SchoolUP bringt KI direkt an Schulen und unterstützt Schülerinnen und Schüler mit personalisierten Lernhilfen auf Basis ihrer eigenen Unterrichtsmaterialien.
Können Sie SchoolUP kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung Ihrer KI Lernplattform entstanden ist?
SchoolUP ist eine KI gestützte Lernplattform, die Schülerinnen und Schülern dabei hilft, mit den echten Unterrichtsmaterialien ihrer eigenen Schule zu lernen. Über eine Anbindung an Moodle und Logineo NRW greift SchoolUP direkt auf die Inhalte zu, die Lehrkräfte bereitstellen, und arbeitet nach dem sokratischen Prinzip. Das bedeutet, die KI liefert nicht einfach Lösungen, sondern führt die Nutzer mit gezielten Fragen selbst zum Verständnis. So entsteht ein persönlicher digitaler Nachhilfelehrer, der wirklich zum eigenen Unterricht passt.
Die Idee dazu ist über eine längere Zeit gewachsen. Wir haben schon seit unseren jungen Jahren davon geträumt, gemeinsam eine eigene App zu entwickeln, und haben viele Konzepte ausprobiert, bevor wir auf das eigentliche Problem gestoßen sind. Im deutschen Schulsystem gibt es eine riesige Lücke bei der Nachhilfe. Sehr viele Schülerinnen und Schüler suchen aktiv danach, finden aber entweder keine passende Unterstützung oder nur sehr teure Angebote. Uns ist immer wieder aufgefallen, wie oft handgeschriebene „Suche Nachhilfe“ Zettel in Restaurants, an Schulen und in der Nachbarschaft hängen – ein sehr analoges Problem in einer digitalen Zeit. Das war für uns der Moment, in dem klar wurde, dass wir genau hier ansetzen müssen.
Wer steht hinter SchoolUP, und wie haben Sie es geschafft, bereits mit 17 Jahren und einem Budget von nur 1.000 Euro ein EdTech Startup aufzubauen?
Hinter SchoolUP stehen wir, Elias Eßer und Sean Hübner, beide 17 Jahre alt und aktuell in der Abiturphase. Wir sind seit vielen Jahren enge Freunde und haben schon lange das gemeinsame Ziel geteilt, irgendwann etwas Eigenes aufzubauen.
Mit einem Startbudget von rund 1.000 Euro war uns von Anfang an klar, dass wir vor allem mit Einsatz, Disziplin und cleveren Entscheidungen arbeiten müssen und nicht mit viel Kapital. Das bedeutete viele lange Nächte, unzählige Stunden Entwicklungsarbeit und die Bereitschaft, an vielen Stellen zu sparen, ohne bei der Qualität Kompromisse einzugehen. Mit diesem begrenzten Budget haben wir einen vollständig funktionierenden MVP entwickelt, also eine echte, einsatzfähige App und keinen bloßen Prototyp. Mittlerweile haben wir etwas mehr finanzielle Mittel zur Verfügung und suchen weiterhin aktiv nach Investoren und Sponsoren. Das aktuelle Budget erlaubt es uns bereits, eine vollständig funktionsfähige, stabile und datenschutzkonforme App bereitzustellen, mit der wir jetzt in den Pilotbetrieb starten.
Welche Vision verfolgen Sie mit SchoolUP, und wie möchten Sie den Schulalltag durch Künstliche Intelligenz langfristig verändern?
Unsere Vision ist es, dass eines Tages alle Schulen in Deutschland und langfristig auch international SchoolUP nutzen, um Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrer Lebenssituation echte Lernchancen zu ermöglichen. Bildungsgerechtigkeit ist für uns dabei der zentrale Antrieb. Nicht jede Familie kann sich private Nachhilfe leisten, aber jede Schülerin und jeder Schüler sollte Zugang zu guter Unterstützung haben. Gleichzeitig verfolgen wir das Ziel, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Deutschland im Bereich Künstliche Intelligenz stärker vorankommt. Wir wollen mit SchoolUP zeigen, dass KI im Bildungsbereich kein Risiko ist, sondern eine große Chance, wenn man sie verantwortungsvoll, datenschutzkonform und pädagogisch sinnvoll einsetzt. SchoolUP soll ein Beispiel dafür sein, wie KI den Schulalltag nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt.
An welche Zielgruppen richtet sich SchoolUP hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für Schulen, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler?
Unsere Zielgruppe sind vor allem Schülerinnen und Schüler, die außerhalb des Unterrichts Unterstützung brauchen, sei es bei Hausaufgaben, offenen Fragen oder der Vorbereitung auf Klausuren. Für sie lösen wir das Problem, überhaupt passende und verlässliche Hilfe zu finden. Genau dort setzt SchoolUP an, mit einem digitalen Lernbegleiter, der jederzeit verfügbar ist.
Für Lehrkräfte entsteht ein direkter Mehrwert dadurch, dass die von ihnen bereitgestellten Materialien aktiv genutzt werden, um Schülerinnen und Schülern den Stoff richtig und im Sinne ihres eigenen Unterrichts zu vermitteln.
Für Schulen als Institution liegt der Nutzen darin, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern durchgehend eine Lernmöglichkeit anbieten können, unabhängig von Uhrzeit, Wochentag oder Standort, und mit einem klaren, direkten Bezug zum tatsächlichen Unterrichtsinhalt.
Ihre Plattform arbeitet ausschließlich mit den echten Unterrichtsmaterialien einer Schule. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders?
Das ist tatsächlich einer der großen Unterschiede zwischen SchoolUP und bestehenden KI Nachhilfe Apps oder Schul Apps. Die meisten dieser Lösungen greifen ausschließlich auf allgemeine Inhalte und Themen aus dem Internet zurück. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Es fehlt der direkte Bezug zum eigenen Unterricht. In der Praxis führt das häufig dazu, dass falsche, veraltete oder einfach nicht relevante Inhalte gelernt werden, also Dinge, die im eigenen Unterricht so gar nicht behandelt wurden oder nicht der Herangehensweise der eigenen Lehrkraft entsprechen.
SchoolUP verfolgt hier einen ganz anderen Ansatz. Die Plattform arbeitet ausschließlich mit den echten, von der Schule bereitgestellten Unterrichtsmaterialien. Dadurch lernen Schülerinnen und Schüler genau das, was im Unterricht behandelt wurde, mit den richtigen Inhalten, in der richtigen Tiefe und im richtigen Kontext.
Wie wichtig war es Ihnen, dass SchoolUP von Anfang an DSGVO konform entwickelt wird, und welche Herausforderungen mussten Sie dabei bewältigen?
Datenschutz stand für uns von der ersten Minute an ganz oben auf der Prioritätenliste. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir mit Schulen und damit mit Daten von zum Teil minderjährigen Nutzenden arbeiten, die genau deswegen besonders sensibel zu betrachten sind. Das ist ein Bereich, in dem Datenschutz keine Option ist, sondern eine Grundvoraussetzung.
Die Herausforderungen dabei waren groß. Die rechtlichen und technischen Anforderungen sind komplex und vielschichtig, und wir mussten die App immer wieder anpassen, überarbeiten und neu strukturieren, um sie vollständig DSGVO konform zu gestalten. Das betraf sowohl die technische Architektur als auch die rechtliche Dokumentation, zum Beispiel über Auftragsverarbeitungsverträge. Dieser Prozess hat uns viel Zeit gekostet, war aber unverzichtbar, um das Vertrauen von Schulen, Eltern und Datenschutzbeauftragten zu gewinnen.
Sie haben sich bewusst für Hosting in Deutschland entschieden. Welche Kriterien waren bei der Auswahl der passenden Infrastruktur für SchoolUP entscheidend?
Für uns stand von Beginn an fest, dass die gesamte Infrastruktur von SchoolUP höchsten deutschen und europäischen Datenschutzstandards entsprechen muss. Deshalb war die Entscheidung für Hosting in Deutschland für uns keine Option unter mehreren, sondern eine klare Notwendigkeit als Voraussetzung für alles Weitere.
Entscheidend bei der Auswahl waren für uns vor allem drei Dinge. Erstens die vollständige DSGVO Konformität und die Möglichkeit, rechtssichere Auftragsverarbeitungsverträge abzuschließen, wie sie Schulen und Schulträger zwingend voraussetzen. Zweitens die Serverstandorte selbst. Uns war wichtig, dass Schülerdaten ausschließlich innerhalb Deutschlands beziehungsweise der EU verarbeitet und gespeichert werden, ohne Umwege über Drittstaaten. Drittens die technische Zuverlässigkeit und Sicherheit der Infrastruktur, zum Beispiel durch verschlüsselte Verbindungen und ein durchdachtes Rechte und Rollenkonzept. Diese Kombination aus rechtlicher Sicherheit, geografischer Datenhoheit und technischer Robustheit war für uns die Grundlage, um überhaupt ernsthaft mit Schulen ins Gespräch gehen zu können. Mit STRATO haben wir einen erfahrenen Hosting Partner gefunden, der in Deutschland schon lange am Markt ist, diese Anforderungen erfüllt und uns die notwendige Sicherheit für den Betrieb von SchoolUP gewährleisten kann.
Wie ist es Ihnen gelungen, Schulleitungen und Datenschutzbeauftragte von Ihrer Lösung zu überzeugen?
Der Schlüssel war für uns, von Anfang an mit voller Transparenz und guter Vorbereitung aufzutreten. Statt allgemeine Versprechen zu machen, sind wir mit konkreten Unterlagen in die Gespräche gegangen, mit unserer Datenschutzdokumentation, einer klaren Erklärung unserer technischen Architektur und einem Auftragsverarbeitungsvertrag, der genau auf die Anforderungen von Schulen zugeschnitten ist. Zusätzlich hat es sehr geholfen, dass wir nicht als reine App Idee, sondern mit einem funktionierenden Produkt und einer klaren pädagogischen Logik aufgetreten sind, nämlich dem direkten Bezug zu den tatsächlichen Unterrichtsmaterialien der jeweiligen Schule.
SchoolUP startet aktuell an den ersten Schulen in den Pilotbetrieb. Welche Erkenntnisse und Rückmeldungen sind für die Weiterentwicklung Ihrer Plattform besonders wichtig?
In der Pilotphase ist für uns vor allem entscheidend, direktes Feedback aus der echten Anwendung zu sammeln, sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Lehrkräften. Uns interessiert besonders, wie die Nutzung im Schulalltag tatsächlich funktioniert, wie gut SchoolUP die hochgeladenen Materialien versteht und verarbeitet und an welchen Stellen noch Reibungspunkte entstehen. Außerdem liegt auch ein großer Fokus darauf, neue Features zu entwickeln und daher sind Ideen und Vorschläge aus dem Lernalltag sehr wichtig für uns.
Welche Funktionen oder Entwicklungen stehen bei SchoolUP als Nächstes auf Ihrer Roadmap?
Ganz oben steht aktuell die Entwicklung einer Funktion, mit der auf Basis der Lehrermaterialien vollständige Probeklausuren erstellt werden können. Wir bieten bereits Testformate an, doch eine Probeklausur, die genau auf den jeweiligen Unterricht und die spezifischen Anforderungen der Schule zugeschnitten ist, wird für Schülerinnen und Schüler ein enormer zusätzlicher Mehrwert sein, gerade in der direkten Prüfungsvorbereitung. Parallel dazu bleibt die Gewinnung neuer Schulen für uns weiterhin oberste Priorität. Jede neue Partnerschule erweitert nicht nur unsere Reichweite, sondern liefert uns auch wertvolle zusätzliche Erkenntnisse, mit denen wir die Plattform stetig weiterentwickeln können.
Wo soll SchoolUP in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich KI gestütztes Lernen einnehmen?
In den kommenden Jahren wollen wir SchoolUP an einer Vielzahl von Schulen in Deutschland etabliert haben, als Tool, das täglich und selbstverständlich genutzt wird. Unser Ziel ist es, uns als vertrauenswürdigen Namen im deutschen Bildungsbereich zu etablieren und jeder Schülerin und jedem Schüler die Möglichkeit zu geben, im eigenen Tempo und mit echtem Unterrichtsbezug zu lernen.
Langfristig sehen wir SchoolUP als festen Bestandteil der digitalen Grundausstattung von Schulen, als ein Tool, das jede Schule ihren Schülerinnen und Schülern selbstverständlich zur Verfügung stellt, so wie heute schon Lernplattformen wie Moodle.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen jungen Gründerinnen und Gründern geben, die bereits während ihrer Schulzeit ein Startup aufbauen möchten?
Der erste Ratschlag ist, niemals aufzugeben. Wir haben selbst verschiedenste Ideen ausprobiert und es hat lange gedauert, bis wir die richtige gefunden haben. Trotz vieler Höhen und Tiefen haben wir immer weitergemacht, und genau diese Phasen haben uns unglaublich viel beigebracht, was am Ende entscheidend für die Entstehung von SchoolUP war.
Der zweite Ratschlag ist, hart zu arbeiten. Es gibt keinen Weg um konsequenten und stetigen Einsatz herum. Wir investieren so viel Zeit und Energie wie möglich in SchoolUP.
Der dritte Ratschlag ist, sich klare Ziele zu setzen. Man sollte groß träumen, aber zu jedem großen Ziel gehört auch ein konkreter Plan, der Schritt für Schritt dorthin führt. Es hilft, sich immer wieder neue Ziele zu setzen, Prioritäten zu setzen und sich voll auf diese zu fokussieren.
Bild Sean Hübner und Elias Esser SchoolUP
Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















