Dienstag, September 22, 2026
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Wehrhaftigkeit bedeutet mehr als viele Panzer, viele Waffen und viele Soldaten

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Wiebke Hönicke: Freiheit und Bundeswehr neu denken Wiebke Hönicke Pionieroffizier, Mit-Initiatorin bei #WirGegenExtremismus und hostet den Podcast „Buschfunk“

Damit Deutschland frei bleibt, muss es resilienter und wehrhafter werden, sagt Wiebke Hönicke, die gerade nach 14 Jahren ihren Dienst bei der Bundeswehr quittiert hat. Im Interview mit herCAREER spricht Wiebke Hönicke über ihr Buch „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“. Es ist ein Gespräch über Rollenklischees beim Militär, nationale und europäische Sicherheit und die Frage, wer eigentlich die Verantwortung für unsere Freiheit trägt.

„Eigentlich ist es schon Freiheit, unsere Normalität für normal zu halten.“

herCAREER: Was bedeutet Freiheit für dich?

Wiebke Hönicke: Freiheit bedeutet für mich, alles machen zu können, was ich möchte. Wie selbstverständlich das für mich im zivilen Alltag ist, habe ich bei meinem letzten Einsatz im Nordirak wieder gespürt, wo jeder Tag strikt durchgeplant war. Reisen zu können, ist Freiheit, Zugang zu Bildung zu haben, gerade als Frau …. Oder dass man bei uns lieben kann, wen man will. In Russland steht die LGBTQ-Community auf der Terrorismus-Liste. Wie frei wir sind, merke ich auch daran, dass ich mir in Deutschland nicht ständig Gedanken über die Sicherheit mache. Eigentlich ist es schon Freiheit, unsere Normalität für normal zu halten.

herCAREER: Du hast 2012 nach dem Abi einen Weg gewählt, der für viele danach klingt, persönliche Freiheit abzugeben: Warum hast du dich für die Offizierslaufbahn entschieden?

Wiebke Hönicke: In meiner Abi-Zeit war das Thema Afghanistan sehr präsent. Wir haben uns damals im Politikunterricht mit der Bundeswehr beschäftigt und die Einsätze auch mit Bereichen wie der Entwicklungshilfe verglichen. Mir ist da zum ersten Mal bewusst geworden, was für ein Glück ich habe, in Deutschland geboren zu sein. Und gleichzeitig wurde mir klar, irgendwer muss für diese Freiheit und Privilegien auch einstehen.

herCAREER: Gab es in deiner Familie Vorbilder?

Wiebke Hönicke: Nein, in meinem Umfeld hatte niemand etwas mit der Bundeswehr zu tun, und die Reaktionen reichten von Unverständnis bis Ablehnung. Für mich hatte der Dienst auch etwas mit unserer Geschichte zu tun. Im Zweiten Weltkrieg haben die Alliierten irgendwann gesagt: Wir schauen jetzt nicht mehr weg. Das hat die Freiheit, die wir heute haben, erst ermöglicht. Ich glaube, wir haben als Weltgemeinschaft eine Verantwortung. In einer globalisierten Welt hört die Verteidigung der nationalen Sicherheit nicht mehr an der Landesgrenze auf. Und dazu kam das Gefühl: Das ist ein echter Schritt raus aus meiner Komfortzone.

herCAREER: Warst du sehr sportlich?

Wiebke Hönicke: Ich habe damals Fußball gespielt und mich für ziemlich fit gehalten. Aber als ich mit meinen 1,58 Metern den 30-kg-Ausrüstungsrucksack tragen musste, mehr als die Hälfte meines Körpergewichts, hat mich das am Anfang schon sehr herausgefordert.

herCAREER: Du bist bei der Pioniertruppe gewesen, die den Ruf hat, sehr technisch zu sein und besonders männlich geprägt. Wie muss ich mir das vorstellen?

Wiebke Hönicke: Die Pioniere gehören zu den Kampfunterstützungstruppen und sind sehr dicht an den Kampftruppen dran. Zu den Aufgaben gehört so etwas wie Brückenbauen, Wege freisprengen oder auch Sperren legen, um feindliche Bewegungen zu hemmen. Alles, vom Feldlagerbau bis zur Verladung von Panzern. Mich hat die Vielfalt der Aufgaben gereizt. Aber der Ruf ist berechtigt: Diese Truppe ist vom Spirit her noch eine Männerwelt.

herCAREER: Wie zeigt sich das?

Wiebke Hönicke: Wenn eine Frau in eine Truppe kommt, die vorher eine reine Männertruppe war, ändert sich die Dynamik. Da haben viele das Gefühl, die Frau bringt das Gefüge durcheinander, und geben ihr die Schuld daran, dass sich das Miteinander anders anfühlt. Gerade älteren Kameraden, die in einer Bundeswehr ohne Frauen „großgeworden“ sind, fällt diese Umstellung manchmal schwer. Dann kommt hinzu, dass viele Pioniere ein Studium wie Maschinenbau haben und ohne diesen Technikhintergrund gelten auch Männer als „Pioniere zweiter Klasse“. Dass ich einen Sprengschein habe und die entsprechende Ausbildung, konnte nicht immer klar aufwiegen, dass ich Bildungswissenschaften studiert habe.

herCAREER: Welches Klischee über Frauen hat dich am meisten genervt?

Wiebke Hönicke: Grundsätzlich wird erst mal unterstellt, dass man nur wegen der Quote dort ist. Dass ich aus eigener Motivation zu den Pionieren wollte und die Kompetenz dafür mitbringe, das musste ich als Frau immer wieder beweisen. Wäre das ein Rennen, würde man als Frau einen Kilometer hinter der Startlinie starten und die ersten 1000 Meter nur Vorurteile ausräumen. Trotzdem hat es mich fasziniert, Teil der Pioniertruppe zu sein, zumal bei Frauen immer alle denken: Sanitätsdienst. Ich fand es schon cool, mit diesem Rollenklischee zu brechen.

herCAREER: 2011, ein Jahr bevor du angefangen hast, war die Wehrpflicht ausgesetzt worden. Heute haben wir Krieg in Europa, Donald Trump stellt die NATO infrage, wir erleben Drohnenvorfälle, Cyberattacken und Anschläge auf kritische Infrastruktur, und Bundesverteidigungsminister Pistorius spricht davon, dass wir bis 2029 „kriegstüchtig“ werden müssen. Wo stehen wir in Sachen Sicherheit?

Wiebke Hönicke: Die deutsche Gesellschaft tut sich meiner Meinung nach schwer, die neue Realität anzuerkennen. Nach dem Ende des Kalten Kriegs war es eine große Errungenschaft, nicht mehr jeden Tag Sicherheit und Kriegstüchtigkeit mitdenken zu müssen. Aber die Lage hat sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 geändert. Wir müssen verstehen, dass Bündnisverteidigung heute wieder vor der eigenen Haustür beginnt. Es ist total menschlich, das verdrängen zu wollen.

Aber die erste große Drohnendebatte gab es 2013 und die nächste große folgte 2017 zur Bundestagswahl, und statt den Umgang damit mitzugestalten, haben wir das Thema verdrängt. Das können wir nicht länger riskieren. Es ist auch in unserem Interesse, die NATO zu stärken. Ich bin ganz bestimmt kein Trump-Fan, aber ich verstehe den Vorwurf, dass wir uns in Deutschland und Europa zu lange darauf verlassen haben, dass die USA Sicherheit „produzieren“ und wir sie „konsumieren“. Wir müssen in Europa bereit sein, die Verantwortung für uns zu übernehmen.

herCAREER: Am 18. September erscheint dein Buch mit dem Titel: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.“ Warum ist das für dich kein Paradox?

Wiebke Hönicke: Der Gedanke ist uralt: Ich bin so kampfbereit, dass es keinen Sinn macht, mich anzugreifen. Aufgrund der aktuellen Lage glaube ich aber, dass dieser Ansatz heute zu kurz greift.

herCAREER: Inwiefern?

Wiebke Hönicke: Wenn dein Gegner weiß, du kannst zwar kämpfen, würdest aber im Zweifel davor zurückschrecken, ist dein Trumpf nichtig. Die Abschreckung ist nur glaubwürdig, wenn du grundsätzlich wirklich bereit bist zu kämpfen und dich zu behaupten. Das ist eine Frage des Mindsets. Unsere Gesellschaft ist noch nicht bereit, anzuerkennen, dass wir eventuell kämpfen müssen. Aber nur dann wirkt die Abschreckung. Wir erleben gerade andauernd, dass Russland austestet, wie weit sie gehen können, ohne dass wir reagieren.

herCAREER: Dein letzter Auslandseinsatz war in Erbil, im Nordirak. Dort spielen die kurdischen Peschmerga-Soldatinnen eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Islamischen Staat. Auch in Schweden gibt es seit 2017 einen geschlechtergerechten Wehrdienst. Bei uns sieht das Grundgesetz keine Wehrpflicht für Frauen vor. Wie stehst du dazu?

Wiebke Hönicke: Das Grundgesetz ist historisch gewachsen. Und es war sicherlich auch davon beeinflusst, dass früher in Kriegen physische Voraussetzungen entscheidender waren. Wir hinterfragen erst langsam das Rollenverständnis: Männer schützen, Frauen werden beschützt. Heute könnten wir diese Verantwortung genauso übernehmen. Doch solange das Grundgesetz vermittelt: „Das ist eigentlich keine Aufgabe für Frauen“, bleibt es schwierig, sie als Selbstverständlichkeit für Frauen anzunehmen – sowohl innerhalb der Streitkräfte als auch in der Gesellschaft. Der Fragebogen zur Wehrerfassung geht zum Beispiel an fast so viele junge Frauen wie Männer. Aber für Frauen ist die Antwort freiwillig und nur drei bis vier Prozent füllen ihn aus.

herCAREER: Was denkst du, woran das liegt?

Wiebke Hönicke: Warum sollte eine Frau sich verpflichtet fühlen, wenn keine Verpflichtung für sie besteht? Bisher muss sie sich ja gar nicht erst damit auseinandersetzen, so wird das Rollenbild zementiert. Parallel müssten wir uns mit dem Thema Care-Arbeit befassen, denn das ist auch Teil der Wahrheit: Viel mehr Frauen als Männer leisten in diesem Bereich einen Dienst an der Gesellschaft. Frauen einfach eine zusätzliche Pflicht aufzubürden, wäre nicht fair.

herCAREER: Du willst mit deinem Buch Denkanstöße geben und wünschst dir eine gesellschaftliche Debatte zur Wehrhaftigkeit. Warum?

Wiebke Hönicke: Ich glaube, wir müssen resilienter werden, um in schwierigen Zeiten klar, besonnen und schnell reagieren zu können. Der Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres hat gezeigt, wie schlecht wir auf so etwas vorbereitet sind. Gleichzeitig signalisiert es nach außen, wie angreifbar wir sind. Wie zivile Strukturen und Bundeswehr sich ergänzen können, ist eine Debatte, die wir bei uns noch führen müssen. Es würde uns schon wehrhafter machen, so eine Situation durchzuspielen.

herCAREER: Finnland hat die längste europäische Außengrenze mit Russland, dort könnten 900 000 Männer und Frauen in der Reserve mobilisiert werden, das sind fast 20 Prozent der Bevölkerung. Ist das das Signal, dass dort eine Gesellschaft darauf eingestellt ist, sich im Ernstfall zu behaupten?

Wiebke Hönicke: In Ländern wie Finnland oder Estland ist der Druck aus Russland so präsent, dass sie viel besser vorbereitet sind. Ich glaube, die Bereitschaft zu kämpfen ist auch deswegen so wichtig, weil ein Konflikt am Ende des Tages über die kämpfenden Soldat:innen hinausgeht. Die Ukraine kann sich nur behaupten, weil es eine gesamtgesellschaftliche Leistung ist. Das Verständnis, dass Wehrhaftigkeit mehr bedeutet als viele Panzer, viele Waffen und viele Soldaten, das ist in der deutschen Gesellschaft noch nicht angekommen.

herCAREER: Du bringst die Idee eines Gesellschaftsjahrs auf. Was könnte das bringen?

Wiebke Hönicke: Ich stelle mir ein Drei-Säulen-Modell vor: Wir könnten im Bereich Pflege Verantwortung für die Generation vor uns übernehmen. Wenn wir in Bildung investieren, würde das die Zukunft stärken. Und ein Einsatz im Katastrophenschutz wäre ein Beitrag zu unserer Sicherheit. So ein Jahr müsste auch nicht unbedingt direkt nach der Schule stattfinden.

herCAREER: Kritiker:innen sagen, eine Dienstpflicht sei ein Eingriff in individuelle Freiheit, den man nicht mit „Freiheit verteidigen“ rechtfertigen könne. Wie siehst du das?

Wiebke Hönicke: Es ist ein Eingriff in die Freiheit, sogar ein sehr einschneidender, denn es geht um das höchste Gut, das man im Leben hat: Zeit. Ein Jahr Zivildienst oder Wehrdienst zu leisten, ist ein massiver Eingriff. Trotzdem plädiere ich dafür, anders darauf zu blicken.

herCAREER: Nämlich?

Wiebke Hönicke: Ich lebe in einer Gesellschaft, die mir Freiheit und Sicherheit bietet. Ich habe Zugang zu Bildung und einem guten Gesundheitssystem. Ich könnte es auch als Privileg sehen, mich ein Jahr in diese Gemeinschaft einzubringen und für die Werte dahinter einzustehen. Und ich habe es als ein Privileg wahrgenommen, dass ich dienen durfte. Das war ja bis zu dem Kreil-Urteil für Frauen nur im Sanitätsdienst und Musikkorps möglich. (Anm. d. Red.: Der Europäische Gerichtshof hat am 11. Januar 2000 geurteilt, dass ein genereller Ausschluss von Frauen vom bewaffneten Militärdienst eine unzulässige Diskriminierung darstellt. Tanja Kreil hatte 1996 Klage eingereicht.)

herCAREER: Hast du die Bundeswehr als gleichberechtigten Arbeitsplatz erlebt?

Wiebke Hönicke: In der Theorie ja, in der Praxis ist noch Luft nach oben. An vielen Stellen gilt immer noch: Männer fördern Männer. Auch wenn ich gute Mentoren hatte und sehe, dass insgesamt etwas in Bewegung kommt. So etwas wie Karriere und Kinderwunsch ist ja nie leicht zu verbinden, aber bei der Bundeswehr muss man da noch mal ganz besonders planen, weil der Karriereweg sehr eng gesteckt ist, bestimmte Lehrgänge zum Beispiel in einem bestimmten Alter absolviert werden müssen. Hinzu kommt, dass man als Offizier* alle zwei, drei Jahre umzieht, was auch bedeutet, dass nur wenige, die eine Familie gründen, die Möglichkeit haben, auf die Unterstützung durch Großeltern zurückzugreifen.

herCAREER: Was würdest du denn einer jungen Frau sagen, die überlegt, zur Bundeswehr zu gehen, sich aber vor der Kultur dort fürchtet?

Wiebke Hönicke: Du musst dich damit auseinandersetzen, dass du in eine Kultur kommst, die von Männern dominiert ist. Entwickle Mechanismen für dich, wie du damit gut umgehen kannst. Vielleicht hilft es, dich ganz auf dich zu konzentrieren, um dich nicht zu verbiegen. Noch besser ist, dich mit anderen Frauen zusammenzutun und euch gegenseitig zu stärken. Der Zusammenhalt unter Frauen ist gar nicht so leicht, ich habe das an mir selbst erlebt: Man möchte am liebsten die eine Frau sein, die diese Probleme nicht hat.

herCAREER: Ein easygoing Pick-me-Girl.

Wiebke Hönicke: Ja. Ich war am Anfang genau so ein Pick-me-Girl mit der Haltung: Wer Leistung bringt, hat gar kein Problem in dieser Männerwelt. Damit habe ich es aber vor allem den Männern leicht gemacht, die mich als Vorzeigefrau anerkannt haben und ihre Abwehrhaltung gegen andere Frauen aufrechterhalten konnten. Das lief, glaube ich, bei uns allen unbewusst ab. Das würde ich heute anders machen. Gemeinsam kann man gezielt Frauen in einer männerdominierten Welt stärken. Und das gilt nicht nur für die Frauen untereinander, sondern da können auch Männer für Frauen eine Lanze brechen, die einem Kameraden auch mal klarmachen: Frauen gehören dazu.

herCAREER: Da kommt hoffentlich kein Rückschritt auf uns zu. Gerade unter den jungen Männern gibt es heute viele, die finden, dass jetzt aber auch mal gut ist mit der Gleichberechtigung. Du hast jetzt gerade den Dienst verlassen. Warum? Und was hast du vor?

Wiebke Hönicke: Nach 14 Jahren wollte ich an einem Ort ankommen, auch weil ich gern Familie hätte. Und ich hatte keine Lust mehr, mein ganzes weiteres Berufsleben immer drei Schritte mehr zu gehen, um am Ende die gleiche Distanz zurückzulegen wie ein Mann. Das entwickelt sich zwar in die richtige Richtung, aber für mich ist es Zeit für etwas Neues. Ich bin neugierig auf die zivile Welt, auch wenn ich Reserveoffizier bleibe. Im Oktober beginnt meine Ausbildung zur klinisch-therapeutischen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, da passt dann endlich mein Pädagogik-Studium mit Schwerpunkt Psychologie genau. Das wird dann in Zukunft mein Beitrag zur Resilienz.

*Wiebke Hönicke ist es wichtig, militärische Dienstgrade nicht zu gendern. Nur wenn es etwas betrifft, das nur Frauen erleben, gendert sie bewusst bei der Dienstgradgruppe „Offizier“, um den Unterschied deutlich zu machen.

Das Gespräch führte die freie herCAREER-Redakteurin Silvi Feist.

Wiebke Hönicke spricht am 23. Oktober beim Podcast-MeetUp auf der herCAREER Expo über gemeinsame Verantwortung, nationale Sicherheit und die Frage, warum wir kämpfen können sollten, um nicht kämpfen zu müssen.

Bild Wiebke Hönicke Pionieroffizier, Mit-Initiatorin bei #WirGegenExtremismus und hostet den Podcast „Buschfunk“

Quelle messe.rocks GmbH

JUGEND GRÜNDET: Neue Wettbewerbsrunde startet am 1. September

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Businessplan: Geschäftsidee und Planspiel für Schüler Von der Geschäftsidee bis zum Pitch: Bei JUGEND GRÜNDET entwickeln Jugendliche eigene Lösungen und stellen sie einer Jury vor – hier beim Bundesfinale. Foto: JUGEND GRÜNDET (Archivbild

Schülerinnen und Schüler entwickeln Geschäftsideen, schreiben Businesspläne und führen im Planspiel ein virtuelles Unternehmen

  • Startschuss: Ab dem 1. September 2026 können Jugendliche wieder mit eigenen Geschäftsideen bei JUGEND GRÜNDET antreten.
  • Rekordbeteiligung: Im Vorjahr nahmen 6.519 Schülerinnen und Schüler teil und reichten 1.461 Businesspläne ein.
  • Neue Website: Informationen, Materialien, Termine und Zugänge sind jetzt leichter zu finden.

Ein Problem erkennen, eine Lösung entwickeln, Kunden gewinnen: Bei JUGEND GRÜNDET erfahren Jugendliche, wie aus einer Idee ein Unternehmen entsteht. Die Wettbewerbsrunde 2026/27 beginnt am 1. September.

Von der Geschäftsidee zum Businessplan

Im ersten Schulhalbjahr entwickeln die Teilnehmenden ihre Geschäftsidee und schreiben den Businessplan. Sie befragen ihre Zielgruppe, skizzieren ihr Produkt, analysieren die Konkurrenz und berechnen, wie ihr Unternehmen profitabel werden kann. Der Online-Assistent führt sie Schritt für Schritt durch die Aufgaben.

Bis zum 5. Januar 2027 können die Teams ihre Businesspläne einreichen. Eine Jury prüft jeden vollständig ausgefüllten Plan und gibt den Jugendlichen schriftliches Feedback.

Der Wettbewerb wächst: Im Wettbewerbsjahr 2025/26 reichten die Teilnehmenden 1.461 Businesspläne ein, insgesamt beteiligten sich 6.519 Schülerinnen und Schüler. Beides sind Rekordwerte in der Geschichte des Wettbewerbs.

Die besten Teams pitchen ihre Ideen

Im Frühjahr lädt JUGEND GRÜNDET die besten Teams der Businessplan-Phase zu den Pitch Events ein. Dort haben die Jugendlichen drei Minuten, um eine Fachjury von ihrer Idee zu überzeugen. Danach stellen sie sich den Fragen der Jury.

Vom Businessplan ins Planspiel

Am 1. Februar 2027 beginnt die Planspiel-Phase. Im „Startup Simulator“ führen die Jugendlichen ein virtuelles Unternehmen durch acht Geschäftsjahre. Sie legen Preise fest, stellen Personal ein und entscheiden, wie viel Geld sie in Werbung und Forschung investieren. Zugleich müssen sie auf Krisen, Konjunktur und virtuelle Konkurrenz reagieren.

Jede Entscheidung hat Folgen: Kosten steigen, Kunden wechseln oder der Absatz wächst. So lernen die Jugendlichen, wie eng Erfolg und Misserfolg beieinanderliegen.

Nach der Planspiel-Phase entscheidet das Gesamtranking über den Finaleinzug. Beim Bundesfinale im Juni präsentieren die zehn besten Teams ihre Geschäftsideen: in einem Kurzpitch, an einem Messestand und im Gespräch mit der JUGEND GRÜNDET Jury.

Neue Website bündelt Angebote

Zum Start der Wettbewerbsrunde geht die neue Website von JUGEND GRÜNDET online. Sie versammelt Informationen zum Wettbewerb, Termine, Materialien und die Zugänge zu den digitalen Angeboten.

Teilnehmende finden dort Hilfen für Geschäftsidee, Businessplan, Planspiel und Pitch. Die Startup Basics vermitteln den Schülerinnen und Schülern Wissen über Gründung und Unternehmen. Registrierte Lehrkräfte können im digitalen Lehrerzimmer Materialien für ihren Unterricht und die Betreuung ihrer Teams abrufen.

Innovationsgeist und Selbstwirksamkeit stärken

„Gründen bedeutet, Lösungen zu schaffen, wo andere nur Probleme sehen – und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, sagt Projektleiterin Franziska Metzbaur. „Diesen Innovationsgeist wollen wir bei Jugendlichen wecken und ihren Glauben an die eigene Wirksamkeit stärken.“

Registrieren und mitmachen

Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler aller Schulformen sowie Auszubildende bis einschließlich 23 Jahren. Sie können allein oder in einem Team mit bis zu fünf Personen antreten. Eine Begleitung durch eine Lehrkraft oder eine Betreuungsperson aus dem Ausbildungsbetrieb ist möglich, aber nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen und Registrierung

www.jugend-gruendet.de

Bild Von der Geschäftsidee bis zum Pitch: Bei JUGEND GRÜNDET entwickeln Jugendliche eigene Lösungen und stellen sie einer Jury vor – hier beim Bundesfinale. Foto: JUGEND GRÜNDET Archivbild 

Quelle Steinbeis Innovation Education gGmbH

KI-Kennzeichnungspflicht: Was Gründer und Solopreneure jetzt wissen müssen

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AI Act: Kennzeichnungspflicht und Transparenzpflichten Alex Khan Bildcredits Stefan Imielski

Claude schreibt den LinkedIn-Post, eine Bild-KI erstellt das Visual und das neue Produktvideo bekommt einen KI-generierten Sprecher. KI ist für Start-ups und Solopreneure längst Alltag. Seit 2. August 2026 gelten neue Transparenzpflichten des europäischen AI Acts. Muss jetzt überall stehen, dass KI im Spiel war? Nein. Aber es gibt Fälle, in denen die Kennzeichnung verpflichtend ist.

Warum gibt es überhaupt eine Kennzeichnungspflicht?

Mit Artikel 50 des AI Acts will die EU vor allem verhindern, dass Menschen über die Herkunft von Inhalten getäuscht werden. Nutzer sollen erkennen können, wann sie mit einer KI interagieren oder wann ihnen bestimmte künstlich erzeugte beziehungsweise manipulierte Inhalte begegnen. Dabei unterscheidet der AI Act zwischen den Anbietern von KI-Systemen und denjenigen, die diese Systeme professionell einsetzen. Für Gründer, Start-ups und Solopreneure ist vor allem die zweite Gruppe interessant. Denn wer KI im Rahmen seiner beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit nutzt, kann als „Deployer“, also Betreiber, unter entsprechende Regeln fallen.

Wo muss ich unbedingt kennzeichnen?

Besonders relevant ist die Kennzeichnungspflicht bei Deepfakes. Gemeint sind künstlich erzeugte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte, die echten Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähneln und dadurch fälschlicherweise authentisch wirken können.

Für die Praxis heißt das: Wird in einem Marketingvideo eine reale Person per KI so dargestellt, als hätte sie etwas gesagt oder getan, was nie passiert ist, muss dies offengelegt werden. Gleiches kann für täuschend echte KI-Stimmen oder manipulierte Aufnahmen realer Ereignisse gelten.

Eine Erleichterung gibt es für künstlerische, kreative, satirische oder fiktionale Arbeiten: Dort beschränkt sich die Pflicht darauf, solche Inhalte offenzulegen – so, dass die Darstellung des Werks nicht beeinträchtigt wird.

Wie kann ein Hinweis konkret aussehen? Der AI Act schreibt keinen festen Satz vor. Die Information muss klar, eindeutig und für Nutzer erkennbar sein. Je nach Anwendung kann ein Hinweis wie „Dieses Video wurde mit KI erzeugt“ oder „KI-generierte Darstellung“ verwendet werden. Bei einer künstlich erzeugten Stimme wäre „Stimme KI-generiert“ eine verständliche Formulierung. Entscheidend ist, dass klar wird, was künstlich erzeugt oder verändert wurde.

Auch bei KI-Chatbots muss erkennbar sein, dass Nutzer mit einer KI kommunizieren. Dafür ist zunächst der Systemanbieter verantwortlich. Wer selbst einen öffentlich zugänglichen Bot entwickelt, kann diese Rolle übernehmen. Ein einfacher Hinweis lautet: „Sie chatten mit unserem KI-Assistenten.“ Ist der KI-Einsatz ohnehin offensichtlich, ist keine zusätzliche Information nötig.

Auch Texte können kennzeichnungspflichtig sein – allerdings nur, wenn sie die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren. Produkt-Posts oder Newsletter fallen in der Regel nicht darunter. Wichtige Ausnahme: Die Offenlegungspflicht entfällt bei menschlicher Prüfung und redaktioneller Verantwortung durch eine natürliche oder juristische Person.

Was bedeutet das für meinen Arbeitsalltag?

KI-Nutzung allein löst keine allgemeine Kennzeichnungspflicht aus. Wer GPTs & Co. nutzt, um einen Post sprachlich zu verbessern, einen Newsletter zu strukturieren oder einen Text zu kürzen, muss nicht automatisch „KI-generiert“ dazuschreiben. Gleiches gilt für Brainstorming, Rechercheunterstützung, Übersetzungen oder erste Textentwürfe.

Auch nicht jedes KI-generierte Bild oder Video braucht automatisch ein sichtbares KI-Label. Entscheidend ist, um welche Art von Inhalt es sich handelt und wie er eingesetzt wird. Für Anbieter generativer KI gelten zudem eigene technische Transparenzpflichten. Die einfachste Grundregel lautet: Je echter KI etwas erscheinen lässt, das so nie existiert oder stattgefunden hat, desto wichtiger wird Transparenz.

In unserem Agenturalltag hat sich folgende Dreiteilung bewährt:

Werkzeug: KI hilft beim Formulieren, Kürzen, Übersetzen oder Strukturieren. Keine Kennzeichnung.

Darstellung: KI erzeugt ein Motiv, das erkennbar eine Illustration ist. In der Regel keine Kennzeichnung, aber Plattformregeln im Blick behalten.

Abbild: KI erzeugt eine reale Person, Stimme oder Situation, die es so nie gegeben hat. Immer offenlegen.

Zusätzlich halten wir intern fest, bei welchen Veröffentlichungen KI im Spiel war. Das kostet zwei Minuten und beantwortet jede spätere Rückfrage.

Nicht vergessen: die Regeln der Plattformen

Neben dem Gesetz gelten die Richtlinien der Plattformen. Und die greifen früher und öfter. YouTube verlangt eine Angabe für realistisch veränderte oder synthetische Inhalte; gesetzt wird sie beim Hochladen unter „Attribute“.

TikTok verlangt sichtbare Labels für realistisch wirkende KI-Bilder und -Stimmen und erkennt solche Inhalte automatisch an eingebetteten Herkunftsdaten, auch wenn niemand etwas angibt.

Meta geht am weitesten: Wer organische Beiträge mit fotorealistischem Video oder realistisch klingendem Ton veröffentlicht, die digital erzeugt oder verändert wurden, muss das über das Offenlegungswerkzeug angeben. Bei Verstößen behält sich Meta Sanktionen vor.

Für die Praxis heißt das: Ein Beitrag kann nach dem AI Act unproblematisch sein und trotzdem gegen Plattformregeln verstoßen. Wer regelmäßig postet, orientiert sich deshalb besser an der strengsten Plattform, die er bespielt, als am Gesetz allein.

Was passiert, wenn ich nicht kennzeichne?

Die Transparenzpflichten sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Verstöße können mit bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Für KMU und Start-ups gilt der jeweils niedrigere Höchstbetrag. Die konkrete Geldbuße hängt vom Einzelfall ab. Deshalb gilt: Kennzeichnungspflichten kennen und ernst nehmen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zum EU AI Act und stellt keine Rechtsberatung dar.

Bildcredits Stefan Imielski

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Nach „Höhle der Löwen“: SUMMERSAVER wieder komplett in Gründerinnenhand

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SUMMERSAVER Gründerinnen kaufen Anteile zurück: Marke setzt auf Beine SUMMERSAVER Denise Hahn und Alisa Knopp

Fünf Jahre nach TV-Deal mit Ralf Dümmel: SUMMERSAVER-Gründerinnen kaufen sich in ihr eigenes Unternehmen zurück

20-Prozent-Beteiligung zurückgekauft – SUMMERSAVER wieder zu 100 Prozent in Gründerinnenhand: mehr als eine Million Kundinnen und Kunden, achtstelliger Umsatz, Expansion in Europa, Türkei und Middle East

Hannover, 31. August 2026 – Fünf Jahre nach dem Deal bei „Die Höhle der Löwen“ beginnt für SUMMERSAVER ein neues Kapitel: Am 30. Juli 2026 haben die Gründerinnen Denise Hahn und Alisa Knopp die bislang extern gehaltene 20-Prozent-Beteiligung am Unternehmen vollständig zurückgekauft. SUMMERSAVER befindet sich damit wieder zu 100 Prozent in Gründerinnenhand. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Seit dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ im Jahr 2021 hat sich SUMMERSAVER vom Anti-Wundreib-Stick zu einer etablierten Marke mit klarer Problemlöser-DNA entwickelt: mit eigenem Online-Shop, Präsenz bei dm, Rossmann, Müller und weiteren namhaften Drogerie- und Handelsketten, aktivem Teleshopping-Geschäft bei QVC. Auf Amazon zählte SUMMERSAVER wiederholt zu den Bestsellern in der Kategorie Körperpflege. Seit der Gründung hat das Unternehmen einen achtstelligen Umsatz erzielt und mehr als eine Million Kundinnen und Kunden erreicht. Die weitere Entwicklung wurde nach dem ursprünglichen TV-Auftritt zweimal erneut in der Sendung begleitet und als Erfolgsgeschichte aufgegriffen.

„Die Partnerschaft nach ‚Die Höhle der Löwen‘ war für unsere damalige Wachstumsphase ein wichtiger Beschleuniger und hat uns geholfen, SUMMERSAVER schnell im Handel zu etablieren“, sagt Denise Hahn, Gründerin und Geschäftsführerin von SUMMERSAVER. „Heute stehen wir an einem anderen Punkt. Wir haben SUMMERSAVER zu einer starken, breit aufgestellten Marke entwickelt und wollen jetzt gezielt die nächste Phase gestalten: internationaler, breiter im Portfolio und mit Partnern, die echten strategischen Mehrwert für unser weiteres Wachstum bringen.“

Internationale Expansion nimmt Fahrt auf

Im DACH-Raum hat sich SUMMERSAVER eine starke Marktposition im Anti-Chafing-Segment aufgebaut.

Gleichzeitig ist die Internationalisierung bereits angelaufen: In den Niederlanden beliefert SUMMERSAVER unter anderem Apotheken. In der Türkei wurde ein eigener Online-Shop aufgebaut und das lokale Vertriebsnetz wird derzeit weiter ausgebaut.

Im Oktober 2026 richtet sich der Fokus stark auf den Middle East. Dort will SUMMERSAVER bestehende Kontakte vertiefen und Gespräche mit potenziellen Vertriebs- und strategischen Partnern vorantreiben.

„Wir suchen nicht einfach Kapital“, sagt Hahn. „Für uns sind Partner interessant, die echten Zugang zu neuen Märkten, Distribution, Handel und lokalen Netzwerken mitbringen. Entscheidend ist der strategische Mehrwert. Durch unsere heutige Eigentümerstruktur können wir sehr bewusst entscheiden, mit wem wir die nächste Wachstumsphase gestalten.“

Für die weitere internationale Skalierung ist SUMMERSAVER daher offen für ausgewählte strategische Partnerschaften im Ausland. Ziel ist ein kumulierter Auslandsumsatz von bis zu 20 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre.

The House of Legs: neue Produktwelt aus der Problemlöser-DNA von SUMMERSAVER

Parallel zur internationalen Expansion baut SUMMERSAVER sein Geschäftsmodell über das ursprüngliche Hero Product hinaus aus. Mit The House of Legs hat das Unternehmen eine neue Produktwelt rund um Beine, Care, Beauty und Well-Being geschaffen.

Dahinter steht derselbe Ansatz, aus dem SUMMERSAVER entstanden ist: alltägliche Probleme aufzugreifen, die viele Menschen kennen, über die aber häufig wenig gesprochen wird. Während der Anti-Wundreib-Stick das Problem schmerzhafter Hautreibung adressiert, widmet sich The House of Legs weiteren Bedürfnissen rund um Beine und Körperpflege – darunter dem Gefühl schwerer und beanspruchter Beine. Ein weiterer Produktlaunch steht im September bereits bevor.

„Wir wollen nicht einfach immer mehr Produkte auf den Markt bringen“, sagt Hahn. „Uns interessieren Probleme, die Millionen Menschen aus ihrem Alltag kennen, für die es aber noch keine wirklich zeitgemäßen und unkomplizierten Lösungen gibt. Genau daraus ist SUMMERSAVER entstanden – und genau daraus entwickeln wir heute unsere nächsten Produktwelten.“

Mit dem Rückkauf der Beteiligung, der Erweiterung des Portfolios und der zunehmenden Internationalisierung stellt SUMMERSAVER damit die Weichen für die nächste Unternehmensphase: von einer im DACH-Raum etablierten Marke mit mehreren Vertriebskanälen hin zu einer international aufgestellten Consumer Brand.

Bild Gründerinnen Denise Hahn und Alisa Knopp Bildcredits SUMMERSAVER GmbH

Quelle SUMMERSAVER GmbH

Phase0 schließt Finanzierungsrunde über 2,6 Mio. Euro

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Phase0: KI-Ausbau mit 2,6 Mio. Euro Finanzierung Bild Matthäus Kerres Bildcredits Phase0 GmbH

Europäische VCs und Brancheninvestoren finanzieren die Weiterentwicklung der cloudbasierten AVA-, HOAI- und Bauleiter-Software von Phase0. Verwendungszweck: KI-Agenten, die administrative Aufgaben in Architekturbüros vollständig übernehmen.

Phase0, die cloudbasierte AVA-, HOAI- und Bauleiter-Software, hat eine Finanzierungsrunde über 2,6 Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Investoren zählen Realyze Ventures sowie Albert Achammer, CEO von ATP architekten und ingenieure, und Ershad Jamil, früherer Chief Growth Officer bei ServiceTitan (NASDAQ:TTAN), als Business Angels. Sie reihen sich bei den bestehenden Investoren wie LocalGlobe und Atlantic ein.

Strategisches Signal: Ein Architekt investiert

Die Beteiligung von Albert Achammer ist mehr als ein Kapitalzufluss: Er weiß, was Planungssoftware im Alltag leisten muss und sieht diese Anforderungen in Phase0 erfüllt. Als Business Angel bringt er Branchenexpertise mit, ohne operativ tätig zu sein.

„Wer Millionenprojekte steuert, sollte nicht sonntagnachmittags Rechnungen in Word schreiben. Wir haben über 1.000 Büros ongeboardet und das Muster ist überall dasselbe. Die Aufgaben, die am meisten Zeit kosten – Leistungsverzeichnisse, Protokolle, Rechnungsprüfung – sind genau die, die KI am besten übernehmen kann.“, erklärt Matthäus Kerres, Gründer und Geschäftsführer von Phase0.

KI entlang des gesamten Planungsprozesses

Das Funding fließt vollständig in den Ausbau der KI-Funktionen bei Phase0. Bereits umgesetzt sind:

  • KI-Leistungsverzeichnis: auf Basis eigener Projektdaten im Chat erstellen inkl. VOB- und DIN-Prüfung der Langtexte
  • KI-Bautagebuch: Fotos und Sprachnachrichten per WhatsApp schicken, Phase0 generiert automatisch Berichte, Tickets und E-Mails

Geplant sind:

  • KI-Mengenermittlung: Mengen aus Plänen ermitteln und mit Materialvorschlägen direkt ins LV übernehmen
  • KI-Kostenschätzung: Kostenschätzungen und -berechnungen aus Zeichnungen und auf Basis historischer Projektdaten erstellen
  • KI-Rechnungsprüfung: Nachunternehmer-Rechnungen automatisch mit Aufträgen, Aufmaß und Bautagebüchern abgleichen
  • KI-Protokolle: Baubesprechungen dokumentieren und Aufgaben sowie Termine automatisch nachverfolgen
  • KI-Bauzeitenplan: Terminpläne auf Basis der LVs erstellen und bei Abweichungen alle Beteiligten informieren
  • KI-Telefonassistent: Anrufe, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten in einem intelligenten Projekt-Posteingang zusammenführen

Wachstum in einem fragmentierten Markt

Phase0 adressiert derzeit rund 110.000 kleine und mittlere Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland – ein Markt, der von Windows-gebundener Individualsoftware und manuellen Prozessen geprägt ist. Die Plattform bündelt AVA (Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung), HOAI (Honorarangebote, Honorarrechnungen, Zeiterfassung) und die Bauleitung (Bautagebuch) in einer einzigen browserbasierten Lösung – ein Ansatz, mit dem das kleine Berliner Team etablierten Anbietern wie Nemetschek, ORCA AVA oder RIB Software die Stirn bietet. Das Funding bringt KI als nächste Ebene dazu.

Zu den 1.000 Büros, die Phase0 bereits als zentrale Projektplattform nutzen, kommen monatlich 50 bis 100 neue Kunden hinzu. Nutzer heben die intuitive Bedienung hervor, aber auch den persönlichen Support und die schnelle Weiterentwicklung. Auf Trustpilot wird das mit 4,8 von 5 Sternen (119 Bewertungen) bestätigt.

Bild Matthäus Kerres Bildcredits Phase0 GmbH

Quelle Phase0 GmbH

ReviewAnchor: Wie das Unboxing im E-Commerce zum Schlüssel der Customer Journey wird

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ReviewAnchor: E-Commerce und Customer Journey neu denken Thomas Kotula ReviewAnchor

ReviewAnchor will im E-Commerce die Customer Journey nach dem Kauf verlängern und den Moment des Auspackens gezielt für Markenbindung und Bewertungen nutzen.

Können Sie ReviewAnchor kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrer Beobachtung im E-Commerce die Geschäftsidee entstanden ist?

ReviewAnchor beschäftigt sich mit einem Moment, der eigentlich nur wenige Sekunden dauert: dem Öffnen eines Pakets.

Ich komme aus dem Marketing und E-Commerce und fand es schon länger spannend, wie extrem Unternehmen jeden digitalen Touchpoint optimieren. Ads, Landingpages, Shops, Checkout, E-Mails – überall wird getestet, gemessen und verbessert. Aber irgendwann kommt der Moment, in dem aus dem digitalen Kauf etwas Reales wird: Der Kunde bekommt sein Paket und hält das Produkt zum ersten Mal tatsächlich in den Händen.

Und genau dieser Moment wird meiner Meinung nach noch viel zu oft dem Zufall überlassen.

Daraus entstand die Idee für ReviewAnchor. Wir entwickeln individuelle Unboxing-Konzepte für Online-Shops und machen aus diesem physischen Touchpoint einen gezielten Teil der Customer Journey – um die Marke positiv im Kopf zu verankern, Kundenbindung zu stärken und authentische Bewertungen zu fördern.

Sie haben ReviewAnchor erst im August 2026 in München gegründet. Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Start?

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man aufhören muss, eine Idee nur im Kopf durchzuspielen.

Ich habe mich intensiv mit dem Markt, dem Konzept und der Positionierung beschäftigt und irgendwann gemerkt: Das Fundament steht. Jetzt muss die Idee raus und sich in der Realität beweisen.

Natürlich könnte ich noch Monate an der Website, an Präsentationen oder an irgendwelchen Details feilen. Aber am Ende entscheidet nicht die hundertste Optimierung darüber, ob ReviewAnchor funktioniert, sondern der Markt.

Deshalb war für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, einfach zu starten.

Online-Shops optimieren nahezu jeden digitalen Touchpoint. Warum wird der Moment des Auspackens Ihrer Erfahrung nach noch so häufig unterschätzt?

Weil E-Commerce naturgemäß sehr digital gedacht wird.

Wir können heute ziemlich genau nachvollziehen, woher ein Kunde kommt, worauf er klickt, was er in den Warenkorb legt und an welcher Stelle er den Checkout verlässt. Entsprechend viel Aufmerksamkeit und Budget fließen in diese Bereiche.

Nach dem Kauf verschiebt sich der Fokus dagegen häufig auf Logistik und Fulfillment: Bestellung raus, Paket zugestellt, fertig.

Dabei passiert danach etwas extrem Spannendes. Der Kunde hält das Produkt zum ersten Mal in den Händen. Aus Erwartung wird Realität. Und genau in diesem Moment kann eine Marke emotional etwas auslösen.

Bewertungs-E-Mails gehören heute bei vielen Online-Shops zum Standard. Sie erreichen den Kunden aber häufig erst einige Tage nach der Lieferung – wenn der eigentliche emotionale Moment des Auspackens längst vorbei ist. Gleichzeitig konkurriert eine solche E-Mail im Postfach mit vielen anderen Nachrichten und kann schnell übersehen oder einfach weggeklickt werden.

Für mich ist deshalb die spannendere Frage: Warum warten wir mit dem Impuls bis später, wenn wir den Kunden genau in dem Moment erreichen können, in dem die Begeisterung entsteht?

Welche Unternehmen möchten Sie mit ReviewAnchor erreichen, und für welche Marken ist ein individuelles Unboxing-Konzept besonders relevant?

Unser Fokus liegt auf E-Commerce-Unternehmen mit eigenem Online-Shop und direktem Versand an ihre Kunden.

Besonders spannend finde ich Marken, bei denen bereits eine gewisse emotionale Verbindung zum Produkt besteht – beispielsweise aus den Bereichen Lifestyle, Beauty, Food, Haustierbedarf, Outdoor, Home & Living oder Fitness.

Entscheidend ist für mich aber weniger die Branche als die Frage: Gibt es einen physischen Versandmoment, aus dem wir mehr machen können?

Wenn ein Unternehmen viele zufriedene Kunden hat, aber nur ein kleiner Teil davon seine Erfahrung öffentlich teilt, wird es für ReviewAnchor besonders interessant.

Sie verstehen sich bewusst nicht als klassischer Werbeartikel-Anbieter. Was unterscheidet Ihren Ansatz von einfachen Giveaways im Versandkarton?

Ein Giveaway beginnt häufig beim Produkt: „Was könnten wir unseren Paketen beilegen?“

Bei uns beginnt die Frage viel früher: Wer ist die Marke? Wer kauft dort? Was wurde bestellt? Welche Emotion soll beim Öffnen entstehen? Und was soll der Kunde danach mit diesem Erlebnis verbinden?

Erst daraus entsteht die Idee für ein passendes haptisches Element.

Ich möchte nicht, dass Kunden irgendeinen Gegenstand aus dem Paket nehmen und denken: „Okay, nettes Werbegeschenk.“ Im besten Fall fühlt es sich so passend an, dass man merkt: Da hat sich jemand Gedanken über den Moment gemacht.

Der Gegenstand selbst ist deshalb nicht unser eigentliches Produkt. Das Konzept dahinter ist es.

Marke, Zielgruppe und Customer Journey bilden den Ausgangspunkt Ihrer Konzepte. Wie entsteht daraus ein konkretes Unboxing-Erlebnis?

Am Anfang steht die Analyse. Wir schauen uns Marke, Produkte, Zielgruppe, bestehenden Versand und die Customer Journey an.

Dann stellen wir uns eine relativ einfache Frage: Was könnte genau bei diesen Kunden in genau diesem Moment einen positiven Effekt erzeugen?

Daraus entwickeln wir die Idee und suchen anschließend nach einem haptischen Element, das dazu passt. Danach kommen Sourcing, Produktion beziehungsweise Beschaffung und die Frage, wie sich das Ganze sinnvoll in den bestehenden Versand integrieren lässt.

Mir ist dabei wichtig, dass Kreativität nicht zum operativen Problem wird. Ein Konzept kann auf dem Papier noch so schön aussehen – wenn das Fulfillment danach für jedes Paket fünf Minuten länger braucht, ist es kein gutes Konzept.

ReviewAnchor möchte Kundenbindung stärken und authentische Bewertungen fördern. Wie lässt sich der Erfolg solcher Maßnahmen messbar machen?

Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt, denn ReviewAnchor soll nicht bei „Das sieht schön aus“ aufhören.

Die Grundidee dahinter basiert nicht nur auf einem Bauchgefühl. Erkenntnisse aus der Konsumentenpsychologie und dem Marketing zeigen, dass Unboxing, haptische beziehungsweise multisensorische Erlebnisse und positive Emotionen die Wahrnehmung eines Produkts und die Beziehung zu einer Marke beeinflussen können.

Für ReviewAnchor ist aber vor allem die Frage entscheidend, wie sich dieser Effekt im konkreten Einsatz beim Kunden widerspiegelt. Deshalb wird die Messbarkeit von Anfang an im Konzept mitgedacht.

Je nach Umsetzung können beispielsweise Interaktionen über QR-Codes oder individuelle Zielseiten erfasst werden. Gleichzeitig lässt sich beobachten, wie sich die Anzahl und Quote neuer Bewertungen im Verhältnis zu den versendeten Bestellungen entwickelt. Besonders interessant sind dabei klar definierte Testzeiträume sowie Vergleiche vor und nach der Einführung eines Konzepts.

ReviewAnchor befindet sich noch in einer frühen Phase. Deshalb möchte ich keine konkreten Wirkungszahlen nennen, die wir mit eigenen Kundenprojekten noch nicht belegen können. Genau das ist jetzt der nächste Schritt: aus wissenschaftlich fundierten Ansätzen messbare Ergebnisse in der Praxis zu entwickeln und daraus belastbare Cases aufzubauen.

Haptische Markenerlebnisse müssen auch bei steigenden Bestellzahlen funktionieren. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Individualität und Skalierbarkeit?

Indem wir Individualität nicht mit Personalisierung jedes einzelnen Pakets verwechseln.

Das Konzept wird individuell für die jeweilige Marke und Zielgruppe entwickelt. Das daraus entstehende Element muss anschließend aber möglichst einfach in viele Pakete integriert werden können.

Ein Mitarbeiter im Versand sollte nicht überlegen müssen, was er bei Bestellung Nummer 1.742 anders machen muss. Element nehmen, sinnvoll ins Paket integrieren, fertig.

Für mich gilt deshalb: individuell in der Idee, skalierbar in der Umsetzung.

Genau dieser Spagat ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

Je digitaler der E-Commerce wird, desto wertvoller werden für Sie reale Berührungspunkte. Welche Entwicklung erwarten Sie hier in den kommenden Jahren?

Ich glaube nicht, dass digitale Kommunikation weniger wichtig wird – im Gegenteil. KI, Automatisierung und Personalisierung werden dafür sorgen, dass noch mehr Kommunikation digital und automatisiert stattfindet.

Genau deshalb glaube ich aber, dass echte Berührungspunkte an Wert gewinnen können.

Eine weitere automatisierte E-Mail konkurriert mit vielen anderen Nachrichten. Ein physischer Moment findet dagegen direkt beim Kunden zu Hause statt.

Für Marken wird es meiner Meinung nach deshalb interessanter werden, digitale Effizienz mit wenigen bewusst gestalteten realen Erlebnissen zu verbinden.

Das Paket ist dafür ein spannender Touchpoint, weil es ohnehin beim Kunden ankommt. Man muss keinen neuen Kontaktpunkt erfinden – man muss den vorhandenen besser nutzen.

Von der Idee über das Sourcing bis zur Integration decken Sie verschiedene Schritte ab. Wo liegen dabei aktuell die größten Herausforderungen?

Aktuell ganz klar darin, aus einer guten Idee ein bewiesenes Geschäftsmodell zu machen.

ReviewAnchor ist frisch gegründet. Jetzt geht es darum, die richtigen ersten Unternehmen zu finden, Projekte umzusetzen, Ergebnisse zu messen und daraus zu lernen.

Eine zweite Herausforderung ist die Balance zwischen Kreativität, Kosten und operativer Einfachheit. Eine Idee muss nicht nur außergewöhnlich sein. Sie muss bezahlbar sein, zur Marke passen und bei 100, 1.000 oder mehr Sendungen noch funktionieren.

Genau diese Kombination finde ich allerdings auch besonders spannend.

Welche Vision verfolgen Sie mit ReviewAnchor, und wie möchten Sie das Unternehmen in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Ich möchte ReviewAnchor langfristig als Spezialisten für revieworientierte Unboxing-Erlebnisse etablieren.

Meine Vision geht dabei noch einen Schritt weiter: Wenn Unternehmen irgendwann darüber nachdenken, wie sie den Moment nach dem Kauf besser nutzen, mehr authentische Bewertungen fördern und aus dem Versand einen echten Marketing-Touchpoint machen können, soll ReviewAnchor eine der Marken sein, an die sie als Erstes denken.

Kurzfristig geht es für mich aber erstmal darum, die ersten starken Kundenprojekte umzusetzen und nachzuweisen, welche Konzepte tatsächlich funktionieren. Daraus sollen Prozesse, Daten und Cases entstehen, auf denen wir weiter aufbauen können.

Langfristig möchte ich, dass Unternehmen beim Thema Unboxing und Post-Purchase-Erlebnis nicht zuerst an Verpackung oder Werbeartikel denken, sondern an einen strategischen Marketing-Touchpoint.

Wenn ReviewAnchor irgendwann für diesen Moment nach dem Kauf steht, so wie andere starke Marken selbstverständlich mit ihrer jeweiligen Kategorie verbunden werden, dann haben wir sehr viel richtig gemacht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer bislang wenig beachteten Marktlücke ein Geschäftsmodell entwickeln möchten?

Erstens: Beobachtet Probleme, nicht Geschäftsideen.

ReviewAnchor ist nicht entstanden, weil ich unbedingt irgendein Unternehmen gründen wollte. Am Anfang stand die Beobachtung, dass enorm viel Energie in die Customer Journey vor dem Kauf fließt und ein spannender Moment danach vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Zweitens: Geht irgendwann raus damit.

Man kann eine Website immer noch schöner machen, einen Businessplan noch einmal überarbeiten und noch eine Präsentation bauen. Irgendwann braucht man aber echtes Feedback vom Markt. Das ist gerade auch etwas, das ich selbst jeden Tag lerne.

Und drittens: Habt keine Angst davor, klein anzufangen und trotzdem groß zu denken.

Am Anfang braucht man nicht sofort hundert Kunden. Man braucht den ersten Kunden, ein gutes Ergebnis und den Beweis, dass aus einer Idee ein funktionierendes Geschäftsmodell werden kann.

Bildrechte: © Thomas Kotula

Wir bedanken uns bei Thomas Kotula für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

PetPlanner: Wie die Plattform Tierbesitzer und Dienstleister zusammenbringt

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PetPlanner: Dienstleister für Tierbesitzer finden Bild: v.l.n.r. Marc Dierichsweiler (Gründer), Louisa Reschenberg (Marketing Managerin), Vivien Dierichsweiler (Gründerin und Geschäftsführerin), Alexander Vinnai (Gründer). Bildcredits/Fotograf: Julius Dierichsweiler

PetPlanner bringt Dienstleister und Tierbesitzer zusammen und ermöglicht die digitale Buchung, Bezahlung und Verwaltung von Terminen.

Können Sie PetPlanner kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

PetPlanner ist eine Buchungsplattform für Tierdienstleistungen. Tierbesitzern ermöglicht die Plattform passende Dienstleister in ihrer Nähe zu finden und direkt online zu buchen, inklusive Bezahlung. Für Dienstleister ist die Plattform eine Business-Management Lösung, das bedeutet, von der Kundenakquise über Terminorganisation bis hin zu Zahlung und Abrechnung deckt sie die administrativen Prozesse des selbstständigen Alltages ab. Die Idee stammt aus meinen Erfahrungen als Tierbesitzerin und Tierdienstleisterin.

Sie kommen selbst aus der Tierbranche. Welche Erfahrungen haben Sie dazu bewegt, PetPlanner zu gründen?

Ich habe mich mit 18 Jahren als Pferdetrainerin selbstständig gemacht und schnell festgestellt, dass die Suche nach passenden Experten, wie Hufbearbeitern oder Pferdephysiotherapeuten eine sehr zeitintensive Aufgabe ist, die für Tierbesitzer einen großen Aufwand darstellt. Gleichzeitig habe ich in meiner Selbstständigkeit erfahren, dass ich einen großen Teil der Zeit, die ich eigentlich mit der Arbeit mit Menschen und Pferden verbringen wollte, am Schreibtisch verbrachte. Terminorganisation, Kundenkommunikation und Rechnungsstellung bescherten mir lange Nächte. Doch gerade für diese Branche, die ihre Zeit lieber aktiv mit Tieren, statt am Schreibtisch verbringt, schien es keine passende Softwarelösung zu geben. Daraus entstand die Idee, dieses Problem selbst zu lösen.

Welche Vision verfolgen Sie mit PetPlanner, und was möchten Sie in der Tierdienstleistungsbranche langfristig verändern?

Meine Vision ist, eine zentrale Anlaufstelle für Tierbesitzer zu schaffen, auf der sie schnell und sicher passende Experten buchen können. Für Tierdienstleister in ganz Deutschland und langfristig auch international möchte ich ein effizientes Tool etablieren, dass ihnen Zeit am Tier zurückgibt und ihnen zu mehr Professionalität in ihrer Selbstständigkeit verhilft.

Ihre Plattform verbindet Business-Software und Marktplatz. Warum war Ihnen diese Kombination von Anfang an wichtig?

Verzeichnisse gibt es viele, doch damit bleibt die Arbeit auf beiden Seiten am Benutzer hängen. Sowohl für Besitzer als auch Dienstleister braucht es verschiedenste Programme und Prozesse, um so etwas Simples, wie die Buchung eines Physiotherapietermins, abzuwickeln. Es war schnell klar, dass PetPlanner nur dann einen nachhaltigen Mehrwert bietet, wenn wir von der Kundenakquise bis zur Abrechnung alle Prozesse abbilden und sich Dienstleister damit auf eine Plattform verlassen können. Auch haben wir aus Gesprächen mit unserer Zielgruppe klar herausgehört, dass beide Seiten der Anwendung, Marktplatz und Business-Software, benötigt werden, also lag auf der Hand, die Aspekte in einer Plattform zusammenzuführen.

Welche organisatorischen Herausforderungen beschäftigen selbstständige Tierdienstleister besonders, und wie setzt PetPlanner dort an?

Es ergaben sich vor allem zwei Kernprobleme im Status-quo für Dienstleister:

Zum einen verbringen Tierdienstleister viel Zeit damit, Termine zu organisieren und sich dahingehend mit Kunden abzustimmen. Vor allem bei mobil arbeitenden Anbietern kann dies sehr komplex und zeitaufwendig sein, da nicht nur Verfügbarkeit, sondern auch Fahrtzeiten mitberücksichtigt werden müssen.

PetPlanner startet bei der Terminierung immer beim Kunden. Wir kennen Arbeitszeiten, Arbeitsort und Mobilitätsradius der Dienstleister und unterbreiten dem Kunden auf dieser Basis Terminvorschläge, die für den Kalender des Anbieters optimiert sind. Dienstleister können die Terminanfrage dann annehmen, ablehnen oder direkt Gegenvorschläge senden.

Zum anderen sind Zahlungsausfälle für Solo-Selbstständige ein großes Problem. Es kommt immer wieder vor, dass Kunden entweder kurzfristig absagen oder zum Termin unentschuldigt fehlen. In diesen Fällen haben Anbieter kaum eine Handhabe, trotzdem an ihr Geld zu kommen. Die meisten Dienstleister haben keine Vorabzahlung, sondern arbeiten auf Rechnung oder mit Bargeld. Selbst wenn der Kunde kommt und der Termin stattfindet, ist es meist Vertrauenssache, dass die Forderung rechtzeitig beglichen wird.

Bei PetPlanner wird das Geld bereits bei Buchung des Kunden eingezogen und nach dem Termin durch die Rechnungsstellung mit einem Klick an den Dienstleister freigegeben. Im Falle einer Stornierung greifen automatisch die durch den Dienstleister hinterlegten Stornierungsbedingungen. Damit geht das Risiko von Zahlungsausfällen gegen null.

Tierbesitzer können über die App passende Experten in ihrer Nähe finden und buchen. Welche Kriterien sind für Vertrauen und Qualität besonders wichtig?

Die Qualität der Angebote hat für uns einen besonderen Stellenwert. Dienstleister müssen eine Gewerbeanmeldung hochladen. Außerdem fordern wir für geschützte Berufe Zertifikate oder Genehmigungen. Hundetrainer zum Beispiel benötigen eine Ausbildung und eine Genehmigung vom Veterinäramt, um ihren Beruf ausüben zu dürfen. Ein solcher Nachweis muss bei uns hochgeladen werden und wird durch uns geprüft, bevor es dem Anbieter möglich ist, in diesem Bereich Services anzulegen.

PetPlanner begleitet Dienstleister von der Kundenakquise bis zur Abrechnung. Was unterscheidet Ihre Lösung von klassischen Buchungs- und Verwaltungstools?

Es sind vor allem zwei Aspekte, die uns von anderen Produkten unterscheiden. PetPlanner ist eine Lösung, die die beiden Seiten, Marktplatz und Business-Software vereint. Dadurch können Tierbesitzer Termine direkt online buchen und müssen nicht, wie bei bestehenden Verzeichnissen, alle Schritte ab der Kontaktaufnahme mit dem Anbieter manuell durchführen. Außerdem ist die Plattform für Dienstleister eine Komplettlösung, gerade der Zahlungsaspekt unterscheidet uns von anderen Buchungsplattformen. Die allgemeine Ausrichtung für Dienstleistungen verschiedenster Berufe und für alle Haustiere ermöglicht es Anbietern auch, die Anwendung zu nutzen, wenn sie unterschiedliche Berufe ausüben, zum Beispiel Sattlerei und Physiotherapie oder Hundetraining und Maulkorbberatung. Dieser Aspekt ist für viele Anbieter relevant, die bei bestehenden in einzelnen Berufsfeldern verbreiteten Anwendungen aufgrund ihres vielfältigen Angebotes keinen Platz finden.

Ein Marktplatz muss gleichzeitig für Anbieter und Kunden attraktiv sein. Wie meistern Sie diese Herausforderung beim Aufbau von PetPlanner?

Das Cold Start Problem ist unter Startup Gründern bekannt und definitiv eine Herausforderung – auch für uns. Wir setzen in diesem frühen Stadium vor allem auf Kooperationen. Affiliate Partner, Tierschutzorganisationen oder auch Fachverbände sind für uns ein entscheidender Wachstumsmotor. Gleichzeitig sind wir viel auf Messen unterwegs, um persönlich mit unseren Zielgruppen ins Gespräch zu kommen, auch das hat sich als sehr effektiver Vertriebskanal erwiesen.

Und zu guter Letzt setzten wir gerade hier Lokal um Mainz auf Ausprobieren: Von Blumensträußen oder Pralinen zu Valentinstag über klassischer PR-Arbeit bis hin zu einem mobilen Fotostand in der Innenstadt bringen wir unsere Marke in die Köpfe. Und es funktioniert: Gerade hier bei uns ist unser Wachstum am stärksten und zeigt damit das Potential, dass dem Punkt näherkommen, an dem Netzwerk Effekte greifen und sich unser organisches Wachstum hier in der Region verschnellert.

Nur vier Monate nach Veröffentlichung wurde Ihre App zweimal mit Gold bei den German Stevie Awards ausgezeichnet. Was bedeutet diese frühe Anerkennung für Sie?

Vor allem ehrt und das Juryfeedback und die Auszeichnung sehr. Für uns bedeutet es, dass wir das richtige Ziel haben und die Prioritäten bei der Produktentwicklung passend gesetzt haben. Gleichzeitig unterstreicht die Auszeichnung noch einmal, wie entscheidend jetzt unser Wachstum und die Richtige Umsetzung aller Marketingaktivitäten ist, denn eine gute Idee ohne passende Exekution ist nichts wert.

User Experience wurde bei den German Stevie Awards besonders ausgezeichnet. Welche Rolle spielt einfache Bedienbarkeit bei der Entwicklung Ihrer Plattform?

Gerade der Gewinn in der Kategorie „User Experience“ bestätigt uns darin, bei der Entwicklung die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben. Für das UI/UX Design haben wir uns eine professionelle Agentur an Bord geholt, die uns die App von vorne bis hinten auf Basis unserer Prozesse durchkonzipiert hat. Der Qualitätsanspruch von Verbrauchern an Apps ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen und eine intuitive Oberfläche kann den Unterschied zwischen Erfolg und Untergang machen. Gerade im Angesicht unserer umfangreichen Prozesse und der vielen Individualisierungsmöglichkeiten muss die Benutzung der App simpel bleiben, sonst werden Nutzer frustriert und springen ab.

Dass die German Stevie® Awards diesen Aspekt und unsere Umsetzung gewürdigt haben, ist sehr motivierend.

PetPlanner wurde 2025 in Mainz gegründet. Welche nächsten Wachstums- und Entwicklungsschritte haben Sie für das Unternehmen geplant?

Für dieses Jahr stehen klar Marktangang und Produktverbesserung mit Kundenfeedback auf dem Programm. Im kommenden Jahr wollen wir den Break-Even-Point erreichen und uns in Deutschland als führende Plattform etabliert haben. Auch der Zugang für Österreich und Schweiz steht 2027 an. Und dann heißt es: Wachsen. Vor allem unser strategisches Partnernetzwerk möchten wir erweitern.

Auch die Plattform selbst wird sich weiterentwickeln. In den kommenden Monaten folgt der App die Webversion und wir werden stetig Kundenfeedback einarbeiten und die Prozesse noch weiter für Individualisierungen und Branchenspezifische Anforderungen erweitern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus eigenen Branchenerfahrungen ein digitales Geschäftsmodell entwickeln möchten?

Als erstes ganz klar: Marketing ist fast alles. Egal wie gut dein Produkt ist, solange deine Zielgruppe dich nicht kennt und nicht einsieht, dass sie ihr Problem tatsächlich hat, bleibt es sehr einsam. Metawerbung und „ein bisschen Social Media“ sind bei weitem nicht die entscheidenden Faktoren. Am Ende geht es immer um Vertrauen und das bekommt man am besten durch das Netzwerk dritter.

Der zweite Ratschlag geht in die Richtung Lean Startup. Ja, wir leben nicht mehr in der .com Blase, man kann nicht mehr alles auf den Markt werfen und sich später um Qualität kümmern, aber gerade als Gründer und Ideengeber steht man sich doch recht gern mit seinem eigenen Anspruch im Weg. Die Liste der „Absolut essenziellen Features“ die wir noch überhaupt nicht gebaut haben ist lang und ehrlich gesagt, hat sich noch niemand beschwert. Also heißt die Devise „weglassen“ und erstmal an den Markt gehen, die Kunden sagen einem schnell, was sie wirklich brauchen und was nicht.

Der dritte Punkt bezieht sich auf die aktuellen KI-Entwicklungen. KI ist ein wahnsinnig mächtiges Tool – wenn man es einzusetzen weiß. Aktuell sehe ich in der App-Szene aber den Trend, dass wahnsinnig viele mit KI zusammengeschusterte Lösungen auf den Markt geworfen werden, deren Internetauftritt und Social Media meistens auch vollständig KI-generiert sind. Sie machen den Anschein, Unternehmertum wäre plötzlich ganz leicht, weil ja die KI alles kann. Das ist aber ein Irrglaube. Ja, KI ist ein enormer Booster in der Softwareentwicklung und kann bei gewissen Marketingaufgaben auch als Hilfsmittel dienen, wer aber das eigene Produkt prozessual und UX-technisch nicht ausgearbeitet und die eigene Marketingstrategie nicht vollumfänglich konzeptioniert und verstanden hat, fliegt schnell auf die Nase. Am Ende hilft KI auch nur dort wirklich weiter, wo der Unternehmer selbst Kompetenzen besitzt.

Bild: v.l.n.r. Marc Dierichsweiler (Gründer), Louisa Reschenberg (Marketing Managerin), Vivien Dierichsweiler (Gründerin und Geschäftsführerin), Alexander Vinnai (Gründer). Bildcredits/Fotograf: Julius Dierichsweiler

Wir bedanken uns bei Vivien Dierichsweiler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

DURVAG: Wie das Startup per Kickstarter die vollmobile Zapfanlage baut

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DURVAG: Zapfanlage startet auf Kickstarter

DURVAG entwickelt eine mobile, akkubetriebene Zapfanlage und setzt für den Weg zur Serienproduktion auf eine Kickstarter-Kampagne.

Können Sie DURVAG kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine vollständig mobile Zapfanlage entstanden ist?

DURVAG ist eigentlich aus einer ganz einfachen Idee entstanden. Wir gehen mit Freunden oft angeln und trinken natürlich auch gerne ein Bier. Aber Flaschenbier draußen richtig kalt zu bekommen, ist ziemlich schwierig, und eine ganze Kiste Bier ist außerdem ordentlich schwer. Wer Fassbier möchte, muss normalerweise Zapfanlage, Generator, Kabel, CO2 und weiteres Zubehör mitschleppen. Deshalb wollten wir ein einziges Gerät entwickeln, das man zu Hause auflädt, zusammen mit einem Fass mitnimmt und mit dem man überall kaltes Bier zapfen kann. Ursprünglich wollten wir die Zapfanlage nur für uns und unsere Freunde bauen. Doch nach und nach wurde das Projekt immer größer, bis wir beschlossen haben, DURVAG in die Welt zu bringen.

Wer steht hinter dem familiengeführten Startup, und wie teilen Sie die Aufgaben bei Entwicklung und Unternehmensaufbau auf?

Robert Jr.
Robert kümmert sich bei DURVAG vor allem um Konstruktion, Marketing und die Kommunikation mit unserer Community. Statt Bier schließt er an DURVAG lieber Limonade an – dafür haben wir zumindest immer jemanden, der fahren kann.

Matyáš
Matyáš ist für die Programmierung verantwortlich und hat DURVAG sozusagen zum Leben erweckt. Ohne ihn würden weder die Steuerung noch die gesamte Logik funktionieren. Er war es auch, der ursprünglich die Idee hatte.

Robert Sr.
Robert Senior kümmert sich im Team um die Produktionsseite. Er organisiert die Fertigung der Kunststoffteile, koordiniert Kooperationen und kümmert sich um die einzelnen Komponenten, die wir für die Markteinführung von DURVAG benötigen.

Kryštof
Kryštof ist unsere rechte Hand. Er ist jederzeit zur Stelle, wenn wir Technik, Material oder neue Ideen für Videos brauchen. Von uns allen ist Kryštof der größte Stammgast – über warmes Bier sollte man mit ihm lieber keine Witze machen.

Roman
Roman ist unser Elektrotechniker. Er ist für sämtliche Schaltungen, die Batterien und die komplette Verkabelung verantwortlich. Ohne ihn hätte der Prototyp keine Chance gehabt, überhaupt zu entstehen.

Rund zwei Jahre haben Sie an DURVAG gearbeitet. Welche technischen Herausforderungen waren bei der Entwicklung besonders anspruchsvoll?

Eine herkömmliche Zapfanlage hat einen großen Nachteil: Sie braucht einen Stromanschluss. Für uns als Angler kam das nicht infrage. Natürlich gibt es auf dem Markt verschiedene Lösungen mit Eis, Kühlung für 5-Liter-Fässer und Ähnlichem. Aber keine davon bietet die Möglichkeiten einer vollwertigen Zapfanlage, an die sich ein klassisches Fass wie in der Gastronomie anschließen lässt. Deshalb haben wir begonnen, DURVAG zu entwickeln.

Kühlung und Druckversorgung sind in einem akkubetriebenen Gerät vereint. Was unterscheidet DURVAG damit von klassischen mobilen Zapflösungen?

Das gesamte Konzept ist natürlich völlig neu. Eine herkömmliche Zapfanlage arbeitet mit Trockenkühlung, die zwar schnell und effizient ist, aber sehr viel Leistung benötigt. Wir mussten dafür sorgen, dass das Bier in der Anlage schnell heruntergekühlt wird und die Kälte gleichzeitig möglichst lange erhalten bleibt. Eine Lösung zu finden, mit der sich das Bier zuverlässig kühlen lässt und das Gerät trotzdem den ganzen Tag betrieben werden kann, war wahrscheinlich die größte Herausforderung.

Für welche Zielgruppen haben Sie DURVAG entwickelt, und in welchen Situationen sehen Sie den größten Nutzen?

DURVAG ist für alle Bierliebhaber gedacht, die frisch gezapftes Bier überall draußen genießen möchten – zum Beispiel beim Camping, Angeln oder auf einer Gartenparty. Man muss sich weder um Kabel noch um einen Stromanschluss oder andere Dinge kümmern. Die Zapfanlage überwacht Temperatur und Druck selbstständig und zeigt außerdem an, wie viel Bier noch im Fass ist.

Das stärkste Interesse kommt bislang aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern. Wie erklären Sie sich diese Resonanz?

Das hat uns selbst ziemlich überrascht. Allerdings ist die Camping- und Outdoor-Kultur in den deutschsprachigen Ländern stärker ausgeprägt als in Tschechien. Daher ist es gut möglich, dass die Idee einer Zapfanlage, die man überallhin mit in die Natur nehmen kann, in der deutschsprachigen Community noch etwas stärker ankommt.

Am 1. September startet Ihre Kickstarter-Kampagne. Warum haben Sie sich für Crowdfunding entschieden, um den Produktionsstart zu finanzieren?

Im Laufe der Entwicklung haben wir festgestellt, dass es alles andere als günstig ist, ein so großes technisches Gerät bis zur Serienreife zu bringen. Allein die erforderlichen Zertifizierungen kosten mehrere zehntausend Euro. Deshalb hoffen wir, über Kickstarter möglichst viel Unterstützung zu erhalten, damit DURVAG in der bestmöglichen Form realisiert werden kann.

Kickstarter hat DURVAG bereits vor dem Kampagnenstart als „Project We Love“ ausgewählt. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?

Das ist für uns natürlich eine große Ehre. Nur ein sehr kleiner Teil der Projekte auf Kickstarter erhält die Auszeichnung „Project We Love“. Wenn ein Projekt diese Auszeichnung sogar schon vor dem Start der Kampagne bekommt, ist das ein umso schöneres Gefühl. Es zeigt, dass DURVAG auch dem Kickstarter-Team so gut gefällt, dass es das Projekt prominent präsentieren möchte. Für uns ist das außerdem ein erstes starkes Zeichen dafür, dass Interesse an DURVAG besteht.

Für die finale Entwicklungsphase arbeiten Sie mit der Westböhmischen Universität in Pilsen zusammen. Welche Aufgaben stehen dabei im Mittelpunkt?

Die Westböhmische Universität wird im Grunde den gesamten professionellen Teil der Weiterentwicklung und die Vorbereitung des Geräts für die Produktion übernehmen. Dazu gehören unter anderem die Optimierung der Kühlleistung, Messungen und Belastungstests. Wir haben zwar zwei Jahre an DURVAG gearbeitet, allerdings eher unter „Garagenbedingungen“. Die Westböhmische Universität verfügt für die Entwicklung über deutlich bessere Ausstattung und umfassendes Know-how. Deshalb möchten wir diese Phase nun in ihre Hände geben.

Sie möchten die technische Weiterentwicklung langfristig in Tschechien halten. Warum ist Ihnen dieser Standort für DURVAG wichtig?

Wir sind ein tschechisches Team und lieben tschechisches Bier. Auch wenn DURVAG gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf großes Interesse stößt, möchten wir, dass das Produkt bei uns zu Hause in Tschechien entsteht.

Welche nächsten Schritte stehen nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne auf dem Weg zur Produktion an?

Im ersten Schritt übergeben wir sämtliche bisherigen Entwicklungsunterlagen an die Westböhmische Universität. Dort wird das gesamte System weiter optimiert und zur Produktionsreife gebracht. Auf dieser Grundlage können wir anschließend die Fertigung der Spritzgussformen, Leiterplatten, Batterien und weiterer benötigter Komponenten in Auftrag geben. Der Weg wird sicher nicht einfach, aber darauf sind wir vorbereitet.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Hardwareprodukt von der ersten Idee bis zur Marktreife entwickeln möchten?

  • Das Wichtigste, was wir während der Entwicklung gelernt haben, ist: Man sollte sich nicht scheuen, nach dem zu fragen, was man braucht. In den zwei Jahren sind wir auf Dutzende Probleme gestoßen, die wir entweder mühsam selbst hätten lösen können – oder indem wir einfach jemanden um Hilfe gebeten haben.
  • Rechnet alles gründlich durch. Wir selbst waren sehr überrascht, wie teuer es ist, überhaupt ein Produkt bis zur Produktion zu bringen.
  • Dokumentiert alles. Wenn ihr auf Kickstarter oder eine ähnliche Plattform wollt, werdet ihr im Nachhinein für jedes Foto und jedes Video dankbar sein, das während der Entwicklung entstanden ist. Je mehr Material, desto besser. Und zumindest bleiben euch schöne Erinnerungen.

Fotocredits: © DURVAG, LLC

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Female Longevity: epigenics rückt das Altern von Frauen in den Fokus

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Muskelgesundheit: epigenics setzt auf Creatin

Female Longevity: Warum Frauen anders altern

Das Berliner Health-Unternehmen epigenics rückt die besonderen biologischen Voraussetzungen von Frauen beim gesunden Altern in den Fokus und bringt mit Creatin Power ein neues Produkt für Muskelgesundheit und Leistungsfähigkeit auf den Markt.

Frauen und Männer altern nicht unter den gleichen biologischen Voraussetzungen. Dennoch werden Empfehlungen für ein langes und gesundes Leben häufig geschlechtsneutral formuliert. Dabei verändern sich Hormone, Stoffwechsel, Körperzusammensetzung und Muskelmasse über die Lebensspanne unterschiedlich. Gerade für Frauen gewinnt die Muskelgesundheit mit zunehmendem Alter an Bedeutung: Rund um die Menopause können Muskelmasse und Kraft verstärkt abnehmen. Wer frühzeitig gegensteuert, schafft damit eine wichtige Grundlage für langfristige Mobilität, körperliche Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit.

„Longevity wird häufig sehr allgemein diskutiert. Dabei beginnt Healthy Aging nicht erst im hohen Alter“, sagt Dr. Maria von der Wettern, Co-Founderin und Geschäftsführerin von epigenics. „Wir sollten früher darüber sprechen, welche Rolle Bewegung, Muskelgesundheit, Ernährung, Schlaf und Stress für Frauen spielen und dabei die jeweilige Lebensphase stärker berücksichtigen.“

Creatin: vom Fitnessstudio zum Healthy Aging

Mit Creatin Power bringt epigenics einen klassischen Wirkstoff aus der Sporternährung in einen breiteren Healthy-Aging-Kontext. Eine Tagesportion kombiniert 3 Gramm Creatin-Monohydrat mit 8 Gramm pflanzlichem Erbsenprotein sowie Magnesium, Citicolin und den Vitaminen B6, D3 und C. Das vegane Pulver wird in Wasser aufgelöst und ist mit Grapefruit, Ingwer und Rosmarin aromatisiert.

Creatin ist vor allem aus dem Kraftsport bekannt und spielt eine wichtige Rolle bei der Energiebereitstellung in den Muskelzellen. Frauen haben im Durchschnitt geringere körpereigene Creatinspeicher als Männer – ein Unterschied, der Creatin für die Forschung zur weiblichen Muskelgesundheit besonders relevant macht.

Muskelgesundheit wird häufig erst dann zum Thema, wenn bereits Muskelmasse verloren gegangen ist“, sagt von der Wettern. „Dabei entscheidet Kraft ganz wesentlich darüber, wie mobil und selbstbestimmt wir im Alter bleiben. Wir sollten deshalb deutlich früher anfangen, Muskelgesundheit als Teil der Vorsorge zu verstehen.“

Wissenschaft als Grundlage der Produktentwicklung

Das 2022 in Berlin gegründete Unternehmen entwickelt seine Produkte auf Grundlage aktueller Erkenntnisse aus der Longevity-, Präventions- und Ernährungsforschung. Mit research.epigenics.eu hat epigenics eine eigene KI-gestützte Forschungsplattform entwickelt, die inzwischen mehr als 211.000 wissenschaftliche Studien zu Longevity, Nährstoffen und Lebensstil erfasst. Eine automatisierte Pipeline durchsucht laufend neu veröffentlichte Forschung und ordnet die Ergebnisse nach Evidenzstufen, von Zellstudien über klinische Untersuchungen bis hin zu Meta-Analysen: „Die Herausforderung ist heute weniger, wissenschaftliche Informationen zu finden. Entscheidend ist, ihre Qualität einzuordnen, Widersprüche sichtbar zu machen und daraus abzuleiten, was wir tatsächlich wissen und was noch nicht“, sagt von der Wettern.

Mehr als 500 wissenschaftliche Publikationen wurden bislang für die Entwicklung und Bewertung der epigenics-Formulierungen berücksichtigt. Die Produkte werden in Deutschland entwickelt, in der EU hergestellt und chargenweise von unabhängigen Laboren in Deutschland auf Reinheit und den deklarierten Wirkstoffgehalt geprüft. Mit Creatin Power erweitert epigenics seinen Ansatz für Female Longevity um einen konkreten Fokus auf Muskelgesundheit und Leistungsfähigkeit und übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in eine alltagstaugliche Gesundheitsroutine.

Bildcredits epigenics

Quelle Christine Veauthier, PR & Kommunikation

INLEAP Photonics sammelt 20 Mio. € für die laserbasierte Drohnenabwehr ein

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INLEAP Photonics: Drohnenabwehr erhält Finanzierung C-Level Team INLEAP Photonics 01 - Copyright Cyber Innovation Hub der Bundeswehr
  • UVC Partners führt die Seed-Finanzierungsrunde an
  • Mittel fließen aufgrund der hohen Nachfrage in den Aufbau der Serienfertigung sowie in die internationale Expansion
  • Finanzierung stärkt Position als europäischer Anbieter für laserbasierte Drohnenabwehr

Das deutsche Deep-Tech-Unternehmen INLEAP Photonics hat unter Führung von UVC Partners eine Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen und damit insgesamt rund 20 Millionen Euro für die laserbasierte Drohnenabwehr gesichert. Weitere Investoren aus Deutschland und Europa sind unter anderem HTGF (DE), Balnord (PL), Sentris (EE) und Scale Capital (DK).

Die Finanzierungsrunde fällt in eine Zeit wachsender Dringlichkeit: Jüngste Vorfälle, darunter der Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle, verdeutlichen, wie real und unmittelbar die Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge für kritische Infrastruktur geworden ist. Der Bedarf an effektiven, sicheren und souveränen Abwehrsystemen ist so hoch wie nie.

INLEAP Photonics bedient diesen Bedarf mit effizienten und sicheren Lösungen zur laserbasierten Drohnenabwehr und arbeitet bereits mit Kunden wie dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr zusammen. Auch die kürzlich geschlossene strategische Partnerschaft mit STARK Defence unterstreicht die wachsende Nachfrage nach souveränen, einsatzerprobten C-UAS-Lösungen (Counter-Unmanned Aircraft Systems) aus Deutschland.

Mit dem neuen Kapital erweitert INLEAP Photonics aufgrund der hohen Nachfrage seine Fertigungs- und Testkapazitäten und baut die Belegschaft weiter aus.

„Unsere Technologie ist im Markt angekommen und verzeichnet einen starken Auftragseingang. Jetzt investieren wir in Fertigung, Qualitätssicherung, Sales und Service, damit wir die Nachfrage bedienen und unsere Systeme in größeren Stückzahlen liefern können“, sagt Dr.-Ing. Marius Lammers, CEO und Gründer von INLEAP Photonics. „Wir werden INLEAP Photonics als zentralen europäischen Anbieter für Laser-Effektoren etablieren.“

UVC Partners führt die Seed-Finanzierungsrunde an

Lead-Investor der neuen Finanzierungsrunde ist UVC Partners. Ergänzt wird der Investorenkreis durch neue Kapitalgeber wie Balnord, Scale Capital und Sentris, die zusätzliche Erfahrung und Kontakte für den Ausbau in Europa einbringen.

„Drohnenabwehr ist längst kein rein militärisches Thema mehr. Flughäfen, Energieanlagen und Rechenzentren brauchen denselben Schutz wie Verteidigungseinrichtungen. INLEAP Photonics ist das einzige Team, dessen Technologie beiden Welten gerecht wird: augensicher im zivilen Umfeld und robust genug für den Einsatz in Konfliktzonen. Genau diese Dual-Use-Fähigkeit ist für uns der entscheidende Hebel für Skalierung“, sagt Amanda Birkenholz, Partnerin bei UVC Partners.

Finanzierung fließt in Serienfertigung, Entwicklung und Marktausbau

Mit den Mitteln aus der Seed-Runde treibt INLEAP Photonics die Skalierung seiner Technologie für Anwendungen im Verteidigungs- und Infrastrukturschutz voran. „Der Schritt in die Serienfertigung erfordert mehr als nur zusätzliche Kapazitäten. Jede Einheit muss unter denselben Bedingungen gefertigt, geprüft und abgenommen werden können. Deshalb investieren wir in standardisierte Montage- und Testprozesse, eine konsequente Qualitätssicherung und verlässliche Lieferketten“, sagt Dr.-Ing. Felix Wellmann, CTO und Gründer von INLEAP Photonics.

Konkret fließt das Kapital in folgende Bereiche:

  • Skalierung der Serienproduktion: Aufbau und Standardisierung von Fertigungs- und Prüfprozessen für INLEAP® FASTLIGHT® HELD und INLEAP® FASTLIGHT® SHIELD®
  • Forschung und Entwicklung: Weiterentwicklung der Kerntechnologie – insbesondere der augensicheren Wirkweise, die den Einsatz von INLEAP® FASTLIGHT® SHIELD® auch in urbanen und sicherheitssensiblen Umgebungen ermöglicht und das System von allen anderen Lösungen am Markt unterscheidet.
  • Vertrieb und Service: Ausbau von Vertrieb, Kundenbetreuung und Marktpräsenz in Deutschland und Europa. Geplant sind weitere Standorte in Deutschland und im europäischen Ausland, um die Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggebern und sicherheitsrelevanten Organisationen wie der Bundeswehr zu intensivieren und potenzielle Kunden schneller zu erreichen.
  • Qualitätssicherung und Zertifizierungen: Entwicklung und Umsetzung der erforderlichen Prozesse, Nachweise und Zertifizierungen für den zuverlässigen Einsatz in industriellen und sicherheitsrelevanten Bereichen.

Lasersystemtechnik für verschiedene Einsatzszenarien

INLEAP Photonics entwickelt und vertreibt hochpräzise und ultraschnelle Laserstrahllenksysteme. INLEAP® FASTLIGHT® SHIELD® wurde für die kontrollierte und augensichere Drohnenabwehr entwickelt. Der Laser-Effektor neutralisiert Drohnen innerhalb von Sekundenbruchteilen gezielt an identifizierten Schwachstellen. Das System ist für militärische Anwendungen sowie für zivile und KRITIS-Einsatzumgebungen vorgesehen.

INLEAP® FASTLIGHT® HELD (High Energy Laser Drone) ist ein System zur laserbasierten Drohnenabwehr auf einer unbemannten Bodenplattform und erweitert die Einsatzmöglichkeiten für mobile C-UAS-Szenarien. Es basiert auf derselben technologischen Grundlage und kombiniert den Laser-Effektor mit einer kompakten, geländegängigen UGV-Plattform (Unmanned Ground Vehicle) sowie einer C-UAS-Softwareplattform.

Mit der Seed-Finanzierung baut INLEAP Photonics beide Produktlinien weiter aus.

Bild C-Level Team INLEAP Photonics 01 – Copyright Cyber Innovation Hub der Bundeswehr

Quelle PIABO PR GmbH

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