Donnerstag, November 5, 2026
StartInterviewsSoftware vor Übernahme: Voyager AI digitalisiert Nachfolge bei Reiseveranstaltern

Software vor Übernahme: Voyager AI digitalisiert Nachfolge bei Reiseveranstaltern

Voyager AI entwickelt eine Plattform für Reiseveranstalter, die mithilfe künstlicher Intelligenz Arbeitsabläufe digitalisiert und gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Unternehmensnachfolge schafft.

Ina, können Sie sich und Ihren Mitgründer Johann Horch kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, mit Voyager AI künstliche Intelligenz und Unternehmensnachfolge in der Reisebranche miteinander zu verbinden?

Ich bin Ina Just, Gründerin & CEO von Voyager AI, und verantworte Technologie, Plattform und Partnerschaften. Und ich habe Wirtschaftsmathematik studiert und rund 20 Jahre Produktstrategie und Softwareentwicklung in der FinTech-Branche verantwortet, zuletzt als Geschäftsführerin mit Gesamtverantwortung für P&L, Sales, Kunden und Mitarbeiter. Ich baue KI so, dass sie Berater unterstützt und keine Entscheidungen abnimmt.

Johann Horch ist Co-Founder und Chief Growth Officer und verantwortet Strategie, Finanzen, Wachstum und M&A. Von 2017 bis 2025 war er CEO der niiio finance group AG, mit 10 Übernahmen, rund 300 Mitarbeitenden und rund 32 Mio. Euro Umsatz. Seine Überzeugung: Der Wert einer Übernahme entsteht in der Integration.

Gemeinsam bringen wir 18 Jahre Track Record mit: Wir haben ein börsennotiertes WealthTech aufgebaut, ich als Chief Product Officer, Johann als CEO, mit Reverse IPO, M&A-Roll-up und Exit an einen Private-Equity-Investor 2023. 2026 gründen wir Voyager AI, um dieses Modell in der Reisebranche zu wiederholen.

Wie die Idee entstand

Der Anlass war mein Reiseveranstalter Individual Journey. Angebote kamen als PDF, Word und PowerPoint, und ich saß weiter am Rechner, statt zu reisen. Also haben wir uns selbst eine KI-Plattform gebaut, die unsere Prozesse beschleunigt.

Wie die Nachfolge dazukam

Johann kennt aus zehn Übernahmen den Moment, in dem ein Inhaber übergeben will und nichts da ist, an das er übergeben kann. In der Reisebranche ist es dieselbe Lücke. Ein Betrieb, dessen Abläufe auf einer Plattform liegen statt im Kopf des Inhabers, läuft ohne ihn. So haben wir Plattform und Roll-up zu einem Modell verbunden.

Sie konzentrieren sich gezielt auf Spezialreiseanbieter und inhabergeführte Reiseunternehmen. Welche strukturellen Probleme haben Sie in diesem Markt erkannt und warum sehen Sie gerade hier besonders großes Potenzial für ein neues Geschäftsmodell?

Die Ausgangslage

In der DACH-Region gibt es rund 800 inhabergeführte Spezialreiseveranstalter. Zwei Dinge treffen dort zusammen:

  1. Software: 95 Prozent arbeiten ohne integrierte Software, Angebot, Kalkulation und Reiseunterlagen laufen über getrennte Werkzeuge.
  2. Nachfolge: Rund 262 Betriebe, ungefähr ein Drittel, haben bis 2030 keinen Nachfolger.

Das Potenzial

Die Abläufe stecken im Kopf des Inhabers, und ohne Plattform lässt sich nicht konsolidieren. Wir migrieren die Veranstalter auf Voyager, wachsen gemeinsam und machen aus One-Off-Project-Business einen Recurring Revenue Stream. Das schafft eine ganz andere Bewertungsbasis. Im Verbund gehen wir zudem die Neukundengewinnung an, denn die nächste Generation der Reisenden bucht und reist anders.

Voyager AI soll Reiseveranstalter von der ersten Kundenanfrage bis zur Rückkehr der Reisenden unterstützen. Wie funktioniert Ihre KI-Plattform konkret und welche Aufgaben können bereits heute automatisiert oder intelligent vorbereitet werden?

Sieben spezialisierte KI-Agenten begleiten eine Reise von der ersten Anfrage bis zur Rückkehr und übergeben sich den vollständigen Kontext. Die Anfrage kommt per Formular, E-Mail oder WhatsApp in die Plattform. Der Discovery-Agent macht aus einer zweistündigen Erstberatung ein zwölfminütiges Gespräch, der Itinerary-Agent baut den Reiseplan in 40 Sekunden, der Pricing-Agent kalkuliert Preis und Marge, der Content-Agent erstellt Reiseplan, Unterlagen und Verträge im Auftritt des Veranstalters. Aus Stunden werden zehn Minuten. Versendet wird erst, wenn der Berater freigibt. Voyager ist dabei die Drehscheibe zwischen Destination Management Company (DMC), Reiseveranstalter und Reisenden.

Was heute produktiv nutzbar ist

Die Plattform ist live, im Web und als Android-App, der Workflow ist Ende-zu-Ende demonstrierbar: Anfrage-Strecke, Reiseplan und Vertragsunterlagen mit Kalkulation, Kundenprofile mit Reisehistorie, WhatsApp- und Mail-Anbindung, White-Label unter eigener Marke.

Die nächsten Ausbaustufen

Pilotphase mit 10 Reiseveranstaltern (12 Wochen kostenlos, ihr Feedback fließt direkt in die Entwicklung), weitere Lieferantenanbindung, automatisierte Follow-up- und After-Sales-Kommunikation, Travel Concierge per WhatsApp in 2027.

Gerade bei individuell zusammengestellten Reisen spielen persönliche Beratung, Erfahrung und Vertrauen eine entscheidende Rolle. Wie stellen Sie sicher, dass künstliche Intelligenz die Qualität der Kundenbetreuung verbessert, ohne die persönliche Beziehung zwischen Reiseanbieter und Reisenden zu verdrängen?

Der Gewinn: Die KI übernimmt die Arbeit rund um die Beratung, und der Berater arbeitet am Kunden. Er wird wieder zum Storyteller über fremde Kulturen und nimmt den Kunden schon vor der Reise emotional mit.

Was die KI übernimmt: Anfragen sortieren, Reisevorschläge zusammenstellen, Partnerunterlagen übersetzen, Angebote kalkulieren, Follow-ups und After-Sales.

Das bleibt beim Berater: die Beratung selbst und die Freigabe, bevor etwas an den Kunden geht. Jeder Agentenschritt ist im Cockpit sichtbar, Automatik ist nie voreingestellt, sondern wird bewusst Schritt für Schritt eingeschaltet. Die Plattform läuft unter der Marke des Veranstalters, die Reisenden sehen Voyager AI nie.

Voyager AI: Plattform für Reiseveranstalter plattform

Neben der technologischen Entwicklung verfolgen Sie ein Roll-up-Modell, bei dem Reiseunternehmen zunächst Ihre Software nutzen und später eine Beteiligung möglich wird. Wie funktioniert dieser Ansatz und welche Vorteile bietet er sowohl den bisherigen Eigentümern als auch Voyager AI?

So funktioniert es: Ein Roll-up führt mehrere Reiseveranstalter Schritt für Schritt in einer Gruppe zusammen. Bei uns kommt die Software zuerst und der Kauf danach:

  1. Wechsel: Ein inhabergeführter Reiseveranstalter wechselt auf die Plattform. Das kostet Voyager AI kein Kapital, der Veranstalter zahlt eine Nutzungsgebühr.
  2. Messen: Wir messen ein bis drei Jahre, was die Plattform bewirkt: weniger Handarbeit, mehr beantwortete Anfragen, bessere Margen.
  3. Beteiligung: Will der Inhaber übergeben, sprechen wir über eine Beteiligung. Der Preis steht früh fest, die Wertsteigerung bleibt in der Gruppe, der Inhaber bleibt beteiligt.
  4. Verkauf der Gruppe: Am Ende verkaufen wir sie als Ganzes an Private Equity, und jeder Beteiligte erhält ein Vielfaches dessen, was er allein erreichen würde.

Vorteile für die Eigentümer: Die Nachfolge ist geklärt, der Betrieb wird als laufendes Geschäft bewertet, Marke, Team und Kundschaft bleiben, und sie haben vorher gesehen, wie die Plattform arbeitet.

Vorteile für Voyager AI: Wir kaufen Betriebe, deren Zahlen wir aus der eigenen Plattform kennen. Jeder Betrieb ist zugleich Kunde, Vertriebskanal und Datenquelle.

Unternehmensnachfolge ist für viele mittelständische Betriebe eine große Herausforderung. Warum halten Sie die Kombination aus Digitalisierung und Beteiligung für einen geeigneten Lösungsansatz und welche Voraussetzungen muss ein Reiseunternehmen erfüllen, um für Ihr Modell infrage zu kommen?

Warum diese Kombination

Ein Käufer zahlt für einen Betrieb, dessen Abläufe er sehen und prüfen kann. Die Plattform dokumentiert sie und liefert KPIs: Anfragen, Buchungsquote, Marge. Die Beteiligung sorgt dafür, dass der Betrieb an eine Gruppe geht, die Marke, Mitarbeitende und Kundschaft erhält. Erst Digitalisierung, dann Beteiligung: So wird aus einer Übergabe eine geplante Übergabe.

Voraussetzungen für unser Modell

  1. Spezialreiseveranstalter mit eigener Nische und Stammkundschaft
  2. Team von etwa 5 bis 25 Mitarbeitenden
  3. Anstehende Nachfolgefrage, häufig ist der Inhaber 57 oder älter
  4. Nachvollziehbare Zahlen
  5. Bereitschaft, die Plattform zu nutzen

Sie bringen Erfahrungen aus der FinTech-Branche mit, in der Ihre Gruppe bereits zehn Unternehmen übernommen und auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt hat. Welche Erkenntnisse aus diesen Übernahmen lassen sich auf die Reisebranche übertragen und wo erwarten Sie grundlegende Unterschiede?

Drei Erkenntnisse, die sich übertragen

  1. Der Wert entsteht nach dem Kauf. Zehn Übernahmen, sieben Marken und fünf Länder auf einer Plattform: Entscheidend war die Integration, deshalb steht sie bei unseren M&A-Agenten in der ersten Welle.
  2. Marke und Team bleiben. Kunden kaufen bei Menschen, die sie kennen.
  3. Inhaber bleiben einige Jahre an Bord, damit ihr Wissen übergeht.

Wo es anders ist

Im Spezialreisemarkt ist die Beratung selbst das Produkt, mit Zielgebietswissen, das an Personen hängt. Die Betriebe sind kleiner, saisonaler und über mehrere Länder verteilt. Deshalb kommt die Plattform zuerst: Sie macht dieses Wissen übertragbar, bevor wir kaufen.

Mit der Übernahme der M&A-Agenten von promerget erweitern Sie Ihre technologischen Möglichkeiten im Bereich Unternehmensübernahmen. Welche Aufgaben sollen diese KI-Agenten übernehmen und wie verändert ihr Einsatz die Suche, Bewertung und Integration potenzieller Beteiligungsunternehmen?

Woher die Agenten kommen

promerget, mit Johann Horch als Geschäftsführer, ist eine M&A-Agentur, deren über 300 Agenten den gesamten Übernahmeprozess begleiten. Voyager AI nutzt sie exklusiv für die Reisebranche.

Die drei Wellen

  1. Welle 1 (2027): Sourcing, Screening, Migration, Integration
  2. Welle 2 (2028): Due Diligence und Bewertung
  3. Welle 3 (2029): Vertragsgestaltung

Was sich verändert

Die Suche bestand aus Telefonlisten und Zufall, jetzt ist sie eine Pipeline. Wir sehen Betriebe, bevor sie am Markt sind, und wissen vor dem ersten Gespräch, ob einer passt.

Die Verbindung von KI-Technologie und Unternehmensübernahmen wirft auch Fragen nach Verantwortung, Transparenz und Kontrolle auf. Welche Entscheidungen dürfen Ihre KI-Systeme vorbereiten und an welchen Stellen bleibt die menschliche Prüfung unverzichtbar?

Die Agenten bereiten vor: Kandidatenlisten, Screening, Kennzahlenanalyse, Bewertungsentwurf, Integrationsplan. Menschen entscheiden: wen wir ansprechen, die Gespräche mit den Inhabern, Kaufpreis, Vertrag und Unterschrift. Jede Übernahme entscheiden wir als Gründer. Dasselbe Prinzip gilt in der Plattform: Alles, was nach außen geht, wird protokolliert. So ist jederzeit nachvollziehbar, was die KI vorbereitet und was ein Mensch freigegeben hat.

Voyager AI richtet sich an einen Markt mit zahlreichen etablierten, häufig regional verwurzelten Unternehmen. Wie möchten Sie das Vertrauen dieser Betriebe gewinnen, wie finanzieren Sie Ihre Wachstumsstrategie und welche wirtschaftlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Ihr Modell langfristig tragfähig ist?

So gewinnen wir Vertrauen

Vertrauen entsteht über Offenheit und Nähe.

  • Offenheit: Ab Tag 1 sprechen wir offen über den Exit.
  • Unternehmer zu Unternehmer: Wir teilen eine gemeinsame Geschichte, denn auch Johann hat nach einem Exit gesucht und ihn gefunden.
  • Track Record: 20 Jahre Softwareentwicklung, 10 Übernahmen und Integrationen.
  • Eigentümer und Team bleiben an Bord: Wir digitalisieren ihre Expertise auf Voyager und arbeiten ausschließlich auf dieser Basis zusammen.

So finanzieren wir das Wachstum

Die Seed-Runde über 750.000 Euro beschleunigt Plattform, Sales und Marketing. Die zweite Runde, etwa 20 Millionen Euro, sichert den Cash-Anteil der Übernahmen, der Roll-up hat damit eine eigene Finanzierung.

Wirtschaftliche Voraussetzungen

Die Plattform trägt sich nach unserem Plan im zweiten Jahr, bei rund 50 Reiseveranstaltern. Die Einnahmen bestehen aus einem Abo von 49 Euro pro Nutzer und Monat und einer gestaffelten Provision auf Buchungen über die Plattform: Je erfolgreicher ein Veranstalter, desto mehr verdient Voyager mit. Im Roll-up kaufen wir Betriebe mit nachvollziehbaren Zahlen, nachdem die Plattform dort läuft.

Der Aufbau einer KI-Plattform und die gleichzeitige Entwicklung einer Beteiligungsstrategie sind zwei anspruchsvolle unternehmerische Aufgaben. Welche Herausforderungen haben Sie seit der Gründung erlebt, welche Meilensteine konnten Sie bereits erreichen und welche nächsten Schritte planen Sie für Voyager AI?

Die Herausforderung

Wir haben im Juni gegründet. Plattform und Beteiligungsstrategie parallel aufzubauen hat uns eine bewährte Reihenfolge gegeben: Software zuerst, Kauf danach. Die Herausforderung ist die Vernetzung mit unterschiedlichen Playern in der Tourismusbranche. Netzwerke, Verbände, Aufbau einer Sales-Pipeline in einem für uns relativ neuen Markt. Es macht Spaß, weil die Menschen offen und neugierig sind, sich begeistern lassen und sich Neuem nicht entgegenstellen.

Meilensteine seit Juni

  1. Plattform live, im Web und als Android-App
  2. Elf Reiseveranstalter aus sechs Ländern fragten nach der Software, bevor es Vertrieb gab
  3. Aufnahme ins NVIDIA-Inception-Programm im Oktober 2026
  4. Exklusive Übernahme der M&A-Agenten von promerget für die Reisebranche

Nächste Schritte

  1. Erste Pilot-Reiseveranstalter gehen nach Oktober auf die Plattform
  2. Travel Concierge per WhatsApp im ersten Quartal 2027
  3. Erste Übernahmen ab 2027

Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Voyager AI und welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die etablierte Branchen mit künstlicher Intelligenz und neuen Geschäftsmodellen verändern möchten?

Die Vision

Wir sichern die Nachfolge der Unternehmer in der Reiseveranstaltung. Wer ein Spezialreiseunternehmen aufgebaut hat, übergibt ein Geschäft, das mit Team, Marke und Kundschaft weiterläuft. Aus den Betrieben wird eine europäische Gruppe auf einer gemeinsamen Plattform, die wir am Ende als Ganzes an Private Equity verkaufen, und jeder Beteiligte erhält seinen Anteil am Erlös. Zudem wollen wir nach 5 Jahren 600 begeisterte Reiseveranstalter auf der Plattform haben, mit 30.9 Mio EUR Umsatz.

Drei Ratschläge

  1. Think big und umgebt euch mit inspirierenden Menschen, die in irgendeinem Thema besser sind als ihr. Nur so lernt ihr kontinuierlich.
  2. Verändert Prozesse, wenn diese nicht mehr tragen.
  3. Bindet die Menschen ein, die die Branche tragen. Wenn Inhaber Beteiligte sind und keine Verkäufer, öffnen sich Türen, die Software allein nicht öffnet.

Bild: Johann Horch und Ina Just Voyager AI Fotocredits: privat

Wir bedanken uns bei Ina Just für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Voyager AI

Kontakt:

Voyager AI GmbH
Gutenbergstr. 1b
01689 Weinböhla
Deutschland

voyagertravel.de
ina@voyagertravel.de

Ansprechpartnerin: Ina Just
CEO

Social Media:
LinkedIn Voyager AI
LinkedIn Ina Just
LinkedIn Johann Horch

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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