Dienstag, August 25, 2026
StartInterviewsplatoniq: Wie eine App für soziale Gesundheit Einsamkeit bekämpft

platoniq: Wie eine App für soziale Gesundheit Einsamkeit bekämpft

platoniq rückt soziale Gesundheit in den Fokus und unterstützt Menschen dabei, ihre Beziehungen mit wissenschaftlich fundierten digitalen Angeboten zu stärken.

Können Sie platoniq kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, soziale Gesundheit digital zu fördern?

In meiner Promotion in Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin habe ich zu digitalen Interventionen in der psychischen Gesundheitsversorgung geforscht. Dabei ist mir aufgefallen, dass es kaum Angebote gibt, die sich explizit auf soziale Beziehungen konzentrieren. Aus dieser Einsicht ist platoniq entstanden. Hier entwickeln wir evidenzbasierte Angebote, die Menschen dabei unterstützen, starke Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

Wer steht hinter platoniq, und welche Erfahrungen aus Psychologie und Softwareentwicklung fließen in das Unternehmen ein?

Ich habe platoniq gemeinsam mit Lara Sachs und Daniel Stachnik gegründet. Lara ist als ehemalige Strategieberaterin für unternehmerische Themen verantwortlich, Daniel als Softwareentwickler für alles technische. Ich verantworte psychologische und wissenschaftliche Themen, hier arbeiten wir auch eng mit unseren universitären Partnern zusammen.

Welche Vision verfolgen Sie mit platoniq, und warum sollte soziale Gesundheit stärker als Teil der Gesundheitsprävention verstanden werden?

Die WHO definiert Gesundheit als physisch, mental und sozial. Aber gerade die soziale Dimension ist stark unterrepräsentiert. Wir wollen, dass die Pflege sozialer Beziehungen genauso selbstverständlich als Teil der Gesundheit wird wie Ernährung oder Sport. Und auch Teil der Regelversorgung.

Einsamkeit ist für viele ein sehr persönliches Thema. Wie erreichen Sie Betroffene, ohne sie zu stigmatisieren?

Ich finde es wichtig, zunächst einmal festzustellen, dass Einsamkeit eine zutiefst menschliche Emotion ist, die wohl jeder Mensch mal im eigenen Leben erfährt. Zeitgleich hat jeder Mensch soziale Gesundheit und kann von der Stärkung der eigenen Beziehungen profitieren. Genauso wie jeder Mensch von gesunder Ernährung und Sport profitieren kann. Ich finde dieser Gedanke hat etwas sehr destigmatisierendes, und hoffe das wird von unseren Nutzer:innen auch so wahrgenommen.

Ihr sechswöchiges Programm setzt unter anderem bei Denk und Beziehungsmustern an. Wie sieht die Unterstützung für Nutzer konkret aus?

Unsere App beinhaltet kurze Übungen aus der Verhaltenstherapie, die dabei helfen, das eigene soziale Netz zu stärken, neue Beziehungen aufzubauen und bestehende zu vertiefen. Dafür hangeln wir uns an allen relevanten Dimensionen von Beziehungen entlang. Die Übungen lassen sich zeitlich frei und flexibel einteilen. Dazu kommen Verhaltensexperimente, um neue Dinge im Alltag einzubauen, sowie das Tracking der eigenen Beziehungen.

Was unterscheidet platoniq von klassischen Mental Health Apps oder Plattformen, die vor allem neue Kontakte vermitteln?

Metaanalysen zeigen, dass psychologische Angebote bei der Stärkung sozialer Beziehungen tatsächlich besonders hilfreich sind. Auf den zweiten Blick finde ich, das ergibt Sinn. Wieso sollte es sonst überhaupt Einsamkeit in einer Stadt wie Berlin geben, in der ich jeden Tag beliebig viele neue Kontakte knüpfen könnte? Mit unserem Fokus auf soziale Beziehungen sind wir ein spezifisches Angebot, das als Zielgröße die Stärkung des eigenen sozialen Netzes hat.

Die App basiert auch auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Wie stellen Sie sicher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in die Produktentwicklung einfließen?

Als Universitätsausgründung ist die Nähe zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Kern unserer Unternehmens-DNA. Neben der Nutzung neuester Erkenntnisse für die Inhalte ist darum auch die Evaluation ein zentraler Punkt unseres Ansatzes. Wir haben unser Angebot bereits in einer Pilotstudie evaluiert und konnten zeigen, dass 73 % der Teilnehmer:innen nach vier Wochen stärkere Beziehungen berichteten. Eine weitere Studie beginnen wir noch in diesem Jahr.

Ihr Präventionskurs kann von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden. Welche Bedeutung hat dieser Zugang für Ihr Geschäftsmodell?

Tatsächlich sind alle gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, unser Angebot zumindest zu bezuschussen. Bei über 40 Kassen und damit für mehr als 30 Millionen Versicherte ist unser Kurs nach Erstattung komplett kostenlos, der Eigenanteil liegt nie über 25 %. Für uns ist das wichtig, weil wir soziale Gesundheit als Teil der Regelversorgung verstehen. So lassen sich Zugangshürden abbauen.

Digitale Prävention hat klare Grenzen. Wie definieren Sie, wann platoniq unterstützen kann und wann professionelle therapeutische Hilfe notwendig ist?

Als präventives Angebot ist unser Ansatz beim Vorliegen schwerer behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankungen kontraindiziert. Wir setzen bewusst früher an und wollen das Entstehen von Erkrankungen verhindern. Beim Vorliegen akuter therapeutischer Bedarfe verweisen wir selbstverständlich an passende Hilfsangebote weiter.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines Startups in einem sensiblen und regulierten Gesundheitsbereich?

Datenschutz und Sicherheit haben eine hohe Relevanz. Ich finde das gut, tragen wir doch eine erhebliche Verantwortung gegenüber unseren Nutzer:innen. Und auch wenn es manchmal mühsam ist, können wir ihnen heute selbstbewusst zusagen, dass ihre Daten sicher sind.

Wie möchten Sie platoniq in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welche Rolle sollen Krankenkassen dabei spielen?

Wir wollen soziale Gesundheit als feste Größe in der Prävention verankern. Dafür entwickeln wir unser Angebot weiter und erschließen neue Themenbereiche. Soziale Gesundheit als gleichberechtigten Teil von Gesundheit zu verstehen bedeutet auch, dass sie Kassenleistung ist. Dieser Aspekt ist uns deshalb auch für kommende Produkte sehr wichtig. Zeitgleich hoffen wir, unsere Kooperationen mit den Krankenkassen zu vertiefen. Gerade Armut ist ja ein Risikofaktor für Einsamkeitsbelastungen, doch unser Geschäftsmodell mit Vorstreckung der Kosten ist für Betroffene eine strukturelle Hürde.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Digital Health Bereich aufbauen möchten?

Erstens Durchhaltevermögen. Zweitens früh ein tragfähiges Erstattungs- und Geschäftsmodell klären. Und drittens Zielgruppenorientierung: Es ergibt keinen Sinn, zwei Jahre lang ein reguliertes Gesundheitsprodukt zu bauen, das am Ende niemand nutzen möchte.

Bild von links nach rechts Daniel Stachnik, Lara Sachs und Dr. Silvan Hornstein Fotograf: Leo Seidel

Wir bedanken uns bei Silvan Hornstein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Ansprechpartner: Silvan Hornstein

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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