NEXUM Intelligence entwickelt eine Plattform, auf der 65 spezialisierte KI-Agenten Unternehmen bei strategischen Entscheidungen, Geschäftsplanung und operativen Aufgaben unterstützen sollen.
Melina und Luise, könnt ihr euch und NEXUM Intelligence kurz vorstellen und erzählen, wie aus euren eigenen Erfahrungen als Gründerinnen die Idee für ein KI-gestütztes Business Operating System entstanden ist?
Wir sind Melina Kühn und Luise Rimola, die Gründerinnen von NEXUM Intelligence. Unsere beruflichen Hintergründe könnten unterschiedlicher kaum sein, und genau darin liegt unsere Stärke. Melina kommt aus der Forschung zu Mensch-KI-Interaktion und der strategischen Unternehmensberatung, Luise aus der technischen Architektur, Prozessautomatisierung und IT-Sicherheit. Uns verbindet die Überzeugung, dass Unternehmen heute mehr brauchen als einzelne Tools. Sie brauchen ein intelligentes System, das Denken, Entscheiden und Umsetzen miteinander verbindet.
Die Idee für NEXUM Intelligence entstand aus unseren Erfahrungen in der Forschung und der Zusammenarbeit mit Unternehmen unterschiedlicher Größen und Entwicklungsphasen. Wir haben gesehen, dass junge Unternehmen die gleichen komplexen Fragen haben wie Konzerne, aber nicht das Team, um all diese Themen strukturiert zu bearbeiten. Gleichzeitig liefern klassische Tools nur Fragmente und unterstützen nicht bei echten Entscheidungen. Aus dieser Lücke heraus ist NEXUM Intelligence entstanden: ein KI-basiertes Business Operating System, das wie ein digitales Venture- und Managementteam arbeitet und Unternehmen von der Analyse bis zur Umsetzung autonom unterstützt.
Ihr verbindet wissenschaftliche Forschung mit unternehmerischer Erfahrung. Wie habt ihr als Gründerinnen zusammengefunden und welche unterschiedlichen Kompetenzen bringt ihr in die Entwicklung von NEXUM Intelligence ein?
Wir haben uns an derselben Hochschule kennengelernt, an der Melina doziert und Luise ihren Abschluss gemacht hat. Über das dortige Startup Center kamen wir erstmals miteinander in Kontakt. Schon in den ersten Gesprächen wurde deutlich, dass unsere Perspektiven und Kompetenzen sich ideal ergänzen.
Melina bringt wissenschaftliche Expertise aus der Mensch-KI-Interaktion und Erfahrung aus Transformations- und Innovationsprojekten mit. Sie verantwortet deshalb Strategie, Produktvision, Marke und Wachstum. Luise kommt aus der Softwareentwicklung, Prozessautomatisierung und IT-Sicherheit und verantwortet die technische Strategie, Produktentwicklung und Architektur.
Diese Kombination aus Forschung, Technologie und unternehmerischer Praxis prägt die gesamte Entwicklung von NEXUM Intelligence und ermöglicht uns, ein System zu bauen, das sowohl wissenschaftlich fundiert als auch technisch robust und marktnah ist.
Ihr bezeichnet eure Lösung als AI-native Business Operating System. Was bedeutet dieser Ansatz konkret und welches Problem möchtet ihr damit für Startups, Scale-ups und etablierte Unternehmen lösen?
AI-native bedeutet, dass unser System nicht nachträglich mit KI erweitert wurde, sondern vollständig um KI herum gebaut ist. NEXUM Intelligence umfasst ein orchestriertes Multi-Agenten-System, das wie ein digitales Venture- und Managementteam arbeitet. Es analysiert Märkte, entwickelt Geschäftsmodelle, simuliert Szenarien, trifft vorbereitende Entscheidungen und setzt Aufgaben eigenständig um.
Das zentrale Problem, das wir lösen, ist die strukturelle Überforderung vieler Unternehmen. Start-ups haben die Fragen eines Konzerns, aber nicht das Team dafür. Scale-ups müssen gleichzeitig wachsen, planen und operativ stabil bleiben. Etablierte Unternehmen kämpfen mit Komplexität, Datenfragmentierung und Geschwindigkeit. NEXUM Intelligence schafft ein System, das diese Herausforderungen integriert und Unternehmen eine neue Form von strategischer und operativer Intelligenz bereitstellt.
NEXUM Intelligence soll ein digitales Venture- und Managementteam bereitstellen. Wie arbeiten eure autonomen KI-Agenten zusammen und welche Aufgaben können sie tatsächlich eigenständig übernehmen?
Unsere Plattform besteht aus einem übergreifenden Enterprise Manager und 65 spezialisierten KI-Agenten, die in 14 Teams organisiert sind. Der Enterprise Manager koordiniert alle Agenten, prüft Qualität, gleicht Ergebnisse ab und stellt sicher, dass Entscheidungen logisch zusammenpassen.
Die Agenten übernehmen eigenständig vielfältige Aufgaben, von Markt-, Wettbewerbs- und Kundenanalysen über Businesspläne, Pitch-Decks und Finanzplanungen. Darüber hinaus erstellen sie Projekt- und Aufgabenpläne, steuern Fristen und Automatisierungen, entwickeln Marketingstrategien, Kampagnen und Inhalte und analysieren Kennzahlen, Prognosen sowie mögliche Risiken.
Dabei greifen ihre Kompetenzen wie in einem eingespielten Team ineinander: Jeder Agent baut auf den Ergebnissen der anderen auf.
Von Market Intelligence über Business Modeling bis hin zu Funding und Operations deckt eure Plattform zahlreiche Unternehmensbereiche ab. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen KI-Agenten und wie verhindert ihr widersprüchliche Ergebnisse oder Entscheidungen?
Die Zusammenarbeit erfolgt über eine orchestrierte Architektur, in der jeder Agent innerhalb definierter Workflows arbeitet, die miteinander verknüpft sind. Der Enterprise Manager überwacht alle Schritte, prüft Logik, Quellen und Daten und sorgt dafür, dass Ergebnisse konsistent bleiben.
Widersprüche werden durch ein gemeinsames Unternehmensprofil als Datenbasis, transparente Herleitungen aller Aussagen, klickbare Quellen, nachvollziehbare Berechnungen und definierte Freigabeprozesse verhindert. So entsteht ein integriertes System statt isolierter KI-Fragmente.
Immer mehr Unternehmen setzen KI-Tools für einzelne Aufgaben ein. Was unterscheidet NEXUM Intelligence von klassischen KI-Assistenten und bestehenden Automatisierungsplattformen?
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass wir Systeme bauen, nicht Tools. Klassische KI-Assistenten liefern Antworten auf einzelne Prompts. Automatisierungsplattformen verbinden Tools miteinander.
NEXUM Intelligence betrachtet dagegen das Unternehmen als Ganzes. Die Plattform erstellt ein digitales Abbild der Organisation und koordiniert spezialisierte KI-Agenten, die ihre Ergebnisse aufeinander abstimmen. So entstehen vollständige, geprüfte Unterlagen statt einzelner Fragmente. Analyse, Entscheidung und Umsetzung greifen dabei in einem durchgängigen Workflow ineinander.
Gleichzeitig arbeiten wir DSGVO-konform und hosten ausschließlich in Deutschland. Während andere Anbieter Tools aneinanderstecken, entwickeln wir die Intelligenz und die Infrastruktur selbst.
Strategische Unternehmensentscheidungen können weitreichende finanzielle Folgen haben. Wie überprüft ihr die Qualität der KI-generierten Ergebnisse und an welchen Stellen bleibt die menschliche Kontrolle unverzichtbar?
Qualitätssicherung ist ein Kernprinzip unserer Architektur. Jede Aussage wird nachvollziehbar hergeleitet, mit Quellen belegt und durch den Enterprise Manager geprüft. Zahlen, Annahmen und Projektionen werden transparent dargestellt und können jederzeit korrigiert werden.
Bei wichtigen Entscheidungen bleibt die menschliche Kontrolle unverzichtbar. Das gilt besonders für finanzielle Freigaben, die Bewertung von Szenarien, strategische Prioritäten und Anpassungen an den jeweiligen Unternehmenskontext. Unsere Agenten liefern belastbare Entscheidungsgrundlagen, aber die Verantwortung bleibt bewusst beim Menschen.
Ihr setzt auf Datenhosting ausschließlich in Deutschland und richtet euch auch an regulierte Branchen wie FinTech, InsurTech und HealthTech. Welche technischen und organisatorischen Maßnahmen ergreift ihr für Datenschutz, Datensicherheit und regulatorische Anforderungen?
Wir hosten ausschließlich in Deutschland, arbeiten DSGVO-konform und orientieren uns an etablierten Sicherheitsstandards wie ISO-27001.
Unsere Maßnahmen umfassen pseudonymisierte Datenverarbeitung, strikte Rollen- und Rechtekonzepte, verschlüsselte Datenübertragung und Speicherung, modulare Architektur zur Trennung sensibler Daten sowie klare Governance-Prozesse für Freigaben und Automatisierungen.
Damit schaffen wir eine Infrastruktur, die sowohl innovativ als auch sicher ist und den Anforderungen regulierter Branchen gerecht wird.
Gerade junge Unternehmen verfügen häufig nur über begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen. Welche konkreten Vorteile bietet NEXUM Intelligence für Startups und Scale-ups und wie gestaltet ihr euer Geschäftsmodell für diese Zielgruppen?
Start-ups und Scale-ups profitieren besonders stark, weil sie die Fragen eines Konzerns haben, aber nicht das Team dafür. NEXUM Intelligence übernimmt Analyse, Planung und Umsetzung und liefert vollständige Ergebnisse, die sonst nur durch teure Beratung oder große Teams möglich wären.
Dadurch können junge Unternehmen schneller fundierte Entscheidungen treffen, Businesspläne, Pitch-Decks und Finanzpläne vollständig erstellen, operative Prozesse strukturieren und Wachstumsschritte klar vorbereiten.
Aktuell läuft unser Pilotprogramm, in dem Unternehmen frühzeitig Zugang zur Plattform erhalten und die Entwicklung aktiv mitgestalten können. Dieses Programm ist bewusst so konzipiert, dass es jungen Unternehmen den Einstieg in agentische Unternehmensführung erleichtert und ihnen die Möglichkeit gibt, die Technologie in einem begleiteten Rahmen produktiv einzusetzen.
Parallel dazu bieten wir im Rahmen unserer regulären Produktpakete spezielle Startup-Pakete an, die sich explizit an den Anforderungen der Unternehmensgründung orientieren. Sie decken die Bereiche ab, die in der frühen Phase besonders entscheidend sind – von Markt- und Wettbewerbsanalysen über Rechtsform- und Genehmigungsfragen bis hin zu Business Modeling und Finanzplanung.
Diese Pakete sind so gestaltet, dass sie für junge Unternehmen finanziell abbildbar sind und gleichzeitig den vollen strategischen und operativen Nutzen eines KI-basierten Business Operating Systems bieten.
Damit schaffen wir einen Zugang zu einer Technologie, die Start-ups und Scale-ups strukturell stärkt, ihre Geschwindigkeit erhöht und ihnen ein digitales Team an die Seite stellt, das mitdenkt, entscheidet und liefert.
Als zwei Gründerinnen entwickelt ihr ein technologisch anspruchsvolles Produkt in einem stark umkämpften KI-Markt. Welche Herausforderungen habt ihr beim Aufbau von NEXUM Intelligence erlebt und welche Rolle spielt eure wissenschaftliche Expertise dabei?
Eine zentrale Herausforderung war, ein System zu bauen, das nicht nur Antworten liefert, sondern echte Unternehmenslogiken versteht. Multi-Agenten-Architekturen sind komplex. Sie müssen miteinander denken, entscheiden und handeln.
Gleichzeitig mussten wir eine technische Infrastruktur schaffen, die sicher, skalierbar und regulatorisch konform ist. Unsere wissenschaftliche Expertise war dabei entscheidend. Melinas Forschung zu Mensch-KI-Interaktionen hat uns geholfen, KI so zu gestalten, dass sie akzeptiert wird und echte Unterstützung bietet.
Luises technische Expertise hat ermöglicht, die Architektur modular, sicher und leistungsfähig aufzubauen. Der Markt ist kompetitiv, aber genau darin liegt unsere Stärke: Wir bauen nicht Tools, sondern ein System, das Unternehmensführung neu definiert.
Wie weit ist die Entwicklung eurer Plattform aktuell fortgeschritten, welche Erfahrungen habt ihr mit ersten Anwendern gesammelt und welche nächsten Schritte plant ihr bei Produktentwicklung, Markteintritt und Wachstum?
Wir befinden uns aktuell in der Pilotphase und damit in einer frühen, aber sehr fokussierten Entwicklungsphase von NEXUM Intelligence. Die grundlegende Architektur unseres Multi-Agenten-Systems steht, zentrale Funktionsbereiche sind konzipiert und erste Module sind so weit entwickelt, dass wir sie gemeinsam mit Pilotkunden in realen Anwendungsszenarien testen und weiter ausbauen können.
Derzeit nehmen wir erste Pilotkunden an Bord, mit denen wir die Plattform Schritt für Schritt weiterentwickeln. In dieser Phase geht es nicht nur darum, Funktionen bereitzustellen, sondern vor allem darum, konkrete Workflows zu definieren, zu erproben und iterativ zu verbessern.
Die Erfahrungen aus den ersten Gesprächen und Tests zeigen, dass der Bedarf an einem integrierten, agentischen System hoch ist und dass insbesondere die Strukturierung von Ideen, Vorhaben und strategischen Entscheidungen als großer Mehrwert wahrgenommen wird.
Unsere nächsten Schritte liegen in der vertieften gemeinsamen Entwicklung mit diesen Pilotpartnern. Wir bauen die Plattform weiter aus, schärfen die Agenten-Workflows und erweitern sukzessive die Bereiche, die für Start-ups und Scale-ups besonders relevant sind. Parallel dazu arbeiten wir an einer Roadmap für den Übergang von der Pilotphase in die Markteintrittsphase.
Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit NEXUM Intelligence und welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein technologiebasiertes Unternehmen im KI-Bereich aufbauen möchten?
Unsere Vision ist es, strategisches Know-how, Innovationskraft und Umsetzungskompetenz zu demokratisieren. Wir glauben an eine Zukunft, in der Unternehmen nicht mehr zwischen Analyse, Entscheidung und Umsetzung getrennt denken müssen.
NEXUM Intelligence soll das intelligente Betriebssystem für die nächste Generation von Unternehmen werden, ein System, das Organisationen stärkt, Wachstum ermöglicht und Verantwortung übernimmt.
Gründerinnen und Gründern im KI-Bereich empfehlen wir, nicht nur Tools zu entwickeln, sondern echte Systeme, die gemeinsam mit ihren Nutzerinnen und Nutzern wachsen. Die Zukunft liegt in Lösungen, die menschliche Expertise und künstliche Intelligenz nicht nebeneinanderstellen, sondern zu einer neuen, gemeinsamen Intelligenzschicht im Unternehmen verbinden.
Forschung und Praxis sollten dabei eng miteinander verzahnt sein, denn nur so entstehen Architekturen, die langfristig tragfähig sind und den Anforderungen realer Organisationen standhalten.
Ebenso entscheidend ist ein klarer Fokus auf Sicherheit, Transparenz und Governance. KI wird nur dann akzeptiert, wenn sie verlässlich arbeitet, nachvollziehbar bleibt und Unternehmen die Kontrolle behalten.
Bildrecht: privat
Wir bedanken uns bei Melina Kühn und Luise Rimola für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.














