kommunity360 entwickelt eine digitale Plattform, die Bürger mit lokalen Informationen, Unternehmen, Vereinen, Veranstaltungen und kommunalen Angeboten verbindet.
Können Sie kommunity360 kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Plattform für Städte und Gemeinden steht?
kommunity360 ist eine lokale Informationsplattform, die Ortsportal, Bürger-App, lokale Redaktion und die Bürger-KI Tobi miteinander verbindet. Bürger finden dort unter anderem Veranstaltungen, Unternehmen, Vereine, Sehenswürdigkeiten, Mülltermine, wichtige Anlaufstellen sowie aktuelle Meldungen aus der Gemeinde oder dem Bürgerbüro.
Entstanden ist das Projekt vor allem für kleinere Städte und Gemeinden. Viele bestehende digitale Angebote konzentrieren sich verständlicherweise auf größere Städte, weil sich dort mehr Nutzer und häufig auch größere Budgets befinden. Mein Ziel war deshalb von Anfang an, eine technische Infrastruktur zu schaffen, die auch für kleine Gemeinden funktioniert und für die Gemeinde selbst kostenlos genutzt werden kann.
Der erste reale Pilot läuft in meinem Heimatort Neukirchen in Nordfriesland.
Wer steht hinter kommunity360, und welche Erfahrungen haben zur Entwicklung des Unternehmens geführt?
Ich bin Martin Dellwing, Geschäftsführer der DELLWING ONLINE GmbH und Gründer von kommunity360. Mein beruflicher Weg führte vom Onlinehandel über Agenturarbeit immer stärker in Richtung Software, Automatisierung und künstliche Intelligenz.
Seit 2023 beschäftige ich mich sehr intensiv mit HighLevel und bin der erste deutschsprachige HighLevel Certified Admin. In Videos, Kursen und Communities vermittle ich den praktischen Einsatz der Plattform und ihrer KI-Funktionen. 2025 habe ich außerdem den HighLevel AI Agent Contest gewonnen.
kommunity360 ist für mich die konsequente Weiterentwicklung daraus. Statt KI und Automatisierung nur für einzelne Unternehmen einzusetzen, möchte ich damit eine Infrastruktur aufbauen, die Menschen im Alltag eines ganzen Ortes hilft.
Lokale Informationen verteilen sich häufig auf Gemeindewebseiten, Social Media, Vereinsseiten und verschiedene Veranstaltungskalender. Welches Problem möchten Sie dadurch konkret lösen?
Das eigentliche Problem ist nicht, dass lokale Informationen fehlen. Sie liegen nur an sehr vielen verschiedenen Stellen. Die Trainingszeit steht beim Verein, eine Veranstaltung bei Facebook, der Mülltermin beim Entsorger und eine wichtige Meldung auf der Gemeindeseite.
kommunity360 führt diese Informationen strukturiert an einer Stelle zusammen. Damit sie anschließend nicht wieder veralten, ist das System bereits auf automatisierte Pflege ausgelegt. Pro Ort arbeitet die technische Struktur mit sechs sogenannten Managed Agents, die jeweils unterschiedliche Informationsbereiche überwachen, Quellen prüfen und Aktualisierungen in den zentralen Datenbestand übernehmen.
Dadurch stehen Änderungen sowohl auf der kommunity360-Website als auch für Tobi, die lokale Bürger-KI, zur Verfügung. Automatisierung ersetzt dabei nicht jede menschliche Kontrolle, sie reduziert aber den Pflegeaufwand erheblich.
Bürger, Vereine, Unternehmen und Kommunen haben sehr unterschiedliche Interessen. Wie schaffen Sie eine Plattform, die für alle Beteiligten einen echten Mehrwert bietet?
Der gemeinsame Nenner sind lokale Informationen. Ein Bürger sucht einen Handwerker, ein Unternehmen möchte gefunden werden. Ein Verein möchte auf sein Angebot aufmerksam machen, während jemand im Ort genau nach diesem Angebot sucht. Die Gemeinde wiederum möchte wichtige Meldungen möglichst einfach an die Menschen bringen.
Zusätzlich zur automatisierten Datenpflege habe ich deshalb eine passwortgeschützte kommunity360-Redaktion entwickelt. Der jeweilige Bürgermeister oder andere autorisierte Personen können dort vorhandene Informationen bearbeiten, Bilder ändern, Veranstaltungen ergänzen oder aktuelle Meldungen veröffentlichen.
Die Redaktion funktioniert auch mobil. Dadurch kann beispielsweise ein Bürgermeister unterwegs innerhalb weniger Minuten eine wichtige Information veröffentlichen oder korrigieren, ohne sich mit der technischen Infrastruktur im Hintergrund beschäftigen zu müssen.
Mit „Tobi“ setzen Sie auf einen digitalen Ortsassistenten. Welche Aufgaben soll er übernehmen und wie möchten Sie sicherstellen, dass seine Antworten zuverlässig und aktuell sind?
Tobi ist die Bürger-KI von kommunity360 und beantwortet lokale Fragen per Sprache oder Text. Besonders hilfreich ist er bei Fragen, bei denen ein Nutzer nicht genau weiß, wo er suchen müsste. Zum Beispiel: „Wo kann ich heute Abend noch etwas essen?“, „Wo kann ich mein E-Bike laden?“ oder „Was kann ich am Wochenende mit Kindern machen?“.
Tobi ersetzt aber bewusst nicht die normale Navigation. Wer einfach alle Handwerker oder Veranstaltungen sehen möchte, soll das direkt in der App oder auf der Website tun können.
Die Zuverlässigkeit entsteht vor allem dadurch, dass Tobi auf denselben strukturierten Datenbestand zugreift wie die öffentliche Plattform. Änderungen durch die Redaktion und automatisierte Aktualisierungen der Managed Agents stehen damit auch Tobi zur Verfügung. Wenn eine Information nicht ausreichend gesichert ist, soll Tobi das deutlich sagen, anstatt etwas zu erfinden.
Eine lokale Plattform wird erst interessant, wenn genügend Menschen und Organisationen sie aktiv nutzen. Wie wollen Sie diese kritische Masse in einer Gemeinde erreichen?
kommunity360 ist bewusst so aufgebaut, dass der Nutzen nicht erst entsteht, wenn sich hunderte Menschen registriert haben. Veranstaltungen, Unternehmen, Mülltermine, Vereine oder wichtige Anlaufstellen helfen bereits dem ersten Nutzer.
In Neukirchen ist die Plattform bereits funktionsfähig aufgebaut, und Bürgermeister Jörg Hansen unterstützt den Pilot. Gemeinden können anschließend selbst entscheiden, wie intensiv sie die automatisierte Pflege zusätzlich über ihre Redaktion unterstützen möchten.
Mein Ziel ist aber ausdrücklich, dass langfristig kein Ort in Deutschland ausgeschlossen wird, nur weil er klein ist oder kein Budget für eine eigene digitale Lösung hat. Deshalb möchte ich die technische Basis möglichst schnell auf weitere Orte übertragen. Mit zunehmender Größe sollen zusätzlich regionale Betreuungsteams entstehen, die mehrere Gemeinden einer Region begleiten, Datenqualität kontrollieren und Ansprechpartner vor Ort unterstützen.
kommunity360 startet zunächst in Neukirchen in Nordfriesland. Welche Erkenntnisse möchten Sie dort gewinnen, bevor weitere Orte hinzukommen?
Die technische Grundlage steht bereits, deshalb geht es im Pilot weniger darum herauszufinden, ob sich die Idee grundsätzlich umsetzen lässt. Entscheidend ist jetzt die Nutzung unter realen Bedingungen.
Ich möchte sehen, welche Informationen Bürger besonders häufig benötigen, wie intuitiv Website, App und Tobi tatsächlich genutzt werden und an welchen Stellen wir die Datenpflege noch weiter automatisieren können.
Gleichzeitig testen wir in Neukirchen die redaktionellen Abläufe und das Geschäftsmodell mit lokalen Unternehmen und Unterstützern. Die Erkenntnisse daraus fließen unmittelbar in den weiteren Ausbau ein. Der nächste Schritt ist Nordfriesland. Die Architektur wurde von Anfang an so entwickelt, dass ein neuer Ort möglichst über Daten und Konfiguration angelegt werden kann und nicht jedes Mal eine neue Software benötigt.
Datenschutz und Vertrauen sind bei einer kommunalen Plattform besonders wichtig. Wie gehen Sie mit diesen Anforderungen um?
Datenschutz gehört von Anfang an zur Produktentwicklung. Öffentliche Ortsinformationen werden klar von personenbezogenen Nutzerdaten getrennt, und Funktionen sollen möglichst ohne unnötige Datenerhebung nutzbar sein.
Bei Sprach- und KI-Funktionen informieren wir transparent über den Einsatz künstlicher Intelligenz und die Datenverarbeitung. Berechtigungen innerhalb der Redaktion sind ebenfalls so aufgebaut, dass Verantwortliche nur auf die für sie vorgesehenen Bereiche zugreifen können.
Zusätzlich arbeite ich eng mit einer zertifizierten Datenschutz-Expertin zusammen, die kommunity360 bei diesen Themen begleitet. Gerade bei einer Plattform, die perspektivisch von vielen Gemeinden und Bürgern genutzt werden soll, möchte ich Datenschutz nicht nachträglich ergänzen, sondern bei neuen Funktionen direkt mitdenken.
Gemeinden sollen ihre Plattform auch mithilfe lokaler Partner finanzieren können. Wie funktioniert dieses Modell und wie bewahren Sie dabei die Unabhängigkeit der Inhalte?
Mein Ziel war von Anfang an, dass Gemeinden für kommunity360 nichts bezahlen müssen. Die Finanzierung soll stattdessen unter anderem über freiwillige Unternehmenspakete, lokale Unterstützer und Sponsoren funktionieren.
Unternehmen erhalten bereits kostenlose Basiseinträge, damit das örtliche Verzeichnis für Bürger möglichst vollständig bleibt. Wer zusätzliche Darstellungsmöglichkeiten, umfangreichere Unternehmensprofile oder weitere Funktionen nutzen möchte, kann ein kostenpflichtiges Paket buchen.
Dabei ist die Trennung wichtig: Ein Unternehmen bezahlt für zusätzliche Sichtbarkeit oder Funktionen, aber nicht dafür, dass sachliche Informationen verändert oder andere Betriebe ausgeblendet werden. Auch kostenlose Einträge müssen korrekt und für Bürger hilfreich bleiben.
Viele Kommunen verfügen bereits über Webseiten, Apps oder Social-Media-Kanäle. Was soll kommunity360 gegenüber diesen bestehenden Angeboten besonders machen?
kommunity360 soll bestehende Angebote nicht einfach ersetzen. Der Unterschied liegt darin, Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und auf mehreren Wegen zugänglich zu machen.
Ein Bürger kann klassisch durch Veranstaltungen, Unternehmen, Vereine oder Sehenswürdigkeiten navigieren, die App nutzen oder Tobi einfach eine Frage stellen. Im Hintergrund greifen diese Zugänge auf denselben Datenbestand zurück.
Dazu kommt die automatisierte Aktualisierung durch Managed Agents und die lokale Redaktion. Eine Änderung soll möglichst nur einmal vorgenommen werden müssen und anschließend überall verfügbar sein. Genau diese Verbindung aus lokaler Informationsplattform, Automatisierung und Bürger-KI ist der Kern von kommunity360.
Welche Vision verfolgen Sie mit kommunity360, und wie lässt sich ein stark lokales Konzept langfristig auf viele unterschiedliche Städte und Gemeinden übertragen?
Meine langfristige Vision ist eine kommunity360 für jede Stadt und Gemeinde in Deutschland. Das sind rund 10.700 Orte, und gerade die kleineren davon möchte ich nicht außen vor lassen.
Technisch haben wir deshalb eine gemeinsame Grundlage entwickelt, bei der Website, App, Redaktion und Tobi aus derselben lokalen Datenstruktur versorgt werden. Ein neuer Ort soll nicht bedeuten, dass eine neue Software programmiert werden muss. Im Idealfall werden lediglich die Ortsdaten, Quellen und Zuständigkeiten hinterlegt und die vorhandene Infrastruktur übernimmt den Rest.
Neukirchen ist der Ausgangspunkt, anschließend soll Nordfriesland folgen. Mit wachsender Verbreitung werden Automatisierung und regionale Betreuung kombiniert. Die Technik kann zentral skaliert werden, trotzdem soll sich kommunity360 für einen Bürger immer wie eine Plattform für seinen eigenen Ort anfühlen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform aufbauen, bei der mehrere unterschiedliche Nutzergruppen gleichzeitig gewonnen werden müssen?
Erstens: Das Produkt muss bereits für den ersten Nutzer einen Nutzen haben. Wer zuerst tausende Mitglieder benötigt, bevor seine Plattform interessant wird, macht sich den Start unnötig schwer.
Zweitens: Automatisierung von Anfang an mitdenken. Was bei einem Pilotprojekt zehn Minuten Handarbeit verursacht, kann bei 10.000 Standorten zu einem riesigen Problem werden.
Drittens: Nicht versuchen, jede Nutzergruppe mit demselben Argument zu überzeugen. Bürger, Unternehmen und Kommunen nutzen kommunity360 aus unterschiedlichen Gründen. Das Produkt muss diese Interessen zusammenbringen, ohne dass eine Gruppe auf Kosten der anderen gewinnt.
Bildcredits DELLWING ONLINE GmbH
Wir bedanken uns bei Martin Dellwing für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

















