Freitag, August 21, 2026
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Capynova: KI-gestütztes Lernen für Future Skills bei Jugendlichen

Capynova verbindet KI mit der gezielten Entwicklung von Kompetenzen und möchte junge Menschen mit praxisnahen Lernangeboten auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten.

Capynova verbindet KI-gestütztes Lernen mit Future Skills für junge Menschen. Was genau steckt hinter eurem Ansatz und wie ist die Idee entstanden?

Die Idee zu Capynova entstand direkt aus den praktischen Bildungserfahrungen unserer Gründerin Ani Tovmasyan. Durch sieben Schulwechsel in vier verschiedenen Ländern erlebte sie hautnah die Lücke zwischen traditioneller schulischer Wissensvermittlung und der Entwicklung praxistauglicher Zukunftskompetenzen. Trotz fortschreitender Digitalisierung vermittelt Schule vor allem Fachwissen, während überfachliche Kompetenzen kaum systematisch gefördert werden. Unser Ansatz setzt genau hier an, indem Capynova eine KI-gestützte Kompetenzentwicklungsarchitektur bietet, die nicht nur starr Fachwissen abfragt, sondern lebensnahe Simulationen schafft. Statt klassischer Richtig-Falsch-Fragen leitet unsere Plattform überfachliche Fähigkeiten wie Problemlösefähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Finanzielle Intelligenz direkt aus dem tatsächlichen Handeln und den Entscheidungen der Lernenden ab.

Wer hat Capynova gegründet und welche Erfahrungen und Kompetenzen bringt ihr als Gründerteam mit?

Capynova wird von Ani Tovmasyan als CEO und Johannes Klopp als CTO geführt. Ani verbindet jahrelange praktische Arbeit mit der Zielgruppe und fundierte wissenschaftliche Expertise, da sie sechs Jahre in der Lernförderung arbeitete, zertifizierte EU-Jugendleiterin ist und sechs EU-geförderte Inklusions- und Anti-Mobbing-Projekte leitete. Als DAAD- und sdw-Stipendiatin absolvierte sie Forschungsaufenthalte an Top-US-Universitäten wie der Stanford University mit Schwerpunkt Unternehmertum, studierte Angewandte Wirtschaftspsychologie, gewann den Bayerischen Hochschul-Gründungswettbewerb und verantwortet bei Capynova die didaktische Architektur, Schulpartnerschaften sowie die strategische Ausrichtung.

Johannes bringt als CTO technische Leidenschaft und Umsetzungskompetenz mit, da er bereits im Alter von zwölf Jahren anfing, eigene Apps zu bauen, und heute als technischer Kopf die Plattform-Architektur, die Entwicklung der KI-Systeme, sowie die technische Umsetzung der Gamification- und Sicherheitsstrukturen verantwortet.

Welche Vision verfolgt ihr mit Capynova und welche Rolle soll eure Plattform langfristig in der Bildung junger Menschen spielen?

Unsere Vision ist es, jedem jungen Menschen die Werkzeuge und Zukunftsfähigkeiten an die Hand zu geben, um eigenverantwortlich, reflektiert und selbstbewusst durch eine sich schnell verändernde Welt zu navigieren.

Langfristig soll Capynova nicht nur eine reine Lern-App sein, sondern das führende, evidenzbasierte System für kontinuierliche Kompetenzentwicklung im Bildungsbereich werden. Wir möchten Schulen als starker Partner begleiten und als digitale Infrastruktur dienen, die Lehrkräfte nachhaltig entlastet und Kindern individuelle, stärkenorientierte Lernpfade ermöglicht.

Wie hoch das globale Potenzial unseres Ansatzes ist, zeigt sich auch international, denn wir haben es im Hult Prize 2026 Finale aus weltweit über 18.000 gestarteten Startups unter die letzten 20 geschafft.

Ihr richtet euch insbesondere an Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Welche Bedürfnisse dieser Zielgruppe wollt ihr besonders adressieren?

In der Altersspanne zwischen 10 und 14 Jahren befinden sich Kinder in einer entscheidenden Orientierungs- und Entwicklungsphase, in der sie verstärkt nach Relevanz, Selbstwirksamkeit und Autonomie suchen, während klassische Lehrmethoden oft abstrakt und praxisfern wirken. Wir adressieren gezielt das Bedürfnis nach praxisnahem, eigenständigem Ausprobieren in einem geschützten Raum.

Zudem berücksichtigen wir unterschiedliche Lern- und Interaktionsformen, einschließlich neurodivergenter Kinder mit ADHS oder Dyslexie, indem wir Sprache, Aufgabenformate und Hilfestellungen individuell anpassen, ohne dabei das eigentliche Lernziel aufzuweichen.

Bei Capynova stehen Themen wie KI, Finanzbildung, Kommunikation, mentale Stärke und Problemlösung im Mittelpunkt. Wie entscheidet ihr, welche Kompetenzen besonders relevant sind?

Unsere Auswahl basiert fundiert auf internationalen Bildungsrahmenwerken wie dem OECD Learning Compass 2030, der transformative Kompetenzen wie Eigenverantwortung, kooperatives Handeln und Problemlösung als Kernziele moderner Bildung definiert.

Wir gliedern unsere Lernwelt in zukunftsrelevante Bereiche wie Lernen lernen, Finanzielle Intelligenz, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Selbstorganisation und kritisches Denken. Sämtliche Inhalte werden in enger Zusammenarbeit mit Fach- und Didaktik-Experten sowie wissenschaftlichen Mentoren unter anderem von der Hochschule der Medien Stuttgart und der Hochschule Heilbronn, sowie der Harvard University, der Stanford University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt und kontinuierlich validiert.

Wie funktioniert die Personalisierung der Lernpfade und welchen Mehrwert bietet sie gegenüber klassischen Lernangeboten?

Während klassische Lernplattformen meist nur das Niveau statischer Aufgaben anpassen oder Freitexte ohne Qualitätsgarantie generieren, nutzt Capynova eine zustandsbehaftete Lerndiagnostik. Das System erkennt kognitive Niveaus, bevorzugte Darstellungsformen sowie konkrete Fehlvorstellungen. Scheitert ein Kind an einem Konzept, erzeugt die KI abgesicherte Übungssimulationen, die exakt diese Fehlvorstellung aufgreifen. Der entscheidende Mehrwert liegt darin, dass die didaktische Kernstruktur und die Lernziele stets stabil und geprüft bleiben, während Sprache, Beispiele und Interaktionen individuell auf das jeweilige Kind maßgeschneidert werden.

Was macht Capynova aus eurer Sicht besonders und wodurch unterscheidet ihr euch von anderen digitalen Bildungsplattformen?

Capynova unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von bestehenden Angeboten.

Erstens setzen wir auf eine handlungsorientierte Diagnostik statt Multiple-Choice, da wir Kompetenzen nicht über statische Fragebögen, sondern durch beobachtbares Entscheidungsverhalten in realitätsnahen Simulationen messen.

Zweitens nutzen wir eine abgesicherte KI-Architektur mit einer Multi-Agenten-Kette und deterministischer Qualitätsvalidierung, wodurch KI-Inhalte auf geprüften Quellen basieren und durch unabhängige Prüfagenten kontrolliert werden, um Halluzinationen und Falschinformationen vollständig auszuschließen.

Drittens bedeutet Adaptivität bei uns auch echte Inklusion und Barrierefreiheit für neurodivergente Lernende.

Lernen soll bei euch interaktiv und teilweise spielerisch funktionieren. Wie schafft ihr die Balance zwischen Unterhaltung und nachhaltigem Lernerfolg?

Wir vermeiden reine Gamification-Elemente, die lediglich ablenken, wie beispielsweise das bloße Sammeln von Punkten. Stattdessen setzen wir auf intrinsische Motivation durch Storytelling und relevante Lernmissionen. Die Lernenden schlüpfen in aktive Rollen, müssen echte Entscheidungen treffen und sehen direkte Konsequenzen ihres Handelns.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Entwicklung einer KI-gestützten Lernplattform für Kinder und Jugendliche?

Die größte technische und didaktische Herausforderung liegt in der absoluten Sicherheit und Verlässlichkeit der eingesetzten Künstlichen Intelligenz. Freie KI-Modelle neigen zu Halluzinationen oder unpassenden Formulierungen, was im Kinder- und Jugendbereich völlig inakzeptabel ist. Zudem erfordert die wissenschaftliche Modellierung überfachlicher Kompetenzen eine sehr hohe Präzision. Wir lösen diese Herausforderung durch unsere eigene Systemarchitektur, bei der didaktische Standards unveränderlich vorgegeben sind und alle KI-generierten Inhalte strenge automatische Prüfketten durchlaufen müssen.

Wie wollt ihr Vertrauen bei Eltern und jungen Nutzerinnen und Nutzern aufbauen, wenn künstliche Intelligenz ein zentraler Bestandteil des Angebots ist?

Vertrauen schaffen wir durch höchste Datenschutzstandards, vollständige Transparenz und pädagogische Kontrolle. Alle Daten werden strikt DSGVO-konform auf deutschen Servern verarbeitet, und Interaktionsdaten von Minderjährigen werden grundsätzlich niemals zum Training externer KI-Modelle verwendet. Zudem verzichten wir auf eine undurchsichtige KI-Blackbox, indem jede Empfehlung und Kompetenzentwicklung für Eltern und Lehrkräfte in übersichtlichen Dashboards nachvollziehbar dokumentiert wird. Die KI agiert dabei niemals frei, sondern bewegt sich stets strikt innerhalb vorgegebener, von Pädagogen geprüfter Lernrahmen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte plant ihr für Capynova und wo möchtet ihr mit dem Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?

In der aktuellen Phase fokussieren wir uns intensiv auf die Weiterentwicklung unserer Kerntechnologie sowie die Durchführung strukturierter Pilotprojekte an Schulen. Die nächsten Schritte umfassen den App-Launch am 23. August 2026, sowie den schrittweisen Rollout über Schulpartnerschaften im B2B-Bereich. In den kommenden drei bis fünf Jahren wollen wir Capynova als den Standard für Future Skills und handlungsbasierte Kompetenzdiagnostik im DACH-Raum etablieren und schrittweise in weitere internationale Märkte expandieren.

Welche drei Ratschläge würdet ihr Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer eigenen Idee ein Startup aufbauen möchten?

Erstens sollte man immer ein Problem lösen, das man selbst tief versteht, da die stärkste Motivation aus eigenen Erfahrungen und echter Nähe zur Zielgruppe entsteht.

Zweitens ist es entscheidend, früh zu testen und auf Feedback zu hören, statt im stillen Kämmerlein am perfekten Produkt zu tüfteln, dass vielleicht niemand haben will, indem man früh in die Praxis geht, Pilotprojekte durchführt und reales Nutzerfeedback direkt einarbeitet.

Drittens sollte man sich starke Mentoren und Partner an die Seite holen, da ein komplementäres Team und ein starkes Netzwerk aus Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft der wichtigste Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg sind.

Bild Ani Tovmasyan und Johannes Klopp Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Ani Tovmasyan für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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