgruppe ist deutlich breiter geworden. Wir sehen mehr Käufer in den 30ern, auch Single Professionals, die bewusst in ihr erstes Sachwertinvestment einsteigen. Gleichzeitig auch Mehrgenerationenfamilien, die das MYNE-Modell als Alternative zu Hotel- oder Airbnb-Aufenthalten sehen. Immer häufiger erleben wir, dass sich Menschen von ihrer privaten Ferienimmobilie trennen, um dann ein oder mehrere Anteile bei MYNE zu erwerben, da sie den Aufwand vom klassischen Alleineigentum nicht mehr tragen wollen und zeitgemäß finden.

Was alle verbindet: Der Wunsch nach echtem Eigentum, nach Qualität und ohne den Aufwand, der sonst beim Alleineigentum anfällt. Sie wollen nicht Hausmeister spielen, keine fremden Behörden navigieren. Sie wollen ankommen und genießen.

Mit über 60 Millionen Euro eingesammeltem Kapital wächst auch die Verantwortung. Wie gehen Sie mit diesem Druck als Unternehmen um?

60 Millionen Euro bedeuten Vertrauen. Das ist keine abstrakte Zahl, dahinter stehen Investoren und Partner, die auf unser Modell gesetzt haben. Dieses Vertrauen nehmen wir sehr ernst.

Konkret heißt das für uns: Kapital effizienter einsetzen, nicht einfach schneller wachsen. Wir investieren gezielt in Märkte, in denen wir echte Qualität liefern können – und lehnen es konsequent ab, um des Wachstums willen Standards zu senken. Ein schlechtes Erlebnis für einen Co-Owner schadet dem ganzen Modell.

Mit diesem Kapital haben wir die Grundlagen für nachhaltiges Wachstum geschaffen: Plattform, Prozesse, Team. Wir bauen kein Kartenhaus, sondern eine skalierbare europäische Infrastruktur für Managed Co-Ownership. Der Druck ist real, aber er ist ein guter Druck. Er hält uns fokussiert.

Wenn Sie heute noch einmal bei null starten würden, was würden Sie mit dem Wissen von heute anders machen?

Vieles würde ich genauso machen. Wir haben früh die richtigen grundlegenden Entscheidungen getroffen: echtes Eigentum statt Nutzungsrecht, Managed Service statt reiner Plattform, europäische Skalierung von Beginn an mitgedacht.

Aber wenn ich eine Sache nennen müsste: Ich wuerde noch konsequenter und noch früher auf künstliche Intelligenz setzen. KI hat in den letzten Jahren buchstäblich alles verändert. Wie wir Objekte identifizieren und bewerten, wie wir Co-Owner matchen, wie wir Buchungen und Property Management optimieren, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren. KI ist in all diesen Bereichen ein massiver Hebel. Wer früher versteht, dass KI kein Nice-to-have ist, sondern ein fundamentaler Wettbewerbsvorteil, baut sich einen Vorsprung auf, den andere nur schwer aufholen können.

Welche nächsten Schritte planen Sie für MYNE Homes und wo sehen Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren?

Der nächste konkrete Meilenstein: Wir werden noch in diesem Jahr die 1.000-Co-Owner-Marke erreichen. Das ist für uns nicht nur eine Zahl, es ist ein Beleg dafür, dass Managed Co-Ownership als Modell wirklich funktioniert und von einer wachsenden Gemeinschaft getragen wird.

Was uns dabei antreibt, sind echte Plattform-Netzwerkeffekte: Je mehr Ferienimmobilien wir haben, desto mehr Tauschoptionen entstehen über unsere Tauschbörse, desto attraktiver wird das Ökosystem für neue Co-Owner. Wachstum erzeugt bei uns mehr Wert – nicht mehr Komplexität.

Dazu kommt: Unsere Co-Owner sind unsere stärksten Botschafter. Die Wiederkaufsrate und die Weiterempfehlungsquote zeigen uns, dass wir ein Produkt gebaut haben, das hält, was es verspricht. Das ist die gesündeste Wachstumsbasis, die man sich vorstellen kann.

Mittelfristig prüfen wir aktiv weitere Märkte und Länder. Wir sind überzeugt, dass das Co-Ownership-Modell europaweit skaliert. Und langfristig wird Technologie, insbesondere KI, eine entscheidende Rolle spielen: Eine KI-gestützte Plattform wird unsere Effizienz und die Qualität des Co-Owner-Erlebnisses nochmals massiv steigern.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründern geben, die ein skalierbares Modell in einem traditionellen Markt aufbauen wollen?

Verstehe das Problem tiefer als alle anderen. Im Ferienimmobilienmarkt war das strukturelle Problem – Unternutzung bei gleichzeitig hohen Kosten – bekannt, aber niemand hatte es konsequent gelöst. Nicht weil das Problem schwer zu verstehen war, sondern weil die Lösung echte Komplexität erfordert: Recht, Immobilien, Technologie, Service, Skalierung. Wer das durchdringt, baut einen echten Graben gegenüber Nachahmern.

Skaliere Prozesse, nicht nur Umsatz. In traditionellen Märkten kann man kurzfristig mit Kraft und Charisma wachsen. Aber echte Skalierung kommt nur durch standardisierte, technologisch gestützte Prozesse. Baue die Plattform von Anfang an so, als ob man 10x so gross wäre. Das kostet am Anfang Nerven – zahlt sich aber massiv aus.

Kapital alleine reicht nicht. Was wirklich trägt, sind Co-Owner, die erneut investieren, Teams, die engagiert sind, und Märkte, die das Modell wirklich annehmen. Investiere in Vertrauen, das ist die härteste und wertvollste Währung.

Welche drei Tipps würdest du angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Löst ein echtes Problem, nicht ein vorgestelltes. Die meisten Gründer verlieben sich in ihre Lösung, nicht in das Problem. Redet mit Menschen, die den Schmerz wirklich kennen. Versteht das Problem besser als eure künftigen Kunden.

Habt die Geduld, das Modell zu testen, bevor ihr skaliert. Wir haben früh klein angefangen und wollten verstehen: Funktioniert das Matching? Sind die Co-Owner wirklich zufrieden? Stimmt der Service? Erst als wir sicher waren, dass das Produkt funktioniert, haben wir aufs Gas getreten. Diese Disziplin zahlt sich aus.

Baut ein Team, das euch herausfordert. Die besten Entscheidungen bei MYNE sind nicht in Momenten entstanden, in denen wir uns alle einig waren, sondern in Momenten, in denen jemand unbequeme Fragen gestellt hat. Umgebt euch mit Menschen, die besser sind als ihr – in ihren jeweiligen Bereichen – und die den Mut haben, euch zu widersprechen.

KI als absoluter Game Changer in sämtlichen Bereichen

Titelbild: Nikolaus Thomale @privat

Wir bedanken uns bei Nikolaus Thomale für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


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Was passiert mit Kleidung, die niemand mehr trägt?

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Sacred Valley Tech mit KI für Kreislaufwirtschaft Founder Foto

Sacred Valley Tech entwickelt mit KI und Kreislaufwirtschaft eine Plattform, die Kleidung länger nutzbar macht und nachhaltige Mode neu denkt

Wie ist die Idee zu Sacred Valley Tech entstanden und wer steckt hinter dem Unternehmen?

Sacred Valley Tech entstand aus einer Erkenntnis, die mein Mitgründer Luca und ich gewannen, als wir eine nachhaltige Alpaka-Modemarke mit Ursprung in Peru aufbauten. Wir erkannten schnell, dass eine weitere „nachhaltige Marke“ nichts Grundlegendes verändern würde. Die eigentliche Chance – und die eigentliche Verantwortung – lag darin, die Infrastruktur zu schaffen, die bestehenden Modemarken den Weg in die Kreislaufwirtschaft ermöglicht. Statt das Problem zu vergrößern, wollten wir das System selbst reparieren.

Paolo, welche Erfahrungen aus der Arbeit in Textilfabriken haben eure Sicht auf die Modeindustrie besonders geprägt?

Die schiere Menge an Abfall, die in der Produktion anfällt, war für mich ein Wendepunkt – nicht nur Textilabfälle, sondern auch Plastiktüten, Etiketten und kleine Metallteile, alles in großem Maßstab entsorgt. Was mich am meisten getroffen hat: Das waren vergleichsweise regulierte Fabriken. Der Gedanke, was in weniger regulierten Produktionsstätten im Globalen Süden passiert, ließ das Ausmaß des Problems unübersehbar werden. Und er machte eines glasklar: Es gibt bereits mehr als genug Kleidung auf der Welt. Das Problem ist nicht die Produktion – es ist die Zirkulation.

Warum war euch wichtig, mit Sacred Valley Tech nicht neue Kleidung, sondern die längere Nutzung bestehender Kleidung in den Fokus zu stellen?

Wir sind überzeugt: Das nachhaltigste Kleidungsstück ist schlicht das, das am längsten hält. Die Kleiderschränke, Lagerhäuser und Ladenregale der Welt sind bereits voll. Wir können das Kaufverhalten der Menschen vielleicht nicht von heute auf morgen ändern – aber wir können ihnen helfen, das Maximum aus dem herauszuholen, was sie bereits besitzen. Und wenn ein Kleidungsstück sein Leben als tragbares Objekt wirklich beendet hat, soll es als Rohstoff in die Kreislaufwirtschaft zurückfließen – und nicht auf der Deponie landen.

Wie funktioniert Sally konkret und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz dabei?

Sally ist eine All-in-One-Plattform, die Verbraucherinnen und Verbrauchern alle Wege der Kreislaufwirtschaft für ihre Kleidungsstücke eröffnet – Tauschen, Weiterverkaufen, Reparieren, Upcycling, Recycling oder Spenden. Unsere KI macht diesen Prozess schnell und reibungslos: Sie analysiert Kleidungsstücke, füllt automatisch Inseratdaten aus, erstellt Stilvorschläge und gibt personalisierte Empfehlungen basierend auf den Bedürfnissen der Nutzenden. Wir starten mit dem Fokus auf die Tauschfunktion und werden nach und nach alle weiteren Kreislauf-Services einführen.

Welche Probleme der Modeindustrie wollt ihr mit eurem Ansatz langfristig lösen?

Wir wollen Kreislaufwirtschaft mühelos für Konsumentinnen und Konsumenten machen – und profitabel für Marken. Denn beides ist sie aktuell nicht. Nachhaltigkeit in der Mode scheitert, weil sie zu viel von Menschen verlangt: Sie ist langsam, kompliziert und wenig intuitiv. Gleichzeitig haben Marken kaum einen Anreiz zur Veränderung, da ihr Geschäftsmodell vollständig auf dem Erstverkauf basiert. Unsere Vision ist es, After-Sales-Services als echten Umsatzkanal für Marken zu erschließen – sodass langlebige Produkte nicht nur die ethische, sondern auch die wirtschaftlich rationale Wahl werden. Wenn Nachhaltigkeit geschäftlich Sinn ergibt, verändert sich die gesamte Branche.

An welche Zielgruppen richtet sich eure Plattform aktuell besonders?

Wir starten mit Menschen, die bereits nachhaltigkeitsorientiert handeln – Secondhand-Käuferinnen und -Käufer, Vintage-Liebhaber, Menschen mit einer Reparatur- und Tauschkultur. Sie sind unsere Early Adopters und der Kern unserer Community. Unser langfristiges Ziel ist es, in der Breite anzukommen: eine Plattform zu bauen, die so bequem und attraktiv ist, dass nachhaltige Entscheidungen zur Selbstverständlichkeit werden – nicht nur für die bereits Überzeugten.

Was unterscheidet Sacred Valley Tech von anderen Circular-Fashion- oder Secondhand-Plattformen?

Drei Dinge: unser hyperlokaler Ansatz, unser Community-first-Design und die Tatsache, dass wir die einzige All-in-One-Plattform aufbauen, die alle Kreislaufwege abdeckt. Das Ökosystem der Kreislaufmode ist heute stark fragmentiert – Marktplätze, Altkleidercontainer, Reparaturwerkstätten, Tauschveranstaltungen und Recyclinganlagen funktionieren alle isoliert voneinander. Sally verbindet all das an einem Ort und macht die Kreislaufwirtschaft damit erstmals wirklich zugänglich.

Wie schwierig ist es, Menschen dazu zu bewegen, Kleidung bewusster weiterzugeben, zu reparieren oder zu recyceln?

Es ist schwierig, wenn Menschen keinen klaren persönlichen Nutzen erkennen. „Das Richtige zu tun“ motiviert manche – aber es reicht nicht aus, um einen echten Wandel im Massenverhalten auszulösen. Unsere These ist einfach: Wenn die nachhaltige Option genauso einfach, schnell und befriedigend ist wie die nicht-nachhaltige, wird sie zur naheliegenden Wahl. Wir verlangen von den Menschen nicht, Komfort für ihr Gewissen zu opfern – wir bauen ein Produkt, bei dem beides dasselbe ist.

Welche Erfahrungen macht ihr aktuell mit den ersten Beta-Nutzern in Köln?

Die wichtigste Erkenntnis aus unserem Beta-Test in Köln ist, wie viel Reibung zwischen guten Absichten und tatsächlichem Handeln steckt. Die Menschen wollen etwas mit ihrer ungenutzten Kleidung tun – aber sobald es sich nach Arbeit anfühlt, tun sie es nicht. Was wir beobachten: Kleine, KI-gestützte Vereinfachungen – wie die automatische Analyse eines Kleidungsstücks und das automatische Ausfüllen der Inseratdaten – verändern diese Gleichung spürbar. Nutzende, die eine Jacke sonst in einen Spendencontainer geworfen hätten, tauschen sie stattdessen über Sally – weil das der Weg des geringsten Widerstands ist. Es sind noch frühe Tage, aber es bestätigt bereits unsere Kernüberzeugung: Wenn Kreislaufwirtschaft mühelos ist, entscheiden sich Menschen dafür.

Welche Bedeutung haben digitale Produktpässe und KI aus eurer Sicht für die Zukunft der Modebranche?

Digitale Produktpässe sind aus unserer Sicht die transformativste Innovation, die auf die Modeindustrie zukommt. Die Möglichkeit, die vollständige Geschichte eines Kleidungsstücks – Materialien, Herkunft, Reparaturen, Besitzverhältnisse – in einem digitalen Zwilling zu speichern, der über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachverfolgt und aktualisiert werden kann, wird völlig neue Geschäftsmodelle, Technologien und regulatorische Möglichkeiten eröffnen, die bisher schlicht nicht realisierbar waren. KI beweist unterdessen bereits ihren Wert bei konkreten operativen Herausforderungen: Größengenauigkeit, Recycling-Sortierung und Bestandsmanagement. Gemeinsam werden diese beiden Technologien grundlegend verändern, wie die Modeindustrie funktioniert.

Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde, dass aus eurer Idee ein skalierbares Unternehmen entstehen könnte?

Als wir feststellten, dass nahezu alle Menschen, mit denen wir sprachen – unabhängig von Hintergrund oder Alter – exakt dasselbe Problem hatten: Kleidungsstücke im Schrank, die sie kaum oder gar nicht mehr tragen, ohne einen offensichtlichen oder bequemen Weg, etwas Sinnvolles damit anzufangen. Dieser nahezu universelle Schmerzpunkt, verbunden mit der konstanten Frustration über bestehende Wiederverkaufsplattformen und Spendenoptionen, die sich wie Aufwand anfühlen, bestätigte unsere Hypothese. Nachhaltigkeit scheiterte nicht daran, dass Menschen es nicht wollten – sondern daran, dass die Erfahrung kaputt war. Das ist ein lösbares Problem. Und ein großes.

Welche nächsten Schritte plant ihr nach dem offiziellen Launch von Sacred Valley Tech?

Nach dem Launch werden wir uns darauf konzentrieren, Sallys vollständiges Feature-Set fertigzustellen, damit sie ihr All-in-One-Versprechen wirklich einlöst. Parallel dazu beginnen wir mit dem Aufbau unserer Infrastruktur für Digitale Produktpässe – damit Modemarken direkt auf unserer Plattform partizipieren, After-Sales-Services monetarisieren und über den gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks hinweg eine tiefere Beziehung zu ihren Kundinnen und Kunden aufbauen können.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Die Nutzerin, der Nutzer ist alles. Hört konstant zu, beobachtet genau und baut das, was Menschen wirklich brauchen – nicht das, was ihr annehmt, dass sie brauchen. Zweitens: Habt keine Angst vor dem Pivot. Die eigene Idee zu verfeinern oder grundlegend zu verändern ist kein Scheitern – es ist der Weg zum richtigen Fit. Wir haben es selbst erlebt. Drittens: Ablehnung gehört dazu. Von hundert Gesprächen werdet ihr neunundneunzig Mal Nein hören – von Menschen, die nicht an euer Produkt, eure Vision oder euer Potenzial glauben. Das ist in Ordnung. Es braucht nur ein einziges Ja, um in die nächste Phase zu kommen – und irgendwann etwas zu bauen, das wirklich zählt.

Bildrechte: Paint the Town Studios in Düsseldorf

Wir bedanken uns bei Paolo Coda Rivera und Luca Elias Urlacher für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wer entscheidet künftig schneller über Milliardenmärkte?

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Datasphere Analytics mit KI für Rohstoffmärkte Fotocredit Viktor Strasse

Datasphere Analytics entwickelt KI für Rohstoffmärkte und unterstützt Industrieunternehmen bei datenbasierten Entscheidungen

Wer steckt hinter Datasphere Analytics und welche Erfahrungen bringen die Gründerinnen und Gründer im Bereich Datenanalyse und Märkte mit?

Hinter Datasphere Analytics steht ein dreiköpfiges Gründerteam mit langjähriger Erfahrung in KI, Datenanalyse und industriellen Märkten. Ich, Lukas Haemisch, bin Geschäftsführer und vertrete das Unternehmen nach außen, aber was wir aufgebaut haben, ist eine echte Teamleistung. Unser CDO Patrick Petter ist der technologische Kopf hinter unserer KI-Architektur. Prof. Dr. Reiner Kurzhals ist als Experte für KI & Industrie die tragende Säule im Bereich Kunden und Netzwerk. Als Professor bringt er die wissenschaftliche Tiefe in unsere Methodik.

Gemeinsam haben wir in unterschiedlichen industriellen Kontexten datenintensive KI-Anwendungen entwickelt, von Forecasting-Systemen bis hin zu Entscheidungsmodellen für komplexe Märkte. Dieses Wissen übertragen wir jetzt auf Rohstoff- und Beschaffungsentscheidungen.

Wie ist die Idee zu Datasphere Analytics entstanden und welches konkrete Problem wolltet ihr lösen?

Meine Mitgründer und ich haben in den vergangenen Jahren viele KI-Projekte umgesetzt und dabei gelernt, wie man aus komplexen Daten echte Entscheidungsgrundlagen macht. Im Einkauf haben wir dann ein erstaunlich analoges Muster gesehen: Obwohl Märkte heute globaler, volatiler und schneller sind als je zuvor, arbeiten viele Unternehmen dort noch mit Prozessen und Tools, die damit zunehmend nicht mehr umgehen können. Datasphere Analytics ist aus der Frage entstanden, warum man den Markt nicht direkt befragbar macht: also Nachrichten, Daten und Ereignisse so zusammenführt, dass Einkäufer mit diesen interagieren können, um so fundierter und schneller entscheiden zu können.

Welche Vision verfolgt Datasphere Analytics im Umgang mit datengetriebenen Entscheidungen?

Unsere Vision geht über Prognosen hinaus. Es geht darum, wie Unternehmen in Zukunft Entscheidungen treffen können: fundierter, schneller, erklär- und auditierbar.

Wir digitalisieren Industriewissen und machen es zugänglich, indem wir globale Daten, Nachrichten, Preise und Lieferketten so verbinden, dass Unternehmen verstehen, warum Märkte sich bewegen – nicht erst, wenn es sich im Preis zeigt. Rohstoffmärkte direkt befragbar zu machen bedeutet für uns: Was passiert gerade und warum? Was bedeutet das für die nächste Entscheidung, nachvollziehbar und auditierbar?

Langfristig wollen wir die zentrale Entscheidungsplattform für industrielle Rohstoffbeschaffung werden.

An welche Zielgruppen richtet sich eure Plattform und welche Herausforderungen haben diese im Alltag?

Wir richten uns an Industrieunternehmen, die stark von Rohstoffpreisen abhängen, beispielsweise aus der Chemie, dem Maschinenbau, der Baubranche oder dem Energiesektor. Konkret sprechen wir Menschen in Einkauf, Trading, Risikomanagement und Supply Chain an. Ihre gemeinsame Herausforderung ist es, unter Zeitdruck fundierte Entscheidungen zu treffen, während die ausschlaggebenden Signale über hunderte Quellen verstreut sind. Gleichzeitig arbeiten sie oft noch mit Methoden wie vor 30 Jahren, die den komplexen Anforderungen heutzutage nicht mehr gewachsen sind.

Wie unterstützt ihr Unternehmen konkret dabei, bessere Entscheidungen im Trading und Risikomanagement zu treffen?

Unser Ansatz ist: Jede Nachricht ist ein Signal. Rohstoffmärkte bewegen sich, weil irgendwo auf der Welt etwas passiert. Darüber wird in Nachrichten berichtet, bevor es sich im Preis niederschlägt. Wir analysieren diese Nachrichtenströme weltweit und leiten daraus ab, wie sich Rohstoffpreise voraussichtlich entwickeln. Wer das versteht, kann Einkaufszeitpunkte besser wählen, Risiken früher erkennen und Entscheidungen intern besser vertreten.

Was unterscheidet Datasphere Analytics von klassischen Analyse-Tools oder Beratungsansätzen?

Unser größter Konkurrent ist kein einzelnes Unternehmen, es ist der Status quo: Excel-basierte Ansätze, traditionelle Beratungen sowie die Erfahrung von Analysten und Einkäufern. Im weiteren Sinne konkurrieren wir mit allen Tools und Dienstleistern, die heute Marktinformationen, Analysen oder Prognosen liefern, diese aber meist nicht in einer integrierten und erklärbaren Entscheidungslogik zusammenführen.

Der Unterschied liegt in der Architektur unseres Ansatzes: Wir liefern kein statisches Reporting, sondern ein lernendes, interaktives System. Durch die Analyse globaler Nachrichtendaten erkennen wir Muster und Anomalien fortlaufend und können erklären, warum sich ein Preis bewegt, nicht nur wohin. Was klassische Anbieter in wochenlanger manueller Analyse erarbeiten, schaffen wir in einem Bruchteil der Zeit.

Welche Rolle spielen Echtzeitdaten und KI in eurem Produkt?

Wir arbeiten an Live-Updates, die sind aber nur in seltenen Fällen – etwa beim Intraday Trading – wirklich relevant. Für den industriellen Einkauf reicht der tägliche Rhythmus: Die meisten Entscheidungen drehen sich darum, wie sich ein Preis langfristig entwickelt, wann man einen Liefervertrag fixiert – oder noch wartet.

Unser Ansatz verbindet menschliche Intuition mit Technologie. Wir ersetzen nicht die Erfahrung eines guten Einkäufers – wir geben eine bessere Grundlage und reichern sie mit Daten an. KI-Systeme, die lernen, wie Märkte auf globale Ereignisse reagieren, übersetzen Signale aus tausenden Quellen in umsetzbare Prognosen.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim Aufbau von Datasphere Analytics konfrontiert und wie geht ihr damit um?

Die größte Herausforderung ist das Mindset in vielen Unternehmen und das fehlende Vertrauen in die Chancen von Digitalisierung und KI.

Aber stell dir mal vor: Du bist Einkäufer in einem Mittelständler und entscheidest über einen dreistelligen Millionenbetrag im Rohstoffeinkauf. Gleichzeitig sollst du CBAM-Berichte – verpflichtende Quartalsberichte für EU-Importeure von emissionsintensiven Gütern – aufsetzen, Lieferkettensorgfaltspflichten an deine Kunden zurückspielen, Scope-3-Daten, also Treibhausgasemissionen, bei Lieferanten einsammeln und nebenbei die Prognose fürs nächste Quartal abgeben, damit Vertrieb und Produktion planen können. Ach so und dann bitte auch noch KI einführen, damit das alles schneller geht.

Unter diesem Zeit- und Kostendruck, unter dem Einkäufer in Deutschland heute stehen, bleibt schlicht kein Platz für Transformation. Genau da wollen wir helfen – nicht als Tool-Anbieter, sondern als Wegbegleiter. Als Sparringspartner bauen wir mit unseren Kunden ein Schweizer Taschenmesser, das die Arbeit erleichtert, wo es eben geht.

So bekommen Einkäufer Zeit zurück – für Lieferantengespräche, strategische Themen, die Dinge, die ihre Erfahrung wirklich brauchen.

Wie wichtig sind Szenarioanalysen für eure Kunden und wie werden diese eingesetzt?

Sehr wichtig. Unsere Kunden wollen nicht nur wissen, wohin ein Preis gehen könnte. Sie wollen verstehen, was passiert, wenn ein Streik ausbricht, neue Handelszölle in Kraft treten oder ein Extremwetterereignis eine wichtige Lieferkette unterbricht. Für genau solche Fragen haben wir ein Simulationsmodul entwickelt. Wer in Ausnahmesituationen bereits durchgespielt hat, was auf ihn zukommt, trifft bessere und schnellere Entscheidungen.

Wie entwickelt ihr eure Plattform weiter, um mit dynamischen Märkten Schritt zu halten?

Wir bauen entlang echter Kundenprozesse: mehr Rohstoffklassen, bessere Event-Erkennung und mehr interaktive Entscheidungsunterstützung. Autonome Systeme, die selbstständig Informationen suchen, einordnen und zusammenführen, bieten dabei gerade enorme Möglichkeiten. Die Plattform soll sich für Nutzer irgendwann so anfühlen wie ein Kollege, der immer auf dem neuesten Stand ist und proaktiv auf das hinweist, was gerade relevant wird.

Welche nächsten Schritte plant ihr für Datasphere Analytics in den kommenden Jahren?

Unser Ziel für die nächsten Jahre ist es, die führende Commodity-AI-Intelligence-Plattform für Industrie, Procurement und Risikomanagement in Deutschland zu sein. Wir wollen die Commodity Intelligence Platform weiter skalieren, zusätzliche Märkte und Rohstoffklassen abdecken und den Weg vom Forecasting hin zu vollständiger KI-gestützter Entscheidungsunterstützung konsequent ausbauen. Gleichzeitig glauben wir, dass unsere Event Intelligence auch weit über den Einkauf hinaus relevant werden kann – etwa für Medien- oder Analysehäuser, die Nachrichten auswerten und Reaktionen besser antizipieren wollen.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Erst genau zu- und hinhören, dann erklären. Die besten Gespräche, die ich je geführt habe, waren die, in denen ich kaum geredet habe. Was Kunden wirklich beschäftigt, findet sich selten auf der Agenda oder in einem Sales-Pitch.

Zweitens: Geht dahin, wo es schwierig ist. Ich bin kein klassischer Rohstoffexperte und genau das ist mein Vorteil. Wer einen Markt nicht von innen kennt, trägt keine kontextuellen Scheuklappen und stellt ganz andere Fragen.

Drittens: Baut für Profitabilität, nicht für die nächste Runde. Wir wachsen aus eigener Kraft. Das zwingt uns, jeden Schritt gegenüber unseren Kunden zu rechtfertigen, nicht gegenüber Investoren.

Bild Lukas Haemisch Fotocredit: Viktor Strasse

Wir bedanken uns bei Lukas Haemisch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Isomorphic Labs sammelt Milliarden für KI in der Medikamentenentwicklung ein

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Finanzierungsrunde Isomorphic Labs bringt 2,1 Milliarden Dollar für KI-gestützte Medikamentenentwicklung und neue Partnerschaften.

Key Takeaways

  • Isomorphic Labs erhält 2,1 Milliarden US-Dollar, um KI-gestützte Arzneimittelforschung voranzutreiben und die Effizienz in der Medikamentenentwicklung zu steigern.
  • Investoren wie Alphabet und Temasek setzen auf KI, um explodierende Forschungskosten in der Pharmaindustrie zu senken.
  • Alphabets Demis Hassabis und die enge Zusammenarbeit mit Pharmakonzernen wie Novartis und Johnson & Johnson positionieren Isomorphic Labs strategisch in einem wettbewerbsintensiven Markt.
  • Die Technologie von Isomorphic Labs muss sich als mehr als nur ein Forschungsprojekt beweisen, da bisher kein vollständig KI-entworfenes Medikament alle klinischen Phasen erfolgreich durchlaufen hat.
  • Investoren sehen in der Biotechnologie und KI einen potenziellen Wendepunkt für die gesamte Industrie, was Kapitalströme in Anwendungen für Gesundheit und globale Wertschöpfungsketten anzieht.

Während der Hype um generative KI-Chatbots erste Ermüdungserscheinungen zeigt, verlagert sich das Kapital der großen Tech-Investoren zunehmend in die Biotechnologie. Mit einer Finanzierungsrunde über 2,1 Milliarden US-Dollar steigt Isomorphic Labs zu einem der wertvollsten KI-Unternehmen im Gesundheitssektor auf. Hinter dem Deal steckt weit mehr als nur eine weitere Wette auf künstliche Intelligenz. Es geht um die Zukunft der globalen Medikamentenentwicklung.

Das Londoner Unternehmen, das aus dem DeepMind-Umfeld hervorgegangen ist, entwickelt KI-Systeme für die Wirkstoffforschung. Ziel ist es, Medikamente schneller, günstiger und präziser zu entwickeln. Investoren wie Alphabet, Thrive Capital, Temasek und der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi setzen darauf, dass sich damit ein zentrales Problem der Pharmaindustrie lösen lässt: explodierende Forschungskosten bei sinkender Effizienz.

Die Milliarden-Wette gegen das Effizienz-Dilemma

Die Finanzierungsrunde Isomorphic Labs umfasst 2,1 Milliarden Dollar und gehört zu den größten Investments weltweit im Bereich KI-gestützter Arzneimittelforschung. Neben Thrive Capital beteiligen sich Alphabet, GV, CapitalG, MGX, Temasek sowie der britische Sovereign AI Fund.

Die Zusammensetzung der Investoren ist dabei bemerkenswert. Während Alphabet seine strategische Nähe zu Isomorphic Labs weiter ausbaut, signalisiert insbesondere der Einstieg staatlich unterstützter Fonds eine neue geopolitische Dimension. KI-Wirkstoffforschung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfeld zwischen Staaten, Technologiekonzernen und Pharmariesen.

Vor allem MGX aus Abu Dhabi investiert gezielt in KI-Infrastruktur und Zukunftstechnologien. Der Fonds gilt als zentraler Bestandteil der emiratischen Strategie, sich unabhängiger von Öl- und Gasgeschäften zu machen. Auch Großbritannien positioniert sich über den Sovereign AI Fund offensiv im internationalen KI-Wettbewerb.

Im Zentrum der neuen Investitionen steht die firmeneigene Plattform IsoDDE. Das System analysiert biologische Prozesse, simuliert potenzielle Molekülstrukturen und soll Wirkstoffkandidaten deutlich schneller identifizieren als klassische Laborverfahren.

Der wirtschaftliche Druck auf die Branche ist enorm. Seit Jahren kämpft die Pharmaindustrie mit dem sogenannten „Eroom’schen Gesetz“. Gemeint ist der Trend, dass Forschungsausgaben steigen, während die Produktivität neuer Medikamentenentwicklungen sinkt. Viele Konzerne benötigen inzwischen mehr als zehn Jahre und Milliardenbeträge, um ein neues Medikament bis zur Marktreife zu bringen.

Genau an diesem Punkt setzt das Geschäftsmodell von Isomorphic Labs an. KI soll frühe Fehler in der Wirkstoffentwicklung erkennen, klinische Risiken besser vorhersagen und teure Fehlschläge reduzieren.

Finanzierungsrunde Isomorphic Labs Alphabets Angriff auf die klassische Pharmabranche

Hinter Isomorphic Labs steht mit Demis Hassabis einer der bekanntesten KI-Forscher Europas. Der DeepMind-Mitgründer spielte eine Schlüsselrolle bei AlphaFold, jener KI-Technologie, die die Vorhersage von Proteinstrukturen massiv beschleunigte.

Für Alphabet ist die aktuelle Entwicklung mehr als ein einzelnes Beteiligungsinvestment. Der Konzern versucht zunehmend, seine KI-Kompetenz in wirtschaftlich hochrelevante Industrien zu übertragen. Gesundheitsdaten, Arzneimittelforschung und KI-gestützte Diagnostik gelten intern als langfristige Wachstumsmärkte.

Ruth Porat, Präsidentin und Chief Investment Officer von Alphabet und Google, bezeichnete die Fortschritte von Isomorphic Labs als wichtigen Schritt für die Beschleunigung medizinischer Innovationen. Der Konzern sieht in der Technologie offenbar nicht nur wissenschaftliches Potenzial, sondern auch ein zukünftiges Milliardenbusiness.

Der Markt ist allerdings hart umkämpft. Unternehmen wie Schrödinger, Recursion oder Exscientia arbeiten ebenfalls an KI-gestützter Wirkstoffforschung. Viele dieser Firmen kombinieren maschinelles Lernen mit biologischen Datenbanken und Simulationstechnologien.

Isomorphic Labs versucht sich vor allem über die enge Verzahnung von KI-Modellen, biologischer Forschung und Partnerschaften mit Pharmakonzernen zu differenzieren. Kooperationen mit Novartis, Lilly und Johnson & Johnson verschaffen dem Unternehmen Zugang zu klinischer Expertise und kommerzieller Infrastruktur.

Für die Pharmabranche sind solche Allianzen attraktiv. Viele Hersteller stehen unter Druck, neue Umsatztreiber zu entwickeln, während Patente auf bestehende Medikamente auslaufen. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Entwicklungskosten.

Finanzierungsrunde Isomorphic Labs Geopolitisches Wettrüsten um die Wirkstoff-Hoheit

Trotz der Milliardenbewertung bleibt das Geschäftsmodell mit erheblichen Risiken verbunden. Bisher hat weltweit noch kein vollständig KI-entworfenes Medikament erfolgreich alle klinischen Phasen bis zur finalen Marktzulassung durchlaufen.

Damit steht auch Isomorphic Labs vor einem entscheidenden Proof of Concept. Das Unternehmen muss zeigen, dass seine Technologieplattform mehr ist als ein wissenschaftlich beeindruckendes Forschungsprojekt. Während Wettbewerber wie Exscientia oder Recursion bereits erste KI-entwickelte Wirkstoffe in klinischen Studien testen, muss Isomorphic nun beweisen, dass die enorme Rechenleistung und Datenbasis des Alphabet-Ökosystems auch praktische medizinische Durchbrüche ermöglicht.

Gerade in der Arzneimittelentwicklung gelten hohe regulatorische Hürden. Selbst wenn KI potenzielle Wirkstoffe schneller identifiziert, müssen diese in langwierigen Studien ihre Sicherheit und Wirksamkeit beweisen.

Hinzu kommt die Frage nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit. KI-Modelle arbeiten oft wie Black Boxes. Für Gesundheitsbehörden und Pharmaunternehmen wird deshalb entscheidend sein, wie belastbar und reproduzierbar die Ergebnisse tatsächlich sind.

Trotzdem wächst die Dynamik im Markt. Investoren betrachten KI in der Biotechnologie zunehmend als möglichen Wendepunkt für die gesamte Industrie. Während viele KI-Startups auf kurzfristige Softwareerlöse setzen, verfolgen Unternehmen wie Isomorphic Labs ein langfristiges Infrastrukturmodell mit potenziell enormer Marktmacht.

Für Gründer und Investoren liefert der Fall Isomorphic Labs deshalb mehrere Signale zugleich: Kapital fließt weiterhin massiv in KI-Unternehmen mit wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit, strategische Staatsfonds mischen zunehmend mit und Big Tech versucht, sich neue Schlüsselindustrien zu sichern.

Die Finanzierungsrunde Isomorphic Labs könnte damit zum Symbol einer neuen Phase im KI-Markt werden. Nicht mehr Chatbots oder Produktivitätstools stehen im Mittelpunkt, sondern Anwendungen mit direktem Einfluss auf Gesundheit, Industrie und globale Wertschöpfungsketten.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – frank29052515

Wird die Bikebranche bei Frauen noch immer unterschätzt?

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RaphRoxs: Mountainbike Bekleidung für Frauen Titelbild: Raphaela Franke @ Desire Lines

RaphRoxs entwickelt Mountainbike Bekleidung für Frauen mit Fokus auf Passform, Funktionalität und Community

Wer steckt hinter RaphRoxs und welche Hintergründe bringen die Gründerinnen und Gründer mit?

Hinter RaphRoxs stehe ich, Raphaela Franke – als leidenschaftliche Mountainbikerin, Produktdesignerin und Gründerin aus Augsburg. Ich arbeite seit 2018 in der Outdoor- und Textilbranche und habe dort technische funktionale Bekleidung und Konzepte entwickelt. Ursprünglich komme ich aber aus dem technischen Bereich und habe davor eine Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme gemacht. Diese Mischung aus technischem Verständnis, Kreativität und echter Leidenschaft für den Mountainbike-Sport prägt heute die gesamte Marke.

Wie ist die Idee zu RaphRoxs entstanden und welcher persönliche Antrieb steckt dahinter?

Die Idee entstand aus meiner eigenen Erfahrung auf dem Bike. Ich habe über Jahre gemerkt, dass viele Mountainbike-Produkte für Frauen nicht wirklich für Frauen entwickelt werden. Vor allem bei Bikehosen gab es immer dieselben Probleme: schlechte Passformen, unbequeme Schnitte, große Logos, und Produkte, die oft einfach nur verkleinerte Männermodelle sind. Gleichzeitig hat mich die Frauen-Community im Mountainbike unglaublich inspiriert. Genau daraus entstand der Wunsch, eine Marke zu entwickeln, die Frauen wirklich versteht und ihnen Produkte bietet, die funktionieren, empowern und Spaß machen.

Welche Vision verfolgt ihr mit RaphRoxs und wie soll sich das Unternehmen langfristig entwickeln?

Meine Vision ist es, Mountainbike-Bekleidung für Frauen neu zu denken. Damit möchte ich Frauen sichtbarer machen und Produkte entwickeln, die sich an echten Bedürfnissen orientieren. Langfristig soll RaphRoxs zu einer starken Community-Brand wachsen, die Funktion, Design und Female Empowerment verbindet. Dabei geht es nicht nur um Bekleidung, sondern auch darum, mehr Frauen für den Sport zu begeistern und ein Umdenken in der Branche anzustoßen.

An welche Zielgruppe richtet sich RaphRoxs konkret und welche Probleme löst ihr für sie?

RaphRoxs richtet sich an Mountainbikerinnen, die Wert auf Passform, Funktionalität und Design legen. Besonders Frauen, die bisher Schwierigkeiten hatten, passende MTB-Bekleidung zu finden. Wir möchten, dass sich auf dem Bike jede Frau wohlfühlt. Unsere Produkte lösen klassische Passformprobleme wie zu enge Hüften, zu weite Taillen oder unbequeme Bundlösungen. Gleichzeitig schaffen wir Produkte, die speziell auf weibliche Körperformen und Bedürfnisse abgestimmt sind.

Warum wird gerade im Bereich Mountainbike-Bekleidung für Frauen noch so viel Potenzial gesehen?

Die Bikebranche ist bis heute stark männlich geprägt. Viele Produkte werden immer noch aus bestehenden Herrenschnitten entwickelt. Gleichzeitig wächst die Zahl der Frauen im Mountainbike-Sport enorm und die Anforderungen verändern sich. Frauen möchten heute funktionale Produkte, die technisch durchdacht sind aber dabei noch gut aussehen und wirklich passen. Genau darin sehen wir enormes Potenzial.

Welche Herausforderungen begegnen euch beim Aufbau von RaphRoxs in einer stark männlich geprägten Branche?

Eine der größten Herausforderungen ist tatsächlich, als junge Gründerin und neue Marke ernst genommen zu werden. Gerade in traditionellen Strukturen wird man oft unterschätzt, oder als Frau belächelt. Gleichzeitig ist der Aufbau einer eigenen Marke im Textilbereich sehr kapital- und zeitintensiv. Produktion, Lieferketten und Produktentwicklung bringen viele Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger ist es, an die eigene Vision zu glauben und flexibel zu bleiben.

Wie fließt das Feedback eurer Community konkret in die Produktentwicklung ein?

Die Community ist ein zentraler Bestandteil von RaphRoxs. Wir arbeiten von Anfang an sehr eng mit Mountainbikerinnen zusammen. Über Social Media, WhatsApp-Gruppen, Ride-Outs und Testevents sammeln wir regelmäßig Feedback zu Passformen, Stoffen, Farben und Features. Auch unsere Prototypen wurden direkt mit der Community entwickelt,getestet und optimiert. Dadurch entstehen Produkte, die wirklich aus der MTB- Szene von Frauen für Frauen heraus entwickelt werden.

RaphRoxs: Mountainbike Bekleidung für Frauen Frauen Gruppe
Bildrechte Raphaela Franke

Was macht RaphRoxs im Vergleich zu anderen Bike-Bekleidungsmarken wirklich einzigartig?

RaphRoxs wurde von Grund auf für Frauen entwickelt – nicht aus bestehenden Herrenschnitten abgeleitet. Es wird sehr nah mit den Bike-Mädls zusammengearbeitet um die Produkte genau für uns Mountainbikerinnen zu entwickeln. Die Schnitte werden von RaphRoxs entwickelt und die Prototypen im LAB in Augsburg genäht und direkt auf den Hometrails getestet. Somit liegt das Know-How voll und ganz bei RaphRoxs. Unsere Produkte verbinden technische Funktion, moderne Ästhetik und echte Community-Power. Besonders wichtig ist uns die Kombination aus perfekter Passform für Frauen, Komfort und einem modernen, cleanen Design. Gleichzeitig stehen hinter der Marke eine sehr persönliche Geschichte und eine starke Vision.

Welche Rolle spielen Passform und Vielfalt bei euren Produkten?

Die Passform der Mountainbikebekleidung ist einer der wichtigsten Faktoren unserer gesamten Entwicklung. Frauenkörper sind unterschiedlich und genau darauf möchten wir eingehen. Deshalb bieten wir unsere MTB-Hosen in 14 Größen an – von Größe 34 bis 46, jeweils in Kurz- und Langgrößen. Unser Ziel ist es, dass sich möglichst viele Frauen auf dem Bike wohlfühlen und passende Produkte für nen coolen „Raphen Trailtag“ finden.

Wie wollt ihr RaphRoxs in Zukunft weiter ausbauen und welche nächsten Schritte sind geplant?

Nachdem erfolgreichem Launch Ende April, liegt der Fokus auf der ersten Kollektion und dem weiteren Aufbau der Community. In Zukunft soll auch das Sortiment noch erweitert, neue Produkte entwickeln und die Marke weiter etablieren werden. Außerdem plant RaphRoxs verstärkt Events, Ride-Outs und Community-Projekte rund um Women in Mountainbike. RaphRoxs ist unteranderem schon als Partner bei den Women Bike Camp am Reschensee und Women Bike Camp in Paganella mit dabei und das freut mich sehr ne coole Zeit mit den Mädls zu haben.

Was habt ihr auf eurem bisherigen Weg als Gründerteam über Unternehmertum gelernt?

Dass Unternehmertum extrem viel mit Mut, Durchhaltevermögen und Flexibilität zu tun hat. Nicht alles läuft nach Plan und oft muss man schnelle Lösungen finden. (Aber auch das kann Spaß machen.) Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig ein starkes Netzwerk und ehrliches Feedback sind. Gerade eine gute Community und Support machen in schwierigen Phasen einen riesigen Unterschied, denn manchmal steht man sich selbst am stärksten im Weg.

Welche drei Ratschläge gebt ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg?

Als Perfektionistin kann ich sagen, es ist wirklich nicht leicht zur verstehen aber einfach anfangen und nicht warten, bis alles perfekt ist.

Sich ein ehrliches Netzwerk aufbauen und Feedback zulassen.

Und vor allem: für etwas gründen, für das man wirklich brennt – denn Leidenschaft trägt einen auch durch schwierige Phasen.

Titelbild: Raphaela Franke Copyright Desire Lines

Wir bedanken uns bei Raphaela Franke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up:RaphRoxs

Kontakt:

RaphRoxs
Raphaela Franke
Hammerschmiedweg 85
86169 Augsburg

www.raphroxs.com
contact@raphroxs.com

Ansprechpartner: Raphaela Franke

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Ausgebremste Demokratie: Warum sich Deutschland nicht mehr sicher anfühlt

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Sicherheit, Politik und Menschen im Wandel. Bild Prof. Dr. Ursula Münch Direktorin der Akademie für Politische Bildung u.a. Mitglied im Kuratorium der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. und Wissenschaftlichen Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Wie sicher fühlst du dich in deinem Leben? Auf der Straße, im Internet oder in deinem aktuellen Beruf? Prof. Dr. Ursula Münch, die Direktorin der Akademie für Politische Bildung, spricht mit herCAREER über die Gefahren, die mit Ohnmacht einhergehen, und die Notwendigkeit, mutiger zu werden. Nur so können Parteien, Regierungen und wir als Bürger:innen unsere Handlungsspielräume wieder erweitern.

„Mir ist wichtig, dass wir nicht nur den Zeigefinger auf ‚die da oben‘ richten, sondern uns immer wieder fragen: Welchen Beitrag kann ich eigentlich selbst leisten?“

herCAREER: Viele Frauen in meinem Umfeld erzählen, dass sie sich im öffentlichen Raum und in der Gesellschaft zunehmend unsicher fühlen – das erstreckt sich von Themen wie körperlicher Unversehrtheit bis zu finanzieller Unabhängigkeit. Wie ordnen Sie das ein?

Prof. Ursula Münch: Für mich beschreibt das ein Gefühl des Kontrollverlusts. Und das betrifft nicht nur Frauen, sondern alle Menschen, die nicht wissen, ob sie sich nächstes Jahr ihr Leben oder ihre Wohnung noch leisten können. In früheren Phasen gab uns unser Umfeld mehr Sicherheit, als das heute der Fall ist: Wir lebten im Wissen, dass sich Fleiß und Anstrengung auszahlen, oder wir vertrauten auf die gute Chance, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen wird als uns selbst. Diese Gegebenheiten existieren nicht mehr. Das verunsichert viele, besonders jene in der (unteren) Mittelschicht. Kombiniert mit der Wahrnehmung, dass unsere Regierung zunehmend an Gestaltungsmöglichkeiten verliert, breitet sich bei vielen Menschen ein Gefühl der Ohnmacht aus.

herCAREER: Was macht diesen Machtverlust aus?

Prof. Ursula Münch: Deutschland ist ein starker Nationalstaat, gleichzeitig hat die Bundesrepublik viele Kompetenzen an die Europäische Union abgegeben. Unser Handlungsspielraum in Europa ist daher nicht mehr so groß wie früher, das bedeutet, die Bundesregierung steht stark unter Druck durch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die sie nur begrenzt beeinflussen kann. Wir könnten lokal die Bürokratie verringern und die Innovation fördern, aber die europäischen und internationalen Lieferketten, Logistik und Energiepreise sind kurzfristig durch uns nicht beeinflussbar. Wir erleben direkte Auswirkungen zum Beispiel geopolitischer und geoökomischer Faktoren auf unsere Wirtschafts-, Finanz- und Innenpolitik, ohne dass unsere Regierung einen direkten Einfluss auf die Situation nehmen kann.

herCAREER: Welche Folgen hat das für unsere innenpolitische Sicherheit?

Prof. Ursula Münch: Wenn sich Menschen mit ihren Sorgen ins Private zurückziehen, suchen und finden sie online Gleichgesinnte, die ähnliche Ohnmachtsgefühle teilen. Populistische und teils extremistische Parteien nutzen den wachsenden Vertrauensverlust gezielt aus und schüren ihn weiter. Der Schuldige ist schnell gefunden: die Etablierten, die wohlhabende Elite, die Politiker:innen, die bisher Verantwortung trugen. Das führt zu einem sogenannten „entgrenzten Misstrauen“ bei vielen Bürger:innen. Sie stellen – auch ohne konkrete Vorkommnisse oder gar Skandale – die staatlichen Institutionen, die klassischen Medien und die wissenschaftliche Expert:innen immer häufiger infrage.

herCAREER: Misstrauen und Spaltung sind potente Werkzeuge im Arsenal populistischer Parteien wie der AD. Sie nannten es in einem Interview „Disruption“ – ein Begriff, der in der Wirtschaft oft positiv besetzt ist. Warum gefährdet die Disruption der AD unsere Sicherheit?

Prof. Ursula Münch: Es lohnt sich, Disruption auch im Start-up-Kontext genauer betrachten. Denn disruptive Umbrüche sind meist nur für wenige Beteiligte wirklich erstrebenswert und profitabel. Zum Beispiel war Airbnb disruptiv im Tourismus, aber die Menschen in meinem Viertel haben sicher nicht von Airbnb geträumt – schließlich kämpfen sie jetzt mit überteuerten Mieten. Für sie ist diese Innovation keine Verbesserung, sondern eine massive Belastung. Ähnlich verhält es sich in der Politik. Dort träumen vor allem die Akteur:innen von Disruption, die sich davon Macht und Profit erhoffen. Für den Rest, für den sich alles auf den Kopf stellt, verstärkt sie das Gefühl von Unsicherheit. Schauen wir auf die A*D oder die MAGA-Bewegung in den USA: Beide werben mit dem Versprechen, das Leben ihrer Anhängerschaft zu verbessern. Dabei ersetzen sie das alte Establishment nur durch ein neues, eigenes. Für mich ist das Etikettenschwindel.

herCAREER: Der Machtkampf spielt sich nicht nur an den Rändern der Parteienlandschaft ab, sondern vor allem in der sogenannten Mitte. Blockiert dieses Gerangel nicht notwendige – auch sicherheitspolitische – Reformen?

Prof. Ursula Münch: In vielen europäischen Ländern, besonders in Deutschland, bröckelt die Basis der gemäßigten Parteien. Sie stecken mangels starker parlamentarischer Mehrheiten in lagerübergreifenden Koalitionen fest – gelähmt und ohne Handlungsspielraum. Kaum eine Konstellation im gemäßigten Lager ist überhaupt noch möglich. Schon in ökonomisch guten Zeiten wäre das für Politiker:innen keine erstrebenswerte Situation. Doch wir stecken in einer Polykrise: enormer Reformdruck, eine schwierige demografische Lage und hohe Schulden belasten und lähmen uns zusätzlich. Hinzu kommt eine EU, die sich nicht reformieren kann, weil sie am selbst auferlegten Einstimmigkeitsprinzip scheitert.

herCAREER: Heißt das, wir sind in einer Patt-Situation?

Prof. Ursula Münch: Es bedeutet, dass nur noch winzige Schritte möglich sind, nur kleine Lösungen für einzelne Dinge. Aber das reicht vielen Bürger:innen nicht aus. Und genau hier wird die Bevölkerung zum Teil des Problems.

herCAREER: Inwiefern?

Prof. Ursula Münch: Zunächst sind wir sehr irrational. Wir verlangen Reformen, aber wir lehnen es ab, dass der eigene Geldbeutel, der eigene Urlaub oder der Anspruch, im Krankheitsfall vom ersten Tag an bezahlt zu werden, tangiert werden. So wird das mit Veränderung nicht klappen. Natürlich kann man argumentieren, dass auch früher niemand gern auf sozialstaatliche Verbürgungen verzichtet hat, aber jetzt haben wir eine Situation, die es früher eben nicht gab. Wir haben jetzt einige Parteien, die behaupten: „Wir müssen uns nicht einschränken. Das können wir alles finanzieren. Wir müssen nur die Flüchtlinge aus dem Land schmeißen, uns mit den Russen wieder versöhnen und aufhören, die Ukraine zu unterstützen.“ Und von solchen vermeintlichen Alternativen lassen sich viele Menschen leicht verführen.

herCAREER: Sie haben mal gesagt – ich paraphrasiere: „Nur in Autokratien ist Sicherheit einfach zu gewährleisten. Wir haben uns als Gesellschaft bewusst für die Demokratie und damit den mühsamen Weg entschieden.“ Jetzt hat der mühsame Weg aber fast zum Stillstand geführt … Wo finden wir Ansatzpunkte zur strukturellen Veränderung?

Prof. Ursula Münch: In der Bundesrepublik ist kaum etwas so umstritten wie das Wahlsystem. Es gibt Überlegungen zu einem rechtsstaatlich zulässigen und demokratischen Wahlsystem, das die Regierung handlungsfähiger macht, aber sie alle bieten einen schmalen Grat. Modelle mit Verstärkermechanismen können gefährlich werden, wenn Autokraten sie einsetzen. Sogenannte Präferenzwahlsysteme sind komplex und anspruchsvoll für die Wählerschaft. In jedem Fall bleibt ein grundlegendes Problem bestehen: Es fehlt derzeit die Mehrheit, um eine Änderung des Wahlsystems durchzuführen.

Zum Vergleich: 1972 sind über 90 Prozent der Wahlberechtigten wählen gegangen, von denen wiederum 90 Prozent die SPD oder die Union wählten. Damals konnte man auch in unserem aus guten Gründen stark gewaltenteilenden System noch gestalten. Heute gibt es vor allem fruchtlose gegenseitige Appelle von Koalitionspartner:innen. Insofern habe ich keine einfache Antwort auf Ihre Frage. Wir werden uns weiterhin darauf beschränken müssen, mit kleinen Schritten voranzugehen. Was wir für diesen Weg dringend brauchen, ist ein Funken Zuversicht, der nicht gleich wieder erlischt, sondern sich weiterträgt.

herCAREER: Stichwort Zuversicht: Gibt es etwas, das Ihnen derzeit Hoffnung macht?

Prof. Ursula Münch: Hoffnung macht mir, dass wir in Deutschland keine Mehrheit für autoritäres Denken haben; und wir dürfen uns auch nicht einreden lassen, dass Mäßigung nicht mehr gefragt sei – das Gegenteil ist der Fall. Ich halte viele Vorträge, und es macht mir Hoffnung, wie viele junge und auch ältere Menschen daran teilnehmen. Das sind Menschen, die anerkennen, dass wir viele Probleme haben, die sich aber nicht mit Populismus und Extremismus lösen lassen, sondern vor allem durch Gemeinschaft und durch Beharrlichkeit. Ich glaube, dass Menschen sehr wohl bereit sind, gemeinsam anzupacken, wenn man ihnen die richtigen Anknüpfungspunkte bietet. Davon brauchen wir mehr – und vorzugsweise nicht nur in Form von Social Media.

herCAREER: Weil Social Media, Algorithmen und die Digitalisierung des Alltags auch eine Sicherheitsbedrohung darstellen?

Prof. Ursula Münch: Natürlich sehe ich alle Vorteile des Digitalen und nicht nur das Bedrohungspotenzial. Aber jeden Tag werden Unternehmen angegriffen, KI macht ganze Berufsgruppen überflüssig … Wir können die digitale Revolution nicht zurückdrehen, also hoffe ich, dass die Menschen sich selbst ermächtigen und nicht durch Tech-Giganten ohnmächtig und manipulierbar machen lassen – als Manövriermasse in deren Geschäftsmodell.

herCAREER: Der digitale Raum bietet für Frauen und marginalisierte Personen immer weniger Sicherheit gegen Hass, Gewalt und Einschränkung der körperlichen Selbstbestimmung. Die EU arbeitet an der Regulierung von KI, die Bundesregierung an Gesetzen zum Schutz gegen Gewalt. Aber selbst wenn diese oft noch sehr lückenhaften Regelungen in Kraft treten, haben wir überhaupt die Ressourcen, um sie auch umzusetzen?

Prof. Ursula Münch: Es stimmt, wir brauchen viel Geld für diese Reformen. Geld, das wir haben, denn die Bundesrepublik ist die drittstärkste Wirtschaftsmacht weltweit. Wir haben ein hohes Steueraufkommen und haben zusätzlich Schulden aufgenommen. Es fehlt in der Regel auch nicht an Analysen und Erkenntnissen. Für viele Themen brauchen wir nicht in erster Linie Geld und Daten, sondern vor allem Mut. Aber solange Politiker:innen die Sorge haben müssen, für Reformen unmittelbar medial abgestraft oder sogar abgewählt zu werden, werden sie diesen Mut nicht entwickeln.

herCAREER: Die Wählerschaft sollte also Ihrer Ansicht nach weniger hart mit Politiker:innen ins Gericht gehen?

Prof. Ursula Münch: Warum gibt es so viele Kommissionen? Die kosten alle wahnsinnig viel Zeit und natürlich auch Geld. Statt ihre Position zu nutzen, um Entscheidungen zu treffen und Zukunft zu gestalten, berufen Politiker:innen eine Kommission ein, um Verantwortung auszulagern. Sie haben Angst vor uns als Wähler:innen, vor unserem strafenden Zeigefinger und unserem Kreuz in der Wahlkabine. Da müssen wir Bürger:innen uns auch an die eigene Nase fassen. Wir können nicht ewig umverteilen – das mag früher funktioniert haben, heute tut es das nicht mehr.

Eine Steuererhöhung, die Schließung eines Krankenhauses, eine Schule, die nicht renoviert wird – wir sollten verstehen und akzeptieren, dass wir ohne Zugeständnisse und Kompromisse nicht weiterkommen. Auch wenn uns das von gewissen Akteur:innen weisgemacht wird.

herCAREER: Bleibt die Frage: Was kann ich als Einzelperson aktiv tun, um zu Sicherheit und Stabilität beizutragen? Abgesehen natürlich von: wählen gehen.

Prof. Ursula Münch: Ich glaube, jede:r sollte sich vergegenwärtigen, dass wir alle Teil dieser aktuellen Situation sind. Wir leben in diesem Rechtsstaat, sind Teil davon und profitieren davon – als Privatpersonen, als Personen des öffentlichen Lebens und als Unternehmer:innen, Angestellte usw. Mir ist wichtig, dass wir nicht nur den Zeigefinger auf „die da oben” richten, sondern uns immer wieder fragen: Welchen Beitrag kann ich eigentlich selbst leisten, außer immer alles besser zu wissen? Wie kann ich zu mehr Zuversicht und Optimismus beitragen – und damit auch dazu, dass die Politik die Mehrheiten erhält, die sie benötigt, um eine neue Zukunftsfähigkeit zu gestalten?

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel.

Bild Prof. Dr. Ursula Münch Direktorin der Akademie für Politische Bildung u.a. Mitglied im Kuratorium der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. und Wissenschaftlichen Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Quelle messe.rocks GmbH

Genug Buzzword: Venture Clienting ist kein Fortschritt, sondern eine bequeme Ausrede

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Innovation: Wie Startups Unternehmen voranbringen Nicoli Droll

Wenn Startups und etablierte Unternehmen über eine Zusammenarbeit sprechen, fallen schnell Begriffe wie Pilotprojekt, Kooperation oder Venture Clienting. Das klingt modern, strukturiert und leicht umsetzbar. In der Realität verdecken diese Buzzwords jedoch oft den Kern des Problems. Denn am Ende geht es nicht um teure Berater-Programme oder Labels von Innovationshubs, sondern um zwei sehr grundlegende Fragen: Wie kommen Startups an zahlende Kunden? Und wie schaffen es Unternehmen, dauerhaft innovativ zu bleiben?

Venture Clienting wird häufig als Wunderlösung verkauft. Dahinter steckt meist die einfach präsentierte Idee für etablierte Unternehmen, endlich innovativer zu werden, ohne viele Risiken einzugehen und mit hippen Startups zusammenzuarbeiten. Was dabei oft verloren geht, ist der eigentliche Kern von Unternehmertum. Ein Startup existiert nicht, um Teil eines Innovationsprozesses zu sein, sondern um reale Probleme zu lösen und dafür Kunden zu gewinnen. Innovation lässt sich nicht einfach bestellen.

Innovation ist kein klassischer Einkaufsprozess

Kein Unternehmen der Welt kann über Jahre hinweg erfolgreich sein, ohne neue Impulse aufzunehmen. Märkte verändern sich, neue Technologien entstehen und bestehende Geschäftsmodelle geraten unter Druck. Klassische interne Entwicklung und Forschung reicht dafür oft nicht mehr aus. Genau hier wird Open Innovation relevant.

Open Innovation bedeutet vor allem, sich bewusst nach außen zu öffnen und externe Perspektiven ernsthaft einzubinden. Nicht als Alibi, sondern als echten Bestandteil der eigenen Weiterentwicklung. Startups bringen dafür ideale Voraussetzungen mit. Sie arbeiten nah am Markt und mit neuen Technologien, sind fokussiert und denken selten in bestehenden Strukturen.

Problematisch wird es dann, wenn diese Offenheit durch Prozesse ersetzt wird. Wenn Innovation formalisiert wird, bevor sie verstanden wurde. Viele Venture Clienting Ansätze reduzieren Zusammenarbeit auf ein Einkaufsverhältnis. Das mag effizient wirken, verhindert aber genau das, was eigentlich entstehen soll: neues Denken.

Die Begegnung vor dem Business Case

In der Praxis treffen Startups und Unternehmen häufig in einem klassischen Verkäufer Käufer Modus aufeinander. Das Startup pitcht. Das Unternehmen bewertet. Anforderungen, Budgets und Entscheidungsprozesse stehen früh im Raum. Was fehlt, ist eine echte Begegnungsebene.

Die eigentliche Magic entsteht dort, wo beide Seiten zuerst verstehen wollen. Wie tickt der andere? Welche Zwänge gibt es? Welche Erwartungen, welche Ängste, welche Ziele? Diese Phase braucht Zeit und Offenheit. Sie lässt sich nicht durch einen Pitch oder ein Briefing ersetzen.

Zuhören ist hier wichtiger als Präsentieren. Es geht nicht darum, sofort Lösungen zu verkaufen oder Entscheidungen zu treffen. Es geht darum, gemeinsam Probleme zu benennen und offen über Herausforderungen zu sprechen. Erst dann entsteht Raum für kreative Ansätze. Vertrauen ist dabei der zentrale Faktor. Ohne Vertrauen bleibt jede Zusammenarbeit rein transaktional.

Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Unternehmensgröße verändert alles. Startups agieren schnell, treffen Entscheidungen im kleinen Kreis und sind an kurze Feedbackzyklen gewöhnt. Etablierte Unternehmen funktionieren anders. Hier gibt es Hierarchien, Verantwortlichkeiten und komplexe Entscheidungsbäume.

Mit wachsender Unternehmensgröße verändern sich nicht nur Umsatzpotenziale, sondern auch Entscheidungsdauer, Risikoabwägung und interner Abstimmungsbedarf. Der Schritt von kleinen Kunden hin zu sehr großen Organisationen ist kein linearer Fortschritt, sondern ein qualitativer Sprung.

Für Startups stellt sich daher eine ehrliche Frage: Können sie diese Dynamik aushalten? Lange Entscheidungszyklen, wechselnde Ansprechpartner und interne Prioritäten sind kein Ausnahmefall, sondern Normalität. Wer das ignoriert, unterschätzt die Belastung erheblich.

Venture Clienting als bequemes Missverständnis

Es existieren zahlreiche einfach klingende Venture Clienting Modelle. In vielen Fällen verbirgt sich dahinter jedoch ein klassisches Prozess oder Beratungsmodell, lediglich neu verpackt. Workshops werden durchgeführt, Roadmaps erstellt und Innovation simuliert, ohne dass ein konkreter Mehrwert entsteht.

Am Ende zählt jedoch immer nur eines: Löst die Lösung ein reales Problem? Schafft sie messbaren Nutzen? Alles andere ist Beschäftigungstherapie. Innovation ohne Mehrwert ist kein Experiment, sondern Zeitverlust.

Wenn ein Unternehmen diesen Nutzen nicht klar benennen kann, liegt das Problem nicht beim Startup. Dann fehlt intern die Klarheit. In solchen Fällen braucht es zuerst Selbstreflexion. Welche Herausforderungen sind wirklich relevant? Wo besteht echter Handlungsdruck? Welche Probleme verdienen Aufmerksamkeit?

Innovation scheitert intern, nicht extern

In der Praxis scheitert die Zusammenarbeit mit Startups nur selten an fehlenden Ideen oder Technologien. Sie scheitert an internen Strukturen. An falsch ausgewählten Ansprechpartnern. An mangelnder oder überhaupt regelmäßiger Abstimmung zwischen Fachbereichen. Oder an fehlender Rückendeckung aus dem Management.

Besonders kritisch sind isolierte Innovationseinheiten ohne engen Bezug zum Kerngeschäft. Eine stand alone Innovation Unit mag gut klingen, bleibt aber oft wirkungslos. Innovation darf kein Paralleluniversum sein. Sie muss dort stattfinden, wo Verantwortung getragen und Entscheidungen getroffen werden.

Nur wenn Fachabteilungen aktiv eingebunden sind, entstehen tragfähige Use Cases. Nur dann können Lösungen skaliert werden. Und nur dann lohnt sich der Aufwand für beide Seiten.

Zusammenarbeit braucht Haltung

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Startups und Unternehmen entsteht nicht durch Buzzwords oder schön klingende Programme. Sie entsteht durch Haltung. Durch Offenheit, Geduld und die Bereitschaft, den klassischen Kauf und Verkaufsmodus zu verlassen.

Weniger Venture Clienting als Buzzword. Mehr echtes Interesse. Weniger Prozesse, mehr Gespräche. Wer bereit ist, zuerst zuzuhören und gemeinsam zu denken, schafft die Grundlage für Innovation mit Substanz. Und genau darum sollte es gehen.

Bildcredits@privat

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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