HealthiQ entwickelt eine geschützte digitale Plattform, die Gesundheit, Peer Support und barrierefreie Angebote für chronisch Erkrankte, Menschen mit Behinderungen und Angehörige
Können Sie HealthiQ kurz vorstellen und erzählen, welche Idee ursprünglich hinter der Gründung stand?
HealthiQ ist eine geschützte, pseudonyme digitale Gesundheitscommunity für Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und langfristigen gesundheitlichen Belastungen sowie deren Angehörige. Eine Plattform, erstmalig in dieser Form im DACH-Raum. Wir möchten Peer Support, verlässliche Gesundheitsinformationen, Patienten- und Selbsthilfeorganisationen sowie perspektivisch Veranstaltungen, Forschung und weitere Unterstützungsangebote sinnvoll an einem Ort barrierefrei zusammenführen.
Gestartet sind wir allerdings mit einer deutlich breiteren Vision. Anfangs wollten wir sehr viele Akteure des Gesundheitswesens digital miteinander verbinden – von Patientinnen und Patienten über Praxen bis hin zu weiteren Versorgungsstrukturen. Je intensiver wir uns mit dem Problem beschäftigt haben, desto deutlicher wurde: Wir versuchten gleichzeitig zu viele Herausforderungen zu lösen.
Heute ist unser Fokus und die eigentliche Vision und das Ziel wesentlich klarer, schärfer und reflektierter. Wir wollen zunächst für eine konkrete Zielgruppe ein wirklich relevantes Angebot schaffen und verstehen, was diese Menschen digital tatsächlich brauchen. Langfristig ist unsere Vision, HealthiQ zu einer zentralen digitalen Anlaufstelle für Patientinnen, Patienten und Angehörige im deutschsprachigen Raum zu entwickeln – nicht als Ersatz für Versorgung oder Selbsthilfe, sondern als verbindende barrierefreie digitale Infrastruktur zwischen den bestehenden Angeboten.
Wer steht hinter HealthiQ, und wie ergänzen sich Ihre Erfahrungen aus Gesundheitsmanagement, Public Health, Medizin und Softwareentwicklung?
HealthiQ wird heute von drei Co-Foundern aufgebaut.
Ich selbst komme aus dem Sozial-, Gesundheits- und Public Management und verantworte als CEO vor allem Strategie, Partnerschaften, Forschung und die organisatorische Entwicklung von HealthiQ.
Unsere CPO Lilien Heit studiert Medizin und bringt damit eine unmittelbar medizinisch-fachliche Perspektive und Erfahrung in die Produktentwicklung ein. Gerade bei einem Angebot für Menschen mit gesundheitlichen Belastungen ist es wichtig, Produktentscheidungen nicht ausschließlich aus einer betriebswirtschaftlichen oder technischen Perspektive zu treffen.
Unser CTO Arnd Klocker bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit. Dadurch treffen bei uns ein sehr junges Gründerteam, medizinische und Public-Health-Perspektiven sowie langjährige technische Erfahrung aufeinander.
Ergänzt wird das Team durch ein renomiertes, erfahrenes, zwölfköpfiges Advisory Board mit Expertise unter anderem aus Medizin, Public Health, Ethik, Datenschutz, Recht, IT, Pharma und Business Development. Diese unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen sind für uns wichtig, weil HealthiQ an einer Schnittstelle arbeitet, an der technische Machbarkeit allein nicht ausreicht.
Sie sind mit einer deutlich breiteren Vision für ein digital vernetztes Gesundheitswesen gestartet. Warum haben Sie sich entschieden, HealthiQ grundlegend neu auszurichten?
Die ursprüngliche Vision war nicht grundsätzlich falsch und hätte sicherlich in vielerlei Hinsicht großen Mehrwert für alle Akteure und Nutzer:innen gehabt.
Wir wollten sehr viele Probleme gleichzeitig adressieren und haben mit der Zeit gemerkt, dass dadurch weder das konkrete Nutzerproblem noch unser eigener Fokus klar genug waren. Je mehr Gespräche wir mit Betroffenen, Organisationen und anderen Stakeholdern geführt und je konkreter wir am Produkt gearbeitet haben, desto stärker wurde diese Erkenntnis. Ebenso auch ein gewisser operativer Gegenwind bzw. Viele Gespräche und Empfehlungen mit unseren Advisors sowie externen Startup Coaches und Berater:innen.
Die Neuausrichtung war deshalb keine kosmetische Produktänderung, sondern eine strategische Entscheidung: Welche Herausforderung können wir wirklich verstehen, bearbeiten und langfristig gut lösen? Wo ist wirklich ein akuter, großer Pain der aktuell leider noch überhaupt nicht gelöst und angegangen wird?
Für mich persönlich war das eine der wichtigsten Erfahrungen der bisherigen Gründung. Als Founder identifiziert man sich schnell sehr stark mit der ursprünglichen Idee. Dann zu akzeptieren, dass Teile davon verworfen oder neu gedacht werden müssen, ist nicht angenehm. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass Führung nicht bedeutet, die erste Idee möglichst lange zu verteidigen. Führung bedeutet auch, Entscheidungen zu korrigieren, wenn neue Informationen dafür sprechen.
Heute haben wir dadurch einen deutlich klareren Ausgangspunkt als noch vor einem Jahr.
Heute konzentrieren Sie sich auf chronisch Erkrankte, Menschen mit Behinderungen und Angehörige. Welche besonderen Bedürfnisse dieser Zielgruppen möchten Sie besser verstehen und erfüllen?
Diese Zielgruppen sind keineswegs homogen. Genau deshalb wollen wir zunächst besser verstehen, wo tatsächlich gemeinsame Bedürfnisse bestehen und wo differenziert werden muss, da hier auch die wissenschaftliche Forschungslage bisher recht dünn ist und diese Gruppe leider im Allgemeinen eher am Rand steht und unterrepräsentiert ist.
Uns interessieren unter anderem Fragen wie: Wo suchen Menschen heute nach Informationen und Austausch? Wann hilft ihnen die Erfahrung anderer Betroffener? Wem vertrauen sie bei Gesundheitsinformationen? Welche Rolle spielen Datenschutz und Pseudonymität? Welche digitalen Barrieren erleben sie? Wie wichtig sind regionale Kontakte, Selbsthilfeorganisationen, Veranstaltungen oder die Möglichkeit, passende Studien zu finden?
Viele dieser Bedürfnisse werden heute bereits in Teilen irgendwo adressiert – aber häufig an unterschiedlichen Orten und vor allem nicht barrierefrei. Austausch findet beispielsweise in Facebook- oder Messenger-Gruppen statt, medizinische Informationen auf anderen Webseiten und Angebote von Patientenorganisationen wiederum auf deren eigenen Kanälen.
HealthiQ soll deshalb nicht bestehende Strukturen ersetzen. Unser Ansatz ist vielmehr, diese unterschiedlichen Ebenen besser miteinander zu verbinden und den Nutzerinnen und Nutzern mehr barrierefreie Orientierung und Kontrolle zu geben.
Welche Funktionen dafür tatsächlich entscheidend sind, möchten wir bewusst nicht allein am Schreibtisch festlegen, sondern eben dauerhaft in vielen Gesprächen mit Patient:innen, Kooperationspartner, Stakeholdern sowie in der parallelen Forschung zu unserem Startup.
Ihr MVP funktioniert technisch, erreicht aber noch nicht ausreichend die Menschen, für die er entwickelt wurde. Wie schwierig war es, sich diese Erkenntnis als junges Startup einzugestehen?
Natürlich ist das zunächst unangenehm. Als Gründer investiert man viel Zeit in ein Produkt und würde gerne sehen, dass Menschen sofort darauf warten, man mit wenig Marketing viele erreicht usw..
Unser MVP läuft seit Ende April. Aktuell haben wir acht übergeordnete Community-Bereiche mit insgesamt 36 Untergruppen sowie erste Beiträge, Kommentare und Reaktionen. Das ist ein echter Testbetrieb, aber noch keine skalierte oder ausreichend aktive Community. Das ist allerdings auch nicht unser Ziel gerade. Wachstum um jeden Preis, Marketing und sonstiges. Wir befinden uns gerade in einer Phase, iterativ mit den Partnern, Stakeholdern und Nutzer:innen gemeinsam das Produkt step by step zu entwickeln. Auch das darf und muss man sich eingestehen, dass diese Art der Entwicklung an anderer Stelle eben langsameres Wachstum bedeutet.
Wir könnten versuchen, diese Zahlen möglichst positiv aussehen zu lassen. Für unsere weitere Entwicklung wäre das allerdings wenig hilfreich.
Der bisherige Fokus lag bewusst stark auf Produktentwicklung, ersten Tests, Partnerschaften und der wissenschaftlichen Vorbereitung – nicht auf einem großen Marketing-Rollout. Trotzdem zeigt uns der aktuelle Stand sehr deutlich: Nur weil eine Plattform technisch funktioniert, entsteht noch keine relevante Community.
Gerade diese Erkenntnis halte ich inzwischen für wertvoll. Sie zwingt uns, eine grundlegendere Frage zu stellen: Liegt die Herausforderung bei Reichweite und Kommunikation – oder müssen wir Teile des Angebots, der Positionierung oder des Nutzererlebnisses selbst verändern?
Diese Frage ehrlich beantworten zu können, ist wichtiger als kurzfristig schöne Wachstumszahlen zu präsentieren.
Statt das Problem mit mehr Marketing zu beantworten, starten Sie eine wissenschaftlich begleitete Studie. Welche Antworten erhoffen Sie sich davon?
Wir möchten unsere bisherigen Annahmen systematisch überprüfen.
Die Studie ist wissenschaftlich am Center for Social & Health Innovation des MCI eingebettet und startet im Oktober im deutschsprachigen Raum. Über unsere Multiplikatoren können wir potenziell mehr als 50.000 Menschen erreichen. Wie viele tatsächlich teilnehmen werden, wird sich erst während der Erhebung zeigen – unser Ziel ist eine möglichst breite, indikationsübergreifende Datengrundlage. Diese und die Forschung im Allgemeinen in diesem Bereich gibt es bis heute leider kaum, auch hier möchten wir wichtige Arbeit leisten auf der sich vielfach aufbauen lässt.
Untersucht werden unter anderem Informations- und Unterstützungsbedarfe, bestehende digitale und analoge Angebote, Vertrauen, Datenschutz, Pseudonymität, Moderation, digitale Gesundheitskompetenz, Peer Matching, Barrierefreiheit, KI-Akzeptanz und die Priorisierung verschiedener Funktionen.
Für uns ist besonders wichtig, dass die Studie nicht dazu dienen soll, ein bereits fertiges Produkt nachträglich zu bestätigen. Sie darf auch Ergebnisse liefern, die unseren bisherigen Annahmen widersprechen.
Wenn wir am Ende beispielsweise feststellen, dass bestimmte Funktionen, Zielgruppen oder Geschäftsmodelle anders bewertet werden als erwartet, müssen und wollen wir darauf reagieren.
Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen Nutzerzentrierung als Schlagwort und echter Validierung.
HealthiQ möchte Peer Support, Gesundheitsinformationen sowie Patienten- und Selbsthilfeorganisationen miteinander verbinden. Was fehlt aus Ihrer Sicht bislang zwischen diesen Bereichen?
Es gibt bereits sehr viele wertvolle Angebote. Das Problem ist häufig nicht, dass gar nichts vorhanden wäre, sondern dass die einzelnen Angebote nebeneinander existieren und meistens, so Teilen es uns unsere Kooperationspartner mit, leider nicht barrierefrei zugänglich sind was für unsere Zielgruppen eben enorm wichtig ist.
Menschen tauschen sich beispielsweise in sozialen Netzwerken oder privaten Gruppen aus, suchen Gesundheitsinformationen über Suchmaschinen oder inzwischen auch KI-Systeme und finden Selbsthilfeorganisationen wiederum über andere Wege. Je nach Erkrankung gibt es hervorragende spezialisierte Strukturen – aber für Nutzerinnen und Nutzer kann es schwierig sein, diese überhaupt zu entdecken und einzuordnen.
Gleichzeitig erfüllen die einzelnen Bereiche unterschiedliche Funktionen: Peer Support liefert Erfahrungswissen und Verständnis, medizinische und wissenschaftliche Quellen liefern fachliche Einordnung und Patientenorganisationen verfügen häufig über enorme Erfahrung, Netzwerke und konkrete Unterstützungsangebote.
Unser Ansatz besteht deshalb nicht darin, einen dieser Bereiche zu ersetzen. HealthiQ soll eine verbindende Ebene schaffen.
Langfristig stellen wir uns eine Plattform vor, auf der jemand nicht nur eine Community zu seiner gesundheitlichen Situation findet, sondern auch verlässliche Informationen, passende Organisationen, Veranstaltungen, regionale Angebote und Möglichkeiten zur Beteiligung an Forschung entdecken kann.
Bei sensiblen Gesundheitsthemen ist Vertrauen entscheidend. Wie möchten Sie dieses Vertrauen auf einer geschützten und pseudonymen digitalen Plattform aufbauen?
Vertrauen entsteht für uns nicht durch ein einzelnes Feature, sondern durch viele kleine Entscheidungen.
Ein zentraler Punkt ist die pseudonyme Nutzung. Menschen sollen sich zu sensiblen Gesundheitsthemen austauschen können, ohne ihren Klarnamen öffentlich zeigen zu müssen. Gleichzeitig wollen wir transparent machen, welche Daten für welchen Zweck benötigt werden und den Grundsatz der Datenminimierung konsequent berücksichtigen.
Ebenso wichtig sind klare Communityregeln und Moderation. Peer Support funktioniert nur dann, wenn Menschen sich sicher fühlen und problematische Inhalte, Belästigung oder gefährliche Gesundheitsinformationen nicht einfach sich selbst überlassen werden.
Darüber hinaus möchten wir vertrauenswürdige Patientenorganisationen, Fachpersonen und wissenschaftliche Einrichtungen sichtbar einbinden und entsprechende Rollen klar kennzeichnen.
Auch kommerzielle Interessen müssen transparent sein. Wenn später Partnerschaften, Unternehmensprofile oder andere finanzierte Inhalte Teil von HealthiQ werden, muss für Nutzerinnen und Nutzer jederzeit nachvollziehbar sein, wer dahintersteht.
Wir werden Vertrauen nicht durch ein Versprechen herstellen können. Es muss sich über Produktdesign, schon jetztiger Einbindung unserer Nutzer:innen in die Entwicklung, Governance, Transparenz und das tatsächliche Verhalten der Plattform verdienen.
Sie arbeiten bereits mit Patienten- und Selbsthilfeorganisationen im DACH-Raum zusammen. Welche Rolle spielen diese Partner bei der Weiterentwicklung von HealthiQ?
Eine große und wichtige Rolle. Für uns sind Patientenorganisationen keine reinen Multiplikatoren, über die wir später Nutzerinnen und Nutzer gewinnen möchten.
Sie verfügen häufig über jahrzehntelange Erfahrung mit den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Communitys und kennen sehr genau die Schwierigkeiten, die Betroffene und Angehörige im Alltag erleben.
Wir arbeiten inzwischen unter anderem mit Organisationen wie Pro Rare Austria, der Österreichischen Rheumaliga, Down-Syndrom Österreich, Lobby4Kids, der ASBH Deutschland sowie weiteren Verbänden und Selbsthilfeorganisationen zusammen und stehen mit ihnen in konkretem Austausch.
Je nach Organisation sieht die Zusammenarbeit unterschiedlich aus. Manche unterstützen uns bei der Studie, andere geben Produktfeedback, testen bestimmte Bereiche oder bringen ihre fachliche Perspektive ein.
Langfristig möchten wir Patientenorganisationen auf HealthiQ selbst sichtbar machen. Menschen sollen dadurch seriöse Organisationen, Veranstaltungen und Unterstützungsangebote leichter barrierefrei finden können.
Für mich ist dabei ein Prinzip entscheidend: HealthiQ soll bestehende Selbsthilfe nicht digital verdrängen. Wenn wir erfolgreich sind, sollte unsere Plattform vielmehr dazu beitragen, dass mehr Menschen diese wertvollen Strukturen überhaupt entdecken und nutzen.
Viele Startups werden daran gemessen, wie schnell sie wachsen. Warum kann es gerade im HealthTech wichtiger sein, zunächst langsamer zu werden und das eigene Produkt zu validieren?
Geschwindigkeit ist auch im HealthTech wichtig. Aber Geschwindigkeit ohne Richtung und vor allem wie vorhin besprochen Vertrauen hilft wenig bis kaum.
Bei einem klassischen digitalen Produkt ist ein schlechtes Feature zunächst ärgerlich. Im Gesundheitskontext kommen zusätzliche Faktoren hinzu: sensible Daten, Vertrauen, medizinische Informationen, besonders vulnerable Zielgruppen und teilweise sehr persönliche Lebenssituationen.
Wenn man hier zu früh skaliert, skaliert man möglicherweise nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch falsche Annahmen.
Deshalb versuchen wir aktuell bewusst, Geschwindigkeit und Sorgfalt miteinander zu verbinden. Wir wollen technisch weiterentwickeln und gleichzeitig empirisch überprüfen, ob wir das richtige Problem auf die richtige Weise lösen.
Ich glaube auch nicht, dass Validierung automatisch Langsamkeit bedeutet. Im Gegenteil: Drei Monate, in denen man eine zentrale Annahme sauber überprüft, können wesentlich schneller sein als zwei Jahre, in denen man konsequent in die falsche Richtung entwickelt.
Wachstum bleibt für uns ein wichtiges Ziel. Wir möchten nur möglichst sicherstellen, dass wir später etwas skalieren, das für die Menschen tatsächlich relevant ist.
Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit HealthiQ, nachdem Sie die ursprüngliche Idee so deutlich geschärft haben?
Unsere langfristige Vision ist ambitioniert, aber heute deutlich konkreter als zu Beginn.
Wir möchten HealthiQ in den kommenden Jahren zu einer zentralen digitalen, barrierefreien Anlaufstelle für Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und deren Angehörige im deutschsprachigen Raum entwickeln.
Wenn jemand eine Diagnose erhält, sich mit anderen Menschen in einer ähnlichen Situation austauschen möchte, eine vertrauenswürdige Patientenorganisation sucht, eine Veranstaltung finden will oder sich über passende Forschung informieren möchte, soll HealthiQ perspektivisch direkt ein naheliegender Ausgangspunkt sein.
Dabei wollen wir kein paralleles Gesundheitssystem aufbauen. Der größere Wert liegt aus unserer Sicht in der Verbindung bestehender Strukturen: Betroffene, Angehörige, Selbsthilfeorganisationen, Fachpersonen, Forschung und weitere seriöse Akteure.
Unsere Vision für die nächsten fünf Jahre ist deshalb weniger „die größte Gesundheitsplattform“ als eine relevante und vertrauenswürdige Infrastruktur zu werden, die Menschen tatsächlich nutzen und die von wichtigen Akteuren des Gesundheitswesens ernst genommen und unterstützt sowie begleitet wird.
Wenn uns das gelingt, kann daraus langfristig eine echte Patientendrehscheibe für den DACH-Raum entstehen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die erkennen, dass ihre ursprüngliche Idee oder Zielgruppe grundlegend überdacht werden muss?
Erstens: Trennt euer Ego von eurem Produkt. Viel Arbeit in eine Idee investiert zu haben, ist kein Grund, weiter in dieselbe Richtung zu investieren. Entscheidend ist nicht, ob die ursprüngliche Idee recht hatte, sondern ob das Problem wirklich gelöst wird.
Zweitens: Definiert möglichst früh, welche Beobachtungen eure Meinung verändern würden. Feedback ist wenig wert, wenn man nur nach Aussagen sucht, die die eigene Überzeugung bestätigen. Besonders hilfreich sind Erkenntnisse, die unangenehm sind oder nicht zum bisherigen Plan passen.
Drittens: Verwechselt Fokus nicht mit fehlender Ambition. Für uns war die Neuausrichtung zunächst eine Verkleinerung der ursprünglichen Vision. Tatsächlich hat sie uns erst ermöglicht, eine langfristig größere und glaubwürdigere Vision aufzubauen.
Ein Pivot oder Strategiewechsel ist aus meiner Sicht deshalb weder automatisch Erfolg noch Scheitern. Er ist zunächst eine Entscheidung auf Basis neuer Informationen. Entscheidend ist, ob man danach klarer versteht, welches Problem man lösen möchte und für wen.
Bildcredits: privat, © Benedikt Hochmuth
Wir bedanken uns bei Benedikt Hochmuth für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















