Montag, August 31, 2026
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StartupValley Podcast mit SevenVentures: So entstehen erfolgreiche Consumer-Startups

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StartupValley Podcast TV Kamera im Studio dunckle Lila töne mit SevenVentures: Alexander Krauße und Christian Meidl sprechen über Startups, Media for Equity und KI.

Wie entstehen erfolgreiche Startups in Deutschland? Welche Kriterien entscheiden heute über ein Investment und welche Rolle spielen Markenaufbau, Künstliche Intelligenz und Reichweite? Genau diesen Fragen widmet sich der StartupValley Podcast mit den Gästen Alexander Krauße und Christian Meidl von SevenVentures. Im Gespräch geben die beiden Investmentexperten exklusive Einblicke in ihre tägliche Arbeit und erklären, warum sich die deutsche Startup-Landschaft in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Im SevenVentures Podcast werden diese Entwicklungen besonders anschaulich erläutert.

Während früher vor allem schnelles Wachstum und hohe Bewertungen im Mittelpunkt standen, zählen heute nachhaltige Geschäftsmodelle, gesunde Unit Economics und starke Gründerteams. Investoren achten deutlich stärker auf Profitabilität, Skalierbarkeit und operative Exzellenz. Genau diese Entwicklung prägt auch die Investmentstrategie von SevenVentures, wie man etwa im StartupValley Podcast erfährt.

Media for Equity statt klassischer Finanzierung

SevenVentures ist die Investmenttochter von ProSiebenSat.1 und verfolgt einen besonderen Ansatz. Statt ausschließlich Kapital bereitzustellen, investiert das Unternehmen über das bewährte Media-for-Equity-Modell. Startups erhalten TV-Werbung und mediale Reichweite, während SevenVentures im Gegenzug Unternehmensanteile erhält. Wer im Startup-Umfeld erfolgreich sein möchte, kann im StartupValley Podcast mehr über dieses Modell erfahren.

Gerade für Consumer-Startups kann dieser Ansatz ein entscheidender Wachstumstreiber sein. Digitale Werbung wird zunehmend teurer und die Kosten für die Neukundengewinnung steigen kontinuierlich. Gleichzeitig gewinnt Vertrauen beim Konsumenten immer mehr an Bedeutung. Reichweite über reichweitenstarke TV-Kampagnen kann deshalb den entscheidenden Unterschied machen und Marken dabei helfen, den Sprung aus der digitalen Nische in den Massenmarkt zu schaffen. Besonders der SevenVentures Podcast beleuchtet anhand von Fallstudien diese Rolle von Media for Equity sehr genau; auch der StartupValley Podcast beschäftigt sich mit diesem Thema.

Worauf Investoren heute wirklich achten im StartupValley Podcast

Im StartupValley Podcast erklären Alexander Krauße und Christian Meidl, dass heute weit mehr als nur eine gute Geschäftsidee zählt. Neben Umsatzentwicklung und Marktpotenzial spielen Kennzahlen wie Customer Acquisition Cost (CAC), Customer Lifetime Value (CLV), Profitabilität und Skalierbarkeit eine zentrale Rolle.

Ebenso wichtig ist jedoch der sogenannte Media-Fit. Nicht jedes Startup eignet sich für Fernsehwerbung. Das Produkt muss eine breite Zielgruppe ansprechen und das Unternehmen muss organisatorisch in der Lage sein, das zusätzliche Wachstum nach einer erfolgreichen TV-Kampagne auch zu bewältigen. Im aktuellen StartupValley Podcast-Format wird genau darauf eingegangen.

Ein bekanntes Beispiel ist KoRo. Das Berliner Unternehmen hat früh eine starke Marke aufgebaut und konnte durch zusätzliche Reichweite seine Bekanntheit erheblich steigern. Solche Erfolgsgeschichten zeigen, wie wichtig die Kombination aus einem überzeugenden Produkt, einer klaren Markenstrategie und der passenden Vermarktung geworden ist. Im SevenVentures Podcast kommen regelmäßig Gründer zu Wort, die ihre Erfahrungen teilen – das ist ähnlich beim StartupValley Podcast.

Warum Gründer oft wichtiger sind als die Idee

Ein weiterer Schwerpunkt des Podcasts ist die Bedeutung der Gründerpersönlichkeiten. Beide Gesprächspartner sind sich einig, dass erfolgreiche Unternehmen häufig nicht an der Idee, sondern an der Qualität des Teams entstehen. Genau dieser Aspekt wird im StartupValley Podcast beleuchtet und diskutiert.

Leidenschaft, Disziplin, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen, gehören zu den wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Gründer. Besonders Teams, die bereits gemeinsam gearbeitet oder Unternehmen aufgebaut haben, bringen häufig wertvolle Erfahrungen mit. Gleichzeitig warnen die Experten davor, sich zu früh zu verzetteln und zu viele Vertriebskanäle oder Märkte gleichzeitig erschließen zu wollen. Tipp: Wer im Bereich Startups auf dem Laufenden bleiben will, lauscht am besten auch mal in den StartupValley Podcast hinein.

Künstliche Intelligenz verändert die Startup-Welt

Natürlich spielt auch Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Kaum ein Pitch Deck kommt heute noch ohne KI aus. Doch Alexander Krauße macht deutlich, dass Investoren sehr genau unterscheiden, ob künstliche Intelligenz tatsächlich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil schafft oder lediglich als Schlagwort verwendet wird. Auch über solche Fragen wird im SevenVentures Podcast ausführlich gesprochen und im StartupValley Podcast findet dieses Thema ebenfalls Beachtung.

Gleichzeitig eröffnet KI jungen Unternehmen enorme Chancen. Prozesse lassen sich automatisieren, Produkte schneller entwickeln und kleinere Teams können heute deutlich effizienter arbeiten als noch vor wenigen Jahren. Der Wettbewerb wird dadurch allerdings intensiver. Entscheidend bleibt deshalb die Fähigkeit, Ideen konsequent umzusetzen und ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen.

Im StartupValley Podcast spannende Einblicke für Gründer und Investoren

Der StartupValley Podcast mit Alexander Krauße und Christian Meidl bietet spannende Einblicke hinter die Kulissen eines der bekanntesten Startup-Investoren Deutschlands. Die beiden sprechen offen über aktuelle Entwicklungen im Startup-Ökosystem, häufige Fehler in Pitch Decks, den Einfluss von KI und darüber, warum Markenaufbau und Vertrauen heute wichtiger sind denn je.

Wer sich für Venture Capital, Startup-Investments oder den Aufbau erfolgreicher Consumer-Startups interessiert, erhält in dieser Episode zahlreiche praxisnahe Einblicke und wertvolle Impulse. Die Macher vom StartupValley Podcast geben dazu viele spannende Tipps für Gründer.

🎧 Jetzt den StartupValley Podcast anhören und erfahren, wie SevenVentures die nächste Generation erfolgreicher Startups bewertet und begleitet. Der SevenVentures Podcast liefert weitere wichtige Insights rund um Investments und Gründerpersönlichkeiten.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – Aliaksei

Schluss mit ERP-Ausnahmen: Wie BLP Digital KI-Agenten in über 40 Länder bringt

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BLP Digital: KI für ERP-Prozesse in Unternehmen. von links nach rechts: Tim Beck, Thore Harmut, Sabrina Schenardi und Sven Beck Bildcredits BLP Digital

BLP Digital entwickelt KI-Lösungen für ERP-Prozesse und unterstützt Unternehmen dabei, komplexe Geschäftsabläufe effizienter, transparenter und automatisierter zu steuern

Wie ist BLP Digital entstanden und welchen Hintergrund bringen Sie als Gründer mit?

Mein Bruder Sven und ich sind bereits mit Entrepreneurship und Software aufgewachsen. Unsere Eltern haben mit BLP Software ein ERP-Unternehmen aufgebaut. Dadurch waren operative Abläufe, Systemlandschaften und die Frage, wie Firmen im Alltag wirklich funktionieren, bei uns zu Hause sehr präsent.

Trotzdem war es nie unser Plan, einfach das Familienunternehmen zu übernehmen. Ich habe Engineering studiert und später in der Strategieberatung gearbeitet. Sven wiederum kam über seine Forschung an der ETH Zürich tief mit Machine Learning in Kontakt. Erst durch diese technologische Perspektive sind wir wieder in Richtung ERP gegangen, weil wir dort ein Problem gesehen haben, das wir aus der Praxis schon sehr gut kannten. Diese Kombination hat auch BLP Digital geprägt: technologische Tiefe, ein sehr konkretes Prozessverständnis und früher Zugang zu Unternehmen, die mit genau diesen Herausforderungen arbeiten. Unser Ziel ist, nicht nur ein interessantes KI-Produkt zu bauen, sondern ein reales operatives Problem zu lösen.

Was hat Sie dazu motiviert, sich mit KI-Lösungen für Finanz und ERP Prozesse zu beschäftigen?

Der Bedarf für unsere Lösung entsteht aus mehreren Richtungen. Unternehmen müssen mit weniger verfügbaren Fachkräften immer mehr operative Arbeit bewältigen. Gleichzeitig sind Lieferketten, Einkaufsprozesse und Finanzprozesse in den letzten Jahren komplexer und volatiler geworden. Genau das sieht man in ERP-nahen Prozessen sehr deutlich. Viele Unternehmen haben in ERP-Systeme, Workflows, RPA oder Dokumentenerkennung investiert. Trotzdem bleiben täglich einzelne Aufgaben im System hängen, weil Informationen fehlen, Daten nicht zusammenpassen oder Geschäftsregeln nicht eindeutig greifen. Das ist dann nicht einfach manuelle Arbeit. Es ist operative Ausnahmebehandlung in großem Umfang.

Unsere Motivation war deshalb: Wenn KI in Unternehmen wirklich Wirkung entfalten soll, dann muss sie genau dort ansetzen. Nicht nur als Assistent am Rand des Prozesses, sondern dort, wo Arbeit tatsächlich stecken bleibt und wirtschaftlicher Impact entsteht.

Welche Vision verfolgt BLP Digital im Hinblick auf den Einsatz von Agentic AI in Unternehmen?

Unsere Vision ist, dass Unternehmen ihre Kernprozesse deutlich autonomer, zuverlässiger und messbarer ausführen können. Agentic AI bedeutet für uns nicht, einfach einen großen KI-Assistenten auf ein komplexes Problem anzusetzen. Es geht darum, spezialisierte KI-Agenten in klar definierte operative Aufgaben einzubetten. Jeder Agent übernimmt einen kontrollierten Teil eines Prozesses: Kontext prüfen, Regeln anwenden, Informationen abgleichen, Entscheidungen vorbereiten oder nächste Schritte auslösen.

Der Mensch bleibt dabei an den richtigen Kontrollpunkten eingebunden. Gerade in sensiblen ERP- und Finanzprozessen ist das entscheidend. KI soll nicht unkontrolliert handeln, sondern operative Arbeit übernehmen, Transparenz schaffen und Unternehmen helfen, Prozesse schneller und verlässlicher auszuführen.

Wie genau funktioniert die Agentic AI-basierte Lösung von BLP Digital in der Praxis?

BLP Digital arbeitet als ERP-nahe Ausführungsschicht für dokumentengetriebene und ausnahmeintensive Unternehmensprozesse. Der erste Schritt ist, dass unsere Plattform Dokumente und ERP-Daten versteht. Ein Dokument nur auszulesen reicht jedoch nicht, wenn der nächste Mensch anschließend wieder prüfen muss, ob die Daten zur Bestellung, zur Lieferung, zum Vertrag oder zu den Regeln im ERP-System passen. Deshalb verbindet BLP Digital Dokumentenverständnis, ERP-Kontext, Prozesslogik, Unternehmensregeln und spezialisierte KI-Agenten. Wenn ein Vorgang dem Standardfall entspricht, kann er automatisch weiterlaufen. Wenn jedoch eine Ausnahme entsteht, erkennt die Plattform den Kontext, prüft relevante Informationen und stößt den nächsten sinnvollen Schritt an.

Ein Beispiel aus der Rechnungsverarbeitung: Eine Rechnung kommt rein, aber der Preis stimmt nicht exakt mit der Bestellung überein oder eine Information fehlt. Klassische Automatisierung stoppt hier oft oder leitet den Fall zur manuellen Klärung weiter. BLP Digital kann die Abweichung einordnen, relevante ERP-Daten prüfen, Regeln anwenden und den Fall entweder automatisch weiterführen oder gezielt an die richtige Person eskalieren.

Welche Unternehmen sprechen Sie mit Ihrem Angebot an und welche konkreten Probleme lösen Sie dort?

Wir sprechen vor allem mittelständische und große Unternehmen an, die mit ERP-Systemen arbeiten und ein hohes operatives Prozessvolumen haben. Besonders relevant ist BLP Digital zudem für Branchen wie Manufacturing, Retail und andere Unternehmen mit komplexen Lieferketten, vielen Belegen und gewachsenen Systemlandschaften. Unsere typischen Anwender haben mehrere ERP-Systeme, internationale Einheiten und viele operative Ausnahmen. Genau dort entstehen täglich tausende Fälle, die klassische Automatisierung oft nicht sauber abbilden kann: Preise stimmen nicht überein, Bestellbestätigungen weichen von Bestellungen ab, Liefermengen passen nicht, Rechnungen lassen sich nicht automatisch zuordnen oder Informationen fehlen.

BLP Digital hilft diesen Unternehmen, solche Ausnahmen in Finance, Procurement, Logistics und Sales schneller, kontrollierter und skalierbarer zu bearbeiten. Unsere Plattform verbindet dabei Dokumente, ERP-Daten, Prozesslogik und spezialisierte KI-Agenten, damit operative Prozesse nicht bei jedem Sonderfall ins Stocken geraten.

Wie gelingt es BLP Digital, mit KI-Agenten messbare Effekte in Bilanzkennzahlen zu erzielen?

Der Effekt entsteht, weil wir sehr nah an den Prozessen arbeiten, die finanzielle Kennzahlen direkt beeinflussen. Wenn Rechnungen schneller und korrekter verarbeitet werden, verbessert das beispielsweise Skonto-Nutzung, Transparenz über Verbindlichkeiten und Working Capital Management. Wenn Abweichungen in Procurement oder Logistics schneller gelöst werden, sinken Prozesskosten und operative Reibung. Zudem entsteht ein direkter Produktivitätsgewinn, wenn Teams weniger manuell nachfassen müssen.

Wir sehen bei Kunden typischerweise Produktivitätssteigerungen im Bereich des fünf- bis zehnfachen in relevanten Workflows. Gleichzeitig geht es nicht nur um Kosten. Es geht auch um Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Prozessqualität.

Viele Anbieter sprechen noch über Pilotprojekte. Warum ist BLP Digital bereits einen Schritt weiter?

Wir haben sehr früh entschieden, nicht für Demo-Szenarien zu bauen, sondern für produktive Unternehmensprozesse. Schon in den ersten Projekten haben wir mit realen Kundendaten gearbeitet und sehr eng mit den Fachabteilungen validiert, ob die Lösung im Alltag funktioniert. Ein wichtiger Teil davon ist unser Proof of Value. Unternehmen müssen nicht monatelang theoretisch evaluieren, welchen Effekt BLP Digital haben könnte. Wir zeigen anhand echter Prozessdaten innerhalb von rund einer Woche, welcher konkrete Wert realistisch erreichbar ist, wo Automatisierung greift und welche Ausnahmen im Prozess den größten Hebel bieten.

Damit schaffen wir einen sehr risikoarmen Einstieg in eine KI-Initiative in einem kritischen Geschäftsbereich. Unternehmen sehen schnell, wo der Business Case Resultate erzielt. Gleichzeitig ist die Umsetzung bewusst pragmatisch aufgebaut: BLP Digital lässt sich typischerweise innerhalb weniger Monate produktiv einführen und benötigt nur sehr begrenzte IT-Ressourcen auf Kundenseite. Heute ist BLP Digital bei mehr als 500 Unternehmen in über 40 Ländern im Einsatz. Unsere Plattform verarbeitet täglich mehr als 21 Millionen Ausnahmen und bietet mehr als 30 ERP-Integrationen. Das ist ein anderer Reifegrad als ein isolierter KI-Pilot, der auf einem begrenzten Datensatz gut funktioniert.

Was unterscheidet BLP Digital im Markt für KI-Lösungen im Finanz- und ERP-Umfeld besonders?

Ich glaube, der wichtigste Unterschied ist unser Ausgangspunkt. Wir kommen nicht aus der Problemstellung heraus „Wie bringen wir KI in einen bestehenden Prozess?“ Uns bewegt die Frage: „Was muss passieren, damit ein Unternehmensprozess wirklich weiterläuft?“ Das klingt ähnlich, ist aber ein großer Unterschied. Viele Lösungen optimieren einzelne Schritte. BLP Digital ist breiter angelegt: Wir betrachten den gesamten operativen Vorgang und bauen die Technologie so, dass sie in der Realität großer Unternehmen funktioniert.

Dazu gehört auch, dass wir sehr tief in die Systemlandschaft gehen. Denn ERP-Prozesse sind nicht isoliert. Sie hängen an Stammdaten, Regeln, Verantwortlichkeiten, Historie und vielen kleinen Entscheidungen, die ein Unternehmen über Jahre aufgebaut hat. Genau diese Tiefe ist schwer nachzubauen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Einführung von KI in sensiblen Kernprozessen?

Die erste Herausforderung ist Vertrauen. In Finanz- und ERP-nahen Prozessen reicht es nicht, wenn eine KI „meistens richtig“ liegt. Unternehmen müssen verstehen können, welche Daten genutzt werden, wie Ergebnisse zustande kommen und wann ein Mensch eingebunden wird. Die zweite Herausforderung ist Integration. Eine KI-Initiative darf nicht zu einem großen IT-Projekt werden, das erst nach vielen Monaten greifbare Ergebnisse liefert. Gerade deshalb investieren wir stark in standardisierte Integrationen und eine Umsetzung, die mit sehr begrenzten IT-Ressourcen auf Kundenseite auskommt.

Die dritte Herausforderung ist Veränderung im Arbeitsalltag. Wenn KI operative Arbeit übernimmt oder vorbereitet, verändert sich auch die Rolle der Teams. Das muss sauber eingeführt werden. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Fachbereiche früh eingebunden sind und schnell sehen, dass die Lösung ihnen Arbeit abnimmt, statt zusätzliche Komplexität zu schaffen.

Wie reagieren große Unternehmen wie Migros oder Edeka auf den Einsatz Ihrer Technologie?

Diese Unternehmen reagieren sehr pragmatisch. Sie wollen keine abstrakte KI-Diskussion führen, sondern sehen, ob eine Lösung in ihrer Realität funktioniert. Deshalb ist es für sie wichtig, mit echten Daten zu arbeiten und den potenziellen Effekt früh messbar zu machen. Was gut ankommt, ist die Kombination aus schneller Validierung und produktionsnaher Umsetzung. Unternehmen sehen dann innerhalb kurzer Zeit, wo der Wert liegt, und können danach sehr konkret entscheiden, welche Prozesse sie priorisieren.

Bei großen Kunden entsteht Vertrauen vor allem durch Nachvollziehbarkeit und Verlässlichkeit. Wenn eine Lösung in einem kritischen Bereich funktioniert, steigt schnell das Interesse, weitere Use Cases anzuschließen. Der Einstieg ist oft bewusst fokussiert, aber die Perspektive wird danach breiter.

Welche nächsten Entwicklungsschritte plant BLP Digital in den kommenden Jahren?

Wir planen in den kommenden Jahren sehr ambitioniertes Wachstum. Das betrifft Umsatz, Kundenbasis, internationale Präsenz und die Breite unserer Plattform. Ein großer Fokus liegt dabei auf Customer Expansion. Parallel dazu bauen wir unsere internationale Präsenz deutlich aus. BLP Digital kommt aus der Schweiz, ist heute aber bereits bei mehr als 500 Kunden in über 40 Ländern im Einsatz. In den nächsten Jahren wollen wir vor allem in Europa weiter skalieren und den US-Markt deutlich stärker aufbauen.

Produktseitig werden wir die Plattform weiter ausbauen: Mehr Prozesse, mehr Integrationen, stärkere Agenten und noch mehr Fähigkeit, komplexe Unternehmensabläufe kontrolliert auszuführen. Unser Ziel ist, BLP Digital als führende Plattform für Agentic AI in ERP-nahen Geschäftsprozessen zu etablieren.

Welche drei Ratschläge geben Sie Gründerinnen und Gründern im Bereich KI und B2B-Software?

Erstens: Versteht das Problem besser als alle anderen. Gerade im B2B reicht es nicht, eine gute Technologie zu haben. Man muss die Prozesse, Nutzer, Systeme und wirtschaftlichen Prioritäten der Kunden wirklich verstehen.

Zweitens: Baut für den Alltag, nicht für den Pitch. Eine KI-Demo kann schnell gut aussehen. Der Unterschied entsteht, wenn eine Lösung jeden Tag in echten Prozessen funktioniert und Kunden ihr vertrauen.

Drittens: Macht den Kundennutzen früh messbar. Unternehmen investieren dann in KI, wenn sie den Wert nachvollziehen können. Wer mit echten Daten schnell zeigen kann, was möglich ist, schafft Vertrauen und beschleunigt den Weg von der Idee in die produktive Nutzung.

Bild von links nach rechts: Tim Beck, Thore Harmut, Sabrina Schenardi und Sven Beck Bildcredits BLP Digital

Wir bedanken uns bei Tim Beck für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: BLP Digital

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Ansprechpartner: Claudia Seeger (CMO BLP Digital)

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Sonica: KI-Betriebssystem skaliert rechtssicheren Markensound

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Sonica: KI-Plattform für skalierbaren Markensound Hans Landwehr Sonica

Die innovative Audio-Plattform Sonica ermöglicht es Unternehmen, ihren Markensound mithilfe intelligenter KI-Technologien zentral zu steuern, rechtssicher zu skalieren und international effizient auszurollen

Können Sie Sonica kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Sonica ist eine Plattform für die Anwendung und Steuerung von Markensound in allen Inhalten. Unternehmen können ihre akustische Markenidentität damit zentral verwalten und für unterschiedliche Kanäle, Formate, Sprachen und Märkte effizient einsetzen – von Brand Music und Soundlogos über Voice-Anwendungen bis hin zu Produktsounds oder In-Store-Audio.

Die technologische Entwicklung dahinter begann lange vor dem aktuellen KI-Hype. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie sich die Wirkung und der Markenfit von Musik, Sound und Stimmen systematisch erfassen lassen. Daraus entstanden zunächst unsere Sonic-DNA-Technologie und unterschiedliche Researchansätze, mit denen wir akustische Markenidentitäten analysiert und weiterentwickelt haben.

Mit den Fortschritten der generativen KI wurde deutlich, dass wir auf dieser Grundlage einen wesentlich größeren Teil des Produktionsprozesses abbilden können. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass zwischen beeindruckenden KI-Demos und einem belastbaren Workflow für Marken eine große Lücke besteht. Unternehmen brauchen konsistente Qualität, klare Rechteketten, sichere Freigabeprozesse und eine Infrastruktur, die ihre Markenidentität versteht.

Gemeinsam mit unserem ersten Kunden Yello und weiteren Pilotkunden haben wir deshalb untersucht, wie eine Produktionsumgebung aussehen muss, mit der komplexe Marken ihren Sound im Alltag effizient, kontrolliert und rechtssicher einsetzen können. Aus dieser Entwicklung ist Sonica entstanden.

Wer steht hinter Sonica, und wie haben Ihre langjährige Erfahrung im Sound-Business und Ihre Zusammenarbeit die Entwicklung der Plattform geprägt?

Hinter Sonica stehen Nicolas Montavon, Michael Wittland, Vincent Raciti und ich als Gründerteam. Wir bringen sehr unterschiedliche Kompetenzen zusammen: jahrzehntelange Erfahrung in Sound Branding und Markenführung, Produkt- und Technologieentwicklung, Strategie, Design und den Aufbau komplexer Markenprozesse.

Ich selbst beschäftige mich seit mehr als 35 Jahren mit der Frage, wie Marken über Sound erkennbar und erlebbar werden. Über TRO haben wir in dieser Zeit viele akustische Markenidentitäten entwickelt und weltweit ausgerollt. Dabei haben wir sehr genau gesehen, wo Unternehmen im Alltag an Grenzen stoßen: Assets liegen dezentral, Nutzungsrechte sind schwer nachvollziehbar, Produktionen benötigen viele Abstimmungsschleifen und für jede neue Anwendung werden erneut externe Spezialisten benötigt.

Sonica übersetzt diese Erfahrung in ein Softwareprodukt. Wir entwickeln die Plattform also nicht aus einer rein technologischen Perspektive, sondern aus realen Anforderungen internationaler Marken heraus. Technologie spielt bei uns schon seit vielen Jahren eine zentrale Rolle im Beratungs- und Produktionsprozess. Die Ausgründung war deshalb der nächste logische Schritt: Wir wollten ein eigenständiges Softwareunternehmen schaffen, das dieses Wissen skalierbar macht und unabhängig vom klassischen Agenturgeschäft wachsen kann.

Welche Vision verfolgen Sie mit Sonica, und warum braucht die Kreativbranche aus Ihrer Sicht ein Betriebssystem für skalierbaren Markensound?

Sound Branding endet heute häufig mit der Übergabe eines Soundlogos, eines Brand Tracks und einiger Guidelines. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch danach: Wie wird diese Identität in hunderten Anwendungen, unterschiedlichen Märkten und durch verschiedene interne und externe Partner konsequent eingesetzt?

Genau dafür braucht es eine gemeinsame Infrastruktur. Sonica verbindet Assets, kreative Werkzeuge, Brand Intelligence, Rechte, Freigaben und Governance in einem System. Teams erhalten damit einen zentralen Ort, an dem sie mit ihrer akustischen Markenidentität arbeiten können, ohne bei jeder Anwendung von vorne zu beginnen.

Unsere Vision ist, dass Sound künftig genauso selbstverständlich und systematisch geführt wird wie visuelle Markenidentität. Unternehmen sollen ihre akustische Marke weltweit konsistent einsetzen können und zugleich schneller auf neue Anforderungen reagieren. Sonica bringt dafür Audioexpertise direkt in die Organisation und macht sie im Arbeitsalltag nutzbar.

An welche Zielgruppen richtet sich Sonica, und welche Herausforderungen lösen Sie für Unternehmen und Marken?

Sonica richtet sich aktuell vor allem an größere Unternehmen, die bereits über eine akustische Markenidentität verfügen oder regelmäßig Audio-Content produzieren. Dazu gehören Marken mit vielen Märkten, Kontaktpunkten, Agenturen und internen Stakeholdern.

In solchen Organisationen entstehen häufig ähnliche Probleme: Audio-Assets werden dezentral verwaltet, Rechte und Versionen sind schwer nachvollziehbar, Produktionen dauern zu lange und jede Adaption erfordert neue Abstimmungen. Gleichzeitig fehlt vielen Marketing- und Kreativteams das spezialisierte Audiowissen, um Anwendungen selbst sicher umzusetzen.

Mit Sonica können sie ihre Sound-Assets zentral verwalten, Musik und Stimmen markenkonform adaptieren, Produktionen lokalisieren und Freigaben innerhalb eines kontrollierten Workflows organisieren. Dadurch werden Teams produktiver und unabhängiger, ohne bei Qualität, Markenfit oder rechtlicher Sicherheit Abstriche machen zu müssen.

Perspektivisch möchten wir die Einstiegshürden weiter senken. Viele mittelständische Unternehmen und Creator Brands haben starke akustische Anknüpfungspunkte, empfinden ein professionelles Sound Branding bisher jedoch als zu aufwendig oder zu teuer. Auch diesen Unternehmen möchten wir künftig einen strukturierten Zugang ermöglichen.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit KI-generierten Stimmen. Warum setzt Sonica auf einen Ansatz, der Voice-Artists Kontrolle und Vergütungsrechte sichert?

Brand Safety steht für uns an erster Stelle. Unternehmen können KI-generierte Stimmen nur dann verantwortungsvoll einsetzen, wenn Herkunft, Nutzungsrechte und Freigaben jederzeit eindeutig nachvollziehbar sind. Genau diese Sicherheit möchten wir unseren Kunden bieten.

Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit transparenten Vereinbarungen und klar definierten Nutzungsrechten. Voice-Artists wissen, für welche Marke und welche Anwendungen ihre Stimme eingesetzt wird und behalten die Kontrolle über deren Nutzung. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Sicherheit, dass sämtliche Anwendungen rechtlich sauber und mit den beteiligten Kreativen abgestimmt sind.

Für uns ist das aber auch eine Frage der Haltung. Eine Stimme ist eng mit der Persönlichkeit und der kreativen Leistung eines Menschen verbunden. Wenn daraus ein digitales Modell entsteht, müssen Zustimmung, Kontrolle und eine faire Vergütung selbstverständlich sein.

Unser Anspruch ist, dass alles, was innerhalb von Sonica entsteht, in einem transparenten, regelkonformen und markensicheren Rahmen produziert wird. So schützen wir Marken vor rechtlichen und reputativen Risiken und stellen gleichzeitig sicher, dass kreative Leistungen auch im KI-Zeitalter ihren Wert behalten.

Was macht Sonica aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Audioagenturen oder anderen KI-Lösungen?

Klassische Audioagenturen leisten hervorragende kreative Arbeit. Die Herausforderung liegt häufig in den nachgelagerten Prozessen: Viele Produktionen laufen weiterhin manuell, benötigen zahlreiche Abstimmungen und müssen für jede neue Anwendung erneut beauftragt werden.

Sonica bildet diese wiederkehrenden Prozesse in einer gemeinsamen Produktionsumgebung ab. Unternehmen können innerhalb definierter Markenregeln selbst Varianten ausprobieren, Formate anpassen, Inhalte lokalisieren und Freigaben organisieren. Das reduziert manuelle Arbeit und bringt mehr kreative Handlungsfähigkeit in die Teams.

Gegenüber allgemeinen KI-Lösungen liegt der Unterschied vor allem im Markenkontext. Ein generatives Modell kann Musik oder Sprache erzeugen. Es kennt jedoch nicht automatisch die Sound-Identität, Rechtearchitektur, Freigaberegeln und Qualitätsanforderungen eines Unternehmens.

Unsere Wertschöpfung liegt daher in der Orchestrierung. Wir kombinieren unterschiedliche KI-Modelle mit eigenen Technologien – beispielsweise für Emotionserkennung, markenspezifische Kuratierung und unsere Audio Engine – und verbinden sie mit Brand-Guidelines, Rechte- und Freigabemanagement, Lokalisierung und globalen Rollout-Prozessen.

Hinzu kommen Governance und Service. Wir lassen die Unternehmen mit der Technologie nicht allein, sondern begleiten sie beim Aufbau ihrer Strukturen und Workflows.

Rechtssicherheit wird beim Einsatz von KI immer wichtiger. Welche Rolle spielt dieses Thema bei der Entwicklung Ihrer Plattform?

Rechtssicherheit spielt eine elementare Rolle. Unternehmen können generative Technologien nur dann dauerhaft einsetzen, wenn Rechte, Verantwortlichkeiten und Nutzungsbedingungen nachvollziehbar geregelt sind.

Deshalb berücksichtigen wir rechtliche und regulatorische Anforderungen von Beginn an in der Produktentwicklung. Dazu gehören klare Rechteketten, dokumentierte Freigaben, definierte Nutzungsszenarien und eine transparente Zuordnung der eingesetzten Assets und Technologien.

Für unsere Kunden ist entscheidend, dass sie sich nicht bei jeder Produktion erneut mit komplexen Einzelregelungen beschäftigen müssen. Sonica übersetzt diese Anforderungen in standardisierte und kontrollierbare Workflows. Damit übernehmen wir einen Teil der Komplexität, die Unternehmen beim Einsatz von KI aktuell stark beschäftigt.

Natürlich entwickelt sich die Regulierung weiter. Deshalb verstehen wir Compliance nicht als einmalige Aufgabe, sondern als kontinuierlichen Bestandteil der Plattform.

Sonica ist erst seit wenigen Wochen am Markt und wurde bereits zu internationalen Pitches eingeladen. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Wir kennen diesen sehr spezialisierten Markt und seine Entwicklung äußerst gut. Dadurch konnten wir uns auf die Fragen konzentrieren, die Unternehmen aktuell tatsächlich beschäftigen: Wie lässt sich Brand Sound international skalieren? Wie bleiben Qualität und Markenfit erhalten? Wie werden Rechte und Verantwortlichkeiten geregelt? Und wie kann KI eingesetzt werden, ohne neue Risiken und Abhängigkeiten zu schaffen?

Unsere Antworten darauf stammen aus konkreter Praxiserfahrung. Wir haben über Jahrzehnte erlebt, wie Sound-Identitäten entwickelt, implementiert und in komplexen Organisationen angewendet werden. Dieses Wissen ist direkt in die Architektur von Sonica eingeflossen.

Ein weiterer Faktor ist, dass wir Technologie nicht isoliert betrachten. Unternehmen suchen keine weitere einzelne KI-Anwendung. Sie benötigen eine belastbare Infrastruktur, die sich in ihre Marken- und Produktionsprozesse integrieren lässt.

Wie gelingt es Sonica, Audio-Produktionen effizienter zu gestalten und gleichzeitig Kosten sowie Zeitaufwand für Unternehmen zu reduzieren?

In einem klassischen internationalen Produktionsprozess sind häufig mehrere externe Parteien beteiligt: Agenturen, Studios, Komponistinnen und Komponisten, Sprecherinnen und Sprecher, lokale Märkte und unterschiedliche Freigabestellen. Für jede Variante entstehen Briefings, Terminabstimmungen, Produktionsschritte, Feedbackrunden und neue Exporte.

Mit Sonica werden viele dieser Schritte in einer kontrollierten Umgebung zusammengeführt. Freigegebene Assets, Markenregeln und Nutzungsrechte sind bereits hinterlegt. Teams können Varianten erstellen, Stimmen oder Musik anpassen, Inhalte lokalisieren und die Ergebnisse direkt freigeben.

Bei einem Kunden, den wir aktuell onboarden, wird ein täglich wiederkehrender Produktionsprozess für 14 Märkte auf diese Weise auf rund eine Stunde inklusive Freigabe reduziert. Zuvor waren dafür mehrere externe Produktionsschritte und Abstimmungen notwendig.

Der wirtschaftliche Effekt entsteht daher nicht allein durch günstigere Einzelproduktionen. Der größere Hebel liegt in kürzeren Durchlaufzeiten, weniger Abstimmungsaufwand, einer höheren Wiederverwendbarkeit bestehender Assets und der Möglichkeit, deutlich mehr Varianten mit den vorhandenen Teams umzusetzen.

Welche Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Sonica aktuell im Fokus?

Unser zentraler Fokus liegt darauf, die Einstiegshürden für professionelles Sound Branding insgesamt zu senken. Heute profitieren vor allem große Unternehmen von einer akustischen Markenidentität, weil der Aufbau und die langfristige Anwendung oft mit hohen Investitionen und komplexen Prozessen verbunden sind. Wir möchten dieses Potenzial künftig auch mittelständischen Unternehmen und Marken zugänglich machen.

Dafür entwickeln wir Sonica kontinuierlich weiter – sowohl technologisch als auch hinsichtlich neuer Bereitstellungs- und Ausstattungsmodelle. Gleichzeitig integrieren wir Brand Intelligence noch tiefer in die Workflows, damit auch Teams ohne spezialisierte Audioexpertise sicher innerhalb ihrer Markenidentität arbeiten können.

Parallel bauen wir Funktionen für internationale Rollouts, Lokalisierung, Kollaboration und Rechteverwaltung weiter aus. Unser Anspruch bleibt dabei unverändert: Auch wenn der Einstieg einfacher wird, dürfen Qualität, Brand Safety und Governance keine Kompromisse eingehen.

Wo soll Sonica in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie bei der Zukunft von KI-gestütztem Sonic Branding einnehmen?

Wir möchten gemeinsam mit Kunden wachsen, die unsere Vorstellung eines modernen Sound-Branding-Setups und unsere Werte teilen. Entscheidend ist für uns, dass Unternehmen tatsächlich von den neuen Workflows profitieren und Sound dauerhaft in ihrer Organisation verankern können.

Unser Ziel ist kein Wachstum um jeden Preis. Wir wollen eine belastbare Plattform aufbauen, die reale Probleme löst und langfristig zu einem festen Bestandteil moderner Markenführung wird.

Gleichzeitig möchten wir Unternehmen erreichen, für die die Hürde zu einem professionellen Sound Branding bisher zu hoch war. Viele Marken verfügen über starke Geschichten, Produkte, Communities oder emotionale Anknüpfungspunkte, die sich akustisch hervorragend übersetzen lassen. Mit der richtigen Infrastruktur kann Sound Branding für deutlich mehr Unternehmen zugänglich werden.

In der Entwicklung von KI sehen wir dabei eine große Chance. Die grundlegenden Modelle werden künftig immer leistungsfähiger. Der nachhaltige Wert für Marken entsteht jedoch durch Brand Intelligence, Markenfit, Governance und eine skalierbare Produktionsumgebung. Genau in diesem Bereich möchten wir einen internationalen Standard setzen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ihre langjährige Branchenerfahrung nutzen möchten, um mit einer innovativen Idee ein Startup aufzubauen?

Erstens: Der eigenen Überzeugung vertrauen. Wer eine Branche lange kennt, erkennt häufig Probleme und Chancen, bevor sie für den breiten Markt offensichtlich werden. Diese Erfahrung sollte man ernst nehmen und konsequent in ein klares Produkt übersetzen.

Zweitens: Das Team schützen und mitnehmen. Der Aufbau eines neuen Unternehmens verlangt viel Energie und bringt immer wieder Unsicherheit mit sich. Gerade in solchen Phasen sind Vertrauen, Transparenz und gegenseitige Verantwortung entscheidend.

Drittens: Die eigene Strategie regelmäßig überprüfen. Erfahrung ist ein großer Vorteil, darf aber nicht dazu führen, dass man an alten Annahmen festhält. Märkte, Technologien und Kundenbedürfnisse verändern sich. Gründer müssen an ihrer Vision festhalten und zugleich bereit sein, den Weg dorthin immer wieder anzupassen.

Bildcredits Sonica

Wir bedanken uns bei Hans Landwehr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Incubator Village Beeskow: Warum Startups auf Brandenburgs Landstriche setzen

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Incubator Village Beeskow: Startups in Brandenburg fördern

Das Incubator Village Beeskow etabliert sich als wegweisendes Gründungszentrum in Brandenburg, indem es innovativen Startups praxisnahes Mentoring, starke Förderstrukturen und exzellente Vernetzung fernab der Metropolenhektik bietet. Wir haben dazu mit der strategischen Projektleiterin Sonja Schwarzkopf gesprochen.

Warum haben Sie sich bewusst für den Standort Beeskow entschieden, obwohl viele Gründungszentren in Großstädten angesiedelt sind?

Wir haben uns ganz bewusst für Beeskow entschieden, weil der Standort viele Vorteile bietet, die junge Unternehmen in dieser Form oft nicht in Großstädten finden. Hier gibt es die nötige Ruhe, um konzentriert zu arbeiten, fernab der Hektik und Ablenkungen großer Metropolen. Zudem profitieren Gründerinnen und Gründer in Brandenburg von attraktiven Fördermöglichkeiten, mit weniger Konkurrenz als in den Hotspots wie Berlin. Dadurch steigen die Chancen auf Gründungszuschüsse und oft auch höhere Fördersummen. In Beeskow kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: ein starkes regionales Netzwerk, ein fast familiäres Miteinander und kurze Wege. All das macht den Standort zu einem attraktiven Umfeld für Startups.

Sie legen einen Schwerpunkt auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Warum sind diese Themen für die Auswahl und Förderung von Startups so wichtig?

Kurz gesagt: Weil es die Zukunftsthemen sind. Digitale Lösungen und nachhaltige Geschäftsmodelle spielen heute in nahezu allen Branchen eine entscheidende Rolle. Deshalb unterstützen wir Gründerinnen und Gründer gezielt dabei, genau aus diesen Ideen tragfähige Unternehmen zu machen.

Welche Herausforderungen erleben Gründerinnen und Gründer heute am häufigsten, und wie unterstützt das Incubator Village Beeskow dabei, diese zu meistern?

Viele Gründerinnen und Gründer stehen vor der Herausforderung, ihre Ideen weiterzuentwickeln und am Markt sichtbar zu machen. Gleichzeitig ist die Finanzierung häufig ein zentrales Thema. Und auch der Aufbau eines starken Netzwerks ist wichtig, um ein Unternehmen erfolgreich voranzubringen.

Das Incubator Village Beeskow begleitet die Teams dabei sehr praxisnah und individuell. In einer Eins-zu-eins-Betreuung bringen wir sie mit erfahrenen Unternehmern und Mentoren zusammen. Wir vermitteln Kontakte zu Business Angels und weiteren Investoren und beraten bei der passenden Finanzierungsstrategie.

Dazu kommen Workshops rund um Unternehmensführung, überzeugendes Präsentieren und Persönlichkeitsentwicklung. Diese finden sowohl online als auch vor Ort statt. Außerdem vernetzen wir die Startups direkt mit anderen Gründenden, Fachleuten und passenden Kooperationspartnern. Über Formate wie Pop-up-Stores, Showrooms und erste Produkttests ermöglichen wir direkten Kontakt zu Nutzerinnen und Nutzern sowie potenziellen Kunden. Die Unterstützung ist für die Teams übrigens komplett kostenfrei.

Mit Ihrem Netzwerk aus Investorinnen und Investoren, Hochschulen und internationalen Partnern begleiten Sie Startups auf ihrem Wachstumskurs. Welche Rolle spielen starke Partnerschaften für den Erfolg junger Unternehmen?

Starke Partnerschaften sind ein wichtiger Beschleuniger für junge Unternehmen. Sie helfen Startups dabei, den regionalen Markt schnell zu verlassen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und erfolgreich überregional oder sogar global zu wachsen.

Das Accelerator-Programm bietet Zugang zu Mentoring, Marktvalidierung und Finanzierung. Welche Entwicklungsschritte beobachten Sie bei den Startups während der sechsmonatigen Programmlaufzeit?

Jedes Startup bringt unterschiedliche Voraussetzungen, Erfahrungen und Herausforderungen mit. Deshalb beginnt unser Programm mit einem individuellen Kick-off-Workshop. Gemeinsam mit erfahrenen Expertinnen und Experten analysieren wir die Ausgangssituation, definieren konkrete Ziele und entwickeln einen maßgeschneiderten Fahrplan für die kommenden Monate.

Die Entwicklungsschritte reichen von der ersten Geschäftsidee über die Marktvalidierung und den Aufbau erster Kundenkontakte bis hin zur Vorbereitung von Finanzierungsrunden oder der Erschließung neuer Märkte. Uns ist wichtig, jedes Startup genau dort abzuholen, wo es aktuell steht, und es bei der nächsten Entwicklungsphase zu begleiten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Incubator Village Beeskow in den kommenden Jahren, und wie soll sich das Gründungszentrum weiterentwickeln?

Unser aktuelles Förderprogramm läuft bis Ende 2028. Wir möchten, dass das Incubator Village Beeskow zu einem bekannten und bei Startups stark nachgefragten Gründerzentrum in Brandenburg wird. Unser Ziel ist es, für die Wirtschaftsförderung Brandenburg, die IHK sowie Hochschulen wie die TH Wildau ein verlässlicher Partner auf Augenhöhe zu sein, wenn es darum geht, Unternehmertum und Innovationskraft im Land Brandenburg zu fördern. Darüber hinaus planen wir neue Veranstaltungsformate wie Tage der offenen Tür, Workshops mit Studierenden, Hackathons mit Netzwerkpartnern und Keynote-Abende.

Wir schaffen schon jetzt die Grundlagen für einen Nachfolge-Accelerator, um auch über die aktuelle Förderperiode hinaus eine langfristige Unterstützung für innovative Startups in Brandenburg sicherzustellen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Gründungsstandorts Brandenburg, und welche Chancen bieten ländliche Regionen für innovative Startups?

Brandenburg entwickelt sich zunehmend zu einem dynamischen Gründungsstandort. Das Land bietet ein starkes Unterstützungsnetzwerk, attraktive Fördermöglichkeiten und zahlreiche Wettbewerbe für Gründerinnen und Gründer. Ein besonderer Vorteil ist die unmittelbare Nähe zur Metropolregion Berlin, verbunden mit einer hohen Lebensqualität und deutlich geringeren Kosten für Wohnen und Arbeiten. Gleichzeitig bietet die Region viel Platz und Freiraum für innovative Projekte, insbesondere in den Bereichen Nachhaltigkeit, Energie, Landwirtschaft und Digitalisierung.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ihre Geschäftsidee erfolgreich aufbauen und nachhaltig skalieren möchten?

Mein erster Rat ist, sich frühzeitig mit der eigenen Geschäftsidee strukturiert auseinanderzusetzen. Ein fundierter Businessplan hilft dabei, Chancen und Risiken realistisch zu bewerten und klare Ziele zu definieren.

Zweitens sollten Gründerinnen und Gründer aktiv in den Aufbau ihres Netzwerks investieren. Kontakte zu anderen Unternehmern, potenziellen Kunden, Investoren oder Mentorinnen und Mentoren sind oft genauso wertvoll wie finanzielle Ressourcen.

Und drittens: Haben Sie Mut. Unternehmertum bedeutet, Entscheidungen zu treffen und auch Fehler zu machen. Wer aus Rückschlägen lernt, flexibel bleibt und konsequent an seiner Vision arbeitet, schafft die besten Voraussetzungen für langfristigen Erfolg.

Bildcredits ValuedFriends

Wir bedanken uns bei Sonja Schwarzkopf für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

QOODA gewinnt Münchener Businessplan Wettbewerb 2026

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QOODA gewinnt Münchener Businessplan Wettbewerb von BayStartUP Bildcredits © BayStartUP / Bert Willer

Sicher navigieren ohne Satelliten: Tech-Startup QOODA gewinnt den Münchener Businessplan Wettbewerb 2026 von BayStartUP

München, 30. Juli 2026 – QOODA gewinnt den Münchener Businessplan Wettbewerb 2026. Das DeepTech-Startup entwickelt quantenbasierte Technologien für eine präzise Navigation ohne Satellitensignal. Quantensensoren erfassen kleinste Unterschiede im Magnetfeld der Erde, die gemeinsam mit weiteren Sensordaten und Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Den zweiten Platz belegt Linq Photonics mit photonischen Steuerungssystemen für skalierbare Quantencomputer. Auf Platz drei folgt micro factory 3DSolutions, die den harzbasierten 3D-Druck für medizinische Anwendungen vollständig automatisiert. BayStartUP zeichnete die drei Sieger gemeinsam mit der LfA Förderbank Bayern in München aus.

Mit ihren Geschäftsmodellen adressieren die ausgezeichneten Startups zentrale Herausforderungen in den Bereichen sicherheitskritische Navigation, Quanteninformatik und medizinische Produktion. Die Lösungen haben das Potenzial, die europäische Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken und bestehende Industrien technologisch weiterzuentwickeln.

Rekordbeteiligung zum 30-jährigen Jubiläum

Noch nie haben so viele Teams am Münchener Businessplan Wettbewerb teilgenommen. Insgesamt gingen 382 Startups an den Start – so viele wie in der 30-jährigen Geschichte des Wettbewerbs noch nie. Viele der teilnehmenden Unternehmen entwickeln Technologien, die auf aktuelle Herausforderungen der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet sind.

Barbara Dombay, Geschäftsführerin von BayStartUP, sagt:

„Der Münchener Businessplan Wettbewerb bringt Gründerteams an einen entscheidenden Punkt: Sie müssen zeigen, dass aus einer technologisch überzeugenden Lösung ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen entstehen kann. Zugleich gewinnen die Nominierten Sichtbarkeit bei Investoren. Fundiertes Feedback und der Zugang zu relevanten Kontakten sind starke Argumente für eine Teilnahme.“

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt ergänzt:

„Die drei Gewinner zeigen eindrucksvoll, wie viel Erfindergeist und unternehmerischer Mut in Bayerns Gründerszene stecken. Aus klugen Ideen werden konkrete Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit und im besten Fall die Weltmarktführer von morgen. Mit dem Münchener Businessplan Wettbewerb geben wir innovativen Köpfen die Bühne und Unterstützung, die sie brauchen, um aus Ideen erfolgreiche Unternehmen zu machen.“

Oliver Menner, Generalbevollmächtigter bei der LfA Förderbank Bayern, sagt:

„Bayern ist, was Zukunftstechnologien angeht, ganz vorne dabei. Als LfA ist uns sehr daran gelegen, für ein Umfeld zu sorgen, in dem Unternehmergeist, Hightech und Innovationen nicht an der Finanzierung scheitern. Deshalb unterstützen wir Gründerinnen und Gründer mit einem breiten und passgenauen Angebot an Förderkrediten, Risikoübernahmen und Venture Capital über unsere VC-Tochter Bayern Kapital.“

Platz 1: QOODA entwickelt Navigation ohne Satellitensignal

QOODA aus München entwickelt quantenbasierte Lösungen für Navigation und Positionierung, die unabhängig von globalen Satellitennavigationssystemen funktionieren. Damit richtet sich das Startup an Anwendungen, bei denen Signale wie GPS gestört, manipuliert oder nicht verfügbar sind.

Grundlage der Technologie ist die hochauflösende Kartierung sogenannter magnetischer Feldanomalien. Dafür kombiniert QOODA Quantensensorik mit Sensorfusion und KI-gestützter Datenauswertung. Die daraus entstehenden Magnetfeldkarten dienen als alternative Referenz für eine präzise Lokalisierung. Einsatzmöglichkeiten sieht das Unternehmen unter anderem in der Luftfahrt, Robotik, autonomen Systemen sowie weiteren sicherheitskritischen Bereichen.

Dr. Björn Pötter, Geschäftsführer von QOODA, erklärt:

„Mit unserer quantensensorbasierten Technologie gestalten wir GPS-freie Navigation neu. Der Münchener Businessplan Wettbewerb bietet uns die passende Plattform, um Technologie und Marktpotenzial sichtbar zu machen. Das fundierte Feedback und der Austausch mit Branchenexperten unterstützen uns dabei, Wachstum strukturiert vorzubereiten und strategische Partnerschaften gezielt auszubauen.“

Platz 2: Linq Photonics macht Quantencomputer kompakter

Linq Photonics entwickelt kompakte Steuerungssysteme für Quantencomputer. Während bisher große und aufwendig ausgerichtete optische Komponenten benötigt werden, setzt das Unternehmen auf photonische Chips, die Licht gezielt leiten und steuern.

Dadurch kann der Platzbedarf der Systeme um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig lassen sich deutlich mehr Recheneinheiten eines Quantencomputers – sogenannte Qubits – parallel steuern. Die Technologie soll damit den Weg für leistungsfähigere Quantencomputer im industriellen Einsatz ebnen.

Das Team um die in München lebende Gründerin Jade Robinson arbeitet derzeit im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers an der Universität Heidelberg an der Vorbereitung der Unternehmensgründung.

Platz 3: micro factory automatisiert medizinischen 3D-Druck

micro factory automatisiert den gesamten 3D-Druckprozess für Dental- und weitere medizinische Anwendungen – vom Druck über die Reinigung und Aushärtung bis zur Ausgabe des fertigen Bauteils.

Das Startup entwickelt Systeme, die Bauteile aus flüssigem Kunststoffharz herstellen und anschließend automatisch weiterverarbeiten. Dadurch werden manuelle Arbeitsschritte reduziert, Anwender geschützt und Fertigungsprozesse standardisiert. Dentallabore, Zahnarztpraxen und weitere medizinische Einrichtungen sollen medizinische Produkte dadurch reproduzierbar, dokumentiert und skalierbar herstellen können.

Acht Startups erreichten das Wettbewerbsfinale

Neben den drei Siegerteams waren fünf weitere Startups für das Finale nominiert:

  • dehaze entwickelt KI-basierte digitale Zwillinge, um individuelle Risiken für chronische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.
  • IsoSphere Technologies arbeitet an einer CO₂-basierten Technologie für die nachhaltigere Herstellung isotopenmarkierter Verbindungen, die unter anderem in der Arzneimittelentwicklung und Krebsdiagnostik eingesetzt werden.
  • Meda AI analysiert ärztliche Dokumentationen mithilfe von KI und identifiziert bisher nicht abgerechnete Leistungen.
  • Soul of Concrete entwickelt eine vollautomatisiert herstellbare dreidimensionale Carbon-Bewehrung als Alternative zu Stahl.
  • Venedy entwickelt eine autonome KI-Plattform, die Sicherheitslücken in Programmierschnittstellen erkennt, erklärt und Lösungsvorschläge erstellt.

Wettbewerb begleitet Startups auf dem Weg zum Geschäftsmodell

Der Münchener Businessplan Wettbewerb unterstützt Gründerteams seit 30 Jahren dabei, aus technologischen Innovationen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Kundennutzen, Marktpotenzial, Vertrieb, Umsetzung, Kapitalbedarf und Finanzplanung.

Die eingereichten Businesspläne werden von erfahrenen Unternehmern, Branchenexperten und Kapitalgebern bewertet. Alle teilnehmenden Teams erhalten ein ausführliches schriftliches Feedback – unabhängig davon, ob sie das Finale erreichen. Die besten Startups präsentieren ihre Geschäftsmodelle zusätzlich vor einer Expertenjury und haben die Chance auf Preisgelder und weitere Unterstützung.

Bild: BayStartUP Prämierung Phase 3 im Businessplan Wettbewerb Südbayern Bildcredits © BayStartUP / Bert Willer

Quelle BayStartUp GmbH

2,3 Millionen Euro für die 0°-Sohle

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EVERSION erhält 2,3 Millionen Euro in Seed-II-Runde Gründerteam v.l.n.r. Maximilian Starkmann, Wolfgang Triebstein, Julia Zimmermann, Timon Sutter, Lucas Heitele Bildcredits Eversion

MedTech-Startup EVERSION Technologies schließt Seed-II-Runde ab

Das Medtech-Startup EVERSION Technologies hat in der Seed II-Finanzierungsrunde 2,3 Millionen Euro eingeworben. Auf Basis individueller Bewegungsdaten entwickelt das Konstanzer Unternehmen innovative Einlegesohlen, die Fehlbelastungen durch den Schuh ausgleichen – eine häufig übersehene Ursache für Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden. Mehr als 1.500 Kunden nutzen die Lösung bereits. Angeführt wird die Runde vom Family Office Kammerer Holding sowie vom Chancenkapitalfonds der Kreissparkasse Biberach. 

EVERSION setzt an der Ursache an

Muskel-Skelett-Beschwerden sind der häufigste Grund für Krankschreibungen; etwa jeder vierte Krankheitstag in Deutschland geht auf sie zurück. Eine oft übersehene Ursache steckt im Schuh: Er bringt den Fuß in eine Fehlbelastung, die sich bis in Knie, Hüfte und Rücken auswirken kann. Klassische Einlagen stützen den Fuß zusätzlich ab, während die 0°-Sohle von EVERSION ihn mobilisiert und zurück in Bewegung bringt.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie Hüftschmerzen den Alltag bestimmen können. Umso mehr freut es mich, dass wir mit unserer Lösung so vielen Menschen helfen können”, sagt Julia Zimmermann, CEO und Co-Gründerin von EVERSION.

Dafür wird zunächst mithilfe von Sensorsohlen und einer App im Alltag über zwei Wochen das Bewegungsverhalten und die Fehlstellung im Schuh gemessen. Ein biomechanisches 3D-Anatomiemodell übersetzt diese Daten in ein individuelles Belastungsprofil. Daraus entsteht eine Einlegesohle mit zwei Funktionen: Ihre Unterseite gleicht die Fehlbelastung datenbasiert aus und bringt den Fuß beim Stehen und Gehen in eine natürliche 0°-Stellung, während ihre Oberseite ihm ermöglicht, sich frei zu bewegen.

Von 0 auf 1.500: Skalierung und Wachstum im Fokus

Seit der Seed-I-Runde im Januar 2025 hat EVERSION zentrale Meilensteine erreicht. Auf die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt folgten Ende 2025 der Markteintritt sowie die Erstattungsfähigkeit: Alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten im Rahmen eines Präventionskurses nach Richtlinien der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP); Privatversicherte erhalten mit Rezept für Ganganalyse und Einlagen eine Erstattung über ihre Krankenversicherung. Seither ist die Kundenzahl auf mehr als 1.500 gewachsen – mit steigender Tendenz. Über die Webseite können Endkunden die Einlegesohle direkt beziehen.

Mit der neuen Finanzierung verfolgt EVERSION klare Wachstumsziele, allen voran die Skalierung von Vertrieb und Marketing. Dafür erweitert das Konstanzer Startup sein Partnernetzwerk aus Ärzten, Therapeuten und Sanitätshäusern. Das übergeordnete Ziel bleibt jedoch gleich: Betroffenen den Zusammenhang zwischen Schuhen, Fehlbelastung und Beschwerden aufzeigen und nachhaltig helfen.

Starkes Investorennetzwerk – Bewährte Partner weiter an Bord

Die Seed-II-Runde wird angeführt vom neu hinzugekommenen Family Office Kammerer Holding und vom Chancenkapitalfonds der Kreissparkasse Biberach, der bereits in der Seed-I-Runde (Januar 2025) als Lead-Investor fungierte und weiter an Bord bleibt. Weitere renommierte VCs, Fonds und Family Offices unterstützen die Runde: der von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft gemanagte Start-up BW Seed Fonds, die S-Kap Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, Meerkat, die Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Turtle sowie Business Angels aus den Netzwerken Heimatboost, BACB und hivn.

„Zertifizierung, Markteintritt, Erstattungsfähigkeit: Es ist beeindruckend, welche Meilensteine das Team in den vergangenen Monaten in kurzer Zeit erreicht hat”, sagt Jürgen Maucher, Geschäftsführer des Chancenkapitalfonds der Kreissparkasse Biberach.

Christopher Kammerer vom Family Office Kammerer ergänzt: „Als Family Office investieren wir langfristig und mit Überzeugung. EVERSION vereint das, worauf es uns ankommt: eine echte Lösung für ein weit verbreitetes Problem, ein starkes Team und ein tragfähiges, innovatives Geschäftsmodell. Wir freuen uns, diesen Weg mitzugestalten.”

Bild Gründerteam v.l.n.r. Maximilian Starkmann, Wolfgang Triebstein, Julia Zimmermann, Timon Sutter, Lucas Heitele Bildcredits Eversion

Quelle contegy. GmbH

EdTech-Startup Infinite Horizon: Neues Lernspiel nutzt KI und AR gegen passive Bildschirmzeit

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Infinite Horizon: KI für Kinder im Lernspiel Infinite Horizon Team Bild: Julia Drejer, Marvin Grosser und Steven Koch

Infinite Horizon entwickelt ein Lernspiel, das Kinder mithilfe von KI dabei unterstützt, ihre Umwelt spielerisch zu entdecken und digitale Medien bewusster zu nutzen

Können Sie Infinite Horizon kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Infinite Horizon entwickelt ein immersives Lernspiel für Kinder, die zunehmend selbstständig mit digitalen Medien umgehen. Mithilfe von Augmented Reality, Künstlicher Intelligenz und Storytelling verwandeln wir das Smartphone von einem passiven Konsumgerät in ein Werkzeug zum Entdecken und Verstehen der realen Welt – direkt vor der Haustür der Kinder. Infinite Horizon besteht aus Marvin Grosser, Julia Drejer und Steven Koch.

Wie entstand die Idee, mit Infinite Horizon ein Lernspiel zu entwickeln, das digitale und reale Welt miteinander verbindet?

Die ursprüngliche Idee war, ein Lernspiel zu entwickeln, das Kindern Medienkompetenz im Umgang mit Zukunftstechnologien wie KI und AR vermittelt. Im Laufe der Konzeptphase haben wir den Ansatz weitergedacht: Wir wollten Kindern nicht nur zeigen, wie Technologien funktionieren, sondern ihnen helfen, die Welt zu verstehen. Am besten gelingt das, wenn sie sie direkt vor ihrer eigenen Haustür entdecken und erforschen. Und wie passend: Genau darin liegt der Kern von Augmented Reality – die Verbindung der digitalen mit der realen Welt.

Welche Vision verfolgen Sie mit Infinite Horizon, und wie möchten Sie die Art und Weise verändern, wie Kinder digitale Medien nutzen?

Wir glauben: Die nächste Generation braucht mehr als digitale Routine. Sie braucht digitale Souveränität. Die Fähigkeit, nicht nur zu reagieren, sondern zu verstehen. Nicht nur zu konsumieren, sondern selbst zu entdecken. Nicht nur mitzuschwimmen, sondern die eigene Welt aktiv zu lesen und mitzugestalten. Mit Infinite Horizon möchten wir deshalb digitale Medien vom reinen Konsumraum zu einem Werkzeug für Neugier, Entdeckung und eigenständiges Denken machen.

An welche Zielgruppen richtet sich Infinite Horizon hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie bei Kindern und Eltern erfüllen?

Infinite Horizon richtet sich vor allem an Familien mit Kindern in einer Phase, in der digitale Medien zunehmend selbstständig genutzt werden. Kindern möchten wir ein Erlebnis bieten, das ihre Neugier weckt und sie motiviert, ihre eigene Umwelt zu entdecken, Zusammenhänge zu verstehen und selbst Lösungen zu entwickeln. Eltern möchten wir gleichzeitig eine Alternative zu passiver Bildschirmzeit bieten: ein digitales Angebot, das Spaß macht, pädagogischen Mehrwert schafft und ihnen ermöglicht, die Mediennutzung ihrer Kinder sinnvoll zu begleiten.

Viele Kinder nutzen Smartphones vor allem zur Unterhaltung. Warum haben Sie sich bewusst für einen Ansatz entschieden, der Bewegung, Entdecken und Lernen miteinander verbindet?

Smartphones sind längst elementarer Teil des Alltags von Kindern. Deshalb glauben wir nicht, dass die Lösung darin liegt, digitale Medien grundsätzlich zu vermeiden, sondern ihre Nutzung sinnvoller zu gestalten. Kinder sind von Natur aus neugierig und lernen besonders nachhaltig, wenn sie selbst entdecken und ausprobieren. Genau das möchten wir mit Infinite Horizon fördern: Das Smartphone soll nicht der Ort sein, an dem die Aufmerksamkeit endet, sondern der Ausgangspunkt, um die reale Welt zu erkunden.

Was macht Infinite Horizon aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Lern-Apps oder digitalen Spielen?

Während klassische Lern-Apps Wissen meist innerhalb des Bildschirms vermitteln, macht Infinite Horizon die reale Welt über den Bildschirm hinaus zum Teil des Spiels. Kinder entdecken Phänomene in ihrer eigenen Umgebung, übertragen ihre Beobachtungen in eine digitale Spielwelt und verstehen dort die Zusammenhänge dahinter. Statt fertige Antworten vorzugeben, motivieren wir sie, selbst Fragen zu stellen und eigene Lösungen zu entwickeln.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz als Lernbegleiter, und wie unterstützt sie Kinder dabei, eigenständig Lösungen zu entwickeln?

Die KI übernimmt bei Infinite Horizon als 3D-Avatar die Rolle eines Begleiters. Sie gibt keine fertigen Antworten vor, sondern hilft Kindern durch gezielte Fragen, ihre eigenen Beobachtungen einzuordnen, Zusammenhänge zu erkennen und eigene Lösungswege zu entwickeln. Dabei reagiert sie auf den jeweiligen Kontext und begleitet jedes Kind Schritt für Schritt durch den Entdeckungsprozess. Unser Ziel ist, KI nicht als Abkürzung zum Ergebnis einzusetzen, sondern als Werkzeug, das Neugier, Reflexion und eigenständiges Denken fördert.

Wie gelingt es Ihnen, Kinder für Themen wie Natur, Umwelt und Problemlösung zu begeistern, ohne dass der spielerische Charakter verloren geht?

Der Schlüssel ist für uns Storytelling. Kinder lernen bei Infinite Horizon nicht einfach etwas über Natur, Umwelt oder gesellschaftliche Herausforderungen, sondern werden Teil einer Geschichte, in der ihre Entdeckungen und Entscheidungen die Spielwelt beeinflussen. Die Themen werden so nicht als Lernstoff vermittelt, sondern als Herausforderungen, die es zu verstehen und zu lösen gilt. Unser Ziel ist, dass Kinder weiterspielen wollen, weil sie wissen möchten, wie die Geschichte weitergeht – und dabei ganz selbstverständlich Zusammenhänge verstehen und eigene Lösungen entwickeln.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung eines Lernspiels, das sowohl pädagogisch wertvoll als auch unterhaltsam sein soll?

Die größte Herausforderung liegt darin, Unterhaltung und pädagogische Qualität wirklich gleichberechtigt zu entwickeln. Unsere eigene Stärke liegt vor allem in Gaming, Technologie und Produktentwicklung – wir sind keine Didaktiker. Deshalb holen wir uns gezielt externe Expertise ins Team, aktuell unter anderem durch einen erfahrenen Oberstudienrat, und suchen weitere institutionelle Partner für die didaktische und inhaltliche Konzeption. Gleichzeitig entwickeln wir eng mit Familien, denn am Ende muss Infinite Horizon nicht nur pädagogisch sinnvoll sein, sondern im Alltag funktionieren und Kindern wirklich Spaß machen.

Welche Bedeutung haben Eltern bei Ihrem Konzept, und wie unterstützt Infinite Horizon sie dabei, den Medienkonsum ihrer Kinder bewusster zu begleiten?

Wir glauben, dass bewusste Mediennutzung vor allem durch Begleitung entsteht. Deshalb erhalten Eltern Einblicke in die Themen, Entdeckungen und Lernfortschritte ihrer Kinder und können Bildschirmzeiten sowie Inhalte altersgerecht steuern. Unser Ziel ist nicht Überwachung, sondern Eltern Anknüpfungspunkte für Gespräche zu geben und sie dabei zu unterstützen, digitale Mediennutzung aktiv zu begleiten.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Infinite Horizon aktuell im Fokus?

Aktuell entwickeln wir unseren ersten MVP, mit dem wir die zentralen Spielmechaniken und unsere Vision erstmals greifbar und erlebbar machen. Dabei geht es noch nicht um ein didaktisch vollständig ausgereiftes Lernspiel, sondern darum, den Kern des Spielerlebnisses zu testen und weiterzuentwickeln. Dafür suchen wir aktuell 50 Familien, die den MVP ausprobieren, uns ehrliches Feedback geben und Interesse haben, Infinite Horizon gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Technologien einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen möchten?

Ganz ehrlich: Wir sehen uns noch nicht in der Position, anderen Gründerinnen und Gründern große Ratschläge zu geben. Wir stehen selbst noch am Anfang unserer Reise und haben noch viel zu tun, bis wir den gesellschaftlichen Mehrwert erreichen, den wir uns vorgenommen haben. Was wir aber schon jetzt wissen: Wir werden das nicht allein schaffen. Deshalb versuchen wir, früh Menschen einzubeziehen, die andere Perspektiven und Kompetenzen mitbringen – von Familien über Bildungsexperten bis hin zu institutionellen Partnern. Vielleicht ist genau das unser bisher wichtigstes Learning: Man muss nicht auf alles selbst eine Antwort haben, aber bereit sein, gemeinsam nach der besten zu suchen.

Bild: Julia DrejerMarvin Grosser und Steven Koch

Wir bedanken uns bei Marvin Grosser für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Infinite Horizon

Kontakt:

Infinite Horizon
Burgstraße 72A
51103 Köln

https://infinite-horizon.eu/
marvin.grosser@infinite-horizon.app

Ansprechpartner: Marvin Grosser

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Nomado24: KI-Plattform trennt echte Remote-Jobs von Hybrid-Mogeleien

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Nomado24: KI-Plattform filtert echte Remote-Jobs heraus GründerFoto Bild: Anton Petuchow und Lars Schreiner Bildcredits Nomado24 UG (haftungsbeschränkt)

Die innovative Stellenbörse Nomado24 prüft mithilfe künstlicher Intelligenz jedes Stellenangebot und schafft damit volle Transparenz für verlässliches Remote-Arbeiten auf einer zentralen Plattform

Können Sie Nomado24 kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Nomado24 ist eine Jobbörse für Remote-Arbeit. Die Idee kam aus mitbekommenem Frust von Freunden und Bekannten: Auf den meisten Portalen sind die Remote-Treffer voll mit Stellen, die gar nicht remote sind, weil dort nur nach dem Stichwort gefiltert wird. Man klickt sich durch Dutzende Anzeigen und findet im Kleingedruckten drei Präsenztage pro Woche. Wir wollten eine Börse, bei der man sich auf das Label verlassen kann. Bei uns liest deshalb ein KI-Modell jede einzelne Anzeige und stuft ein, wie ortsunabhängig die Stelle wirklich ist.

Wer steht hinter Nomado24, und welche eigenen Erfahrungen haben die Entwicklung der Plattform geprägt?

Hinter Nomado24 stehen wir zwei, Anton Petuchow und Lars Schreiner, beide aus Frankenthal. Lars studiert Sustainable Management an der HWG Ludwigshafen und hat die Idee aus seiner Erfahrung als Surflehrer mit vielen Kollegen, die außerhalb der Saison trotz Ausbildung unterqualifizierte Stellen auf Campingplätzen angenommen haben. Lars hat bereits durch Werkstudentenstellen Erfahrung im HR gesammelt. Ich habe an der WHU studiert und komme über Stationen bei BASF, Allianz und Kipu Quantum an Managementerfahrung und ein Netzwerk in der Startup-Welt. Wir haben selbst nach ortsunabhängiger Arbeit gesucht, weil wir Studium, Arbeit und Reisen verbinden wollten. Neben den Erfahrungen der oben genannten Freunde war diese Suche der Auslöser: Die Portale versprachen Remote und lieferten Hybrid. Dass wir beide aus der eigenen Nutzerperspektive kommen, prägt bis heute jede Produktentscheidung. Wir bauen zuerst das, was uns selbst gefehlt hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nomado24, und wie möchten Sie ortsunabhängiges Arbeiten langfristig weiterentwickeln?

Unsere Vision ist, dass niemand seinen Beruf nach dem Pendelweg aussuchen muss. Ortsunabhängige Arbeit ist heute vor allem ein Privileg gut vernetzter Menschen in wenigen Branchen. Wir wollen sie sichtbar und auffindbar machen, auch für Menschen im ländlichen Raum, für Eltern und für Quereinsteiger. Dazu gehört auch, ehrlich zu benennen, wo Remote nur behauptet wird. Langfristig soll Nomado24 der Ort sein, an dem man nicht nur den Job findet, sondern auch durch die einfache Buchung von Coworking-Spaces und den Zugang zu Gleichgesinnten sein Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann.

An welche Zielgruppen richtet sich Nomado24 hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer Plattform erfüllen?

Auf der einen Seite Menschen, die ortsunabhängig arbeiten wollen oder müssen: digitale Nomaden, Eltern, Pendler, Menschen im ländlichen Raum, Quereinsteiger und Leute, die einen Neben- oder Minijob von zu Hause suchen. Sie brauchen vor allem Verlässlichkeit, also die Sicherheit, dass eine als remote gekennzeichnete Stelle auch remote ist. Auf der anderen Seite Arbeitgeber, die ernsthaft Remote-Arbeit anbieten und im allgemeinen Rauschen untergehen. Für sie ist unsere Prüfung ein Vorteil, weil ehrliche Anzeigen sichtbarer werden.

Viele Remote-Jobbörsen bieten nur begrenzte Informationen zu Stellenangeboten. Wie schafft Nomado24 mehr Transparenz für Bewerber?

Wir lesen jede Anzeige maschinell und ziehen genau die Angaben heraus, die für ortsunabhängiges Arbeiten entscheidend sind: Wie viel Präsenz wird verlangt, aus welchen Ländern darf man arbeiten, welche Sprache wird erwartet und wird ein Gehalt genannt. Das führt zu unbequemen Ergebnissen, die wir trotzdem zeigen. In unserem eigenen Bestand waren 14,5 Prozent der als Remote gelisteten Stellen nach dem Urteil unseres Klassifikators nicht wirklich remote, das sind 356 von 2.459 geprüften Anzeigen. Nur jede vierzigste Anzeige nennt überhaupt ein Gehalt, und das sechs Wochen nach Ablauf der EU-Frist zur Entgelttransparenz. Solche Zahlen veröffentlichen wir, auch wenn sie unserem eigenen Bestand kein gutes Zeugnis ausstellen.

Was macht Nomado24 aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Plattformen für Remote Jobs?

Der Unterschied liegt in der Prüfung. Andere filtern nach dem Wort Remote, wir lassen jede Anzeige KI-gestützt lesen und einstufen. Das ist aufwendiger und langsamer, aber es ist der einzige Weg, bei dem am Ende wirklich drin ist, was draufsteht. Der Nebeneffekt ist, dass wir dadurch eigene Daten über den Markt haben und nicht nur Stellen weiterreichen.

Mit Ihrem KI-gestützten Karriereberater und der Kombination aus Jobbörse und Coworking-Suche verfolgen Sie einen ganzheitlichen Ansatz. Welche Vorteile bietet das Ihren Nutzern?

Weil bei ortsunabhängiger Arbeit der Job nur die halbe Frage ist. Die andere Hälfte ist: Wo arbeite ich, was kostet das Leben dort, was bleibt netto übrig und passt die Stelle überhaupt zu meinem Profil? Der KI-Karriereberater beantwortet Fragen zum eigenen Werdegang und hilft bei der Einordnung von Stellen, die Coworking-Suche und unsere Rechner für Gehalt und Lebenshaltungskosten decken den Rest ab. Für Nutzer heißt das, dass sie nicht zwischen fünf Diensten hin- und herspringen müssen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in einem Markt, in dem sich die Anforderungen an Remote Work und flexible Arbeitsmodelle ständig verändern?

Die größte Herausforderung ist die Knappheit auf der Angebotsseite. Viele Unternehmen holen ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro, und echte Remote-Stellen werden dadurch nicht mehr, sondern weniger. Die zweite Herausforderung ist Qualität: Wo Remote-Jobs gesucht werden, tauchen auch unseriöse Anzeigen auf, deshalb prüfen wir neue Arbeitgeber vor der Veröffentlichung. Und die dritte ist, dass sich die Sprache des Marktes ständig ändert. Was heute hybrid heißt, hieß vor zwei Jahren remote friendly. Ein Klassifikator, der Bedeutung liest statt Stichworte zu zählen, ist dagegen deutlich robuster als eine feste Filterliste.

Wie wichtig sind Informationen zu Sprache, Zeitzonen, Visa und Gehalt für die Nutzer Ihrer Plattform?

Sie sind der eigentliche Kern der Suche. Eine Stelle, die formal remote ist, aber Deutsch auf Muttersprachenniveau verlangt, ist für einen Teil unserer Nutzer nicht relevant. Eine Stelle, die Arbeit nur aus Deutschland erlaubt, ist für jemanden in Lissabon wertlos. Und wer mit einem Team in einer anderen Zeitzone zusammenarbeitet, muss vorher wissen, ob feste Kernzeiten verlangt werden. Genau solche Angaben ziehen wir aus den Anzeigen heraus und machen sie filterbar, damit niemand sie im Kleingedruckten suchen muss. Gehaltsangaben zeigen wir an, wo sie vorhanden sind, da ist der Markt insgesamt aber noch sehr zurückhaltend.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Nomado24 aktuell im Fokus?

Zwei Dinge. Erstens entwickeln wir unseren KI-Karriereberater weiter: Er soll nicht nur Fragen beantworten, sondern das eigene Profil laufend mit den geprüften Stellen abgleichen und konkrete nächste Schritte vorschlagen – vom passenden Job bis zum Feinschliff der Bewerbung. Zweitens bereiten wir eine Coworking-Partnerschaft mit einem der größten Anbieter weltweit vor. Wenn sie live ist, findet man über Nomado24 nicht nur den Remote-Job, sondern bucht auch gleich den Arbeitsplatz dazu.

Wo soll Nomado24 in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Remote Work und digitale Arbeitswelten einnehmen?

Wir wollen im deutschsprachigen Raum die Adresse sein, bei der man sich auf die Angabe Remote verlassen kann. Und darüber hinaus die Plattform, die ortsunabhängiges Arbeiten komplett abdeckt: der geprüfte Job, der buchbare Arbeitsplatz und die KI-gestützte Beratung, die beides zusammenbringt. Wenn jemand in ein paar Jahren ortsunabhängig arbeiten will, soll der erste Schritt ganz selbstverständlich über Nomado24 führen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform für die Arbeitswelt von morgen entwickeln möchten?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst habt. Wir hätten den Unterschied zwischen echtem und behauptetem Remote nie so genau verstanden, wenn wir nicht selbst wochenlang danach gesucht hätten. Zweitens: Messt euren eigenen Bestand ehrlich, auch wenn das Ergebnis unangenehm ist. Unsere unbequemste Zahl ist inzwischen unser stärkstes Argument. Drittens: Redet früh mit Leuten, die euch widersprechen. Das ehrlichste Feedback kam bei uns nicht von Fans, sondern von Menschen, die uns erklärt haben, warum unser Plan noch nicht trägt.

Bild: Anton Petuchow und Lars Schreiner Bildcredits Nomado24 UG (haftungsbeschränkt)

Wir bedanken uns bei Anton Petuchow und Lars Schreiner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

allpacka: Klappbare Lastenbox macht das Fahrrad zum Alltagsallrounder

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allpacka: Klappbarer Stauraum für das Fahrrad im Alltag Bild Die Gründer von allpacka (v. l. n. r.): Jonathan Vincentz, Daniela Weiß und Lukas Ludwig. Das Dresdner Start-up entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder und E-Bikes. Bildrechte: © 2026 allpacka GmbH

Das sächsische Hardware-Startup allpacka verwandelt das Fahrrad in einen flexiblen Packesel und schafft mit der allpacka One klappbaren Stauraum für den Alltag

Können Sie allpacka kurz vorstellen und erzählen, wie aus einer Alltagssituation auf einer Dresdner WG-Terrasse ein Unternehmen entstanden ist?

allpacka entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder. Sie bleibt dauerhaft und kompakt auf dem Gepäckträger montiert und lässt sich bei Bedarf innerhalb einer Sekunde zu einer 30 Liter großen Transportbox aufklappen. Sie trägt bis zu 20 Kilogramm und kann gleichzeitig mit vorhandenen Fahrradtaschen genutzt werden.

Die Idee entstand 2020 aus einer ganz alltäglichen Situation: Ich war mit dem Fahrrad unterwegs, mein Rucksack war bereits voll, meine Fahrradtaschen lagen zu Hause und trotzdem musste ich noch einkaufen. Gemeinsam mit meiner damaligen Mitbewohnerin und heutigen Mitgründerin Daniela Weiß fragte ich mich, warum spontaner zusätzlicher Stauraum am Fahrrad eigentlich so kompliziert sein muss.

Auf der Terrasse unserer Dresdner WG bauten wir daraufhin den ersten Prototyp aus Holz und Lkw-Plane. Was zunächst eine pragmatische Lösung für unseren eigenen Alltag war, wurde anschließend immer weiterentwickelt. Aus dem ersten Holzmodell entstanden 24 Prototypen, ein erteiltes deutsches Patent, mehr als 5.000 Testkilometer und eine Kickstarter-Kampagne mit über 1.100 Vorbestellungen. Aus einer Alltagssituation wurde so Schritt für Schritt ein Unternehmen und schließlich ein serienreifes Produkt.

Wer steht hinter allpacka, und welche Erfahrungen haben Sie auf dem Weg vom ersten Holzprototyp bis zur Serienfertigung gesammelt?

Hinter allpacka stehen meine Mitgründerin Daniela Weiß, mein Mitgründer Jonathan Vincentz und ich. Daniela verantwortet insbesondere die Produktentwicklung und die Überführung in die Serie. Jonathan kümmert sich schwerpunktmäßig um Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Meine Aufgaben liegen vor allem in der Konstruktion und der Projektkoordination. Unterstützt werden wir von einem Team und zahlreichen spezialisierten Partnern.

Auf dem Weg zur Serienfertigung mussten wir sehr unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden: Konstruktion, Materialauswahl, Fertigung, Finanzierung, Kommunikation, Lieferketten und Unternehmensaufbau. Gerade bei einem Hardware-Produkt greifen diese Themen unmittelbar ineinander.

Für mich war eine der wichtigsten Erkenntnisse, dass ein funktionierender Prototyp noch lange kein serienreifes Produkt ist. Ein Einzelstück kann man von Hand anpassen oder nacharbeiten. In der Serie müssen dagegen sämtliche Bauteile innerhalb klar definierter Toleranzen wiederholbar funktionieren. Dieser Übergang war deutlich umfangreicher und anspruchsvoller, als wir zu Beginn erwartet hatten.

Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig Ausdauer und ein verlässliches Team sind. Bei einer Hardware-Entwicklung lassen sich nicht alle Herausforderungen im Voraus erkennen. Entscheidend ist deshalb, Probleme frühzeitig anzusprechen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und die eigene Konstruktion immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Welche Vision verfolgen Sie mit allpacka, und wie möchten Sie den Transport mit dem Fahrrad langfristig einfacher und flexibler gestalten?

Unsere Vision ist es, den Transport mit dem Fahrrad so einfach zu machen, dass mehr Menschen im Alltag auf das Auto verzichten können. Viele Wege sind kurz genug, um sie mit dem Fahrrad zurückzulegen. Häufig scheitert es jedoch nicht an der Entfernung, sondern daran, wie Einkäufe, Pakete oder andere größere Gegenstände sicher und unkompliziert transportiert werden können.

Genau hier möchten wir mit allpacka ansetzen. Zusätzlicher Stauraum soll nicht erst lange geplant werden müssen. Er soll bereits am Fahrrad vorhanden sein und sich genau dann nutzen lassen, wenn er benötigt wird.

Langfristig möchten wir dazu beitragen, dass das Fahrrad nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als vielseitiges Transportmittel wahrgenommen wird. Dabei geht es uns nicht darum, Fahrradtaschen, Anhänger oder Lastenräder vollständig zu ersetzen. Wir möchten eine weitere praktische Lösung schaffen, die das vorhandene Fahrrad im Alltag vielseitiger macht.

Unser Ziel ist, dass Menschen bei einem Einkauf oder spontanen Transport nicht automatisch an das Auto denken, sondern zuerst überlegen, ob sie den Weg mit ihrem Fahrrad erledigen können.

An welche Zielgruppen richtet sich allpacka One, und welche Herausforderungen im Alltag möchten Sie mit Ihrer Lösung beseitigen?

Die allpacka One richtet sich insbesondere an Menschen, die ihr vorhandenes Fahrrad häufiger für Einkäufe, Arbeitswege und spontane Transporte nutzen möchten. Dazu gehören beispielsweise Menschen, die im Alltag regelmäßig kleinere und größere Dinge mit dem Fahrrad befördern, Pendlerinnen und Pendler, Familien und Studierende.

Viele bisherige Lösungen haben aus unserer Sicht einen Nachteil: Fahrradtaschen bieten zwar Stauraum, müssen aber mitgenommen oder von zu Hause geholt werden. Ein klassischer Fahrradkorb hat nur ein begrenztes Volumen und stört häufig beim Abstellen des Fahrrads. Anhänger und Lastenräder bieten viel Platz, benötigen jedoch zusätzliche Abstellfläche und sind nicht für jede Person oder jede Alltagssituation die passende Lösung.

Die allpacka One bleibt dagegen dauerhaft und kompakt auf dem Gepäckträger. Wird zusätzlicher Stauraum benötigt, lässt sie sich innerhalb einer Sekunde aufklappen. Im geschlossenen Zustand bleibt das Fahrrad handlich, und vorhandene Fahrradtaschen können weiterhin genutzt werden.

Damit möchten wir vor allem eine Alltagssituation lösen, die viele Menschen kennen: Man ist bereits mit dem Fahrrad unterwegs und stellt spontan fest, dass der vorhandene Stauraum für einen Einkauf oder Transport nicht ausreicht.

Vom ersten Prototyp bis zum marktreifen Produkt haben Sie zahlreiche Entwicklungsschritte durchlaufen. Welche Erkenntnisse haben diesen Weg besonders geprägt?

Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse war, dass ein gutes Produkt nicht allein am Schreibtisch entsteht. Es muss unter realen Bedingungen eingesetzt, belastet und immer wieder kritisch geprüft werden. Viele Details, die in einer Konstruktion zunächst sinnvoll erscheinen, zeigen ihre tatsächlichen Stärken und Schwächen erst im Alltag.

Deshalb haben wir die verschiedenen Prototypen intensiv getestet und das gewonnene Feedback direkt in die weitere Entwicklung einfließen lassen. Insgesamt sind wir mit den Prototypen mehr als 5.000 Kilometer gefahren.

Dabei wurde uns immer wieder deutlich, wie eng Konstruktion, Materialauswahl, Bedienbarkeit und Fertigung miteinander verbunden sind. Schon kleine Änderungen an einem Scharnier, einer Materialstärke oder einer Wabe können gleichzeitig Einfluss auf Stabilität, Gewicht, Klappverhalten und Montierbarkeit haben.

Wir haben deshalb gelernt, Entscheidungen nie nur aus einer einzelnen technischen Perspektive zu treffen. Entscheidend ist immer das Gesamtsystem: Wie verhält sich das Produkt im Alltag? Ist es einfach zu montieren? Lässt es sich intuitiv bedienen? Und kann es zuverlässig gefertigt werden?

Dieser ganzheitliche Blick auf das Produkt hat unseren Entwicklungsprozess besonders geprägt.

24 Prototypen, mehr als 5.000 Testkilometer und ein deutsches Patent sprechen für einen intensiven Entwicklungsprozess. Was macht allpacka One aus Ihrer Sicht heute besonders?

Besonders ist für uns die Verbindung aus kompakter Bauweise, hoher Flexibilität und unmittelbarem Alltagsnutzen. Die allpacka One bleibt dauerhaft auf dem Gepäckträger, nimmt im geschlossenen Zustand nur wenig Platz ein und schafft bei Bedarf innerhalb einer Sekunde 30 Liter zusätzlichen Stauraum.

Dadurch muss man sich nicht vor jeder Fahrt überlegen, ob man später vielleicht noch etwas transportieren möchte. Der zusätzliche Platz ist bereits am Fahrrad vorhanden. Gleichzeitig können Fahrradtaschen weiterhin verwendet werden.

Die 24 Prototypen und mehr als 5.000 Testkilometer zeigen, dass wir uns nicht mit einer grundsätzlich funktionierenden Lösung zufriedengegeben haben. Unser Anspruch war, ein Produkt zu entwickeln, das Leuten tatsächlich im Alltag hilft und angenehm zu benutzen ist.

Das erteilte deutsche Patent schützt den von uns entwickelten Klappmechanismus und unterstreicht, dass hinter der allpacka One eine eigenständige technische Lösung steht. Entscheidend ist für uns jedoch nicht allein die technische Besonderheit. Sie muss für die Nutzerinnen und Nutzer einen konkreten Vorteil schaffen. Genau das tut der Mechanismus, indem er zusätzlichen Stauraum innerhalb weniger Sekunden verfügbar macht.

Die Entwicklung eines Hardware-Produkts gilt als besonders anspruchsvoll. Welche Herausforderungen mussten Sie bis zur Serienproduktion meistern?

Bei einem Hardware-Produkt müssen sehr viele Bereiche gleichzeitig zusammenspielen. Neben der eigentlichen Konstruktion geht es um Materialauswahl, Belastbarkeit, Sicherheit, Fertigungsverfahren, Lieferketten, Kosten, Montage und Qualitätskontrolle.

Eine der größten Herausforderungen war der Schritt vom funktionsfähigen Prototyp zur reproduzierbaren Serienfertigung. Bei einem Prototyp lassen sich einzelne Bauteile noch von Hand anpassen. In der Serie müssen hingegen Tausende Teile zuverlässig zusammenpassen und gleichbleibend funktionieren.

Schon geringe Abweichungen können Auswirkungen auf das Klappverhalten, die Stabilität oder die Montage haben. Deshalb mussten wir sämtliche Bauteile, Verbindungen und Prozesse sehr genau definieren und wiederholt überprüfen.

Gleichzeitig darf das Produkt nicht nur technisch funktionieren. Es muss auch optisch gut ausschauen, intuitiv bedienbar sowie langlebig, montierbar und wirtschaftlich herstellbar sein. Diese unterschiedlichen Anforderungen miteinander zu verbinden, war eine der zentralen Aufgaben auf dem Weg zur Serienproduktion.

Hinzu kommt, dass bei Hardware Änderungen deutlich aufwendiger sind als bei einem digitalen Produkt. Eine Software lässt sich vergleichsweise kurzfristig aktualisieren. Bei einem Spritzgusswerkzeug oder einem bereits produzierten Bauteil sind Anpassungen wesentlich zeit- und kostenintensiver. Deshalb ist es besonders wichtig, Entscheidungen gründlich vorzubereiten, ohne dabei den Entwicklungsprozess unnötig zu verlangsamen.

Warum war es Ihnen wichtig, die Spritzgussteile in Deutschland fertigen zu lassen und die Endmontage in Dresden und Leipzig umzusetzen?

Die Fertigung der Spritzgussteile in Deutschland und die Endmontage in Dresden und Leipzig ermöglichen uns eine enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern. Gerade beim Aufbau einer neuen Serienproduktion sind kurze Abstimmungswege besonders wertvoll.

Anpassungen können schneller besprochen, Probleme frühzeitig erkannt und Prozesse gemeinsam optimiert werden. Gleichzeitig können wir die Qualität der einzelnen Komponenten sowie des fertigen Produkts eng begleiten.

Die Nähe zur Fertigung hilft uns außerdem dabei, Erfahrungen aus der Produktion unmittelbar in die weitere Produktentwicklung einfließen zu lassen. Wenn sich während der Montage zeigt, dass ein Arbeitsschritt verbessert werden kann, können wir direkt darauf reagieren.

Darüber hinaus war es uns wichtig, möglichst viel Wertschöpfung in Deutschland beziehungsweise regional abzubilden. Deshalb sind wir stolz darauf, dass die Endmontage in Leipzig und Dresden erfolgt und sich daher für uns ein Stück weit der Kreis vom ersten Holzprototyp auf der WG-Terrasse bis zum fertigen Serienprodukt schließt.

Mit über 1.100 Vorbestellungen auf Kickstarter haben Sie früh großes Interesse geweckt. Welche Bedeutung hatte dieses Feedback für die Weiterentwicklung Ihres Produkts?

Die mehr als 1.100 Vorbestellungen waren für uns eine sehr wichtige Bestätigung. Als Gründerteam kann man von der eigenen Idee überzeugt sein. Entscheidend ist aber, ob auch Menschen außerhalb des eigenen Umfelds darin einen echten Mehrwert erkennen und bereit sind, für das Produkt zu bezahlen.

Als die Zahl der Vorbestellungen während der Kampagne immer weiter stieg, war das für uns ein überwältigender Moment. Zu spüren, dass so viele Menschen unser Produkt wollen und dass wir tatsächlich einen Nerv mit der allpacka One treffen, war ein super Gefühl.

Die Kickstarter-Kampagne hat uns aber nicht nur Nachfrage gezeigt. Wir haben auch viele Fragen, Hinweise und konkrete Anwendungsfälle aus der Community erhalten. Dadurch konnten wir noch besser verstehen, welche Erwartungen Menschen an die allpacka One haben und welche Details im Alltag besonders relevant sind.

Dieses Feedback ist direkt in die Finalisierung eingeflossen. Gleichzeitig hat uns die Kampagne die Sicherheit gegeben, dass wir nicht nur ein persönliches Problem lösen, sondern eine Herausforderung, die auch viele andere Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer kennen.

Welche nächsten Meilensteine stehen für allpacka nach dem Start der Serienproduktion auf Ihrer Roadmap?

Der nächste große Meilenstein ist die zuverlässige Auslieferung an unsere Kickstarter-Unterstützerinnen und -Unterstützer sowie an unsere Vorbestellerinnen und Vorbesteller. Parallel dazu bauen wir die Fertigungs-, Montage- und Qualitätssicherungsprozesse in Dresden und Leipzig stabil auf.

Gerade in der ersten Serienphase ist es für uns entscheidend, eine gleichbleibend hohe Produktqualität zu gewährleisten und aus den tatsächlichen Produktionsabläufen zu lernen. Gleichzeitig werden wir das Feedback der ersten Nutzerinnen und Nutzer sehr genau auswerten.

Dieser reale Alltagseinsatz ist für die weitere Entwicklung besonders wertvoll. Er zeigt uns, wie die allpacka One mit ganz unterschiedlichen Fahrrädern, in verschiedenen Regionen und Nutzungssituationen eingesetzt wird und an welchen Stellen wir das Produkt oder die begleitenden Prozesse weiter verbessern können.

Anschließend möchten wir unsere Bekanntheit weiter ausbauen, den Direktvertrieb stärken und gezielt neue Handelspartner gewinnen. Darüber hinaus sehen wir Potenzial für zusätzliches Zubehör und weitere Produkte, die das flexible Transportieren mit dem Fahrrad noch einfacher machen.

Unser langfristiges Ziel ist nicht, bei einem einzelnen Produkt stehen zu bleiben, sondern rund um den Fahrradtransport ein durchdachtes und aufeinander abgestimmtes Angebot aufzubauen.

Wo soll allpacka in fünf Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich nachhaltiger Mobilitätslösungen einnehmen?

In fünf Jahren soll allpacka zu den etablierten Marken für flexible Transportlösungen am Fahrrad gehören. Unser Ziel ist, dass die allpacka One für viele Menschen zu einer selbstverständlichen Möglichkeit wird, Einkäufe und andere Gegenstände mit ihrem vorhandenen Fahrrad zu transportieren.

Gleichzeitig möchten wir unser Angebot weiterentwickeln und zusätzliche Lösungen schaffen, die den praktischen Nutzen des Fahrrads im Alltag erhöhen. Dabei wollen wir nicht nur ein einzelnes Produkt verkaufen, sondern eine Marke aufbauen, die für durchdachte, langlebige und einfach nutzbare Fahrradtransportlösungen steht.

Wir möchten zeigen, dass nachhaltige Mobilität nicht kompliziert oder mit großen Einschränkungen verbunden sein muss. Gute Lösungen müssen vor allem zuverlässig funktionieren, sich selbstverständlich in den Alltag integrieren lassen und einen spürbaren Mehrwert bieten.

Unsere Rolle sehen wir darin, das vorhandene Fahrrad vielseitiger zu machen. Nicht jeder Mensch benötigt ein Lastenrad oder möchte einen Anhänger abstellen. Sehr viele Menschen besitzen jedoch bereits ein Fahrrad. Wenn wir dazu beitragen können, dass dieses Fahrrad häufiger für Einkäufe und Transporte genutzt wird, leisten wir einen konkreten Beitrag zu einer flexibleren und nachhaltigeren Alltagsmobilität.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Hardware-Startup von der ersten Idee bis zur Serienproduktion aufbauen möchten?

Mein erster Rat ist, so früh wie möglich einen funktionierenden Prototyp zu bauen und ihn unter realen Bedingungen zu testen. Ein einfacher Prototyp, der tatsächlich genutzt wird, liefert häufig mehr Erkenntnisse als eine Idee, die über einen langen Zeitraum nur theoretisch perfektioniert wird. Wichtig ist dabei, nicht zu lange am ersten Lösungsansatz festzuhalten, sondern bewusst ehrliches Feedback einzuholen und Schwächen des Prototyps anzuerkennen.

Mein zweiter Rat ist, ausreichend Zeit und finanzielle Reserven für die Überführung zu einem Serienprodukt einzuplanen. Wir haben selbst erlebt, dass der Weg von einem guten Prototyp zu einem serienreifen Produkt zeitlich oft nur schwer abschätzbar ist. Fertigung, Werkzeuge, Lieferketten, Toleranzen, Qualitätssicherung und Montage sollten deshalb so früh wie möglich mitgedacht werden.

Mein dritter Rat ist, offen mit Rückschlägen umzugehen und konsequent weiterzulernen. Ausdauer, ein verlässliches Team und die Bereitschaft, die eigene Lösung immer wieder kritisch zu hinterfragen, sind aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie die ursprüngliche Produktidee.

Bild Die Gründer von allpacka (v. l. n. r.): Jonathan Vincentz, Daniela Weiß und Lukas Ludwig. Das Dresdner Start-up entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder und E-Bikes. Bildrechte: © 2026 allpacka GmbH

Wir bedanken uns bei Lukas Ludwig für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Es gibt keine Freiheit von Männern, wenn Frauen nicht frei sind

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Freiheit im Iran: Daniela Sepehri im herCAREER Gespräch Bild Daniela Sepehri Freie Journalistin und Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln © Nassim Rad

Sie ist 28, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin – und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. Daniela Sepehri wuchs als Tochter geflüchteter iranischer Eltern in Paderborn auf und wurde durch die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung politisiert. Im Gespräch mit herCAREER erklärt sie, warum echte Solidarität nie nur die eigene Freiheit im Blick haben darf – und wie jede und jeder von uns die Freiheitskämpfe dieser Welt sichtbarer machen kann.

„Die Regierung tut oft so, als wären Menschenrechte ein Beilagensalat. Aber Menschenrechte sind die Hauptspeise.“

herCAREER: Daniela, dein Buch feiert Menschen, die ungeheuren Mut aufbringen. Viele riskieren im Iran für die Freiheit ihr Leben. Was bedeutet Freiheit für dich?

Daniela Sepehri: Azadi, das persische Wort für Freiheit, war mein erstes Tattoo. Als Jugendliche habe ich zuhause in Paderborn rebelliert, weil mein Bruder viel mehr Freiheiten hatte als ich. Aber so richtig habe ich mich mit dem Wunsch nach Freiheit zum ersten Mal beschäftigt, als 2017, 2018 Proteste im Iran ausgebrochen sind und besonders, als 2019 Proteste blutig niedergeschlagen wurden.

herCAREER: Du bist Menschenrechtsaktivistin und freie Journalistin, du bist jetzt 28 und hast dein erstes Buch geschrieben – der Titel ist ein Appell: „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet.“ Was hat dich so früh politisiert?

Daniela Sepehri: Ich bin eine iranische Frau in Deutschland. Ich bin links. Und ich bin das Kind von geflüchteten Eltern, die der christlichen Minderheit im Iran angehören.

herCAREER: Dein Vater ist evangelischer Pastor, er war im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert.

Daniela Sepehri: Ja. Dass ich lebe, ist politisch. Und das habe ich früh gemerkt.

herCAREER: Wodurch? Und: Hast du heute einen deutschen Pass?

Daniela Sepehri: Ich bin mit sieben Jahren eingebürgert worden. Ich bin zwar hier geboren, aber vor 2000, deshalb war ich nicht mit der Geburt deutsche Staatsbürgerin. Meine Eltern mussten für mich noch einen Asylantrag stellen, sonst hätte ich mit 18 Jahren abgeschoben werden können. Bei uns zu Hause wurde immer über die aktuelle Lage im Iran und auf der Welt diskutiert. Als ich mit vier Jahren mit meiner Gitarre auf dem Rücken zum Musikunterricht gegangen bin, hat meine Mama mal gesagt: „Weißt du, im Iran hätte ich nicht so mit einem Musikinstrument durch die Straßen gehen können.“ Sie wollte mir kein schlechtes Gefühl vermitteln, aber sie hat mir von klein auf bewusst gemacht, was ich hier für Freiheiten habe und dass ich sie nutze. Und man bekommt dann auch schnell Sachen mit.

herCAREER: Zum Beispiel?

Daniela Sepehri: Ich habe für meine Eltern und für Leute aus der Gemeinde schon als Kind Behördenbriefe übersetzt und war mit in Geflüchteten-Unterkünften – ich fand da vieles ungerecht. Ich weiß noch, wie ich an meiner katholischen Mädchenschule mal ein Referat darüber gehalten habe, dass in der Islamischen Republik Iran Mädchen ab 9 Jahren und Jungs ab 15 zum Tode verurteilt werden können. Meine Lehrerin hat das nicht geglaubt. Diese Diskrepanz zwischen dem, was ich von zuhause wusste, und meiner Realität in der Schule hat mich auch politisiert.

herCAREER: Im September 2022 wurde Jina Mahsa Amini von der iranischen Sittenpolizei so schwer verletzt, dass sie gestorben ist. Was hat das bei dir ausgelöst?

Daniela Sepehri: Im Sommer war schon eine andere Studentin festgenommen worden, der man ihre Misshandlungen ansehen konnte, als sie im Staatsfernsehen vorgeführt wurde. Dann die Bilder von Jina im Krankenhaus … Ich war so wütend und gleichzeitig habe ich mich so ohnmächtig gefühlt. Das waren Studentinnen wie ich. Also habe ich etwas bei Insta gepostet und dachte, das wird sowieso wieder niemanden interessieren. Als dann die Meldung von Jinas Tod kam, musste ich etwas tun. Ich habe am Brandenburger Tor eine Demo angemeldet, ein paar Bilder auf A3 gedruckt, Kerzen aufgestellt, dann habe ich mit so einem Spielzeug-Megafon eine kleine Rede vom Handy abgelesen, und als ich hochgeschaut habe, war ich total überrascht, wie viele Menschen da waren. Gleichzeitig bekam der Insta-Post immer mehr Reichweite. Da habe ich gemerkt, huch, man interessiert sich in Deutschland dafür, was im Iran passiert.

herCAREER: „Frau, Leben, Freiheit“, der Slogan der Protestbewegung, wurde weltweit aufgegriffen. Im Westen wurde dabei stark aufs Kopftuch geguckt. Wie siehst du das?

Daniela Sepehri: Das Regime im Iran ist ein System der Gender-Apartheid. Es funktioniert über Kontrolle. Man muss verstehen, dass der Kopftuch-Zwang ein Symbol der Unterdrückung der gesamten Bevölkerung ist. Es gibt aber auch Frauen, die freiwillig Kopftuch tragen. Im Herbst 2022 haben die Rechten bei uns versucht, die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung zu instrumentalisieren, um das Kopftuch hier verbieten zu lassen. Aber wer Frauen das Kopftuch verbieten will, unterscheidet sich nicht von denen, die ihnen das Kopftuch aufzwingen. Beides ist ein Eingriff in die Freiheit und Selbstbestimmung. Deshalb haben bei den Protesten im Iran auch Frauen mit und ohne Hijab Hand in Hand dafür demonstriert, selbst entscheiden zu können. Ich habe mich durch die Bewegung auch gefragt: Welchen Preis hat Freiheit? Um wessen Freiheit geht es uns eigentlich?

herCAREER: Und?

Daniela Sepehri: Ich habe mal Jugendliche einer 8. Klasse gefragt: „Was glaubt ihr, warum gehen Männer auf die Straße und rufen ‚Frau, Leben, Freiheit‘, obwohl sie dafür hingerichtet werden können?“ Ein Junge hat, ohne zu zögern, gesagt: „Wenn wir Männer die ganze Zeit für die Frauen bestimmen müssen, ist das ja auch mega viel Druck für die Männer. Deshalb ist es auch für die Männer gut, wenn Frauen Freiheit haben.“ Natürlich ist das vereinfacht, aber er hat verstanden: Es gibt keine Freiheit von Männern, wenn Frauen nicht frei sind. Und ich gehe sogar einen Schritt weiter. „Frauen, Leben, Freiheit“ ist ja eine sehr intersektionale Parole …

herCAREER: „Jin, Jiyan, Azadi“ kommt aus dem Kurdischen.

Daniela Sepehri: Ja, die Parole wurde 2014 prominent, als kurdische Frauen den Islamischen Staat bekämpft haben. Dass kurdische Frauen 2022 nach Jina Mahsa Aminis Ermordung das ganze Land auf die Straße gebracht haben, dafür rächt sich das Regime bis heute. In Kurdistan ist die Gewalt am brutalsten. Aber was ich von den Menschen im Iran eindeutig gelernt habe: Alle progressiven politischen Bewegungen sind miteinander verknüpft. Das spiegelt sich in der Freiheitsbewegung. Es gibt keine Freiheit im Iran ohne die Freiheit von Frauen, ohne die Freiheit von ethnisch oder religiös marginalisierten Gruppen, ohne die Freiheit von queeren Menschen, von Arbeiter:innen oder Studierenden. Die Freiheitsbewegung, der Kampf gegen die Todesstrafe, die Klimabewegung – das hängt alles zusammen, und die Menschen wissen, sie müssen zusammenstehen.

herCAREER: Was können wir in Deutschland davon lernen?

Daniela Sepehri: Dass wir die feministische Bewegung nicht losgelöst vom Recht auf Asyl betrachten, die Klimabewegung nicht ohne Blick auf Arbeiter:innenrechte. Wir kommen weiter, wenn wir uns solidarisieren, auch international.

herCAREER: Im Iran kämpfen die Menschen schon über ein halbes Jahrhundert für Freiheit, erst gegen die Monarchie, dann gegen die Mullahs und jetzt richtet sich der Kampf vor allem gegen die Revolutionsgarden. Was macht die Frauen im Iran dabei zu so einer starken Kraft?

Daniela Sepehri: Vielleicht ist das purer Überlebensinstinkt. Viele haben das Gefühl, sie haben nichts mehr zu verlieren. Eine Freundin, die Anfang des Jahres bei den Protesten dabei war, meinte vorher zu mir: „Was wollen die machen? Mich umbringen? Ich sterbe jeden Tag.“ Ich glaube, in dem Moment, in dem eine Frau beschließt, für ihre Rechte zu kämpfen, sollten sich autoritäre Rechte und Diktatoren warm anziehen. Weltweit gibt es zwar gerade einen Backlash gegen Frauenrechte, aber zugleich verteidigen Frauen überall ihre Rechte furchtloser und mutiger als je zuvor.

herCAREER: 2003 hat Shirin Ebadi den Friedensnobelpreis bekommen, zwanzig Jahre später Narges Mohammadi. Auch Mohammadis Mann war 14 Jahre im Gefängnis und lebt heute mit den Kindern im Exil in Paris. Sie ist im Iran geblieben und ist dort mehr im Gefängnis als in Freiheit. Woher nehmen die Menschen ihren langen Atem?

Daniela Sepehri: Ich glaube, man kann das von außen nicht nachempfinden. Vermutlich würde jedes demokratische Land der Welt Narges Mohammadi mit Kusshand aufnehmen. Aber sie hat sich entschieden, für die Hoffnung auf Freiheit im Iran zu bleiben, und sie ist nicht die einzige. Die Menschen wissen, dass niemand sonst ihre Freiheit erkämpfen wird.

herCAREER: Du stellst die Proteste in einen Zusammenhang mit anderen Freiheitsbestrebungen, etwa in Afghanistan, Gaza und Syrien. Was verbindet diese Kämpfe und warum fällt es uns in Europa so schwer, sie gemeinsam zu denken?

Daniela Sepehri: Diese Kämpfe verbindet der Wunsch von Menschen nach einem Leben in Würde, in Freiheit und Sicherheit. Es hat lange gedauert, bis man im Westen verstanden hat, die Islamische Republik Iran kann man nicht mit den Menschen im Iran gleichsetzen. In Gaza und im Libanon werden die Menschen immer noch mit der Hamas und der Hisbollah gleichgesetzt. Ich erlebe das selbst. Wenn ich mich für die Menschen in Gaza einsetze, werde ich beschimpft, sogar von Teilen der iranischen Diaspora.

herCAREER: Was werfen sie dir vor?

Daniela Sepehri: Dass ich eine Antisemitin sei und eine Mullah-Anhängerin.

herCAREER: Das sind Vorwürfe aus der iranischen Community in Deutschland?

Daniela Sepehri: Ja. Einige glauben an das Motto „Der Feind meiner Feinde ist mein Freund“ und übernehmen dann Benjamin Netanjahus Narrativ zu Gaza. Dabei profitiert das Terrorregime im Iran davon, dass es Krieg zwischen Israel und der Hamas und der Hisbollah gibt. Die ganze Ideologie, dass Israel zerstört werden müsse, würde nicht mehr aufgehen, wenn wir eine Zweistaatenlösung hätten und alle Staaten friedlich miteinander leben könnten. Ich wünschte auch, in den deutschen Medien würden häufiger progressive Stimmen aus Israel zu Wort kommen, es gibt dort genug Menschen, die sagen, was in Gaza passiert, ist ein Genozid. Wenn ich mich für Freiheit im Iran einsetze, kann ich die Freiheit und Sicherheit von Menschen anderswo nicht ausblenden, egal ob es jetzt um Palästina oder Israel geht.

herCAREER: Apropos Medien: Du plädierst im Buch für eine andere Berichterstattung.

Daniela Sepehri: Ich schlage vor, in jedem Artikel, der zum Thema Iran geschrieben wird, noch einen Satz zur Menschenrechtslage zu schreiben. Das wäre schon mal etwas.

herCAREER: Spiegelt sich da dein Buchtitel „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet“? Zitierst du mit dem Titel jemanden?

Daniela Sepehri: Ich habe das so oder ähnlich rund um die Proteste oft gehört. Die Menschen erleben, dass die Aufmerksamkeit nicht von Dauer ist – und in dem Moment, wo niemand mehr hinschaut, fängt das Morden richtig an. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres hat das Regime mehr als 800 Menschen hingerichtet.

herCAREER: Bei Instagram die Geschichten zu teilen, wird von manchen als Hashtag- oder Sofa-Aktivismus kritisiert. Du siehst das positiver.

Daniela Sepehri: Ein Name, den die Welt kennt, ist ein Mensch, den das Regime nicht so einfach verschwinden lassen kann. Es muss Konsequenzen fürchten. Und auch bei denen, die getötet werden, hilft es, sich an die Namen und damit an die Verbrechen des Regimes zu erinnern. Eines Tages wird es darum gehen, diese Verbrechen vor einem internationalen Gericht aufzuarbeiten.

herCAREER: Nachdem Donald Trump den Krieg begonnen hatte, ist sehr schnell die wirtschaftliche Lage bei uns in den Fokus gerückt. Hat dich das frustriert?

Daniela Sepehri: Ich kann es verstehen, wenn Menschen Sorge haben, wenn alles teurer wird. Und ich erwarte von der Politik, dass sie sich dieser Sorgen annimmt, denn sie sind absolut berechtigt. Was ich nicht verstehe, ist, wenn sich medial und politisch alles nur noch darum dreht, und die Freiheitsbewegung im Iran, mit der man sich vor wenigen Monaten noch solidarisiert hat, direkt in Vergessenheit gerät – oder wenn man, wie ich von einem EU-Diplomaten im Interview gehört habe, sogar erleichtert ist, dass die türkische Grenze zum Iran dicht ist, um keine Geflüchteten der Freiheitsbewegung aufnehmen zu müssen.

herCAREER: Findest du das nur zynisch oder macht dich das auch selbst zynisch?

Daniela Sepehri: Ich bin Optimistin und zutiefst überzeugt, wir können Dinge zum Besseren verändern. Ich bin auch überzeugt, sehr viele Probleme würden sich von selbst lösen, wenn wir die Menschenrechte bei jeder politischen Entscheidung und jeder politischen Handlung ins Zentrum stellen würden.

herCAREER: Was stellst du dir vor?

Daniela Sepehri: Dass wir nicht nur diskutieren, ob Überreiche von der Krise profitieren, sondern darüber nachdenken, wie wir Menschen, denen es finanziell nicht gut geht, helfen können. Dass wir nicht fragen, wer „die Drecksarbeit“ für wen macht (Anm. d. Red.: Kanzler Merz hat 2025 gesagt, Israel mache im Iran „die Drecksarbeit für uns alle“), sondern darüber nachdenken, wie wir Zivilist:innen schützen können. Die Regierung tut oft so, als wären Menschenrechte ein Beilagensalat. Aber Menschenrechte sind die Hauptspeise. Stell dir vor, die Bundesregierung würde ihre Politik in jedem Ressort davon leiten lassen: eine Innen-, Sozial- und Gesundheitspolitik, die sich an Menschen und Menschenrechten orientiert, eine menschenrechtsgeleitete Politik bei den Themen Wirtschaft, Asyl und Klima – die Welt ist schon in meinen Gedanken so viel schöner.

Das Interview führte die freie herCAREER-Redakteurin Silvia Feist.

Daniela Sepehri wird am 22. Oktober 2026 um 11.40 Uhr beim Authors-MeetUp live Fragen beantworten zum Thema Freiheit und Menschenrechte und zu ihrem Buch „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet“ (im Handel ab 19. August).

Bild Daniela Sepehri Freie Journalistin und Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln © Nassim Rad

Quelle messe.rocks GmH

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