GREENOX verbindet energetische Sanierung und Handwerk und begleitet Eigentümer von der Energieberatung über die Planung bis zur praktischen Umsetzung.
Können Sie GREENOX kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrer Idee ein Unternehmen mit heute rund 200 Mitarbeitenden entstanden ist?
GREENOX ist ein bundesweit aktives Unternehmen für energetische Sanierung. Wir verbinden Energieberatung, Planung und handwerkliche Umsetzung für Wohn- und Nichtwohngebäude. Gegründet haben Simeon Forster und ich das Unternehmen 2023.
Die Idee entstand aus einem konkreten Problem: Eigentümer müssen bei einer Sanierung häufig Energieberater, Planer, Förderstellen und mehrere Handwerksbetriebe selbst koordinieren. Gleichzeitig stehen viele Handwerksbetriebe vor Nachfolgeproblemen oder werden durch administrative Aufgaben ausgebremst. Wir wollten diese Herausforderungen gemeinsam angehen und Sanierungen verlässlicher organisieren.
2024 haben wir unseren ersten Mitarbeiter eingestellt, 2025 waren es bereits 50. Heute arbeiten gruppenweit rund 200 Menschen für GREENOX. In dieser Zeit haben wir neue Standorte eröffnet, eigene handwerkliche Kompetenzen aufgebaut und bestehende Betriebe in die Gruppe integriert.
Ihr Weg führte von der Bank über Drohnen und Immobilienprojekte ins Handwerk. Welche Erfahrungen haben Sie dabei besonders geprägt?
Meine Bankausbildung hat mich gelehrt, Risiken zu bewerten, Zahlen ernst zu nehmen und Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen. Diese Denkweise hilft mir bis heute, gerade bei Investitionen und in Wachstumsphasen.
Während der Coronazeit haben Simeon und ich mit Drohnen Foto- und Videoaufnahmen angeboten, häufig für Bauprojekte. Dadurch kamen wir der Immobilien- und Baubranche näher. Parallel habe ich im Immobilienbereich gearbeitet und gesehen, wie komplex Gebäude und Sanierungen tatsächlich sind.
Im Handwerk habe ich schließlich gelernt, was keine Tabelle vollständig abbilden kann: Eine Planung ist nur dann etwas wert, wenn sie auf der Baustelle funktioniert. Ein Sanierungsprojekt steht und fällt mit den Menschen, die es umsetzen.
2024 kam der erste Mitarbeiter, nur ein Jahr später waren es bereits 50. Was waren die entscheidenden Treiber für dieses schnelle Wachstum?
Der wichtigste Treiber war ein konkreter Bedarf. Viele Eigentümer möchten energetisch sanieren, wissen aber nicht, welche Maßnahmen sinnvoll sind, welche Förderung infrage kommt und wie sie die Beteiligten koordinieren sollen. Gleichzeitig gibt es nur wenige Anbieter, die Beratung, Planung und Umsetzung miteinander verbinden.
Wir wollten deshalb nicht nur einzelne Beratungsleistungen anbieten, sondern Sanierungsprojekte ganzheitlich begleiten. Dafür haben wir früh Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen aufgebaut, von der Energieberatung und Architektur über digitale Prozesse bis zum Handwerk. Mit jedem neuen Bereich wollten wir eine konkrete Lücke im Ablauf schließen.
Wie hat sich Ihre persönliche Rolle verändert, seit Sie nicht mehr alles selbst machen können, sondern eine große Organisation führen?
In der Anfangszeit war ich in fast jedes operative Thema eingebunden. Ich habe Kundengespräche geführt, Projekte begleitet, Mitarbeitende gesucht und viele Entscheidungen selbst getroffen. Bei einer Organisation mit rund 200 Menschen funktioniert das nicht mehr.
Meine Aufgabe besteht heute stärker darin, Prioritäten zu setzen, Verantwortung zu übertragen und die richtigen Menschen in die richtigen Rollen zu bringen. Dafür muss ich Ziele und Strukturen schaffen und darauf vertrauen, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo das nötige Fachwissen vorhanden ist. Gleichzeitig ist meine Verantwortung größer geworden, weil sich deutlich mehr Mitarbeitende, Kunden und Partner auf unsere Entscheidungen verlassen.
Welche Vision verfolgen Sie mit GREENOX, und was möchten Sie langfristig im Handwerk und bei der energetischen Sanierung verändern?
Wir möchten energetische Sanierung einfacher, verständlicher und verlässlicher machen. Eigentümer sollen nicht selbst zwischen Beratung, Planung, Förderung und verschiedenen Gewerken vermitteln müssen.
Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetriebe stärken. Viele wirtschaftlich gesunde Unternehmen stehen vor einer ungeklärten Nachfolge oder werden durch Buchhaltung, Personalthemen, Einkauf und andere administrative Aufgaben belastet. Wenn solche Betriebe Teil einer größeren Gruppe werden, können zentrale Funktionen gebündelt werden. Der Betrieb selbst soll jedoch regional verankert bleiben, mit seinem Team, seinem Namen und seinen gewachsenen Kundenbeziehungen.
Digitale Prozesse, KI und perspektivisch auch Robotik können Abläufe vereinfachen und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Der Mensch bleibt aber der entscheidende Faktor.
Energieberatung, Planung und Umsetzung greifen bei GREENOX ineinander. Welchen Vorteil bietet dieser Ansatz Ihren Kunden?
Der größte Vorteil besteht darin, dass Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden. Eine energetisch sinnvolle Maßnahme muss technisch zum Gebäude passen, finanzierbar sein, die Förderbedingungen berücksichtigen und anschließend fachgerecht umgesetzt werden können.
Wir betrachten deshalb zunächst den Zustand des Gebäudes, den Energieverbrauch und die Ziele des Eigentümers. Anschließend vergleichen wir Maßnahmen, Kosten, Nutzen und Fördermöglichkeiten. Bei der Umsetzung binden wir eigene Fachbetriebe und weitere Partner ein. Für den Kunden bedeutet das weniger Schnittstellen, klarere Verantwortlichkeiten und einen Ansprechpartner über mehrere Projektphasen hinweg.
An welche Kundengruppen richten Sie sich besonders, und welche Probleme bei energetischen Sanierungen begegnen Ihnen immer wieder?
Eine wichtige Zielgruppe sind private Eigentümer, die ihre Immobilie langfristig nutzen und eine Sanierung von Anfang bis Ende planen möchten. Dazu gehören Menschen, die gerade ein Haus gekauft haben, ebenso wie Eigentümer, die ihre Immobilie bereits lange besitzen und für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre vorbereiten wollen. Daneben arbeiten wir für gewerbliche Eigentümer, Unternehmen und die Industrie, insbesondere bei größeren Immobilienbeständen und Nichtwohngebäuden.
Viele Kunden wissen nicht, welche Maßnahme zuerst kommen sollte, welche Förderung verfügbar ist und wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen. Hinzu kommen wechselnde politische Vorgaben und die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen. Unsere Aufgabe ist es, den Zustand des Gebäudes sachlich zu bewerten und eine technisch wie wirtschaftlich nachvollziehbare Reihenfolge abzuleiten.
Was unterscheidet GREENOX aus Ihrer Sicht von klassischen Energieberatungen und einzelnen Handwerksbetrieben?
Eine klassische Energieberatung endet häufig mit einem Konzept oder Sanierungsfahrplan. Ein einzelner Handwerksbetrieb betrachtet verständlicherweise vor allem sein eigenes Gewerk. GREENOX deckt dagegen die Strecke zwischen Analyse und fertiger Umsetzung ab.
Wir verbinden Energieberatung, Architektur und Planung mit handwerklichen Kompetenzen. Dadurch können wir nicht nur empfehlen, was getan werden sollte, sondern früh prüfen, wie sich eine Maßnahme praktisch umsetzen lässt. Für Kunden reduziert das die Zahl der Ansprechpartner und den eigenen Koordinationsaufwand.
Schnelles Wachstum bringt neue Strukturen und Verantwortung mit sich. Welche Herausforderungen waren auf dem Weg zu rund 200 Mitarbeitenden besonders groß?
Eine zentrale Herausforderung bestand darin, Strukturen schnell genug aufzubauen, ohne die operative Arbeit auszubremsen. Prozesse, die mit fünf oder zehn Personen funktionieren, reichen bei 50 oder 200 Mitarbeitenden nicht mehr aus. Verantwortlichkeiten müssen klarer werden, Informationen müssen zuverlässig fließen und Entscheidungen dürfen nicht dauerhaft bei den Gründern hängen bleiben.
Gleichzeitig darf Wachstum nicht zulasten der Qualität gehen. In der energetischen Sanierung zeigen sich Fehler nicht nur in einer Kennzahl. Sie zeigen sich in einem Gebäude oder auf einer Baustelle. Deshalb müssen Beratung, Planung und Ausführung auch bei steigender Projektzahl sauber zusammenarbeiten.
Eine weitere Herausforderung ist die Verbindung unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Wenn bestehende Handwerksbetriebe Teil einer Gruppe werden, geht es nicht darum, ihnen von außen ein vollständig neues System überzustülpen. Wir müssen gemeinsame Strukturen schaffen und zugleich das Wissen, die Identität und die regionale Verantwortung der Betriebe erhalten.
Welche Entscheidung aus der Anfangszeit von GREENOX würden Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders treffen?
Ich würde früher klare Verantwortlichkeiten schaffen und operative Fachleute noch stärker in den Aufbau unserer Prozesse einbeziehen. Als Gründer liegt es nahe, vieles selbst zu entscheiden. Im Handwerk merkt man jedoch schnell, dass ein Prozess auf dem Papier logisch wirken und im Arbeitsalltag trotzdem an der Realität vorbeigehen kann.
Heute würde ich deshalb noch früher mit den Menschen sprechen, die täglich beraten, planen oder auf der Baustelle arbeiten. Sie sehen oft sehr schnell, wo ein Ablauf unnötig kompliziert ist und welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.
Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse lautet: Man kommt nicht von außen in einen gewachsenen Markt und geht davon aus, dass alle nur auf die eigene Lösung gewartet haben. Erst zuhören, dann Strukturen verändern. Diesen Grundsatz würde ich von Beginn an noch konsequenter anwenden.
Sie bezeichnen GREENOX als Ihr Lebenswerk. Wo soll das Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?
Ich möchte GREENOX langfristig zu einem der führenden Unternehmen für energetische Sanierung entwickeln. Bis 2030 haben wir uns ein Umsatzziel von 100 Millionen Euro gesetzt. Entscheidend ist für mich aber nicht allein die Größe.
Wir wollen unsere Kompetenzen in der Energieberatung, Planung und im Handwerk weiter ausbauen und zusätzliche regionale Strukturen schaffen. Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetrieben eine Zukunftsperspektive bieten, wenn eine interne Nachfolge fehlt. Wenn dadurch Arbeitsplätze, Wissen und regionale Kundenbeziehungen erhalten bleiben, schaffen wir zugleich zusätzliche Kapazitäten für die Wärmewende.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem kleinen Team eine größere Organisation aufbauen möchten?
Mein erster Rat: Unterschätzt keinen Markt, nur weil er nicht nach Startup klingt. Schwierige, kleinteilige oder analoge Branchen bieten häufig große unternehmerische Chancen, gerade weil viele Probleme noch nicht gelöst sind.
Zweitens: Hört den Menschen zu, die den Markt bereits kennen. Wer bestehende Strukturen verändern möchte, sollte zuerst verstehen, warum sie entstanden sind und was davon erhalten bleiben muss.
Drittens: Bereitet euch darauf vor, Verantwortung abzugeben. Wachstum funktioniert nicht, wenn jede Entscheidung dauerhaft über die Gründer läuft. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, verlässliche Führungskräfte und die Bereitschaft, anderen zu vertrauen. Die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern muss mit der Organisation mitwachsen.
Bildcredits GREENOX
Wir bedanken uns bei Maximilian Seifert für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

















