Gründerinnen treiben weltweit immer stärker technologische Innovationen voran und setzen neue Impulse in Bereichen wie DeepTech, künstlicher Intelligenz und ClimateTech.
Welche Bedeutung hat der Female Founder Award von VivaTech für die Unterstützung von Gründerinnen im globalen Startup-Ökosystem?
Der Female Founder Award ist für uns weit mehr als eine symbolische Auszeichnung. Er ist ein gezieltes Instrument, um Gründerinnen international sichtbar zu machen und ihnen Zugang zu wichtigen Netzwerken zu verschaffen. In einem Ökosystem, in dem Frauen weiterhin unterrepräsentiert sind, möchten wir gezielt Strukturen stärken, die Reichweite, Kapitalzugang und Vernetzung ermöglichen. Genau darin liegt seine besondere Bedeutung.
Warum ist es trotz wachsender Aufmerksamkeit weiterhin so schwierig für von Frauen gegründete Startups, Venture Capital zu erhalten?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nur rund zwölf Prozent des weltweiten Venture Capitals fließen an Teams mit Gründerinnen. Das liegt weniger an der Qualität der Startups, sondern vielmehr an historisch gewachsenen Strukturen. Investitionsentscheidungen entstehen oft in Netzwerken, die über viele Jahre sehr homogen geblieben sind. Gleichzeitig erkennen immer mehr Investoren Vielfalt als Erfolgsfaktor. Trotzdem braucht dieser Wandel Zeit, um sich auch bei den Kapitalflüssen deutlich zu zeigen.
Welche Kriterien waren entscheidend bei der Auswahl der fünf Finalistinnen aus 444 Bewerbungen?
Die Auswahl basiert immer auf mehreren Faktoren. Besonders wichtig sind Innovationskraft, Skalierungspotenzial und die Relevanz für gesellschaftliche oder industrielle Herausforderungen. In diesem Jahr fiel außerdem auf, dass rund drei Viertel der Bewerberinnen bereits in aktiven Finanzierungsrunden waren. Das zeigt, wie reif und ambitioniert viele dieser Unternehmen bereits sind.
Welche technologischen und gesellschaftlichen Trends spiegeln die Finalistinnen dieses Jahr besonders deutlich wider?
Wir sehen einen starken Fokus auf DeepTech, künstliche Intelligenz, Klima- und Energielösungen sowie HealthTech und GovTech. Besonders spannend ist dabei, dass diese Bereiche immer stärker miteinander verschmelzen. Technologie wird zunehmend genutzt, um komplexe gesellschaftliche Probleme datenbasiert zu lösen.
Inwiefern stehen Ark Climate und ExoMatter exemplarisch für diesen datengetriebenen Wandel?
Beide Unternehmen zeigen sehr gut, wohin sich Innovation entwickelt. Ark Climate entwickelt Software, mit der Städte Klimaschutzmaßnahmen datenbasiert planen und umsetzen können. Dadurch wird kommunaler Klimaschutz messbar und besser steuerbar.
ExoMatter verbindet Materialwissenschaft mit künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen beschleunigt die Entwicklung neuer Materialien, indem digitale Methoden Leistung, Kosten und Nachhaltigkeit gleichzeitig optimieren. Beide Beispiele zeigen, wie wichtig Daten inzwischen für Innovation geworden sind.
Was bedeutet es für Deutschland, gleich zwei Finalplätze im Female Founder Award zu stellen?
Das ist ein starkes Signal. Zwei der fünf Finalistinnen kommen aus Deutschland, beide aus München und beide aus technologisch anspruchsvollen Bereichen. Das zeigt, dass Deutschland vor allem im Bereich DeepTech und nachhaltiger Technologien eine wichtige Rolle in Europa spielt. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark einzelne Innovationsstandorte geworden sind.
Wie bewerten Sie die Rolle von Städten wie München als Innovationsstandorte?
München zeigt sehr gut, wie Wissenschaft, Industrie und Startups voneinander profitieren können. Die Nähe zu starken Forschungseinrichtungen und internationalen Unternehmen schafft ideale Bedingungen für DeepTech-Innovationen. Gerade bei Technologien mit langen Entwicklungszeiten ist diese Verbindung besonders wichtig.
Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie speziell für ClimateTech und Materialinnovation?
Die größte Chance liegt in der hohen gesellschaftlichen Relevanz. Klimaschutz und nachhaltige Industrieprozesse gehören weltweit zu den wichtigsten Themen. Dadurch wächst auch die Nachfrage nach neuen Lösungen. Gleichzeitig sind diese Bereiche technisch komplex und oft sehr kapitalintensiv. Deshalb benötigen sie lange Entwicklungszeiten und starke Partnerschaften mit Industrie und Investoren.
Welche Rolle spielt Europa im globalen Wettbewerb um technologische Innovation?
Europa positioniert sich immer stärker als Standort für verantwortungsvolle und nachhaltige Innovation. Veranstaltungen wie VivaTech zeigen, dass Europa über ein starkes internationales Netzwerk aus Startups, Investoren und Unternehmen verfügt. Gleichzeitig bleibt der globale Wettbewerb sehr intensiv, besonders bei Geschwindigkeit und Kapitalverfügbarkeit.
Wie trägt VivaTech konkret zur Sichtbarkeit und Vernetzung von Gründerinnen bei?
Wir bieten Gründerinnen eine internationale Plattform, auf der sie direkt mit Investoren, Medien und Unternehmen in Kontakt kommen können. Der Female Founder Award spielt dabei eine zentrale Rolle. Er verbindet öffentliche Sichtbarkeit mit dem Zugang zu wichtigen Netzwerken für Wachstum und Skalierung.
Welche konkreten Vorteile haben die Finalistinnen über die Auszeichnung hinaus?
Neben medialer Aufmerksamkeit erhalten die Finalistinnen Zugang zu Investoren, Mentoringprogrammen und internationaler Reichweite. Genau diese Faktoren entscheiden oft über die nächste Finanzierungsrunde oder den erfolgreichen Markteintritt.
Welche Rolle spielen Partner und Netzwerke im Rahmen des Awards?
Partner und Netzwerke spielen eine zentrale Rolle. Investorennetzwerke, Medienpartner und Industrieunternehmen schaffen die Infrastruktur, die Startups für Wachstum benötigen. Ohne dieses Ökosystem wäre die Wirkung eines solchen Awards deutlich geringer.
Wie wichtig ist Diversität für Innovation und wirtschaftlichen Erfolg?
Diversität ist weit mehr als ein „Nice-to-have“. Unterschiedliche Perspektiven führen häufig zu besseren Entscheidungen, neuen Ideen und stärkeren Geschäftsmodellen. Besonders in technologiegetriebenen Märkten ist Vielfalt ein wichtiger Faktor für langfristigen Erfolg.
Welche Entwicklungen erwarten Sie im Bereich Female Entrepreneurship in den kommenden Jahren?
Wir sehen bereits eine stärkere Internationalisierung und Professionalisierung. Immer mehr Gründerinnen bringen technologisch anspruchsvolle Geschäftsmodelle auf den Markt, vor allem in den Bereichen KI, ClimateTech und HealthTech. Gleichzeitig entstehen mehr Programme und Plattformen, die den Zugang zu Kapital und Netzwerken verbessern.
Zum Abschluss: Was war für Sie persönlich der prägendste Moment im diesjährigen Auswahlprozess?
Besonders beeindruckend waren die technologische Tiefe der Projekte und die Klarheit, mit der viele Gründerinnen globale Herausforderungen angehen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Produkte, sondern um umfassende systemische Lösungen. Genau das zeigt, wie stark sich das globale Startup-Ökosystem verändert hat.
Bild Bildcredits @ Noreja
Wir bedanken uns bei Francois Bitouzet für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

























