Donnerstag, August 27, 2026
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Telekinesis: Wie Roboter durch Physical AI ein eigenes Betriebssystem bekommen

Telekinesis entwickelt ein Betriebssystem für Physical AI, das Roboter intelligenter, anpassungsfähiger und einfacher einsetzbar machen soll.

Telekinesis ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year

Bitte stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Telekinesis?

Telekinesis ist ein Spin-off des Labors für Intelligente Autonome Systeme (IAS) an der TU Darmstadt, das von Prof. Jan Peters geleitet wird – einer der führenden Forschungsgruppen im Bereich Robotik und KI. Gegründet von Suman Pal und Arjun Vir Datta, haben wir jahrelang an der Spitze der Roboterlern- und Physical-AI-Forschung gearbeitet und dabei aus erster Hand erfahren, wie schwierig es noch immer ist, Roboter zuverlässig in der realen Welt einzusetzen. Wir haben Telekinesis gegründet, um dieses Problem zu lösen. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – den „Android“ für Roboter. Das Betriebssystem verleiht Robotern die Fähigkeit, neue Aufgaben zu verstehen, zu erlernen und sich an sie anzupassen. Unsere Vision ist es, intelligente Roboter in der Fertigung und letztlich auch im Haushalt skalierbar einsetzbar zu machen.

Was hat euch motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen bestimmten Moment oder Auslöser?

Der Auslöser war unsere eigene Erfahrung in der Robotikforschung. Selbst an der Spitze des Roboterlernens stellten wir fest, dass wir enorm viel Zeit mit der Programmierung, Integration und Fehlersuche bei Robotern verbrachten, statt ihnen neue Fähigkeiten beizubringen. Es wurde klar, dass sich die Technologie zwar rasant weiterentwickelte, die Software, die Roboter wirklich intelligent und anpassungsfähig macht, jedoch noch fehlte. Diese Erkenntnis hat uns motiviert, das Labor zu verlassen und Telekinesis aufzubauen: Wir wollten die Durchbrüche beim Roboterlernen in ein Betriebssystem überführen, das intelligente Roboter in der realen Welt praktisch nutzbar und skalierbar macht.

Welche Vision verfolgt ihr mit Telekinesis? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, intelligente Roboter ebenso allgegenwärtig zu machen wie Computer und Smartphones. Wir wollen die Robotik von starren Maschinen für einen einzigen Zweck hin zu Robotern entwickeln, die Anweisungen verstehen, neue Fähigkeiten erlernen und sich an veränderte Umgebungen anpassen können. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – die KI-Schicht, die Robotern eine vielseitig einsetzbare Intelligenz verleiht. Langfristig soll jeder Roboter – von der Fabrikhalle bis zum Zuhause – von einem intelligenten Betriebssystem angetrieben werden.

Vom ersten Gedanken bis heute: Was waren eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung strukturiert?

Die größte Herausforderung bestand darin, modernste Robotikforschung in eine Technologie zu überführen, die in der realen Welt zuverlässig funktioniert. Forschungsprototypen können zeigen, was möglich ist; ein Produkt zu entwickeln, das mit unterschiedlichen Robotern, Aufgaben und industriellen Umgebungen funktioniert, ist eine ganz andere Herausforderung. Wir haben zunächst aus eigenen Mitteln finanziert und eng mit Kundinnen und Kunden zusammengearbeitet. Als wir den Schritt von der Forschung zum Produkt vollzogen, holten wir strategische Investoren und führende Venture-Capital-Gesellschaften an Bord, die unsere Vision teilen. So konnten wir unseren technischen Anspruch beibehalten und gleichzeitig die Technologie in realen Einsätzen validieren.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer gehört zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere primäre Zielgruppe sind produzierende Unternehmen, insbesondere KMU und der deutsche Mittelstand, für die sich Automatisierung historisch oft nur schwer rechtfertigen ließ, weil jede neue Anwendung einen erheblichen Programmier-, Integrations- und Engineering-Aufwand erforderte. Diese Unternehmen arbeiten häufig mit einer hohen Variantenvielfalt und kleinen Stückzahlen und fertigen viele unterschiedliche Produkte oder Varianten in relativ kleinen Losgrößen. Klassische Roboter sind äußerst effektiv, wenn sie dieselbe Aufgabe wiederholt ausführen, lassen sich jedoch deutlich schwieriger einsetzen, wenn sich die Produktion häufig ändert. Genau hier sehen wir die größte Chance.

Unser Agentic OS macht Roboter flexibler und einfacher einsetzbar, sodass sie sich an neue Aufgaben anpassen können, anstatt bei jeder Produktionsänderung umfangreich neu programmiert werden zu müssen. Dadurch kann Automatisierung für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll werden, die den Kosten- oder Komplexitätsaufwand für den Einsatz von Robotern bisher nicht rechtfertigen konnten. Parallel arbeiten wir mit Systemintegratoren und Roboterherstellern zusammen, um diese Fähigkeit in eine deutlich größere Zahl von Fabriken zu bringen.

Wie funktioniert Telekinesis konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz gegenüber bestehenden Lösungen?

Im Kern steht unser Agentic Operating System, das KI-gestütztes Schlussfolgern mit einer Bibliothek wiederverwendbarer Roboterfähigkeiten verbindet. Anstatt jede Aufgabe von Grund auf zu programmieren, kann eine Nutzerin oder ein Nutzer beschreiben, was der Roboter tun soll. Das System ermittelt, wie die Aufgabe ausgeführt werden kann, kombiniert die erforderlichen Fähigkeiten und führt sie auf dem Roboter aus. Der entscheidende Vorteil ist die Intelligenz. Die klassische Robotik wird weitgehend Aufgabe für Aufgabe und Roboter für Roboter programmiert. Unser Ansatz ermöglicht es, Intelligenz und Fähigkeiten über verschiedene Aufgaben, Umgebungen und Roboter hinweg wiederzuverwenden – dadurch lassen sich Roboter schneller und kostengünstiger einsetzen.

Ihr seid Finalist für den „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Es ist eine großartige Anerkennung sowohl für unser Team als auch für die Technologie, die wir entwickeln. Da wir aus der Region FrankfurtRheinMain und der TU Darmstadt kommen, ist es besonders bedeutungsvoll, in unserer Heimatregion anerkannt zu werden. Für uns ist es außerdem eine Bestätigung, dass der Wandel von modernster Robotikforschung hin zu einem echten Unternehmen an Dynamik gewinnt. Der nächste Schritt besteht darin, diese Dynamik in weitere Einsätze, mehr Kundinnen und Kunden und letztlich in ein globales Robotik-Softwareunternehmen zu übersetzen.

Wohin geht die Reise? Wo seht ihr euch und Telekinesis in fünf Jahren?

In fünf Jahren soll Telekinesis das De-facto-Betriebssystem für Physical AI sein und Roboter in der Fertigung sowie in anderen realen Anwendungen weltweit antreiben. Unser Ziel ist nicht einfach, ein weiteres Robotik-Softwareunternehmen aufgebaut zu haben. Wir wollen den Softwarestandard etablieren, der es Millionen von Robotern ermöglicht, intelligente und anpassungsfähige Maschinen zu werden.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Früh mit Kundinnen und Kunden sprechen: Verbringt nicht Jahre damit, etwas zu entwickeln, bevor ihr herausgefunden habt, ob Menschen es tatsächlich brauchen.

Scheitern annehmen: Ihr werdet deutlich häufiger scheitern, als ihr erfolgreich sein werdet. Lernt schnell, passt euch an und macht weiter.

Groß denken, aber konsequent umsetzen: Habt eine Vision, die beinahe unmöglich erscheint, und konzentriert euch dann jeden Tag auf den nächsten konkreten Schritt, um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Bildcredits Telekinesis GmbH

Wir bedanken uns bei Arjun Datta und Suman Pal für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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