Mittwoch, September 2, 2026
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Mit dem Startup gescheitert. Und jetzt?

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Scheitern, Erfahrung, Gründung: Wege aus der Krise Mirjam Berle Fotocredit: Claudia Simchen

Julia ist 34 und Gründerin eines Health-Tech-Startups. Zwei Jahre lang hat sie an ihrer Vision gearbeitet. Dafür gab sie ihren gut bezahlten Job als Unternehmensberaterin auf, baute ein Team auf und überzeugte Familie und Freunde, in das Unternehmen zu investieren.

Dann platzt die erhoffte Finanzierungsrunde. Das Geld ist aufgebraucht. Julia muss ihr Unternehmen schließen und fünf Mitarbeitenden kündigen. Für sie bricht damit weit mehr als ein berufliches Projekt zusammen. Sie fühlt sich wie eine totale Versagerin. Weil Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld Geld investiert haben, erlebt sie das Scheitern sogar als Verrat.

Sie kann kaum aus dem Haus gehen oder soziale Medien öffnen, ohne das Gefühl zu haben, andere würden über sie und ihr gescheitertes Unternehmen sprechen.

5 Schritte aus der Krise:

1. Das Scheitern von der eigenen Person trennen

Im ersten Schritt versucht Julia, die Fakten nüchtern zu betrachten. Das Produkt war technisch solide. Der Markt war jedoch noch nicht bereit. Die Coronapandemie verschlechterte das Timing zusätzlich. Auch konkurrierende Startups mit deutlich mehr Kapital mussten aufgeben.

Diese Betrachtung verändert ihre Perspektive. Sie erkennt, dass der Ausgang ihres Unternehmens viele Ursachen hatte. Eigene Entscheidungen spielten dabei ebenso eine Rolle wie äußere Bedingungen, auf die sie kaum Einfluss nehmen konnte.

Hinzu kommt: Ein sehr großer Teil aller Startups scheitert. Viele Gründerinnen und Gründer brauchen mehrere Anläufe, bis eine Idee wirtschaftlich trägt. Dieses Wissen lindert Julias Enttäuschung zunächst kaum. Es hilft ihr jedoch, den Misserfolg weniger persönlich zu nehmen.

Das Startup ist gescheitert. Ihre Fähigkeiten, ihre Erfahrungen und ihr beruflicher Wert bleiben bestehen.

2. Lernen statt sich zu verstecken

Julia trifft eine Entscheidung: Sie will sich durch den Rückschlag nicht dauerhaft zurückziehen oder in depressive Stimmung geraten. Stattdessen möchte sie aus den vergangenen zwei Jahren lernen, ohne sich dabei selbst zu zerstören.

Dazu gehört auch, die Beziehungen zu Familie und Freunden zu reparieren. Julia weiß, dass deren Geld verloren und viel Vertrauen angeschlagen ist. Sie kann den finanziellen Verlust nicht rückgängig machen. Sie kann jedoch offen über die Gründe sprechen, Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen und zeigen, was sie aus der Erfahrung gelernt hat.

Gleichzeitig hält sie an ihrem Wunsch fest, wieder unternehmerisch tätig zu werden. Das nächste Unternehmen muss nicht sofort entstehen. Zunächst geht es darum, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen und die vorhandenen Möglichkeiten realistisch zu betrachten.

3. Erfahrung als berufliches Kapital wahrnehmen

Julia besitzt nach der Schließung ihres Startups mehr Ressourcen, als sie anfangs wahrnimmt. Sie hat zwei Jahre intensive Startup-Erfahrung gesammelt und verfügt über tiefe Branchenkenntnisse. Sie hat sich ein Netzwerk in der Gründerszene aufgebaut und bewiesen, dass sie ein Team führen kann.

Auch finanziell hat sie Handlungsspielraum. Sie verfügt über Rücklagen und kann wieder als Beraterin arbeiten. Diese Möglichkeiten geben ihr Sicherheit und Zeit für die nächsten Schritte.

Vor allem weiß Julia nun, welche Entscheidungen sie bei einer weiteren Gründung anders treffen würde. Sie kennt die Risiken besser, kann Erwartungen realistischer einschätzen und Warnzeichen früher erkennen. Auch diese Erkenntnisse sind eine wichtige Ressource, auf die sie in Zukunft zurückgreifen kann. Scheitern bedeutet schließlich auch, Erfahrungen zu sammeln, die sich beim nächsten Versuch nutzen lassen.

4. Vom Scheitern erzählen

Julia beginnt, offen über das Ende ihres Startups zu sprechen. Zunächst erzählt sie engen Vertrauten davon. Später teilt sie ihre Erfahrungen auch in der Gründerszene.

Sie schreibt über das Scheitern und berichtet darüber, was sie aus den vergangenen zwei Jahren mitnimmt. Ihre Offenheit stößt auf Interesse. Julia wird zu Startup-Veranstaltungen eingeladen und spricht dort über ihre Erfahrungen.

Ein Investor sagt zu ihr: „Julia, du hast mehr Startup-Erfahrung als 90 Prozent derer, die zu mir kommen.“

Dieser Satz wird für sie zum Wendepunkt. Er stärkt ihr Selbstvertrauen und bestätigt eine Vermutung, die sich langsam entwickelt hat: Auch Scheitern muss man lernen. Entscheidend ist der Umgang damit.

5. Der nächste Anlauf

Julia schließt sich einer Beratung an. Dort kann sie ihre Erfahrungen aus der Gründung einbringen. Gleichzeitig sucht sie weiter aktiv nach Möglichkeiten, erneut ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Der Rückschlag war hart, hält sie aber nicht von ihren unternehmerischen Plänen ab.

18 Monate nach der Schließung arbeitet Julia als Startup-Beraterin und plant bereits ihr nächstes Unternehmen. Diesmal geht sie mit realistischeren Erwartungen an die Sache heran. Außerdem möchte sie ihre Risiken besser verteilen.

Was bleibt, ist eine schmerzhafte Erfahrung. Zugleich bleiben Fähigkeiten, Wissen und Kontakte, die Julia während der Gründung aufgebaut hat. Offen über den Misserfolg zu sprechen, eröffnet ihr neue Möglichkeiten und sorgt für Anerkennung.

Wer ein Unternehmen oder ein wichtiges Projekt aufgeben musste, kann deshalb vier Fragen prüfen: Welche konkreten Lehren lassen sich aus dem Scheitern ziehen? Welche Ursachen lagen im eigenen Einflussbereich und welche in äußeren Umständen? Wer könnte die gesammelte Erfahrung schätzen? Und welche Fähigkeiten sind durch das Projekt gewachsen?

Ein Rückschlag beendet ein Unternehmen. Die dabei gewonnene Erfahrung kann zum Ausgangspunkt für den nächsten Schritt werden.


Fotocredit: Claudia Simchen

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wer soll da in dich investieren wollen?

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Menschen, Unternehmen und Gründer: LIFE-first Michaela Schächner Fotograf Vesna Boccadamo

Bei einem Start-up-Workshop stellte ich im Rahmen der Finanzplanung eine Frage, die für mich an den Anfang jeder Gründung gehört:

Welches Leben soll das Unternehmen ermöglichen – und wie muss es gestaltet sein, damit es den Menschen dient, die es aufbauen?

Ein anderer Mentor hielt sinngemäß dagegen: Eine solche Haltung sollte man gegenüber Investoren besser nicht zu offen vertreten.

Uff. Das hat gesessen.

Doch schon im nächsten Moment waren wir mitten in einer konstruktiven Diskussion. Es ging um ein Bild, das in der Start-up-Welt noch immer stark ist: Wer Kapital sucht, muss maximal verfügbar, grenzenlos belastbar und bereit sein, das Unternehmen über alles andere zu stellen.

Wer dagegen davon spricht, dass ein Unternehmen auch den Menschen dienen soll, die es aufbauen und tragen, wirkt schnell zu weich. Zu wenig hungrig. Vielleicht sogar ungeeignet, ein skalierbares Business aufzubauen, das durch die Decke geht.

Und genau da begann die eigentliche Diskussion.

LIFE-first ist kein Schonprogramm

LIFE-first bedeutet nicht Beine hochlegen. Es bedeutet auch nicht 9-to-5, Freizeitmaximierung oder den Verzicht auf ambitionierte Ziele.

Natürlich muss ein Unternehmen profitabel sein. Es braucht Umsatz, Liquidität, belastbare Margen. Wer externes Kapital aufnimmt, übernimmt zusätzliche Verantwortung, auch die Ziele der Investoren zu erreichen.

Ein Start-up kann eine Zeit lang davon profitieren, dass Gründer durchgehend arbeiten, private Rücklagen aufbrauchen und das Business, ihr Leben bestimmt – aber nicht als Dauerzustand.

Bereitschaft für permanente Überlastung ist kein Beweis für Commitment und besonderer Leistungsfähigkeit.

Menschen sind kein weicher Faktor

Gründer und Mitarbeitende werden im Rahmen einer Beteiligung oft als jederzeit unbegrenzt verfügbare Kapazitäten vorausgesetzt. Menschen funktionieren jedoch nicht wie Serverleistung, die sich beliebig hochfahren lässt.

Erschöpfung verschlechtert Entscheidungen. Dauerhafter Druck erhöht Konflikte und Fluktuation. Wissen geht verloren. Innovation wird schwieriger. Fehler werden gemacht und teurer.

Wer die Menschen im Unternehmen mitdenkt, stellt Profit nicht infrage. Er schützt eine seiner wichtigsten Voraussetzungen.

LIFE-first fragt deshalb nicht: Wie können wir eine ruhige Kugel schieben?

LIFE-first fragt: Was brauchen die Menschen? Wie muss dieses Unternehmen geplant, finanziert und geführt werden, damit sie darin langfristig leistungsfähig bleiben und wirtschaftlicher Erfolg wächst?

Der Investor-Fit gehört auf den Prüfstand

Am Ende der Diskussion waren wir uns in einem Punkt einig: Ja, LIFE-first kann einzelne Investoren abschrecken.

Aber ist das automatisch schlecht?

Gründer prüfen ihren Product-Market-Fit. Sie analysieren Zielgruppen, Geschäftsmodelle und Wachstumspotenziale. Bei Kapitalgebern dominiert dagegen häufig die Frage: Bekommen wir genug Geld raus?

Mindestens ebenso wichtig wäre die Gegenfrage: Wollen wir das Geld und das Netzwerk von genau diesen Menschen? Und welchen Preis zahlen wir im Gegenzug tatsächlich?

Nicht jede Verbindung passt

Bevor sich Gründer an Mitgründer oder Investoren binden, sollten sie klären, welche Welten dort aufeinandertreffen.

Warum wollen beide Seiten gemeinsam ein Stück des Weges gehen? Wo liegt die echte Schnittmenge? Wo liegen Gegensätze? Welchen Preis ist jeder bereit zu zahlen?

Es reicht nicht, sich als zwei perfekte Puzzleteile zu betrachten und daraus abzuleiten, nun gemeinsam zum Erfolg verdammt zu sein.

Auch bei einem gemeinsamen Ziel wird es Reibung geben. Das ist normal. Unterschiedliche Perspektiven können Entscheidungen verbessern und blinde Flecken sichtbar machen.

Entscheidend ist, welche Art von Reibung entsteht.

Geht es um unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel? Dann lassen sich oft Lösungen finden, die wieder auf dieses Ziel einzahlen.

Oder zeigt die Reibung, dass grundlegende Vorstellungen nicht zusammenpassen? Etwa beim Wachstumstempo, bei Kontrolle, Führung, Exit oder beim Umgang mit den Menschen im Unternehmen?

Dann ist der Konflikt möglicherweise kein Problem, das gelöst werden muss. Er ist ein Stoppschild.

Augenhöhe statt Bittstellerrolle

Gründer sollten sich in solchen Gesprächen nicht als Bittsteller verstehen. Kapital, Erfahrung und Kontakte sind wertvoll. Die Idee, das Unternehmen, die operative Arbeit und das persönliche Risiko sind es ebenfalls.

Investor-Fit bedeutet deshalb auch, sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Investoren dürfen und müssen kritisch prüfen, ob Gründer ausreichend ambitioniert sind. Gründer dürfen ebenso kritisch prüfen, welches Menschenbild hinter den Renditeerwartungen steht.

Wer bei LIFE-first sofort an Leistungsverweigerung denkt, übersieht, dass Menschen eher bereit sind, die Extrameile zu gehen, wenn ihr Wunschleben dabei nicht aus dem Kalkül fällt. Menschenorientiertes Unternehmertum kann ihnen die Flügel verleihen, die sie für diesen Ritt brauchen. Denn wie viel Leistung geht verloren, wenn ein Unternehmen den Menschen aus dem Blick verliert, der sie erbringen soll?

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

Wer soll da in dich investieren wollen?

Sondern auch:

Mit wem willst du dein Unternehmen aufbauen?

Willst du Investoren, für die Wachstum und Exit im Mittelpunkt stehen und die dabei die Menschen hinter diesem Erfolg aus dem Blick verlieren? Oder willst du eine langfristige und tragfähige Beziehung aufbauen, in der Ziele, Erwartungen und Grenzen offen verhandelt werden?

Profit und Menschen sind keine Gegensätze. Nachhaltig erfolgreiche Unternehmen brauchen beides. Ambition ohne wirtschaftliche Substanz funktioniert nicht. Wachstum ohne Menschen, die es langfristig tragen können, ebenfalls nicht.

Bildcredits/Fotograf: Vesna Boccadamo

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

hey circle: Wie das Start-up Mehrweg im Versand etablieren will

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Mehrweg: hey circle revolutioniert Verpackung doris diebold und fabian eckert mit hey circle und einer recup mehrwegprodukten

hey circle setzt auf Mehrweg, um jede Verpackung im Versand mehrfach zu nutzen und so Abfall sowie CO₂ nachhaltig zu reduzieren.

Können Sie hey circle kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

hey circle steht für Kreislauflogistik im Versand – unser Leitmotiv ist „choose reuse“. Wir ersetzen den klassischen Einwegkarton durch robuste Mehrweg Boxen und Versandtaschen, die im Schnitt für rund 50 Umläufe genutzt werden können, bevor sie recycelt werden. Die Idee entstand aus einem sehr persönlichen Widerspruch: 2019 wollte ich mit meiner Arbeit unbedingt einen positiven Impact schaffen. Als zweifache Mutter habe ich viel online bestellt und mich jedes Mal geärgert, dass eine eigentlich wertige Verpackung nach einem einzigen Transportweg im Müll landet – eine nachhaltige Versandlösung gab es schlicht nicht. Statt das hinzunehmen, habe ich meinen Konzernjob verlassen und hey circle gegründet, mitten in der Anfangszeit der Pandemie.

Wer steht hinter hey circle, und welche Erfahrungen haben Sie dazu motiviert, Mehrweg Versandverpackungen zu entwickeln?

Als Founder und CEO verantworte ich hey circle, dahinter steht ein engagiertes Team. Motiviert haben mich der wachsende E Commerce und die Abfallberge, die er produziert: Milliarden Einwegkartons pro Jahr, die nach einem Weg entsorgt werden. Aus meiner Zeit in einem großen Unternehmen wusste ich, wie stark am Ende die Wirtschaftlichkeit über solche Entscheidungen bestimmt. Mir war deshalb wichtig, keine Öko Nische zu bauen, sondern zu zeigen, dass Mehrweg im Versand betriebswirtschaftlich funktioniert. Auf diesem Weg begleiten uns Menschen, die Mehrweg im Massenmarkt kennen: etwa Fabian Eckert, Gründer von RECUP, als Strategic Advisor sowie Impact orientierte Investoren.

Welche Vision verfolgen Sie mit hey circle, und wie möchten Sie den Versandhandel langfristig nachhaltiger gestalten?

Unsere Vision ist, dass Mehrweg im Versand zum Normalfall wird. Heute ist Wegwerfen der Standard, und genau diese Logik wollen wir auflösen. Jede Verpackung soll dutzende Male im Kreislauf laufen, digital erfasst und damit messbar. Langfristig soll es selbstverständlich werden, Waren in einer Verpackung zu verschicken, die zurückkommt und wieder eingesetzt wird – über Branchen und Unternehmen hinweg.

An welche Zielgruppen richtet sich hey circle hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für den E Commerce und den B2B Versand?

Wir richten uns aktuell primär an Unternehmen mit B2B Warenströmen in Deutschland und Österreich. Besonders stark sind wir überall dort, wo Versandkreisläufe ohnehin geschlossen sind: Austausch und Reparatur, Muster und Auswahlsendungen, Verleih, Filialbelieferung, Rücksendungen und die Belieferung durch Zulieferer. Zuhause sind wir dabei unter anderem im Gesundheitshandwerk, im IT und Elektronik Refurbishment, bei Konsumgütermarken und bei industriellen Zulieferern. Wir lösen dort drei Probleme auf einmal: Wir vermeiden bis zu 94 Prozent Abfall und bis zu 76 Prozent CO2, senken die Kosten für Verpackungskauf deutlich und machen unsere Kunden gleichzeitig fit für die kommenden Mehrwegpflichten der EU Verpackungsverordnung (PPWR).

Mit Ihren Mehrwegboxen und Versandtaschen ersetzen Sie den klassischen Einwegkarton. Was macht Ihr Konzept aus Ihrer Sicht besonders?

Das Besondere ist die Kombination aus Robustheit und Alltagstauglichkeit. Unsere Verpackungen sind auf viele Umläufe ausgelegt und ihre Stabilität wurde deshalb intensiv mit Stapeldruck, Fall und Dauertests auf Transportbändern geprüft. Trotzdem können sie für Retoure und Lagerung flach zusammengefaltet werden. Entscheidend ist ein Detail, das man erst in der Praxis sieht: Unsere Boxen sind von allen Paketdiensten getestet und freigegeben und laufen ohne Sperrgut Zuschlag über die normalen Sortierbänder der Paketzentren. Hartschalen Alternativen werden dagegen als Sperrgut mit Aufpreis eingestuft. Dazu kommt die digitale Erfassung über den GS1 GRAI (Global Returnable Asset Identifier) und die Möglichkeit, Produkte ab 1.000 Stück individuell anzupassen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, Mehrwegverpackungen in bestehende Logistik und Versandprozesse zu integrieren?

Die größte Hürde ist, dass die gesamte Logistik über Jahrzehnte auf Einweg optimiert wurde. Am Anfang steht immer ein Umdenken: Die Verpackung ist plötzlich ein Wertgegenstand, der zurückkommen soll, kein Wegwerfartikel. Praktisch heißt das vor allem, die Rückführung sauber und wirtschaftlich zu organisieren, denn für einen leeren Rückversand erheben die Paketdienstleister das normale Porto – eine Sonderregel für Mehrwegbehälter gibt es (noch) nicht. Deshalb lohnt sich Mehrweg besonders, wenn die Verpackung mit Ware zurückgeschickt wird oder leere Verpackungen gebündelt kosteneffizient zurückgeführt werden.

Wie wichtig ist die Kombination aus wiederverwendbarer Verpackung und digitaler Verwaltung für den Erfolg Ihres Systems?

Sobald eine Verpackung mehrfach läuft, muss man wissen, wo sie ist, wie oft sie schon im Einsatz war und was sie eingespart hat. Genau das leistet unser IT System über die GRAI Identifikationsnummer: Es erfasst die Umläufe und die eingesparten Ressourcen. Das macht den Impact für unsere Kunden überhaupt erst messbar und liefert die Nachweise, die sie künftig für die Mehrwegquoten der EU Verpackungsverordnung brauchen. Mehrweg ohne Daten skaliert nicht – die digitale Verwaltung ist das Rückgrat des ganzen Kreislaufs.

Welche Rolle spielt die Akzeptanz der Verbraucher und Unternehmen für den weiteren Ausbau von Mehrweg Versandslösungen?

Eine ganz zentrale. Auf der Verbraucherseite entscheidet, wie leicht die Rückgabe ist – je einfacher, desto höher die Rücklaufquote. Auf Unternehmensseite müssen die Wirtschaftlichkeit und der Nachweis stimmen. Beides bewegt sich gerade spürbar: Die EU Verpackungsverordnung schafft Druck und Planungssicherheit, und unsere ersten Referenzen zeigen, dass das System im Alltag trägt – etwa Prinoa Dental, die Österreichische Post mit Post Loop, pricon in der Augenoptik oder Interzero im Geräteversand. Solche Beispiele nehmen die Skepsis, weil sie belegen, dass Mehrweg kein Idealismus ist, sondern funktioniert. Es sind die kleinen Schritte, die am Ende die große Hebelwirkung haben.

Welche neuen Entwicklungen oder Pläne stehen bei hey circle aktuell im Fokus?

Der größte Treiber ist die EU Verpackungsverordnung (PPWR), deren Pflichten ab dem 12. August 2026 greifen und die ab 2030 verbindliche Mehrwegquoten für Transportverpackungen bringt. Das ist enormer Rückenwind für uns. Produktseitig führen wir noch einfachere Verschlusslösungen ein und verbessern die Bündelbarkeit. Dazu bieten wir noch mehr Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. Und wir rollen unsere Lösung gezielt in weiteren Branchen aus, vom Gesundheitshandwerk bis zur industriellen Zulieferung. Insgesamt liegt der Fokus klar auf Wachstum und Skalierung.

Sie sind Teil des GS1 Germany Accelerators butterfly & elephant. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Programm, und wie unterstützt es die Weiterentwicklung von hey circle?

butterfly & elephant setzt auf „Smart Capital & Smart Connections“, also auf die Kombination aus Kapital und einem sehr konkreten Netzwerk, das genau zu uns passt. GS1 ist die globale Organisation hinter Standards wie GTIN oder GRAI. Letzteren nutzen wir bereits für die Identifikation und digitale Rückverfolgbarkeit unserer Verpackungen. Interoperable Standards sind die Voraussetzung dafür, dass Mehrwegkreisläufe hersteller und unternehmensübergreifend funktionieren. Deshalb ist GS1 für uns ein natürlicher Partner. Ich erwarte mir vom Programm vor allem den Zugang zum GS1 Germany Netzwerk mit über 97.000 Unternehmen in Deutschland, das Know how rund um Standardisierung sowie ein Sparring auf Augenhöhe, das unsere Vision stärkt.

Welche Impulse oder wertvollen Kontakte konnten Sie durch butterfly & elephant bereits gewinnen, und welchen Einfluss haben diese auf Ihr Unternehmen?

Der wichtigste Effekt ist für uns der Zugang zu einem Netzwerk, das genau unsere Zielgruppen abdeckt – etablierte Player aus Handel und Konsumgüterindustrie, an die man als junges Unternehmen sonst nur schwer herankommt. Sehr wertvoll ist außerdem der fachliche Austausch mit den GS1 Experten zu Standards für Mehrwegobjekte, also etwa wie sich eine Verpackung als „digitaler Zwilling“ über die GRAI Identifikationsnummer eindeutig und branchenübergreifend abbilden lässt – ein Thema, das mit den kommenden Nachweispflichten der PPWR stark an Bedeutung gewinnt. Dazu kommen das Sparring mit dem Accelerator Team und der Blick anderer Gründerinnen und Gründer auf unsere Themen. Insgesamt hilft uns das Programm, unser System anschlussfähig für die großen Warenströme zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit nachhaltigen Lösungen etablierte Märkte verändern möchten?

Erstens: Löst ein echtes wirtschaftliches Problem, nicht nur ein moralisches. Nachhaltigkeit setzt sich im Markt über Kosten, Nutzen und Regulatorik durch, nicht über das gute Gewissen – die ökologische Wirkung ist dann das starke Zusatzargument.

Zweitens: Baut für die reale Prozesswelt und holt euch früh ehrliches Feedback. Redet mit Logistik, Handel und den Menschen, die eure Lösung täglich nutzen sollen. Als Gründerin muss man nicht in allem Expertin sein – viel wichtiger ist, die richtigen Fragen zu stellen und Leuten zuzuhören, die den Markt wirklich kennen.

Drittens: Bringt Geduld und Beharrlichkeit mit. Etablierte Märkte ändern sich langsam, und man verändert sie nicht mit einem großen Wurf, sondern mit vielen kleinen Schritten, verlässlichen Partnern und der Ausdauer, dranzubleiben, bis Regulatorik und Markt kippen. Es sind die kleinen Schritte, die den großen Impact haben.

Bildcredits  hey circle

Wir bedanken uns bei Doris Diebold für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Hinter jeder Medaille steht ein Team: Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

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Denise Schindler auf dem BG prevent: Erfolg als Teamleistung Fotograf Sven Erberich

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Denise Schindler ein Interview geführt

Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen aus dem Spitzensport und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

BG prevent beschäftigt sich intensiv mit Gesundheit, Prävention und Zusammenarbeit.

Ihr Vortrag trägt den Titel „Gemeinsam zum Erfolg“. Warum ist Erfolg aus Ihrer Sicht immer eine Teamleistung?

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Obwohl ich allein auf dem Rad sitze, sind an meinem Erfolg viele Menschen beteiligt. Mein Orthopädietechniker hat gemeinsam mit mir eine Radsportprothese entwickelt, die mein Training überhaupt erst ermöglicht. Mein Trainer, meine Teamärztin, mein Osteopath und mein Radmechaniker sorgen dafür, dass ich meine Leistung abrufen kann. Und ohne Sponsoren wären viele Dinge im Spitzensport gar nicht möglich.

Genau deshalb sehe ich viele Parallelen zur Wirtschaft. Moderne Unternehmen stehen vor immer komplexeren Herausforderungen. Selbst kleinere Unternehmen müssen heute international denken und in einem dynamischen Umfeld bestehen. Auch dort entsteht Erfolg nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Perspektiven und Erfahrungen.

Deshalb ist Erfolg aus meiner Sicht immer eine Teamleistung. Natürlich muss ich als Athletin im entscheidenden Moment selbst in die Pedale treten. Aber hinter jeder Medaille steht ein Team. Und genauso steht hinter jedem erfolgreichen Unternehmen ein Team, das gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Genau darum geht es auch in meinem Vortrag „Gemeinsam zum Erfolg“.

Welche Rolle spielen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, wenn Teams große Herausforderungen meistern müssen?

Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Teamleistung. Solange alles gut läuft, ist Zusammenarbeit relativ einfach. Die wahre Stärke eines Teams zeigt sich erst dann, wenn Herausforderungen, Rückschläge oder Unsicherheiten auftreten.

In meiner sportlichen Karriere habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig Vertrauen ist. Ich muss mich darauf verlassen können, dass mein Trainer, mein Orthopädietechniker oder mein medizinisches Team die richtigen Entscheidungen treffen und mich bestmöglich unterstützen. Vertrauen entsteht dabei nicht durch große Worte, sondern dadurch, dass Menschen über längere Zeit hinweg das tun, was sie versprechen – wenn Worte und Handlungen übereinstimmen.

Vertrauen bedeutet für mich auch, Verantwortung abzugeben und die Expertise anderer anzuerkennen. Niemand kann alles allein schaffen. Erst wenn Menschen ihre Stärken einbringen können und sich gegenseitig unterstützen, entsteht echte Spitzenleistung.

Das gilt im Sport genauso wie in Unternehmen. Je größer die Herausforderung, desto wichtiger werden Vertrauen, Offenheit und der Zusammenhalt im Team. Oft sind genau diese Faktoren am Ende entscheidend für den Erfolg.

Wie wichtig ist mentale Stärke, wenn man mit Niederlagen oder unerwarteten Veränderungen umgehen muss?

Mentale Stärke spielt für mich eine entscheidende Rolle. Dabei geht es nicht darum, nie zu scheitern oder immer stark zu sein. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen, Niederlagen und unerwarteten Veränderungen umzugehen.

Einer meiner Leitsätze lautet: Es ist nicht die Frage, ob Rückschläge kommen. Die Frage ist, wie wir persönlich und auch als Team damit umgehen. Genau das entscheidet langfristig darüber, ob wir erfolgreich durchs Leben gehen.

Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass Erfolg niemals geradlinig verläuft. Oft sehen wir nur das Ergebnis – die Medaille, den Titel oder das erfolgreiche Unternehmen. Was wir nicht sehen, sind die Fehler, Niederlagen und Zweifel auf dem Weg dorthin. Rückschläge sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein unvermeidbarer Teil von Entwicklung und Erfolg.

Entscheidend ist deshalb der Umgang damit. Bin ich bereit, die Ursachen ehrlich anzuschauen? Bin ich bereit zu lernen und Verantwortung zu übernehmen? Und schaffe ich es, die Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen?

Fehler zu machen ist menschlich. Die gleichen Fehler immer wieder zu machen, ist dagegen eine Entscheidung. Wer aus Erfahrungen nicht lernt, dreht sich im Kreis und macht seinen Weg unnötig schwer, lang und im Unternehmenskontext oft auch unwirtschaftlich.

Mentale Stärke bedeutet für mich deshalb nicht, niemals zu fallen. Mentale Stärke bedeutet, nach jedem Rückschlag aufzustehen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und den nächsten Schritt zu gehen.

Viele Unternehmen stehen aktuell unter hohem Druck. Was können Teams aus dem Leistungssport über Resilienz und Zusammenhalt lernen?

Eine Erkenntnis aus dem Leistungssport ist für mich: Druck ist ein Privileg. Denn Druck entsteht meist dann, wenn uns jemand etwas zutraut – eine Verantwortung, eine Aufgabe oder eine Leistung, die wir erbringen sollen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir Druck vermeiden, sondern wie wir mit ihm umgehen. Im Sport lernen wir, Druck zu akzeptieren und den Fokus auf die Dinge zu richten, die wir beeinflussen können.

Resilienz und Zusammenhalt entstehen dabei nicht in den guten Zeiten, sondern in den schwierigen. Wenn Ergebnisse ausbleiben, Pläne nicht aufgehen oder unerwartete Veränderungen eintreten, zeigt sich, wie stark ein Team wirklich ist.

Welche Eigenschaften zeichnen aus Ihrer Sicht wirklich erfolgreiche Teams aus?

Wirklich erfolgreiche Teams zeichnen sich für mich vor allem durch zwei Dinge aus: Vielfalt und Vertrauen.

Vielfalt deshalb, weil komplexe Herausforderungen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen erfordern. Wenn alle gleich denken, entstehen selten die besten Lösungen. Die Qualität eines Teams entsteht oft gerade aus den unterschiedlichen Blickwinkeln seiner Mitglieder.

Mindestens genauso wichtig ist aber das, was man heute als psychologische Sicherheit bezeichnet. Menschen müssen sich trauen, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern oder neue Ideen einzubringen – auch dann, wenn sie noch nicht wissen, ob diese Idee am Ende funktioniert.

Die besten Teams, die ich erlebt habe, waren nicht die Teams ohne Fehler. Es waren die Teams, in denen Menschen offen miteinander sprechen konnten, voneinander gelernt haben und gemeinsam besser geworden sind.

Denn Fortschritt entsteht selten aus Gewissheit. Fortschritt entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, ihre Gedanken einzubringen und gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen.

Wie gelingt es Teams, auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig zu bleiben?

Ich glaube, dass Teams auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig bleiben können, wenn sie drei Dinge haben: eine klare Vision, Vertrauen in die Führung und das Gefühl, Teil der Lösung zu sein.

Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen Menschen Orientierung. Sie müssen verstehen, warum sie etwas tun und wofür es sich lohnt, weiterzumachen. Gleichzeitig braucht es Führungspersönlichkeiten, die Zuversicht vermitteln. Nicht indem sie Probleme schönreden, sondern indem sie ehrlich, transparent und verlässlich kommunizieren. Worte und Handlungen müssen dabei übereinstimmen – denn Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch gelebtes Verhalten.

Mindestens genauso wichtig ist die Einbindung des Teams. Menschen bleiben motiviert, wenn sie gehört werden, Verantwortung übernehmen können und das Gefühl haben, einen Beitrag zu leisten.

Und schließlich ist es immer auch eine Frage der Haltung. Wir können viel Energie darauf verwenden, warum etwas nicht funktioniert, oder wir können unsere Energie darauf richten, was der nächste mögliche Schritt ist. Erfolgreiche Teams entscheiden sich gerade in schwierigen Phasen für Handlungsfähigkeit statt Opferrolle. Sie richten ihren Blick nicht auf das Problem, sondern auf die Möglichkeiten, die ihnen trotz der Situation noch zur Verfügung stehen.

Bildcredits Sven Erberich

Wir bedanken uns bei Denise Schindler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

NebenkostenPro: Wie eine KI-Plattform Nebenkostenabrechnungen vereinfacht

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NebenkostenPro: KI für die Nebenkostenabrechnung Julian Falk

NebenkostenPro zeigt, wie KI die Nebenkostenabrechnung für Mieter und Vermieter schneller, transparenter und einfacher macht.

Können Sie NebenkostenPro kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Entwicklung Ihrer Plattform entstanden ist?

NebenkostenPro ist eine KI-Plattform, mit der Mieter ihre Nebenkostenabrechnung prüfen und Vermieter ihre Nebenkostenabrechnung erstellen können. Nutzer laden ihre Dokumente hoch, eine Pipeline aus mehreren spezialisierten KI-Modellen liest alle Positionen aus, strukturiert sie und analysiert sie auf Auffälligkeiten. Nach wenigen Minuten steht der fertige Report. Die Idee entstand denkbar unspektakulär: Ich habe selbst als Mieter eine Abrechnung bekommen, bei der die Zahlen nicht plausibel wirkten. Beim Einlesen bin ich direkt im Paragraphendschungel der Betriebskostenverordnung gelandet und dachte mir: Wenn ich als technikaffiner Mensch das kaum durchdringe, wie soll das jemand ohne Vorkenntnisse schaffen? Gleichzeitig fiel mir auf, dass die Verordnung im Kern aus klaren Wenn-Dann-Strukturen besteht. Das schreit förmlich nach Automatisierung. Aus einem Wochenendprojekt wurde eine Plattform.

Wer steht hinter NebenkostenPro, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer KI-Lösung geprägt?

Hinter NebenkostenPro stehe ich als Solo-Gründer aus dem Raum Nürnberg. Ich komme aus der Softwareentwicklung und habe viele Jahre KI-gestützte Automatisierungssysteme für Geschäftskunden gebaut, immer mit Fokus auf Prozesse, die in Deutschland besonders viel Reibung erzeugen. Diese Erfahrung hat zwei Überzeugungen geprägt: Erstens funktionieren KI-Systeme dann zuverlässig, wenn man ihnen eng abgegrenzte Aufgaben gibt, statt sie frei formulieren zu lassen. Zweitens verändern die heutigen Werkzeuge fundamental, wie Softwareunternehmen entstehen. Ein einzelner Gründer kann heute so produktiv sein wie früher ein ganzes Team, wenn er die Rolle des Architekten einnimmt, die Richtung vorgibt und Ergebnisse konsequent validiert.

Welche Vision verfolgen Sie mit NebenkostenPro, und wie möchten Sie die Erstellung und Prüfung von Nebenkostenabrechnungen langfristig vereinfachen?

Meine Vision ist, dass die Nebenkostenabrechnung aufhört, ein jährliches Ärgernis zu sein. Mieter sollen in wenigen Minuten verstehen, was ihnen berechnet wurde und ob die Werte plausibel sind, ohne juristisches Vorwissen und ohne teure Dienstleister. Vermieter sollen ihre Abrechnung ohne Excel-Bastelei erstellen können, mit transparenten Rechenwegen und nachvollziehbaren Verteilungen statt Bauchgefühl. Langfristig soll NebenkostenPro die Standardplattform für beide Seiten werden, gestützt auf eine offene Datenbasis, die Nebenkosten in Deutschland insgesamt transparenter macht.

An welche Zielgruppen richtet sich NebenkostenPro, und welche Herausforderungen lösen Sie für Mieter und private Vermieter?

Wir bedienen beide Seiten des Marktes: rund 19 Millionen Mieterhaushalte und 3,9 Millionen private Kleinvermieter. Für Mieter lösen wir das Problem, dass eine Abrechnung ohne Fachwissen kaum zu durchdringen ist und eine Prüfung bisher teuer oder aufwendig war. Für Vermieter, oft Privatpersonen mit einer oder zwei Wohnungen, lösen wir die jährliche Excel-Qual: ständig neue Vorgaben, unübersichtliche Verteilerschlüssel und die Sorge, etwas falsch zu machen. Interessanterweise wächst die Vermieterseite bei uns schneller als die Mieterseite. Viele sind schlicht dankbar, wenn ihnen das jemand abnimmt.

Laut Deutschem Mieterbund enthält jede zweite Nebenkostenabrechnung Fehler. Warum wird dieses Problem Ihrer Meinung nach dennoch so selten überprüft?

Weil die Hürde bisher höher war als der erwartete Nutzen. Eine Abrechnung ist in Behördendeutsch verfasst, die Verteilerschlüssel sind erklärungsbedürftig, und ohne juristische Kenntnisse weiß man nicht einmal, wonach man suchen soll. Die klassischen Wege, also Anwalt, Mietervereinsmitgliedschaft oder manuelle Prüfdienste, kosten Geld, Zeit oder beides. Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Einzelne Positionen wirken klein, also winkt man ab, obwohl sich die Beträge über Jahre summieren. Genau diese Hürde wollten wir auf wenige Minuten und ein paar Klicks reduzieren.

Was macht NebenkostenPro aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Prüfdiensten oder anderen digitalen Lösungen?

Drei Dinge. Erstens die Geschwindigkeit: Die Analyse läuft vollautomatisch in wenigen Minuten statt manuell in Tagen. Zweitens die Nachvollziehbarkeit: Jede Auffälligkeit im Report lässt sich auf konkrete extrahierte Werte und Vergleichsdaten zurückführen, es ist keine Blackbox. Drittens der duale Ansatz: NebenkostenPro ist das einzige Tool in Deutschland, das Nebenkostenabrechnungen nicht nur analysiert, sondern für Vermieter auch erstellt. Dazu kommt unsere frei zugängliche Datenbank mit kommunalen Nebenkostendaten, die es in dieser Form sonst nirgends gibt.

Sie unterstützen sowohl Mieter als auch Vermieter. Warum war es Ihnen wichtig, beide Seiten des Marktes mit einer Plattform abzudecken?

Weil es fachlich dasselbe Problem aus zwei Perspektiven ist. Wer versteht, wie eine korrekte Abrechnung entsteht, kann besser analysieren, und wer tausende Abrechnungen analysiert hat, weiß genau, wo beim Erstellen die typischen Fehler passieren. Beide Seiten profitieren also voneinander. Dazu kommt ein wirtschaftlicher Grund: Das Mietergeschäft ist stark saisonal, die wiederkehrenden Abrechnungen der Vermieter sorgen für Stabilität. Diese Balance macht das Unternehmen unabhängig und trägt es aus eigener Kraft.

Wie gelingt es Ihrer KI, Dokumente automatisch auszulesen, Auffälligkeiten zu erkennen und in wenigen Minuten einen verständlichen Report zu erstellen?

Der Schlüssel ist die Architektur. Statt einer einzelnen KI, die frei formuliert, arbeitet eine Pipeline aus mehreren spezialisierten Modellen, jedes mit einer klar abgegrenzten Aufgabe: Dokumente erkennen, Positionen extrahieren, Strukturen zuordnen, Werte analysieren. Die eigentliche Auswertung basiert dann nicht auf Freitext-Antworten eines Sprachmodells, sondern auf einem präzisen Abgleich der extrahierten Werte mit lokalen Vergleichsdaten und öffentlich verfügbaren Referenzwerten. Sprachmodelle kommen dort zum Einsatz, wo sie stark sind, beim Auslesen und Verständlichmachen, nicht beim Rechnen. So bleibt jedes Ergebnis nachvollziehbar.

Sie haben zusätzlich eine offene Datenbank mit kommunalen Nebenkostendaten für rund 400 deutsche Städte aufgebaut. Welche Idee steckt hinter diesem Projekt, und welchen Mehrwert bietet es den Nutzern?

Ehrlich gesagt entstand sie aus der Not: Als Solo-Gründer ohne Marketingbudget kann ich keine teuren Klickpreise gegen etablierte Anbieter bezahlen. Also habe ich stattdessen etwas gebaut, das echten Mehrwert bietet: sauber strukturierte Daten von Grundsteuer-Hebesätzen bis zu Wasserpreisen für rund 400 deutsche Städte, frei zugänglich für alle. Nutzer können damit ihre eigenen Kosten einordnen, und dieselben Daten speisen als Vergleichswerte unsere Analyse. Inzwischen zitieren Google und KI-Systeme wie ChatGPT die Datenbank regelmäßig als Referenzquelle, der organische Traffic vervielfacht sich von Monat zu Monat. Für mich der Beweis, dass nützliche Daten das bessere Marketing sind.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer KI-Lösung, die rechtliche Vorgaben und komplexe Abrechnungen zuverlässig verarbeiten muss?

Die größte technische Herausforderung ist Zuverlässigkeit: Bei Finanzdokumenten darf nichts halluzinieren. Deshalb die spezialisierte Pipeline mit eng definierten Aufgaben statt freier Textgenerierung. Dazu kommt die enorme Vielfalt realer Abrechnungen, praktisch jede sieht anders aus, und das System muss mit allen zurechtkommen. Auf der rechtlichen Seite ziehen wir bewusst klare Grenzen: NebenkostenPro liefert Informationen, Datenanalysen und Hinweise, aber keine Rechtsberatung, und bei komplexen Sonderfällen empfehlen wir ausdrücklich die fachliche Beratung. Und der Markt ist stark reguliert und in Bewegung. Neue Vorgaben wie die CO2-Kostenaufteilung müssen schnell und vollständig in der Software abgebildet werden. Genau da hilft mir die schlanke Struktur.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei NebenkostenPro aktuell im Fokus?

Drei Schwerpunkte. Erstens eine noch intelligentere Dokumentenerkennung. Das System soll Sonderfälle wie WEG-Einzelabrechnungen automatisch erkennen und den Nutzer aktiv durch den passenden Ablauf führen. Zweitens bauen wir die Hinweise im Editor aus. Kritische Positionen sollen künftig noch deutlicher markiert werden, damit Nutzer fundierte Entscheidungen treffen können. Drittens die Objektverwaltung für Vermieter: Objekte und Mieterdaten einmal hinterlegen und in den Folgejahren mit wenigen Klicks abrechnen. Und die offene Datenbank wächst kontinuierlich weiter.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer KI gestützten Plattform einen etablierten Markt nachhaltig verändern möchten?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst hattet und das nachweislich Millionen andere teilen. Das eigene Erleben ist der beste Kompass fürs Produkt.

Zweitens: Nutzt KI konsequent als Produktivitätshebel. Die heutigen Werkzeuge machen einen einzelnen Gründer so schlagkräftig wie früher ein Team, aber behandelt den Output wie den eines Kollegen: hinterfragen statt blind vertrauen.

Drittens: Sucht euren Vorsprung nicht in der KI Technologie selbst, die kann jeder einkaufen. Der echte Burggraben ist Domänenwissen plus Geschwindigkeit: jeden Tag nah am Nutzer bauen und schneller iterieren als die Etablierten. Und wenn das Werbebudget fehlt: Baut etwas, das so nützlich ist, dass es von selbst gefunden wird.

Bildrechte: NebenkostenPro, Julian Falk

Wir bedanken uns bei Julian Falk für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Herausforderungen meistern: Lektionen vom Mount Everest für moderne Unternehmen

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BG prevent Event: Herausforderungen meistern & Resilienz stärken Helga Hengge Copyright Niko schmid burgk

Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Helga Hengge ein Interview geführt

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Jubiläumsevent von BG prevent über das Thema „Herausforderungen meistern“ zu sprechen?

Ich freue mich sehr über die Einladung. Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

BG prevent beschäftigt sich mit Gesundheit, Prävention und resilienten Arbeitswelten. Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen als Extrembergsteigerin und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

Auf den ersten Blick scheinen die Welten weit voneinander entfernt zu sein. Doch die grundlegenden Fragen sind ganz ähnlich: Wie gehe ich mit Unsicherheit um? Wie treffe ich Entscheidungen unter Druck? Wie bleibe ich leistungsfähig, ohne meine Gesundheit zu gefährden? Auf einer Expedition wird sehr schnell deutlich, dass Erfolg nicht allein von Leistung abhängt. Entscheidend ist vielmehr, wie gut man mit seinen Ressourcen umgeht – körperlich, mental und als Team. Das gilt ebenso für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden, frühzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben können.

Sie waren die erste deutsche Frau auf dem Mount Everest. Was war auf diesem Weg die größte mentale Herausforderung für Sie?

Die größte Herausforderung war nicht der Gipfeltag selbst, sondern der lange Weg dorthin. In den zwei Monaten am Berg gab es auch Zweifel, Rückschläge und Situationen, in denen das Ziel unerreichbar schien. Mental stark zu bleiben bedeutet für mich nicht, keine Angst zu haben oder nie zu zweifeln. Es bedeutet, die schwierigen Zeiten als Herausforderung anzunehmen mit der Bereitschaft dazuzulernen und Schritt für Schritt über mich selbst hinaus zuwachsen – mit einem starken Team an meiner Seite.

In Extremsituationen entscheiden oft Teamgeist und Vertrauen über Erfolg oder Scheitern. Welche Parallelen sehen Sie dabei zur heutigen Arbeitswelt?

Vertrauen ist die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit im Team. Auf einer Expedition bin ich darauf angewiesen, dass andere ihren Teil zum großen Ganzen beitragen – genauso wie sie sich auf mich verlassen müssen. Das gilt sicher auch in Unternehmen. Gerade, wenn es darum geht große Herausforderungen zu meistern, kann niemand allein erfolgreich sein. Berge und Gipfelziele werden erreicht, wenn Menschen offen kommunizieren, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen.

Welche Eigenschaften braucht ein starkes Team, um auch unter Druck gemeinsam erfolgreich zu bleiben?

Ich finde ein starkes Team braucht vor allem Diversität, unterschiedliche Stärken, Talente und Erfahrungen, die zusammenwirken. Unser Expeditionsleiter hatte ein sehr klares Credo für das Gelingen unseres Aufstiegs: sorgfältige Vorbereitung, strategische Planung, inspirierende Führung, starkes Bekenntnis zu Teamarbeit und lots of bloody hard work on the mountain ☺

Wie wichtig sind Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen in Situationen, in denen Menschen an ihre Grenzen stoßen?

Sie sind entscheidend. Wenn die Belastung steigt, wird Kommunikation oft schwieriger und gleichzeitig wichtiger. Missverständnisse können gravierende Folgen haben. Vertrauen ermöglicht es, Probleme offen anzusprechen, Hilfe anzunehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gerade in Grenzsituationen ist niemand stark, weil er alles allein schafft.

Was können Führungskräfte aus Expeditionen in extremen Höhenlagen über Verantwortung und Entscheidungsfindung lernen?

Eine der wichtigsten Lektionen lautet: Nicht jede Entscheidung wird unter idealen Bedingungen getroffen. Oft fehlen Informationen, die Zeit ist knapp und die Konsequenzen weitreichend. Gute Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Risiken realistisch einzuschätzen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Manchmal besteht die größte Führungsstärke darin, ein Ziel aufzugeben, das Ego gehen zu lassen, um das Team oder auch das Unternehmen zu schützen.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Klarheit über das gemeinsame Ziel, Konzentration auf die nächste machbare Etappe und die Bereitschaft, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Am Berg und auch im „richtigen“ Leben hilft es nicht, sich von der Größe einer Herausforderung überwältigen zu lassen. Der Aufstieg besteht aus vielen kleinen Schritten. Ich glaube die Bereitschaft stetig dazuzulernen und sich zu verändern ist vielleicht das Wichtigste.

Wie geht man mit Rückschlägen oder Momenten um, in denen das Ziel plötzlich unerreichbar erscheint?

Rückschläge gehören zu jeder Herausforderung. Entscheidend ist, sie nicht als persönliches Scheitern zu betrachten. Oft geben sie wertvolle Hinweise darauf, was angepasst oder neu gedacht werden muss. Und dann braucht man Mut, einen neuen Plan zu schmieden und weiter aufzustiegen.

Welche Rolle spielt mentale Stärke bei der Bewältigung großer Herausforderungen?

Mentale Stärke ist die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Sie entsteht nicht durch Härte, sondern durch Selbstvertrauen, Erfahrung und die Bereitschaft, mit Unsicherheit umzugehen. Wer akzeptiert, dass nicht alles kontrollierbar ist, gewinnt mehr innere Stabilität.

Sie haben weltweit extreme Expeditionen erlebt. Gab es einen Moment, der Ihre Sicht auf Teamarbeit nachhaltig verändert hat?

Ja. Besonders beeindruckt hat mich immer wieder die Erfahrung, wie eng individuelles und gemeinsames Gelingen miteinander verbunden sind. In den Bergen wird sehr deutlich, dass persönlicher Erfolg oft nur möglich ist, weil viele Menschen ihren Beitrag leisten. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Zusammenarbeit nachhaltig geprägt.

Wie wichtig ist es, im Team unterschiedliche Stärken und Persönlichkeiten gezielt einzubinden?

Das ist ein großer Erfolgsfaktor. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen und Sichtweisen mit. Wenn diese Vielfalt wertgeschätzt wird, entstehen bessere Entscheidungen und kreativere Lösungen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig, wenn Teams unter hoher Belastung arbeiten?

Oft wird Kommunikation reduziert, weil alle glauben, dafür keine Zeit zu haben. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Missverständnissen, Warnsignale werden nicht mehr geteilt und vielleicht auch ignoriert, Probleme zu spät angesprochen. Unter Druck ist Transparenz und offene Kommunikation noch viel wichtiger.

In Ihren Vorträgen sprechen Sie über Mut, Ausdauer und Resilienz. Warum sind diese Eigenschaften heute wichtiger denn je?

Unsere Welt verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Niemand kann alle Entwicklungen vorhersehen oder kontrollieren. Deshalb brauchen wir die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Veränderungen umzugehen, aus Rückschlägen zu lernen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn der Weg nicht klar erkennbar ist. Genau dabei helfen Mut, Ausdauer und Resilienz.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz entsteht nicht allein durch individuelles Training. Sie wird auch durch die Kultur eines Teams bzw. einer Organisation geprägt. Unternehmen können viel bewirken, indem sie Vertrauen fördern, gesunde Rahmenbedingungen schaffen, Eigenverantwortung stärken und eine offene Fehlerkultur ermöglichen.

Welche Bedeutung haben Vertrauen und psychologische Sicherheit für leistungsfähige Teams?

Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können. Wer keine Angst haben muss, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen oder eine andere Meinung zu vertreten, trägt aktiver zum gemeinsamen Erfolg bei. Psychologische Sicherheit fördert Lernen, Innovation und Zusammenarbeit.

Wie verändert sich Zusammenarbeit, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel wirklich verinnerlichen?

Es entsteht gemeinsame Energie und Orientierung. Unterschiedliche Interessen treten stärker in den Hintergrund, Entscheidungen können leichter getroffen werden. Ein gemeinsamer Berg, ein gemeinsames Ziel schafft Sinn und verbindet die Menschen über ihre individuellen Rollen im Team hinaus.

Gab es auf Ihren Expeditionen Situationen, in denen Sie Entscheidungen treffen mussten, die alles verändert haben?

Die Entscheidung umzudrehen, den Gipfel aufzugeben ist wahrscheinlich die schwierigste am Berg, weil es eine Entscheidung ist, die alles verändert. Wir wissen, dass dieser Zeitpunkt jederzeit kommen kann, bei jeder Expedition, denn wir sind den äußeren Einflüssen und Gefahren am Berg stärker ausgeliefert als in einem kontrollierten Umfeld. Aber Erfolg am Berg besteht nicht darin, einen Gipfel zu erreichen, sondern so hoch wie möglich aufzusteigen und alle gesund nach Hause zu bringen. Ich glaube je besser man das vor einer Expedition verinnerlicht, desto leichter ist es am Berg mit der Veränderung umzugehen.

Was können Menschen aus dem Extremsport über den Umgang mit Angst und Unsicherheit lernen?

Angst ist kein Gegner, sondern ein wichtiges Barometer. Sie macht auf Risiken aufmerksam und hilft uns, achtsam zu bleiben. Es geht nicht darum, Angst zu vermeiden, sondern frühzeitig zu erkennen, wie sie entsteht und konstruktiv mit ihr umzugehen. Mut bedeutet nicht Angstlosigkeit, sondern Handeln trotz Unsicherheit. Je größer die Angst, desto größer muss die Achtsamkeit sein.

Welche Botschaft möchten Sie den Gästen des BG prevent Events mit Ihrem Vortrag besonders mitgeben?

Wir stehen alle vor großen Herausforderungen im Leben – Bergen, Gipfelzielen, die einem 8000 Meter hohen Berg ganz ähnlich sind und oft auf den ersten Blick auch unerreichbar scheinen. Dass das BG prevent Team immer den Mut findet aus der Landkarte noch weiter hinauszuwandern, aber vor allem, dass sie immer Menschen um sich haben, die in den schwierigen Zeiten an ihrer Seite kämpfen und mit denen sie noch viele Gipfelerfolge feiern können, das wünsche ich dem ganzen Team.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Am Berg habe ich gelernt, dass Unsicherheit kein Ausnahmezustand ist, sondern die Normalität. Wer darauf wartet, dass alle Bedingungen perfekt sind, wird nie aufbrechen. Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht: Erstens braucht es ein klares Zielbild. Menschen können mit Unsicherheit umgehen, wenn sie wissen, wohin die Reise geht. Zweitens braucht es die Bereitschaft, Entscheidungen auch mit unvollständigen Informationen zu treffen. Drittens braucht es eine Kultur, in der Lernen wichtiger ist als Schuldzuweisungen. Auf Expeditionen ändern sich die Bedingungen ständig. Erfolgreich ist nicht das Team mit dem perfekten Plan, sondern das Team, das sich am schnellsten an neue Realitäten anpassen kann.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen Vertrauen erleben, Handlungsspielräume haben und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. Der wichtigste Ort auf großen Expeditionen ist immer das Basecamp – unser Kraftplatz – an dem wir uns von Rückschlägen erholen und neue Pläne schmieden können, ein Ort auch, wo wir uns sicher fühlen und Schwierigkeiten offen ansprechen können. Unternehmen können viel dazu beitragen, Mitarbeitende widerstandsfähiger zu machen, indem sie eine Kultur schaffen, in der Gesundheit, Lernen und gegenseitige Unterstützung möglich sind. Dazu gehören offene Kommunikation, Wertschätzung und die Möglichkeit, auch in anspruchsvollen Phasen ausreichend zu regenerieren. Menschen sind erstaunlich belastbar. Aber ihre Widerstandskraft wächst besonders dort, wo sie sich sicher fühlen, Verantwortung übernehmen können und wissen, dass sie Herausforderungen nicht allein bewältigen müssen.

Bildcredits Niko Schmid-Burgk

Wir bedanken uns bei Helga Hengge für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

In unter 24 Stunden finanziert: Invecorum bringt KI in Steuerkanzleien

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Invecorum: Braunschweiger Start-up baut KI für Steuerkanzleien Bild: v.l.n.r.: Daniel Wasmus, Irina Meier, Philipp Goddinger Bildcredits: Invecorum GmbH

Das Braunschweiger Start-up Invecorum schließt seine Business-Angel-Finanzierungsrunde in Rekordzeit ab und bietet Steuerkanzleien eine datenschutzkonforme KI-Lösung auf dem Leistungsniveau führender US-Anbieter.

In unter 24 Stunden finanziert: Braunschweiger Start-up Invecorum baut Künstliche Intelligenz für Steuerkanzleien

Braunschweig, 21. Juli 2026 – Die Invecorum GmbH, Anbieter einer KI-Lösung für Steuerkanzleien, hat ihre Business-Angel-Runde erfolgreich abgeschlossen. Die sechsstellige Finanzierung kam in Rekordzeit zustande: Sämtliche Investitionszusagen erfolgten direkt am Pitchabend des Banson Business-Angel-Netzwerks in Hannover. In weniger als 24 Stunden stand das Investorenteam fest.

Auch sonst ist das junge Unternehmen schnell unterwegs: Erst im April 2026 gegründet, brachte Invecorum bereits im Juni sein Produkt auf den Markt; nur vier Wochen später war die Finanzierung abgeschlossen. Die Lösung wird inzwischen von Kanzleien bundesweit genutzt.

Höchste fachliche Qualität und volle Compliance

Der Hintergrund: Wenn Steuerkanzleien heute KI-Assistenten wie ChatGPT nutzen, landen Daten in der Regel auf Servern amerikanischer Anbieter. Für einen Berufsstand, der gesetzlich zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet ist, ist das ein erhebliches Risiko. Sichere Alternativen aus Deutschland konnten bei der Qualität bislang nicht mithalten. Steuerberater mussten sich also entscheiden: zwischen einem Werkzeug, das sie bedenkenlos nutzen dürfen, und einem, das wirklich gut ist. Diese Lücke schließt Invecorum.

Bei Steuerrechtsfragen spielt die Lösung bereits heute auf dem Niveau der führenden US-Anbieter mit. Mit dem frischen Kapital baut das Unternehmen nun eine eigene, leistungsstarke Recheninfrastruktur in Deutschland auf. Sensible Mandantendaten verlassen dabei zu keinem Zeitpunkt das Land.

„Die Geschwindigkeit unserer Runde zeigt, wie groß der Bedarf an souveränen KI-Lösungen ist. Wichtig dabei ist, dass man nicht nur die Compliance im Auge behält: Lösungen müssen mindestens so gut sein wie die der US-Anbieter, oder besser. Erst dann gibt es einen wirklichen Paradigmenwechsel“, sagt Daniel Wasmus, Co-Founder und Geschäftsführer der Invecorum GmbH.

Business Angels aus Hannover und der Region

Auch auf Investorenseite ist die regionale Verbundenheit Programm: Alle Business Angels kommen aus Hannover und der Region. „Ein Team, das drei Monate nach Gründung ein marktreifes Produkt mit aktiven Nutzern vorweist, sieht man selten. Wir investieren hier nicht nur in ein Start-up, sondern in den KI-Standort unserer Region“, sagt Dr. Gunter Dunkel, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Nord/LB, der sich im Rahmen der Runde beteiligt hat.

Technologie- und Fachexpertise im Gründerteam

Hinter Invecorum steht ein Gründerteam, das Technologie- und Fachexpertise vereint. Das operative Geschäft verantworten Daniel Wasmus (Software-Entwickler mit Stationen in VC-finanzierten KI-Start-ups, zuletzt beim San-Francisco-Start-up Mixedbread AI), Philip Goddinger (Machine Learning Engineer mit Schwerpunkt KI, verteilte Systeme, Infrastruktur und Security) und Irina Meier (Business und Finance, zuvor Gründerin im Legal-Tech-Bereich).

Fachlich und wissenschaftlich wird das Team von Beginn an begleitet von dem Steuerberater und TaxTech-Experten Jens Henke sowie von Prof. Dr. Guido von Rudorff, Professor für Computational Chemistry an der Universität Kassel und Experte für die Auswahl offener KI-Modelle und deren Betrieb auf eigenen GPUs.

Produkttest für Steuerkanzleien am Standort Braunschweig

Invecorum sitzt im Trafo Hub in Braunschweig und versteht sich als Teil einer Region im Wandel, in der neben Mobilität und Industrie zunehmend Künstliche Intelligenz entsteht. Das Start-up will zeigen, dass sichere KI-Lösungen aus der Region international mithalten können, und lädt alle Steuerkanzleien ein, das Produkt selbst zu testen.

Bild: v.l.n.r.: Daniel Wasmus, Irina Meier, Philipp Goddinger Bildcredits: Invecorum GmbH

Quelle Braunschweig Zukunft GmbH

Moss: Series-C-Finanzierung und Aufstieg zum Unicorn

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Bild Ante Spittler, Anton Rummel, Ferdinand Meyer und Stephan Haslebacher Bildcredits Moss

Das Berliner Fintech Moss schließt eine Series-C-Finanzierungsrunde über 35 Millionen Euro ab, erreicht eine Bewertung von einer Milliarde Euro und baut seine Plattform gezielt zur steuerbaren KI-Lösung für europäische Finanzabteilungen aus.

Moss knackt die Milliarden-Marke und wird vom Ausgabenmanager zur Finance AI

Das Berliner Fintech Moss hat eine Series-C über 35 Millionen Euro abgeschlossen, die das Unternehmen mit einer Milliarde Euro bewertet und die Gesamtfinanzierung auf über 200 Millionen Euro hebt. Angeführt wird die Runde vom Fintech-Spezialisten Portage, mit Beteiligung von Cherry Ventures. Hinter der Finanzierung steht eine strategische Wette auf steuerbare KI: Während viele Marktteilnehmer auf möglichst autonome KI-Agenten setzen, baut Moss eine KI, die einen großen Teil der Kontrolle und Steuerung bei den Finanzteams belässt.

Berlin, 05.08.2026 – Moss hat eine Series-C-Finanzierung abgeschlossen und seit der letzten, von Tiger Global Management angeführten Series B im Jahr 2021 seinen Umsatz verzwanzigfacht. Angeführt wird die aktuelle Runde von Portage, dem auf Fintech spezialisierten Investmentarm des Asset-Managers Sagard – beteiligt unter anderem am kanadischen Neobroker Wealthsimple und am Münchner Unicorn Finn. Mit an Bord ist erneut Bestandsinvestor Cherry Ventures. Bei einer Bewertung von einer Milliarde Euro summiert sich die Gesamtfinanzierung damit auf 200 Millionen Euro.

Ausbau der Plattform für europäische Finanzteams

Das 2019 gegründete Unternehmen, auf dessen Plattform heute mehr als 5.000 europäische Unternehmen arbeiten, wird die neu eingesammelten Mittel nutzen, um seine „Finance AI“-Technologieplattform weiter auszubauen. Diese übernimmt einen immer größeren Teil der Arbeit von Finanzteams – vom Ausgaben- und Forderungsmanagement über die Verbuchung bis hin zu aufwendigen Monatsabschlüssen. Dabei behalten die Finanzteams in jedem Schritt die Kontrolle: Sie gestalten die KI-Werkzeuge und geben frei, was zählt. So wird die Arbeit am Ende nicht nur schneller erledigt, sondern auch mit größerer Genauigkeit, Compliance und Sicherheit.

„Mit dieser Finanzierungsrunde hat sich Moss als Marktführer dabei etabliert, Finanzteams in ganz Europa im Tagesgeschäft besser zu unterstützen“, sagt Ante Spittler, CEO und Gründer von Moss. „Wir freuen uns, Portage auf diesem Weg an unserer Seite zu haben – mit Unterstützung unserer bestehenden Investoren.“

„Als spezialisierte Investoren im Bereich Finanztechnologie sind wir uns der besonderen Herausforderungen von Finanzorganisationen sehr bewusst“, sagt Dan Ballen, General Partner und Co-Head von Portage Capital Solutions. „Die KI-gestützte Technologieplattform von Moss hat sich in kurzer Zeit zu einer erstklassigen Lösung für Finanzabteilungen in ganz unterschiedlichen Märkten entwickelt. Wir freuen uns darauf, Ante Spittler und das gesamte Team bei ihrem weiteren, schnellen Wachstum auf dem Kontinent zu begleiten.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Moss ist überzeugt, dass KI eine hervorragende Ressource für Finanzorganisationen jeder Größe ist – allerdings als Werkzeug, das sich anpassen und steuern lässt, und nicht als vollständig autonome Plattform. „Finanzteams vertrauen uns seit Jahren, dass sie bei jedem Schritt die Kontrolle behalten – zunächst über ihre Ausgaben und nun über die KI, die die Arbeit erledigt“, ergänzt Spittler. „Während die KI die manuelle Abschlussarbeit übernimmt, verlagert sich der Fokus von Finance vom Back Office, hin zu einer Funktion, die Wachstum und Profitabilität steuert.“

Denn wie groß die Lücke zwischen Marktversprechen und Kundenerwartung ist, zeigt eine aktuelle Befragung unter 471 Kunden in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Von fünf KI-Versprechen setzten 65 Prozent „vollständig autonom“ auf den letzten Rang, nur sechs Prozent auf den ersten. Wichtigstes Kriterium war für 48 Prozent die Kontrolle über das System. Diese Reihenfolge war in allen drei Märkten identisch.

Warum Kontrolle das kommerzielle Argument ist

Der Grund dafür ist strukturell. Ein unbeaufsichtigter Fehler bleibt in der Buchhaltung nie ein Einzelfall: Er wiederholt sich über ähnliche Geschäftsvorfälle und beeinträchtigt die Qualität der Buchführung. Automatisierung ohne Kontrolle skaliert keine Effizienz, sie skaliert Fehler.

Die Untersuchung zeigt auch, wo KI im Finanzbereich bislang tatsächlich Fuß gefasst hat: Die Mehrheit der Unternehmen nutzt sie bereits für E-Mails und Reporting. In den Prozessen, an denen Finanzteams gemessen werden – Monatsabschluss, Abstimmung, Prüfungsvorbereitung – sinkt die Nutzung auf rund ein Viertel oder weniger. Zugleich bezeichnet inzwischen etwa ein Drittel der Kunden KI als „Must-have“ beim Kauf von Finanzsoftware.

„Viele Anbieter haben auf autonome KI gesetzt“, sagt Spittler. „Finanzteams sagen uns etwas anderes. Sie wollen KI, die sie gestalten können, die offenlegt, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt, und die ihnen maximale Kontrolle gibt. Genau das bauen wir.“

Bild Ante Spittler, Anton Rummel, Ferdinand Meyer und Stephan Haslebacher Bildcredits Moss

Quelle Story Hype

TWONATURALS: Berliner Schwestern erfinden Functional Nutrition neu

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TWONATURALS: Functional Nutrition für Fitness & Wellbeing. Gioia und Chiara Bandholz Bildcredits TWONATURALS PR

Mit der Berliner Marke TWONATURALS bringen die Gründerinnen frischen Wind in die FunctionalNutrition-Branche und verbinden wissenschaftlich fundierte Rezepturen mit moderner Ästhetik.

Können Sie TWONATURALS kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

TWONATURALS ist eine Functional-Nutrition-Marke aus Berlin, die Fitness, Wellbeing und Ästhetik miteinander verbindet. Wir entwickeln hochwertige, multifunktionale Wellbeing-Produkte, die den heutigen gesundheitsbewussten Menschen ganzheitlich ansprechen – von der funktionalen Rezeptur bis hin zum Design.

Die Idee entstand aus unserer gemeinsamen Leidenschaft und unserem eigenen Alltag. Wir sind beide seit unserer Kindheit sportlich aktiv und haben uns schon früh intensiv mit Ernährung und Nahrungsergänzung beschäftigt. Dabei ist uns immer wieder aufgefallen, dass Sportnahrung häufig sehr einseitig gedacht wird: Viele Produkte konzentrieren sich ausschließlich auf Leistung oder Muskelaufbau, sind künstlich formuliert und haben uns auch optisch nicht angesprochen.

Uns fehlten Produkte, die funktional und wissenschaftlich durchdacht sind, sich gleichzeitig aber natürlich und selbstverständlich in den Alltag integrieren lassen. Produkte, die qualitativ hochwertig sind, geschmacklich überzeugen, mehr bieten als nur einen einzelnen Nährstoff und dabei auch ästhetisch ansprechend gestaltet sind.

Ganz konkret begann unsere Gründungsgeschichte vor rund zwei Jahren mit der Suche nach einem pflanzlichen Proteinpulver, das gut verträglich ist, nicht künstlich süß schmeckt und einen ganzheitlicheren Mehrwert bietet. Weil wir ein solches Produkt auf dem Markt nicht gefunden haben, haben wir beschlossen, es selbst zu entwickeln. Das war der Startpunkt von TWONATURALS.

Wer steht hinter TWONATURALS, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Functional-Nutrition-Produkte geprägt?

Hinter TWONATURALS stehen wir, Chiara und Gioia. Wir sind Zwillingsschwestern und haben die Marke gemeinsam gegründet.

Dabei bringen wir unterschiedliche berufliche Erfahrungen mit, die sich sehr gut ergänzen: Gioia kommt aus dem Produktmanagement und der Produktentwicklung und hat bereits vor der Gründung Produkte von der ersten Idee bis zur Markteinführung begleitet. Chiara kommt aus dem Marketing und hat zuvor im Online-, Performance- und Social-Media-Marketing für verschiedene größere Kunden gearbeitet.

Gleichzeitig verbinden uns unsere langjährige Leidenschaft für Sport, Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel. Wir beschäftigen uns beide schon seit unserer Jugend intensiv mit diesen Themen und haben zusätzlich eine Ausbildung im Bereich der Beratung zu Nahrungsergänzungsmitteln absolviert.

Diese Kombination prägt unsere Arbeit bis heute: Einerseits betrachten wir jedes Produkt aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten und fragen uns, was im Alltag wirklich fehlt. Andererseits setzen wir uns sehr genau mit Rezepturen, Rohstoffen, Dosierungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und regulatorischen Anforderungen auseinander.

Dabei arbeiten wir eng mit erfahrenen Produzenten, Lebensmitteltechnologen und weiteren Fachleuten zusammen. Trotzdem beginnt jedes neue Produkt bei uns mit einer sehr persönlichen Frage: Würden wir es selbst regelmäßig verwenden? Denn wir gehören selbst zu unserer Zielgruppe und möchten ausschließlich Produkte entwickeln, die wir wirklich vermisst haben und hinter denen wir zu 100 Prozent stehen.

Welche Vision verfolgen Sie mit TWONATURALS, und wie möchten Sie Functional Nutrition langfristig neu definieren?

Wir möchten Functional Nutrition aus einer rein leistungsorientierten Nische herausholen. Für uns geht es nicht nur darum, möglichst viel Protein aufzunehmen oder die nächste sportliche Bestleistung zu erreichen.

Wir glauben, dass Performance, Gesundheit und Wohlbefinden nicht getrennt voneinander betrachtet werden sollten. Bewegung, Ernährung, Regeneration, Energie und gute Routinen greifen ineinander und sollten langfristig als Zusammenspiel in den eigenen Alltag passen. Deshalb entwickeln wir Produkte, die mehrere sinnvolle Funktionen miteinander verbinden und trotzdem unkompliziert bleiben.

Unsere Vision ist eine moderne Form von Functional Nutrition, die wissenschaftlich fundiert und hochwertig ist, sich aber weder medizinisch noch extrem oder kompliziert anfühlt. Unsere Produkte sollen funktional sein, gut schmecken, sich selbstverständlich in den Alltag integrieren lassen und so gestaltet sein, dass man sie gerne sichtbar in der Küche stehen hat oder unterwegs mitnimmt.

Am Ende möchten wir Produkte schaffen, die nicht nur einen funktionalen Mehrwert bieten, sondern auch ein gutes Gefühl vermitteln – bei der Anwendung und im Alltag.

An welche Zielgruppen richtet sich TWONATURALS hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Vegan Protein+ erfüllen?

Unsere Produkte richten sich vor allem an aktive und gesundheitsbewusste Menschen, die ihre Ernährung sinnvoll ergänzen möchten, ohne daraus eine Wissenschaft machen zu müssen.

Dazu gehören Menschen, die Krafttraining machen, laufen, Pilates oder Yoga praktizieren, aber genauso Personen, die einfach mehr pflanzliches Protein in ihren Alltag integrieren möchten. Nicht jede Kundin und jeder Kunde verfolgt ein konkretes sportliches Ziel. Viele suchen vielmehr nach einer unkomplizierten Möglichkeit, sich im Alltag bewusster mit essenziellen Makro- und Mikronährstoffen zu versorgen.

Mit Vegan Protein+ wollten wir deshalb ein vielseitiges Produkt schaffen, das nicht nur als klassischer Post-Workout-Shake funktioniert. Es lässt sich auch in Smoothies, Joghurt, Bowls, Overnight Oats oder beim Backen verwenden. Gleichzeitig war uns wichtig, dass es angenehm und nicht künstlich süß schmeckt, sehr gut verträglich ist und über das reine Protein hinaus weitere ausgewählte Nährstoffe enthält.

Viele Proteinprodukte konzentrieren sich vor allem auf den Muskelaufbau. Warum verfolgt TWONATURALS einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden?

Protein wird häufig vor allem mit Bodybuilding, Sport und Muskelaufbau verbunden. Natürlich trägt es zum Aufbau und Erhalt von Muskelmasse bei. Proteine beziehungsweise Aminosäuren sind jedoch grundlegende Bausteine unseres Körpers. Sie werden unter anderem für die Bildung von Enzymen, bestimmten Hormonen und Antikörpern sowie für Haut und Gewebe benötigt.

Dieses oft sehr einseitige Verständnis von Protein möchten wir aufbrechen und zeigen, dass eine ausreichende Proteinversorgung nicht nur für Leistungssportlerinnen und -sportler relevant ist, sondern für viele Menschen ein sinnvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein kann.

Genau hier setzt auch unser „+“ an: Mit unserem Vegan Protein+ wollten wir bewusst mehr als ein klassisches Proteinpulver entwickeln. Neben der Proteinversorgung bilden die Themen Darmgesundheit und Immunsystem zwei weitere zentrale Anker unseres Produktkonzepts. Deshalb kombinieren wir hochwertiges pflanzliches Protein mit gezielt ausgewählten Vitaminen, Mineralstoffen und Bakterienkulturen. So entsteht ein multifunktionales Produkt, das nicht nur rund um das Training sinnvoll ist, sondern sich unkompliziert in eine ganzheitliche tägliche Ernährungs- und Wohlfühlroutine integrieren lässt.

Dabei geht es uns nicht darum, möglichst viele Inhaltsstoffe auf dem Etikett zu vereinen. Jede Komponente soll einen nachvollziehbaren Mehrwert bieten, sinnvoll zur Gesamtrezeptur passen und die Funktion des Produkts gezielt ergänzen. Genau dafür steht das „+“ in unserem Vegan Protein+.

Was macht TWONATURALS aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Anbietern pflanzlicher Proteinprodukte?

Für uns ist es vor allem die Verbindung aus Funktion, Geschmack, Ästhetik und einer zeitgemäßen Ansprache. Wir möchten Functional Nutrition nicht nur anders gestalten, sondern auch langfristig weiterdenken.

Viele Produkte am Markt sind sehr funktional, schmecken jedoch künstlich oder wenig angenehm. Andere Marken überzeugen zwar optisch, bieten mit ihrer Rezeptur aber kaum einen Mehrwert über die reine Proteinversorgung hinaus. Wir möchten genau diese Bereiche miteinander verbinden und Produkte entwickeln, bei denen man sich nicht zwischen Funktionalität, Geschmack und Design entscheiden muss.

Unsere Produkte sind vegan, kommen ohne Zuckerzusatz und Sucralose aus und verbinden eine hochwertige pflanzliche Proteinbasis mit gezielt ausgewählten zusätzlichen Inhaltsstoffen. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf einen angenehmen Geschmack, eine cremige Konsistenz, durchdachte Rezepturen und ein reduziertes, modernes Design.

Dabei verstehen wir TWONATURALS nicht als reine Proteinmarke. Unser Ziel ist es, eine ganzheitliche Functional-Nutrition-Marke aufzubauen, die Fitness und Wellbeing miteinander verbindet und Produkte entwickelt, die langfristig zu den Bedürfnissen unserer Community und zu einem modernen, gesundheitsbewussten Alltag passen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere Nähe zur Community. Als kleines Gründerinnen-Team bekommen wir Rückmeldungen unmittelbar mit. Das Feedback landet nicht erst in verschiedenen Abteilungen, sondern direkt bei uns und fließt tatsächlich in die Weiterentwicklung unserer Produkte und der Marke ein.

TWONATURALS: Functional Nutrition für Fitness & Wellbeing

Ihr Vegan Protein+ kombiniert pflanzliches Protein mit Probiotika, Vitaminen und Mineralstoffen. Welche Vorteile bietet diese Kombination für Ihre Kunden?

Der größte Vorteil liegt für uns darin, dass mehrere sinnvolle Funktionen in einem Produkt zusammenkommen. Unsere pflanzliche Mehrkomponenten-Proteinmischung enthält alle essenziellen Aminosäuren. Protein trägt zum Aufbau und Erhalt von Muskelmasse sowie zum Erhalt normaler Knochen bei.

Ergänzt wird die Rezeptur durch Vitamin C und Zink, die zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen. Vitamin B12 unterstützt den normalen Energiestoffwechsel und trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Calcium trägt unter anderem zu einer normalen Muskelfunktion, zum Erhalt normaler Knochen und zur normalen Funktion von Verdauungsenzymen bei (siehe EU-Health-Claims). Zusätzlich enthält jede Portion 15 Milliarden ausgewählte Bakterienkulturen der Arten Lactobacillus rhamnosus und Lactobacillus plantarum. Diese Milchsäurebakterien sind vor allem aus dem Bereich probiotischer Produkte bekannt und werden wissenschaftlich im Zusammenhang mit dem Darmmikrobiom, der Darmfunktion und der Verdauung untersucht. Sie ergänzen damit unseren ganzheitlichen Rezepturansatz, bei dem wir Proteinversorgung, Mikronährstoffe sowie die Themen Immunsystem und Darmmikrobiom zusammendenken.

Für unsere Kundinnen und Kunden entsteht so ein durchdachtes All-in-one-Produkt, das mehrere funktionale Bestandteile in nur einem Produkt vereint.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung natürlicher Functional-Nutrition-Produkte, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch alltagstauglich sind?

Die größte Herausforderung ist für uns die Balance zwischen echtem funktionalem Mehrwert, einer möglichst natürlichen und klaren Rezeptur und einem Geschmack, den man wirklich gerne jeden Tag konsumiert. Eine Rezeptur kann auf dem Papier noch so sinnvoll sein – wenn sie nicht schmeckt, sich schlecht auflöst oder im Alltag zu kompliziert ist, wird sie langfristig nicht genutzt.

Gerade bei pflanzlichen Rohstoffen kann bereits eine kleine Veränderung große Auswirkungen auf Geschmack, Cremigkeit, Löslichkeit und Verträglichkeit haben. Gleichzeitig möchten wir möglichst ohne unnötige Zusätze, künstliche Süße oder lange Zutatenlisten auskommen. Genau das macht die Entwicklung aber anspruchsvoller, weil viele Zusätze technologisch dabei helfen können, Konsistenz und Geschmack einfacher zu steuern.

Hinzu kommt die regulatorische Seite. In Functional-Nutrition-Produkten stecken häufig viele durchdachte Inhaltsstoffe und Dosierungen, deren funktionalen Mehrwert man gerne verständlich erklären möchte. In der Produktkommunikation dürfen wir jedoch nur zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen verwenden und müssen deren konkrete Bedingungen einhalten. Das ist für den Verbraucherschutz wichtig, führt aber dazu, dass sich die gesamte Idee hinter einer Rezeptur manchmal nicht so direkt nach außen tragen lässt, wie wir es gerne würden.

Wie wichtig ist es für TWONATURALS, natürliche Inhaltsstoffe und eine hohe Produktqualität mit den Anforderungen eines aktiven Lebensstils zu verbinden?

Das ist der Kern unserer Marke. Ein Produkt kann qualitativ noch so hochwertig sein – es muss trotzdem in einen echten Alltag passen. Unsere Kundinnen und Kunden sind unterwegs, arbeiten, trainieren, reisen oder haben wenig Zeit. Deshalb müssen unsere Produkte praktisch, einfach zu dosieren und vielseitig einsetzbar sein.

Gleichzeitig möchten wir bei der Qualität keine Abstriche machen. Wir achten auf ausgewählte Rohstoffe, nachvollziehbare Rezepturen, eine Herstellung in Deutschland und unabhängige Laborprüfungen.

Welche neuen Produkte oder Weiterentwicklungen stehen bei TWONATURALS aktuell im Fokus?

Aktuell steht der Launch unserer Daily Electrolytes+ im Mittelpunkt. Das Produkt enthält insgesamt 1.192 Milligramm Elektrolyte aus Natrium, Kalium, Magnesium und Calcium sowie Vitamin C, ausgewählte B-Vitamine und Zink.

Es ist zuckerfrei, vegan und kommt in praktischen Einzelsticks mit frischem Limettengeschmack. Entstanden ist auch dieses Produkt aus unserem eigenen Alltag – für das Training, heiße Tage, Reisen und Situationen, in denen man seine Flüssigkeitszufuhr unkompliziert ergänzen möchte.

Parallel arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer bestehenden Proteinrezepturen. Dabei geht es vor allem darum, Geschmack, Cremigkeit und Löslichkeit noch weiter zu optimieren. Langfristig möchten wir unser Sortiment gezielt um Produkte ergänzen, die einen klaren Nutzen haben und wirklich zu unserer Markenwelt passen.

Wo soll TWONATURALS in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Functional Nutrition einnehmen?

Wir möchten TWONATURALS als relevante, vertrauenswürdige und moderne Marke im Bereich Functional Nutrition etablieren – zunächst im deutschsprachigen Raum und perspektivisch auch darüber hinaus.

Dabei möchten wir nicht möglichst schnell möglichst viele Produkte herausbringen. Unser Ziel ist ein durchdachtes Sortiment, bei dem jedes Produkt ein konkretes Bedürfnis erfüllt und einen festen Platz im Alltag unserer Community finden kann.

Langfristig soll TWONATURALS für eine neue Generation von Functional Nutrition stehen: wissenschaftlich fundiert, pflanzlich und hochwertig, gleichzeitig aber ästhetisch, nahbar und unkompliziert.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer eigenen Erfahrung heraus ein innovatives Produkt entwickeln und erfolgreich am Markt etablieren möchten?

Erstens: Ein gutes Produkt allein reicht leider nicht – man muss klar zeigen, warum es anders ist.

Am Anfang denkt man schnell: Wenn das Produkt wirklich gut ist, wird es sich auch durchsetzen. Wir haben aber gelernt, dass gerade in einem sehr vollen Markt auch die Positionierung, die Geschichte und der Wiedererkennungswert entscheidend sind. Man sollte sich deshalb früh fragen: Welches konkrete Problem lösen wir, für wen tun wir das und warum sollte sich jemand genau für unser Produkt entscheiden? Bei TWONATURALS ist es die Verbindung aus Fitness, Wellbeing und Ästhetik – und genau das müssen wir auch immer wieder klar nach außen tragen.

Zweitens: Nicht auf den perfekten Moment warten, sondern die Menschen früh mitnehmen.

Wir hätten rückblickend an manchen Stellen früher über unsere Ideen und Prozesse sprechen können. Der Austausch mit unserer Community, Produkttests und ehrliches Kundenfeedback helfen auf jeden Fall. Dabei muss man natürlich nicht jede Meinung umsetzen. Aber wenn bestimmte Wünsche oder Kritikpunkte immer wiederkommen, sollte man sehr genau hinhören. Gleichzeitig merken wir, dass Menschen nicht nur das fertige Produkt sehen möchten, sondern auch den Weg dorthin – mit Musterrunden, Entscheidungen und Dingen, die nicht direkt funktionieren. Diese Offenheit schafft Vertrauen und macht eine junge Marke nahbar.

Drittens: Durchhaltevermögen ist wichtig – aber man muss nicht alles allein können.

Eine Gründung verläuft fast nie genau so, wie man sie ursprünglich geplant hat. Produktionen verschieben sich, Muster funktionieren nicht wie erhofft, Budgets verändern sich und manchmal beginnt man, die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Gerade als kleines Team braucht es deshalb unheimlich viel Geduld, Flexibilität und die Bereitschaft, immer wieder neue Lösungen zu finden, weiterzumachen und zu optimieren.

Gleichzeitig haben wir gelernt, dass es nicht immer sinnvoll ist, aus Kostengründen alles selbst übernehmen zu wollen. In bestimmten Bereichen kann die richtige Unterstützung enorm viel Zeit und vor allem Nerven sparen und am Ende sogar zu besseren Ergebnissen führen. Eine unserer größten Herausforderungen besteht daher darin, zu erkennen, wann wir selbst weitermachen können und wann es sinnvoll ist, uns gezielt Expertise von außen zu holen.

Die Gründung ist für uns bis heute eine Achterbahnfahrt – mit Höhen, Tiefen und wirklich vielen unerwarteten Wendungen. Wir haben aber auch gelernt, dass nach schwierigen Phasen oft wieder positive Entwicklungen folgen. Deshalb würden wir jedem den Tipp mitgeben: Bleibt motiviert, haltet durch und glaubt an eure Idee!

Bild Gioia und Chiara Bandholz Bildcredits TWONATURALS PR

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Wellness Anarchy: Wie ein Augsburger Gründer den Vitalpilzmarkt transparent macht

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Wellness Anarchy: Transparente Vitalpilze aus Augsburg Dominic Robinson

Mit der im April 2026 in Augsburg gegründeten Marke Wellness Anarchy baut der Gründer eigenständig eine transparente Linie für Vitalpilze auf, die ohne unverständliche Versprechen und verschleierte Angaben auskommt

Können Sie Wellness Anarchy kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung Ihrer Vitalpilz-Marke entstanden ist?

Wellness Anarchy ist eine Vitalpilz-Marke aus Augsburg, gegründet im April 2026. Wir bauen gerade eine Linie aus fünf Pilzen auf: Lion’s Mane, Cordyceps, Reishi, Chaga und Tremella. Kapseln im Standbeutel, Vertrieb später direkt über den eigenen Shop, Markt sind Deutschland und Österreich. Wir sind noch nicht im Verkauf.

Die Idee kam nicht aus einer Marktlücke, sondern aus einem Familienthema. Ende zwanzig habe ich angefangen, mich mit dem Gehirn zu beschäftigen. Aus Dokumentationen wurden Bücher, aus Büchern Podcasts, und irgendwann standen Pilze im Zentrum.

Der eigentliche Auslöser war dann aber der Kaufversuch. Ich hatte mich wochenlang eingelesen und stand trotzdem vor dem Regal und habe es nicht verstanden. Warum kostet das eine Produkt das Dreifache vom anderen. Was bedeutet 10:1. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Extrakt und Pulver. Niemand hat es erklärt.

Und bei der Recherche kam noch was dazu: Ein großer Teil des deutschen Marktes geht auf dieselben wenigen Vorlieferanten zurück. Unterschiedliche Labels, unterschiedliche Preise, ähnliche Ware.

Sie haben Wellness Anarchy 2026 als Kleingewerbe aufgebaut. Wie haben Sie es geschafft, Einkauf, Regulatorik, Produktentwicklung und Vertrieb eigenständig zu organisieren?

Ehrliche Antwort: nacheinander. Ich habe einen 35-Stunden-Job und ungefähr zehn Stunden die Woche für die Marke. Parallel geht da nichts.

Die Reihenfolge war: erst der Name beim DPMA, dann die Lieferkette, dann die Produktspezifikationen, dann die Etiketten, dann die Anzeigen beim BVL, dann der Shop. Alles, was später teuer wird, wenn man es falsch macht, kam zuerst. Fertig ist das übrigens nicht. Bei mir stehen gerade immer noch ein paar Dinge offen, die vor dem Verkauf zu sein müssen.

Alleine ist auch relativ. Für Lebensmittelrecht habe ich eine externe Kanzlei, weil ich kein Jurist bin. Meine letzte Prüfung im Studium war Medienrecht, und das habe ich danach unter Bullshit abgelegt, den ich nie wieder brauche. Turns out: doch. Bei den technischen Fragen zum Rohstoff ist mein Lieferant gleichzeitig Berater, und für die Druckvorstufe arbeite ich mit Leuten zusammen, die das jeden Tag machen.

Und dann gibt es einen Teil, über den vor drei Jahren noch niemand geredet hätte. Ich baue mir für die Bereiche, in denen ich keinen Menschen bezahlen kann, KI-Mitarbeiter. Nicht im Sinne von „ich lasse mir schnell einen Text schreiben“, sondern richtig aufgesetzt. Ich habe für die Marke einen Kontextordner mit Markdown-Dateien, in dem alles steht: Produktdaten, Compliance-Regeln, Zielgruppen, Markenstimme, offene Punkte, jede Entscheidung mit Datum und Begründung. Darauf setzen einzelne Spezialisten auf. Einer für Lebensmittelrecht, einer für die Zahlen, einer für Text, einer für SEO, einer für die Studienlage.

Der wichtigste Effekt ist nicht Geschwindigkeit. Es ist das Gegenchecken. Wenn ich einen Produkttext schreibe, läuft der durch den Compliance-Teil, bevor er irgendwo landet. Und der sagt mir dann regelmäßig, dass mein Satz so nicht geht. Das hat mir schon mehrfach Sachen gefunden, die ich selbst überlesen hätte. Zuletzt eine Zahl in einem veröffentlichten Artikel, die zu meinen eigenen Gunsten falsch war.

Das ersetzt keinen Anwalt und keinen Steuerberater. Aber es ersetzt den Zustand, in dem eine Einzelperson alles im Kopf hat und die Hälfte davon vergisst.

Welche Vision verfolgen Sie mit Wellness Anarchy, und wie möchten Sie den Markt für Vitalpilz-Produkte langfristig mitgestalten?

Zwei Sachen.

Die erste ist Normalisierung. Pilze sollen so selbstverständlich sein wie Kaffee. Zwei Kapseln morgens, fertig. Kein Ritual, keine Zeremonie, kein Alternativ-Lifestyle. Aktuell ist die Kategorie entweder Biohacking-Nische oder Esoterik, und beides schließt Leute aus, die einfach nur ein Produkt wollen, das sie verstehen.

Die zweite ist Nachvollziehbarkeit. Ich hätte gerne, dass es normal wird, Analysewerte zu zeigen. Gemessene Werte, nicht gewünschte. Wenn andere Marken damit anfangen, weil Kunden anfangen danach zu fragen, ist das für mich ein Gewinn, auch wenn ich davon keinen Umsatz habe.

Ob ich den Markt mitgestalte, weiß ich nicht. Ich bin eine Person mit einem Nebengewerbe. Aber ich kann zumindest vormachen, dass es geht.

An welche Zielgruppen richtet sich Wellness Anarchy, und welche Erwartungen möchten Sie mit Ihren Produkten erfüllen?

Der Kern ist jemand Mitte dreißig, beruflich eingespannt, macht Sport, hat einen vollen Tag. Gesundheitsbewusst, aber nicht ideologisch. Der Satz, der es am besten trifft: gesund leben, aber nicht heilig.

Wobei das Alter kein Filter ist. Wir segmentieren nicht über Demografie, sondern über die Situation, in der jemand sucht. Dieselbe Person ist im Winter in einer anderen Situation als im Frühjahr. Das ist kein Zielgruppenwechsel.

Was wir erfüllen wollen, ist genau eine Sache: Du sollst kein Pilzexperte werden müssen, um ein nachvollziehbares Produkt auswählen zu können. Nicht mehr und nicht weniger.

Und was wir ausdrücklich nicht erfüllen: Wir sind nichts für Leute, die in dreißig Tagen eine Transformation erwarten, und nichts für Leute, die eine medizinische Lösung suchen. Kranke, Schwangere und Kinder sprechen wir gar nicht an. Das ist keine Marketingentscheidung, das ist eine harte Grenze.

Viele Anbieter setzen auf starke Werbeversprechen. Warum verfolgt Wellness Anarchy bewusst einen wissenschaftlich orientierten und transparenten Ansatz?

Weil ich damals nicht gekauft habe, und zwar nicht, weil mir Versprechen gefehlt hätten. Ich habe nicht gekauft, weil es zu viele waren und ich sie nicht unterscheiden konnte. Wenn drei Produkte nebeneinander stehen und alle behaupten dasselbe, ist die Behauptung wertlos geworden.

Das deckt sich mit dem, was wir in der Auswertung von Kundenrezensionen im Markt gesehen haben. Einer der häufigsten Kritikpunkte ist, dass sich deklarierte Werte nicht nachvollziehen lassen. Genau das lösen Versprechen nicht.

Dazu kommt der rechtliche Rahmen. Für Vitalpilze gibt es in der EU keinen einzigen zugelassenen gesundheitsbezogenen Claim. Nicht einen. Das ist eine Tatsache, mit der jeder in dieser Kategorie umgehen muss, und wir haben uns entschieden, das nicht als Problem zu behandeln, sondern als Vorgabe.

Und das gilt dann eben auch, wenn es unbequem wird. Bei unserem Reishi lag ein gemessener Wert unter dem, was ich ursprünglich ausloben wollte. Auf dem Etikett steht der gemessene Wert.

Was macht Wellness Anarchy aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Marken im Bereich Vitalpilze?

Nicht die Pilze. Das muss man mal so sagen. Der deutsche Markt bezieht großteils aus demselben Raum, und ich behaupte nicht, geheime Rohstoffe zu haben, die es sonst nirgends gibt.

Der Unterschied ist, was gezeigt wird. Analysezertifikate mit den tatsächlich gemessenen Werten. Herkunft. Welcher Teil des Pilzes verarbeitet wurde. Welches Extraktionsverfahren. Keine proprietären Mischungen, in denen man nicht sieht, wie viel wovon drin ist.

Ein konkretes Beispiel, das mir wichtig ist: Wir geben kein Extraktverhältnis an. Also kein 10:1 oder 20:1 auf der Packung. Unser Lieferant verwendet für Pilzextrakte keine solchen Angaben, und ich erfinde keine. Das ist kommerziell dumm, weil 10:1 nach mehr klingt. Aber eine Zahl, die ich nicht belegen kann, kommt nicht auf mein Etikett.

Sie haben sich intensiv mit Themen wie BVL-Anzeigeverfahren, Etikettenrecht und Lieferketten beschäftigt. Welche Herausforderungen haben Sie als Gründer am meisten überrascht?

Am meisten überrascht hat mich, wie wenig die formalen Schritte das eigentliche Problem sind. Die Anzeige beim BVL nach Paragraf 5 NemV ist ein Formular. Die Arbeit liegt komplett davor, nämlich in der Frage, was genau auf dem Etikett stehen darf. Und diese Frage hat ungefähr vierzig Unterfragen.

Was ich unterschätzt habe, ist die Kettenlogik. Eine BVL-Anzeige braucht ein Etikettenmuster. Ein druckreifes Etikett braucht die Angaben des Lohnfertigers und die Klärung, wer nach der neuen EU-Verpackungsverordnung als Erzeuger auf der Verpackung stehen muss. Die gilt ab dem 12. August, und unser Launch liegt danach. Also gilt sie für uns von Anfang an. Das heißt: Ich kann eine Etikettenfrage nicht isoliert lösen, weil vier andere Dinge daran hängen.

Und dann gibt es die Themen, wo ich als Einzelunternehmer schlicht an eine Grenze komme. Bei der Frage, wie ein Extrakt mit Ethanolschritt novel-food-rechtlich einzuordnen ist, hört mein Halbwissen auf. Das geht zum Fachanwalt, nicht zu mir.

Sie haben einen Marktvergleich veröffentlicht, in dem Wellness Anarchy nicht in allen Kategorien an der Spitze steht. Warum war Ihnen diese Offenheit wichtiger als ein möglichst positives Eigenmarketing?

Weil ein Vergleich, in dem der Absender immer gewinnt, kein Vergleich ist. Das ist eine Anzeige mit Tabellenlayout, und jeder merkt das nach zehn Sekunden.

Deshalb haben wir die Kriterien binär gemacht. Erfüllt oder nicht erfüllt, keine Punktzahlen, keine Gewichtung. Sobald man gewichtet, kann man so lange drehen, bis man vorne steht. Ich wollte mir die Möglichkeit von vornherein nehmen.

Und es gibt einen eigenen Abschnitt dazu, wo wir selbst verlieren. Das deutlichste Beispiel: Wir haben in der Untersuchung eine Transparenzlücke bei allen sieben Anbietern gefunden, und wir schließen sie selbst gerade auch nicht. Uns liegen die Analysezertifikate unseres Lieferanten vor. Was uns fehlt, ist ein eigener Prüfbericht, den wir selbst beauftragt haben und veröffentlichen dürfen. Der kommt, aber er ist noch nicht da. Das steht so im Artikel drin.

Das Risiko ist offensichtlich. Jemand liest den Vergleich und kauft woanders. Damit kann ich leben. Der Alternativfall ist, dass jemand das Ding liest, merkt dass es geschönt ist, und mir dann bei nichts mehr glaubt.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus Ihrer Analyse von 21 Produkten verschiedener Anbieter gewonnen, und was sagt das über den Markt für Vitalpilze aus?

Die auffälligste Zahl ist nicht die 21, sondern die 7. So viele Lieferanten stecken hinter diesen Produkten. Der Markt ist an der Oberfläche vielfältig und darunter ziemlich schmal.

Zweitens: Analysewerte sind oft nicht nachvollziehbar. Das ist auch der häufigste Kritikpunkt, den wir in den Kundenrezensionen im Markt gefunden haben.

Drittens, und das war für mich die relevanteste Erkenntnis: Ich habe selbst lange geglaubt, ein Extraktverhältnis sei ein Qualitätsmerkmal. Ist es nicht. Unser Lieferant hat mir im Juli erklärt, dass er für Pilzextrakte grundsätzlich keine solchen Angaben verwendet, weil sie dort wenig Sinn ergeben. Deshalb wird auf unseren Packungen kein 10:1 und kein 20:1 stehen.

Was das über den Markt sagt: Er ist nicht betrügerisch. Er ist unerklärt. Und das ist ein Zustand, den man ändern kann.

Welche neuen Produkte oder Entwicklungen stehen bei Wellness Anarchy aktuell im Fokus?

Keine neuen Produkte. Der Fokus liegt komplett darauf, die fünf, die wir haben, sauber startklar zu bekommen. Das klingt langweilig und ist gerade die ganze Arbeit.

Konkret heißt das: Etikettenwerte final machen, die Anzeigen beim BVL mit dem finalen Etikett einreichen, Verpackungsrecht klären, die novel-food-rechtliche Einordnung extern prüfen lassen. Nichts davon sieht man später auf der Website. Wenn eins davon fehlt, wird nichts verkauft.

Daneben läuft der Content-Aufbau. Wir haben rund 57 Artikel online, seit April, dazu zwei redaktionelle Formate: den Marktcheck und eine Auswertung von Kundenrezensionen im Markt. Das ist der Kanal, den ich mir leisten kann. Bezahlte Reichweite kommt für mich erst, wenn organisch nachweisbar etwas funktioniert.

Ein Startdatum nenne ich bewusst nicht.

Wo soll Wellness Anarchy in den kommenden Jahren stehen, und welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen?

Da muss ich passen, weil ich es nicht genau weiß. Ich habe keine Fünfjahresplanung, in der Zahlen stehen, die ich mir ausgedacht habe.

Was ich habe, sind Reihenfolgen. Das nächste Ziel ist, dass der eigene Shop trägt. Danach die Frage, ob ich das hauptberuflich machen kann. Marktplätze kommen erst infrage, wenn der Shop steht, nicht vorher, weil ich sonst die Kontrolle über die Kommunikation abgebe, bevor die Marke sie überhaupt aufgebaut hat.

Das Sortiment bleibt bei Pilzen. Kein Ashwagandha, kein Magnesium, auch wenn es thematisch passen würde und sich leichter verkaufen ließe.

Und ich möchte eigenfinanziert bleiben, so lange es geht. Scheitern ist für mich definiert als: niemand kauft. Langsames Wachstum ist kein Scheitern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen eine eigene Marke aufbauen möchten?

Erstens: Mach das zuerst, was später teuer wird. Bei mir war das erste Investment nicht Ware, sondern der Markenschutz beim DPMA. 290 Euro. Danach Compliance und Lieferkette. Das Logo kann warten, das Logo ändert man nochmal.

Zweitens: Schreib auf, was du entscheidest, und warum. Ich führe ein System, in dem jede Entscheidung mit Datum und Begründung steht. Klingt nach Overhead für eine Ein-Personen-Firma. Hat mir aber mehrfach den Hintern gerettet, weil ich sonst dieselbe Frage nach drei Monaten neu entschieden hätte, und zwar anders.

Drittens, und das ist eher eine Warnung als ein Ratschlag: Ich neige dazu, alles vorzubereiten statt anzufangen. Recherche fühlt sich produktiv an und ist gleichzeitig eine super Ausrede. Wenn du merkst, dass du die dritte Analyse machst, bevor du das erste Produkt verkauft hast, ist das keine Gründlichkeit mehr. Ich weiß das, und ich mache es trotzdem regelmäßig.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Dominic Robinson für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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