Montag, Juni 29, 2026
StartInterviewsWas macht upcycle bags für nachhaltige Produkte so besonders?

Was macht upcycle bags für nachhaltige Produkte so besonders?

upcycle bags entwickelt nachhaltige Taschen aus gebrauchten Materialien und verbindet Nachhaltigkeit mit Kreislaufwirtschaft sowie einer sozial verantwortungsvollen Produktion in Europa

Wie entstand die Idee zu upcycle bags und wer steckt hinter dem Startup?

Die Idee zu upcycle bags entstand aus der Motivation, nicht recycelbaren Abfällen wie Technische-Planen, Werbebannern oder alten Fahrradschläuchen ein sinnvolles zweites Leben zu schenken. Anstatt diese robusten Materialien der Müllverbrennung zu überlassen, wollte ich eine kreislauffähige Lösung schaffen. Hinter dem Startup stehe ich, Johannes Zloch. Meine Vision ist es, aus scheinbarem Müll hochwertige, langlebige und stylische Alltagsbegleiter zu erschaffen, die Ästhetik und Nachhaltigkeit perfekt miteinander verbinden.

Warum habt ihr euch darauf spezialisiert, ausrangierten Materialien ein zweites Leben zu geben?

Wir möchten der linearen Wegwerfgesellschaft ein klares Kreislaufmodell entgegensetzen und zeigen, dass Abfall oft nur ein Rohstoff am falschen Ort ist. Jedes gebrauchte Material bringt eine eigene Geschichte, individuelle Texturen und eine charmante Patina mit, was jedes Produkt zu einem Unikat macht. Zudem spart die Weiternutzung bestehender Materialien im Vergleich zur Neuproduktion massiv CO2, Wasser und Energie ein.

Welche Materialien verarbeitet upcycle bags besonders häufig?

Unser Fokus liegt auf besonders robusten und wetterfesten Materialien. Dazu gehören vor allem ausgediente Technische-Planen und großformatige Werbebanner aus PVC- oder Mesh-Gewebe, die nach Großevents oder Messen anfallen. Wir benutzen aber auch Fahrradschläuche, Markisenstoffe, Drindlstoffe usw. Als Innenfutter verwenden wir zudem hochwertige Membranstoffe und Stoffrestrollen aus Industrieüberschüssen.

Wie läuft der Weg von alten Fahrradschläuchen oder Werbebannern bis zur fertigen Tasche ab?

Der Prozess beginnt mit dem Sourcing, dem Einsammeln der Materialien bei Unternehmen, Vereinen und Partnern. Danach folgt die Aufbereitung im Lager, wo die Stoffe gründlich gereinigt, gesichtet und vorsortiert werden. Beim anschließenden Zuschnitt platzieren wir die Schnittmuster sorgfältig, um spannende Grafiken oder Logos der alten Banner optimal zu nutzen, oder je nach Bedarf zu entfernen. Schließlich werden die unregelmäßigen Stücke in Handarbeit zu langlebigen Taschen vernäht.

Welche Rolle spielen soziale Nähwerkstätten in Europa für euer Konzept?

Die sozialen Nähwerkstätten in Europa bilden das Herzstück unserer fairen und lokalen Produktion. Wir arbeiten gezielt mit inklusiven Betrieben und Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder gesellschaftlicher Benachteiligung zusammen, bei denen alle einen fairen Lohn kriegen. Durch diese Partnerschaften garantieren wir kurze Transportwege, höchste handwerkliche Qualität und eine vollkommen transparente, sozial gerechte Wertschöpfungskette.

Wie verbindet upcycle bags Nachhaltigkeit mit sozialem Impact?

Bei uns greifen ökologische und soziale Aspekte nahtlos ineinander. Den ökologischen Impact erzielen wir durch konsequentes Upcycling, das Müllberge reduziert und Ressourcen schont. Den sozialen Impact generieren wir durch die Schaffung und Unterstützung sicherer, wertschätzender Arbeitsplätze in den Nähwerkstätten. Unsere Produkte transportiert somit eine doppelte Botschaft: gelebtes Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Verantwortung.

Welche Zielgruppen möchtet ihr mit euren Produkten ansprechen?

Im B2C-Bereich richten wir uns an umweltbewusste Konsumenten, urbane Pendler und Outdoor-Begeisterte, die Wert auf Individualität und robustes Design legen. Im B2B-Bereich sprechen wir gezielt Unternehmen an, die eine ehrliche Story für ihr Merchandise suchen. Statt austauschbarer Werbegeschenke bieten wir Firmen die Möglichkeit, aus ihren eigenen alten Werbematerialien exklusive Präsente für Kunden oder Mitarbeiter herstellen zu lassen.

Warum wird das Thema Kreislaufwirtschaft aus eurer Sicht immer wichtiger?

Die klassischen Modelle nach dem Prinzip Nehmen, Nutzen, Wegwerfen stoßen spürbar an ihre planetaren Belastungsgrenzen. Rohstoffknappheit, Klimawandel und steigende CO2-Zertifikatspreise zwingen die Wirtschaft zum Umdenken. Die Kreislaufwirtschaft schützt nicht nur unsere Ökosysteme, sondern sichert Unternehmen durch geschlossene, lokale Lieferketten auch eine langfristige wirtschaftliche Stabilität.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Beschaffung und Verarbeitung gebrauchter Materialien?

Die größte Herausforderung liegt in der Unvorhersehbarkeit, da Qualität, Farben und Mengen der gelieferten Reststoffe stark variieren und die Produktionsplanung komplex machen. Zudem erfordern die Sortierung und die gründliche Reinigung vorab einen hohen logistischen Aufwand. Auch das Nähen selbst ist anspruchsvoll, da die unterschiedlichen Materialstärken viel manuelle Arbeitszeit und handwerkliches Fachwissen voraussetzen.

Welche Rolle spielt die Teilnahme am Stoff im Kopf Accelerator für die Entwicklung von upcycle bags?

Die Teilnahme am Stoff im Kopf Accelerator war für uns ein echter Katalysator. Das Programm bietet uns wertvolles Mentoring, um unser Geschäftsmodell strategisch zu schärfen, Prozesse zu optimieren und das Startup weiterzuentwickeln. Neben dem theoretischen Input schätzen wir vor allem den intensiven Austausch mit anderen Nachhaltigkeitsgründern, der uns hilft, unsere Pitching-Skills zu verfeinern und relevante Netzwerke aufzubauen.

Wie reagieren Unternehmen auf die Möglichkeit, eigene Reststoffe in Merchandise oder Mitarbeiterprodukte umzuwandeln?

Die Resonanz ist durchweg positiv und von großer Begeisterung geprägt. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Nachhaltigkeitsziele greifbar und sichtbar zu machen. Wenn wir zeigen, dass aus alten Messewänden oder Werbebannern exklusive Unikate für das eigene Team entstehen können, sorgt das für einen riesigen Aha-Effekt und setzt ein starkes Statement nach innen und außen.

Welche Bedeutung haben neue Produkte wie Fahrrad oder Handytaschen für die Weiterentwicklung von upcycle bags?

Neue Produkte wie Fahrrad- oder Handytaschen erweitern unser Sortiment um hochfunktionale Alltagsprodukte und erschließen neue Zielgruppen wie urbane Radpendler. Sie zeigen die enorme Vielseitigkeit unserer Upcycling-Materialien und beweisen, dass nachhaltige Produkte in Sachen Design, Passform und Funktion problemlos mit klassischer Neuware mithalten können.

Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im Nachhaltigkeitsbereich geben?

Erstens muss der Fokus immer auf der Produktqualität liegen, denn Nachhaltigkeit allein reicht heute nicht mehr aus, Design und Funktion müssen zuerst überzeugen. Zweitens sollte man die Lieferkette von Anfang an ganz genau prüfen, da eine transparente und ethische Produktion das Fundament der eigenen Glaubwürdigkeit ist. Drittens gilt es, Partnerschaften auf Augenhöhe zu suchen und Netzwerke, soziale Werkstätten sowie B2B-Kunden als echte Partner zu verstehen.

Bild Johannes Zloch upcycle bags articulate summer 2023 Bildcredits upcycle bags

Wir bedanken uns bei Johannes Zloch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!