Freitag, September 4, 2026
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Bidivo: Neue Plattform lässt Creator Live-Auktionen für ihre Community starten

Bidivo bringt Creator und Community auf einer Auktionsplattform zusammen und verbindet besondere Gegenstände und Geschichten mit neuen Möglichkeiten der Monetarisierung.

Können Sie Bidivo kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

Bidivo ist eine Auktionsplattform für Streamer und Content Creator. Creator können dort besondere Gegenstände, Einzelstücke, Erlebnisse oder Produkte mit einer Geschichte direkt an ihre Community versteigern.

Die Idee entstand aus der Frage, welche zusätzlichen Monetarisierungsmöglichkeiten es für kleinere Creator gibt. Twitch, YouTube, TikTok und Instagram erreichen Millionen von Menschen und rund um Creator ist ein großer Markt entstanden. Trotzdem profitieren vor allem reichweitenstarke Accounts von Werbung, Sponsoring und anderen klassischen Einnahmequellen.

Ein kleiner Creator kann bereits eine sehr engagierte Community haben und trotzdem kaum Geld mit seinem Content verdienen. Genau hier möchten wir mit Bidivo eine zusätzliche Möglichkeit schaffen.

Uns geht es dabei nicht darum, einfach einen weiteren Onlineshop für Creator zu bauen. Bei Bidivo steht die Geschichte hinter einem Gegenstand oder einer Auktion im Mittelpunkt. Ein Objekt kann für die Allgemeinheit einen normalen Wert haben, für einen Fan aber etwas Besonderes sein, weil er den dazugehörigen Moment im Stream selbst miterlebt hat.

Wer steht hinter Bidivo, und welche Erfahrungen haben Sie beim Aufbau des Unternehmens besonders geprägt?

Hinter Bidivo stehe ich, Thorben Stillahn, als Gründer.

Die Plattform selbst ist inzwischen fertig entwickelt und technisch einsatzbereit. Aktuell befinden wir uns in der Phase, in der wir das Konzept gemeinsam mit Creatorn in der Praxis testen möchten.

Dafür suchen wir bewusst zunächst kleinere Streamer und Content Creator. Gleichzeitig bauen wir einen Creator Pool auf, über den wir Creator miteinander verbinden und zukünftig gemeinsame Aktionen ermöglichen möchten.

Eine der wichtigsten Erfahrungen beim Aufbau war für mich, dass eine technisch funktionierende Plattform nur ein Teil des Produkts ist. Entscheidend ist, ob Creator tatsächlich einen Mehrwert darin sehen und ob daraus Formate entstehen, die für ihre Communities interessant sind.

Deshalb möchten wir jetzt nicht einfach möglichst viele Nutzer registrieren, sondern gemeinsam mit ausgewählten Creatorn herausfinden, welche Auktionsideen, Funktionen und Content Formate in der Praxis wirklich funktionieren.

Viele kleinere Creator haben bereits eine engagierte Community, erzielen aber noch wenig Einnahmen. Warum sehen Sie gerade hier eine Marktlücke?

Weil Reichweite und Community zwei unterschiedliche Dinge sind.

Ein Creator mit 2.000 oder 5.000 Followern kann eine sehr aktive Community haben. Vielleicht schauen dieselben Menschen regelmäßig die Streams, kennen Insider, beteiligen sich am Chat und verfolgen den Creator schon seit Jahren.

Trotzdem ist diese Reichweite für größere Sponsoren häufig noch nicht interessant genug und auch Werbeeinnahmen oder Abonnements reichen oftmals nicht aus, um damit relevante Einnahmen zu erzielen.

Für einen Fan kann die Beziehung zu diesem Creator aber trotzdem sehr stark sein.

Genau darin sehen wir die Chance. Bei Bidivo muss ein Creator nicht zwingend hunderttausende Menschen erreichen. Wenn eine kleinere Community wirklich engagiert ist, kann ein besonderer Gegenstand oder eine kreative Auktion bereits interessant sein.

Damit möchten wir eine Monetarisierungsmöglichkeit schaffen, bei der nicht ausschließlich die Anzahl der Follower entscheidet.

Bei Bidivo werden Gegenstände versteigert, die durch Streams, Clips oder persönliche Geschichten einen besonderen Wert erhalten. Wie wichtig ist diese emotionale Verbindung für das Konzept?

Sie ist ein zentraler Bestandteil von Bidivo.

Nehmen wir als einfaches Beispiel ein Gaming Headset. Auf einem normalen Gebrauchtwarenportal wird dieses Headset hauptsächlich anhand von Marke, Zustand und ursprünglichem Kaufpreis bewertet.

Wenn es aber das Headset ist, das ein Streamer über Jahre getragen hat und das die Community aus hunderten Streams kennt, verändert sich die Bedeutung.

Ähnlich kann es mit einem Kleidungsstück aus einem bekannten Clip, einem Gegenstand aus dem Hintergrund eines Streams, einem selbst gemalten Bild oder einer Trophäe aus einer Community Challenge sein.

Der materielle Wert und der emotionale Wert sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Bidivo soll einen Ort schaffen, an dem genau diese Geschichten erzählt werden können. Im besten Fall kauft ein Fan also nicht einfach einen Gegenstand, sondern ein Stück Erinnerung an einen Creator und dessen Content.

Creator können Auktionen direkt in ihre Streams integrieren und gemeinsam mit ihrer Community verfolgen. Wie wird aus Monetarisierung dadurch neuer Content?

Das ist für mich einer der spannendsten Aspekte des Konzepts.

Über unser Live Overlay können Auktionen direkt in einen Stream integriert werden. Dadurch können Zuschauer beispielsweise verfolgen, wie sich Gebote entwickeln und wie lange eine Auktion noch läuft.

Creator können daraus aber weit mehr machen als nur einen Verkauf.

Ein Beispiel wäre eine Community Challenge. Schafft die Community eine bestimmte Aufgabe, muss der Streamer einen vorher festgelegten persönlichen Gegenstand zur Auktion freigeben.

Eine andere Idee ist eine Mystery Box aus dem Streaming Zimmer. Der Creator packt während des Streams mehrere Gegenstände hinein, ohne den vollständigen Inhalt zu verraten. Erst später wird aufgelöst, was der Gewinner tatsächlich bekommt.

Auch ein Kunstwerk kann direkt im Stream entstehen. Die Community verfolgt den kompletten Entstehungsprozess und anschließend wird genau dieses Unikat versteigert.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Streamer Battle. Mehrere Creator treten gegeneinander an und jeder stellt einen besonderen Gegenstand zur Verfügung. Am Ende wird verglichen, welche Auktion das höchste Gebot erreicht.

Oder man verbindet Gaming direkt mit der Auktion. Beispielsweise kann bei jedem verlorenen Match ein Gegenstand aus einem vorher festgelegten Pool für eine Auktion freigegeben werden.

Damit wird aus der Monetarisierung selbst ein Content Format. Die Auktion läuft nicht irgendwo im Hintergrund, sondern kann Spannung erzeugen, Interaktion fördern und dem Creator eine neue Idee für seinen Stream geben.

Mit „Creator werben Creator“ möchten Sie Reichweiten miteinander verbinden. Wie kann dieses Prinzip insbesondere kleineren Creatorn beim Wachstum helfen?

Kleinere Creator haben häufig ein klassisches Problem. Um zu wachsen, brauchen sie Reichweite. Gleichzeitig fehlen ihnen am Anfang genau die Reichweite und das Budget, um effektiv Werbung zu machen.

Deshalb möchten wir mit Bidivo einen Creator Pool aufbauen und Creator stärker miteinander verbinden.

Das Prinzip „Creator werben Creator“ soll ermöglichen, dass Creator interessante Auktionen anderer Creator ihrer eigenen Community vorstellen und dafür selbst profitieren können.

Ein Gaming Creator könnte beispielsweise auf die Auktion eines anderen Gaming Creators aufmerksam machen, wenn das Produkt oder die Geschichte für seine eigene Community interessant ist.

Dadurch entsteht nicht nur Werbung für eine Auktion. Gleichzeitig entdeckt ein Teil der Community vielleicht einen neuen Creator.

Besonders spannend wird das bei gemeinsamen Formaten. Zwei Creator könnten gegeneinander antreten, gemeinsam eine Charity Auktion veranstalten oder sich gegenseitig Produkte für eine Challenge zur Verfügung stellen.

Unser Ziel ist ein Netzwerk, bei dem Creator nicht ausschließlich versuchen, ihre eigene Reichweite zu vergrößern, sondern gegenseitig von ihren Communities profitieren können.

Eine zusätzliche Einnahmequelle klingt attraktiv. Wie verhindern Sie gleichzeitig, dass die Beziehung zwischen Creator und Community zu stark kommerzialisiert wird?

Indem nicht die Anzahl der Verkäufe im Mittelpunkt steht, sondern die Qualität und die Geschichte einer Auktion.

Wir möchten nicht, dass ein Creator jeden Tag irgendeinen Gegenstand verkauft. Das würde sehr schnell seinen Reiz verlieren und könnte bei einer Community verständlicherweise als zu kommerziell wahrgenommen werden.

Eine Bidivo Auktion sollte idealerweise einen Anlass haben.

Vielleicht endet eine große Challenge. Oder das Streaming Setup wird umgebaut. Vielleicht ist während eines Streams etwas Besonderes entstanden. Oder die Community entscheidet gemeinsam, welcher Gegenstand versteigert werden soll.

Wenn eine Auktion organisch aus dem Content entsteht, wird sie weniger als klassische Werbung wahrgenommen und kann stattdessen Teil des Community Erlebnisses werden.

Außerdem entscheidet jeder Creator selbst, was er anbietet und wie häufig er Bidivo nutzt. Wir möchten dafür die Infrastruktur bereitstellen, aber nicht vorgeben, dass ständig monetarisiert werden muss.

Der Erfolg eines Marktplatzes hängt davon ab, genügend Anbieter und Käufer zusammenzubringen. Wie möchten Sie diese Herausforderung bei Bidivo lösen?

Das ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für jeden neuen Marktplatz.

Bei Bidivo haben wir allerdings einen besonderen Vorteil. Creator bringen einen Teil der potenziellen Käufer bereits selbst mit. Die Community existiert auf Twitch, YouTube, TikTok, Instagram oder anderen Plattformen bereits.

Unser Ziel ist deshalb zunächst nicht, Millionen Nutzer direkt auf Bidivo zu holen. Wir möchten mit einer überschaubaren Anzahl kleiner Creator funktionierende Auktionen und interessante Content Formate testen.

Genau deshalb suchen wir aktuell gezielt kleine Creator für unseren Proof of Concept und bauen parallel unseren Creator Pool auf.

Wenn ein Creator eine spannende Auktion startet, bringt er seine Community mit. Durch unser Creator werben Creator Prinzip kann zusätzlich die Community anderer Creator erreicht werden.

Mit jeder erfolgreichen Auktion lernen wir außerdem mehr darüber, welche Gegenstände und Formate gut funktionieren.

Für uns sind in dieser Phase zehn Creator mit wirklich interessanten Auktionen wertvoller als tausend registrierte Creator, die die Plattform anschließend nicht nutzen.

Twitch, YouTube, TikTok und Instagram bieten Creatorn bereits unterschiedliche Monetarisierungsmöglichkeiten. Was soll Bidivo bewusst anders machen?

Wir möchten diese Möglichkeiten nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Subscriptions, Werbung, Donations, Sponsoring, Affiliate Marketing und Merch haben alle ihre Berechtigung.

Bei fast allen diesen Modellen spielt Reichweite allerdings eine sehr große Rolle.

Bidivo setzt an einem anderen Punkt an. Bei uns geht es stärker um die Verbindung zwischen Creator, Community, Gegenstand und Geschichte.

Beim klassischen Merch werden beispielsweise hundert oder tausend identische Produkte hergestellt. Bei Bidivo kann es genau ein einziges Produkt geben.

Ein Gegenstand aus einem besonderen Stream existiert vielleicht nur einmal. Ein Kunstwerk, das live entstanden ist, ist ein Unikat. Ein signierter Challenge Pokal gehört anschließend genau einem Fan.

Wir möchten also nicht einfach noch einen weiteren Merch Shop bauen, sondern eine neue Kategorie innerhalb der Creator Monetarisierung etablieren.

Persönliche Gegenstände und Einzelstücke lassen sich nicht unbegrenzt verkaufen. Wie kann daraus trotzdem ein langfristig skalierbares Geschäftsmodell entstehen?

Die Skalierung soll nicht dadurch entstehen, dass ein einzelner Creator jeden Monat hundert persönliche Gegenstände verkauft.

Sie entsteht durch viele Creator und durch die Vielfalt möglicher Auktionsformate.

Ein persönlicher Gegenstand ist dabei nur eine Möglichkeit.

Creator können beispielsweise Dinge speziell für ihre Community entstehen lassen. Ein Künstler kann während eines Livestreams ein Unikat malen. Ein Streamer kann eine Community Challenge veranstalten und den dazugehörigen Pokal anschließend versteigern. Ein Creator kann eine Mystery Box aus seinem Streaming Zimmer zusammenstellen. Zwei Streamer können bei einem Battle jeweils einen Gegenstand bereitstellen. Ein Gaming Creator kann einen Gegenstand abhängig vom Ausgang eines Matches freigeben.

Dadurch können immer wieder neue Auktionen entstehen, ohne dass ein Creator ständig sein persönliches Eigentum verkaufen muss.

Langfristig ist für uns deshalb nicht nur der Handel mit Gegenständen interessant. Besonders spannend ist die Idee, rund um Auktionen neue wiederkehrende Content Formate aufzubauen.

Wenn tausende Creator jeweils nur wenige besondere Auktionen pro Jahr veranstalten, kann daraus bereits ein sehr großer Marktplatz entstehen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Bidivo, und welche weiteren Möglichkeiten für Community-Building und Creator-Kooperationen möchten Sie entwickeln?

Meine Vision ist, dass Bidivo langfristig zu einer Plattform wird, die Creator Monetarisierung, Content und Community miteinander verbindet.

Wenn ein Streamer überlegt, welche besondere Aktion er als Nächstes mit seiner Community machen könnte, soll eine Auktion genauso selbstverständlich als Möglichkeit wahrgenommen werden wie eine Challenge, ein Community Game oder ein besonderes Event.

Der Creator Pool spielt dabei für mich eine wichtige Rolle.

Ich möchte Creator miteinander verbinden, damit daraus gemeinsame Streams, Battles, Charity Aktionen, gegenseitige Empfehlungen und neue Formate entstehen können.

Auch das Live Overlay möchten wir weiterentwickeln. Langfristig soll eine Auktion möglichst interaktiv in einen Stream eingebunden werden können und nicht nur als externer Link daneben existieren.

Ich sehe Bidivo deshalb langfristig nicht ausschließlich als Auktionsplattform. Es soll ein Werkzeug für Creator werden, um neue Einnahmen zu generieren, neue Content Ideen umzusetzen und ihre Community stärker einzubinden.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Geschäftsmodell rund um die Creator Economy aufbauen möchten?

Erstens: Sprecht früh mit kleinen Creatorn.

Es ist einfach, sich ausschließlich auf große Influencer zu konzentrieren. Dabei machen kleinere Creator einen enorm wichtigen Teil der Creator Economy aus. Ihre Probleme und Bedürfnisse können sich außerdem deutlich von denen großer Accounts unterscheiden.

Zweitens: Baut nicht nur ein Monetarisierungsprodukt.

Creator müssen jeden Tag darüber nachdenken, was sie ihren Zuschauern zeigen. Wenn ein Produkt nicht nur Geld verdienen lässt, sondern gleichzeitig neuen Content, Interaktion oder Community Erlebnisse ermöglicht, wird es deutlich interessanter.

Drittens: Testet so früh wie möglich mit echten Communities.

Eine Plattform kann technisch fertig sein und trotzdem kann niemand am Schreibtisch vorhersagen, wie Zuschauer tatsächlich reagieren. Deshalb befinden wir uns mit Bidivo aktuell genau in dieser Phase. Die Plattform steht und jetzt möchten wir gemeinsam mit kleinen Creatorn herausfinden, welche Ideen wirklich funktionieren.

Für mich ist das wahrscheinlich eine der wichtigsten Lektionen beim Aufbau von Bidivo: Nicht die Theorie entscheidet darüber, ob ein Produkt funktioniert, sondern das Verhalten echter Nutzer.

Bildcredits: Thorben Stillahn, privat

Wir bedanken uns bei Thorben Stillahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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