XO Life möchte mit brite die digitale Gesundheitsversorgung neu denken und Patienten von den ersten Symptomen bis zur langfristigen Therapie kontinuierlich begleiten
Stellen Sie XO Life doch kurz vor. Wer steckt hinter dem Startup und welche Erfahrungen bringt das Team mit?
Hinter XO Life steht ein Team von knapp dreißig Personen mit einem klaren Schwerpunkt auf Produkt- und Technologieentwicklung – alles in-house, mit einem starken Fokus auf KI. Ergänzt wird das durch ein eigenes medizinisches Team, das sicherstellt, dass unsere Lösungen klinisch fundiert und regulatorisch compliant sind.
Ich bin Friderike Bruchmann, Gründerin und CEO. Ich habe Technologiemanagement studiert und viele Jahre mit Daten gearbeitet – das prägt bis heute, wie wir bei brite an Produktentwicklung und Entscheidungen herangehen.
Was uns als Team besonders macht: Wir haben die Expertise wirklich intern aufgebaut – über Jahre am Markt, mit echtem Geschäft im Rücken. Das erlaubt uns heute, sehr erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten zu gewinnen, die die besten Trends und Entwicklungen direkt einbringen. Und was mich persönlich sehr freut: Wir kommen aus über vierzehn Nationen – das bringt eine echte globale Perspektive in alles, was wir tun.
Wie entstand die Idee, eine digitale Plattform für Patientenbegleitung und Therapiesupport aufzubauen?
Die Idee entstand aus einer ganz persönlichen Erfahrung. Während meiner Doktorarbeit hatte ich Nebenwirkungen aufgrund eines Medikaments – und habe natürlich angefangen, im Internet zu recherchieren. Heute würde man ChatGPT, Claude oder Perplexity befragen. Was mir damals wie heute fehlt, ist eine wirklich vertrauenswürdige, gut gestaltete Plattform, auf der ich als Patient meine Erfahrungen teilen, mich selbst managen und tracken kann – mit einer User Experience, die ernst nimmt, was ich durchmache.
Was mich aber noch mehr beschäftigt hat: Diese Daten, die Patienten täglich erzeugen, werden kaum genutzt – weder von Ärzten noch von Pharmaunternehmen, obwohl sie enormen klinischen und kommerziellen Wert hätten. Ich wollte eine bidirektionale Plattform schaffen, auf der Patienten nicht nur Daten eingeben, sondern auch wirklich relevante Insights zurückbekommen. Eine Plattform, auf der jeder Patient zählt und ernst genommen wird – so wie man es von exzellentem Kundensupport kennt, nur eben im Gesundheitsbereich.
Welche Vision verfolgt XO Life für die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung?
Unsere Vision ist einfach: Kein Patient soll jemals wieder alleingelassen werden.
Heute ist die Realität, dass es zwar viele digitale Lösungen gibt – aber jede löst nur einen kleinen Teil des Problems. Man googelt die Symptome hier, trackt die Medikamente dort, findet Informationen irgendwo anders – und dann hört jede Lösung auf, genau wenn man sie am meisten braucht. Der Patient springt von Tool zu Tool, und niemand begleitet ihn wirklich durch den gesamten Weg.
Das wollen wir grundlegend ändern. Unsere Vision ist, dass jeder Patient – egal welche Erkrankung, egal welche Therapie – von den ersten Symptomen bis zur langfristigen Behandlung digital begleitet wird. Durchgehend, vertrauenswürdig, und in einer einzigen App. brite ist diese eine Plattform. Für jeden Patienten. Über jede Erkrankung, jede Therapie, jeden Lebensabschnitt.
Welche Probleme im Gesundheitsalltag von Patienten möchte XO Life konkret lösen?
1 in 3 Patienten mit einer behandelbaren Erkrankung wird nie diagnostiziert. 1 in 2 Patienten, die diagnostiziert werden, nehmen ihre Therapie nicht wie vorgeschrieben ein. Patienten wenden sich an Google und Social Media – und verlieren sich in Fehlinformationen. Niemand begleitet sie wirklich vom ersten Symptom zur richtigen Therapie.
Gleichzeitig ist der Alltag chronisch kranker Patienten hochkomplex: Sie haben oft mehrere Erkrankungen, nehmen verschiedene Medikamente und brauchen Unterstützung an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Behandlungsreise. Bestehende Lösungen lösen immer nur einen kleinen Teil dieses Problems – und hören dann auf. brite schließt diese Lücke: eine durchgängige, vertrauenswürdige Begleitung vom ersten Symptom bis zur langfristigen Therapie, in einer einzigen App.
Wie funktioniert die Plattform „brite™“ im Alltag?
brite ist für den Patienten ganz einfach eine App – aber dahinter steckt deutlich mehr als ein klassisches Tracking-Tool.
Der Patient gibt alle seine Medikamente und Erkrankungen ein und hat damit sofort einen zentralen Ort für seine gesamte Gesundheit. Er kann Vitaldaten tracken, Symptome erfassen, Wearable-Daten integrieren – aber was uns wirklich unterscheidet, ist der medizinische Layer, den wir darüber legen. Wir arbeiten mit medizinischen Fachgesellschaften zusammen und binden validierte Fragebögen und klinische Assessments direkt in die App ein. Das sind wissenschaftlich anerkannte Instrumente, die echte medizinische Tiefe erzeugen – weit über simples Datentracking hinaus. Wer möchte, kann darüber hinaus auch unstrukturiert berichten – Erlebnisse, Beobachtungen, persönliche Eindrücke, ganz wie in einem digitalen Tagebuch.
Für jedes Medikament und jede Therapie gibt es zusätzlich eigene Therapiebereiche in der App – mit spezifischen Inhalten und Services, die direkt vom jeweiligen Hersteller bereitgestellt werden. brite ist eine App für alle Medikamente und alle Erkrankungen – vollständig unabhängig von einem einzelnen Pharmaunternehmen.
Welche Rolle spielen Patient Reported Outcomes für die Weiterentwicklung moderner Therapien?
Patient Reported Outcomes sind für uns absolut essenziell – und zwar aus einem ganz grundlegenden Grund: Klinische Studien sind wertvoll, aber sie sind limitiert. Sie werden unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt, mit einer sehr spezifischen Patientenpopulation. Der Alltag eines echten Patienten sieht jedoch anders aus – andere Komorbiditäten, andere Lebensumstände, andere Verhaltensweisen.
Genau hier entsteht der Wert von Patient Reported Outcomes in der Real World. Sie ermöglichen es zu verstehen, wann eine Therapie wirklich funktioniert – und wann nicht. Bei wem sie wirkt, unter welchen Lebensumständen, in welchem Alltag. Das sind Insights, die keine klinische Studie liefern kann.
brite macht genau diese Real-World-Evidenz möglich – strukturiert über validierte Assessments und Vitalwerte, unstrukturiert über Patientenberichte und Tagebucheinträge. Das Ergebnis sind tiefgehende, alltagsnahe Einblicke, die sowohl für die medizinische Forschung als auch für die kommerzielle Strategie von Pharmaunternehmen einen echten Mehrwert darstellen.
Was unterscheidet XO Life von klassischen Gesundheits-Apps oder digitalen Patientenplattformen?
Ein zentraler USP von brite ist, dass wir wirklich eine App für alle Medikamente und alle Erkrankungen sind. Die Realität der meisten Patienten ist, dass sie nicht nur ein Medikament nehmen und nicht nur eine Erkrankung haben. Genau das sollte über eine einzige Plattform abgebildet werden – nur so entstehen wirklich tiefgehende, umfassende Insights über einen Patienten als Ganzes.
Was uns darüber hinaus unterscheidet: Wir verbinden drei Dimensionen, die bisher nie zusammengedacht wurden – Patientenaktivierung, klinisch fundierte Therapiebegleitung und Real-World-Evidenz für Pharma. Medication-Reminder-Apps starten zu spät. Allgemeine KI-Apps haben keine klinische Tiefe und keine Kontinuität. Einzelindikations-Apps skalieren weder über Erkrankungen noch über Portfolios hinweg.
Wenn wir so drüber nachdenken: Wir haben LinkedIn für berufliche Netzwerke, wir haben Meta für soziale Verbindungen – aber für Gesundheit hat sich noch keine Plattform wirklich durchgesetzt. Genau diesen Platz will brite einnehmen.
Welche Zielgruppen stehen aktuell besonders im Fokus und welche Bedürfnisse haben diese Nutzer?
Unser primärer Fokus liegt klar auf Patienten mit chronischen Erkrankungen – das ist die Zielgruppe, bei der der Bedarf an kontinuierlicher digitaler Begleitung am größten ist. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Projekte im Bereich Rare Diseases, wo der Bedarf an spezifischer Unterstützung und Real-World-Evidenz besonders hoch ist.
Was uns zunehmend beschäftigt, ist der OTC-Bereich. Auch hier arbeiten wir bereits mit großen Unternehmen zusammen. Der Grund ist einfach: Es reicht heute nicht mehr, ein Produkt zu verkaufen. Patienten und Nutzer erwarten ein digitales Erlebnis drum herum – das Gefühl, dass die Marke auch über den Kaufmoment hinaus für sie da ist.
Insgesamt decken wir ein breites Spektrum ab – von chronischen Volkskrankheiten über seltene Erkrankungen bis hin zu OTC-Produkten. Aber der strategische Kern bleibt: chronische Erkrankungen, wo die Kontinuität der Begleitung den größten Unterschied macht.
Wie wichtig sind geprüfte Informationen und der Austausch mit anderen Betroffenen für Patienten heute?
Geprüfte, verlässliche Informationen sind für Patienten absolut entscheidend – und der Bedarf daran wächst paradoxerweise genau in dem Maße, in dem das Informationsangebot zunimmt. Das Internet ist voll von Gesundheitsinformationen, die sich widersprechen oder schlicht falsch sind. Auch KI-Systeme wie ChatGPT oder Claude sind auf das gesamte Internet trainiert – mit allem, was dazugehört. Was Patienten in einer schwierigen Situation wirklich brauchen, ist keine Liste von zehn Optionen, sondern klare, vertrauenswürdige Orientierung: Das ist es. Das solltest du tun.
Der Austausch mit anderen Betroffenen hat dabei eine eigene, tiefere Bedeutung. Chronisch kranke Menschen haben in ihrem direkten Umfeld oft niemanden, der wirklich versteht, wie es sich anfühlt. Das Gefühl, nicht allein zu sein, ist emotional von enormer Bedeutung.
Und was heute durch moderne KI möglich wird: Apps können wesentlich empathischer, persönlicher und kontextueller mit Patienten interagieren als je zuvor. brite nutzt genau diese Möglichkeiten – um nicht nur informativ, sondern wirklich begleitend da zu sein. Nicht wie eine Datenbank. Sondern wie ein Begleiter, dem man vertraut.
Welche Herausforderungen bringt die Zusammenarbeit mit Pharma- und Gesundheitsunternehmen mit sich?
Die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen ist komplex – und das ist auch gut so, denn Komplexität schafft Eintrittsbarrieren für Wettbewerber. Die größten Herausforderungen sind Compliance und regulatorische Anforderungen: Inhalte müssen medizinisch geprüft und freigegeben werden, Datenschutz nach europäischen Standards ist nicht verhandelbar, und Pharmakovigilanz-Anforderungen müssen in jede Produktentscheidung einfließen.
Dazu kommen lange Entscheidungszyklen. Große Pharmaunternehmen haben viele interne Stakeholder – Medical, Marketing, Legal, IT – und bis ein Projekt grünes Licht bekommt, können Monate vergehen. Was dabei hilft: ein starker interner Champion auf Kundenseite, der das Projekt aktiv vorantreibt.
Was uns aber ermutigt: Wer diese Komplexität einmal gemeistert hat – und das haben wir mit über 40 Pharmakunden – der hat einen echten Wettbewerbsvorteil. Vertrauen in der Pharmaindustrie baut man nicht über Nacht auf. Es ist das Ergebnis von Jahren konsequenter Arbeit.
Wie verändert künstliche Intelligenz und Digitalisierung aus Ihrer Sicht die Patientenbegleitung?
Künstliche Intelligenz ist für die Patientenbegleitung ein echter Segen – das muss man so klar sagen.
Wenn man ehrlich zurückblickt: Ohne LLMs waren die meisten Gesundheits-Apps eigentlich dem Tode geweiht. Jede Interaktion, jeder Text, jede Antwort musste vorprogrammiert sein. Alles war statisch, alles war generisch. Die einzigen digitalen Plattformen, die wirklich funktioniert haben, waren Social-Media-Apps – weil dort der Content von den Nutzern selbst kam.
KI verändert das fundamental. Zum ersten Mal ist es möglich, ein wirklich persönliches, individuelles Erlebnis zu schaffen – eines, das sich an den Nutzer anpasst, das auf seine Situation eingeht, das empathisch reagiert. Es ist kein Zufall, dass viele Menschen heute sagen, ChatGPT sei für sie so etwas wie ein Freund geworden.
Für brite bedeutet das: Wir können zum ersten Mal eine digitale Begleitung schaffen, die sich wirklich wie eine Begleitung anfühlt. Personalisiert, empathisch, kontextuell – über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg. KI macht aus einer App einen echten Companion. Und genau das ist der Durchbruch, auf den diese Branche gewartet hat.
Welche neuen Funktionen oder Entwicklungen plant XO Life in den kommenden Jahren?
In den kommenden Wochen stehen bei brite ganz große Updates an – also am besten jetzt schon die brite App herunterladen, geschrieben B-R-I-T-E.
Unser Anspruch ist dabei nichts weniger als das: Wir wollen eine Gesundheits-App launchen, die besser ist als ChatGPT, besser als Claude, besser als Perplexity – und besser als jede andere Health-App auf dem Markt. Eine App, die nicht nur antwortet, sondern wirklich begleitet.
Darüber hinaus haben wir eine klare Wachstumsagenda: Wir wollen neue Technologien konsequent für unsere Nutzer nutzbar machen, immer mehr Pharmaunternehmen dabei unterstützen, wirklich patientenfreundlich zu werden, und brite in immer mehr Sprachen und Märkten verfügbar machen. Wir expandieren bereits in verschiedene Länder – der nächste Schritt ist klar: brite soll global verfügbar sein. Unser Ziel ist, dass kein Patient weltweit mehr alleingelassen wird.
Warum ist XO Life Teil des Chemistry & Health Hub Mannheim/Ludwigshafen geworden?
Teil des Chemistry & Health Hub Mannheim zu werden ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt in unserer Netzwerkstrategie – und Netzwerk ist für brite von Anfang an essenziell gewesen.
Wir sind bewusst Teil verschiedener Acceleratoren und Unterstützungsnetzwerke geworden, weil wir verstehen, dass in einer Branche wie dem Gesundheitswesen der richtige Kontakt zum richtigen Zeitpunkt alles verändern kann. Unsere Pharmapartnerschaften, unsere Kooperationen mit medizinischen Fachgesellschaften, unsere Investorenbeziehungen – vieles davon ist über genau solche Netzwerke entstanden. Über Pitches, Events, persönliche Gespräche, zufällige Begegnungen, die sich als wegweisend herausgestellt haben.
Welche Vorteile bietet das Innovationsumfeld in Mannheim und Ludwigshafen für ein Digital-Health-Startup wie Ihres?
Die Region Mannheim und Ludwigshafen ist einer der dichtesten Pharma- und Chemie-Standorte Europas – mit globalen Konzernen, Forschungsinstituten und einem tief verwurzelten Verständnis für die Anforderungen der Gesundheitsbranche. Für ein Unternehmen wie brite, das Pharmaunternehmen als Kernkunden hat, ist das ein strategisch ideales Umfeld.
Was uns besonders schätzen: die kurzen Wege zu Entscheidungsträgern in der Industrie, das starke akademische und wissenschaftliche Netzwerk in der Region und ein Ökosystem, das Health Innovation nicht als Nischenthema behandelt, sondern als strategische Priorität. Das ist für uns als wachsendes Digital-Health-Unternehmen ein echter Standortvorteil.
Welche drei Tipps würden Sie anderen Gründern im Bereich Digital Health und HealthTech mit auf den Weg geben?
Erstens: Sei realistisch über dein Finanzierungsmodell.
Digital Health ist eine großartige Branche mit enormem gesellschaftlichem Impact – aber man muss ehrlich sein: Das klassische Venture-Capital-Modell mit exponentiellen Wachstumskurven lässt sich im Gesundheitswesen nicht immer so einfach umsetzen wie in anderen Branchen. Wenn externes Kapital keine realistische Option ist, sollte man von Anfang an überlegen, wie man das Unternehmen Cashflow-positiv aufbaut – vielleicht langsamer, aber nachhaltiger.
Zweitens: Löse die Zahlerfrage früh.
Wer zahlt – das ist im Gesundheitswesen die entscheidende Frage. Direct-to-Consumer ist in Deutschland und Europa schwierig, weil Patienten für digitale Gesundheitsleistungen bisher kaum zu zahlen bereit sind. Selektivverträge mit Krankenkassen sind möglich, aber langwierig. Man muss früh verstehen, welcher Zahler wirklich erreichbar ist – und das Geschäftsmodell danach ausrichten.
Drittens: Denke in Hybridmodellen.
Was heute in Digital Health wirklich funktioniert, sind Hybridansätze – man dockt an bestehende Strukturen an, an etablierte Unternehmen, an bestehende Budgets, und innoviert von dort aus. Man kauft sich sozusagen in ein funktionierendes System ein und schafft von innen heraus Mehrwert. Das ist weniger glamourös als die reine Startup-Romantik – aber deutlich erfolgsversprechender.
Bildcredits XO Life
Wir bedanken uns bei Friderike Bruchmann für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.














