PITEVA entwickelt eine digitale Lösung für die Personalorganisation in der Pflege, die Dienstpläne, Qualifikationen und Verfügbarkeiten übersichtlich zusammenführt.
Christian, kannst du dich und PITEVA kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine digitale Plattform für die Personalorganisation im Gesundheits- und Pflegebereich zu entwickeln?
Ich bin Christian Koch, Gründer und Geschäftsführer von PITEVA. Ich habe selbst in der Pflege und im Rettungsdienst gearbeitet und fast drei Jahre vor der Kamera für das Format „Notruf“ gearbeitet. Die Idee entstand aus meiner Erfahrung und aus Gesprächen mit meiner Frau Michaela Voigt. Sie arbeitet in der Pflege, ist stellvertretende Wohnbereichsleitung und macht gerade ihren PDL-Schein. Sie erzählte mir, wie viel Zeit das Erstellen von Dienstplänen und andere Verwaltungsaufgaben beanspruchen. Unsere Motivation war, im Arbeitsalltag Zeit zu sparen, damit mehr Zeit für die Menschen bleibt.
Daraufhin begann ich mit einer App für die Dienstplanung. Gemeinsam mit Michaela Voigt, Adrian Schaarschmidt und Christopher Wöffen habe ich PITEVA Schritt für Schritt weiterentwickelt. Ich verantworte als Geschäftsführer die Produktidee und Entwicklung. Michaela bringt ihre Pflegepraxis ein und unterstützt den Vertrieb. Adrian ist stellvertretender Geschäftsführer und wirkt an der Unternehmensentwicklung mit. Christopher unterstützt den Vertrieb und die Kundenansprache.
Die Personalplanung gehört in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Rettungsdiensten zu den größten organisatorischen Herausforderungen. Welche konkreten Probleme hast du erkannt und welche davon möchtest du mit PITEVA lösen?
Dienstpläne zu erstellen und aktuell zu halten kostet viel Zeit. Verfügbarkeiten, Qualifikationen, verschiedene Rollen und kurzfristige Änderungen müssen dabei zusammenpassen. Informationen liegen im Alltag oft an verschiedenen Stellen, was Abstimmungen erschwert. PITEVA soll diese Personalorganisation an einem Ort übersichtlicher machen: Verantwortliche können Mitarbeitende und Rollen verwalten, Verfügbarkeiten und Qualifikationen im Blick behalten und Dienstpläne organisieren. So wollen wir Verwaltungsaufwand verringern und die Abstimmung im Team erleichtern.
PITEVA richtet sich gleichzeitig an stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, Krankenhäuser und den Rettungsdienst. Warum hast du dich für diese vier Bereiche entschieden und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede musst du bei der Softwareentwicklung berücksichtigen?
Ich habe mich für diese vier Bereiche entschieden, weil meine beruflichen Erfahrungen sowohl die Pflege als auch den Rettungsdienst umfassen und in allen Bereichen eine verlässliche Personalplanung wichtig ist. Gemeinsam sind die Anforderungen an klare Dienstpläne, verfügbare Mitarbeitende und passende Qualifikationen. Die Abläufe und Rollen unterscheiden sich jedoch deutlich: Ein Pflegeheim arbeitet anders als ein ambulanter Dienst, ein Krankenhaus oder eine Rettungswache. Deshalb entwickeln wir eine gemeinsame technische Grundlage mit passenden Betriebsarten, Rollen und Oberflächen für den jeweiligen Bereich.
Mit PITEVA sollen Dienst- und Schichtpläne, Mitarbeiterrollen, Qualifikationen und Verfügbarkeiten digital organisiert werden. Wie funktioniert die Plattform im Arbeitsalltag und welche Aufgaben können Verantwortliche dadurch einfacher erledigen?
Die webbasierte Haussoftware dient der Verwaltung und Planung. Verantwortliche können dort Mitarbeitende und ihre Rollen pflegen, Verfügbarkeiten und Qualifikationen berücksichtigen und Dienstpläne organisieren. Die Android-App ergänzt die Plattform für den mobilen Einsatz. Ziel ist, dass Mitarbeitende und Verantwortliche die für sie relevanten Informationen ohne unnötige Umwege finden. Der Funktionsumfang wird laufend ausgebaut; die einzelnen Betriebsarten erhalten dabei die jeweils passenden Rollen und Menüs.
Gerade im Gesundheitswesen können kurzfristige Krankmeldungen, Personalausfälle oder veränderte Einsatzanforderungen die gesamte Planung beeinflussen. Wie soll PITEVA dabei helfen, auf solche Situationen zu reagieren und gleichzeitig die notwendigen Qualifikationen im Blick zu behalten?
PITEVA soll die Verantwortlichen dabei unterstützen, verfügbare Mitarbeitende und relevante Qualifikationen schneller zu überblicken, wenn sich eine Planung ändert. Damit kann die zuständige Leitung geeignete Möglichkeiten prüfen und die Planung anpassen. Die fachliche Entscheidung bleibt bei den Verantwortlichen vor Ort. Automatisierte Ersatzsuche und Benachrichtigungen bauen wir schrittweise aus; ich möchte diese Funktionen erst dann als verfügbar darstellen, wenn sie zuverlässig umgesetzt und geprüft sind.
Neben der webbasierten Software entwickelst du eine Android-App. Welche Funktionen sollen Mitarbeitende künftig mobil nutzen können und wie stellst du sicher, dass die Anwendung auch unter Zeitdruck einfach und verständlich bleibt?
Die Android-App soll Mitarbeitenden den mobilen Zugriff auf ihre relevanten Dienstplaninformationen und organisatorischen Funktionen ermöglichen. Je nach Betriebsart sollen nur die passenden Bereiche und Rollen angezeigt werden. Damit die Bedienung auch in einem hektischen Arbeitsalltag verständlich bleibt, orientieren wir die Oberflächen an den konkreten Aufgaben der Nutzerinnen und Nutzer und holen Rückmeldungen aus der Praxis ein. Die App und die Haussoftware entwickeln wir als zusammengehörige Lösung weiter.
Die vier Einsatzbereiche unterliegen unterschiedlichen organisatorischen und rechtlichen Anforderungen. Wie berücksichtigst du beispielsweise Arbeitszeitregelungen, Ruhezeiten und bereichsspezifische Qualifikationen bei der Entwicklung deiner Software?
Die Anforderungen müssen je Betriebsart und Einrichtung berücksichtigt werden. PITEVA soll Rollen, Qualifikationen und Planungsregeln passend zum jeweiligen Bereich abbilden und Verantwortliche auf mögliche Konflikte aufmerksam machen. Arbeitszeit- und Tarifvorgaben können sich je nach Träger und Einrichtung unterscheiden; sie müssen deshalb korrekt konfiguriert und fachlich geprüft werden. PITEVA soll die Planung unterstützen, aber die Prüfung und Verantwortung der Leitung nicht ersetzen.
Bei der digitalen Personalorganisation werden auch sensible Mitarbeiterdaten verarbeitet. Welche Anforderungen an Datenschutz, Zugriffsrechte und Datensicherheit sind für PITEVA besonders wichtig und wie setzt du diese technisch um?
Wichtig sind für mich zweckgebundene und sparsame Datenverarbeitung sowie Zugriffsrechte, die sich an den Aufgaben und Rollen der Nutzer orientieren. Eine Einrichtung soll ihre Daten nur den jeweils berechtigten Personen zugänglich machen. In der öffentlichen Demo verwenden wir ausschließlich fiktive Beispieldaten. Datenschutz und technische Absicherung prüfen und erweitern wir fortlaufend, bevor neue Funktionen für den produktiven Einsatz freigegeben werden.
Interessierte können PITEVA bereits über eine interaktive Demo ohne Registrierung ausprobieren. Warum hast du dich für diesen offenen Zugang entschieden und welche Erkenntnisse möchtest du aus dem Feedback potenzieller Nutzer gewinnen?
Die offene Demo soll Interessierten ermöglichen, typische Abläufe ohne große Einstiegshürde kennenzulernen. Sie arbeitet mit fiktiven Beispieldaten. Für ein eigenes Konto und die Nutzung der Haussoftware ist eine Registrierung erforderlich – auch im kostenlosen Tarif. Vom Feedback möchten wir erfahren, welche Abläufe verständlich sind, wo Nutzer Unterstützung brauchen und welche Funktionen im Alltag den größten Nutzen bringen.
Einige bereichsspezifische Funktionen befinden sich noch in der Entwicklung. Welche Bestandteile von PITEVA sind bereits einsatzbereit, welche Herausforderungen bestehen noch und nach welchen Kriterien entscheidest du, welche Funktionen als Nächstes umgesetzt werden?
Zum bestehenden Funktionskern gehören die Verwaltung von Mitarbeitenden und Rollen sowie die Organisation von Dienstplänen, Verfügbarkeiten und Qualifikationen. Die vier Betriebsarten sind Teil des Produkts; bereichsspezifische Oberflächen und Abläufe werden weiter ausgebaut. Noch zu bearbeiten sind vor allem vollständige Fachabläufe für jeden Bereich, der sichere und zuverlässige Austausch zwischen App und Haussoftware sowie weitere Automatisierungen und Integrationen. Priorität haben Funktionen, die ein konkretes Problem lösen, sicher bedienbar sind und in der Praxis einen klaren Nutzen bringen.
Der Markt für Dienstplanungs- und Personalmanagementsoftware ist bereits stark umkämpft. Was soll PITEVA von etablierten Lösungen unterscheiden, welches Geschäftsmodell verfolgst du und wie möchtest du erste Einrichtungen als Kunden gewinnen?
PITEVA verbindet eine Haussoftware mit einer Android-App und richtet die Arbeitsoberfläche gezielt auf vier Einsatzbereiche aus. Unser Ansatz kommt aus eigenen Erfahrungen in Pflege und Rettungsdienst und soll den Arbeitsalltag der jeweiligen Teams berücksichtigen. Es gibt einen kostenlosen Einstieg für kleine Teams; zusätzliche Nutzung wird über kostenpflichtige Abonnements angeboten. Erste Einrichtungen möchten wir über die interaktive Demo, den direkten Austausch mit Fachkräften und die schrittweise Erprobung mit interessierten Teams gewinnen.
Welche langfristige Vision verfolgst du mit PITEVA und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine Softwarelösung für eine komplexe und stark regulierte Branche entwickeln möchten?
Meine Vision ist, eine verlässliche digitale Personalorganisation für Pflege, Krankenhäuser, ambulante Dienste und Rettungsdienste aufzubauen, die Verwaltungsaufwand reduziert und mehr Zeit für Menschen schafft. Drei Ratschläge würde ich geben: Erstens, genau zuhören und ein echtes Problem aus der Praxis lösen. Zweitens, die späteren Nutzerinnen und Nutzer früh in die Entwicklung einbeziehen. Drittens, ehrlich kommunizieren, was bereits funktioniert und was noch entwickelt oder geprüft werden muss.
Bild: Christian Koch, Gründer und CEO von PITEVA (links), Michaela Voigt, Qualitätsmanagement (Mitte), und Adrian Schaarschmidt, stellvertretender Geschäftsführer und Entwicklung (rechts). Bildnachweis: Christian Koch / PITEVA. Das Teamfoto wurde digital aus bereitgestellten Porträts zusammengesetzt.
Wir bedanken uns bei Christian Koch für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















