Montag, Mai 4, 2026
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Wie gelingt es, die Energiewende schneller in die Praxis zu bringen?

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Energiewende StartUps Erneuerbare Energien Innovation dehub Lübeck

Energiewende, StartUps und Erneuerbare Energien stehen im Fokus des dehub Lübeck und treiben die Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme aktiv voran.

Wie positioniert sich der de:hub Lübeck – Renewable Energy innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle spielt der Hub für die Energiewende in Schleswig-Holstein?

Als einziger de:hub Schleswig-Holsteins und zugleich als einziger Hub im deutschen de:hub Netzwerk mit dem Themenschwerpunkt Erneuerbare Energien nimmt der de:hub Lübeck – Renewable Energy eine besondere Rolle ein. Mit dem StartUp-Accelerator GATEWAY49, getragen vom Technikzentrum Lübeck (TZL), bietet der Hub ein zentrales Programm für junge Unternehmen, die innovative Lösungen für die Energiewende entwickeln.
Gleichzeitig verfolgt der Hub einen kooperativen, landesweiten Ansatz: Durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand in ganz Schleswig-Holstein entsteht ein starkes Innovationsökosystem für Energietechnologien. Im engen Austausch mit benachbarten de:hubs etwa in Hamburg oder Rostock werden zusätzliche Kompetenzen gebündelt und Netzwerke erweitert.

Der Hub adressiert die Energiewende im Sinne eines Umsetzungs- und Beschleunigungsprogramms: Der GATEWAY49-Accelerator bringt StartUps, etablierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Investoren zusammen, um Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Energiewende voranzubringen. Dazu gehören unter anderem Lösungen in den Bereichen Windenergie, intelligente Netze, E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Wasserstofftechnologien, Solarenergie sowie datengetriebene Energiesysteme. Seit 2025 ergänzt daher ein Excellence Track das GATEWAY49-Programm. Dieser richtet sich an bis zu fünf fortgeschrittene nationale und internationale StartUps im Bereich erneuerbare Energien und unterstützt sie gezielt bei Skalierung, Pilotprojektentwicklung und Finanzierung, um besonders vielversprechende Technologien schneller in den Markt zu bringen.

Aufgrund seiner geografischen Nähe zu Dänemark sowie zum Ostseeraum verfügt das TZL außerdem über hervorragende Voraussetzungen für internationale Kooperationen. Zahlreiche Internationalisierungsprojekte am Technikzentrum Lübeck mit der Baltic Sea Region ermöglichen es StartUps im GATEWAY49-Programm, ihre Geschäftsmodelle frühzeitig über Schleswig-Holstein hinaus zu skalieren und Märkte im baltischen Raum zu erschließen.

Schleswig-Holstein gilt als Spitzenregion für Erneuerbare Energien. Welche Standortvorteile machen die Region besonders attraktiv für innovative Energie-Startups und Unternehmen?

Schleswig-Holstein bietet für innovative Energie-Startups außergewöhnlich starke Standortvorteile. Das Land deckt bilanziell schon heute nahezu 200 Prozent seines eigenen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien und ist damit bundesweit Spitzenreiter. Der größte Anteil entfällt dabei mit rund zwei Dritteln und rund 8,7 Gigawatt installierte Leistung auf die Windenergie sowohl an Land als auch auf See. Gleichzeitig treibt das Land den Ausbau weiterer regenerativer Quellen konsequent voran, insbesondere von Photovoltaik sowie der Biomassenutzung im ländlichen Raum.

Diese hohe EE-Durchdringung macht das Land zu einem realen Testfeld für die zentralen Fragen der Energiewende von Netzengpässen über Flexibilitätsoptionen bis hin zu Speicher- und Wasserstofflösungen. Gleichzeitig entsteht durch diese Überproduktion ein enormer Innovationsdruck: Strom muss intelligent verteilt, gespeichert oder in andere Energieträger, etwa Wasserstoff umgewandelt werden. Genau hier finden Startups konkrete Anwendungsfälle und Pilotpartner. Hinzu kommt ein eng verzahntes Ökosystem aus Stadtwerken, Netzbetreibern, Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Wege zwischen Idee, Pilotprojekt und Markteinführung sind vergleichsweise kurz. Schleswig-Holstein ist damit nicht nur ein bedeutender Erzeugungsstandort für grüne Energie, sondern ein Praxislabor für das Energiesystem der Zukunft.

Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub Lübeck – Renewable Energy? Warum sind diese Themen entscheidend für den nachhaltigen Umbau des Energiesystems?

Im Fokus des de:hub Renewable Energy stehen technologische Lösungen in den Bereichen Windenergie, intelligente Netze, Energiespeichersysteme, E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Smart Grids, Wasserstofftechnologien, Solarenergie, flexibles Last- und Energiemanagement sowie datengetriebene Energiesysteme. Ein anschauliches Beispiel ist das Verbundprojekt „AI Power Match“, das aus den drei GATEWAY49 Alumni Teams EnergieDock, NAECO Blue und IO-Dynamics zusammen mit den Stadtwerken Lübeck hervorgegangen ist. Die daraus entstehenden Business Cases sorgen nicht nur für eine umweltfreundlichere und sichere Energieversorgung, sondern schaffen auch finanziellen Mehrwert für alle Stakeholder, vom Energieversorger über den Netzbetreiber bis hin zum Endkunden.

Die beteiligten Startups vereinen Innovations- und Digitalisierungskompetenz und sind über GATEWAY49 zusammengekommen: EnergieDock bietet mit ihrer Handelsplattform NEMO.spot eine innovative Lösung zur Aggregation von Flexibilität, IO-Dynamics bietet mit IO-ELON einen effizienten Zugriff auf die Steuerung von Flottenladungen und NAECO Blue schafft mit künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten der Vorhersagen und Prognosen für das Stromnetz der Zukunft. Zusammen mit den Stadtwerken Lübeck können so neuartige Geschäftsprozess untersucht und etabliert werden.

Wie unterstützt der Hub Startups bei der Entwicklung, Erprobung und Skalierung von Lösungen im Bereich erneuerbare Energien?

Seit 2025 gibt es begleitend zum GATEWAY49-Programm einen Excellence Track für bis zu fünf fortgeschrittene nationale wie internationale StartUps aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, der sie gezielt bei der Skalierung, Pilotprojektierung und Finanzierung unterstützt. Im Rahmen der de:hub Initiative bekommen diese StartUps Zugang zum bundesweiten Netzwerk, zu Investoren und Risikokapital und auch zu (internationalen) Networking-Events und Messen. Unsere letztjährigen Teams elementarhy (Wasserstoff), CCS42 (Dekarbonisierung), ADC (Windkraft) und SDK (digitale Plattform) konnten im Rahmen des Excellence Track Programms an wichtigen Pitch-Events teilnehmen und ihre Geschäftsmodelle durch gezieltes 1:1-Coaching weiter schärfen und entwickeln.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit etablierten Energieunternehmen, Netzbetreibern und Industriepartnern im Hub-Ökosystem?

Wir bieten unseren Teams Zugang zu unserem Partnernetzwerk, das aus unterstützenden Unternehmen, aber auch Verbänden, Vereinen und Clusterorganisationen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien bestehen. Die enge Kooperation mit Energieunternehmen, Netzbetreibern und Industriepartnern ist ein zentraler Baustein des Hub-Ansatzes. Denn innovative Energielösungen lassen sich nur dann realistisch bewerten und weiterentwickeln, wenn sie unter echten Markt- und Netzbedingungen erprobt werden. Genau hier setzt GATEWAY49 an: Der Hub vermittelt Startups gezielt den Zugang zu Industriepartnern und Pilotkunden und verweist auf bereits laufende Pilotkooperationen etwa mit Stadtwerken. Im Bereich Erneuerbare Energien sind dies unter anderem ARGE NETZ, die Stadtwerke Lübeck, die Stadtwerke Neumünster sowie Clusterorganisationen wie EE.SH, EE.HH oder EKSH. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch weitere regionale Innovationsakteure, die gemeinsam daran arbeiten, neue Lösungen schneller in die praktische Anwendung zu bringen.

Wie werden Forschungseinrichtungen und Hochschulen in die Arbeit des de:hub Lübeck eingebunden? Wie gelingt der Transfer von Forschung in marktfähige Energielösungen?

Wir arbeiten eng mit Hochschulen in Schleswig-Holstein zusammen, unter anderem mit Einrichtungen in Lübeck, Flensburg, Heide und Wedel. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse und technologische Entwicklungen frühzeitig mit unternehmerischem Denken zu verbinden. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Kooperation mit Initiativen wie dem Gründungskontor und dem GründerCube der Lübecker Hochschulen. Dort werden gründungsinteressierte Studierende und Forschende bereits auf dem Campus an das Thema Entrepreneurship herangeführt. In kompakten Seminarprogrammen erwerben sie grundlegende Kenntnisse zur Unternehmensgründung. Die Gewinner des Gründungskontors erhalten eine Wildcard, um vor der GATEWAY49 Jury zu pitchen und sich für eine Aufnahme ins Programm zu bewerben.

Welche Bedeutung haben Digitalisierung, Datenanalyse und KI für die Optimierung von Energieerzeugung, Netzen und Speichern im Hub-Kontext?

Digitalisierung ist im Kontext von GATEWAY49 und dem de:hub Renewable Energy kein ergänzendes Element, sondern grundlegendes Prinzip. Daten- und softwarebasierte Lösungen bilden die Basis für präzise Prognosen, eine effiziente Betriebsführung, die intelligente Steuerung von Flexibilitäten sowie die Optimierung von Netzen. So entwickelt beispielsweise ein GATEWAY49 Alumni-Team KI-basierte Einspeiseprognosen für erneuerbare Energien NAECO Blue und schafft damit die Voraussetzung für mehr Planungssicherheit im Netzbetrieb. Im Excellence Track Renewable Energy arbeiten Teams an Lösungen zur systemübergreifenden Datenintegration, um Energiesysteme automatisiert zu steuern, sowie an spezialisierten Datenplattformen für Energieversorgungsunternehmen und Verteilnetzbetreiber.

Wie fördert der de:hub Lübeck Investitionen und Partnerschaften, um Innovationen im Bereich Renewable Energy schneller in die Umsetzung zu bringen?

Der de:hub Lübeck – Renewable Energy versteht sich vor allem als Vernetzer und Türöffner zwischen StartUps, Industrie, Investoren und relevanten Organisationen. Ein zentraler Ansatz ist dabei, junge Unternehmen mit etablierten Energieunternehmen, Netzbetreibern, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Akteuren in Kontakt zu bringen. Über Formate wie Pitch-Events, Netzwerkveranstaltungen und gezielte Matchmaking-Termine schaffen wir Gelegenheiten, bei denen StartUps ihre Technologien präsentieren und potenzielle Partner oder Investoren gewinnen können. Insbesondere die GATEWAY49 Cluster Days zu führenden Branchenthemen Schleswig-Holsteins wie der Clusterday Erneuerbare Energien fördern den Austausch und schaffen so gezielt neue Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – für Startups, Unternehmen und den Fortschritt der Energiewende in der Region?

Wir erheben jährlich Kennzahlen, anhand derer wir den Erfolg messen. Beispielsweise, wie viele neue Mitarbeiter:innen unsere StartUps an Bord geholt haben, in welcher Höhe sie Funding eingeworben haben oder wie viele neue Kooperationen sie mit unserem Partnernetzwerk eingegangen sind.

Welche Ziele verfolgt der de:hub Lübeck – Renewable Energy in den kommenden Jahren, um den technologischen Fortschritt im Bereich nachhaltiger Energie weiter zu beschleunigen?

In den kommenden Jahren möchten wir vor allem unsere Rolle als Vernetzer und Beschleunigungsprogrammn für Innovationen im Bereich erneuerbare Energien weiter stärken. Durch aktives Vernetzen der Akteure landes- wie bundesweit möchten wir in den kommenden Jahren noch mehr Pilotprojektierungen zwischen StartUps und etablierten Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien initiieren und realisieren, damit innovative Technologien schneller den Weg aus der Entwicklung in die praktische Anwendung finden. Außerdem möchten wir durch einen Ausbau unseres Venture-Clienting-Programms das Angebot für Supporter zielgerichtet erweitern. Für unsere Supporter und Industriepartner bedeutet das einen direkten Zugang zu neuen Technologien etwa durch StartUp Scouting und Matchmaking-Formate, während StartUps wertvolle Praxiserfahrungen und Referenzprojekte gewinnen können. Unser langfristiges Ziel ist es, Schleswig-Holstein als starken Innovationsstandort für nachhaltige Energietechnologien zu positionieren.

Bildrechte: de:hub Lübeck

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Stefan Kotynek treibt ZERO+ Ausbau bei NEOH im B2B voran

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NEOH, ZERO+ und B2B wachsen weiter Stefan Kotynek Fotograf Thomas Hofmann Primavesi

Strategischer Ausbau von ZERO+ bei NEOH im B2B Bereich: Stefan Kotynek übernimmt Business Development und Vertrieb

Wien, 16.04.2026 – NEOH baut seine B2B-Aktivitäten gezielt aus und stellt die Weichen für weiteres Wachstum: Mit ZERO+ entsteht ein neu strukturierter Geschäftsbereich, der künftig eine zentrale Rolle in der Skalierung des Unternehmens einnimmt. Die Verantwortung für den Aufbau und die strategische Weiterentwicklung übernimmt ab sofort Branchenexperte Stefan Kotynek als Senior Vice President B2B.

NEOH stärkt B2B-Fokus mit ZERO+

Mit der Neuausrichtung von ZERO+ reagiert NEOH auf eine aktuell stark steigende Nachfrage im B2B-Segment. Ziel ist es nun, die vorhandene Marktdynamik in nachhaltiges Wachstum zu überführen und die entsprechenden Strukturen konsequent auszubauen.

„Die Innovationskraft ist nichts wert, wenn sie nicht den Weg nach außen findet. Genau hier setzen wir jetzt an – mit klarem Fokus auf Umsetzung und Skalierung“, heißt es aus dem Unternehmen.

Kotynek bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelindustrie sowie im internationalen Vertrieb mit. In verschiedenen leitenden Funktionen war er maßgeblich am Aufbau und der Skalierung von Vertriebsstrukturen beteiligt und verantwortete den Ausbau zentraler Kundenbeziehungen. Seine umfassende Expertise in der Backzutaten- und Aromenindustrie ergänzt das Kompetenzprofil von NEOH ideal.

Stefan Kotynek übernimmt strategische Leitung

In seiner neuen Rolle wird er insbesondere den Ausbau des B2B-Geschäfts, die Erschließung neuer Märkte sowie die Entwicklung strategischer Partnerschaften vorantreiben. Der neu geschaffene Bereich ZERO+ wird dabei als eigenständige Plattform für Wachstum und Kooperationen positioniert.

„NEOH steht für innovative Ansätze in einem dynamischen Marktumfeld. Besonders spannend ist für mich die Möglichkeit, den neu strukturierten ZERO+-Bereich aktiv mitzugestalten und die steigende Nachfrage in skalierbare Geschäftsmodelle zu übersetzen. Ich freue mich darauf, meine Erfahrung einzubringen und das Wachstum im B2B-Bereich nachhaltig voranzutreiben“, so Stefan Kotynek.

Mit seiner Branchenkenntnis, seinem internationalen Netzwerk und seiner Erfahrung im Aufbau skalierbarer B2B-Modelle wird Kotynek eine zentrale Rolle in der weiteren Umsetzung der Wachstumsstrategie von NEOH spielen.

Wachstumskurs mit klarer Marktstrategie

„Wir haben den innovativsten Zuckerersatz – jetzt geht es darum, diesen Vorsprung konsequent in den Markt zu bringen. Die Nachfrage ist da, und wir bauen nun die Strukturen, um sie voll auszuschöpfen. Wir sind mega happy, mit Stefan den Top-Mann im deutschsprachigen Raum dafür gewonnen zu haben“, freut sich CEO und NEOH-Gründer Manuel Zeller über den Neuzugang.

Bild Fotograf: Thomas Hofmann-Primavesi

Quelle NEOH by Alpha Republic GmbH

Das perfekte Team: Warum Lebensphasen wichtiger sind als Alter

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Lebensphasen, Teams und Mitarbeitende im Wandel Ortrud Tornow

Generationen im Unternehmen neu denken

Unternehmen sprechen heute viel über Generationen: Babyboomer, Generation X, Y oder Z. In vielen Diskussionen geht es darum, wie unterschiedlich diese Gruppen angeblich arbeiten, führen oder entscheiden. Doch diese Kategorien greifen häufig zu kurz.

Denn nicht das Geburtsjahr entscheidet darüber, wie Menschen arbeiten, Verantwortung übernehmen oder Konflikte lösen – sondern ihre aktuelle Lebensphase und Reife. In Organisationen zeigt sich immer wieder: Teams werden meist nach Funktionen und Kompetenzen zusammengestellt. Die Dynamik eines Teams entsteht jedoch häufig erst dann, wenn Menschen unterschiedlicher Generationen konstruktiv und bewusst zusammenwirken.

Alter ist eine Zahl, Lebensphasen sind Entwicklung

Generationen beschreiben Jahreszahlen, Alter zunächst nur eine Zahl: wie viele Jahre ein Mensch gelebt hat. Diese Zahl sagt jedoch wenig darüber aus, welche Prioritäten jemand hat, wie er Entscheidungen trifft oder welche Rolle Arbeit im eigenen Leben spielt.

Lebensphasen dagegen zeigen Entwicklung und Potenziale auf. Sie verändern Perspektiven, Bedürfnisse und die Bedeutung, die Menschen Aufgaben und Themen geben. Menschen stellen in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Fragen an ihr Leben – beruflich und privat.

Zwei Beispiele aus der Praxis erfolgreicher Teamarbeit:
Junge Menschen im Team möchten Erfahrungen selbst sammeln, sich ausprobieren und ihre Talente entdecken. Es ist eine Phase, in der ihr Selbstvertrauen wächst.
Menschen mit Mitte 30 sind häufig stärker auf persönliches Wachstum, Zugehörigkeit im Team und gegebenenfalls auf Familienaufbau fokussiert. Beide bringen unterschiedliche Bedürfnisse und Qualitäten ein, die die Teamdynamik prägen.

Vier typische Rollen im Team

In vielen Teams lassen sich – unabhängig vom Alter – vier typische Rollen beobachten, die eng mit Lebensphasen verbunden sind:

Aufbruch
Menschen in frühen beruflichen Phasen bringen Energie, Mut und neue Perspektiven ein. Sie hinterfragen Routinen und treiben Innovationen voran.

Aufbau
In dieser Phase stehen Leistung, Verantwortung und Positionierung im Vordergrund. Entscheidungen werden schneller getroffen und Ziele konsequent verfolgt.

Gestaltung
Mit wachsender Erfahrung entsteht strategischer Überblick. Menschen erkennen Zusammenhänge früher, moderieren Spannungen und stabilisieren Prozesse.

Weitergabe von Erfahrung
In späteren Lebensphasen wächst häufig der Wunsch, Wissen weiterzugeben und Entwicklungen langfristig zu sichern.

Erst das Zusammenspiel dieser Perspektiven macht Teams wirklich leistungsfähig.

Warum junge Mitarbeitende Innovation bringen

Menschen am Anfang ihres Berufslebens stellen häufig Fragen, die in eingespielten Systemen nicht mehr gestellt werden. Sie hinterfragen bestehende Routinen und denken weniger in festen Strukturen. Diese Perspektive ist ein wichtiger Motor für Innovation und Veränderung.

Warum erfahrene Mitarbeitende Stabilität schaffen

Erfahrene Mitarbeitende bringen eine andere Qualität in Teams ein: Gelassenheit, Überblick und Konfliktkompetenz. Konflikte gehören zum Arbeitsalltag jeder Organisation. Entscheidend ist nicht, sie zu vermeiden, sondern handlungsfähig zu bleiben, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.

Konfliktkompetenz entsteht häufig durch Erfahrung und persönliche Reife. Gerade in unsicheren Zeiten können erfahrene Mitarbeitende daher wichtige Stabilitätsanker sein – insbesondere dann, wenn ihre Weiterentwicklung, Empathiefähigkeit und Durchsetzungskraft gezielt gefördert werden.

Wie Unternehmen diese Dynamik nutzen können

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Teams nicht nur nach Funktionen, sondern auch nach Entwicklungsphasen zu gestalten.

Das bedeutet zum Beispiel:
junge Mitarbeitende gezielt in Innovationsprozesse einzubinden
Erfahrungswissen systematisch weiterzugeben
Mentoringstrukturen aufzubauen
unterschiedliche Perspektiven aktiv als Ressource zu nutzen

Wenn Lebensphasen bewusst zusammenspielen, entsteht mehr als Altersvielfalt – es entsteht eine echte Lernkultur.

Warum das Thema jetzt besonders relevant ist

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und schnelle Veränderungsprozesse stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass altersgemischte Teams erfolgreicher sind – vorausgesetzt, ihre unterschiedlichen Perspektiven werden verstanden und gezielt genutzt.

Nicht das Alter entscheidet über die Wirkung eines Teams, sondern das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven, Fähigkeiten und Lebensphasen.

Bildrechte Ortrud Tornow

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

MG4 EV Urban: Elektroauto für den Massenmarkt

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Der MG4 EV Urban bringt günstige Elektromobilität in den Alltag. Was das Modell kann und wo Chancen und Grenzen liegen.

Key Takeaways

  • Der MG4 EV Urban zielt darauf ab, Elektroautos bezahlbar zu machen, indem er unter 25.000 Euro kostet.
  • Das Modell adressiert Alltagsfahrer und Familien und bietet praktische Funktionen sowie Platz im Innenraum.
  • Technisch setzt der MG4 EV Urban auf Effizienz, mit bis zu 416 km Reichweite und einem soliden Ladesystem.
  • Er könnte die Verbreitung von Elektroautos fördern, indem er eine realistische Alternative zum Verbrenner bietet.
  • Risiken bestehen in der Markenwahrnehmung und dem harten Wettbewerb im Markt.

Elektroautos sollen bezahlbar werden – das ist seit Jahren ein Versprechen der Branche. Mit dem MG4 EV Urban versucht MG Motor, genau hier anzusetzen. Das Modell startet bei unter 25.000 Euro und zielt damit auf eine Zielgruppe, die bisher oft außen vor blieb: Alltagsfahrer, Pendler und Familien, die ein funktionales E-Auto ohne Premiumpreis suchen.

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt unter Druck steht. Förderungen laufen aus, die Nachfrage schwankt, und viele Hersteller kämpfen mit zu hohen Einstiegspreisen. Ein günstiger Kompaktwagen könnte hier eine Lücke schließen.

Warum der MG4 EV Urban relevant ist

Der MG4 EV Urban ist kein Prestigeprojekt, sondern ein Volumenmodell. Genau darin liegt seine Bedeutung. Während viele Hersteller weiterhin auf margenstarke SUVs setzen, adressiert MG ein Segment, das für die breite Elektrifizierung entscheidend ist: kompakte, alltagstaugliche Fahrzeuge.

Mit Preisen knapp unter der psychologisch wichtigen 25.000-Euro-Marke positioniert sich das Modell deutlich unter vielen Wettbewerbern. Vergleichbare Elektro-Kompaktwagen liegen oft mehrere tausend Euro darüber. Für Käufer, die bisher gezögert haben, könnte das den Ausschlag geben.

Gleichzeitig zeigt sich ein Trend: Hersteller aus China und mit chinesischem Hintergrund drängen zunehmend in den europäischen Markt – häufig mit aggressiver Preisstrategie und solider Technik.

Der MG4 EV Urban bringt günstige Elektromobilität in den Alltag. Was das Modell kann und wo Chancen und Grenzen liegen.

Technik und Konzept des MG4 EV Urban

Technisch setzt der MG4 EV Urban auf Effizienz statt spektakulärer Leistungsdaten. Zwei Batterievarianten stehen zur Wahl, die Reichweiten von bis zu 416 Kilometern ermöglichen. Für den Alltag reicht das in den meisten Fällen problemlos aus.

Interessant ist die integrierte Bauweise: Mehrere Komponenten des Antriebs sind in einer Einheit zusammengefasst. Das spart Platz und Gewicht. Zusätzlich übernimmt die Batterie strukturelle Aufgaben im Fahrzeug. Diese Bauweise ist in der Branche auf dem Vormarsch, weil sie Effizienz und Fahrverhalten verbessern kann.

Auch beim Laden zeigt sich das Auto praxistauglich. In rund 30 Minuten lässt sich der Akku an Schnellladesäulen von 10 auf 80 Prozent bringen. Das ist kein Spitzenwert, aber solide im Segment.

Im Innenraum setzt MG auf ein aufgeräumtes, digitales Konzept mit zwei Displays und Smartphone-Integration. Gleichzeitig bleiben physische Tasten für zentrale Funktionen erhalten – ein Detail, das viele Nutzer im Alltag schätzen.

Der MG4 EV Urban bringt günstige Elektromobilität in den Alltag. Was das Modell kann und wo Chancen und Grenzen liegen.

Alltag statt Technik-Show

Was den MG4 EV Urban von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist der Fokus auf Nutzwert. Der Innenraum bietet vergleichsweise viel Platz, besonders im Fond. Auch der Kofferraum fällt für diese Klasse großzügig aus.

Hinzu kommen praktische Funktionen wie Vehicle-to-Load. Damit lässt sich die Batterie als Stromquelle für externe Geräte nutzen – etwa beim Camping oder auf Baustellen. Solche Features sind kein Muss, zeigen aber, wie sich Elektroautos funktional erweitern lassen.

Die Fahrleistungen bleiben bewusst im Rahmen. Unter zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h sind ausreichend für den Alltag, aber kein Verkaufsargument. Stattdessen geht es um Effizienz, einfache Bedienung und niedrige Betriebskosten.

Der MG4 EV Urban bringt günstige Elektromobilität in den Alltag. Was das Modell kann und wo Chancen und Grenzen liegen.

Chancen für Markt und Käufer

Der MG4 EV Urban könnte vor allem dort punkten, wo Elektromobilität bisher an der Preisschwelle scheitert. Für viele Haushalte ist er erstmals eine realistische Alternative zum Verbrenner.

Für Unternehmen und Flottenbetreiber ergibt sich ebenfalls Potenzial. Niedrige Anschaffungskosten kombiniert mit kalkulierbaren Betriebskosten machen das Modell interessant für Carsharing, Lieferdienste oder Außendienstflotten.

Auch für den Gesamtmarkt ist das relevant. Wenn günstige Modelle in größerer Stückzahl verfügbar sind, könnte das die Verbreitung von Elektroautos spürbar beschleunigen.

Der MG4 EV Urban bringt günstige Elektromobilität in den Alltag. Was das Modell kann und wo Chancen und Grenzen liegen.

Risiken und offene Fragen rund um den MG4 EV Urban

Trotz der attraktiven Positionierung gibt es auch Unsicherheiten. Der MG4 EV Urban tritt in einem hart umkämpften Segment an. Etablierte Hersteller werden ihre Preise ebenfalls anpassen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Ein weiterer Punkt ist die Markenwahrnehmung. MG ist zwar in Europa präsent, aber für viele Käufer noch keine etablierte Größe im Vergleich zu Volkswagen oder Renault. Vertrauen spielt gerade bei größeren Anschaffungen eine zentrale Rolle.

Hinzu kommen geopolitische Faktoren. Handelskonflikte oder mögliche Importzölle könnten die Preisstrategie langfristig beeinflussen. Für ein Modell, das stark über den Preis argumentiert, wäre das ein Risiko.

Für wen sich das Modell lohnt

Im Alltag dürfte der MG4 EV Urban vor allem für drei Gruppen interessant sein: Pendler mit festen Strecken, Familien mit Zweitwagenbedarf und Stadtbewohner ohne hohe Reichweitenanforderungen.

Wer regelmäßig lange Strecken fährt oder maximale Ladeleistung erwartet, wird sich möglicherweise anders orientieren. Für den typischen urbanen Einsatz deckt das Modell jedoch viele Anforderungen ab.

Auch als Einstieg in die Elektromobilität könnte das Fahrzeug dienen. Wer bisher gezögert hat, findet hier ein vergleichsweise niedriges finanzielles Risiko.

Fazit

Mit dem MG4 EV Urban bringt MG Motor ein Angebot auf den Markt, das weniger durch Innovation als durch konsequente Kostenorientierung auffällt. Genau das könnte der entscheidende Faktor sein.

Das Modell zeigt, wohin sich der Markt entwickeln könnte: weg von teuren Leuchtturmprojekten, hin zu pragmatischen Lösungen für den Alltag. Ob sich dieser Ansatz durchsetzt, hängt nicht nur vom Produkt selbst ab, sondern auch davon, wie schnell Wettbewerber nachziehen.

Klar ist: Ohne bezahlbare Modelle wie den MG4 EV Urban wird Elektromobilität kaum die breite Masse erreichen.

Foto/Quelle: MG Motor Deutschland GmbH

In Sachen Darmgesundheit: Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl

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Darm Frauen Ernährung Unterschiede verstehen Bild Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack Fachärztin für Innere Medizin und Expertin rund um das Thema Darmgesundheit, Mikrobiom und Ernährungsmedizin und Autorin © Ina Zabel

Wer kennt es nicht? Der Bauch ist nach dem Essen gebläht, die Verdauung hat sich im Urlaub quasi verabschiedet und 15 Influencer:innen empfehlen dagegen Chiasamen und Verzicht auf Industriezucker. Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack ist Ärztin für innere Medizin und Gastroenterologie. Sie weiß, dass der weibliche Darm und das weibliche Mikrobiom in vielen Aspekten anders sind als die männlichen. Im Interview mit herCAREER erläutert sie, wann und warum der Verdauungstrakt der Frau besondere Aufmerksamkeit verdient.

„Der Darm ist ein Sensibelchen – und Jetlag, Schichtdienst oder ungewohnte Tagesrhythmen bringen ihn schnell aus dem Takt.“

herCAREER: Ihr Buch heißt “Frauen haben anders Darm”. Was unterscheidet den weiblichen Darm vom männlichen?

Dr. Seiderer-Nack: Eine ganze Menge. Anatomisch und auf den ersten Blick wirken beide erstaunlich ähnlich. Der weibliche Darm ist oft etwas länger und arbeitet langsamer. Das hat evolutionäre Gründe: Der Körper soll möglichst viele Nährstoffe aufnehmen – vor allem in Schwangerschaft und Stillzeit. In Konsequenz haben Frauen öfter Verstopfung oder Völlegefühl. Auch die Verdauungssäfte unterscheiden sich. Frauen produzieren weniger Magensäure als Männer. Das kann sowohl Vorteile als auch Nachteile haben. Ein zentraler Unterschied ist die Funktionsweise des Immunsystems, das zu 70 Prozent im Darm sitzt.

herCAREER: Inwiefern?

Dr. Seiderer-Nack: Frauen sind die besseren Abwehrspieler. Das weibliche Immunsystem schützt effektiver gegen Infektionen als das männliche. Frauen erkranken deshalb aber auch häufiger an Autoimmunkrankheiten und reagieren sensibler auf Allergene oder Infektionen. Nach einem bakteriellen Darminfekt kann diese starke Immunantwort zum Beispiel dazu führen, dass Frauen einen postinfektiösen Reizdarm entwickeln.

herCAREER: Reizdarm – ein Wort, das im Buch ständig fällt. Was steckt dahinter?

Dr. Seiderer-Nack: Ich mag diese Diagnose ehrlich gesagt nicht. Sie ist oft nur ein Sammelbegriff für Beschwerden, bei denen der Darm empfindlich reagiert, wir als Mediziner:innen aber keine klare Ursache finden konnten. Das bedeutet nicht, dass die Symptome nicht ernst zu nehmen sind.

herCAREER: Reizdarm geht mit Verstopfung, Durchfällen, Blähungen und Schmerzen einher. Kommt alles mal vor. Aber wie viel Bauchgrummeln ist “normal” und wann sollte ich meine Symptome medizinisch abklären lassen?

Dr. Seiderer-Nack: Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Reaktionen des Darms sind völlig normal. Rund 90 Prozent der Menschen bekommen Blähungen, wenn sie viele Zwiebeln, Knoblauch oder Kohl essen – das ist nicht krankhaft. Wir haben heute extrem hohe Ansprüche an unseren Darm: täglich Stuhlgang, perfekt geformt, keine Beschwerden, kein Grummeln. Und darüber hinaus das Ideal des „flachen Bauchs“. Viele Patientinnen fragen, ob ihr Mikrobiom gestört ist, weil der Bauch nicht ganz flach ist. Das sind Ansprüche an den Körper, die es so vor 20 oder 30 Jahren nicht gab.

Problematisch wird es, wenn die Beschwerden Alltag oder Beruf beeinträchtigen oder wenn Warnsignale hinzukommen: Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, anhaltende Durchfälle oder starke Verstopfung. Das sollte man ärztlich abklären.

herCAREER: Das Thema berührt. Das spiegelt sich in der enormen Menge an – teils selbsternannten – Ernährungs- und Stoffwechselcoaches auf Social Media mit ihrem Rat für optimalen Stoffwechsel und gegen Blähbauch. Gefährliches Halbwissen oder endlich offene Gespräche über Stuhlgang?

Dr. Seiderer-Nack: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich finde es positiv, dass Ernährung heute mehr Aufmerksamkeit bekommt. Es ist gut, wenn das Thema Verdauung aus der Tabuzone kommt und Menschen beginnen, darüber zu sprechen. Die Medizin hat Aufklärung zu Mikrobiom und Stoffwechsel (neben Magen- und Darmspiegelung) lange vernachlässigt. Aber natürlich kursiert viel Halbwissen – kombiniert mit einem weiblichen Hang zum Perfektionismus. Wir sehen viele gerade jüngere Patientinnen, die große Angst haben, „falsch” zu essen, und einen Zwang entwickeln, sich „richtig“ zu ernähren. Inzwischen ist das ein eigenes Krankheitsbild: Orthorexie. Clean Eating, kein Gluten, keine Fructose, etc. Dabei darf man nicht vergessen: Nicht jede Ernährungsform passt zu jeder Person.

herCAREER: Ich habe als Kind und junge Frau alles gut vertragen. Warum habe ich heute, mit Mitte 40, ständig Beschwerden?

Dr. Seiderer-Nack: Es ist gut möglich, dass Sie einen Reizdarm haben – aus ganz unterschiedlichen Gründen: Vielleicht haben Sie in ihrem Leben oft Medikamente bekommen; vielen Frauen werden etwa Antibiotika bei Harnwegsinfekten verschrieben. Auch Schmerzmittel wirken sich negativ auf die Schleimhaut und Darmbarriere aus. Vielleicht hatten Sie Phasen, in denen Ernährung oder Lebensstil ungünstig waren, Sie stehen unter starkem Stress oder haben sich öfter eine Magen-Darm-Infektion eingefangen. So ein Magen-Darm-Infekt kann den Darm monatelang aus dem Gleichgewicht bringen.

herCAREER: Im Gespräch mit Dr. Judith Bildau haben wir gelernt, dass Hormone Einfluss auf den gesamten Organismus haben. Wie beeinflusst etwa der Zyklus den weiblichen Darm?

Dr. Seiderer-Nack: Unsere Sexualhormone wirken nicht nur in den Geschlechtsorganen, sondern auch im Darm. Das heißt: In Pubertät, Schwangerschaft, Zyklus und Wechseljahren unterliegt der Darm hormonellen Schwankungen. Warum bekommen Frauen in der Schwangerschaft manchmal Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) und Verstopfung? Das liegt am Anstieg des Progesterons. Mit jeder hormonellen Umstellung wird das Immunsystem der Frau aktiver, darum treten auch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Hashimoto oder Zöliakie oft nicht schon im Kindesalter, sondern im Laufe des Lebens auf.

herCAREER: Viele Frauen haben während ihrer Menstruation auch stark mit ihrem Darm zu tun. Können Sie näher erklären, was da vor sich geht?

Dr. Seiderer-Nack: Hier spielen vor allem die Hormone Progesteron und Östrogen eine Rolle. Progesteron – das sogenannte Wohlfühlhormon – wirkt beruhigend auf die Darmmuskulatur und verlangsamt die Darmbewegung. Dadurch wird der Nahrungsbrei langsamer transportiert, was Völlegefühl, Verstopfung oder Blähungen verstärken kann. Östrogen wiederum beeinflusst die Schmerzwahrnehmung. In Abhängigkeit vom Östrogenspiegel reagieren wir empfindlicher auf Schmerzen. Frauen haben eine höhere Schmerzwahrnehmung. Das spielt nicht nur bei Erkrankungen wie Endometriose, sondern auch beim Reizdarmsyndrom eine Rolle. Oft bedeutet das, dass der Dehnungsreiz, der entsteht, wenn sich Nahrung durch den Dünndarm bewegt, nicht als solcher wahrgenommen wird, sondern als Schmerzreiz. Dazu kommt: Darm, Gebärmutter und Eierstöcke liegen direkt nebeneinander. Wenn die Gebärmutter anschwillt und krampft, hat das direkte Auswirkungen auf den Darm. Dazu kommen Prostaglandine, die Gewebshormone, die für das Ablösen der Gebärmutterschleimhaut zuständig sind und somit krampffördernd wirken. Sie arbeiten auch in der Darmwand und können Krämpfe und Durchfall während der Periode verursachen.

herCAREER: Kann Hormonersatztherapie hier helfen? Oder: Wird das alles nach den Wechseljahren besser?

Dr. Seiderer-Nack: Kann sein – muss aber nicht. Das hängt davon ab, ob eine Östrogendominanz besteht oder eher ein hoher Progesteronspiegel. Hormonelle Umstellungen verlaufen nicht linear, sondern mit starken Schwankungen. Es ist sehr individuell.

herCAREER: Und was ist diese leidige Sache mit dem Reisen? Warum bekommen Frauen oft Verstopfung?

Dr. Seiderer-Nack: Das liegt an der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Unser Gehirn ist eng mit dem Nervensystem des Darms verbunden. Wenn wir aufgeregt sind, hohe Erwartungen haben oder uns vor fremden Toiletten ekeln, wirkt sich das direkt auf den Darm aus. Der Darm ist ein Sensibelchen – und Jetlag, Schichtdienst oder ungewohnte Tagesrhythmen bringen ihn schnell aus dem Takt.

herCAREER: Ich hatte PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom), lebe mit Endometriose, chronischen Kopfschmerzen und habe ADHS – alles Krankheitsbilder, bei denen Ernährung eine Rolle spielen kann. Ist mein Darm hier der gemeinsame Faktor?

Dr. Seiderer-Nack: Das muss man individuell abklären. Frauen mit Endometriose oder PCOS entwickeln zwei- bis dreimal häufiger Reizdarm als andere. Bei PCOS wissen wir, dass viele Betroffene eine durchlässigere Darmbarriere haben – auch das erhöht das Risiko für Reizdarm. Die ständige Entzündungsaktivität im Bauchraum verstärkt das Schmerzempfinden der betroffenen Frauen. Migräne ist ein interessanter Komplex, Menschen mit Migräne verarbeiten Schmerzreize anders. Viele Kinder mit Migräne leiden zunächst unter Bauch-, nicht unter Kopfschmerzen.

herCAREER: Kann, aber muss nicht …

Dr. Seiderer-Nack: Bei Migräne und PCOS müssen wir wieder über die Darmbarriere sprechen. Ist die durchlässig, erleben Patient:innen eine Reizung des Nervensystems oder ihres Immunsystems. Man könnte also sagen: Sie haben die Bauchschmerzen, weil sie die Kopfschmerzpatient:innen sind. Weil sie unter Stress stehen oder Kopfschmerztabletten nehmen und damit die Schleimhaut reizen. Oder sie haben wirklich eine entzündliche Darmerkrankung. Als Ärztin oder Arzt muss man solche Zusammenhänge ernst nehmen, seine Hausaufgaben machen und sorgfältig diagnostizieren.

herCAREER: Muss sich die medizinische Aus- und Weiterbildung also auch beim Thema Darm und Mikrobiom verändern?

Dr. Seiderer-Nack: Unbedingt. Ich wünsche mir, dass die Gendermedizin zum Standard wird und stärker berücksichtigt wird, dass Frauen und Männer nicht gleich sind. In der Kardiologie setzt sich dieses Denken langsam durch, in der Gastroenterologie hinken wir hinterher. Ärzt:innen müssen über den Tellerrand schauen. Niemand besteht nur aus Darm, Kopf und Gebärmutter – man muss das ganze System sehen.

herCAREER: Sagen wir, eine Frau hat zunehmend Beschwerden – Blähungen, Krämpfe, Schmerzen. Nach welchen Tests sollte sie fragen, wenn die Hausärzt:in oder Fachärzt:in sie nicht von selbst vorschlägt?

Dr. Seiderer-Nack: Eine Stuhlprobe ist ein guter Anfang. Sie zeigt, ob eine Entzündung vorliegt. Bei Durchfällen sollten auch Viren und Bakterien getestet werden – das kann heute jede Hausarztpraxis. Ein Ultraschall gehört ebenfalls dazu, um Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse zu überprüfen. Bei Frauen ab 50 ist außerdem die Darmspiegelung wichtig – schon zur Vorsorge.
Hilfreich ist ein Ernährungstagebuch. Gerade bei Blähungen lässt sich so oft erkennen, wann und nach welchen Lebensmitteln Beschwerden auftreten: Laktose, Fruchtzucker, Zuckerersatzstoffe oder Gluten. Auch die Verbindung mit dem Zyklus kann dabei aufschlussreich sein.

herCAREER: Wie lange sollte man seine Gewohnheiten protokollieren?

Dr. Seiderer-Nack: Oft reichen schon vier Wochen, um Muster zu erkennen. Dann kann man mit Blut- oder Atemtests gezielt nach Intoleranzen suchen. Wovon ich aber dringend abrate, sind Allergietests aus dem Internet – davon sollte man die Finger lassen.

herCAREER: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt – Probiotika, Präbiotika, Bitterstoffe, Pulver, Tees. Was hilft wirklich, was ist Marketing?

Dr. Seiderer-Nack: Ein schwieriges Thema. Als erstes möchte ich sagen: Sie dürfen ihrem Darm ruhig etwas zutrauen. Ein gesunder Darm kann sich aus einer abwechslungsreichen Ernährung alle nötigen Nährstoffe holen. Mit Ausnahme von Vitamin D haben wir in Deutschland sehr wenige Mangelzustände. Das gilt nicht für Veganer – die brauchen zusätzlich Eisen und Vitamin B12. Natürlich können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, aber nur mit klarer Diagnose. Sie müssen zunächst verstehen, was fehlt und warum, bevor Sie etwas einnehmen.

herCAREER: Das heißt, vorbeugend etwas einzuwerfen, ist keine gute Idee?

Dr. Seiderer-Nack: Genau. Die Einnahme sollte gezielt erfolgen, nicht einfach auf Verdacht.

herCAREER: Wie finde ich denn nun die richtige Ernährungsform für mich? Antientzündlich, histaminarm, glutenfrei, fruktosearm, low-FODMAP – überall kursieren Tabellen. Tofu ist zum Beispiel histaminhaltig, gilt aber als low-FODMAP …

Dr. Seiderer-Nack: Da machen Sie schon den entscheidenden Fehler! Sie richten sich nach Tabellen und blenden Ihr Bauchgefühl aus. Wenn Sie fühlen können, was Sie gut und was Sie schlecht vertragen, tun Sie sich den größeren Gefallen.
Und Vorsicht mit FODMAP – diese Ernährungsform war nie für die Dauer gedacht. Sie wurde als zeitlich begrenzte therapeutische Diät entwickelt. Langfristig kann sie zu Mangelzuständen führen.

herCAREER: Also bestimmt am Ende mein Bauchgefühl, was die beste Ernährung für mich ist?

Dr. Seiderer-Nack: Vertrauen Sie Ihrem Körper mehr als einer Liste aus dem Internet. Natürlich ist eine antientzündliche Ernährung sinnvoll. Und natürlich ist eine pflanzenbasierte Ernährung gesund. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass sie auch darmfreundlich ist. Das darf man nicht verwechseln. Wenn jemand vegan lebt und viele Hülsenfrüchte, Lauchgewächse, Wirsing und Rohkost isst, kann der Darm schlicht überfordert sein. Die Beschwerden liegen dann nicht an der „falschen“ Ernährung, sondern daran, dass der Darm große Mengen an Rohkost oder Ballaststoffen nicht gut verdaut. Hier hilft das Ernährungstagebuch. Lassen Sie sich von eine:m Expert:in Feedback geben. Ihre optimale Ernährung muss für Sie individuell gestaltet sein. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl!

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel.

Im Rahmen der herCAREER Expo am 22. und 23. Oktober 2026 stellt Prof. Dr. Seiderer-Nack beim Authors-MeetUp ihr Buch „Frauen haben anders Darm“ vor und beantwortet Fragen zu den Themen Darmgesundheit und Mikrobiom.  

Bild Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack Fachärztin für Innere Medizin und Expertin rund um das Thema Darmgesundheit, Mikrobiom und Ernährungsmedizin und Autorin © Ina Zabel

Quelle messe.rocks GmbH

Was passiert, wenn gesunde Routinen endlich Spaß machen?

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Wonderbears Gummies Vitamine für den Alltag Gründerteam bild Anke & Sophia Schneiderhahn

Wonderbears bringt funktionale Gummies für eine einfache Vitaminaufnahme in den Alltag

Was ist die Gründungsgeschichte von Wonderbears und wer sind die Personen hinter dem Startup?

Hinter dem Start-up stehen Anke und Sophia Schneiderhan, ein Mutter-Tochter-Duo aus München.

Anke S. hatte gerade ihre Physiotherapiepraxis verkauft, während Sophia ihr Studium in London abgeschlossen hatte. Gemeinsam entstand die Vision, neue Impulse im Bereich der Vitaminaufnahme zu setzen – mit einem Ansatz, der einfacher, angenehmer und belohnender ist.
Statt komplexer Routinen standen dabei leckere Gummibärchen im Mittelpunkt, die die Einnahme von Vitaminen unkompliziert und positiv in den Alltag integrieren.

Wie haben die Gründerinnen von Wonderbears ihre unterschiedlichen Hintergründe in Medizin, Sport und Lifestyle in das Unternehmen eingebracht?

Sophia:

Ich habe lange im Ausland gelebt und bereits mit 15 Jahren angefangen zu modeln. Mir wurde früh gesagt, dass mein Körper mein Kapital ist. Auch wenn sich das damals auf meinen Job bezog, ist dieser Gedanke bis heute ein wichtiger Teil meiner Haltung geblieben – denn ohne Gesundheit funktioniert nichts.
Durch meine Zeit in Metropolen wie New York, London und Hongkong wurde ich früh mit den neuesten Trends konfrontiert. Ich habe mich intensiv für Supermärkte, Beauty Stores und Lifestyle-Produkte interessiert und war regelmäßig in den angesagtesten Pilates- und Fitnessstudios. Dadurch bin ich auch früh mit dem Markt für Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine sowie Health- und Lifestyle-Produkte in Berührung gekommen.
Den größten Teil meiner Zeit habe ich in New York und London verbracht. Gerade die USA sind im Bereich Lifestyle und Health-Oriented Living oft Vorreiter.
Für mich spielen Sport, Ernährung, gesunder Schlaf und eine feste Routine eine zentrale Rolle.

Anke:

In meiner Jugend war ich bereits in der Leichtathletik-Mannschaft. Später habe ich Sport studiert und 1995 meine Ausbildung zur Physiotherapeutin abgeschlossen. Im Anschluss habe ich zahlreiche Fort- und Weiterbildungen absolviert. Mich hat schon immer fasziniert, wie individuell der menschliche Körper ist und wie komplex die biochemischen sowie funktionellen Bewegungsabläufe zusammenspielen.
Diese Begeisterung war auch der Auslöser, nach dem Verkauf meiner Praxis in die Supplement-Branche einzusteigen.

Welche Vision verfolgt Wonderbears im Bereich Gesundheit und Nahrungsergänzung und wie soll diese langfristig umgesetzt werden?

Wir haben viele Ideen, lassen uns kontinuierlich inspirieren und werden im Alltag oft durch operative Themen gebremst, die notwendig sind, um die Marke Schritt für Schritt in die gewünschte Richtung wachsen zu lassen. Unsere Vision ist es, hochwertige, nachhaltige Produkte zu entwickeln, die in Deutschland hergestellt werden und sich mühelos in den Alltag sowie jede Health- und Wellness-Routine integrieren lassen. Gleichzeitig möchten wir möglichst viele Menschen erreichen und sie für unsere Bärchen begeistern.

Warum hat sich Wonderbears bewusst für das Format von funktionalen Gummibärchen entschieden statt klassischer Tabletten oder Kapseln?

Wir empfinden es häufig als unangenehm, noch mehr Kapseln oder Tabletten einnehmen zu müssen, da diese oft einen medizinischen Beigeschmack haben. Unsere Vision war es daher, genau dieses Gefühl zu verändern und die Einnahme von Vitaminen spielerischer, leckerer und angenehmer zu gestalten – indem sie in Form von Gummibärchen konsumiert werden können. Diese Idee kommt besonders gut bei Kindern und auch bei Senior:innen an, da das Schlucken von Tabletten für viele eine Hürde darstellt. Darüber hinaus gibt es deutlich mehr Menschen als erwartet, die grundsätzlich eine Aversion gegenüber Tabletten haben. Über alle Generationen hinweg wird das Produkt häufig als gesunder Snack wahrgenommen, wobei insbesondere auch die zuckerfreie Komponente positiv hervorgehoben wird. Auch wir selbst lieben es, die Gummies zwischendurch zu snacken – müssen uns dabei aber durchaus manchmal ein wenig zurückhalten, nicht zu viele zu essen.

An welche Zielgruppe richtet sich Wonderbears und welche Bedürfnisse stehen bei der Produktentwicklung im Fokus?

Unsere Gummies sind grundsätzlich für alle geeignet und lassen sich unkompliziert miteinander kombinieren, sodass man sie flexibel in die eigene Routine integrieren kann.
Der aktuelle Fokus liegt auf ganzheitlicher Stärkung sowie Beauty-orientierten Vitaminergänzungen, weshalb unser Kund:innenkreis derzeit überwiegend weiblich geprägt ist. Gleichzeitig arbeiten wir bereits an weiteren, gezielt entwickelten Produkten – auch für Männer – und möchten uns perspektivisch insgesamt genderneutraler aufstellen, nachdem wir visuell zunächst mit einer eher femininen Ansprache gestartet sind. Eine klar definierte Altersgruppe gibt es dabei nicht – unsere Zielgruppe ist bewusst breit gefächert.

Wie gelingt es Wonderbears, Gesundheit, Genuss und Lifestyle in einem Produkt miteinander zu verbinden?

Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, was uns über die Jahre hinweg wirklich wichtig geworden ist, welche Beobachtungen wir gemacht haben und welche Erfahrungen wir mit unterschiedlichsten Produkten im Markt sammeln konnten. Dabei sind wir stets unsere größten Kritiker. Unser Anspruch ist es, Produkte zu entwickeln, die Qualität, Hochwertigkeit und Nachhaltigkeit in sich vereinen und diesen Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht werden.

Was unterscheidet Wonderbears von anderen Anbietern im Markt für Nahrungsergänzungsmittel?

Der Markt ist groß und der Wettbewerb schläft nie – genau das motiviert uns jedoch zusätzlich. Wir verfolgen einen klar definierten Weg und legen dabei besonderen Wert auf unsere persönliche Geschichte als Mutter-Tochter-Duo, das generationenübergreifend denkt und handelt. Gleichzeitig bleiben wir unseren Werten konsequent treu: eine vollständig vegane Ausrichtung, die Produktion in Deutschland sowie kontinuierliche Investitionen in die Produktentwicklung stehen dabei im Mittelpunkt. Auch wenn wir viele Ideen für neue Produkte haben, wissen wir, dass nachhaltiges Wachstum Zeit braucht – und sich nicht über Nacht realisieren lässt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung und Positionierung von funktionalen Gummies und wie gehen Sie damit um?

Jeder Tag als Unternehmer in einem Start-up bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Es gilt, täglich operative Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
Besonders zeitintensiv sind dabei oft die vielen Details im Hintergrund – von Logistik über Backend-Themen bis hin zu Daten- und Informationsmanagement. Die Abstimmung, Koordination und laufende Optimierung erfordern viel Zeit und Sorgfalt, nicht zuletzt, weil man sich viele Prozesse zunächst selbst erarbeiten und aneignen muss.

Nachhaltigkeit und Inhaltsstoffe spielen eine wichtige Rolle. Wie setzt Wonderbears diese Ansprüche konkret in der Produktion um?

Als Start-up ist es nicht immer einfach, Produktion, Verpackung und Versand auf höchstem Niveau umzusetzen. Dennoch hat es für uns oberste Priorität, genau diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Auch wenn dies mit höheren Kosten verbunden ist, setzen wir konsequent auf nachhaltige Verpackungslösungen, hochwertige Inhaltsstoffe und höchste Produktionsstandards.

Welche weiteren Produktentwicklungen oder Erweiterungen plant Wonderbears in Zukunft?

Wir haben einiges in Planung – können dazu aktuell jedoch noch keine weiteren Details verraten.

Wie möchten Sie Wonderbears in den kommenden Jahren im Health und Wellness Markt positionieren?

Wir möchten die Marke gezielt weiter ausbauen und möglichst viele Menschen dafür begeistern, Wonderbears fest in ihre tägliche Routine zu integrieren. In den kommenden Monaten sind mehrere inspirierende Events geplant, zudem werden wir mit ausgewählten Partner:innen und spannenden Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Auch die Marke selbst wird sich kontinuierlich weiterentwickeln – insbesondere durch neue Produktentwicklungen und innovative Kreationen. Ein zentraler Fokus liegt darüber hinaus auf der Expansion, mit dem Ziel, Wonderbears künftig in weiteren Ländern verfügbar zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Startup im Bereich Gesundheit oder Lifestyle aufbauen möchten?

An sich und das Produkt zu glauben und durchzuhalten, wenn Herausforderungen den Weg unmöglich erscheinen lassen.

Dem Traum und der Vision zu folgen.
Sich mit so vielen Entrepreneurs und Gründer auszutauschen, Transparenz ist mehr Output als alles andere.

Photocredit: PR

Wir bedanken uns bei Anke und Sophia Schneiderhahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Schuhe, die einfach mitwachsen statt ersetzt zu werden?

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Sizeless Schuhe Kinderschuhe mit Größenanpassung Teamfoto Bildcredits/Fotograf: Paint the Town Studios in Düsseldorf

Sizeless bringt mitwachsende Schuhe und Kinderschuhe auf den Markt, die sich flexibel anpassen lassen. Damit wird der Alltag für Familien einfacher und nachhaltiger gestaltet.

Wie ist Sizeless entstanden und wer steht hinter der Idee, mitwachsende Kinderschuhe zu entwickeln?

Sizeless ist 2022 aus einer Innovation Challenge der Sportmarke On entstanden. Alex und ich haben damals in Köln studiert und nach neuen Ansätzen im Kids-Bereich gesucht. An Familienplanung war im vierten Semester nicht zu denken, also hieß es: Raus auf die Straße, reden mit Familien. Heute sind wir zu dritt. Louis, ein Designer, den ich während meiner Zeit bei Adidas in Herzogenaurach kennengelernt habe, ist 2025 aus Schottland nach Köln gezogen und vervollständigt unser Team. Alex verantwortet Kommunikation und Business Development, Louis die Produktentwicklung und das Design, ich die Strategie und den operativen Aufbau.

Was war der Auslöser für die Gründung von Sizeless. Welches Problem beim Kinderschuhkauf wollten Sie damit lösen?

Das überwältigend eindeutige Feedback der Eltern. Auf den Kölner Weihnachtsmärkten haben wir damals so viele Familien wie möglich gefragt, was beim Shoppen für Kinder am meisten nervt. Die Antwort kam unerwartet einstimmig: Die Kids wachsen so schnell, insbesondere Schuhe müssen alle paar Monate neu gekauft werden. Das ist nicht nur zeit- und kostspielig, sondern auch online kaum lösbar, weil sich Kinderfüße ständig verändern und viele Modelle ohne Anprobe nicht passen. Daraus nahmen wir die Vision eines größenverstellbaren Kinderschuhs mit, der Eltern, Kinder und den Planeten entlastet.

Wie funktioniert das Konzept der größenverstellbaren Schuhe von Sizeless genau?

Wir kombinieren flexible und gleichzeitig robuste Materialien mit einem von uns entwickelten Verstellmechanismus. Der ist eine technische Neuheit und ermöglicht es Eltern, die Schuhgröße von außen präzise feinjustieren. Die Mechanik ist so in die Sohlenstruktur integriert, dass Kinderfüße niemals in direkten Kontakt damit kommen. Der Fuß bleibt geschützt und kann sich gesund entwickeln. Unsere Technologie ist bereits durch Patentanmeldungen und Gebrauchsmuster geschützt.

An welche Zielgruppe richtet sich Sizeless besonders. Welche Bedürfnisse von Familien möchten Sie damit erfüllen?

Wir richten uns an Familien mit Kindern zwischen 2 und 8 Jahren. Eltern, die es leid sind, alle paar Monate neue Schuhe kaufen zu müssen, und Wert auf Passform, Fußgesundheit und Qualität legen. Unser Schuh soll den Alltag vereinfachen und gleichzeitig nachhaltiger sein als der ständige Neukauf.

Viele Eltern müssen regelmäßig neue Schuhe kaufen, weil Kinderfüße schnell wachsen. Wie verändert Sizeless diesen Alltag?

Der Gang in den Schuhladen wird deutlich seltener nötig. Statt bei jedem Wachstumsschub neue Schuhe zu suchen, passen Eltern die Größe des Schuhs einfach an. Das spart Zeit, Geld und Nerven. Und weil weniger Schuhe im Müll landen, profitiert am Ende auch die Umwelt.

Was unterscheidet Sizeless von klassischen Kinderschuhmarken. Wo liegt Ihr besonderer Ansatz?

Klassische Marken produzieren feste, starre Größen, obwohl Kinderfüße sich kontinuierlich verändern und entwickeln. Wir denken den Kinderschuh grundlegend neu. Mit Sizeless passen sich endlich die Schuhe den Füßen an, und nicht andersherum. Unser Verstellmechanismus macht es möglich. Wir ermöglichen ein präzises, manuelles Einstellen der Schuhgröße und decken in einem Sizeless-Modell zwei Schuhgrößen ab.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung und Produktion eines Schuhs, der mehrere Größen abdecken kann?

Ein hoher Innovationsgrad trifft auf eine eher konservativ geprägte Branche. Beim ersten Besuch in Portugal wurde schnell klar: Für die meisten Hersteller müssen vor allem die Abnahmezahlen stimmen. Innovation und Startup-Spirit sind nett, zahlen aber nicht die Fachkräfte in den Fabriken. Die Idee klingt in der Theorie schön, in der Realität ist es ein Balanceakt zwischen technischer Umsetzbarkeit, Skalierbarkeit und Produktionskosten. Wir sind heute mit einem Fertigungsnetzwerk in Portugal gesegnet, das uns von der Gründerin von Wildling Shoes an die Hand gegeben wurde, und von der Vision genauso überzeugt ist wie wir. Ein riesiger Sprung nach vorne.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Eltern und Kindern, die Sizeless bereits nutzen?

Unsere Testfamilien bestätigen genau das, worauf wir hingearbeitet haben. Die Funktionalität überzeugt, Kinder lieben die Leichtigkeit beim Tragen. Wir hören oft Vergleiche wie „wie barfuß laufen“. Eine meiner Lieblingsanekdoten: Ein Kind sagte, der Schuh sei cool, weil er so klebt. Wir waren kurz panisch, ob das ein Produktionsfehler ist. Stellte sich heraus, er meinte den Grip der Sohle. Über unsere laufende Kickstarter-Kampagne konnten wir das Finanzierungsziel von 8.000 Euro bereits verdoppeln und gehen auf 200 vorbestellte Paar Schuhe zu. Das zeigt uns, dass die Nachfrage real ist.

Welche Vision verfolgt Sizeless für die Zukunft im Bereich nachhaltiger Kinderschuhe?

In fünf Jahren sollen keine herkömmlichen Größen mehr auf Schuhkartons stehen. Das ist unser Nordstern. Nach dem Launch unseres Sneakers im Sommer werden wir uns der Entwicklung eines wasserabweisenden Herbst- und Wintermodells widmen. Perspektivisch denken wir auch über Hausschuh- und Sportschuhmodelle nach. Sobald unser Patent final genehmigt ist, planen wir Technologielizenzen an weitere Hersteller zu vergeben. Jeder Schuh kann ein Sizeless-Schuh sein.

Welche nächsten Schritte plant Sizeless in der Produktentwicklung oder beim Ausbau des Unternehmens?

Der erste Sizeless-Sneaker launcht im Sommer 2026. Parallel schließen wir uns mit strategisch relevanten Business-Angels zusammen, um die Produktion zu skalieren. Tickets ab 30.000 Euro führen dazu, den Schalter in den Fabriken umzulegen. Daneben bauen wir unsere Eltern-Community weiter aus. Jeder kann über die Website beitreten und wird in Produkttests und Entwicklungsentscheidungen einbezogen. Nach dem Sommer-Launch geht es direkt in die Entwicklung der größeren Kollektion für 2027

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründern geben, die eine innovative Produktidee in einem traditionellen Markt umsetzen möchten?

Erstens: Sucht euch eure Weihnachtsmärkte. Geht raus, redet mit eurer Zielgruppe und versteht, was wirklich gebraucht wird. Wenn ihr an den Leuten vorbeientwickelt, merkt ihr es sofort, das Feedback kommt im B2C-Bereich großflächig und unmittelbar.

Zweitens: Baut euch ein Ökosystem aus Mentorinnen, Unterstützern, anderen Startups und strategischen Partnern auf. Sie können nicht jedes Feuer für euch löschen, aber sie helfen beim Löschen und beraten dazu, was leicht entzündlich ist. Startup ist Learning on the Job, die fehlende Sicherheit am Anfang muss man mit eigener Überzeugung und weiteren Überzeugten ausgleichen.

Drittens: Lasst euch von konservativen Branchen nicht einschüchtern. Innovation braucht Hartnäckigkeit und die richtigen Partner. Wir hätten unseren Schuh nie industriell produzierbar gemacht, wenn nicht erfahrene Leute aus der Branche an uns geglaubt und ihre Netzwerke geöffnet hätten.

Bildcredits/Fotograf: Paint the Town Studios in Düsseldorf

Wir bedanken uns bei Leander Peters für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Steuern und Buchhaltung: Was Young Founders über finanzielle Eigenverantwortung wissen sollten

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Gründer meistern Steuern in digitale Geschäftsmodelle Bildrechte/Fotograf: Diana Vásquez Barbetti

Digitale Geschäftsmodelle und steigende Anforderungen

Digitale Geschäftsmodelle machen den Einstieg ins Unternehmertum mittlerweile so einfach wie nie. Ein Online-Shop ist schnell aufgesetzt, Social-Media-Kanäle lassen sich zu Beginn auch ohne großes Budget skalieren und erste Umsätze entstehen oft innerhalb weniger Wochen. Was dabei leicht unterschätzt wird: Parallel wachsen von Anfang an auch die finanziellen und steuerlichen Anforderungen.

Gerade Gründer im E-Commerce oder in der Creator Economy bewegen sich früh in internationalen Märkten. Verkäufe über Plattformen oder grenzüberschreitende Lieferungen führen dazu, dass gleichzeitig unterschiedliche steuerliche Regelungen greifen. Themen wie das OSS-Verfahren oder länderspezifische Umsatzsteuersätze werden schnell zum Alltag.

Komplexität im Gründeralltag

Mit jedem zusätzlichen Verkaufskanal steigt auch der administrative Aufwand. Rechnungen, Belege, Steuerkennzeichen und Meldepflichten vervielfachen sich. Moderne Buchhaltungsprozesse setzen daher zunehmend auf Integration und Automatisierung, um diese Komplexität zu bewältigen.

Zwischen Anspruch und Realität

Wie stark sich diese Herausforderungen bemerkbar machen, zeigt eine aktuelle Erhebung: Für 40 Prozent der Young Founders stellen Steuern und bürokratische Pflichten den größten Stressfaktor dar. Viele Prozesse lassen sich jedoch bereits heute durch technologische Lösungen deutlich vereinfachen.

Automatisierte Belegerfassung, digitale Rechnungsformate und integrierte Systeme reduzieren manuelle Arbeit erheblich. Besonders die E-Rechnung ermöglicht durch maschinenlesbare Daten eine direkte Weiterverarbeitung ohne Medienbruch.

Integration als Schlüssel zur Effizienz

Der Fortschritt liegt vor allem in der Verbindung verschiedener Systeme. Wenn Shop, Zahlungsanbieter und Buchhaltung optimal zusammenspielen, entstehen durchgängige Prozesse statt isolierter Einzellösungen.

Die Einrichtung erfordert jedoch einen klaren Blick auf bestehende Strukturen. Viele Gründer arbeiten mit gewachsenen Tools, die zunächst sinnvoll aufeinander abgestimmt werden müssen. Gerade bei steuerlichen Themen ist die Kombination aus digitalen Lösungen und fachlicher Expertise entscheidend.

Frühzeitige Entscheidungen prägen den Erfolg

Viele Herausforderungen entstehen bereits in der Gründungsphase. Entscheidungen zur Rechtsform, Buchhaltung und steuerlichen Struktur beeinflussen maßgeblich die spätere Skalierbarkeit eines Unternehmens.

In der Praxis werden diese Themen jedoch häufig aufgeschoben. Kurzfristige Lösungen funktionieren zwar, führen langfristig jedoch zu Ineffizienzen.

Finanzielle Bildung als Wachstumstreiber

Technologie entfaltet ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn Gründer ihre Zahlen verstehen. Finanzielle Bildung hilft dabei, Zusammenhänge zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Es geht nicht darum, Steuerexperte zu werden, sondern grundlegende Mechanismen zu verstehen und gezielt einzusetzen.

Technologie als Unterstützung im Alltag

Die Entwicklung im Rechnungswesen zeigt klar in Richtung Automatisierung und datenbasierte Systeme. KI und digitale Tools reduzieren wiederkehrende Aufgaben und schaffen mehr Transparenz.

Der größte Vorteil liegt in der Entlastung. Zeit und Klarheit werden frei, während die Verantwortung weiterhin beim Unternehmer bleibt.

Fazit: Struktur schafft Kontrolle

Digitale Geschäftsmodelle bringen Geschwindigkeit, doch Steuern und Buchhaltung sind zentrale Bestandteile der Unternehmensführung. Wer früh auf strukturierte Prozesse, integrierte Systeme und solides Finanzwissen setzt, reduziert Komplexität und schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.

Über die Autorin

Diana Vásquez Barbetti ist Director Customer Success bei sevdesk. Sie verfügt über langjährige internationale Erfahrung in der Tech-Branche – sowohl in etablierten Tech Giants wie Google als auch bei deutschen Scale-ups – und kennt die Bedürfnisse von Neugründern.

Bildrechte/Fotograf: Diana Vásquez Barbetti

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Erfolg ist planbar: So bauen Sie ein starkes Netzwerk

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Netzwerk für Unternehmer bringt Erfolg im Business Martin Limbeck Bildrechte/Fotograf: Oliver Wagner

Netzwerken als strategischer Erfolgsfaktor

Ein gutes Netzwerk ist kein Zufallsprodukt. Es ist kein „Mal schauen, wen ich heute treffe“. Wer als Unternehmer oder Gründer heute noch glaubt, dass Erfolg allein durch ein gutes Produkt entsteht, hat den Markt nicht verstanden. Am Ende entscheidet oft nur eines: Wen kennen Sie? Und vor allem: Wer kennt Sie – und vertraut Ihnen? Genau hier kommt Ihr Netzwerk ins Spiel.

Allerdings nicht als lose Sammlung von Kontakten, sondern als strategisches Instrument. Hier machen jedoch die meisten den entscheidenden Fehler: Sie sammeln Kontakte wie andere Leute Panini-Bilder. Sie verwechseln Aktivität mit Wirkung. Sie gehen auf Events, führen Gespräche, horten Visitenkarten. Doch was am Ende fehlt, ist Substanz. Ein starkes Netzwerk entsteht nicht durch Masse, sondern durch Klarheit, Fokus und konsequente Entscheidungen.

Qualität statt Quantität im Netzwerk

Ein starkes Netzwerk entsteht nicht durch blinden Aktionismus, sondern durch Klarheit. Damit ist vor allem gemeint, wer Sie sind, wofür Sie stehen und wohin Sie wollen. Denn nicht jede Chance ist automatisch eine gute Chance.

Mit jedem neuen Kontakt wachsen die Möglichkeiten. Kooperationen, Projekte und Ideen wirken zunächst wie Fortschritt. In Wahrheit ist es oft der Beginn von Chaos. Denn jede Zusage hat Konsequenzen. Wer hier nicht konsequent ist, wird sich verzetteln und verliert wertvolle Zeit sowie Geschwindigkeit.

Klar entscheiden mit der 5 R Formel

Strategisches Netzwerken bedeutet, Entscheidungen nicht dem Zufall zu überlassen. Dafür braucht es klare Kriterien. Die sogenannte 5 R Formel hilft dabei, Chancen strukturiert zu bewerten:

Relevanz: Passt das zu Ihrer Strategie
Ressourcen: Haben Sie Zeit, Energie und Budget
Resonanz: Haben Sie wirklich Interesse
Reputation: Wie wirkt es auf Ihre Positionierung
Relation: Steht Aufwand im Verhältnis zum Nutzen

Diese Fragen sorgen für Klarheit und helfen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen.

Nein sagen als echte Stärke

Viele Gründer haben Angst, Chancen zu verpassen und sagen deshalb zu oft Ja. Die Folge sind Überforderung und Mittelmaß. Ein klares Nein ist dagegen eine Stärke. Es zeigt Fokus und Selbstbewusstsein.

Menschen arbeiten lieber mit klaren Persönlichkeiten zusammen als mit denen, die sich in alle Richtungen bewegen. Entscheidend ist, die eigene Zeit zu schützen, denn sie ist die wichtigste Ressource im Unternehmen.

Netzwerken bedeutet auch filtern

Je größer das Netzwerk wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit zu filtern. Nicht jede Anfrage ist sinnvoll und nicht jedes Gespräch bringt Mehrwert.

Achten Sie auf klare Signale: Ist das Anliegen konkret? Gibt es ein klares Ziel? Wirkt das Gegenüber vorbereitet? Die Kombination aus Intuition und Struktur hilft, unnötige Zeitverluste zu vermeiden.

Netzwerkmanagement braucht Struktur

Ein erfolgreiches Netzwerk entsteht nicht zufällig, sondern durch aktives Management. Beziehungen brauchen Aufmerksamkeit und System.

Ein CRM System kann helfen, den Überblick zu behalten. Mit klaren Kategorien lässt sich schnell erkennen, welche Kontakte relevant sind und wo Pflege notwendig ist.

Fazit: Erfolg entsteht durch Haltung

Netzwerken ist keine Technik, sondern eine Frage der Haltung. Nachhaltiger Erfolg entsteht durch Vertrauen, Klarheit und echten Mehrwert.

Besonders in schwierigen Zeiten zeigt sich die Stärke eines Netzwerks. Wer aktiv gestaltet statt nur zu reagieren, legt den Grundstein für langfristigen Erfolg.

Bildrechte/Fotograf: Oliver Wagner

Autor

Martin Limbeck ist Mehrfachunternehmer, Investor, sechsfacher Bestsellerautor sowie einer der führenden Experten für Sales und Sales Leadership in Europa. Mit seiner Gipfelstürmer Mentoring GmbH unterstützt er Unternehmer als Sparringspartner dabei, ihr Unternehmen – und ihr Leben – bewusst weiterzuentwickeln.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum gerade alle über diesen Aperitif sprechen?

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Glitter Spritz Aperitif Marke im Aperitivo Trend Bildrechte: © Glitter Spritz / Fotograf: Mats Bohle

Glitter Spritz ist eine moderne Aperitif Marke, die mit innovativer Markenwelt und visuellem Erlebnis neue Maßstäbe im Aperitivo setzt

Was steckt hinter der Gründung von Glitter Spritz und wer sind die Menschen, die die Marke aufgebaut haben?

Ich bin Lupo Porschen und habe Glitter Spritz gemeinsam mit meinem Mitgründer Basti Fischer entwickelt. Wir kennen uns seit dem Studium in Hamburg, wo wir im WG-Wohnzimmer unsere ersten Getränke kreiert und damit den Grundstein für unsere Firma Craft Circus gelegt haben. Heute versteht sich Craft Circus als Getränkemanufaktur und Inkubator für innovative Marken. In die letzten 12 Jahren haben wir mehrere Marken geschaffen, ein eigenes Team und Vertrieb aufgebaut – komplett ohne externe Investoren. Glitter Spritz ist unsere bislang erfolgreichste Marke und gleichzeitig die erste große Ausgründung – gemeinsam mit Bill Kaulitz als Partner. Die Reise dahin war ein echter Marathon mit vielen Learnings – genau das ist heute die Basis für unser Wachstum.

Wie entstand die Idee, einen Aperitif zu entwickeln, der nicht nur geschmacklich, sondern auch visuell mit essbarem Glitzer auffällt?

Für uns war Aperitivo schon immer mehr als nur ein Getränk – es sind diese besonderen Momente mit Freunden, draußen, irgendwo zwischen Alltag und Feier. Gleichzeitig ist die Kategorie stark von Tradition geprägt, was wir sehr schätzen. Aber wir glauben auch: Heute geht es um mehr. Menschen suchen nach Erlebnissen, nach Produkten mit Haltung und Identität. Genau daraus ist die Idee entstanden, Genuss neu zu denken – emotionaler, sichtbarer und erlebbarer. Der essbare Glitzer ist dabei kein Gimmick, sondern ein Symbol: für Freiheit, Offenheit und die Idee, das Leben bewusst zu zelebrieren. Ein Aperitif, der nicht nur gut schmeckt, sondern Genuss zu einem sichtbaren Erlebnis macht – und für eine neue, moderne Art von Aperitivo steht.

Welche Vision verfolgt Glitter Spritz für eine neue Generation von Aperitivo-Momenten?

Unsere Vision ist es, Aperitivo neu zu denken – leichter, bewusster und näher am echten Leben. Es geht darum, Momente zu genießen und zu zelebrieren, egal ob im Park, auf der Dachterrasse oder mit Freunden. Gleichzeitig machen wir Aperitivo inklusiver: mit einer alkoholischen und alkoholfreien Variante, sodass alle gemeinsam diesen Moment erleben können. Für uns ist das die neue Generation von Aperitivo – ein Gefühl aus Leichtigkeit, Gemeinschaft und der Freiheit, Momente auf die eigene Art zu feiern.

An welche Zielgruppen richtet sich Glitter Spritz besonders und welche Bedürfnisse moderner Konsumentinnen und Konsumenten möchten Sie damit ansprechen?

Wir richten uns an eine junge, lifestyle-orientierte Zielgruppe, die Wert auf Ästhetik, Geschmack und Erlebnisse legt. Gleichzeitig sprechen wir bewusst auch Menschen an, die alkoholfreie Alternativen suchen. Wichtig ist uns, dass das Produkt verbindend wirkt und in unterschiedliche Lebenssituationen passt.

Viele Aperitif-Marken setzen auf klassische Rezepturen. Was unterscheidet Glitter Spritz geschmacklich und konzeptionell von herkömmlichen Aperitifs?

Geschmacklich ist Glitter Spritz fruchtiger, leichter und weniger bitter als viele klassische Aperitifs. Dadurch ist er zugänglicher und vielseitiger. Konzeptionell verbinden wir Geschmack mit einem starken visuellen Erlebnis und einer klaren Markenwelt – und bringen damit neue Impulse in eine eher traditionell geprägte Kategorie.

Welche Rolle spielt die Ästhetik des Getränks für den Erfolg der Marke und die Wahrnehmung bei den Konsumenten?

Eine sehr große Rolle. Die visuelle Komponente sorgt dafür, dass Menschen das Produkt wahrnehmen, fotografieren und teilen. Gerade in sozialen Medien ist das ein wichtiger Faktor. Am Ende muss aber beides stimmen – Optik und Geschmack. Nur dann entsteht echte Begeisterung.

Mit welchen Herausforderungen ist ein Getränke-Startup konfrontiert, wenn es eine neue Marke im stark umkämpften Aperitif-Segment aufbauen möchte?

Der Markt ist sehr dicht und der Zugang zum Handel anspruchsvoll. Man braucht ein klares Differenzierungsmerkmal und muss gleichzeitig Qualität, Marke und Distribution sauber aufbauen. Außerdem dauert es, Vertrauen beim Handel und bei Konsumenten aufzubauen – das ist ein langfristiger Prozess.

Wie wichtig ist der Handel für das Wachstum von Glitter Spritz und welche Erfahrungen haben Sie beim Ausbau der Distribution gemacht?

Der stationäre Handel ist für uns zentral, weil die meisten Konsumentinnen und Konsumenten Getränke direkt beim Einkaufen entdecken. Rein online zu skalieren ist in unserer Kategorie deutlich schwieriger. Distribution aufzubauen bedeutet vor allem, Vertrauen zu schaffen und langfristige Partnerschaften zu entwickeln. Gerade in Deutschland ist der Markt sehr fragmentiert – und eine Listung heißt noch lange nicht, dass man flächendeckend präsent ist. Deshalb setzen wir auf enge Zusammenarbeit mit dem Handel und begleiten unsere Partner aktiv – nur so entsteht nachhaltiges Wachstum für beide Seiten.

Bill Kaulitz ist nun Mitgründer und Gesellschafter von Glitter Spritz. Wie kam es zu dieser Partnerschaft und welche Rolle übernimmt er im Unternehmen?

Bill hat zum Geburtstag eine Flasche Glitter Spritz geschenkt bekommen und war so begeistert, dass er das Produkt direkt in seinem Podcast Kaulitz Hills als ‚Drink der Woche‘ vorgestellt hat. Daraufhin habe ich ihm bei Instagram geschrieben, um mich zu bedanken – und daraus hat sich schnell ein persönlicher Austausch entwickelt. Wir haben früh gemerkt, dass es nicht nur inhaltlich, sondern auch menschlich sehr gut passt. Aus dieser Dynamik heraus ist Schritt für Schritt eine echte Partnerschaft entstanden. Heute ist Bill Mitgründer und Gesellschafter und bringt sich aktiv in Marken-, Kreativ- und strategische Themen ein. Er verleiht der Marke nicht nur eine starke visuelle und kommunikative Handschrift, sondern treibt gemeinsam mit uns auch die Weiterentwicklung und Internationalisierung von Glitter Spritz voran.

Welche Impulse kann Bill Kaulitz als international bekannter Künstler für die Weiterentwicklung der Marke Glitter Spritz geben?

Bill bringt eine einzigartige Kombination aus globaler Reichweite, kreativem Gespür und starker Markenidentität mit. Er verkörpert die Werte von Glitter Spritz auf eine sehr natürliche Weise – das Thema Selbstausdruck, Ästhetik und das bewusste Feiern von Momenten passt perfekt zu ihm. Durch seine internationale Community und sein Netzwerk eröffnet er uns Zugang zu neuen Märkten und relevanten Multiplikatoren. Gleichzeitig bringt er einen klaren Blick auf Trends, Inszenierung und Markenführung mit, der uns hilft, Glitter Spritz emotional weiter aufzuladen. Das Besondere ist, dass es sich nicht wie eine klassische Zusammenarbeit anfühlt, sondern sehr authentisch ist – und genau das macht den Unterschied in der Wahrnehmung der Marke.

Wohin soll sich Glitter Spritz in den kommenden Jahren entwickeln und welche Märkte oder Produktideen stehen im Fokus?

Unser Ziel ist es, Glitter Spritz zu einer führenden modernen Aperitif-Marke zu entwickeln – national wie international. Im alkoholfreien Segment gehören wir in Deutschland bereits zu den stärksten Marken und wollen diese Position weiter ausbauen. Im Fokus stehen der Ausbau im Handel, strategische Partnerschaften in der Gastronomie und die Internationalisierung. Gleichzeitig entwickeln wir neue Produkte innerhalb der Markenwelt – mit dem Anspruch, nachhaltig und Schritt für Schritt zu wachsen. Unser Ziel ist es, eine langfristig starke, unverwechselbare Marke aufzubauen, die echten Wiedererkennungswert hat und Menschen emotional anspricht.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die eine neue Getränkemarke im Markt etablieren möchten?

Erstens: Ein klares Produkt mit echtem Unterschied entwickeln.
Zweitens: Marke und Vertrieb von Anfang an zusammendenken.
Drittens: Geduld haben und konsequent dranbleiben – der Aufbau braucht Zeit.

Bildrechte: © Glitter Spritz / Fotograf: Mats Bohle

Wir bedanken uns bei Lupo Porschen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Glitter Spritz

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Ansprechpartner: Lupo Porschen

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