Samstag, September 19, 2026
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FlyPix AI: Wie das Startup die KI-Analyse von Satellitenbildern revolutioniert

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FlyPix AI: Künstliche Intelligenz für Erdbeobachtung FlyPIx AI Founder Team Bild

FlyPix AI verbindet Künstliche Intelligenz mit Erdbeobachtung und macht die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern auch ohne tiefes technisches Know-how zugänglich

FlyPix AI ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter FlyPix AI?

Hinter FlyPix AI stehen wir beide – Ivan und Sergey. Uns verbindet ein technischer Hintergrund in Machine Learning und Data Science. Sergey hat seinen Master an der TU Darmstadt abgeschlossen und im Bereich Machine Learning promoviert. Ivan promovierte in Informatik an der Universität Trento in Italien. Gemeinsam entstand die Idee zu FlyPix AI: die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern aus der Expertenwelt herauszuholen und als Produkt für Unternehmen zugänglich zu machen. Unser Ziel ist es, dass auch Anwenderinnen und Anwender ohne tiefes technisches Know-how Geodaten einfach nutzen und daraus fundierte Entscheidungen treffen können.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Vor der Gründung von FlyPix AI haben wir Unternehmen als Berater im Bereich Machine Learning und Data Science unterstützt. Gleichzeitig war für uns immer klar, dass wir langfristig ein eigenes Produkt aufbauen wollten. Als Gründer ist es etwas Besonderes, eine Lösung zu entwickeln, die kontinuierlich wächst, sich weiterentwickelt und hinter der das gesamte Team steht. Genau das hat uns angetrieben.

Den einen Schlüsselmoment gab es allerdings nicht. Vielmehr haben wir immer wieder dieselben Anforderungen von unseren Kunden gehört und für unterschiedliche Projekte ähnliche Bildanalyse-Pipelines entwickelt. Irgendwann wurde klar: Statt dieselbe Lösung immer wieder neu zu bauen, sollten wir sie einmal richtig entwickeln – als skalierbares Produkt. So ist FlyPix AI entstanden.

Welche Vision verfolgt ihr mit FlyPix AI? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist einfach: Wir wollen den Zugang zu Wissen über unseren Planeten demokratisieren. An Daten mangelt es heute nicht mehr – Satelliten-, Luft- und Drohnenbilder stehen in riesigen Mengen zur Verfügung. Die eigentliche Herausforderung ist, diese Daten zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Genau hier setzt FlyPix AI an.

Wir machen Erdbeobachtungsdaten für alle nutzbar – nicht nur für Spezialisten. Wenn jede Organisation diese Informationen einfach auswerten und für bessere Entscheidungen einsetzen kann, eröffnet das völlig neue Möglichkeiten: vom Umwelt- und Naturschutz über Klimaanpassung bis hin zu einer effizienteren Infrastruktur. Langfristig wollen wir damit nicht nur Unternehmen helfen, sondern einen Beitrag leisten, unseren Planeten besser zu verstehen und nachhaltiger mit ihm umzugehen.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war – und ist bis heute – nicht die Technologie. Eine gute technische Lösung zu entwickeln, ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein Produkt zu bauen, das Menschen gerne nutzen und auf das sie sich im Alltag verlassen können.

Der Weg von einer funktionierenden Lösung zu einem Produkt, das von Hunderten oder Tausenden Nutzerinnen und Nutzern regelmäßig eingesetzt wird, ist wahrscheinlich die größte Aufgabe jedes Technologie-Start-ups. Genau darauf konzentrieren wir uns jeden Tag.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Wir entwickeln FlyPix AI ganz bewusst für Menschen ohne technischen Hintergrund. Das ist eine Herausforderung – aber gleichzeitig auch der spannendste Teil unserer Arbeit. Denn unser Ziel ist es, dass niemand Data Scientist oder KI-Experte sein muss, um wertvolle Erkenntnisse aus Satelliten-, Luft- oder Drohnenbildern zu gewinnen.

Genau diese Anwender stehen für uns im Mittelpunkt: Fachleute mit tiefem Domänenwissen, die konkrete Probleme lösen wollen. Sie sollen die Möglichkeiten moderner Erdbeobachtung nutzen können, ohne dafür ein eigenes Data-Science-Team aufbauen oder komplexe KI-Modelle verstehen zu müssen.

Wie funktioniert FlyPix AI ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

FlyPix AI macht hochkomplexe KI- und Fernerkundungstechnologie über eine intuitive Benutzeroberfläche zugänglich. Im Hintergrund arbeiten leistungsstarke Vision-Modelle – für die Nutzer fühlt es sich jedoch so einfach an, wie Objekte auf einer Karte zu markieren. Nach wenigen Beispielen lernt die Plattform selbstständig, wonach gesucht wird, und erstellt automatisch ein passendes KI-Modell.

Man kann es mit einem Kind vergleichen, das den Buchstaben „A“ lernt: Anfangs braucht es einige Beispiele, doch schon bald erkennt es den Buchstaben in unterschiedlichsten Formen und kann ihn selbst schreiben. Genauso lernt FlyPix AI, Objekte unter verschiedensten Bedingungen zu erkennen und sie anschließend weltweit automatisch zu identifizieren.

Genau darin liegt auch unser entscheidender Unterschied zu klassischen Lösungen. Was bisher spezialisierte GIS-Experten, Data Scientists und aufwendige Analyseprozesse erforderte, erledigt FlyPix AI in wenigen Klicks. So wird Erdbeobachtung erstmals für Fachanwender ohne KI- oder GIS-Kenntnisse zugänglich.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Für uns bedeutet diese Auszeichnung vor allem zweierlei. Zum einen ist sie eine große Anerkennung für die Arbeit, die unser Team in den vergangenen Jahren geleistet hat. Das macht uns stolz.

Zum anderen bringt sie Verantwortung mit sich. Jedes erfolgreiche Start-up war irgendwann am Anfang. Deshalb sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die nächste Generation von Gründerinnen und Gründern zu inspirieren und zu unterstützen. Vielleicht sind einige von ihnen heute noch klein – morgen können sie größer sein.

Wir möchten zeigen, was möglich ist, wenn man mutig denkt, kalkulierte Risiken eingeht und konsequent an einer Vision arbeitet. Wenn wir damit andere ermutigen können, selbst den Schritt ins Unternehmertum zu wagen, dann ist das für uns mindestens genauso wertvoll wie die Auszeichnung selbst.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und FlyPix AI in fünf Jahren?

Es ist heute schwieriger denn je, fünf Jahre in die Zukunft zu blicken. Vor fünf Jahren hätte kaum jemand vorhergesagt, wie rasant sich Künstliche Intelligenz entwickeln würde – bis hin zu Systemen, die heute komplexe Schlussfolgerungen ziehen können. Diese Dynamik zeigt, wie schnell sich unsere Branche verändert.

Eines ist für uns aber klar: In fünf Jahren wollen wir FlyPix AI als einen der weltweit führenden Anbieter an der Schnittstelle von Space Tech und Künstlicher Intelligenz etabliert haben. Nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern global. Unser Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die unseren Planeten besser verständlich machen und Menschen überall auf der Welt dabei unterstützen, fundiertere Entscheidungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu treffen.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: resilient bleiben. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, dass man immer wieder aufsteht und weitermacht. Zweitens: den Blick bewusst auf das Positive richten. Auch in schwierigen Phasen gibt es Fortschritte und Chancen; man muss sie erkennen und ihnen Raum geben.

Und drittens: die Menschen im eigenen Umfeld stärken. Wer seinem Team vertraut, Verantwortung überträgt und Mut macht, baut mehr als nur ein Unternehmen. Am Ende sind es genau diese Menschen, die die Vision mittragen und gemeinsam mit dir Wirklichkeit werden lassen.

Bildcredits FlyPix AI

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Föcker Safety Lights: Mehr Sichtbarkeit für Kinderfahrräder gegen tote Winkel

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Föcker Safety Lights: beleuchtete Wimpelfahne für Kinder Dirk Föcker Portrait Bild

Föcker Safety Lights möchte mit der beleuchteten Wimpelfahne dafür sorgen, dass Kinder auf Fahrrädern und Laufrädern im Straßenverkehr besser gesehen werden.

Können Sie Föcker Safety Lights kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die beleuchtete Wimpelfahne entstanden ist?

Beinahe-Unfall am Zebrastreifen: Ein Weckruf für mich für mehr Sichtbarkeit. Es war eine Sekunde, die alles hätte verändern können. Am Zebrastreifen übersah der Fahrer eines großen SUVs ein Kind, das die Straße überqueren wollte. Zum Glück reagierte ich im letzten Moment geistesgegenwärtig – ein schwerer Unfall konnte gerade noch verhindert werden. Dieser Vorfall zeigt ein riesiges Problem im Straßenverkehr: Die zunehmende Größe und Höhe moderner Fahrzeuge. Aus der erhöhten Sitzposition eines SUVs sind kleine Fahrräder, insbesondere Kinder, im direkten Nahbereich oder hinter der Motorhaube oft extrem schwer zu sehen. Die toten Winkel vor dem Fahrzeug vergrößern sich massiv. Eine einfache Lösung hätte diese gefährliche Situation komplett vermieden und zwar: meine beleuchtete Wimpelfahne! Meine aktiv leuchtende Wimpelfahne retten Leben. Sie machen aus unsichtbaren Kindern unübersehbare Verkehrsteilnehmer.

Welche persönliche Motivation steckt hinter Ihrem Fokus auf die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr?

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 86.687 Schulwegunfälle gemeldet. Statistisch gesehen verunglückte alle 19 Minuten ein Kind (unter 15 Jahren) im Straßenverkehr, wobei insgesamt rund 27.260 Kinder verletzt oder getötet wurden. Besonders hoch ist das Risiko für 1- bis 12-Jährige zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Hauptursachen sind Kollisionen mit PKW, weil die Kinder auf Ihren Fahrrädern einfach übersehen werden. Klassische Wimpelfahnen reflektieren lediglich Licht.

Warum haben Sie sich bewusst für eine aktiv leuchtende Lösung entschieden? Welche Vision verfolgen Sie mit Föcker Safety Lights, und was möchten Sie im Bereich der Kindersicherheit verändern?

Herkömmlich Wimpelfahnen leuchten nicht selber und müssen angestrahlt werden um gesehen zu werden. Meine beleuchtete Wimpelfahne leuchtet selber und ist schon von weitem zu erkennen ohne angestrahlt zu werden. ich möchte das so viele beleuchtete Wimpelfahnen von Föcker Safety Lights an Kinderfahrrädern zu sehen sind.

Ihre Wimpelfahne ist für Kinderfahrräder und Laufräder konzipiert. Welche Anforderungen waren bei der Entwicklung besonders wichtig?

Kindersicher, einfache Bedienung, keine spitz verbauten Teile.

Eltern, Großeltern und sicherheitsbewusste Familien bilden Ihre zentrale Zielgruppe. Was erwarten diese aus Ihrer Sicht von einem solchen Sicherheitsprodukt?

Das ihre Kinder und Enkelkinder sicher zur Schule zum Sport oder zu ihren Freizeitaktivitäten kommen. Kinder sollen ja im Straßenverkehr teilnehmen aber wenn dann doch so sicher wie möglich.

Das Produkt ist serienreif und durch ein Gebrauchsmuster geschützt. Welche Schritte waren auf dem Weg von der Idee zum marktreifen Produkt besonders herausfordernd?

Nach unzähligen Prototypen hatte ich endlich genau das Produkt was ich haben wollte, meine beleuchtete Wimpelfahne.

Was unterscheidet Föcker Safety Lights neben der aktiven Beleuchtung von anderen Lösungen für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr?

Neben dem hohen Sicherheitsfaktor ist eine beleuchtete Wimpelfahne für Kinder extrem cooooool 🙂

Bei einem Sicherheitsprodukt für Kinder spielt Vertrauen eine große Rolle. Wie möchten Sie Eltern von Ihrer Lösung überzeugen?

Das meine beleuchtete Wimpelfahne die Sicherheit für Kinder auf dem Fahrrad extrem erhöht ist selbsterklärend.

Welche Herausforderungen sehen Sie beim Aufbau einer neuen Marke in einem Markt mit vielen etablierten Fahrradprodukten?

Meine beleuchtete Wimpelfahne ist einzigartigund deswegen für Eltern und Großelter aber zuerst für Kinder sehr interessant. Mein Produkt braucht Werbung weil es eine beleuchtete Wimpelfahne vorher noch nicht gab und deswegen keiner genau danach sucht.

Welche nächsten Schritte planen Sie für Föcker Safety Lights, und sind langfristig weitere Sicherheitsprodukte denkbar?

Ja unbedingt, ich möchte noch mehr Sicherheitsaspekte für Kinder auf dem Weg zur Schule usw entwikeln und auf dem Markt bringen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer eigenen Produktidee ein marktreifes Unternehmen aufbauen möchten?

Man muß an seinem Produkt glauben, keine Zweifel an sich heranlassen und durchhalten, durchhalten, durchhalten.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei  Dirk Föcker für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Föcker Safety Lights

Kontakt:

Föcker Safety Lights
Pfarrer-Trocker-Pättken 22
46348 Raesfeld
Deutschland

www.föckersafetylights.de
foeckersafeftylights@gmx.de
015787322734

Social Media:
TikTok

Nanolope: 800.000 Euro Pre-Seed für thermische Energiespeicher

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Nanolope: Speicherpaneele für den Gebäudebestand Foto Gründerteam

Nanolope erhält Pre-Seed-Finanzierung für thermische Energiespeicher in Bestandsgebäuden

  • Berliner DeepTech-Startup sammelt 800.000 Euro Pre-Seed-Kapital ein
  • IBB Ventures, Business Angels und Branchenexpert:innen investieren
  • Passive Wärme-/Kältespeicher für energieeffiziente Sanierungen im Bestand

Das Berliner DeepTech-Startup Nanolope hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 800.000 Euro abgeschlossen. An der Finanzierungsrunde beteiligten sich IBB Ventures mit ihrem Pre Seed Fund B# („be sharp“) sowie mehrere erfahrene Business Angels und Industrieexpert:innen aus den Bereichen Energie, Immobilien und Materialtechnologie. Mit dem Kapital wird Nanolope die Produktion seiner thermischen Energiespeicher skalieren, erste Pilotprojekte umsetzen und das Team ausbauen.

Key Takeaways

  • Das Berliner DeepTech-Startup Nanolope hat 800.000 Euro Pre-Seed-Finanzierung erhalten.
  • IBB Ventures und erfahrene Business Angels investieren in die thermischen Energiespeicher für Bestandsgebäude.
  • Die Speicherpaneele steigern die Energieeffizienz und senken Heizkosten um bis zu 50 Prozent.
  • Nanolope entwickelt Materialien nach den Prinzipien der Grünen Chemie, wodurch die Produkte zu 90 Prozent recycelbar sind.
  • Die Installation der Paneele erfolgt in unter 24 Stunden, was eine einfache Nachrüstung ermöglicht.

Thermische Energiespeicher für den Gebäudebestand

Nanolope entwickelt innovative und nachhaltige Materialien zur thermischen Energiespeicherung im Gebäudebestand. Die Vision: Eine Welt, in der saubere Energie für jeden bezahlbar und jederzeit abrufbar ist. Hierfür produziert Nanolope Speicherpaneele, die Wände, Decken und Fußböden in passive Wärmespeicher verwandeln.

Das Ergebnis: Ein konstantes Raumklima mit geringerem Heiz- und Kühlbedarf sowie reduzierten CO2-Emissionen und Lastspitzen. In ersten Anwendungen senken die Paneele die Heiz- und Kühlkosten um bis zu 50 Prozent und speichern dabei bis zu 24-mal mehr Wärme als herkömmliche Bauplatten.

Um Ressourcen zu schonen, entwickelt das Startup seine Materialien zudem nach den 12 Prinzipien der Grünen Chemie. Die thermischen Speicher werden deshalb ohne seltene Erden gefertigt und sind zu 90 Prozent recycelbar.

Energieeffizienz im Gebäudebestand als Herausforderung

Nanolope adressiert mit dem Gebäudesektor einen der größten Energieverbraucher in Europa. Allein in Deutschland gelten rund 75 Prozent der Bestandsimmobilien als energieineffizient, weil sie mit fossilen Energieträgern beheizt und schlecht gedämmt sind.

Besonders in Bestands- und Gewerbeimmobilien führen veraltete Heizsysteme, schlechte thermische Eigenschaften und steigende Anforderungen an Energieeffizienz zu hohen Kosten und Emissionen. Gleichzeitig sind umfassende Sanierungen häufig teuer, langwierig und für viele Eigentümer wirtschaftlich schwer umsetzbar.

„Die Wärmewende entscheidet sich im Gebäudebestand“, sagt Dr. Felix Marske, CEO und Co-Founder von Nanolope. „Viele Immobilien benötigen Lösungen, die sich schnell, wirtschaftlich und ohne große Eingriffe nachrüsten lassen. Genau dafür entwickeln wir unsere thermischen Speicherpaneele.“

Speicherpaneele lassen sich in unter 24 Stunden installieren

Die Lösungen von Nanolope richten sich insbesondere an Wohnungsunternehmen sowie Betreiber von Gewerbeimmobilien wie Hotels, Büros oder Cafés. Ziel ist es, bestehende Gebäude energieeffizienter zu machen und den thermischen Komfort für Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern. Das sorgt für ein ganzjähriges, konstantes Raumklima.

Ein weiterer Vorteil der Speicherpaneele ist, dass sie in unter 24 Stunden installiert werden können, sodass eine Nachrüstung ohne umfassende Gebäudesanierung möglich ist. Als Retrofit-Lösung und durch den Einsatz recycelbarer, langlebiger Materialien sind die Speicherpaneele zudem wartungsarm.

IBB Ventures investiert in Nanolope

Sabine Wolff, Principal bei IBB Ventures, über Nanolope: „Das Team hat uns mit seiner Kompetenz, Erfahrung und Ambitionen überzeugt, in Zeiten des Klimawandels mit ihren patentierten Energiespeichermaterialien neue Akzente in der Baubranche zu setzen.“

Bildcredits Nanolope GmbH

Quelle Nanolope GmbH

Cleverklagen: Wie eine digitale Plattform das Arbeitsrecht zugänglicher macht

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Cleverklagen: Prozesskostenhilfe im Arbeitsrecht digital Fabian Beulke_Cleverklagen Bildcredits Patrick Desbrosses

Cleverklagen verbindet Arbeitsrecht mit digitalen Prozessen und möchte mit der Prozesskostenhilfe den Zugang zu rechtlicher Unterstützung einfacher und bezahlbarer machen.

Können Sie Cleverklagen kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der digitalen Plattform für Arbeitsrecht steht?

Cleverklagen hilft Arbeitnehmer:innen dabei, ihre Rechte einfach und ohne finanzielles Risiko durchzusetzen. Wer beispielsweise ungerechtfertigt gekündigt wurde, bekommt bei uns Zugang zu erfahrenen Anwält:innen, die den Fall individuell betreuen und bei Bedarf auch vor Gericht ziehen. Gleichzeitig übernehmen wir im Hintergrund die bürokratischen Prozesse, sodass sich unsere Anwält:innen auf die juristische Arbeit und die persönliche Betreuung konzentrieren können. Unsere Idee dahinter ist letztlich sehr simpel: Recht sollte nicht davon abhängen, wie viel Geld oder Ressourcen jemand hat. Wir wollen dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht ein Stück weit auszugleichen und Menschen eine professionelle rechtliche Unterstützung ermöglichen. Und: Das Ganze läuft digital ab. So können wir Menschen in ganz Deutschland helfen. Unsere Kund:innen müssen für die Verteidigung ihrer Rechte nicht mal vom Sofa aufstehen!

Wer steht hinter Cleverklagen, und wie verbinden Sie juristische Expertise mit Technologie und Unternehmensaufbau?

Cleverklagen wurde 2020 von Lucas Rößler und mir gegründet. Wir sind beide Rechtsanwälte und haben zuvor selbst in großen internationalen Kanzleien gearbeitet. Dadurch kennen wir die Herausforderungen der Rechtsbranche sehr genau. Diese juristische Erfahrung verbinden wir mit Technologie und unternehmerischem Denken, um Prozesse neu zu denken und eine moderne Form der Rechtsberatung aufzubauen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Cleverklagen, wenn es um einen einfacheren Zugang zum Recht geht?

Unsere Vision ist, dass Menschen ihre Rechte wahrnehmen können, unabhängig davon, wie viel Geld sie verdienen oder wie kompliziert ein juristischer Prozess auf den ersten Blick erscheint. Das Deutsche Recht ist eigentlich super aufgestellt, gerade für Arbeitnehmer:innen, bloß profitieren bisher nicht alle davon. Viele Menschen schrecken vor rechtlichen Auseinandersetzungen zurück, weil sie Kosten, Bürokratie oder komplizierte Abläufe fürchten. Wir wollen diese Hürden abbauen und dafür sorgen, dass juristische Unterstützung verständlich und unkompliziert zugänglich ist.

Viele Arbeitnehmer verzichten auf berechtigte Ansprüche. Welche Hürden begegnen Ihnen dabei in der Praxis besonders häufig?

In der Praxis erleben wir vor allem drei große Hürden: fehlendes Wissen über die eigenen Rechte, die Angst vor den Kosten und komplizierte bürokratische Abläufe. Gerade nach einer Kündigung wissen viele Betroffene beispielsweise nicht, welche Fristen gelten oder welche Möglichkeiten sie überhaupt haben. Unser Ansatz ist deshalb, möglichst früh Orientierung zu geben und den gesamten Prozess so unkompliziert wie möglich zu gestalten.

Mit Ihrem neuen Tool digitalisieren Sie den Antrag auf Prozesskostenhilfe. Wie ist die Idee dafür entstanden?

Die Idee ist direkt aus unserer täglichen Arbeit entstanden. Wir sehen immer wieder, dass Menschen ihre Rechte nicht durchsetzen, weil sie sich ein Gerichtsverfahren finanziell nicht zutrauen. Zwar gibt es mit der Prozesskostenhilfe bereits ein wichtiges Instrument, um Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zum Recht zu ermöglichen, aber der Antrag ist extrem mühsam. Man kann ihn sich wie eine „kleine Steuererklärung“ vorstellen, es müssen haufenweise Belege eingereicht werden. Deshalb wollten wir genau an diesem Punkt ansetzen und den Prozess digitaler, verständlicher und einfacher machen, damit möglichst viele Menschen die staatliche Unterstützung tatsächlich in Anspruch nehmen können.

Juristische Formulare und Fachbegriffe können schnell überfordern. Wie gelingt es Ihnen, komplexe rechtliche Prozesse verständlich abzubilden?

Es geht auch hier um Zugang: Wer den juristische Sprech nicht beherrscht, wird teilweise davon abgehalten, sein Recht überhaupt einzufordern. Wir versuchen, juristische Komplexität nicht einfach an die Nutzer:innen weiterzugeben, sondern sie im Hintergrund abzubilden. Das bedeutet: Statt mit Fachbegriffen und langen Formularen zu arbeiten, übersetzen wir komplexe Prozesse in einzelne, verständliche Schritte. Bei unserem Prozesskostenhilfe-Tool erklären wir beispielsweise direkt, welche Angaben benötigt werden, warum sie relevant sind und welche Nachweise erforderlich sind. So können auch Menschen ohne juristisches Vorwissen nachvollziehen, was von ihnen verlangt wird und warum.

Welche Rolle spielen Automatisierung und künstliche Intelligenz bei Cleverklagen, und wo bleibt persönliche Betreuung unverzichtbar?

Eine juristische Entscheidung treffen wir niemals automatisiert, dafür bleibt die Verantwortung bei unseren erfahrenen Anwält:innen. Gerade im Arbeitsrecht spielen außerdem persönliche Beratung, Verhandlungsgeschick, Erfahrung und das richtige Timing eine entscheidende Rolle.

KI und Automatisierung unterstützen uns bei wiederkehrenden und administrativen Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise die Strukturierung von Daten, Fristen- und Aufgabenmanagement oder intelligente Prüfmechanismen zur Qualitätssicherung. Wichtig zu erwähnen: Wir haben eigene Server in-house. Die Daten unserer Nutzer:innen verlassen also unser Unternehmen nicht.

Technologie ist für uns kein Selbstzweck. Sie soll dort eingesetzt werden, wo sie Abläufe einfacher und effizienter machen kann. Im Unterschied zu einer klassischen Kanzlei denken wir deshalb nicht nur vom einzelnen Mandat, sondern versuchen, den gesamten Ablauf dahinter möglichst effizient und digital zu organisieren. Das bedeutet für unsere Mandant:innen auch: Sie müssen nicht für jeden Schritt persönlich in eine Kanzlei kommen, sondern können viele Dinge digital und unkompliziert von zu Hause aus erledigen. Gleichzeitig übernehmen wir das Kostenrisiko für die rechtliche Durchsetzung, sodass finanzielle Hürden nicht darüber entscheiden, ob jemand sein Recht wahrnimmt.

Gleichzeitig bleiben unsere Anwält:innen der zentrale Ansprechpartner für die Mandant:innen. Der entscheidende Punkt dabei: Durch den Einsatz von Technik schaffen wir uns Spielräume, die wir sonst nicht hätten – mehr Zeit für die schwierigen Fälle. Für diejenigen, die besonders viel Unterstützung brauchen. Für den menschlichen Aspekt. Genau der ist uns besonders wichtig – und das unterscheidet uns auch von anderen Legal-Tech-Anbietern, denke ich.

Das Prozesskostenhilfe Tool steht zunächst Bestandskunden zur Verfügung. Welche Erkenntnisse möchten Sie in dieser ersten Phase gewinnen?

Zunächst möchten wir vor allem verstehen, wie Nutzer:innen mit dem digitalen Antrag zurechtkommen und an welchen Stellen noch Fragen oder Hürden entstehen. Das Feedback unserer Mandant:innen ist dafür besonders wertvoll. Perspektivisch möchten wir das Tool auch für Menschen zugänglich machen, die bislang keine Cleverklagen-Kund:innen sind.

Welche besonderen Herausforderungen entstehen bei der Digitalisierung von Prozessen, bei denen rechtliche Genauigkeit entscheidend ist?

Bei Cleverklagen lassen wir keine rechtlichen Entscheidungen automatisiert treffen, die juristische Bewertung und Verantwortung bleiben immer bei unseren Anwält:innen. Deshalb stellt sich für uns weniger die Frage, wie man rechtliche Entscheidungen automatisieren kann, sondern vielmehr, an welchen Stellen Technologie sinnvoll unterstützen kann. Im Rechtsbereich darf Digitalisierung niemals auf Kosten der Genauigkeit gehen. Automatisiert werden bei uns beispielsweise organisatorische Prozesse wie Erinnerungen an Fristen. Das ist nicht nur zuverlässig, sondern kann im Vergleich zu manuellen Prozessen sogar zusätzliche Sicherheit schaffen. Deshalb müssen automatisierte Prozesse sehr sorgfältig entwickelt, geprüft und überwacht werden. Wir setzen Technologie dort ein, wo sie zuverlässig unterstützen kann, behalten die juristische Verantwortung aber bewusst bei unseren Anwält:innen. Gerade bei komplexen oder individuellen Rechtsfragen ist menschliche Expertise unverzichtbar.

Wie möchten Sie Cleverklagen und das Prozesskostenhilfe Tool in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir wollen unser bisheriges Wachstum fortsetzen und gleichzeitig unser Angebot ausweiten. Wir wollen dort helfen, wo Menschen mit echten und teilweise existenziellen rechtlichen Problemen konfrontiert sind. Das Prozesskostenhilfe-Tool ist nur eines von vielen geplanten Tools, die User:innen das Leben leichter machen sollen. Neben dem Arbeitsrecht wollen wir langfristig auch weitere Rechtsgebiete anbieten. Unser übergeordnetes Ziel bleibt dabei immer dasselbe: Recht für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die komplexe und stark regulierte Prozesse digital vereinfachen möchten?

Achtet darauf, nur dort zu digitalisieren, wo es wirklich Sinn macht. Digitalisierung nicht als Selbstzweck. Fragt euch immer: Lösen wir an dieser Stelle wirklich ein Problem?

Plant von Anfang an die Konzepte zur Datensicherheit als integralen Bestandteil mit ein. Das ist kein second thought.

Bewahrt den menschlichen Aspekt. Ich kenne niemanden, der es mag, mit einem KI-Chatbot am Telefon zu hängen.

Bildcredits Patrick Desbrosses

Wir bedanken uns bei Fabian Beulke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Alithea Bio: Wie KI-basierte Immunopeptidomik die Krebsforschung sicherer macht

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Alithea Bio: HLA-Compass für sichere Immuntherapien Prof. Dr. Tim Fugmann und Fanny Giannou Bildcredits Alithea Biotechnology GmbH

Alithea Bio entwickelt mit HLA-Compass eine KI-gestützte Plattform, die die Entwicklung von Immuntherapien sicherer und gezielter machen soll.

Können Sie Alithea Bio kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Alithea Bio ist ein BioTech-Start-up aus Freiburg, gegründet 2019. Wir entwickeln mit HLA-Compass eine KI-gestützte Plattform, die Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und proprietäre HLA-Peptid-Daten kombiniert, um die Entwicklung von Immuntherapien, Krebsimpfstoffen und personalisierter Medizin sicherer und gezielter zu machen.

Die Gründungsidee war weniger ein einzelner Geistesblitz als eine Beobachtung meinerseits. Mein Mitgründer Prof. Dr. Tim Fugmann ist der brillante Wissenschaftler hinter Alithea Bio. Ich selbst komme aus dem internationalen Business Development und habe nie ein Labor geleitet. Genau diese Kombination macht uns erfolgreich: Viele exzellente Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, weil reine Forschungsteams selten wissen, wie man daraus ein finanzierbares Unternehmen macht. Als ich 2022 die Geschäftsführung übernommen habe, war mein Auftrag genau das: aus wissenschaftlicher Substanz einen skalierbaren Marktauftritt zu machen. Ich schlage die Brücke zwischen Forschung und einem Markt, der bereit ist, dafür zu zahlen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Alithea Bio, und wie möchten Sie die Entwicklung von Krebsimmuntherapien langfristig verändern?

Unsere Vision ist eine Welt, in der Krebs heilbar ist. Das klingt groß, aber dahinter steckt ein sehr konkretes Problem: Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, knapp 230.000 sterben jedes Jahr daran. Viele vielversprechende Therapien scheitern dabei nicht an der Wissenschaft, sondern daran, dass niemand vorher weiß, ob sie neben dem Tumor auch gesundes Gewebe angreifen. Schätzungen zufolge sterben allein in Deutschland jährlich zwischen 16.000 und 58.000 Menschen an Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten, ein Risiko, das bei Krebstherapien besonders schwer wiegt.

Mit Alithea Bio wollen wir genau diese Lücke schließen: Statt zu schätzen, messen wir. Wir machen mit unserem HLA-Compass sichtbar, welche Zielstrukturen eine Therapie wirklich treffen wird, und zwar bevor die erste klinische Studie beginnt. Langfristig soll das die Entwicklung von Immuntherapien verändern, weg von Versuch und Irrtum am Patienten, hin zu Entscheidungen, die auf echten Daten beruhen. Unser Ziel ist, dass der HLA-Compass in den nächsten Jahren zur Referenz für Immunonkologie wird, für Forschung, Kliniken, Pharma und Biotech gleichermaßen.

An welche Zielgruppen richtet sich Alithea Bio hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie mit Ihren Technologien?

Wir arbeiten vor allem mit Pharma- und Biotechunternehmen, die neue Immuntherapien, TCR-basierte Wirkstoffe, TCR-Mimetika oder Krebsimpfstoffe entwickeln, ergänzt um akademische und klinische Partner wie CHOP – Children’s Hospital Philadelphia. Die Herausforderung, die diese Partner alle teilen, ist dieselbe: Sie müssen früh und verlässlich wissen, ob ein Zielpeptid wirklich tumorspezifisch ist oder ob es auch auf gesundem Gewebe vorkommt und damit ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Genau hier setzen wir an. Mit über 200 abgeschlossenen Kundenprojekten und Partnern wie DeckBio in den USA oder DAAN in Südkorea zeigen wir, dass sich diese Frage vor der ersten klinischen Studie beantworten lässt, mit hochsensibler Massenspektrometrie und einer der größten Referenzdatenbanken ihrer Art. Für unsere Partner bedeutet das: weniger Kapital, das in Kandidaten fließt, die später an Toxizität scheitern, und mehr Sicherheit bei der Frage, welche Therapien es tatsächlich bis zur Zulassung schaffen.

Alithea Bio verbindet Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und Künstliche Intelligenz. Was macht diese Kombination aus Ihrer Sicht besonders?

Daten sammeln scheint inzwischen für fast jedes Biotech-Start-up machbar. Was Immunopeptidomik besonders macht, ist der Schwierigkeitsgrad der Datengenerierung. Wir messen winzige, sehr rare Peptide auf der Oberfläche der Tumorzellen. Um qualitative und sensitive Daten zu generieren, muss die komplette Orchestrierung klappen. So können wir im Labor bei der Vorbereitung der Proben für die ultra-sensitive Messung bereits im Prozess viele Peptide verlieren. Zudem muss die Methode der Massenspektronomie dem zu untersuchenden Gewebe entsprechend und je nach Fragestellung angepasst werden.

Das funktionierende Zusammenspiel dahinter ist das Ergebnis von jahrelanger Forschung und Optimierung der Prozesse. So sind wir in der Lage bis zu 80 Prozent mehr Daten als unsere Wettbewerber zu generieren. Die eigentliche Kunst liegt letztlich darin, aus dieser Datensammlung etwas zu machen, das ein Pharmaunternehmen tatsächlich für seine Entscheidungen nutzt. Dafür haben wir unsere eigene Bioinformatik und KI-Modelle entwickelt, um aus rohen Labordaten Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Entwicklung der nächsten Generation von Therapeutika Gold wert sind. Viele Datenbanken bleiben gut gemeinte Archive, aus denen niemand eine konkrete Antwort ableiten kann. Unsere Kombination aus Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und KI ist deshalb kein akademisches, sondern ein Entscheidungswerkzeug.

Konkret heißt das: Über hochsensible Massenspektrometrie messen wir, welche Peptide tatsächlich auf Tumor- und auf gesundem Gewebe präsentiert werden, aktuell mehr als 23 Millionen immunopeptidomische Datenpunkte. KI-Modelle helfen uns, in dieser Menge Muster zu erkennen, etwa wenn wir wie kürzlich beim sogenannten Dark Genome zeigen konnten, dass bestimmte viral anmutende Peptide eben nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesundem Gewebe erscheinen. Diese Kombination aus echten Messdaten und KI ist es, die aus einer wissenschaftlichen Methode ein belastbares Sicherheits- und Entscheidungsinstrument macht.

Mit HLA-Compass haben Sie eine Plattform für die Entwicklung neuer Immuntherapien geschaffen. Welche Vorteile bietet sie Pharma- und Biotechnologieunternehmen?

HLA-Compass hat sich vom reinen Datenarchiv zu einem echten Entscheidungswerkzeug entwickelt. Unsere Kunden, internationale Biopharma-Unternehmen, nutzen die Plattform explizit, um eigene TCR-Wirkstoffkandidaten zu de-risiken, bevor Kapital in eine klinische Studie fließt und diese Studie aufgrund von Toxizität scheitert. Mit mehr als 1,4 Millionen gemessenen, einzigartigen Peptiden und über 17 Millionen Identifikationen aus mehr als 4.580 Proben – täglich steigend – aus gesundem Gewebe, Krebszelllinien und Tumoren, bieten wir eine der größten Referenzdatenbanken ihrer Art.

Die Vorteile für unsere Partner liegen vor allem in Zeitersparnis und Sicherheit. Die Chance, dass Medikamente die klinischen Studien erfolgreich durchlaufen, erhöht sich um mehr als 38 Prozent. Unsere Kunden erkennen früher, ob ein Zielpeptid wirklich tumorspezifisch ist oder auch auf gesundem Gewebe vorkommt, und können damit potenziell riskante Kandidaten aussortieren, bevor sie teure klinische Studien umsetzen. Das spart nicht nur Geld, es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Therapie am Ende tatsächlich Patientinnen und Patienten erreicht. Heute haben wir zu wenige zugelassene Immuntherapien und die Patienten nehmen, was wir anzubieten haben. Morgen haben wir viel mehr zugelassene Therapien und die Patienten haben viel größere Chancen auf Heilung.

Die Entwicklung neuer Krebsmedikamente ist mit hohen Risiken verbunden. Wie unterstützt Alithea Bio dabei, geeignete Zielstrukturen früher zu identifizieren und potenzielle Nebenwirkungen besser vorherzusagen?

Wir haben ein Verfahren entwickelt, das schon vor der ersten klinischen Studie zeigt, ob eine neue Zell- oder Immuntherapie gesunde Zellen angreifen könnte. Das gelingt durch die Kombination aus hochsensibler Massenspektrometrie und unserer großen Referenzdatenbank aus Tumor- und gesundem Gewebe.

Ein gutes Beispiel dafür ist unsere jüngste Arbeit zum sogenannten Dark Genome: Ancient Viren, die sogenannten HERVs, machen fast 8 Prozent unseres Genoms aus und galten lange als verlässlicher Hinweis auf Tumorpräsenz. Als wir mit HLA-Compass Tausende gesunde und Tumorproben über Nacht gescreent haben, haben wir mehr als 34.000 einzigartige HERV-abgeleitete Peptide identifiziert, und festgestellt, dass viele dieser Signale eben nicht ausschließlich auf Tumorgewebe vorkommen. Genau solche Erkenntnisse verhindern, dass ein vielversprechender Wirkstoffkandidat erst in der klinischen Studie an Toxizität scheitert, statt schon am Schreibtisch aussortiert zu werden.

Welche Rolle spielen große biologische Datensätze und Künstliche Intelligenz bei der Weiterentwicklung personalisierter Krebsimmuntherapien?

Sie sind die Grundlage dafür, dass personalisierte Medizin überhaupt möglich wird. Über Jahre haben wir bei Alithea Bio eine eigene Infrastruktur aufgebaut: aktuell mehr als 1,4 Millionen gemessene Peptide aus über 4.5800 Proben, kombiniert mit KI-Modellen zur Sicherheitsvorhersage und Immunogenität. Unsere Mission ist es, die diverseste Datenbank zu haben, um alle Geschlechter, alle ethnischen Hintergründe und Krebsarten abdecken zu können, damit die Therapien von morgen für alle sicher sind und wirken. Diese Daten zeigen, was ein einzelner Körper wirklich braucht, und wie eine Therapie passgenau auf ihn abgestimmt werden kann.

Statt einer Therapie für alle entsteht so die Möglichkeit, jeden Patienten individuell zu behandeln. Und genau das ist auch der Grund, warum wir konsequent in die eigene Datenbasis investieren, seit 2024 mit eigenem Labor und eigenem Massenspektrometer in Berlin: Nur mit einer wirklich großen, gut kuratierten Datengrundlage lassen sich KI-Modelle trainieren, die verlässlich zwischen gesund und krank, sicher und riskant unterscheiden können.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen als TechBio-Unternehmen an der Schnittstelle von Biotechnologie, Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz?

Eine zentrale Herausforderung ist, exzellente Wissenschaft tatsächlich in ein finanzierbares, marktfähiges Unternehmen zu übersetzen. Viele hervorragende Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, nicht weil die Wissenschaft nicht gut genug wäre, sondern weil reine Forschungsteams selten wissen, wie man daraus ein Geschäftsmodell macht. Ich selbst komme aus dem internationalen Business Development, nicht aus dem Labor, und genau diese Perspektive war für Alithea Bio entscheidend.

Dazu kommt eine strukturelle Herausforderung für Europa insgesamt: Wir geben pro Kopf etwa siebenmal weniger für Krebsforschung aus als die USA. Das ist kein reines Ressourcenproblem, sondern auch ein Vertrauensproblem, Investoren und Fördermittel fließen zu selten dorthin, wo Wissenschaft und Geschäftsmodell gleichermaßen ernst genommen werden. Als Frau in einer Branche, in der Deep-Tech-Gründerinnen im EU-Schnitt deutlich weniger Kapital erhalten als vergleichbare männliche Gründer, erlebe ich diese Herausforderung auch ganz persönlich.

Die Entwicklung innovativer Therapien erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Forschung und Industrie. Wie wichtig sind Partnerschaften für den Erfolg von Alithea Bio?

Unsere Vision, Krebs vollständig heilbar zu machen, werden wir nicht alleine erzielen können. Partner sind für uns essentiell, um dieses Ziel zu erreichen. Fangen wir mit den Akademien an. Diese Partnerschaften erlauben es uns, an Gewebeproben von Donoren zu kommen, diese zu messen und den Partnern die gewonnenen Daten für die eigene Forschung zur Verfügung zu stellen. Außerdem haben viele Unikliniken und Universitäten ihre eigene Forschung zu z. B. Krebsvakzinen und großes Interesse an unserer Technologie. Partnerschaften sind für uns nicht ergänzend, sie sind der Kern unseres Geschäftsmodells. Erst durch die Zusammenarbeit mit Kunden wie dem Children’s Hospital of Philadelphia, Deck Bio und mehreren großen Pharmaunternehmen wird aus unserer Plattform ein Werkzeug, das echte Investitionsentscheidungen beeinflusst.

Auch grenzüberschreitende Kooperationen spielen für uns eine große Rolle: Ein deutsch-britisches Förderprogramm von ZiM hat uns geholfen, unser Modell überhaupt in dieser Form aufzubauen. Solche Partnerschaften zwischen Forschung, Industrie und öffentlicher Förderung zeigen, was möglich ist, wenn Europa aufhört, in getrennten Bahnen zu denken, und stattdessen Wissenschaft, Kapital und Industrie gezielt zusammenbringt.

Welche nächsten technologischen Entwicklungen und Wachstumsziele stehen bei Alithea Bio aktuell im Fokus?

Wir bauen unsere Datenbasis kontinuierlich weiter aus, zuletzt etwa um die Analyse des sogenannten Dark Genome, also viraler Peptidsignale, die bislang kaum systematisch erfasst waren. Gleichzeitig arbeiten wir daran, HLA-Compass noch stärker als Sicherheits- und Entscheidungswerkzeug für unsere Partner zu etablieren. Der nächste Meilenstein ist HLA-Compass Agenten-kompatibel zu machen, da die Forschung künftig durch Agenten unterstützt wird. Der technologische Fortschritt der Plattform folgt der stetigen Datengenerierung.

Auf der Wachstumsseite schließen wir aktuell unsere nächste Finanzierungsrunde ab, um Team und Laborkapazitäten weiter auszubauen. International wollen wir unsere Sichtbarkeit ausbauen, etwa nach unserem Doppelsieg beim Tech for Change Award und Audience Favorite Award bei den VivaTech Awards 2026 in Paris, und dabei gezielt neue Partnerschaften mit Pharma- und Biotechunternehmen in Europa aufbauen – alles mit dem Ziel, die bevorzugte Referenz für Immunonkologie zu sein. Dafür müssen wir sowohl die wichtigsten Fragen aus Wissenschaft als auch aus der Industrie beantworten können, um Vertrauen in unsere Daten zu schaffen.

Wie sehen Sie die Zukunft der personalisierten Krebsmedizin, und welche Rolle soll Alithea Bio dabei langfristig übernehmen?

Ich glaube, die Zukunft der Krebsmedizin liegt darin, weg von der einen Therapie für alle Patientinnen und Patienten hin zu Behandlungen zu kommen, die auf die individuelle biologische Realität jedes Menschen abgestimmt sind. Das setzt voraus, dass wir viel früher und viel verlässlicher wissen, welche Zielstrukturen sicher und wirksam sind.

Langfristig will ich, dass Alithea Bio und HLA-Compass genau diese Referenz werden: die Plattform, bei der die Kliniken vor und während der Behandlung von Patienten nachschauen, um jedem Patienten die ideale Therapie anbieten zu können, die wirksam und vor allem sicher ist. Das ist für mich keine Abstraktion, sondern ein Versprechen an die nächste Generation, an eine Welt, in der Krebs heilbar ist.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Bereich Biotechnologie oder TechBio aufbauen möchten?

Meine Top-4-Learnings für Gründerinnen und Gründer in Biotech oder TechBio:

Das Problem so klar wie möglich definieren. Gerade im Deep-Tech-Umfeld ist die Technologie oft schon reif, aber der Impact muss erst bewiesen werden. Eine unerschütterliche Überzeugung hilft nur, wenn sie sich auf den Impact und das Team bezieht, nicht nur auf Produkt oder Technologie.

Lernen, die Neins zu bewerten. Am Anfang hört man vor allem Absagen, von Kunden, Investoren, manchmal auch von Menschen, die man einstellen möchte. Die eigentliche Fähigkeit besteht darin zu erkennen, welches Nein ein „noch nicht“ ist, und sich an den wenigen, oft leisen Jas festzuhalten, die einen wirklich weiterbringen.

Wissenschaft und Geschäftsmodell von Anfang an gleich ernst nehmen. Viele exzellente Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, nicht weil die Wissenschaft nicht gut genug wäre, sondern weil niemand im Raum sitzt, der beantworten kann, wann das eingesetzte Kapital zurückkommt. Suchen Sie nicht die besten Forscherinnen und Forscher, sondern die richtigen Teams, die Wissenschaft tatsächlich in die Anwendung bringen.

Mutig, marktnah und schnell bleiben. Es braucht ein Gründer-Team, das auch Mut zur Entscheidung hat, selbst wenn das über den ursprünglichen Plan hinausgeht, und das baut, was der Markt braucht, nicht nur, was wissenschaftlich reizvoll ist. Dazu gehört, sich Rat von Menschen zu holen, die selbst schon gegründet haben, und das Ziel dabei nie aus den Augen zu verlieren.

Bild: Prof. Dr. Tim Fugmann und Fanny Giannou Bildcredits Alithea Biotechnology GmbH

Wir bedanken uns bei Fanny Giannou für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sicher im Interview mit der Presse: 6 Tipps für Gründer

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Interview: Tipps für Journalisten und Gründerinnen und Gründer Anna Ferdinand Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Eine Interviewanfrage von einer Wirtschaftszeitung, einem Fachmagazin, Podcast oder TV-Format ist für Gründerinnen und Gründer eine echte Chance: Sie können ihr Business, ihre Expertise und ihre Positionierung vor Menschen sichtbar machen, die sie über die eigenen Marketingkanäle nicht erreichen würden.

Damit aus dem Interview auch ein gelungener Beitrag wird, braucht es etwas Vorbereitung. Denn auch wenn der Journalist die Fragen stellt, kannst du als Gründer beeinflussen, welche Botschaften hängen bleiben. Diese sechs Tipps helfen dabei, klar, souverän und ohne Marketingfloskeln aufzutreten.

Kenne das Medium

Kein Interview ohne Vorbereitung: Informiere dich über das Medium, den Journalisten und die bisherige Berichterstattung zu deinem Themengebiet. Wie ist die Tonalität? Eher fachlich, kritisch oder provokativ? Für welche Zielgruppe berichtet das Medium?

Schau dir auch frühere Interviews des Journalisten an. So bekommst du ein Gefühl dafür, welche Fragen und Perspektiven ihn interessieren. Erst wenn du weißt, mit wem du sprichst und für wen der Beitrag entsteht, kannst du dich zielgerichtet vorbereiten.

Bereite Fakten und Key Messages vor

Vor dem Interview solltest du genau wissen, welche Informationen und Botschaften du vermitteln willst. Dazu gehören die wichtigsten Unternehmensdaten ebenso wie maximal drei Key Messages, die im Gespräch hängen bleiben sollen.

Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Investoren, relevante KPIs oder aktuelle Marktdaten sollten sicher sitzen und belegbar sein. Gleichzeitig brauchst du eine kurze und verständliche Erklärung deines Geschäftsmodells: Welches Problem löst ihr, für wen und wie?

Deine Key Messages sollten darüber hinaus eine klare Haltung oder interessante Perspektive enthalten. Was sollen Leser, Hörer oder Zuschauer nach dem Interview verstanden haben? Gute Botschaften liefern einen Mehrwert für die Zielgruppe und sind für die journalistische Berichterstattung anschlussfähig.

Denn: Die Presse ist nicht dein verlängerter Marketingkanal. Leere Marketingfloskeln interessieren Redaktionen wenig. Gefragt sind belastbare Fakten, klare Aussagen und neue Perspektiven.

Kenne deine Don’ts

Mindestens genauso wichtig wie die Frage „Was möchte ich sagen?“ ist: „Worüber möchte ich nicht sprechen?“

Journalisten stellen gezielt Nachfragen, um neue Informationen zu bekommen. Deshalb solltest du vorher festlegen, wo deine Grenzen liegen. Welche Zahlen sind vertraulich? Welche Gespräche mit Investoren oder Partnern sind noch nicht öffentlich? Über welche Wachstumsziele möchtest du nur grob sprechen?

Du musst nicht jede Frage mit einer konkreten Zahl beantworten. Statt eines exakten Umsatzes kannst du beispielsweise eine Größenordnung nennen. Statt eines detaillierten Forecasts lässt sich eine prozentuale Entwicklung beschreiben. Entscheidend ist, dass du dir diese Grenzen vor dem Interview überlegst und nicht erst unter Druck.

Bereite dich auf kritische Fragen vor

Eine Interviewvorbereitung sollte sich nicht nur mit den angenehmen Fragen beschäftigen. Überlege, was ein kritischer Journalist fragen könnte: Warum ist euer Produkt wirklich besser als bestehende Lösungen? Was spricht gegen euer Geschäftsmodell? Warum schreibt ihr noch Verluste? Wie reagiert ihr auf Kritik an eurer Branche?

Bereite darauf klare Antworten vor. Kritische Fragen wegzulächeln oder auszuweichen, wirkt schnell unsicher.

Wenn du etwas nicht weißt, sag es. Wenn eine Annahme des Journalisten aus deiner Sicht falsch ist, korrigiere sie sachlich. Und wenn du eine Information nicht nennen kannst, erkläre kurz warum.

Klar, verständlich und authentisch antworten

Im Interview selbst gilt: Bleib professionell und du selbst. Wer plötzlich besonders förmlich, glatt oder einstudiert spricht, wirkt schnell weniger glaubwürdig. Authentisch zu antworten heißt aber nicht, einfach draufloszureden.

Antworte bewusst, klar und verständlich. Beantworte zuerst die konkrete Frage und ergänze dann deine wichtigste Botschaft. Statt ausschweifender Sätze wähle konkrete Beispiele und eine einfache Sprache.

Auch Pausen sind erlaubt. Nimm dir einen Moment zum Nachdenken, wenn du ihn brauchst. Das wirkt souveräner als eine vorschnelle Antwort, die du später relativieren musst.

Ziel ist nicht, perfekt zu klingen. Deine Aussagen sollten verständlich, zitierfähig und trotzdem nach dir klingen.

Nutze das Interview auch nach dem Gespräch

Die wenigsten Redaktionen schicken einen Beitrag vor Veröffentlichung komplett zur Freigabe. Du kannst aber vorab fragen, ob dir direkte Zitate zur Autorisierung geschickt werden. Wird eine Autorisierung vereinbart, sollte sie dazu dienen, Aussagen sachlich korrekt wiederzugeben – nicht dazu, das Interview nachträglich in einen Marketingtext umzuschreiben.

Frage außerdem, wann der Beitrag voraussichtlich erscheint. Ist er veröffentlicht, kannst du ihn für deine eigene Kommunikation nutzen: auf Social Media, in der Kundenkommunikation oder im Pressebereich deiner Website.

Der Wert eines guten Interviews endet nicht am Erscheinungstag. Eine Medienplatzierung kann langfristig zeigen, wofür du und dein Business stehen.

Wichtig ist: Gründerinnen und Gründer können nicht kontrollieren, was ein Journalist über sie schreibt. Aber mit einer guten Vorbereitung können sie sehr wohl beeinflussen, was an relevanten Informationen, starken Zitaten und belastbaren Fakten über sie erscheint.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was Gen Z erfahrenen Gründer:innen voraushat — und umgekehrt

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Gen Z: Was Gründer:innen voneinander lernen können Fotografin Marzena Seidel

Was lernen die beiden Seiten in einem gemischten Gründerteam wirklich voneinander, wenn sie sich nicht gegenseitig belehren? In unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder dieselben Lernlinien — und sie sind anders, als die üblichen Klischees vermuten lassen. Vor allem aber: Sie kommen nur zustande, wenn die Hierarchie aus dem Raum geht.

Der gefährlichste Lernmodus: einer lehrt, eine:r hört zu

In vielen gemischten Gründerteams läuft Lernen unausgesprochen so: Die erfahrene Person erklärt, wie es geht. Die jüngere Person nickt. Beide gehen mit dem Gefühl raus, etwas Konstruktives getan zu haben. Beide haben wenig gelernt.

Der Grund ist einfach: Sobald jemand „Lehrer:in“ ist, wird das Gespräch zur Bühne, nicht zum Austausch. Wer erklärt, prüft das eigene Wissen nicht. Wer zuhört, übersetzt nicht in den eigenen Kontext. Lernen passiert weder bei der einen noch beim anderen.

Was wirklich Lernen ermöglicht, ist ein anderer Modus: zwei Menschen, die ehrlich sagen, was sie beim jeweils anderen sehen — und dafür kurz die eigene Expertise zur Seite legen.

Was Gen Z von erfahrenen Gründer:innen tatsächlich mitnimmt

Das offensichtliche Klischee lautet: Junge lernen von Erfahrenen, „wie man eine GmbH gründet“ oder „wie man mit Investoren spricht“. In Wirklichkeit ist das selten der Punkt. Diese Dinge stehen in Tutorials und Foren. Was tatsächlich nur durch erlebte Praxis weitergegeben werden kann, ist subtiler.

Strategische Geduld

Wann reagiere ich auf eine Mail nicht? Wann lasse ich einen Konflikt offen, weil er sich von selbst klärt? Diese Form von „Nicht-Handeln als Strategie“ ist für viele jüngere Gründer:innen kontraintuitiv — und sie ist erlernbar, aber nicht über Bücher.

Eskalations-Choreografie

Wie wird ein Konflikt in mehreren Stufen geführt, ohne ihn zu eskalieren oder zu unterdrücken? Wer 25 Jahre Vertrieb hinter sich hat, hat dafür ein Repertoire, das nicht in einem Workshop entsteht.

Beziehungspflege als langfristiges Asset

Warum lohnt sich eine Investor-Mail, die Jahre später erst Geld bringt? Diese Form von „Investitionen in Beziehungen, die sich erst spät auszahlen“, lernt man am besten daran, wie erfahrene Mitgründer:innen ihren Kalender pflegen — und wem sie wann unaufgefordert schreiben.

Krisensteuerung

Was passiert konkret, wenn der wichtigste Kunde abspringt, ein Pitch-Termin geplatzt ist und die Liquidität knapp wird — und zwar an einem Mittwoch? Erfahrene Gründer:innen haben einen Reflex, jüngere müssen ihn erst entwickeln. Das geht nur, wenn sie zusehen, wie es jemand anders macht.

Was erfahrene Gründer:innen von Gen Z tatsächlich mitnehmen

Hier kippt das Klischee andersherum: Erfahrene lernen angeblich „wie man TikTok bedient“ oder „wie KI funktioniert“. Auch das ist meistens nicht der Punkt. Was wir konsistent sehen:

Direktheit ohne Hintergedanken

Jüngere Gründer:innen sprechen Spannungen oft direkter an, ohne politische Kalkulation. Für erfahrene Mitgründer:innen, die in Strukturen mit Eskalations- und Karrierelogik sozialisiert wurden, ist das anfangs irritierend — und langfristig eine echte Entlastung.

Geschwindigkeit beim Testen

„Lass uns nicht drei Wochen über die Landingpage diskutieren, lass uns sie online stellen und in zwei Tagen wissen, ob die Hypothese stimmt“ — diese Logik durchbricht endlose Konzeptionsrunden. Wer das einmal erlebt hat, denkt anders über Vorbereitungstiefe.

Werte als Teil des Geschäftsmodells

Jüngere Gründer:innen verhandeln Werte selten weg — auch dann nicht, wenn ein Investor das nahelegt. Was wie idealistische Sturheit aussehen kann, ist häufig eine harte ökonomische Beobachtung: Marken mit klarer Haltung performen langfristig anders als beliebige. Diese Beobachtung ist relativ neu — und sie ist erlernbar.

KI als selbstverständliches Werkzeug

Nicht als Hype, nicht als Tool, sondern als Standard-Schicht in jeder Arbeitsstunde. Wer das von Anfang an so denkt, kommt zu anderen Prozessen als jemand, der KI als Add-on versteht.

Drei Formate, mit denen Lernen ohne Hierarchie funktioniert

Lernen zwischen den Generationen passiert selten von allein. Drei Formate haben sich in der Beratungsarbeit als belastbar erwiesen.

Reverse Mentoring mit klarer Themenliste

Klassisches Mentoring kennen alle. Reverse Mentoring funktioniert anders herum: Das jüngere Teammitglied bringt einer erfahreneren Person ein Thema bei, das in der eigenen Lebensphase selbstverständlich ist. Wichtig: nicht „zeig mir mal“, sondern eine konkrete Themenliste über vier bis sechs Wochen, mit klaren Lernzielen.

Entscheidungs-Tandem

Bei jeder größeren Entscheidung entscheidet ein Tandem aus zwei unterschiedlichen Lebensphasen gemeinsam — nicht im Konsens, sondern indem beide ihre Sicht offen darlegen, bevor entschieden wird. Das verlangsamt nichts, weil die Entscheidung sowieso fällt. Es verändert nur, was gehört wird.

Failure Friday

Einmal pro Woche tauschen zwei Personen aus dem Team Geschichten aus, in denen sie gescheitert sind. Eine aus dieser Woche, eine aus früheren Jahren. Wer beides nebeneinander hört, lernt schneller, in welchen Mustern Fehler entstehen — und welche davon zeitunabhängig sind.

Was passiert, wenn Lernen wirklich gegenseitig wird

In den Teams, die diese Lernarbeit ernst nehmen, verschwindet etwas leise im Hintergrund: das „wir gegen die“. Die jüngere Seite hört auf, von „den Alten“ zu sprechen. Die erfahrenere Seite hört auf, „die Jungen“ als Kategorie zu denken. Übrig bleiben Menschen, die unterschiedliche Dinge gut können — und die wissen, was sie beim anderen finden.

Das ist nicht harmonisch im Sinne von konfliktfrei. Die Reibung bleibt. Sie wird nur produktiv.

Im dritten und letzten Teil dieser Serie zeigen wir, wie generationsübergreifende Beratung in der Praxis aussieht — am Beispiel unseres eigenen Mutter-Tochter-Settings.

Mitautorin: Arabella Tornow ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coaching und Host des Podcasts „Masculinity Now“. Sie arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Gespräch, Energiearbeit und innerer Bewusstseinsarbeit. Ihre Themen: Selbstliebe, Selbstvertrauen und Empowerment – jenseits von Perfektionismus und fremden Erwartungen. Sie ist die Tochter von Ortrud Tornow.

Bild Fotografin Marzena Seidel

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

platoniq: Wie eine App für soziale Gesundheit Einsamkeit bekämpft

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platoniq: soziale Gesundheit und Beziehungen stärken Bild von links nach rechts Daniel Stachnik, Lara Sachs und Dr. Silvan Hornstein Fotograf: Leo Seidel

platoniq rückt soziale Gesundheit in den Fokus und unterstützt Menschen dabei, ihre Beziehungen mit wissenschaftlich fundierten digitalen Angeboten zu stärken.

Können Sie platoniq kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, soziale Gesundheit digital zu fördern?

In meiner Promotion in Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin habe ich zu digitalen Interventionen in der psychischen Gesundheitsversorgung geforscht. Dabei ist mir aufgefallen, dass es kaum Angebote gibt, die sich explizit auf soziale Beziehungen konzentrieren. Aus dieser Einsicht ist platoniq entstanden. Hier entwickeln wir evidenzbasierte Angebote, die Menschen dabei unterstützen, starke Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

Wer steht hinter platoniq, und welche Erfahrungen aus Psychologie und Softwareentwicklung fließen in das Unternehmen ein?

Ich habe platoniq gemeinsam mit Lara Sachs und Daniel Stachnik gegründet. Lara ist als ehemalige Strategieberaterin für unternehmerische Themen verantwortlich, Daniel als Softwareentwickler für alles technische. Ich verantworte psychologische und wissenschaftliche Themen, hier arbeiten wir auch eng mit unseren universitären Partnern zusammen.

Welche Vision verfolgen Sie mit platoniq, und warum sollte soziale Gesundheit stärker als Teil der Gesundheitsprävention verstanden werden?

Die WHO definiert Gesundheit als physisch, mental und sozial. Aber gerade die soziale Dimension ist stark unterrepräsentiert. Wir wollen, dass die Pflege sozialer Beziehungen genauso selbstverständlich als Teil der Gesundheit wird wie Ernährung oder Sport. Und auch Teil der Regelversorgung.

Einsamkeit ist für viele ein sehr persönliches Thema. Wie erreichen Sie Betroffene, ohne sie zu stigmatisieren?

Ich finde es wichtig, zunächst einmal festzustellen, dass Einsamkeit eine zutiefst menschliche Emotion ist, die wohl jeder Mensch mal im eigenen Leben erfährt. Zeitgleich hat jeder Mensch soziale Gesundheit und kann von der Stärkung der eigenen Beziehungen profitieren. Genauso wie jeder Mensch von gesunder Ernährung und Sport profitieren kann. Ich finde dieser Gedanke hat etwas sehr destigmatisierendes, und hoffe das wird von unseren Nutzer:innen auch so wahrgenommen.

Ihr sechswöchiges Programm setzt unter anderem bei Denk und Beziehungsmustern an. Wie sieht die Unterstützung für Nutzer konkret aus?

Unsere App beinhaltet kurze Übungen aus der Verhaltenstherapie, die dabei helfen, das eigene soziale Netz zu stärken, neue Beziehungen aufzubauen und bestehende zu vertiefen. Dafür hangeln wir uns an allen relevanten Dimensionen von Beziehungen entlang. Die Übungen lassen sich zeitlich frei und flexibel einteilen. Dazu kommen Verhaltensexperimente, um neue Dinge im Alltag einzubauen, sowie das Tracking der eigenen Beziehungen.

Was unterscheidet platoniq von klassischen Mental Health Apps oder Plattformen, die vor allem neue Kontakte vermitteln?

Metaanalysen zeigen, dass psychologische Angebote bei der Stärkung sozialer Beziehungen tatsächlich besonders hilfreich sind. Auf den zweiten Blick finde ich, das ergibt Sinn. Wieso sollte es sonst überhaupt Einsamkeit in einer Stadt wie Berlin geben, in der ich jeden Tag beliebig viele neue Kontakte knüpfen könnte? Mit unserem Fokus auf soziale Beziehungen sind wir ein spezifisches Angebot, das als Zielgröße die Stärkung des eigenen sozialen Netzes hat.

Die App basiert auch auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Wie stellen Sie sicher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in die Produktentwicklung einfließen?

Als Universitätsausgründung ist die Nähe zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Kern unserer Unternehmens-DNA. Neben der Nutzung neuester Erkenntnisse für die Inhalte ist darum auch die Evaluation ein zentraler Punkt unseres Ansatzes. Wir haben unser Angebot bereits in einer Pilotstudie evaluiert und konnten zeigen, dass 73 % der Teilnehmer:innen nach vier Wochen stärkere Beziehungen berichteten. Eine weitere Studie beginnen wir noch in diesem Jahr.

Ihr Präventionskurs kann von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden. Welche Bedeutung hat dieser Zugang für Ihr Geschäftsmodell?

Tatsächlich sind alle gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, unser Angebot zumindest zu bezuschussen. Bei über 40 Kassen und damit für mehr als 30 Millionen Versicherte ist unser Kurs nach Erstattung komplett kostenlos, der Eigenanteil liegt nie über 25 %. Für uns ist das wichtig, weil wir soziale Gesundheit als Teil der Regelversorgung verstehen. So lassen sich Zugangshürden abbauen.

Digitale Prävention hat klare Grenzen. Wie definieren Sie, wann platoniq unterstützen kann und wann professionelle therapeutische Hilfe notwendig ist?

Als präventives Angebot ist unser Ansatz beim Vorliegen schwerer behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankungen kontraindiziert. Wir setzen bewusst früher an und wollen das Entstehen von Erkrankungen verhindern. Beim Vorliegen akuter therapeutischer Bedarfe verweisen wir selbstverständlich an passende Hilfsangebote weiter.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines Startups in einem sensiblen und regulierten Gesundheitsbereich?

Datenschutz und Sicherheit haben eine hohe Relevanz. Ich finde das gut, tragen wir doch eine erhebliche Verantwortung gegenüber unseren Nutzer:innen. Und auch wenn es manchmal mühsam ist, können wir ihnen heute selbstbewusst zusagen, dass ihre Daten sicher sind.

Wie möchten Sie platoniq in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welche Rolle sollen Krankenkassen dabei spielen?

Wir wollen soziale Gesundheit als feste Größe in der Prävention verankern. Dafür entwickeln wir unser Angebot weiter und erschließen neue Themenbereiche. Soziale Gesundheit als gleichberechtigten Teil von Gesundheit zu verstehen bedeutet auch, dass sie Kassenleistung ist. Dieser Aspekt ist uns deshalb auch für kommende Produkte sehr wichtig. Zeitgleich hoffen wir, unsere Kooperationen mit den Krankenkassen zu vertiefen. Gerade Armut ist ja ein Risikofaktor für Einsamkeitsbelastungen, doch unser Geschäftsmodell mit Vorstreckung der Kosten ist für Betroffene eine strukturelle Hürde.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Digital Health Bereich aufbauen möchten?

Erstens Durchhaltevermögen. Zweitens früh ein tragfähiges Erstattungs- und Geschäftsmodell klären. Und drittens Zielgruppenorientierung: Es ergibt keinen Sinn, zwei Jahre lang ein reguliertes Gesundheitsprodukt zu bauen, das am Ende niemand nutzen möchte.

Bild von links nach rechts Daniel Stachnik, Lara Sachs und Dr. Silvan Hornstein Fotograf: Leo Seidel

Wir bedanken uns bei Silvan Hornstein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: platoniq

platoniq logo

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SHS Social Health Solutions UG (haftungsbeschränkt)
Luisenstraße 53
10117 Berlin
Deutschland

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kontakt@platoniq.health

Ansprechpartner: Silvan Hornstein

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GREENOX: Warum energetische Sanierung mehr als gute Beratung braucht

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Maximilian Seifert CEO

GREENOX verbindet energetische Sanierung und Handwerk und begleitet Eigentümer von der Energieberatung über die Planung bis zur praktischen Umsetzung.

Können Sie GREENOX kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrer Idee ein Unternehmen mit heute rund 200 Mitarbeitenden entstanden ist?

GREENOX ist ein bundesweit aktives Unternehmen für energetische Sanierung. Wir verbinden Energieberatung, Planung und handwerkliche Umsetzung für Wohn- und Nichtwohngebäude. Gegründet haben Simeon Forster und ich das Unternehmen 2023.

Die Idee entstand aus einem konkreten Problem: Eigentümer müssen bei einer Sanierung häufig Energieberater, Planer, Förderstellen und mehrere Handwerksbetriebe selbst koordinieren. Gleichzeitig stehen viele Handwerksbetriebe vor Nachfolgeproblemen oder werden durch administrative Aufgaben ausgebremst. Wir wollten diese Herausforderungen gemeinsam angehen und Sanierungen verlässlicher organisieren.

2024 haben wir unseren ersten Mitarbeiter eingestellt, 2025 waren es bereits 50. Heute arbeiten gruppenweit rund 200 Menschen für GREENOX. In dieser Zeit haben wir neue Standorte eröffnet, eigene handwerkliche Kompetenzen aufgebaut und bestehende Betriebe in die Gruppe integriert.

Ihr Weg führte von der Bank über Drohnen und Immobilienprojekte ins Handwerk. Welche Erfahrungen haben Sie dabei besonders geprägt?

Meine Bankausbildung hat mich gelehrt, Risiken zu bewerten, Zahlen ernst zu nehmen und Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen. Diese Denkweise hilft mir bis heute, gerade bei Investitionen und in Wachstumsphasen.

Während der Coronazeit haben Simeon und ich mit Drohnen Foto- und Videoaufnahmen angeboten, häufig für Bauprojekte. Dadurch kamen wir der Immobilien- und Baubranche näher. Parallel habe ich im Immobilienbereich gearbeitet und gesehen, wie komplex Gebäude und Sanierungen tatsächlich sind.

Im Handwerk habe ich schließlich gelernt, was keine Tabelle vollständig abbilden kann: Eine Planung ist nur dann etwas wert, wenn sie auf der Baustelle funktioniert. Ein Sanierungsprojekt steht und fällt mit den Menschen, die es umsetzen.

2024 kam der erste Mitarbeiter, nur ein Jahr später waren es bereits 50. Was waren die entscheidenden Treiber für dieses schnelle Wachstum?

Der wichtigste Treiber war ein konkreter Bedarf. Viele Eigentümer möchten energetisch sanieren, wissen aber nicht, welche Maßnahmen sinnvoll sind, welche Förderung infrage kommt und wie sie die Beteiligten koordinieren sollen. Gleichzeitig gibt es nur wenige Anbieter, die Beratung, Planung und Umsetzung miteinander verbinden.

Wir wollten deshalb nicht nur einzelne Beratungsleistungen anbieten, sondern Sanierungsprojekte ganzheitlich begleiten. Dafür haben wir früh Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen aufgebaut, von der Energieberatung und Architektur über digitale Prozesse bis zum Handwerk. Mit jedem neuen Bereich wollten wir eine konkrete Lücke im Ablauf schließen.

Wie hat sich Ihre persönliche Rolle verändert, seit Sie nicht mehr alles selbst machen können, sondern eine große Organisation führen?

In der Anfangszeit war ich in fast jedes operative Thema eingebunden. Ich habe Kundengespräche geführt, Projekte begleitet, Mitarbeitende gesucht und viele Entscheidungen selbst getroffen. Bei einer Organisation mit rund 200 Menschen funktioniert das nicht mehr.

Meine Aufgabe besteht heute stärker darin, Prioritäten zu setzen, Verantwortung zu übertragen und die richtigen Menschen in die richtigen Rollen zu bringen. Dafür muss ich Ziele und Strukturen schaffen und darauf vertrauen, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo das nötige Fachwissen vorhanden ist. Gleichzeitig ist meine Verantwortung größer geworden, weil sich deutlich mehr Mitarbeitende, Kunden und Partner auf unsere Entscheidungen verlassen.

Welche Vision verfolgen Sie mit GREENOX, und was möchten Sie langfristig im Handwerk und bei der energetischen Sanierung verändern?

Wir möchten energetische Sanierung einfacher, verständlicher und verlässlicher machen. Eigentümer sollen nicht selbst zwischen Beratung, Planung, Förderung und verschiedenen Gewerken vermitteln müssen.

Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetriebe stärken. Viele wirtschaftlich gesunde Unternehmen stehen vor einer ungeklärten Nachfolge oder werden durch Buchhaltung, Personalthemen, Einkauf und andere administrative Aufgaben belastet. Wenn solche Betriebe Teil einer größeren Gruppe werden, können zentrale Funktionen gebündelt werden. Der Betrieb selbst soll jedoch regional verankert bleiben, mit seinem Team, seinem Namen und seinen gewachsenen Kundenbeziehungen.

Digitale Prozesse, KI und perspektivisch auch Robotik können Abläufe vereinfachen und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Der Mensch bleibt aber der entscheidende Faktor.

Energieberatung, Planung und Umsetzung greifen bei GREENOX ineinander. Welchen Vorteil bietet dieser Ansatz Ihren Kunden?

Der größte Vorteil besteht darin, dass Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden. Eine energetisch sinnvolle Maßnahme muss technisch zum Gebäude passen, finanzierbar sein, die Förderbedingungen berücksichtigen und anschließend fachgerecht umgesetzt werden können.

Wir betrachten deshalb zunächst den Zustand des Gebäudes, den Energieverbrauch und die Ziele des Eigentümers. Anschließend vergleichen wir Maßnahmen, Kosten, Nutzen und Fördermöglichkeiten. Bei der Umsetzung binden wir eigene Fachbetriebe und weitere Partner ein. Für den Kunden bedeutet das weniger Schnittstellen, klarere Verantwortlichkeiten und einen Ansprechpartner über mehrere Projektphasen hinweg.

An welche Kundengruppen richten Sie sich besonders, und welche Probleme bei energetischen Sanierungen begegnen Ihnen immer wieder?

Eine wichtige Zielgruppe sind private Eigentümer, die ihre Immobilie langfristig nutzen und eine Sanierung von Anfang bis Ende planen möchten. Dazu gehören Menschen, die gerade ein Haus gekauft haben, ebenso wie Eigentümer, die ihre Immobilie bereits lange besitzen und für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre vorbereiten wollen. Daneben arbeiten wir für gewerbliche Eigentümer, Unternehmen und die Industrie, insbesondere bei größeren Immobilienbeständen und Nichtwohngebäuden.

Viele Kunden wissen nicht, welche Maßnahme zuerst kommen sollte, welche Förderung verfügbar ist und wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen. Hinzu kommen wechselnde politische Vorgaben und die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen. Unsere Aufgabe ist es, den Zustand des Gebäudes sachlich zu bewerten und eine technisch wie wirtschaftlich nachvollziehbare Reihenfolge abzuleiten.

Was unterscheidet GREENOX aus Ihrer Sicht von klassischen Energieberatungen und einzelnen Handwerksbetrieben?

Eine klassische Energieberatung endet häufig mit einem Konzept oder Sanierungsfahrplan. Ein einzelner Handwerksbetrieb betrachtet verständlicherweise vor allem sein eigenes Gewerk. GREENOX deckt dagegen die Strecke zwischen Analyse und fertiger Umsetzung ab.

Wir verbinden Energieberatung, Architektur und Planung mit handwerklichen Kompetenzen. Dadurch können wir nicht nur empfehlen, was getan werden sollte, sondern früh prüfen, wie sich eine Maßnahme praktisch umsetzen lässt. Für Kunden reduziert das die Zahl der Ansprechpartner und den eigenen Koordinationsaufwand.

Schnelles Wachstum bringt neue Strukturen und Verantwortung mit sich. Welche Herausforderungen waren auf dem Weg zu rund 200 Mitarbeitenden besonders groß?

Eine zentrale Herausforderung bestand darin, Strukturen schnell genug aufzubauen, ohne die operative Arbeit auszubremsen. Prozesse, die mit fünf oder zehn Personen funktionieren, reichen bei 50 oder 200 Mitarbeitenden nicht mehr aus. Verantwortlichkeiten müssen klarer werden, Informationen müssen zuverlässig fließen und Entscheidungen dürfen nicht dauerhaft bei den Gründern hängen bleiben.

Gleichzeitig darf Wachstum nicht zulasten der Qualität gehen. In der energetischen Sanierung zeigen sich Fehler nicht nur in einer Kennzahl. Sie zeigen sich in einem Gebäude oder auf einer Baustelle. Deshalb müssen Beratung, Planung und Ausführung auch bei steigender Projektzahl sauber zusammenarbeiten.

Eine weitere Herausforderung ist die Verbindung unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Wenn bestehende Handwerksbetriebe Teil einer Gruppe werden, geht es nicht darum, ihnen von außen ein vollständig neues System überzustülpen. Wir müssen gemeinsame Strukturen schaffen und zugleich das Wissen, die Identität und die regionale Verantwortung der Betriebe erhalten.

Welche Entscheidung aus der Anfangszeit von GREENOX würden Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders treffen?

Ich würde früher klare Verantwortlichkeiten schaffen und operative Fachleute noch stärker in den Aufbau unserer Prozesse einbeziehen. Als Gründer liegt es nahe, vieles selbst zu entscheiden. Im Handwerk merkt man jedoch schnell, dass ein Prozess auf dem Papier logisch wirken und im Arbeitsalltag trotzdem an der Realität vorbeigehen kann.

Heute würde ich deshalb noch früher mit den Menschen sprechen, die täglich beraten, planen oder auf der Baustelle arbeiten. Sie sehen oft sehr schnell, wo ein Ablauf unnötig kompliziert ist und welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse lautet: Man kommt nicht von außen in einen gewachsenen Markt und geht davon aus, dass alle nur auf die eigene Lösung gewartet haben. Erst zuhören, dann Strukturen verändern. Diesen Grundsatz würde ich von Beginn an noch konsequenter anwenden.

Sie bezeichnen GREENOX als Ihr Lebenswerk. Wo soll das Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?

Ich möchte GREENOX langfristig zu einem der führenden Unternehmen für energetische Sanierung entwickeln. Bis 2030 haben wir uns ein Umsatzziel von 100 Millionen Euro gesetzt. Entscheidend ist für mich aber nicht allein die Größe.

Wir wollen unsere Kompetenzen in der Energieberatung, Planung und im Handwerk weiter ausbauen und zusätzliche regionale Strukturen schaffen. Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetrieben eine Zukunftsperspektive bieten, wenn eine interne Nachfolge fehlt. Wenn dadurch Arbeitsplätze, Wissen und regionale Kundenbeziehungen erhalten bleiben, schaffen wir zugleich zusätzliche Kapazitäten für die Wärmewende.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem kleinen Team eine größere Organisation aufbauen möchten?

Mein erster Rat: Unterschätzt keinen Markt, nur weil er nicht nach Startup klingt. Schwierige, kleinteilige oder analoge Branchen bieten häufig große unternehmerische Chancen, gerade weil viele Probleme noch nicht gelöst sind.

Zweitens: Hört den Menschen zu, die den Markt bereits kennen. Wer bestehende Strukturen verändern möchte, sollte zuerst verstehen, warum sie entstanden sind und was davon erhalten bleiben muss.

Drittens: Bereitet euch darauf vor, Verantwortung abzugeben. Wachstum funktioniert nicht, wenn jede Entscheidung dauerhaft über die Gründer läuft. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, verlässliche Führungskräfte und die Bereitschaft, anderen zu vertrauen. Die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern muss mit der Organisation mitwachsen.

Bildcredits GREENOX

Wir bedanken uns bei Maximilian Seifert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

PPWR Verordnung: Diese neuen Pflichten gelten jetzt für Startups und Online-Shops

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Gründerin beim Verpacken von Bestellungen für Ihren Onlineshop. PPWR Verordnung: Pflichten für Online-Shops & KMU

Seit dem 12. August 2026 ist es amtlich: Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten – auch in Deutschland, auch für den kleinsten Online-Shop, der Pakete verschickt. Die PPWR Verordnung betrifft damit Unternehmen jeder Größe direkt. Wer bislang dachte, Verpackungsrecht sei ein Thema für Großkonzerne mit eigener Compliance-Abteilung, muss jetzt umdenken. Denn die Verordnung kennt keine pauschale Ausnahme für kleine und mittlere Unternehmen. Was genau sich ändert, welche Fristen wirklich zählen und was Gründerinnen und Gründer jetzt konkret tun sollten, zeigt dieser Überblick.

Was ist die PPWR Verordnung überhaupt?

PPWR steht für „Packaging and Packaging Waste Regulation“ – zu Deutsch: Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Formal handelt es sich um die Verordnung (EU) 2025/40, die das EU-Parlament und der Rat der Europäischen Union im Dezember 2024 verabschiedet haben. Am 22. Januar 2025 wurde sie im Amtsblatt der EU veröffentlicht, am 11. Februar 2025 trat sie in Kraft.

Der entscheidende Unterschied zur bisherigen EU-Verpackungsrichtlinie aus dem Jahr 1994: Eine Verordnung muss nicht erst in nationales Recht überführt werden, sie gilt nach Ablauf der Übergangsfrist direkt und unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Diese Übergangsfrist von 18 Monaten ist nun abgelaufen, seit dem 12. August 2026 ist die PPWR verbindlich anzuwenden und löst die alte Verpackungsrichtlinie 94/62/EG weitgehend ab.

In Deutschland tritt parallel dazu das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG) mit Ablauf des 11. August 2026 außer Kraft. An seine Stelle rückt das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG), das die nationale Ausführung der EU-Vorgaben regelt.

Das erklärte Ziel der Verordnung: weniger Verpackungsabfall, mehr Kreislaufwirtschaft und einheitliche Standards in der gesamten EU – statt 27 verschiedener nationaler Regelwerke.

Diese Fristen der PPWR Verordnung sollten Sie kennen

Nicht alle Pflichten der PPWR greifen gleichzeitig. Die Verordnung staffelt ihre Anforderungen über mehrere Jahre:

  • 11. Februar 2025: Die Verordnung tritt formal in Kraft.
  • 12. August 2026: Die grundlegenden Pflichten werden EU-weit verbindlich – darunter die Konformitätserklärung für Verpackungen sowie erste Stoffbeschränkungen.
  • Bis 2030: Die Mitgliedstaaten müssen den Verpackungsabfall pro Kopf gegenüber dem Vergleichsjahr 2018 um mindestens 5 Prozent senken. Zudem greifen ab diesem Zeitpunkt schärfere Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen und Leerraumbegrenzung bei Verpackungen, außerdem treten bestimmte Verbote für spezielle Einweg-Verpackungsformen in Kraft.
  • Bis 2035: Die Reduktionsquote für Verpackungsabfall pro Kopf steigt auf mindestens 10 Prozent.
  • Bis 2040: Die Quote steigt weiter auf mindestens 15 Prozent, begleitet von einer umfassenden Verschärfung der Recyclingvorgaben.

Wichtig für die Praxis: Vieles, was gerade in Fachartikeln zur PPWR kursiert, etwa strengere Leerraum- oder Mehrwegquoten, betrifft nicht den heutigen Stichtag, sondern erst die Etappe ab 2030. Wer jetzt handelt, sollte also zwischen sofort geltenden und erst später greifenden Pflichten sauber unterscheiden.

Was bedeutet die PPWR Verordnung konkret für Startups und Online-Shops?

Konformitätserklärung und Dokumentationspflicht

Seit dem 12. August 2026 müssen Erzeuger für jede in Verkehr gebrachte Verpackungsart eine sogenannte Konformitätserklärung (Declaration of Conformity) vorhalten. Damit bestätigt ein Unternehmen, dass seine Verpackung den Anforderungen der PPWR entspricht. Wer Produkte selbst verpackt oder unter eigener Marke verpacken lässt, gilt nach der Verordnung als Erzeuger – und ist damit in der Pflicht, egal wie groß das Unternehmen ist. Dazu gehört auch, die technische Dokumentation griffbereit zu haben, falls eine Marktaufsichtsbehörde nachfragt.

Schadstoffgrenzwerte bei Lebensmittelkontakt

Wer Lebensmittel oder lebensmittelnahe Produkte verpackt, muss seit dem 12. August 2026 strenge Grenzwerte für PFAS („Ewigkeitschemikalien“) einhalten: maximal 25 Mikrogramm pro Kilogramm je Einzelsubstanz und höchstens 250 Mikrogramm pro Kilogramm in der Summe. Zusätzlich gilt ein Schwellenwert von 50 Milligramm pro Kilogramm für den Gesamtfluorgehalt einschließlich polymerer PFAS – wird dieser überschritten, muss die Herkunft des Fluors nachgewiesen werden. Für die Schwermetalle Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom gilt ein gemeinsamer Höchstwert von 100 Milligramm pro Kilogramm.

Erweiterte Herstellerverantwortung und Marktplätze

Die PPWR baut auf dem Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) auf: Wer Verpackungen in Verkehr bringt, trägt auch Verantwortung für deren spätere Entsorgung und Verwertung. In Deutschland läuft diese Verantwortung weiterhin über die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und deren öffentliches Register LUCID, in dem sich jedes Unternehmen eintragen muss, das verpackte Ware erstmals gewerbsmäßig in Deutschland bereitstellt, unabhängig von der Unternehmensgröße. Das VerpackDG schafft LUCID nicht ab, sondern führt es fort und weitet seine Reichweite aus.

Für Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay gilt schon seit einiger Zeit: Ein Verkauf ist nur mit nachgewiesener LUCID-Registrierung möglich, Plattformen sind zur EPR-Compliance-Prüfung verpflichtet und sperren Händler ohne gültigen Nachweis konsequent. Für Shopbetreiber heißt das in der Praxis: Ohne saubere Registrierung im jeweiligen Vertriebsland drohen nicht nur Bußgelder, sondern im schlimmsten Fall auch das Delisting vom Marktplatz, oft deutlich bevor überhaupt eine Behörde aktiv wird.

Verpackungsminimierung und Design for Recycling – der Blick nach 2030

Die viel zitierte Begrenzung des Leerraums in Versandkartons sowie die verbindliche vollständige Recyclingfähigkeit von Verpackungen sind zentrale Ziele der PPWR, treten aber erst mit der nächsten großen Etappe ab 2030 verbindlich in Kraft. Wer jetzt neue Verpackungslinien entwickelt oder Lieferanten auswählt, ist gut beraten, diese Anforderungen von Anfang an mitzudenken, denn Verpackungsdesign lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen.

Gibt es bei der PPWR Verordnung Erleichterungen für Kleinunternehmen?

Eine pauschale Ausnahme für Startups oder KMU sieht die PPWR nicht vor. Was es gibt, ist eine eng gefasste Erleichterung für Kleinstunternehmen. Wer als Eigenmarken-Anbieter mit einem einzigen Lieferanten im selben Mitgliedstaat zusammenarbeitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Dokumentationslast auf den Lieferanten verschieben. Solche Vereinbarungen sollten schriftlich fixiert werden, statt sie stillschweigend vorauszusetzen.

Zur Durchsetzung ist außerdem bekannt, dass Behörden bei Verstößen zunächst mit einer Verwarnung reagieren, bevor weitere Schritte folgen. Das verschafft etwas Luft, ersetzt aber keine Vorbereitung.

Was Startups und kleine Online-Shops jetzt tun sollten

  1. Verpackungsarten inventarisieren: Welche Verpackungen setzen Sie aktuell ein, und woraus bestehen sie?
  2. Konformitätserklärung vorbereiten: Für jede Verpackungsart sollte eine Erklärung samt technischer Unterlagen vorliegen.
  3. Lieferanten einbinden: Fragen Sie aktiv nach PFAS- und Schwermetallwerten sowie nach Recyclingfähigkeit Ihrer Verpackungsmaterialien.
  4. Registrierungen prüfen: Kontrollieren Sie, ob Sie in jedem Land, in das Sie versenden, korrekt als Verpackungshersteller registriert sind. In Deutschland läuft das weiterhin über das LUCID-Register der ZSVR, in anderen EU-Ländern über die jeweiligen nationalen Verpackungsregister.
  5. Vorausschauend planen: Auch wenn Leerraum- und Recyclingvorgaben erst ab 2030 greifen, lohnt sich ein früher Umstieg auf recyclingfähige und platzsparende Verpackungen.

Häufig gestellte Fragen zur PPWR Verordnung

Ab wann gilt die PPWR Verordnung?

Die PPWR ist bereits am 11. Februar 2025 in Kraft getreten. Verbindlich anzuwenden sind die grundlegenden Pflichten seit dem 12. August 2026 in allen EU-Mitgliedstaaten.

Muss ich als kleiner Online-Shop die PPWR beachten?

Ja. Die PPWR sieht keine generelle Ausnahme für Startups oder KMU vor. Lediglich für bestimmte Kleinstunternehmen mit Eigenmarke und einem einzigen inländischen Lieferanten existiert eine begrenzte Erleichterung bei der Dokumentation.

Was ist eine Konformitätserklärung nach PPWR?

Es handelt sich um ein Dokument, mit dem ein Unternehmen für jede von ihm in Verkehr gebrachte Verpackungsart bestätigt, dass diese den Anforderungen der PPWR entspricht. Diese Pflicht gilt seit dem 12. August 2026.

Wo muss ich mich als Verpackungshersteller registrieren?

In Deutschland läuft die Registrierung weiterhin über das LUCID-Register der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR). Die PPWR schafft dieses System nicht ab, sondern verpflichtet jeden EU-Mitgliedstaat, ein vergleichbares nationales Register zu betreiben.

Gelten die neuen Leerraum- und Recyclingvorgaben schon jetzt?

Nein. Die strengeren Vorgaben zur Leerraumbegrenzung, zu Rezyklatanteilen und zur vollständigen Recyclingfähigkeit von Verpackungen treten erst ab 2030 verbindlich in Kraft. Ab August 2026 gelten zunächst vor allem die Konformitätserklärung sowie erste Schadstoffgrenzwerte.

Was passiert bei Verstößen gegen die PPWR?

Nach bisherigem Kenntnisstand beginnt die Durchsetzung in der Regel mit einer Verwarnung. Anhaltende Verstöße können jedoch weitergehende Konsequenzen nach sich ziehen, bis hin zur Sperrung durch Online-Marktplätze ohne gültigen Registrierungsnachweis.

Fazit

Die PPWR Verordnung ist kein fernes Zukunftsthema mehr, sondern seit dem 12. August 2026 geltendes Recht. Für Startups, Selbstständige und kleine Online-Shops bedeutet das vor allem eines: jetzt die eigenen Verpackungen dokumentieren, Lieferantendaten einholen und Registrierungen prüfen. Wer sich zusätzlich schon heute mit den Anforderungen für 2030 auseinandersetzt, spart sich in ein paar Jahren teuren Zeitdruck – und positioniert sich als Unternehmen, das Nachhaltigkeit nicht nur im Marketing, sondern im eigenen Versandkarton ernst nimmt.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – Krakenimages.com

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