Sonntag, Oktober 25, 2026
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Vom Regionalportal zur Digitalagentur: Wie spot it media mit echten Communities Mehrwert schafft

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spot it media: Communities und Plattformen vernetzen. Marcel Schaefer, Gruender von SPOT IT MEDIA. Fotografie: Dintelmann.net

spot it media verbindet regionale Communities mit digitalen Plattformen, um Menschen und Unternehmen besser zu vernetzen und Informationen zugänglich zu machen. Gründer Marcel Schäfer erklärt im Interview, wie aus einer Facebook-Seite ein Unternehmen entstand, welche Rolle ehrenamtliche Warnmeldungen und die Tierkarte spielen und welche digitalen Angebote künftig geplant sind.

Stell dich und spot it media bitte kurz vor. Wie wurde aus der Facebook-Community „Spotted Westerwald“ die Idee für ein eigenes Unternehmen?

Ich bin Marcel Schäfer, Gründer und Inhaber von spot it media aus Büttelborn in Hessen. Angefangen hat alles am 19. Oktober 2014 mit der Facebook-Seite „Spotted Westerwald“.

Was zunächst als kleines Social-Media-Projekt gedacht war, entwickelte sich über die Jahre zu einem Netzwerk aus regionalen Seiten, Gruppen und Informationskanälen. Dabei habe ich gemerkt, wie viel solche Communities bewegen können. Sie bringen Menschen zusammen, helfen bei konkreten Anliegen und ermöglichen Unternehmen, regional sichtbar zu werden.

Im April 2024 habe ich deshalb spot it media gegründet. Heute verbinden wir regionale Medien, Marketing und Content Creation mit eigenen digitalen Plattformen und Apps.

Du hast bereits 2014 mit einer regionalen Community begonnen. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben deinen unternehmerischen Weg besonders geprägt?

Am meisten hat mich geprägt, dass es bei einer Community nicht nur um Followerzahlen oder Reichweite geht, sondern vor allem um die Menschen dahinter.

Ob bei der Suche nach vermissten Tieren, bei regionalen Hilfsaktionen oder während der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Immer wieder hat sich gezeigt, dass digitale Communities auch ganz praktische Hilfe ermöglichen können.

Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig Vertrauen und Verantwortung sind. Gerade wenn viele Menschen auf Informationen vertrauen, muss man sorgfältig damit umgehen.

Unternehmerisch hat mich außerdem die Erkenntnis geprägt, dass man nicht immer mit einem fertigen Geschäftsmodell starten muss. Manchmal entwickelt sich aus einer einfachen Idee über viele Jahre etwas, das man ursprünglich überhaupt nicht geplant hatte.

Mit spot it media verbindest du klassische Medien- und Marketingleistungen mit eigenen digitalen Plattformen. Welche Vision steckt hinter diesem Geschäftsmodell?

Ich möchte mit spot it media etwas aufbauen, das langfristig Bestand hat und nicht nur von einzelnen Werbeaufträgen lebt.

Über die Jahre haben wir starke regionale Communities aufgebaut. Dahinter stecken Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen, Fragen und Problemen. Irgendwann habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was wir mit diesen Möglichkeiten noch alles machen können.

Heute unterstützen wir Unternehmen mit Marketing, Werbung und Content Creation. Gleichzeitig entwickeln wir eigene digitale Plattformen, die konkrete Probleme lösen sollen.

Dabei muss nicht jedes Projekt sofort Geld verdienen. Unser Warnnetzwerk betreiben wir beispielsweise komplett ehrenamtlich.

Langfristig möchte ich eigene Produkte entwickeln, die wirklich genutzt werden und vielleicht irgendwann weit über unsere bisherigen Regionen hinaus Menschen erreichen.

Viele eurer digitalen Projekte entstehen aus konkreten Problemen innerhalb eurer Communities. Wie erkennt ihr, welche Bedürfnisse sich für eine eigene Plattform eignen?

Das ergibt sich häufig aus dem direkten Austausch mit unseren Communities. Wenn Menschen immer wieder dieselben Fragen stellen oder bestimmte Abläufe unnötig kompliziert sind, überlegen wir, ob sich dafür eine bessere Lösung finden lässt.

Ein Beispiel sind Tiermeldungen. Wenn ein Hund vermisst wird, verteilen sich Suchmeldungen und Hinweise häufig auf zahlreiche Facebook-Gruppen und WhatsApp-Kanäle. Irgendwann verliert man den Überblick.

Genau solche Situationen bringen mich auf Ideen. Dabei muss es nicht immer gleich eine große Plattform sein. Manchmal reicht eine einfache Website.

Natürlich habe ich ständig neue Ideen. Aber ich versuche auch darauf zu achten, was wirklich gebraucht wird. Denn selbst die beste Idee bringt wenig, wenn sie später niemand nutzt.

Mit spot it Warnmeldungen bietet ihr eine öffentliche Live-Warnkarte und einen digitalen Bürgerhinweis-Prozess. Wie funktioniert das Angebot und welchen Mehrwert schafft es für die Menschen vor Ort?

Unsere Warnmeldungen haben sich aus regionalen WhatsApp-Kanälen entwickelt. Inzwischen betreiben wir zusätzlich eine öffentliche Live-Warnkarte, auf der wir über Gefahrenlagen, Unwetter, Verkehrsstörungen und andere wichtige Ereignisse informieren. Dabei fließen auch offizielle Meldungen ein, beispielsweise über die Landesmeldestelle Rheinland-Pfalz.

Über unser Bürgerhinweis-System können uns sowohl Privatpersonen als auch Behörden auf Ereignisse aufmerksam machen. Bevor daraus eine eigene Meldung entsteht, prüfen wir die Informationen redaktionell.

Unser Ziel ist es, wichtige Informationen schnell und unkompliziert zugänglich zu machen, auch ohne WhatsApp oder Facebook. Dabei ergänzen wir die offiziellen Warnsysteme, ersetzen diese aber ausdrücklich nicht. Das gesamte Warnnetzwerk betreiben wir ehrenamtlich und ohne kommerzielle Werbung.

Eure Tierkarte unterstützt bei der Suche nach vermissten Tieren und der Meldung von Fundtieren oder Sichtungen. Wie ist dieses Projekt entstanden und welche Herausforderungen bringt es mit sich?

Tiermeldungen begleiten unsere Communities schon seit vielen Jahren. Immer wieder erreichen uns Nachrichten über vermisste Hunde, gefundene Katzen oder Tiere, die irgendwo gesichtet wurden. Die Hilfsbereitschaft ist meistens riesig, aber die Informationen verteilen sich oft auf zahlreiche Facebook-Gruppen und WhatsApp-Kanäle.

Genau daraus ist die Idee zur Tierkarte entstanden. Wir möchten solche Meldungen, Sichtungen und Hinweise an einem zentralen Ort zusammenbringen, damit Betroffene nicht überall einzeln suchen müssen.

Die größte Herausforderung ist für mich, die Plattform möglichst einfach und zuverlässig zu gestalten. Wer sein Tier vermisst, befindet sich oft in einer emotionalen Ausnahmesituation und braucht schnelle Hilfe statt komplizierter Technik. Gleichzeitig müssen wir Datenschutz, Standortinformationen und die Prüfung von Meldungen berücksichtigen.

Die Webplattform befindet sich aktuell in einer geschlossenen Testphase.

Regionale Communities leben von Vertrauen und aktiver Beteiligung. Wie stellt ihr sicher, dass Informationen zuverlässig sind und eure Plattformen verantwortungsvoll genutzt werden?

Vertrauen ist für mich die wichtigste Grundlage unserer Arbeit. Wir haben unsere Communities über viele Jahre aufgebaut und möchten dieses Vertrauen natürlich nicht durch falsche oder ungeprüfte Informationen gefährden.

Deshalb unterscheiden wir zwischen offiziellen Informationen und Hinweisen aus der Bevölkerung. Gerade bei unseren Warnmeldungen wird nicht einfach alles veröffentlicht, was uns zugeschickt wird. Wir prüfen die Informationen vorher und entscheiden, ob eine Veröffentlichung sinnvoll und verantwortbar ist.

Auch beim Datenschutz achten wir darauf, nicht mehr persönliche Informationen oder genaue Standorte öffentlich zu zeigen, als tatsächlich notwendig ist.

Marcel Schaefer mit Laptop und Kamera. Fotografie: Dintelmann.net

Was unterscheidet spot it media von klassischen regionalen Medienunternehmen und anderen digitalen Informationsplattformen?

Wir sind eigentlich viel mehr als ein klassisches Medienunternehmen. Bei uns laufen ganz unterschiedliche Anliegen zusammen. Menschen suchen etwas, bieten etwas an, brauchen Hilfe, möchten Informationen teilen oder andere Menschen erreichen. Genauso kommen Unternehmen auf uns zu, die Mitarbeiter, Kunden oder passende Dienstleister suchen.

Wir verbinden dabei verschiedene Bereiche miteinander. Unternehmen mit Unternehmen, Unternehmen mit Privatpersonen und natürlich auch Privatpersonen untereinander. Unsere regionalen Communities, Medienkanäle und digitalen Plattformen greifen dabei ineinander.

Genau das macht spot it media für mich besonders. Wir beschränken uns nicht auf ein einzelnes Thema, sondern versuchen, für möglichst viele unterschiedliche Anliegen passende Menschen, Informationen oder Lösungen zusammenzubringen.

Aus einem Communityprojekt ist ein Unternehmen mit verschiedenen Geschäftsbereichen entstanden. Wie finanziert ihr eure Entwicklung und welche Rolle spielen die einzelnen Angebote für euer Geschäftsmodell?

Wir finanzieren unsere Entwicklung bisher aus eigenen Mitteln und sind unabhängig von Investoren. Ein wichtiger wirtschaftlicher Bestandteil meiner Selbstständigkeit ist meine Tätigkeit als Fachberater und Abschnittsleiter im Bereich der Afrikanischen Schweinepest. Daneben erzielen wir mit spot it media Einnahmen durch regionale Werbeplatzierungen sowie Marketing- und Mediendienstleistungen.

Einen Teil der erwirtschafteten Mittel investieren wir in unsere eigenen digitalen Projekte. Dabei muss nicht jedes Angebot sofort Geld verdienen. Unser Warnnetzwerk betreiben wir beispielsweise komplett ehrenamtlich und ohne Werbung.

Langfristig möchte ich die unterschiedlichen Geschäftsbereiche weiter ausbauen und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten durch eigene digitale Produkte schaffen.

Ihr entwickelt aktuell native App-Lösungen für eure Plattformen. Welche neuen Möglichkeiten sollen dadurch für eure Nutzer entstehen?

Mit unseren Apps möchten wir Informationen schneller und einfacher zugänglich machen. Bei den Warnmeldungen geht es uns darum, die Bevölkerung möglichst frühzeitig über relevante Ereignisse zu informieren. Das muss nicht immer gleich eine große Katastrophe sein. Auch ein Waldbrand, eine Evakuierung oder wichtige Hinweise von Kommunen und Landkreisen können für die Menschen vor Ort entscheidend sein.

Bei den Tiermeldungen möchten wir die Suche nach vermissten Tieren und den Umgang mit Fundtieren deutlich vereinfachen. Neben einem digitalen Ratgeber planen wir langfristig auch eine intelligente Verknüpfung von Vermisst- und Fundmeldungen. Wenn beispielsweise jemand einen braunen Hund vermisst und in der Nähe ein ähnlicher Hund gefunden wird, könnte das System künftig automatisch auf eine mögliche Übereinstimmung aufmerksam machen.

Beide Apps befinden sich noch in unterschiedlichen Entwicklungs- und Testphasen. Unser Ziel ist, dass daraus wirklich hilfreiche Alltagsbegleiter werden.

Welche nächsten Schritte plant ihr für spot it media und wie möchtet ihr das Unternehmen über die bisherigen regionalen Strukturen hinaus weiterentwickeln?

Neben der Weiterentwicklung unserer Warn- und Tierkarten-Apps beschäftigen wir uns auch mit der Idee einer eigenen, übergreifenden spot it App. Langfristig möchten wir eine Plattform schaffen, die Menschen und Unternehmen bei ganz unterschiedlichen Anliegen miteinander verbindet. Egal ob jemand Hilfe sucht, einen Job anbietet, einen Handwerker benötigt oder etwas in seiner Umgebung finden möchte.

Gleichzeitig möchten wir unsere regionalen Netzwerke weiter ausbauen, möglichst auf Landkreisebene. Mir ist besonders wichtig, dass dabei die kleinen Geschäfte und Unternehmen vor Ort nicht untergehen. Die Bäckerei um die Ecke, der Blumenladen im Dorf oder der Handwerksbetrieb aus dem Nachbarort sollen durch unsere Netzwerke wieder mehr Sichtbarkeit bekommen und neue Kunden erreichen können.

Wir möchten die Möglichkeiten einer großen digitalen Plattform mit der Nähe und dem Vertrauen regionaler Communities verbinden. Denn gerade in einer zunehmend digitalen Welt finde ich es wichtig, dass die eigene Region und die Menschen und Unternehmen vor Ort nicht an Bedeutung verlieren.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die aus einer bestehenden Community ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln möchten?

Mein erster Rat wäre, die Menschen hinter der Community ernst zu nehmen und immer nah an der Basis zu bleiben. Es geht nicht darum, möglichst viele Follower zu sammeln, sondern Vertrauen aufzubauen. Dafür muss man den Menschen zuhören, ihre Anliegen verstehen und auch selbst Teil der Community bleiben.

Zweitens sollte man genau hinschauen, wo Menschen Unterstützung brauchen. Oft entstehen die besten Geschäftsideen aus Problemen, die einem im direkten Austausch begegnen. Man muss nicht ständig das Rad neu erfinden, sondern manchmal einfach bestehende Dinge besser miteinander verbinden.

Und drittens: Einfach mal machen! Ich habe 2014 auch nicht gewusst, was aus meiner kleinen Facebook-Seite einmal entstehen würde. Man darf Fehler machen, muss daraus lernen und sollte sich nicht von jedem Rückschlag ausbremsen lassen.

Bildcredits Stefan Dintelmann

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: spot it media

Kontakt:

spot it media
Inhaber: Marcel Schäfer
Theodor-Heuss-Str. 23
64572 Büttelborn
Deutschland

spotitmedia.de
marcel@spotitmedia.de
+49 176 72330725

Ansprechpartner: Marcel Schäfer

Social Media – spot it media:
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Persönliche Präsenz – Marcel Schäfer:
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Die Höhle der Löwen am 19. Oktober 2026: Fünf Gründerteams kämpfen um Millioneninvestments

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Geschäftsideen: Innovative Produkte suchen Investment Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Janna Ensthaler, Andreas W. Herb und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Neue Geschäftsideen, innovative Produkte und ambitionierte Bewertungen prägen die siebte Folge der Gründershow auf VOX

Fünf Gründerteams präsentieren am 19. Oktober 2026 in „Die Höhle der Löwen“ ihre Geschäftsideen und innovative Produkte. Von nachhaltigen Rasierern über neue Lebensmittelkonzepte bis hin zu digitalen Anwendungen und moderner Sanitärtechnik reicht das Spektrum der Unternehmen, die auf ein Investment hoffen.

Am Montag, dem 19. Oktober 2026, um 20:15 Uhr zeigt VOX die siebte Folge der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Fünf Unternehmen aus Deutschland und Österreich treten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen vor die Investoren. Dabei geht es nicht nur um Kapital, sondern auch um Vertrieb, Markenaufbau und die Frage, wie sich neue Lösungen langfristig am Markt behaupten können.

Die Gründerinnen und Gründer bringen bereits erste Umsätze, bestehende Handelspartnerschaften oder Erfahrungen aus ihren jeweiligen Branchen mit. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre finanziellen Forderungen erheblich. Während ein Unternehmen vergleichsweise bescheidene 30.000 Euro sucht, verlangt ein anderes 600.000 Euro für zehn Prozent seiner Firmenanteile.

Nachhaltige Rasierer: RAZECO setzt auf biobasierte Materialien

RAZECO – Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch

Wie lassen sich alltägliche Produkte umweltfreundlicher gestalten, ohne dass Verbraucher bei Funktionalität und Design Kompromisse eingehen müssen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Victor Haisch (27), Ivo Lovric (26) und Louisa Haisch (31). Das Gründerteam aus Berlin hat mit RAZECO eine Rasierermarke entwickelt, die den Einsatz fossiler Kunststoffe deutlich reduzieren möchte.

Das Unternehmen konzentriert sich auf nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen System- und Einwegrasierern. Dafür nutzt RAZECO nachwachsende Rohstoffe, die als Abfallprodukte anderer Industrien entstehen. Besonders bemerkenswert ist der Klingenkopf des Systemrasierers, der nach Unternehmensangaben zu 99 Prozent aus biobasiertem Material besteht. Das Material ist mit dem Zertifikat „OK biobased“ von TÜV Austria ausgezeichnet.

Ein langlebiger Stahlgriff und austauschbare Rasierköpfe sollen dazu beitragen, den Materialverbrauch zu reduzieren. Damit richtet sich RAZECO an Verbraucher, die Wert auf umweltbewusste Körperpflege legen, gleichzeitig aber eine zuverlässige Rasur erwarten.

Die Geschwister Louisa Haisch und Victor Haisch sowie ihr Mitgründer Ivo Lovric haben bereits erste Vertriebskanäle erschlossen. Ihre Produkte sind sowohl online als auch im stationären Handel erhältlich.

Für die weitere Entwicklung bietet das Team den Investoren zehn Prozent der Firmenanteile für 30.000 Euro an. Vor Judith Williams, Janna Ensthaler, Ralf Dümmel, Frank Thelen und Andreas W. Herb müssen die Gründer zeigen, wie sich ihre Marke gegen etablierte Wettbewerber behaupten kann.

Innovative Produkte für die Gastronomie: Kölsche Koks will den Cocktailmarkt verändern

Kölsche Koks – Nicolas Lutz und Maximilian Koeser

Mit Kölsche Koks präsentieren Nicolas Lutz (35) und Maximilian Koeser (37) aus Köln ein Getränkekonzept, das aus ihrer eigenen Gastronomieerfahrung entstanden ist. Die beiden Unternehmer betreiben drei Gastronomiebetriebe und kennen die Herausforderungen, die mit der Zubereitung beliebter Cocktails verbunden sind.

Besonders Espresso Martini gehört zu den Getränken, deren Herstellung im laufenden Gastronomiebetrieb zeitaufwendig sein kann. Frischer Espresso muss zubereitet, abgekühlt und anschließend mit weiteren Zutaten verarbeitet werden.

Kölsche Koks soll diesen Prozess vereinfachen. Das Unternehmen bietet einen fertig gemischten Espresso-Martini-Likör mit 15 Prozent Alkohol, echtem Arabica-Kaffee und natürlichem Koffein an. Das Produkt kann direkt ausgeschenkt oder als Grundlage für weitere Cocktails verwendet werden.

Neben einer 0,7-Liter-Flasche gibt es kleinere Shot-Fläschchen, die sich insbesondere für Veranstaltungen, Festivals und Messen eignen.

Die Geschäftsidee hat bereits wirtschaftliche Ergebnisse geliefert. Nach Angaben der Gründer wurde mit Kölsche Koks bislang ein Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt.

Für die weitere Expansion fordern Nicolas Lutz und Maximilian Koeser 600.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Daraus ergibt sich eine Unternehmensbewertung von sechs Millionen Euro nach dem Investment.

Eine zentrale Frage für Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen und Andreas W. Herb dürfte sein, wie sich die Marke über ihre Kölner Herkunft hinaus im nationalen Getränkemarkt positionieren lässt.

Digitale Geschäftsideen: move2pay belohnt Bewegung im Alltag

move2pay – Mia Allouche und Karim Allouche

Bewegung und Konsum miteinander zu verbinden, ist die Geschäftsidee hinter move2pay. Die 19-jährige Mia Allouche und ihr Vater Karim Allouche (49) haben eine Anwendung entwickelt, die körperliche Aktivität mit einem digitalen Belohnungssystem kombiniert.

Das Unternehmen mit Standorten in Lustenau und Wien verfolgt einen Ansatz, der auf bestehende Gesundheits- und Fitnessanwendungen aufbaut. Nutzer können move2pay mit entsprechenden Apps verbinden und für Schritte, Trainingseinheiten oder andere Aktivitäten Bewegungsguthaben sammeln.

Dieses Guthaben lässt sich anschließend bei verschiedenen Handelspartnern im move2pay-Shop einsetzen. Das Geschäftsmodell verbindet damit Elemente aus Fitness, Kundenbindung und digitalem Handel.

Die Idee entstand bereits vor rund fünf Jahren innerhalb der Familie. Mia Allouche und Karim Allouche wollten einen zusätzlichen Anreiz schaffen, um Menschen zu mehr Bewegung im Alltag zu motivieren.

Unterstützung erhält das Unternehmen von Steffen Baumgart. Der ehemalige Fußballprofi und bekannte Fußballtrainer begleitet move2pay nach Angaben der Gründer bereits seit fünf Jahren als Markenbotschafter.

Für die nächste Wachstumsphase suchen Mia Allouche und Karim Allouche 350.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile.

Im Mittelpunkt des Pitches vor Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen steht die Frage, ob sich aus dem Belohnungsmodell ein wirtschaftlich tragfähiges und skalierbares Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Innovative Produkte aus der Lebensmittelbranche: FRYZZA bringt Pizza in den Air Fryer

FRYZZA – Dieter Könnes, Ronny Schreiber und Alexander Wulf

Mit FRYZZA verbindet ein Gründerteam aus Baesweiler zwei beliebte Bereiche der modernen Küche: Tiefkühlpizza und Heißluftfritteusen. Hinter dem Unternehmen stehen TV-Moderator Dieter Könnes (54), Sommelier Ronny Schreiber (44) und Sternekoch Alexander Wulf (43).

Die Geschäftsidee entstand bei einem gemeinsamen Abend im Restaurant TROYKA von Alexander Wulf. Ziel war es, eine Pizza zu entwickeln, die speziell auf die Anforderungen eines Air Fryers abgestimmt ist.

Anders als klassische runde Tiefkühlpizzen besitzt FRYZZA eine rechteckige Form. Dadurch soll sie in handelsübliche Heißluftfritteusen passen und innerhalb von etwa fünf bis sechs Minuten zubereitet werden können.

Die Rezeptur basiert auf Natursauerteig, handgezogenem und handbelegtem Teig, einer Steinofen-Zubereitung sowie einer eigens entwickelten Gewürzmischung.

Aktuell bietet FRYZZA vier Sorten an: Salami, Thunfisch, Veggie und Margherita.

Das Unternehmen kann bereits auf erste Vertriebserfolge verweisen. Nach eigenen Angaben ist FRYZZA in rund 700 Märkten und sieben Handelsketten in Deutschland und Österreich vertreten. Innerhalb der ersten sechs Monate soll ein Umsatz von mehr als 500.000 Euro erzielt worden sein.

Neben Dieter Könnes, Ronny Schreiber und Alexander Wulf gehören zwei weitere Gesellschafter mit Erfahrung in Handel und Distribution zum Unternehmen.

Für den nächsten Wachstumsschritt bietet das Team zehn Prozent der Firmenanteile für 350.000 Euro an.

Judith Williams, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen müssen beurteilen, ob FRYZZA das Potenzial besitzt, sich langfristig als eigenständige Produktkategorie im Lebensmittelhandel zu etablieren.

Nachhaltige Sanitärtechnik: MISSOIR entwickelt ein Frauenurinal

MISSOIR – Lena Olvedi

Lange Warteschlangen vor Frauentoiletten gehören bei Konzerten, Festivals und anderen Großveranstaltungen häufig zum Alltag. Die Berliner Unternehmerin Lena Olvedi (44) möchte mit MISSOIR eine praktische Alternative schaffen.

Ihr Unternehmen hat ein Frauenurinal entwickelt, das speziell auf die natürliche Hockhaltung ausgerichtet ist. Die Konstruktion ermöglicht eine kontaktlose Nutzung und soll insbesondere an stark frequentierten Veranstaltungsorten für eine schnellere Abwicklung sorgen.

MISSOIR wird fest im Boden installiert und verfügt über Haltegriffe sowie einen Spritzschutz. Mehrere Anlagen können nebeneinander eingebaut werden, um die vorhandenen Sanitärkapazitäten zu erweitern.

Ein weiterer Aspekt ist der Wasserverbrauch. Da das System ohne Spülung auskommt, können Betreiber nach Angaben des Unternehmens Wasser und damit verbundene Kosten einsparen.

Die Idee entstand bereits 2018. Nach ersten erfolgreichen Einsätzen auf Festivals und Veranstaltungen wurde das Produkt in die Serienproduktion überführt.

Mit MISSOIR richtet sich Lena Olvedi insbesondere an Betreiber von Clubs, Konzerthallen, Stadien und Veranstaltungsstätten.

Für den weiteren Ausbau ihres Unternehmens sucht die Gründerin 180.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Vor Judith Williams, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Johannes Kliesch möchte Lena Olvedi zeigen, dass sich mit einer verbesserten Sanitärinfrastruktur nicht nur ein alltägliches Problem lösen, sondern auch ein wirtschaftlich interessantes Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Geschäftsideen zwischen Wachstum, Wettbewerb und hohen Unternehmensbewertungen

Die siebte Folge von „Die Höhle der Löwen“ zeigt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen junger Unternehmen sein können. Während RAZECO auf nachhaltige Materialien setzt, konzentriert sich Kölsche Koks auf die Vereinfachung gastronomischer Abläufe. move2pay verbindet Bewegung mit digitalen Kaufanreizen, FRYZZA erschließt neue Möglichkeiten für die Zubereitung von Tiefkühlpizza und MISSOIR möchte bestehende Sanitärkonzepte verbessern.

Auch die Bewertungen verdeutlichen die unterschiedlichen Erwartungen der Gründerteams. Die angebotenen Beteiligungen entsprechen Unternehmensbewertungen nach Investment zwischen 300.000 Euro bei RAZECO und sechs Millionen Euro bei Kölsche Koks.

Insgesamt suchen die fünf Unternehmen 1,51 Millionen Euro Kapital. Ob die Investoren bereit sind, diese Summen zu den angebotenen Konditionen bereitzustellen, bleibt bis zur Ausstrahlung offen.

Entscheidend dürfte dabei nicht allein die Originalität der Geschäftsideen sein. Auch die bisherigen Umsätze, die Vertriebsmöglichkeiten, die Wettbewerbssituation und die wirtschaftliche Skalierbarkeit spielen eine wichtige Rolle.

Die siebte Folge von „Die Höhle der Löwen“ läuft am Montag, 19. Oktober 2026, um 20:15 Uhr bei VOX.

Bild Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Janna Ensthaler, Andreas W. Herb und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Nach dem Löwen-Deal: Andreas W. Herb will hottey zur führenden Hot-Honey-Marke machen

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Hot Honey: hottey und Andreas W. Herb starten Expansion Bild hottey-Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich sowie Andreas W. Herb (v.l.n.r.) / Die Höhle der Löwen Bildcredits MBG Group

Der Unternehmer Andreas W. Herb bestätigt den Abschluss seines Deals mit dem Dresdner Startup hottey. Gemeinsam mit den Gründern Maximilian Voigt und Julian Herrlich will Andreas W. Herb den US-Trend Hot Honey in Deutschland etablieren und das Unternehmen anschließend international weiterentwickeln. hottey ist echter Blütenhonig mit frischer Chili in den drei Geschmacksrichtungen Original, Extra Spicy und Barbecue.

Paderborn/Dresden. Der Deal ist abgeschlossen, die Zusammenarbeit läuft bereits auf Hochtouren: Andreas W. Herb steigt bei hottey ein. Nach den Gesprächen im Anschluss an die Aufzeichnung von „Die Höhle der Löwen“ haben sich Andreas W. Herb und die beiden Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich auf eine gemeinsame Zukunft verständigt. Inzwischen arbeiten beide Seiten bereits eng an Vertrieb, Expansion und dem weiteren Markenaufbau.

Hot Honey: Ein Food-Trend aus den USA erobert Deutschland

Mit hottey kommt ein Trend nach Deutschland, der sich in den USA längst etabliert hat. Hot Honey, die Kombination aus Honig und Chili, wird dort auf Pizza, Burgern, Fried Chicken, Sandwiches und zahlreichen weiteren Gerichten eingesetzt und hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer eigenen Produktkategorie entwickelt.

„Ich bin heute noch begeisterter von hottey als damals beim Pitch. Die beiden Gründer sind absolute Macher. Sie bringen nicht nur eine starke Idee mit, sondern auch genau die Leidenschaft, Energie und Entschlossenheit mit, die ich bei jungen Unternehmern sehen möchte. Gleichzeitig treffen wir mit Hot Honey auf einen Trend, dessen Potential international bereits bewiesen ist. Das macht die Ausgangslage für den weiteren Aufbau der Marke außergewöhnlich spannend“, sagt Andreas W. Herb.

hottey baut Vertrieb aus und plant 50 Tonnen Honig

Bereits in den Monaten nach der Aufzeichnung konnten erste wichtige Meilensteine erreicht werden. hottey ist inzwischen unter anderem bei 60 Seconds to Napoli, NYSC und Ciao Bella gelistet. Weitere Listungen befinden sich aktuell in Vorbereitung. Nach Angaben des Unternehmens wurden die gemeinsamen Wachstumspläne schneller umgesetzt als ursprünglich erwartet. Für das laufende Jahr rechnen die Beteiligten bereits mit der Auslieferung von rund 50 Tonnen hottey-Honig.

Internationale Expansion mit Andreas W. Herb

Neben dem Ausbau des Geschäfts im deutschsprachigen Raum laufen bereits erste Gespräche mit internationalen Partnern. Dabei profitiert hottey auch von der langjährigen Erfahrung von Andreas W. Herb im internationalen Markenaufbau und seinem weltweiten Netzwerk in Handel, Gastronomie und Distribution.

hottey will führende Hot-Honey-Marke werden

Für Andreas W. Herb geht das Potential von hottey deutlich über eine klassische Produktmarke hinaus. Aus seiner Sicht bietet sich die seltene Chance, eine in Europa noch junge Kategorie aktiv mitzugestalten und gleichzeitig von einem globalen Food-Trend zu profitieren.

„Wir haben ein außergewöhnliches Produkt, ein starkes Gründerteam und bereits die ersten wichtigen Vertriebserfolge erreicht. Das ist eine hervorragende Basis für die nächsten Jahre. Unser Ziel ist es, hottey zur führenden Hot-Honey-Marke im deutschsprachigen Raum zu entwickeln und die Marke anschließend international weiter auszubauen. Wenn wir das aktuelle Tempo beibehalten, ist Deutschland erst der Anfang“, so Andreas W. Herb.

Bild hottey-Gründer Maximilian Voigt und Julian Herrlich sowie Andreas W. Herb (v.l.n.r.) / Die Höhle der Löwen Bildcredits MBG Group

Quelle Borgmeier Media Gruppe GmbH

Jobsuche wie TikTok: Wie Scrolljob den Arbeitsmarkt mit kurzen Videos revolutioniert

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Scrolljob: Video-Stellenanzeigen verändern die Jobsuche Sufian Bourkha

Scrolljob möchte die Jobsuche mit Video-Stellenanzeigen nach dem Vorbild von TikTok verändern und Bewerbungen deutlich vereinfachen. Im Interview erklärt Gründer Sufian, wie seine Plattform funktioniert, welche Rolle KI spielt und warum besonders Unternehmen mit Fachkräftemangel profitieren könnten.

Sufian, kannst du dich und Scrolljob kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, die Jobsuche nach dem Prinzip von TikTok zu gestalten?

Mein Name ist Sufian und ich bin Gründer von Scrolljob. Mit Scrolljob möchte ich die Art verändern, wie Menschen in Deutschland ihren nächsten Job entdecken.

Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Unternehmen investieren bereits viel Geld in Recruiting-Videos auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Sie zeigen ihre Teams, ihre Arbeitsplätze und geben authentische Einblicke in den Berufsalltag. Doch diese Videos verschwinden im Social-Media-Feed zwischen Unterhaltung, Werbung und anderen Inhalten.

Gleichzeitig funktioniert die klassische Jobsuche noch immer überwiegend über lange Textanzeigen, Suchfilter und teilweise komplizierte Bewerbungsprozesse.

Da habe ich mich gefragt: Warum gibt es keine Plattform, auf der man Jobs genauso einfach entdecken kann, wie man heute Videos auf TikTok anschaut?

Genau daraus ist Scrolljob entstanden. Eine Plattform mit einem vertikalen Video-Feed, in dem Nutzer durch echte Video-Stellenanzeigen scrollen, Arbeitgeber kennenlernen und sich bei Interesse mit wenigen Klicks bewerben können.

Mein Ziel ist es, Jobsuche moderner, einfacher und vor allem zugänglicher zu machen.

Scrolljob setzt auf einen vertikalen Video-Feed statt klassischer Stellenanzeigen. Welches grundlegende Problem im heutigen Bewerbungsprozess möchtest du damit lösen?

Das größte Problem ist für mich, dass die klassische Jobsuche oft unnötig kompliziert und wenig persönlich ist.

Viele Stellenanzeigen bestehen aus langen, austauschbaren Texten. Man liest etwas über Anforderungen, Aufgaben und Benefits, bekommt aber kaum ein echtes Gefühl dafür, wie der Arbeitsalltag aussieht oder wer hinter dem Unternehmen steckt.

Gleichzeitig schrecken komplizierte Bewerbungsprozesse viele potenzielle Kandidaten ab. Gerade Menschen, die im Handwerk, in der Pflege, in der Logistik oder Gastronomie arbeiten, haben nach einem langen Arbeitstag häufig wenig Zeit und Lust, Anschreiben zu formulieren oder Lebensläufe zu aktualisieren.

Mit Scrolljob möchte ich beide Probleme angehen.

Durch Videos erhalten Bewerber innerhalb weniger Sekunden einen authentischen Einblick in ein Unternehmen. Sie sehen beispielsweise das Team, den Arbeitsplatz oder typische Tätigkeiten.

Und wenn ihnen ein Job gefällt, können sie direkt zum Bewerbungsprozess gelangen, der bei vielen Stellen bereits auf wenige Schritte reduziert ist.

Ich bin überzeugt, dass eine Bewerbung heute genauso einfach funktionieren sollte wie viele andere digitale Prozesse, die wir täglich auf unserem Smartphone nutzen.

Besonders in Branchen wie Handwerk, Pflege, Logistik und Gastronomie ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Warum konzentriert sich Scrolljob auf diese Bereiche und welche Chancen siehst du dort?

Gerade in diesen Branchen ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern besonders groß. Gleichzeitig erreichen viele Unternehmen ihre potenziellen Bewerber über klassische Stellenportale nur eingeschränkt.

Ein großer Teil dieser Zielgruppe ist täglich auf Social Media unterwegs, aber nicht unbedingt auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing.

Dazu kommt, dass sich viele dieser Berufe hervorragend über Videos präsentieren lassen.

Ein Handwerksbetrieb kann seine Baustellen und Mitarbeiter zeigen, eine Pflegeeinrichtung den Arbeitsalltag im Team und ein Restaurant seine Küche und die Atmosphäre.

Solche Einblicke vermitteln innerhalb weniger Sekunden viel mehr Persönlichkeit als eine reine Stellenbeschreibung.

Besonders spannend finde ich außerdem die Menschen, die momentan gar nicht aktiv nach einem neuen Job suchen, aber grundsätzlich offen für eine berufliche Veränderung sind.

Wenn sie beim Scrollen plötzlich einen sympathischen Arbeitgeber oder eine interessante Stelle entdecken, kann daraus ein echter Bewerbungsimpuls entstehen.

Ich sehe darin eine große Chance, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, die im Wettbewerb um Fachkräfte häufig weniger Sichtbarkeit haben als große Arbeitgeber.

Mit über 10.000 Stellenanzeigen aus ganz Deutschland bietet Scrolljob bereits eine große Auswahl. Wie kommen diese Stellenangebote auf die Plattform und wie stellst du sicher, dass sie aktuell und seriös sind?

Scrolljob verfolgt bei der Gewinnung von Stellenanzeigen einen anderen Ansatz als klassische Jobbörsen.

Wir erfassen echte Video-Stellenanzeigen, die Unternehmen und Recruiting-Agenturen bereits aktiv auf Social-Media-Plattformen als Werbung schalten.

Viele Unternehmen investieren bereits in professionell produzierte Recruiting-Videos und nutzen diese, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Scrolljob macht solche Stellenangebote gezielt für Jobsuchende auffindbar.

Im Hintergrund läuft eine weitgehend automatisierte technische Infrastruktur, die relevante Anzeigen erfasst, analysiert und für unseren Video-Feed aufbereitet.

Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die Inhalte ausgewertet und den passenden Berufsfeldern, Branchen und Regionen zugeordnet.

Dabei achten wir darauf, dass es sich tatsächlich um Recruiting-Anzeigen handelt. Außerdem werden die Anzeigen regelmäßig überprüft und nicht mehr aktive Angebote aussortiert.

Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass viele dieser Stellenanzeigen auf bestehende Bewerbungs-Funnels von Unternehmen oder Recruiting-Agenturen verweisen. Bewerber gelangen dadurch direkt in einen bereits eingerichteten Bewerbungsprozess.

Unser Ziel ist nicht einfach nur, möglichst viele Stellenanzeigen aufzulisten, sondern einen aktuellen und relevanten Video-Jobfeed anzubieten, in dem Nutzer schnell interessante Möglichkeiten entdecken können.

Bewerber können sich über Scrolljob innerhalb von 60 Sekunden und häufig ohne Lebenslauf bewerben. Wie funktioniert dieser Prozess konkret und welche Vorteile bietet er Unternehmen und Jobsuchenden?

Der Bewerbungsprozess ist bewusst so einfach wie möglich gestaltet.

Nutzer entdecken im Scrolljob-Feed eine interessante Video-Stellenanzeige und können über den Bewerbungsbutton direkt mit ihrer Bewerbung starten.

Die meisten Stellenanzeigen auf Scrolljob führen zu sogenannten Recruiting-Funnels. Das sind speziell optimierte Bewerbungsformulare, die den gesamten Prozess auf wenige Schritte reduzieren.

Oft reichen bereits der Name, die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse aus. Bei manchen Stellen werden zusätzlich wenige Fragen zur Berufserfahrung oder Qualifikation gestellt. Ein klassischer Lebenslauf oder ein Anschreiben ist häufig gar nicht notwendig.

Nach dem Absenden der Bewerbung werden die Interessenten in der Regel von der zuständigen Recruiting-Agentur oder direkt vom Unternehmen telefonisch kontaktiert.

In diesem ersten Gespräch werden grundlegende Fragen geklärt und eine erste Einschätzung vorgenommen, ob die Stelle und der Bewerber zueinander passen.

Bei vielen Angeboten kann eine Bewerbung dadurch tatsächlich innerhalb von ungefähr 60 Sekunden abgeschickt werden, direkt vom Smartphone aus.

Für Bewerber entfällt ein großer Teil des klassischen Bewerbungsaufwands. Unternehmen und Recruiting-Agenturen profitieren gleichzeitig davon, dass sie schneller mit interessierten Kandidaten in Kontakt kommen können.

Genau das ist mein Ansatz mit Scrolljob: den Weg vom ersten Interesse bis zum persönlichen Kontakt so kurz und unkompliziert wie möglich zu machen.

Künstliche Intelligenz spielt bei der Klassifikation der Video-Stellenanzeigen eine wichtige Rolle. Welche Technologien setzt du ein und wie sorgt die KI dafür, dass Nutzer passende Jobangebote entdecken?

Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Bestandteil der technischen Infrastruktur von Scrolljob.

Wir setzen KI-Modelle ein, um die erfassten Video-Stellenanzeigen automatisiert zu analysieren und zu klassifizieren.

Dabei werden sowohl Informationen aus den Anzeigentexten als auch aus den Videoinhalten ausgewertet. Die KI hilft uns beispielsweise dabei zu erkennen, welcher Beruf gesucht wird, zu welcher Branche das Angebot gehört und für welche Region die Stelle relevant ist.

Gleichzeitig unterstützt sie dabei, Inhalte herauszufiltern, bei denen es sich nicht um passende Stellenanzeigen handelt.

Aus diesen Informationen entsteht ein strukturierter Katalog aus Video-Stellenanzeigen, den Nutzer nach Berufsfeld und Standort durchsuchen beziehungsweise filtern können.

Ohne diese Automatisierung wäre das in dieser Größenordnung kaum möglich. Als Solo-Gründer könnte ich nicht Tausende Videos manuell anschauen, kategorisieren und regelmäßig aktualisieren.

Die KI hilft mir deshalb nicht nur bei der Weiterentwicklung des Produkts, sondern ermöglicht überhaupt erst den effizienten Betrieb der Plattform.

Langfristig möchte ich diese Technologie weiterentwickeln, damit Nutzer noch relevantere Stellenangebote entdecken können, ohne jedes Mal aufwendig danach suchen zu müssen.

Scrolljob wurde erst im Mai 2026 gegründet und bislang vollständig eigenfinanziert aufgebaut. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, eine solche Plattform ohne Investoren und als Solo-Gründer zu entwickeln?

Als Solo-Gründer ist die größte Herausforderung definitiv, dass man viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig übernehmen muss.

An einem Tag entwickelt man neue Funktionen, löst technische Probleme, verbessert die Benutzeroberfläche und beschäftigt sich gleichzeitig mit Marketing, Strategie und Geschäftsmodell.

Dabei muss man ständig Prioritäten setzen, weil die Liste an Ideen meistens deutlich länger ist als die verfügbare Zeit.

Ich habe Scrolljob seit der Gründung vollständig eigenfinanziert aufgebaut. Das bedeutet, dass ich sehr bewusst mit meinen Ressourcen umgehen und viele Dinge selbst lösen muss.

Gleichzeitig sehe ich darin auch einen großen Vorteil.

Ich kann Entscheidungen schnell treffen, neue Ideen direkt ausprobieren und die Plattform so entwickeln, wie ich es für die Nutzer am sinnvollsten halte, ohne mich nach den Erwartungen externer Investoren richten zu müssen.

Ein enormer Vorteil sind heute moderne KI-Werkzeuge und Automatisierungsmöglichkeiten. Damit lassen sich Prozesse aufbauen, für die man vor einigen Jahren wahrscheinlich ein größeres Team benötigt hätte.

Ein Beispiel ist unsere automatisierte Verarbeitung und Klassifikation der Video-Stellenanzeigen.

Natürlich bringt das alles viel Verantwortung mit sich. Aber für mich ist es unglaublich motivierend zu sehen, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine funktionierende Plattform mit bereits über 10.000 Stellenanzeigen geworden ist.

Während Scrolljob für Bewerber kostenlos ist, muss die Plattform langfristig wirtschaftlich funktionieren. Auf welchem Geschäftsmodell basiert dein Konzept und wie möchtest du Unternehmen als Kunden gewinnen?

Für Bewerber soll Scrolljob dauerhaft kostenlos bleiben.

Unser Geschäftsmodell richtet sich an Unternehmen, die ihre offenen Stellen sichtbarer machen und neue Mitarbeiter gewinnen möchten.

Geplant sind unter anderem Möglichkeiten, Video-Stellenanzeigen direkt auf Scrolljob zu veröffentlichen und durch zusätzliche Platzierungen im Feed hervorzuheben.

Viele Unternehmen investieren heute bereits erhebliche Budgets in Recruiting-Kampagnen auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen.

Der Vorteil von Scrolljob ist, dass diese Unternehmen ihre bestehenden Videos zusätzlich in einer Umgebung präsentieren können, in der es ausschließlich um Jobs und berufliche Möglichkeiten geht.

Während eine Recruiting-Anzeige auf Social Media zwischen Unterhaltungsvideos und anderen Werbeanzeigen erscheint, treffen Unternehmen auf Scrolljob auf Menschen, die sich gezielt oder auch spontan mit neuen beruflichen Möglichkeiten beschäftigen.

Besonders wichtig ist mir, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen einen einfachen Zugang bekommen, ohne komplizierte technische Voraussetzungen oder große Recruiting-Abteilungen.

Langfristig möchte ich ein Geschäftsmodell aufbauen, das Unternehmen einen messbaren Mehrwert bietet und gleichzeitig sicherstellt, dass Jobsuchende die Plattform kostenlos nutzen können.

Viele Menschen verbringen täglich Zeit auf Social-Media-Plattformen, suchen ihren nächsten Job aber weiterhin über klassische Stellenportale. Wie möchtest du diese Gewohnheiten verändern und welche Zielgruppen erreichst du mit Scrolljob besonders gut?

Ich glaube, dass man die Gewohnheiten der Menschen gar nicht grundlegend verändern muss. Man muss sie sinnvoll nutzen.

Menschen sind längst daran gewöhnt, Inhalte über kurze Videos zu entdecken. Sie scrollen durch ihren Feed und entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob etwas für sie interessant ist.

Warum sollte dieses Prinzip nicht auch bei der Jobsuche funktionieren?

Genau hier setzt Scrolljob an.

Statt zuerst eine Berufsbezeichnung eingeben und lange Ergebnislisten durchsuchen zu müssen, können Nutzer einfach durch Video-Stellenanzeigen scrollen und neue Arbeitgeber entdecken.

Besonders interessant ist dieser Ansatz für die Generation Z und junge Menschen, die mit TikTok, Instagram Reels und ähnlichen Formaten aufgewachsen sind.

Aber ich sehe das Potenzial deutlich breiter.

Auch erfahrene Fachkräfte aus Handwerk, Pflege, Logistik und Gastronomie können von einer einfacheren und visuelleren Jobsuche profitieren.

Eine besonders wichtige Zielgruppe sind außerdem Menschen, die aktuell beschäftigt sind, aber grundsätzlich offen für einen Jobwechsel wären.

Diese Menschen besuchen möglicherweise keine klassischen Jobportale. Wenn sie aber ein interessantes Video sehen, das einen sympathischen Arbeitgeber oder bessere Arbeitsbedingungen zeigt, kann daraus spontan Interesse entstehen.

Wenn sie sich dann auch noch mit wenigen Angaben bewerben können und anschließend einen Rückruf erhalten, wird der gesamte Prozess deutlich einfacher.

Genau diese Verbindung aus Entdecken und unkompliziertem Bewerben möchte ich mit Scrolljob schaffen.

Der Markt für digitale Jobvermittlung ist stark umkämpft. Was unterscheidet Scrolljob von etablierten Jobbörsen und anderen Recruiting-Plattformen, und wo siehst du deinen größten Wettbewerbsvorteil?

Der größte Unterschied liegt für mich im gesamten Nutzererlebnis.

Klassische Jobbörsen funktionieren hauptsächlich wie Suchmaschinen. Man gibt einen Beruf und einen Standort ein und erhält eine Liste aus Textanzeigen.

Scrolljob funktioniert dagegen wie eine Entdeckungsplattform.

Nutzer müssen nicht unbedingt wissen, wonach sie suchen. Sie können durch echte Video-Stellenanzeigen scrollen, Arbeitgeber kennenlernen und innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob sie eine Stelle interessant finden.

Ein weiterer Unterschied ist unsere technische Infrastruktur.

Wir nutzen bereits vorhandene Video-Recruiting-Inhalte, die von Unternehmen und Recruiting-Agenturen produziert werden, und bereiten diese mithilfe einer automatisierten KI-Pipeline für unsere Plattform auf.

Damit können wir ein großes Angebot an Video-Stellenanzeigen bereitstellen, ohne jede einzelne Anzeige manuell erstellen zu müssen.

Hinzu kommt der direkte Übergang in bestehende Recruiting-Funnels.

Nutzer entdecken einen Job im Video, geben bei Interesse häufig nur ihre grundlegenden Kontaktdaten ein und können anschließend bereits von einer Recruiting-Agentur oder dem Unternehmen kontaktiert werden.

Für mich liegt der Wettbewerbsvorteil genau in dieser Kombination aus authentischen Arbeitgebervideos, automatisierter Technologie und einem möglichst einfachen Bewerbungsprozess.

Ich möchte nicht einfach eine weitere Jobbörse aufbauen, sondern die Art, wie Menschen neue berufliche Möglichkeiten entdecken, grundlegend moderner gestalten.

Datenschutz und Vertrauen spielen bei Bewerbungen eine entscheidende Rolle. Welche Bedeutung haben das Hosting in Deutschland und der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten für deine Plattform?

Datenschutz ist für mich ein grundlegender Bestandteil von Scrolljob.

Gerade bei der Jobsuche geht es um sensible Informationen. Vielleicht möchte jemand den Arbeitgeber wechseln, ohne dass sein aktuelles Unternehmen davon erfährt.

Deshalb ist mir wichtig, dass Scrolljob in Deutschland gehostet wird und wir beim Umgang mit personenbezogenen Daten die Anforderungen der DSGVO berücksichtigen.

Ein zentraler Grundsatz ist dabei die Datensparsamkeit.

Nutzer können auf Scrolljob Stellenangebote entdecken, ohne vorher ein umfangreiches Profil erstellen oder ihren Lebenslauf auf unserer Plattform hochladen zu müssen.

Wenn sich jemand für eine Stelle interessiert, wird er über den Bewerbungsbutton zum jeweiligen Bewerbungsprozess des Unternehmens oder der zuständigen Recruiting-Agentur weitergeleitet.

Die eigentliche Bewerbung findet somit in der Regel im jeweiligen Recruiting-Funnel statt und nicht in einem umfangreichen Bewerberverwaltungssystem von Scrolljob.

Mir ist wichtig, dass die Abläufe für Nutzer nachvollziehbar sind und sie wissen, an wen sie ihre Bewerbungsdaten übermitteln.

Ich bin überzeugt, dass eine moderne Recruiting-Plattform nicht möglichst viele persönliche Daten sammeln muss, sondern Menschen möglichst einfach mit passenden Arbeitgebern verbinden sollte.

Wenn du auf die kommenden Jahre blickst: Welche Ziele verfolgst du mit Scrolljob, welche Weiterentwicklungen sind geplant und wo soll die Plattform in fünf Jahren stehen?

Mein erstes großes Ziel ist es, Scrolljob in Deutschland als bekannte Plattform für videobasierte Jobsuche zu etablieren.

Dafür möchte ich das Angebot an Video-Stellenanzeigen kontinuierlich erweitern, die Qualität der Inhalte verbessern und die Benutzererfahrung noch intuitiver gestalten.

Ein wichtiger nächster Schritt ist außerdem, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Video-Stellenanzeigen direkt auf Scrolljob zu veröffentlichen und zu verwalten.

Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz sehe ich großes Potenzial. Langfristig soll der Feed noch besser erkennen können, welche Jobs für Nutzer interessant sein könnten, und relevante Stellenangebote entsprechend präsentieren.

Darüber hinaus möchte ich den gesamten Weg von der Entdeckung einer Stelle bis zur Bewerbung noch einfacher gestalten.

Schon heute führen viele unserer Anzeigen zu Recruiting-Funnels, bei denen wenige Angaben ausreichen, um den ersten Kontakt zu einem potenziellen Arbeitgeber herzustellen.

Diesen Gedanken möchte ich konsequent weiterentwickeln.

Mittelfristig kann ich mir außerdem vorstellen, Scrolljob auf weitere europäische Märkte auszuweiten.

In fünf Jahren möchte ich, dass Scrolljob für videobasierte Jobsuche genauso selbstverständlich ist, wie es heute ist, durch Social Media zu scrollen.

Meine Vision ist, dass Menschen nicht mehr erst lange Stellenanzeigen lesen müssen, um herauszufinden, ob ein Arbeitgeber zu ihnen passt.

Sie sollen einen Job sehen, ein Gefühl für das Unternehmen bekommen und bei Interesse innerhalb weniger Sekunden den ersten Schritt in Richtung eines neuen Arbeitsplatzes machen können.

Wenn Scrolljob dazu beiträgt, dass Menschen schneller passende Arbeitgeber finden und Unternehmen einfacher neue Mitarbeiter erreichen, dann haben wir etwas wirklich Wertvolles geschaffen.

Foto: privat/mit ki verbessert

Wir bedanken uns bei Sufian Bourkha für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Lernen mit System: Wie Clarity den Lernalltag revolutioniert

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Clarity: Audecius verbindet Lernen und Organisation Moritz Zinecker

Mit Clarity entwickelt das Startup Audecius eine App, die Lernen, Aufgabenverwaltung und persönliche Organisation miteinander verbindet. Im Interview erklärt Gründer Moritz Zinecker, wie er Schülerinnen und Schüler mit digitalen Funktionen und künftig auch KI beim selbstständigen Lernen unterstützen möchte.

Moritz, kannst du dich und Audecius kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, mit Clarity eine Anwendung zu entwickeln, die Lernen, Aufgaben und persönliche Organisation miteinander verbindet?

Ich bin Moritz Zinecker, Gründer und Geschäftsführer von Audecius in Nieder-Olm. Clarity entwickle ich als Solo-Gründer. Die Idee ist eng mit meinem eigenen Bildungsweg verbunden: Ich habe einen Schulabschluss in Deutschland gemacht, während eines Auslandsjahres in den USA einen Highschool-Abschluss erworben und ein Studium an Stanford begonnen. Außerdem sind beide meine Eltern Lehrkräfte.

Dadurch habe ich unterschiedliche Bildungssysteme und viele Perspektiven auf Schule, Lernen und Organisation kennengelernt. Ich konnte Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und sehen, wie unterschiedlich Menschen ihren Alltag bewältigen. Aus diesen Erfahrungen sind Clarity und Audecius entstanden. Mit Clarity möchte ich Lernen, Aufgaben und persönliche Planung so verbinden, dass Menschen im Alltag leichter ins Handeln kommen.

Mit Clarity möchtest du Kalender, Aufgabenverwaltung und Lernfunktionen in einer einzigen App zusammenführen. Welches konkrete Problem möchtest du damit lösen und welche Vision verfolgst du langfristig mit Audecius?

Ein Prüfungstermin sagt, bis wann etwas gelernt sein sollte. Eine Aufgabenliste zeigt, was noch offen ist. Dazwischen liegt häufig die entscheidende Frage: Womit beginne ich heute, und wie viel Zeit kann ich dafür realistisch einplanen? Genau diesen Übergang bearbeitet Clarity.

Lernstoff, Aufgaben und Planung sollen zusammenpassen. Wer eine Lerneinheit bearbeitet, soll anschließend leichter entscheiden können, was als Nächstes sinnvoll ist. Langfristig möchte ich mit Audecius eine Umgebung schaffen, die Menschen beim Lernen und Organisieren verlässlich begleitet. KI soll dabei helfen, Zusammenhänge verständlich zu machen und passende nächste Schritte vorzubereiten. Die Entscheidungen sollen nachvollziehbar bleiben und in der Hand der Nutzer liegen.

Viele Menschen nutzen bereits unterschiedliche Apps, um ihren Alltag zu organisieren und Lernziele zu verfolgen. Was unterscheidet Clarity von bestehenden Lösungen und welchen Mehrwert bietet die Verbindung von Zeitmanagement und Lernen?

Der Ansatz liegt in den Übergängen zwischen den einzelnen Tätigkeiten. Nehmen wir einen Nachmittag vor einer Mathematikarbeit: Eine Aufgabe ist notiert, Material liegt bereit, im Kalender ist noch eine halbe Stunde frei. Clarity soll diese Informationen so zusammenführen, dass daraus ein konkreter Lernschritt werden kann.

Dazu gehören die fachliche Bearbeitung, ein passender Zeitrahmen und später die Entscheidung über weitere Übung. Die bereits veröffentlichte Schul-App liefert mit Kalender, Aufgaben, Karteikarten und Fokus-Timer eine Grundlage. Die nächste Generation soll diese Bereiche enger verbinden. Der angestrebte Mehrwert ist, beim Wechsel vom Organisieren ins Lernen weniger Zusammenhang selbst wiederherstellen zu müssen.

Ein wichtiger Bestandteil deines Produktkonzepts ist der KI-Assistent Ariadne. Welche Aufgaben soll Ariadne künftig übernehmen und wie kann künstliche Intelligenz dabei helfen, Lernprozesse individueller und effektiver zu gestalten?

Ariadne soll an der konkreten Situation ansetzen: an einer Aufgabe, ausgewähltem Material oder der Frage, wie sich ein Lernvorhaben in den Tag einfügt. Denkbar sind verständliche Erklärungen, Rückfragen und passende Übungsvorschläge, die auf die jeweilige Bearbeitung eingehen. So könnte Unterstützung dort beginnen, wo jemand tatsächlich festhängt.

Für diese Individualisierung ist entscheidend, welcher Kontext ausdrücklich zur Verfügung steht. Mehr persönliche Daten führen nicht automatisch zu besserer Hilfe. Zum Konzept gehören deshalb ausgewählte Quellen und nachvollziehbare Vorschläge. Bei unterstützten Änderungen soll die Person erkennen können, was passieren würde, und darüber entscheiden. Diese Rolle von Ariadne gehört zur Entwicklung der nächsten Clarity-Generation.

Anhand eines Lernbeispiels zu linearen Funktionen zeigst du, wie Aufgaben, Rückmeldungen und Reflexion miteinander verbunden werden können. Wie funktioniert dieses Konzept konkret und welche pädagogischen Überlegungen stehen dahinter?

Ein Beispiel ist die Lerneinheit „Steigung aus Kontexten lesen“. Darin geht es unter anderem um einen Tank und die Frage, was b = 120 bedeutet. Die passende Antwort lautet: Zu Beginn sind 120 Liter im Tank. Der Hinweis „Setze t = 0“ führt zur Begründung und hilft, Anfangswert und Änderungsrate auseinanderzuhalten.

Die Lerneinheit verbindet solche Aufgaben mit Rückmeldungen und offener Reflexion. Pädagogisch steckt dahinter der Gedanke des selbstregulierten Lernens: eine Aufgabe bearbeiten, den eigenen Stand einordnen und den nächsten Schritt wählen. Die Verbindung mit der Planung soll helfen, für diesen Schritt auch Zeit zu finden. Das ist ein Gestaltungsansatz, dessen Nutzen im Lernalltag erprobt werden muss.

Audecius befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Welche Funktionen sind im bisherigen Prototyp bereits umgesetzt, welche befinden sich noch in der Planung und welche technischen Herausforderungen musst du bis zur Marktreife bewältigen?

Hier sind zwei Entwicklungsstände wichtig. Clarity School ist mit Version 1.1 bereits im App Store. Die veröffentlichte Beschreibung nennt unter anderem Kalender, Hausaufgaben, Projekte, Noten, Karteikarten und einen Fokus-Timer. Clarity 2 ist die nächste Generation in Entwicklung.

Der Lernprototyp enthält konkrete Aufgaben, Hinweise und Reflexion, etwa zu linearen Funktionen. Weiterentwickelt werden die Verbindung von Lernen und Planung sowie die kontextbezogene Unterstützung durch Ariadne. Weitere Ideen, etwa Vorschläge zu den Folgen einer Terminverschiebung, sind als Vorschau eingeordnet. Bis zur Veröffentlichung müssen die Übergänge verständlich, Datenstände konsistent und die verschiedenen Funktionen im Zusammenspiel verlässlich sein. Ein konkreter Veröffentlichungstag ist noch nicht bestätigt.

Mit Clarity bewegst du dich an der Schnittstelle zwischen Bildungstechnologie und Produktivitätssoftware. Welche Zielgruppen möchtest du zunächst erreichen und wie unterscheiden sich deren Anforderungen an eine solche Anwendung?

Unsere wichtigste Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler. Sie müssen Unterricht, Hausaufgaben, Prüfungsvorbereitung und Freizeit miteinander vereinbaren. Für sie zählen ein einfacher Einstieg, ein übersichtlicher Lernalltag und ein Preis, der auch mit einem kleinen Budget erreichbar ist.

Darüber hinaus richtet sich Clarity an Eltern, Austauschschüler, Lehrkräfte und Menschen, die ihren Alltag besser organisieren möchten. Die Anforderungen unterscheiden sich: Familien brauchen Abstimmung und bewusste Freigaben, Austauschschüler Orientierung zwischen Schule, Sprache und einem neuen Umfeld. Lehrkräfte benötigen fachlich prüfbare Inhalte und klare Zuständigkeiten. Clarity soll diese unterschiedlichen Bedürfnisse in passenden Arbeitsbereichen aufgreifen, ohne den persönlichen Alltag aus dem Blick zu verlieren.

Du hast Audecius im August 2026 als Solo-Gründer ins Leben gerufen, nachdem bereits im Juni ein erster funktionsfähiger Prototyp entstanden war. Wie verlief dieser Weg von der ersten Idee zur Unternehmensgründung und welche Herausforderungen bringt es mit sich, Produktentwicklung und Unternehmensaufbau allein zu verantworten?

Im Juni lag bereits eine fertige Beta der nächsten Appgeneration vor, an deren Veröffentlichung ich heute arbeite. Darauf bezieht sich die Juni-Angabe. Die frühere Clarity School ist bereits im App Store veröffentlicht. Parallel zur Entwicklung liefen die Vorbereitungen und die Anmeldung des Unternehmens; im August 2026 habe ich Audecius gegründet.

Die größte Herausforderung als Solo-Gründer ist die Breite der Aufgaben. Ich arbeite mich in sehr viele Themen ein, betreue mehrere Bereiche gleichzeitig und mache vieles zum ersten Mal. Dazu kommt der Umfang des Projekts selbst. Produktentwicklung und Unternehmensaufbau laufen parallel. Das verlangt, den Überblick zu behalten und immer wieder zu entscheiden, was als Nächstes wichtig ist.

Gerade bei KI-gestützten Lernanwendungen spielen die Qualität der Ergebnisse und der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten eine wichtige Rolle. Wie möchtest du sicherstellen, dass Clarity zuverlässige Unterstützung bietet und gleichzeitig Datenschutz und Nutzervertrauen gewährleistet?

Bei der veröffentlichten Schul-App beschreibt der App-Store-Eintrag eine lokale Speicherung ohne notwendiges Konto. Die für die nächste Generation geplanten Konto-, Cloud- und KI-Funktionen bringen eigene Datenwege mit sich. Für diese Erweiterungen soll nachvollziehbar sein, welche Informationen für welchen Zweck verwendet werden und was eine Person freigibt.

Zur Qualität gehört ebenso, die Grenzen von KI sichtbar zu machen. Generierte Erklärungen und Aufgaben können Fehler enthalten und müssen fachlich überprüfbar bleiben. Pädagogische Entscheidungen gehören in die Verantwortung von Menschen. Das Ziel ist eine Unterstützung, deren Hinweise, Quellen und Handlungsspielräume verständlich sind. Vertrauen muss sich in der tatsächlichen Nutzung bewähren, gerade wenn die Anwendung im schulischen Umfeld eingesetzt werden soll.

Der Markt für Lern- und Produktivitätsapps ist bereits von etablierten Anbietern geprägt. Wie möchtest du Clarity in diesem Wettbewerbsumfeld positionieren und welche Strategie verfolgst du, um erste Nutzer zu gewinnen und deren Rückmeldungen in die Entwicklung einzubeziehen?

Wir positionieren Clarity an der Verbindung von Lernen und persönlicher Organisation. Der Nutzen soll an konkreten Alltagssituationen erkennbar werden: eine Hausaufgabe festhalten, Lernzeit finden und anschließend mit dem passenden Material arbeiten. Der kostenlose Einstieg ist dabei besonders für Schülerinnen und Schüler wichtig. Sie können Clarity kennenlernen und selbst beurteilen, ob es ihnen hilft.

Rückmeldungen erhalten wir über unseren eigenen Support, Bewertungen im App Store und unsere Website. Für die Weiterentwicklung zählt, an welchen Stellen Menschen tatsächlich Schwierigkeiten haben und welche Funktionen ihnen im Alltag fehlen. Solche Rückmeldungen sollen helfen, Prioritäten zu setzen und Clarity entlang der tatsächlichen Nutzung weiterzuentwickeln.

Neben der technischen Umsetzung ist auch ein tragfähiges Geschäftsmodell entscheidend. Wie planst du die Finanzierung von Audecius, welche Möglichkeiten zur Monetarisierung siehst du für Clarity und kommt für dich langfristig auch externes Kapital infrage?

Unser Geschäftsmodell richtet sich besonders an Schülerinnen und Schüler. Sie sollen Clarity kostenlos im Alltag nutzen können. Wenn sie mit dem Produkt zufrieden sind und mehr Speicher, zusätzliche Leistung, höhere KI- oder Funktionslimits beziehungsweise Pro-Funktionen benötigen, ist für Lernende mit bestätigter Berechtigung ein Plus-Upgrade für 4,99 Euro im Monat vorgesehen. Die Entscheidung für ein kostenpflichtiges Angebot soll aus dem erlebten Nutzen entstehen.

Dieses Modell gehört zur nächsten Appgeneration und soll eine Grundlage für den langfristigen Betrieb und die Weiterentwicklung schaffen. Für externes Kapital und Investoren sind wir sehr offen. Eine Finanzierung kann uns dabei helfen, die Entwicklung voranzutreiben und die nächsten Schritte beim Aufbau von Audecius zu ermöglichen.

Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst: Welche Ziele möchtest du mit Audecius erreichen, wie soll sich Clarity weiterentwickeln und welchen Beitrag möchtest du zur Zukunft des digitalen Lernens leisten?

In fünf Jahren soll Clarity die größte App für Organisation und Lernen in Deutschland sein und auch international viele Menschen erreichen. Darüber hinaus möchte ich Audecius im Bereich Auslandsjahr und internationaler Austausch fest etablieren.

Ein weiteres langfristiges Ziel ist, zu einem wichtigen Anbieter für die digitale Sicherheit von Kindern im Netz zu werden. Im schulischen Lernen wollen wir eine Vorreiterrolle dabei einnehmen, KI sinnvoll und wirksam einzusetzen. Clarity soll Lernende dabei unterstützen, Inhalte zu verstehen, eigenständig zu arbeiten und ihren Lernalltag zu organisieren. Diese Ziele geben die Richtung vor. Entscheidend ist, daraus Schritt für Schritt Produkte zu entwickeln, die sich im Alltag bewähren.

Foto: Moritz Zinecker

Wir bedanken uns bei Moritz Zinecker für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Italienisches Design trifft D2C: Wie nydo den Sofakauf digital und transparent revolutioniert

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nydo: Sofas mit Design und persönlichem Service FounderTeam Bild Copyright nydo

nydo setzt auf Sofas mit ausdrucksstarkem Design, hochwertigen Materialien und einem direkten Vertriebsmodell. Im Interview erklärt Gründer Henk Waninge, wie er den Sofakauf vereinfachen und eine europäische Interior-Marke aufbauen möchte.

Können Sie nydo kurz vorstellen und erzählen, warum Sie ausgerechnet mit dem Sofa als erstem Produkt gestartet sind?

nydo ist eine deutsche Sofamarke, die ausdrucksstarkes, italienisch inspiriertes Design, hochwertige Materialien und langlebigen Komfort vereint. Unser Direktvertriebsmodell macht diese Qualität zu fairen Preisen zugänglich. Unsere Sofas werden auf Bestellung in Europa handgefertigt; ein verlässlicher, unkomplizierter Premium-Service gehört für uns ebenso dazu. Aktuell konzentrieren wir uns auf Sofas und Sessel; langfristig wollen wir unser Sortiment gezielt erweitern. Unsere Produkte sind direkt über den Onlineshop, in unseren Showrooms sowie über ausgewählte Handelspartner und Marktplätze wie Breuninger erhältlich.

Wir haben aus drei Gründen mit dem Sofa begonnen. Erstens ist es das emotionale Zentrum des Alltags zu Hause: Es prägt den Raum und sagt viel über die Menschen aus, die dort leben. Zweitens ist der Kauf eines hochwertigen Sofas oft unnötig teuer, umständlich und wenig persönlich. Drittens gehört es zu den größten und am sorgfältigsten abgewogenen Anschaffungen fürs zuhause. Ein Sofa soll Menschen viele Jahre begleiten und zu ihrem Alltag passen. Wenn wir bei dieser Entscheidung Vertrauen schaffen, legen wir eine gute Grundlage für weitere Produktkategorien.

Wer steht hinter nydo, und welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen D2C-Karriere fließen heute besonders stark in das Unternehmen ein?

Ich bin Henk Waninge, Gründer und CEO von nydo. Aufgewachsen bin ich in Gorredijk, im ländlichen Norden der Niederlande, in einer Familie, die seit Generationen Unternehmen führt. Bodenständigkeit, eine starke Arbeitsmoral und die Bereitschaft, Chancen zu ergreifen, haben mich geprägt.

Vor nydo war ich mehrere Jahre bei Emma, einer der weltweit größten D2C-Marken für Schlafprodukte. Dort habe ich zunächst den niederländischen Markt verantwortet und das Geschäft in einem der etabliertesten Märkte mehr als verdreifacht. Danach habe ich als Head of Retail Europe den stationären Vertrieb in mehreren Ländern von Grund auf aufgebaut. Dabei habe ich gelernt, wie digitales Denken und persönliche Erlebnisse vor Ort zusammenwirken müssen; eine Erfahrung, die ich heute bei nydo einbringe.

Das spiegelt sich auch in unserem Team wider: Teresa habe ich bewusst als zweite Person ins Team geholt. Sie verantwortet bei uns Marke und Kundenerlebnis und achtet sehr genau darauf, wie Kund:innen nydo tatsächlich erleben. Melle verantwortet Business Development und Growth und bringt aus seiner Zeit bei Emma einen strukturierten Blick auf die Geschäftsentwicklung mit. Nik leitet unseren operativen Bereich und war zuvor bei Westwing. Was uns verbindet: Wir haben alle erlebt, worauf es ankommt, wenn man das Kundenerlebnis konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Mehr als 500 verkaufte Sofas im ersten Jahr sind ein wichtiger Meilenstein. Welche Erkenntnis über Ihre Kunden hat Sie dabei am meisten überrascht?

Am meisten hat mich überrascht, wie offen viele Kund:innen in Deutschland dafür sind, ein Sofa zu kaufen, ohne es vorher persönlich gesehen zu haben. Ich hatte mit mehr Zurückhaltung gerechnet. Stattdessen haben uns viele Kund:innen ihr Vertrauen geschenkt. Für mich zeigt das, dass sich auch bei größeren Anschaffungen zunehmend Vertrauen in digitale Kaufprozesse entwickelt.

Oft hören wir auch, dass Kund:innen nydo als nahbar erleben. Vielleicht liegt das an meinen niederländischen Wurzeln: Ich bin mit einer eher direkten und weniger formellen Art aufgewachsen. Das merkt man auch daran, wie unser Team mit Kund:innen spricht: auf Augenhöhe, herzlich und ohne aufgesetzt zu wirken. Dass guter Service dazugehört, war mir klar. Überrascht hat mich, wie oft Kund:innen ihn in ihren Rückmeldungen ausdrücklich erwähnen und wertschätzen.

Der Sofakauf ist häufig mit langen Lieferzeiten, großen Sortimenten und komplexen Entscheidungen verbunden. Was möchten Sie mit nydo bewusst anders machen?

Wir haben den klassischen Sofakauf Schritt für Schritt hinterfragt und uns gefragt: Muss das wirklich sein? Vieles geht auch einfacher. Konkret setzen wir an drei Punkten an:

Wir halten unser Sortiment bewusst übersichtlich. Statt immer mehr Modelle und Varianten anzubieten, konzentrieren wir uns auf Designs und Stoffe, hinter denen wir wirklich stehen. Jede Kollektion hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Gestaltungssprache. So geben wir Orientierung, statt Kund:innen mit einer endlosen Auswahl allein zu lassen.

Unsere Sofas werden auf Bestellung gefertigt. Deshalb kommunizieren wir realistische Lieferzeiten: Lieber nennen wir acht Wochen und halten sie ein, als zwei Wochen zu versprechen und zu enttäuschen.

Bei einer so großen Anschaffung sollen sich Kund:innen gut begleitet fühlen. Dafür bieten wir Stoffmuster für zu Hause, ehrliche Beratung im Showroom und einen 100-Tage-Probezeitraum an, um das Sofa daheim auszuprobieren. So möchten wir ihnen helfen, die für sie richtige Entscheidung zu treffen.

Sie setzen auf individuelle Konfigurationsmöglichkeiten, wollen gleichzeitig aber unnötige Komplexität vermeiden. Wie gelingt dieser Spagat?

Bei jeder Konfigurationsmöglichkeit fragen wir uns: Hilft sie Kund:innen, ein passendes Sofa zu finden, oder macht sie die Entscheidung nur komplizierter?

Maße, Stoffe, Farben und Modulkombinationen beeinflussen, ob ein Sofa zum Raum und zum Alltag passt. Deshalb bieten wir gerade hier Gestaltungsspielraum. Bei den Stoffen treffen wir eine bewusste Vorauswahl: Aus dem größeren Angebot unserer Lieferanten wählen wir Materialien und Farbtöne, die zu unseren Sofas passen, aktuelle Entwicklungen im Interior Design aufgreifen und sich im Alltag bewähren. Wir bieten lieber eine durchdachte Auswahl als möglichst viele Varianten.

Ein Sofa ist ein Produkt, das viele Kunden vor dem Kauf sehen und ausprobieren möchten. Welche Herausforderung bedeutet das für ein Direct-to-Customer-Modell?

Das ist eine der spannendsten operativen Fragen rund um unser Geschäftsmodell. Wir begegnen ihr mit verschiedenen Kanälen und jeweils passenden Abläufen

Ein Sofa möchte man oft probesitzen, Stoffe fühlen und Farben bei natürlichem Licht sehen. Das ermöglichen unsere Showrooms in München, Dreieich, Nürnberg und Schlieren bei Zürich. Stoffmuster schicken wir auf Wunsch auch nach Hause.

Die eigentliche Herausforderung ist weniger, Kund:innen für den Onlinekauf zu gewinnen, als passende Ladenflächen an den richtigen Standorten zu finden. Gute Flächen sind selten, und wenn sich eine Gelegenheit ergibt, muss man schnell sein. Deshalb freue ich mich besonders auf den nächsten Schritt: Bald eröffnen wir unseren ersten Flagship-Store in Berlin. Das ist ein wichtiger Meilenstein für uns.

Mit Breuninger arbeiten Sie inzwischen auch mit einem etablierten Retailpartner zusammen. Welche Rolle soll der stationäre Handel künftig neben Ihrem D2C-Geschäft spielen?

Wir arbeiten mit Breuninger über den Marktplatz zusammen und sind stolz darauf, dort als erste Marke Sofas und Sessel anzubieten.

Solche Partnerschaften stehen nicht im Widerspruch zu unserem Direct-to-Consumer-Modell, sondern ergänzen es. Über Handelspartner und Marktplätze wie Breuninger erreichen wir Kund:innen in einem Umfeld, das sie kennen und dem sie vertrauen.

Gleichzeitig achten wir darauf, keine zusätzlichen Vertriebsstufen zu schaffen, die den Preis erhöhen, ohne Kund:innen einen entsprechenden Nutzen zu bieten. Deshalb verbinden wir den direkten Verkauf über unseren Onlineshop mit eigenen Showrooms und Stores sowie ausgewählten Partnern. So schaffen wir verschiedene Wege zu nydo und behalten dabei den direkten Kontakt und die persönliche Betreuung im Blick.

Design, Komfort und Praktikabilität versprechen viele Möbelmarken. Wodurch soll nydo langfristig eine eigenständige Position im Markt aufbauen?

Wir wollen konsequent bei dem bleiben, wofür nydo steht, statt alles für alle sein zu wollen.

Deutsche Traditionsmarken sind oft stark mit „Made in Germany“ verbunden. Italienische Designhäuser stehen für ikonisches italienisches Design, sind aber häufig im höheren Preissegment und über klassische Handelsstrukturen angesiedelt. Viele Online-Anbieter stellen vor allem Preis und Funktion in den Vordergrund.

Mit nydo wollen wir eine Lücke im Markt schließen: Wir entwickeln Sofas mit Persönlichkeit; ausdrucksstark im Design, kompromisslos komfortabel und gemacht für das echte Leben. Dazu gehört für uns auch der direkte Draht zu unseren Kund:innen. Diese Kombination findet man am Markt bislang kaum.

Langfristige Unterscheidbarkeit entsteht nicht allein durch die Positionierung. Entscheidend ist, wie konsequent wir unseren Anspruch im Alltag einlösen: bei der Auswahl unserer Stoffe, bei durchdachten Details, in der persönlichen Beratung und in unserer offenen Kommunikation – besonders dann, wenn etwas nicht wie geplant läuft.

Sie verzichten bewusst auf künstliche Verknappung und möchten transparent mit Ihren Kunden umgehen. Warum ist Vertrauen für Ihr Geschäftsmodell so entscheidend?

Wenn Kund:innen mehrere tausend Euro für ein Sofa ausgeben sollen, das sie vor dem Kauf nicht anfassen können und das einige Wochen nach der Bestellung bei ihnen zu Hause ankommt, ist Vertrauen kein nettes Extra. Es ist die Grundlage unseres Geschäftsmodells.

Gerade in der frühen Phase unseres Unternehmens zählen vor allem zwei Dinge: Trust & Traction. Vertrauen schafft die Voraussetzung dafür, am Markt Fuß zu fassen. Die daraus entstehende Nachfrage und Resonanz bringen das Unternehmen voran. Vieles andere baut auf diesen beiden Faktoren auf.

Deshalb setzen wir auf nachvollziehbare Preise und offene Informationen. Der Preis soll das Sofa und eine faire Marge abbilden, nicht unnötige Vertriebsstufen. Mit dem 100-Tage-Probezeitraum können Kund:innen ihr Sofa zu Hause ausprobieren und herausfinden, ob es zu ihnen passt.

Vom Produkt über Logistik bis zum Kundenservice ist der Möbelmarkt operativ anspruchsvoll. Was war im ersten Jahr die größte unternehmerische Herausforderung?

Ganz ehrlich? Ich habe einmal um eine Ladenfläche verhandelt, die ich unbedingt haben wollte. Bei den weniger wichtigen Vertragsdetails habe ich zu hart verhandelt, weil ich noch das Maximum herausholen wollte – und dadurch den Standort verloren. Das hat wehgetan.

Wir waren damals nur zu dritt und hatten noch kein eigenes Team für den stationären Handel. Also führte ich die Verhandlungen selbst. Rückblickend stand ich mir dabei im Weg. Die Lektion war unangenehm, aber wichtig. Schließlich fanden wir einen noch besseren Standort, doch der Weg dorthin war alles andere als leicht. Die größere Erkenntnis daraus: Jede Stunde, die ich mit Mietvertragsverhandlungen verbringe, fehlt mir für die Marke, das Team oder die nächste Partnerschaft. Als Gründer muss ich genau abwägen, wo meine Zeit wirklich den größten Unterschied macht.

Langfristig soll aus nydo eine Home Brand entstehen. Welche Vision verfolgen Sie dabei und welche nächsten Entwicklungsschritte sind geplant?

Unsere Vision ist, nydo zu einer europäischen Interior-Marke zu entwickeln, die Design, Komfort und faire Preise selbstverständlich verbindet.

Dafür bauen wir unsere Präsenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit zusätzlichen Standorten, stärkeren Partnerschaften und weiteren Investitionen ins Kundenerlebnis aus. Parallel planen wir den Markteintritt in den Niederlanden und Belgien; weitere Märkte prüfen wir mit Blick auf 2027.

Beim Sortiment gehen wir gezielt vor: Neue Kategorien müssen zu nydo passen und unseren Anspruch an Design, Qualität und Alltagstauglichkeit erfüllen. Nur dann entwickeln wir sie – mit derselben Sorgfalt wie unsere Sofas.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine D2C-Marke in einem etablierten Markt aufbauen möchten?

Erstens: Seid ehrlich darin, was das etablierte Modell nicht gut löst, und benennt es klar. Nur wenn ihr das Problem präzise beschreibt, könnt ihr überzeugend zeigen, warum eure Alternative ihr Geld wert ist.

Zweitens: Überlegt genau, welchen Stellenwert das Kundenerlebnis in eurer Kategorie hat. Ein Sofa ist das emotionale Herzstück eines Zuhauses. Man kauft es vielleicht nur alle zehn Jahre und trifft die Entscheidung sehr bewusst. Bei einer Matratze steht dagegen meist eine funktionale und oft dringliche Anschaffung im Vordergrund. Bei emotionalen, überlegten Käufen kann das Kundenerlebnis entscheidend sein.

Drittens: Jagt dem Feedback eurer Kund:innen aktiv hinterher – wartet nicht darauf, dass es von selbst kommt. Fragt sie direkt, ruft sie nach der Lieferung an und beobachtet sie in den Geschäften eurer Handelspartner: Wo zögern sie, wo hakt es, was erzählen sie anderen? Die ersten Kund:innen sind mehr als eine Umsatzquelle. Sie legen das Fundament für euer Unternehmen. Entscheidend ist, Feedback aktiv einzuholen, auszuwerten und die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Verbesserungen umzusetzen.

Fotocredits: nydo

Wir bedanken uns bei Henk Waninge für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Webdesign trifft Automatisierung: Wie Acessio Unternehmensprozesse effizienter macht

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Acessio: Automatisierung und Website für Unternehmen Victor knapp anzug original schwarz weiss fotografie

Acessio verbindet eine moderne Website mit intelligenter Automatisierung, um Unternehmen sichtbarer zu machen und wiederkehrende Aufgaben zu vereinfachen. Gründer Victor Knapp erklärt im Interview, wie er Webdesign und digitale Prozesse zusammenführt, warum der persönliche Kontakt wichtig bleibt und welche Chancen die Digitalisierung für Unternehmen bietet.

Stell dich und Acessio kurz vor.

Mein Name ist Victor Knapp. Mit Acessio habe ich mir das Ziel gesetzt, Unternehmen sichtbarer zu machen und ihnen Zeit zu sparen. Dafür vereinfachen wir Abläufe, automatisieren wiederkehrende Aufgaben und vernetzen Systeme sinnvoll miteinander. Unsere Lösungen werden auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten. Wir begleiten kleine und große Unternehmen, die mehr Kunden erreichen und ihren Arbeitsalltag erleichtern möchten.

Wie ist die Idee entstanden, starke Websites mit den Abläufen von Unternehmen zu verbinden?

Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung mit technischen Abläufen und Automatisierungen gesammelt. Dazu kamen zunehmend Webdesign und die Gestaltung von Benutzeroberflächen, beispielsweise bei Dashboards. Dabei habe ich mich gefragt, warum man eine Website und die Abläufe dahinter eigentlich getrennt planen sollte. Wenn wir ohnehin eine Seite entwickeln, können wir sie doch gleich so aufbauen, dass sie auch die tägliche Arbeit erleichtert.

Daraus ist die Idee entstanden, Gestaltung, Sichtbarkeit und technische Lösungen gemeinsam anzubieten. Kunden sollen einen Ansprechpartner haben, der diese Bereiche zusammenbringt. Davon können Unternehmen jeder Größe profitieren. Wenn sich vorhandene Systeme über passende Schnittstellen verbinden lassen, braucht es nicht zwangsläufig ein großes Entwicklungsbudget. Entscheidend sind die Abläufe und Systeme, die bereits vorhanden sind.

Welche Probleme löst du mit Acessio, und für welche Unternehmen ist dein Angebot besonders interessant?

Wir verbinden zwei Ziele: Unternehmen sollen mehr passende Kunden gewinnen und gleichzeitig mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit haben. Ein durchdachtes Konzept für Sichtbarkeit hilft dabei, Interessenten zu erreichen und aus Interesse konkrete Anfragen zu machen. Die Automatisierung im Hintergrund reduziert anschließend wiederkehrende Verwaltungsaufgaben.

Dadurch bleibt mehr Zeit für Beratung, die Qualität der eigenen Leistung und die Aufgaben, bei denen Menschen den entscheidenden Mehrwert schaffen. Interessant ist das grundsätzlich für jedes Unternehmen, das sich in diesen Bereichen verbessern möchte. Gemeinsam schauen wir, welche Lösung tatsächlich hilft und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Welche Aufgaben lassen sich in einem kleinen Betrieb sinnvoll automatisieren?

Die technischen Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Besonders lohnt sich der Blick auf Aufgaben, die regelmäßig anfallen und viel Zeit kosten. Dazu gehören etwa Terminbuchungen, Bestätigungen und Erinnerungen, wiederkehrende Rechnungsabläufe oder die Auswertung von Unternehmenszahlen. Auch häufige organisatorische Fragen lassen sich bereits auf der Website beantworten.

In einer Praxis könnten beispielsweise die für eine Buchung erforderlichen Angaben direkt im passenden System erfasst werden. Wenn die Systeme dafür geeignete Schnittstellen haben, entfällt die mehrfache manuelle Übertragung. Das Ziel ist, den Verwaltungsaufwand unter Berücksichtigung der Datenschutzanforderungen spürbar zu reduzieren. Welche Schritte sinnvoll automatisiert werden können, prüfen wir für jeden Betrieb einzeln.

Wo sollte der persönliche Kontakt unbedingt erhalten bleiben?

Überall dort, wo er gebraucht und gewünscht wird. Besonders wichtig ist mir die Beratung, wenn jemand unsicher ist, welche Leistung passt, oder Fragen zu seiner persönlichen Situation hat.

Ich halte wenig davon, Kunden erst durch ein langes Gespräch mit einer Telefon-KI zu schicken, bevor sie einen Menschen erreichen, dem sie anschließend alles noch einmal erklären müssen. Natürlich kann KI auch am Telefon hilfreich sein. Ich setze sie aber besonders gern im Hintergrund ein, damit sie Informationen vorbereitet und Arbeit abnimmt. Der persönliche Kontakt sollte dadurch einfacher werden. Der Mensch bleibt für mich ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Was unterscheidet Acessio von einer klassischen Webdesign-Agentur?

Wir betrachten die Situation des Unternehmens als Ganzes: Sichtbarkeit, Zeitersparnis und die Technik dahinter. Sicherheit steht für mich dabei an erster Stelle. Gemeinsam mit unserem Partnernetzwerk können wir verschiedene Fachbereiche abdecken, Prioritäten setzen und die Umsetzung aufeinander abstimmen. Der Kunde hat einen festen Ansprechpartner, der sich um die Koordination kümmert.

Unser Ideal ist eine langfristige Zusammenarbeit auf Vertrauensbasis. Wir möchten über Jahre neue Ideen und Energie in die Projekte unserer Kunden einbringen. Design kann zeitlos sein, technische Lösungen und Konzepte brauchen trotzdem von Zeit zu Zeit eine Weiterentwicklung.

Dazu gehören für uns neben der technischen Pflege auch Statistiken, Analysen, Gespräche und gezielt eingeholte Rückmeldungen. Auf dieser Grundlage entwickeln wir Seiten und Abläufe weiter. Unser Anspruch ist, dass die gesamte digitale Umgebung sowohl dem Unternehmen als auch seinen Kunden das Leben leichter macht.

Welche typischen Fehler oder Stolperstellen begegnen dir bei der Digitalisierung kleinerer Unternehmen?

Manchmal ist die Unsicherheit verständlicherweise groß. Was verändert sich? Funktioniert das zuverlässig? Kommen alle damit zurecht? Diese Fragen nehmen wir ernst. Erklärungen, Entwürfe, kleine erste Schritte und ein durchgehender Austausch helfen dabei, Vertrauen aufzubauen.

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist deshalb, uns mit dem Kunden hinzusetzen und verschiedene Möglichkeiten gemeinsam anzuschauen. Was passt zum Unternehmen und zu seinen Mitarbeitern? Nicht jeder ist technisch versiert, und das muss auch niemand sein. Wir möchten den Umstieg so gestalten, dass die Technik im Alltag als Erleichterung erlebt wird. Dafür müssen die Menschen, die später damit arbeiten, von Anfang an einbezogen werden.

Wie findest du heraus, welche Prozesse automatisiert werden sollten und wo Technik keinen Mehrwert bringt?

Ich schaue mir zuerst die vorhandenen Abläufe an: Was wiederholt sich, was kostet Zeit, wo entstehen Fehler und welche Systeme werden bereits genutzt? Anschließend vergleichen wir den erwarteten Nutzen mit den Kosten für Einrichtung, Betrieb und Betreuung. Dabei betrachten wir auch, wann sich die Investition voraussichtlich rechnet.

Nicht alles, was technisch möglich ist, ist wirtschaftlich sinnvoll. Seltene Aufgaben oder Abläufe mit vielen individuellen Ausnahmen können besser manuell bleiben. Wir priorisieren gemeinsam und berücksichtigen das verfügbare Budget. Zusätzlich prüfen wir, ob passende Förderprogramme infrage kommen. Das hängt vom Vorhaben, Standort und den jeweiligen Förderbedingungen ab.

Du führst Acessio als Einzelunternehmen mit eigenem Studio in Stuttgart. Welche Chancen und Herausforderungen bringt dieses Modell mit sich?

Die größte Chance sehe ich darin, gemeinsam mit Kunden langfristige Partnerschaften aufzubauen. Ich möchte sie gut betreuen, ihre Sichtbarkeit erhöhen und ihnen Zeit sparen. Gleichzeitig lerne ich mit jedem Projekt dazu, sammle Erfahrungen und verbessere auch meine eigenen Abläufe. Dieser direkte Austausch macht die Arbeit für mich besonders interessant.

Eine Herausforderung ist, aus den vielen technischen Möglichkeiten einen passenden und überschaubaren Weg für den jeweiligen Kunden zu entwickeln. Dazu gehören klare Prioritäten und eine verständliche Beratung, damit wir gemeinsam entscheiden können, welche Schritte das Unternehmen wirklich weiterbringen.

Welche Projekterfahrungen haben deine Sicht auf Websites und Automatisierung besonders verändert?

Besonders geprägt hat mich die Arbeit im medizinischen Bereich. Wie detailliert die gesetzlichen, organisatorischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen je nach Praxis sein können, hatte ich anfangs unterschätzt. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die tatsächlichen Abläufe gründlich zu verstehen.

Ein Beispiel für mögliche Entlastung aus dem Handwerk wäre, bestätigte Kundentermine für den nächsten Tag automatisch in einer Übersicht mit einem Routenvorschlag zusammenzustellen. Der Handwerker könnte die Planung prüfen und hätte Adressen, Zeitfenster und Auftragsinformationen bereits beisammen.

Außerdem habe ich im Austausch mit Auftraggebern gemerkt, wie wichtig eine moderne, verständliche Website für ihre Kunden ist. Sie hilft ihnen, Leistungen einzuordnen und unkompliziert eine Anfrage zu stellen. Gute Gestaltung und einfache Abläufe gehören für mich zusammen. Deshalb möchte ich auch gut funktionierende Lösungen regelmäßig hinterfragen und offen für sinnvolle Verbesserungen bleiben.

Wie möchtest du Acessio weiterentwickeln, und welche Rolle spielen neue Technologien dabei?

Ich möchte sowohl Acessio als auch unser Partnernetzwerk weiter ausbauen. Mit jedem Auftrag entsteht für mich eine Zusammenarbeit, die wir langfristig begleiten möchten. Dafür müssen auch unsere Kapazitäten und Strukturen mitwachsen.

Neue Technologien spielen dabei eine wichtige Rolle. Meine eigene Arbeitsweise habe ich über Monate und Jahre immer wieder verfeinert und teilweise grundlegend angepasst. Ich möchte offen dafür bleiben, Gewohntes zu verändern, wenn es eine bessere Lösung gibt. Entscheidend ist, dass eine Neuerung unseren Kunden einen konkreten Nutzen bringt und zuverlässig eingesetzt werden kann.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern eines digitalen Dienstleistungsunternehmens geben?

Ich stehe selbst noch am Anfang, deshalb sind das eher persönliche Erfahrungen als allgemeingültige Ratschläge.

Erstens: Findet einen Bereich, für den ihr wirklich Leidenschaft habt. Dann braucht ihr weniger zusätzlichen Treibstoff, um dranzubleiben, auch wenn es einmal anstrengend wird.

Zweitens: Entscheidet fundiert und schätzt Risiken bewusst ein. Gerade bei technischen Dienstleistungen müssen die wichtigen Funktionen vor einer Veröffentlichung gründlich geprüft werden. Bei Sicherheit und sensiblen Daten ist besondere Sorgfalt nötig.

Drittens: Teilt eure Kräfte ein und holt euch selbst Rat. Am Anfang fühlt es sich manchmal so an, als würden Tennisballautomaten aus allen Richtungen mehr Bälle schicken, als man zurückspielen kann. Man wird nicht jeden präzise treffen. Der Anspruch kann auch nicht sein, in jedem Bereich gleichzeitig hundert Prozent zu geben. Man hat insgesamt nur hundert Prozent und muss sie sinnvoll verteilen. Mir hilft es, mich mit anderen auszutauschen, Fragen zu stellen und aus ihren Erfahrungen zu lernen.

Bildcredits Victor Knapp / acessio

Wir bedanken uns bei Victor Knapp für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kostenloses Tech-Wissen für alle: Wie die M365Con die internationale Microsoft-Community vereint

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M365Con: Copilot und Microsoft 365 kostenlos erleben Mirko Peters

Mit der M365Con hat Mirko Peters eine kostenlose internationale Technologie-Konferenz geschaffen, die Experten und Interessierte rund um Microsoft 365, Copilot und Cloud-Technologien zusammenbringt und praxisnahes IT-Wissen für alle zugänglich macht.

Mirko, kannst du dich und die M365Con kurz vorstellen und erzählen, wie aus deiner persönlichen Situation während der Arbeitslosigkeit die Idee für eine internationale Technologie-Konferenz entstanden ist?

Ich bin Mirko Peters, IT-Consultant und seit Kurzem offizieller Microsoft MVP aus Stuttgart. Die M365Con ist eine rein digitale, kostenfreie Fachkonferenz für Microsoft 365, Copilot und Cloud-Technologien. Die Idee entstand 2024 aus der puren Notwendigkeit heraus: Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit wollte ich nicht einfach nur Bewerbungen schreiben, sondern meine Expertise im Microsoft-Umfeld sichtbar machen. Statt auf Angebote zu warten, beschloss ich, selbst eine Plattform zu schaffen, die Experten zusammenbringt – ursprünglich als persönliches Schaufenster gedacht.

Du hast die M365Con ursprünglich ins Leben gerufen, um deine eigenen Fähigkeiten sichtbar zu machen. Wann hast du erkannt, dass daraus ein eigenständiges Projekt mit internationaler Reichweite entstehen könnte?

Das wurde mir bereits bei der ersten Ausgabe schlagartig klar, als sich innerhalb kürzester Zeit Hunderte von Teilnehmern anmeldeten und hochkarätige Sprecher aus der weltweiten Microsoft-Community zusagten. Das Feedback zeigte mir, dass der Bedarf an praxisnahem, unkompliziertem Wissen riesig ist. Aus dem Projekt zur Eigenvermarktung wurde innerhalb weniger Wochen eine echte Community-Bewegung, die weit über meine persönlichen Ziele hinauswuchs.

Mit der M365Con bringst du Experten und Interessierte rund um Microsoft 365, Copilot und Azure zusammen. Welche Vision verfolgst du mit der Konferenz und welche Lücke möchtest du in der bestehenden Weiterbildungs- und Eventlandschaft schließen?

Viele kommerzielle Tech-Konferenzen sind für Einzelkämpfer, KMUs oder Menschen in der beruflichen Neuorientierung schlicht zu teuer oder erfordern lange Reisen. Meine Vision ist die absolute Demokratisierung von High-End-Tech-Wissen. Die Lücke, die wir schließen, ist der direkte, barrierefreie Zugang zu den klügsten Köpfen der Branche. Bei uns gibt es kein Marketing-Blabla, sondern tiefen technischen Deep-Dive – und das für jeden absolut kostenlos.

Die nächste M365Con findet vom 11. bis 22. Januar 2027 statt und soll rund 120 Sessions umfassen. Wie gelingt es dir, eine Veranstaltung dieser Größenordnung von Stuttgart-Degerloch aus zu organisieren und internationale Referenten zu gewinnen?

Das Zauberwort heißt „Community-Trust“ und radikale digitale Effizienz. Durch meine tägliche Arbeit auf LinkedIn und YouTube habe ich über die Jahre ein Netzwerk aus über 100.000 Menschen aufgebaut. Die Microsoft-Community ist extrem hilfsbereit. Wenn die Experten sehen, dass ein Format ehrlich, professionell und rein auf Wissensvermittlung ausgelegt ist, kommen sie an Bord – egal, ob man aus Stuttgart-Degerloch oder dem Silicon Valley agiert. Die gesamte Organisation läuft vollautomatisiert über moderne Cloud-Tools.

Die Teilnahme an der M365Con ist kostenlos. Warum hast du dich bewusst für dieses Modell entschieden und wie finanzierst du die Organisation und Weiterentwicklung der Konferenz?

Wissen sollte keine finanzielle Hürde haben, besonders nicht in Zeiten des rasanten Wandels durch Künstliche Intelligenz. Da ich selbst aus einer schwierigen beruflichen Situation kam, weiß ich, wie wichtig kostenloser Zugang zu Weiterbildung ist. Die Konferenz finanziert sich rein über ausgewählte, technologieaffine Sponsoren und Partner aus der Wirtschaft, die diese Werte teilen und Sichtbarkeit in einer hochkarätigen IT-Zielgruppe suchen.

Mit Microsoft 365, Copilot und Azure greifst du Technologien auf, die den Arbeitsalltag vieler Unternehmen verändern. Welche Entwicklungen stehen bei der kommenden M365Con besonders im Mittelpunkt und welche Zielgruppen möchtest du damit erreichen?

Im absoluten Fokus steht im Januar 2027 die schubweise Evolution von rein assistierender KI hin zu autonomen KI-Agenten (Copilot Studio) sowie die Absicherung dieser Systeme (Cyber Security & Entra). Wir richten uns gezielt an IT-Administratoren, Cloud-Architekten, Entwickler, aber auch an Business-Entscheider, die KI-Technologien nicht nur theoretisch verstehen, sondern morgen im Unternehmen produktiv und sicher einsetzen wollen.

Als Microsoft MVP verfügst du über besondere Einblicke in das Microsoft-Ökosystem. Wie beeinflusst diese Auszeichnung deine Arbeit als Veranstalter und welche Bedeutung haben dein persönliches Netzwerk und die internationale Community für den Erfolg der M365Con?

Die Verleihung des MVP-Status durch Microsoft ist wie ein Ritterschlag. Sie öffnet Türen direkt zu den Produktteams in Redmond und verleiht der Konferenz eine immense offizielle Glaubwürdigkeit. Mein persönliches Netzwerk ist das Fundament der gesamten Konferenz. Ohne das Vertrauen der Community und der über 90 MVPs, die im Januar als Speaker auftreten, wäre ein Event dieser Größenordnung schlicht nicht realisierbar.

Digitale Konferenzen ermöglichen eine internationale Teilnahme ohne Reiseaufwand, stehen aber auch im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Onlineformaten. Was unterscheidet die M365Con von vergleichbaren Veranstaltungen und wie schaffst du einen nachhaltigen Mehrwert für die Teilnehmer?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Struktur: Wir machen kein unübersichtliches 3-Tage-Chaos mit parallel laufenden Streams. Die M365Con erstreckt sich über 10 Tage, und jeder einzelne Tag widmet sich fokussiert nur einem klaren Schwerpunktthema – von der Power Platform bis Azure AI. Zudem stellen wir alle Recaps und Unterlagen im Nachgang strukturiert zur Verfügung, sodass die Konferenz zu einem dauerhaften digitalen Nachschlagewerk für die tägliche Praxis wird.

Für die kommende Ausgabe haben sich bereits mehr als 600 Teilnehmer angemeldet. Wie entwickelten sich Reichweite und Resonanz seit den Anfängen und anhand welcher Kriterien misst du den Erfolg deiner Konferenz?

Die Resonanz wächst exponentiell. Was als kleines Experiment begann, zieht mittlerweile Tausende von IT-Profis an. Erfolg messe ich aber nicht primär an nackten Anmeldezahlen. Mein wichtigstes Kriterium ist das qualitative Feedback der Community: Wenn mir Teilnehmer schreiben, dass sie durch das auf der Konferenz gelernte Wissen ein akutes Problem im Unternehmen lösen konnten oder einen neuen Job gefunden haben, dann ist die Konferenz für mich erfolgreich.

Der Aufbau einer internationalen Veranstaltung erfordert neben fachlicher Kompetenz auch unternehmerisches Denken. Welche organisatorischen, technischen und persönlichen Herausforderungen musstest du bisher meistern und welche Erfahrungen haben dich dabei besonders geprägt?

Die größte technische Herausforderung war der Aufbau einer skalierbaren Infrastruktur für Tausende Video-Streaming-Teilnehmer ohne Budget im Hintergrund. Organisatorisch muss man lernen, das massive Pensum als Sologründer zu bewältigen. Persönlich hat mich geprägt, wie viel Respekt und Offenheit mir entgegengebracht wurde, als ich meine Geschichte der Arbeitslosigkeit öffentlich geteilt habe. Mut und Transparenz werden im Netz belohnt.

Deine Geschichte zeigt einen ungewöhnlichen Weg von der Arbeitslosigkeit zum Aufbau eines eigenen Projekts. Was hat sich durch die M365Con für dich persönlich und beruflich verändert und welchen Rat würdest du Menschen geben, die aus einer schwierigen beruflichen Situation heraus etwas Eigenes aufbauen möchten?

Beruflich hat sich mein Leben komplett gedreht: Vom Arbeitssuchenden zum gefragten Experten, Unternehmer und Microsoft MVP. Ich freue mich zudem riesig darauf, im November meine neue Position bei der ifakt GmbH hier in Stuttgart starten zu dürfen. Die ifakt GmbH ist ein Pionier im Bereich der Industrie 4.0 und digitaler Smart-Factory-Infrastrukturen. Mit ihrer spezialisierten Software „Polaris“ revolutionieren sie die datenbasierte Optimierung und Simulation komplexer Produktions- und Wertstromprozesse in der Industrie – für mich als Technologie-Enthusiasten ein absolut spannendes Arbeitsfeld. Mein Rat an Menschen in ähnlichen Situationen: Wartet nicht auf Erlaubnis. Nutzt eine schwierige Phase nicht als Lücke, sondern als Startrampe. Baut euer eigenes Projekt auf, macht eure Fähigkeiten im Netz sichtbar und schafft euch eure Relevanz selbst. Der Markt reagiert auf Macher.

Wenn du auf die kommenden Jahre blickst: Welche Ziele verfolgst du mit der M365Con, welche neuen Formate oder Kooperationen kannst du dir vorstellen und wo möchtest du mit deiner internationalen Konferenz in fünf Jahren stehen?

In fünf Jahren soll die M365Con die weltweit führende, komplett kostenfreie digitale Anlaufstelle für Microsoft- und AI-Weiterbildung im europäischen Raum sein. Mittlerweile sind mit der „M365 Show“ – einem Live-Stream-Format, das auf LinkedIn vor Kurzem die 100.000-Follower-Marke geknackt hat – sowie dem „M365.fm Podcast“ zwei starke, ganzjährige Formate hinzugekommen. Reich werden kann (und will) man von einem solchen Non-Profit-Projekt natürlich nicht, aber davon zu leben steht auch gar nicht im Fokus. Wissen teilen ist einfach geil! Wir wollen dem technologischen Fortschritt ein menschliches Gesicht geben.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Mirko Peters für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was KI im Finance-Team wirklich spart, und was nicht

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Finance: Finanzfunktion und Monatsabschluss mit KI Veronika von Heise Rotenburg Bild. (c) Flora von Heise-Rotenburg

Generative KI in der Finanzfunktion: Erfahrungen aus der Praxis

Generative KI hat die Finanzfunktion innerhalb weniger Jahre erreicht. Nach dem Top CFO Tools Report 2026 von CFO Connect (215 befragte Finanzverantwortliche, Sommer 2026) nutzen 67 Prozent der Finance-Teams mindestens ein KI-Werkzeug. 2023 waren es 13 Prozent.

Die Literatur dazu stammt überwiegend von Anbietern und aus der Regulierung. Dieser Beitrag ergänzt sie um die Sicht eines Finance-Teams in einem Scale-up mit rund 200 Mitarbeitenden. Es setzt generative KI seit Anfang 2023 ein, das Handelsblatt hat darüber berichtet. Seitdem hat sich natürlich viel geändert. Einige Anwendungen wurden ausgebaut, andere zurückgebaut, die Modelle mehrfach ausgetauscht.

Auswahl des ersten Prozesses

Den Anfang machte im Januar 2023, rund zwei Monate nach der Einführung von ChatGPT, der Lagebericht. Jedes Jahr müssen die Abschnitte zu wirtschaftlichem Umfeld und Ausblick aktualisiert werden. Rund 90 Prozent der Inhalte sind externe, recherchierbare Daten. Der Aufwand betrug bis dahin zwei bis drei Tage Werkstudierenden-Arbeit und etwa zwei Stunden im Compliance-Bereich.

Drei Kriterien sprachen für diesen Prozess. Er wiederholt sich jährlich. Er stützt sich auf öffentliche Quellen. Und er war im Team unbeliebt. Das letzte Kriterium erwies sich als wichtig: Der erste Anwendungsfall sollte ein Problem lösen, das die Beteiligten ohnehin belastet. Der Entwurf entsteht seitdem in Minuten und wird von einem Menschen geprüft. Das Werkzeug wurde 2025 gewechselt, der Prozess blieb unverändert.

KI als Kontrollschicht

Als zweite Anwendung folgte die Kontrolle des Monatsabschlusses. Die KI vergleicht die Ist-Zahlen mit Budget und aktuellem Forecast, markiert Abweichungen und Ausreißer und nennt mögliche Treiber. Sie dient als Plausibilitätsprobe, die abschließende Freigabe bleibt beim Menschen.

Das spart je nach Zahl der Abweichungen und hierdurch notwendigen Follow-ups ein bis zwei Arbeitstage (interne Schätzung). Die Analyse deckt häufig implizite Inkonsistenzen auf, die im Team als „machen wir immer so“ gelten und neuen Teammitgliedern nicht bekannt sind.

Die Ergebnisse bereitet sie adressatengerecht auf: für das C-Level mit Blick auf Maßnahmen, für Gesellschafter auf Langzeiteffekte, für Banken auf Covenants und Sicherheiten.

Grenzen des Zeitgewinns

Erstens: das Rechnen. Sprachmodelle arbeiten probabilistisch, daher kann dieselbe Frage zu leicht unterschiedlichen Antworten führen. Bei Zahlen ist das kritisch, weil der Kontext die Interpretation verschiebt: In Versionsnummern steht 9,11 hinter 9,9. Wer Berechnungen dem Modell überlässt, muss sie vollständig nachprüfen. Besser strukturiert das Modell, gerechnet wird in einem nachprüfbaren Werkzeug wie Excel.

Zweitens: die Kosten. Anbieter rechnen in drei Bereichen ab: Lizenz je Person, Mehrverbrauch und API-Nutzung. Ohne bekannte und überwachte Abrechnungsgrundlagen können die Kosten stark steigen.

Das Team hat deshalb ein eigenes Dashboard gebaut, das Aufwände je Modell, Person und Projekt erfasst. Es zeigt: 60 Prozent der Kosten entfielen auf Mehrverbrauch, und die zehn aktivsten Nutzenden verursachten davon 86 Prozent (interne Auswertung). Nach der Experimentierphase sollten Nutzende und Modelle gesteuert werden.

Was wieder abgeschaltet wurde

Das Unternehmen hat bisher rund 120 eigene Anwendungen gebaut, etwa 20 davon im Finanzbereich. Nicht alle blieben im Einsatz.

Ein Beispiel ist eine Anwendung für Auskünfte nach dem Entgelttransparenzgesetz, die ich auf Lovable entwickelt habe. Sie wurde aufgesetzt, getestet und kalibriert, aber nie produktiv genutzt, weil die Gesetzeslage unklar blieb. Gespart wurden die Kosten für ein externes Werkzeug, auch künftig, sobald die Anwendung nach Veröffentlichung des Gesetzes angepasst ist.

Das Projekt zeigte zugleich die Zusammenarbeit von Compliance, Datenschutz und IT-Security, da dort hochsensible Personendaten verarbeitet wurden.

Ein zweites Muster ist der Modellwechsel. Der Kommentar zum Monatsabschluss auf CFO-Ebene lief nacheinander mit ChatGPT, Gemini und Claude. Jeder Wechsel erfordert angepasste Prompts und neue Prüfungen, steigerte aber zugleich die Output-Qualität und direkte Nutzbarkeit beträchtlich.

Governance-Fragen vor dem Start

Fünf Punkte sollten vor dem Einsatz geklärt sein.

Erstens, wer welches Werkzeug nutzen darf, alle oder zunächst eine Testgruppe, und unter welchen Bedingungen, etwa nur mit EU-Hosting und Auftragsverarbeitungsvertrag.

Zweitens, welche Daten je nach Nutzungsform ausgeschlossen sind, etwa personenbezogene Daten und unveröffentlichte Finanzzahlen.

Drittens, welche KI-Richtlinie gilt, ob alle sie unterschrieben haben und ob das Training mit eigenen Eingaben deaktiviert ist.

Viertens, wer Ergebnisse freigibt, bevor sie in einen Abschluss oder an die Geschäftsführung gehen. Bei entscheidungsrelevanten Kennzahlen sollte immer ein Mensch validieren („human in the loop“).

Fünftens, wer die Kosten freigibt, bevor aus einer kleinen Kreditkartenzahlung eine große Budgetposition geworden ist.

Warum Finance sich besonders eignet

Finance ist aus sechs Gründen ein geeignetes Testfeld für KI. Vorhandene und genutzte Daten sind umfangreich vorhanden, strukturiert und historisch gewachsen, so dass KI-Modelle darin effizient Muster erkennen.

Viele tägliche Aufgaben sind repetitiv und regelbasiert, so dass deren Ersatz Zeit schafft für die Aufgaben, die Teammitgliedern Freude machen und das Unternehmen voranbringen.

Dies gelingt z. B., wenn Kennzahlen und Trends in Echtzeit ausgewertet werden und KI-generierte Prognosen und Szenarioanalysen Risiken früher aufzeigen: So können Unternehmen früher entscheidungsrelevante Daten sichten und mögliche Entscheidungen simulieren.

Der Einstieg in die KI-Nutzung gelingt mit einem kleinen, lästigen Prozess und einer klaren Richtlinie. Es lohnt sich, damit jetzt zu beginnen.

Bildcredits Flora von Heise-Rotenburg

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Deal in der Höhle der Löwen: Ralf Dümmel investiert in das Fashion-Startup Cropsta

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Stylingband von CROPSTA überzeugt Ralf Dümmel in der Höhle der Löwen Titelbild Ralf Dümmel Bildcredits RTL

Zwei junge Gründer, eine simple Lösung: Cropsta ist der neue Problemlöser der Fashion-Welt

  • CROPSTA ist ein elastisches, verstellbares Stylingband, mit dem sich Oberteile innerhalb weniger Sekunden croppen und individuell stylen lassen
  • Ein Kleidungsstück, verschiedene Looks: Die gewünschte Länge lässt sich immer wieder neu bestimmen
  • Kein Abschneiden, kein Umnähen und keine dauerhafte Veränderung der Kleidung
  • Die Idee entstand aus einem echten Fashion-Moment: Charlotte kürzte ein zu langes Oberteil spontan mit dem Gummizug einer Strumpfhose
  • Aus der improvisierten Lösung wurde innerhalb weniger Monate eine eigene Marke
  • Hinter CROPSTA stehen Charlotte Lieben (21), Content Creatorin und kreativer Kopf der Marke, und Mike Leon Lichtenberg (24), Schauspieler, Content Creator und Unternehmer
  • Deal in der VOX Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ mit Ralf Dümmel

Manchmal beginnt eine große Idee mit einem ziemlich kleinen Fashion-Problem: Das Lieblingsoberteil sitzt perfekt, ist für den gewünschten Look aber einfach ein Stück zu lang. Abschneiden? Viel zu endgültig. Umnähen? Viel zu aufwendig. Und irgendwie in Hose oder BH stecken? Funktioniert auch nicht immer so, wie es soll. Genau so ein Moment wurde für Charlotte Lieben und Mike Leon Lichtenberg zum Anfang von CROPSTA.

Vom spontanen Styling-Hack zur Geschäftsidee

Die Idee entsteht ganz unspektakulär: Charlotte möchte ein zu langes Oberteil kürzer tragen, ohne es dauerhaft zu verändern. Also improvisiert sie: Sie nimmt den Gummizug einer Strumpfhose, legt ihn um ihre Taille und steckt den überschüssigen Stoff darunter. Plötzlich sitzt das Oberteil genau so, wie sie es haben möchte. Der gewünschte Cropped Look ist da. Und mit ihm eine ziemlich naheliegende Frage: Warum gibt es dafür eigentlich kein richtiges Produkt?

Aus einem spontanen Styling-Hack wird eine Geschäftsidee. Charlotte und Mike beginnen erste Varianten auszuprobieren und Prototypen zu entwickeln. Branding, Verpackung, Onlineshop, Logistik. Nur wenige Monate nach dem ersten improvisierten Versuch, bringen sie CROPSTA auf den Markt.

Ein Kleidungsstück, verschiedene Looks

Das Prinzip ist dabei genauso einfach geblieben wie die ursprüngliche Idee: CROPSTA ist ein elastisches, verstellbares Band, das um die Taille gelegt wird. Der Stoff des Oberteils wird darunter gesteckt und lässt sich so innerhalb weniger Sekunden auf die gewünschte Länge bringen. Das Kleidungsstück selbst bleibt unverändert. Heute cropped, morgen länger, beim nächsten Outfit wieder ganz anders: Ein Kleidungsstück lässt sich so immer wieder neu stylen.

Zwei junge Gründer mit unterschiedlichen Stärken

Hinter dieser jungen Marke stehen zwei Gründer, die ihre ganz eigenen Stärken mitbringen. Charlotte Lieben ist 21 Jahre alt und bereits seit mehreren Jahren als Content Creatorin tätig. Social Media, Marketing und Branding sind ihre Welt. Bei CROPSTA verantwortet sie Content und Außenwirkung und gibt der Marke damit maßgeblich ihr Gesicht und ihren Look.

Mike Leon Lichtenberg ist 24 Jahre alt und bereits seit seinem 17. Lebensjahr selbstständig. Als Schauspieler und Content Creator kennt er Kameras, Öffentlichkeit und Social Media schon lange. Dass die beiden es ernst meinen, zeigt die Entwicklung von CROPSTA. Sie haben das Unternehmen komplett aus eigenen Mitteln aufgebaut, ohne Kredite, Fördermittel oder Crowdfunding. Mittlerweile können sie von CROPSTA leben. Aus dem Gummizug einer Strumpfhose ist in kurzer Zeit ein echtes Unternehmen mit eigener Community geworden.

Deal mit Ralf Dümmel in „Die Höhle der Löwen“

Der nächste große Schritt führt Charlotte und Mike in die VOX Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. Dort treffen sie ausgerechnet auf einen ihrer absoluten Wunschlöwen: Ralf Dümmel. Für die beiden passt er perfekt zu CROPSTA, denn ihr Produkt ist genau das, wofür Ralf steht: ein einfacher Problemlöser mit großem Marktpotenzial. Am Ende überzeugen sie Ralf Dümmel tatsächlich. Gemeinsam wollen sie CROPSTA jetzt weiter ausbauen und aus dem jungen Fashion-Startup eine echte Love Brand machen.

Die Vision der Gründer

„CROPSTA ist für uns viel mehr als ein Produkt. Wir wollen eine Marke aufbauen, die Fashion einfacher, flexibler und ein Stück persönlicher macht. Die Idee ist aus einem ganz normalen Alltagsproblem entstanden und genau das lieben wir daran: Manchmal braucht es keine komplizierte Innovation, sondern einfach eine richtig gute Lösung. Dass wir CROPSTA komplett selbst aufgebaut haben und unsere Community jeden Tag weiter wächst, macht uns unglaublich stolz. Unser Ziel ist klar: CROPSTA soll für smarte Fashion-Problemlöser stehen, die funktionieren, gut aussehen und die man einfach gerne benutzt. Unser Traum ist, dass man irgendwann CROPSTA sieht und sofort weiß: Das sieht nicht nur gut aus, das funktioniert auch.“

Charlotte Lieben und Mike Leon Lichtenberg, Gründer von CROPSTA

Ralf Dümmel über CROPSTA

„CROPSTA hat mich sofort begeistert, weil hier aus einer unglaublich einfachen Idee eine richtig starke junge Marke entstanden ist. Charlotte und Mike haben ein echtes Fashion-Problem erkannt und daraus eine Lösung entwickelt, die verständlich ist, funktioniert und perfekt in den Alltag passt. Gleichzeitig spürt man bei den beiden sofort, dass sie nicht nur ein Produkt verkaufen wollen, sondern eine große Vision haben. Charlotte bringt ein starkes Gespür für Social Media, Branding und ihre Community mit, Mike seine Erfahrung als Schauspieler und Content Creator und gleichzeitig den unternehmerischen Blick hinter den Kulissen. Was die beiden in so jungen Jahren bereits aus eigener Kraft aufgebaut haben, finde ich beeindruckend. Charlotte und Mike haben eine klare Vision, ganz viel Energie und wissen genau, wo sie mit CROPSTA hinwollen. Ich freue mich riesig, die beiden auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Ich bin mir sicher: CROPSTA wird noch für richtig viel Aufmerksamkeit sorgen und hat für mich das Zeug zum nächsten großen Fashion-Item.“

Ralf Dümmel
Investor und Gesellschafter der DS Gruppe

Preis und Verfügbarkeit

CROPSTA aktuell unter www.cropsta.de ab 12,99 € in den Farben Sand Beige, Blossom White und Midnight Black erhältlich.

Über CROPSTA

  • Elastisches und individuell verstellbares Stylingband
  • Oberteile innerhalb weniger Sekunden croppen und neu stylen
  • Individuelle Länge passend zu Outfit, Stil und Körper bestimmbar
  • Kein Abschneiden und kein Umnähen notwendig
  • Keine dauerhafte Veränderung des Kleidungsstücks
  • Ein Kleidungsstück lässt sich immer wieder in unterschiedlichen Längen und Looks tragen
  • Einfache Anwendung ohne Nähkenntnisse
  • Klassischer CROPSTA in verschiedenen Farben erhältlich
  • CROPSTA Mini als Fashion-Lösung für zu lange Hosenbeine und Ärmel

Titelbild Ralf Dümmel Bildcredits RTL

Quelle DS Unternehmensgruppe/ ROPSTA Lieben Lichtenberg GbR

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