Mittwoch, Mai 6, 2026
Start Blog Seite 9

Nox Mobility Nachtzug erhält 2 Millionen Euro für neue Reiseform

0
Nox Mobility Nachtzug sichert sich 2 Mio Euro Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Nox Mobility Nachtzug: Nox Mobility sammelt 2 Millionen Euro in Pre-Seed-Runde ein, um den europäischen Nachtzug neu zu erfinden

Nox Mobility Nachtzug erhält Finanzierung für Markteintritt

Berlin, 22. April 2026 – Nox Mobility hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2 Millionen Euro abgeschlossen, um eine neue Generation von Nachtzügen mit vollständig privaten Räumen aufzubauen. Die Runde wird vom Berliner Investor IBB Ventures angeführt, mit Beteiligung des italienischen Investors Tommaso Lucca sowie Branchenexperten wie HomeToGo-Mitgründer Dr. Patrick Andrae. Das frische Kapital fließt in den Teamaufbau, den Bau eines Mockups in Originalgröße sowie die Vorbereitung der ersten Strecken, die 2027 an den Start gehen sollen.

Nachtzüge erleben gerade eine Renaissance – doch trotz wachsender Nachfrage und Rekordbuchungen auf beliebten Strecken schrumpft der Markt seit Jahrzehnten. Zwischen 2001 und 2019 sank die Zahl der wöchentlichen Nachtzugverbindungen in Europa von rund 1.200 auf etwa 450.

Nox Mobility Nachtzug setzt auf private Zimmer statt Abteile

Eigenes Zimmer statt Abteilromantik – Nox denkt den Nachtzug neu

Während Passagiere bei herkömmlichen Nachtzügen Schlafabteile teilen, bekommt bei Nox Mobility jeder Reisende sein eigenes privates Zimmer mit Schlafplatz. Das Startup positioniert sich als echte Alternative zu Kurzstreckenflug und zusätzlicher Hotelübernachtung – zu einem vergleichbaren Preis. Die Züge starten abends von zentralen Bahnhöfen und kommen am nächsten Morgen direkt im Stadtzentrum an, ohne Flughafentransfer und Sicherheitskontrolle.

Operativ verbindet Nox Mobility die Zuverlässigkeit des Fliegens mit dem Gefühl eines Boutique-Hotels. Für Freizeitreisende ersetzt die Fahrt die Hotelübernachtung gleich mit. Business-Reisende – die in Frankreich bereits 30 Prozent der Nachtzug-Passagiere ausmachen – ersparen sich frühe Abflüge, Übernachtungen und verlorene Arbeitszeit. Mit durchdachtem Design, persönlichem Service an Bord und verlässlichen Abfahrtszeiten macht Nox Mobility Nachtzüge zu einer berechenbaren und angenehmen Reiseoption.

„Aus Berlin sind Mobilitätsunternehmen entstanden, die das Reisen in Europa verändert haben. Nox hat das Team, um das erneut zu schaffen: finanzielle Rückendeckung, operative Glaubwürdigkeit und eine Community, die schon jetzt wartet. Die Infrastruktur ist vorhanden. Was fehlt, ist ein Produkt, in dem man wirklich schlafen will“, sagt Roman Pimonov, Senior Investment Manager bei IBB Ventures.

„Als Mitgründer eines Berliner Travel-Tech-Unternehmens bin ich fest davon überzeugt, dass die europäische Bahn die nachhaltigere Art zu reisen ist. Deshalb setzen wir bei HomeToGo bei allen Geschäftsreisen konsequent auf die Bahn statt auf das Flugzeug. Nox trägt diese Vision weiter – und beweist, dass Nachhaltigkeit und echte Gastfreundschaft kein Widerspruch sein müssen“, sagt Dr. Patrick Andrae, Mitgründer & CEO von HomeToGo.

Nox Mobility Nachtzug will europäische Mobilität verändern

Ein Gründerteam, das Freizeit- und Geschäftsreisen neu erfindet

Nox Mobility wurde 2025 von Unternehmern mit Erfahrung in den Bereichen Bahn, Mobilitätsplattformen und Tech-Startups gegründet.

Thibault Constant hat mit Simply Railway (600.000+ Abonnenten) eine der größten Eisenbahn-Communities Europas aufgebaut. Janek Smalla bringt operative Expertise von FlixTrain und Bolt mit und hat neue Geschäftsmodelle in einigen der reguliertesten Mobilitätsmärkten Europas skaliert. Artur Hasselbach war zuvor Mitgründer des Payment-Fintechs orderbird, das für über 140 Millionen Euro von Nexi übernommen wurde, und gilt als ausgewiesener Mobilitätsexperte mit VC-Hintergrund.

„Nachtzüge sind eine der letzten großen ungenutzten Chancen im europäischen Mobilitätsmarkt. Die Infrastruktur steht, der Markt ist bereit. Diese Runde zeigt, dass Investoren an unseren Ansatz glauben: ein Produkt zu bauen, das Menschen wirklich lieben und mit einem tragfähigen Geschäftsmodell“, sagt Artur Hasselbach, Mitgründer von Nox Mobility.

Janek Smalla, Mitgründer von Nox Mobility, ergänzt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass aktuell viele neue Bahnbetreiber in Europa starten oder wachsen. Aber wir wollen mehr als ein weiteres Bahnunternehmen sein. Unser Anspruch ist es, das Image des Nachtzugs grundlegend zu verändern – hin zu einem echten Hospitality-First-Erlebnis.“

„Mehr als 600.000 Menschen folgen Simply Railway, weil sie an die Zukunft des Nachtzugs glauben. Sie schreiben mir jede Woche, was aktuell bei Nachtzugreisen im Argen liegt: enge Abteile mit Fremden, Verspätungen, intransparente Preise. Nox Mobility ist das Ergebnis von Jahren in Nachtzügen, unzähligen Gesprächen mit Fahrgästen und dem genauen Hinschauen, was funktioniert und was nicht“, sagt Thibault Constant, Mitgründer von Nox Mobility.

Bild Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Quelle Breforth Communications

Femizide: Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung

0
Femizide Deutschland: Interview mit Kristina Wolff Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Fast jeden Tag bringt in Deutschland ein Mann (s)eine Frau um – und der Staat schaut weg. Dr. Kristina Wolff ist Wissenschaftlerin, FEMEN-Aktivistin und Autorin des Buchs „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide“. Seit 2019 führt sie ehrenamtlich eine Datenbank*, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Damit schafft sie eine verlässliche Datengrundlage für dieses strukturelle Problem, das als Ansammlung von Einzelfällen abgetan wird. Im Interview mit herCAREER schildert sie, wie die Regierung, Institutionen und ganze Bevölkerungsgruppen die Sicherheit von Frauen und Mädchen systematisch vernachlässigen.

„Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle.“

herCAREER: Ihr Buch heißt „WIE VIELE NOCH? Deutschlands gebilligte Femizide“. Inwiefern billigt der Staat tödliche Gewalt gegen Frauen?

Dr. Kristina Wolff: Deutschland fehlt jegliche Haltung zu diesem Thema. Es fehlen der politische Wille, eine nationale Strategie sowie Gelder für Prävention und den Schutz von Betroffenen. In anderen Ländern wird zum Beispiel opferzentriert gearbeitet – zum Beispiel hält das spanische Parlament eine Schweigeminute für jedes Opfer eines Femizids ab, genau wie Großbritannien und Kanada. In Deutschland wurde zwei Tage vor unserem Gespräch in Mannheim eine 19-jährige Frau von einem 17-jährigen Jugendlichen getötet. Am gleichen Tag postete das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bei Instagram ein Style-Video mit der amtierenden Bundesfrauenministerin Prien – die auch in der Causa Ulmen mit krachendem Schweigen auffällt. Das spiegelt die Ignoranz in der Bundespolitik wider, die ich seit Jahren kritisiere.

herCAREER: Vergangenes Jahr trat das Gewalthilfegesetz (GewHG) in Kraft. Es soll den Schutz gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder in Deutschland deutlich verbessern. Werten Sie das nicht als Fortschritt?

Dr. Kristina Wolff: Der Kernauftrag des Staates – nach demokratischem Verständnis und im Sinne der Istanbul-Konvention – ist die Gewaltprävention. Und die verweigert Deutschland – auch hinsichtlich des GewHG. Es wird viel zu spät eingeführt und sichert Gewaltbetroffenen erst ab 2032 einen Rechtsanspruch, was bedeutet, dass nach der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik über 2.000 weitere Femizide in Kauf genommen werden. Außerdem beinhaltet es nur den Schutz und den Anspruch auf Rechtsberatung. Beides benötigt man erst, wenn man bereits Gewalterfahrungen durchlitten hat. Mit dem als „Meilenstein“ gefeierten Gesetz werden über einen Zeitraum von zehn Jahren 2,6 Milliarden Euro an die 16 Bundesländer ausgeschüttet. Schon 2022 hat das European Institute for Gender Equality allerdings festgestellt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland den Staat jedes Jahr 53 Milliarden Euro kostet. Das sind 148 Millionen Euro pro Tag – das GewHG liefert dagegen 162,5 Mio pro Jahr. Es ist eine Farce.

herCAREER: Seit 2019 dokumentieren Sie in eigener Recherche Femizide in Deutschland. Gab es in den vergangenen Jahren konstruktive Entwicklungen?

Dr. Kristina Wolff: Nein. Der erste Femizid, den ich bewusst wahrgenommen habe, war der Femizid an der Ex-Politikerin Petra Kelly durch ihren Partner, einen deutschen Ex-Generalmajor. Das ist bald 35 Jahre her – und bis heute wird in Deutschland fast jeden Tag eine Frau umgebracht. Ich werde in Interviews oft gebeten, zumindest zum Schluss noch eine positive Botschaft abzugeben. Aber ich habe keine! Ich gehe davon aus, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland zukünftig deutlich zunehmen und immer brutaler werden wird.

herCAREER: Daten sind heutzutage eine harte Währung, ohne Daten keine Handlungsgrundlage. Wie kann es sein, dass es – abgesehen von Ihrer – keine Datenbank für Femizide in Deutschland gibt?

Dr. Kristina Wolff: Das Problem beginnt schon damit, dass es in Deutschland keine einheitliche Definition des Begriffs Femizid gibt. Im Jahr 2018 hat die Partei Die Linke eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, ob diese die Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) übernehmen möchte: „Ein vorsätzliches Töten von Frauen und Mädchen, weil sie Frauen oder Mädchen sind.“ Die Regierung hat diese Definition abgelehnt, da sie ihr zu schwammig ist. Das ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist, dass bis heute noch keine eigene Definition nachgeliefert wurde. Was mir große Sorgen macht: Männer beanspruchen immer häufiger eine Deutungshoheit über Femizide oder das, was als Gewalt gegen Frauen eingestuft wird.

herCAREER: Inwiefern?

Dr. Kristina Wolff: In einer Studie, die knapp vier Jahre lang (2022-25) durch die Deutsche Forschungsgesellschaft finanziert wurde, lieferte der Studienleiter Prof. Dr. Kinzig keinerlei Erkenntnisgewinn: Er evaluierte Daten, die allein aus dem Jahr 2017 stammten. In Ermangelung einer deutschen Definition von „Femizid“ definierte Kinzig den Betriff eigenmächtig und reduzierte die Grundgesamtheit der zu untersuchenden Fälle um mehr als die Hälfte auf 127 Fälle. So sind die Daten weder repräsentativ für Deutschland noch mit anderen Ländern vergleichbar.

Der frisch veröffentlichte Sicherheitsbericht des Landes Baden-Württemberg für 2024 wurde nicht geschlechtsdifferenziert verfasst, sondern unterscheidet sowohl Tatverdächtige als auch Opfer lediglich in „deutsch“ oder „nichtdeutsch“.

Und die kürzlich veröffentlichte Dunkelfeldstudie „LeSubia“ suggeriert, dass nahezu gleich viele Männer wie Frauen von Gewalt durch ihre Partner:innen und Ex-Partner:innen betroffen seien. Ein Blick ins Studiendesign verrät, wie diese Verzerrung zustande kommt: Das Gewaltverständnis sei breit angelegt und gehe über den strafrechtlichen Gewaltbegriff hinaus, erfasse „teilweise auch nicht strafbewehrte Formen von (psychischer, digitaler und sexualisierter) Gewalt.“ Ghosting mit Femiziden gleichzusetzen, entspricht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. So wird die strukturelle geschlechtsbezogene Gewalt verharmlost.

herCAREER: Es gibt doch eine Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Warum liefert sie nicht die entsprechenden Daten?

Dr. Kristina Wolff: Unter anderem, weil die PKS nie zu diesem Zweck aufgesetzt wurde. Eigentlich soll sie als Leistungsnachweis für die Arbeit der Polizei dienen und hat das Ziel, der Bevölkerung zu vermitteln, dass sie in einem sicheren Land lebt.

herCAREER: Es besteht also ein Interessenkonflikt …

Dr. Kristina Wolff: Ja, einer, der der Rolle des oder der amtierenden Innenminister:in . Wie will diese:r den Frauen, die die Mehrheit der deutschen Bevölkerung stellen, bei diesen Zahlen vermitteln, dass Deutschland sicher ist? Und selbst wenn die PKS volle Transparenz bieten würde, könnten wir die Daten derzeit nicht zu unseren Zwecken auslesen. Zwar lassen sich die infrage kommenden Straftatbestände „vollendeter Mord“, „vollendeter Totschlag“ und „Körperverletzung mit Todesfolge“ darin finden. Aber sehr viele wichtige Details werden in der Statistik nicht abgefragt und abgebildet: Sie fragt etwa nicht, ob die weiblichen Opfer schwanger waren. Außer bei Messerkriminalität fragt sie nicht nach der Tatwaffe. Sie fragt nicht nach der Anzahl hochgradiger Gefährder, also bekannter Gewalttäter, und auch nicht nach einer Gewalthistorie der Täter. Auch das Motiv bildet die Statistik nicht ab.

Dazu sei gesagt: Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle. Aber Täter sagen aus, sie hätten aus Liebe getötet, aus Verzweiflung, aus Eifersucht oder um die Opfer von ihrem Leid zu erlösen – mit solchen Relativierungen zielen sie auf Strafmaßminderung ab. Wir haben einen riesigen Datenpool, können daraus aber nicht die Erkenntnisse ziehen, die wir brauchen, um Femizide als gesamtgesellschaftliches Problem zu definieren.

herCAREER: Bei uns wird jede Form von Gewalt gegen Frauen häufig als Zuwanderungs-Problem deklariert. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Kristina Wolff: Ein Argument, das gerne und vorrangig von Männern vorgebracht wird. Gewaltbetroffene haben sicher viele Fragen zum fehlenden Schutz von Mädchen und Frauen in Deutschland an die Regierungsverantwortlichen – ich bezweifle stark, dass die Frage nach dem Pass ihrer Peiniger dazugehört. Dazu ist dieses Framing völlig abwegig, weil seit über zehn Jahren 65 bis 70 Prozent der Tatverdächtigen bei Femiziden einen deutschen Pass haben. Wenn wir diese Diskussion konsequent führen würden, dann müssten wir in der PKS a) Täter berücksichtigen, die mit deutschem Pass im Ausland Frauen angreifen und töten, und b) beleuchten, wie viele deutsche Täter in Deutschland Frauen mit nichtdeutschem Pass umbringen. Mit dieser Argumentation wird das Problem ausgelagert. Es soll der Eindruck vermittelt werden, dass strukturelle, tradierte, patriarchale und sexualisierte Gewalt nichts mit unserem Land und unseren Männern zu tun hat.

herCAREER: Mit Ihren Aufzeichnungen für das Femicide Observation Center Germany wollen Sie Transparenz schaffen. Nach welchen Parametern sammeln und sortieren Sie die Daten und was geschieht dann damit?

Dr. Kristina Wolff: Die Datenbank ist eine große Excel-Tabelle, die versuchte und vollendete Attentate gegen Mädchen und Frauen erfasst. Ich schlüssele die Tötungsdelikte nach über 100 Parametern auf. Dabei prüfe ich beispielsweise, ob das Opfer schwanger war oder ob die Tat vermeidbar gewesen wäre, weil bereits Todesandrohungen durch den Täter oder eine Wegweisung vorlagen – also der Täter bereits offiziell aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurde. Ich prüfe auch, ob die Tat im öffentlichen Raum begangen wurde und ob Kinder betroffen sind.

herCAREER: Wie kommen Sie an diese Informationen?

Dr. Kristina Wolff: Die Arbeit beginnt mit der ersten Pressemeldung zu einer getöteten Frau. Dann beobachte ich in den folgenden Stunden und Tagen, welche weiteren Informationen veröffentlicht werden. Nicht jeder Femizid ist den Behörden eine Pressemeldung wert. Das heißt, manche muss ich aktiv suchen oder bei Staatsanwaltschaften abfragen und wieder andere werden mir von Privatpersonen zugespielt. Ich dokumentiere diese Artikel, indem ich sie als chronologisch sortierte PDFs ablege. Aus der Summe der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte lassen sich belastbare Trends und Aussagen ableiten, die ich dann publiziere.

herCAREER: Wie viele Femizide haben Sie bis zu unserem Gespräch am 30.03.2026 verzeichnet?

Dr. Kristina Wolff: Ich habe dieses Jahr bisher 55 Femizide dokumentiert, einige davon sind bis dato noch versuchte Femizide, die letzte Meldung lautete „lebensgefährlich verletzt“. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Für 2025 habe ich 165 vollendete Tötungsdelikte festgehalten, hochgerechnet erwarte ich auch für 2026 etwa 200 dokumentierte Femizide. Ich erhebe allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da ich immer mit der Arbeit hinterherhinke und keine Möglichkeit habe, meine Daten mit der PKS abzugleichen. Ich arbeite neben meiner Erwerbstätigkeit und an den Wochenenden Fälle ab. Es ist unbefriedigend, aber mehr geht unter den derzeitigen Umständen nicht.

herCAREER: Hat Ihnen je eine Behörde Mittel oder Unterstützung angeboten?

Dr. Kristina Wolff: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich werde als Quertreiberin betrachtet, die den Finger in die Wunde legt. Ich übe mit meiner Arbeit Kritik an allen Beteiligten: Legislative, Exekutive und Judikative, dem Hilfesystem und den involvierten Anwält:innen. Und ich frage immer wieder: „Wie konntet ihr alle es so weit kommen lassen?” Dazu kommt, dass ich als FEMEN-Aktivistin kontinuierlich sehr öffentlichkeitswirksam die Botschaft propagiere: „Frauen werden umgebracht, weil ihr euren Job nicht macht.“

herCAREER: Wer muss zuerst Verantwortung übernehmen?

Dr. Kristina Wolff: In diesem Fall stinkt der Fisch wirklich vom Kopf her. Ich kann alle Politiker:innen nur daran erinnern, dass sie einen Eid auf das Grundgesetz geschworen haben. In Artikel 2, Absatz 2 heißt es: „Jeder und jede hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.” Theoretisch bräuchten wir die Istanbul-Konvention gar nicht, denn gemäß unserer Verfassung müssen alle, insbesondere die Bundespolitiker:innen, daran interessiert sein, dass Frauen und Mädchen in unserem Land unversehrt und selbstbestimmt leben können. Indem staatliche Repräsentant:innen das (weiterhin) ignorieren, sind sie aktiver Teil der strukturellen Gewalt gegen Frauen.

herCAREER: Stichwort Istanbul-Konvention: Deutschland durchläuft gerade zum zweiten Mal die Prüfung durch GREVIO, die unabhängige Expertengruppe des Europarats. Bei der ersten Prüfung im Jahr 2022 wurden Deutschland „gravierende Defizite“ bescheinigt und konkrete Forderungen an die Regierung gestellt. Wie wird die Evaluation Ihrer Meinung nach ausfallen?

Dr. Kristina Wolff: Die Bundesregierung torpediert die Kommission in ihrem sogenannten Staatenbericht mit einem Katalog angeblicher Maßnahmen, die alle erst nach einer Gewalterfahrung greifen. Die schiere Masse der Maßnahmen soll den Eindruck erwecken, dass gehandelt wird. Stattdessen steigen die Zahlen von Gewalt und tödlicher Gewalt gegen Frauen seit Jahren an. Diese Liste führt beispielsweise das Gewalthilfetelefon an. Das existiert seit 1973, lange vor der Istanbul-Konvention! Ich wehre mich gegen diese Augenwischerei und habe mein Buch und meine Daten – als Teil der sogenannten Schattenberichte, die NGOs und Privatpersonen liefern sollen – an GREVIO geschickt, damit sie das Bild vervollständigen.

herCAREER: Im Vergleich zu Schweden, Frankreich, Italien und Spanien fehlt uns eine nationale Strategie. Was machen diese Länder richtig?

Dr. Kristina Wolff: Solange der politische Wille für die Bevölkerung nicht erkennbar ist, kann sich auch kein gesellschaftlicher Wille durchsetzen. Andere Länder erreichen Veränderung. Einige Beispiele: Kanada hat einen nationalen Gedenk- und Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen. Er erinnert an ein Massaker an 14 Studentinnen im Jahr 1989. In Großbritannien liest die Abgeordnete Jess Phillips seit 11 Jahren anlässlich des Internationalen Frauentags die Namen der Femizid-Opfer des vergangenen Jahres vor. Dieses Jahr waren es 110 Namen, die der Femicide Census erfasst hat – eine Datenbank, die ebenfalls von einer Privatperson geführt wird. Spanien ist federführend bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Europa und hat eine nationale Strategie aufgesetzt, die jedes Jahr überarbeitet und verbessert wird.

Sie wird mit entsprechenden Etats, Zielen und Verantwortlichkeiten hinterlegt und berücksichtigt, dass die Exekutive geschult ist und die Staatsanwaltschaften schneller arbeiten. Spanische Medien, analog und digital, melden jeden einzelnen Femizid sofort und schaffen so Bewusstsein. Die Ministerien ächten diese Gewaltexzesse umgehend öffentlich auf der offiziellen Homepage. Auch die Fußfessel würde in Deutschland nicht eingesetzt werden, wenn sie in Spanien nicht bereits mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote genutzt würde. In Ludwigsburg haben wir am 10. März jedes Jahres einen Gedenktag und eine Schweigeminute für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt eingeführt. Das ist ein leicht umzusetzendes und kostengünstiges Instrument, wurde aber weder vom Land noch vom Bund aufgegriffen. Bewusstsein und Erinnerungskultur sind Prävention, so wie sie von der Istanbul-Konvention eingefordert wird! In Deutschland finden sich Billigung und stille Akzeptanz sogar in der Sprache wieder.

herCAREER: Haben Sie hier Beispiele?

Dr. Kristina Wolff: In Medien heißt es „Gewalt an Frauen“, anstatt „Gewalt gegen Frauen“, was die korrekte Präposition wäre. Die Justiz nennt es „erweiterten Suizid“, wenn sich der Täter nach dem Mord an einer Frau oder einem Kind das Leben nimmt. Das Opfer wird so zur „Erweiterung“ entmenschlicht. Im Englischen heißt es dagegen korrekterweise Murder Suicide. Und statt der passiven Formulierung „Frau wurde erstochen“ bei sexualisierter und tödlicher Gewalt müsste es lauten: „Ein weiterer Mann hat (s)eine Frau erstochen“. Wenn Medien die Sprache aus Polizeiberichten und Pressemeldungen reproduzieren oder sogar voyeuristisch ändern, verfestigt und normalisiert auch das Gewaltstrukturen.

herCAREER: Welche Schritte braucht Deutschland auf politischer, institutioneller und individueller Ebene?

Dr. Kristina Wolff: Mit den Behörden mache ich sehr unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt Richter:innen, Staatsanwält:innen und Polizist:innen, die mich sehr unterstützt haben. Ich glaube, das Problem kann nur durch die Verbindung aller politischen Instanzen gelöst werden. Das heißt, das BMBFSFJ hat zwar die federführende Verantwortung, aber letztlich müssen das Bundesinnenministerium, das Bundesjustizministerium, das Kultusministerium und das Bundesgesundheitsministerium zusammenarbeiten. Auch das Wirtschaftsministerium muss involviert sein, denn wenn Frauen attackiert und/oder umgebracht werden, hat das erwiesenermaßen gravierende wirtschaftliche Konsequenzen. Meine Forderung ist, dass diese Instanzen ressortübergreifend eine gemeinsame Strategie entwickeln, angefangen mit einer gemeinsamen Definition des Begriffs „Femizid” und der adäquaten Bereitstellung von Mitteln sowie einem nachhaltigen Qualitätsmanagement. Ein Stück Butter unterliegt in Deutschland strengeren interdisziplinären Regeln und Gesetzen als der Schutz von weiblichem Leben.

herCAREER: Welche Forderungen stellen Sie an Männer?

Dr. Kristina Wolff: Ich fordere Männer auf, sich ein Beispiel an Alexander van der Bellen, dem österreichischen Bundespräsidenten, zu nehmen. Er hat am Internationalen Frauentag Männer dazu aufgerufen hat, sich nicht länger hinter dem Hashtag #NotAllMen zu verstecken. Es reicht nicht, zu sagen: „Ich kenne das Problem, aber ich bin ja selbst kein Täter.“ Das ist zu wenig! Wer sich darauf ausruht, ist Teil des Problems. Mittlerweile betrachte ich diese Verweigerungshaltung als Teil der strukturellen Gewalt. Das gilt auch für Frauen: Es reicht nicht aus, sich betroffen zu zeigen. Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung.


Die herCAREER Expo steht für: Austausch, Expertise und Inspiration.
Am 22. und 23. Oktober 2026 öffnet die herCAREER Expo ihre Türen im MOC München – ein Event, das Menschen anspricht, ganz gleich, ob sie aktiv auf Jobsuche sind oder einfach nach Inspiration und Netzwerk suchen.

Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel

*Wir hatten zunächst geschrieben, das FOCG sei die einzige Datenbank, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Das ist nicht korrekt. Es gibt weitere nationale Initiativen, die Tötungsdelikte gegen Frauen dokumentieren, wie z. B. Feminizidmap.org.

Quelle messe.rocks GmbH

Linexa Finanzierung: Münchner Startup bringt KI in Europas Fabriken

0
Linexa Finanzierung: 2 Mio für KI in Fabriken

Linexa Finanzierung stärkt Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit

  • Chinas Fabriken laufen im Dunkeln. Europas stehen still.
    Münchner Startup Linexa will das ändern und sammelt Millionen ein.
  • Linexa schließt 2 Millionen Euro Pre Seed ab, angeführt von Project A, mit Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehem. CTO CDO Kuka und Körber) als Angels.
  • Linexas Plattform entschlüsselt jahrzehntealte Steuerungstechnik herstellerübergreifend und macht damit Europas Fabriken erstmals KI fähig.
  • Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt Linexa bereits ein und beschleunigt die Digitalisierung der Produktion.

Die europäische Fertigungsindustrie steht unter massivem Druck: VW baut über 35.000 Stellen ab, ZF Friedrichshafen kürzt 14.000, Schaeffler 4.700. Gleichzeitig entstehen in China sogenannte Dark Factories: Werke, die so weit automatisiert sind, dass sie kein Licht mehr brauchen.

Der Grund ist strukturell: Steuerungsgeräte von Dutzenden Herstellern, über Jahrzehnte kontinuierlich angepasst, steuern dieselbe Linie und niemand versteht das System als Ganzes. Jede Anpassung riskiert Produktionsausfälle. Diese kosten bis zu 2,3 Millionen Dollar pro Stunde.

Die logische Konsequenz lautet bis heute: „Never change a running system.“

Linexa Finanzierung bringt KI direkt auf Maschinenebene

Das Münchner Startup Linexa bietet Fertigungsunternehmen, was ihnen aktuell fehlt: ein vollständiges Bild ihrer eigenen Produktion und KI Agenten, die diese optimieren.

Heute gibt Linexa eine Pre Seed Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro bekannt. Die Runde wird von Project A angeführt, als Angel Investoren beteiligen sich u. a. Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehemaliger CTO CDO von Kuka und Körber).

Das Kapital fließt in den Ausbau der Plattform und das Wachstum des Teams.

„Jeder Produktionsstandort, der in Deutschland und Europa schließt, jeder Hidden Champion, der von ausländischen Investoren aufgekauft wird, schwächt unsere Wirtschaftskraft und damit die Unabhängigkeit Europas. Eine starke Fertigungsindustrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands. Linexa gibt Fertigungsunternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Anlagen zurück und stärkt damit deren Wettbewerbsfähigkeit“, so Viktor Stryczek, Mitgründer und Co CEO.

Während konkurrierende Lösungen auf Geschäftsprozesse oder Sensordaten setzen, erschließt Linexa den Steuerungscode direkt auf Maschinenebene und überführt die Funktionslogik in ein einheitliches Datenmodell.

Was das in der Praxis bedeutet: Ein Kosmetikhersteller stellt eine Abfülllinie von Flüssigseife auf Handcreme um. Linexa analysiert die gesamte Steuerungslogik der Linie, erkennt Risiken, bevor sie zu Stillständen werden, und reduziert die Umrüstzeit deutlich.

Linexa Finanzierung zeigt erste Erfolge in der Praxis

Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt die Plattform bereits ein, mit dem Ziel, die Neuaufstellung der Produktionsnetzwerke und weitere Digitalisierunginitiativen mit Linexa durchzuführen.

Florian Heinemann, General Partner, Project A:
„Die europäische Fertigung ist unser wirtschaftliches Fundament. Mit Linexa gelingt die Shopfloor Modernisierung schnell genug, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten. Deshalb haben wir investiert.“

Bild Founding Team @ Linexa GmbH

Quelle Linexa GmbH 

smart Concept #2 zeigt Zukunft des fortwo Nachfolgers

0
smart Concept #2 zeigt neuen fortwo Nachfolger
  • smart präsentiert mit dem Concept #2 einen Ausblick auf den Nachfolger des legendären smart fortwo
  • Mit ersten Design-Eindrücken des Zweisitzers Concept #21 setzt smart ein klares Signal und liefert einen vielversprechenden Ausblick auf die Neuinterpretation der urbanen Ikone: den kommenden smart #2
  • Am 22. April lädt smart zu dem exklusiven globalen Markenevent „Change of Perspectives“ ein
  • Auf der Auto China 2026 in Peking enthüllt die Marke ihre bislang ambitionierteste Produkterweiterung: den mit Spannung erwarteten Nachfolger des legendären fortwo

smart Concept #2 kündigt neue Generation des fortwo an

Getreu der Tradition, urbane Mobilität neu zu definieren, stellt smart heute die ersten offiziellen Designskizzen und Detailbilder des smart Concept #2 vor. Das mit Spannung erwartete Designmodell eröffnet den langersehnten Ausblick auf die Neugestaltung des legendären zweisitzigen Stadtautos der Marke.

Die konsequente Weiterentwicklung der Marke und des Produktportfolios steht im Mittelpunkt des smart Global Brand Events am 22. April. Im Anschluss feiert das smart Concept #2 auf der Auto China 2026, einer der weltweit wichtigsten Automobilmessen, seine Premiere.

smart Concept #2 definiert urbanes Design neu

Ein Ausblick auf das smart Concept #2: Unkonventionell neu gedacht

Das smart Concept #2 bewahrt die Essenz des beliebten urbanen Zweisitzers und wird für die Gegenwart mutig neu interpretiert. Als erstes konkreteres Abbild des vollelektrischen smart #2 greift das Konzeptmodell die prägenden Merkmale des legendären smart fortwo auf und präsentiert eine neue Vision des Stadtautos.

Das smart Concept #2 interpretiert die Designvision von smart aus einer stilprägenden Perspektive, in der Funktion zum Ausdruck von Haltung wird. Getreu der Designphilosophie „Love, Pure, Unexpected“ geht das Konzeptmodell über intelligente Praktikabilität hinaus und versteht sich als natürliche Erweiterung der persönlichen Identität.

Das markante Exterieur zeichnet sich durch eine ausdrucksstarke zweifarbige Lackierung in mattem Weiß und warmem Gold aus. Präzise Linien und sorgfältig ausgearbeitete Details wie Schnallen und edle Lederakzente greifen den Minimalismus der Moderne ebenso auf wie Einflüsse aus der Premium-Mode. Auf das Wesentliche reduziert, wird die kompakte Silhouette zur Leinwand für Individualität. Zugleich überzeugt das Concept #2 durch eine bemerkenswerte Designkontinuität, die den Geist des allerersten smart Zweisitzers aufgreift und ihn konsequent in ein neues elektrisches Zeitalter überführt. So verkörpert es die charakteristische smart Designphilosophie in einer einzigartig kompakten Formensprache und einer nahtlosen Verbindung von Kontrasten, aus der verborgene und unerwartete Faszination entsteht.

smart Concept #2 als Teil der globalen Markenstrategie

Vorschau auf den smart #62 EHD für China: Sportlichkeit trifft auf Eleganz

Ein weiteres Highlight des smart Global Brand Event 2026 ist die Weltpremiere des smart #6 EHD, der ersten Premium-Fastback-Limousine der Marke. Das vom Mercedes-Benz Global Design Team entworfene Modell verkörpert eine unverwechselbare Originalität und setzt neue Impulse in der Branche. Das Fahrzeug wird exklusiv auf dem chinesischen Markt angeboten und ist in Europa nicht erhältlich.

Beide Modelle, die für unterschiedliche Segmente entwickelt wurden, verkörpern die globale smart Designphilosophie „Love, Pure, Unexpected“ und zeichnen sich durch das charakteristische Design des Mercedes-Benz Global Design Teams aus. In Anlehnung an den charakteristischen smart Markenslogan „Open Your Mind“ lädt die in diesem Jahr gestartete Kampagne „Change of Perspectives“ dazu ein, über bisherige Annahmen hinauszudenken. Als Marke, die die Welt seit jeher aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, nutzt smart diesen dynamischen Geist, um ein wachsendes Produktportfolio voranzutreiben, das auf die vielfältigen Kundenbedürfnisse zugeschnitten ist und den urbanen Mobilitäts-Lifestyle in Deutschland, Europa und weiteren internationalen Märkten bereichert.

Haftungsausschluss

1Konzeptfahrzeug, das nicht zum Verkauf angeboten wird.

2Nicht für den europäischen Markt erhältlich.

Bild smart Concept Bildcredits smart Europe GmbH

Quelle smart Europe GmbH

Re-Fresh Global im Interview: Wie ein Startup Textilrecycling neu denkt

0
Re-Fresh Global Interview zum Textilrecycling Urte Zahn Fotograf Carolin Weinkopf

Im Re-Fresh Global Interview erzählt Urte Zahn, wie das Unternehmen das Textilrecycling revolutionieren und gemischte Textilabfälle erstmals industriell verwertbar machen will

Wie ist Re-Fresh Global entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?

Re-Fresh Global ist aus einem sehr konkreten Problem der Textilindustrie entstanden: Gemischte Textilabfälle lassen sich mit herkömmlichen Methoden bis heute nur sehr begrenzt recyceln. Lediglich 1 Prozent werden derzeit in neue Fasern recycelt. Genau dort setzt unsere Technologie an.

Re-Fresh Global’s Gründerin und heutige Chief Product & Technology Officer Revital Nadiv bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der Textil- und Modeindustrie mit. In dieser Zeit hat sie aus nächster Nähe erlebt, wie groß das Problem nicht recycelbarer Mischtextilien tatsächlich ist. Daraus entstand der Anspruch, nicht nur über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern eine industriell skalierbare Lösung aufzubauen.

Ich bin seit Januar 2026 CEO von Re-Fresh Global. Ich bringe langjährige Erfahrung in industrieller Transformation, Innovation und im Aufbau neuer Geschäftsmodelle mit. Mich hat an Re-Fresh Global überzeugt, dass hier ein reales Industrieproblem mit einer skalierbaren technologischen Lösung adressiert wird. Genau diese Skalierung und den Aufbau des Unternehmens treibe ich heute mit voran.

Was hat euch dazu bewegt, euch auf das Recycling von Textilabfällen zu fokussieren?

Weltweit fallen jährlich 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Das entspricht einem verlorenen Rohstoffwert von 500 Milliarden US-Dollar. Gerade gemischte Textilien wie Poly-Baumwolle sind mit bestehenden Verfahren bis heute nur begrenzt hochwertig und im großen Maßstab verwertbar.

Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck in Europa deutlich, etwa durch die Abfallrahmenrichtlinie, Extended Producer Responsibility und die Verpackungsverordnung. Aus meiner Sicht ist aber vor allem entscheidend, dass die industrielle Infrastruktur fehlt, um gemischte Textilabfälle tatsächlich zu verarbeiten. Darauf ist der Ansatz von Re-Fresh Global ausgerichtet.

Welche Vision verfolgt Re-Fresh Global für die Zukunft der Textilindustrie?

Unsere Vision ist, dass Textilabfälle künftig nicht mehr vor allem als Entsorgungsproblem behandelt werden, sondern als Rohstoffquelle. Dafür braucht es Technologien und Infrastruktur, mit denen gemischte Textilien im industriellen Maßstab verarbeitet und in neue Zellulose- und Faserrohstoffe überführt werden können.

Wenn das gelingt, werden deutlich weniger Textilien verbrannt oder deponiert und stattdessen als wertvolle Ausgangsmaterialien in neue industrielle Anwendungen zurückgeführt.

Wie möchtet ihr mit eurer Technologie eine echte Kreislaufwirtschaft ermöglichen?

Gemischte Textilien sind bislang vor allem deshalb schwer zu verwerten, weil sie sich nur begrenzt trennen lassen und die industrielle Infrastruktur dafür weitgehend fehlt. Genau dort setzt unsere Technologie an: Wir haben ein enzymatisches Verfahren entwickelt, das gemischte Textilabfälle so aufbereitet, dass daraus hochwertige Rohstoffe entstehen.

Dabei entstehen mit Re-SanPulp™ ein Material für Nonwovens und textile Anwendungen sowie mit Re-Celloop™ ein Zelluloseprodukt für Einsatzfelder wie Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffe.

Entscheidend ist für uns aber nicht nur das Material selbst, sondern auch die Skalierung: Mit unserem lizenzierbaren Smart-Up™ System wollen wir ermöglichen, dass Textilabfälle näher an ihrem Entstehungsort verarbeitet werden. Das reduziert Transporte, stärkt die regionale Wertschöpfung und schafft lokale Arbeitsplätze.

Wer gehört zur Zielgruppe von Re-Fresh Global und welche konkreten Probleme löst ihr?

Zu unserer Zielgruppe gehören zum einen Industrien, die neue biobasierte und zirkuläre Rohstoffe suchen. Mit Re-Celloop™ adressieren wir insbesondere Anwendungen in Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffen. Dort lösen wir das Problem, dass nachhaltige, plastikfreie und lokal verfügbare Zellulosealternativen bislang nur begrenzt verfügbar sind.

Zum anderen adressieren wir mit Re-SanPulp™ Branchen wie Automotive und Haushaltsgeräte, in denen der Druck steigt, bis 2030 deutlich mehr recycelte Materialien in bestehende Produkte und Lieferketten zu integrieren. Hier bieten wir eine nachhaltige Rohstoffquelle für Autoinnenräume und Haushaltsgeräte.

Für Investoren ist Re-Fresh Global interessant, weil wir eine konkrete industrielle Umsetzungslücke mit einer skalierbaren Technologie und einem klaren Kommerzialisierungsansatz adressieren.

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell beim Aufbau eures Geschäftsmodells im Recyclingbereich?

Die größte Herausforderung ist ganz klar Kapital. Deep-Tech-Unternehmen brauchen Zeit, um Technologie zu entwickeln, zu validieren und in industrielle Anwendungen zu überführen. Viele Investoren suchen kürzere Zeithorizonte und schnellere Renditen, als sie im Aufbau industrieller Deep-Tech-Modelle realistisch sind. Wir sammeln aktuell 5 Millionen Euro, um unsere Demo-Fabrik in Thüringen zu bauen und parallel Technologie, Pilotprojekte und Kommerzialisierung weiter voranzutreiben.

Hinzu kommt, dass die regulatorische Richtung zwar klar ist, sich die konkreten Anforderungen in einzelnen Bereichen aber weiterentwickeln. Das erhöht den Druck im Markt, schafft aber noch nicht automatisch Umsetzungssicherheit.

Auch auf Kundenseite sehen wir eine typische Spannung: Viele Unternehmen verstehen das Problem und erkennen die Dringlichkeit, zögern aber noch, neue Materialien in bestehende Lieferketten zu integrieren. Deshalb sind Pilotprojekte für uns so wichtig. Sie schaffen Validierung, Vertrauen und die Grundlage für den nächsten Schritt in die industrielle Anwendung.

Wie geht Re-Fresh Global mit technischen Hürden bei der Verarbeitung gemischter Textilien um?

Die größte technische Herausforderung im Textilrecycling sind gemischte Textilien aus verschiedenen Fasertypen wie Baumwolle, Polyester, Elasthan und Viskose. Bei Re-Fresh Global haben wir dafür einen enzymatischen Prozess entwickelt, der eine selektive Trennung der Fasertypen ermöglicht, ohne die Materialien dabei zu zerstören. Unser Verfahren kann auf verschiedene Textilzusammensetzungen eingestellt werden. Dabei erreichen wir je nach Material eine Verwertungsquote von bis zu 95 Prozent.

Was unterscheidet Re-Fresh Global von anderen Ansätzen im Textilrecycling?

Viele Ansätze im Textilrecycling konzentrieren sich vor allem auf Textil-zu-Textil-Lösungen. Re-Fresh Global verfolgt bewusst einen Open-Loop-Ansatz: Wir verarbeiten Textilabfälle nicht nur zu neuen Faseranwendungen, sondern auch zu hochwertigen Zellulosematerialien für verschiedene Industrien.

Damit erweitern wir die Verwertungsmöglichkeiten gemischter Textilabfälle deutlich und schaffen echtes Upcycling für Materialströme, die bislang nur sehr begrenzt genutzt werden konnten. Gleichzeitig verbrauchen wir nach unseren bisherigen Daten rund 50 Prozent weniger Energie und verursachen rund 85 Prozent weniger CO2-Emissionen als vergleichbare Virgin-Materialien.

Welche Rolle spielt eure biotechnologische Lösung für die Skalierbarkeit eures Modells?

Der enzymatische Ansatz ist für die Skalierbarkeit unseres Modells zentral, weil er sich auf unterschiedliche Textilzusammensetzungen und Qualitäten einstellen lässt. Gleichzeitig können Enzyme in großen Mengen produziert und in modularen Anlagen eingesetzt werden. Genau darauf ist unser Smart-Up™ System ausgelegt: Es ist an verschiedenen Standorten effizient replizierbar.

Welche nächsten Schritte plant Re-Fresh Global in Bezug auf Wachstum und Marktausbau?

Der nächste große Schritt für Re-Fresh Global ist der Aufbau unserer Demo-Fabrik in Thüringen. Dafür sammeln wir aktuell 5 Millionen Euro Seed-Kapital, um die nächste industrielle Phase und Einsätze zu finanzieren.

Gleichzeitig bauen wir auf unserer bisherigen Traktion auf: Wir haben sieben bezahlte Pilotprojekte abgeschlossen und damit 500.000 Euro Umsatz generiert. Parallel bringen wir unsere Smart-Up™ Mikrofabrik in den Einsatz, schließen laufende Pilotprojekte mit europäischen OEMs ab und arbeiten an den nächsten Schritten in Richtung Serienintegration. Anwendungen in Akustik und Automotive treiben wir weiter voran, und erste Re-Celloop™ Materiallieferungen für die Kosmetikindustrie sind bereits angelaufen. Gleichzeitig wollen wir für Re-Celloop™ weitere Pilotprojektpartner gewinnen, um zusätzliche industrielle Anwendungen zu erschließen.

Wo seht ihr Re-Fresh Global in den nächsten fünf Jahren?

In fünf Jahren sehen wir Re-Fresh Global als einen etablierten Infrastruktur- und Technologieanbieter für enzymatisches Textilrecycling. Entscheidend wird sein, dass unsere Smart-Up™ Mikrofabriken beziehungsweise standardisierten Module dort eingesetzt werden, wo Textilabfälle anfallen, und damit lokale Verwertungsinfrastruktur entsteht.

Aus heutigen Pilotprojekten sind dann belastbare Serienanwendungen mit Partnern in Automotive, Kosmetik, Verpackung und Haushaltsgeräten geworden. Re-SanPulp™ und Re-Celloop™ ersetzen Virgin-Materialien in industriell relevantem Maßstab.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Arbeitet an einem Problem, das wirklich relevant ist. Nicht jedes interessante Thema ist auch ein tragfähiges Unternehmen. Entscheidend ist, ob es dafür einen echten Bedarf und langfristig einen belastbaren Markt gibt.

Zweitens: Verwechselt Aufmerksamkeit nicht mit Fortschritt. Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen zählen am Ende Validierung, Umsetzung und echte Kundenbeziehungen mehr als gute Sichtbarkeit allein.

Drittens: Sucht euch die richtigen Menschen an eure Seite. Das gilt für Team, Partner und Investoren gleichermaßen. Wer ein komplexes Unternehmen aufbauen will, braucht nicht nur Kapital und Kompetenz, sondern auch Vertrauen, Ausdauer und die Bereitschaft, gemeinsam durch schwierige Phasen zu gehen.

Photocredit: Carolin Weinkopf

Wir bedanken uns bei Urte Zahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wird über Gesundheit noch offen gesprochen

0
Every Health sexuelle Gesundheit und Telemedizin

Every Health gestaltet den Zugang zu sexueller Gesundheit neu und nutzt Telemedizin für eine diskrete und moderne Versorgung

Wie ist Every Health entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?

Every Health ist aus Frust entstanden. Dima und Alex haben sich kennengelernt und schnell gemerkt, dass sie dieselbe Erfahrung teilen: Wer sich in Deutschland um seine sexuelle Gesundheit kümmern will, landet in einem System, das dafür nicht gemacht wurde. Lange Wartezeiten, überforderte Ärztinnen, unangenehme Gespräche und ganz viel Stigma. Dima hat ukrainische Wurzeln, ist in München aufgewachsen und hat vor Every Health als VC bei Atlantic VC gearbeitet. Alex hat als Geschäftsführer Natural Mojo zur führenden Supplements-Brand in sechs europäischen Märkten skaliert. Seit 2023 haben wir in Berlin ein Team aufgebaut, das heute aus knapp zehn Leuten besteht. Darüber hinaus haben wir ein starkes Netzwerk aus spezialisierten Fachärztinnen, Laborpartnern und Apotheken.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben die Gründung geprägt?

Dima erinnert sich noch genau an den Moment, als er selbst zum ersten Mal einen STI-Test machen wollte. Beim Hausarzt wurde es sofort unangenehm, die Fragen fühlten sich an wie ein Verhör, und am Ende war nicht mal klar, ob die richtigen Tests überhaupt gemacht wurden. Dazu kam das Gefühl, sich für den eigenen Lebensstil rechtfertigen zu müssen. Du sitzt da, in einer Arztpraxis, und plötzlich geht es nicht mehr um deine Gesundheit, sondern darum, wie du lebst und mit wem.

Du merkst, wie dein Gegenüber anders mit dir spricht, sobald das Thema auf dem Tisch liegt. Und du fragst dich: Warum muss das so schwer sein? Jeder zweite Mensch wird laut WHO in seinem Leben eine Geschlechtskrankheit bekommen. Jeden Tag stecken sich weltweit eine Million Menschen neu an. Das System macht es allen unnötig schwer, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Die Konsequenz sind vermeidbare Infektionen und späte Diagnosen.

Welche Vision verfolgt Every Health für eine inklusivere Gesundheitsversorgung?

Sexuelle Gesundheit sollte so selbstverständlich sein wie eine Skincare-Routine. Kein Schamgefühl, kein Erklärungsbedarf, kein Spießrutenlauf durchs System. Every Health baut eine Plattform, auf der sich jeder Mensch unkompliziert, diskret und auf medizinisch höchstem Niveau um seine sexuelle Gesundheit kümmern kann. Uns geht es um mehr als nur eine bessere Experience zu bieten. Es geht um einen kulturellen Wandel. Eine Welt, in der es völlig normal ist, über sexuelle Gesundheit zu reden, sich regelmäßig zu testen und Prävention ernst zu nehmen.

Wie gelingt es Every Health, medizinische Angebote speziell auf die Bedürfnisse der LGBTQIA+ Community zuzuschneiden?

Die queere Community war der Ausgangspunkt, weil dort die Versorgungslücken am deutlichsten sichtbar sind. Der Ansatz dahinter gilt aber für alle: Zuhören, verstehen, was Menschen wirklich brauchen, und dann Produkte bauen, die genau das liefern. Klar gibt es Unterschiede in Risiken für unterschiedliche Gruppen und Verhaltensweisen. Aber am Ende des Tages profitieren alle von niedrigschwelligem Zugang zu guter Versorgung – egal wen man liebt. Gute sexuelle Gesundheitsversorgung ist inklusiv per Definition.

Welche Rolle spielt Telemedizin im Konzept von Every Health und wo liegen ihre größten Vorteile?

Telemedizin beseitigt die größte Hürde: den Gang zum Arzt. Für viele Menschen ist die Krankheit gar nicht das Problem. Der Weg zur Diagnose ist es. Wer sich schämt, geht nicht hin. Wer auf dem Land lebt, findet keine Spezialist*innen. Oder wer einen vollen Terminkalender hat, schiebt es ewig auf. Every Health bringt die Versorgung nach Hause: Heim-Tests mit Labor-Anbindung, Online-Anamnesen, ärztliche Konsultation, Rezept, alles digital, alles diskret und bequem von zuhause aus. Das senkt die Hemmschwelle massiv und sorgt dafür, dass mehr Menschen sich um ihre Gesundheit kümmern.

Vor welchen Herausforderungen steht Every Health beim Aufbau eines diskriminierungsfreien Gesundheitssystems?

Das deutsche Gesundheitssystem ist ganz gut in dem, wofür es gebaut wurde. Aber es wurde für eine andere Zeit gebaut. Die Strukturen sind träge, die Regulierung oft nicht auf der Höhe der technischen Möglichkeiten, und Innovation wird eher gebremst als gefördert. Das Gesundheitswesen ist eine der traditionellsten Branchen überhaupt. Manchmal fühlt es sich an, wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Dazu kommt, dass sexuelle Gesundheit gesellschaftlich immer noch mit Stigma belegt ist, und das spiegelt sich auch in den Institutionen wider. Aber genau das ist der Antrieb: Wenn nicht wir das ändern, wer dann?

Was unterscheidet Every Health konkret von klassischen digitalen Gesundheitsanbietern?

Die meisten digitalen Gesundheitsanbieter verkaufen Produkte. Wir bauen Verständnis auf. Ein riesiger Teil des Problems ist fehlendes Wissen. Menschen wissen nicht, welche Infektionen es gibt, wie sie übertragen werden oder wann man sich testen lassen sollten. Wo andere Pillen verschicken, geben wir Wissen mit und binden Nutzer*innen aktiv in ihre eigene Gesundheit ein. Und wir bieten den gesamten Prozess aus einer Hand: Diagnostik, Beratung und bei Bedarf Verschreibung und Medikamente. Keine Brüche, kein Ärzte-Marathon, keine Wartezeiten. Alles an einem Ort – von der ersten Frage bis zur Behandlung.

Wie stellt Every Health sicher, dass Vertrauen und Sicherheit bei sensiblen Gesundheitsthemen gewährleistet sind?

Vertrauen entsteht durch Kompetenz und Transparenz. Medizinisch arbeiten wir mit renommierten Laboren, spezialisierten Fachärzt*innen und Schwerpunktapotheken. Jeder Inhalt auf unserer Plattform ist medizinisch geprüft, Datenschutz selbstverständlich DSGVO-konform. Aber das Wichtigste ist die Haltung: Wir kommunizieren auf Augenhöhe. Wer sich bei uns testet oder beraten lässt, soll sich sicher fühlen und es auch sein.

Welche Entwicklungen plant Every Health in den kommenden Jahren?

Wir denken Gesundheit viel größer als Tests und Rezepte. Die Vision ist eine Plattform, die Menschen ganzheitlich durch ihre sexuelle Gesundheit begleitet: Prävention, Diagnostik, Behandlung, Pflege und darüber hinaus. Wir wollen, dass sexuelle Gesundheit und Selbstfürsorge so selbstverständlich werden wie eine Skincare-Routine. Europas erste Adresse für intime Gesundheit. Wir schaffen eine neue Kategorie: Jeder Mensch soll unkomplizierten Zugang zu erstklassiger intimer Gesundheitsversorgung haben.

Welche Rückmeldungen aus der Community haben das Angebot besonders geprägt?

Wir bekommen regelmäßig Emails und DMs von Nutzerinnen, die uns für die Aufklärungsarbeit danken. Das Schönste daran: Viele erzählen uns, dass sie angefangen haben, selbst offen über sexuelle Gesundheit zu sprechen, mit Freunden, mit Sexualpartnern.
Gleichzeitig kommen dabei teilweise wirklich Horrorstories hoch. Erfahrungen, die Nutzerinnen mit Ärzt:innen gemacht haben, von abwertenden Kommentaren bis hin zu falschen Tests oder komplett verweigerter Behandlung. Das macht einen traurig und zeigt uns jedes Mal aufs Neue, wie dringend wir eine Verbesserung brauchen.

Auch konkrete Features entstehen direkt aus solchen Gesprächen. Die anonyme Partnerbenachrichtigung zum Beispiel: In einem Customer Research Interview hat uns jemand erzählt, dass er nach einem positiven Ergebnis verantwortungsvoll handeln wollte, aber Angst davor hatte. Also haben wir einen Weg gebaut, Sexualpartner anonym zu benachrichtigen.
Letztens hat sich ein Nutzer unseres STI-Präventionsservices bei uns bedankt, weil er früher vier bis fünf Chlamydien-Infekte pro Jahr hatte und seit er unseren Service nutzt keinen einzigen mehr. Und eine Lehrerin hat angefragt, ob sie unseren Test im Sexualkundeunterricht zeigen darf.

Was waren bisher die wichtigsten Learnings?

Man kann viel überlegen, grübeln, planen. Aber am Ende des Tages weiß man erst, ob etwas funktioniert, wenn man es umsetzt. Wir haben gelernt, schnell rauszugehen, echtes Feedback zu sammeln und dann nachzubessern. Perfektion im Stillen bringt niemandem etwas.
Gerade in einem so traditionellen Feld wie Medizin begegnet man ständig Menschen, die nicht an Neues glauben. Die Zweifel säen, die sagen: „Es bleibt alles so wie es ist.“ Manche versuchen aktiv, dir Steine in den Weg zu legen. Da muss man einen starken Willen haben und gut filtern: Für wen machen wir das eigentlich? Was sind deren reale Probleme? Wenn man sich das immer wieder vor Augen führt, wird der Lärm von außen leiser.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben?

Löst ein Problem, das euch selbst nachts wachhält. Wenn die Motivation nur der Markt ist, werdet ihr in der ersten wirklich harten Phase aufgeben. Wenn es persönlich ist, macht ihr weiter.
Redet mit euren Nutzer:innen, bevor ihr baut, und hört danach nie auf damit. Die gefährlichste Annahme im Startup ist, dass man weiß, was die Leute wollen.
Gute Leute machen so viel aus. Egal ob Mitarbeitende, Geschäftspartner oder Investoren: Menschen um sich zu haben, die dieselbe Ambition, Professionalität und Treue teilen, entscheidet oft über Make or Break.

Bildrechte: © Every Health

Wir bedanken uns bei Lupo Porschen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Kann etwas ganz Einfaches völlig neu schmecken?

0
Verrano Produkte Wurzelgemüse Geschmack Feinkost Verrano Team bild

Verrano entwickelt Produkte aus Wurzelgemüse mit einzigartigem Geschmack für neue kulinarische Erlebnisse

Wie ist Verrano entstanden und wer steht hinter dem Unternehmen?

Max aus unserem Gründerteam kommt als Koch aus der Sternegastronomie. Da gibt es immer mal wieder neue Ansätze, Gemüse zu veredeln. Nach mehreren Jahren der Entwicklung hatte er ein Produkt, das zu gut war, um es nicht mal im Markt zu testen. Auf dem Weg dahin haben wir Felix kennengelernt. In Anbetracht des hohen Entwicklungsaufwands sind wir heute umso happier, mit ihm einen Maschinenbauer im Team zu haben.

Welche Idee stand am Anfang von Verrano und wie haben Sie diese konkret umgesetzt?

Es ging von Anfang an darum, zu zeigen, was man aus einfachen Gemüsesorten herausholen kann. Durch unser neues Reifeverfahren nehmen wir z.B. eine Steckrübe und veredeln diese so, dass sie die Hauptkomponente in einem Gericht sein kann. Wir haben alles in-house entwickelt. Keiner von uns kommt aus der Entwicklung. Dadurch konnten wir mit einer gesunden Naivität an das ganze heran gehen.

Was macht den Ansatz von Verrano mit gereiftem und geräuchertem Wurzelgemüse so besonders?

Das Besondere an unserem Ansatz ist, dass wir nicht versuchen ein tierisches Produkt zu imitieren. Bei uns bleibt ein Sellerie ein Sellerie, nur eben gereift. Wir merken, dass unsere Kunden förmlich auf diese Art von Produkt gewartet haben. Wann immer man in die Imitation geht, wird man nie ans Original herankommen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Verrano im Bereich nachhaltiger Ernährung?

Vielleicht geht es gar nicht nachhaltiger, als Produkte basierend auf heimischem Wurzelgemüse zu machen. Für uns steht das aber nicht im Vordergrund. Bei uns steht der Genuss im Vordergrund. Es geht darum, einzigartige Geschmacksprofile zu erzeugen, die es so noch nicht gibt. Wenn wir es dann noch schaffen, mit jeder Scheibe Verrano hochverarbeitete oder tierische Produkte zu verdrängen, ist das wunderbar.

Wie ordnen Sie Ihr Produkt ein. Eher Feinkost als Fleischalternative?

Ganz klar Feinkost, aber mit dem Potential für jedermann. Niemand ist Pommes, weil sie pflanzlich sind. Menschen lieben Pommes, weil es ein verdammt gutes Produkt ist. Vielleicht das beste, was eine Kartoffel werden kann. Die Pommes ist unser Vorbild.

Wer ist die Hauptzielgruppe von Verrano und wie erreichen Sie diese am besten?

Unsere Zielgruppe sind Flexitarier und Fleischliebhaber. Wir haben extrem gute Resonanz bei Metzgerinnen, Hobbywurstern und Menschen, die das Herzhafte schätzen. Dort funktioniert unser Produkt, weil es durch das Räuchern Vorlieben bedient und den Menschen das Gefühl gibt, gleichzeitig etwas Neues entdecken zu können.

Wie reagieren Gastronomie und Handel auf ein so neuartiges Produktkonzept?

Am Anfang gibt es natürlich erstmal Skepsis. Aber je mehr B2B Kunden sehen, dass die Produkte bei großen Kunden wie der Deutschen Bahn oder einem Zeit für Brot gut funktionieren, umso einfacher wird es. Beim Handel ist die klassische Frage, wo ich das Produkt positioniere. Von der Salattheke, über das Veganregal bis hin zu den Delikatessen haben wir schon alles gesehen.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie bei der Entwicklung und Etablierung Ihrer Produkte konfrontiert?

Die Produktkategorie ist neu. Daher können wir in der Entwicklung, den Produktionsprozessen und Co. auf keine Referenzwerte zurückgreifen. Wir können einige Dinge aus der Fleischverarbeitung lernen, aber in vielen Fällen ist Gemüse doch eigen. Daher wird unsere Entwicklung auch in der Zukunft länger dauern als in der klassischen Industrie. Wir sind aber auch nicht in Eile.

Was unterscheidet Verrano klar von klassischen pflanzlichen Fleischersatzprodukten?

Wir können sehr gut eher traditionelle und konservative Zielgruppen abholen. Niemand fühlt sich von unserem Produkt vor den Kopf gestoßen. Was kann man schon gegen einen heimischen Sellerie haben? Niemand hat ja etwas gegen Trüffel oder halt die Pommes. Der andere große Punkt ist die Kompromisslosigkeit. Unser Produkt ist auf seine Art sehr simpel, sehr clean. Weil wir keinen Geschmack imitieren müssen, können wir wahnsinnig natürlich arbeiten. Es braucht nur das richtige Verfahren und ausreichend Zeit.

Welche Rolle spielen Regionalität und natürliche Zutaten für Ihr Geschäftsmodell?

Rote Bete, Sellerie und Steckrübe sind ganz klassische heimische Wurzelgemüse. Das macht es extrem einfach für uns, regional zu beschaffen. Das macht unseren Einkauf einfacher. Wir starten jetzt gerade mit dem Vertragsanbau, um hier mehr Sicherheit und Planbarkeit reinzubekommen.

Welche nächsten Schritte und Entwicklungen sind für Verrano geplant?

Wir haben uns bisher auf den B2B Markt konzentriert. Wir sind gerade in der Kapazitätserweiterung unserer Produktion. Mit den Mitteln unserer Finanzierungsrunde gehen wir jetzt den Handel an und stellen sicher, dass auch jeder und jede einfach an die gute Ware kommt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Am Anfang haben viele unser Produkt für zu extrem gesehen. Wir merken aber, dass es zu viele weichgewaschene Produkte gibt – traut euch, echte Innovation zu wagen.
  2. Man bekommt als Gründer wahnsinnig viele Tipps. Wenn man die befolgt, macht man halt das, was alle machen würden. Die Kunst ist es, die Guten zu filtern und 90% zu ignorieren.
  3. Schaut, dass euch das Startupleben nicht zu stark einnimmt. Wenn alles crasht, sollte man noch ein Leben außerhalb des Büros haben.

Bildcredits @ Verrano

Wir bedanken uns bei Manuel Siskowski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie verändert Künstliche Intelligenz die Sicherheit von morgen?

0
KI Sicherheit Startups Innovation Technologien Lippold von Oldershausen Copyright: Ellen Kallscheuer

KI, Sicherheit und Startups stehen im Fokus des de:hub München – Security & Defense und treiben die Entwicklung moderner Sicherheitslösungen voran.

Wie würden Sie den de:hub München – Security & Defense unseren Leserinnen und Lesern vorstellen und welche Rolle spielt der Hub speziell mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in sicherheitsrelevanten Bereichen?

Der de:hub München – Security & Defense ist aus einer sehr konkreten Beobachtung entstanden: Wir haben in Europa exzellente Technologien, aber zu wenig strukturierte Umsetzung. Genau das adressieren wir mit BASED.
Aus dem Munich Security Breakfast heraus, das wir in den vergangenen Jahren parallel zur Munich Security Conference als kuratiertes, hochrangiges Format aufgebaut haben, ist ein belastbares Netzwerk entstanden. Dort bringen wir Entscheidungsträger aus Politik, Industrie, Finanzwelt, Sicherheit und Wissenschaft nicht nur zusammen, sondern in echte Arbeitszusammenhänge.
BASED ist die konsequente Weiterentwicklung: eine operative Plattform, beauftragt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, um Innovation strukturiert in Umsetzung zu bringen.
Mit Blick auf KI heißt das: Wir reden nicht über Potenziale, sondern über Anwendung. Wie kommt KI in die Cyberabwehr, in die Lageanalyse, in Systeme der Bundeswehr? Der Hub ist die Infrastruktur, um genau das zu ermöglichen.

Künstliche Intelligenz verändert derzeit die Art, wie Sicherheit gedacht und umgesetzt wird. Warum ist München aus Ihrer Sicht ein besonders geeigneter Standort, um KI-basierte Sicherheitslösungen zu entwickeln und zu skalieren?

Weil München genau die Kombination mitbringt, die Europa jetzt braucht: technologische Exzellenz, industrielle Stärke und sicherheitspolitisches Verständnis.
Und wir sind in einem Moment, in dem Geschwindigkeit entscheidend ist. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie eng Innovation und Sicherheit heute zusammenhängen. Technologien werden dort nicht mehr über Jahre entwickelt, sondern iterativ und unter realen Bedingungen angepasst.
München hat die Voraussetzungen, darauf zu reagieren: starke Forschung, Deep-Tech-Startups, Industrie, Kapital. Aber entscheidend ist: Wir verbinden diese Akteure – über BASED und Formate wie das Munich Security Breakfast.

Welche konkreten Einsatzfelder von KI stehen im de:hub München – Security & Defense aktuell im Mittelpunkt, etwa in den Bereichen Cybersicherheit, Schutz kritischer Infrastrukturen, Lageanalyse oder Verteidigungstechnologien?

Wir konzentrieren uns sehr klar auf Felder mit unmittelbarer sicherheitspolitischer Wirkung.
Erstens: Cybersecurity, automatisierte Angriffserkennung, Reaktionsfähigkeit, Systemresilienz.
Zweitens: Schutz kritischer Infrastrukturen, etwa Energie, Mobilität, Kommunikation.
Drittens: Lageanalyse – die Fähigkeit, Daten aus unterschiedlichen Quellen in Echtzeit auszuwerten, wie wir es aktuell sehr konkret im Kontext der Ukraine sehen.
Viertens: Defense Tech – Anwendungen für Streitkräfte wie die Bundeswehr, von Aufklärung bis Entscheidungsunterstützung.
Der entscheidende Punkt ist: KI muss operativen Mehrwert liefern.

Wie begleiten Sie Startups dabei, KI-Technologien für sicherheitskritische Anwendungen zu entwickeln, zu testen und in einem hochsensiblen und regulierten Umfeld marktfähig zu machen?

Wir bauen kein klassisches Förderprogramm, sondern ein operatives Ökosystem.
Startups brauchen in diesem Bereich vor allem Zugang – zu Bedarfsträgern, zu realen Anwendungsfällen, zu regulatorischem Verständnis. Wir bringen sie gezielt mit der Bundeswehr, mit Behörden und mit Industriepartnern zusammen.
Wir ermöglichen Pilotprojekte, Testumgebungen und konkrete Zusammenarbeit. Und wir helfen ihnen, die Logik dieses Marktes zu verstehen. Gerade im Sicherheitsbereich gilt: Zugang schlägt Idee. Und Vertrauen schlägt Geschwindigkeit.

KI im Sicherheitskontext wirft auch ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf. Wie gehen Sie im Hub mit Themen wie Verantwortung, Transparenz und Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen um?

Das ist keine Nebenfrage, sondern zentral. KI im Sicherheitskontext braucht Vertrauen. Das heißt: Systeme müssen nachvollziehbar, kontrollierbar und verantwortbar sein. Entscheidungen dürfen nicht im Black Box verschwinden.
Europa hat hier die Chance, einen eigenen Standard zu setzen, leistungsfähige Technologie, aber eingebettet in klare Werte und Regeln. Das ist kein Hemmnis, sondern ein Wettbewerbsvorteil.

Welche Rolle spielen Datenverfügbarkeit, Datenqualität und Datensicherheit bei der Entwicklung KI-basierter Sicherheitslösungen und wie unterstützt der Hub Startups in diesem Spannungsfeld?

Daten sind der eigentliche Engpass.
Gerade im Sicherheitsbereich sind die relevanten Daten oft sensibel, fragmentiert oder schwer zugänglich. Gleichzeitig braucht man genau diese Daten, um funktionierende Systeme zu entwickeln.
Unsere Aufgabe ist es, dieses Spannungsfeld aufzulösen: durch Partnerschaften, durch kontrollierte Umgebungen, durch Zugang zu realen Use Cases.
Ohne belastbare Daten gibt es keine belastbare KI – und keine guten LLM’s.

Wie fördern Sie die Zusammenarbeit zwischen KI-Startups, etablierten Unternehmen, Forschungseinrichtungen und staatlichen Akteuren, um innovative Sicherheitslösungen schneller in die Praxis zu bringen?

Das ist der Kern unserer Arbeit. Das Munich Security Breakfast hat gezeigt, wie groß der Bedarf ist, diese Akteure wirklich zusammenzubringen. Daraus ist BASED entstanden – als dauerhafte Infrastruktur.
Wir arbeiten kuratiert und umsetzungsorientiert. Die richtigen Akteure, konkrete Projekte, klare Zielsetzung. Innovation entsteht nicht im Austausch, sondern in Pragmatismus und wirklicher Zusammenarbeit.

Wo sehen Sie aktuell die größten technologischen Durchbrüche im Bereich KI und Sicherheit und welche Entwicklungen beobachten Sie mit besonderer Aufmerksamkeit für die kommenden Jahre?

Die größten Fortschritte sehen wir bei Echtzeit-Analyse und multimodaler KI. Systeme, die Bild, Video, Text und Sensordaten gleichzeitig auswerten können, verändern gerade die Art, wie Sicherheit funktioniert – von Cyberabwehr bis Aufklärung.
Und wir sehen: Der Innovationszyklus hat sich massiv beschleunigt. Der Krieg in der Ukraine ist hier ein Treiber. Europa muss lernen, in diesem Tempo zu agieren.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit im de:hub München – Security & Defense, insbesondere im Hinblick auf den realen Impact von KI-Lösungen für Sicherheit und Resilienz?

Nicht an Power Points, Konzepten, sondern an Wirkung. Wenn eine Lösung im Einsatz ist, bei der Bundeswehr, bei einem Infrastrukturbetreiber oder in einer Behörde, und dort messbar zur Sicherheit beiträgt, dann ist das Erfolg.

Welche Vision verfolgen Sie für den de:hub München – Security & Defense im Bereich KI und wie soll sich der Standort langfristig positionieren, um eine führende Rolle bei KI-gestützten Sicherheitsinnovationen einzunehmen?

Europa steht an einem sicherheitspolitischen Wendepunkt. Resilienz und technologische Souveränität sind keine Visionen mehr, sondern Voraussetzungen für Demokratie, Freiheit und Wohlstand.
Mit BASED und dem Munich Security Breakfast und unserer Resilience Community schaffen wir die Infrastruktur, um Innovation, Kapital und industrielle Kapazitäten strategisch zusammenzuführen – dauerhaft, nicht punktuell.
Die Vision ist klar: München als führender europäischer Standort für KI-gestützte Sicherheits- und Verteidigungsinnovation. Oder anders gesagt: Wir müssen schneller werden. Und wir müssen besser werden. München ist da der Taktgeber.

Bild Copyright: Ellen Kallscheuer

Wir bedanken uns bei Lippold von Oldershausen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Vom MVP zum Enterprise-System: Wie die richtige WordPress-Agentur Ihr Startup skaliert

0
WordPress Webdesign Agentur für Startup skalieren Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Jedes erfolgreiche Startup beginnt mit einer Vision und einem Minimum Viable Product (MVP), das schnell auf den Markt gebracht wird. Doch was passiert, wenn die erste Traktion einsetzt und der Nutzeransturm beginnt? Die digitale Plattform, die anfangs ausreichte, wird schnell zum Wachstumshemmnis. Performance-Probleme, Sicherheitslücken und fehlende Skalierbarkeit können den Erfolg gefährden, bevor er richtig begonnen hat. Genau an diesem kritischen Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Entscheidung für einen technologischen Partner ist keine operative, sondern eine zutiefst strategische. Deshalb ist die Wahl einer erfahrenen WordPress Webdesign Agentur kein reiner Kostenfaktor, sondern eine fundamentale Investition in die Zukunftsfähigkeit und das unbegrenzte Potenzial Ihres Unternehmens.

Die Grenzen des DIY-Ansatzes: Wann ein Freelancer nicht mehr ausreicht

In der Gründungsphase ist es üblich, auf kostengünstige Lösungen zu setzen. Ein einfacher WordPress-Theme, einige Plugins und vielleicht die Unterstützung eines Freelancers genügen, um die erste Version der Webseite online zu bringen. Dieser Ansatz ist pragmatisch und richtig, um Hypothesen schnell zu validieren. Sobald jedoch die Nutzerzahlen steigen, die Anforderungen komplexer werden und die ersten Umsätze generiert werden, stößt dieses Modell an seine Grenzen. Ein einzelner Entwickler wird zum „Single Point of Failure“. Was passiert bei Krankheit, Urlaub oder wenn die technologische Herausforderung seine Expertise übersteigt?

Plötzlich werden essenzielle Themen wie Ladezeitoptimierung unter Hochlast, proaktive Sicherheitsüberwachung oder die Integration komplexer Drittanbieter-APIs zu unüberwindbaren Hürden. Die Plattform, die einst ein Werkzeug war, wird zur Fessel. Eine professionelle WordPress Webdesign Agentur hingegen bringt ein ganzes Team aus Spezialisten mit – von Backend-Entwicklern über Frontend-Designer bis hin zu Sicherheitsexperten und Projektmanagern. Sie bietet Redundanz, gebündeltes Wissen und etablierte Prozesse, die sicherstellen, dass Ihre digitale Infrastruktur nicht nur funktioniert, sondern als Katalysator für Ihr Wachstum dient.

Technische Exzellenz: Was eine Enterprise-Agentur anders macht

Der Unterschied zwischen einer Standard-Webseite und einer Enterprise-Lösung liegt im Detail der technischen Umsetzung. Eine spezialisierte Agentur verlässt sich nicht auf ein Sammelsurium von Standard-Plugins, die oft zu Performance-Engpässen und Sicherheitsrisiken führen. Stattdessen entwickelt sie maßgeschneiderte Lösungen, die exakt auf die Geschäftslogik des Startups zugeschnitten sind. Dies ermöglicht eine saubere, schlanke und hochperformante Codebasis, die auch bei Millionen von Zugriffen stabil bleibt. Die technische Expertise einer solchen Agentur manifestiert sich in mehreren Bereichen.

Diese gezielten Maßnahmen sorgen dafür, dass die Plattform nicht nur den aktuellen Anforderungen gerecht wird, sondern für zukünftige Entwicklungen gerüstet ist. Eine Enterprise WordPress Webdesign Agentur baut digitale Produkte, die auf Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit ausgelegt sind.

  • Maßgeschneiderte Plugin-Entwicklung: Anstatt die Seite mit Plugins von Drittanbietern zu überladen, werden Kernfunktionen als individuelle, optimierte Plugins programmiert.
  • Headless-Architekturen: Durch die Entkopplung von Backend (WordPress) und Frontend (z. B. React, Vue.js) werden blitzschnelle Ladezeiten und eine flexible Omnichannel-Strategie ermöglicht.
  • Robuste API-Integrationen: Die nahtlose Anbindung an CRM-, ERP- oder Marketing-Automation-Systeme wird durch stabile und sichere Schnittstellen gewährleistet.
  • Automatisierte Deployment-Prozesse (CI/CD): Änderungen und neue Features können schnell, sicher und ohne Ausfallzeiten live geschaltet werden.
  • Proaktives Sicherheitsmanagement: Kontinuierliche Scans, Web Application Firewalls (WAF) und regelmäßige Penetrationstests gehören zum Standard.

Mehr als Code: Der strategische Wert von UI/UX und Conversion-Optimierung

Ein Startup kämpft um jeden einzelnen Nutzer. Eine technisch einwandfreie Webseite ist die Basis, aber sie allein generiert noch keinen Umsatz. Eine führende WordPress Webdesign Agentur versteht sich daher als strategischer Partner, der den unternehmerischen Erfolg des Kunden in den Mittelpunkt stellt. Anstatt nur Anweisungen auszuführen, hinterfragt sie Ziele und bringt ihre Expertise in den Bereichen User Interface (UI) und User Experience (UX) aktiv ein. Der Designprozess basiert nicht auf subjektivem Geschmack, sondern auf Daten, Nutzerforschung und bewährten Konversionsprinzipien.

Jedes Element der Webseite, von der Platzierung eines Call-to-Action-Buttons bis hin zur Struktur des Check-out-Prozesses, wird daraufhin optimiert, die Nutzerreibung zu minimieren und die gewünschten Aktionen zu maximieren. Durch A/B-Tests, Heatmaps und die Analyse von Nutzerverhalten wird die Plattform kontinuierlich verbessert. Dieser datengestützte Ansatz hat direkte Auswirkungen auf die wichtigsten Startup-Kennzahlen: Er senkt die Kundenakquisekosten (CAC), erhöht die Konversionsrate und steigert den Customer Lifetime Value (LTV). Die Investition in eine Agentur, die diese strategische Ebene abdeckt, zahlt sich direkt in Form von höherem Wachstum und besserer Marktpositionierung aus.

Globale Skalierung und Mehrsprachigkeit: Den internationalen Markt erobern

Für ambitionierte Startups ist der Heimatmarkt oft nur der erste Schritt. Die wahre Skalierung findet auf der internationalen Bühne statt. Eine Expansion ins Ausland stellt jedoch enorme technische und konzeptionelle Anforderungen an eine digitale Plattform. Es geht nicht nur darum, Inhalte in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Kulturelle Nuancen im Design, unterschiedliche Währungen und Zahlungsmethoden, länderspezifische rechtliche Anforderungen wie die DSGVO und die technische Optimierung für globale Ladezeiten sind entscheidend.

Eine erfahrene WordPress Webdesign Agentur verfügt über die notwendige Expertise, um diese Komplexität zu managen. Sie implementiert professionelle Mehrsprachigkeitslösungen wie WPML oder entwickelt individuelle Systeme, die eine einfache Verwaltung der Inhalte gewährleisten und gleichzeitig für Suchmaschinen in jeder Zielsprache optimiert sind. Durch den Einsatz von Content Delivery Networks (CDNs) wird sichergestellt, dass die Webseite für Nutzer in New York genauso schnell lädt wie für Nutzer in Tokio. Die Agentur agiert als Wegbereiter für die globale Expansion und schafft die technologische Grundlage, damit sich das Startup auf seine Markteintrittsstrategie konzentrieren kann.

Langfristige Partnerschaft: Wartung, Support und kontinuierliche Weiterentwicklung

Der Launch einer Webseite ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer Reise. Der digitale Markt verändert sich rasant, neue Sicherheitsbedrohungen entstehen täglich und die Erwartungen der Nutzer steigen kontinuierlich. Ein Startup, das sich nach dem Launch selbst überlassen wird, verliert schnell an Wettbewerbsfähigkeit. Eine professionelle WordPress Webdesign Agentur bietet daher langfristige Service- und Wartungsverträge, die weit über einfaches Hosting hinausgehen. Diese Partnerschaft sichert den reibungslosen Betrieb und die stetige Weiterentwicklung der Plattform.

Service-AspektStandard-HostingEnterprise-Support-Vertrag 
UpdatesManuell oder automatisch (riskant)Gemanagte, getestete Core-, Plugin- & Theme-Updates
SicherheitBasis-Firewall, Malware-ScanProaktives Monitoring, WAF, regelmäßige Audits
PerformanceGeteilte Server-RessourcenDedizierte Infrastruktur, CDN, Caching-Optimierung
SupportTicket-System mit langen AntwortzeitenDirekter Ansprechpartner, garantierte Reaktionszeiten
EntwicklungKeine inklusiveFeste Stundenkontingente für neue Features & Optimierung

Diese kontinuierliche Betreuung verwandelt die Agentur in ein ausgelagertes, hochspezialisiertes Tech-Team. Sie ermöglicht es dem Startup, agil auf Marktveränderungen zu reagieren, neue Funktionen zu implementieren und sich stets auf eine sichere und performante Plattform zu verlassen. Diese strategische Absicherung ist für nachhaltiges Wachstum unerlässlich und gibt dem Gründerteam die Freiheit, sich auf das zu konzentrieren, was es am besten kann: das eigene Geschäft vorantreiben.

Titelbild: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Autor: Ela Gerlach

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Gehört dieses Problem am Strand bald der Vergangenheit an?

0
Sunboy Strand Pool aufblasbarer Tisch für unterwegs Sunboy 2 Minuten 2 Millionen Bildrechte/ Fotograf: PULS 4 Gerry Frank

Sunboy entwickelt einen aufblasbaren Tisch für Strand und Pool und wird am 21. April in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen pitchen

Wie ist Sunboy entstanden und wer sind die Gründer hinter dem Startup?

Sunboy ist aus einem Problem entstanden, das jeder kennt: Du bist am Strand oder am Pool, willst entspannen – und plötzlich ist alles voller Sand oder nass, Getränke kippen um und es fehlt einfach eine praktische Ablage. Genau dafür haben wir Sunboy entwickelt. Hinter dem Produkt steht ein Team mit dem klaren Ziel, Outdoor-Erlebnisse einfacher und komfortabler zu machen.

Was hat euch dazu motiviert, einen aufblasbaren Tisch für Sonnenschirme zu entwickeln?

Unsere Motivation war simpel: Warum gibt es für ein so alltägliches Problem keine wirklich gute Lösung? Statt uns damit abzufinden, haben wir entschieden, selbst eine zu entwickeln – und genau daraus ist Sunboy entstanden.

Sunboy wird am 21. April 2026 in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen zu sehen sein. Mit welchen Erwartungen geht ihr in den Pitch?

Für unseren Pitch bei „2 Minuten 2 Millionen“ gehen wir mit einer klaren Mission hinein: Wir wollen zeigen, dass Sunboy das Potenzial hat, ein fester Bestandteil jedes Strand- und Pooltages zu werden. Natürlich freuen wir uns über starke Partner – aber vor allem wollen wir Menschen für unser Produkt begeistern.

Wie bereitet ihr euch aktuell auf euren Auftritt bei 2 Minuten 2 Millionen vor?

Die Vorbereitung läuft intensiv: Wir haben unseren Pitch auf den Punkt gebracht, unsere Zahlen geschärft und uns darauf fokussiert, unsere Story klar und überzeugend zu erzählen. Gleichzeitig entwickeln wir Produkt und Marke konsequent weiter.

Welche zentrale Botschaft möchtet ihr mit Sunboy vor den Investorinnen und Investoren vermitteln?

Unsere zentrale Botschaft ist klar: Mit Sunboy gehört Chaos am Strand oder am Pool der Vergangenheit an. Statt Improvisation gibt es endlich eine einfache, durchdachte Lösung, die sofort funktioniert.

Was wäre für euch ein persönlicher Erfolg nach der Teilnahme an 2 Minuten 2 Millionen?

Ein persönlicher Erfolg wäre für uns, wenn möglichst viele Menschen Sunboy entdecken, nutzen und lieben – und wir zeigen können, dass aus einer einfachen Idee ein echtes Produkt mit echtem Mehrwert entstehen kann.

Welche Vision verfolgt ihr mit Sunboy für die Zukunft von Strand, Freizeit und Outdoor Erlebnissen?

Unsere Vision ist es, Sunboy als festen Bestandteil moderner Freizeit- und Outdoor-Erlebnisse zu etablieren – vom Strand bis zum Pool. Wir wollen eine Marke aufbauen, die für durchdachte, praktische und gleichzeitig stylische Lösungen steht.

Was macht euren aufblasbaren Tisch besonders und welche Probleme löst er im Alltag?

Was Sunboy besonders macht, ist die Kombination aus Einfachheit und Funktionalität: leicht, mobil, schnell einsatzbereit – und genau dort stabil, wo man es braucht. Egal ob am Strand, Pool oder unterwegs.

Welche Rolle spielen Design, Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit bei der Entwicklung eures Produkts?

Design, Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit sind für uns untrennbar. Unser Anspruch ist es, Produkte zu entwickeln, die nicht erklärt werden müssen, sondern sich von selbst erschließen.

Sunboy Strand Pool aufblasbarer Tisch für unterwegs Celia Teichert

Welche Vorteile bietet Sunboy im Vergleich zu herkömmlichen Strandlösungen wie Handtüchern oder festen Tischen?

Im Vergleich zu klassischen Lösungen ist Sunboy ein echter Gamechanger: stabiler als Handtücher, flexibler als feste Tische und dabei so kompakt, dass man ihn überallhin mitnehmen kann.

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit eurem Produkt besonders an und welche Bedürfnisse stehen dabei im Fokus?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die ihre Freizeit bewusst genießen und keine Kompromisse beim Komfort machen wollen – egal ob am Strand, Pool oder im Park.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Produktentwicklung und Produktion?

Die größten Herausforderungen lagen darin, ein Produkt zu entwickeln, das unter echten Outdoor-Bedingungen zuverlässig funktioniert und gleichzeitig leicht, langlebig und einfach in der Handhabung bleibt.

Was unterscheidet Sunboy von anderen Anbietern im Bereich Outdoor und Strandzubehör?

Was uns von anderen unterscheidet, ist unser klarer Fokus: Wir lösen ein konkretes Problem mit einer durchdachten, sofort verständlichen Lösung. Gleichzeitig schützen wir unsere Innovation durch eingetragene Designs und Patente und schaffen so die Basis für eine starke, langfristige Marke.

Welche Bedeutung haben Qualität und Langlebigkeit für eure Marke und eure Kunden?

Qualität und Langlebigkeit sind für uns entscheidend. Gerade im Outdoor-Bereich muss ein Produkt funktionieren – und genau darauf legen wir unseren Fokus.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Drei Ratschläge an andere Gründerinnen und Gründer: Startet, bevor alles perfekt ist. Holt euch früh echtes Feedback. Und bleibt konsequent an eurer Idee dran – auch wenn es schwierig wird.

Sehen Sie Sunboy am 21. April 2026 in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen

Bild: Sunboy 2 Minuten 2 Millionen Bildrechte/ Fotograf: PULS 4 Gerry Frank

Wir bedanken uns bei Celia Teichert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Sunboy

sunboy logo gelb schwarz weiss

Kontakt:

Celia Teichert
Hangweg 26
66877 Ramstein-Miesenbach

www.sunboy.shop
info@sunboy.eu

Ansprechpartner: Celia Teichert

Social Media:
Facebook
Instagram
TikTok
LinkedIn

Neueste Beiträge