Das Startup Razeco entwickelt Rasierer mit biobasiertem Klingenkopf und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Alternative zu herkömmlichen Plastikrasierern vorzustellen.
Wie ist die Idee zu Razeco entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?
Hinter Razeco stehen wir drei: die Geschwister Victor und Louisa Haisch und unser Mitgründer Ivo Lovric. In unserer Familie dreht sich seit Jahren viel um Materialien. Sie betreibt Biotech-Unternehmen, die biobasierte Kunststoffe entwickeln, und Louisa führt als Geschäftsführerin die Firma. Angefangen hat alles mit einer Frage, die wir uns selbst gestellt haben. Wir achten darauf, was wir essen, welche Creme wir benutzen, was wir anziehen. Aber beim Rasierer, der jeden Tag direkt auf die Haut kommt, hatten wir keine echte Wahl. Wir haben gesucht und nichts gefunden, das sich anfühlt wie ein gewohnter Rasierer, ohne Plastikkopf und Gelstreifen auskommt und nicht verlangt, dass man sein ganzes System wechselt. Wir haben irgendwann gesagt: Dann bauen wir ihn eben selbst.
In welcher Branche ist Razeco tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?
Wir machen Rasierer, also Körperpflege. Ein Massenmarkt, den seit Jahrzehnten ein paar große Konzerne unter sich aufteilen und in dem sich beim Material lange kaum etwas getan hat. Unser Razeco5 hat einen Griff aus Stahl, Stahlklingen und einen Klingenkopf aus biobasiertem Material, zu 99 % frei von fossilem Plastik. Unser wichtigster Kniff: Die Köpfe passen auch auf alle Griffe mit Gillette-Fusion5-Mechanismus und auf Gillette Venus. Wir wollten, dass die bessere Entscheidung die einfachere ist. In Millionen Badezimmern liegt schon ein passender Griff, und den kann man einfach weiter benutzen. Verkauft wird über unseren Shop, gerne im Abo, über Amazon und im Handel.
Welches konkrete Problem löst Razeco und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?
Fast jeder rasiert sich, und kaum jemand fragt, woraus das Produkt eigentlich besteht. Klingenköpfe sind meistens aus Plastik, viele haben einen Gelstreifen, der sich bei jeder Rasur auf der Haut verteilt. Für uns ist ein Rasierer ein Hautkontaktprodukt und sollte auch so gebaut werden. Bisher gab es zwei Möglichkeiten: den gewohnten Plastikrasierer aus dem Drogerieregal oder einen kompletten Umstieg, etwa auf einen Rasierhobel, mit dem viele erst mal nicht zurechtkommen. Eine Option dazwischen gab es nicht. Genau da setzen wir an. Unser Klingenkopf ist nach TÜV Austria OK Biobased mit vier Sternen zertifiziert, kommt ohne Gelstreifen aus. Die Routine bleibt gleich, nur die Entscheidung ist besser – für die eigene Haut und nebenbei auch für die Umwelt.
Warum habt ihr euch mit Razeco entschieden, in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?
Ehrlich gesagt, weil wir als kleines Team gegen sehr große Marken antreten. Die haben Werbebudgets, von denen wir nur träumen können. Viele Menschen wissen gar nicht, dass es eine Alternative zu ihrem Rasierer gibt, und die Höhle der Löwen ist eine der wenigen Bühnen, auf denen man das einem großen Publikum zeigen kann. Dazu kommt: Wir wollten Leute an Bord, die schon mal ein Konsumprodukt in den Handel gebracht haben und wissen, wie es dort läuft. Und ein bisschen war es auch der Reiz, uns als Team gemeinsam dieser Situation zu stellen.
Wer war von Anfang an euer Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum würde dieser Investor besonders gut zu Razeco passen?
Einen einzigen Wunschlöwen hatten wir nicht. Uns war wichtiger, wofür jemand steht: Erfahrung im Handel, ein Gespür für Produkte, die man täglich benutzt, und die Überzeugung, dass Menschen bessere Entscheidungen treffen, wenn man es ihnen leicht macht.
Welche Unterstützung erhofft ihr euch von den Investoren in der Höhle der Löwen neben dem Kapital am meisten?
Erfahrung, die man nicht kaufen kann. Wir drei haben schon gelernt, wie man ein Produkt entwickelt und online verkauft. Die richtigen Kontakte im Netzwerk erleichtern den Einstieg in die Drogerie. Genau dort fällt aber die Entscheidung der meisten Menschen, und dort wollen wir die Alternative sein. Da wünschen wir uns jemanden, der uns sagt, wo wir Fehler machen, bevor wir sie machen.
Welche nächsten Schritte plant ihr mit Razeco nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und welche konkreten Pläne gibt es für Wachstum und neue Entwicklungen?
Wir haben unser Sortiment bewusst verkleinert und konzentrieren uns komplett auf den Razeco5 und die Ersatzklingen. Lieber ein Produkt richtig gut als fünf halbe. Im Handel sind wir schon bei Budnikowsky und in den USA bei Erewhon vertreten, das wollen wir ausbauen. Und wenn die Rasur steht, geht es weiter mit Pflegeprodukten. Die Frage bleibt dieselbe: Was kommt eigentlich jeden Tag auf unsere Haut, und warum gibt es dafür so oft keine bessere Wahl?
Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg mit Razeco als besonders wertvoll erwiesen?
Die wichtigste Lektion kam früh und war unangenehm. Bei unserer ersten Charge hat sich bei manchen Rasierern der Kopf gelöst. Das Material stand im Griff unter Dauerdruck und hat irgendwann nachgegeben. Wir haben uns zusammengesetzt, den Griff umkonstruiert, und seit der zweiten Charge ist das Problem weg. Seitdem wissen wir: Ein Produkt ist erst fertig, wenn es im Alltag funktioniert, nicht wenn es im Labor funktioniert. Die zweite Lektion: Menschen wollen bessere Entscheidungen treffen, aber nicht auf Kosten ihres Alltags. Und die dritte: Mit Familie zu gründen ist anstrengend und großartig zugleich. Man streitet ehrlicher, aber man weiß auch, dass niemand hinschmeißt.
Welche Ratschläge lassen sich aus euren Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?
Sucht euch ein Team, in dem jeder etwas anderes kann. Bei uns kommen Material, Produkt und Zahlen aus verschiedenen Köpfen, und genau das hat uns durch schwierige Phasen getragen. Wenn ihr selbst etwas vermisst und es keine Alternative gibt, ist das oft das beste Signal, dass andere es auch vermissen. Verkauft früh an echte Menschen, nicht nur an Freunde. Deren Feedback ist härter, aber ehrlicher. Wenn etwas schiefgeht, redet offen darüber und repariert es schnell. Versucht nicht, die Gewohnheiten von Menschen umzukrempeln, sondern macht die bessere Wahl zur einfachen. Und kümmert euch früh um die langweiligen Dinge: Marken, Verträge, Zertifikate.
Was unterscheidet den Razeco5 im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?
Im Rasierer-Regal ist meistens alles bunt, glänzend und aus Plastik. Der Razeco5 ist das Gegenteil: ein schlichter Stahlgriff, der sich wertig anfühlt und lange hält, mit einem Klingenkopf aus biobasiertem Material ohne Gelstreifen. Hinzu kommt die Verpackung, die an ein iPhone erinnert. Nachhaltigkeit muss nicht „Öko“ aussehen, sondern muss sich mindestens genauso gut anfühlen und aussehen, wie das, was die Menschen bisher kennen.
Wie bereitet ihr bei Razeco eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den möglichen Nachfrageansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?
Gemeinsam haben wir den kompletten Bestellweg immer wieder durchgespielt, von der Startseite über den Warenkorb bis zur Zahlung und zur Bestätigungsmail. Wir haben getestet, was wir testen konnten: verschiedene Geräte, verschiedene Zahlungsarten, Abo und Einzelkauf, viele Bestellungen gleichzeitig. Generell war Austausch und die Frage nach dem besten Vorgehen, wenn es schnell und viel sein muss, eine sehr zentrale in den letzten Wochen.
Sehen Sie Razeco am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen
Bild Gründer Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch (v.li.) Foto: RTL
Wir bedanken uns bei Louisa Haisch und Victor Haisch und Ivo Lovric für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.















