Mittwoch, Juli 1, 2026
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Screenless: Ist weniger Smartphone wirklich nur eine Frage der Disziplin?

Screenless entwickelt mit dem Breaker und einer App eine Lösung für bewussteren Smartphone-Konsum und zeigt im Interview, wie digitale Gewohnheiten nachhaltig verändert werden sollen

Können Sie Screenless kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Screenless ist eine Digital-Wellbeing-Marke, die ich gemeinsam mit meinem Mitgründer Maximillian Stabe gegründet habe. Das Produkt besteht aus zwei Komponenten: einer App für iOS und Android sowie dem Breaker, einem physischen NFC-Gerät. In der App legen Nutzer fest, welche Apps sie für einen bestimmten Zeitraum sperren möchten, beispielsweise Instagram, um Doomscrolling zu vermeiden. Die Sperre kann erst wieder aufgehoben werden, indem der Breaker mit dem Smartphone gescannt wird. Ein typisches Szenario: Bevor man zur Uni geht, aktiviert man die Sperre für Instagram und lässt den Breaker bewusst zu Hause. Dadurch bleibt die App auch dann gesperrt, wenn die Versuchung groß ist. Erst nach der Rückkehr kann die Sperre durch das Scannen des Breakers aufgehoben werden und Instagram ist wieder nutzbar.

Wie entstand die Idee, mit Screenless und dem Screenless Breaker einen neuen Ansatz gegen übermäßige Smartphone-Nutzung zu entwickeln?

Die Idee entstand aus einem persönlichen Problem. Ich habe gemerkt, dass ich mein eigenes Smartphone-Verhalten weder mit guten Vorsätzen noch mit klassischen App-Limits nachhaltig in den Griff bekommen habe. Mir war bewusst, dass ich zu viel Zeit mit Doomscrolling verbringe, trotzdem habe ich immer wieder automatisch zum Handy gegriffen. Irgendwann wurde klar: Es fehlt nicht an Einsicht, sondern an einem Mechanismus, der die Entscheidung bereits im Voraus trifft.Bei der Recherche sind wir auf ein ähnliches Produkt aus den USA gestoßen.

Das Grundkonzept hat uns überzeugt, allerdings kostete die Hardware rund 90 US-Dollar und die App bot nur eingeschränkte Funktionen und war ausschließlich für iOS verfügbar. Deshalb haben wir beschlossen, unsere eigene Lösung zu entwickeln. Innerhalb von drei Tagen hatten wir den ersten Prototypen einer eigenen App und der passenden NFC-Hardware gebaut. Daraus entstand schließlich Screenless: eine leistungsfähigere App für iOS und Android kombiniert mit einer deutlich günstigeren Hardware, die digitales Wohlbefinden für mehr Menschen zugänglich macht.

Welche Vision verfolgen Sie mit Screenless, und wie möchten Sie Menschen zu einem bewussteren Umgang mit digitalen Medien verhelfen?

Uns geht es nicht darum, Menschen ihr Handy wegzunehmen – sondern darum, die Kontrolle dorthin zurückzugeben, wo sie hingehört: zum Nutzer, nicht zum Algorithmus. Die meisten Ansätze setzen auf Bewusstsein und Willpower. Wir glauben, dass das strukturell nicht ausreicht. Unsere Vision ist, dass Screenless für bewusste Smartphone-Nutzung das wird, was ein gutes Trainingsprogramm für Sport ist: Struktur, die Disziplin ersetzt und Gewohnheiten dauerhaft verändert.

An welche Zielgruppen richtet sich Screenless hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie für diese Nutzer lösen?

Im Kern Menschen, die merken, dass ihr Smartphone-Verhalten ihrer Lebensqualität schadet – und die bereit sind, aktiv dagegen vorzugehen. Das sind Studierende und Berufseinsteiger, die mehr Fokus brauchen, Eltern, die sich um den Medienkonsum ihrer Kinder sorgen, oder Erwachsene, die einfach wieder Abstand vom dauernden Griff zum Handy wollen. Die Gemeinsamkeit: Sie wissen bereits, dass sie zu viel scrollen. Sie brauchen keine Aufklärung, sie brauchen einen Mechanismus.

Viele Menschen scheitern daran, ihre Bildschirmzeit dauerhaft zu reduzieren. Warum reichen klassische App-Limits aus Ihrer Sicht oft nicht aus?

Klassische App-Limits wie die Screen Time-Funktion von Apple scheitern oft daran, dass sie sich jederzeit mit wenigen Klicks deaktivieren oder umgehen lassen. Genau in dem Moment, in dem der Impuls entsteht, doch noch einmal Instagram oder TikTok zu öffnen, liegt die Entscheidung wieder beim Nutzer. Bewusstsein allein reicht jedoch häufig nicht aus, um eine tief verankerte Gewohnheit zu durchbrechen. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung braucht es deshalb nicht nur eine Erinnerung, sondern eine echte Hürde, die den automatischen Griff zum Smartphone verhindert.

Der Screenless Breaker ist das Herzstück Ihrer Lösung. Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem NFC-Gerät und der App, und warum ist dieser physische Ansatz so wirkungsvoll?

Der Screenless Breaker ist ein kleines physisches NFC-Gerät. Man legt in der App fest, welche Apps oder Nutzungszeiten man sperren möchte. Solange man das Gerät nicht physisch scannt, bleiben diese Apps gesperrt. Der entscheidende Mechanismus ist die physische Handlung: Man muss das Gerät aktiv holen und scannen, um Zugang zu bekommen. Das klingt simpel – ist es auch. Aber genau das macht es wirkungsvoll, weil es den Automatismus des unbewussten Greifens zum Handy durchbricht. Ist man unterwegs, bleibt der Breaker bewusst zu Hause. Die ausgewählten Apps bleiben dadurch gesperrt und lassen sich erst wieder nutzen, wenn man nach Hause zurückkehrt und den Breaker an das Smartphone hält.

Was macht den Screenless Breaker aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Lösungen für Digital Wellbeing?

Die meisten Digital-Wellbeing-Lösungen setzen ausschließlich auf Software und verlassen sich darauf, dass Nutzer im entscheidenden Moment genügend Selbstdisziplin aufbringen. Screenless verfolgt einen anderen Ansatz: Wir kombinieren eine leistungsstarke App mit einem physischen NFC-Gerät, das den Zugriff auf ausgewählte Apps erst nach einem bewussten Scan wieder freigibt. Dadurch entsteht eine echte Hürde, die impulsives Verhalten wirksam unterbricht. Ein weiterer Unterschied ist der Datenschutz. Sämtliche Nutzungsdaten werden ausschließlich lokal auf dem Gerät gespeichert. Es gibt kein Cloud-Tracking und keine Auswertung des Nutzerverhaltens. Uns ist bewusst, dass es mit Produkten wie Brick, Scrolly oder Zenbox bereits starke Alternativen auf dem Markt gibt. Unser Anspruch ist deshalb nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern die beste Gesamtlösung anzubieten.

Besonders wichtig ist uns die Individualität der App. Jeder Nutzer kann Screenless genau an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, ohne auf Funktionen verzichten zu müssen. Viele Konkurrenzprodukte lösen einzelne Probleme sehr gut, lassen dafür aber an anderer Stelle wichtige Funktionen vermissen. Außerdem legen wir großen Wert auf persönlichen Support. Wer uns über unsere Website kontaktiert, erhält in der Regel innerhalb weniger Minuten eine Antwort, oft sogar innerhalb von Sekunden. Gerade bei einem Produkt, das Menschen täglich nutzen, ist schneller und direkter Support ein entscheidender Faktor. Dieses Feedback hören wir regelmäßig von unseren Kunden und genau das macht für viele den Unterschied.

Wie wichtig ist es, digitale Gewohnheiten nicht nur technisch, sondern auch psychologisch zu betrachten?

Das ist der Kern von allem. Wir haben Screenless von Anfang an als Behavioral-Design-Produkt gedacht, nicht als Tech-Gadget. Die entscheidende Einsicht: Gewohnheiten ändern sich nicht durch Information, sondern durch Strukturveränderungen in der Umgebung. Wenn der Griff zum Handy ein Automatismus ist, hilft keine Motivation der Welt – es sei denn, der Zugang ist physisch erschwert. Friction ist mächtiger als Willpower. Das ist kein neues Wissen, aber Screenless setzt es konsequent um. Die größte Herausforderung ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der App. Sowohl Apple als auch Android veröffentlichen regelmäßig neue Updates. Damit Screenless jederzeit zuverlässig funktioniert und alle Funktionen erhalten bleiben, muss die App laufend angepasst und weiterentwickelt werden. Die App-Entwicklung liegt bei meinem Mitgründer Maximillian Stabe.

Umso mehr freut es uns, dass seine Arbeit bereits mehrfach von Apple ausgezeichnet wurde. Tatsächlich wurde jede App, die Maximillian entwickelt hat, von Apple prämiert. Darauf sind wir besonders stolz. Diese Auszeichnungen unterstreichen den hohen Anspruch, den wir an Qualität, Design und Nutzererlebnis haben. Eine weitere Herausforderung ist grundsätzlicher Natur: Wie entwickelt man ein Produkt, dessen Ziel es ist, dass Menschen weniger Zeit mit ihrem Smartphone verbringen? Viele Apps sind darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange in der App zu halten. Bei Screenless ist das Gegenteil der Fall. Deshalb verzichten wir bewusst auf Gamification, künstliche Belohnungssysteme oder andere Funktionen, die das Nutzerverhalten manipulieren sollen. Unsere App soll nur dann genutzt werden, wenn sie wirklich gebraucht wird und anschließend wieder in den Hintergrund treten. Genau das macht unseren Ansatz glaubwürdig.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Nutzerinnen und Nutzern, die den Screenless Breaker im Alltag einsetzen?

Ich füge einfach transparent die letzte Bewertung ein, die wir bekommen haben von Simon B.: „Engagiertes Team, Antworten sind super Schnell! Auf Feedback wurde mir innerhalb von 10min Geantwortet! Bis auf kleine Bugs ist die App Super, hat alle Features die man brauchen könnte.“

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Produktinnovationen stehen bei Screenless aktuell im Fokus?

Wir entwickeln Screenless kontinuierlich weiter und setzen dabei regelmäßig Feedback unserer Nutzer um. Viele neue Funktionen entstehen direkt aus den Ideen unserer Community. Ein Beispiel ist unser Wecker-Feature: Der Alarm lässt sich erst ausschalten, nachdem der Breaker gescannt wurde. Wer den Breaker bewusst in einem anderen Zimmer platziert, muss also aufstehen, um den Wecker zu deaktivieren. So wird verhindert, dass man einfach weiterschläft oder direkt wieder zum Smartphone greift. Neben Screenless hat Maximillian kürzlich auch die App Evident entwickelt, die ebenfalls von Apple ausgezeichnet wurde. Evident hilft dabei, Gewohnheiten und Routinen zu verfolgen und macht Habit-Tracking so einfach, übersichtlich und ansprechend wie möglich. Auch hier zeigt sich unser Anspruch, Produkte zu entwickeln, die nicht nur technisch überzeugen, sondern auch durch ein herausragendes Nutzererlebnis.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem persönlichen Alltagsproblem ein Unternehmen entwickeln möchten?

Erstens: Schaut euch an, ob es bereits Lösungen für das Problem gibt. In den meisten Fällen müsst ihr das Rad nicht neu erfinden. Fragt euch stattdessen: Wie kann ich das bestehende Angebot besser machen oder mich anders positionieren? Oft reicht ein klarer Vorteil aus, um sich erfolgreich am Markt zu etablieren. Zweitens: Validiert eure Idee so früh wie möglich. Verlasst euch dabei nicht auf das Feedback von Familie oder Freunden, denn diese sind meist nicht objektiv. Testet eure Idee mit echten potenziellen Kunden, zum Beispiel mithilfe eines Smoke Screen Tests. So erfahrt ihr, ob tatsächlich Nachfrage besteht, bevor ihr viel Zeit und Geld investiert. Drittens: Denkt daran, dass sich der deutsche Markt deutlich vom amerikanischen unterscheidet.

Nur weil ein Produkt oder Geschäftsmodell in den USA erfolgreich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es auch in Deutschland funktioniert. Deutsche Kunden sind häufig zurückhaltender und treffen Kaufentscheidungen anders. Deshalb reicht es nicht aus, ein amerikanisches Konzept einfach zu kopieren. Man muss verstehen, wie deutsche Kunden denken, und das Produkt, die Kommunikation und die Vermarktung entsprechend anpassen.

Bildcredits Julius Kettner

Wir bedanken uns bei Julius Kettner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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