Donnerstag, April 9, 2026
StartInterviewsSteht die Logistik vor einer Zukunft, in der KI die Entscheidungen trifft?

Steht die Logistik vor einer Zukunft, in der KI die Entscheidungen trifft?

de:hub Dortmund Logistics vernetzt Logistik, KI und Startups, um neue digitale Lösungen für moderne Lieferketten zu entwickeln

Wie würden Sie den de:hub Dortmund – Logistics unseren Leserinnen und Lesern vorstellen und welche Rolle spielt der Hub speziell beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik?

Der Logistics Hub in Dortmund ist zentraler Teil eines einzigartigen Ökosystems, in dem Wissenschaft, Industrie, Start ups und offene Technologieinitiativen systematisch zusammenarbeiten. 2021 wurde Dortmund von der EU zur europäischen Innovationshauptstadt ernannt European Capital of Innovation Awards – damals wie heute folgen wir dem Paradigma: Dortmund Stadt der Nachbarn. Dies beschreibt den typischen Dortmunder Willen, unbedingt etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen und das in dem im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Vertrauen, gemeinsam die Welt ein Stück in die richtige Richtung zu bewegen. Wirft man einen Blick auf die unmittelbare Nachbarschaft des Logistics Hub in Dortmund, so wird das weltweit einmalige Ökosystem deutlich, in dem mehr als tausend Menschen an der Zukunft der Logistik arbeiten.

Digital Hub Management GmbH als Orchestrator des Innovationsökosystems Logistik + IT
Fraunhofer IML als größtes Logistikinstitut Europas
Fraunhofer ISST als weiterer Kompetenzträger im Bereich IT
TU Dortmund mit den Logistik Lehrstühlen und der bedeutenden Informatik Fakultät
Lamarr Institut für Maschinelles Lernen und KI mit internationaler Spitzenforschung
Open Logistics Foundation als Plattform für Open Source Standards in der Logistik
International Data Spaces Association als Initiative für souveränen Datenaustausch
Digital Hub Logistics e.V. als Netzwerkstruktur
Das EU Projekt European Digital Innovation Hub Dortmund EDIH DO, welches KMU bei der digitalen Transformation und KI Adoption unterstützt
Leistungszentrum Logistik + IT
Technologiezentrum Dortmund TZDO mit einer aktiven Start up Community und der Verortung von zahlreichen IT und Technologieunternehmen und einem neuen Gebäude als Zentrum für Logistik und IT
Centrum für Entrepreneurship und Transfer CET der TU Dortmund

Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Logistik nur dann nachhaltig digitalisiert und gestaltet werden kann, wenn Forschung, technische Entwicklung und Unternehmertum an einem Ort stattfinden. Und das ist ein ganz entscheidender Faktor, denn Innovation entsteht heute in agilen Teams, deren Zusammensetzung sich im Laufe einer Entwicklung immer wieder ändert. Das Geheimnis des Erfolges ist es, viele Menschen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund und aus verschiedenen Fachrichtungen zu finden, die der Wille eint, neue Technologien und Methoden zu gestalten, die die Welt ein wenig besser machen. Im Dortmunder Logistics Hub muss man keine fünf Minuten gehen, um mehr als tausend solcher Menschen zu finden.

Der Logistics Hub Dortmund bietet eine Fülle unterschiedlicher Formate, die bei der Suche nach geeigneten Fachleuten, Start ups oder Industriepartnern helfen. Zum Beispiel im Bereich der Künstlichen Intelligenz fungiert der Hub auch als Integrator: KI wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern als Bestandteil eines digitalen Kontinuums – von autonomen Softwareagenten über Smart Contracting bis hin zu humanoider Robotik in Distributionszentren. Der Hub schafft die strukturellen Voraussetzungen, damit KI Lösungen nicht im Labor verbleiben, sondern in realen Supply Chains wirksam werden.

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für effizientere und resilientere Lieferketten. Warum ist Dortmund aus Ihrer Sicht ein besonders geeigneter Standort, um KI basierte Logistiklösungen zu entwickeln und zu erproben?

Nützliche Künstliche Intelligenz entsteht nicht nur in der Logistik erst in ihrer Anwendung, wenn sie sich über Sensoren und Aktoren mit der jeweiligen Umgebung im Labor oder im Betrieb in Verbindung setzt und lernt. Das gilt für humanoide Roboter ebenso wie für die Software Agenten im Management. In Dortmund haben wir die einmalige Situation, dass wir an einem Ort einerseits die Forschung und Entwicklung von den Grundlagen im Lamarr Institut über die Anwendung im Fraunhofer IML und den Communities der Open Logistics Foundation bis zur betrieblichen Nutzung in Start ups, Start ins und in über hundert Firmenkooperationen im Digital Hub Verein, in Enterprise Labs und vielen Projekten aufgebaut haben.

Andererseits bilden wir die Logistik selbst vollständig ab: vom Sensor MotionMiners, 5G und 6G über den Ladungsträger Logistikbude, intelligente Tonne ITCpro, den Transport LoadRunner bis zum Supply Chain Management. Es gibt keine weißen Flecken in der logistischen Innovationslandkarte im Dortmunder Logistics Hub. So wird KI nicht nur entwickelt, sondern systemisch in Wertschöpfungsnetzwerke integriert.

In welchen Bereichen der Logistik sehen Sie aktuell den größten Hebel für KI Anwendungen, etwa in der Routenoptimierung, Nachfrageprognose, Lagerlogistik oder im Risikomanagement von Lieferketten?

In der Logistik geht es darum, Dinge vernünftig zu bewegen. Auf dem Shopfloor werden dazu schon heute Schwärme intelligenter, autonomer Roboter AMR eingesetzt. In naher Zukunft werden humanoide Roboter hinzukommen und den Menschen an vielen einfachen Arbeitsplätze in der Logistik ersetzen. Auf der Straße werden wiederum autonome Lkw fahren. Die Technik dafür halten wir in Händen und Elon Musk et al. haben für dieses Jahr Humanoide für Leasingraten weit unter dem deutschen Mindestlohn angekündigt.

Was die KI im Supply Chain Management betrifft, folge ich Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens, der zur Eröffnung der Hannover Messe 2025 formulierte: Die nächste Generation von Managern wird ein Team aus Menschen und KI Agenten führen.

In diesem Sektor liegen die größten Hebel dort, wo Komplexität auf Dynamik trifft:
automatisierte Ausschreibungs und Verhandlungsprozesse RFQ,
Echtzeit Routenoptimierung,
Nachfrage und Kapazitätsprognosen,
Batch Optimierung in der Kommissionierung,
Risiko und Störungsmanagement in globalen Lieferketten,
um nur einige Beispiele im Supply Chain Management zu nennen.

Wie unterstützt der de:hub Dortmund – Logistics Startups dabei, KI Lösungen für reale logistische Herausforderungen zu entwickeln, zu testen und gemeinsam mit Industriepartnern in die Praxis zu bringen?

Startups profitieren von:
direktem Zugang zu Industriepartnern,
realen Testfeldern und den Enterprise Labs im Fraunhofer IML,
Open Source Daten und Standardisierungsinfrastruktur über International Data Spaces und Open Logistics Foundation,
wissenschaftliche Unterstützung durch das Lamarr Institut,
räumlicher Einbindung und Infrastruktur im TzDo,
und vor allem durch die systematische Vernetzung durch die Digital Hub Management GmbH.

Um der weiterhin wachsenden Nachfrage von Unternehmen gerecht zu werden, die sich vor Ort im Dortmunder Ökosystem engagieren wollen, hat das Technologiezentrum Dortmund TZDO jüngst das Zentrum für Logistik und IT ZLI gebaut Einweihung im Sommer 2026. Es liegt direkt gegenüber vom Fraunhofer IML und wird die Digital Hub Management Gesellschaft und bestehende und neue Start ups und Start ins ebenso aufnehmen wie Forschungs und Entwicklungsabteilungen. Es gibt über 8.500 m² Bruttogeschossflächen und eine Halle zum gemeinsamen Experimentieren. Damit rückt die ganze Innovationskette noch näher zusammen. Das ZLI ist eine Anlaufstelle für alle Unternehmen, die darüber nachdenken, wie sie sich an der aktuellen Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz und Logistik beteiligen können.

Und diese Entwicklung verläuft exponentiell, denn KI programmiert zunehmend seine eigenen Anwendungen und am Ende sich selbst. Dauerte ein klassischer Innovationszyklus noch drei Jahre, so sprechen wir heute vielleicht von ein paar Monaten – manchmal nur noch von ein paar Wochen. Dieser Wandel ist fundamental und unumkehrbar. Wir werden niemals in die langsame Welt ohne KI zurückkehren. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie dieser Dynamik nicht mehr allein gerecht werden können und kommen nach Dortmund.

Logistik ist stark datengetrieben. Welche Rolle spielen Datenverfügbarkeit, Datenqualität und Datensicherheit bei KI Projekten im Hub und wie helfen Sie Startups, mit diesen Anforderungen umzugehen?

Daten sind die Grundlage jeder KI Anwendung. Gleichzeitig ist Datensouveränität in der Logistik essenziell. Hier spielt die International Data Spaces Initiative eine Schlüsselrolle: Sie ermöglicht sicheren, kontrollierten Datenaustausch zwischen Partnern. Auch dieser Aspekt wird im Logistics Hub nicht nur mitgedacht, sondern konkret und Open Source umgesetzt.

Welche Formate oder Kooperationsmodelle nutzen Sie, um KI Startups mit etablierten Logistikunternehmen, Verladern oder Infrastrukturanbietern zusammenzubringen?

Wir arbeiten mit:
Venture Client Modellen,
Innovationspartnerschaften,
offenen Pilotprojekten,
Open Source Entwicklungsprojekten,
Co Creation Workshops zwischen Startups und Corporates.

Gerade im Zusammenspiel von Open Logistics Foundation und Digital Hub entsteht ein Umfeld, in dem neue Standards gemeinsam entwickelt werden können – statt proprietärer Insellösungen.

Nachhaltigkeit und Effizienz stehen zunehmend im Fokus der Branche. Wie kann KI aus Ihrer Sicht dazu beitragen, Emissionen zu reduzieren, Ressourcen besser zu nutzen und Logistikprozesse nachhaltiger zu gestalten?

KI kann:
Transportwege optimieren,
Leerfahrten reduzieren,
Energieverbräuche senken,
Lagerprozesse effizienter gestalten,
Ressourcenbedarfe präziser prognostizieren.

Insbesondere in Kombination mit IoT und Smart Contracts entstehen geschlossene Feedbacksysteme, die Emissionen systematisch reduzieren können.

Welche technologischen Entwicklungen im Bereich KI und Logistik beobachten Sie derzeit besonders aufmerksam und wo erwarten Sie in den kommenden Jahren die größten Veränderungen?

Drei Entwicklungen sind zentral:
Autonome KI Agenten,
Humanoide Robotik in der Intralogistik,
Semantische Schnittstellen für maschinelles Verhandeln.

Wir stehen am Übergang vom digitalen Prozess zur digitalen Handlungsfähigkeit.

Wie messen Sie den Erfolg von KI Innovationen im de:hub Dortmund – Logistics, sowohl in Bezug auf wirtschaftlichen Nutzen als auch auf die tatsächliche Verbesserung von Logistikprozessen?

Erfolg wird gemessen an:
realisierten Pilotprojekten,
Skalierung in industrielle Prozesse,
Produktivitätssteigerung,
Nachhaltigkeitskennzahlen,
Anzahl wachsender Startups,
Etablierung offener Standards.

Nicht Proof of Concept ist entscheidend, sondern Marktdurchdringung.

Welche Ziele verfolgen Sie für den weiteren Ausbau des de:hub Dortmund – Logistics im Bereich Künstliche Intelligenz und wie soll sich der Standort langfristig positionieren?

Langfristig soll Dortmund als europäisches Zentrum für KI basierte Logistikplattformen positioniert werden.

Ziel ist der Aufbau eines digitalen Kontinuums, in dem:
autonome Agenten handeln,
offene Standards dominieren,
Daten souverän geteilt werden,
Startups systemisch eingebunden sind,
und Management neue Formen der Steuerung entwickelt.

Dortmund entwickelt sich von einem Logistikinnovationsstandort zu einem Infrastrukturstandort für intelligente Wertschöpfungsnetzwerke.

Bild Logistikbude Michael ten Hompel Bildcredits/Fotograf: Logistikbude, Borderless

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Michael ten Hompel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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