Mittwoch, August 12, 2026
StartInterviewsRivativ: Wie ein Fintech das Options-Overlay für ETF-Anleger automatisiert

Rivativ: Wie ein Fintech das Options-Overlay für ETF-Anleger automatisiert

Rivativ will Privatanlegern den Zugang zu Optionen erleichtern und institutionelle Optionsstrategien für den langfristigen Vermögensaufbau zugänglich machen.

Können Sie Rivativ kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für ein automatisiertes Options Overlay auf ETF Portfolios entstanden ist?

Rivativ gibt Privatanlegern Zugang zu Finanzprodukten, die bisher fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten waren: systematische Optionsstrategien. Die Idee kam mir während meiner Zeit im Hedgefonds, wo ich unter anderem auch Optionen gehandelt habe. Ich habe mich damals gefragt, warum eigentlich nur Profis diese Strategien nutzen. Die Antwort ist simpel: Optionen sind komplex, erfordern Sicherheiten und sind operativ aufwendig. Genau da setzen wir an. Bei Rivativ legen wir ein vollautomatisiertes Options-Layer auf das bestehende Portfolio des Anlegers. So profitiert er von einer Zusatzrendite von historisch rund 3% pro Jahr, ohne die Mechanik dahinter selbst bis ins kleinste Detail durchdringen und täglich sein Portfolio prüfen bzw. Trades erfassen zu müssen. In unserer finalen Produktversion wollen wir es Anlegern so einfach machen, in eine systematische Optionsstrategie zu investieren, wie einen ETF zu kaufen.

Wer steht hinter Rivativ, und wie fließen Ihre Erfahrungen aus Hedgefonds, Investment Banking, Private Equity und Beratung in das Unternehmen ein?

Wir sind drei Gründer. Theo kümmert sich um alles Technische sowie die KI-Komponente als Teil unseres Produktes. Jan und ich kommen beide aus der Finanzwelt mit Stationen u.a. bei führenden Beratungen, Banken und Hedgefonds, wo wir über die Jahre ein großes Netzwerk aufgebaut haben, das in der Frühphase eines FinTechs Gold wert ist. Potenzielle Investoren und erste Kunden aus dem Family-Office- und Asset-Management-Umfeld kennen wir bereits. Diese Kombination aus praktischer Handelserfahrung, Netzwerk und technischer Expertise ist das, was uns als Team ausmacht.

Welche Vision verfolgen Sie mit Rivativ, und welche Rolle möchten Sie künftig im Wealth Management spielen?

Ich glaube, dass Optionen das nächste große Ding in der Geldanlage werden, so wie es ETFs vor zwanzig Jahren waren. Ich erinnere mich noch, dass damals fast nur institutionelle Investoren Zugang zu ETFs hatten; heute nutzt sie praktisch jeder. Ein Beispiel verdeutlicht das Potenzial eines Options-Overlays: Wer mit 18 Jahren einmalig 10.000 Euro in einen ETF investiert, erreicht bei einer unterstellten langfristigen Rendite von 10% pro Jahr nach 40 Jahren rund 450.000 Euro. Das ist schon ziemlich gut. Hätte dieselbe Person zusätzlich unser Options-Overlay genutzt und neben der ETF-Rendite eine Zusatzrendite von 3% pro Jahr erzielt, läge der Portfoliowert nach 40 Jahren durch den Zinseszinseffekt bei circa 1,3 Millionen Euro.

An welche Anleger richtet sich Ihr Angebot, und welches konkrete Problem möchten Sie für diese Zielgruppe lösen?

Im ersten Schritt richtet sich unser Produkt an Anleger, die bereits Erfahrung mit Optionen haben. Für sie bieten wir Marktanalysen und aufbereitete Modellportfolios, die ihnen als Orientierung für ihre eigenen Entscheidungen dienen. Nach erfolgreicher Lizenzierung durch die Finanzaufsicht werden wir unser Produkt dem Massenmarkt anbieten und das vollautomatisierte Options-Overlay direkt für die Kunden ausführen. So können dann auch Anleger, die bisher keine Berührungspunkte mit Optionen hatten, von deren Potenzial profitieren.

Rivativ kombiniert bestehende ETF Portfolios mit einer automatisierten Optionsstrategie. Wie funktioniert dieses Zusammenspiel grundsätzlich?

Ich erkläre es gerne so: Dein ETF-Portfolio ist das Fundament. Darüber legen wir lediglich ein zweites Layer, das Options-Overlay. Es läuft ganz von allein im Hintergrund und generiert zusätzliche Erträge, während dein Fundament (dein bestehendes Portfolio) unverändert bleibt und als Sicherheit für die Optionspositionen dient. Das Overlay handelt dabei vollautomatisch nach klaren Regeln, die wir vordefiniert haben. Der Kunde muss sich also nicht selbst in die Materie eindenken, sondern das Layer agiert autonom im Hintergrund.

Sie sehen in Ihrem Ansatz einen möglichen Beitrag zur Rentenlücke. Welches Potenzial bietet die Strategie für den langfristigen Vermögensaufbau?

Die Rentenlücke ist real und wird sich mit klassischen Sparplänen allein nicht schließen lassen. Was wir anbieten, ist kein Wundermittel, das den Portfoliowert von heute auf morgen vervielfacht. Bei ausreichend langem Horizont sind aber rund 3% zusätzliche Rendite pro Jahr durch unser Options-Overlay durchaus sehr attraktiv. Über 40 Jahre verdreifacht sich so wie zuvor ausgeführt der Portfoliowert im Vergleich zu einem herkömmlichen ETF.

Optionsstrategien gelten für viele Privatanleger als komplex. Wie wollen Sie diese verständlich und zugänglich machen, ohne die damit verbundenen Risiken aus dem Blick zu verlieren?

Das stimmt. Optionen sind für viele Privatinvestoren aufgrund der hohen Komplexität nur bedingt zugänglich. Was unser Set-up so spannend macht, ist, dass wir all die technischen Herausforderungen, die beim Optionstrading bestehen, für den Kunden managen, er muss sie also nicht bis ins letzte Detail verstehen. Unser System handelt regelbasiert und vollautomatisch, und wir erklären offen, was es wann tut und warum. Risiken kommunizieren wir aktiv und klar, weil wir langfristig auf Vertrauen setzen und nicht auf schnelle Abschlüsse. Wichtig ist mir zu betonen, dass wir niemandem empfehlen Optionen ohne ein gewisses Grundverständnis ins Portfolio aufzunehmen.

Was macht Rivativ aus Ihrer Sicht besonders gegenüber bestehenden Investmentlösungen auf dem deutschen Markt?

Ein mit unserem vergleichbares Produkt gibt es in Deutschland schlicht nicht. Als Privatanleger hattest du bisher drei Möglichkeiten:

  1. stundenlang selbst lernen, wie Optionen funktionieren, bevor du sie überhaupt handeln kannst (neben dem Beruf oft kaum machbar).
  2. einen Covered-Call-ETF wählen, der aber kein Overlay auf dein bestehendes Portfolio erlaubt, sondern voraussetzt, dass dein Vermögen in diesem ETF gebündelt ist; zudem lässt sich die Strategie dort kaum individuell beeinflussen.
  3. oder – und das ist die Realität für viele Privatanleger – ganz darauf verzichten, weil dir aus den genannten Gründen bisher schlicht der Zugang fehlt.

Wir bieten als einziger Anbieter eine vierte Alternative: institutionelle Optionsstrategien als Overlay auf das bestehende Portfolio, aufbereitet für Privatanleger. Was mich dabei antreibt: Wir stehen erst am Anfang von etwas ganz Großem… etwas, das so groß werden kann wie die ETF-Revolution vor zwanzig Jahren.

Viele Anlagestrategien waren lange institutionellen Investoren vorbehalten. Warum ist aus Ihrer Sicht jetzt der richtige Zeitpunkt, solche Ansätze stärker für Privatanleger zu öffnen?

Drei Dinge kommen gerade zusammen:

  1. Das regulatorische Umfeld in Europa ist deutlich zugänglicher geworden als noch vor einigen Jahren.
  2. Die Technologie: Automatisiertes Trading ist für ein kleines Team überhaupt erst heute möglich.
  3. Und die Nachfrage ist da: eine ganze Generation von Anlegern, die ETFs längst als Standard sieht und jetzt nach dem nächsten Schritt sucht. Das zeigt sich zum Beispiel auch im Private-Equity-Umfeld, das sich bei Retail-Anlegern wachsender Beliebtheit erfreut. Entsprechende Produkte werden inzwischen sogar auf Plattformen wie Trade Republic angeboten.

Welche Herausforderungen bringt die Entwicklung eines automatisierten Finanzprodukts mit sich, insbesondere mit Blick auf Regulierung, Vertrauen und Transparenz?

Was in vielen anderen Bereichen für Start-ups funktioniert und was ich Gründern auch explizit raten würde, nämlich mithilfe von KI schnell einen Prototyp zu entwickeln und zu testen, wie der Markt reagiert, funktioniert im Finanzbereich so nicht. Die Regulatorik lässt das nicht zu. Die größte Herausforderung ist deshalb, Regulierung von Anfang an mitzudenken. Das kostet Zeit und Geld, schützt aber die Kunden und schafft das Vertrauen, das in dieser Branche notwendig ist. Und Vertrauen entsteht vor allem durch Transparenz. Deshalb legen wir offen, nach welchen Regeln unser System handelt und was es wann tut.

Wo soll Rivativ in den kommenden Jahren stehen, und welche weiteren Entwicklungen planen Sie für Ihr Angebot?

Wir haben in den letzten Monaten gezeigt, dass unser Produkt überzeugt. Jetzt geht es darum, das zu skalieren. Der nächste große Schritt ist unser geplantes Fundraising für Ende 2026 / Anfang 2027. Mit dem Kapital werden wir die Kommerzialisierung vorantreiben und den Grundstein für die regulatorische Zulassung legen, die uns erlaubt, das vollautomatisierte Overlay direkt für die Kunden auszuführen. Langfristig soll Rivativ die Infrastruktur für optionsbasiertes Investieren in Europa werden: für Privatanleger und als White-Label-Lösung für Asset Manager und Banken. In vier Jahren soll Rivativ der Name sein, der fällt, wenn jemand in Deutschland oder Europa über Optionsstrategien für Privatanleger spricht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer neuen Idee in den stark regulierten FinTech Markt einsteigen möchten?

Der FinTech-Markt ist speziell. Während Investoren bei klassischer Software oder KI oft schon nach kurzer Zeit erste Umsätze erwarten, ist im FinTech-Bereich entscheidend die richtigen Akteure zu kennen, sie zusammenzubringen und gemeinsam eine Lösung für ein bestehendes Problem zu entwickeln. In unserem Fall sind das Menschen mit mehrjähriger Branchenerfahrung, Anwälte, Personen mit BaFin- und Regulatorik-Erfahrung und natürlich Investoren. Insofern würde ich angehenden Fintech-Gründern empfehlen sich früh ein Netzwerk aufzubauen, regulatorische Themen zu validieren und Feedback von Kunden einzuholen.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Manuel Nuber für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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