Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums spricht BG prevent über den Wandel vom klassischen Arbeitsschutz hin zur ganzheitlichen Gesundheit im Betrieb – und wie digitale Lösungen sowie KI-Tools kleinen Unternehmen dabei helfen, mentale Belastungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen.
Welche Meilensteine haben BG prevent in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt und welche Entwicklungen waren rückblickend entscheidend für den heutigen Erfolg des Unternehmens?
Unser Erfolg basiert von Beginn an auf den Menschen in unserem Unternehmen. Das war schon immer so und das bleibt auch in Zukunft unser Fundament. Wir bringen fortlaufend neue Ideen ein, treiben Arbeitsmedizin, den Arbeitsschutz sowie das Gesundheitsmanagement aktiv voran und betrachten diese Aufgaben immer wieder aus völlig neuen Blickwinkeln. Genau diese Dynamik zeichnet uns aus. Ein aktueller und einschneidender Schritt prägt uns besonders: Wir haben vor knapp einem Jahr unseren Namen geändert. Aus der B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH ist BG prevent geworden.
Unter dem Motto „One Company“ feiert BG prevent das Jubiläum in Bonn. Welche Botschaft steckt hinter diesem Motto und was bedeutet es konkret für die Unternehmenskultur?
Dieses Motto drückt genau das aus, was uns im Innersten zusammenhält: Trotz unserer über 150 Standorte in ganz Deutschland gehören wir als Team zusammen und entwickeln uns gemeinsam weiter. Ob im höchsten Norden oder tiefsten Süden des Landes, ob Auszubildende, Verwaltungsmitarbeitende, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Gesundheitsmanager:innen, Arbeitsmediziner:innen oder die Geschäftsführung – wir alle ziehen fest an einem Strang. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und genau dieses Wir-Gefühl prägt unsere tägliche Kultur im Betrieb.
Wie hat sich die Bedeutung von Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert – insbesondere seit der Pandemie?
Bezogen auf die vergangenen 50 Jahre: Früher haben wir Beschäftigte in erster Linie vor harten körperlichen Gefahren bei der Arbeit geschützt. Heute geht es in viel größerem Maß auch um psychische Themen. Durch die Entwicklung unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren hat sich unser Auftrag natürlich mitverändert – wenn er im Kern auch gleichbleibt: Wir schützen die Gesundheit der Mitarbeitenden. Das bedeutet zum Beispiel: Klassische Betriebsärzt:innen entwickeln sich zu strategischen Berater:innen weiter, die gesunde Systeme im Betrieb aufbauen. Wir blicken heute weit über den reinen Arbeitsplatz hinaus. Der Schutz der arbeitenden Menschen bildet den Kern, um die gesamte Gesellschaft widerstandsfähig und stabil zu halten.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Unternehmen beim Thema Arbeitssicherheit und betriebliches Gesundheitsmanagement?
Unternehmen und Mitarbeitende spüren heute einen enormen Druck, weil Arbeit sich mehr verdichtet und immer effizienter werden muss. Zudem hängen viele Strukturen in der Prävention noch in der Vergangenheit fest. Zwar gibt es beispielsweise bereits die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Gerade für kleine Betriebe ist es allerdings eine große Herausforderung, diese umzusetzen. Das ist übrigens ein Thema, für das wir bald eine Lösung bieten.
Ein großes Problem ist seit jeher das Vorurteil, dass Vorsorge unnötig sei, solange niemand krank wird. Bleibt beispielsweise eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dank eines früh erkannten Bluthochdrucks und entsprechender Gegenmaßnahmen aus, wird die Vorsorgeuntersuchung an sich fälschlicherweise oft als unnötig angesehen. Diesen Trugschluss müssen wir ein für alle Mal widerlegen, um den Wert von Prävention für alle Menschen sichtbar zu machen.
Viele Unternehmen kämpfen mit Fachkräftemangel, Stressbelastung und steigenden Krankheitsausfällen. Welche Rolle kann modernes Gesundheitsmanagement dabei spielen?
Wer Menschen nach einer schweren Phase schnell und sicher zurück in den Beruf holt, rettet Lebensentwürfe und sichert die Lebensqualität. Arbeit gibt dem Leben Struktur, bietet soziale Kontakte und stärkt das Selbstwertgefühl. Wenn wir die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft erhalten, stabilisieren wir damit das gesamte Unternehmen und die Resilienz der Mitarbeitenden. Nur gesunde, leistungsfähige Mitarbeitende können ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Damit ist die Gesundheit der Mitarbeitenden selbstverständlich auch eine zentrale Verantwortung des Arbeitgebers.
BG prevent begleitet Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell besonders häufig in der Arbeitswelt?
Wir sehen immer weniger klassische Schwerindustrie und Fließbänder. Stattdessen entstehen neue Berufe, die von digitalen Abläufen und komplexen Informationsflüssen geprägt sind. Die Arbeit wird mehrdimensional. Das verlagert die Risiken: weg von reinen Unfällen, hin zu mentalen Belastungen und seelischen Faktoren.
Digitalisierung, mobiles Arbeiten und KI verändern Arbeitsprozesse rasant. Wie beeinflussen diese Entwicklungen den Arbeitsschutz der Zukunft?
Die künstliche Intelligenz verändert, wie wir Aufgaben erledigen, und sie analysiert riesige Datenmengen. Sie dient uns als ein mächtiges Werkzeug, bei dem wir uns fragen müssen, wo uns diese Technik nützt und wo wir bewusst darauf verzichten, um den Wert menschlicher Arbeit zu schützen.
Welche gesundheitlichen Risiken werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren stärker in den Fokus rücken?
Wir müssen uns intensiv um die seelische Stabilität der Menschen kümmern. Der wachsende Druck im Alltag und die Angst der Menschen vor neuen Technologien belasten die Beschäftigten stark. Arbeitsfähigkeit wird zum Seismografen gesellschaftlicher und individueller Stabilität. Es geht nicht mehr nur darum, Gifte oder Unfälle zu vermeiden, sondern die kognitive Gesundheit zu sichern.
Wie gelingt es BG prevent, klassische Arbeitssicherheit mit modernen Ansätzen rund um mentale Gesundheit und Prävention zu verbinden?
Der Kern bleibt unverändert: Wir bewahren Menschen vor gesundheitlichen Schäden. Aber wir erweitern den Blickwinkel. Wir verknüpfen den Schutz vor Unfällen im Betrieb mit einer umfassenden Strategie, die den ganzen Menschen im Alltag begleitet, damit alle gesund älter werden können. Das bedeutet auch, Daten sinnvoll zu nutzen und sie intelligent auszuwerten. So lässt sich gezielt in Prävention und Vorsorgeuntersuchungen investieren.
Welche Erwartungen haben Mitarbeitende heute an Arbeitgeber, wenn es um Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz geht?
Beschäftigte verlangen heute zu Recht, dass Betriebe Gesundheit nicht mehr als reine Privatsache ansehen. Sie erwarten, dass der Arbeitgeber einen sicheren Rahmen schafft und die nötige Fürsorge bietet, damit sie leistungsfähig und gesund bleiben können.
Welche Innovationen oder neuen Dienstleistungen treiben Sie bei BG prevent derzeit besonders voran?
Wir wollen notwendiges Wissen für alle zugänglich machen und Daten verständlich aufbereiten. Ein konkretes Beispiel habe ich bereits angedeutet: Wir arbeiten gerade an einer digitalen Lösung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Ganz konkret heißt das, dass wir auch kleinen Unternehmen ein Werkzeug an die Hand geben werden, das ihnen dabei hilft, die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fokussieren. Damit wird es möglich, dass kleinere Betriebe eine solche Gefährdungsbeurteilung digital durchführen können. Mithilfe eines KI-Assistenten lässt sich die ansonsten sehr aufwendige Analyse in kurzer Zeit durchführen.
Der Mittelstand steht oft vor der Herausforderung, Gesundheitsmanagement pragmatisch umzusetzen. Welche konkreten Lösungen braucht es hier aus Ihrer Sicht?
Wir müssen Vorsorge in den Alltag integrieren, sodass sie für jeden Betrieb ohne Hürden funktioniert. Das gelingt über eingespielte Prozesse und einen direkten digitalen Zugang für die Belegschaft.
Wie wichtig ist Unternehmenskultur für gesunde und sichere Arbeitsplätze?
Die Kultur ist entscheidend. Nur wenn eine offene Haltung im Betrieb herrscht, greifen auch moderne Schutzmaßnahmen. Gesunde Beschäftigte, die sich wohlfühlen, bilden das Fundament für ein krisenfestes Unternehmen.
Was macht BG prevent als Arbeitgeber aus und wie schaffen Sie es, Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden?
Wir leben selbst jeden Tag das vor, was wir anderen Betrieben empfehlen. Wir achten intensiv auf die Gesundheit, stärken die seelische Stabilität und fangen Belastungen frühzeitig auf. Zudem wandelt sich unser Unternehmen seit fünf Jahrzehnten ununterbrochen. Wer bei uns arbeitet, kann den eigenen Arbeitsplatz flexibel anpassen und sich ständig weiterentwickeln. Genau diese Offenheit bindet unser Team langfristig, weil wir gemeinsam wachsen.
Wenn Sie auf die kommenden zehn Jahre blicken: Wie wird sich der Arbeitsschutz in Deutschland verändern?
Wir brechen alte Strukturen auf. Arbeitsmediziner:innen müssen künftig fach- und sektorenübergreifend handeln dürfen, denn sie haben Zugang zur gesamten arbeitenden Bevölkerung. Wenn wir bei einer Routineuntersuchung ein Risiko wie hohen Blutdruck entdecken, müssen wir den Patienten sofort versorgen dürfen, statt ihn nur zum Hausarzt weiterzuschicken.
Welche Vision verfolgen Sie persönlich für die Zukunft von BG prevent?
Wir starten in eine Zeit, in der wir den Schutz der Gesundheit konsequent umsetzen. Wir demokratisieren das Wissen über den eigenen Körper. Jedes Mitglied einer Belegschaft soll eigenverantwortlich im Sinne der körperlichen und mentalen Gesundheit handeln können. So werden wir zur ersten Wahl für Prävention.
Was wünschen Sie sich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um Gesundheit und Prävention in der Arbeitswelt stärker zu verankern?
Wir müssen gesamtgesellschaftlich in Prävention investieren, solange Menschen gesund sind, statt später teure Therapien oder frühe Renten zu bezahlen. Das System reagiert bisher zu spät. Die Politik muss Vorsorge stärker einfordern. Wer sich aktiv schützt, verdient Belohnung; wer sich verweigert, muss die wirtschaftlichen Folgen spüren. Das erfordert Mut zu Regeln, die manche im ersten Moment als übergriffig empfinden, die aber letztlich Schäden abwenden.
Was bedeutet Ihnen das Jubiläum persönlich und welcher Moment aus der Geschichte von BG prevent bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Die 50-Jahr-Feier – sie ist mehr als nur ein Jubiläum: viele tolle Menschen mit Historie und Tradition bis zurück zur Anfangszeit, mit Gegenwart, mit viel Erreichtem und mitten in der Transformation, mit Zukunft und spannenden Herausforderungen – alle eint die gemeinsame Idee, der Einsatz für das Unternehmen, die Gemeinschaft, wunderbare und fröhliche Menschen, eine Mega-Party. „One Company“ war spürbar.
Bildcredits Christof Mattes
Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Thomas Auhuber für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















