Das Startup Omegga will Kükentöten vermeiden und setzt dafür auf eine KI-basierte Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Ei.
Wie ist Omegga entstanden und wer sind die Gründer hinter dem Unternehmen, das Kükentöten vermeiden will?
Omegga wurde 2022 von Katharina Hesseler, Till Nöllgen und Paul Günther gegründet. Zum erweiterten Gründer:innenkreis gehören zudem Moritz Eder, Kyle Hiroyasu und Clara Kaufhold. Katharina (CEO) bringt Erfahrung aus dem Impact-Startup-Bereich mit, Till (CTO) und Paul kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei ProGlove – einem der erfolgreichsten deutschen Hardware-enabled Software Startups. Wir wollten etwas mit echtem Impact bauen und fanden in der Geschlechtsbestimmung im Ei einen der größten ungelösten Bedarfe.
Welche Motivation stand am Anfang von Omegga, Kükentöten zu vermeiden?
Wir wollten etwas bauen, das wirklich zählt – keine reine Prozessoptimierung für Großkonzerne. Bei der Geschlechtsbestimmung im Ei sahen wir ein Thema mit echtem gesellschaftlichem Impact und gleichzeitig einem klaren Marktbedarf, den bestehende Lösungen nicht ausreichend adressieren.
Welches konkrete Problem in der Geflügelindustrie will Omegga lösen, um Kükentöten zu vermeiden?
Jedes Jahr werden weltweit rund 7 Milliarden männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen. In Deutschland und Frankreich ist das bereits verboten, Italien folgt 2027. Gleichzeitig öffnen sich auch ohne Regulierung neue Märkte proaktiv, etwa in Norwegen, der Schweiz oder den USA, getrieben durch gesellschaftlichen Druck. Der Handlungsbedarf ist riesig und wächst kontinuierlich.
Wie funktioniert die Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Ei und was macht diesen Ansatz besonders?
Unsere Hardware ist direkt in den Inkubator integriert, das unterscheidet unsere Technologie grundlegend von anderen Ansätzen. Während der Inkubation durchleuchten wir jedes Ei mehrmals und messen das absorbierte Spektrum. Unsere selbst entwickelte KI analysiert diese Daten und bestimmt daraus das Geschlecht. Nicht-invasiv, ohne Einfluss auf den Embryo. Das Ergebnis: Geschlechtsbestimmung bereits vor dem 7. Bruttag – früher als jede andere Lösung am Markt. Das schafft sowohl Effizienzvorteile als auch mehr Kapazität für Brütereien.
Was unterscheidet Omegga von anderen Lösungen, die Kükentöten vermeiden wollen?
Wir vereinen mehrere entscheidende Vorteile in einer Lösung: Omegga ermöglicht die früheste Geschlechtsbestimmung am Markt – bereits vor dem 7. Bruttag. Unsere Technologie arbeitet vollständig nicht-invasiv, das Ei bleibt unversehrt und eröffnet dadurch zusätzliches Wiederverwendungspotenzial für weitere Anwendungen. Gleichzeitig ist unser System besonders ressourceneffizient: Die Technologie ist direkt in den Brutschrank integriert, der Scanprozess läuft vollautomatisiert ohne manuelle Eingriffe und es werden keine zusätzlichen Flächen, Labore oder personellen Ressourcen benötigt. Hinzu kommt die hohe Modularität unserer Lösung – sie lässt sich flexibel an die unterschiedlichen Anforderungen und Prozesse von Brütereien anpassen. Damit bieten wir nicht nur eine ethische, sondern auch eine wirtschaftlich skalierbare Lösung für den Markt.
Welche Zielgruppen spricht Omegga konkret an und wie wird die Technologie in bestehende Brutprozesse integriert?
Unsere Kunden sind Brütereien. Die Integration ist bewusst einfach gehalten: Ein Teil der bestehenden Inkubatoren wird mit unserer Messtechnik ausgestattet – der restliche Brutprozess bleibt unverändert.
Mit welchen Herausforderungen sieht sich Omegga aktuell bei der Weiterentwicklung und Skalierung der Technologie konfrontiert?
Die größte Herausforderung ist die Skalierung: Mehr Kunden auszustatten bedeutet, Team, Prozesse und Produktion parallel wachsen zu lassen. Genau dafür nutzen wir unser Funding – um die Organisation aufzubauen, die es für nachhaltiges Wachstum braucht.
Wie geht Omegga mit regulatorischen Anforderungen um, wenn es darum geht, Kükentöten zu vermeiden?
Wir beobachten regulatorische Entwicklungen sehr genau und stehen im engen Austausch mit Politik, Verbänden und Branchenakteuren. Dabei bringen wir uns als aktiver Player ein, um neue Märkte zu öffnen und verlässliche Rahmenbedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig stellen wir uns so auf, dass unser Erfolg nicht von einzelnen Gesetzgebungen abhängt. Entscheidend sind für uns der wirtschaftliche Nutzen für Brütereien, höhere Effizienz und zukunftsfähige Prozesse. Regulatorische Entwicklungen können diesen Wandel beschleunigen, sind aber nicht die einzige Grundlage.
Welche Rolle spielen Daten und KI ?
Daten und KI sind das Fundament unserer Technologie – ohne sie wäre eine präzise Geschlechtsbestimmung nicht möglich. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Modelle mit neuen Daten zu trainieren und die Technologie weiter zu verbessern.
Welche Vision verfolgt Omegga langfristig für die Geflügelindustrie?
Unser Ziel ist es, In-Ovo Sexing für jede Brüterei weltweit zugänglich zu machen. Langfristig denken wir darüber hinaus: Spektroskopie ist eine etablierte Basistechnologie, und die darauf aufgebaute KI-Plattform lässt sich auch auf weitere Anwendungsbereiche übertragen.
Wo steht Omegga heute und welche nächsten Meilensteine sind geplant?
Ein Kunde ist bereits vollständig operativ, zwei weitere Kunden befinden sich im Aufbau. Unser Team wächst, das Funding ist gesichert. Die nächsten Schritte sind klar: Team verdoppeln, weitere Kunden live bringen und die Technologie weiter skalieren.
Welche drei Ratschläge geben Sie Gründerinnen und Gründern, die mit Innovationen gesellschaftliche Probleme wie Kükentöten vermeiden wollen?
Erstens: radikal kundenorientiert arbeiten. Auch bei gesellschaftlich relevanten Themen entscheidet am Ende der Markt, ob sich eine Lösung durchsetzt. Deshalb früh mit Anwendern sprechen, testen und echtes Feedback einholen.
Zweitens: Wirkung und Wirtschaftlichkeit zusammen denken. Eine Technologie löst nur dann nachhaltig Probleme, wenn sie auch wirtschaftlich tragfähig und skalierbar ist. Idealerweise profitieren Kunden und Gesellschaft gleichzeitig.
Drittens: einen langen Atem mitbringen. Gerade in regulierten Branchen oder bei tiefen technologischen Innovationen dauern Entwicklungen oft länger als geplant. Entscheidend sind Ausdauer, Lernfähigkeit und die Bereitschaft, den Kurs immer wieder pragmatisch anzupassen.
Bild: Omegga Gründerteam von links nach rechts: Moritz Eder (Co-Founder, Head of Software), Till Nöllgen (Co-Founder, CTO), Katharina Hesseler (Co-Founder, CEO), Kyle Hiroyasu (Co-Founder, Head of Data) & Clara Kaufhold (Co-Founder, Head of Science). Nicht im Bild: Paul Günther (Co-Founder) © Omegga
Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























