Accounted Buchhaltung Österreich richtet sich gezielt an EPU und Freelancer, die eine einfache und rechtssichere Lösung suchen
Wie ist die Idee zu GetAccounted beziehungsweise der App Accounted Buchhaltung Österreich entstanden?
Ich betreibe seit drei Jahren eine Eventfotoproduktion für Maturabälle in der Steiermark (JL-Creative). Irgendwann war klar, dass ich eine ordentliche Buchhaltung brauche, die mit dem Wachstum mithält. Ich habe die gängigen Tools ausprobiert und bin jedes Mal am selben Problem gescheitert: Die sind nicht für Österreich gebaut. Also habe ich angefangen, mir selbst etwas zu bauen. Ich habe 2022 eine HAK abgeschlossen und hatte durch mein Fotobusiness schon vorher eigene interne Tools entwickelt, weil es in der Eventbranche kaum fertige Software gibt. Mit dem gleichen Ansatz ist dann Accounted entstanden.
Was war der konkrete Auslöser, eine Buchhaltungslösung speziell für Österreich zu entwickeln?
Ich habe sevDesk, Lexoffice und FreeFinance ausprobiert. Bei allen drei dasselbe Problem: Die Apps sind auf Deutschland ausgelegt, die UVA funktioniert anders, und die E1a-Beilage gibt es gar nicht. Die Apps nehmen einen in der Steuerwelt nicht bei der Hand und sagen einem, was man wirklich alles konkret beachten muss. Für mich war das der Punkt, an dem ich gesagt habe: Wenn es das nicht gibt, baue ich es selbst.
Welche Vision verfolgst du mit GetAccounted und wie soll sich die App langfristig entwickeln?
Accounted soll die Buchhaltungs-App sein, die österreichische EPU und Freelancer als erstes finden, wenn sie nach einer Lösung suchen, die wirklich für Österreich gemacht ist. Kein Zwanzig-Jahres-Plan, sondern konkrete nächste Schritte: Gerade arbeite ich am Kanzleimodus, damit Steuerberater direkt auf die Daten ihrer Mandanten zugreifen können. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an. Und langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung schaffen, damit auch Dienstgeber ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App machen können.
Welche Zielgruppe steht bei Accounted Buchhaltung Österreich im Fokus und welche Probleme löst du konkret?
Die App ist für Ein-Personen-Unternehmen und Freelancer in Österreich gebaut, die eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen. Also Leute wie ich: Fotografen, Grafiker, Berater, Handwerker.
Warum stoßen viele bestehende Buchhaltungstools im DACH-Raum an ihre Grenzen beim österreichischen Steuerrecht?
Weil der DACH-Raum aus Softwaresicht meistens „D“ bedeutet und „A“ und „CH“ als Anhängsel mitlaufen. Die Steuergesetzgebung unterscheidet sich aber in vielen Details: Die Kleinunternehmergrenze liegt in Österreich bei 55.000 Euro und funktioniert anders als in Deutschland. Die E1a-Beilage zur Einkommensteuererklärung ist eine österreichische Besonderheit. USt-Sätze und Kategorisierungen sind teilweise unterschiedlich. Für die Hersteller lohnt es sich oft nicht, diese Unterschiede sauber einzubauen, weil der österreichische Markt im Vergleich zu Deutschland klein ist.
Was macht Accounted funktional besonders und wo liegt der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen?
Man kann Belege am iPhone oder Mac einscannen, die werden automatisch erkannt und nach kurzer Kontrolle direkt eingebucht. Die App zeigt live, wo man mit der Einkommensteuererklärung steht, damit es am Jahresende keine Überraschungen gibt. Und es gibt 13 Branchenvorlagen, die EPU das Einrichten der richtigen Kategorien ersparen. Der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen ist aber, dass Accounted nur auf Apple-Geräten funktioniert und Accounted keinerlei Zugriff auf die Unternehmensdaten hat, weil sich alles in der eigenen Apple ID des Benutzers abspielt.
Warum hast du dich bewusst für eine native App ohne eigenes Backend entschieden?
Ich wollte, dass die Daten der Nutzer bei ihnen bleiben und nicht auf irgendeinem Server liegen, den ich betreibe und absichern muss. Accounted nutzt CloudKit, das heißt, die Daten werden über das iCloud-Konto der Nutzer synchronisiert. Ich sehe sie nicht und habe keinen Zugriff darauf. Gleichzeitig wollte ich eine App, die sich auf Apple-Geräten wie eine echte App anfühlt und nicht wie ein Browser-Fenster mit Logo. Nativ in SwiftUI und SwiftData zu entwickeln war aufwändiger, aber das Ergebnis ist schneller, stabiler und braucht keine Internetverbindung zum Arbeiten.
Welche Rolle spielen Datenschutz und Datensouveränität bei GetAccounted?
Eine zentrale Rolle. Buchhaltungsdaten sind sensible Unternehmensdaten. Bei Accounted liegen diese Daten ausschließlich im iCloud-Konto der Nutzer, nicht auf meinen Servern. Das war eine bewusste Entscheidung, nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern auch, weil ich als Ein-Personen-Unternehmen nicht die Verantwortung für die sichere Aufbewahrung fremder Finanzdaten übernehmen möchte.
Mit welchen Herausforderungen warst du als Ein-Personen-Unternehmen beim Aufbau von Accounted konfrontiert?
Zeit ist die größte Herausforderung. Ich arbeite Vollzeit und betreibe daneben eine Eventproduktion mit bis zu zehn Mitarbeitern. Accounted musste in den Stunden entstehen, die übrig geblieben sind. Dazu kommt, dass man als Solo-Entwicklerin alles selbst machen muss: Konzept, Design, Entwicklung, Testing, App-Store-Texte, Website, Marketing. Man kann sich nicht auf das konzentrieren, was man am besten kann, weil alles gleichzeitig fertig werden muss. Und Marketing ist ehrlich gesagt der Teil, der mir am schwersten fällt.
Wie hast du es geschafft, die App ohne Funding und Team umzusetzen?
Indem ich keine andere Wahl hatte. Ich hatte kein Budget für externe Entwickler und keinen Investor, der mir ein Team finanziert. Also habe ich alles selbst gelernt und selbst gebaut. Das geht, wenn man bereit ist, abends und am Wochenende zu arbeiten. Was mir geholfen hat, ist, dass ich vorher schon interne Tools für meine Eventproduktion programmiert hatte. Accounted war nicht mein erstes Software-Projekt, nur mein erstes, das im App Store gelandet ist.
Welche nächsten Schritte sind für GetAccounted geplant?
Wird es neue Funktionen oder Erweiterungen geben?
Als nächstes kommt der Kanzleimodus. Damit können Steuerberater direkt auf die Buchhaltungsdaten ihrer Mandanten zugreifen, ohne dass Daten exportiert und per Mail verschickt werden müssen. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an, weil ich aus dem Feedback der ersten Nutzer lerne, wo die App im Alltag noch hakt. Langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung umsetzen, damit EPU mit Dienstnehmern ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App erledigen können.
Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die alleine ein Softwareprodukt entwickeln?
Erstens: Bau etwas, das du selbst brauchst. Wenn du dein eigener erster Nutzer bist, weißt du immer, ob das Produkt funktioniert oder nicht. Ich habe Accounted gebaut, weil ich selbst keine Lösung gefunden habe, die für mich als österreichische EPU passt. Das ist ein anderer Antrieb, als eine Marktlücke auf dem Papier zu füllen. Zweitens: Fang an, bevor du bereit bist. Die App muss nicht perfekt sein, wenn sie im Store landet. Wichtiger ist, dass sie dort ist und echte Menschen sie benutzen und dir sagen, was fehlt. Drittens: Sei ehrlich darüber, was du nicht kannst. Ich bin keine Steuerexpertin und kein Marketing-Profi. Aber ich kann Probleme erkennen und Lösungen bauen. Den Rest lerne ich unterwegs.
Bildrechte: © bottleplus
Wir bedanken uns bei Jolene Lederer für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


























