Donnerstag, August 27, 2026
Start Blog Seite 10

Nomado24: KI-Plattform trennt echte Remote-Jobs von Hybrid-Mogeleien

0
Nomado24: KI-Plattform filtert echte Remote-Jobs heraus GründerFoto Bild: Anton Petuchow und Lars Schreiner Bildcredits Nomado24 UG (haftungsbeschränkt)

Die innovative Stellenbörse Nomado24 prüft mithilfe künstlicher Intelligenz jedes Stellenangebot und schafft damit volle Transparenz für verlässliches Remote-Arbeiten auf einer zentralen Plattform

Können Sie Nomado24 kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Nomado24 ist eine Jobbörse für Remote-Arbeit. Die Idee kam aus mitbekommenem Frust von Freunden und Bekannten: Auf den meisten Portalen sind die Remote-Treffer voll mit Stellen, die gar nicht remote sind, weil dort nur nach dem Stichwort gefiltert wird. Man klickt sich durch Dutzende Anzeigen und findet im Kleingedruckten drei Präsenztage pro Woche. Wir wollten eine Börse, bei der man sich auf das Label verlassen kann. Bei uns liest deshalb ein KI-Modell jede einzelne Anzeige und stuft ein, wie ortsunabhängig die Stelle wirklich ist.

Wer steht hinter Nomado24, und welche eigenen Erfahrungen haben die Entwicklung der Plattform geprägt?

Hinter Nomado24 stehen wir zwei, Anton Petuchow und Lars Schreiner, beide aus Frankenthal. Lars studiert Sustainable Management an der HWG Ludwigshafen und hat die Idee aus seiner Erfahrung als Surflehrer mit vielen Kollegen, die außerhalb der Saison trotz Ausbildung unterqualifizierte Stellen auf Campingplätzen angenommen haben. Lars hat bereits durch Werkstudentenstellen Erfahrung im HR gesammelt. Ich habe an der WHU studiert und komme über Stationen bei BASF, Allianz und Kipu Quantum an Managementerfahrung und ein Netzwerk in der Startup-Welt. Wir haben selbst nach ortsunabhängiger Arbeit gesucht, weil wir Studium, Arbeit und Reisen verbinden wollten. Neben den Erfahrungen der oben genannten Freunde war diese Suche der Auslöser: Die Portale versprachen Remote und lieferten Hybrid. Dass wir beide aus der eigenen Nutzerperspektive kommen, prägt bis heute jede Produktentscheidung. Wir bauen zuerst das, was uns selbst gefehlt hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nomado24, und wie möchten Sie ortsunabhängiges Arbeiten langfristig weiterentwickeln?

Unsere Vision ist, dass niemand seinen Beruf nach dem Pendelweg aussuchen muss. Ortsunabhängige Arbeit ist heute vor allem ein Privileg gut vernetzter Menschen in wenigen Branchen. Wir wollen sie sichtbar und auffindbar machen, auch für Menschen im ländlichen Raum, für Eltern und für Quereinsteiger. Dazu gehört auch, ehrlich zu benennen, wo Remote nur behauptet wird. Langfristig soll Nomado24 der Ort sein, an dem man nicht nur den Job findet, sondern auch durch die einfache Buchung von Coworking-Spaces und den Zugang zu Gleichgesinnten sein Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann.

An welche Zielgruppen richtet sich Nomado24 hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer Plattform erfüllen?

Auf der einen Seite Menschen, die ortsunabhängig arbeiten wollen oder müssen: digitale Nomaden, Eltern, Pendler, Menschen im ländlichen Raum, Quereinsteiger und Leute, die einen Neben- oder Minijob von zu Hause suchen. Sie brauchen vor allem Verlässlichkeit, also die Sicherheit, dass eine als remote gekennzeichnete Stelle auch remote ist. Auf der anderen Seite Arbeitgeber, die ernsthaft Remote-Arbeit anbieten und im allgemeinen Rauschen untergehen. Für sie ist unsere Prüfung ein Vorteil, weil ehrliche Anzeigen sichtbarer werden.

Viele Remote-Jobbörsen bieten nur begrenzte Informationen zu Stellenangeboten. Wie schafft Nomado24 mehr Transparenz für Bewerber?

Wir lesen jede Anzeige maschinell und ziehen genau die Angaben heraus, die für ortsunabhängiges Arbeiten entscheidend sind: Wie viel Präsenz wird verlangt, aus welchen Ländern darf man arbeiten, welche Sprache wird erwartet und wird ein Gehalt genannt. Das führt zu unbequemen Ergebnissen, die wir trotzdem zeigen. In unserem eigenen Bestand waren 14,5 Prozent der als Remote gelisteten Stellen nach dem Urteil unseres Klassifikators nicht wirklich remote, das sind 356 von 2.459 geprüften Anzeigen. Nur jede vierzigste Anzeige nennt überhaupt ein Gehalt, und das sechs Wochen nach Ablauf der EU-Frist zur Entgelttransparenz. Solche Zahlen veröffentlichen wir, auch wenn sie unserem eigenen Bestand kein gutes Zeugnis ausstellen.

Was macht Nomado24 aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Plattformen für Remote Jobs?

Der Unterschied liegt in der Prüfung. Andere filtern nach dem Wort Remote, wir lassen jede Anzeige KI-gestützt lesen und einstufen. Das ist aufwendiger und langsamer, aber es ist der einzige Weg, bei dem am Ende wirklich drin ist, was draufsteht. Der Nebeneffekt ist, dass wir dadurch eigene Daten über den Markt haben und nicht nur Stellen weiterreichen.

Mit Ihrem KI-gestützten Karriereberater und der Kombination aus Jobbörse und Coworking-Suche verfolgen Sie einen ganzheitlichen Ansatz. Welche Vorteile bietet das Ihren Nutzern?

Weil bei ortsunabhängiger Arbeit der Job nur die halbe Frage ist. Die andere Hälfte ist: Wo arbeite ich, was kostet das Leben dort, was bleibt netto übrig und passt die Stelle überhaupt zu meinem Profil? Der KI-Karriereberater beantwortet Fragen zum eigenen Werdegang und hilft bei der Einordnung von Stellen, die Coworking-Suche und unsere Rechner für Gehalt und Lebenshaltungskosten decken den Rest ab. Für Nutzer heißt das, dass sie nicht zwischen fünf Diensten hin- und herspringen müssen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in einem Markt, in dem sich die Anforderungen an Remote Work und flexible Arbeitsmodelle ständig verändern?

Die größte Herausforderung ist die Knappheit auf der Angebotsseite. Viele Unternehmen holen ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro, und echte Remote-Stellen werden dadurch nicht mehr, sondern weniger. Die zweite Herausforderung ist Qualität: Wo Remote-Jobs gesucht werden, tauchen auch unseriöse Anzeigen auf, deshalb prüfen wir neue Arbeitgeber vor der Veröffentlichung. Und die dritte ist, dass sich die Sprache des Marktes ständig ändert. Was heute hybrid heißt, hieß vor zwei Jahren remote friendly. Ein Klassifikator, der Bedeutung liest statt Stichworte zu zählen, ist dagegen deutlich robuster als eine feste Filterliste.

Wie wichtig sind Informationen zu Sprache, Zeitzonen, Visa und Gehalt für die Nutzer Ihrer Plattform?

Sie sind der eigentliche Kern der Suche. Eine Stelle, die formal remote ist, aber Deutsch auf Muttersprachenniveau verlangt, ist für einen Teil unserer Nutzer nicht relevant. Eine Stelle, die Arbeit nur aus Deutschland erlaubt, ist für jemanden in Lissabon wertlos. Und wer mit einem Team in einer anderen Zeitzone zusammenarbeitet, muss vorher wissen, ob feste Kernzeiten verlangt werden. Genau solche Angaben ziehen wir aus den Anzeigen heraus und machen sie filterbar, damit niemand sie im Kleingedruckten suchen muss. Gehaltsangaben zeigen wir an, wo sie vorhanden sind, da ist der Markt insgesamt aber noch sehr zurückhaltend.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Nomado24 aktuell im Fokus?

Zwei Dinge. Erstens entwickeln wir unseren KI-Karriereberater weiter: Er soll nicht nur Fragen beantworten, sondern das eigene Profil laufend mit den geprüften Stellen abgleichen und konkrete nächste Schritte vorschlagen – vom passenden Job bis zum Feinschliff der Bewerbung. Zweitens bereiten wir eine Coworking-Partnerschaft mit einem der größten Anbieter weltweit vor. Wenn sie live ist, findet man über Nomado24 nicht nur den Remote-Job, sondern bucht auch gleich den Arbeitsplatz dazu.

Wo soll Nomado24 in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Remote Work und digitale Arbeitswelten einnehmen?

Wir wollen im deutschsprachigen Raum die Adresse sein, bei der man sich auf die Angabe Remote verlassen kann. Und darüber hinaus die Plattform, die ortsunabhängiges Arbeiten komplett abdeckt: der geprüfte Job, der buchbare Arbeitsplatz und die KI-gestützte Beratung, die beides zusammenbringt. Wenn jemand in ein paar Jahren ortsunabhängig arbeiten will, soll der erste Schritt ganz selbstverständlich über Nomado24 führen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform für die Arbeitswelt von morgen entwickeln möchten?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst habt. Wir hätten den Unterschied zwischen echtem und behauptetem Remote nie so genau verstanden, wenn wir nicht selbst wochenlang danach gesucht hätten. Zweitens: Messt euren eigenen Bestand ehrlich, auch wenn das Ergebnis unangenehm ist. Unsere unbequemste Zahl ist inzwischen unser stärkstes Argument. Drittens: Redet früh mit Leuten, die euch widersprechen. Das ehrlichste Feedback kam bei uns nicht von Fans, sondern von Menschen, die uns erklärt haben, warum unser Plan noch nicht trägt.

Bild: Anton Petuchow und Lars Schreiner Bildcredits Nomado24 UG (haftungsbeschränkt)

Wir bedanken uns bei Anton Petuchow und Lars Schreiner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

allpacka: Klappbare Lastenbox macht das Fahrrad zum Alltagsallrounder

0
allpacka: Klappbarer Stauraum für das Fahrrad im Alltag Bild Die Gründer von allpacka (v. l. n. r.): Jonathan Vincentz, Daniela Weiß und Lukas Ludwig. Das Dresdner Start-up entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder und E-Bikes. Bildrechte: © 2026 allpacka GmbH

Das sächsische Hardware-Startup allpacka verwandelt das Fahrrad in einen flexiblen Packesel und schafft mit der allpacka One klappbaren Stauraum für den Alltag

Können Sie allpacka kurz vorstellen und erzählen, wie aus einer Alltagssituation auf einer Dresdner WG-Terrasse ein Unternehmen entstanden ist?

allpacka entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder. Sie bleibt dauerhaft und kompakt auf dem Gepäckträger montiert und lässt sich bei Bedarf innerhalb einer Sekunde zu einer 30 Liter großen Transportbox aufklappen. Sie trägt bis zu 20 Kilogramm und kann gleichzeitig mit vorhandenen Fahrradtaschen genutzt werden.

Die Idee entstand 2020 aus einer ganz alltäglichen Situation: Ich war mit dem Fahrrad unterwegs, mein Rucksack war bereits voll, meine Fahrradtaschen lagen zu Hause und trotzdem musste ich noch einkaufen. Gemeinsam mit meiner damaligen Mitbewohnerin und heutigen Mitgründerin Daniela Weiß fragte ich mich, warum spontaner zusätzlicher Stauraum am Fahrrad eigentlich so kompliziert sein muss.

Auf der Terrasse unserer Dresdner WG bauten wir daraufhin den ersten Prototyp aus Holz und Lkw-Plane. Was zunächst eine pragmatische Lösung für unseren eigenen Alltag war, wurde anschließend immer weiterentwickelt. Aus dem ersten Holzmodell entstanden 24 Prototypen, ein erteiltes deutsches Patent, mehr als 5.000 Testkilometer und eine Kickstarter-Kampagne mit über 1.100 Vorbestellungen. Aus einer Alltagssituation wurde so Schritt für Schritt ein Unternehmen und schließlich ein serienreifes Produkt.

Wer steht hinter allpacka, und welche Erfahrungen haben Sie auf dem Weg vom ersten Holzprototyp bis zur Serienfertigung gesammelt?

Hinter allpacka stehen meine Mitgründerin Daniela Weiß, mein Mitgründer Jonathan Vincentz und ich. Daniela verantwortet insbesondere die Produktentwicklung und die Überführung in die Serie. Jonathan kümmert sich schwerpunktmäßig um Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Meine Aufgaben liegen vor allem in der Konstruktion und der Projektkoordination. Unterstützt werden wir von einem Team und zahlreichen spezialisierten Partnern.

Auf dem Weg zur Serienfertigung mussten wir sehr unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden: Konstruktion, Materialauswahl, Fertigung, Finanzierung, Kommunikation, Lieferketten und Unternehmensaufbau. Gerade bei einem Hardware-Produkt greifen diese Themen unmittelbar ineinander.

Für mich war eine der wichtigsten Erkenntnisse, dass ein funktionierender Prototyp noch lange kein serienreifes Produkt ist. Ein Einzelstück kann man von Hand anpassen oder nacharbeiten. In der Serie müssen dagegen sämtliche Bauteile innerhalb klar definierter Toleranzen wiederholbar funktionieren. Dieser Übergang war deutlich umfangreicher und anspruchsvoller, als wir zu Beginn erwartet hatten.

Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig Ausdauer und ein verlässliches Team sind. Bei einer Hardware-Entwicklung lassen sich nicht alle Herausforderungen im Voraus erkennen. Entscheidend ist deshalb, Probleme frühzeitig anzusprechen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und die eigene Konstruktion immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Welche Vision verfolgen Sie mit allpacka, und wie möchten Sie den Transport mit dem Fahrrad langfristig einfacher und flexibler gestalten?

Unsere Vision ist es, den Transport mit dem Fahrrad so einfach zu machen, dass mehr Menschen im Alltag auf das Auto verzichten können. Viele Wege sind kurz genug, um sie mit dem Fahrrad zurückzulegen. Häufig scheitert es jedoch nicht an der Entfernung, sondern daran, wie Einkäufe, Pakete oder andere größere Gegenstände sicher und unkompliziert transportiert werden können.

Genau hier möchten wir mit allpacka ansetzen. Zusätzlicher Stauraum soll nicht erst lange geplant werden müssen. Er soll bereits am Fahrrad vorhanden sein und sich genau dann nutzen lassen, wenn er benötigt wird.

Langfristig möchten wir dazu beitragen, dass das Fahrrad nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als vielseitiges Transportmittel wahrgenommen wird. Dabei geht es uns nicht darum, Fahrradtaschen, Anhänger oder Lastenräder vollständig zu ersetzen. Wir möchten eine weitere praktische Lösung schaffen, die das vorhandene Fahrrad im Alltag vielseitiger macht.

Unser Ziel ist, dass Menschen bei einem Einkauf oder spontanen Transport nicht automatisch an das Auto denken, sondern zuerst überlegen, ob sie den Weg mit ihrem Fahrrad erledigen können.

An welche Zielgruppen richtet sich allpacka One, und welche Herausforderungen im Alltag möchten Sie mit Ihrer Lösung beseitigen?

Die allpacka One richtet sich insbesondere an Menschen, die ihr vorhandenes Fahrrad häufiger für Einkäufe, Arbeitswege und spontane Transporte nutzen möchten. Dazu gehören beispielsweise Menschen, die im Alltag regelmäßig kleinere und größere Dinge mit dem Fahrrad befördern, Pendlerinnen und Pendler, Familien und Studierende.

Viele bisherige Lösungen haben aus unserer Sicht einen Nachteil: Fahrradtaschen bieten zwar Stauraum, müssen aber mitgenommen oder von zu Hause geholt werden. Ein klassischer Fahrradkorb hat nur ein begrenztes Volumen und stört häufig beim Abstellen des Fahrrads. Anhänger und Lastenräder bieten viel Platz, benötigen jedoch zusätzliche Abstellfläche und sind nicht für jede Person oder jede Alltagssituation die passende Lösung.

Die allpacka One bleibt dagegen dauerhaft und kompakt auf dem Gepäckträger. Wird zusätzlicher Stauraum benötigt, lässt sie sich innerhalb einer Sekunde aufklappen. Im geschlossenen Zustand bleibt das Fahrrad handlich, und vorhandene Fahrradtaschen können weiterhin genutzt werden.

Damit möchten wir vor allem eine Alltagssituation lösen, die viele Menschen kennen: Man ist bereits mit dem Fahrrad unterwegs und stellt spontan fest, dass der vorhandene Stauraum für einen Einkauf oder Transport nicht ausreicht.

Vom ersten Prototyp bis zum marktreifen Produkt haben Sie zahlreiche Entwicklungsschritte durchlaufen. Welche Erkenntnisse haben diesen Weg besonders geprägt?

Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse war, dass ein gutes Produkt nicht allein am Schreibtisch entsteht. Es muss unter realen Bedingungen eingesetzt, belastet und immer wieder kritisch geprüft werden. Viele Details, die in einer Konstruktion zunächst sinnvoll erscheinen, zeigen ihre tatsächlichen Stärken und Schwächen erst im Alltag.

Deshalb haben wir die verschiedenen Prototypen intensiv getestet und das gewonnene Feedback direkt in die weitere Entwicklung einfließen lassen. Insgesamt sind wir mit den Prototypen mehr als 5.000 Kilometer gefahren.

Dabei wurde uns immer wieder deutlich, wie eng Konstruktion, Materialauswahl, Bedienbarkeit und Fertigung miteinander verbunden sind. Schon kleine Änderungen an einem Scharnier, einer Materialstärke oder einer Wabe können gleichzeitig Einfluss auf Stabilität, Gewicht, Klappverhalten und Montierbarkeit haben.

Wir haben deshalb gelernt, Entscheidungen nie nur aus einer einzelnen technischen Perspektive zu treffen. Entscheidend ist immer das Gesamtsystem: Wie verhält sich das Produkt im Alltag? Ist es einfach zu montieren? Lässt es sich intuitiv bedienen? Und kann es zuverlässig gefertigt werden?

Dieser ganzheitliche Blick auf das Produkt hat unseren Entwicklungsprozess besonders geprägt.

24 Prototypen, mehr als 5.000 Testkilometer und ein deutsches Patent sprechen für einen intensiven Entwicklungsprozess. Was macht allpacka One aus Ihrer Sicht heute besonders?

Besonders ist für uns die Verbindung aus kompakter Bauweise, hoher Flexibilität und unmittelbarem Alltagsnutzen. Die allpacka One bleibt dauerhaft auf dem Gepäckträger, nimmt im geschlossenen Zustand nur wenig Platz ein und schafft bei Bedarf innerhalb einer Sekunde 30 Liter zusätzlichen Stauraum.

Dadurch muss man sich nicht vor jeder Fahrt überlegen, ob man später vielleicht noch etwas transportieren möchte. Der zusätzliche Platz ist bereits am Fahrrad vorhanden. Gleichzeitig können Fahrradtaschen weiterhin verwendet werden.

Die 24 Prototypen und mehr als 5.000 Testkilometer zeigen, dass wir uns nicht mit einer grundsätzlich funktionierenden Lösung zufriedengegeben haben. Unser Anspruch war, ein Produkt zu entwickeln, das Leuten tatsächlich im Alltag hilft und angenehm zu benutzen ist.

Das erteilte deutsche Patent schützt den von uns entwickelten Klappmechanismus und unterstreicht, dass hinter der allpacka One eine eigenständige technische Lösung steht. Entscheidend ist für uns jedoch nicht allein die technische Besonderheit. Sie muss für die Nutzerinnen und Nutzer einen konkreten Vorteil schaffen. Genau das tut der Mechanismus, indem er zusätzlichen Stauraum innerhalb weniger Sekunden verfügbar macht.

Die Entwicklung eines Hardware-Produkts gilt als besonders anspruchsvoll. Welche Herausforderungen mussten Sie bis zur Serienproduktion meistern?

Bei einem Hardware-Produkt müssen sehr viele Bereiche gleichzeitig zusammenspielen. Neben der eigentlichen Konstruktion geht es um Materialauswahl, Belastbarkeit, Sicherheit, Fertigungsverfahren, Lieferketten, Kosten, Montage und Qualitätskontrolle.

Eine der größten Herausforderungen war der Schritt vom funktionsfähigen Prototyp zur reproduzierbaren Serienfertigung. Bei einem Prototyp lassen sich einzelne Bauteile noch von Hand anpassen. In der Serie müssen hingegen Tausende Teile zuverlässig zusammenpassen und gleichbleibend funktionieren.

Schon geringe Abweichungen können Auswirkungen auf das Klappverhalten, die Stabilität oder die Montage haben. Deshalb mussten wir sämtliche Bauteile, Verbindungen und Prozesse sehr genau definieren und wiederholt überprüfen.

Gleichzeitig darf das Produkt nicht nur technisch funktionieren. Es muss auch optisch gut ausschauen, intuitiv bedienbar sowie langlebig, montierbar und wirtschaftlich herstellbar sein. Diese unterschiedlichen Anforderungen miteinander zu verbinden, war eine der zentralen Aufgaben auf dem Weg zur Serienproduktion.

Hinzu kommt, dass bei Hardware Änderungen deutlich aufwendiger sind als bei einem digitalen Produkt. Eine Software lässt sich vergleichsweise kurzfristig aktualisieren. Bei einem Spritzgusswerkzeug oder einem bereits produzierten Bauteil sind Anpassungen wesentlich zeit- und kostenintensiver. Deshalb ist es besonders wichtig, Entscheidungen gründlich vorzubereiten, ohne dabei den Entwicklungsprozess unnötig zu verlangsamen.

Warum war es Ihnen wichtig, die Spritzgussteile in Deutschland fertigen zu lassen und die Endmontage in Dresden und Leipzig umzusetzen?

Die Fertigung der Spritzgussteile in Deutschland und die Endmontage in Dresden und Leipzig ermöglichen uns eine enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern. Gerade beim Aufbau einer neuen Serienproduktion sind kurze Abstimmungswege besonders wertvoll.

Anpassungen können schneller besprochen, Probleme frühzeitig erkannt und Prozesse gemeinsam optimiert werden. Gleichzeitig können wir die Qualität der einzelnen Komponenten sowie des fertigen Produkts eng begleiten.

Die Nähe zur Fertigung hilft uns außerdem dabei, Erfahrungen aus der Produktion unmittelbar in die weitere Produktentwicklung einfließen zu lassen. Wenn sich während der Montage zeigt, dass ein Arbeitsschritt verbessert werden kann, können wir direkt darauf reagieren.

Darüber hinaus war es uns wichtig, möglichst viel Wertschöpfung in Deutschland beziehungsweise regional abzubilden. Deshalb sind wir stolz darauf, dass die Endmontage in Leipzig und Dresden erfolgt und sich daher für uns ein Stück weit der Kreis vom ersten Holzprototyp auf der WG-Terrasse bis zum fertigen Serienprodukt schließt.

Mit über 1.100 Vorbestellungen auf Kickstarter haben Sie früh großes Interesse geweckt. Welche Bedeutung hatte dieses Feedback für die Weiterentwicklung Ihres Produkts?

Die mehr als 1.100 Vorbestellungen waren für uns eine sehr wichtige Bestätigung. Als Gründerteam kann man von der eigenen Idee überzeugt sein. Entscheidend ist aber, ob auch Menschen außerhalb des eigenen Umfelds darin einen echten Mehrwert erkennen und bereit sind, für das Produkt zu bezahlen.

Als die Zahl der Vorbestellungen während der Kampagne immer weiter stieg, war das für uns ein überwältigender Moment. Zu spüren, dass so viele Menschen unser Produkt wollen und dass wir tatsächlich einen Nerv mit der allpacka One treffen, war ein super Gefühl.

Die Kickstarter-Kampagne hat uns aber nicht nur Nachfrage gezeigt. Wir haben auch viele Fragen, Hinweise und konkrete Anwendungsfälle aus der Community erhalten. Dadurch konnten wir noch besser verstehen, welche Erwartungen Menschen an die allpacka One haben und welche Details im Alltag besonders relevant sind.

Dieses Feedback ist direkt in die Finalisierung eingeflossen. Gleichzeitig hat uns die Kampagne die Sicherheit gegeben, dass wir nicht nur ein persönliches Problem lösen, sondern eine Herausforderung, die auch viele andere Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer kennen.

Welche nächsten Meilensteine stehen für allpacka nach dem Start der Serienproduktion auf Ihrer Roadmap?

Der nächste große Meilenstein ist die zuverlässige Auslieferung an unsere Kickstarter-Unterstützerinnen und -Unterstützer sowie an unsere Vorbestellerinnen und Vorbesteller. Parallel dazu bauen wir die Fertigungs-, Montage- und Qualitätssicherungsprozesse in Dresden und Leipzig stabil auf.

Gerade in der ersten Serienphase ist es für uns entscheidend, eine gleichbleibend hohe Produktqualität zu gewährleisten und aus den tatsächlichen Produktionsabläufen zu lernen. Gleichzeitig werden wir das Feedback der ersten Nutzerinnen und Nutzer sehr genau auswerten.

Dieser reale Alltagseinsatz ist für die weitere Entwicklung besonders wertvoll. Er zeigt uns, wie die allpacka One mit ganz unterschiedlichen Fahrrädern, in verschiedenen Regionen und Nutzungssituationen eingesetzt wird und an welchen Stellen wir das Produkt oder die begleitenden Prozesse weiter verbessern können.

Anschließend möchten wir unsere Bekanntheit weiter ausbauen, den Direktvertrieb stärken und gezielt neue Handelspartner gewinnen. Darüber hinaus sehen wir Potenzial für zusätzliches Zubehör und weitere Produkte, die das flexible Transportieren mit dem Fahrrad noch einfacher machen.

Unser langfristiges Ziel ist nicht, bei einem einzelnen Produkt stehen zu bleiben, sondern rund um den Fahrradtransport ein durchdachtes und aufeinander abgestimmtes Angebot aufzubauen.

Wo soll allpacka in fünf Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich nachhaltiger Mobilitätslösungen einnehmen?

In fünf Jahren soll allpacka zu den etablierten Marken für flexible Transportlösungen am Fahrrad gehören. Unser Ziel ist, dass die allpacka One für viele Menschen zu einer selbstverständlichen Möglichkeit wird, Einkäufe und andere Gegenstände mit ihrem vorhandenen Fahrrad zu transportieren.

Gleichzeitig möchten wir unser Angebot weiterentwickeln und zusätzliche Lösungen schaffen, die den praktischen Nutzen des Fahrrads im Alltag erhöhen. Dabei wollen wir nicht nur ein einzelnes Produkt verkaufen, sondern eine Marke aufbauen, die für durchdachte, langlebige und einfach nutzbare Fahrradtransportlösungen steht.

Wir möchten zeigen, dass nachhaltige Mobilität nicht kompliziert oder mit großen Einschränkungen verbunden sein muss. Gute Lösungen müssen vor allem zuverlässig funktionieren, sich selbstverständlich in den Alltag integrieren lassen und einen spürbaren Mehrwert bieten.

Unsere Rolle sehen wir darin, das vorhandene Fahrrad vielseitiger zu machen. Nicht jeder Mensch benötigt ein Lastenrad oder möchte einen Anhänger abstellen. Sehr viele Menschen besitzen jedoch bereits ein Fahrrad. Wenn wir dazu beitragen können, dass dieses Fahrrad häufiger für Einkäufe und Transporte genutzt wird, leisten wir einen konkreten Beitrag zu einer flexibleren und nachhaltigeren Alltagsmobilität.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Hardware-Startup von der ersten Idee bis zur Serienproduktion aufbauen möchten?

Mein erster Rat ist, so früh wie möglich einen funktionierenden Prototyp zu bauen und ihn unter realen Bedingungen zu testen. Ein einfacher Prototyp, der tatsächlich genutzt wird, liefert häufig mehr Erkenntnisse als eine Idee, die über einen langen Zeitraum nur theoretisch perfektioniert wird. Wichtig ist dabei, nicht zu lange am ersten Lösungsansatz festzuhalten, sondern bewusst ehrliches Feedback einzuholen und Schwächen des Prototyps anzuerkennen.

Mein zweiter Rat ist, ausreichend Zeit und finanzielle Reserven für die Überführung zu einem Serienprodukt einzuplanen. Wir haben selbst erlebt, dass der Weg von einem guten Prototyp zu einem serienreifen Produkt zeitlich oft nur schwer abschätzbar ist. Fertigung, Werkzeuge, Lieferketten, Toleranzen, Qualitätssicherung und Montage sollten deshalb so früh wie möglich mitgedacht werden.

Mein dritter Rat ist, offen mit Rückschlägen umzugehen und konsequent weiterzulernen. Ausdauer, ein verlässliches Team und die Bereitschaft, die eigene Lösung immer wieder kritisch zu hinterfragen, sind aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie die ursprüngliche Produktidee.

Bild Die Gründer von allpacka (v. l. n. r.): Jonathan Vincentz, Daniela Weiß und Lukas Ludwig. Das Dresdner Start-up entwickelt mit der allpacka One eine klappbare Lastenbox für Fahrräder und E-Bikes. Bildrechte: © 2026 allpacka GmbH

Wir bedanken uns bei Lukas Ludwig für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Es gibt keine Freiheit von Männern, wenn Frauen nicht frei sind

0
Freiheit im Iran: Daniela Sepehri im herCAREER Gespräch Bild Daniela Sepehri Freie Journalistin und Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln © Nassim Rad

Sie ist 28, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin – und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. Daniela Sepehri wuchs als Tochter geflüchteter iranischer Eltern in Paderborn auf und wurde durch die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung politisiert. Im Gespräch mit herCAREER erklärt sie, warum echte Solidarität nie nur die eigene Freiheit im Blick haben darf – und wie jede und jeder von uns die Freiheitskämpfe dieser Welt sichtbarer machen kann.

„Die Regierung tut oft so, als wären Menschenrechte ein Beilagensalat. Aber Menschenrechte sind die Hauptspeise.“

herCAREER: Daniela, dein Buch feiert Menschen, die ungeheuren Mut aufbringen. Viele riskieren im Iran für die Freiheit ihr Leben. Was bedeutet Freiheit für dich?

Daniela Sepehri: Azadi, das persische Wort für Freiheit, war mein erstes Tattoo. Als Jugendliche habe ich zuhause in Paderborn rebelliert, weil mein Bruder viel mehr Freiheiten hatte als ich. Aber so richtig habe ich mich mit dem Wunsch nach Freiheit zum ersten Mal beschäftigt, als 2017, 2018 Proteste im Iran ausgebrochen sind und besonders, als 2019 Proteste blutig niedergeschlagen wurden.

herCAREER: Du bist Menschenrechtsaktivistin und freie Journalistin, du bist jetzt 28 und hast dein erstes Buch geschrieben – der Titel ist ein Appell: „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet.“ Was hat dich so früh politisiert?

Daniela Sepehri: Ich bin eine iranische Frau in Deutschland. Ich bin links. Und ich bin das Kind von geflüchteten Eltern, die der christlichen Minderheit im Iran angehören.

herCAREER: Dein Vater ist evangelischer Pastor, er war im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert.

Daniela Sepehri: Ja. Dass ich lebe, ist politisch. Und das habe ich früh gemerkt.

herCAREER: Wodurch? Und: Hast du heute einen deutschen Pass?

Daniela Sepehri: Ich bin mit sieben Jahren eingebürgert worden. Ich bin zwar hier geboren, aber vor 2000, deshalb war ich nicht mit der Geburt deutsche Staatsbürgerin. Meine Eltern mussten für mich noch einen Asylantrag stellen, sonst hätte ich mit 18 Jahren abgeschoben werden können. Bei uns zu Hause wurde immer über die aktuelle Lage im Iran und auf der Welt diskutiert. Als ich mit vier Jahren mit meiner Gitarre auf dem Rücken zum Musikunterricht gegangen bin, hat meine Mama mal gesagt: „Weißt du, im Iran hätte ich nicht so mit einem Musikinstrument durch die Straßen gehen können.“ Sie wollte mir kein schlechtes Gefühl vermitteln, aber sie hat mir von klein auf bewusst gemacht, was ich hier für Freiheiten habe und dass ich sie nutze. Und man bekommt dann auch schnell Sachen mit.

herCAREER: Zum Beispiel?

Daniela Sepehri: Ich habe für meine Eltern und für Leute aus der Gemeinde schon als Kind Behördenbriefe übersetzt und war mit in Geflüchteten-Unterkünften – ich fand da vieles ungerecht. Ich weiß noch, wie ich an meiner katholischen Mädchenschule mal ein Referat darüber gehalten habe, dass in der Islamischen Republik Iran Mädchen ab 9 Jahren und Jungs ab 15 zum Tode verurteilt werden können. Meine Lehrerin hat das nicht geglaubt. Diese Diskrepanz zwischen dem, was ich von zuhause wusste, und meiner Realität in der Schule hat mich auch politisiert.

herCAREER: Im September 2022 wurde Jina Mahsa Amini von der iranischen Sittenpolizei so schwer verletzt, dass sie gestorben ist. Was hat das bei dir ausgelöst?

Daniela Sepehri: Im Sommer war schon eine andere Studentin festgenommen worden, der man ihre Misshandlungen ansehen konnte, als sie im Staatsfernsehen vorgeführt wurde. Dann die Bilder von Jina im Krankenhaus … Ich war so wütend und gleichzeitig habe ich mich so ohnmächtig gefühlt. Das waren Studentinnen wie ich. Also habe ich etwas bei Insta gepostet und dachte, das wird sowieso wieder niemanden interessieren. Als dann die Meldung von Jinas Tod kam, musste ich etwas tun. Ich habe am Brandenburger Tor eine Demo angemeldet, ein paar Bilder auf A3 gedruckt, Kerzen aufgestellt, dann habe ich mit so einem Spielzeug-Megafon eine kleine Rede vom Handy abgelesen, und als ich hochgeschaut habe, war ich total überrascht, wie viele Menschen da waren. Gleichzeitig bekam der Insta-Post immer mehr Reichweite. Da habe ich gemerkt, huch, man interessiert sich in Deutschland dafür, was im Iran passiert.

herCAREER: „Frau, Leben, Freiheit“, der Slogan der Protestbewegung, wurde weltweit aufgegriffen. Im Westen wurde dabei stark aufs Kopftuch geguckt. Wie siehst du das?

Daniela Sepehri: Das Regime im Iran ist ein System der Gender-Apartheid. Es funktioniert über Kontrolle. Man muss verstehen, dass der Kopftuch-Zwang ein Symbol der Unterdrückung der gesamten Bevölkerung ist. Es gibt aber auch Frauen, die freiwillig Kopftuch tragen. Im Herbst 2022 haben die Rechten bei uns versucht, die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung zu instrumentalisieren, um das Kopftuch hier verbieten zu lassen. Aber wer Frauen das Kopftuch verbieten will, unterscheidet sich nicht von denen, die ihnen das Kopftuch aufzwingen. Beides ist ein Eingriff in die Freiheit und Selbstbestimmung. Deshalb haben bei den Protesten im Iran auch Frauen mit und ohne Hijab Hand in Hand dafür demonstriert, selbst entscheiden zu können. Ich habe mich durch die Bewegung auch gefragt: Welchen Preis hat Freiheit? Um wessen Freiheit geht es uns eigentlich?

herCAREER: Und?

Daniela Sepehri: Ich habe mal Jugendliche einer 8. Klasse gefragt: „Was glaubt ihr, warum gehen Männer auf die Straße und rufen ‚Frau, Leben, Freiheit‘, obwohl sie dafür hingerichtet werden können?“ Ein Junge hat, ohne zu zögern, gesagt: „Wenn wir Männer die ganze Zeit für die Frauen bestimmen müssen, ist das ja auch mega viel Druck für die Männer. Deshalb ist es auch für die Männer gut, wenn Frauen Freiheit haben.“ Natürlich ist das vereinfacht, aber er hat verstanden: Es gibt keine Freiheit von Männern, wenn Frauen nicht frei sind. Und ich gehe sogar einen Schritt weiter. „Frauen, Leben, Freiheit“ ist ja eine sehr intersektionale Parole …

herCAREER: „Jin, Jiyan, Azadi“ kommt aus dem Kurdischen.

Daniela Sepehri: Ja, die Parole wurde 2014 prominent, als kurdische Frauen den Islamischen Staat bekämpft haben. Dass kurdische Frauen 2022 nach Jina Mahsa Aminis Ermordung das ganze Land auf die Straße gebracht haben, dafür rächt sich das Regime bis heute. In Kurdistan ist die Gewalt am brutalsten. Aber was ich von den Menschen im Iran eindeutig gelernt habe: Alle progressiven politischen Bewegungen sind miteinander verknüpft. Das spiegelt sich in der Freiheitsbewegung. Es gibt keine Freiheit im Iran ohne die Freiheit von Frauen, ohne die Freiheit von ethnisch oder religiös marginalisierten Gruppen, ohne die Freiheit von queeren Menschen, von Arbeiter:innen oder Studierenden. Die Freiheitsbewegung, der Kampf gegen die Todesstrafe, die Klimabewegung – das hängt alles zusammen, und die Menschen wissen, sie müssen zusammenstehen.

herCAREER: Was können wir in Deutschland davon lernen?

Daniela Sepehri: Dass wir die feministische Bewegung nicht losgelöst vom Recht auf Asyl betrachten, die Klimabewegung nicht ohne Blick auf Arbeiter:innenrechte. Wir kommen weiter, wenn wir uns solidarisieren, auch international.

herCAREER: Im Iran kämpfen die Menschen schon über ein halbes Jahrhundert für Freiheit, erst gegen die Monarchie, dann gegen die Mullahs und jetzt richtet sich der Kampf vor allem gegen die Revolutionsgarden. Was macht die Frauen im Iran dabei zu so einer starken Kraft?

Daniela Sepehri: Vielleicht ist das purer Überlebensinstinkt. Viele haben das Gefühl, sie haben nichts mehr zu verlieren. Eine Freundin, die Anfang des Jahres bei den Protesten dabei war, meinte vorher zu mir: „Was wollen die machen? Mich umbringen? Ich sterbe jeden Tag.“ Ich glaube, in dem Moment, in dem eine Frau beschließt, für ihre Rechte zu kämpfen, sollten sich autoritäre Rechte und Diktatoren warm anziehen. Weltweit gibt es zwar gerade einen Backlash gegen Frauenrechte, aber zugleich verteidigen Frauen überall ihre Rechte furchtloser und mutiger als je zuvor.

herCAREER: 2003 hat Shirin Ebadi den Friedensnobelpreis bekommen, zwanzig Jahre später Narges Mohammadi. Auch Mohammadis Mann war 14 Jahre im Gefängnis und lebt heute mit den Kindern im Exil in Paris. Sie ist im Iran geblieben und ist dort mehr im Gefängnis als in Freiheit. Woher nehmen die Menschen ihren langen Atem?

Daniela Sepehri: Ich glaube, man kann das von außen nicht nachempfinden. Vermutlich würde jedes demokratische Land der Welt Narges Mohammadi mit Kusshand aufnehmen. Aber sie hat sich entschieden, für die Hoffnung auf Freiheit im Iran zu bleiben, und sie ist nicht die einzige. Die Menschen wissen, dass niemand sonst ihre Freiheit erkämpfen wird.

herCAREER: Du stellst die Proteste in einen Zusammenhang mit anderen Freiheitsbestrebungen, etwa in Afghanistan, Gaza und Syrien. Was verbindet diese Kämpfe und warum fällt es uns in Europa so schwer, sie gemeinsam zu denken?

Daniela Sepehri: Diese Kämpfe verbindet der Wunsch von Menschen nach einem Leben in Würde, in Freiheit und Sicherheit. Es hat lange gedauert, bis man im Westen verstanden hat, die Islamische Republik Iran kann man nicht mit den Menschen im Iran gleichsetzen. In Gaza und im Libanon werden die Menschen immer noch mit der Hamas und der Hisbollah gleichgesetzt. Ich erlebe das selbst. Wenn ich mich für die Menschen in Gaza einsetze, werde ich beschimpft, sogar von Teilen der iranischen Diaspora.

herCAREER: Was werfen sie dir vor?

Daniela Sepehri: Dass ich eine Antisemitin sei und eine Mullah-Anhängerin.

herCAREER: Das sind Vorwürfe aus der iranischen Community in Deutschland?

Daniela Sepehri: Ja. Einige glauben an das Motto „Der Feind meiner Feinde ist mein Freund“ und übernehmen dann Benjamin Netanjahus Narrativ zu Gaza. Dabei profitiert das Terrorregime im Iran davon, dass es Krieg zwischen Israel und der Hamas und der Hisbollah gibt. Die ganze Ideologie, dass Israel zerstört werden müsse, würde nicht mehr aufgehen, wenn wir eine Zweistaatenlösung hätten und alle Staaten friedlich miteinander leben könnten. Ich wünschte auch, in den deutschen Medien würden häufiger progressive Stimmen aus Israel zu Wort kommen, es gibt dort genug Menschen, die sagen, was in Gaza passiert, ist ein Genozid. Wenn ich mich für Freiheit im Iran einsetze, kann ich die Freiheit und Sicherheit von Menschen anderswo nicht ausblenden, egal ob es jetzt um Palästina oder Israel geht.

herCAREER: Apropos Medien: Du plädierst im Buch für eine andere Berichterstattung.

Daniela Sepehri: Ich schlage vor, in jedem Artikel, der zum Thema Iran geschrieben wird, noch einen Satz zur Menschenrechtslage zu schreiben. Das wäre schon mal etwas.

herCAREER: Spiegelt sich da dein Buchtitel „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet“? Zitierst du mit dem Titel jemanden?

Daniela Sepehri: Ich habe das so oder ähnlich rund um die Proteste oft gehört. Die Menschen erleben, dass die Aufmerksamkeit nicht von Dauer ist – und in dem Moment, wo niemand mehr hinschaut, fängt das Morden richtig an. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres hat das Regime mehr als 800 Menschen hingerichtet.

herCAREER: Bei Instagram die Geschichten zu teilen, wird von manchen als Hashtag- oder Sofa-Aktivismus kritisiert. Du siehst das positiver.

Daniela Sepehri: Ein Name, den die Welt kennt, ist ein Mensch, den das Regime nicht so einfach verschwinden lassen kann. Es muss Konsequenzen fürchten. Und auch bei denen, die getötet werden, hilft es, sich an die Namen und damit an die Verbrechen des Regimes zu erinnern. Eines Tages wird es darum gehen, diese Verbrechen vor einem internationalen Gericht aufzuarbeiten.

herCAREER: Nachdem Donald Trump den Krieg begonnen hatte, ist sehr schnell die wirtschaftliche Lage bei uns in den Fokus gerückt. Hat dich das frustriert?

Daniela Sepehri: Ich kann es verstehen, wenn Menschen Sorge haben, wenn alles teurer wird. Und ich erwarte von der Politik, dass sie sich dieser Sorgen annimmt, denn sie sind absolut berechtigt. Was ich nicht verstehe, ist, wenn sich medial und politisch alles nur noch darum dreht, und die Freiheitsbewegung im Iran, mit der man sich vor wenigen Monaten noch solidarisiert hat, direkt in Vergessenheit gerät – oder wenn man, wie ich von einem EU-Diplomaten im Interview gehört habe, sogar erleichtert ist, dass die türkische Grenze zum Iran dicht ist, um keine Geflüchteten der Freiheitsbewegung aufnehmen zu müssen.

herCAREER: Findest du das nur zynisch oder macht dich das auch selbst zynisch?

Daniela Sepehri: Ich bin Optimistin und zutiefst überzeugt, wir können Dinge zum Besseren verändern. Ich bin auch überzeugt, sehr viele Probleme würden sich von selbst lösen, wenn wir die Menschenrechte bei jeder politischen Entscheidung und jeder politischen Handlung ins Zentrum stellen würden.

herCAREER: Was stellst du dir vor?

Daniela Sepehri: Dass wir nicht nur diskutieren, ob Überreiche von der Krise profitieren, sondern darüber nachdenken, wie wir Menschen, denen es finanziell nicht gut geht, helfen können. Dass wir nicht fragen, wer „die Drecksarbeit“ für wen macht (Anm. d. Red.: Kanzler Merz hat 2025 gesagt, Israel mache im Iran „die Drecksarbeit für uns alle“), sondern darüber nachdenken, wie wir Zivilist:innen schützen können. Die Regierung tut oft so, als wären Menschenrechte ein Beilagensalat. Aber Menschenrechte sind die Hauptspeise. Stell dir vor, die Bundesregierung würde ihre Politik in jedem Ressort davon leiten lassen: eine Innen-, Sozial- und Gesundheitspolitik, die sich an Menschen und Menschenrechten orientiert, eine menschenrechtsgeleitete Politik bei den Themen Wirtschaft, Asyl und Klima – die Welt ist schon in meinen Gedanken so viel schöner.

Das Interview führte die freie herCAREER-Redakteurin Silvia Feist.

Daniela Sepehri wird am 22. Oktober 2026 um 11.40 Uhr beim Authors-MeetUp live Fragen beantworten zum Thema Freiheit und Menschenrechte und zu ihrem Buch „Wenn ihr wegseht, werden wir getötet“ (im Handel ab 19. August).

Bild Daniela Sepehri Freie Journalistin und Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln © Nassim Rad

Quelle messe.rocks GmH

frauwenk steigt als PR-Partner bei KI Palooza ein

0
frauwenk begleitet KI Palooza für Industrie und Mittelstand Bildunterschrift (v. l. n. r.): Omer Madani (Co‑Founder KI Palooza), Alexander Becker (Chief of Storytelling & Media Strategy, frauwenk; im Hintergrund), Miriam Graf (Chief of Strategy & Client Services, Regional Director Berlin, frauwenk), Claudia Bechstein (Co‑Creator KI Palooza); Fotografin: Katharina Waterkamp

KI Palooza setzt auf frauwenk für Kommunikation und Positionierung

KI Palooza, das zweitägige KI-Festival für Industrie und Mittelstand in Stuttgart, holt sich frauwenk an Bord. Die strategische Kommunikationsberatung gestaltet für die diesjährige Ausgabe Narrativ und Positionierung – mit dem Ziel, zu zeigen, dass KI in mittelständischen Unternehmen Produktivität steigert, Kosten senkt und Umsetzung beschleunigt. frauwenk übernimmt die Kommunikation rund um das Festival – von der Profilschärfung über die Speaker-Akquise bis zur Medienpartnerentwicklung.

KI Palooza bringt am 29. und 30. September 2026 in Stuttgart Entscheider:innen und Umsetzungsteams aus Industrie und Mittelstand mit europäischen Technologie- und Lösungsanbietern zusammen. Erwartet werden 1.000 Teilnehmende, 60 Speaker und 70 Aussteller auf zwei Bühnen.

„Wer KI in Industrie und Mittelstand verankern will, braucht mehr als Demos und Panels, es braucht eine Geschichte, die Entscheider:innen überzeugt. Für KI Palooza entwickeln wir das Narrativ und die Kommunikationsstrategie, die Technologie in Geschäftslogik übersetzt“, sagt Miriam Graf, Chief of Strategy & Client Services bei frauwenk.

„Wir bauen KI Palooza als Festival, das Umsetzung möglich macht. Mit frauwenk gewinnen wir einen Partner, der KI-Themen so erzählt, dass Unternehmen ins Handeln kommen“, sagt Omer Madani, Co-Founder der KI Palooza.

KI Palooza bringt Industrie und Mittelstand zusammen

KI Palooza bringt am 29. und 30. September 2026 in Stuttgart Entscheider:innen und Umsetzungsteams aus Industrie und Mittelstand mit europäischen Technologie- und Lösungsanbietern zusammen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Anwendungsfälle, der Austausch zwischen Unternehmen und die praktische Umsetzung von KI-Projekten.

Von Olympiasieger bis Chief AI Officer

Zu den ersten bestätigten Speaker:innen gehören Dina Reit (CEO, SK LASER GmbH), Robert Harting (Olympiasieger, dreifacher Weltmeister und Gründer des Holi Collective), Lenhard Kerscher (CIO, Kärcher) sowie Nils O. Janus (Chief AI Officer, Covestro). Weitere Speaker:innen und Programmpunkte folgen laufend. Sie alle eint der Fokus darauf, wie aus Ideen konkrete nächste Schritte werden.

Starke Partner unterstützen das KI Festival

Als Partner sind Merantix Momentum, bigFM, Personio, BTC, der VfB Stuttgart und der Konradin Verlag dabei.

Bild Bildunterschrift (v. l. n. r.): Omer Madani (Co‑Founder KI Palooza), Alexander Becker (Chief of Storytelling & Media Strategy, frauwenk; im Hintergrund), Miriam Graf (Chief of Strategy & Client Services, Regional Director Berlin, frauwenk), Claudia Bechstein (Co‑Creator KI Palooza); Fotografin: Katharina Waterkamp

Quelle Agentur frauwenk

Lichtwart bringt GS1 Standards in den digitalen Gebäudebetrieb

0
Lichtwart setzt auf GS1 Standards für Gebäudeautomation Pressefoto: Das Gründerteam von Lichtwart. Von links nach rechts: Johannes Mailänder (CMO), Jackson Bond (CSO) und Gregor Giataganas (CEO) - Bildrechte: Lichtwart GmbH

Lichtwart erhält Investment von butterfly & elephant

Lichtwart macht ein aus dem Smart Home bekanntes Prinzip für Gewerbeimmobilien nutzbar: Mit seiner IoT-Plattform ermöglicht das Herforder PropTech, technische Anlagen in Filial- und Standortnetzen zentral zu überwachen, zu steuern und zu automatisieren. An dem Startup beteiligt sich nun butterfly & elephant, der Accelerator und Investmentarm von GS1 Germany. Gemeinsames Ziel ist es, etablierte GS1 Standards in der digitalen Gebäudetechnik einzusetzen, damit technische Assets und Standorte eindeutig identifiziert und ihre Daten über die Lichtwart-Plattform hinaus genutzt werden können.

„Lichtwart zeigt, wie sich Gebäudetechnik vom einzelnen Standort bis zum großen Filialnetz digital steuern lässt. Mit GS1 Standards geben wir dieser Plattform eine gemeinsame Sprache, die über System- und Unternehmensgrenzen hinweg verstanden wird“, sagt Benjamin Birker, Managing Director bei butterfly & elephant.

Gebäudeautomation für Tankstellen, Supermärkte und Filialnetze

Ein überwiegender Teil kleiner und mittlerer Gewerbeimmobilien wird bislang ohne automatisiertes Gebäudemanagement betrieben. Dabei sind klassische Systeme für Unternehmen mit vielen Standorten in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht darstellbar. In der Folge bleiben Störungen häufig unerkannt, während Servicetechniker wichtige Informationen erst vor Ort erhalten.

Diese Lücke schließt Lichtwart mit einem IoT-Controller, der sich innerhalb von Minuten installieren lässt und ohne aufwendige Vor-Ort-Programmierung auskommt. Die Lösung kann dabei über zahlreiche Standorte ausgerollt werden und schafft eine durchgängige Sicht auf den Betrieb sowie Energieverbräuche. Auf diese Weise senken Betreiber ihren Betriebsaufwand deutlich und heben Effizienzen durch automatische Störungsmeldungen an die richtigen Servicekräfte.

„Unsere Kunden sehen mit Lichtwart erstmals, was an ihren Standorten tatsächlich passiert – und zwar in Echtzeit“, sagt Gregor Giataganas, CEO und Mitgründer von Lichtwart. „Damit können Betreiber früher reagieren und ihre Standorte über Filialen hinweg effizienter organisieren. Und das bedeutend günstiger als mit vielen bekannten Systemen zur Gebäudeautomatisierung.“

GS1 Standards schaffen eine digitale Identität für technische Assets

Lichtwart verbindet technische Anlagen bereits heute mit einer cloudbasierten Serviceplattform, die Verbräuche und Zustände zentral verfügbar macht. Innerhalb der Plattform sind Anlagen, Standorte und die zugehörigen Vorgänge bereits eindeutig miteinander verknüpft.

Gemeinsam mit butterfly & elephant wird diese Logik künftig über das Lichtwart-System hinaus erweitert, indem etablierte GS1 Standards auf die technische Infrastruktur von Gebäuden übertragen werden. Über GIAI (Global Individual Asset Identifier) erhält jedes technische Asset dabei eine weltweit eindeutige Kennung, während die GLN (Global Location Number) seinen Standort identifiziert. Auf dieser Basis bildet EPCIS (Electronic Product Code Information Services) eine gemeinsame Datenstruktur, über die Betriebs-, Wartungs- und Sensordaten zwischen verschiedenen Systemen ausgetauscht werden können.

Gemeinsame Standards für vernetzte Gebäudetechnik

Auf diese Weise bleibt die Verbindung zwischen einer Anlage, ihrem Standort und den zugehörigen Informationen auch dann erhalten, wenn Daten in andere Anwendungen einfließen oder zwischen Unternehmen weitergegeben werden. Betreiber und Servicepartner können sich damit systemübergreifend auf dasselbe Asset beziehen, was die Einbindung der Daten in betriebliche Prozesse erleichtert.

Genau darin liegt die gemeinsame Perspektive der Beteiligung: Lichtwart macht technische Anlagen und ihre Betriebsdaten digital zugänglich, GS1 Germany sorgt mit etablierten Standards dafür, dass diese Informationen auch über Systemgrenzen hinweg eindeutig zugeordnet und weiterverwendet werden können.

„Gebäude werden künftig ähnlich betrieben wie moderne Rechenzentren: Sie melden ihren Zustand selbst und liefern die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an die richtigen Servicepartner. Mit butterfly & elephant etablieren wir Standards für die digitale Identität technischer Infrastruktur und machen damit den Betrieb von Millionen Bestandsgebäuden einfacher, nachhaltiger und wirtschaftlicher“, ergänzt Giataganas.

Bild Pressefoto: Das Gründerteam von Lichtwart. Von links nach rechts: Johannes Mailänder (CMO), Jackson Bond (CSO) und Gregor Giataganas (CEO) – Bildrechte: Lichtwart GmbH

Quelle GS1 Germany GmbH

Valuezon und metoda schließen sich zusammen

0
Marktplatzmanagement: Valuezon und metoda bündeln Kompetenzen Die vier Geschäftsführer der neuen Averest Consulting GmbH: Dr. Hanno Deyle, Robert Schmidtke, Stefan Bures, Frieder Kuhn Geschäftsführer Averest

Neues Unternehmen Averest Consulting GmbH setzt auf technologie- und datenbasiertes Marktplatzmanagement

München, 29.07.2026 – Die beiden auf E-Commerce und Marktplätze spezialisierten Unternehmen Valuezon und metoda bündeln ihre Kräfte. Mit dem Zusammenschluss entsteht ein neuer Anbieter, der strategische Beratung, operative Marktplatzexpertise, proprietäre Daten und technologische Innovation miteinander verbindet. Das gemeinsame Ziel: Unternehmen künftig noch umfassender und erfolgreicher auf Amazon und weiteren Online-Marktplätzen zu begleiten.

Technologie und Beratung als Erfolgsfaktor für Marktplätze

„Wir glauben an die technologiebasierte Beratung der Zukunft“, erklärt Frieder Kuhn, Geschäftsführer und Gründer von Valuezon. „Erfolgreiches Marktplatzgeschäft braucht heute weit mehr als Erfahrung oder Software allein. Erst das Zusammenspiel aus fundierter Beratung, tiefem Plattformwissen und intelligenter Technologie schafft nachhaltigen Erfolg.“

Valuezon und metoda bündeln ihre Kompetenzen

Valuezon hat sich in den vergangenen Jahren als Beratung für datengetriebene Strategien und Full Service für Seller & Vendoren auf Amazon etabliert. Einzigartig an Valuezon ist, dass die beiden Gründer, Frieder Kuhn und Dr. Hanno Deyle, erst ihre eigene Schlafmarke auf Amazon auf mehr als 10 Millionen Euro Umsatz skalierten, bevor sie ihr Know-how in einer Agentur bündelten und seither an Kunden weitergeben.

metoda, gegründet 2012 von Stefan Bures und Robert Schmidtke, ergänzt diese Kompetenzen mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung datenbasierter Softwarelösungen und innovativer Analyseplattformen für den E-Commerce.

Daten, KI und Beratung für nachhaltiges Wachstum

„Im Mittelpunkt steht künftig ein Beratungsmodell, das menschliche Expertise mit datengetriebenen Analysen, intelligenten Tools und modernen Technologien verbindet. Ziel ist es, Kunden schneller zu besseren Entscheidungen zu verhelfen und nachhaltiges Wachstum auf Amazon und weiteren Online-Marktplätzen zu ermöglichen“, so Stefan Bures, CEO und Gründer von metoda.

Unternehmen profitieren künftig von einer noch engeren Verzahnung zwischen strategischer Beratung, operativer Umsetzung und technologischer Unterstützung. Datenanalysen, KI-gestützte Prozesse und eigens entwickelte Tools werden dabei helfen, Marktpotenziale schneller zu erkennen, Entscheidungen fundierter zu treffen und Wachstumschancen effizienter zu nutzen.

Gemeinsame Vision für den Ausbau der Marktplatzexpertise

Die gemeinsame Vision ist klar definiert: Valuezon und metoda wollen den führenden Marktplatzexperten in Deutschland aufbauen und Unternehmen ganzheitlich bei ihrer Entwicklung auf Amazon sowie weiteren internationalen Marktplätzen begleiten.

Bild Die vier Geschäftsführer der neuen Averest Consulting GmbH: Dr. Hanno Deyle, Robert Schmidtke, Stefan Bures, Frieder Kuhn

Quelle Valuezon

fieldbrain: KI-Plattform schließt Datenlücke im Außendienst

0
fieldbrain: KI bringt Kundenwissen aus dem Vertrieb ins CRM Founder Team Bil

Das Münchner Startup fieldbrain bringt strukturierte Daten in den Außendienst und wandelt kurze Sprachnotizen aus dem Vertrieb automatisch in wertvolles Kundenwissen direkt im CRM um

Können Sie fieldbrain kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

fieldbrain sorgt dafür, dass Wissen aus Kundengesprächen nicht verloren geht. Nach einem Kundentermin spricht der Vertriebsmitarbeiter ein bis zwei Minuten ins Handy. Daraus entstehen automatisch Besuchsbericht, offene Punkte und nächste Schritte, und alles landet strukturiert im CRM.

Der Ausgangspunkt war eine Beobachtung: Der Außendienst ist die letzte Fläche im Vertrieb, über die niemand Daten hat. Telefonate laufen über Systeme, E-Mails sind durchsuchbar, Videokonferenzen werden transkribiert. Aber das Gespräch, das ein Außendienstler beim Kunden vor Ort führt, existiert nur in einem Kopf. Und abends um neun in drei Stichpunkten im CRM.

Das ist kein Disziplinproblem. Es ist ein Konstruktionsfehler: Wir bitten Menschen um zwanzig Minuten Arbeit, deren Nutzen jemand anderes hat. Solange das so ist, gewinnt jedes Mal der nächste Kundentermin. Zu Recht.

Wer steht hinter fieldbrain, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Voice-to-CRM-Plattform geprägt?

fieldbrain wurde 2026 in München von Patrick Maghazehi und Jonas Schindel gegründet. Patrick kommt aus der Produktentwicklung und hat zuvor bereits Software gebaut, Jonas aus dem Vertrieb und der Vertriebsorganisation.

Diese zweite Perspektive hat das Produkt stärker geprägt als jede technische Entscheidung. Wer selbst Besuchsberichte geschrieben hat, weiß, warum sie so ausfallen, wie sie ausfallen: nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil nach drei Tagen nur noch übrig ist, was ein Mensch sich merken kann. Der Nebensatz des Einkaufsleiters über einen möglichen Lieferantenwechsel im vierten Quartal steht in keinem Bericht. Nicht weil ihn niemand gehört hätte, sondern weil ihn am Freitagabend niemand mehr weiß.

Prägend war außerdem eine Grundhaltung: Der Vertriebsmitarbeiter ist bei uns nie der Gegenstand der Auswertung, sondern der erste Nutznießer. Ein System, das sich wie Kontrolle anfühlt, wird umgangen. Dann stimmt auch die Datenqualität nicht mehr, die man dem Unternehmen versprochen hat.

Welche Vision verfolgen Sie mit fieldbrain, und wie möchten Sie den Vertriebsalltag durch Künstliche Intelligenz langfristig verändern?

Unsere Vision ist, dass Kundenwissen im Unternehmen bleibt und nicht in einzelnen Köpfen. Wenn ein Außendienstmitarbeiter nach acht Jahren geht, verliert ein Unternehmen heute nicht eine Stelle, sondern das Wissen darüber, wer bei welchem Kunden wirklich entscheidet, welcher Einkäufer keine langen Angebote mag und warum ein Projekt vor drei Jahren gescheitert ist. Der Nachfolger fängt bei null an. Der Kunde merkt das sofort.

Wir verkaufen bewusst keine Künstliche Intelligenz. Wir lösen ein sehr konkretes Problem, und KI ist dafür das Mittel, nicht der Zweck. Der Maßstab ist nicht, wie beeindruckend die Technologie ist, sondern ob nach einem Kundentermin vollständige und brauchbare Informationen im System stehen, ohne dass jemand dafür abends noch Zeit aufwenden muss.

Langfristig soll jedes Gespräch das nächste besser machen. Das ist das eigentliche Ziel.

An welche Zielgruppen richtet sich fieldbrain hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für Vertriebsteams?

fieldbrain richtet sich an Unternehmen, deren Vertrieb beim Kunden vor Ort stattfindet und bei denen mehrere Personen denselben Kunden betreuen. Typisch sind Maschinen- und Anlagenbau, Industrie- und Automobilzulieferer, Medizintechnik, technischer Großhandel, Bauzulieferer, Elektrotechnik, Verpackungs- und Labortechnik.

Eine Mindestgröße gibt es nicht. fieldbrain ist ab einem einzelnen Außendienstmitarbeiter sinnvoll einsetzbar und funktioniert ebenso in größeren Vertriebsorganisationen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Mitarbeiter, sondern wie komplex die Kundenbeziehungen sind.

Die Herausforderung, die wir lösen, hat zwei Seiten. Für den Vertriebsmitarbeiter fällt die manuelle CRM-Pflege weg, und nach einem Termin geht nichts mehr verloren. Für die Geschäftsführung und die Vertriebsleitung entstehen vollständige CRM-Daten, belastbarere Prognosen und Kundenwissen, das im Unternehmen bleibt. Beide Seiten sind wichtig, aber es sind zwei verschiedene Versprechen. Wir vermischen sie nicht.

Viele Informationen aus Kundengesprächen gehen verloren oder werden erst später dokumentiert. Wie begegnet fieldbrain diesem Problem?

Der entscheidende Punkt ist der Zeitpunkt. Wer direkt nach dem Termin im Auto zwei Minuten spricht, gibt etwas völlig anderes wieder als jemand, der drei Tage später aus dem Gedächtnis tippt. Nicht nur mehr, sondern anderes: Zwischentöne, Andeutungen, die Reaktion auf einen Preis, die Bemerkung, dass ein Wettbewerber letzte Woche da war.

Deshalb setzen wir am Aufwand an. Sprechen dauert zwei Minuten, Tippen zwanzig. Was zwei Minuten kostet, wird gemacht, und zwar sofort.

Wichtig ist uns dabei: Es wird nichts aufgezeichnet. Der Mitarbeiter spricht seine eigene Notiz nach dem Termin, nicht das Gespräch mit dem Kunden. Das ist im deutschen Markt ein wesentlicher Unterschied, denn die Aufzeichnung eines vertraulichen Gesprächs würde die Einwilligung aller Beteiligten voraussetzen. Bei einer eigenen Sprachnotiz stellt sich diese Frage nicht.

Was macht fieldbrain aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Lösungen für CRM und Vertriebsunterstützung?

Die meisten Lösungen in diesem Feld beantworten die Frage: Was wurde in diesem Gespräch gesagt? Wir nennen unseren Ansatz Sales Memory, weil er die Fragen beantwortet, die zwischen den Gesprächen liegen.

Warum kauft dieser Kunde noch nicht? Wer beeinflusst die Entscheidung tatsächlich? Welcher Einwand kam wiederholt? Worüber wurde vor neun Monaten gesprochen, das heute wieder relevant wird? Was muss ein Mitarbeiter wissen, bevor er morgen früh zu diesem Kunden fährt?

Keine dieser Antworten steht in einem einzelnen Gespräch. Sie entstehen aus der Verbindung vieler Gespräche über Monate hinweg und über mehrere Ansprechpartner. Genau dort liegt bei komplexen Kunden das eigentliche Problem: Ein Kollege spricht mit dem Einkauf, eine Kollegin drei Wochen später mit der technischen Leitung, die Geschäftsführung war vor einem halben Jahr da. Alles ist dokumentiert. Und trotzdem kann niemand sagen, wie dieser Kunde eigentlich zum Unternehmen steht.

Ihre Plattform wandelt Sprachnotizen automatisch in CRM-Einträge um. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Vertriebsmitarbeitende und Unternehmen?

Für den Vertriebsmitarbeiter verschwindet Arbeit, die niemand gern macht: keine Besuchsberichte am Abend, keine manuelle CRM-Pflege, kein Nachtragen am Wochenende. Vor allem aber muss er sich vor einem Termin nicht mehr durch E-Mails und Notizen arbeiten, um zu rekonstruieren, was beim letzten Mal war. Das ist mehr Zeit für das, wofür er eingestellt wurde.

Für das Unternehmen sind die Daten zum ersten Mal vollständig und aktuell. Daraus folgen bessere Prognosen, ein realistischeres Bild vom Stand eines Deals und die Sicherheit, dass Kundenwissen nicht mit einer Kündigung verschwindet.

Der Innendienst profitiert oft am unmittelbarsten. Er weiß plötzlich, was beim Kunden tatsächlich besprochen wurde, statt nachfragen zu müssen. Und der Kunde muss Dinge nicht mehrfach erklären. Der teuerste Satz im Vertrieb ist nicht „zu teuer“, sondern „das hatte ich Ihrem Kollegen schon erklärt“.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer KI-Lösung, die Vertriebswissen zuverlässig erfasst und strukturiert verarbeitet?

Die technisch schwierigste Aufgabe ist nicht die Spracherkennung, sondern die Einordnung. Aus einer Sprachnotiz zu erkennen, dass eine beiläufige Bemerkung ein Kaufsignal ist, während eine ausführlich beschriebene Anfrage keines ist, verlangt Verständnis für den Vertriebskontext, nicht nur für Sprache.

Die zweite Herausforderung ist Zuverlässigkeit. Ein System, das ein Gespräch falsch einordnet, richtet mehr Schaden an als eines, das gar nichts einordnet, weil sich jemand auf eine falsche Information verlässt. Wir sind an vielen Stellen bewusst zurückhaltend und geben lieber weniger Interpretation aus als eine, die nicht trägt.

Die dritte ist die Verbindung über Zeit hinweg. Ein einzelnes Gespräch zu strukturieren, ist heute vergleichsweise gut lösbar. Aus zwanzig Gesprächen über zwei Jahre mit fünf verschiedenen Ansprechpartnern ein widerspruchsfreies Bild eines Kunden zu bauen, ist die eigentliche Arbeit. Genau daran entscheidet sich, ob Sales Memory mehr ist als ein Begriff.

Wie wichtig ist die Integration in bestehende CRM-Systeme für die Akzeptanz Ihrer Plattform?

Sie ist die Voraussetzung. Ein Vertriebssystem, das ein weiteres Werkzeug neben dem CRM ist, wird nicht benutzt. Der Nutzen entsteht erst, wenn die Informationen dort ankommen, wo ohnehin gearbeitet wird.

Deshalb ersetzen wir kein CRM. fieldbrain schreibt in Salesforce, HubSpot, Microsoft Dynamics, SAP, Pipedrive, Zoho und Slack. Wer eines dieser Systeme im Einsatz hat, behält es.

Diese Haltung ist auch strategisch: Kundenwissen sollte nicht davon abhängen, welches CRM ein Unternehmen gerade nutzt. Wer in fünf Jahren das System wechselt, sollte sein Gedächtnis behalten. Ein Anbieter, der beides besitzt, hat kein Interesse daran.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei fieldbrain aktuell im Fokus?

Unser Schwerpunkt liegt derzeit auf der Kundenansicht. Sie soll fünf Fragen auf einem Bildschirm beantworten: Wie ist der vollständige Verlauf dieses Kunden? Wer sind alle Ansprechpartner und in welcher Rolle? Welche Themen sind offen? Wo bestehen Risiken? Und was sollte ein Mitarbeiter wissen, bevor er morgen dorthin fährt?

Der Maßstab, an dem wir uns messen, ist konkret: Kann ein neuer Vertriebsmitarbeiter nach fünf Minuten einen komplexen Bestandskunden übernehmen? Wenn ja, funktioniert Sales Memory. Wenn er stattdessen gut strukturierte Gesprächsnotizen sieht, haben wir nur Dokumentation gebaut.

Parallel arbeiten wir an der Tiefe der Branchenlogik. Ein Gespräch in der Medizintechnik verläuft anders als eines im technischen Großhandel, und ein System, das den Unterschied kennt, ordnet besser ein.

Wo soll fieldbrain in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich KI-gestützter Vertriebslösungen einnehmen?

Wir wollen im deutschsprachigen Raum die Lösung sein, an die man denkt, wenn Kundenwissen im Außendienst verloren geht. Nicht die größte Plattform mit den meisten Funktionen, sondern diejenige, die dieses eine Problem am besten löst.

Konkret für die nächsten zwölf Monate: eine überschaubare Zahl von Kunden, bei denen das System täglich genutzt wird und die bereit sind, mit Zahlen darüber zu sprechen. Wir halten fünfzehn Unternehmen mit belegbaren Ergebnissen für wertvoller als tausend Registrierungen ohne Nutzung. Das ist die unbequemere, aber ehrlichere Messgröße.

Längerfristig sehen wir Sales Memory als Grundlage für ein Betriebssystem des Vertriebs, in dem Prognose, Coaching und Kundenbetreuung auf derselben Wissensbasis aufsetzen. Aber das ist eine Konsequenz, kein Startpunkt. Zuerst muss das Gedächtnis funktionieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine KI-basierte Softwarelösung für Unternehmen entwickeln möchten?

Erstens: Bauen Sie für den, der es benutzt, nicht für den, der unterschreibt. Im B2B kauft fast nie die Person, die täglich damit arbeitet. Bei uns kauft die Vertriebsleitung Transparenz und Prognosesicherheit – benutzen muss es der Außendienstmitarbeiter. Wenn Sie nur für den Käufer bauen, bekommen Sie den Abschluss und verlieren die Nutzung. Und ohne Nutzung ist der zweite Vertrag weg. Beide Seiten brauchen ein eigenes, ehrliches Versprechen. Vermischen Sie die beiden nie in derselben Botschaft.

Zweitens: Sprechen Sie früher mit Kunden, als es sich richtig anfühlt. Wir haben Positionierung und Texte aus guten Annahmen entwickelt. Gute Annahmen sind trotzdem Annahmen. Jedes echte Gespräch ist mehr wert als eine weitere interne Diskussion.

Drittens: Verkaufen Sie keine KI, verkaufen Sie ein Ergebnis. Im Mittelstand interessiert niemanden, welches Modell im Hintergrund arbeitet. Interessant ist, ob nach einem Kundentermin die richtigen Informationen im System stehen. Wer über Technologie spricht statt über das Problem, verliert die Aufmerksamkeit in den ersten dreißig Sekunden.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Patrick Maghazehi für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

kjello: Hamburger Managed-IT-Plattform ersetzt eigene IT-Abteilung

0
kjello: Die digitale IT-Abteilung für den Mittelstand Bildcredits hagel IT-Services GmbH

Die Hamburger hagel IT-Services GmbH bringt mit ihrer Plattform kjello eine vollständige IT-Abteilung als Service auf den Markt, die speziell den Mittelstand entlastet.

Können Sie kjello kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Entwicklung Ihrer Managed-IT-Plattform entstanden ist?

kjello ist die IT-Abteilung als Service. Mitarbeitende bestellen Geräte, Software und Zugänge über ein Self-Service-Portal, On- und Offboarding laufen in Minuten statt in Tagen, dahinter liegen automatische Inventarisierung, ein Passwort-Tresor und ein Helpdesk aus echten Menschen. Die Idee ist nicht am Whiteboard entstanden, sondern im Tagesgeschäft: Wir betreuen seit 2004 mittelständische Unternehmen und haben über die Jahre immer wieder dieselben Reibungspunkte gesehen. Ein neuer Kollege startet am Montag, aber Laptop, Lizenzen und Zugänge sind über fünf Stellen verteilt. Irgendwann war klar, dass man das nicht mit mehr Personal löst, sondern mit einem Produkt.

Wer steht hinter kjello, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Lösung geprägt?

Hinter kjello steht die hagel IT-Services GmbH aus Hamburg, seit 2004 am Markt, heute 32 Kolleginnen und Kollegen, über 150 betreute Unternehmen. Geprägt hat uns vor allem, dass wir die Plattform nicht für einen theoretischen Kunden gebaut haben, sondern für die Unternehmen, die wir seit Jahren im Betrieb begleiten. Jede Funktion musste sich an der Frage messen lassen: Spart das im Alltag wirklich Zeit oder ist es nur ein weiteres Tool?

Welche Vision verfolgen Sie mit kjello, und wie möchten Sie den IT-Alltag in Unternehmen langfristig vereinfachen?

Unternehmens-IT soll sich für Mitarbeitende so selbstverständlich anfühlen wie eine gute App auf dem Smartphone. Kein Ticket-Ping-Pong, keine Rückfragen, wer welche Lizenz freigeben darf. Langfristig soll IT im Mittelstand kein Projekt mehr sein, um das man sich kümmern muss, sondern eine Grundversorgung, die einfach da ist und funktioniert.

An welche Zielgruppen richtet sich kjello hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für diese Unternehmen?

Wir richten uns an Unternehmen mit 20 bis 250 Mitarbeitenden. Typischerweise ist die IT-Landschaft historisch gewachsen, es gibt keine eigene IT-Abteilung, und die Verantwortung liegt nebenbei bei der Geschäftsführung oder einem technikaffinen Kollegen. Wir lösen genau diese Lücke: Betrieb, Sicherheit und Beschaffung laufen über eine Plattform, ohne dass intern eine Abteilung aufgebaut werden muss.

Viele kleine und mittelständische Unternehmen verfügen nicht über eine eigene IT-Abteilung. Wie unterstützt kjello sie im Arbeitsalltag?

Über das Self-Service-Portal können Mitarbeitende selbst anstoßen, was sie brauchen, mit klaren Freigabewegen. Neue Kolleginnen und Kollegen sind in Minuten eingerichtet, austretende Mitarbeitende sauber und nachvollziehbar abgemeldet. Alle Geräte und Lizenzen sind inventarisiert, Passwörter liegen in einem Tresor statt in Tabellen. Wenn doch etwas hakt, gibt es einen Helpdesk mit im Schnitt vier Minuten Erstreaktionszeit.

Was macht kjello aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen IT-Dienstleistern?

Der Unterschied ist, dass wir kein Projektgeschäft verkaufen, sondern einen laufenden Service mit Produktcharakter. Zwei Jahrzehnte Betriebserfahrung sind in eine Plattform geflossen, die Standardabläufe automatisiert. Und die Menschen dahinter bleiben dieselben, wir sind ein Hamburger Team und kein anonymes Callcenter. Die Kundenbewertung von 4,9 von 5 ist für uns der wichtigste Gradmesser.

Welche Bedeutung hat die Kombination aus Self-Service-Portal und persönlichem IT-Support für Ihre Kunden?

Sie ist der Kern. Self-Service allein führt dazu, dass Menschen bei Sonderfällen alleingelassen werden. Reiner persönlicher Support allein skaliert nicht und ist langsam. Die Kombination bedeutet: Neunzig Prozent der Standardfälle erledigen Mitarbeitende in wenigen Klicks selbst, und für den Rest ist ein Mensch erreichbar, der das Unternehmen kennt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Plattform, die unterschiedlichste IT-Prozesse in einer Lösung bündelt?

Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen Standard und Realität. Kein Mittelständler ist wie der andere, jede gewachsene Umgebung hat ihre Eigenheiten. Wir müssen genug standardisieren, damit Automatisierung überhaupt möglich ist, und gleichzeitig genug Spielraum lassen, damit niemand seine Prozesse umbauen muss. Dazu kommt die Integrationsarbeit über Firewall, Netzwerk, Backup, Server, Telefonie, EDR und die Microsoft- beziehungsweise Google-Welt hinweg.

Wie wichtig sind Themen wie Datenschutz, IT-Sicherheit und einfache Bedienbarkeit für die Weiterentwicklung von kjello?

Sie sind nicht verhandelbar. Wir hosten in Deutschland, arbeiten DSGVO-konform und setzen Mehrfaktor-Authentifizierung verpflichtend durch. Wichtig ist uns aber, dass Sicherheit nicht als Bremse erlebt wird. Wenn eine Sicherheitsmaßnahme den Arbeitsalltag zu umständlich macht, wird sie umgangen. Deshalb entwickeln wir Sicherheit und Bedienbarkeit immer zusammen.

Welche neuen Funktionen oder Entwicklungen stehen bei kjello aktuell im Fokus?

Aktuell arbeiten wir vor allem daran, die Self-Service-Abläufe weiter zu automatisieren, insbesondere rund um On- und Offboarding und die Integration in Microsoft 365 und Google Workspace. Ein zweiter Schwerpunkt ist mehr Transparenz für die Geschäftsführung: Wer nutzt welche Lizenzen, wo liegen Risiken, wo lässt sich Geld sparen.

Wo soll kjello in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie bei der Digitalisierung kleiner und mittelständischer Unternehmen einnehmen?

Wir möchten für den Mittelstand die naheliegende Antwort auf die Frage sein, wie man IT organisiert, ohne eine eigene Abteilung aufzubauen. Unsere Rolle sehen wir sehr bodenständig: nicht als Digitalisierungsberater mit Folienpaket, sondern als Betreiber, der dafür sorgt, dass die Grundlagen sitzen. Digitalisierung scheitert im Mittelstand selten an der Vision, sondern an Geräten, Zugängen und Zuständigkeiten.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine Softwarelösung für Unternehmen entwickeln möchten?

Erstens: Baut das Produkt aus einem echten Betriebsproblem heraus, nicht aus einer Marktanalyse. Wer den Alltag der Zielgruppe selbst erlebt hat, trifft bessere Entscheidungen.

Zweitens: Unterschätzt den Support nicht. Im B2B-Geschäft ist Erreichbarkeit ein Produktmerkmal, keine Kostenstelle.

Drittens: Habt den Mut, Dinge wegzulassen. Jede zusätzliche Option macht die Software für den Anwender langsamer, und im Mittelstand gewinnt die Lösung, die man ohne Schulung bedienen kann.

Bildcredits hagel IT-Services GmbH

Wir bedanken uns bei Jens Hagel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mitbestimmung im wachsenden Start-up: 5 Prinzipien für einen funktionierenden Mitarbeiterrat

0
Mitarbeiterrat stärkt Mitbestimmung in Start-ups Ursula Vranken

Wachstum verändert die Anforderungen an Start-ups

Wachstum verändert Start-ups schneller, als vielen Gründerteams bewusst ist. Aus einem kleinen Kernteam werden in kurzer Zeit hundert Mitarbeitende. Mit zunehmender Größe entstehen neue Rollen, Teams und Führungsebenen. Entscheidungen, die früher im Gründerkreis getroffen wurden, müssen nun abgestimmt, dokumentiert und erklärt werden. Entscheidungswege verlängern sich, Informationen versanden, spontane Abstimmungen geschehen in Meetings, an denen längst nicht mehr alle teilnehmen.

Parallel dazu wächst die Vielfalt der Erwartungen: Während einige Mitarbeitende Stabilität suchen, wünschen andere mehr Einfluss oder Transparenz. Wenn Strukturen nicht rechtzeitig nachgezogen werden, führt dies zu Missverständnissen. Genau in dieser Phase kippt in schnell wachsenden Start-ups die Stimmung: Mitarbeitende fühlen sich nicht mehr ausreichend gehört, Veränderungen werden unklar kommuniziert und aus anfänglicher Euphorie entsteht Frustration. Oft reicht bereits eine schlecht erklärte Umstrukturierung, um wochenlange Unruhe auszulösen.

Mitarbeiterräte ermöglichen Mitbestimmung auf kurzen Wegen

Für viele junge Unternehmen kommt ein klassischer Betriebsrat noch nicht infrage, da die formalen Vorgaben für eine Kultur, die auf Tempo und kurze Wege setzt, zu schwerfällig wirken. Gleichzeitig wächst der Bedarf an echter Mitsprache meist ab einer Größe von rund 80 bis 100 Mitarbeitenden. Neben Formaten wie All-Hands-Meetings oder Mitarbeiterbefragungen hat sich ein Modell besonders bewährt: der Mitarbeiterrat, oft auch Kulturrat genannt. Er bündelt die wichtigsten Themen der Belegschaft, schafft einen direkten Draht zur Geschäftsführung und verhindert, dass sich aus einzelnen Unmutsäußerungen ein Vertrauensbruch entwickelt.

Gerade in jungen Unternehmen ist es entscheidend, Stimmungen früh sichtbar zu machen, bevor sie sich in informellen Gruppen oder Slack-Channels verfestigen. Ein Mitarbeiterrat schafft einen klaren, verlässlichen Kanal, über den Anliegen strukturiert aufgenommen und priorisiert werden. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verständnis darüber, welche Themen wirklich drängen und welche nur punktuell auftreten. Das Gremium wirkt wie ein Frühwarnsystem, das Entwicklungen erkennt, bevor sie eskalieren.

Mitarbeiterrat als agile Alternative zum Betriebsrat

Wichtig ist: Mitarbeitende sind nicht „rechtlos“, nur weil sie sich für ein alternatives Modell zum Betriebsrat entscheiden. Demokratische Mitbestimmung bedeutet, dass das Team selbst aktiv wird. Es baut den Mitarbeiterrat eigenständig auf, definiert Spielregeln, wählt Vertreterinnen und Vertreter und vereinbart mit der Unternehmensleitung klare Verfahren und transparente Prozesse. Wahlfreiheit bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern echte Mitsprache, Verbindlichkeit und Schutz für die gewählten Mitglieder.

Die fünf Prinzipien wirksamer Mitbestimmung

1. Vertrauen vor Struktur

Ein Mitarbeiterrat funktioniert nur, wenn er vom Team gewollt ist. Die Geschäftsführung stellt die Idee offen vor, die Belegschaft entscheidet selbst über die Einführung. Ein Gremium, das aus Überzeugung entsteht, trägt auch durch schwierige Phasen.

2. Freiwillige, demokratische Beteiligung

Mitglieder melden sich freiwillig und werden idealerweise gewählt. So entsteht Legitimität. Eine Ernennung durch die Geschäftsführung untergräbt das Vertrauen und macht den Mitarbeiterrat zum Instrument des Managements, statt zur Stimme der Mitarbeitenden.

3. Klare, einfache Spielregeln

Ein Team aus Freiwilligen legt fest, wie der Mitarbeiterrat arbeitet: Sitzungsrhythmus, Themenaufnahme, Entscheidungswege, Abstimmungen mit der Geschäftsführung. Die Regeln müssen nicht komplex sein, aber verbindlich. Ohne klare Prozesse verliert das Gremium schnell an Ernsthaftigkeit.

4. Transparente Kommunikation

Ein Mitarbeiterrat wirkt nur, wenn seine Arbeit sichtbar ist. Ergebnisse, offene Fragen und Konflikte gehören regelmäßig zurück ins Unternehmen, zum Beispiel durch kurze Updates im All-Hands-Meeting oder im Intranet. Transparenz schafft Glaubwürdigkeit.

5. Geduld und Ausdauer

Ein funktionierender Mitarbeiterrat entsteht nicht in wenigen Wochen. Er braucht Zeit, Begleitung, Weiterbildung und regelmäßige Wahlen, damit er sich mit dem Unternehmen weiterentwickelt. Wer hier Abkürzungen sucht, wird enttäuscht. Wer investiert, gewinnt langfristig echte Mitbestimmung auf Augenhöhe.

Fazit: Früh investieren und Vertrauen stärken

All-Hands-Meetings, Mitarbeiterbefragungen und regelmäßige Mitarbeitergespräche sind und bleiben wichtige Feedbackinstrumente. Sie können die kontinuierliche Arbeit eines Mitarbeiterrats jedoch nicht ersetzen. Für wachsende Start-ups lohnt sich der Aufbau eines solchen Gremiums. Wenn Mitbestimmung frühzeitig ermöglicht wird, entwickelt sich aus stillem Unmut kein überraschender Widerstand. Zudem wird eine Kultur gestärkt, in der sich alle als Mitgestalter verstehen. Die Erfahrung zeigt: Der Aufwand zahlt sich in Form von Vertrauen, Stabilität und echter Zusammenarbeit zwischen Führung und Team aus.

Bildcredits Ursula Vranken, IPA Institut für Personalentwicklung und Arbeitsorganisation

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie Startups mit Pressearbeit ihre KI-Sichtbarkeit stärken

0
Pressearbeit macht Startups in KI-Antworten sichtbar Kommunikation mit Impact Anna Ferdinand

Wer heute ein neues Business aufbaut und Kunden gewinnen will, sollte auch in den Antworten von ChatGPT, Claude und Co. sichtbar sein. Rund 27 Prozent der Quellen, die KI-Systeme in ihren Antworten zitieren, sind journalistische Inhalte. Für Startups gewinnt Pressearbeit damit eine neue Bedeutung: Earned Media trägt nicht nur dazu bei, Reputation, Glaubwürdigkeit und Vertrauen in junge Marken zu stärken, sondern auch in den Antworten von KI-Modellen sichtbar zu werden.

Warum Gründer GEO mitdenken sollten

Generative Engine Optimization, kurz GEO, beschäftigt sich mit der Frage, wie Unternehmen in den Antworten generativer KI-Systeme sichtbar werden. Für Gründer bedeutet das: Sie sollten von Anfang an darauf achten, welche Informationen über ihr Unternehmen außerhalb der eigenen Kanäle zu finden sind.

Wie wichtig externe Quellen dabei sind, zeigt die Studie „What Is AI Reading?“ von Muck Rack. Dafür wurden mehr als 25 Millionen Quellenverweise in Antworten von ChatGPT, Claude und Gemini untersucht. Rund 84 Prozent der zitierten Quellen entfielen auf sogenannte Earned Media. Dazu zählt die Studie neben journalistischen Beiträgen auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, Wikis, Enzyklopädien und Social Media-Inhalte.

Besonders aussagekräftig für die Pressearbeit: Rund 27 Prozent aller untersuchten Quellenverweise führten zu journalistischen Inhalten. Bezahlte oder werbliche Inhalte machten dagegen nur 0,3 Prozent aus.

Für Startups reicht es daher nicht, Ads zu schalten und Marketingslogans zu verbreiten. Gefragt sind relevante, glaubwürdige und unabhängig veröffentlichte Inhalte. GEO ersetzt dabei nicht die klassische Suchmaschinenoptimierung. Es ergänzt sie um die Frage, welche Quellen KI-Systeme heranziehen, wenn sie Unternehmen und Märkte einordnen.

Mit Pressearbeit zur relevanten Quelle werden

Eine Platzierung in der Presse garantiert nicht, dass ein Startup anschließend in einer KI-Antwort genannt wird. Pressearbeit erweitert aber die öffentlich zugängliche Informationsbasis. Sie sorgt dafür, dass Aussagen über ein Unternehmen nicht nur auf der eigenen Website stehen.

Das ist auch unabhängig von KI wertvoll. Auf der Unternehmenswebsite kann jedes Startup behaupten, innovativ, nachhaltig oder die beste Lösung zu sein. Redaktionen hingegen prüfen Informationen, stellen Rückfragen und ordnen ein Unternehmen in einen größeren Kontext ein.

Diese unabhängige Einordnung schafft Vertrauen. Sie zeigt potenziellen Kunden, Investoren, Geschäftspartnern und Bewerbern, wofür ein Unternehmen steht und welche Expertise die Gründer besitzen. Gleichzeitig entstehen öffentlich auffindbare Inhalte, auf die Menschen und KI-Systeme bei einer Recherche stoßen können.

Aber: Pressearbeit ist dabei nicht mit dem Versand von Pressemitteilungen im Gießkannen-Prinzip gleichzusetzen. Um in den Medien zu landen, braucht es relevante Stories mit Nachrichtenwert und die gezielte Ansprache der richtigen Journalisten. Ein Produktlaunch beispielsweise mag für die Gründer ein großer Meilenstein sein, ist für eine Redaktion aber nicht automatisch eine News.

Was Medien wollen und wie Startups davon profitieren

Journalisten fallen nicht auf Marketingslogans herein. Sie suchen Geschichten, die für ihr Publikum relevant, neu oder überraschend sind. Startups müssen ihre Story und Expertise daher so darstellen, dass sie für ein journalistisches Format anschlussfähig sind.

Ein Beispiel: Ein Gründer entwickelt als Student zunächst ein Produkt gegen den Kater nach langen Partynächten. Später richtet er das Unternehmen neu aus, nutzt seine Erfahrung als Eishockeyspieler und macht daraus eine Marke für Supplements für ambitionierte Athleten. Interessant für Medien war nicht nur das Produkt, sondern die Geschichte dahinter: die ungewöhnliche Gründungsidee, der Pivot und die Entwicklung eines Supplements mit einem Profi aus dem Leistungssport.

Mit gezielten Pitches bei ausgewählten Redaktionen entstanden daraus Beiträge in Podcasts sowie Startup- und Lokalmedien. Je nach Medium wurde das Unternehmen unterschiedlich erzählt: als Gründergeschichte, als regionales Startup oder als Beispiel für den Wandel im Supplement-Markt.

Startups sollten daher nicht nur fragen, was sie verkaufen wollen, sondern welche Geschichte sie erzählen können. Eine ungewöhnliche Gründerstory, Branchenkenntnis, ein neuer Lösungsansatz oder eine fundierte Perspektive auf ein aktuelles Problem können bereits einen relevanten Ansatz für Redaktionen bieten.

Auch bei der Medienauswahl muss es nicht sofort das große Wirtschaftsmedium sein. Startup-Magazine, Fachmedien, Podcasts und regionale Redaktionen liegen häufig näher an der eigenen Zielgruppe und bieten einen guten Einstieg in die Pressearbeit.

Pressearbeit Schritt für Schritt aufbauen

Es braucht keine 3-Jahres-Strategie, um mit Pressearbeit zu beginnen. Aber glaubwürdige Sichtbarkeit entsteht auch nur selten durch einen einzelnen Sprint. Pitches müssen durchdacht und bei Redaktionen relevanter Medien getestet werden. Außerdem ist es hilfreich, Expertise im eignen Themenfeld zu zeigen und Beziehungen zu Journalisten aufzubauen.

Startups sollten Pressearbeit deshalb Schritt für Schritt angehen und als kontinuierlichen Aufbau von Expertise, Medienkontakten und Reputation verstehen. Dazu gehört, Entwicklungen im eigenen Markt zu beobachten, regelmäßig neue Perspektiven anzubieten und Anfragen von Journalisten verlässlich zu beantworten.

Mit glaubwürdigen Quellen in KI-Antworten sichtbar werden

Pressearbeit schafft so kontinuierlich aktuelle und glaubwürdige Quellen. Je besser ein Startup darin mit seiner Expertise vertreten ist, desto größer ist seine Chance, auch in KI-Antworten sichtbar zu werden.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Neueste Beiträge