Freitag, September 4, 2026
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Rabot Energy: Wie dynamische Strom-Tarife die Energiewende vorantreiben

Rabot Energy will mit dynamischen Tarifen und intelligent gesteuertem Strom die Energiewende vorantreiben und Haushalte automatisch von günstigen Preisen profitieren lassen.

Können Sie Rabot Energy kurz vorstellen und erzählen, mit welcher Idee Sie das Unternehmen gegründet haben?

Rabot Energy ist ein digitaler und smarter Energieanbieter aus Hamburg, gegründet 2021 gemeinsam mit meinem langjährigen Mitgründer Maximilian Both – unser drittes gemeinsames Unternehmen in der Energiewirtschaft.

Die Idee dahinter: Durch den Ausbau der Erneuerbaren schwanken die Strompreise an der Börse immer stärker. Gleichzeitig gibt es immer mehr Haushalte, die mit E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher flexibel reagieren können. Das klassische Festpreismodell lässt Chancen liegen. Wir hingegen geben die stündlichen Börsenpreise transparent an unsere Kundinnen und Kunden weiter und automatisieren den Verbrauch im Hintergrund. So profitieren sie, ohne sich täglich damit beschäftigen zu müssen.

Der Energiemarkt wurde lange von großen etablierten Unternehmen geprägt. Welche Lücke wollten Sie mit Rabot Energy schließen?

Der klassische Energievertrieb ist um ein statisches Produkt gebaut: fester Preis, eine Abrechnung im Jahr, kaum Interaktion. Das passte zu einem System zentraler Kraftwerke, nicht aber zu einem Stromsystem, das dezentral, volatil und datengetrieben ist.

Was fehlte, war die intelligente Schicht zwischen Markt und Haushalt. Und die entscheidende Lücke ist nicht der dynamische Tarif an sich – den bieten inzwischen mehrere an –, sondern die Optimierung dahinter: dass der Verbrauch automatisch dem Preis folgt, ohne dass jemand auf eine Preiskurve schauen muss. Genau darauf sind wir gebaut.

Dynamische Stromtarife sind für viele Verbraucher noch erklärungsbedürftig. Was muss passieren, damit sie tatsächlich im Massenmarkt ankommen?

Drei Dinge. Erstens die Infrastruktur: Ohne intelligente Messsysteme funktioniert keine finanzielle Optimierung durch Lastverschiebung, und Deutschland ist beim Smart-Meter-Rollout deutlich langsamer als die europäischen Nachbarn. Zweitens die Regulierung: Preissignale müssen bis zum Endkunden durchgereicht werden, auch bei den Netzentgelten. Drittens – und das ist unsere Aufgabe – das Produkt: Niemand sollte Strommarkt-Expert:in werden müssen, um zu profitieren. Unser Anspruch ist: einmal einstellen, dann läuft es.

Strom soll sich vom klassischen Versorgungsprodukt zum digitalen Consumer-Produkt entwickeln. Was verändert dieser Wandel für die Verbraucher konkret?

Strom war jahrzehntelang etwas, worüber man nur bei der Jahresrechnung nachgedacht hat. Wenn Verbrauch, Preis und Ersparnis in Echtzeit sichtbar werden, ändert sich das Verhältnis zum Produkt grundlegend: Man sieht, was das E-Auto pro 100 Kilometer wirklich kostet und wann sich das Laden lohnt.

Und um ehrlich zu sein: Ein dynamischer Tarif kennt auch teure Stunden. Entscheidend ist nicht die einzelne Preisspitze, sondern das Ergebnis über den Monat. Und genau dafür ist die Automatisierung gut, da diese die teuren Stunden umgeht und den Stromverbrauch in Zeiten mit sehr günstigen Preisen lenkt.

Rabot Energy belegt Platz 2 in der Kategorie „Environment & Energy“ und Platz 8 bei den „Rising Stars“ des German Startup Brand Ranking 2026. Welche Bedeutung hat diese Markenwahrnehmung für Sie?

Wir freuen uns als Team sehr darüber. In einem Markt, der lange von großen, etablierten Namen geprägt war, als innovative Marke wahrgenommen zu werden, zeigt, dass unser Ansatz ankommt.

Gleichzeitig ist eine Platzierung eine Momentaufnahme, eine Bestätigung von außen für Arbeit, die woanders passiert: im Produkt, in der Abrechnung, im Support. Der Anspruch bleibt, das Produkt jeden Tag besser zu machen.

Gerade beim Thema Energie spielen Vertrauen und Verlässlichkeit eine zentrale Rolle. Wie baut eine junge Marke dieses Vertrauen gegenüber etablierten Wettbewerbern auf?

Vertrauen entsteht bei Energie nicht durch Kampagnen, sondern durch Verhalten über Zeit.

Für uns heißt das erstens Transparenz im Modell: Bei uns erhalten die Kunden Strom zum Einkaufspreis. Zweitens Verlässlichkeit im Betrieb: Abrechnung, Wechselprozess, Erreichbarkeit – die unspektakulären Dinge, an denen sich entscheidet, ob jemand bleibt. Und drittens Haltung: Wir stehen für die Energiewende ein weil sie das wirtschaftlich sinnvolle mit dem ökologisch notwendigen verbindet.

Eine starke Marke muss komplexe Themen verständlich machen, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat bei Börsenstrom und dynamischen Tarifen?

Indem wir die Komplexität dort lassen, wo sie hingehört: in der Technologie. Unsere Kundinnen und Kunden müssen nicht wissen, wie Day-Ahead- und Intraday-Märkte funktionieren – nur, was sie einstellen können und was es ihnen bringt.

Wichtig ist, dass Vereinfachung nicht in Intransparenz kippt. Deshalb sind Preiskurve, Verbrauch und Ersparnis jederzeit einsehbar. Wer verstehen will, kann nachvollziehen; wer nur nutzen will, muss nicht. Das ist übrigens kein Kommunikations-, sondern ein Produktthema.

Wie verhindern Sie, dass dynamische Tarife ein Angebot vor allem für besonders technikaffine Haushalte werden?

Der Schlüssel ist Automatisierung. Solange ein dynamischer Tarif bedeutet, selbst auf Preise zu schauen, bleibt er ein Nischenprodukt für Enthusiasten. Bei uns setzen Nutzerinnen und Nutzer einmal ihre Präferenzen, dann übernimmt das System. Dazu gehört, mit möglichst viel bestehender Hardware zu funktionieren, statt neue Investitionen zu erzwingen.

Ganz ehrlich: Am meisten profitieren heute Haushalte mit steuerbaren Geräten – und das sind überproportional Eigenheime. Damit Flexibilität auch im Mehrfamilienhaus ankommt, haben wir eine holistische Lösung mit einem Plug&Play Heimspeicher gebaut. Dieser lädt sich automatisch voll, wenn der Strom sehr günstig ist, und nutzt diesen Strom im Haushalt, wenn die Preise teuer sind. Damit bringen wir die Energiewende in die Stadt.

Speicher und intelligentes Energiemanagement sollen künftig eine größere Rolle spielen. Wie verändert sich dadurch das Geschäftsmodell eines Stromanbieters?

Fundamental. Das klassische Modell war ein Handelsmodell: Strom beschaffen, mit Marge verkaufen. Das neue ist ein Optimierungsmodell: Wer viele Speicher, Wärmepumpen und E-Autos intelligent steuert, schafft ein virtuelles Kraftwerk – mit Wert für Kunden (niedrigere Kosten) und System (entlastete Netze, mehr Erneuerbare).

Der Wettbewerbsvorteil liegt damit nicht in Erzeugungskapazität, sondern in Prognosequalität, Datenzugang und Produkterfahrung. Deshalb bieten wir unsere Technologie auch als Whitelabel-Lösung an, unter anderem für Stadtwerke – die sehen wir ausdrücklich als Partner.

Wo liegen derzeit noch die größten Hürden?

Nicht in der Technologie – die ist da. Erstens der Smart-Meter-Rollout, der weiter zu langsam läuft; ohne Messung ist Flexibilität nicht vergütbar. Zweitens die Netzentgelte: Mit §14a EnWG gibt es erste zeitvariable Elemente, aber die Anreize sind noch zu komplex und die Umsetzung zu zögerlich, um Verhalten wirklich zu verändern. Solange das so bleibt, bauen wir Netze für Spitzen aus, die man intelligent hätte glätten können – bezahlt von allen Verbraucherinnen und Verbrauchern. Drittens der Datenzugang: Wer Verbrauch optimieren soll, braucht Messwerte in ausreichender Auflösung und Geschwindigkeit. Andere europäische Märkte sind hier deutlich weiter.

Optimistisch macht mich, dass Flexibilität inzwischen als Systemfrage verstanden wird, nicht mehr als Spielerei.

Welche Vision verfolgen Sie mit Rabot Energy?

Ein Energiesystem, in dem Verbrauch der Erzeugung folgt und nicht umgekehrt, in dem Haushalte automatisch dann Strom nutzen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, und dafür belohnt werden.

Für uns heißt das: Wir wollen der relevanteste digitale Energieanbieter im deutschen Markt werden – mit einer klaren europäischen Perspektive. Und wir verstehen uns als Impulsgeber: als jemand, der zeigt, was technisch längst möglich ist, und beim Regulierungsrahmen unbequeme Fragen stellt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern in stark regulierten Märkten geben?

Verstehe den Markt besser als alle anderen – wer die Mechanik durchdringt, erkennt Chancen früher als der Wettbewerb.

Baue dein Geschäftsmodell so, dass deine Interessen und die deiner Kunden gleichgerichtet sind. In Märkten mit wenig Vertrauen ist das der stärkste Differenzierer – und schwer kopierbar, weil er Konsequenzen für die Marge hat.

Rechne mit langen Zyklen und bleib hartnäckig. In der Energiewirtschaft passieren Dinge nicht in Quartalen, sondern über Jahre. Wer nach zwei Jahren aufgibt, scheitert meist genau vor dem Punkt, an dem der Markt gekippt wäre.

Bild: (von li. nach re.): Tobias Mogge (COO), Jan Matysik (CTO), Konrad Schade (CCO+MD), Konrad Schürmann (MD), Jan Rabe (Co-Founder+CEO). Fotocredits: © Rabot Energy

Wir bedanken uns bei Jan Rabe für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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