Rogonneur ist eine Plattform für Radreisen, die die Planung von mehrtägigen Touren mit kuratierten Routen, wichtigen Reiseinformationen und digitalen Hilfen einfacher und übersichtlicher gestaltet
Können Sie Rogonneur kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?
Rogonneur ist eine Plattform für Mehrtages-Radreisen, Bikepacking und kuratierte Radabenteuer. Die Plattform bündelt alles, was eine gute Radreise braucht: Routen mit GPX-Tracks, Highlights, Unterkünfte, Verpflegung, An- und Abreise und weitere Infos für die Reise.
Die Idee entstand tatsächlich auf dem Rad: Ich bin selbst seit vielen Jahren mit dem Rad unterwegs und habe gemerkt, wie aufwendig die Planung einer mehrtägigen Tour ist. Man macht die Tourenplanung in einem Tool im Browser in Tab 1, vielleicht hat man sogar mehrere Versionen offen. Dann sind da die fünf Tabs offen mit Unterkünften, nochmal 3 mit Restaurants und deren Öffnungszeiten und irgendwo ist noch der Tab mit den Bahnverbindungen. Trotzdem hat man am Ende das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben.
Rogonneur nimmt nicht das Abenteuer aus der Radreise. Wir entfernen den unnötigen Planungsballast.
Herr Schlecht, was hat Sie persönlich dazu bewegt, eine Plattform für Mehrtages-Radreisen und Bikepacking-Abenteuer aufzubauen?
Ich habe auf meinen eigenen Reisen erlebt, wie viel Freiheit eine Radreise geben kann. Man ist langsam genug, um wirklich etwas von der Welt mitzubekommen, aber schnell genug, um jeden Tag an einem neuen Ort anzukommen. Genau diese Mischung fasziniert mich.
Gleichzeitig haben mich viele Menschen neben und auf meinen Reisen gefragt: Welche Route ist schön? Wo kann ich schlafen? Wie komme ich mit dem Rad zum Start? Was passiert, wenn das Wetter kippt oder eine Etappe zu lang ist? Es ging meistens weniger um den sportlichen Teil in den Gesprächen, sondern viel mehr um den Planungsaspekt.
Daher wollte ich eine Plattform bauen, die diesen Einstieg leichter macht. Für Menschen, die ihre erste mehrtägige Radreise planen und sich dabei sicher fühlen wollen und für erfahrenere Bikepacker.
Welche Vision verfolgen Sie mit Rogonneur, und wie möchten Sie das Erlebnis von Radreisen langfristig verändern?
Die Vision ist klar: Rogonneur soll der digitale Reiseagent für Radreisen werden.
Die Planung von Radreisen soll so einfach wie möglich werden. Dabei soll die eigentliche Reise den Charakter des Abenteuers nicht verlieren. Die Menschen sollen weiterhin ihre eigene Reise nach ihren Vorlieben und Können gestalten können.
Radreisen sind nicht einfach nur eine Strecke von A nach B. Bei Rogonneur spielt alles zusammen: die Etappen, die Orte am Weg, das Essen nach einem langen Tag, die Unterkunft, die Anreise, der Rückweg, die kleine Werkstatt unterwegs und die Frage, ob die Tour wirklich zum eigenen Level passt.
Kurz gesagt: Bike Travel. Made Easy.
An welche Zielgruppen richtet sich Rogonneur hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Angebot erfüllen?
Rogonneur richtet sich an alle Arten von Radfahrenden. Das können Einsteiger sein, die ihre erste Wochenendtour planen. Das können erfahrene Bikepackerinnen sein, die neue Regionen entdecken möchten. Und das können Radreisende sein, die zwar Abenteuer suchen, aber nicht alles improvisieren wollen.
Die Zielgruppe ist digital affin, aktiv, neugierig und qualitätsbewusst. Sie möchte raus aus dem Alltag, Natur erleben, neue Orte entdecken und dabei nicht stundenlang in Planung, Recherche und Logistik versinken.
Das zentrale Bedürfnis ist Vertrauen. Radreisende wollen wissen: Passt die Route zu mir? Gibt es genug Unterkünfte? Wie komme ich hin? Wo kann ich essen? Was ist unterwegs wichtig? Genau diese Fragen beantworten wir an einem Ort.
Der Trend zu Bikepacking und mehrtägigen Radreisen wächst seit Jahren. Welche Entwicklungen beobachten Sie in diesem Markt besonders aufmerksam?
Ich sehe vor allem zwei Entwicklungen.
Erstens: Radreisen werden breiter. Bikepacking war lange eher ein Thema für sportliche Menschen. Heute interessieren sich viel mehr Zielgruppen dafür: E-Bike-Fahrende, Genussradler, Pendlerinnen, die im Urlaub auch aktiv sein möchten. Durch E-Bikes interessieren sich auch ältere Menschen für Mehrtages-Radreisen.
Zweitens: Der Anspruch an digitale Planung steigt. Menschen sind es gewohnt, Reisen online zu planen und zu vergleichen, in vielen Fällen sogar am liebsten direkt auf dem Smartphone.
Was macht Rogonneur aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Reiseanbietern oder anderen Plattformen für Radreisen?
Klassische Reiseanbieter verkaufen komplett fertige Pakete inklusive Hotelbuchung, Transfers etc. Häufig fährt ein Guide mit. Das hat seinen Preis. Auf Routenplattformen bekommt man einen GPX Track von A nach B. Rogonneur sitzt genau dazwischen und geht einen Schritt weiter.
Bei Rogonneur geht es geht nicht nur darum, eine Linie auf der Karte zu sehen. Es geht darum, zu verstehen, wie sich diese Reise wirklich anfühlt und wie man sie gut umsetzen kann. Rogonneur kombiniert Inspiration, Planung, und Erfahrung in einem Angebot.
Wie wichtig ist die individuelle Planung für Radreisende, und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Individuelle Planung ist extrem wichtig, weil keine Radreise gleich ist. Manche wollen kurze Etappen und gute Hotels. Andere suchen lange Tage, kleine Straßen und möglichst viel Natur. Einige fahren mit dem Rennrad, andere mit Gravelbike, E-Bike oder Reiserad.
Digitalisierung hilft, diese Unterschiede besser abzubilden. Eine gute Plattform kann Touren filtern, Etappen verständlich machen, Unterkünfte und Verpflegung einbinden und dabei helfen, die passende Reise zu finden.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung von Touren, die sowohl inspirieren als auch praktisch umsetzbar sind?
Die größte Herausforderung ist der Zuschnitt der Tour, dass die Etappen eine angenehme Länge haben und das die Reisenden sich an den Zielorten ausreichend verpflegen können. Dazu gehört viel Detailarbeit: Gibt es realistische Übernachtungsmöglichkeiten? Passt die Route zum Fahrradtyp? Gibt es genug Versorgung unterwegs? Wie anspruchsvoll sind Höhenmeter, Untergrund und Wetter?
Eine gute Radreise weckt Vorfreude und Respekt gleichermaßen.
Radreisen gelten als nachhaltige Form des Reisens. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Rogonneur?
Nachhaltigkeit ist ein Teil von Radreisen. Radreisen sind eine wunderbare Möglichkeit, die Welt intensiver und bewusster zu erleben. Man bewegt sich aus eigener Kraft und entdeckt Orte, an denen man sonst vorbeifahren würde.
Wie hat sich das Verhalten von Reisenden in den vergangenen Jahren verändert, wenn es um Abenteuer, Flexibilität und individuelle Reiseerlebnisse geht?
Viele Menschen wollen heute Reisen, die persönlicher sind. Weniger Standardprogramm, mehr eigenes Tempo. Gleichzeitig möchten sie nicht komplett ins Ungewisse fahren. Abenteuer bedeutet heute nicht zwingend, alles dem Zufall zu überlassen. Es kann auch bedeuten, bewusst rauszugehen, neue Wege zu fahren und trotzdem gut vorbereitet zu sein.
Genau hier passt Rogonneur sehr gut rein. Wir geben Orientierung, ohne die Freiheit zu nehmen. Die Reise bleibt individuell. Nur der Stress davor wird kleiner.
Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Rogonneur aktuell im Fokus?
Aktuell liegt der Fokus auf drei Themen.
Erstens bauen wir das Tourenangebot weiter aus. Rogonneur umfasst bereits mehr als 40.000 kuratierte Kilometer in über 30 Ländern. Diese Angebot wird erweitert.
Zweitens entwickeln wir die Plattform funktional weiter. Dazu gehören bessere Kartenansichten, mehr Filter, bessere Informationen zu Anreise, Wetter, Versorgung und Unterkünften sowie eine stärkere mobile Nutzung.
Drittens arbeiten wir an Services, die Radreisen noch einfacher machen. Dazu gehören auch tiefere Buchungs- und Partnerintegrationen.
Unser Ziel ist nicht, der nächste Routenplaner zu werden. Unser Ziel ist die führende Plattform für gut planbare, inspirierende Radreisen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Leidenschaft ein Unternehmen aufbauen möchten?
Ich denke diese Ratschläge kommen auf die ein oder andere Art und Weisse immer wieder:
Erstens: Verliebt euch nicht nur in eure Leidenschaft, sondern in das Problem dahinter. Leidenschaft gibt Energie. Aber ein Unternehmen entsteht erst, wenn man ein echtes Problem für andere Menschen löst.
Zweitens: Baut früh etwas, das andere nutzen können. Nicht perfekt, aber konkret. Feedback von echten Menschen ist wertvoller als jede theoretische Strategie.
Drittens: Bleibt dran, auch wenn es unangenehm wird. Gerade dann lernt man am meisten.
Am Ende hilft Leidenschaft vor allem dabei, dranzubleiben. Gründen ist keine perfekte Abfahrt mit Rückenwind. Manchmal ist es Gegenwind. Dann sollte man wissen, warum man trotzdem weitertritt.
Bildcredits privat
Wir bedanken uns bei Roger Schlecht für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: Rogonneur

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