Donnerstag, April 2, 2026
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Wie kann etwas so Komplexes auf einmal so einfach sein?

Cargoboard digitalisiert Transporte und macht Spedition in Europa transparent und einfach zugänglich

Wie ist Cargoboard entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?

Cargoboard ist für mich nicht am Reißbrett entstanden, sondern aus sehr konkreten Beobachtungen in der Praxis: Schon während meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann habe ich immer wieder erlebt, wie intransparent Preise und Beauftragungen sind, wie viel Abstimmung über Telefon und E-Mail nötig ist, wie fragmentiert der Markt ist und wie wenig Überblick Kunden über den Status ihrer Transporte haben. Der eigentliche Startschuss kam dann aus einem Workshop, in dem Logistiker und Studierende zusammengekommen sind und wir neue Modelle für die Branche entwickelt und gepitcht haben. Aus diesem Kontext hat sich das Gründungsteam formiert, mit dem wir Cargoboard anschließend aufgebaut haben. Inzwischen steht hinter Cargoboard ein Team aus 100 Logistik- und Tech-Fachleuten, die genau diese beiden Welten zusammenbringen.

Was hat Sie dazu motiviert, mit Cargoboard die Logistikbranche digital neu zu denken?

Mich hat vor allem geärgert, wie viel Reibung es in der Zusammenarbeit zwischen Versender und Spedition gibt. Ich habe im Alltag gesehen, dass Unternehmen Preislisten studieren müssen, um Zuschläge zu verstehen, und dann trotzdem aus Unsicherheit telefonieren oder E-Mails schreiben. Und nicht selten ist erst mit der Rechnung klar, was der Transport am Ende wirklich gekostet hat. Gleichzeitig ist der Markt extrem fragmentiert, mit tausenden Speditionen in Europa. Genau diese Mischung aus Komplexität und Intransparenz war für mich der Auslöser, Transporte so zugänglich wie möglich zu machen, wie man es aus anderen digitalen Bereichen längst gewohnt ist.

Welche Vision verfolgt Cargoboard für die Zukunft der digitalen Spedition in Europa?

Unsere Vision für die gesamte europäische Transportlandschaft ist „Open Transport“. Ich möchte, dass Transporte in Europa fairer, transparenter und zugänglicher werden. Und zwar so, dass Unternehmen jeder Größe am nationalen und internationalen Warenverkehr teilhaben können, unabhängig von Volumen, Marktmacht oder bestehenden Netzwerken. Eine offene Transportwirtschaft schafft dabei nicht nur bessere Bedingungen für Warentransporte, sondern eröffnet auch neue wirtschaftliche Realitäten für viele Unternehmen. Gleichzeitig stärkt das aus meiner Sicht das Ansehen der Transportbranche und sorgt dafür, dass die Transportwirtschaft ihr volles Potenzial entfalten kann. Wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Relevanz und langfristige Stabilität werden für alle Marktteilnehmer greifbarer und nachvollziehbarer. Unser Ziel ist, dass dieses Konzept in der europäischen Transportlandschaft wirklich Einzug hält.

Wie gelingt es Cargoboard, die oft komplexe Transportabwicklung für Unternehmen so einfach wie möglich zu gestalten?

Wir setzen an genau den Stellen an, an denen Kundinnen und Kunden die Komplexität am stärksten spüren. Dafür braucht es vor allem eine wirklich gute Nutzererfahrung, ähnlich wie man sie von modernen Buchungsplattformen kennt, zum Beispiel bei einer Flugbuchung. Wir führen klar durch die Buchung, liefern innerhalb von Sekunden verständliche und belastbare Preise für nahezu jeden möglichen Straßentransport in Europa und vermeiden dieses typische Hin und Her, das man aus der klassischen Spedition kennt.

Wichtig ist mir außerdem, dass Kundinnen und Kunden nicht allein gelassen werden. Mit uns gibt es einen verlässlichen und verantwortlichen Ansprechpartner aus Speditionsexperten. Und im Hintergrund haben wir dafür eigene Technologie aufgebaut, unter anderem ein eigenes TMS, damit wir die operative Abwicklung zuverlässig steuern können.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Cargoboard konkret an und welche Probleme lösen Sie für diese besonders effektiv?

Grundsätzlich richten wir uns mit Cargoboard an alle Unternehmen, die Straßentransporte in Europa organisieren und dabei Planbarkeit, Geschwindigkeit und Transparenz brauchen. Für den breiten Teil des Marktes, also vom Mittelständler bis zum Soloselbstständigen, sind wir eine sehr spannende Option. Ob eine Palette im Monat oder 20 am Tag.

Besonders interessant sind wir aber natürlich für kleinere Unternehmen, die erst durch uns überhaupt eine richtige Chance bekommen, am gesamten europäischen Markt mitzuwirken. Weil der administrative Aufwand bei klassischen Speditionen oft hoch ist, fallen sie dort schnell durchs Raster. Mit unseren standardisierten, digitalen Prozessen können sie Transporte einfach buchen und dadurch europaweit verkaufen und liefern.

Ähnlich profitieren aber auch große internationale Player von Cargoboard, wenn sie neu in den europäischen Markt kommen und hier noch kein eigenes Logistiknetzwerk aufgebaut haben. Sie bekommen über uns einen schnellen, klar strukturierten Zugang zu verlässlichen Transportkapazitäten in Europa und können ohne große Setup-Hürden starten. Unsere digitalen Prozesse helfen dabei, dass der Einstieg auch dann gut funktioniert, wenn lokale Besonderheiten oder Sprachbarrieren am Anfang noch eine Rolle spielen.

Die Logistikbranche gilt als traditionell und wenig digital. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei im Alltag?

Die größte Herausforderung sehe ich in den gewachsenen Prozessen der Branche. Vieles hat sich über Jahrzehnte eingespielt – per Telefon, per E-Mail, über persönliche Kontakte – und funktioniert in sich, aber eben in geschlossenen Silos. Informationen liegen in unterschiedlichen Systemen, werden manuell weitergegeben und sind selten durchgängig verfügbar. Dazu kommt, dass die Systemlandschaften extrem heterogen ist. Wenn wir Schnittstellen zu Speditionspartnern aufbauen, treffen wir auf sehr unterschiedliche technische Realitäten – von modernen Systemen bis hin zu Lösungen, die seit 20 Jahren im Einsatz sind und nie für digitale Zusammenarbeit gedacht waren. Diese technischen Silos aufzubrechen und trotzdem operative Verlässlichkeit sicherzustellen, ist ein ständiger Balanceakt. Aber genau das treibt mich auch an: Sobald Kundinnen und Kunden oder Partner einmal erlebt haben, wie viel einfacher Transportprozesse laufen können, wenn Informationen wirklich durchgängig fließen, ist die Bereitschaft da, diesen Weg mitzugehen.

Wie stellt Cargoboard sicher, dass die Zusammenarbeit mit zahlreichen Speditionspartnern reibungslos funktioniert?

Wir investieren viel in Service und in die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Mir ist wichtig, dass unser Angebot sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für unsere Speditionspartner passt. Kundinnen und Kunden sollen zuverlässig bedient werden und Transporte in hoher Qualität bekommen. Und unsere Partner sollen fair behandelt werden, von unseren Systemen profitieren und gerne mit uns arbeiten. Gleichzeitig eröffnen wir unseren Speditionspartnern und Frachtführern über Cargoboard auch neue Kundensegmente, die sie über klassische Vertriebswege oft nicht so einfach erreichen.

Dafür brauchen wir klare Prozesse und eine starke technische Grundlage. Im Hintergrund haben wir unser eigenes Transportmanagement-System aufgebaut und viele Schnittstellen zu unseren Partnern, sodass Informationen sauber fließen und die operative Steuerung nicht vom Zufall abhängt. Am Ende ist es immer die Kombination aus Technologie und aktiver Beziehungspflege.

Was unterscheidet Cargoboard aus Ihrer Sicht klar von klassischen Speditionen oder anderen digitalen Logistikplattformen?

Wir denken Transport konsequent vom Kunden her. Bei vielen klassischen Speditionen sind die Strukturen historisch gewachsen und dadurch für Kundinnen und Kunden oft schwer nachvollziehbar. Und bei manchen digitalen Ansätzen habe ich das Gefühl, dass nur die Oberfläche digital ist, aber die Logik dahinter bleibt im Kern gleich. Unser Anspruch ist, dass sich Transport so einfach anfühlt, wie man es aus anderen digitalen Produkten kennt, ohne dass wir dabei die operative Verantwortung aus der Hand geben.

Gerade im Vergleich zu klassischen Vergleichsplattformen ist das für mich der zentrale Unterschied. Dort endet die Verantwortung häufig nach der Vermittlung, und die operative Umsetzung liegt dann bei der ausführenden Spedition. Bei uns ist das anders. Unsere Kundinnen und Kunden sprechen mit uns, und wir kümmern uns um die gesamte operative Umsetzung. Wir wissen, welcher Transportpartner für den jeweiligen Transport der richtige ist, sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft, und wenn es Fragen oder Änderungswünsche gibt, muss der Kunde das nicht mit dem Frachtführer klären, sondern kann sich einfach an uns wenden.

Welche Rolle spielen Transparenz und Geschwindigkeit für Ihre Kunden und wie setzen Sie diese Werte konkret um?

Transparenz ist für uns ein ganz wichtiges Mittel, um bei Kundinnen und Kunden überhaupt erst Vertrauen aufzubauen. Die meisten Neukunden kennen uns am Anfang noch gar nicht, sie haben keine LKWs mit unserem Logo auf der Straße gesehen und sollen uns plötzlich ihre Waren anvertrauen. Dass da erst einmal Skepsis da ist, ist völlig normal. Genau deshalb ist es uns so wichtig, jederzeit transparent zu sein.

Für unsere Kundinnen und Kunden ist Transparenz gleichzeitig auch die Basis, weil sie nur dann wirklich planen können. Sie wollen jederzeit wissen, was mit ihrer Sendung passiert, wo sie sich gerade befindet und an wen sie sich wenden können, wenn es Fragen gibt. Deshalb setzen wir auf eine klare Sendungsverfolgung, ähnlich wie man sie aus dem klassischen Paketversand kennt, und sind für unsere Kunden immer als verlässliche Ansprechpartner verfügbar, damit man nicht irgendwo im System „verschwindet“ oder hinterhertelefonieren muss.

Und Geschwindigkeit entsteht bei uns vor allem dadurch, dass der Prozess sauber digital aufgebaut ist. Der Buchungsprozess ist selbsterklärend, man bekommt innerhalb von Sekunden einen transparenten, belastbaren Preis und es gibt keine versteckten Kosten. Wenn man das aus der klassischen Spedition kennt, dann ist das ein echter Unterschied, weil Buchung und Abstimmung dort häufig lange dauern und unnötig kompliziert sind. Auch operativ spielt Geschwindigkeit eine wichtige Rolle. Viele Kundinnen und Kunden sind überrascht, wenn sie merken, dass man eine Palette ähnlich schnell wie ein Paket durch ganz Europa schicken kann.

Wohin soll sich Cargoboard in den kommenden Jahren entwickeln und welche neuen Angebote sind geplant?

Wir wollen für unsere Kunden die zentrale Anlaufstelle für ihre Transporte in Europa sein. Neben unserem Kerngeschäft, den Speditionstransporten vom Stückgut bis zur Komplettladung, können Kunden mittlerweile auch ihren Paketversand über uns abwickeln. Das Ziel ist klar: ein Großteil der Transportbedarfe über eine Plattform.

Der nächste große Schritt ist die Internationalisierung. Wir expandieren gerade in weitere europäische Märkte und bauen unser Netzwerk gezielt aus. Dabei haben wir gelernt, dass man unser Modell nicht eins zu eins in jedes Land übertragen kann. Jeder Markt hat seine eigenen Besonderheiten – regulatorisch, operativ, kulturell. Unser Anspruch ist, diese Unterschiede wirklich zu verstehen und unsere Plattform darauf zuzuschneiden, ohne unsere Kernprinzipien zu verwässern.

Wenn Sie auf Ihre bisherigen Erfahrungen zurückblicken. Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Wenn ich auf meine bisherigen Erfahrungen zurückblicke, dann würde ich vor allem drei Dinge mitgeben. Geh so früh wie möglich in echte Kundengespräche und in reale Anwendungsfälle, und bleib auch später konsequent nah dran am Produkt und am Markt.

Auch als Geschäftsführer lohnt es sich, regelmäßig echte Kundenfälle mitzuerleben, weil man nur so wirklich versteht, wo es noch hakt und was den größten Unterschied macht. Gleichzeitig ist es wichtig, das Vertrauen ernst zu nehmen, das dir entgegengebracht wird, vor allem in traditionellen Märkten. Das gewinnt man nicht über große Worte, sondern über verlässliche Arbeit.

Und zuletzt würde ich sagen, wenn du moderne digitale oder auch KI-unterstützte Systeme baust, dann achte darauf, dass es nicht nur hübsches Blendwerk an der Oberfläche ist. Wenn du wirklich etwas verändern willst, musst du die Prozesse dahinter von Grund auf neu denken und konsequent vom Kunden her bauen.

Bildcredits @ Cargoboard

Wir bedanken uns bei Lukas Petrasch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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