Freitag, August 28, 2026
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Spheri: 3D-Konfiguratoren und AR-Content ganz ohne Programmierkenntnisse

Spheri macht 3D für Unternehmen einfacher zugänglich und ermöglicht es, Content wie Produktbilder, Konfiguratoren, Animationen und AR-Anwendungen selbst zu erstellen.

Können Sie Spheri kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Entwicklung der Plattform entstanden ist?

Die Idee zu Spheri entstand aus meiner langjährigen Erfahrung in der Produktion von 3D-Content. Viele unserer Kunden besitzen bereits 3D- oder CAD-Modelle ihrer Produkte und haben uns immer wieder gefragt: Warum müssen diese Modelle für hochwertige Visualisierungen eigentlich neu erstellt werden, wenn die Daten bereits vorhanden sind?

Das Problem ist, dass vorhandene CAD-Daten häufig nicht direkt für hochwertige Renderings geeignet sind. Gleichzeitig steckt in ihnen aber bereits sehr viel Potenzial – zum Beispiel für Konfiguratoren, AR oder andere digitale Anwendungen.

Daraus entstand die Idee, all diese Prozesse in einem einfachen Self-Service zusammenzuführen. Spheri soll Unternehmen ermöglichen, vorhandene 3D-Daten zu strukturieren und daraus selbst Konfiguratoren, Produktbilder, Animationen, AR-Anwendungen und Marketing-Content zu erstellen.

Dabei wollte ich möglichst viele technische Hürden entfernen. Selbst Materialien lassen sich beispielsweise sehr einfach digitalisieren: Man fotografiert eine Oberfläche mit dem Smartphone, und Spheri erstellt daraus ein Material, das anschließend auf unterschiedlichen Produkten verwendet werden kann.

Sie haben Spheri selbst entwickelt. Welche Erfahrungen und Überlegungen haben Sie auf diesem Weg besonders geprägt?

Ich beschäftige mich seit rund 20 Jahren professionell mit 3D-Visualisierung. In dieser Zeit hat sich der Markt grundlegend verändert.

Das technische Wissen ist heute weltweit verfügbar, Software und hochwertige Asset-Bibliotheken sind wesentlich zugänglicher geworden und das Qualitätsniveau hat sich stark angeglichen. Gleichzeitig bauen immer mehr Hersteller eigene 3D-Abteilungen auf und möchten Content intern produzieren.

Ich habe aber beobachtet, dass genau dort häufig eine neue Herausforderung entsteht: Die Unternehmen besitzen zwar die Modelle und Mitarbeiter, aber ihnen fehlt ein einfacher, skalierbarer Produktionsprozess. Für tausende Bilder, Konfiguratoren oder unterschiedliche Produktvarianten braucht man plötzlich wieder spezialisierte Artists, Entwickler und eigene Pipelines.

Meine Überlegung war deshalb: Wenn Unternehmen ihren Content ohnehin zunehmend selbst produzieren möchten, warum geben wir ihnen nicht ein Werkzeug, mit dem sie das professionell und skalierbar tun können?

Welche Vision verfolgen Sie mit Spheri, und wie möchten Sie die 3D Produktkommunikation im E Commerce verändern?

Meine Vision ist, dass die Erstellung von 3D- und Marketing-Content irgendwann genauso selbstverständlich wird wie heute das Erstellen einer Website.

Ein Händler sollte beispielsweise sein Produkt fotografieren können und daraus automatisch ein verwendbares 3D-Modell erhalten. Wenige Minuten später entstehen daraus Produktbilder, Konfiguratoren, AR und Marketing-Content, der direkt im eigenen Online-Shop veröffentlicht werden kann.

Ändert sich später eine Farbe, ein Material oder eine Produktvariante, wird diese Änderung zentral vorgenommen und kann anschließend auf allen relevanten Kanälen aktualisiert werden.

Von diesem Ziel sind einige Technologien – insbesondere die automatische Generierung wirklich produktionsfähiger 3D-Modelle – noch nicht weit genug entfernt. Aber genau in diese Richtung soll sich Spheri entwickeln.

An welche Unternehmen richtet sich Spheri, und welche Herausforderungen möchten Sie für Marketing und Produktteams lösen?

Aktuell richten wir uns vor allem an Hersteller und Händler physischer Produkte, insbesondere aus den Bereichen Möbel, Home & Living und vergleichbaren Branchen.

Interessant ist Spheri überall dort, wo viele Produktvarianten existieren, regelmäßig neuer Content benötigt wird oder Kunden Produkte vor dem Kauf besser verstehen und erleben sollen.

Unternehmen können damit Produktionskosten für Content reduzieren, schneller auf neue Anforderungen reagieren und beispielsweise durch 3D-Konfiguratoren und AR zusätzliche Informationen für die Kaufentscheidung bereitstellen.

Grundsätzlich kann Spheri aber von jedem Unternehmen genutzt werden, das bereits über 3D-Modelle verfügt oder diese über uns erstellen lassen möchte.

Viele Unternehmen verfügen weder über Programmierkenntnisse noch über eigenes 3D Know how. Wie senkt Spheri diese Einstiegshürden?

Wir haben versucht, die Komplexität konsequent hinter einem einfachen UI zu verstecken.

Ein Nutzer muss nicht verstehen, wie Polygone, UV-Mappings oder Shader funktionieren. Ebenso wenig muss er wissen, wie die Logik eines Konfigurators programmiert wird.

Spheri führt den Nutzer Schritt für Schritt durch den Prozess. Auf jedem relevanten Bildschirm erklären wir, warum dieser Schritt notwendig ist und was dort gemacht werden soll.

Auch komplexere Konfiguratorlogiken werden visuell über Blueprints aufgebaut. Prozesse, für die normalerweise individuelle Programmierung notwendig wäre, können so über wenige verständliche Schritte definiert werden.

Im Idealfall fühlt sich die Arbeit mit 3D dadurch weniger wie die Bedienung einer professionellen 3D-Software und mehr wie ein kreatives Tool oder sogar ein Spiel an. Das wichtigste Wissen, das der Nutzer mitbringen muss, ist das Wissen über sein eigenes Produkt.

Was macht Spheri aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen 3D Agenturen oder anderen Visual Commerce Lösungen?

Für mich ist der wichtigste Unterschied die Unabhängigkeit.

Bei einer klassischen Produktion entstehen Briefings, Abstimmungen, Angebote, Korrekturschleifen und Wartezeiten. Selbst kleine Änderungen können dadurch wieder einen neuen Prozess auslösen.

Mit Spheri hat der Nutzer den gesamten Workflow vor sich und kann Änderungen selbst vornehmen.

Wie schnell das gehen kann, hat mich selbst überrascht: Für ein Demo habe ich ein fremdes 3D-Modell eines modularen Sofas aus einer öffentlichen Produktdatenbank genommen. Rund 20 Minuten später hatte ich daraus verschiedene Studio- und Interior-Visualisierungen in mehreren Farben sowie einen veröffentlichten modularen Konfigurator mit unterschiedlichen Varianten und AR-Funktion erstellt.

Als ich die Aufnahme anschließend angesehen habe, habe ich mich tatsächlich gefragt, welchen Arbeitsschritt ich vergessen hatte – weil es im Vergleich zu einem klassischen Produktionsprozess ungewöhnlich schnell ging.

Unternehmen können aus bestehenden 3D Modellen Produktbilder, Animationen, Konfiguratoren und AR Anwendungen erstellen. Welche Vorteile entstehen dadurch im Arbeitsalltag?

Ein konkretes Beispiel aus meiner bisherigen Arbeit zeigt das sehr gut.

Ein großer Möbelhersteller kann bereits eigene 3D-Modelle und Materialien produzieren. Trotzdem werden für Konfiguratoren externe Entwickler benötigt und für Marketingkampagnen wiederum externe 3D-Produktion.

Für eine einzelne Kampagne mit verschiedenen Produktbildern, Interior-Szenen und Abstimmungsschleifen kann der gesamte Prozess schnell mehrere Wochen dauern.

Wenn die verantwortliche Person im Marketing stattdessen direkten Zugriff auf das digitale Produkt hat, kann sie viele dieser Aufgaben selbst erledigen. Neue Farbe, neue Konfiguration oder eine neue Kampagne bedeutet dann nicht automatisch ein neues Briefing und eine weitere Produktionsschleife.

Das verändert vor allem die Geschwindigkeit und gibt den Menschen, die wissen, welchen Content sie benötigen, wesentlich mehr Kontrolle über das Ergebnis.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bereits bei Spheri, und welches Potenzial sehen Sie für die weitere Entwicklung?

KI setzen wir dort ein, wo sie dem Nutzer komplizierte Arbeit abnehmen kann.

Ein Beispiel sind Materialien: Der Nutzer kann eine reale Oberfläche fotografieren und Spheri erzeugt daraus ein verwendbares digitales Material.

Ein zweiter wichtiger Bereich ist die Content-Produktion. In unserer Content Studio kann der Nutzer Kameras, Licht, Produktvarianten und Szenen definieren. Anschließend kann KI aus einem technisch kontrollierten 3D-Rendering eine deutlich realistischere Marketingvisualisierung erzeugen.

Der entscheidende Punkt ist dabei: Die KI soll nicht das Produkt neu erfinden. Das 3D-Modell gibt Produkt, Perspektive und Material vor, während KI dabei hilft, die visuelle Qualität und Inszenierung zu verbessern.

Auch unser Location Builder nutzt KI, wobei der Nutzer keine komplizierten Prompts schreiben muss, sondern über eine einfache Auswahl zum gewünschten Ergebnis geführt wird.

Sobald KI-generierte 3D-Modelle zuverlässig die Qualität und technische Struktur erreichen, die für reale Produktvisualisierung notwendig ist, möchte ich auch diesen Schritt integrieren. Momentan ist mir die Kontrolle über die Produktqualität dafür noch wichtiger.

Wie verändert 3D Ihrer Einschätzung nach die Art, wie Kunden Produkte im Onlinehandel entdecken und Kaufentscheidungen treffen?

Bei einem physischen Produkt fehlt im Onlinehandel etwas Entscheidendes: Der Kunde kann es nicht anfassen, ausprobieren oder in seiner eigenen Umgebung sehen.

3D kann diese Informationslücke deutlich verkleinern. Ein Produkt kann aus jedem Winkel betrachtet, konfiguriert und in unterschiedlichen Materialien oder Varianten erlebt werden. Mit AR kann der Kunde zusätzlich sehen, wie beispielsweise ein Möbelstück in der eigenen Umgebung wirkt.

Für mich geht es deshalb nicht darum, klassische Produktbilder zu ersetzen. Es geht darum, dem Kunden mehr Sicherheit bei einer Kaufentscheidung zu geben – besonders bei Produkten mit vielen Varianten oder bei Produkten, bei denen Größe, Material und Wirkung im Raum entscheidend sind.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung einer Plattform meistern, die komplexe 3D Technologien möglichst einfach zugänglich machen soll?

Die größte Herausforderung war nicht, möglichst viele Funktionen zu entwickeln, sondern Komplexität zu entfernen.

Als jemand, der seit vielen Jahren mit 3D arbeitet, empfindet man viele Prozesse irgendwann als selbstverständlich. Für jemanden aus dem Marketing sind Begriffe wie UV-Mapping, Shader oder Rendering-Pipeline dagegen vollkommen irrelevant.

Ich musste deshalb immer wieder versuchen, Spheri aus der Perspektive eines Menschen zu betrachten, der diese Dinge nicht kennt und auch nicht kennen möchte.

Eine komplexe Technologie ist aus meiner Sicht erst dann wirklich gut gelöst, wenn der Nutzer die Komplexität dahinter nicht mehr wahrnehmen muss.

Welche neuen Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei Spheri als Nächstes auf der Roadmap?

Der nächste große Schritt ist für mich weniger eine weitere Liste neuer Funktionen, sondern echtes Kundenfeedback.

Die Funktionen, die ich aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als 3D-Artist und Entwickler für notwendig halte, sind inzwischen weitgehend integriert. Jetzt möchte ich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen onboarden und beobachten, welche Anforderungen im realen Einsatz entstehen.

Vielleicht benötigen bestimmte Produkte komplexere Konfiguratorlogiken, andere Integrationen oder einen noch einfacheren Workflow. Auf Basis dieses Feedbacks möchte ich UI, UX und Funktionen gezielt weiterentwickeln.

Mein wichtigstes Ziel soll dabei immer erhalten bleiben: Einfachheit. Ich möchte, dass jemand Spheri öffnet und eine neue Kampagne für sein Produkt erstellt – nicht nur, weil er es tun muss, sondern weil es ihm Spaß macht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine technisch anspruchsvolle Softwarelösung von Grund auf entwickeln möchten?

Erstens: Das Problem verstehen, bevor man die Technologie entwickelt. Eine technisch beeindruckende Lösung ist wertlos, wenn sie kein echtes Problem löst.

Zweitens: Komplexität gehört in das System, nicht zum Nutzer. Gerade bei technisch anspruchsvoller Software sollte das Ziel sein, dass der Nutzer möglichst wenig von der technischen Komplexität bemerkt.

Drittens: Das Produkt selbst benutzen. Ich habe Spheri während der Entwicklung immer wieder so verwendet, als wäre ich selbst Kunde. Dadurch fallen sehr schnell Dinge auf, die auf dem Papier logisch erscheinen, im Alltag aber unnötig kompliziert sind.

Fotocredits privat

Wir bedanken uns bei Michael Bendus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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