Sonntag, Februar 1, 2026
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Warum brauchen Unternehmen heute wieder echte Begegnungen?

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smartvillage Events schaffen echte Begegnungen Bild Lukas Koppitz Bildcredits/ Fotograf ©Stefanos Notopoulos

smartvillage betreibt flexible Event und Meetinglocations für B2B Veranstaltungen und schafft Räume für anlassbezogene persönliche Zusammenarbeit

Wie hat sich aus der ursprünglichen Idee die heutige Ausrichtung von smartvillage entwickelt und welche Menschen stehen hinter dem Konzept?

Ich habe smartvillage Anfang 2018 gemeinsam mit Gerd Krohn gegründet, weil wir bemerkt hatten, wie fragmentiert und ineffizient der Markt für Veranstaltungslocations ist: Einerseits gibt es lokale Anbieter in jeder Stadt. Wenn diese gut geführt sind, ergibt sich für Kunden ein Wohlfühlerlebnis – häufig scheitert das aber an der Realität, spezifisch einem professionellen Team und Produkt – was wiederum eine große Volatilität im Erlebnis mit sich bringt. Auf der anderen Seite stehen Tagungshotels: Diese sind in der Regel professioneller, aber in ihren veralteten Denk- und Arbeitsweisen und Systeminfrastrukturen gefangen.

Sie besitzen über Ihre PMS Systeme zu wenig Daten und damit Wissen darüber, wie sich Kunden verhalten und was sie wann für welche Zwecke buchen möchten. Mit smartvillage schließen wir diese Lücke. Von der ersten Idee bis heute leben wir unsere Unternehmensphilosophie: Wir kombinieren Daten und Technologie mit einer starken Marke und einem einzigartigen Erlebnis, um ein perfektes Kundenerlebnis zu schaffen. Unser Hauptfokus liegt dabei auf B2B-Events für 200 bis 600 Personen. Heute sind wir mit einem Team aus über 50 Mitarbeitenden und auf mehr als 15.000 m² in München, Köln und Berlin präsent.

Welche Vision verfolgt smartvillage mit seinen flexiblen Locations und wie soll diese Vision bis 2030 mit einer Million Gästen realisiert werden?

Unser Antrieb ist es, unseren Gästen den schönsten Arbeitstag des Jahres zu ermöglichen. Das tun wir, indem wir Raum für echte Begegnungen schaffen. Unsere gesamte Unternehmenskultur und das Raumkonzept sind darauf ausgerichtet, Grenzen zu sprengen und Umgebungen zu kreieren, die Menschen inspirieren und Teams verbinden – denn wir glauben fest daran, dass echte Begegnungen zu echtem Wachstum führen. Alleine im Jahr 2025 haben wir mehr als 100.000 Menschen in unseren Locations begrüßt. Im Jahr 2030 wollen wir einer Million Gästen ein hervorragendes Erlebnis bieten.

Deshalb folgt 2026 unser nächster Schritt in der Skalierung: Wir eröffnen in Frankfurt und Hamburg zwei neue Locations. Bis 2028 werden wir insgesamt neun weitere Flagshipstores in der DACH-Region eröffnen und smartvillages in 13 Städten anbieten, anschließend wollen wir den EU-Markt erschließen. Die eine Million Gäste sind aber nur möglich durch unser Vertical, das wir nächstes Jahr an den Markt bringen. Damit werden wir den Markt für Hotelkonferenzflächen richtig aufmischen.

Für welche Zielgruppen ist das Angebot am wertvollsten und wie lösen Ihre Räume das Problem ungenutzter Office Fixkosten konkret?

Wir konzentrieren uns auf B2B-Events für 200 bis 600 Personen – zum Beispiel für Konferenzen, Kongresse, Messen, Teamevents und Firmenfeiern. Dahinter steckt tatsächlich auch viel makroökonomische Entwicklung: Der Trend zum Homeoffice hat die Arbeitswelt dauerhaft verändert und mit ihr den Büroimmobilienmarkt. Laut ifo-Institut halten mehr als ein Viertel der Unternehmen in Deutschland ihre Büroflächen für nicht ausreichend genutzt. Das ist insofern problematisch, als diese trotz geringer Auslastung hohe Fixkosten für Mieten, Energie, Reinigung und Instandhaltung binden. Gleichzeitig finden weniger persönliche Treffen statt, was wiederum den Zusammenhalt und die Motivation beeinträchtigt. Wir sehen die Lösung dieser beiden Probleme in anlassgebundenen Begegnungen. Statt ineffiziente, interne Großflächen vorzuhalten, können Unternehmen ihre frei werdenden Budgets tageweise flexibel in vollausgestattete, designorientierte Eventlocations investieren. Diese verursachen nur dann Kosten, wenn sie tatsächlich benötigt werden. So werden Unternehmen wirtschaftlich wieder effizienter und fördern gleichzeitig ihre Teamkultur.

Wie entsteht durch anlassbezogene Begegnungen wie Strategietage oder Retreats mehr Effizienz im Team und welche Rolle spielt smartvillage dabei?

Wir sehen aktuell, dass die Stimmung in deutschen Unternehmen derzeit miserabel ist. Erst im Juli hat eine EY-Studie gezeigt, dass mehr als ¼ der Mitarbeitenden aktuell unmotiviert sind. Die wirtschaftliche Lage drückt, Unternehmen müssen innovieren und transformieren, gleichzeitig versuchen viele Unternehmen, ihre Mitarbeitenden mit Präsenzpflichten wieder ins Büro zu holen. Aber gerade ein solcher Zwang schafft keine Nähe. Das zeigen auch Studien wie die vom Future Forum Puls aus 2024: Rund 70 Prozent der Beschäftigten empfinden eine verpflichtende Büroanwesenheit als demotivierend – Präsenz und vor allem Motivation lassen sich also nicht verordnen. Hier werden persönliche Treffen wieder zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Virtuelle Zusammenarbeit reicht für komplexe Themen, kulturellen Zusammenhalt oder echte Motivation nicht aus, doch genau das braucht es in Umbruchzeiten.

Strategietage, Offsites oder Retreats schaffen deshalb jene seltenen, aber wichtigen Momente, in denen Teams Vertrauen aufbauen, Ideen schärfen und gemeinsam Richtung finden – ohne die Routine des Büroalltags. Unsere kreativ gestalteten, professionell ausgestatteten Räume sollen genau den Rahmen bieten, den Teams brauchen, um produktiv und fokussiert zusammenzuarbeiten. Unternehmen können diese Begegnungen flexibel und ohne eigene, ungenutzte Großflächen realisieren – und statt Fixkosten in hochwertige, erlebnisorientierte Events investieren. So entsteht Effizienz auf zwei Ebenen: Teams arbeiten besser zusammen, und Unternehmen nutzen ihre Ressourcen deutlich wirtschaftlicher.

Was macht den Ansatz von smartvillage einzigartig und warum entscheiden sich Unternehmen gezielt für diesen Hidden Champion?

Unsere Locations sind darauf ausgelegt, dass unsere Gäste sich wohlfühlen – aber dahinter steckt ein Konzept: Wir kombinieren unser datengetriebenes Kundenwissen mit einem stark strategischen Geschäftsmodell – das merken auch unsere Kunden. Außerdem sind wir bisher ohne Investoren gewachsen und bieten auf vier Standorten schon 15.000 m² Fläche. Wir sind der einzige überregionale Anbieter, der in den letzten 15 Jahren den Markt für B2B-Veranstaltungen im Segment 200–600 Personen neu betreten hat – ein Markt mit einem geschätzten jährlichen Volumen von 37 Milliarden Euro alleine in Deutschland.

Als Einzige bieten wir ein integriertes Angebot, das Marke, Technologie sowie Räume, Technik, Services und Community ganzheitlich verbindet. Das reduziert Komplexität für Unternehmen im gesamten Angebots-, Durchführungs- und Rechnungsprozess. Die Arbeitswelt wird sich auch in den kommenden Jahren weiterhin stark verändern. Remote Work und der Einfluss von Künstlicher Intelligenz stellen dabei nur zwei Faktoren dar, die dafür sorgen werden, dass alte Raumkonzepte den Bedürfnissen von Unternehmen und der Wirtschaft bald nicht mehr gerecht werden. Hier sehen wir unsere Chance auf weitere Skalierung.

Außerdem machen wir im nächsten Jahr mit smartvillage as a Service einen weiteren Schritt auf den Markt: Ein Angebot, welches Software und operatives Betriebssystem mit einer Love-Brand kombiniert – und damit die Planung, Buchung und Orchestrierung von Meeting- und Eventflächen für Konferenzhotels zentralisiert. Die Plattform verbindet die Zuverlässigkeit standardisierter Hotelinfrastruktur mit der Erlebnisqualität und technologischer Infrastruktur von smartvillage. Buchung, Raumplanung und Ablaufsteuerung laufen über ein einheitliches digitales Interface. Hotels erhöhen so ihre Auslastung, ohne eigene Eventstrukturen aufzubauen, während Unternehmen bundesweit auf definierte Standards und wiederholbare Prozesse zugreifen können. Damit folgen wir dem Trend der Hotels, Leistungen, die nicht deren Kerngeschäft Hotelzimmer sind, outzusourcen.

Welche Bedeutung hat Ihr datenbasiertes, automatisiert gesteuertes Gästeerlebnis für die Qualität der Veranstaltungen und die Weiterentwicklung des Angebots?

Es ist die absolute Basis, um unsere Kunden und Kundinnen so stark in den Fokus stellen zu können. Nur so konnten wir wirklich datengetrieben lernen, wo die Needs und Bedürfnisse unserer Gäste liegen. Wir unterscheiden bei allen Kunden erstmal zwischen der Person, die bucht und die Veranstaltung plant und den Gästen – diese haben häufig sehr unterschiedliche Bedürfnisse.

Ein wichtiger Teil unseres datengetriebenen Ansatzes ist unser Feedbacktracking und die Auswertungen daraus. Wir erfassen bei jeder Veranstaltung in unserem zentralen System sowohl das Feedback der Buchenden als auch das der Gäste in unterschiedlicher Detailtiefe. Ein Beispiel dafür ist das Catering, wo wir bei großen Veranstaltungen nicht selten größere Differenzen in der Bewertung feststellen. Wenn ein Kunde das kleinste und kalte „Easy Menü“ bucht, um Kosten zu sparen, der Konferenzgast aber gleichzeitig 1.500 € für sein Tagesticket zahlt, haben wir am Ende einen zufriedenen Kunden, aber viele unzufriedene Gäste. Diese Diskrepanz können wir systemtechnisch sehen und dann konkret angehen, indem wir zu Veranstaltungen zahlenbasiert besser beraten und vor solchen Fehlern schützen können. Und das eben nicht nur aus einem Bauchgefühl oder einem einzelnen Feedbackgespräch heraus, sondern mit Daten untermauert und automatisiert.

Wie gelingt es Ihnen, ausschließlich gebootstrapped in München, Berlin und Köln zu skalieren und welche Erfahrungen möchten Sie dazu teilen?

Auch hier liegt viel Potenzial in unserem datengetriebenen Ansatz: Wir nutzen Hubspot Enterprise als Kernlösung – stark individualisiert und automatisiert. Durch diesen strategischen Einsatz von Technologie sind wir in der Kundenverwaltung sehr effizient und disruptiv: Wir können Multiplikatoreffekte erzielen und Mitarbeitenden mehr Zeit für komplexe Themen verschaffen. Wir sind in fast allen Jahren – außer während Corona – profitabel und fully bankable als Unternehmen. Das hat es uns ermöglicht, ohne Kapital von Investoren so groß zu werden. Trotzdem sind auch wir in unserer Skalierung nicht ohne Rückschläge vorangekommen. Wir hatten beispielsweise bereits eine Location in Finnland eröffnet, als die Corona-Pandemie aufkam. Das hat uns in der Skalierung sicherlich zwei bis drei Jahre zurückgeworfen und wir mussten den Standort in Finnland wieder schließen.

Dennoch sind wir stolz, als Anbieter von B2B-Locations die Corona-Pandemie so gut überstanden zu haben und seitdem stark zu wachsen. Auch wenn wir bisher keinen Investor an Bord haben, halten wir stets Kontakt. Wir sehen aktuell ein echtes Momentum am Markt – daher schließen wir es für die Zukunft nicht aus, uns mit Investoren zusammenzutun, um das Wachstumspotenzial voll ausschöpfen zu können.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell konfrontiert, wenn Nachfrage, Standorte und Prozesse parallel wachsen?

Wir befinden uns gerade einer spannenden Phase: Wir wachsen vom kleinen Unternehmen mit Startup-Kultur, Denkweise und Geschwindigkeit zum gewachsenen Unternehmen mit etablierten Prozessen. Das bringt für uns die Challenge, eine gute Balance zwischen notwendigen Prozessen und guter Geschwindigkeit zu halten – mit aktuell vier Standorten und knapp über 50 Mitarbeitenden funktioniert das wunderbar. Bei dem geplanten weiteren Wachstum wird sich die Herausforderung aber steigern.

Im Bereich der Nachfrage verhält es sich etwas anders: Derzeit sehen wir aufgrund von wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa und speziell Deutschland einen angespannten Markt. Das bedeutet, dass manche unserer Bestandskunden nicht dieselben Volumina am selben Standort buchen wie in den Vorjahren. Auch durch Insolvenzen und weniger Mitarbeitenden, die z. B. zu Offsites kommen, sehen wir hier eher eine Stagnation.

Trotzdem gewinnen wir gerade stark an Marktanteilen – durch unsere Expansion in neue Städte können wir die temporäre Stagnation im Markt überkompensieren. Gleichzeitig kommt auch hier unser datengetriebener Ansatz zum Tragen: Wir können Kundensegmente einfach zielgenauer bespielen und gewinnen. Dank unserer starken Marke können wir hohe Retention Rates erzielen und durch NPS-Werte von über 50 (der Branchenstandard liegt bei ca. 18) unsere Wettbewerber auch ganz klar im Bereich Kundenzufriedenheit übertreffen. Das erlaubt uns gerade entgegen dem Markt profitabel weiterzuwachsen. Ich freue mich schon auf den Moment, wenn sich die Gesamtwirtschaftslage wieder ins Positive dreht. Das wird uns einen weiteren Wachstums- und Profitabilitätsboost geben.

Wie bereiten Sie sich strategisch auf die Eröffnung von zwei neuen Standorten im Jahr 2026 vor?

Wir haben uns vor der Eröffnung in Köln im November 2024 fast zwei Jahre Zeit genommen und uns intensiv und mit externer Begleitung durch eine Scale-up-Beratung auf das Wachstum, die typischen Fehler und Best Practices vorbereitet. Das ist etwas, was wir uns nur als profitables gebootstrapptes Unternehmen erlauben konnten. Es hat aber dazu geführt, dass wir unsere Prozesse, Strategie, Personal- und Firmenstrukturen wirklich professionell für Wachstum aufgestellt haben. Solange wir also im selben Rechts- und Währungsraum bleiben, ist die Eröffnung der neuen Standorte keine strategische, sondern eine sehr operative Aufgabe. Wir replizieren unsere Projektpläne von München, Köln und Berlin. Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn wir mit smartvillage as a Service den Markt betreten. Das ist eine sehr komplexe und strategische Aufgabe.

Was bedeutet es für smartvillage, schon jetzt über 100.000 Gäste jährlich zu begrüßen, und welche Learnings ziehen Sie daraus für Ihre künftige Expansion?

Für uns ist aus zwei Gründen ein großer Erfolg: Einerseits kommen wir damit unserer Vision näher, so vielen Gästen wie möglich den schönsten Arbeitstag des Jahres zu ermöglichen. Es macht uns stolz zu sehen, wie stark sich ein Tag bei smartvillage auf die Zufriedenheit von Mitarbeitenden und auf die Effizienz in Unternehmen auswirken kann. Andererseits sehen wir auch wirtschaftlich, dass unser Ansatz funktioniert und wir wirklich dabei sind, eine effektiv im Markt bestehende Lücke zu schließen. Mit jedem Event lernen wir auch weiterhin datengetrieben dazu und es ist und wird unser Anspruch bleiben, immer am Puls der aktuellen Herausforderungen zu agieren. Wir sind allerdings mit allen bisherigen Learnings und unserem Konzept jetzt schon so gut aufgestellt, dass wir diese Erfahrungen auch für die weitere Skalierung mitnehmen können.

Wohin soll sich smartvillage in den kommenden Jahren entwickeln und welche Rolle spielt persönliche, anlassbezogene Zusammenarbeit in der Arbeitswelt von morgen?

Wir hatten es schon kurz angesprochen: Die anlassbezogene Zusammenarbeit wird in der Arbeitswelt von morgen noch viel wichtiger werden. Wahrscheinlich hat mittlerweile jeder bemerkt, wie sehr der Einsatz von Künstlicher Intelligenz den Arbeitsalltag verändert – das wird sich in den kommenden Jahren tendenziell noch verstärken. Gleichzeitig wird uns auch remote Work als Konzept erhalten bleiben. Diese beiden Faktoren stärken die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen nicht unbedingt – persönliche Treffen, wertvoller Austausch und Teambuilding werden wichtiger denn je werden, um ein Team aus zufriedenen und motivierten Mitarbeitenden zu behalten und Beziehungen zu Kunden aufzubauen. Wir sehen keinen großen Sinn darin, immer wieder über Office-Pflichten zu sprechen – mit Zwang erreicht man einfach keine positiven Effekte bei den Themen Vertrauen, Identifikation und Zusammenarbeit. Es braucht positive, persönliche Erlebnisse – und diese lassen sich mit anlassbezogenen Events eben am besten umsetzen, weil sie gleichzeitig wirtschaftlich und effizient sind.

In den kommenden Jahren wollen wir auch bei dieser Entwicklung ein starker Partner sein. Einerseits entsteht mit smartvillage as a Service ein neues Marktsegment mit den Vorteilen von Hotelkonferenzflächen und denen von smartvillage in Kombination – datenbasiert, skalierbar, aber persönlich. Bis 2035 wollen wir 300 Standorte in der DACH-Region und in der EU betreiben. Geplant ist eine Kombination aus Flagship-Locations und „operated-by-smartvillage“-Flächen im SaaS-Modell.

Bild Lukas Koppitz Bildcredits/ Fotograf ©Stefanos Notopoulos

Wir bedanken uns bei Lukas Koppitz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie verändert eine einzige Idee die Art, wie wir Genuss heute verstehen?

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RumX – Die Rum App für Rum Bewertungen.Team Bild sitzend auf einem roten sofa

RumX ist eine digitale Plattform, die Rumliebhabern weltweit ermöglicht, ihre Sammlungen zu verwalten, Bewertungen auszutauschen und den Markt transparenter zu erleben

Wie würden Sie RumX und die Menschen dahinter vorstellen?

Ich bin Oliver Gerhardt, der Gründer von RumX. Wir sind ein Tech-Startup aus Stuttgart und haben die weltweit größte digitale Infrastruktur für den Rum-Markt gebaut. Im Kern ist RumX das digitale Zuhause für Rum-Liebhaber. Wir sind der festen Überzeugung, dass Rum die vielseitigste Spirituose der Welt ist, und genau diese Vielfalt machen wir digital erlebbar. Mit unserer App können Nutzer ihre Sammlungen verwalten, Verkostungsnotizen teilen und Preise vergleichen. Unterstützt werde ich von meinen Mitgründern Jakob (Marketing), Robert (Sales) und Lukas (Finance). Gemeinsam haben wir RumX von einem Hobby-Startup zum globalen Marktführer in unserer Nische entwickelt.

Welche Idee hat zur Gründung geführt und wie hat sich diese Vision seitdem weiterentwickelt?

Angefangen hat alles 2018 als „Rum Tasting Notes“. Ursprünglich war das eine Prüfungsleistung in meinem Informatik-Studium. Ich wollte meine eigenen Tasting-Eindrücke digital festhalten und weg von unübersichtlichen Excel-Tabellen. Doch das Projekt hat schnell eine Eigendynamik entwickelt. Aus der reinen Verwaltungs-App für Nerds wurde eine globale Plattform. Heute ist unsere Vision größer: Wir kombinieren Bewertungsportal, soziales Netzwerk und integrierten Marktplatz, um den gesamten Spirituosen-Markt transparenter zu machen und Community nahtlos mit dem Handel zu verbinden.

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit RumX besonders an und wie stellen Sie sicher, dass deren Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen?

Ursprünglich sind wir als Tool für echte Rum-Nerds und Sammler gestartet. Diese Nutzer verwalten oft Portfolios im Wert von mehreren zehntausend Euro. Mittlerweile sprechen wir aber alle Liebhaber an – vom Einsteiger bis zum Experten. Ein Beispiel dafür sind unsere aktuellen RumX Awards 2025, wo wir Kategorien für jede Erfahrungsstufe geschaffen haben. Wir hören extrem genau auf das Feedback in unserem Forum. So stellen wir sicher, dass wir Features entwickeln, die echten Nutzen stiften.

RumX verbindet Community, Datenbank und Shop. Was war der entscheidende Gedanke hinter dieser Kombination

Wir wollten die Lücke zwischen Information und Transaktion schließen. Früher musste man Bewertungen mühsam googeln und dann suchen, wo man die Flasche kaufen kann. Bei uns ist das ein nahtloser Prozess. Wir haben über 25.000 Produkte in der Datenbank und verbinden diese über Schnittstellen mit mehr als führenden 40 Online-Shops. Nutzer sehen sofort, wie ein Rum schmeckt und wo er zum besten Preis verfügbar ist. Das schafft Transparenz und ein echtes Marketplace-Flywheel.

Wie navigieren Sie die Herausforderung, Einsteigern und erfahrenen Rumfans gleichermaßen Orientierung zu geben?

Wir nutzen unsere Daten, um personalisierte Empfehlungen auszuspielen. Ein Einsteiger bekommt eher zugängliche Rums – oder sogar gesüßte Spiced Rums – vorgeschlagen. Ein Profi sieht rare Einzelfassabfüllungen. Unsere Awards bilden diese Spreizung ebenfalls ab. Zudem planen wir für 2026 einen großen Knowledge-Bereich. Dort werden wir neue Nutzer noch besser an die Hand nehmen und Themen wie Tasting-Grundlagen erklären.

Was unterscheidet RumX aus Ihrer Sicht am stärksten von klassischen Spirituosen-Shops oder Bewertungsplattformen?

Unser USP liegt in der Tiefe der Daten und der Marktbreite. Ein klassischer Shop hat nur sein eigenes Sortiment. Wir aggregieren die Bestände von über 40 Shops und bieten damit das größte Sortiment Europas. Im Vergleich zu reinen Bewertungsplattformen bieten wir den direkten Kaufzugang. Zudem haben wir mit über 260.000 Verkostungsnotizen eine Datenbasis, die Fehlkäufe effektiv verhindert. Wir wissen nicht nur, was verkauft wird, sondern warum es schmeckt – quasi das Vivino für Rum.

Welche Rolle spielt die Community für die Weiterentwicklung ?

Die Community ist unser wichtigstes Asset. RumX ist kein reines Software-Produkt, sondern ein Ort für geteilte Leidenschaft. Unsere Nutzer bestimmen durch ihr Feedback die Roadmap. Es entstehen Freundschaften im Forum und wir organisieren physische Treffen. Dieser Zusammenhalt macht die Marke authentisch. Ohne den Input unserer 48.000 Nutzer wären wir heute nicht da, wo wir sind.

Wie stellen Sie die Qualität und Relevanz der Bewertungen und Verkostungsnotizen auf der Plattform sicher?

Wir setzen auf Technologie statt Bauchgefühl. Ein proprietärer Algorithmus scannt alle Bewertungen auf Anomalien. Wir erkennen Muster wie Review-Bombing oder Fake-Accounts durch IP-Cluster-Analysen. Zudem gewichten wir die Stimmen erfahrener Nutzer mit einem hohen Trust-Score stärker. So stellen wir sicher, dass unsere Daten valide sind und nicht durch Marketing manipuliert werden können.

Welche neuen Funktionen oder Erweiterungen planen Sie, um RumX als zentrale Anlaufstelle für Rumliebhaber weiter auszubauen?

Wir werden unser Web-Angebot massiv ausbauen, um alle App-Funktionen auch im Browser anzubieten. Parallel dazu skalieren wir die Anbindung weiterer Partnershops, damit Nutzer wirklich jede verfügbare Flasche finden. Ein Fokus liegt auch auf der Erschließung neuer Marketing-Kanäle, um die Nachfrage für unsere Partner zu steigern.

Wie verändert sich Ihrer Meinung nach der Markt für hochwertige Spirituosen und welche Position möchte RumX darin einnehmen?

Der Markt wird transparenter und anspruchsvoller. Unsere Daten zeigen, dass Konsumenten zunehmend unabhängige Marken bevorzugen, die Inhaltsstoffe offenlegen. Das reine Marketing-Storytelling der Großkonzerne funktioniert immer weniger. RumX positioniert sich hier als die unabhängige Instanz für Wahrheit im Glas. Wir liefern die Daten, die diese Transformation vorantreiben.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Lehren aus Ihrem Aufbau von RumX möchten Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Unterschätzt niemals die Kraft einer echten Community. Wenn man Menschen zusammenbringt, die eine Leidenschaft teilen, entsteht eine Eigendynamik, die kein Marketing-Budget ersetzen kann. Außerdem hat uns das Bootstrapping gelehrt, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Man lernt, ressourceneffizient zu arbeiten und genau zuzuhören, was der Kunde wirklich braucht.

Teambild Bildcredits RumX

Wir bedanken uns bei Oliver Gerhardt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: RumX

Kontakt:

RumX
Böblinger Str. 24
D- 70178 Stuttgart
https://www.rum-x.com
https://www.rum-x.de
info@rum-x.com

Ansprechpartner: Oliver Gerhardt

Social Media:
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Warum trinken wir Tee eigentlich immer noch wie vor 100 Jahren?

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TEABALLS Tee ohne Teebeutel neu gedacht Simon Schmidt

TEABALLS entwickelt lösliche Tee Presslinge, die Tee ohne Beutel, Ziehzeit und Verpackungsmüll neu denken

Wie hat sich aus Ihrem ersten Geistesblitz die Idee zu TEABALLS entwickelt und wann wurde klar, dass daraus ein echtes Unternehmen entstehen kann?

Die Idee zu TEABALLS entstand in einem völlig unspektakulären, aber überraschend aufschlussreichen Moment: Ich saß 2017 im Urlaub, ließ den Teebeutel viel zu lange in der Tasse ziehen – und fragte mich plötzlich: Warum nutzen wir im 21. Jahrhundert eigentlich noch eine Zubereitungsmethode aus dem 19. Jahrhundert?
Der Teebeutel ist zwar ikonisch, aber technologisch längst überholt. Er erzeugt unnötigen Müll, kostet Zeit und verhindert oft, dass der Tee sein volles Aroma entfaltet. Genau dieser Gedanke war der Startschuss.
2019 kam dann der Wendepunkt: Nach unserem TV-Auftritt auf ProSieben explodierten die Onlinebestellungen. In diesem Moment wurde mir klar, dass die Welt bereit ist für eine zeitgemäße, nachhaltigere Alternative zum klassischen Teebeutel.
2020 hat uns die Pandemie kurzfristig ausgebremst – aber langfristig stärker gemacht. Wir haben Strukturen aufgebaut, die Marke geschärft und das Produkt konsequent weiterentwickelt.
Heute stehen wir an einem Punkt, an dem wir dabei sind, den Teemarkt neu zu definieren.

Welche Rollen und Stärken bringen Sie und Ihr Team persönlich in TEABALLS ein, und wie prägt das die Kultur des Unternehmens?

Unser Team vereint Menschen, die einen gemeinsamen Gedanken teilen: Wenn sich eine Branche über Jahrzehnte nicht weiterentwickelt, ist das keine Tradition – sondern eine Einladung, es besser zu machen.
Ich selbst kombiniere Vision mit Tatkraft: Ich liebe es, Bestehendes zu hinterfragen und gleichzeitig Lösungen zu entwickeln, die sofort im Alltag funktionieren.
Unsere Produktentwicklung denkt in Wirkung und Wissenschaft, unser Vertrieb in Kundennähe und unser Marketing in klaren, verständlichen Botschaften.
Die Kultur, die daraus entsteht, ist mutig, schnell und konstruktiv streitlustig.
Wir diskutieren intensiv, testen rigoros und optimieren unermüdlich. Bei uns wird nicht verteidigt, was war – sondern gestaltet, was kommen soll.

Was ist die zentrale Vision von TEABALLS und welche Schritte planen Sie, um diese Vision in den kommenden Jahren zu erreichen?

Unsere Vision ist bewusst radikal formuliert: Wir wollen den Teebeutel überflüssig machen.
Nicht ein bisschen besser, nicht ein bisschen nachhaltiger – sondern ein echter Kategorie-Wechsel: kein Müll, keine Ziehzeit, voller Geschmack.
Für 2026 haben wir drei große Schritte geplant:

  1. Handelsskalierung:
    TEABALLS soll in allen relevanten Handelsketten verfügbar sein – national wie international.
  2. Produktinnovation:
    Neue funktionale Mischungen, neue Geschmackswelten und neue Einsatzszenarien, die Tee völlig neu denken.
  3. Technologische Weiterentwicklung:
    Noch bessere Löslichkeit, noch geringerer Ressourcenverbrauch und noch stärkere Wirkung.
    Wir sind überzeugt: Die Zukunft des Tees liegt nicht im Teebeutel.
    Die Zukunft ist clean, schnell und nachhaltig.

Welche Bedürfnisse Ihrer Kunden stehen für Sie im Mittelpunkt und wie stellen Sie sicher, dass die Tee-Presslinge diesen Erwartungen gerecht werden?

Unsere Kundinnen und Kunden wünschen sich vor allem drei Dinge, die der klassische Teebeutel heute kaum erfüllt:
Erstens: echte Einfachheit statt einer oft umständlichen Zubereitung.
Zweitens: authentischen, unverfälschten Geschmack statt aromatischer Kompromisse.
Und drittens: echte Nachhaltigkeit, die spürbar etwas verändert – und nicht nur gut klingt.
Deshalb entwickeln wir TEABALLS konsequent entlang realer Alltagssituationen – unterwegs, im Büro, beim Sport oder zuhause. Jede Rezeptur, jede Pressung und jede Charge wird so lange getestet, bis sie sauber, schnell und geschmackvoll löslich ist.
Unsere Grundhaltung bleibt dabei stets dieselbe: Produkte sollen das Leben erleichtern, nicht romantisieren.

Wie hat TEABALLS den Sprung aus einer frühen Gründung in die Regale großer Händler wie Kaufland geschafft und welche Meilensteine waren dafür entscheidend?

Der Weg ins Handelsregal beginnt nicht im Einkaufsgespräch, sondern im Markt.
Für uns war der wichtigste Hebel dabei immer: Beweis statt Behauptung. Unser Auftritt auf ProSieben hat gezeigt, dass die Nachfrage real ist. Die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Produkte hat bewiesen, dass die Qualität skalierbar ist. Und starke Markenpartnerschaften haben unterstrichen, dass unsere Idee vertrauenswürdig ist.
Kaufland war der erste große Händler, der den Mut hatte, die Kategorie Tee neu zu denken – und heute ist klar: TEABALLS sind nicht einfach ein Produkt, sie setzen einen neuen Standard.

Was macht die Tee-Presslinge im Vergleich zu klassischen Teeprodukten besonders und warum setzen Verbraucher sowie Partnerunternehmen auf diese Innovation?

TEABALLS stellen eine Frage, die die Branche lange vermieden hat: Warum sollte Tee Müll erzeugen?
Unsere Presslinge bieten die reine Wirkung der Pflanzen – ganz ohne Kalorien, ohne Zucker und ohne Verpackungsmüll. Gleichzeitig sind sie sofort zubereitet und machen Tee so einfach, sauber und nachhaltig wie nie zuvor.
Viele Kund*innen nutzen TEABALLS als Upgrade für Wasser, Drinks oder Mocktails – ein Anwendungsbereich, der beim klassischen Teebeutel praktisch nicht existiert.
Wir machen aus Tee eine funktionale, moderne, nachhaltige Kategorie.

Welche Bedeutung haben Kooperationen mit Marken wie Em-eukal oder BRITA für die Weiterentwicklung von TEABALLS und wie entstehen solche Partnerschaften?

Eine junge Marke braucht vor allem Vertrauen – und starke Partner können hier den entscheidenden Schub geben.
Em-eukal steht seit Jahrzehnten für Qualität und Wirksamkeit. Wenn eine etablierte Marke wie diese mit einer Innovation wie TEABALLS kooperiert, ist das ein klares Signal: Hier geht es nicht um Spielerei, sondern um Substanz. BRITA wiederum verkörpert den Gedanken, dass Nachhaltigkeit nur dann massentauglich wird, wenn sie bequemer ist als der Status quo – genau diese Haltung teilen wir.
Unsere Partnerschaften entstehen selten durch Zufall, sondern basieren auf klaren Werten: Ehrlichkeit, gemeinsame Mission und messbarer Nutzen auf beiden Seiten.

Mit welchen unternehmerischen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell konfrontiert und wie gehen Sie bei TEABALLS strategisch damit um?

Unsere größte Herausforderung ist dieselbe, die jedes erfolgreiche Foodtech-Produkt kennt: Wie können wir schnell wachsen, ohne Kompromisse bei Qualität und Nachhaltigkeit einzugehen? Das betrifft alle Bereiche – von Produktionskapazitäten über Lieferketten und Rohstoffverfügbarkeit bis hin zur Internationalisierung.
Wir begegnen diesen Herausforderungen mit Daten, klaren Prozessen und einem Team, das lieber lösungsorientiert diskutiert, als Probleme nur zu verwalten. Unser Wachstum ist bewusst gesteuert – wir skalieren nicht blind, sondern mit klarem Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit.

Wie erleben Sie den Standort Deutschland als Gründer und welche Aspekte von Made in Germany sind für Ihr Unternehmen besonders relevant?

Deutschland ist herausfordernd, weil bei allem sehr genau hingeschaut wird – aber genau das macht deutsche Produkte weltweit begehrt.
Für uns ist Made in Germany ein Qualitätssiegel, das wir ernst nehmen: Präzision, Transparenz und hohe Standards sind Teil unserer Markenidentität.
Manchmal wäre es einfacher, günstiger oder schneller woanders zu produzieren. Aber TEABALLS ist eine Marke, die Verantwortung trägt – und dazu gehört auch, wo und wie wir herstellen.

Wohin soll sich TEABALLS in den kommenden Jahren entwickeln und welche Produktideen oder strategischen Schritte stehen auf Ihrer Agenda?

Wir bauen TEABALLS konsequent zu einer internationalen Gesundheits- und Lifestyle-Marke aus. Unsere Roadmap umfasst neue funktionale Linien für z.B. Energie, Fokus, Immunsystem und Stressbalance, die Ausweitung auf internationale Märkte, die Weiterentwicklung unserer Press-Technologie sowie neue Darreichungsformen, die über die klassischen Presslinge hinausgehen. Unser Ziel ist es, nicht nur die Zubereitung zu verändern, sondern die gesamte Wahrnehmung von Tee neu zu definieren.
Ein weiterer starker Wachstumspfad liegt in Kooperationen mit Marken, die ihren ikonischen Geschmack in ein nachhaltiges, modernes Format bringen möchten. Unsere Partnerschaft mit Em-eukal hat gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Tradition auf Innovation trifft. Deshalb öffnen wir unsere Technologie bewusst für Unternehmen, die ihre Geschmackswelt in ein sofort konsumierbares Produkt übersetzen wollen.

Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern, die wie Sie eine scheinbar simple Idee in ein skalierbares Produkt verwandeln möchten?

Der größte Irrtum ist zu glauben, einfache Ideen seien weniger komplex. Das Gegenteil ist der Fall.
Mein Rat ist: Hinterfragt alles. Testet alles. Und seid bereit, eure eigene Idee immer wieder zu verwerfen und neu aufzubauen.
Markterfolg entsteht nicht durch Romantik, sondern durch Klarheit und Konsequenz.

Welche drei persönlichen Ratschläge möchten Sie jungen Startups mitgeben, die auf starke Partnerschaften setzen und Kooperationen als Wachstumsmotor nutzen wollen?

Sucht Partner, die eure Mission teilen – nicht nur euren Markt.
Kooperationen müssen Win-Win-Win sein: für euch, für den Partner und vor allem für den Kunden.
Seid mutig in der Ansprache. Respektvoll im Ton. Hartnäckig im Follow-up.

Partnerschaften sind kein Glück – sie sind Handwerk.

Bildcredits: TEABALLS

Wir bedanken uns bei Simon Schmidt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Können Server unsere Häuser wirklich nachhaltig heizen?

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Serwas Server Wärme sinnvoll nutzen Serwas Fotograf Johannes Aitzetmüller

Serwas ist ein Tiroler Startup, das Serverabwärme nutzt, um Gebäude effizient und erneuerbar zu beheizen

Wie würden Sie Serwas und die Menschen hinter dem Startup vorstellen?

Serwas ist ein Startup aus Tirol, das Server so einsetzt, dass sie nicht nur rechnen, sondern gleichzeitig Gebäude heizen. Wir nutzen die Abwärme der Server und machen sie direkt vor Ort als Wärmequelle verfügbar. Unsere Vision ist, digitale Infrastruktur zu einem aktiven Bestandteil der Energiewende zu machen. Hinter Serwas stehen drei Gründer mit technischem und unternehmerischem Hintergrund, die Energie, Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam denken.

Wie entstand die Idee, Abwärme von Servern in ein vollwertiges Heizsystem für Gebäude zu verwandeln?

Die Idee entstand, als ich ursprünglich die Bäckerei meines Vaters mit einem Bitcoin Miner heizen wollte. Dabei wurde schnell klar, wie viel Wärme Computerchips erzeugen und wie wenig davon genutzt wird. Im Sommer hat sich der Betrieb jedoch nicht mehr gelohnt, weil die Wärme nicht gebraucht wurde. So entstand der Gedanke, die Server direkt in das Warmwassersystem einzubinden und die Wärme ganzjährig nutzbar zu machen. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt ein neues Heizsystem, das Serverabwärme effizient für Gebäude verfügbar macht.

Welche Vision verfolgen Sie mit Serwas und welche Schritte sind notwendig, um diese neue Form der Wärmeversorgung weiter zu etablieren?

Wir verfolgen die Vision, dass digitale Infrastruktur nicht nur Energie verbraucht, sondern Teil der Energiewende wird. Server sollen Wärme liefern, Gebäude versorgen und gleichzeitig regionale Rechenleistung bereitstellen. Dafür installieren wir nun schrittweise mehr Einheiten, um ein dezentrales Netz aus Wärme- und Rechenpunkten aufzubauen. Der nächste große Schritt ist eine eigene Cloud-Dienstleistung, die lokale Unternehmen mit nachhaltiger Rechenleistung versorgt.

Für welche Zielgruppe ist Ihr Heizsystem besonders interessant und wie stellen Sie sicher, dass deren Anforderungen erfüllt werden?

Unsere erste Produktgeneration richtet sich vor allem an Eigenheimbesitzer, idealerweise mit einer PV-Anlage. Die zweite Produktgeneration, die wir nächstes Jahr veröffentlichen, fokussiert sich stärker auf Unternehmen mit konstantem Wärmebedarf oder hohem Bedarf an Rechenleistung. Dass wir die Anforderungen unserer Kunden erfüllen, stellen wir durch intensive Testphasen sicher, in die wir unsere Nutzer aktiv einbeziehen.

Was macht die Kombination aus Serverbetrieb und Wärmegewinnung so einzigartig und warum ist dieses Modell zukunftsfähig?

Einzigartig ist unser Ansatz, weil wir Server erstmals dezentral betreiben und ihre Wärme direkt im Gebäude nutzen können, ohne zusätzliche Technik wie Wärmepumpen oder andere Systeme. Die Wärme steht sofort als Heizenergie zur Verfügung. Zukunftsfähig ist das Modell, weil der Bedarf an Rechenleistung in den kommenden Jahren exponentiell wachsen wird und wir gleichzeitig unsere fossilen Heizsysteme auf erneuerbare Lösungen umstellen müssen. Serwas verbindet beides und macht digitale Infrastruktur zu einer lokalen, erneuerbaren Wärmequelle.

Welche technischen oder organisatorischen Herausforderungen begegnen Ihnen im Aufbau eines solchen Systems und wie gehen Sie damit um?

Technische Herausforderungen sind mittlerweile großteils bewältigt. Aktuell stehen wir vor allem vor regulatorischen und unternehmerischen Themen, etwa im Zusammenhang mit der Datenschutz-Grundverordnung und der Einführung eines völlig neuen Systems am Markt. Wir gehen diese Schritte strukturiert an und holen bei größeren Fragestellungen gezielt Experten aus unseren Netzwerken hinzu, um fundierte Lösungen zu entwickeln.

Wie gelingt es Ihnen, Ihr System mit bestehenden Heizungsanlagen zu verbinden und Kunden einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen?

Wir arbeiten mit hohen Wassertemperaturen und nutzen standardisierte Hydraulikkomponenten. Dadurch können wir unser System direkt in bestehende Heizungsanlagen einbinden, ohne zusätzliche Technik oder große Umbauten. Die Regelung läuft automatisch, sodass der Betrieb für Kunden einfach bleibt und kaum zusätzlichen Aufwand erfordert.

Welchen Beitrag kann Serwas Ihrer Meinung nach zur Energiewende leisten.

Serwas kann einen direkten Beitrag leisten, indem wir fossile Wärmequellen durch erneuerbare Serverwärme ersetzen. Gleichzeitig entsteht regionale Rechenleistung, die sonst in großen Rechenzentren mit hohem Energieverbrauch aufgebaut würde. Dadurch senken wir CO₂-Emissionen und machen Gebäude unabhängiger von fossilen Energieträgern.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie für Ihre Technologie?

Wir planen die Integration leistungsstärkerer Servermodule, die speziell für KI-Anwendungen optimiert sind. Zusätzlich entwickeln wir eine eigene Cloud-Dienstleistung, um lokale Unternehmen mit regionaler Rechenleistung zu unterstützen. Parallel verbessern wir Kühlung, Hydraulik und Automatisierung, damit unsere Systeme noch effizienter und einfacher zu integrieren sind.

Wie möchten Sie Ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahren ausbauen und welche Rolle spielt Skalierbarkeit dabei?

Wir möchten unser Geschäftsmodell ausbauen, indem wir mehr Einheiten installieren und damit ein dezentrales Netz aus Wärme- und Rechenpunkten schaffen. Skalierbarkeit ist dafür zentral, denn nur durch standardisierte Hardware und einfache Installationsprozesse können wir viele Standorte schnell aufbauen. Langfristig wollen wir regionale Cloud-Dienste anbieten, die auf dieser Infrastruktur basieren.

Welche Erfahrungen haben Sie auf dem Weg zum marktreifen Produkt gesammelt, die Sie heute an andere Gründer weitergeben würden?

Praxisnahe Tests, frühes Kundenfeedback und konsequente Priorisierung waren für uns entscheidend. Diese Punkte beschleunigen die Entwicklung und verhindern Fehlentscheidungen.

Welche drei wichtigsten Ratschläge würden Sie Menschen mitgeben, die selbst ein technisches und nachhaltiges Startup aufbauen möchten?

Einfach mal machen und nicht zu lange in der Theorie bleiben.
Lernt das Problem, das ihr lösen wollt, bis ins kleinste Detail zu verstehen.
Holt euch früh Feedback von Nutzern und Experten, statt alles nur intern zu diskutieren.

Bildcredits: Serwas Fotograf Johannes Aitzetmueller

Wir bedanken uns bei Timo Berkmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was braucht es heute wirklich, um Menschen auf die Zukunft vorzubereiten?

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Tomorrow University Studierende Lernen neu Bild Gründer-Teams Dr. Thomas Funke (links) und Christian Rebernik (rechts). Bildcredits Tomorrow University

Tomorrow University ist eine staatlich anerkannte, digitale Universität, die Menschen weltweit praxisnah auf Zukunftskompetenzen wie KI, Nachhaltigkeit, Innovation und Entrepreneurship vorbereitet

Wie hat sich die Tomorrow University seit dem letzten Beitrag vor über vier Jahren entwickelt und welche Meilensteine waren für die Gründer besonders wichtig?

In den vergangenen vier Jahren hat sich die Tomorrow University von einer mutigen Vision zu einer staatlich anerkannten Universität entwickelt, die eine klare Mission verfolgt: eine Generation auszubilden, die Probleme löst statt verwaltet.
Was uns besonders prägt:
Die staatliche Anerkennung als Hochschule in Deutschland – ein Meilenstein, der zeigt, dass Innovation und Qualität kein Widerspruch sind.
Future Skills als Kernprinzip: Wir bereiten Menschen darauf vor, in einer Welt voller Unsicherheit und Wandel handlungsfähig zu bleiben – mit Fokus auf KI, Nachhaltigkeit, Leadership, Entrepreneurship und Systemdenken.
Eine globale Community engagierter Changemaker: Heute lernen Menschen aus über 90 Ländern gemeinsam an echten Herausforderungen. In unseren Immersion Weeks treffen sie sich persönlich, entwickeln Projekte weiter, bauen Netzwerke auf und erleben, was wir in „Winning Together“ verankert haben: Purpose, Collective Action und Co-Creation.
Diese Entwicklungen zeigen, dass eine neue Generation von Hochschulen notwendig ist – digital, international, wirkungsorientiert und konsequent auf die Zukunft ausgerichtet.

Warum sind so viele Studierende der ToU selbst Gründer:innen oder planen eine Gründung – und wie unterscheidet sich das Lernen dort konkret von klassischen Universitäten?

Viele unserer Studierenden sind Gründer:innen oder entwickeln während des Studiums ihre ersten Projekte. Das liegt daran, dass unser Modell unternehmerisches Denken nicht theoretisch vermittelt, sondern in jedem Schritt praktisch anwendbar macht.
Der Unterschied zu klassischen Universitäten:
Keine Vorlesungen, sondern kollaborative Live-Sessions und betreute Challenges.
Lernen im Tun: Wöchentlich entstehen Projekte, Analysen, Prototypen oder Experimente.
Coaching durch Gründer:innen, Innovator:innen und Industrieexpert:innen.
Voll flexible Remote-Strukturen, die ideal mit Gründungsvorhaben vereinbar sind.
Studierende lernen praktisch im „Gründungsmodus“ – und setzen dadurch eigene Ideen unmittelbar um.

Wie führen die vier Säulen Beyond Learning, Purpose Learning, Social Learning und Active Learning in der Praxis dazu, dass Studierende eigene Projekte oder Startups entwickeln?

Diese vier Säulen bilden das didaktische Fundament der ToU:
Purpose Learning: Studierende identifizieren ihre Mission und das Problem, das sie lösen wollen.
Social Learning: Internationale Teams fördern Perspektivenvielfalt und agieren häufig als Nukleus für Co-Founder-Dynamiken.
Active Learning: Alles entsteht durch Aktion – Hypothesen testen, Nutzer:innen interviewen, Prototypen bauen.
Beyond Learning: Entwicklung eines zukunftsfähigen Mindsets: Ownership, Resilienz und Leadership.

So entwickeln Studierende kontinuierlich Ideen, die sich oft zu realen Projekten oder Startups weiterentwickeln.

Wie sieht ein Studium aus, das auf KI, Innovation, Nachhaltigkeit, Impact und persönlichen Sinn ausgerichtet ist, und wie werden Leistungen ohne klassische Prüfungen bewertet?

Ein Studium an der Tomorrow University ist vollständig auf Zukunftsthemen ausgerichtet – und gleichzeitig radikal praxisnah. Studierende lernen nicht in isolierten Fächern, sondern in Challenges, die realen Probleme aus Technologie, Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Gesellschaft adressieren.

Wie das Studium aufgebaut ist:
AI-native Learning: KI ist kein Extra, sondern ein integraler Bestandteil aller Lernphasen – von Datenanalyse über kreatives Arbeiten bis hin zu Entscheidungsfindung.
Purpose-Driven Curriculum: Studierende beginnen mit ihrer persönlichen Mission. Diese dient als Ankerpunkt: Wofür will ich meine Fähigkeiten einsetzen? Wie möchte ich Wirkung erzielen?
Impact & Innovation: Jede Challenge dreht sich um ein reales Problem. Studierende entwickeln Prototypen, testen Lösungen, sammeln Nutzerfeedback und verbessern ihre Ansätze iterativ.
Nachhaltigkeit als Grundprinzip: Egal ob Entrepreneurship, Leadership oder Technologie – alle Inhalte sind darauf ausgerichtet, verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu ermöglichen.

Wie wir ohne klassische Prüfungen bewerten:
Statt Klausuren prüfen wir Wirkung und Kompetenzentwicklung:
Projekt- und Challenge-Abgaben (z. B. Prototypen, Analysen, Geschäftsmodelle)
Portfolios, die den Lernfortschritt dokumentieren
Präsentationen vor Expert:innen und Peers
Reflexionen, die zeigen, wie Erkenntnisse verarbeitet und angewendet wurden
Diese Formen messen, ob jemand Probleme lösen, kreativ denken, Verantwortung übernehmen und mit KI effektiv arbeiten kann – genau die Fähigkeiten, die in einer dynamischen Welt wirklich zählen.

Wie gelingt es der Tomorrow University trotz staatlicher Anerkennung und wachsender Studierendenzahl innovativ zu bleiben und gleichzeitig regulatorische Anforderungen zu erfüllen?

Wir kombinieren regulatorische Stabilität mit der Innovationsgeschwindigkeit eines Tech-Unternehmens.
Das gelingt durch:
Studentenzentrierung
Modular designte Curricula
KI-gestützte Lernplattformen
Agile Produktentwicklung
Kontinuierliche Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Beiräten
Da ToU von Beginn an als digitale Universität konzipiert wurde, müssen wir nichts „digitalisieren“ – sondern nutzen Technologie als Kernprinzip.

Welche Zukunftskompetenzen vermittelt die ToU, die an traditionellen Hochschulen kaum vorkommen, und welche Rolle spielen KI-Kompetenzen dabei?

Wir vermitteln Skills, die in traditionellen Hochschulen kaum vorkommen:
AI Literacy und Prompting
Systems Thinking
Entrepreneurship & Intrapreneurship
Impact & Sustainability Skills
Behavioral Science und Leadership
Digitale Remote-Collaboration
KI-Kompetenzen sind dabei nicht optional, sondern integraler Bestandteil jeder Challenge und jedes Programms.

Wie stellt die ToU sicher, dass ihr Finanzierungsmodell aus Business Angels, Venture Capital und Studiengebühren mit dem Anspruch auf Wirkung und Zugänglichkeit vereinbar bleibt?

Wir stellen sicher, dass Impact und Zugang im Zentrum bleiben, durch:
Effiziente digitale Strukturen ohne teure Campus-Infrastruktur.
Flexible Zahlungsmodelle, Stipendien und regionale Preisgestaltung.
Impact-orientierte Investor:innen, die unser Purpose-First-Modell unterstützen.
Wachstum ist für uns kein Selbstzweck – es erhöht den gesellschaftlichen Hebel.

Welche Rolle spielt Social Learning in der internationalen Remote-Community der ToU und wie trägt es zur Gründungsfähigkeit der Studierenden bei?

Social Learning ist einer der stärksten Motoren unseres Modells – und wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe, warum so viele Studierende Projekte starten, sich weiterentwickeln oder gründen. Es geht dabei nicht nur um gemeinsames Lernen, sondern um echte persönliche und professionelle Weiterentwicklung in einer globalen Community.
Was Social Learning bei uns so wirksam macht:

Zu Beginn definieren alle Studierenden ihre Mission und ihre Werte. Dadurch entsteht hohe Relevanz, intrinsische Motivation – und tiefere, bedeutungsvolle Verbindungen zu anderen, die ähnliche Ziele verfolgen.
Mission Groups: Jede:r Studierende ist Teil einer festen Gruppe, in der sie sich gegenseitig während des gesamten Studiums (und oft darüber hinaus) accountable halten, Herausforderungen teilen und sich gegenseitig unterstützen.
Build Your Dream Team: Jede Person entwickelt ein persönliches Board aus Mentor:innen, Expert:innen, Unterstützer:innen und Menschen mit mehr Erfahrung. Dieses Board begleitet sie auf dem Weg zu ihren Zielen.
Gemeinsames Arbeiten in allen Challenges: Unser gesamtes Studium basiert auf kollaborativem Austausch – Feedback, Perspektivenvielfalt und iterative Entwicklung sind tägliche Praxis.

Teaching as Learning: Ein großer Teil des Studiums besteht darin, Gelerntes weiterzugeben. Wer anderen etwas erklärt oder präsentiert, lernt tiefer – und stärkt gleichzeitig die Community.
Immersion Weeks: Einmal pro Quartal kommen Studierende aller Programme persönlich zusammen. Diese Treffen erzeugen Energie, Vertrauen, gemeinsame Projekte – und oft auch Co-Founder-Dynamiken.
Action Hubs in Städten weltweit: Für lokale Vernetzung und Impact schaffen wir Orte, an denen Studierende sich persönlich treffen, Projekte voranbringen und gemeinsam Wirkung entfalten.

Warum das die Gründungsfähigkeit stärkt:
Studierende sind nie allein. Sie erhalten kontinuierliches Feedback, Sparring, Motivation, Accountability und Unterstützung – und gleichzeitig Zugang zu einem globalen Netzwerk aus über 90 Ländern. Das schafft Selbstvertrauen, beschleunigt Fortschritt und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ideen tatsächlich umgesetzt werden.
Social Learning bedeutet bei uns: nicht nur Fähigkeiten vermitteln, sondern Menschen durch eine starke Community zu befähigen, ihre Ziele zu erreichen.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über wirksames Lernen wurden bewusst in das Modell der ToU übernommen und wie misst die Universität den Erfolg dieses Ansatzes?

Unser pädagogisches Modell orientiert sich an wenigen, aber sehr wirkungsvollen Grundprinzipien der Lernwissenschaft:
Selbstbestimmung: Menschen lernen besser, wenn sie autonom arbeiten, sich kompetent fühlen und in einer unterstützenden Community eingebettet sind.
Lernen durch Anwendung: Wissen bleibt nur dann hängen, wenn man es direkt anwendet. Deshalb bauen Studierende Prototypen, testen Ideen und lösen echte Probleme.
Lernen mit anderen: Peer-Learning fördert Motivation, Perspektivenvielfalt und bessere Ergebnisse – deshalb arbeiten unsere Studierenden in internationalen Teams.
Reflexion & Selbststeuerung: Wir stärken die Fähigkeit, das eigene Lernen bewusst zu planen, zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Wie wir den Erfolg messen
Wir prüfen nicht über Klausuren, sondern über Wirkung:
Erfolgreiche Alumni-Karrieren und Gründungen
Projekt- und Portfoliobewertungen statt Prüfungen
Hohe Weiterempfehlungsrate (NPS 60)
Sehr hohe Abschlussrate (95 %)
Kurz gesagt: Lernen wirkt, wenn es relevant, angewendet und gemeinsam gestaltet wird – das zeigen unsere Ergebnisse klar.

Woran möchten die Gründer in fünf bis zehn Jahren erkennen, dass es eine Universität wie die Tomorrow University gebraucht hat, und welchen gesellschaftlichen Einfluss sollen Alumni dann haben?

Wir möchten sehen, dass Tausende unserer Alumni an Schlüsselpositionen arbeiten – in Unternehmen, Startups, NGOs, Verwaltung oder Politik – und aktiv an Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit arbeiten: Klima, Gesundheit, Bildung, Technologie, soziale Innovation.
Wir wissen, dass es die Tomorrow University gebraucht hat, wenn unsere Alumni sagen:
„Ich hätte ohne diese Form des Lernens nie den Mut, die Kompetenz und die Klarheit entwickelt, um wirklich etwas zu verändern.“
Unser Ziel ist nicht die größte, sondern die wirksamste Universität zu sein.

Bild Gründer-Teams Dr. Thomas Funke (links) und Christian Rebernik (rechts). Bildcredits Tomorrow University

Wir bedanken uns bei Christian Rebernik für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie entdecken junge Menschen Stärken, die sie selbst unterschätzen?

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Talero zeigt Menschen mit KI neue Wege der Selbstentdeckung

Talero zeigt Potenziale durch spielerische Entscheidungen und macht sichtbar, was in klassischen Tests oft verborgen bleibt

Wie würden Sie Talero in wenigen Worten vorstellen und welche Menschen stehen hinter der Entwicklung dieser spielbasierten Plattform?

Talero ist eine spielbasierte Plattform, die Persönlichkeit, Verhalten und kognitive Fähigkeiten durch interaktive Szenarien sichtbar macht. Entscheidungen im Spiel zeigen echte Muster, die klassische Fragebögen oft nicht erfassen. Hinter Talero stehen ein kleines Gründerteam aus Frankfurt und Schweden mit Erfahrung in Psychologie, Game Design, KI und Produktentwicklung. Wir haben Talero gebaut, weil wir glauben, dass Potenzial nur sichtbar wird, wenn Menschen handeln statt Fragen beantworten.

Was hat Sie persönlich motiviert, Talero zu gründen, und welche Erfahrungen haben die Mission des Unternehmens geprägt?

Ich habe selbst erlebt, wie schwer es sein kann, die richtige Entscheidung für den eigenen Karriereweg zu treffen. Eine Zeit lang war ich unsicher, ob meine bisherigen Entscheidungen richtig waren oder ob ich etwas falsch gemacht hatte. Um Klarheit zu bekommen, habe ich damals mehrere klassische Karrieretests ausprobiert. Bei den ersten Fragen habe ich versucht, alles sorgfältig zu beantworten. Doch schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich eher durchklicke, um endlich ein Ergebnis zu bekommen. Das hat mir gezeigt, wie wenig authentische solche Tests mein echtes Verhalten abbilden.

Genau dieses Erlebnis hat mich motiviert, Talero zu gründen. Ich wollte ein System schaffen, das Menschen nicht fragt, wer sie glauben , sondern zeigt, wie sie handeln. Ein Ansatz, der echte Stärken sichtbar macht, statt schnelle Fragebögen zu liefern. Diese persönliche Erfahrung begleitet unsere Mission bis heute.

Talero verfolgt den Ansatz, Potenzial über Verhalten sichtbar zu machen. Was unterscheidet diesen Ansatz grundlegend von klassischen Fragebögen und Selbsteinschätzungen?

Fragebögen fragen nach Vorstellungen. Talero beobachtet Verhalten. In Spielszenen handeln Menschen natürlicher und spontaner. Dadurch wird sichtbar, wie jemand Entscheidungen trifft, Probleme löst oder auf soziale Situationen reagiert. KI-Agenten analysieren diese Muster und verbinden sie mit wissenschaftlichen Modellen. Das Ergebnis ist ein authentisches Kompetenzprofil statt einer Selbsteinschätzung.

Viele junge Menschen und besonders Frauen unterschätzen ihre Kompetenzen. Welche Erkenntnisse liefert Talero zu den Ursachen dieser Entwicklung?

Unsere Tests und Gespräche zeigen, dass viele junge Menschen zu wenig Einblick in ihre eigenen Stärken haben. Sie vergleichen sich mit äußeren Erwartungen und nicht mit ihren eigenen Fähigkeiten. Besonders Frauen zweifeln oft früher an ihren Kompetenzen, obwohl ihr Verhalten im Spiel klare Stärken zeigt. Wenn Menschen realistische Situationen erleben, erkennen sie Fähigkeiten wie Mut, Empathie oder analytisches Denken bewusster. Talero macht dieses verborgene Potenzial sichtbar und stärkt damit Selbstvertrauen.

Ihre Vision beschreibt Talero als weltweit führende Plattform für spielerische Selbstentdeckung. Welche konkreten Schritte sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen?

Wir entwickeln das Produkt in klaren Etappen. Zuerst schaffen wir eine zuverlässige diagnostische Grundlage. Dann bauen wir Partnerschaften mit Schulen, Universitäten und Bildungsinstitutionen auf. Parallel skalieren wir die KI Module, damit Feedback und Kompetenzprofile weltweit nutzbar sind. Langfristig erweitern wir Talero zu einer offenen Plattform, auf der Menschen ihre Stärken in verschiedenen Simulationen entdecken können. Der Weg führt also über Qualität, Transparenz und eine breite Bildungsintegration.

Wie helfen die interaktiven Spielszenen dabei, Zukunftskompetenzen realitätsnah abzubilden und intuitiv erfahrbar zu machen?

Zukunftskompetenzen entstehen nicht aus abstrakten Fragen, sondern aus realem Verhalten. Wenn Nutzer in Spielszenen Verantwortung übernehmen, Konflikte lösen oder kreative Wege finden, zeigen sie Kompetenzen wie Problemlösung, Selbstregulation oder Zusammenarbeit. Talero bildet diese Situationen vereinfacht, aber realitätsnah ab. Spieler erleben die Konsequenzen ihrer Entscheidungen und verstehen ihre Denk- und Verhaltensmuster intuitiv.

Welche Zielgruppen profitieren heute am stärksten von Talero und wie gehen Sie auf deren spezifische Bedürfnisse ein?

Am stärksten profitieren Schüler, Studierende und Berufseinsteiger, die vor wichtigen Entscheidungen stehen. Sie suchen Orientierung, ohne sich durch lange Tests kämpfen zu müssen. Talero bietet ihnen ein niederschwelliges und spielerisches Erlebnis, das ihre Stärken klar sichtbar macht. Gleichzeitig arbeiten wir mit Bildungseinrichtungen zusammen, die eine moderne und motivierende Form der Berufsorientierung suchen. Auch Berufstätige im Umbruch nutzen Talero, um ein neutrales Bild ihrer Kompetenzen zu erhalten.

KI spielt in Ihrer Plattform eine zentrale Rolle. Wie stellen Sie sicher, dass psychologische Modelle und KI Analysen verantwortungsvoll und nachvollziehbar eingesetzt werden?

We setzen KI ausschließlich zur Auswertung von Verhaltensmustern ein. Die Daten sind pseudonymisiert, es werden keine sensiblen Informationen erhoben, und Nutzer sehen klar, welche Erkenntnisse aus ihrem Verhalten abgeleitet wurden. Die Modelle basieren auf etablierten psychologischen Frameworks wie Big Five, IQ und EQ. Außerdem kennzeichnen wir KI generierte Inhalte transparent. Ziel ist Orientierung, nicht automatisierte Entscheidungen. Damit erfüllen wir die Anforderungen an verantwortungsvolle und sichere KI.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen beim Aufbau von Talero und wie gehen Sie und Ihr Team damit um?

Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen wissenschaftlicher Validität und spielerischer Darstellung. Wir müssen sicherstellen, dass das Erlebnis interessant bleibt und gleichzeitig zuverlässige Daten liefert. Eine weitere Herausforderung ist die Skalierung der Technologie, da wir komplexe KI-Module mit einer interaktiven Welt verbinden. Wir lösen das durch iterative Entwicklung, frühe Nutzer-Tests und Kooperationen mit Universitäten, die uns wissenschaftlich begleiten.

Der Bildungs und HR Bereich verändert sich durch KI rasant. Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren und welche Rolle wird Talero dabei einnehmen?

Bildung und HR bewegen sich weg von Abschlüssen und hin zu Kompetenzen. KI ermöglicht individuelle Lern- und Karrierewege statt allgemeiner Empfehlungen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an transparenten und ethisch vertretbaren Systemen. Talero positioniert sich hier als Brücke zwischen Verhaltensanalyse und echter Orientierung. Wir machen Kompetenzen sichtbar, bevor Menschen in komplexe Entscheidungen eintreten. Damit wird Talero ein Werkzeug, das Menschen stärkt, statt sie zu bewerten.

Viele Unternehmen suchen nach besseren Wegen, Talente zu erkennen und zu fördern. Welche praktischen Beispiele aus Talero zeigen, wie Verhalten im Spiel Persönlichkeits und Kompetenzprofile sichtbar macht?

Wenn ein Spieler Konflikte im Spiel harmonisch löst, zeigt er hohe soziale Intelligenz. Wenn er analytische Rätsel schnell strukturiert, zeigt er ein ausgeprägtes logisches Denken. Und wenn es in unklaren Situationen ruhig bleibt, erkennen wir Stressregulation. All diese Muster entstehen aus echten Entscheidungen und nicht aus theoretischen Aussagen. Unternehmen können daraus erkennen, wie Menschen sich in realen Situationen verhalten würden.

Zum Abschluss drei Ratschläge von Ihnen persönlich. Welche Empfehlungen würden Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ihr eigenes innovatives Produkt in einem sensiblen Umfeld wie Bildung oder HR entwickeln wollen?

Erstens, versteht eure Verantwortung. In Bildung und HR beeinflusst ihr Entscheidungen, die das Leben von Menschen prägen. Zweitens, arbeitet eng mit Nutzern und Experten zusammen. Gute Produkte entstehen aus echtem Bedarf, nicht aus Annahmen. Drittens, bleibt transparent. Menschen müssen nachvollziehen können, wie Ergebnisse entstehen. Vertrauen ist der wichtigste Erfolgsfaktor in diesen Bereichen.

Teambild Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Arash Keshavarzi für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was brauchen Menschen heute wirklich, um beruflich neu durchzustarten?

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Distart verbindet KI und Teilnehmenden für neue Chancen Bild Thomy Roecklin Bildcredits Fotograf: Sebastian Köhler

Distart unterstützt Menschen dabei, digitale Kompetenzen aufzubauen und sich durch praxisnahe Weiterbildungen erfolgreich für den modernen Arbeitsmarkt zu qualifizieren

Wie würden Sie Distart in wenigen Sätzen vorstellen und welche Menschen stehen hinter dem Unternehmen?

Thomy Roecklin: Distart habe ich 2021 gestartet, eigentlich aus einem simplen Grund: Ich wollte, dass unsere neue Mitarbeiterin Lucia, die heute meine Co-Geschäftsführerin ist, ein richtig gutes Onboarding bekommt. Also habe ich ein Lernprogramm gebaut und so wurde aus der Idee ein Start-up. Heute haben wir über 100 Mitarbeitende und bieten Online-Weiterbildungen in Digitalmarketing, Management und KI an.

Welche Vision verfolgt Distart und wie soll diese im Bereich digitale Bildung und Online Marketing realisiert werden?

Thomy Roecklin: Unsere Vision bei Distart ist, Menschen fit für die digitale Arbeitswelt zu machen. In unseren Kursen arbeiten sie an realen Projekten, setzen Tools ein und erhalten sofortiges Feedback. Unsere modularen Lernpfade kombinieren KI-gestützte Aufgaben mit praktischen Übungen. So lernen die Teilnehmer:innenn nicht nur Theorie, sondern Fähigkeiten, die im Job sofort Wirkung zeigen.

Für wen wurde Distart ursprünglich entwickelt und wie haben sich die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppen seit dem Start verändert?

Thomy Roecklin: Mit Distart unterstützen wir Menschen, die ihre Chancen verbessern wollen – egal ob Berufseinsteiger:innen, Quereinsteiger:innen oder Personen, die nach einer Pause wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen möchten. Viele kommen über staatliche Förderungen wie Bildungsgutscheine oder das Qualifizierungschancengesetz zu uns, wodurch Weiterbildung für alle zugänglich bleibt. Gleichzeitig merken wir, dass auch Arbeitnehmende und Unternehmen unsere Angebote benötigen: Angestellte wollen sich beruflich weiterentwickeln und spezialisieren, Unternehmen möchten ihre Teams fit halten.

Heute decken wir alle drei Bereiche ab: Unsere Online-Weiterbildungen sind AZAV-zertifiziert und damit über öffentliche Kostenträger bis zu 100 % förderfähig. Besonders wichtig ist uns, Frauen zu unterstützen, die nach einer Familienphase oder einer beruflichen Neuorientierung digitale Kompetenzen aufbauen möchten. Ich sehe immer wieder, wie Teilnehmende selbstbewusst neue berufliche Wege gehen, das motiviert uns jeden Tag.

Welche Rolle spielen Ihre Weiterbildungsmodule in Social Media, Content Marketing und KI für Menschen, die beruflich neu starten oder sich weiterqualifizieren möchten?

Thomy Roecklin: Viele nutzen digitale Kompetenzen, um neu durchzustarten, in ganz andere Berufsfelder. Unsere Teilnehmer:innen lernen bei uns, Kampagnen zu planen, Kennzahlen zu verstehen und datenbasierte Entscheidungen zu treffen. So sammeln sie Erfahrung, die sie im Job ab Tag eins einsetzen können, statt erst monatelang eingearbeitet zu werden. Es geht mir also nicht nur um Wissen, sondern darum, neue Jobchancen zu schaffen. Ich erinnere mich an eine ehemalige Floristin, die bei uns das erste Mal mit digitalen Tools gearbeitet hat und heute Chatbots entwickelt. Solche Geschichten zeigen, dass unsere Ansatz wirkt: Über 90 % unserer Absolvent:innen finden innerhalb von sechs Monaten einen Job.

Was unterscheidet Distart von klassischen Bildungsträgern und worin sehen Sie Ihren stärksten Wettbewerbsvorteil?

Thomy Roecklin: Viele klassische Bildungsträger vermitteln Inhalte, die in der Praxis kaum vorkommen. Bei Distart setzen wir bewusst auf das Gegenteil. Im Laufe der Weiterbildung arbeiten die Teilnehmenden an eigenen Projekten und können dabei relevante Tools nutzen. So üben sie genau das, was sie später im Arbeitsalltag brauchen. Ein weiterer Vorteil ist unsere Flexibilität. Unsere Programmen sind vollständig digital und können orts- und zeitunabhängig in Voll- oder Teilzeit absolviert werden.

Was uns besonders auszeichnet, ist die Art und Weise, wie wir Inhalte entwickeln. Wenn sich bei einem Tool etwas ändert, aktualisieren wir die Inhalte sofort. Videos, Übungen und Workflows werden laufend angepasst. So bleibt das Gelernte immer aktuell.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Lernplattform, Live Sessions und Community-Angebote wirklich praxisnah und alltagskompatibel sind?

Thomy Roecklin: Praxis ist bei uns der Kern jeder Weiterbildung. Wir setzen auf verpflichtende Praxisaufgaben und direktes, persönliches Feedback von unseren Dozenten. Gelernt wird bei uns natürlich auch mit KI-gestützten Modellen, aber immer kombiniert mit persönlicher Begleitung. Wichtig ist für uns auch der enge Draht zu Unternehmen. Wir sprechen regelmäßig mit Arbeitgebern, um genau zu verstehen, welche Fähigkeiten und Erfahrungen aktuell gebraucht werden. Gastdozenten aus der freien Wirtschaft sind ebenfalls Pflichtprogramm, denn sie ermöglichen den Blick aus der Brille eines richtigen Anwenders.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell im stark wachsenden Weiterbildungsmarkt und wie gehen Sie strategisch damit um?

Thomy Roecklin: Der Markt ist überfüllt, aber nicht überqualifiziert. Viele Unternehmen bilden gerade ihre Mitarbeitenden in Digitalthemen weiter. Gleichzeitig gibt es nur wenige hochwertige Weiterbildungsangebote, manche Anbieter arbeiten sogar fragwürdig oder betrügerisch. Herausforderungen sind in Deutschland insbesondere bürokratischer Natur und auch die Kostenfrage ist immer noch schwierig.

Inwiefern beeinflussen neue KI-Technologien Ihre Kursentwicklung und welche Chancen sehen Sie für die Zukunft?

Thomy Roecklin: KI verändert die Arbeitswelt rasant und wir wollen, dass unsere Teilnehmenden bei neuen Technologien mithalten können. Wir integrieren bewusst KI in unsere Kurse, zum Beispiel im Modul KI Prompt Engineer, und kombinieren das mit praxisnahen Aufgaben in Social Media, Content Marketing oder Management. Die Chance liegt darin, Weiterbildung relevant und anwendbar zu machen, damit KI effizient genutzt werden kann. Wir halten stets Ausschau nach neuen Technologien und Entwicklungen, prüfen, was Mehrwert für die Weiterbildung bringt, und passen unsere Angebote entsprechend an.

Welche Entwicklungen und Erweiterungen plant Distart für das kommende Jahr – besonders im Hinblick auf berufliche Umbrüche und digitale Kompetenzentwicklung?

Thomy Roecklin: Ein besonderes Highlight für die Zukunft ist unsere geplante Hochschule für angewandte Wissenschaften. Wir arbeiten derzeit am Aufbau der Distart University of Applied Sciences, die im Oktober 2026 starten wird. Dort wollen wir Studiengänge in den Bereichen Digital Marketing und Digitalisierungsmanagement anbieten. Im Unterschied zu unseren klassischen Weiterbildungen können wir damit Theorie und Praxis enger verzahnen. Zusätzlich wollen wir unser Weiterbildungsportfolio um abschlussorientierte Weiterbildungen erweitern.

Wie unterstützen Sie Teilnehmende dabei, nach Abschluss der Weiterbildung beruflich Fuß zu fassen oder neue Karrierewege einzuschlagen?

Thomy Roecklin: Am Ende erhalten unsere Teilnehmenden ein arbeitsmarktrelevantes Zertifikat — das bei Bewerbungen und beim Quereinstieg im Bereich Digital Marketing, Social Media, KI nachweisbar ist und zudem in der Wirtschaft für einen hohen Grad an Bildungskompetenz steht. Diese Rahmenbedingung schafft für unsere Teilnehmenden eine tolle Basis mit den nötigen Kompetenzen auf den Arbeitsmarkt gehen zu können.

Gut 91 Prozent unserer Teilnehmenden sind innerhalb eines halben Jahres, nach Beendigung Ihrer Maßnahme, wieder im Job. Das liegt einerseits an den äußerst praxisnahen Inhalten, die auf alle realen Jobrollen wie beispielsweise den Social-Media-Manager:in, Content-Marketer:in, Performance-Marketer:in, KI-Prompt-Engineer anwendbar sind. Zudem unterstützen wir unsere Teilnehmenden mithilfe unseres großen Firmennetzwerks. Das heißt: Teilnehmer können aus ihrem Kurs heraus direkt in Firmen vermittelt werden oder Kontakte knüpfen — was den Berufseinstieg erleichtert. Allein bei uns, in unserem Firmensitz in Leipzig, arbeiten gut zehn ehemalige Teilnehmenden und bringen uns tagtäglich voran.

Abschließend natürlich unser wertvollstes Kapital – unsere individuelle Betreuung und Community: Während der Weiterbildung haben unsere Teilnehmenden persönliche Ansprechpartner:innen und tauschen sich intensiv im Kurs Verbund aus. Das hilft nicht nur beim Lernen, sondern kann auch beim Übergang in eine neue Arbeitssituation unterstützen – z. B. durch Empfehlungen, Hinweise auf Stellenangebote oder kollegiale Kontakte.

Wenn Sie auf Ihre eigene Gründungsreise zurückblicken – welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern unbedingt mitgeben?

Thomy Roecklin: Wenn ich zurückblicke, fällt mir vor allem eines auf: Es beginnt oft ganz klein. Bei uns war es ein Lernprogramm für Lucia, das zu Distart wurde. Mein Rat wäre: Baue Lösungen für echte Probleme, die Menschen wirklich weiterbringen. Dann ist es wichtig, gemeinsam mit den Menschen, die an Bord sind, zu lernen und zu wachsen. Lucia und ich haben in den ersten Monaten unglaublich viel ausprobiert, Fehler gemacht, neu strukturiert und genau daraus gelernt. Und mein vielleicht wichtigster Ratschlag: Sei radikal ehrlich, zu dir selbst, zu deinem Team und zu den Menschen, für die du etwas erschaffst. Wer offen ist, lernt schneller und trifft bessere Entscheidungen.

Welche langfristige Rolle möchte Distart im deutschen Weiterbildungsmarkt einnehmen und welche Meilensteine stehen als nächstes an?

Thomy Roecklin: Bei Distart geht es darum, das Know-how zu vermitteln, das in der digitalen Arbeitswelt gebraucht wird . Langfristig wollen wir ein starkes Alumni-Netzwerk von 25.000 Personen aufbauen, das digitale Kompetenz in Deutschland nachhaltig voranbringt. Für mich bedeutet das nachhaltige Bildung, bottom-up statt top-down.

Bild Thomy Roecklin Bildcredits Fotograf: Sebastian Köhler

Wir bedanken uns bei Thomy Roecklin für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie können wir Protein erzeugen, ohne von Ressourcen und Grenzen abhängig zu sein?

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MicroHarvest verbindet Human und Food für neue Lösungen Bild Jonathan Roberz Bildcredits MicroHarvest

MicroHarvest produziert nachhaltiges, mikrobielles Protein durch Fermentation und eröffnet damit neue Wege für eine zukunftsfähige Ernährung

Wie würden Sie MicroHarvest und das Team dahinter vorstellen?

MicroHarvest ist ein Biotech-Unternehmen, das mithilfe natürlicher Fermentation mikrobielles Protein herstellt. Extrem schnell, skalierbar und ressourcenschonend. Aber ganz ehrlich: Das Team ist wirklich besonders bei MicroHarvest. Wir haben Expertinnen und Experten aus Biotechnologie, Prozessengineering, Operations, Produkt und Business zusammengebracht, die in ihren jeweiligen Feldern teilweise zur absoluten Weltspitze gehören und die sich bewusst entschieden haben, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten.
Diese Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und industrieller Umsetzungsstärke spürt man jeden Tag: Wir sind nicht nur begeistert von der Technologie, sondern vor allem davon, was wir damit möglich machen können. Uns treibt die gemeinsame Mission an, „Better Protein“ ohne Kompromisse zu liefern und damit einen echten Beitrag zu einem zukunftsfähigen Ernährungssystem zu leisten.

Welche Vision verfolgt MicroHarvest?

Wir bei MicroHarvest verfolgen ein klares Ziel: natürliches, nährstoffreiches Protein für möglichst viele Menschen und Tiere zugänglich zu machen. Ohne Tierhaltung und ohne knappe Anbauflächen, und gleichzeitig ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit. Unser Ziel ist ein Ernährungssystem, das gesündere Ernährung für einen gesünderen Planeten möglich macht und die wachsende globale Proteinlücke verlässlich schließt.
Dafür nutzen wir Mikroorganismen als „Protein-Fabriken“ und bauen ein Produktionssystem, das unabhängig von Klima, Boden und Jahreszeiten ganzjährig laufen kann. So machen wir hochwertige Proteine deutlich verlässlicher verfügbar und reduzieren gleichzeitig den Ressourcenverbrauch entlang der gesamten Wertschöpfung.

Für welche Zielgruppen entwickeln Sie Ihre Proteinlösungen?

Wir streben den Einstieg in Human Food an, sind jedoch bereits heute mit unseren Produkten im Petfood- und Aquafeed-Bereich am Markt. Diese Segmente weisen einen besonders hohen Bedarf an stabilen, hochwertigen und nachhaltigeren Proteinen auf. Im Petfood zählen vor allem Geschmackhaftigkeit, gleichbleibende Qualität, hypoallergene/Clean-Label-Optionen und eine verlässliche Lieferkette.

Wie gelingt es Ihnen, Proteine in 24 Stunden zu produzieren?

Unsere Geschwindigkeit kommt nicht nur daher, dass Mikroorganismen „von Natur aus“ schnell wachsen. Sie ist vor allem das Ergebnis unserer eigens entwickelten MicroHarvest-Technologie und Prozessführung. Wir haben einen Fermentationsprozess aufgebaut, der in Bioreaktoren optimale Bedingungen schafft und so aus landwirtschaftlichen Nebenströmen in sehr kurzer Zeit proteinreiche Biomasse erzeugt – vom Rohstoff bis zum Endprodukt in nur 24 Stunden. Der Vorteil: extrem kurze Produktionszyklen, hohe Planbarkeit, schnelle Skalierung und konstante Produktqualität, besonders attraktiv für industrielle Anwender mit hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Spezifikationen.

Was unterscheidet Ihre fermentationsbasierte Herstellung von konventionellen Methoden?

Fermentation ist ein bewährtes Prinzip (wie bei Bier oder Joghurt). Wir setzen es modern und industriell effizient ein. Im Unterschied zu tierischer und vieler pflanzlicher Produktion ist unser Prozess nicht abhängig von Ackerflächen, Wetter und Saison, sondern läuft kontrolliert und 24/7. Dadurch kombinieren wir Skalierbarkeit mit Ressourceneffizienz (u. a. deutlich weniger Flächen- und Wasserbedarf sowie sehr niedrige Emissionen im Vergleich zu konventionellen Proteinen).

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell?

Aktuell ist die größte Herausforderung ganz klar die Regulatorik, insbesondere mit Blick auf den Lebensmittelsektor. Gleichzeitig bewegt sich hier spürbar etwas: Biotechnologie und Biomanufacturing gewinnen in Europa politisch und wirtschaftlich an Bedeutung, und es gibt Rückenwind, Genehmigungs- und Innovationsprozesse perspektivisch besser zu unterstützen.
Die zweite zentrale Herausforderung ist der Schritt von der Entwicklung zur produzierenden industriellen Realität. Genau daran arbeiten wir konsequent – und wir konnten bereits zeigen, dass es funktioniert: Mit unserer Pilotanlage in Lissabon und zusammen mit einem Partner haben wir den Übergang vom Labor zur industriellen Fertigung erfolgreich hinbekommen. Das ist für uns ein wichtiger Beweis, dass unsere Technologie nicht nur im kleinen Maßstab überzeugt, sondern skalierbar ist.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz für Ihr Geschäftsmodell?

Nachhaltigkeit ist bei uns kein „Add-on“, sondern Kern des Geschäftsmodells: Wirkung entsteht nur, wenn eine Lösung im großen Maßstab funktioniert. Deshalb denken wir Nachhaltigkeit immer zusammen mit Skalierung und Wirtschaftlichkeit: kurze Prozesszeiten, geringer Ressourcenbedarf und robuste, wiederholbare Produktion sind entscheidend, um Akzeptanz im Markt zu gewinnen und langfristig konkurrenzfähig zu sein.
Ein wichtiger Hebel dabei ist unser Rohstoffansatz: Wir nutzen landwirtschaftliche Nebenströme und denken Proteinproduktion damit auch als Upcycling – aus bestehenden Agrarströmen wird hochwertiges, nährstoffreiches Protein. Gleichzeitig setzen wir auf lokale Beschaffung und lokale Produktion: Wir wollen Lieferketten bewusst regional halten, Transportwege reduzieren und Resilienz aufbauen, in Europa und perspektivisch auch mit Produktionsstandorten auf anderen Kontinenten. So entsteht Nachhaltigkeit nicht nur auf Produktebene, sondern strukturell entlang der gesamten Wertschöpfung.

Wie verändert die Pilotanlage in Lissabon Ihre nächsten Schritte?

Die Pilotanlage war ein wichtiger Schritt, um unsere Technologie im industriellen Kontext weiter zu validieren: Prozessstabilität, Produkt- und Kundenvalidierung sowie Datengrundlage für den nächsten Scale-up. Auf dieser Basis arbeiten wir an der nächsten Ausbaustufe: eine große Produktion, die 15.000 Tonnen im Jahr produzieren wird.

Welche Anwendungen Ihrer Proteine sind besonders vielversprechend?

Kurzfristig sehen wir die stärksten Anwendungen in Petfood (z. B. Leckerlis/ergänzende Produkte, oder auch vollständige Rationen) sowie in Aquafeed als nachhaltigere Alternative zu klassischen Proteinquellen. Langfristig liegt das größte Potenzial im Human-Food-Segment, weil dort die globale Proteinlücke am stärksten spürbar wird – und Fermentation eine skalierbare Antwort liefern kann.

Wie sichern Sie die Produktqualität?

Wir sichern Qualität vor allem über kontrollierte Prozesse und konsequente Qualitätskontrollen. Dazu kommen Produktmerkmale wie hoher Proteingehalt, gute Aminosäure-Verfügbarkeit/Verdaulichkeit und guter Geschmack. Ziel ist: nachhaltiger Impact ohne Abstriche bei Performance und Konsistenz.

Drei Ratschläge für Gründerinnen und Gründer?

Groß denken – mit echtem Purpose: Löst ein reales, relevantes Problem. Ein starkes Warum schafft Orientierung, Qualität und Wirkung.
Fokussiere dich – statt allen gefallen zu wollen: Versucht nicht, jede Erwartung zu erfüllen oder alles gleichzeitig zu machen. Trefft Entscheidungen nach dem, was wirklich zählt – Fokus schlägt Harmonie.
Für morgen einstellen – und bewusst schlank bleiben: Nur Menschen einstellen, für die ihr selbst gerne arbeiten würdet – besonders in Führungsrollen. Wenige sehr gute Mitarbeitende schlagen viele Mittelmäßige.

Wohin entwickelt sich MicroHarvest in den nächsten Jahren?

In den nächsten Jahren bauen wir MicroHarvest von der validierten industriellen Technologie zur großskaligen, industriellen Produktion aus. Entscheidende Meilensteine sind: Ausbau der Produktionskapazitäten (~15.000 Tonnen/Jahr als nächste große Stufe), stärkere Marktdurchdringung in Petfood und Aquafeed und Eintritt in den Human-Food-Markt.

Bild Jonathan Roberz Bildcredits MicroHarvest

Wir bedanken uns bei Jonathan Roberz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Neumarkt, Start-up-Hauptstadt für eine Nacht

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Startups prägen Neumarkt bei der Pioneers Club Gala Bilder Fotograf/Bildcredits Asif Iqbal – Photography

Key Takeaways

  • Die Pioneers Club Final Gala in Neumarkt versammelte 120 Gäste aus Startups, Investoren und Medien, um neue Ideen zu feiern und zu fördern.
  • Fünfzehn Teams präsentierten in einem persönlichen Rahmen ihre Projekte, wobei die besten Ideen oft die einfachsten waren.
  • Über 50 ernst gemeinte Interessebekundungen aus dem Investor Room zeigen den Erfolg der Veranstaltung für die Startups.
  • Valueverde gewann die Liga und den Impact & Sustainability Award, während andere Teams Plätze im Makers Home Campus erhielten.
  • Die Gala zeigte, dass Neumarkt bereit ist, sich als wichtiges Zentrum für Startups zu etablieren und den Austausch im Ökosystem zu fördern.

An manchen Abenden spürt man förmlich, wie sich eine Stadt streckt, größer wird, als sie es auf der Landkarte je war. In Neumarkt war so ein Abend. Rund 120 Gäste, feingemischte Stimmung zwischen Aufregung, Ehrgeiz und echter Neugier. Startups, Investorinnen, Mentoren, Medienmenschen. Alle in einer Kreisstadt, die lange vor allem für ruhiges Oberpfälzer Leben stand. Doch am 5. Dezember 2025 wurde sie zum provisorischen Mittelpunkt der deutschen Frühphasen-Szene – mit einer Gala, die so viel mehr war als ein Pflichttermin im Eventkalender.

Ein Finale, das wie ein Anfang wirkt

Drei Monate lang hatten 20 Startups in der ersten League des Pioneers Clubs an ihren Geschäftsmodellen gefeilt, Feedback eingesammelt, Investoren kennengelernt. Nun stand das Finale an, die „Pioneers Club Final Gala“. Kein steriles Pitch-Event. Eher ein Wohnzimmer für Gründer – nur mit weißen Tischdecken, gedämpftem Licht und Menschen, die mit jedem Drink mutiger wurden, über große Ideen zu sprechen.

Fünfzehn Teams hatten es ins Finale geschafft. Ihr Job: in drei kurzen Dinner-Runden zeigen, was sie können und wohin sie wollen. Kein langes Herumreden, kein Buzzword-Bingo. „Kompakt und umsetzungsorientiert“, wie der Pioneers Club es selbst beschreibt. Und genau das machte den Reiz aus. Wer hier pitchte, musste auf den Punkt kommen. Die besten Geschichten sind am Ende oft die einfachsten.

50 Mal „Wir wollen mehr wissen“

Der wohl deutlichste Erfolg der Veranstaltung spielte sich jedoch in der App des Pioneers Clubs ab. Dort gibt es den sogenannten „Investor Room“ – eine Art digitales Handzeichen für ernst gemeintes Interesse. Über 50 solcher Bekundungen gingen während der Gala ein. Für ein Event dieser Größe ist das bemerkenswert. Für die beteiligten Startups ist es ein Türöffner.

Das Modell dahinter ist pragmatisch: Erreichen die Teams bestimmte Meilensteine, steigt der Investor:innen-Pool des Pioneers Clubs als Co-Investor ein. Das bringt Sicherheit in die sonst so unübersichtliche Frühphase, in der gute Ideen oft eher an fehlenden Strukturen scheitern als an der Realität des Markts.

Startups prägen Neumarkt bei der Pioneers Club Gala Bilder Fotograf/Bildcredits Asif Iqbal – Photography

Und der Sieger heißt: valueverde

Am Ende des Abends durfte ein Team besonders jubeln. valueverde wurde League-Sieger – und räumte zusätzlich den Impact & Sustainability Award ab, eine Auszeichnung, die gemeinsam mit der Technischen Hochschule Nürnberg vergeben wird. Ein doppelter Ritterschlag für ein Startup, das Nachhaltigkeit nicht als Dekoration versteht, sondern als Kern seines Geschäfts.

Dicht dahinter: Payline, crestalize, Food Be Good – Foodsharing for Canteens und evalue8.ai. Alle fünf Teams erhalten einen Platz im neuen Makers Home Campus in Neumarkt. Das klingt nüchtern, ist aber ein echter Vorteil. Der Campus soll eine Art Brutkasten für Gründer werden – ein Ort, an dem nicht nur gearbeitet, sondern auch ausprobiert, kollaboriert und gestritten werden darf. Kurz: ein Platz, an dem Ideen wachsen können, ohne jeden Monat neu um Mietkosten und Ablenkung kämpfen zu müssen.

Startups prägen Neumarkt bei der Pioneers Club Gala Bilder Fotograf/Bildcredits Asif Iqbal – Photography

Wo man am Tisch sitzt, entscheidet manchmal über die Zukunft

Die Idee: Gespräche auf Augenhöhe, aber ohne die steife Anmutung klassischer Podiumsdiskussionen. Gründerinnen und Gründer konnten direkt, ehrlich und manchmal auch rau fragen, was sie wirklich wissen wollten: Wie kommt man an Kapital, wenn man noch keinen Umsatz hat? Wie überzeugt man mit einem Produkt, das erst in zwei Jahren marktreif sein wird? Wann ist es sinnvoll, eine Finanzierung abzulehnen?

Solche Gespräche sind Gold wert. Sie schaffen Klarheit, wo im Alltag oft nur Unsicherheit herrscht.

Ein Blick nach vorn: 2026 wird größer

Eine Besonderheit der Gala waren die sogenannten Captain Tables. Dahinter verbargen sich kuratierte Dinner-Runden, jede moderiert von Gastgebern aus Medien, Wirtschaft oder Investment. Vertreter von SevenVentures waren da, BayStartUP, FUNDSCENE/StartupValley und verschiedene regionale Partner.

Der Pioneers Club nutzte die Gala auch, um nach vorn zu schauen. Für 2026 kündigte das Team neue League-Formate an – klarer zugeschnitten auf konkrete Themenbereiche wie Consumer, Future Work & Corporate Productivity sowie Impact & Sustainability. Dahinter steckt ein strategischer Gedanke: Jede Branche hat ihre eigenen Regeln. Wer diese versteht, kann junge Teams zielgerichteter fördern.

Neumarkt soll sich in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten „Mittelstadt-Builder-Campusse“ Deutschlands entwickeln. Das klingt etwas sperrig, beschreibt aber einen Trend, den man auch in anderen Regionen sieht: Mittelgroße Städte entdecken Startups als Chance, ihr eigenes Profil zu schärfen und junge Talente zu halten. Wenn die Infrastruktur stimmt, kann so ein Standort sogar Vorteile gegenüber den überhitzten Metropolen haben – weniger Ablenkung, niedrigere Kosten, mehr Gemeinschaft.

Dass dieser Weg funktioniert, zeigt das wachsende Medieninteresse. Der Bayerische Rundfunk berichtete, ebenso die Mittelbayerische Zeitung und die Nürnberger Nachrichten. Auch das StartupValley Magazin war dabei und streamte die Pitches sogar live auf LinkedIn. Wer wollte, konnte so vom Sofa aus verfolgen, wie in einer Oberpfälzer Stadt die Zukunft auf den Tisch kam.

Startups prägen Neumarkt bei der Pioneers Club Gala Bilder Fotograf/Bildcredits Asif Iqbal – Photography

Warum dieser Abend mehr war als eine Preisverleihung

Bei Startup-Events geht es oft um Glamour, große Worte, lauten Applaus. In Neumarkt war das anders. Der Abend fühlte sich eher an wie ein berufliches Klassentreffen der Zukunft: Menschen, die etwas verändern wollen, und andere, die ihnen dabei helfen möchten. Kein Feuerwerk, kein Showeffekt. Dafür echter Austausch, ehrliche Rückfragen, und hier und da der Moment, in dem jemand sagt: „Das könnte funktionieren.“

Viele Gäste beschrieben den Abend später als „ungewohnt nahbar“. Genau das macht ihn am Ende bemerkenswert. Startups leben nicht von bunten Präsentationen, sondern von Beziehungen und Vertrauen. Und davon gab es in Neumarkt überraschend viel.

Fazit: Kleine Stadt, großes Signal

Die „Pioneers Club Final Gala“ hat gezeigt, was passieren kann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Ecken des Startup-Ökosystems an einem Tisch sitzen. Die Stadt Neumarkt hat sich an diesem Abend nicht neu erfunden, aber sie hat gezeigt, dass sie bereit ist für mehr. Mehr Gründergeist, mehr Experimentierfreude, mehr Zusammenarbeit.

Ob sie wirklich zu einem bundesweiten Hotspot wird, wird die Zeit zeigen. Aber eines steht fest: Der erste Schritt ist gemacht. Und er war selbstbewusst, gut organisiert – und vor allem menschlich.

Wenn man den Gästen glauben darf, wird man von Neumarkt in der Gründerszene noch öfter hören. Und vielleicht ist es genau das, was eine gute Gala ausmacht: Sie schließt einen Kreis und öffnet gleichzeitig einen neuen.

Bilder Fotograf/Bildcredits Asif Iqbal – Photography

Sind wir bereit für den nächsten Schritt in einer Branche, die seit Jahrzehnten gleich funktioniert?

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OTIV Schienenverkehr Automatisierung im Fokus Teambild OTIV

OTIV entwickelt autonome Technologien für den Schienenverkehr und arbeitet daran, Bahnoperationen sicherer, effizienter und moderner zu gestalten

Wie würden Sie OTIV und das Team dahinter vorstellen?

OTIV ist ein belgisches Startup mit Hauptsitz in Gent und einem weiteren Standort in Köln. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, autonome Technologie in den Schienenverkehr zu bringen und diesen entscheidend zu modernisieren.
Unser Team besteht aus rund 40 ausgewiesenen Expertinnen und Experten für Bahnautomatisierung, die gemeinsam daran arbeiten, den Zug der Zukunft Realität werden zu lassen. OTIV wurde 2020 von Niels Van Damme und Sam De Smet gegründet und hat seitdem ein bemerkenswertes Wachstum hingelegt. Zuletzt wurden wir mit dem Deloitte Fast50 Award als am schnellsten wachsendes Scale-up Belgiens 2025 ausgezeichnet, und das in einer traditionell sehr anspruchsvollen Branche wie der Bahnindustrie.
Zu unseren Investoren gehören Pitchdrive, Miles Ahead, Finindus und SHIFT Invest – Partner, die unsere Vision teilen und unser Wachstum aktiv unterstützen.

Was war der Auslöser dafür, KI Assistenzsysteme speziell für den Schienenverkehr zu entwickeln?

Der Schienenverkehr ist das Rückgrat unseres Mobilitätssystems, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr – oder zumindest sollte er das sein. Er ist ein zentraler Hebel für die Transformation hin zu nachhaltiger Mobilität. Dennoch schöpfen wir dieses Potenzial bei Weitem nicht aus: Der Modalanteil der Schiene sinkt sogar, anstatt zu steigen. Einer der Gründe liegt darin, dass Investitionen und Innovationen im Schienenverkehr seit Jahren hinterherhinken – im Vergleich zur Automobilindustrie um etwa 15 Jahre. Die notwendigen Schritte in Richtung autonomes Fahren werden nicht schnell genug umgesetzt. Wir sind überzeugt: Um seine Rolle als Rückgrat der Mobilität wieder einzunehmen, muss die Schiene konsequent automatisiert werden. Ein entscheidender Punkt ist dabei die Zertifizierung und Zulassung solcher Systeme. Genau hier setzen wir an und arbeiten mit den größten Playern der Branche zusammen, um europäische und globale Standards zu definieren und voranzutreiben.

Ihre Lösungen reichen vom Fahrerassistenzsystem bis hin zur Remote Steuerung. Wie greifen diese Bausteine zusammen, um Ihre Vision eines sichereren und effizienteren Bahnverkehrs zu erreichen?

Wir entwickeln gewissermaßen das „Gehirn des Zuges“ und bringen ihm bei, autonom zu fahren. Unsere gesamte Technologie basiert auf einem gemeinsamen Tech-Stack mit den zugrunde liegenden Algorithmen.
Gleichzeitig verfolgen wir einen klaren, realistischen Stufenplan, der bei Fahrerassistenzsystemen beginnt und über Teleoperation hin zur vollen Automatisierung führt. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Jede zurückgelegte Strecke mit unseren Fahrerassistenzsystemen liefert neue Daten, macht unsere Algorithmen intelligenter und entwickelt das „Zuggehirn“ Schritt für Schritt weiter – bis hin zur vollautonomen Fahrt.

Für welche Betreiber oder Einsatzszenarien entwickeln Sie Ihre Technologie vorrangig und wie stellen Sie sicher, dass die Systeme den Bedürfnissen dieser Zielgruppen wirklich entsprechen?

Wir arbeiten mit drei Arten von Schienenfahrzeugen: Industrieanlagen, Straßenbahnen und Fernverkehrszüge. Gemeinsam mit den führenden Unternehmen der Branche definieren wir europäische und globale Standards inklusive Regulierung, Zertifizierung und Zulassung.
Industriestandorte wie Stahl- oder Chemiewerke sind abgeschlossene Systeme und werden am schnellsten den Schritt zur Vollautomatisierung machen. Dort sind bereits rund 80 % aller Prozesse automatisiert. Nun ist es Zeit, auch den Schienenverkehr ins 21. Jahrhundert zu holen. Zu unseren Kunden zählt u. a. ArcelorMittal.

Straßenbahnen in urbanen Räumen sind heute weitgehend ungeschützt unterwegs, während Autos längst Assistenzsysteme nutzen. Wir setzen unsere Systeme bereits in Städten wie Lissabon, Barcelona, Antwerpen, Utrecht, Rotterdam, Gent, Ostende und Zaragoza ein und arbeiten eng mit OEMs zusammen.

Gemeinsam mit DB Cargo realisieren wir das größte Bahnautomatisierungsprojekt Europas. Auf der Betuweroute in den Niederlanden testen wir ein Jahr lang unsere Teleoperations- und Vollautomationslösungen im echten Betrieb. Zu unseren Partnern gehören u. a. DB Cargo, HVLE, Dutch Railways, Lineas und SNCF.

Der Schienenverkehr gilt als komplexer und konservativer Markt. Welche Hürden begegnen Ihnen bei der Einführung neuer Technologien und wie gehen Sie damit um?

Drei Kernelemente stehen für uns im Fokus:
Schrittweises Vorgehen: Unsere Fahrerassistenzsysteme sind sofort für alle Betreiber relevant und liefern direkte Mehrwerte in Sicherheit und Effizienz – auch für Unternehmen, die Automatisierung zunächst skeptisch gegenüberstehen.
Zusammenarbeit mit Innovatoren: Wir arbeiten gezielt mit den Vorreitern der Branche, wie beispielsweise DB Cargo, CAF, ArcelorMittal, um gemeinsam globale Zertifizierungsstandards zu setzen.
Nachweisbare Zuverlässigkeit: Wir halten unsere Versprechen. Wir liefern zertifizierte, zuverlässige Technologie und wir liefern pünktlich.

Was macht OTIV im Vergleich zu klassischen Bahntechnik Anbietern besonders. Welche Aspekte Ihres Ansatzes sehen Sie als entscheidend für Ihren Vorsprung?

Drei Punkte zeichnen uns besonders aus: ein klar strukturierter, stufenweiser Weg zur Autonomie, ein extremer Fokus auf autonomes Fahren mit einem Team aus Weltklasse-Spezialisten und der Anspruch, Technologie aus dem Testbetrieb in den realen Einsatz zu bringen.

Wie verändert sich der Arbeitsalltag von Lokführern, Rangierpersonal oder Betriebsleitstellen durch Ihre Systeme.

Unsere Fahrerassistenzsysteme verändern die tägliche Arbeit nur moderat. Der größere Wandel entsteht durch Teleoperation und Automatisierung. Viele Betreiber finden heute schlicht nicht mehr genügend qualifizierte Lokführer und jüngere Generationen möchten den Beruf häufig nicht mehr in der klassischen Form ausüben. Wir bringen das Berufsbild ins 21. Jahrhundert: Ein Zugoperator kann künftig eine Flotte von fünf bis zehn autonomen Zügen überwachen und bei Bedarf über Remote-Steuerung eingreifen. Diese Kombination nennen wir überwachte Autonomie.

Ihre Sensor und Kameralösungen unterstützen besonders anspruchsvolle Umgebungen wie Rangierbahnhöfe. Welche Anforderungen stellen diese Bereiche an Ihre Technologie?

Zuverlässige Bahnsysteme erfordern Zertifizierung und Zulassung. Deshalb verfolgen wir einen schrittweisen Ansatz, der es uns ermöglicht, bereits heute zertifizierte Systeme in Betrieb zu nehmen.

Inwiefern sehen Sie langfristig Potenzial für autonome Schienenfahrzeuge und welche Schritte müssen dafür noch umgesetzt werden?

Das Potenzial ist enorm. Letztlich wird die Schiene denselben Weg gehen wie die Automobilindustrie. Was wir brauchen, ist ein weiterentwickelter regulatorischer Rahmen und ein Bewusstsein bei Betreibern, Infrastrukturmanagern und politischen Entscheidungsträgern, dass Automatisierung unausweichlich ist. Wir arbeiten deshalb bewusst in großen Leuchtturmprojekten, um europäische und globale Standards aktiv mitzugestalten. Klar ist: Wir brauchen die Schiene – und wir brauchen eine automatisierte Schiene, damit das System langfristig leistungsfähig bleibt.

Worauf können sich Ihre Kunden und Partner in den nächsten Jahren freuen. Welche Weiterentwicklungen planen Sie für Ihre Produktlinie?

2026 steht ganz im Zeichen der Umsetzung unserer kommerziellen Verträge und es werden einige Ankündigungen zu neuen Flotten folgen. Parallel arbeiten wir an der vollständigen Zertifizierung unserer Teleoperations- und Vollautomationssysteme. Dazu gehören auch weitere Testbetriebe.

Was würden Sie Gründerinnen und Gründern raten, die selbst ein technologieintensives Startup in einem regulierten Markt aufbauen möchten?

  1. Lassen Sie sich nicht entmutigen, auch wenn viele sagen, dass etwas nicht geht. Wenn Sie an Ihre Vision glauben, starten Sie damit durch.
  2. Priorisieren Sie von Beginn an Zertifizierung, Regulierung, Behörden und Kunden.
  3. Bauen Sie Vertrauen auf, indem Sie sich beweisen: Gehen Sie von der PowerPoint-Folie in den realen Einsatz und beweisen Sie gemeinsam mit führenden Kunden, dass Sie einen echten Mehrwert schaffen können.

Welche drei persönlichen Lehren aus Ihrem eigenen Gründungsweg halten Sie für besonders wertvoll für andere?

Neben den genannten Punkten habe ich drei zentrale Erkenntnisse gewonnen:

  1. Bauen Sie das richtige Team auf.
  2. Hören Sie auf die Kunden, denn die haben immer recht – man muss nur mit genügend davon sprechen, um die zu finden, die bereit sind, früh mitzugehen.
  3. Bauen Sie ein starkes Netzwerk aus Beratern, Board-Mitgliedern und Branchenkontakten auf.

Teambild Bildcredits OTIV

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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