Donnerstag, September 10, 2026
Start Blog Seite 7

AMARIK: Die neue Plattform für stilvolle Begleitung zu jedem Anlass

0
AMARIK: Begleitung über eine Plattform buchen im Loft Hotel Sandra Haas Gründerin

AMARIK entwickelt eine Plattform, über die passende Begleitung für private und geschäftliche Anlässe verlässlich gebucht werden kann.

Können Sie AMARIK kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine Plattform für buchbare Begleitung entstanden ist?

AMARIK® ist eine Plattform für geprüfte, stilvolle Begleitung zu konkreten Anlässen, privat wie geschäftlich. Es geht nicht um Dating und nicht um Escort, sondern um Menschen, die für ein Dinner, ein Event, eine Geschäftsreise, einen kulturellen Abend, einen Kurztrip oder eine gemeinsame Aktivität passende Begleitung suchen und diese verlässlich buchen möchten.

Die Idee entstand 2025 in einer Phase, in der ich selbst sehr bewusst darüber nachgedacht habe, wie sich unser gesellschaftliches Leben verändert. Viele Menschen sind beruflich stark eingebunden, leben allein, sind viel unterwegs oder möchten bestimmte Erlebnisse schlicht nicht allein wahrnehmen. Gleichzeitig gibt es für genau diesen Bedarf kaum ein Angebot, das professionell, digital und klar positioniert ist.

Aus dieser Beobachtung entstand AMARIK®. Anfangs war es eine Idee, sehr schnell wurde daraus ein konkretes Plattformmodell. Heute bauen wir damit nicht nur ein Unternehmen auf, sondern arbeiten an einer neuen Kategorie rund um buchbare persönliche Begleitung.

Wer steht hinter AMARIK, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?

Hinter AMARIK® stehe ich als Gründerin gemeinsam mit einem kleinen, sehr operativen Team aus Entwicklung, Backoffice und regionalen City Leads, die unsere dezentrale Skalierung unterstützen.

Ich bin seit 1999 selbstständig und AMARIK® ist bereits mein drittes Softwareunternehmen. Zwei Unternehmen habe ich zuvor aufgebaut und später verkauft. Dadurch bringe ich viel Erfahrung aus Produktentwicklung, Digitalisierung, Prozessaufbau und Unternehmensführung mit, aber auch die Erfahrung, dass Wachstum nur funktioniert, wenn ein Geschäftsmodell nicht nur technisch, sondern vor allem operativ tragfähig ist.

Bei AMARIK® bin ich deshalb sehr nah an allen Bereichen: Produkt, Prozesse, Marketing, Community-Aufbau, Partnergewinnung und Expansion. Gerade in einer frühen Phase halte ich diese Nähe für wichtig, weil man nur so wirklich versteht, was Nutzerinnen und Nutzer brauchen und an welchen Stellen ein neuer Markt noch erklärt werden muss.

Sie sprechen von einer „Companionship Economy“. Welche Vision verbinden Sie mit diesem neuen Markt?

Mit der Companionship Economy beschreiben wir einen Markt, der aus unserer Sicht gerade erst sichtbar wird: Menschen investieren zunehmend nicht nur in Produkte oder digitale Services, sondern ganz bewusst in gemeinsame Zeit, reale Erlebnisse und persönliche Begleitung.

Dabei geht es nicht um Partnersuche und auch nicht um sexuelle Dienstleistungen. Es geht um konkrete Situationen, in denen Menschen nicht allein sein möchten oder sich ganz bewusst passende Gesellschaft wünschen, etwa bei einem Dinner, einer Veranstaltung, auf Reisen, bei kulturellen Aktivitäten oder im geschäftlichen Umfeld.

Unsere Vision ist, daraus eine eigenständige, professionelle und gesellschaftlich akzeptierte Kategorie zu entwickeln. Persönliche Begleitung soll genauso selbstverständlich planbar und buchbar werden wie andere Dienstleistungen auch, mit klaren Standards, transparenten Rahmenbedingungen und einem hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit.

AMARIK® möchte diesen Markt nicht nur bedienen, sondern aktiv mit definieren und in Europa mit aufbauen.

AMARIK grenzt sich bewusst von Dating- und Escort-Plattformen ab. Wie vermitteln Sie diesen Unterschied klar nach außen?

Der wichtigste Unterschied ist der Anlass. Bei AMARIK® steht nicht die Partnersuche im Mittelpunkt und auch keine sexuelle Dienstleistung, sondern eine konkrete gemeinsame Aktivität.

Unsere Nutzerinnen und Nutzer buchen Begleitung für ein Dinner, ein Event, eine Reise, Kultur, Freizeit oder einen geschäftlichen Anlass. Ort, Zeit, Interessen und der jeweilige Anlass stehen damit von Beginn an fest. Genau das unterscheidet AMARIK® von klassischen Dating-Plattformen, bei denen zunächst der persönliche Kontakt und die Suche nach einer Beziehung oder einem Date im Vordergrund stehen.

Vom Escort grenzen wir uns ebenso klar ab. Sexuelle Dienstleistungen sind bei AMARIK® ausgeschlossen. Wir kommunizieren diese Linie konsequent in unserer Außendarstellung, in unseren Prozessen und innerhalb der Plattform.

Diese Abgrenzung ist für uns zentral, weil wir eine eigene Kategorie etablieren wollen: professionelle, buchbare Begleitung für reale Anlässe.

Für welche Zielgruppen und Anlässe ist das Angebot besonders interessant?

AMARIK® richtet sich an Menschen, die für einen konkreten Anlass passende Begleitung suchen und dabei Wert auf Verlässlichkeit, Niveau und eine klare Buchbarkeit legen.

Ich kenne diesen Bedarf auch aus eigener Erfahrung: Ich war beruflich auf einer Messe in Hamburg und wollte abends ins Theater. Genau in solchen Situationen stellt sich eine sehr einfache Frage: Gehe ich allein oder gibt es eine unkomplizierte Möglichkeit, für genau diesen Abend passende Gesellschaft zu finden? Klassische Datingplattformen sind dafür aus meiner Sicht kaum geeignet, weil dort weder der konkrete Anlass noch die zeitliche Planbarkeit im Mittelpunkt stehen.

Bei AMARIK® geht es deshalb immer um eine konkrete Situation. Typische Anlässe sind zum Beispiel ein Dinner oder Geschäftsessen, Theater, Oper, Konzert, Ausstellung oder Vernissage, eine Messe, ein Networking-Event oder eine Firmenveranstaltung. Ebenso gehören Geschäftsreisen, Kurztrips, Städtereisen, Sportveranstaltungen, Freizeitaktivitäten, Ausflüge oder ein besonderer Abend dazu.

Interessant ist das Angebot für Geschäftsreisende genauso wie für Menschen, die beruflich stark eingebunden sind, viel unterwegs sind oder bewusst unabhängig leben und bestimmte Erlebnisse trotzdem nicht allein wahrnehmen möchten.

Entscheidend ist für uns deshalb weniger das Alter oder ein bestimmtes Lebensmodell. Entscheidend ist: Es gibt einen Anlass, einen Zeitpunkt und den Wunsch nach passender Begleitung. Genau dafür schafft AMARIK® eine planbare Lösung.

Persönliche Begleitung basiert stark auf Vertrauen. Wie stellen Sie Sicherheit und Qualität auf beiden Seiten der Plattform sicher?

Vertrauen ist für AMARIK® einer der zentralen Faktoren. Deshalb setzen wir auf klare Prozesse statt auf anonyme Profile und möglichst wenig Kontrolle.

Begleiterinnen und Begleiter werden vor der Aktivierung geprüft. Dazu gehört unter anderem eine Identitätsprüfung. Ausweise verwenden wir ausschließlich für diese einmalige Prüfung und löschen die Bilder danach direkt wieder. Zusätzlich prüfen wir Profile auf Qualität, Vollständigkeit und eine stimmige Außendarstellung.

Anfragen, aus persönlichen oder anderen Gründen auf die Verifizierung zu verzichten, lehnen wir bewusst ab. Für uns ist Sicherheit nur dann glaubwürdig, wenn die definierten Standards für alle gleichermaßen gelten und nicht individuell aufgeweicht werden.

Auch während und nach einer Buchung gibt es klare Standards. Dazu gehören verbindliche Verhaltensregeln, ein Bewertungssystem sowie Support- und Sicherheitsfunktionen innerhalb der Plattform. Persönliche Grenzen sind dabei klar definiert und müssen von beiden Seiten respektiert werden.

Für uns bedeutet Qualität aber nicht nur Sicherheit. Es geht genauso um Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Auftreten, Kommunikation und darum, dass eine Begleitung tatsächlich zum Anlass passt.

Wie funktioniert das Matching bei AMARIK, und welche Faktoren entscheiden darüber, welche Begleitung vorgeschlagen wird?

Das Matching bei AMARIK® beginnt nicht mit endlosem Schreiben, sondern mit dem konkreten Anlass. Entscheidend sind unter anderem Ort, Zeitpunkt, gewünschte Aktivität, Interessen und persönliche Vorstellungen.

Unsere Nutzerinnen und Nutzer sehen passende Profile und können gezielt auswählen, wer zu ihrem Anlass passt. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kontakte herzustellen, sondern eine möglichst stimmige Verbindung für eine konkrete gemeinsame Zeit zu schaffen.

Genau deshalb ist für uns auch die Qualität der Profile so wichtig. Je klarer Interessen, Persönlichkeit, Auftreten und bevorzugte Aktivitäten erkennbar sind, desto besser kann eingeschätzt werden, ob die Begleitung tatsächlich zum jeweiligen Anlass passt.

Unser Grundgedanke ist dabei sehr einfach: weniger beliebiges Swipen, mehr Relevanz für den konkreten Moment.

Gemeinsame Zeit wird bei Ihnen zu einer buchbaren Dienstleistung. Was macht dieses Geschäftsmodell aus Ihrer Sicht besonders?

Besonders ist für mich, dass wir etwas sehr Menschliches in einen klaren, professionellen Rahmen bringen. Gemeinsame Zeit bleibt persönlich, wird aber gleichzeitig planbar, transparent und verbindlich buchbar.

Der Wert entsteht nicht durch ein physisches Produkt, sondern durch die Qualität der Begegnung und dadurch, dass zwei Menschen für einen konkreten Anlass passend zusammengebracht werden. Genau darin liegt für mich auch die Stärke des Modells: Es verbindet digitale Plattformlogik mit einem sehr realen Bedürfnis nach Gesellschaft, Austausch und gemeinsamen Erlebnissen.

Gleichzeitig ist AMARIK® stark skalierbar. Viele Prozesse innerhalb der Plattform sind automatisiert, während wir regional bewusst dezentral wachsen. Dafür haben wir unser City-Lead-Modell aufgebaut: City Leads entwickeln ihre Regionen vor Ort, bauen Netzwerke auf und begleiten den lokalen Markteintritt, ohne dass dafür in jeder Stadt eine eigene zentrale Struktur entstehen muss.

Diese Kombination aus Automatisierung, zentralen Standards und dezentralem Wachstum ermöglicht es uns, neue Städte vergleichsweise schlank zu erschließen und das Modell perspektivisch auch über Deutschland hinaus zu skalieren.

Ein Marktplatz muss gleichzeitig genügend Begleiter und Nutzer gewinnen. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung beim Wachstum um?

Das ist tatsächlich eine der zentralen Herausforderungen jedes Marktplatzmodells. Ich vergleiche es gern mit einem Kühlschrank: Bevor ich Gäste einlade, sollte er gefüllt sein. Genau deshalb bauen wir in neuen Regionen zunächst ein attraktives und qualitativ gutes Angebot an Begleiterinnen und Begleitern auf und erhöhen anschließend gezielt die Sichtbarkeit auf der Nutzerseite.

Unser City-Lead-Modell hilft uns dabei, weil wir regionale Verantwortung mit einer zentral gesteuerten Plattform verbinden. So können wir neue Städte strukturiert entwickeln, ohne überall eigene zentrale Strukturen aufbauen zu müssen.

Wichtig ist für uns außerdem, nicht einfach möglichst viele Profile zu sammeln. Entscheidend ist, dass Profile vollständig, qualitativ gut und tatsächlich buchbar sind. Qualität und Aktivierung sind für uns wichtiger als reine Registrierungszahlen.

Beim Wachstum testen wir sehr datenbasiert, welche Städte, Zielgruppen und Botschaften funktionieren. So setzen wir Marketingbudgets dort ein, wo wir echte Resonanz sehen und können Angebot und Nachfrage Schritt für Schritt zusammenführen.

AMARIK ist bereits in mehreren deutschen Städten aktiv. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Regionen als Nächstes hinzukommen?

Wir entscheiden nicht nur nach Einwohnerzahl. Für uns ist entscheidend, ob eine Region wirtschaftlich interessant ist, ob es dort eine relevante Zielgruppe gibt und ob wir auf der Angebotsseite genügend Potenzial für gute Begleiterinnen und Begleiter sehen.

Ein wichtiger Faktor sind inzwischen auch unsere eigenen Reichweiten- und Performancedaten. Unsere Instagram-Inhalte haben inzwischen fast eine Million Aufrufe erreicht. Wir werten sehr genau aus, aus welchen Regionen und Metropolen Views, Klicks, Registrierungen und konkrete Reaktionen kommen. Dadurch sehen wir früh, wo unsere Botschaft auf Resonanz trifft und wo sich ein regionaler Markteintritt besonders anbietet.

Hinzu kommen praktische Faktoren wie Erreichbarkeit, regionale Netzwerke und die Frage, ob wir einen passenden City Lead für die Region aufbauen können. Genau dieses dezentrale Modell erlaubt es uns, Städte nicht nach einem starren Plan, sondern nach tatsächlichem Marktpotenzial zu entwickeln.

Unser Ziel ist nicht, möglichst schnell überall einen Punkt auf der Landkarte zu setzen. Wir wollen Regionen so aufbauen, dass dort auch wirklich ein funktionierender Marktplatz entsteht.

Welche langfristigen Pläne verfolgen Sie mit AMARIK, und welche Rolle spielt dabei die Expansion im DACH-Raum?

Unser kurzfristiger Fokus liegt klar auf dem DACH-Raum. Deutschland ist unser Kernmarkt, gleichzeitig bauen wir Österreich und die Schweiz gezielt mit auf. Dabei geht es uns nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Länder zu nennen, sondern das Modell zunächst in vergleichbaren Märkten sauber zu etablieren.

Technisch ist AMARIK® bereits einen Schritt weiter: Die Plattform ist schon heute auch auf Englisch verfügbar. Das ist für uns wichtig, weil AMARIK® von Beginn an europäisch gedacht ist und wir die Voraussetzungen für die nächste Expansionsstufe nicht erst später schaffen wollen.

Unser Plattformmodell, die automatisierten Prozesse und das dezentrale City-Lead-Modell sind darauf ausgelegt, neue Regionen strukturiert zu erschließen. Wenn wir in DACH zeigen, dass sich Angebot, Nachfrage, Qualität und regionale Strukturen reproduzierbar aufbauen lassen, können wir gezielt weitere europäische Metropolen entwickeln.

Unsere Vision ist deshalb größer als der Aufbau einer einzelnen Plattform in Deutschland. Wir wollen AMARIK® als führende Marke innerhalb der Companionship Economy in Europa etablieren und diesen Markt aktiv mitprägen. Eine starke Basis dafür haben wir bereits geschaffen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die einen neuen Markt mit einem erklärungsbedürftigen Geschäftsmodell aufbauen möchten?

Erstens: Nicht in Schönheit sterben. Ich glaube nicht daran, ein Produkt monatelang bis zur vermeintlichen Perfektion zu entwickeln und erst dann in den Markt zu gehen. Gerade bei einem neuen, erklärungsbedürftigen Geschäftsmodell muss man früh sichtbar werden, Werbung schalten, testen und mit echten Reaktionen arbeiten. Das Produkt darf sich weiterentwickeln. Entscheidend ist, dass man überhaupt herausfindet, was der Markt versteht und worauf er reagiert.

Zweitens: Eine klare Linie behalten. Sobald man mit einem neuen Modell sichtbar wird, hat plötzlich jeder eine Meinung dazu und meistens auch eine Vorstellung davon, wie man es besser machen sollte. Zuhören ist wichtig, aber man darf sich nicht nach jeder Meinung strecken. Sonst verliert man Fokus, Geschwindigkeit und irgendwann das eigene Konzept.

Und drittens: Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer. Einen neuen Markt aufzubauen bedeutet viele schlaflose Nächte, Rückschläge und Phasen, in denen man sich fragt, ob man komplett verrückt ist. Trotzdem muss man dranbleiben. Gleichzeitig sollte man sich Menschen suchen, die einen emotional oder ganz praktisch unterstützen und zusätzliche Manpower bringen.

Und man muss rausgehen und netzwerken. Sichtbarkeit entsteht nicht von allein. LinkedIn ist für uns zum Beispiel ein wichtiger Kanal geworden, genauso wie jetzt StartupValley. Gerade bei einem erklärungsbedürftigen Produkt braucht es solche Plattformen, um die eigene Idee immer wieder zu erklären, einzuordnen und Schritt für Schritt breiter bekannt zu machen.

Fotocredits: © Sandra Haas

Wir bedanken uns bei Sandra Haas für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: AMARIK

AMARIK: Begleitung über eine Plattform buchen Logo gold ohne zeichenfläche

Kontakt:

AMARIK®
Londonerstraße 1
70173 Stuttgart
Deutschland

amarik.de
Info@amarik.de
Sandra.haas@amarik.de

Ansprechpartnerin: Sandra Haas
Gründerin

Social Media:
Instagram
LinkedIn Sandra Haas

Baubeweis: Wie Handwerker die Baustelle in Sekunden per Sprachnachricht dokumentieren

0
Baubeweis: Baustelle digital für Handwerker Matthias Pötschke Baubeweis Fotocredits: Baubeweis

Baubeweis erleichtert die Dokumentation auf der Baustelle und soll Handwerker dabei unterstützen, Informationen schnell und direkt während der Arbeit festzuhalten.

Können Sie Baubeweis kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die digitale Baustellendokumentation entstanden ist?

Baubeweis ist eine einfache Lösung für Baustellendokumentation im Handwerk. Der Grundgedanke ist ziemlich simpel: Foto aufnehmen, kurz sprechen, fertig. Aus den Informationen entsteht ein strukturierter Baustelleneintrag, mit dem der Betrieb weiterarbeiten kann.

Die Idee ist entstanden, weil ich gesehen habe, wie viel Zeit nach Feierabend noch für Dinge draufgeht, die eigentlich längst auf der Baustelle passiert sind. Fotos zusammensuchen, überlegen, was genau besprochen wurde, Zusatzleistungen rekonstruieren, Berichte schreiben.

Gleichzeitig gibt es bereits sehr mächtige Softwarelösungen. Viele davon können unglaublich viel. Aber genau da habe ich angefangen, anders darüber nachzudenken.

Ich glaube an den Werkzeugkoffer statt das Schweizer Taschenmesser.

Wenn ich ein Loch bohren will, brauche ich einen guten Bohrer. Kein Werkzeug, das gleichzeitig bohrt, streicht, meine Buchhaltung macht und noch zwanzig andere Dinge kann.

Genau so sehe ich Software.

Und für mich steht und fällt Digitalisierung auf der Baustelle mit einer Sache: Nehmen die Mitarbeiter draußen das Werkzeug wirklich an?

Wenn die Software ihren Arbeitsablauf gravierend stört, sie erstmal geschult werden müssen oder das Gefühl entsteht, dass sie damit kontrolliert werden sollen, habe ich meiner Meinung nach schon verloren.

Deshalb kam für mich die entscheidende Frage:

Wie wenig Zusatzaufwand muss ich einem Handwerker zumuten, damit am Ende trotzdem alles Wichtige dokumentiert ist?

Die Antwort darauf wurde Baubeweis.

Foto. Sprechen. Fertig.

Wer steht hinter Baubeweis, und welche Erfahrungen haben Sie in die Entwicklung der Lösung eingebracht?

Hinter Baubeweis stehe zunächst einmal ich, Matthias Pötschke.

Ich komme nicht aus einer klassischen Software-Startup-Blase. Während Schule und Studium habe ich selbst auf Baustellen bei einem Fliesenleger gearbeitet und dadurch früh gesehen, wie anders Prozesse draußen funktionieren als am Schreibtisch.

Beruflich arbeite ich heute bei einem der weltweit führenden Landmaschinenhersteller im Umfeld von Finanz- und Softwarelösungen. Dort erlebe ich die andere Seite: komplexe Systeme, Prozesse und die Frage, wie man Technik so übersetzt, dass sie für den Anwender tatsächlich einen Nutzen hat.

Bei Baubeweis treffen diese beiden Erfahrungen ziemlich direkt aufeinander.

Ich kenne die Baustelle zumindest gut genug, um zu wissen, dass eine Lösung dort nicht deshalb funktioniert, weil sie technisch beeindruckend ist. Sie funktioniert dann, wenn der Mitarbeiter sie schnell versteht, akzeptiert und sie seinen Arbeitsablauf nicht unnötig stört.

Mein Grundsatz ist deshalb:

Die Komplexität darf im System stecken. Aber sie darf nicht beim Handwerker draußen landen.

Welche Probleme bei der Dokumentation auf Baustellen möchten Sie mit Baubeweis konkret lösen?

Vor allem das doppelte Arbeiten.

Auf der Baustelle passiert etwas. Jemand macht vielleicht ein Foto. Eine Absprache wird getroffen. Es entsteht Zusatzaufwand. Am Abend oder sogar Tage später versucht jemand, daraus wieder einen vollständigen Vorgang zu machen.

Dann beginnt die Sucherei.

Welches Foto gehörte dazu? Wer war dabei? Was wurde genau gesagt? Warum wurde etwas anders ausgeführt? WhatsApp-Videos werden angeschaut, pausiert, daraus Screenshots gemacht und das, was dort gesagt wurde, nochmal abgetippt.

Genau diese zweite Arbeit möchte ich vermeiden.

Ich möchte, dass Informationen direkt dort entstehen, wo auch die Arbeit passiert.

Was draußen passiert, sollte möglichst auch draußen erledigt sein.

Mein größtes Ziel ist aber noch etwas anderes:

Ich möchte den Leuten, die abends nach der Baustelle ihre zweite Schicht anfangen, ein Stück Feierabend zurückgeben.

Wenn das am Ende 20 oder 30 Minuten am Tag sind, die jemand früher bei seiner Familie ist oder sich mit Freunden zum Spiel treffen kann, ohne die erste Halbzeit zu verpassen, dann haben wir etwas richtig gemacht.

Für mich ist Zeitersparnis deshalb nicht nur eine Zahl. Sie ist Lebenszeit.

Foto aufnehmen und die Situation per Sprache erklären. Warum war Ihnen eine möglichst einfache Bedienung besonders wichtig?

Weil der Handwerker nicht auf der Baustelle ist, um Software zu bedienen.

Das klingt banal, wird bei Software aber erstaunlich oft vergessen.

Der Mitarbeiter hat Werkzeug in der Hand, arbeitet unter Zeitdruck und soll seinen eigentlichen Ablauf möglichst nicht unterbrechen.

Deshalb habe ich mich nicht gefragt:

„Welche Funktionen können wir noch einbauen?“

Sondern:

„Was kann ich alles weglassen, um Zeit zu sparen und trotzdem genug Informationen zu erfassen?“

Foto aufnehmen. Kurz sagen, was passiert ist. Fertig.

Was danach technisch im Hintergrund passiert, kann durchaus komplex sein. Aber das ist mein Problem.

Nicht das des Handwerkers.

Ich möchte nicht, dass der Handwerker für unsere Software arbeitet.

Unsere Software soll für den Handwerker arbeiten.

Baubeweis richtet sich gezielt an Handwerksbetriebe. Welche Anforderungen dieser Zielgruppe werden von bestehenden digitalen Lösungen aus Ihrer Sicht noch nicht ausreichend erfüllt?

Ich habe meine Sicht darauf ja schon beschrieben: Ich glaube eher an fokussierte Werkzeuge als an die eierlegende Wollmilchsau.

Für mich ist deshalb weniger entscheidend, wie viele Funktionen eine Software hat, sondern wie gut sie in den echten Arbeitsalltag eines Handwerksbetriebs passt.

Draußen gelten andere Bedingungen als am Schreibtisch. Zeitdruck, Lärm, Handschuhe, wechselnde Baustellen, teilweise schlechtes Netz und vor allem Mitarbeiter, die ihre eigentliche Arbeit machen wollen.

Eine Lösung muss sich daran anpassen.

Sie muss schnell funktionieren, darf den Arbeitsablauf nicht unnötig unterbrechen und sollte dem Mitarbeiter nicht das Gefühl geben, dass Digitalisierung vor allem mehr Kontrolle bedeutet.

Wenn die Leute draußen das Werkzeug nicht annehmen, kann die Software im Büro noch so gut aussehen. Dann funktioniert die Digitalisierung am Ende trotzdem nicht.

Genau da sehe ich noch viel Potenzial: nicht unbedingt noch mehr Funktionen, sondern Lösungen, die konsequenter aus der Realität der Menschen gebaut werden, die sie jeden Tag benutzen.

Zusatzleistungen führen auf Baustellen häufig zu späteren Diskussionen. Wie hilft Baubeweis dabei, solche Leistungen nachvollziehbar festzuhalten und abzurechnen?

Der wichtigste Punkt ist für mich, dass die Zusatzleistung direkt festgehalten wird, wenn sie entsteht oder besprochen wird.

Wenn der Kunde zum Beispiel zusätzliche Arbeiten möchte, kann der Mitarbeiter einfach kurz einsprechen, was gewünscht ist. Wenn es sinnvoll ist, kann er zusätzlich ein Foto machen. Aber er muss natürlich nichts fotografieren, was noch gar nicht ausgeführt wurde.

Der Chef bekommt die Information direkt und kann anschließend eine Freigabe durch den Kunden anfordern. Dabei ist es egal, ob der Kunde gerade vor Ort ist oder die Anfrage später über einen Link bestätigt.

Damit muss der Betrieb nicht Tage später aus Erinnerung, WhatsApp-Nachrichten und einzelnen Fotos zusammensuchen, was eigentlich besprochen oder zusätzlich beauftragt wurde.

Und wir gehen bewusst noch einen Schritt weiter: Die erfassten Zusatzleistungen können für die spätere Abrechnung vorbereitet und exportiert werden.

Baubeweis ersetzt damit keine vollständige kaufmännische Abrechnungslösung. Aber die Informationen, die dafür gebraucht werden, liegen bereits strukturiert vor und müssen nicht erst wieder zusammengesucht werden.

Mein Grundsatz ist:

Nicht später erinnern. Direkt festhalten.

Was unterscheidet Baubeweis von einem klassischen digitalen Bautagebuch oder der Dokumentation über Fotos und Messenger?

Ein Foto allein ist erstmal nur ein Foto.

Und Messenger lösen das Problem meiner Meinung nach auch nur teilweise. Dann liegt die Information zwar digital vor, aber irgendwo zwischen privaten Bildern, Gruppenchats und fünfzig anderen Nachrichten.

Baubeweis ist davon komplett losgelöst.

Die Baustellendokumentation landet nicht in der privaten Fotogalerie und nicht zwischen normalen Messenger-Chats, sondern direkt im richtigen Projekt und im richtigen Baustellenkontext.

Dort gehören Foto, Beschreibung und weitere Informationen zusammen.

Und genau da geht Baubeweis für mich über ein klassisches digitales Bautagebuch hinaus.

Je nachdem, was der Betrieb benötigt, werden aus diesen Informationen Berichte automatisch erstellt und können direkt im richtigen Ordner in Google Drive landen, wo sie weiterverarbeitet werden.

Im Idealfall passiert das, während derjenige längst im Auto auf dem Heimweg sitzt.

Ohne dass er sich abends nochmal hinsetzen und irgendetwas zusammensuchen muss.

Der Unterschied ist deshalb für mich nicht einfach nur „digital statt analog“.

Es geht darum, aus einzelnen Baustelleninformationen einen durchgängigen Prozess zu machen.

Erfassen, strukturieren, Bericht erstellen, ablegen, weiterarbeiten.

Der Handwerker draußen soll möglichst wenig eingeben müssen, und der Chef drinnen möglichst wenig nacharbeiten.

Verlässliche Nachweise sind auf Baustellen entscheidend. Wie stellen Sie sicher, dass dokumentierte Informationen später nachvollziehbar bleiben?

Bei dem Thema bin ich bewusst vorsichtig.

Ich verwende zum Beispiel nicht den Begriff „rechtssicher“. Wer verspricht, mit seiner Software sei etwas zu hundert Prozent rechtssicher, lehnt sich nach meinem Empfinden ziemlich weit aus dem Fenster.

Eine hundertprozentige Rechtssicherheit kann meiner Meinung nach niemand seriös garantieren.

Vielleicht mache ich es mir damit im Marketing sogar etwas schwerer. „Rechtssicher“ klingt natürlich gut und ist wahrscheinlich für viele ein Kaufargument.

Aber ich bin lieber ehrlich.

Ich kann niemandem versprechen, dass es nie Streit gibt oder dass ein Eintrag automatisch entscheidet, wer Recht bekommt.

Mein Anspruch ist ein anderer: Die Situation möglichst genau dann festzuhalten, wenn sie entsteht, und nicht erst abends oder Tage später aus der Erinnerung heraus.

Bei Baubeweis entsteht die Dokumentation direkt auf der Baustelle. Fotos werden direkt in Baubeweis aufgenommen. Es können nicht einfach irgendwelche Bilder aus der privaten Galerie hochgeladen werden, die vielleicht schon mehrere Tage alt sind und bei denen später niemand mehr genau weiß, wann und in welchem Zusammenhang sie entstanden sind.

Die Dokumentation entsteht live.

Foto, Zeitpunkt, Beschreibung und Baustellenbezug gehören direkt zusammen. Auch Vorschäden können so unmittelbar dokumentiert werden, bevor später überhaupt die Frage entsteht, wann ein Schaden vorhanden war oder entstanden ist.

Wenn der Chef es für sinnvoll hält, kann er zusätzlich eine Bestätigung durch den Kunden anfordern, ähnlich wie bei Zusatzleistungen. Ob er das möchte, entscheidet der Betrieb selbst.

Und auch danach ist die Nachvollziehbarkeit wichtig: Ein abgeschlossener Eintrag kann nicht einfach nachträglich verändert oder gelöscht werden.

Damit steht später im Zweifel nicht nur die Erinnerung des einen gegen die Erinnerung des anderen. Es gibt einen direkt auf der Baustelle entstandenen Eintrag mit Zeitpunkt, Baustellenbezug, Beschreibung und gegebenenfalls Foto oder Kundenbestätigung.

Mein Anspruch ist, aus einem möglichen „Aussage gegen Aussage“ eine möglichst gut nachvollziehbar dokumentierte Situation zu machen.

Nicht später rekonstruieren, was vielleicht gewesen ist.

Sondern direkt festhalten, was in diesem Moment auf der Baustelle passiert ist.

Viele Handwerker möchten möglichst wenig Zeit mit Büroarbeit verbringen. Wie überzeugen Sie Betriebe davon, einen weiteren digitalen Prozess in ihren Arbeitsalltag zu integrieren?

Indem es sich möglichst nicht wie ein weiterer digitaler Prozess anfühlt.

Wenn ich einem Handwerker sage:

„Du hast jetzt noch eine App, hier sind zwölf Menüs und nächste Woche machen wir erstmal eine Schulung“,

dann habe ich das Problem wahrscheinlich nur verlagert.

Baubeweis soll nicht noch eine zusätzliche Aufgabe schaffen. Es soll Arbeit ersetzen, die heute sowieso gemacht werden muss. Nur schneller und im besten Fall ganz ohne zusätzliches Zutun.

Der Mitarbeiter hält die Information direkt auf der Baustelle fest, spricht kurz ein, was passiert ist, und arbeitet weiter.

Und das spart nicht nur dem Chef später Zeit.

Auch für den Mitarbeiter draußen kann schlechte oder unvollständige Dokumentation zusätzliche Arbeit bedeuten. Wenn der Chef abends noch Rückfragen hat, weil der Rundgang nicht vollständig verständlich war oder wichtige Infos fehlen, muss der Mitarbeiter wieder ans Handy, Dinge erklären oder nochmal nachdenken, was genau passiert ist.

Genau diese Schleifen möchte ich vermeiden.

Wenn Informationen direkt verständlich und vollständig genug erfasst werden, haben am Ende beide Seiten weniger Arbeit: der Handwerker draußen und der Chef im Büro.

Digitalisierung darf Papierkram nicht einfach digital machen.

Sie muss Arbeit verschwinden lassen.

Welche Rückmeldungen aus dem Handwerk beeinflussen die Weiterentwicklung von Baubeweis besonders?

Am wertvollsten ist für mich Feedback aus der echten Nutzung.

Ich bin Fußballer und habe selbst auf Baustellen gearbeitet. Ich arbeite am besten mit Leuten, die roh, direkt und ehrlich sagen, was Sache ist. Ohne Umwege.

Also nicht:

„Theoretisch wäre Funktion XY noch ganz interessant.“

Sondern eher:

„Der Prozess geht mir auf den Sack. Das muss einfacher gehen.“

Oder:

„Hier verliere ich jedes Mal Zeit.“

„Warum muss ich das zweimal machen?“

„Da muss ich einmal zu viel drücken.“

„Das versteht draußen keiner.“

Oder eben auch:

„Genau das erspart mir heute Abend Arbeit.“

Mit genau so einem Feedback kann ich arbeiten.

Ich will Baubeweis nicht am Schreibtisch perfektionieren und anschließend erklären, dass die Nutzer sich daran gewöhnen müssen.

Wenn ein Prozess draußen nicht funktioniert, müssen wir ihn besser machen.

Nicht der Handwerker.

Das ist eigentlich genau die Art von Rückmeldung, die ich mir wünsche: klar, direkt, ehrlich. Dann weiß ich, wo wir ranmüssen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Baubeweis, und welche weiteren Entwicklungsschritte planen Sie für die Plattform?

Baubeweis soll vor allem eines bleiben: fokussiert und simpel.

Ich möchte daraus nicht irgendwann ein riesiges System machen, nur weil man technisch noch zwanzig weitere Funktionen hineinbauen könnte.

Natürlich werden wir Baubeweis weiter verbessern und gemeinsam mit den Betrieben schauen, wo noch unnötige Arbeit verschwinden kann.

Die größere Vision dahinter geht für mich aber über Baubeweis hinaus.

Ich glaube wie gesagt an einen Werkzeugkoffer aus einfachen, spezialisierten Werkzeugen, die jeweils einen echten Arbeitsprozess richtig lösen und dort zusammenspielen können, wo es sinnvoll ist.

Und jeder Betrieb nimmt sich aus diesem Werkzeugkoffer genau das, was zu ihm passt.

Nicht mehr. Nicht weniger.

Ich halte wenig davon, Software künstlich über Tarife zu deckeln und dem Nutzer trotzdem permanent alle Funktionen und Menüs zu zeigen, von denen er die Hälfte gar nicht verwenden kann.

Wenn ein Betrieb ein Werkzeug nicht braucht, dann muss es ihm auch nicht ständig im Weg stehen.

Einfach heißt für mich nicht, dass im Hintergrund wenig passiert. Einfach heißt, dass der Nutzer nur das sieht und benutzt, was er wirklich braucht.

Baubeweis ist für mich das erste Werkzeug nach diesem Prinzip.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Lösung für eine traditionelle Branche entwickeln möchten?

Erstens: Geh dahin, wo die Arbeit wirklich passiert.

Nicht nur am Schreibtisch überlegen, wie ein Prozess theoretisch aussehen könnte. Schau dir an, wie die Menschen tatsächlich arbeiten. Wo verlieren sie Zeit? Was nervt sie? Wo wird improvisiert?

Zweitens: Verlieb dich ins Problem, nicht in deine Funktionen.

Nur weil du etwas technisch bauen kannst, heißt das noch lange nicht, dass der Nutzer es braucht.

Manchmal ist die beste neue Funktion die, die du gar nicht einbaust.

Und drittens: Mach es dem Nutzer nicht schwerer, nur weil es für dich technisch einfacher ist.

Die Komplexität darf hinten liegen.

Vorne muss das Werkzeug funktionieren.

Gerade in traditionellen Branchen gewinnt meiner Meinung nach nicht unbedingt die Lösung mit den meisten Funktionen.

Es gewinnt die, die sich am besten in die echte Arbeit einfügt und den Menschen möglichst wenig im Weg steht.

Fotocredits: Baubeweis

Wir bedanken uns bei Matthias Pötschke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

VREY: Wie das Startup Solarstrom im Mehrfamilienhaus für Mieter und Eigentümer nutzbar macht

0
VREY: Solarstrom im Mehrfamilienhaus neu gedacht Julius Pahmeier

VREY macht das Mehrfamilienhaus zum aktiven Teil der Energiewende und ermöglicht Eigentümern, selbst erzeugten Solarstrom direkt an ihre Mieter zu verkaufen.

Können Sie VREY kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Bei VREY bauen wir das EnergyOS für Mehrfamilienhäuser: die integrierte Plattform für die Energieversorgung. Wir ermöglichen Eigentümern von Mehrfamilienhäusern erstmals, ihren selbst erzeugten Solarstrom direkt an ihre Mieter zu verkaufen, ohne selbst zum Energieversorger zu werden. Für die Eigentümer bedeutet das Mehreinnahmen und eine Wertsteigerung der Immobilie, für die Mieter eine niedrigere Stromrechnung. Messung und Abrechnung übernehmen wir vollständig – dank eines integrierten Angebots aus Smart Metering und eigener Software.

Wir haben nicht mit einem Produkt angefangen, sondern mit der Frage, wo in der europäischen Energiewende die größte unbearbeitete Lücke liegt. Die Antwort war eindeutig: Mehrfamilienhäuser sind weiterhin das schwarze Loch der Energiewende. Unter ein Prozent Solardurchdringung, unter zwei Prozent Smart Metering, kaum Flexibilität oder intelligentes Energiemanagement. Gleichzeitig lebt über die Hälfte der Menschen in Deutschland in diesen Gebäuden. Unsere Einschätzung: Was fehlt, ist nicht die Technik, sondern ein System, das diesen Wandel wirtschaftlich und operativ beherrschbar macht. Das ändern wir jetzt.

Herr Pahmeier, Sie haben nach Ihrem Master in Innovation & Entrepreneurship an der ESADE VREY gegründet. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben Sie auf Ihrem Gründungsweg besonders geprägt?

Die Hürde für Entrepreneurship ist in Europa für Menschen in ihren Zwanzigern weiterhin hoch. Aus meiner Sicht ist sie jedoch weniger fachlich als mental: Wir haben viele brillante, sehr gut ausgebildete Leute. Es braucht allerdings ein erhebliches Maß an Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit tatsächlich zu gehen, statt ihn auf später zu verschieben.

Für mich war zu Studienbeginn nicht die Frage, ob ich gründe, sondern wann. Was das MIE-Programm dazu beigetragen hat, war weniger Wissen als Mut. Im täglichen Austausch mit anderen Gründern und im Zuspruch der Professoren – viele von ihnen selbst Business Angels – wirkte die Selbstständigkeit nicht mehr wie ein unkalkulierbares Risiko, sondern wie der Weg mit dem größten persönlichen Wachstum. Wenn man in zehn Jahren der bestmögliche Entrepreneur sein möchte, ist der einzig richtige Schritt: heute anfangen. Daher habe ich mir an der ESADE das schriftlich gegeben: einen Vertrag mit mir selbst, dass ich mich nach dem Master selbstständig mache. Komme, was wolle.

Welche Vision verfolgen Sie mit VREY, und wie möchten Sie die Energiewende im Bereich der Mehrfamilienhäuser vorantreiben?

Für unsere Gesellschaft ist es elementar, dass wir möglichst schnell günstige und saubere Energie bereitstellen. Sie ist das Fundament für unsere Klimaziele; aber auch für ein wirtschaftlich starkes Europa und für das KI-Zeitalter, das ohne bezahlbaren Strom nicht stattfinden wird.

Mehrfamilienhäuser werden dabei bis heute kaum mitgedacht, obwohl dort enorme Kapazitäten liegen: Dachflächen für die Erzeugung und eine rasant wachsende Flexibilität in den Haushalten durch Elektromobilität, Speicher und Wärmepumpen. Beides bleibt aktuell fast vollständig ungenutzt.

Genau hier setzt unsere Vision an. VREY liefert sowohl die Infrastruktur – Messtechnik und Steuerboxen – als auch die Software, um Schritt für Schritt die notwendige Intelligenz in diese Gebäude zu bringen und sie in ein integriertes Stromsystem einzubinden. Das Ziel ist ein Verbrauch, der sich, wo möglich, an der erneuerbaren Erzeugung orientiert. Das ist es, was wir mit dem EnergyOS für das Mehrfamilienhaus meinen.

Warum galten Mehrfamilienhäuser lange als einer der schwierigsten Bereiche der Solarwende, und welche Probleme löst VREY konkret?

Die häufigste Reaktion war jahrelang: „Das ist mir zu komplex.“ Und das war nachvollziehbar. Im bisherigen Betriebsmodell, dem klassischen Mieterstrom, wird der Eigentümer zum Vollversorger seiner Mieter. Damit übernimmt er umfassende Lieferantenpflichten – Meldepflichten, Haftung, die Beschaffung des Reststroms. Das ist für niemanden attraktiv, der eigentlich Immobilien bewirtschaftet. Hinzu kommt: Vollversorgung bedeutet für die Mieter einen Lieferantenwechsel. Entsprechend fallen Teilnahmequoten und Akzeptanz im klassischen Mieterstrom oft gering aus.

Wir haben uns deshalb auf das neue Modell spezialisiert: die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach §42b EnWG. Dort entfallen die Vollversorgerpflichten ausdrücklich. Der Reststrom – wenn keine Sonne scheint oder der Speicher leer ist – kommt weiterhin vom bestehenden Stromlieferanten, den die Mieter frei wählen. Das macht das Modell für alle Beteiligten transparent: Eigentümer verkaufen ihren Solarstrom zu einem festen Preis an die Mieter, zum Beispiel 20 Prozent unter dem üblichen Strompreis, und refinanzieren damit die Anlage. Die Mieter sparen mit der ersten Kilowattstunde Solarstrom Geld.

Die Regulierung hat damit die eine zentrale Hürde beseitigt. Jedoch bleibt ohne VREY die operative Komplexität. Es muss viertelstündlich für jede einzelne Wohneinheit ermittelt werden, welcher Anteil des Stroms vom Dach kommt und welcher aus dem Netz. Das ist ohne Smart Metering und eigene Software nicht abbildbar. Mehrere Dienstleister schaffen aber Komplexität und unnötige Kosten. Genau das ist unsere Aufgabe: Wir übernehmen Messung, Visualisierung und Abrechnung vollständig, sodass für den Eigentümer eine Lösung aus einer Hand bleibt.

An welche Zielgruppen richtet sich VREY hauptsächlich, und welche Vorteile bietet Ihre Lösung für Eigentümer sowie für Mieter?

VREY richtet sich an Eigentümer von Mehrfamilienhäusern: von der privaten Vermieterin bis zum börsennotierten Immobilienunternehmen. Die Motive unterscheiden sich dabei deutlich. Größere Bestandshalter und Projektentwickler handeln oft aufgrund ordnungspolitischer Vorgaben, etwa der in mehreren Bundesländern geltenden Pflicht zur Installation von Photovoltaik bei einer Dachsanierung. Wohnungsbaugenossenschaften wollen vor allem günstigen Solarstrom für ihre Mitglieder bereitstellen. Private Vermieter wollen das Renditepotenzial ihrer Gebäude ausschöpfen.

Für alle Gruppen entsteht derselbe wirtschaftliche Nutzen: zusätzliche Einnahmen aus dem Solarstromverkauf, und das bei minimalem eigenen Aufwand. Bei einem klassischen Mehrparteienhaus mit acht bis zehn Wohneinheiten ist nach Abzug aller Kosten mit 5.000 bis 6.000 Euro zusätzlichem Cashflow pro Jahr zu rechnen. Bei den aktuell attraktiven Preisen für Photovoltaik und Speicher liegt die Eigenkapitalrendite in der Regel im zweistelligen Prozentbereich. Hinzu kommt der zweite Effekt: Modernisierung und höherer freier Cashflow steigern nach dem Ertragswertverfahren den Wert der Immobilie selbst.

Die Mieter beziehen den Solarstrom etwa 20 Prozent unter dem üblichen Strompreis – ohne eigene Investition und ohne Verpflichtung. Die Teilnahme ist freiwillig, und für den Reststrom wählen sie ihren Anbieter weiterhin frei. Es ist eines der wenigen Modelle, in dem Eigentümer und Mieter gleichzeitig profitieren..

VREY begleitet den gesamten Prozess von der Planung bis zur Abrechnung. Was macht dieses integrierte Modell aus Ihrer Sicht besonders?

Der sichtbare Teil eines Projekts ist die Solaranlage auf dem Dach. Der schwierige Teil kommt im Mehrfamilienhaus jedoch oft danach.

Die Kernherausforderung liegt in der Messinfrastruktur und im laufenden Betrieb: Der Strom einer einzigen Solaranlage muss auf teilweise über 30 Wohneinheiten aufgeteilt werden. Das erfordert hochkomplexe operative Prozesse, insbesondere im Messstellenbetrieb. Üblicherweise sind mehrere Unternehmen pro Projekt involviert: Installationsbetrieb, Messstellenbetreiber, Abrechnungsdienstleister. Die Schnittstellen zwischen den Parteien erzeugen schnell Probleme, unklare Verantwortlichkeiten und hohe Kosten.

Entscheidend ist deshalb, wer den Messstellenbetrieb übernimmt, denn dort entstehen die Energiedaten. Weil wir selbst zertifizierter Messstellenbetreiber sind, liegen diese Daten bei uns. Wir nutzen sie direkt für die Abrechnung – und zeitnah auch für die Optimierung innerhalb des Gebäudes. Es gibt keine unnötigen Übergaben an Dritte, kein Warten auf fremde Messwerte, keine Abweichungen zwischen Messung und Rechnung.

Für den Kunden ist das Ergebnis eine vollständige Lösung aus einer Hand: minimaler eigener Aufwand und, dank dieser Synergien, das wirtschaftlich attraktivste Gesamtpaket. Zusätzlich können wir Projekte beschleunigen, weil wir als Messstellenbetreiber direkt mit den Verteilnetzbetreibern und Lieferanten in den Austausch gehen. Genau darauf kommt es an: Unsere Kunden wollen eine profitable Lösung, die die nächsten 20 bis 30 Jahre möglichst geräuschlos durchläuft.

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen eröffnen neue Möglichkeiten für gemeinschaftlich genutzten Solarstrom. Welche Bedeutung haben diese Veränderungen für Ihr Geschäftsmodell?

Die Einführung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung im Jahr 2024 war für unser Segment die entscheidende Veränderung – sie hat den Markt in dieser Form überhaupt erst geschaffen. Eigentümer können ihren Solarstrom seitdem bürokratiearm an ihre Mieter verkaufen, weil die Lieferanten- und regulatorischen Haftungspflichten größtenteils entfallen.

Genauso wichtig ist aber die übergreifende Dynamik dahinter. Neben der GGV kommen der verpflichtende Smart-Meter-Rollout, die Steuerbarkeit von Wärmepumpen und Wallboxen nach §14a EnWG und dynamische Stromtarife. Für uns ist das kein Risiko, sondern der Kern unserer Strategie: Wer Messinfrastruktur und Software selbst betreibt, kann jede dieser Änderungen im bestehenden Gebäudebestand abbilden. Wir sind der Partner für Kunden, welcher die attraktivsten Geschäftsmodelle ermöglicht und regulatorische Kopfschmerzen fernhält.

Am Horizont ist Energy Sharing besonders vielversprechend, weil es den Verkauf von Energie über die Gebäudegrenze hinaus ermöglicht (also auch an Nachbarn). Hier sind allerdings noch einige prozessuale und regulatorische Fragen zu klären, bevor das Modell für den Massenmarkt taugt. Wir beobachten das sehr genau und prüfen erste Piloten.

VREY ist bereits in mehr als 200 Gebäuden in allen 16 Bundesländern aktiv. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Skalierung eines ClimateTech-Unternehmens?

Unsere Lösung – typisch für ClimateTech – skaliert nicht wie ein klassisches SaaS-Unternehmen. Jedes Gebäude ist ein physisches Projekt mit eigenem Zählerschrank, eigener Netzanmeldung und eigener Mieterstruktur. Drei Dinge sind dabei die eigentliche Arbeit:

Erstens die föderale Struktur: In Deutschland gibt es über 800 Verteilnetzbetreiber, jeder mit eigenen Anforderungen, Formularen, Fristen und Auslegungen. In allen 16 Bundesländern aktiv zu sein bedeutet deshalb hunderte zu beachtende Varianten. Die Aufgabe ist, trotz dieser Varianz zu standardisieren.

Zweitens der Hardware-Rollout: Damit möglichst viele Haushalte schnell und effizient mit der erforderlichen Smart-Meter-Messtechnik ausgestattet werden, arbeiten wir intensiv an internen digitalen Anwendungen. Der zertifizierte Messstellenbetrieb ist operativ der anspruchsvollste Teil unseres Geschäfts – und gleichzeitig derjenige, der über unsere Geschwindigkeit entscheidet. Für VREY und den Smart-Meter-Rollout im Mehrfamilienhaus.

Drittens die Softwaretiefe: Die viertelstündliche Zuordnung von Solar- und Netzstrom für jede einzelne Wohneinheit ist hochkomplex und erst der Anfang. Der regulatorische Rahmen verändert sich fortlaufend, und jede Änderung muss im gesamten Bestand abgebildet werden. Das erfordert eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Software.

Vor Kurzem haben Sie eine Seed-Finanzierungsrunde über 3,3 Millionen Euro abgeschlossen. Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele möchten Sie mit diesem Kapital umsetzen?

Wir erfahren derzeit eine sehr starke Nachfrage nach unserem Produkt; das Modell nimmt gerade deutlich Fahrt auf. Entsprechend geht es jetzt darum, die Systeme und Prozesse zu schaffen, um in den nächsten zwölf Monaten auf über 10.000 Einheiten zu wachsen.

Der Hebel und strategische Fokus liegt daher auf unserem Operational Excellence Modell. Das bedeutet konkret: Automatisierungen und AI, wo sinnvoll. Digitale Prozesse im Messstellenbetrieb und im laufenden Betrieb sind entscheidend dafür, dass jedes zusätzliche Gebäude uns weniger Aufwand kostet als das vorherige. Parallel bauen wir das Team gezielt mit ausgezeichneten Leuten in den Bereichen Commercial, Energy Operations und Produkt aus.

Der zweite Teil ist die Produktentwicklung. Wie angesprochen stehen viele regulatorische Änderungen an: Steuerbarkeit von Wärmepumpen und Wallboxen nach §14a EnWG, Direktvermarktung und die Einbindung von dynamischen Stromtarifen. Diese Themen hängen unmittelbar zusammen, und wir setzen strategisch bewusst auf diese Abhängigkeiten: Als zertifizierter Messstellenbetreiber stellen wir mit Smart Metern und CLS-Steuerboxen genau die Infrastruktur bereit, die für all diese Anwendungsfälle die Voraussetzung ist. Der nächste logische Schritt ist die Intelligenz: ein umfassendes Energiemanagement dediziert für das Mehrfamilienhaus.

Welche Rolle spielen europäische Hochschulen und Entrepreneurship-Programme heute bei der Entstehung innovativer Startups, und wie hat Sie die ESADE auf die Gründung vorbereitet?

Hochschulen schaffen vor allem Ökosysteme: Zugang zu Investoren, Sparringspartner, erste Mitarbeitende – und Klarheit im Denken. Für mich war der letzte Punkt der wichtigste.

Die Entrepreneurship-Kurse an der ESADE haben mir geholfen, stringent über Geschäftsmodelle und die konkrete Value Proposition nachzudenken und den Prozess der Ideenfindung systematisch anzugehen. Das war elementar, denn in dieser Phase sterben weiterhin die meisten Startups. Sie arbeiten an einer Lösung für ein Problem, für das niemand bereit ist zu zahlen. Durch viel Exploration schon während dem Studium an der ESADE konnte ich diesen Fallstrick mit VREY vermeiden.

Wie sehen Sie die Zukunft der dezentralen Energieversorgung, und welche Rolle soll VREY dabei langfristig übernehmen?

Das Energiesystem verschiebt sich von einer zentralen Struktur mit wenigen großen Kraftwerken zu einer dezentralen aus Millionen kleiner, steuerbarer Einheiten. Die meisten davon stehen in Wohngebäuden.

Jedes Mehrfamilienhaus wird eine Solaranlage haben, eine Wärmepumpe und mehrere E-Autos, deren Batterien zugleich Speicher sind. Das ist nur eine Frage der Zeit. Unsere Infrastruktur ist auf diesen Schritt aber noch nicht ausgelegt.

Entweder man baut das Netz aus – teuer und langsam – oder man verschiebt Lasten intelligent. Steuerbarkeit wird deshalb zur Voraussetzung dafür, dass E-Mobilität und Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus überhaupt funktionieren.

Genau da sehen wir unsere Rolle. Wir sind mit Messtechnik und Abrechnung ohnehin im Gebäude -die Intelligenz obendrauf ist der nächste logische Schritt. Das ist das EnergyOS: die sinnvolle Orchestrierung aller Strom- und Geldflüsse im Mehrfamilienhaus.

Wofür das Ganze: Europa braucht Energie im Überfluss. Für KI-Rechenzentren, für eine wettbewerbsfähige Industrie, für unsere Klimaziele.

Und ein erheblicher Teil davon wird in den Häusern entstehen, in denen Menschen ohnehin wohnen. Millionen Gebäude, die heute nichts davon tun. Wir arbeiten sehr hart daran, dass sich das schnell ändert.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Lösungen einen Beitrag zur Energiewende leisten möchten?

  1. Finde ein Kundenproblem und fang früh an zu verkaufen: Bevor man teure Ressourcen bindet – Entwickler, aber vor allem Gründerzeit – muss man sich sicher sein, dass das Problem real ist. Diese Sicherheit bekommt man nur an einer Stelle: im Verkaufsgespräch. Wer ständig verkauft, hört, was die Kunden wirklich beschäftigt. Das ist das A und O.
  2. Es ist ein People Business: Mein Co-Founder Cedric und ich sind selbst die größten Engpässe im Unternehmen, ohne das zu wollen. Deshalb brauchen wir herausragende Leute, um unserer Ambition auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Eine Kultur, in der man sich blind vertrauen kann, weil alle stark sind, ist gleichzeitig das Beste für die persönliche Entwicklung, macht am meisten Spaß und maximiert die Erfolgsaussichten.
  3. Baue dein Entscheidungsmodell, der Rest ist „learning by doing“: Man braucht sauberes First-Principle-Denken und einige grundlegende Mechanismen, um schnell gute Entscheidungen zu treffen. Alles andere ist zu 95 Prozent Learning by Doing: Probleme identifizieren, priorisieren, pragmatisch lösen.

Fotocredits: VREY

Wir bedanken uns bei Julius Pahmeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

yummy.world: Wie KI und interaktive Maps neue Rezepte auf den Familientisch bringen

0
yummy.world: KI für Rezepte und Essensplanung steffen matzke gründer und ceo

yummy.world verbindet Rezepte mit KI und unterstützt Familien dabei, Gerichte zu entdecken, Mahlzeiten zu planen und den Einkauf vorzubereiten

Können Sie yummy.world kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

yummy.world ist ein KI-Koch-Co-Pilot für Familien. Die Plattform verbindet eine illustrierte Rezeptwelt mit Menü- und Wochenplanung sowie einer strukturierten Einkaufsliste. Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Obwohl immer mehr Rezepte verfügbar waren, wurde die tägliche Frage „Was koche ich heute?“ nicht leichter. Mit dem öffentlichen Launch 2025 haben wir Rezeptentdeckung als
visuelle Reise durch eine Welt des Essens neu gedacht.

Wer steht hinter yummy.world, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?

Hinter yummy.world stehe ich, Steffen Matzke, als Gründer. Ich bringe langjährige Erfahrung mit Digitalisierung, Software, KI und komplexen Produktökosystemen ein. Beim Aufbau verbinde ich diese Perspektive mit sehr praktischer Produktarbeit: Nutzerproblem verstehen, einen kleinen Lösungsweg testen, Rückmeldungen auswerten und die Bedienung konsequent vereinfachen.

Viele Familien haben Zugang zu unzähligen Rezepten. Warum fehlt es Ihrer Erfahrung nach trotzdem häufig an Entscheidungshilfe?

Eine große Auswahl löst das Entscheidungsproblem nicht automatisch – sie kann es sogar verstärken. Im Familienalltag müssen gleichzeitig Geschmack, Zeit, Ernährung, vorhandene Zutaten und unterschiedliche Wünsche berücksichtigt werden. Menschen brauchen deshalb oft keine tausend weiteren Treffer, sondern wenige passende Vorschläge und einen klaren Weg von der Inspiration zur umsetzbaren Entscheidung.

Welche Vision verfolgen Sie mit yummy.world, und welche Rolle spielt dabei die Verbindung von FoodTech und KI?

Unsere Vision ist, die tägliche Essensplanung von einer wiederkehrenden Belastung zu einem kurzen, inspirierenden Moment zu machen. FoodTech schafft die Verbindung zwischen Rezept, Planung und Einkauf; KI hilft dabei, aus individuellen Wünschen passende Vorschläge zu machen. Wichtig ist uns, dass KI als transparenter Co-Pilot unterstützt und nicht den persönlichen Geschmack oder die Entscheidung des Menschen ersetzt.

Statt klassischer Rezeptlisten setzen Sie auf eine interaktive Food Map. Was möchten Sie mit dieser Form der Rezeptentdeckung verändern?

Listen funktionieren gut, wenn man bereits weiß, wonach man sucht. Die Food Map setzt früher an: Man kann sich visuell treiben lassen, Regionen und Küchen entdecken und auf ein Gericht stoßen, nach dem man nie aktiv gesucht hätte. So wird Rezeptsuche zu echter Entdeckung und nicht nur zur Abarbeitung bekannter Suchbegriffe.

Welche UX-Prinzipien waren bei der Entwicklung der visuellen Food Map besonders wichtig?

Im Mittelpunkt standen Orientierung, visuelle Klarheit und kurze Wege. Nutzer sollen zuerst einen appetitlichen Überblick erhalten und Details erst dann sehen, wenn sie ein Gericht auswählen. Ebenso wichtig sind konsistente Symbole, verständliche Interaktionen und ein ruhiger Übergang von der Inspiration zur Planung, damit die Karte spielerisch wirkt, aber nicht verspielt oder unübersichtlich.

yummAI unterstützt bei Menü- und Wochenplanung sowie Einkaufslisten. An welchen Stellen kann KI den Kochalltag aus Ihrer Sicht wirklich vereinfachen?

KI ist besonders hilfreich, wenn viele Bedingungen gleichzeitig zusammenkommen: verfügbare Zeit, Ernährungsweise, Budget, Anlass, Vorlieben oder Zutaten im Kühlschrank. yummAI kann diese Angaben bündeln, passende Gerichte beziehungsweise Menüs vorschlagen und daraus einen Wochenplan sowie eine strukturierte Einkaufsliste ableiten. Der größte Nutzen liegt nicht im spektakulären Einzelrezept, sondern darin, mehrere kleine Entscheidungen in einen nachvollziehbaren Ablauf zu verwandeln.

Wie schaffen Sie es, Inspiration und praktische Planung auf yummy.world so miteinander zu verbinden, dass die Plattform im Alltag einen echten Mehrwert bietet?

Jede Entdeckung soll direkt handlungsfähig werden. Ein Gericht aus der Food Map kann gespeichert, mit weiteren Rezepten kombiniert, in einen Wochenplan übernommen und in eine gebündelte Einkaufsliste übersetzt werden. Wo regionale Integrationen verfügbar sind, können Zutaten anschließend über Lebensmittelhändler wie REWE oder Amazon Fresh gesucht werden. So bleibt Inspiration nicht bei einem schönen Bild stehen, sondern führt bis zur konkreten Vorbereitung des Essens.

Was unterscheidet yummy.world von klassischen Rezeptplattformen und anderen digitalen Angeboten rund ums Kochen?

Klassische Angebote starten meist mit einem Suchfeld, Feed oder einer Trefferliste. yummy.world kombiniert dagegen visuelle Entdeckung auf einer illustrierten Weltkarte mit kuratierten Rezepten, KI-gestützter Planung und einem klaren Weg zum Einkauf. Der Unterschied ist weniger ein einzelnes Feature als die durchgehende Nutzerreise: entdecken, entscheiden, planen und vorbereiten in einem zusammenhängenden Erlebnis.

Welche Erkenntnisse beim bisherigen Aufbau von yummy.world haben Ihre ursprünglichen Annahmen besonders verändert?

Zu Beginn lag der Fokus stark auf der Größe und Vielfalt der Rezeptwelt. Im Aufbau wurde deutlich, dass gute Auswahl, verständliche Orientierung und verlässliche Daten wichtiger sind als reine Menge. Eine weitere Erkenntnis: KI wirkt dann am besten, wenn Nutzer ihre Vorschläge nachvollziehen und jederzeit einfach ändern können. Deshalb investieren wir mehr in Führung, Transparenz und Kontrolle als in möglichst viele automatisierte Funktionen.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei der Weiterentwicklung der Plattform, und welche nächsten Schritte haben Sie geplant?

Die größte Herausforderung ist, Personalisierung und KI-Unterstützung spürbar nützlich zu machen, ohne die Oberfläche kompliziert oder die Empfehlungen beliebig werden zu lassen. Gleichzeitig müssen Rezepte, Mengen und Einkaufsinformationen zuverlässig bleiben und regional unterschiedlich verfügbare Angebote berücksichtigen. Als nächste Schritte verbessern wir die Wochenplanung, verfeinern die Personalisierung, erweitern die kuratierte Rezeptwelt und testen die gesamte Nutzerreise gezielt mit Familien.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein digitales Produkt an der Schnittstelle von Food und KI entwickeln möchten?

Erstens: Beginnt mit einem konkreten Alltagsproblem und nicht mit der Technologie. Zweitens: Testet früh mit echten Nutzungssituationen – zwischen Idee, Einkauf und Kochen liegen viele Details, die am Schreibtisch unsichtbar bleiben. Drittens: Behandelt KI als assistierende Produktschicht; Qualität, Transparenz und einfache Korrekturmöglichkeiten schaffen langfristig mehr Vertrauen als ein möglichst autonomes System.

Bildcredits  yummy.world

Wir bedanken uns bei Steffen Matzke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Spheri: 3D-Konfiguratoren und AR-Content ganz ohne Programmierkenntnisse

0
Spheri: 3D und Content für den E Commerce neu gedacht Michael Bendus Bildcredits privat

Spheri macht 3D für Unternehmen einfacher zugänglich und ermöglicht es, Content wie Produktbilder, Konfiguratoren, Animationen und AR-Anwendungen selbst zu erstellen.

Können Sie Spheri kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Entwicklung der Plattform entstanden ist?

Die Idee zu Spheri entstand aus meiner langjährigen Erfahrung in der Produktion von 3D-Content. Viele unserer Kunden besitzen bereits 3D- oder CAD-Modelle ihrer Produkte und haben uns immer wieder gefragt: Warum müssen diese Modelle für hochwertige Visualisierungen eigentlich neu erstellt werden, wenn die Daten bereits vorhanden sind?

Das Problem ist, dass vorhandene CAD-Daten häufig nicht direkt für hochwertige Renderings geeignet sind. Gleichzeitig steckt in ihnen aber bereits sehr viel Potenzial – zum Beispiel für Konfiguratoren, AR oder andere digitale Anwendungen.

Daraus entstand die Idee, all diese Prozesse in einem einfachen Self-Service zusammenzuführen. Spheri soll Unternehmen ermöglichen, vorhandene 3D-Daten zu strukturieren und daraus selbst Konfiguratoren, Produktbilder, Animationen, AR-Anwendungen und Marketing-Content zu erstellen.

Dabei wollte ich möglichst viele technische Hürden entfernen. Selbst Materialien lassen sich beispielsweise sehr einfach digitalisieren: Man fotografiert eine Oberfläche mit dem Smartphone, und Spheri erstellt daraus ein Material, das anschließend auf unterschiedlichen Produkten verwendet werden kann.

Sie haben Spheri selbst entwickelt. Welche Erfahrungen und Überlegungen haben Sie auf diesem Weg besonders geprägt?

Ich beschäftige mich seit rund 20 Jahren professionell mit 3D-Visualisierung. In dieser Zeit hat sich der Markt grundlegend verändert.

Das technische Wissen ist heute weltweit verfügbar, Software und hochwertige Asset-Bibliotheken sind wesentlich zugänglicher geworden und das Qualitätsniveau hat sich stark angeglichen. Gleichzeitig bauen immer mehr Hersteller eigene 3D-Abteilungen auf und möchten Content intern produzieren.

Ich habe aber beobachtet, dass genau dort häufig eine neue Herausforderung entsteht: Die Unternehmen besitzen zwar die Modelle und Mitarbeiter, aber ihnen fehlt ein einfacher, skalierbarer Produktionsprozess. Für tausende Bilder, Konfiguratoren oder unterschiedliche Produktvarianten braucht man plötzlich wieder spezialisierte Artists, Entwickler und eigene Pipelines.

Meine Überlegung war deshalb: Wenn Unternehmen ihren Content ohnehin zunehmend selbst produzieren möchten, warum geben wir ihnen nicht ein Werkzeug, mit dem sie das professionell und skalierbar tun können?

Welche Vision verfolgen Sie mit Spheri, und wie möchten Sie die 3D Produktkommunikation im E Commerce verändern?

Meine Vision ist, dass die Erstellung von 3D- und Marketing-Content irgendwann genauso selbstverständlich wird wie heute das Erstellen einer Website.

Ein Händler sollte beispielsweise sein Produkt fotografieren können und daraus automatisch ein verwendbares 3D-Modell erhalten. Wenige Minuten später entstehen daraus Produktbilder, Konfiguratoren, AR und Marketing-Content, der direkt im eigenen Online-Shop veröffentlicht werden kann.

Ändert sich später eine Farbe, ein Material oder eine Produktvariante, wird diese Änderung zentral vorgenommen und kann anschließend auf allen relevanten Kanälen aktualisiert werden.

Von diesem Ziel sind einige Technologien – insbesondere die automatische Generierung wirklich produktionsfähiger 3D-Modelle – noch nicht weit genug entfernt. Aber genau in diese Richtung soll sich Spheri entwickeln.

An welche Unternehmen richtet sich Spheri, und welche Herausforderungen möchten Sie für Marketing und Produktteams lösen?

Aktuell richten wir uns vor allem an Hersteller und Händler physischer Produkte, insbesondere aus den Bereichen Möbel, Home & Living und vergleichbaren Branchen.

Interessant ist Spheri überall dort, wo viele Produktvarianten existieren, regelmäßig neuer Content benötigt wird oder Kunden Produkte vor dem Kauf besser verstehen und erleben sollen.

Unternehmen können damit Produktionskosten für Content reduzieren, schneller auf neue Anforderungen reagieren und beispielsweise durch 3D-Konfiguratoren und AR zusätzliche Informationen für die Kaufentscheidung bereitstellen.

Grundsätzlich kann Spheri aber von jedem Unternehmen genutzt werden, das bereits über 3D-Modelle verfügt oder diese über uns erstellen lassen möchte.

Viele Unternehmen verfügen weder über Programmierkenntnisse noch über eigenes 3D Know how. Wie senkt Spheri diese Einstiegshürden?

Wir haben versucht, die Komplexität konsequent hinter einem einfachen UI zu verstecken.

Ein Nutzer muss nicht verstehen, wie Polygone, UV-Mappings oder Shader funktionieren. Ebenso wenig muss er wissen, wie die Logik eines Konfigurators programmiert wird.

Spheri führt den Nutzer Schritt für Schritt durch den Prozess. Auf jedem relevanten Bildschirm erklären wir, warum dieser Schritt notwendig ist und was dort gemacht werden soll.

Auch komplexere Konfiguratorlogiken werden visuell über Blueprints aufgebaut. Prozesse, für die normalerweise individuelle Programmierung notwendig wäre, können so über wenige verständliche Schritte definiert werden.

Im Idealfall fühlt sich die Arbeit mit 3D dadurch weniger wie die Bedienung einer professionellen 3D-Software und mehr wie ein kreatives Tool oder sogar ein Spiel an. Das wichtigste Wissen, das der Nutzer mitbringen muss, ist das Wissen über sein eigenes Produkt.

Was macht Spheri aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen 3D Agenturen oder anderen Visual Commerce Lösungen?

Für mich ist der wichtigste Unterschied die Unabhängigkeit.

Bei einer klassischen Produktion entstehen Briefings, Abstimmungen, Angebote, Korrekturschleifen und Wartezeiten. Selbst kleine Änderungen können dadurch wieder einen neuen Prozess auslösen.

Mit Spheri hat der Nutzer den gesamten Workflow vor sich und kann Änderungen selbst vornehmen.

Wie schnell das gehen kann, hat mich selbst überrascht: Für ein Demo habe ich ein fremdes 3D-Modell eines modularen Sofas aus einer öffentlichen Produktdatenbank genommen. Rund 20 Minuten später hatte ich daraus verschiedene Studio- und Interior-Visualisierungen in mehreren Farben sowie einen veröffentlichten modularen Konfigurator mit unterschiedlichen Varianten und AR-Funktion erstellt.

Als ich die Aufnahme anschließend angesehen habe, habe ich mich tatsächlich gefragt, welchen Arbeitsschritt ich vergessen hatte – weil es im Vergleich zu einem klassischen Produktionsprozess ungewöhnlich schnell ging.

Unternehmen können aus bestehenden 3D Modellen Produktbilder, Animationen, Konfiguratoren und AR Anwendungen erstellen. Welche Vorteile entstehen dadurch im Arbeitsalltag?

Ein konkretes Beispiel aus meiner bisherigen Arbeit zeigt das sehr gut.

Ein großer Möbelhersteller kann bereits eigene 3D-Modelle und Materialien produzieren. Trotzdem werden für Konfiguratoren externe Entwickler benötigt und für Marketingkampagnen wiederum externe 3D-Produktion.

Für eine einzelne Kampagne mit verschiedenen Produktbildern, Interior-Szenen und Abstimmungsschleifen kann der gesamte Prozess schnell mehrere Wochen dauern.

Wenn die verantwortliche Person im Marketing stattdessen direkten Zugriff auf das digitale Produkt hat, kann sie viele dieser Aufgaben selbst erledigen. Neue Farbe, neue Konfiguration oder eine neue Kampagne bedeutet dann nicht automatisch ein neues Briefing und eine weitere Produktionsschleife.

Das verändert vor allem die Geschwindigkeit und gibt den Menschen, die wissen, welchen Content sie benötigen, wesentlich mehr Kontrolle über das Ergebnis.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bereits bei Spheri, und welches Potenzial sehen Sie für die weitere Entwicklung?

KI setzen wir dort ein, wo sie dem Nutzer komplizierte Arbeit abnehmen kann.

Ein Beispiel sind Materialien: Der Nutzer kann eine reale Oberfläche fotografieren und Spheri erzeugt daraus ein verwendbares digitales Material.

Ein zweiter wichtiger Bereich ist die Content-Produktion. In unserer Content Studio kann der Nutzer Kameras, Licht, Produktvarianten und Szenen definieren. Anschließend kann KI aus einem technisch kontrollierten 3D-Rendering eine deutlich realistischere Marketingvisualisierung erzeugen.

Der entscheidende Punkt ist dabei: Die KI soll nicht das Produkt neu erfinden. Das 3D-Modell gibt Produkt, Perspektive und Material vor, während KI dabei hilft, die visuelle Qualität und Inszenierung zu verbessern.

Auch unser Location Builder nutzt KI, wobei der Nutzer keine komplizierten Prompts schreiben muss, sondern über eine einfache Auswahl zum gewünschten Ergebnis geführt wird.

Sobald KI-generierte 3D-Modelle zuverlässig die Qualität und technische Struktur erreichen, die für reale Produktvisualisierung notwendig ist, möchte ich auch diesen Schritt integrieren. Momentan ist mir die Kontrolle über die Produktqualität dafür noch wichtiger.

Wie verändert 3D Ihrer Einschätzung nach die Art, wie Kunden Produkte im Onlinehandel entdecken und Kaufentscheidungen treffen?

Bei einem physischen Produkt fehlt im Onlinehandel etwas Entscheidendes: Der Kunde kann es nicht anfassen, ausprobieren oder in seiner eigenen Umgebung sehen.

3D kann diese Informationslücke deutlich verkleinern. Ein Produkt kann aus jedem Winkel betrachtet, konfiguriert und in unterschiedlichen Materialien oder Varianten erlebt werden. Mit AR kann der Kunde zusätzlich sehen, wie beispielsweise ein Möbelstück in der eigenen Umgebung wirkt.

Für mich geht es deshalb nicht darum, klassische Produktbilder zu ersetzen. Es geht darum, dem Kunden mehr Sicherheit bei einer Kaufentscheidung zu geben – besonders bei Produkten mit vielen Varianten oder bei Produkten, bei denen Größe, Material und Wirkung im Raum entscheidend sind.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung einer Plattform meistern, die komplexe 3D Technologien möglichst einfach zugänglich machen soll?

Die größte Herausforderung war nicht, möglichst viele Funktionen zu entwickeln, sondern Komplexität zu entfernen.

Als jemand, der seit vielen Jahren mit 3D arbeitet, empfindet man viele Prozesse irgendwann als selbstverständlich. Für jemanden aus dem Marketing sind Begriffe wie UV-Mapping, Shader oder Rendering-Pipeline dagegen vollkommen irrelevant.

Ich musste deshalb immer wieder versuchen, Spheri aus der Perspektive eines Menschen zu betrachten, der diese Dinge nicht kennt und auch nicht kennen möchte.

Eine komplexe Technologie ist aus meiner Sicht erst dann wirklich gut gelöst, wenn der Nutzer die Komplexität dahinter nicht mehr wahrnehmen muss.

Welche neuen Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei Spheri als Nächstes auf der Roadmap?

Der nächste große Schritt ist für mich weniger eine weitere Liste neuer Funktionen, sondern echtes Kundenfeedback.

Die Funktionen, die ich aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als 3D-Artist und Entwickler für notwendig halte, sind inzwischen weitgehend integriert. Jetzt möchte ich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen onboarden und beobachten, welche Anforderungen im realen Einsatz entstehen.

Vielleicht benötigen bestimmte Produkte komplexere Konfiguratorlogiken, andere Integrationen oder einen noch einfacheren Workflow. Auf Basis dieses Feedbacks möchte ich UI, UX und Funktionen gezielt weiterentwickeln.

Mein wichtigstes Ziel soll dabei immer erhalten bleiben: Einfachheit. Ich möchte, dass jemand Spheri öffnet und eine neue Kampagne für sein Produkt erstellt – nicht nur, weil er es tun muss, sondern weil es ihm Spaß macht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine technisch anspruchsvolle Softwarelösung von Grund auf entwickeln möchten?

Erstens: Das Problem verstehen, bevor man die Technologie entwickelt. Eine technisch beeindruckende Lösung ist wertlos, wenn sie kein echtes Problem löst.

Zweitens: Komplexität gehört in das System, nicht zum Nutzer. Gerade bei technisch anspruchsvoller Software sollte das Ziel sein, dass der Nutzer möglichst wenig von der technischen Komplexität bemerkt.

Drittens: Das Produkt selbst benutzen. Ich habe Spheri während der Entwicklung immer wieder so verwendet, als wäre ich selbst Kunde. Dadurch fallen sehr schnell Dinge auf, die auf dem Papier logisch erscheinen, im Alltag aber unnötig kompliziert sind.

Fotocredits privat

Wir bedanken uns bei Michael Bendus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

sanora: Wie Frauengesundheit und Perimenopause mehr Klarheit bekommen

0
sanora: Frauengesundheit in der Perimenopause Salissa-Sarah Nehrke Founder | Sanora Fotografin: Bella Lieberberg Bildcredits: Salissa-Sarah Nehrke/sanora

sanora möchte Frauengesundheit neu denken und Frauen während der Perimenopause mit Diagnostik, Wissen und Orientierung unterstützen.

Können Sie sanora kurz vorstellen und erzählen, wie aus einer persönlichen Frage die Idee zur Gründung entstanden ist?

sanora ist eine neue Marke für Frauengesundheit mit dem Ziel, Frauen in hormonellen Übergangsphasen früher Orientierung zu geben. Unser erstes Produkt ist sanora FEM, ein Selbsttest für zu Hause, der einen Hinweis auf erhöhtes FSH geben kann.

Die Idee entstand aus einer sehr persönlichen Frage: Was passiert gerade in meinem Körper? Ich habe selbst erlebt, wie irritierend es sein kann, Veränderungen zu spüren, ohne sie klar einordnen zu können. Gleichzeitig komme ich aus der Diagnostik und wusste, welche Möglichkeiten es grundsätzlich gibt. Diese Kombination aus persönlicher Erfahrung und beruflichem Hintergrund hat mir gezeigt, wie groß die Lücke zwischen „Ich merke, dass etwas anders ist“ und einer verständlichen ersten Orientierung noch immer ist. Genau dort setzt sanora an.

Wer steht hinter sanora, und welche Erfahrungen aus der Diagnostik haben die Entwicklung Ihres Unternehmens geprägt?

Hinter sanora stehe ich, Salissa-Sarah Nehrke, als Gründerin und CEO gemeinsam mit einem Team aus unterschiedlichen Fachbereichen. Ich habe Betriebliches Gesundheitsmanagement studiert und war mehrere Jahre in der Diagnostik tätig. Dadurch habe ich gelernt, wie wichtig Qualität, verlässliche Prozesse und eine verständliche Kommunikation medizinischer Produkte sind.

Bei sanora wollte ich dieses Wissen mit einer moderneren, nahbareren Form von Frauengesundheit verbinden. Ein medizinisches Produkt allein reicht aus meiner Sicht nicht. Frauen müssen auch verstehen, was ein Ergebnis bedeutet, was es nicht bedeutet und welche nächsten Schritte sinnvoll sein können. Diese Verbindung aus Diagnostik, Aufklärung und Orientierung prägt sanora.

Welche Vision verfolgen Sie mit sanora, und warum möchten Sie das Narrativ rund um Frauengesundheit und Perimenopause verändern?

Meine Vision ist, dass hormonelle Übergänge genauso selbstverständlich besprochen werden wie andere Lebensphasen. Perimenopause sollte kein Thema sein, über das Frauen erst sprechen, wenn sie bereits jahrelang Beschwerden hatten.

Ich möchte weg von einem Narrativ, in dem Frauen das Gefühl bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht. Körperliche Übergänge gehören zum Leben. Sie brauchen Wissen, Sprache und Orientierung statt Scham oder Tabuisierung. sanora soll dazu beitragen, dass Frauen Veränderungen früher erkennen, besser einordnen und informierter über ihre Gesundheit entscheiden können.

An welche Zielgruppe richtet sich sanora, und welche Orientierung möchten Sie Frauen in einer oft verunsichernden Lebensphase geben?

sanora richtet sich zunächst an Frauen in der Perimenopause und Menopause – insbesondere an diejenigen, die Veränderungen an sich bemerken, aber noch keine klare Einordnung dafür haben.

Viele Symptome sind unspezifisch: Schlaf verändert sich, der Zyklus wird anders, Stimmung, Konzentration oder Energie können schwanken. Unser Anspruch ist nicht, daraus vorschnell eine Diagnose abzuleiten. Wir möchten Frauen einen ersten strukturierten Zugang geben: wahrnehmen, dokumentieren, einordnen und bei Bedarf medizinische Unterstützung suchen. Klarheit beginnt für mich nicht mit einer perfekten Antwort, sondern damit, die richtigen Fragen stellen zu können.

Viele Frauen erhalten lange keine klare Einordnung ihrer Beschwerden. Warum wird das Thema Perimenopause aus Ihrer Sicht noch immer unterschätzt?

Weil die Perimenopause sehr individuell verläuft und viele Veränderungen zunächst auch zu Stress, Schlafmangel oder anderen Lebensumständen passen können. Gleichzeitig wurde über Wechseljahre lange deutlich weniger offen gesprochen als über Schwangerschaft, Verhütung oder Kinderwunsch.

Hinzu kommt, dass viele Frauen selbst nicht wissen, wie früh die hormonelle Übergangsphase beginnen kann. Wenn die Sprache und das Wissen fehlen, werden Veränderungen häufig einzeln betrachtet statt im Zusammenhang. Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig: nicht um jedes Symptom automatisch den Hormonen zuzuschreiben, sondern damit Perimenopause als mögliche Erklärung überhaupt mitgedacht wird.

Was macht sanora aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Angeboten im Bereich Frauengesundheit?

sanora versteht sich nicht als einzelne Produktmarke, sondern als Orientierungssystem für Frauengesundheit. Wir verbinden medizinische Selbsttests mit verständlicher Aufklärung, einer modernen Markenwelt und echter Community-Nähe.

Mir ist besonders wichtig, dass wir weder Angst erzeugen noch vereinfachen. Ein Test ist kein Urteil und keine Diagnose. Er kann ein Baustein sein, um den eigenen Körper besser zu verstehen und ein fundierteres Gespräch mit Ärztinnen oder Ärzten zu führen. Gleichzeitig hören wir sehr genau zu, welche Fragen Frauen tatsächlich beschäftigen, und entwickeln Inhalte und zukünftige Lösungen aus diesem Bedarf heraus.

Mit dem sanora FEM Menopause Test bieten Sie einen CE-zertifizierten Selbsttest für zuhause an. Welche Rolle spielt dieser als erster Schritt zu mehr Klarheit?

sanora FEM ist als erster Orientierungsschritt gedacht. Der Test kann einen Hinweis darauf geben, ob der FSH-Wert im Urin erhöht ist. Gerade weil FSH im Verlauf schwanken kann und die Perimenopause nicht durch einen einzelnen Wert diagnostiziert wird, ist mir die Einordnung besonders wichtig.

Der Selbsttest soll Frauen nicht ersetzen, was eine ärztliche Beratung leisten kann. Er kann aber helfen, eine Veränderung sichtbar zu machen, Fragen zu konkretisieren und das eigene Körpergefühl ernster zu nehmen. Für uns ist das Produkt deshalb immer Teil eines größeren Informations- und Orientierungskonzepts.

Sie betonen, dass sanora weit mehr als ein Test sein soll. Welche Bedeutung haben Community, Aufklärung und offener Austausch für Ihr Konzept?

Sie sind zentral. Frauengesundheit verändert sich nicht allein durch ein Produkt, sondern dadurch, dass Frauen Wissen bekommen, Erfahrungen teilen und merken, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind.

Deshalb arbeiten wir mit Ärztinnen, Expertinnen, Medien, Gründerinnen und Frauen aus unserer Community zusammen. Wir möchten medizinische Informationen verständlich übersetzen und gleichzeitig Raum für echte Erfahrungen schaffen. Für mich entsteht Veränderung dann, wenn aus einem Tabuthema ein normales Gesprächsthema wird. Genau diese Offenheit soll sanora fördern.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, ein Thema sichtbar zu machen, über das lange nur wenig gesprochen wurde?

Eine der größten Herausforderungen ist die Balance. Einerseits wollen wir deutlich machen, wie relevant Perimenopause ist. Andererseits dürfen wir nicht jede Stimmungsschwankung oder jedes Schlafproblem automatisch hormonalisieren.

Hinzu kommt, dass Gesundheitskommunikation besonders präzise sein muss. Wir müssen medizinisch und regulatorisch sauber arbeiten und gleichzeitig eine Sprache finden, die Frauen erreicht und nicht abschreckt. Außerdem begegnet man bei Tabuthemen immer noch Scham, Unsicherheit und manchmal auch Widerstand. Gleichzeitig erlebe ich gerade, wie groß die Bereitschaft ist, endlich offener darüber zu sprechen. Das macht mir sehr viel Mut.

Weitere Lösungen für die Frauengesundheit befinden sich bereits in der Entwicklung. Welche Richtung möchten Sie mit sanora künftig einschlagen?

Wir denken sanora deutlich größer als ein einzelnes Produkt. Der Schwerpunkt bleibt auf Lösungen, die Frauen (bald auch Männer 😉) in hormonellen und körperlichen Übergangsphasen mehr Orientierung geben.

Dazu gehören weitere diagnostische Ansätze, ergänzende evidenzbasierte Lösungen und vor allem verständliche Information. Wir prüfen sehr bewusst, welche Produkte wirklich einen Mehrwert schaffen und welche Themen unsere Community beschäftigen. Mir ist wichtig, nicht möglichst schnell ein großes Sortiment aufzubauen, sondern Schritt für Schritt ein glaubwürdiges System rund um Frauengesundheit zu entwickeln.

Wo soll sanora in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Frauengesundheit langfristig einnehmen?

Ich möchte, dass sanora zu einer der vertrauenswürdigen ersten Anlaufstellen für Frauen wird, die merken: In meinem Körper verändert sich etwas und ich möchte verstehen, was.

Langfristig sehe ich sanora als Plattform, die Diagnostik, Wissen, Community und ausgewählte Lösungen miteinander verbindet. Wir möchten Frauengesundheit nicht nur begleiten, sondern auch dazu beitragen, dass sie gesellschaftlich mehr Raum bekommt. Wenn Frauen in einigen Jahren früher über Perimenopause sprechen, ihre Symptome besser einordnen können und sich weniger allein fühlen, wäre das für mich ein großer Erfolg auch hinsichtlich der Arbeitswelt, in denen Frauen bisher oft und zu lange vom Arbeitsmarkt verschwunden sind, durch falsche Diagnosen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ein Unternehmen mit gesellschaftlicher Wirkung aufbauen möchten?

Erstens: Verlieben Sie sich in das Problem oder in den Bedarf, nicht in die erste Lösung. Die persönliche Erfahrung kann der Ausgangspunkt sein, aber man muss immer wieder prüfen, ob andere Menschen tatsächlich dasselbe Bedürfnis haben.

Zweitens: Sprechen Sie früh mit Menschen. Mit der Zielgruppe, Fachleuten, möglichen Partnern und auch Kritikern. Viele meiner wichtigsten Schritte sind aus Gesprächen und Verbindungen entstanden.

Drittens: Warten Sie nicht auf den perfekten Moment. Gründen bedeutet, Entscheidungen mit unvollständigen Informationen zu treffen. Man darf mutig losgehen, aber bei Qualität, Vertrauen und Verantwortung sollte man keine Abkürzungen nehmen.

Fotografin: Bella Lieberberg Bildcredits: Salissa-Sarah Nehrke/sanora

Wir bedanken uns bei Salissa-Sarah Nehrke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: sanora

sanora logo

Kontakt:

sanora GmbH
Gutenbergstr. 6
75203 Königsbach-Stein
Deutschland

www.sanora.de
hello@sanora.de

Ansprechpartnerin: Salissa-Sarah Nehrke

Social Media:
Instagram
LinkedIn Salissa-Sarah Nehrke

NALU: Das Löwen Startup bringt Fruchtgummi mit 96 Prozent weniger Zucker

0
NALU: Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker nalu Max und Lisa Bildcredits Valentin Pellio (Studio Pellio)

NALU entwickelt Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker und möchte damit eine Alternative zu klassischen Süßwaren schaffen.

Können Sie NALU kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Aloha! Ich bin Max Schön, eine Naschkatze aus Hamburg. Zusammen mit meiner Freundin Lisa Bella Ippolito habe ich letztes Jahr Hand in Hand in der Höhle der Löwen gestanden.

Wie entstand die Idee, Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker zu entwickeln?

Ich nasche für mein Leben gerne, am liebsten Fruchtgummis. Aber klassische Fruchtgummis bestehen mindestens zur Hälfte aus Zucker, vegane sogar zu 60 % aus Zucker. Meine Freundin und ich dachten uns: Das muss doch irgendwie besser gehen.

Welche Vision verfolgen Sie mit NALU, und wie möchten Sie den Markt für Süßwaren langfristig verändern?

Wir möchten bei NALU jede Naschkatze ins innere Gleichgewicht bringen. Unser Traum ist, dass man bald alle Fruchtgummis im Supermarkt mit gutem Gewissen essen kann.

An welche Zielgruppen richten sich Ihre Produkte hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie damit erfüllen?

Zunächst würde man denken, dass nur Leute aus der Fitness-Community gerne zu uns greifen. Aber die Zielgruppe ist viel größer: Mittlerweile achten viele Menschen, von Jung bis Alt, auf ihre Ernährung. Zudem gibt es mehr Menschen, als man denkt, die aufgrund einer Erkrankung wie Diabetes oder Autoimmunerkrankungen keinen Zucker essen dürfen.

Viele Verbraucher möchten ihren Zuckerkonsum reduzieren, wollen aber nicht auf Genuss verzichten. Wie begegnet NALU diesem Wunsch?

Bei uns steht Geschmack an erster Stelle und an zweiter Stelle die Zuckerreduktion, bei der wir immer besser werden. Als wir gelauncht haben, lagen wir bei etwa 80 % weniger Zucker als herkömmliche Fruchtgummis – mittlerweile sind wir bei 96 % weniger Zucker.

Was macht NALU aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Fruchtgummis und anderen zuckerreduzierten Alternativen?

Ganz klar die Kombination aus Zuckerreduktion und erhöhtem Ballaststoffgehalt. Herkömmliche zuckerfreie Gummibärchen aus der Apotheke sind mit Maltit gesüßt, einem Zuckeralkohol, der bereits nach fünf Gummibärchen abführend wirken kann. Das kommt bei uns nicht in die Tüte!

Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung eines Fruchtgummis, der sowohl geschmacklich als auch in der Konsistenz überzeugen soll?

Die Textur ist der Endgegner in der Produktion. Sobald man Zucker in der Rezeptur ersetzt, wird das Gummi entweder zäh, verliert den Biss oder wird klebrig. Besonders bei unseren veganen Alternativen war die Konsistenz eine große Herausforderung. Die perfekte Balance zu finden, um dieses ikonische Kau-Gefühl zu bewahren, war unser größter und härtester Meilenstein.

NALU war in der Höhle der Löwen zu sehen. Welche Auswirkungen hatte dieser Schritt auf die Entwicklung des Unternehmens?

Die Ausstrahlung war ein absoluter Gamechanger für uns! Die mediale Aufmerksamkeit war gigantisch, und wir waren nach dem Deal-Trubel komplett ausverkauft. Und wir hatten einfach so ein Glück mit unseren Löwinnen Janna Ensthaler und Lena Gercke. Wir stehen immer noch im wöchentlichen Austausch, und sie haben maßgeblich zu tollen Listungen wie bei Müller und dm beigetragen.

Wie hat sich die Nachfrage nach zuckerreduzierten Süßwaren in den vergangenen Jahren verändert?

Sie ist aus der absoluten Nische in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Früher war „zuckerreduziert“ ein Thema für Ernährungs-Nerds. Heute ist das Bewusstsein in der breiten Masse angekommen. Die Menschen wissen, was übermäßiger Zuckerkonsum anrichten kann, und fordern proaktiv bessere, smarte Alternativen.

Welche nächsten Produktentwicklungen und Wachstumsziele stehen bei NALU aktuell im Fokus?

Wir feilen schon an den nächsten Sorten und binden dabei unsere Community mit ein, machen regelmäßig Umfragen, was für Konsistenzen, Geschmäcker und Meerestiere sich die Community wünscht, und auch an echt größeren Überraschungen – aber das ist leider ein gut gehütetes Firmengeheimnis. Und natürlich steht die Präsenz im Supermarkt an oberster Stelle.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Food-Produkten etablierte Märkte herausfordern möchten?

Hui, keine leichte Frage. Aber erstens: Geschmack zählt. Egal wie innovativ das Produkt ist, wenn es nicht schmeckt, kauft es keiner. Zweitens: Dran bleiben. Ich (Max) hätte kurz vor der Höhle der Löwen-Zusage fast das Handtuch geworfen. Und drittens: Spaß nicht vergessen und Zwischenerfolge feiern. Probleme wird es immer geben, aber auch ganz tolle Momente, und diese gilt es zu würdigen und zu genießen.

Bild Max Schön und Lisa Bella Ippolito Bildcredits Valentin Pellio (Studio Pellio)

Wir bedanken uns bei Max Schön für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

innocept mobility: Wie Ladeinfrastruktur mit OmniCharge profitabel wird

0
innocept mobility: Ladeinfrastruktur mit OmniCharge Founderteam Bild Credits Innocept Mobility

innocept mobility entwickelt mit OmniCharge eine Softwarelösung, mit der Betreiber ihre Ladeinfrastruktur steuern, abrechnen und wirtschaftlicher betreiben können.

innocept mobility ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter innocept mobility?

innocept mobility ist ein Spin-off der TU Darmstadt mit Sitz in Frankfurt am Main. Wir entwickeln OmniCharge – ein Charge Point Management System, also die Software, mit der Betreiber ihre Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge steuern, abrechnen und wirtschaftlich betreiben.

Hinter dem Unternehmen stehen zwei Gründer. Ich bin Masih Akbar, seit 2019 in der E-Mobilität, und verantworte Sales und Investor Relations – ich sitze also täglich mit Betreibern am Tisch. Mein Mitgründer Dmytro Khodyryev ist CTO und seit Tag eins dabei, er hat OmniCharge konzipiert und vollständig entwickelt.

Heute laufen über unsere Plattform Ladepunkte an etwa 200 Standorten in Deutschland und in Schweden. Unsere Kunden sind gewerbliche Ladeinfrastruktur-Betreiber, deren Standorte unter anderem bei Banken, Gewerbeimmobilien und Mobilitätsanbietern stehen.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Der Auslöser war weniger ein Moment als eine Beobachtung, die sich in Gesprächen ständig wiederholt hat.

Ladeinfrastruktur wird gerade überall gebaut – der Ausbau ist politisch gewollt und teilweise gesetzlich vorgeschrieben. Profitabel betrieben wird sie aber fast nirgends. Und wenn man sich anschaut, warum, landet man erstaunlich schnell bei der Software: Sie ist für die größten Netze gebaut, entsprechend teuer, überladen und kaum anpassbar. Betreiber mittlerer Größe bekommen damit ein System, das ihre eigentlichen Fragen gar nicht beantwortet.

Der entscheidende Punkt kam, als klar wurde, dass diese Lücke kein Randphänomen ist, sondern die Regel. Da haben wir das Unternehmen konsequent auf diese unterversorgte Gruppe ausgerichtet und den Pivot vollzogen. Aus einem Hochschulprojekt wurde ein Produktunternehmen mit einem klaren Markt – und das war rückblickend die eigentliche Gründung.

Welche Vision verfolgt ihr mit innocept mobility? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision klingt zunächst unspektakulär: Wir wollen, dass sich Ladeinfrastruktur rechnet. Aber genau daran hängt der gesamte Hochlauf der Elektromobilität.

Der Zusammenhang ist einfach. Wer mit seinen ersten zehn Ladepunkten kein Geld verdient, baut die nächsten fünfzig nicht. Jeder Standort, der wirtschaftlich läuft, ist damit ein Argument für den nächsten. Solange der Betrieb ein Zuschussgeschäft bleibt, bleibt der Ausbau eine Frage von Fördermitteln statt von unternehmerischer Entscheidung.

Konkret möglich machen wollen wir vor allem eines: Multi-Use. Also privates Laden, Flottenladen, Quartiersladen und öffentliches Laden am selben Ladepunkt, mit automatisch geregelten Zugängen, Prioritäten und Tarifen je Nutzergruppe. Damit wird Infrastruktur nutzbar, die heute zum Beispiel nach Feierabend ungenutzt herumsteht – beim Handwerksbetrieb, beim Supermarkt, im Wohnquartier. Langfristig wollen wir das führende Multi-Use-CPMS in Europa sein.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war nicht technischer, sondern strategischer Natur: herauszufinden, für wen wir eigentlich die beste Lösung am Markt sind – und für wen ausdrücklich nicht.

Wir haben dafür sehr systematisch ausgewertet, warum wir Aufträge gewinnen und warum wir sie verlieren. Das Ergebnis war unbequem und extrem hilfreich zugleich: Wir gewinnen dort, wo Service, Tempo und Anpassbarkeit zählen, und wir verlieren dort, wo Konzerngröße und -reife gefragt sind. Lange haben wir versucht, auch die zweite Gruppe zu überzeugen. Diese Zeit hätte an anderer Stelle deutlich mehr bewirkt.

Finanziell sind wir bewusst kapitaleffizient unterwegs. Wir haben eine Pre-Seed in mittlerer sechsstelliger Höhe aufgenommen – ein Teil davon nicht-verwässernd, dazu eine stille Beteiligung der BMH sowie ein Investment von Campana & Schott, die als Corporate Business Angel und Gesellschafter an Bord sind. Aktuell finanzieren wir über eine weitere Runde, bei der wir neben unseren Bestandsinvestoren vor allem auch weitere Business Angels ansprechen.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe ist sehr scharf gezogen: Charge Point Operator mit etwa 50 bis 1.500 Ladepunkten, die einen gemischt genutzten Anteil in ihrem Portfolio haben.

Diese Gruppe ist strukturell unterversorgt bzw. fehlerhaft versorgt. Für die großen Anbieter ist sie zu klein, um wirtschaftlich betreut zu werden – Anpassungsentwicklung stellen die Etablierten ab einer bestimmten Kundengröße schlicht ein. Gleichzeitig ist sie zu groß und zu anspruchsvoll für einfache Standardlösungen.

Wenn ich es auf eine Person herunterbrechen soll: Wir entwickeln für den operativen Sachbearbeiter, der oft 50 bis 1.500 Ladestationen praktisch allein betreut. Sein Tag besteht aus Störungsmeldungen, Support-Anrufen, Abrechnungsfragen und dem Anbinden neuer Standorte. Ihm nehmen wir entlang der gesamten Strecke Arbeit ab.

Wie funktioniert innocept mobility ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

Der Ablauf hat drei Schritte: anbinden, betreiben, verdienen.

Angebunden wird jede Hardware und jeder Standort herstellerunabhängig über den OCPP-Standard – der Betreiber ist also nicht an einen Hardwarehersteller gebunden. Betrieben wird dann alles über OmniCharge: Ladesteuerung, Lastmanagement und Roaming laufen automatisiert. Und am Ende stehen Abrechnung, Stromhandel und Payment, die nahtlos ineinandergreifen. Betreiber und Support-Teams arbeiten im Web-Dashboard, E-Fahrerinnen und -Fahrer über die App.

Der erste Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen ist Multi-Use. Klassisch muss man sich entscheiden: Mitarbeiterladen oder öffentliches Laden. Bei uns läuft beides über denselben Ladepunkt. Tagsüber lädt die Belegschaft, abends und am Wochenende der Besucher – gleicher Hardware-Invest, deutlich höhere Auslastung. Und Auslastung ist beim Betreiber die Kennzahl, an der alles hängt.

Der zweite Vorteil ist unsere Kostenstruktur. Wir sind ein AI-First-Unternehmen: KI steckt tief in Entwicklung und Betrieb, nicht als Marketing-Etikett, sondern als Architekturentscheidung. Dadurch können wir etwas anbieten, das früher schlicht nicht darstellbar war – ein sehr hohes Serviceniveau bei einer sehr schlanken Organisation, auch für kleinere Kunden. Wer bei uns anruft, bekommt eine echte Antwort statt eines Tickets in der Warteschlange. Service bedeutete früher Personal; heute geht das anders.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal ist es eine schöne Bestätigung für ein Team, das die meiste Zeit sehr kopfüber im Tagesgeschäft steckt. Ladeinfrastruktur-Software ist kein Thema, mit dem man schnell Aufmerksamkeit gewinnt – umso mehr freut es uns, wenn die Relevanz dahinter gesehen wird.

Praktisch ist die Sichtbarkeit in der Region wertvoll.

Wie es weitergeht: Kurzfristig steht die Vertiefung unseres Segments im Vordergrund und die Stabilisierung des neu aufgenommenen Geschäfts in Schweden sowie die Umsetzung der anstehenden Projekte, die uns viel Zeit, Aufwand und hoffentlich weiterhin auch viel Spaß bringen wird. Und natürlich drücken wir uns für das Finale selbst die Daumen.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und innocept mobility in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir das führende Multi-Use-CPMS in Europa sein – gemessen daran, dass Betreiber unserer Größenordnung an uns nicht mehr vorbeikommen.

Der Weg dorthin führt bewusst über Tiefe statt Breite. Wir wollen nicht in immer größere Segmente springen, sondern denselben Kundentyp mit denselben Problemen in weiteren Regionen und Ländern gewinnen. Nach Schweden kommen die Niederlande, UK, weitere nordische Märkte.

Was mir persönlich wichtig ist: dass wir dann eine Kundengruppe haben, die uns weiterempfiehlt, weil wir Probleme lösen, die sonst niemand lösen will.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Fokus ist kein Verzicht, sondern der eigentliche Wettbewerbsvorteil. Wir haben lange versucht, auch Kunden zu gewinnen, für die wir strukturell nicht die richtige Wahl sind. Werte systematisch aus, warum du gewinnst und warum du verlierst – und ziehe daraus die unbequeme Konsequenz.

Zweitens: Frag die Kunden, bevor du baust. Wir erheben heute konsequent zuerst den Bedarf und den tatsächlichen Aufwand beim Kunden und schnüren erst danach ein Paket. Das ist unromantisch und spart Monate.

Drittens: Vertrieb ist Prozess, nicht Talent. Verlorene Deals scheitern selten am Produkt. Sie scheitern an Prozessen, Netzwerk und Schnelligkeit. Das lässt sich abstellen – aber nur, wenn man es als Handwerk begreift und nicht als Charaktereigenschaft.

Und wenn ich einen halben vierten anfügen darf: Gutes Sparring ist am Ende vielleicht das wertvollste Werkzeug überhaupt.

Bildcredits innocept mobility GmbH

Wir bedanken uns bei Masih Akbar für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Telekinesis: Wie Roboter durch Physical AI ein eigenes Betriebssystem bekommen

0
Telekinesis: Physical AI für intelligente Roboter Founder Bild 2026 @ Telekinesis GmbH

Telekinesis entwickelt ein Betriebssystem für Physical AI, das Roboter intelligenter, anpassungsfähiger und einfacher einsetzbar machen soll.

Telekinesis ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year

Bitte stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Telekinesis?

Telekinesis ist ein Spin-off des Labors für Intelligente Autonome Systeme (IAS) an der TU Darmstadt, das von Prof. Jan Peters geleitet wird – einer der führenden Forschungsgruppen im Bereich Robotik und KI. Gegründet von Suman Pal und Arjun Vir Datta, haben wir jahrelang an der Spitze der Roboterlern- und Physical-AI-Forschung gearbeitet und dabei aus erster Hand erfahren, wie schwierig es noch immer ist, Roboter zuverlässig in der realen Welt einzusetzen. Wir haben Telekinesis gegründet, um dieses Problem zu lösen. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – den „Android“ für Roboter. Das Betriebssystem verleiht Robotern die Fähigkeit, neue Aufgaben zu verstehen, zu erlernen und sich an sie anzupassen. Unsere Vision ist es, intelligente Roboter in der Fertigung und letztlich auch im Haushalt skalierbar einsetzbar zu machen.

Was hat euch motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen bestimmten Moment oder Auslöser?

Der Auslöser war unsere eigene Erfahrung in der Robotikforschung. Selbst an der Spitze des Roboterlernens stellten wir fest, dass wir enorm viel Zeit mit der Programmierung, Integration und Fehlersuche bei Robotern verbrachten, statt ihnen neue Fähigkeiten beizubringen. Es wurde klar, dass sich die Technologie zwar rasant weiterentwickelte, die Software, die Roboter wirklich intelligent und anpassungsfähig macht, jedoch noch fehlte. Diese Erkenntnis hat uns motiviert, das Labor zu verlassen und Telekinesis aufzubauen: Wir wollten die Durchbrüche beim Roboterlernen in ein Betriebssystem überführen, das intelligente Roboter in der realen Welt praktisch nutzbar und skalierbar macht.

Welche Vision verfolgt ihr mit Telekinesis? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, intelligente Roboter ebenso allgegenwärtig zu machen wie Computer und Smartphones. Wir wollen die Robotik von starren Maschinen für einen einzigen Zweck hin zu Robotern entwickeln, die Anweisungen verstehen, neue Fähigkeiten erlernen und sich an veränderte Umgebungen anpassen können. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – die KI-Schicht, die Robotern eine vielseitig einsetzbare Intelligenz verleiht. Langfristig soll jeder Roboter – von der Fabrikhalle bis zum Zuhause – von einem intelligenten Betriebssystem angetrieben werden.

Vom ersten Gedanken bis heute: Was waren eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung strukturiert?

Die größte Herausforderung bestand darin, modernste Robotikforschung in eine Technologie zu überführen, die in der realen Welt zuverlässig funktioniert. Forschungsprototypen können zeigen, was möglich ist; ein Produkt zu entwickeln, das mit unterschiedlichen Robotern, Aufgaben und industriellen Umgebungen funktioniert, ist eine ganz andere Herausforderung. Wir haben zunächst aus eigenen Mitteln finanziert und eng mit Kundinnen und Kunden zusammengearbeitet. Als wir den Schritt von der Forschung zum Produkt vollzogen, holten wir strategische Investoren und führende Venture-Capital-Gesellschaften an Bord, die unsere Vision teilen. So konnten wir unseren technischen Anspruch beibehalten und gleichzeitig die Technologie in realen Einsätzen validieren.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer gehört zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere primäre Zielgruppe sind produzierende Unternehmen, insbesondere KMU und der deutsche Mittelstand, für die sich Automatisierung historisch oft nur schwer rechtfertigen ließ, weil jede neue Anwendung einen erheblichen Programmier-, Integrations- und Engineering-Aufwand erforderte. Diese Unternehmen arbeiten häufig mit einer hohen Variantenvielfalt und kleinen Stückzahlen und fertigen viele unterschiedliche Produkte oder Varianten in relativ kleinen Losgrößen. Klassische Roboter sind äußerst effektiv, wenn sie dieselbe Aufgabe wiederholt ausführen, lassen sich jedoch deutlich schwieriger einsetzen, wenn sich die Produktion häufig ändert. Genau hier sehen wir die größte Chance.

Unser Agentic OS macht Roboter flexibler und einfacher einsetzbar, sodass sie sich an neue Aufgaben anpassen können, anstatt bei jeder Produktionsänderung umfangreich neu programmiert werden zu müssen. Dadurch kann Automatisierung für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll werden, die den Kosten- oder Komplexitätsaufwand für den Einsatz von Robotern bisher nicht rechtfertigen konnten. Parallel arbeiten wir mit Systemintegratoren und Roboterherstellern zusammen, um diese Fähigkeit in eine deutlich größere Zahl von Fabriken zu bringen.

Wie funktioniert Telekinesis konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz gegenüber bestehenden Lösungen?

Im Kern steht unser Agentic Operating System, das KI-gestütztes Schlussfolgern mit einer Bibliothek wiederverwendbarer Roboterfähigkeiten verbindet. Anstatt jede Aufgabe von Grund auf zu programmieren, kann eine Nutzerin oder ein Nutzer beschreiben, was der Roboter tun soll. Das System ermittelt, wie die Aufgabe ausgeführt werden kann, kombiniert die erforderlichen Fähigkeiten und führt sie auf dem Roboter aus. Der entscheidende Vorteil ist die Intelligenz. Die klassische Robotik wird weitgehend Aufgabe für Aufgabe und Roboter für Roboter programmiert. Unser Ansatz ermöglicht es, Intelligenz und Fähigkeiten über verschiedene Aufgaben, Umgebungen und Roboter hinweg wiederzuverwenden – dadurch lassen sich Roboter schneller und kostengünstiger einsetzen.

Ihr seid Finalist für den „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Es ist eine großartige Anerkennung sowohl für unser Team als auch für die Technologie, die wir entwickeln. Da wir aus der Region FrankfurtRheinMain und der TU Darmstadt kommen, ist es besonders bedeutungsvoll, in unserer Heimatregion anerkannt zu werden. Für uns ist es außerdem eine Bestätigung, dass der Wandel von modernster Robotikforschung hin zu einem echten Unternehmen an Dynamik gewinnt. Der nächste Schritt besteht darin, diese Dynamik in weitere Einsätze, mehr Kundinnen und Kunden und letztlich in ein globales Robotik-Softwareunternehmen zu übersetzen.

Wohin geht die Reise? Wo seht ihr euch und Telekinesis in fünf Jahren?

In fünf Jahren soll Telekinesis das De-facto-Betriebssystem für Physical AI sein und Roboter in der Fertigung sowie in anderen realen Anwendungen weltweit antreiben. Unser Ziel ist nicht einfach, ein weiteres Robotik-Softwareunternehmen aufgebaut zu haben. Wir wollen den Softwarestandard etablieren, der es Millionen von Robotern ermöglicht, intelligente und anpassungsfähige Maschinen zu werden.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Früh mit Kundinnen und Kunden sprechen: Verbringt nicht Jahre damit, etwas zu entwickeln, bevor ihr herausgefunden habt, ob Menschen es tatsächlich brauchen.

Scheitern annehmen: Ihr werdet deutlich häufiger scheitern, als ihr erfolgreich sein werdet. Lernt schnell, passt euch an und macht weiter.

Groß denken, aber konsequent umsetzen: Habt eine Vision, die beinahe unmöglich erscheint, und konzentriert euch dann jeden Tag auf den nächsten konkreten Schritt, um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Bildcredits Telekinesis GmbH

Wir bedanken uns bei Arjun Datta und Suman Pal für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

FlyPix AI: Wie das Startup die KI-Analyse von Satellitenbildern revolutioniert

0
FlyPix AI: Künstliche Intelligenz für Erdbeobachtung FlyPIx AI Founder Team Bild

FlyPix AI verbindet Künstliche Intelligenz mit Erdbeobachtung und macht die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern auch ohne tiefes technisches Know-how zugänglich

FlyPix AI ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter FlyPix AI?

Hinter FlyPix AI stehen wir beide – Ivan und Sergey. Uns verbindet ein technischer Hintergrund in Machine Learning und Data Science. Sergey hat seinen Master an der TU Darmstadt abgeschlossen und im Bereich Machine Learning promoviert. Ivan promovierte in Informatik an der Universität Trento in Italien. Gemeinsam entstand die Idee zu FlyPix AI: die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern aus der Expertenwelt herauszuholen und als Produkt für Unternehmen zugänglich zu machen. Unser Ziel ist es, dass auch Anwenderinnen und Anwender ohne tiefes technisches Know-how Geodaten einfach nutzen und daraus fundierte Entscheidungen treffen können.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Vor der Gründung von FlyPix AI haben wir Unternehmen als Berater im Bereich Machine Learning und Data Science unterstützt. Gleichzeitig war für uns immer klar, dass wir langfristig ein eigenes Produkt aufbauen wollten. Als Gründer ist es etwas Besonderes, eine Lösung zu entwickeln, die kontinuierlich wächst, sich weiterentwickelt und hinter der das gesamte Team steht. Genau das hat uns angetrieben.

Den einen Schlüsselmoment gab es allerdings nicht. Vielmehr haben wir immer wieder dieselben Anforderungen von unseren Kunden gehört und für unterschiedliche Projekte ähnliche Bildanalyse-Pipelines entwickelt. Irgendwann wurde klar: Statt dieselbe Lösung immer wieder neu zu bauen, sollten wir sie einmal richtig entwickeln – als skalierbares Produkt. So ist FlyPix AI entstanden.

Welche Vision verfolgt ihr mit FlyPix AI? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist einfach: Wir wollen den Zugang zu Wissen über unseren Planeten demokratisieren. An Daten mangelt es heute nicht mehr – Satelliten-, Luft- und Drohnenbilder stehen in riesigen Mengen zur Verfügung. Die eigentliche Herausforderung ist, diese Daten zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Genau hier setzt FlyPix AI an.

Wir machen Erdbeobachtungsdaten für alle nutzbar – nicht nur für Spezialisten. Wenn jede Organisation diese Informationen einfach auswerten und für bessere Entscheidungen einsetzen kann, eröffnet das völlig neue Möglichkeiten: vom Umwelt- und Naturschutz über Klimaanpassung bis hin zu einer effizienteren Infrastruktur. Langfristig wollen wir damit nicht nur Unternehmen helfen, sondern einen Beitrag leisten, unseren Planeten besser zu verstehen und nachhaltiger mit ihm umzugehen.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war – und ist bis heute – nicht die Technologie. Eine gute technische Lösung zu entwickeln, ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein Produkt zu bauen, das Menschen gerne nutzen und auf das sie sich im Alltag verlassen können.

Der Weg von einer funktionierenden Lösung zu einem Produkt, das von Hunderten oder Tausenden Nutzerinnen und Nutzern regelmäßig eingesetzt wird, ist wahrscheinlich die größte Aufgabe jedes Technologie-Start-ups. Genau darauf konzentrieren wir uns jeden Tag.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Wir entwickeln FlyPix AI ganz bewusst für Menschen ohne technischen Hintergrund. Das ist eine Herausforderung – aber gleichzeitig auch der spannendste Teil unserer Arbeit. Denn unser Ziel ist es, dass niemand Data Scientist oder KI-Experte sein muss, um wertvolle Erkenntnisse aus Satelliten-, Luft- oder Drohnenbildern zu gewinnen.

Genau diese Anwender stehen für uns im Mittelpunkt: Fachleute mit tiefem Domänenwissen, die konkrete Probleme lösen wollen. Sie sollen die Möglichkeiten moderner Erdbeobachtung nutzen können, ohne dafür ein eigenes Data-Science-Team aufbauen oder komplexe KI-Modelle verstehen zu müssen.

Wie funktioniert FlyPix AI ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

FlyPix AI macht hochkomplexe KI- und Fernerkundungstechnologie über eine intuitive Benutzeroberfläche zugänglich. Im Hintergrund arbeiten leistungsstarke Vision-Modelle – für die Nutzer fühlt es sich jedoch so einfach an, wie Objekte auf einer Karte zu markieren. Nach wenigen Beispielen lernt die Plattform selbstständig, wonach gesucht wird, und erstellt automatisch ein passendes KI-Modell.

Man kann es mit einem Kind vergleichen, das den Buchstaben „A“ lernt: Anfangs braucht es einige Beispiele, doch schon bald erkennt es den Buchstaben in unterschiedlichsten Formen und kann ihn selbst schreiben. Genauso lernt FlyPix AI, Objekte unter verschiedensten Bedingungen zu erkennen und sie anschließend weltweit automatisch zu identifizieren.

Genau darin liegt auch unser entscheidender Unterschied zu klassischen Lösungen. Was bisher spezialisierte GIS-Experten, Data Scientists und aufwendige Analyseprozesse erforderte, erledigt FlyPix AI in wenigen Klicks. So wird Erdbeobachtung erstmals für Fachanwender ohne KI- oder GIS-Kenntnisse zugänglich.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Für uns bedeutet diese Auszeichnung vor allem zweierlei. Zum einen ist sie eine große Anerkennung für die Arbeit, die unser Team in den vergangenen Jahren geleistet hat. Das macht uns stolz.

Zum anderen bringt sie Verantwortung mit sich. Jedes erfolgreiche Start-up war irgendwann am Anfang. Deshalb sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die nächste Generation von Gründerinnen und Gründern zu inspirieren und zu unterstützen. Vielleicht sind einige von ihnen heute noch klein – morgen können sie größer sein.

Wir möchten zeigen, was möglich ist, wenn man mutig denkt, kalkulierte Risiken eingeht und konsequent an einer Vision arbeitet. Wenn wir damit andere ermutigen können, selbst den Schritt ins Unternehmertum zu wagen, dann ist das für uns mindestens genauso wertvoll wie die Auszeichnung selbst.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und FlyPix AI in fünf Jahren?

Es ist heute schwieriger denn je, fünf Jahre in die Zukunft zu blicken. Vor fünf Jahren hätte kaum jemand vorhergesagt, wie rasant sich Künstliche Intelligenz entwickeln würde – bis hin zu Systemen, die heute komplexe Schlussfolgerungen ziehen können. Diese Dynamik zeigt, wie schnell sich unsere Branche verändert.

Eines ist für uns aber klar: In fünf Jahren wollen wir FlyPix AI als einen der weltweit führenden Anbieter an der Schnittstelle von Space Tech und Künstlicher Intelligenz etabliert haben. Nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern global. Unser Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die unseren Planeten besser verständlich machen und Menschen überall auf der Welt dabei unterstützen, fundiertere Entscheidungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu treffen.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: resilient bleiben. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, dass man immer wieder aufsteht und weitermacht. Zweitens: den Blick bewusst auf das Positive richten. Auch in schwierigen Phasen gibt es Fortschritte und Chancen; man muss sie erkennen und ihnen Raum geben.

Und drittens: die Menschen im eigenen Umfeld stärken. Wer seinem Team vertraut, Verantwortung überträgt und Mut macht, baut mehr als nur ein Unternehmen. Am Ende sind es genau diese Menschen, die die Vision mittragen und gemeinsam mit dir Wirklichkeit werden lassen.

Bildcredits FlyPix AI

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Neueste Beiträge

Mellow Rush: Mood Drink in der Höhle der Löwen Bild Simone Lafargue, Gründerin von Mellow Rush aus Stuttgart Foto: RTL

Höhle der Löwen: Mellow Rush pitcht alkoholfreie Mood Drinks

0
Mellow Rush entwickelt alkoholfreie Mood Drinks mit Botanicals und will damit eine neue Getränkekategorie etablieren. Am 14. September 2026 wird das Startup in der Höhle der Löwen in einem Battle antreten.