Industrie, Start-ups und Künstliche Intelligenz stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries und treiben die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle voran.
Wie positioniert sich der de:hub Stuttgart – Future Industries innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle spielt der Hub für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart?
CODE_n wurde 2012 gegründet und gehört damit zu den frühen Startup-Initiativen Deutschlands.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries positioniert sich innerhalb der bundesweiten Digital Hub Initiative als zentraler Knotenpunkt für industrielle Zukunftstechnologien. Mit dem Innovation Campus rund um CODE_n verfügt der Hub über einen starken physischen Anker, der Start-ups, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und etablierte Corporates zusammenbringt. Diese enge Vernetzung ermöglicht es, neue Technologiefelder von KI-gestützter Automatisierung über Robotik bis hin zu Dual-Use-Technologien flexibel und frühzeitig anzuvisieren.
Gleichzeitig profitiert der Hub von der Nähe zur global agierenden GFT Technologies. Ein Technologieunternehmen mit tiefen Wurzeln in der Region, aus dem CODE_n als Business Innovation Einheit entstanden und im Jahr 2018 ausgegründet wurde. Das Unternehmen bringt weitreichende technologische Kompetenzen und globale Perspektiven in die Community ein.
Für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart spielt der Hub eine wichtige Rolle: Er verbindet die Innovationskraft junger Unternehmen mit der Erfahrung, Marktkenntnis und industriellen Stärke der zahlreichen Weltmarktführer der Region. Auf dem Campus entstehen seit seiner Gründung wertschöpfende und wachstumsstarke Unternehmen wie Flip, Instagrid, Straiv, TruPhysics oder GLOBE Fuel Cell Systems. Das signalisiert, dass der Hub nicht nur der Nährboden für Gründungen, sondern auch für Skalierungen verschiedener Technologiefokusse bildet.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries wirkt so als Innovationsplattform, die maßgeblich dazu beiträgt, die industrielle Zukunftsfähigkeit der Region und des Landes Baden-Württemberg zu sichern.
Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries? Warum sind diese Themen entscheidend für die Zukunft industrieller Wertschöpfung?
Ein Teil dieser technologischen Schwerpunkte ließen wir bereits anklingen. Dennoch lohnt sich ein kurzer Blick auf die zentralen Themenfelder, auf die sich der de:hub Stuttgart – Future Industries derzeit konzentriert.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere Künstliche Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien. Diese sind von zentraler Bedeutung für die industrielle Transformation in Baden-Württemberg, da sie direkt auf Automatisierung und teils auf neue datenbasierte Geschäftsmodelle einzahlen. Nicht neu ist: Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Produktivitäts- und Innovationsfaktor in industriellen Prozessen.
Robotik bildet die nächste Stufe der industriellen Automatisierung. Neben klassischen Industrierobotern gewinnen flexible Systeme wie kollaborative Robotik, autonome Logistiklösungen oder intelligente Serviceroboter zunehmend an Bedeutung. Um diese Entwicklungen stärker in den Blick zu nehmen, tauscht sich unser Hub Director regelmäßig mit unterschiedlichen Kompetenzträgern aus. Unter anderem traf er sich im März mit dem Repräsentanten Baden-Württembergs in China. Im Mittelpunkt stand, wie unsere Start-ups schneller Zugang zu internationalen Dynamiken und Märkten bekommen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Dual-Use-Technologien, also Lösungen mit sowohl zivilen als auch sicherheitsrelevanten Anwendungsmöglichkeiten. Viele Unternehmen aus unserer Community entwickeln Technologien, die sich auf unterschiedliche Märkte übertragen lassen, zuletzt jedoch auch unter der Krise der Automobilindustrie litten. Umso wichtiger ist eine realistische und ausgewogene Positionierung Deutschlands in diesem Feld.
Welche Rolle spielen Start-ups im Ökosystem des de:hub Stuttgart? Wie werden junge Unternehmen konkret dabei unterstützt, industrielle Lösungen zu entwickeln und zu skalieren?
Start-ups nehmen im Ökosystem des de:hub Stuttgart eine zentrale Rolle ein. Sie bringen frische Ideen und experimentierfreudige Ansätze ein, die den etablierten Unternehmen als Impuls für neue, mutige Wege dienen.
Wesentlich ist der physische Campus selbst. Auf dem Gelände stehen Office- und Coworking-Flächen zur Verfügung, die Start-ups sowohl eine flexible Infrastruktur als auch Raum für Skalierung bieten.
Darüber hinaus bietet der Hub ein modulares Membership-Programm, das auf die individuellen Bedürfnisse der Start-ups zugeschnitten ist. So können Gründer gezielt die Services auswählen, die für ihr Geschäftsmodell und ihre Wachstumsphase relevant sind. Insbesondere der Zugang zu Beratungsleistungen für die Bereiche Förderung und Finanzierung, Recht und Steuern sowie Marketing und Buchhaltung bilden die entscheidende Basis für den Aufbau eines erfolgreichen Business.
Für internationale Start-ups steht zudem unser Softlanding Programm bereit, das den Einstieg in den deutschen Markt erleichtert, regulatorische und kulturelle Hürden adressiert und den direkten Zugang zu regionalen Akteuren wie Verbänden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und sowohl Peers als auch etablierten Corporates ermöglicht.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen? Wie gelingt der Transfer von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen?
Die Zusammenarbeit des Hubs mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen dient vor allem dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in industrielle Anwendungen zu überführen. Durch die engen Kooperationen werden Start-ups und Spin-offs frühzeitig unterstützt, Forschungsideen rasch in Prototypen und Pilotlösungen zu verwandeln.
Und natürlich einfach Lust aufs Gründen zu machen.
Die vermehrten Gründungsaktivitäten in der Region werden vor allem im kommenden Jahr eine große Rolle im Hub spielen. Priorisiert werden dementsprechend die Integration neuer Teams in die bestehende Community und inhaltliche Unterstützung von neuen unternehmerischen Persönlichkeiten.
Wie unterstützt der de:hub Stuttgart Unternehmen dabei, ihre Produktions- und Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten?
Uns ist wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem sich junge Teams von Beginn an auf die stetige Weiterentwicklung ihrer Lösung konzentrieren können und ihnen zugleich der Einstieg in den Markt durch den Netzwerkeffekt vereinfacht gelingt.
Unserer Meinung nach ist es unabdingbar den Teams bereits von Anfang an finanziell unter die Arme zu greifen. Nicht zwingend durch Investments, sondern durch kostenlose bis hochattraktive Bürokonditionen. Der Netzwerkeffekt durch die physische Eingliederung in eine lebendige Community kombiniert mit einem angebotsreichen Ökosystem ergibt sich hieraus fast automatisch. Mit welchen Services wir darüber hinaus unterstützen, benannten wir bereits vorab.
Unterm Strich können wir als Hub befähigen und antreiben, intrinsisch motiviert zur Ausgründung und Skalierung müssen die Teams nach wie vor selbst sein.
Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – sowohl für Startups als auch für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der Region Stuttgart?
Der Erfolg unserer Aktivitäten zeigt sich vor allem daran, ob der Campus lebt: Wenn er gut gefüllt ist, Menschen gerne hier arbeiten und unsere Community wächst. Besonders wertvoll ist für uns das Feedback aus der Community wie etwa, wenn Start-ups oder Unternehmen berichten, dass über unsere Innovationsformate neue Leads entstanden sind und konkrete Kooperationen angestoßen wurden. Entscheidend ist, ob aus Vernetzung konkrete Wertschöpfung entsteht. Die Leistung der Gründungsteams lässt sich zudem u. a. anhand ihrer wachsenden Sichtbarkeit, in ihrer zunehmenden Etablierung innerhalb von Branchen oder in ihrer Aktivität auf internationalen Märkten messen.
Wenn Start-ups aus unserem Umfeld an Dynamik gewinnen und gleichzeitig etablierte Unternehmen neue Innovationsimpulse mitnehmen, ist das für uns ein sehr greifbarer Maßstab für den Erfolg unserer Arbeit, unserer Community. Wir messen Zufriedenheit und Weiterempfehlungsquote unserer Partner sehr genau, denn langfristige Kundenbeziehungen und eine hohe Auslastung unseres Campus sind Ausdruck echten Mehrwerts für die Region und das Ökosystem.
Darüber hinaus betrachten wir die Entwicklung der Community als strategischen Erfolgsfaktor für die Region Stuttgart. Eine engagierte, interdisziplinäre Community, die aktiv kooperiert und Wissen teilt, stärkt die Innovationsfähigkeit des Standorts nachhaltig und zieht national wie international Leistungsträger und Unternehmen langfristig an.
Welche Ziele verfolgt der de:hub Stuttgart – Future Industries in den kommenden Jahren, um den Weg in eine digitale und smarte Industrie weiter zu ebnen?
Der de:hub Future Industries Stuttgart verfolgt in den kommenden Jahren das klare Ziel, den industriellen Mittelstand konsequent bei der Transformation hin zu einer digitalen, KI-gestützten und resilienten Industrie zu begleiten. Im Fokus stehen der praxisnahe Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien sowie deren konkrete Anwendung in Produktion, Entwicklung und Wertschöpfungsketten.
Gleichzeitig bauen wir unser Ökosystem strategisch weiter aus. Durch die gezielte Einbindung internationaler Start-ups, die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie die Stärkung unserer Community als kollaborative Innovationsplattform. Unser Anspruch ist es, Stuttgart als führenden Innovationsstandort für Future Industries in Europa zu positionieren und belastbare Netzwerke zu schaffen, die langfristig Wettbewerbsfähigkeit sichern. Der Hub soll nicht nur Impulsgeber sein, sondern ein produktiver Arbeitsraum, in dem Innovation systematisch entsteht und in industrielle Realität überführt wird.
Bildrechte/ Fotograf Ingrid Hertfelder
Wir bedanken uns bei Dr. Julian Lohf für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


























