Dienstag, November 3, 2026
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Sammlerobjekte im Depot: Wie Collectible Invst Sachwerte als Wertpapier nutzbar macht

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Malte_Haeusler_Collectible_Invst

Collectible Invst macht Sammlerobjekte über ein depotfähiges Wertpapier für Anleger zugänglich und bündelt dafür verschiedene Sammlermärkte in einem Portfolio.

Malte, stell dich und Collectible Invst bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, Sammlerobjekte als eigenständige Anlageklasse zugänglich zu machen?

Ich bin Malte Häusler, CEO und Co-Founder von Timeless Investments in Berlin. Davor war ich gut 20 Jahre in der Managementberatung, bei Zalando und in E-Commerce- und Finance-Führungsrollen. Die Idee kam über Umwege aus unserer ersten Gründungsidee, einem Marktplatz für besondere Fahrzeuge mit lückenlosem digitalen Nachweis. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass diese Sammler-Märkte über Jahrzehnte stabile Wertentwicklungen gezeigt haben. Trotzdem war der Zugang fast nur Insidern mit viel Kapital und Expertise vorbehalten. Mit Timeless haben wir das geändert: Über 80.000 Kunden investieren bei uns digital und in Bruchteilen. Collectible Invst ist der nächste Schritt. Es ist ein depotfähiges Wertpapier, das Sammlerobjekte dorthin bringt, wo professionelles Vermögen verwaltet wird: ins Wertpapierdepot.

Mit Collectible Invst wollt ihr einen Markt verändern, der bisher stark von Sammlern und Liebhabern geprägt ist. Welche Lücke habt ihr darin erkannt?

Sammlermärkte sind riesig, aber für Anleger strukturell verschlossen. Drei Hürden sind entscheidend: hohe Einstiegssummen, fehlende Expertise und kein geregelter Zugang. Ein Vermögensverwalter kann für seine Kunden keine Rolex oder keinen Premium Fahrzeug wie Porsche oder Ferrari ins Depot legen. Genau hier fehlte ein Produkt mit drei Eigenschaften: zugänglich, depotfähig und breit gestreut. Ein Instrument, das sich in bestehende Prozesse von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices einfügt, statt eine neue App oder Plattform zu verlangen. Diese Brücke zwischen der Welt der Sammler und der Welt der Kapitalanlage bauen wir.

Ihr habt ein Wertpapier entwickelt, das Investments in sechs verschiedene Sammlermärkte bündelt. Wie funktioniert dieses Modell und welche Vorteile soll es Anlegern bieten?

Collectible Invst ist eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit ISIN und WKN. Emittentin ist unsere Zweckgesellschaft NH Collectible 1 GmbH. Das eingesammelte Kapital fließt in ein Portfolio aus sechs Sammlermärkten: Luxusuhren, Kunst, Spirituosen, Automobile, Edelsteine und einzigartige Memorabilien. Für Anleger hat das drei Vorteile:

  • Streuung: kein Einzelobjekt-Risiko, sondern ein Korb über mehrere Märkte mit unterschiedlichen Zyklen.
  • Einfachheit: Zeichnung und Verwahrung erfolgen wie bei jedem anderen Wertpapier, über das eigene Depot.
  • Expertise: Auswahl, Ankauf, Lagerung, Versicherung und Verkauf übernehmen wir. Dafür greifen wir auf die Erfahrung aus über 45 Mio. Euro tokenisiertem Volumen zurück.

Kunst, Luxusuhren, Oldtimer und Pokémon-Karten unterscheiden sich erheblich. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Märkte und Objekte für ein Investment infrage kommen?

Wir investieren nicht nach Bauchgefühl, sondern nach klaren Kriterien. Auf Marktebene schauen wir auf folgende Punkte:

  • Gibt es eine globale, liquide Nachfrage?
  • Gibt es verlässliche Preisdaten aus Auktionen und dem Sekundärmarkt?
  • Ist die Knappheit und der Objektzustand nachweisbar und dokumentiert?

Auf Objektebene zählen Provenienz, Zustand, Authentizität, Seltenheit und Exit-Fähigkeit. Bevor ein Objekt ins Portfolio kommt, durchläuft es unser Asset Review Council. Dort bewerten interne und externe Experten jedes Asset. Die Märkte unterscheiden sich stark, aber die Logik dahinter ist dieselbe: Wir kaufen nur, was wir auch wieder verkaufen können.

Bei Collectible Invst setzt ihr auf Künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen. Wie helfen euch diese Technologien dabei, den Wert einzelner Sammlerobjekte einzuschätzen?

Sammlermärkte erzeugen enorme Datenmengen, aber sie sind fragmentiert. Wir haben Auktionsergebnisse, Händlerpreise, Sekundärmarkt-Transaktionen und Nachfragesignale. Datenbasierte Modelle helfen uns, diese Daten zusammenzuführen, Preistrends früh zu erkennen und Ausreißer zu identifizieren. So sehen wir zum Beispiel, wann eine Uhrenreferenz im Vergleich zu ihrer Historie günstig bewertet ist. KI ersetzt dabei nicht den Experten, sie macht ihn schneller und präziser. Wir haben wir ein datengestützes analytisches Tool mit aktuell mehr als 30 Datenquellen (und vor allem auch unsere eigenen Daten aus der aufgebauten Expertise von mehr als 1.000 Sourcings seit 2021). Die finale Entscheidung für ein neues Asset auf der Plattform trifft natürlich immer ein Mensch.

Anders als bei Aktien gibt es für viele Sammlerobjekte keine einheitlichen Marktpreise. Wie geht ihr mit fehlender Transparenz und schwer vergleichbaren Bewertungen um?

Wir gehen das Problem offen an. Sammlerobjekte haben keinen täglichen Börsenkurs, und das sollte man auch nicht vortäuschen. Wir arbeiten deshalb mit drei Mitteln:

  • Breite Datenbasis: Vergleichstransaktionen aus mehreren Quellen statt eines einzelnen Preisanker.
  • Unabhängige Expertise: Bewertungen und Echtheitsprüfungen durch Spezialisten und Partner aus dem Auktionswesen.
  • Konservative Annahmen: lieber vorsichtig bewerten als Erwartungen schüren, die der Markt nicht erfüllt.

Transparenz heißt für uns auch, klar zu kommunizieren, wie wir bewerten und wo die Grenzen dieser Bewertung liegen.

Welche Anleger möchtet ihr mit Collectible Invst erreichen und wie erklärt ihr ihnen die besonderen Chancen und Risiken dieser Anlageklasse?

Unsere Zielgruppe sind zum einen Vermögensverwalter, Banken und institutionelle Investoren, die ihren Kunden echte Diversifikation jenseits von Aktien und Anleihen bieten wollen. Zum anderen erreichen wir Privatanleger, die Sammlerobjekte spannend finden, aber kein Einzelrisiko eingehen wollen. Bei der Kommunikation ist uns Ehrlichkeit wichtig. Die Chance liegt in einer Anlageklasse mit eigener Dynamik und geringer Korrelation zu klassischen Märkten. Die Risiken benennen wir genauso deutlich: Es handelt sich um ein Nachrangprodukt, ein Totalverlust ist möglich, die Liquidität ist begrenzt und Wertentwicklungen sind nicht garantiert. Das steht klar im Basisinformationsblatt, und das sage ich auch persönlich jedem, der mit mir spricht.

Was unterscheidet euer Geschäftsmodell von klassischen Investmentprodukten und dem direkten Kauf einzelner Sammlerobjekte?

Gegenüber klassischen Produkten bieten wir Zugang zu einer Anlageklasse, die in keinem Aktien-ETF und keinem Mischfonds vorkommt. Gegenüber dem Direktkauf ist der Unterschied noch größer. Wer selbst eine Patek Philippe kauft, braucht sechsstelliges Kapital, Expertise gegen Fälschungen, Lagerung, Versicherung und einen Plan für den Verkauf. Und er trägt das volle Risiko eines einzelnen Objekts. Bei uns zeichnet man ein Wertpapier, ist breit gestreut und gibt die operative Komplexität ab. Auch gegenüber tokenisierten Angeboten, unser eigenes Timeless eingeschlossen, gibt es einen Unterschied: Collectible Invst funktioniert im Depot, also genau dort, wo professionelles Geld liegt.

Ein Wertpapier auf Basis unterschiedlicher Sammlermärkte bringt besondere regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen mit sich. Welche Herausforderungen musstet ihr bei der Entwicklung bewältigen?

Ein Wertpapier auf Sachwertbasis zu strukturieren heißt, sich gleichzeitig mit Kapitalmarktrecht, Steuern und operativen Fragen auseinanderzusetzen. Wir haben dafür eine eigene Zweckgesellschaft gegründet und die Anleihe depotfähig aufgesetzt. Bei Versicherung, Verwahrung und Dokumentation hat jedes Detail Gewicht. Dazu kommt ein regulatorisches Umfeld, das sich laufend bewegt: Die Aufsichtspraxis verändert sich, und wir passen uns an. Unser Vorteil ist, dass wir mit Timeless schon heute nach der MiCAR-reguliert sind und unter einem Haftungsdach arbeiten. Regulierung ist für uns kein Hindernis, sondern Teil des Produkts.

Alternative Investments werden häufig mit hohen Renditechancen verbunden. Welche Risiken werden aus deiner Sicht unterschätzt, insbesondere bei Liquidität und Wertentwicklung?

An erster Stelle steht die Liquidität. Sammlerobjekte lassen sich nicht per Klick verkaufen. Ein guter Exit braucht Zeit und den richtigen Moment. Wer jederzeit an sein Geld muss, ist hier falsch. Zweitens die Bewertung: Ein Preis existiert erst, wenn jemand ihn bezahlt. Zwischenbewertungen sind Schätzungen, keine Kurse. Drittens die Zyklen. Auch Sammlermärkte haben Übertreibungen, das hat man bei Uhren und Trading Cards in den letzten Jahren deutlich gesehen. Und viertens die Konzentration: Wer alles auf ein Objekt oder einen Hype setzt, spekuliert, statt zu investieren. Genau deshalb setzen wir auf Streuung, Disziplin beim Einkauf und einen langen Anlagehorizont.

Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit Collectible Invst und welche weiteren Entwicklungen oder Anlagebereiche könnten künftig interessant werden?

Unsere Vision ist, Sammlerobjekte als selbstverständliche Beimischung in jedem gut diversifizierten Portfolio zu etablieren, so wie Immobilien oder Gold heute. Collectible Invst 1 ist der Anfang einer Serie. Denkbar sind weitere Emissionen mit eigenen Schwerpunkten, etwa auf einzelne Märkte oder Risikoprofile. Bei neuen Anlagebereichen beobachten wir sehr genau, wo sich Nachfrage, Datenlage und Knappheit verbinden. Dazu gehören Mineralien, Memorabilia aus Sport und Musik und Raritäten mit globaler Sammlerbasis. Parallel bauen wir die Distribution über Banken, Broker und Vermögensverwalter aus, denn das Produkt muss dort hin, wo die Anleger sind.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die einen traditionellen Markt mit einem innovativen Finanzprodukt verändern möchten?

  1. Regulierung früh mitdenken. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wer sie als Erster beherrscht, hat einen Burggraben.
  2. Den Markt lieben, aber verstehe deine Zahlen. Leidenschaft für das Produkt ist dein Antrieb. Disziplin bei der Bewertung entscheidet über das Vertrauen deiner Anleger.
  3. Dort hingehen, wo deine Kunden schon sind. Innovation muss sich in bestehende Gewohnheiten einfügen. Für uns heißt das: ins Depot, nicht nur in eine neue App.

Bildcredits Collectible Invst

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI für Samtpfoten: Wie die App MiaoSense die Körpersprache von Katzen entschlüsselt

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MiaoSense: App erkennt die Stimmung von Katzen KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

MiaoSense ist eine App, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Körpersprache von Katzen analysiert und ihre Stimmung einschätzt. Entwickler Robert Sommer erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert, warum sämtliche Analysen direkt auf dem Smartphone stattfinden und welche Grenzen die KI hat.

Robert, kannst du dich und MiaoSense kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine App zur Einschätzung der Stimmung von Katzen zu entwickeln?

Ich bin Robert Sommer und habe MiaoSense in München entwickelt. MiaoSense ist eine Android-App zur visuellen Analyse der Stimmung von Katzen: Man richtet die Smartphone-Kamera auf eine Katze, und die App schätzt anhand der Körpersprache ein, in welcher Stimmung das Tier gerade ist. Anfangs war ich nur neugierig, ob KI die Mimik und Körpersprache von Katzen überhaupt auswerten kann. Mit der Zeit verstand ich, was möglich sein würde, und entschloss mich dazu, ein entsprechendes Projekt zu konzipieren, zu entwickeln und schließlich sogar auf den Markt zu bringen.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben dich dazu gebracht, dich mit der Körpersprache von Katzen zu beschäftigen und daraus eine digitale Anwendung zu entwickeln?

Auch wenn wir selbst schon seit einigen Jahren Katzen haben und uns auch recht gut damit auskennen, so kann es gerade für Anfänger in der Katzenhaltung oder Menschen, die noch davor stehen, sich eine oder mehrere Katzen anzuschaffen, durchaus eine Herausforderung sein, die Körpersprache von Katzen einzuschätzen. Daher will ich ihnen mit MiaoSense ein Hilfsmittel an die Hand geben, die Stimmung ihrer Katze einzuschätzen.

MiaoSense nutzt künstliche Intelligenz, um anhand der Körpersprache die Stimmung einer Katze einzuschätzen. Wie funktioniert die Analyse und welche Verhaltensmerkmale berücksichtigt die App dabei?

Zunächst einmal muss die App die Katze im Kamerabild erkennen: Ist überhaupt etwas im Kamerabild, und ist das, was dort zu sehen ist, überhaupt eine Katze? Danach wertet sie drei Dinge aus: Mimik, Körperhaltung und Bewegung. Daraus entsteht eine wahrscheinlichkeitsbasierte Einschätzung der Stimmung. Das Ergebnis erscheint live im Bild, als farbiger Rahmen um die Katze, darüber die eingeschätzte Stimmung und wie sicher sich die App dabei ist. Diese Angabe ist mir wichtig, weil sie offenlegt, wie sicher sich die App bei ihrer eigenen Einschätzung ist. Sie ist ein Hinweis und keine Garantie.

Katzen kommunizieren häufig über subtile Veränderungen ihrer Körperhaltung und Mimik. Welche Herausforderungen entstehen bei der Interpretation dieser Signale und wo liegen die Grenzen deiner Technologie?

Ein einzelnes Signal sagt bei Katzen wenig. Ohren, Augen, Schwanz und Haltung ergeben erst zusammen ein Bild, und auch das bleibt eine Deutung. Praktisch gibt es klare Grenzen: Bei schlechtem Licht, aus größerer Entfernung oder wenn die Katze nur halb im Bild ist, wird die Einschätzung unsicherer. Dann sollte man das Ergebnis besonders vorsichtig lesen bzw. das Tier unter entsprechend optimierten Umgebungsbedingungen analysieren lassen. Eine Katze, die lebhaft durch den Raum läuft, ist schwerer zu verfolgen als eine, die ruhig sitzt. Und manche Katzen reagieren auf das Handy selbst, was das Aufnehmen erschwert. Die grundsätzliche Grenze ist eine andere: MiaoSense schätzt Stimmung ein. Die Gesundheit der Katze beurteilt die App nicht.

Du hast dich bewusst dafür entschieden, die KI vollständig auf dem Smartphone auszuführen. Warum verzichtest du auf eine Cloud-Anbindung und welche technischen Herausforderungen bringt dieser Ansatz mit sich?

Eine Kamera, die ins Wohn- oder Schlafzimmer zeigt, sieht mehr als nur die Katze. Diese Bilder sollen dort ausgewertet werden, wo sie entstehen. Alle KI-Modelle sind Teil der App und laufen auf dem Prozessor des Telefons. Fotos, Audiodaten und Analyseergebnisse werden nicht in eine Cloud übertragen, und es gibt keinen Server, auf den Bilder hochgeladen würden. Nebenbei funktioniert die Analyse dadurch auch ohne Internetverbindung. Die Herausforderung: Die Modelle müssen klein und schnell genug sein, um auf ganz unterschiedlichen Android-Geräten live mitzulaufen, und trotzdem brauchbare Ergebnisse liefern. In der Cloud könnte man einfach mehr Rechenleistung einsetzen, auf dem Handy nicht.

MiaoSense benötigt kein Nutzerkonto und verarbeitet die Analysen direkt auf dem Gerät. Welche Bedeutung haben Datenschutz und eine möglichst unkomplizierte Nutzung für dein Produktkonzept?

Beides hängt zusammen. Die App startet ohne Anmeldung, man muss weder eine E-Mail-Adresse angeben noch ein Passwort anlegen. Gleichzeitig gibt es keinen MiaoSense-Server, auf dem Daten von Nutzern gespeichert würden. Verlauf und Profile liegen nur lokal auf dem Handy. Wer seine Daten entfernen möchte, löscht sie in den Einstellungen mit einer bestätigten Aktion aus der App. Das Recht auf Löschung ist damit technisch umgesetzt und nicht nur als Antragsweg beschrieben.

Die App liefert eine Einschätzung und ausdrücklich keinen tierärztlichen Befund. Wie stellst du sicher, dass Nutzer die Ergebnisse richtig einordnen und mögliche gesundheitliche Probleme ihrer Katze nicht übersehen?

Beim ersten Start erscheint ein Hinweis, dass MiaoSense eine Einschätzung liefert und keinen Befund. Erst wenn man ausdrücklich zustimmt, lässt sich die App verwenden. Zu jeder Einschätzung zeigt die App außerdem an, wie sicher sie ist. Wer sich Sorgen um seine Katze macht, sollte in die Tierarztpraxis gehen. Der Verlauf in der App kann dort höchstens eine Gedächtnisstütze sein, weil er frühere Beobachtungen neben die von heute legt. MiaoSense ist nicht dafür gedacht, tierärztliche Befunde zu liefern, und will das auch nicht.

Mit drei kostenlosen Analysen können Nutzer MiaoSense zunächst ausprobieren, bevor sie die Vollversion einmalig erwerben. Warum hast du dich gegen ein Abonnement entschieden und wie möchtest du die langfristige Weiterentwicklung finanzieren?

Eine App, die man ab und zu öffnet, um nach seiner Katze zu sehen, rechtfertigt für mich keine monatliche Gebühr. Und weil alles auf dem Gerät läuft, entstehen pro Analyse keine Serverkosten, die ein Abo decken müsste. Drei Analysen, ein Katzenprofil und der Verlauf der letzten sieben Tage sind kostenlos. Die Vollversion kostet in der Eurozone einmalig 7,99 Euro (Stand Oktober 2026) inklusive Mehrwertsteuer und schaltet unbegrenzte Analysen, mehrere Katzenprofile mit eigenem Verlauf, eine Aktivitäts-Heatmap und einen Wochenvergleich frei. Die Weiterentwicklung finanziere ich momentan eigenständig.

MiaoSense ist bereits in acht Sprachen bei Google Play verfügbar. Welche Zielgruppen möchtest du damit erreichen und welche Herausforderungen bringt die internationale Vermarktung einer solchen Spezialanwendung mit sich?

Die App gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Japanisch und Koreanisch. Zielgruppe sind Menschen, die die Körpersprache ihrer Katze genauer ansehen wollen, und die gibt es in jedem dieser Länder. Die Schwierigkeit liegt weniger in der Übersetzung als in der Wirkung der Worte. Ein Begriff für eine Stimmung klingt nicht in jeder Sprache gleich nüchtern, und was in der einen Sprache eine vorsichtige Einschätzung ist, kann in der anderen wie ein Versprechen klingen. Dazu kommt, dass jedes Land eigene Medien und eigene Gewohnheiten hat, wie man über Produkte berichtet. Zum Glück bin ich sprachbegabt und habe mindestens Anfängerkenntnisse in den aktuell unterstützten Sprachen, um wenigstens einschätzen zu können, ob eine Übersetzung passt oder daneben liegt. Da ich auch häufig die kulturellen und lokalen Befindlichkeiten einzuschätzen weiß, kann ich die internationale Vermarktung eigentlich recht gut steuern. Natürlich wäre die zusätzliche Unterstützung von Muttersprachlern hilfreich.

Du hast MiaoSense in München entwickelt. Welche technischen und unternehmerischen Herausforderungen musstest du bisher meistern und welche Erfahrungen haben dich dabei besonders geprägt?

Technisch war die größte Aufgabe, die analytische, visuelle Erkennung so klein zu bekommen, dass sie live auf dem Handy läuft. Vor der Veröffentlichung musste die App außerdem einen geschlossenen Test bei Google Play mit echten Testern durchlaufen. Die Rückmeldungen daraus haben die App spürbar verändert. Unternehmerisch war und ist für mich natürlich der Schritt in die Selbständigkeit eine gewisse Herausforderung und zugleich auch eine Befreiung.

Welche Rückmeldungen hast du seit der Veröffentlichung von Katzenhaltern erhalten und welche neuen Funktionen oder Verbesserungen möchtest du künftig umsetzen?

Vor der Veröffentlichung hat MiaoSense einen geschlossenen Test bei Google Play durchlaufen. Von den Testerinnen und Testern, die den abschließenden Fragebogen beantwortet haben, hatten alle die Live-Analyse, den Verlauf und die Katzenprofile genutzt, die meisten fast täglich, und niemand meldete einen Absturz. Alle gaben an, die Anzeige habe meistens zu dem gepasst, was sie selbst an ihrer Katze beobachtet haben. Das ist eine kleine Gruppe und keine Messung der Genauigkeit, aber ein ermutigender Anfang.

Genauso wichtig waren die kritischen Hinweise. Eine Testerin schrieb, dass die App draußen die Katze oft nur erkennt, wenn man sehr nah herangeht. Eine andere hat aus Neugier einen Schlüsselanhänger in Katzenform vor die Kamera gehalten und eine Stimmung angezeigt bekommen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Unsicherheit sichtbar zu machen, statt ein Ergebnis einfach anzuzeigen. Seit der Veröffentlichung kam bei Google Play der Hinweis, dass die App eine lebhaft herumlaufende Katze schwer verfolgen kann. Als Zielgruppe nannten die Testerinnen und Tester übrigens am häufigsten Haushalte mit mehreren Katzen und Menschen, die gerade erst eine Katze bekommen haben.

Daraus ergibt sich, was als Nächstes kommt: das Verfolgen von Katzen in Bewegung, eine bessere Erkennung auf Entfernung und im Freien sowie natürlich die kontinuierliche Verbesserung der Analysemodelle. Ebenfalls weit oben steht die Analyse von Lautäußerungen; eine Testerin, die seit Jahrzehnten Katzen hält, hat von sich aus danach gefragt. Sie soll die vorhandene Auswertung von Mimik, Haltung und Bewegung ergänzen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit künstlicher Intelligenz eine eigene App entwickeln und dabei bewusst auf Datenschutz, einfache Bedienung und ein transparentes Preismodell setzen möchten?

Erstens: Schreibt früh auf, was eure KI nicht kann, und sagt es den Nutzern in der App selbst. Das schützt die Nutzer und euch. Überhaupt: Seid ehrlich! Zu euch selbst und zu euren Nutzern. Zweitens: Datenschutz beginnt bei der Architektur. Daten, die das Gerät nie verlassen, muss man nicht auf einem Server absichern. Drittens: Macht den Preis so einfach, dass man ihn in einem Satz erklären kann. Wer erst rechnen muss, was ihn eine App am Ende kostet, kauft sie eher nicht.

KI-generierte Einschätzung, kein medizinischer oder diagnostischer Befund. Ersetzt keine tierärztliche Beurteilung.

Bild KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

Wir bedanken uns bei Robert Sommer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Compliance by Design:Warum Startups regulatorisch früher ready sein sollten

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Compliance: Datenschutz und Informationssicherheit Autor: Dr. Martin Mühlpfordt

Die Demo steht, das MVP funktioniert – und dann kommt der Enterprise-Kunde mit einem Vendor-Fragebogen. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Features und Product-Market-Fit, sondern um Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung. Für Startups ist Compliance deshalb kein späteres Backoffice-Thema. Sie wird zum Teil des Produkts, des Sales-Prozesses und der Finanzierungsstory.

Das ist nicht nur Theorie: Im Bitkom Startup Report 2025 nannten 33 Prozent der teilnehmenden Tech-Startups Anforderungen an den Datenschutz beziehungsweise die rechtliche Verwendbarkeit von Daten als größtes Hemmnis beim KI-Einsatz. 27 Prozent verwiesen auf rechtliche Hürden und Unsicherheiten, etwa im Zusammenhang mit dem AI-Act. Die Befragung von Bitkom Research aus dem Frühjahr 2025 ist zwar nicht repräsentativ, liefert aber ein aktuelles Stimmungsbild der Szene.

Die drei Compliance-Bausteine

Neben Gesellschafts-, Handels- und Steuerrecht sollten Gründerinnen und Gründer drei Themen früh auf die Produkt-Roadmap setzen: Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung.

Datenschutz betrifft den Umgang mit personenbezogenen Daten. Sofern die geplante Dienstleistung die Verarbeitung personenbezogener Daten der Kunden beinhaltet, so muss im B2B-Umfeld die Rolle eines Auftragsverarbeiters entsprechend der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unbedingt verinnerlicht werden.

Informationssicherheit schützt geschäftskritische Informationen vor Verlust, Manipulation und unbefugtem Zugriff. Für den Datenschutz ist es das technische und organisatorische Fundament. Je nach Branche werden Dienstleister von ihren Kunden zunehmend kritisch unter die Lupe genommen.

KI-Regulierung greift, wenn künstliche Intelligenz Bestandteil des Produkts oder eines internen Prozesses ist und folgt aus der EU-KI-Verordnung. Sofern künstliche Intelligenz ein wichtiges Element im Produkt werden soll, müssen Anbieterpflichten erfüllt werden. Diese hängen vom Risikograd des KI-Einsatzes ab.

Entscheidend ist für junge Unternehmen nicht, alles am ersten Tag perfekt zu lösen, sondern die relevanten Risiken zu kennen, Entscheidungen zu dokumentieren und die Maßnahmen passend zur Wachstumsphase aufzubauen.

Datenschutz: Kundendaten bleiben Kundendaten

Im B2B-Geschäft agieren Startups häufig als Auftragsverarbeiter – etwa wenn ein Cloud-Produkt personenbezogene Daten im Auftrag eines Kunden verarbeitet. Der zentrale Mindshift lautet: Diese Daten sind nicht „unsere Daten“. Sie dürfen grundsätzlich nur für die vereinbarte Leistung verarbeitet werden. Eine Nutzung für eigene Marketingzwecke, Nutzungsanalysen oder als Trainings- beziehungsweise Testdatensatz ist damit meist unzulässig.

Dieses Konzept der klaren Trennung von Kunden- und eigenen Daten sowie von Verarbeitungen für den Kunden und der für eigene Zwecke sollte bereits in der Ideenphase berücksichtigt und in der Unternehmenskultur verankert werden. Für das MVP bedeutet das: Privacy by Design und Privacy by Default sind keine juristischen Extras, sondern Produktanforderungen, die in die Architektur, die Prozesse und später in die Verträge und Dokumentationen für die Kunden gehören.

Für Enterprise-Kunden reicht es meist nicht, lediglich „DSGVO-konform“ zu sein. Sie wollen nachvollziehen können, wie die Verarbeitung funktioniert und fragen entsprechende Unterlagen nach: Datenflüsse, Zugriffsrechte, Löschkonzepte, einen fairen Auftragsverarbeitungsvertrag, Informationen zu Unterdienstleistern, Vorlagen für Datenschutzhinweise sowie Unterstützung bei Verarbeitungsverzeichnissen oder Datenschutz-Folgenabschätzungen. Und sie wollen zur rechtlichen Absicherung häufig eine Zusicherung einer rein EU-basierten Verarbeitung, auch durch Unterdienstleister.

Den Leidensdruck der Enterprise-Kunden zeigt eine 2026 erhobene repräsentative Bitkom-Studie zum Datenschutz bei Unternehmen: Nahezu alle Unternehmen (97 Prozent) berichten von einem hohen oder sehr hohen Umsetzungsaufwand. Für eine Lockerung der DSGVO sprechen sich 71 Prozent aus. Für Gründerteams gibt sie realistische Hinweise darauf, welche Prüf- und Dokumentationslasten die angebotenen eigenen Dienstleistungen auf Kundenseite auslösen werden.

Informationssicherheit: Erst verkaufen, dann prüfen?

Die klassischen Schutzziele der Informationssicherheit sind Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Im Produkt überschneiden sich viele Sicherheitsmaßnahmen mit dem Datenschutz: Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Protokollierung, Backup- und Löschprozesse oder ein belastbares Berechtigungsmodell.

Geht das MVP produktiv bei Kunden live, sollte es dem Stand der Technik und den Erwartungen des Zielmarktes entsprechen. Je nach Branche können zusätzliche Anforderungen gelten, etwa im Gesundheitswesen, in der Automobilindustrie oder bei kritischen Infrastrukturen. Werden diese Anforderungen erst in den Verhandlungen mit ersten Kunden deutlich, können aufwändige Anpassungsmaßnahmen notwendig werden, die nicht selten die vorgesehenen Budgets für Entwicklung und Compliance sprengen.

Deshalb sollten sich Startups zu Beginn einen Überblick verschaffen, was auf sie zukommen wird, und dann pragmatische Meilensteine definieren. Hilfreich dabei sind ein internes Security-Baseline-Dokument mit Betrachtung der wesentlichen Risiken und Absicherungsmaßnahmen sowie eine klare Liste der Nachweise, die Kunden typischerweise verlangen. Startups sollten sich hierfür z. B. mit den relevanten Bausteinen aus dem BSI-IT-Grundschutz vertraut machen. Eine ISO-27001-Zertifizierung ist nicht für jedes Startup sofort sinnvoll. Wichtig ist aber, den eigenen Reifegrad ehrlich zu kennen und Verbesserungen nach Priorität abzuarbeiten.

KI-Einsatz: Risikoprüfung vor Salestart

KI ist in der Startup-Szene längst Mainstream. Im Deutschen Startup Monitor 2026 gaben 53,3 Prozent der Startups an, dass KI im Zentrum ihres Produkts steht. Besonders deutlich sei der Trend bei den Neugründungen. Viele bauten ihr Tech-Stack und damit häufig auch die Grundlage ihres Produkts auf Generativer KI auf, so die Studie. Gerade deshalb sollte die Risikoprüfung nicht erst beginnen, wenn ein Kunde oder Investor danach fragt.

Die EU-KI-Verordnung ist ein Produktsicherheitsgesetz und verfolgt einen risikobasierten Ansatz. Bestimmte KI-Praktiken mit unannehmbarem Risiko sind seit 2025 verboten. Für KI-Modelle und KI-Systeme gelten bereits einige Pflichten und es kommen bis Ende 2027 nach und nach weitere dazu: unter anderem zu Risikomanagement, technischer Dokumentation, Aufzeichnungen, Transparenz und Konformitätsbewertung. Welche Pflichten konkret für den eigenen Einsatz oder das angebotene eigene Produkt greifen, hängt von der Risikoeinschätzung, dem Einsatzbereich und der eigenen Rolle ab.

Für ein Startup heißt das: Zuerst den konkreten Use Case und die eigene Rolle in der Wertschöpfungskette bestimmen. Anschließend die Risikoklassifikation nachvollziehbar dokumentieren. Wer bewusst in einen Hochrisiko-KI-Bereich geht, sollte Compliance nicht als Nebenaufgabe behandeln, sondern als Teil der Geschäftsidee, des Teams und des Finanzierungsbedarfs. Der professionelle Umgang mit diesen Compliance-Anforderungen wird – da mit großen Aufwänden verbunden – ein zentrales Element der Geschäftsidee sein.

Wer nicht in den Hochrisiko-Bereich fällt, sollte in einer nachvollziehbaren Risikoeinschätzung festhalten, warum das so ist, denn Kunden werden diese Frage stellen.

Compliance als Enterprise-Feature

Der Deutsche Startup Monitor 2026 zeigt, wie stark B2B für das Ökosystem geworden ist: 76,5 Prozent der Startup-Umsätze entfielen laut Studie auf Geschäftskunden. Je stärker ein Startup auf Enterprise-Vertrieb, öffentliche Auftraggeber oder regulierte Branchen setzt, desto eher wird Compliance zum Bestandteil der Kaufentscheidung.

Das gilt besonders für KI-Produkte. Wer KI ins Zentrum seines Produkts stellt und in diesem Markt nicht erklären kann, welche Modelle, Datenquellen, Dienstleister und Kontrollmechanismen eingesetzt werden, erzeugt auf Kundenseite zusätzliche Unsicherheit und verlängert den Sales Cycle.

Compliance by Design kann dagegen ein Selling Point sein: klare Datenflüsse, dokumentierte Sicherheitsmaßnahmen, transparente KI-Einsatzgrenzen und vorbereitete Vertragsunterlagen machen die Due Diligence einfacher. Das bedeutet nicht, jede Zertifizierung sofort einzukaufen. Es bedeutet, für die eigene Zielgruppe nachweisbar vorbereitet zu sein.

Der richtige Zeitpunkt

Ideenphase: Rolle im Datenschutz klären, Datenflüsse skizzieren, KI-Use-Case und mögliche Risikoklasse prüfen, Zielbranchen und deren Anforderungen an Sicherheit und Lieferkette (wie Verarbeitung in der EU) identifizieren.

Gründungs- und MVP-Phase: Privacy by Design, Privacy by Default und grundlegende Security Controls in die Architektur aufnehmen, KI-Risikoklassifikation dokumentieren, bei Hochrisiko-KI Compliance-System aufbauen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsdokumentation festlegen.

Markteintritt: Auftragsverarbeitungsvertrag, Subunternehmerübersicht, Datenschutzhinweise, Sicherheitskonzept und KI-Dokumentation für Kundenfragen vorbereiten.

Wachstumsphase: Prozesse skalieren, regelmäßige Risiko- und Lieferantenprüfungen etablieren, gegebenenfalls Datenschutzbeauftragte bestellen Informationssicherheitssystem aufbauen, Zertifizierungen anstreben (z. B. ISO 27001).

Fazit: Enterprise-ready statt compliance-perfect

Startups müssen nicht am ersten Tag wie ein Konzern organisiert sein. Sie sollten aber früh erkennen, welche regulatorischen Anforderungen ihr Produkt, ihr Zielmarkt und ihr Vertriebsmodell auslösen. Wer Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Regulierung in die Produktentwicklung integriert, reduziert spätere Nacharbeit, beschleunigt Prüfprozesse und schafft Vertrauen bei Kunden, Partnern und Investoren. Enterprise-ready bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, vorbereitet zu sein. Und zeigen zu können, wie man weiter besser wird.

Quellen:

  • Bitkom Research (2025): Startup Report 2025, Befragung von 152 Tech-Startups, DOI 10.64022/2025-startup-report. Studienbericht
  • Bitkom (2026): Datenschutz in der deutschen Wirtschaft | Studie 2025, Erhebung 2025 unter 603 Unternehmen. Studienbericht
  • Bundesverband Deutsche Startups e. V. (2025): Deutscher Startup Monitor 2025, 1.846 Fälle. Studienbericht
  • Bundesverband Deutsche Startups e. V. (2026): Deutscher Startup Monitor 2026, 1.803 Fälle. Studienbericht

Bildcredits Althammer & Kill

Autor: Dr. Martin Mühlpfordt

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

BLACKFORESTSPACE 2026: Die Digitalszene des Südwestens trifft sich in Offenburg

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BLACKFORESTSPACE 2026: Startups treffen sich in Offenburg Fotograf: Jigal Fichtner

BLACKFORESTSPACE 2026: Die größte Konferenz für Digitales Marketing, Tech & KI im Südwesten

180 Speaker, 3.000 Besucher, sechs Themenfelder – am 20. & 21. Oktober in der Messe Offenburg

Die BLACKFORESTSPACE 2026 ist die größte Konferenz für Digitales Marketing, Tech & KI im Südwesten – und sie findet nicht in Berlin oder München statt, sondern in Baden-Württemberg, wo Wirtschaftskraft, Unternehmergeist, Weltmarktführer, Hidden Champions und innovative Startups beheimatet sind.

Am 20. und 21. Oktober öffnet die Messe Offenburg ihre Türen für rund 3.000 Besucherinnen und Besucher. 180 Speaker aus Mittelstand, Tech, Startups, Marketing und Investorenwelt sprechen in Keynotes, Paneltalks und Masterclasses über die Fragen, die die digitale Wirtschaft gerade beschäftigen und teilen Impulse und exklusive Einblicke aus der Praxis.

Sechs Themenfelder, ein Anspruch

Die BLACKFORESTSPACE 2026 bündelt sechs Themenfelder: AI, Data & Automation – Industrial Tech & Innovation – Marketing & Creator Economy – Startups, Venture & Scaling – Software & Digital Business – Commerce & Brands. Das Programm umfasst neben klassischen Keynotes und Panels auch praxisnahe Masterclasses sowie Expert Sessions im 1:1 Format.

Zu den Speakern zählen unter anderem Janna Ensthaler (Die Höhle der Löwen), Nikita Fahrenholz (Delivery Hero / Fahrengold), Philipp Klöckner, Digitalminister Dr. Karsten Wildberger, Can Ergin (Black Forest Labs), Rebecca Gottwald (Burda), Hanno Renner (Personio), Michael Mack (Europa-Park), Ulrich Prediger (JobRad), sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lexware, Hansgrohe, Haufe Group, EDEKA Südwest, dm, Badenova und weiteren Unternehmen aus der Region.

Startup-Ökosystem im Fokus

Ein eigenes Format richtet sich gezielt an die Startup-Szene des Südwestens: Die „Startup Challenge: The Southwest Top 10 Showcase”, präsentiert von BadenCampus, gibt den stärksten Startups aus 18 offiziellen Acceleratoren in Baden-Württemberg eine Bühne. In zwei Tracks – Industrial & Physical World sowie Enterprise & Digital World – pitchen zehn Startups je drei Minuten vor Publikum und potenziellen Investoren.

Ergänzt wird das Ganze am zweiten Tag durch das Format „Hunting Soonicorns – Investor Portfolio Pitching”, ebenfalls präsentiert von BadenCampus Invest: Regionale und überregionale VCs präsentieren ihr Profil und diskutieren in einem Panel über die Zukunft von Wagniskapital im Südwesten.

Mehr als eine Konferenz

Neben dem Hauptprogramm bietet die BLACKFORESTSPACE 2026 eine Reihe von Side Events: darunter einen Community Run entlang der Kinzig am Morgen des zweiten Konferenztags, ein Padel-Cup-Turnier, eine KI-Rechenzentrum-Besichtigung, ein Unternehmer-Frühstück sowie eine New-Work-Bürobesichtigung. Den Abschluss bildet eine Aftershow-Party mit Oli.P.

Bild Fotograf: Jigal Fichtner

Quelle Local Ventures GmbH & Co. KG

Luxus fürs Haar: Wie Inessa mit Inessa Berlin Stil und Alltagsnähe vereint

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INESSA BERLIN: Qualität bei Hair Accessories Bild INESSA Berlin Ines Reiche Fotografin/Bildcredits: Mirela Bauer

INESSA BERLIN verbindet hochwertige Hair Accessories mit einem klaren Anspruch an Qualität, Design und Alltagstauglichkeit. Gründerin Ines erzählt im Interview, wie aus ihrer Erfahrung in der Luxusbranche und ihrem Berliner Nagelstudio CONCEPTNAILS eine eigenständige Marke entstand, welche Herausforderungen der Markenaufbau mit sich bringt und warum sie bewusst auf nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum setzt

Ines, kannst du dich und INESSA kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine eigene Marke zu gründen?

Ich bin Ines und habe 2018 CONCEPTNAILS in Berlin gegründet. Ein Premium Nagelstudio, in dem Nagelgesundheit, hochwertige Nagelpflege und die Arbeit mit zertifizierten Produkten im Mittelpunkt stehen. Unser Anspruch ist eine elegante Ästhetik, ohne dabei die Gesundheit der natürlichen Nägel aus den Augen zu verlieren. Über die Jahre kam ein kleiner, sorgfältig kuratierter Concept Store dazu. Ich liebe schöne Dinge, bin aber auch ziemlich kritisch, wenn es um Qualität geht. Gerade bei Hair Accessories habe ich oft gedacht: Wunderschön anzusehen, aber warum funktioniert das im Alltag nicht genauso gut? Irgendwann wollte ich nicht mehr nur nach dem passenden Produkt suchen, sondern selbst eines entwickeln. So entstand INESSA BERLIN, meine eigene Premium-Marke für Hair Accessories. Und damit begann für mich, nach vielen Jahren als Unternehmerin, noch einmal etwas völlig Neues.

Hinter jeder Unternehmensgründung steht eine persönliche Motivation. Was hat dich dazu bewegt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, und welche Erfahrungen haben deinen bisherigen Weg besonders geprägt?

Bevor ich 2018 CONCEPTNAILS gegründet habe, war ich rund 15 Jahre in der Luxus-, Mode-, Retail- und Dienstleistungswelt tätig, unter anderem bei CHANEL und Saint Laurent. Das war eine sehr prägende Zeit. Ich habe dort unglaublich viel über Qualität, Service, Markenführung und den Umgang mit anspruchsvollen Kundinnen und Kunden gelernt. Erfahrungen, von denen ich bis heute profitiere. Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich für mich keine wirkliche persönliche Entwicklung mehr gesehen habe. Vor allem habe ich mir eine Frage gestellt: Was möchte ich eigentlich in den kommenden 20 oder 30 Jahren beruflich machen? Und möchte ich das, was ich gerade tue, tatsächlich bis ins höhere Alter fortsetzen? Ich wollte noch einmal etwas Neues lernen, eigene Entscheidungen treffen und meine Vorstellungen von Qualität und Service selbst umsetzen.

So entstand die Idee zu CONCEPTNAILS. Rückblickend war dieser Schritt eine der wichtigsten Entscheidungen meines Berufslebens. Denn ich habe nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern mich auch persönlich noch einmal ganz neu entwickelt. Besonders geprägt haben mich dabei die Herausforderungen, die man als Gründerin nicht vorhersehen kann. Während der Corona-Pandemie mussten wir dreimal schließen und waren insgesamt rund neun Monate ohne regulären Studiobetrieb. Diese Zeit hat mir sehr deutlich gezeigt, was unternehmerische Verantwortung bedeutet. Gerade dann, wenn man nicht nur für sich selbst, sondern auch für ein Team verantwortlich ist. Heute weiß ich, dass Selbstständigkeit weit mehr bedeutet als persönliche Freiheit. Sie verlangt Ausdauer, wirtschaftliches Denken und die Bereitschaft, auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig möchte ich die Möglichkeit, etwas nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten zu können, nicht mehr missen.

Mit INESSA möchtest du eine eigene Marke am Markt etablieren. Welche Vision verfolgst du mit deinem Unternehmen und welche Werte sollen INESSA langfristig auszeichnen?

Meine Vision ist es, INESSA BERLIN als eigenständige Premium-Marke für Hair Accessories zu etablieren, die für modernes Design, Qualität und einen selbstverständlichen Umgang mit persönlichem Stil steht. Ich glaube, dass Accessoires nicht auffällig oder plakativ sein müssen, um eine besondere Wirkung zu haben. Oft sind es gerade die kleinen Details, die einen Look vollständig machen. Dabei ist mir wichtig, dass unsere Produkte nicht nur schön aussehen, sondern auch im Alltag funktionieren. Da gehören Ästhetik und Funktionalität untrennbar zusammen. Langfristig möchte ich, dass INESSA BERLIN für eine klare Designsprache, sorgfältig ausgewählte Produkte und einen hohen Anspruch an Gestaltung steht. Gleichzeitig soll die Marke nahbar bleiben. Ich möchte keine künstliche Perfektion vermitteln, sondern Frauen darin bestärken, ihren eigenen Stil zu leben. Unser Markenversprechen „Made for your natural beauty“ bringt diesen Gedanken für mich sehr schön auf den Punkt.

Der Aufbau einer neuen Marke beginnt häufig mit der Frage, welches konkrete Bedürfnis sie erfüllen soll. Welche Marktlücke hast du erkannt und was unterscheidet INESSA von bereits bestehenden Angeboten?

Ich würde nicht behaupten, dass es vorher keine schönen Haarklammern oder hochwertigen Hair Accessories gegeben hat. Der Markt ist groß und es gibt bereits viele etablierte Marken. Was ich allerdings im täglichen Kontakt mit meinen Kundinnen beobachtet habe, ist der Wunsch nach Accessoires, die mehrere Ansprüche gleichzeitig erfüllen. Sie sollen gut aussehen, angenehm zu tragen sein, zum persönlichen Stil passen, zuverlässig funktionieren und dabei höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Nicht jede schöne Haarklammer eignet sich für jede Haarstruktur oder jeden Stylingwunsch. Deshalb beschäftigen mich bei der Auswahl und Entwicklung unserer Produkte nicht nur Farben und Formen, sondern auch Größen, Proportionen und die tatsächliche Anwendung.

Ein weiterer Unterschied liegt für mich in der Nähe zu unseren Kundinnen. Durch CONCEPTNAILS habe ich die Möglichkeit, direkt zu erleben, welche Modelle gerne getragen werden, welche Fragen entstehen und was sich Frauen von einem Hair Accessory wünschen. Dieses unmittelbare Feedback fließt in meine Entscheidungen ein. INESSA BERLIN soll keine Marke sein, die ausschließlich schöne Bilder produziert. Die Produkte müssen auch im echten Leben überzeugen. In allen Alltagen, im Urlaub bei Sonne und Meer, genau wie im nasskalten Berliner Winter.

Eine klare Positionierung ist gerade für junge Unternehmen entscheidend. Welche Zielgruppen möchtest du mit INESSA erreichen und welche Bedürfnisse und Erwartungen stehen bei deiner Markenentwicklung im Mittelpunkt?

Ich möchte mit INESSA BERLIN vor allem Frauen ansprechen, die einen bewussten Blick für Qualität, Design und ihren persönlichen Stil haben. Frauen, die nicht jedem Trend folgen müssen. Die Accessoires auswählen, weil sie ihnen wirklich gefallen und zu ihrem Alltag passen. Dabei denke ich weniger in starren Altersgruppen als in einer gemeinsamen Haltung. Unsere Kundinnen schätzen schöne Materialien, durchdachte Formen und Produkte, die sich vielseitig kombinieren lassen. Sie möchten sich mit einem Accessoire wohlfühlen und nicht verkleidet wirken. Aus meiner Erfahrung weiß ich außerdem, wie wichtig eine persönliche Beratung ist. Manchmal entscheidet erst das Ausprobieren darüber, ob eine bestimmte Haarklammer wirklich passt. Deshalb ist für mich neben dem Design auch die Verbindung zwischen Produkt und Kundin ein wichtiger Bestandteil der Markenentwicklung. Sowohl im eigenen Store als auch in ausgewählten Boutiquen.

Von der ersten Idee bis zur Markteinführung müssen Gründerinnen zahlreiche Entscheidungen treffen. Welche Schritte waren beim Aufbau von INESSA besonders wichtig und welche Herausforderungen hast du dabei unterschätzt?

Eine der wichtigsten Entscheidungen war für mich, INESSA BERLIN als eigenständige Marke aufzubauen. Als ich im November 2025 mit CONCEPTNAILS by Inessa gestartet bin, war die Produktwelt zunächst noch eng mit meinem bestehenden Unternehmen verbunden. Relativ schnell wurde mir jedoch klar, dass ich langfristig mehr entwickeln möchte als eine ergänzende Kollektion für unseren Concept Store. Gemeinsam mit Art Director Oliver Fröhnel habe ich deshalb im Mai 2026 die strategische und visuelle Neuausrichtung umgesetzt. Aus CONCEPTNAILS by Inessa wurde INESSA BERLIN. Die größte Herausforderung liegt für mich gleichermaßen im kreativen wie im wirtschaftlichen Bereich. Beides ist eng miteinander verbunden und das eine funktioniert nicht ohne das andere. Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie unsere Produkte aussehen, sich anfühlen und im Alltag funktionieren sollen. Gleichzeitig muss jede kreative Entscheidung auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Materialqualität, Produktentwicklung, Produktionsmengen, Preisgestaltung und die Positionierung der Marke beeinflussen sich gegenseitig.

Hinzu kommt, dass ich mit CONCEPTNAILS bereits ein etabliertes Unternehmen führe und Verantwortung für mein Team trage. Eine weitere Marke aufzubauen bedeutet, erneut zu investieren. In Produkte, Markenauftritt, Marketing und Vertrieb. Dabei stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie viel ich zusätzlich investieren kann und möchte, ohne die Stabilität meines bestehenden Unternehmens zu gefährden. Diese Balance zu finden, ist für mich eine der anspruchsvollsten Aufgaben beim Aufbau von INESSA BERLIN. Ich möchte kreativ anspruchsvolle Produkte entwickeln, die meinen Vorstellungen von Qualität und Design entsprechen, und gleichzeitig ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen aufbauen. Deshalb gehe ich bewusst Schritt für Schritt vor. Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden, und nicht jede Möglichkeit ist automatisch die richtige. Ich lerne dabei, dass erfolgreiche Markenentwicklung nicht bedeutet, zwischen Kreativität und Wirtschaftlichkeit zu wählen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, beides miteinander in Einklang zu bringen.

Gerade in wettbewerbsintensiven Märkten ist es schwierig, als neue Marke Aufmerksamkeit und Vertrauen zu gewinnen. Mit welcher Strategie möchtest du INESSA bekannt machen und welche Rolle spielen Social Media, Markenkommunikation und persönliche Authentizität dabei?

Für mich beginnt eine erfolgreiche Marke immer beim Produkt. Ohne erstklassige Qualität ist alles andere letztendlich nichts wert. Ich habe 15 Jahre im Luxussegment gearbeitet. Da lernt man ziemlich schnell, dass eine schöne Verpackung allein noch kein gutes Produkt macht. Deshalb bin ich bei INESSA BERLIN auch ziemlich kompromisslos: Ohne erstklassige Qualität ist für mich alles andere zweitrangig. Natürlich beschäftige ich mich intensiv mit unserem Markenauftritt. Ich liebe schöne Bilder, eine klare Bildsprache und durchdachte Details. Aber ich möchte keine Marke aufbauen, die auf Instagram großartig aussieht und im Alltag nicht hält, was sie verspricht. Was mir beim Aufbau von INESSA besonders hilft, ist der direkte Kontakt zu unseren Kundinnen bei CONCEPTNAILS.

Ich sehe, welche Spangen sie ausprobieren, welche sie sofort wieder ablegen und bei welchen sie sagen: Die sitzt wirklich gut. Das ist für mich oft aufschlussreicher als jede Statistik. Social Media ist wichtig, um INESSA BERLIN sichtbar zu machen. Aber ich möchte, dass die Menschen unsere Produkte auch in die Hand nehmen können. Deshalb setze ich neben Instagram bewusst auf Pop-ups, Events und ausgewählte Handelspartner. Und was meine persönliche Rolle betrifft: Ich möchte mich nicht hinter einer perfekt inszenierten Marke verstecken. INESSA trägt meinen Namen. Natürlich soll man deshalb auch erkennen, wer dahinter steht. Am Ende kann ich viel über meine Produkte erzählen. Entscheidend ist aber, was eine Kundin darüber sagt, nachdem sie die Spange eine Zeit lang getragen hat.

Eine erfolgreiche Marke benötigt neben einer überzeugenden Idee auch ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wie ist INESSA wirtschaftlich aufgestellt, welche Vertriebswege nutzt du und wie möchtest du langfristig profitabel wachsen?

INESSA BERLIN befindet sich noch in der Aufbauphase. Deshalb ist es mir wichtig, wirtschaftlich bewusst und mit einer langfristigen Perspektive zu wachsen. Ein Vorteil ist, dass ich durch CONCEPTNAILS bereits über Erfahrung im stationären Handel, im direkten Kundenkontakt und in der Sortimentsgestaltung verfüge. Unsere Hair Accessories vertreiben wir über den CONCEPTNAILS Concept Store, unseren eigenen Onlineshop und ausgewählte Handelspartner.

Hinzu kommen Pop-ups, Veranstaltungen und Kooperationen, durch die wir neue Kundinnen erreichen und die Marke persönlich vorstellen können. Besonders wichtig ist mir der weitere Ausbau des B2B-Geschäfts. Ich möchte INESSA BERLIN langfristig auch in anderen sorgfältig ausgewählten Stores positionieren, deren Anspruch und Zielgruppe zu unserer Marke passen. Wachstum bedeutet für mich allerdings nicht, möglichst schnell überall vertreten zu sein. Ich möchte das Sortiment gezielt weiterentwickeln, verlässliche Partnerschaften aufbauen und wirtschaftliche Entscheidungen treffen, die zur Größe und Entwicklungsphase des Unternehmens passen. Eine starke Marke braucht aus meiner Sicht nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch eine gesunde wirtschaftliche Grundlage.

Als Gründerin musst du kreative Entscheidungen ebenso treffen wie wirtschaftliche und organisatorische. Welche persönlichen Stärken helfen dir beim Unternehmensaufbau und in welchen Bereichen musstest du besonders viel dazulernen?

Ich treffe viele Entscheidungen intuitiv. Meistens habe ich ziemlich schnell ein Gefühl dafür, ob etwas zu mir und meinen Vorstellungen passt oder nicht. Natürlich kommt dieses Bauchgefühl nicht von ungefähr. Nach 15 Jahren bei CHANEL und Saint Laurent und inzwischen über acht Jahren mit CONCEPTNAILS habe ich viel gesehen, ausprobiert und erlebt. Ich glaube, mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gespür für Menschen, Produkte, Wertigkeit und Situationen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich immer richtig liege. Gerade bei INESSA BERLIN merke ich, dass ich meine Intuition manchmal auch ausbremsen muss. Ich sehe eine schöne Farbe, entdecke ein interessantes Modell oder habe eine Idee und würde am liebsten sofort loslegen.

Dann kommt die unternehmerische Seite ins Spiel: Was kostet die Umsetzung? Welche Mengen müssen produziert werden? Ist das wirtschaftlich sinnvoll? Und passt es überhaupt zu dem, was ich langfristig aufbauen möchte? Diese beiden Seiten miteinander zu verbinden, ist für mich eine der spannendsten Herausforderungen. Was ich außerdem lernen musste, ist, dass nicht jeder Mensch meine Vorstellungen sofort nachvollziehen kann. Nur weil ich ein ziemlich klares Bild im Kopf habe, heißt das noch lange nicht, dass andere es genauso sehen. Deshalb versuche ich heute, meine Ideen besser zu vermitteln und gleichzeitig offen für andere Perspektiven zu bleiben. Ich glaube, meine Intuition hat mich beruflich schon ziemlich weit gebracht. Aber ich habe auch gelernt, dass ein gutes Bauchgefühl und eine gute Kalkulation sich nicht ausschließen müssen.

Der Weg in die Selbstständigkeit ist selten geradlinig. Gab es während der Entwicklung von INESSA Momente, in denen du deine ursprünglichen Pläne überdenken musstest, und welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen?

Ja, und zwar schon sehr früh. Der größte Perspektivwechsel war sicherlich die Entscheidung, aus CONCEPTNAILS by Inessa eine eigenständige Marke zu machen. Ursprünglich war die Idee stärker mit meinem bestehenden Unternehmen verbunden. Doch während der ersten Monate wurde mir immer deutlicher, dass ich INESSA langfristig unabhängig vom Studio entwickeln möchte. Das bedeutete, noch einmal grundlegend über den Namen, die Positionierung und die visuelle Identität nachzudenken. Ein Rebranding so kurz nach dem Marktstart ist natürlich keine kleine Entscheidung. Trotzdem war es für mich der richtige Schritt. Ich habe daraus gelernt, dass man nicht an einer ursprünglichen Idee festhalten muss, nur weil man bereits Zeit und Arbeit investiert hat. Manchmal gehört es zum Unternehmertum, eine Entscheidung noch einmal zu hinterfragen und bewusst eine neue Richtung einzuschlagen. Wichtig ist, dabei nicht die eigene Vision aus den Augen zu verlieren.

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, eigene Unternehmen und Marken aufzubauen. Welche Erfahrungen hast du als Gründerin gemacht und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben, die mit dem Gedanken spielen, ihre eigene Geschäftsidee umzusetzen?

Ich finde es schön zu sehen, wie viele Frauen heute ihre eigenen Ideen verwirklichen und unternehmerische Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig glaube ich, dass Selbstständigkeit manchmal etwas zu romantisch dargestellt wird. Natürlich ist es erfüllend, eigene Entscheidungen zu treffen und etwas aufzubauen, das die persönliche Handschrift trägt. Aber es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen, Unsicherheiten auszuhalten und Entscheidungen zu treffen, deren Ergebnis man nicht immer vorhersehen kann. Was ich dabei für unglaublich wichtig halte, ist die Unterstützung durch Familie und enge Freunde. Menschen an seiner Seite zu haben, die an einen glauben, einen motivieren, in schwierigen Momenten stärken und im Zweifel auch ganz selbstverständlich mit anpacken, ist unbezahlbar. Gerade beim Aufbau eines Unternehmens gibt es immer wieder Situationen, in denen nicht alles nach Plan läuft. Zu wissen, dass man dann nicht allein dasteht, gibt einem unglaublich viel Kraft.

Mein Rat an andere Frauen wäre deshalb, sich nicht von dem Anspruch aufhalten zu lassen, dass von Anfang an alles perfekt sein muss. Man kann vieles planen, aber bestimmte Erfahrungen macht man erst, wenn man tatsächlich beginnt. Gleichzeitig sollte man die wirtschaftliche Seite nie unterschätzen. Eine gute Idee braucht eine realistische Grundlage. Und ich würde jeder Gründerin empfehlen, sich mit Menschen zu umgeben, die ehrlich sind, konstruktiv mitdenken und einen wirklich weiterbringen. Was ich persönlich besonders wichtig finde: den eigenen Weg nicht ständig mit dem anderer zu vergleichen. Jedes Unternehmen hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Tempo und seine eigenen Herausforderungen.

Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst: Wo möchtest du INESSA als Marke positionieren, welche Meilensteine hast du dir vorgenommen und was möchtest du mit deinem Unternehmen langfristig erreichen?

In fünf Jahren wünsche ich mir, dass INESSA BERLIN als eigenständige Premium Marke für Hair Accessories etabliert ist und eine klare Wiedererkennbarkeit besitzt. Ich möchte mein Sortiment kontinuierlich weiterentwickeln und eine Kollektion aufbauen, die für modernes Design, Qualität und Vielseitigkeit steht. Ein wichtiger Meilenstein ist für mich der Ausbau unseres Händlernetzwerks. Ich möchte INESSA BERLIN in ausgewählten Concept Stores, Boutiquen und bei Handelspartnern sehen, deren Anspruch und Ästhetik zu unserer Marke passen. Und ja, ich denke dabei durchaus auch international.

Mich reizt besonders die Vorstellung, INESSA BERLIN über persönliche Begegnungen, Pop-ups, Events und ausgewählte B2B Partnerschaften auch außerhalb Deutschlands bekannt zu machen. Vielleicht irgendwann mit einem Pop-up auf meiner persönlichen Lieblingsinsel Ibiza. Warum eigentlich nicht? Ich finde, man darf als Unternehmerin durchaus größere Vorstellungen haben. Entscheidend ist für mich nur, dass man auf dem Weg dorthin realistisch bleibt und eine solide Grundlage schafft. Ich möchte INESSA BERLIN nicht möglichst schnell groß machen, sondern langfristig eine Marke aufbauen, die ihre eigene Handschrift behält. Eine Marke, die durch schöne Produkte, Qualität, eine klare Haltung und das Vertrauen ihrer Kundinnen wächst. Und wenn ich in fünf Jahren auf diese Entwicklung zurückblicken darf, wünsche ich mir vor allem, dass ich sagen kann: Ich bin meinen eigenen Weg gegangen.

Bild INESSA Berlin Ines Reiche Fotografin/Bildcredits: Mirela Bauer

Wir bedanken uns bei Ines Reiche für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von Minecraft zu europäischer Sprach-KI: Wie Deepslate die US-Tech-Riesen fordert

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DeepSlate: Voice AI und Sprach-KI aus Berlin

DeepSlate entwickelt eigene Sprach-KI und setzt mit Voice AI auf natürliche Gespräche in Echtzeit. Das Berliner Startup trainiert spezialisierte Speech-to-Speech-Modelle für europäische Sprachen und möchte damit eine Alternative zu internationalen KI-Anbietern schaffen. Im Interview sprechen die Gründer über ihre Anfänge in der Minecraft-Welt, eine Finanzierung über 7,7 Millionen Euro und ihre Pläne für den europäischen Markt.

Kannst du DeepSlate kurz vorstellen und erzählen, wie aus euren Erfahrungen in der Minecraft-Welt die Idee für ein eigenes Voice-AI-Unternehmen entstanden ist?

Deepslate ist ein AI Model Lab aus Berlin. Wir trainieren eigene Speech-to-Speech-Modelle, also Sprach-KI, die gesprochene Sprache versteht und natürlich darauf antwortet, wie ein Mensch. Unternehmen setzen unser Modell zum Beispiel im Kundenservice ein, wo es Anrufe annimmt und Anliegen klärt.

Minecraft war eher die Schule als der direkte Auslöser. Jan und ich haben als Jugendliche die Entwicklung auf den beiden größten europäischen Minecraft-Servern geleitet, und dort merkt jeder Spieler sofort, wenn ein System hakt. Damals gab es noch kein Claude, was einem Tipps zum Code gegeben hat oder den Code direkt selbst schreibt. Wir mussten uns alles erarbeiten in einer Umgebung, in der noch niemand vor uns gebaut hat, was wir gebaut haben.

In Minecraft hatten wir auch unsere ersten Anfänge mit AI: Zum Beispiel beim Erkennen von Cheatern, wo wir mithilfe von KI-Modellen die Spieler-Bewegungen analysiert haben.

Die eigentliche Idee kam 2023: In unserem ersten gemeinsamen Unternehmen haben Jan und ich einen KI-Assistenten gebaut, der in Meetings mithört und Fragen beantwortet. Bis er antwortete, vergingen rund drei Sekunden. Uns war schnell klar, dass das an der Architektur der damaligen Sprach-KI lag. Also haben wir uns die nächsten Monate in alle möglichen Paper und Architekturen eingelesen, um dann irgendwann ein eigenes Model zu bauen.

Wer steht hinter DeepSlate, und welche Erfahrungen aus dem Betrieb latenzkritischer Systeme für Millionen von Spielern prägen euch heute noch?

Gegründet haben wir Deepslate zu zweit. Jan ist CTO, ich bin CEO. Heute, Stand Oktober 2026 sind wir 20 Leute, verteilt über ganz Europa, mit Schwerpunkt und Office in Berlin.

Minecraft war die perfekte Schule, um wirklich Systeme für die reale Welt zu testen, mit echter Verantwortung und echten Nutzern. Diese Erfahrung prägt Jan und mich bis heute. Aber nicht nur uns beide, denn aus der Minecraft Zeit haben wir noch etwas mitgenommen: Zum Beispiel einen großen Teil unseres Teams. Bestimmt 50% oder mehr von unserem aktuellen Team kennen wir bereits aus der Minecraft-Zeit. Von Entwicklern, zu Design, bis hin zum GTM.

DeepSlate entwickelt eigene native Speech-to-Speech-Modelle. Warum habt ihr euch gegen die Kombination bestehender Sprach-, LLM- und Text-to-Speech-APIs entschieden?

Weil man mit dieser Kombination an zwei Grenzen stößt. Die erste ist Zeit: Jede Umwandlung von Sprache in Text, durch ein Sprachmodell und zurück in Sprache kostet Zeit, und diese Zeiten addieren sich.

Die zweite ist Information: Sobald Sprache zu Text wird, gehen Tonfall, Betonung und Dialekt verloren. Das Sprachmodell sieht nur noch die Wörter, nicht wie sie gesagt wurden.

Euer Modell erreicht laut Artificial Analysis eine Latenz von 440 Millisekunden. Warum ist Geschwindigkeit bei Voice AI so entscheidend für ein natürliches Gespräch?

Weil Menschen im Gespräch extrem schnell sind. Zwischen zwei Redebeiträgen liegen meist nur ein paar hundert Millisekunden. Wird die Pause länger, fängt der Anrufer an zu zweifeln, ob er verstanden wurde, redet dazwischen oder legt auf.

Aber das ist erst der Anfang. Intern arbeiten wir bereits an “Full-Duplex”. Aktuell ist die Kommunikation mit Voice AI noch so wie mit einem Walkie-Talkie. Man redet, wartet, hört zu, wartet, redet. Full-Duplex ist der nächste große Sprung in menschenähnlicher Voice AI. Ein Model, was zuhören und reden gleichzeitig kann. Unterbrechen, wenn es sinnvoll ist. Warten, wenn am anderen Ende gegrübelt wird, zwischendrin ja sagen etc. Eben so, wie wir Menschen sprechen.

Mit OpenAI, ElevenLabs und Gemini konkurriert ihr mit einigen der größten KI-Anbieter weltweit. Wo soll DeepSlate langfristig einen eigenen Wettbewerbsvorteil aufbauen?

Durch Fokus: OpenAI und Google bauen Modelle, die Text, Bild, Video und Sprache gleichzeitig können. Wir machen nur Sprache, und das mit Blick auf Europa: europäische Sprachen und Dialekte, Betrieb in Europa oder direkt beim Kunden.

Dazu kommt Effizienz. Aufgrund unserer Spezialisierung können wir die Voice AI Minute günstiger anbieten. Auf unserer Self-Service-Plattform kostet eine Gesprächsminute 2 Cent, vergleichbare Echtzeit Modelle aus den USA liegen je nach Nutzung bei 6 bis 15 Cent.

Ihr konzentriert euch auf europäische Sprachen, Namen, Adressen und Dialekte in mehr als 27 Sprachen. Wo stoßen internationale Sprachmodelle im europäischen Unternehmensalltag aus eurer Sicht noch an Grenzen?

Vor allem bei den Dingen, die im Kundenservice am meisten zählen: Namen, Straßennamen, Hausnummern, Vertragsnummern. Modelle, die überwiegend auf US-Englisch trainiert wurden, verstehen einen deutschen Nachnamen oder Straßennamen oft falsch. Bei einer Versicherung hat eine vertauschte Hausnummer echte Folgen.

Dazu kommen Dialekte und kleinere Sprachen. Schweizerdeutsch ist ein gutes Beispiel: Für ein großes US-Modell ist das eine Randerscheinung, für einen Schweizer Versicherer ist es Alltag. Genau in solche Daten investieren wir.

DeepSlate soll auch Frustration, Ironie und Betonung erkennen können. Wie wichtig ist dieses Verständnis für den Einsatz von Voice AI im Kundenkontakt?

Wir sehen die Erkennung und natürliche Reaktion auf Frustration, Wut, aber auch Ironie oder Sarkasmus als essentiellen Schritt, um Sprach-KI auf die gleiche Stufe wie menschliche Kommunikation zu heben. Gerade im Kundenkontakt, macht das aus, ob Kunden sich wertgeschätzt und verstanden fühlen oder ob sie die KI ablehnen und menschlichen Kontakt bevorzugen. Gerade das ist aktuell eines der größten Probleme im KI-Kundenservice.

Wichtig zu sagen ist hier natürlich, dass wir von dem was heute schon möglich ist weggehen und in die Forschung gehen.

Das gesagt: Sehr wichtig. Gerade Sarkasmus ist eine Kommunikationsform, die wir in Deutschland sehr oft und sehr trocken verwenden. Ein Model, welches den Text als Übersetzung Schritt nutzt, wird nicht in der Lage sein, Sarkasmus zu erkennen.

Banken, Versicherer und andere regulierte Unternehmen gehören zu eurer Zielgruppe. Warum brauchen diese ein eigenes europäisches Sprachmodell, wenn US-Anbieter inzwischen ebenfalls EU-Datenresidenz und Enterprise-Lösungen anbieten?

Weil EU-Datenresidenz nicht dasselbe ist wie Kontrolle. Auch wenn die Server in Frankfurt stehen, unterliegt ein US-Anbieter weiter US-Recht, zum Beispiel dem CLOUD Act.

Bei uns läuft das Modell entweder in Rechenzentren von europäischen Anbietern in Europa oder komplett in der Infrastruktur des Kunden, auf Wunsch ohne jede Verbindung nach außen.

Dann haben selbst wir keinen Zugriff auf die Daten. Zusätzlich kommen alle unsere Investoren aus Deutschland, auch das ist für viele Kunden ein Argument.

Self-Hosting soll Unternehmen mehr Kontrolle über sensible Daten geben. Welche technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bringt dieser Ansatz für euch mit sich?

Technisch geben wir beim Self-Hosting den Betrieb aus der Hand. Das Modell muss auf der Hardware des Kunden genauso schnell und stabil laufen wie bei uns, und wir können nicht einfach reinschauen, wenn etwas hakt. Updates müssen so gebaut sein, dass der Kunde sie selbst einspielen kann.

Wirtschaftlich passt die Abrechnung pro Minute hier oft nicht, deshalb vergeben wir Lizenzen. Für den Kunden ist das gut planbar. Wir konzentrieren uns dabei auf Modell und Schnittstelle, die Integration in die Systeme des Kunden übernehmen Partner, die diese Systeme und Prozesse kennen.

Mit der Seed-Runde über 7,7 Millionen Euro gewinnt DeepSlate neues Kapital für die nächste Entwicklungsphase. Wofür möchtet ihr die Finanzierung vor allem einsetzen?

Als Model Lab spielen wir im wesentlichen 3 verschiedene Spiele:

  1. Die Modellentwicklung. Hier bauen wir unser Team aktuell stark aus, hiren Forscher und Entwickler.
  2. Das Handling von GPUs. Auf Grafikkarten leben unsere Modelle. Hier müssen wir sinnvolle und kosteneffiziente Möglichkeiten finden, Grafikkarten zu mieten oder zu kaufen und das Geld dort investieren
  3. Der Verkauf von dem Modell. Hier spielt zum Beispiel rein, dass wir ein Sales und Marketing Team aufbauen und dass wir eine Self Service Plattform entwickelt haben, wo jeder das Model selbst in wenigen Sekunden ausprobieren kann. Der Link ist https://app.deepslate.eu

Welche Vision verfolgt ihr mit DeepSlate, und welche Rolle soll das Unternehmen langfristig im europäischen Voice-AI-Markt spielen?

Unser Ziel ist Sprach-KI, die man im Gespräch nicht mehr von einem Menschen unterscheiden kann. Bei Bildern und Videos ist KI da schon angekommen, bei Sprache in Echtzeit noch nicht.

Kundenservice ist dabei nur der erste Markt. Langfristig wird Sprache die natürliche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, im Auto, in Geräten zu Hause und in Robotern. In Europa wollen wir das Sprachmodell sein, auf das Unternehmen und Entwickler setzen, wenn sie Sprach-KI nutzen wollen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit eigener KI-Technologie gegen internationale Tech-Konzerne antreten möchten?

Hier muss man natürlich unterscheiden, wie groß das eigene Ziel ist.

Zum Beispiel eigene Frontier-Modelle zu bauen, benötigt oft viel Kreativität. Einen neuartigen Trainingsansatz, einen spezialisierten Use-Case oder eine neue Zielsetzung. Wir haben mit Antrophic, OpenAI, Google, etc. den Markt an riesigen Omni Modellen mit Milliarden Budget gefüllt, die alle mehr oder weniger die gleiche Strategie verfolgen. Dennoch öffnen sich genau dort dauerhaft neue Lücken, die selbst wieder Milliarden Märkte sind. Siehe zum Beispiel Jev von Typesafe AI.

Meine drei Tipps wenn ihr ähnliche große Missionen angeht:

  1. Glaubt an eure Vision und lasst euch nicht beirren: In Europa wird oft schnell zu sicheren und kleineren Geschäftsmodellen geraten. Wenn ihr eine große Vision habt, zieht sie durch, auch wenn Gegenwind kommt. Echte Innovation entsteht nicht durch das Mitspielen auf Nummer sicher.
  2. Bleibt extrem anpassungsfähig und hinterfragt euch ständig: Die Tech-Welt, besonders im KI-Bereich, dreht sich rasant. Was heute gilt, kann morgen schon überholt sein. Akzeptiert diesen Wandel als Normalzustand und nutzt ihn als Hebel für euer Wachstum.
  3. Sucht euch eine klare Nische und besetzt sie kompromisslos: Versucht gar nicht erst, die Tech-Giganten auf all ihren Spielfeldern zu schlagen. Spezialisiert euch auf Bereiche, in denen sie Schwächen haben – wie regionale Besonderheiten, Datenschutz oder extreme Latenz – und löst dieses eine Problem besser als jeder andere.

Bild Deepslate Gründer Paskal Paesler und Jan Brachthäuser Bildcredits: Deepslate AI generated

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Transparenz im E-Commerce: Wie OneCircle für ethischen Online-Handel sorgt

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OneCircle: Online-Marktplatz für geprüfte Händler Baris Mert Colak

OneCircle ist ein Online-Marktplatz, der Händler und Marken vor der Aufnahme ins Sortiment überprüft und damit mehr Transparenz beim Einkaufen schaffen möchte. Gründer Baris Mert Colak erklärt im Interview, wie das Prüfverfahren funktioniert, warum bestimmte Unternehmen ausgeschlossen werden und weshalb zehn Prozent des eigenen Marktplatzanteils in einen Spendenfonds fließen

Baris, stell dich und OneCircle bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, einen eigenen Online-Marktplatz aufzubauen?

Ich bin Baris Mert Colak, 26, aus Schwandorf in der Oberpfalz. OneCircle ist ein Online-Marktplatz mit Vollsortiment, von der Bohrmaschine bis zur Zahnbürste. Der Unterschied liegt vor dem Verkauf: Bei uns kommt keine Marke ins Sortiment, ohne dass wir vorher geschaut haben, welche Firmen eigentlich an ihr verdienen.

Die Idee kam aus einer ziemlich simplen Beobachtung. Beim Online-Einkauf weiß man praktisch nie, wem das Geld am Ende zufließt. Man kauft eine Uhr von einer bekannten Marke und denkt, man kauft bei dieser Marke. Tatsächlich steckt oft eine ganz andere Firma dahinter, manchmal in einem anderen Land, manchmal in einem Konzern, von dem man noch nie gehört hat. Wer nur den Markennamen prüft, prüft ein Etikett.

Also habe ich angefangen, es andersherum aufzuziehen. Erst die Prüfung, dann der Shop.

Mit OneCircle möchtet ihr kleinen und mittleren Händlern eine Verkaufsplattform bieten. Welche Probleme wollt ihr für diese Zielgruppe lösen?

Drei Dinge. Erstens die Kosten: Bei den großen Plattformen zahlt man Grundgebühren, bevor man den ersten Euro verdient hat. Bei uns nicht. Zweitens die Austauschbarkeit: Wer auf einem großen Marktplatz ein gutes Produkt hat, steht auf derselben Seite neben zehn billigeren Nachbauten.

Und drittens, das ist für mich der eigentliche Punkt: Händler, die sauber arbeiten, können das nirgends zeigen. Sie stehen zwischen allen anderen, ununterscheidbar. Bei uns ist die Aufnahmeregel selbst das Verkaufsargument. Wer bei uns gelistet ist, ist durch dieselbe Prüfung gegangen wie jeder andere.

Euer Geschäftsmodell verzichtet auf Grundgebühren und setzt auf eine Verkaufsprovision zwischen 10 und 15 Prozent. Warum habt ihr euch für diesen Ansatz entschieden?

Der Gedanke dahinter ist einfach. Eine monatliche Gebühr zahlt man, egal ob man verkauft hat. Für einen Händler, der gerade anfängt oder erst ein paar Artikel bei uns listet, ist das ein Risiko ohne Gegenwert. Bei einer Provision zahlt er nur, wenn etwas passiert ist. Für uns heißt das: Wir verdienen erst, wenn der Händler verdient hat. Das macht unsere Planung unbequemer, aber es ist die ehrlichere Richtung.

Bevor Händler bei OneCircle verkaufen dürfen, überprüft ihr die Unternehmen anhand bestimmter Kriterien. Wie funktioniert dieser Prüfprozess konkret?

Wir prüfen weder das Produkt noch die Marke, sondern jede Firma, die an einer Marke verdient. Bei einer Lizenzmarke sind das mindestens zwei: die Firma, der der Name gehört, und die, die herstellt und vertreibt. Dazu kommen Konzernmütter und Vertriebsgesellschaften.

Der Ablauf hat vier Schritte. Zuerst ermitteln wir zu jeder Marke alle beteiligten Firmen. Dann laufen zwei voneinander unabhängige Recherchen: eine freie Suche nach dokumentierten Vorwürfen und ein Abgleich gegen unseren eigenen Quellen-Index, der jede Nacht neu aus öffentlichen Listen aufgebaut wird, zuletzt 35.465 Einträge. Darin stecken unter anderem die Sanktionslisten der EU und der USA, die Liste des US-Arbeitsministeriums zu Waren aus Kinder- und Zwangsarbeit, die SIPRI-Rüstungsliste, OECD Watch und der ITUC Global Rights Index. Stimmen beide Wege überein, bestätigen sie sich gegenseitig. Weichen sie ab, ist genau das der Hinweis, genauer hinzusehen.

Daraus entsteht ein Vorschlag, der noch gar nichts bewirkt. Erst ein Mensch entscheidet: grün, gelb oder rot. Jede Sperre braucht ein zweites Augenpaar und eine Quelle mit Titel, Fundstelle und Jahr.

Und eine Regel, die oft überrascht: Die schlechteste Bewertung gewinnt. Hängt eine Marke an fünf Firmen und eine davon ist gesperrt, ist die Marke gesperrt. Das Geld fließt ja trotzdem dorthin.

Ausbeutung, Kinderarbeit, Kriegsfinanzierung und Unterdrückung sind für euch klare Ausschlussgründe. Wie geht ihr mit Fällen um, in denen öffentliche Informationen fehlen oder widersprüchlich sind?

Das ist der ehrlichste Teil unserer Arbeit, weil es der häufigste Fall ist.

Wir unterscheiden streng zwischen drei Stufen. Ein Beleg heißt: Die Firma steht namentlich in einer belastbaren Quelle, also in einem Urteil, einer Behördenentscheidung, einer Sanktionsliste oder einer nachlesbaren Recherche. Das führt zur Sperre. Ein Signal heißt: Die Firma wird nur mittelbar genannt, etwa über die Konzernmutter. Das führt zu einer Prüfung von Hand, nicht zu einer Sperre. Ein Risiko heißt: Es gibt keinen Eintrag, aber Branche oder Lieferkette sind auffällig. Das wird vermerkt, mehr nicht.

Ein Boykottaufruf allein ist für uns kein Nachweis. Er ist eine Meinung, und Meinungen sind kein Beleg.

Und wenn wir nichts finden, schreiben wir nicht „sauber“, sondern: Gegen diese Firma ist nichts dokumentiert. Das ist ein Unterschied. Kleine Firmen stehen oft in keiner Quelle, einfach weil sie niemand beobachtet. Das ist eine Datenlücke, keine Entwarnung.

Ihr habt bereits 1.782 Firmen in eurem Prüfsystem erfasst. Wie stellt ihr sicher, dass die Bewertungen aktuell und nachvollziehbar bleiben?

Über drei Mechanismen.

Ohne Quelle keine Bewertung. Gelb und Rot lassen sich im System gar nicht erst speichern, wenn Titel, Fundstelle und Jahr fehlen. Das ist keine Frage der Disziplin, das Feld lässt sich sonst nicht abschicken.

Jede Bewertung bekommt ein Datum zur Wiedervorlage. Bewertungen veralten, Firmen ändern sich, Verfahren enden.

Und: einmal bewertet, überall gültig. Wir bewerten lieferantenübergreifend. Wer gesperrt ist, bleibt gesperrt, egal über welchen Lieferanten seine Ware bei uns ankäme.

Ein Teil eurer Einnahmen fließt in einen Spendenfonds. Welche Ziele verfolgt ihr damit und nach welchen Kriterien wählt ihr gemeinnützige Organisationen aus?

Das Ziel ist, dass ganz normales Einkaufen automatisch etwas abwirft, ohne dass jemand extra dafür bezahlt oder sich extra darum kümmern muss. Kein Aufrunden an der Kasse, kein Häkchen beim Checkout, kein Aufpreis. Du kaufst eine Pfanne, und ein Teil dessen, was dabei bei uns hängen bleibt, ist schon weg, bevor wir überhaupt an uns denken.

Der zweite Teil des Ziels ist eine Selbstbindung. Fast jede Firma spendet irgendwann etwas, meistens dann, wenn ein gutes Jahr hinter ihr liegt. Wir wollten eine Regel, die auch in schlechten Monaten gilt. Deshalb geht der Anteil weg, bevor wir unsere eigenen Kosten abziehen. Von dem, was nach Auszahlung der Händler bei uns bleibt, gehen zehn Prozent in den Fonds. Wenn für uns am Ende nichts übrig bleibt, hat der Fonds trotzdem etwas bekommen.

Im August waren das 5,66 Euro, bei einem Marktplatzanteil von 56,60 Euro. Überwiesen am 9. September an Ärzte ohne Grenzen. Ja, das ist wenig. Wir hätten warten können, bis eine Zahl dasteht, die sich besser anfühlt. Aber eine Regel, die erst ab einem angenehmen Betrag gilt, ist keine Regel. Jeden Monat kommt eine neue Zeile dazu, auch eine kleine.

Bei der Auswahl halten wir es offen: Unsere Kundinnen und Kunden können Organisationen vorschlagen, die Entscheidung treffen wir. Jede Auszahlung steht mit Betrag, Empfänger, Datum und Beleg im Shop. Wer nachrechnen will, kann das.

Der Onlinehandel wird von großen Plattformen dominiert. Was unterscheidet OneCircle von etablierten Marktplätzen und warum sollten Händler und Kunden zu euch wechseln?

Technisch ist der Unterschied die Richtung. Die großen Plattformen arbeiten mit Einschluss: Ein Produkt muss ein Merkmal erfüllen, dann darf es rein. Wir arbeiten mit Ausschluss: Eine Firma darf keine unserer vier Linien überschreiten, sonst kommt sie nicht rein. Keine Ausbeutung, keine Kinderarbeit, keine Kriegsfinanzierung, keine Unterdrückung. Und bei uns entscheidet kein Siegel, sondern ein Mensch, der schriftlich begründet, warum.

Für Händler heißt das: Wer sauber arbeitet, hat bei uns zum ersten Mal einen Ort, an dem das sichtbar ist. Auf den großen Plattformen steht er neben allem anderen, nicht unterscheidbar.

Für Kunden ist es etwas anderes, und ich glaube, das ist der eigentliche Punkt. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben sich das beim Online-Einkauf irgendwann abgewöhnt, überhaupt nachzudenken. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil es nicht machbar ist. Du willst eine Pfanne kaufen und sitzt plötzlich zwanzig Minuten vor einer Firmenstruktur mit vier Tochtergesellschaften, verstehst sie nicht und bestellst am Ende doch das Billigste. Dieses Gefühl kennt jeder, und es ist zermürbend.

Was wir anbieten, ist, dass diese Arbeit vorher schon gemacht wurde. Nicht perfekt, das behaupten wir nicht, aber nachvollziehbar und mit Quellen, die du nachlesen kannst. Du musst uns nicht glauben, du kannst nachsehen. Und wenn wir etwas nicht wissen, schreiben wir das hin, statt es zu überspielen.

Ehrlich gesagt gewinnen wir beim Preis und bei der Lieferzeit gegen die Großen nicht. Wer in zwei Stunden ein Ladekabel braucht, ist bei uns falsch. Aber wer beim Einkaufen schon mal dieses leise Unbehagen hatte und keine Lust hat, es jedes Mal wegzuklicken: Genau dafür bauen wir das hier.

Seit August 2026 ist OneCircle online. Welche Erfahrungen habt ihr mit euren ersten Händlern, Lieferanten und Bestellungen gesammelt?

Stand Oktober 2026 sind es neun Bestellungen, drei aktive Händler und ein vierter, der gerade zugesagt hat, dazu vier Lieferanten im Eigenhandel. Im Shop stehen 120.062 Artikel, weitere 19.258 halten wir zurück, weil die Bewertung aussteht oder Herstellerangaben fehlen.

Die wichtigste Erfahrung: Die Prüfung kostet uns Umsatz, und zwar sichtbar. Seit dem 10. September kommt neue Ware grundsätzlich als nicht verkäuflicher Entwurf herein und wird erst freigeschaltet, wenn alles stimmt. Das heißt, gut verkäufliche Artikel liegen manchmal wochenlang still. Das auszuhalten ist schwerer, als es sich vorher angehört hat.

Die zweite Erfahrung war eine positive Überraschung. Händler, die selbst sauber arbeiten, finden eine strenge Aufnahmeregel gut, weil sie sie von anderen unterscheidet. Ich hatte mit mehr Widerstand gerechnet.

Ihr arbeitet zu viert, ohne eigenes Büro und mit Kapital aus eurem privaten Umfeld. Welche Herausforderungen bringt dieser schlanke Unternehmensaufbau mit sich?

Der größte Vorteil ist Geschwindigkeit. Wir brauchen für keine Entscheidung ein Meeting. Wenn etwas kaputt ist, wird es am selben Tag repariert, ohne Abstimmungsrunde.

Der Preis dafür ist, dass nichts doppelt besetzt ist. Die gesamte technische Infrastruktur habe ich selbst gebaut. Vier Dienste laufen im Betrieb: die Lieferantenanbindung, eine eigene Suche, ein eigener Zahlungsablauf und die Sortimentsprüfung. Wenn ich zwei Wochen ausfalle, steht ein Teil davon still. Deshalb gibt es zu jedem System ein Handbuch, das so geschrieben ist, dass auch jemand ohne Technikkenntnisse damit arbeiten kann.

Und ganz praktisch: Ohne Budget muss jede Entscheidung vorher richtig sein. Wir können uns keinen teuren Irrtum leisten, also wird vorher gerechnet statt hinterher repariert.

Wie wollt ihr OneCircle in den kommenden Jahren weiterentwickeln und welche nächsten Schritte sind für das Wachstum entscheidend?

Vier Dinge stehen an.

Das Prüfregister öffnen. Heute dokumentieren wir intern. Ziel ist, dass jeder zu jeder Marke sehen kann, wann wir sie geprüft haben und worauf wir uns stützen.

Die offene Sichtung abarbeiten. Einige Rechercheergebnisse warten auf die Entscheidung durch einen Menschen.

Die Händlerbasis ausbauen, vor allem dort, wo es noch dünn ist, etwa Drogerie und Körperpflege.

Und die Prüfung tiefer in die Lieferkette ziehen. Ab Dezember 2027 verbietet die EU Produkte aus Zwangsarbeit. Was wir heute freiwillig machen, wird dann für viele Pflicht, und darauf bauen wir jetzt schon auf.

Entscheidend für das Wachstum ist im Moment allerdings nichts davon, sondern Bekanntheit. Technik und Sortiment stehen. Es wissen nur zu wenige, dass es uns gibt.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die mit begrenzten finanziellen Mitteln einen eigenen Online-Marktplatz aufbauen möchten?

Erstens: Bau zuerst das, was dich von allen anderen unterscheidet, und kauf den Rest ein. Unser Shop läuft auf Standardsoftware. Selbst gebaut habe ich die Prüfung, weil es die so nicht zu kaufen gab. Wer alles selbst baut, verbringt ein Jahr mit Dingen, die es längst gibt.

Zweitens: Schreib auf, was du nicht kannst. In unseren Unterlagen gibt es eine Seite mit der Überschrift „Was unsere Prüfung nicht kann“. Das war eine der besten Entscheidungen überhaupt. Es nimmt den Druck, perfekt wirken zu müssen, und es kommt bei Leuten besser an als jedes Versprechen.

Drittens: Fang mit der kleinen Zahl an. Unsere erste Spende waren 5,66 Euro, und genau so steht sie auf unserer Seite, mit Beleg. Wer wartet, bis die Zahlen gut aussehen, fängt nie an. Und wer bei den kleinen Zahlen ehrlich war, dem glaubt man später die großen.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Baris Mert Colak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Unabhängige KI aus Baden-Württemberg: Das steckt hinter MARCO KI

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MARCO KI: KI-Plattform mit Fokus auf Datenschutz Marco Klingenberg

MARCO KI ist eine mehrsprachige KI-Plattform, die alltägliche Aufgaben wie Schreiben, Lernen und Recherche erleichtern soll und dabei auch den Datenschutz berücksichtigt. Entwickler Marco erklärt im Interview, warum er die Plattform eigenständig in Baden-Württemberg aufbaut, welche technischen Herausforderungen bestehen und wie er langfristig unabhängiger von großen KI-Anbietern werden möchte.

Marco, kannst du dich und MARCO KI kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eigenständig eine mehrsprachige KI-Plattform zu entwickeln?

Ich entwickle MARCO KI eigenständig in Baden-Württemberg. Die Idee dahinter ist, KI-Unterstützung für Alltagsfragen, Schreiben, Lernen und Recherche möglichst unkompliziert zugänglich zu machen. Mich interessiert besonders, wie weit man mit offenen Technologien, klarer Nutzerführung und eigenen Qualitätstests kommt.

Der Markt für KI-Anwendungen wird bereits von großen Technologieunternehmen geprägt. Was hat dich dazu bewegt, als Einzelentwickler ein eigenes Angebot aufzubauen?

Ich möchte selbst gestalten, wie eine KI-Plattform funktioniert, welche Grenzen sie offenlegt und wie Fehler korrigiert werden. Dazu gehört das Ziel, einzelne Dienstleister langfristig ersetzen zu können, ohne die Nutzerqualität zu verlieren.

Mit MARCO KI möchtest du alltägliche Aufgaben wie Schreiben, Lernen und Recherche erleichtern. Welche konkreten Probleme soll deine Plattform lösen und welche Zielgruppen möchtest du erreichen?

Die Plattform soll verständliche Antworten geben, beim Formulieren helfen und den Einstieg in neue Themen erleichtern. Angesprochen sind zunächst Privatpersonen; später kommen beispielsweise Schulen, Vereine und kleine Unternehmen als mögliche Nutzergruppen infrage.

Ein zentraler Bestandteil deines Konzepts ist die Nutzung ohne verpflichtendes Nutzerkonto. Warum ist dir dieser unkomplizierte Zugang besonders wichtig und welche Herausforderungen entstehen dadurch?

Wer eine Frage hat, soll nicht zuerst einen Registrierungsprozess durchlaufen müssen. Gleichzeitig braucht ein offen zugänglicher Dienst belastbaren Missbrauchsschutz, Datenschutz und eine realistische Kontrolle der Betriebskosten.

MARCO KI bietet bei aktuellen Themen Antworten mit Quellenangaben. Wie funktioniert dieser Ansatz und wie gehst du mit der Herausforderung um, dass KI-Systeme auch ungenaue oder falsche Informationen liefern können?

Für bestimmte aktuelle Themen werden strukturierte Datenquellen und Quellenhinweise einbezogen. Ein Link allein garantiert aber keine richtige Antwort. Deshalb arbeiten wir an Prüfprozessen, die tatsächliche Antwortqualität und sichtbare Fehlermeldungen erfassen. Der öffentliche Hauptchat hat derzeit noch Anbieter-Ausfälle; diese Lücke benenne ich offen und arbeite an eigenen Ersatzwegen.

Deine Plattform ist mehrsprachig und soll international nutzbar sein. Welche technischen und organisatorischen Herausforderungen bringt dieser Anspruch für dich als Einzelentwickler mit sich?

Mehrsprachigkeit geht weit über Menütexte hinaus. Funktionen, Fehlermeldungen und Antworten müssen auch in unterschiedlichen Sprachen verständlich und konsistent bleiben. Deshalb werden Sprachvarianten schrittweise mit realen Anwendungsfällen getestet.

Viele KI-Plattformen bieten ähnliche Grundfunktionen an. Wodurch möchtest du MARCO KI langfristig von etablierten Angeboten unterscheiden?

Mit einem einfachen Einstieg, austauschbarer Technik und verifizierbarer Qualität. Ich möchte keine unbelegten Überlegenheitsversprechen machen, sondern sichtbar zeigen, welche Funktionen funktionieren und wo wir noch verbessern.

Du entwickelst die Plattform eigenständig in Baden-Württemberg. Wie organisierst du die technische Entwicklung, den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung ohne ein größeres Team?

Ich arbeite mit dokumentierten Entwicklungsaufgaben, automatisierten technischen Prüfungen und einem eigenen MASTER-System zur Nachverfolgung von Fehlern, Änderungen und Wiederanlaufprozessen. Technische Tests sind hilfreich, aber echte Nutzerwege müssen zusätzlich geprüft werden.

Einzelne Funktionen befinden sich noch in der Beta- oder Vorbereitungsphase. Welche Funktionen sind bereits zuverlässig nutzbar und welche Entwicklungsschritte stehen aktuell noch aus?

Die Website ist öffentlich zugänglich und verschiedene Bereiche sind umgesetzt. Ein lokal betriebenes offenes Qwen-Modell konnte bereits echte Testfragen beantworten. Seine sichere, dauerhaft erreichbare Anbindung an die öffentliche Website steht jedoch noch aus. Auch der Hauptchat, mobile Nutzerwege und die Android-App benötigen weitere Qualitätstests.

Datenschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit Informationen spielen bei KI-Anwendungen eine wichtige Rolle. Wie gehst du bei MARCO KI mit Nutzerdaten, Sicherheit und Transparenz um?

Ziel sind möglichst sparsame Datenverarbeitung, begrenzte Zugriffsrechte und nachvollziehbare Dienstleisterrollen. Entscheidend ist, dass Datenschutzhinweise und technische Umsetzung übereinstimmen. Das wird fortlaufend überprüft.

Eine öffentlich zugängliche KI-Plattform verursacht laufende Kosten. Wie finanzierst du das Projekt bisher und welches Geschäftsmodell kannst du dir für die Zukunft vorstellen?

Ich entwickle MARCO KI mit begrenzten Ressourcen und prüfe derzeit Förder- und Beratungsmöglichkeiten sowie potenzielle Partner. Für die Zukunft ist ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb wichtig; ein abschließendes Geschäftsmodell steht noch nicht fest.

Welche Ziele verfolgst du mit MARCO KI in den kommenden Jahren und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen ein eigenes Technologieprojekt aufbauen möchten?

Ich möchte zuerst einen zuverlässigen Kern schaffen, unabhängiger von einzelnen KI-Anbietern werden und die Plattform anhand echten Nutzerfeedbacks weiterentwickeln. Meine drei Ratschläge: früh praktisch testen, Fehler transparent dokumentieren und Aufwand sowie Kosten vor jeder Erweiterung realistisch einplanen.

Bildcredits Privat / Marco Klingenberg

Wir bedanken uns bei Marco Klingenberg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI im Gesundheitswesen: Wie AvisCode die ärztliche Privatabrechnung automatisiert

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AvisCode: GOÄ-Abrechnung mit KI automatisieren Felix Vogel stellt seine Forschung auf der CVPR vor

AvisCode entwickelt eine KI, die Arztpraxen bei der GOÄ-Abrechnung unterstützt und aus vorhandenen Behandlungsdokumentationen automatisch Rechnungsentwürfe erstellt. Gründer Felix Vogel erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert, welche Vorteile sie für Arztpraxen bietet und warum Datenschutz und fachliche Kontrolle entscheidend sind

Felix, kannst du dich und das Team hinter AvisCode kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, die ärztliche Privatabrechnung mithilfe künstlicher Intelligenz zu automatisieren?

Ich bin Felix Vogel, Gründer und Geschäftsführer der AvisCode GmbH. Ich habe einen Master in Informatik mit Schwerpunkt künstliche Intelligenz abgeschlossen und 2025 eigene Forschung auf der CVPR, einer der weltweit führenden KI-Konferenzen, vorgestellt.

AvisCode haben wir Anfang 2025 als digitale privatärztliche Verrechnungsstelle aufgebaut. In der Produktentwicklung verbinden wir unsere technische Expertise mit den praktischen Erfahrungen unserer Kundenpraxen. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur das Rechnungsmanagement, sondern vor allem die eigentliche Rechnungserstellung viel Zeit kostet. Deshalb haben wir gemeinsam mit mehreren Arztpraxen unsere GOÄ-KI entwickelt.

Mit eurer GOÄ-KI möchtet ihr die Rechnungserstellung in Arztpraxen grundlegend vereinfachen. Welche konkreten Probleme habt ihr im bisherigen Abrechnungsprozess erkannt und welche Vision verfolgt ihr mit AvisCode?

Ärzte müssen jede Behandlung ohnehin dokumentieren. Für die Privatabrechnung beginnt danach häufig ein zweiter, zeitintensiver Arbeitsschritt: GOÄ-Ziffern heraussuchen, Leistungen kombinieren, Steigerungsfaktoren begründen und Ausschlussregeln prüfen. Gerade bei komplexeren Behandlungen werden dabei schnell Leistungen übersehen.

Genau diesen zweiten Arbeitsschritt haben wir automatisiert. Aus der ohnehin vorhandenen Behandlungsdokumentation wird mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand eine vollständige, korrekte Rechnung.

Eure Software erstellt direkt aus der Behandlungsdokumentation einen fertigen GOÄ-Rechnungsentwurf. Wie funktioniert dieser Prozess in der Praxis und welche Aufgaben übernimmt die künstliche Intelligenz dabei?

Der Arzt stellt unserer KI seine Behandlungsdokumentation zur Verfügung. Daraus erkennt sie die erbrachten Leistungen und erstellt einen vollständigen GOÄ-Rechnungsentwurf. Berücksichtigt werden neben den Gebührenziffern auch Steigerungsfaktoren, individuelle Begründungen, Analogziffern, Zuschläge und Auslagen.

Besonders interessant sind unsere zwei Modi: Im ersten werden ausschließlich dokumentierte Leistungen berücksichtigt. Im zweiten gibt die KI zusätzlich Hinweise auf möglicherweise übersehene Leistungen oder sinnvolle Ergänzungen für zukünftige Behandlungen. Diese werden ausdrücklich als „kontextuell“ gekennzeichnet und dürfen natürlich nur bei tatsächlicher Leistungserbringung und entsprechender Dokumentation abgerechnet werden.

Der Arzt prüft anschließend den Entwurf und gibt die Rechnung frei.

Die Gebührenordnung für Ärzte ist komplex und stellt insbesondere neu gegründete Praxen vor Herausforderungen. Welche typischen Fehler oder Schwierigkeiten treten bei der GOÄ-Abrechnung auf und wie kann AvisCode dabei unterstützen?

Häufig werden Leistungen nicht abgerechnet, obwohl sie erbracht wurden. Hinzu kommen komplizierte Ziffernkombinationen, Ausschlussregeln und Unsicherheiten bei Steigerungsfaktoren oder Analogabrechnungen.

Ein weiteres Problem ist, dass das Abrechnungswissen in vielen Praxen bei wenigen erfahrenen Mitarbeitenden liegt.

Unsere KI schlägt nicht nur passende Ziffern vor, sondern liefert direkt die zugehörigen GOÄ-Informationen und verlinkt relevante Ziffernketten. So können auch weniger erfahrene Mitarbeitende die Vorschläge nachvollziehen.

Etablierte Praxen können unsere KI außerdem nutzen, um ihre bisherigen Standardabrechnungen einmalig zu überprüfen und zu optimieren, ohne sie anschließend dauerhaft einsetzen zu müssen.

Eure KI lässt sich individuell an die Anforderungen einzelner Praxen anpassen und berücksichtigt eigene Ziffern, Ziffernketten, Faktoren und Begründungen. Wie gelingt diese Anpassung technisch und welche Vorteile ergeben sich dadurch für unterschiedliche medizinische Fachrichtungen?

Unsere KI arbeitet mit einer umfangreichen, fachspezifischen Wissensbasis, die typische Abrechnungskombinationen der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen enthält.

Zusätzlich können Praxen eigene Ziffern, Ziffernketten, bevorzugte Steigerungsfaktoren und individuelle Begründungen hinterlegen. Diese werden bei der Rechnungserstellung automatisch berücksichtigt.

Dadurch erhält beispielsweise ein Kardiologe andere Vorschläge als ein Orthopäde oder Dermatologe. Gleichzeitig kann jede Praxis ihre eigenen Abrechnungsstandards beibehalten und gezielt verbessern.

Bei der automatisierten medizinischen Abrechnung müssen Leistungen korrekt und nachvollziehbar erfasst werden. Wie stellt ihr sicher, dass die von AvisCode vorgeschlagenen Abrechnungspositionen den geltenden GOÄ-Vorgaben entsprechen und wie werden mögliche Fehler erkannt?

Wir setzen bewusst nicht auf ein einzelnes Sprachmodell. Im Hintergrund arbeiten mehrere spezialisierte KI-Modelle zusammen, die medizinische Dokumentationen analysieren, passende Gebührenziffern ermitteln und daraus Rechnungsentwürfe erstellen.

Zusätzlich erfolgt eine deterministische Prüfung mit über 10.000 Regeln. Diese kontrolliert unter anderem Abrechnungsausschlüsse, zulässige Ziffernkombinationen und notwendige Begründungen. Dabei können auch vorherige Rechnungen berücksichtigt werden, wenn Ausschlussregeln rechnungsübergreifend gelten.

Für jede vorgeschlagene Ziffer zeigen wir außerdem die zugehörige Textstelle aus der Behandlungsdokumentation. So ist unmittelbar nachvollziehbar, worauf sich der Vorschlag stützt. Die abschließende fachliche Freigabe bleibt bei der Praxis.

Ihr befindet euch bereits im Praxiseinsatz und habt eure kostenlose Pilotphase aufgrund der Nachfrage verlängert. Welche Erfahrungen habt ihr bisher gesammelt und welche konkreten Rückmeldungen aus den Arztpraxen beeinflussen die Weiterentwicklung eurer Software?

Wir haben unsere kostenlose Pilotphase im August 2026 gestartet und aufgrund der positiven Rückmeldungen erweitert.

Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die Praxen unsere KI einsetzen. Einige erstellen damit regelmäßig ihre Rechnungen, andere lassen ihre bisherigen Standardabrechnungen überprüfen und übernehmen neu erkannte Ziffernkombinationen in ihre bestehenden Abläufe.

Positiv hervorgehoben werden vor allem der geringere Aufwand und Hinweise auf bislang nicht berücksichtigte Leistungen.

Ein wichtiger Wunsch ist die direkte Integration in die Praxissoftware. Daran arbeiten wir aktuell mit verschiedenen Softwareherstellern.

AvisCode richtet sich sowohl an neu gegründete als auch an etablierte Arztpraxen. Welche Zielgruppen stehen für euch zunächst im Mittelpunkt und wie groß schätzt ihr das Potenzial für KI-gestützte Abrechnungslösungen im deutschen Gesundheitswesen ein?

Wir richten uns an alle medizinischen Fachrichtungen, die nach GOÄ abrechnen – von der Einzelpraxis über Haus- und Facharztpraxen bis zu größeren MVZ und Kliniken.

Besonders interessant ist die KI für Praxisgründer, die noch wenig Erfahrung mit der GOÄ haben, und für etablierte Praxen, die ihre Abrechnung optimieren oder Mitarbeitende entlasten möchten.

Das Potenzial ist entsprechend groß. Privatärztliche Leistungen werden täglich in zahlreichen Praxen und Kliniken erbracht. Die medizinische Dokumentation existiert bereits – die daraus abgeleitete Rechnung muss heute aber häufig noch manuell erstellt werden. Genau diesen Prozess können wir automatisieren.

Da eure KI auf medizinische Behandlungsdokumentationen zugreift, spielen Datenschutz und Datensicherheit eine besonders wichtige Rolle. Wie gewährleistet ihr den Schutz sensibler Patientendaten und welche technischen und rechtlichen Anforderungen müsst ihr dabei erfüllen?

Wir verarbeiten Patientendaten ausschließlich in Europa und verwenden sie nicht zum Training der KI-Modelle.

Da wir bereits als privatärztliche Verrechnungsstelle tätig sind, gehört der vertrauliche Umgang mit medizinischen und personenbezogenen Daten zu unserem Kerngeschäft.

Neben der DSGVO müssen wir insbesondere die ärztliche Schweigepflicht und die Anforderungen an eine sichere Datenverarbeitung berücksichtigen. Bei unseren geplanten Praxissoftware-Schnittstellen achten wir deshalb auch darauf, dass nur die jeweils benötigten Daten kontrolliert übertragen werden.

Der Markt für digitale Praxisverwaltung und medizinische Abrechnungssoftware ist bereits von etablierten Anbietern geprägt. Was unterscheidet AvisCode von bestehenden Lösungen und wie lässt sich eure Technologie in vorhandene Praxisverwaltungssysteme integrieren?

Wir bieten die gesamte Privatabrechnung aus einer Hand – von der KI-gestützten Rechnungserstellung über den Rechnungsversand bis hin zu Zahlungskontrolle, Patientenkommunikation, Mahnwesen und Inkasso.

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen klassischen Verrechnungsstellen ist, dass die Patienten direkt auf das Konto der Arztpraxis überweisen. Das Geld steht der Praxis dadurch früher zur Verfügung, da keine gesammelten Auszahlungen durch die Verrechnungsstelle abgewartet werden müssen. Gleichzeitig bleibt die direkte, persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient erhalten. Durch unsere weitgehend automatisierten Prozesse können wir die Leistungen zudem deutlich günstiger anbieten.

Technisch unterstützen wir bereits die etablierten Schnittstellen PAD und PADNeXt. Zusätzlich entwickeln wir direkte KI-Schnittstellen, damit Ärzte künftig ihre Behandlungsdokumentation unmittelbar aus der Praxissoftware verarbeiten und die vorgeschlagenen GOÄ-Ziffern dort übernehmen können.

Der Aufbau eines HealthTech-Unternehmens erfordert neben technologischer Entwicklung auch Vertrauen und ein tragfähiges Geschäftsmodell. Welche Herausforderungen habt ihr bei der Gründung und Produktentwicklung erlebt, wie finanziert ihr euer Wachstum und welche Strategie verfolgt ihr nach Abschluss der Pilotphase?

Die größte technische Herausforderung ist die enorme Komplexität der GOÄ. Ein Sprachmodell allein reicht dafür nicht aus. Deshalb haben wir eine Architektur entwickelt, die medizinisches Sprachverständnis mit einer umfangreichen Wissensbasis und festen Abrechnungsregeln kombiniert.

Gleichzeitig muss die Software einfach zu bedienen sein und sich in bestehende Praxisabläufe integrieren lassen. Gerade im Gesundheitswesen sind fachliche Zuverlässigkeit und Vertrauen entscheidend.

Wir haben AvisCode bislang ohne externe Investoren aufgebaut und finanzieren unser Wachstum aus eigenen Mitteln und laufenden Einnahmen. Das Unternehmen arbeitet bereits profitabel.

Nach der Pilotphase wollen wir unsere KI breiter verfügbar machen, weitere Praxissoftware-Schnittstellen integrieren und unsere Kundenbasis ausbauen.

Wenn ihr fünf Jahre in die Zukunft blickt: Welche Ziele verfolgt ihr mit AvisCode, welche weiteren Einsatzmöglichkeiten seht ihr für eure KI und wie könnte sich die medizinische Abrechnung durch Automatisierung langfristig verändern?

Unser Ziel ist, AvisCode als eine der führenden Plattformen für die automatisierte Privatabrechnung in Deutschland zu etablieren.

Im Idealfall dokumentiert ein Arzt seine Behandlung wie gewohnt in der Praxissoftware. Unsere KI erstellt daraus automatisch den passenden Rechnungsentwurf, berücksichtigt individuelle Abrechnungsstandards und prüft die GOÄ-Vorgaben. Nach der Freigabe übernimmt AvisCode die weitere Abwicklung bis zum Zahlungseingang.

Darüber hinaus kann die KI Praxen dabei unterstützen, ihre Abrechnungsstandards kontinuierlich zu verbessern und bislang übersehene Leistungen zu erkennen.

Langfristig möchten wir erreichen, dass die Privatabrechnung für Ärzte keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand mehr bedeutet.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Felix Vogel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Social Media ist erwachsen geworden: Wie Start-ups ohne Überforderung professionalisieren

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Social Media: Content und KI für Startups Portrait Mirco Gluch Casual

Vor über zehn Jahren startete Social Media für die meisten Firmen als reines Nebenprojekt. Praktikant:innen oder Teamassistenz luden gelegentlich ein Foto hoch und schrieben einen kurzen Text dazu.

Heute hat sich dieses Bild gewandelt. Plattformen wie Instagram und TikTok setzen extrem stark auf Bewegtbild – Material, das sich nicht einfach mal nebenbei filmen oder schneiden lässt. Social Media ist längst der Ort geworden, an dem kulturelle Trends entstehen, und hat andere Leitmedien daher für die meisten Generationen abgelöst. Damit wächst der Druck auf Unternehmen erheblich, sichtbare Ergebnisse zu liefern.

Die Realität in Start-ups mit kleinem Team hinkt dieser Entwicklung jedoch oft hinterher. Meist kümmert sich eine halbe Stelle oder eine Einzelperson um alle Netzwerke. Die Geschäftsführung wundert sich dabei häufig, warum die Arbeit so viel Zeit frisst. Dabei suchen Unternehmen eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau. Eine einzige Person soll den Markt analysieren, der Zielgruppe zuhören, in den Dialog treten, Strategien entwickeln, packende Texte schreiben, Videos drehen, fotografieren, schneiden und Kampagnen auswerten. Diese Erwartungshaltung an eine Einzelperson ist schlichtweg unrealistisch.

Um diesen Teufelskreis aus Überforderung und falschen Erwartungen zu durchbrechen, ist ein grundlegendes Umdenken nötig.

Klare Strukturen statt kreatives Chaos

Damit der Wandel gelingt und echte Professionalität einkehrt, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Das beginnt bei der Personalplanung: Ein erfolgreiches Team besteht aus mindestens zwei Personen. Eine feste Kraft und eine studentische Aushilfe sollten das kleinste Setup sein. So steht die Kommunikation bei Krankheit oder Urlaub nicht sofort still.

Sobald das Team steht, sollten Teams so viel wie möglich im Voraus planen, mit Content-Plänen über drei bis acht Wochen, aber mit bewusstem Raum für Spontanes dazwischen. So eine Planung entlastet den Alltag deutlich.

Auch gebündelte Drehtage, sogenanntes Content Batching, etwa zweimal im Monat, steigern die Effizienz der Produktion enorm. An solch einem Tag lassen sich problemlos zehn bis fünfzehn kurze Videos aufnehmen, sofern keine cineastische Hochglanzqualität gefordert ist.

Statt jedem Trend hinterherzujagen, sollten Start-ups außerdem eigene Beitragsreihen, sprich Content-Serien, entwickeln. Diese Formate kehren regelmäßig wieder. Zwei bis drei parallele Serien genügen für den Anfang völlig. Ein monatliches Content-Brainstorming reicht hierfür aus, um frische Ideen zu sammeln. Viel wichtiger ist das tiefe Verständnis für die eigene Zielgruppe. Daran richtet sich die gesamte Produktionsplanung aus.

KI als Helfer, nicht als Ersatz

KI unterstützt heute hervorragend bei der Vorbereitung von Drehtagen oder bei der Auswertung von Statistiken. Dank ihr werden kleine Teams deutlich effizienter. So bewältigt eine Arbeitskraft bewältigt mit KI im Schnitt das Pensum von fast eineinhalb Personen. Sie hat aber auch klare Grenzen. Die finalen Ideen und die ersten Textentwürfe stammen idealerweise weiterhin aus menschlicher Feder. Denn KI ersetzt kein strategisches Denken und echte Kreativität. Sie ist somit ein nützliches Werkzeug für mehr Effizienz im Hintergrund, taugt aber nicht als Wundermittel für fehlendes Personal.

Kleine Budgets mit großer Hebelwirkung

Bereits mit überschaubaren Mitteln erzielen Start-ups gewaltige Qualitätsunterschiede. Externe Profis für den Videoschnitt verlangen meist zwischen 50 und 120 Euro pro Kurzvideo. Bei zehn Videos im Monat sind das gerade einmal rund 1.000 Euro Mehrkosten, die aber einen riesigen Qualitätsunterschied machen.

Ein weiterer, sehr effektiver Hebel kostet gar kein Geld: ein Beobachtungskonto in der eigenen Branche anlegen. Wer gezielt Mitbewerber:innen und Creator:innen folgt, erkennt schnell gut funktionierende Muster. Mit einer freien Grafikdesignerin bzw. einem freien Grafikdesigner lassen sich zudem einmalig hochwertige Vorlagen für Karussells erstellen. Diese sollten sich daran orientieren, was auf den Explore-Pages der Plattformen funktioniert. Später kann das Team sie eigenständig in Canva oder Figma wiederverwenden.

Beim Zubehör genügt oft eine minimalistische, aber durchdachte Ausstattung. Ein iPhone der letzten drei Jahre, ein stabiles Stativ, kabellose Mikrofone und zwei gute Lichter reichen aus. Das nötige Wissen für die richtige Beleuchtung bietet YouTube zur Genüge.

Zudem fordern soziale Netzwerke zunehmend den Einsatz von Mediabudget. Die organische Reichweite stößt schnell an ihre Grenzen. Daher lohnt es sich, nachweislich erfolgreiche Beiträge zusätzlich mit kleinen Geldbeträgen zu boosten. Auch bei professionellen Werkzeugen für Projektmanagement oder Planungssoftware sparen Profis nicht am falschen Ende.

Weniger ist oft mehr

Ein weiterer Tipp: Qualität schlägt Menge. Das heißt, drei bis vier erstklassige Beiträge pro Woche wirken wesentlich stärker als tägliches Mittelmaß. Gerade am Anfang spart es viel Mühe, denselben Inhalt über TikTok, Reels und YouTube Shorts hinweg zu recyclen. Erst später, wenn Routinen sitzen, sollten Unternehmen anfangen, Formate stärker zu differenzieren.

Im hektischen Alltag nicht zu vernachlässigen ist das Community-Management, denn dieser Dialog ist die Basis des Erfolgs. Anfangs sollten Teams auf jede Frage antworten und aktiv auf andere Profile zugehen. KI-Lösungen helfen zwar bei der Übersicht, ersetzen jedoch nicht den persönlichen und menschlichen Austausch.

Die Realität einer Arbeitswoche

Zum Abschluss nun ein realistischer Blick auf eine typische Arbeitswoche einer Social-Media-Person mit einer 38-Stunden-Woche:

  • Analyse des eigenen Contents: 2 Stunden
  • Boosting: 1 Stunden
  • Briefings schreiben: 5 Stunden
  • Community-Management: 5 Stunden
  • Content-Planung: 3 Stunden
  • Copywriting für Captions: 2 Stunden
  • Design von Assets (alle 2 Wochen, amortisiert): 4 Stunden
  • Meetings: 4 Stunden
  • Produktion (Drehtag alle 2 Wochen, amortisiert): 4 Stunden
  • Research: 3 Stunden
  • Produktionsplanung: 4 Stunden
  • Scheduling: 1 Stunde

Diese Stundenverteilung zeigt somit deutlich, warum Einzelkämpfer:innen sehr schnell an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Start-ups, die soziale Medien daher heute professionell betreiben wollen, brauchen verlässliche Strukturen, realistische Erwartungen der Führungsebene und einen klugen Einsatz von KI – und kein unbegrenztes Budget oder riesiges Team. Nur so gelingt der Wandel vom chaotischen Nebenprojekt zum messbar erfolgreichen Marketingkanal.

Bildcredits Piggyback

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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