Samstag, März 7, 2026
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Wie Startups Google-Bewertungen verstehen und steuern

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Bewertungen Startups Google-Bewertungen verstehen Prof. Dr. Susanne Ardisson (Portrait Hamburg, © Andrea Heinsohn)

Google-Bewertungen beeinflussen Kaufentscheidungen erheblich. Studien zeigen, dass ein Großteil der internetaffinen Konsument:innen vor einem Besuch eines Geschäfts oder Dienstleisters zunächst Rezensionen liest. Für viele besitzen diese Bewertungen ein ähnlich hohes Vertrauen wie Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld (vgl. Paget 2025).

Für Startups ist das besonders relevant. Positive Bewertungen können Wachstum fördern, ein niedriger Bewertungsdurchschnitt kann jedoch schnell zur Hürde werden. Viele Nutzer:innen klicken nicht mehr auf Unternehmenswebsites, sondern treffen ihre Entscheidung direkt auf Basis der Sternebewertung. Bei sogenannten Zero-Click-Suchen genügt ein kurzer Blick auf das Profil.

Problematisch ist, dass Anbieter mit weniger als vier Sternen häufig ausgefiltert werden. Ein Großteil der Nutzer:innen blendet solche Ergebnisse aktiv aus (vgl. ReviewTrackers 2022). Für junge Unternehmen kann dies eine Abwärtsspirale auslösen: Sinkt die Sichtbarkeit, sinkt auch die Chance auf neue, authentische Bewertungen.

Parallel dazu ist ein Markt rund um Bewertungsmanagement entstanden. Dieser reicht von seriösen Dienstleistern bis hin zu illegalen Anbietern, die gefälschte Rezensionen verkaufen.

Das Geschäft mit gefälschten Bewertungen

Wie die britische Verbraucherschutzorganisation Which?, das Äquivalent zur deutschen Stiftung Warentest, herausfand, ist der Kauf von Bewertungen kein Einzelfall. Solche Rezensionen verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen von Google und werden gelöscht, sofern sie als manipuliert erkannt werden. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz wird es jedoch zunehmend schwieriger, echte Kundenbewertungen von automatisch generierten Texten zu unterscheiden.

Hohe Bewertungsdurchschnitte erzeugen Vertrauen und steigern Erwartungen. Gefälschte Rezensionen wiegen Kund:innen in falscher Sicherheit und können zu Fehlentscheidungen führen. In einzelnen Fällen entstehen daraus sogar gesundheitliche oder wirtschaftliche Risiken (vgl. BBC 2021).

Nicht nur positive, sondern auch negative Bewertungen werden strategisch eingesetzt. Teilweise berichten Unternehmen, dass ihre positiven Rezensionen verschwinden, nachdem sie mehrfach gemeldet wurden. Das Meldesystem soll eigentlich vor Missbrauch schützen, ist jedoch weitgehend automatisiert und prüft Inhalte nicht im Detail. Wird eine Bewertung häufig genug gemeldet, kann sie gelöscht werden, ohne dass der Wahrheitsgehalt überprüft wird.

Für Startups kann dies gravierende Folgen haben. Wenn überwiegend positive Bewertungen verschwinden, sinkt der Durchschnittswert sichtbar. Dadurch kann es passieren, dass das Angebot nicht mehr prominent angezeigt wird. Zusätzlich entsteht bei bestehenden Kund:innen Unsicherheit, da nicht nachvollziehbar ist, warum Bewertungen fehlen. Gelöschte Rezensionen lassen sich in vielen Fällen nicht wiederherstellen, selbst wenn sie unrechtmäßig entfernt wurden (vgl. Karrasch 2024).

Review Bombing und koordinierte Angriffe

Neben gekauften Bewertungen gibt es gezielte Angriffe in Form sogenannter Review Bombings. Dabei veröffentlichen Gruppen koordinierte negative Bewertungen, ohne tatsächliche Erfahrungen gemacht zu haben. Die Motive reichen von politischem Protest über Empörungskampagnen bis hin zu Wettbewerbsstrategien (vgl. Clayton 2020).

Solche Bewertungen wirken auf den ersten Blick authentisch, beruhen jedoch nicht auf realen Erlebnissen. Für Startups ist diese Form der Rufschädigung besonders problematisch, da sie noch keine stabile Bewertungsbasis aufgebaut haben und negative Einträge das Gesamtbild stark verzerren können.

Zwischen Meinungsfreiheit und Rechtsverletzung

Nicht jede negative Bewertung ist rechtlich angreifbar. Subjektive Erfahrungsberichte, die auf tatsächlichen Erlebnissen beruhen, fallen grundsätzlich unter die Meinungsfreiheit. Nutzer:innen dürfen ihre Enttäuschung öffentlich äußern, solange sie nicht beleidigend werden und keine falschen Tatsachen behaupten.

Anders verhält es sich bei Bewertungen, die Beleidigungen, Schmähkritik oder unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten. Solche Inhalte verstoßen gegen die Richtlinien der Plattformen und können rechtswidrig sein. Plattformen bieten Meldeverfahren an, deren Bearbeitung jedoch Zeit in Anspruch nehmen kann. Während dieser Phase bleiben die Bewertungen sichtbar und können den Ruf des Unternehmens beeinträchtigen (vgl. Erskine 2018).

Rechtliche Möglichkeiten für junge Unternehmen

Wenn Bewertungen rechtswidrig sind, können die Verfasser:innen abgemahnt werden. Wird eine solche Aufforderung ignoriert, ist auch eine Klage möglich. In einem gerichtlichen Verfahren wird geprüft, ob es sich um eine zulässige Meinungsäußerung oder um eine unzulässige Tatsachenbehauptung oder Beleidigung handelt. Das Gericht kann anschließend die Änderung oder Löschung der Bewertung anordnen (vgl. Prinz o. J.).

Dieses Vorgehen stellt ein mögliches Mittel dar, um sich gegen unrechtmäßige Bewertungen zu schützen. Es ist jedoch mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden und sollte gezielt eingesetzt werden.

Bewertungen aktiv managen

Da sowohl positive als auch negative Bewertungen manipuliert werden können, sollten Startups ihre Profile regelmäßig überprüfen. Ein aktives Bewertungsmanagement hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Sinnvoll ist es, auf Kritik sachlich und respektvoll zu antworten. Öffentliche Reaktionen zeigen Gesprächsbereitschaft und Professionalität. Berechtigte Fehler sollten offen eingeräumt werden. Transparenz kann Vertrauen schaffen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Bewertungen später relativiert oder angepasst werden.

Rechtswidrige Inhalte sollten dokumentiert und gemeldet werden. In Zweifelsfällen ist juristische Beratung sinnvoll. Gleichzeitig empfiehlt es sich, Kund:innen aktiv um Feedback zu bitten. Authentische, organisch entstandene Rezensionen bilden die stabilste Grundlage für eine belastbare Online-Reputation.

Konsequenzen für Startups

Online-Bewertungen sind für Verbraucher:innen ein zentrales Orientierungsmittel und für Startups ein entscheidender Erfolgsfaktor. Gleichzeitig ist das System anfällig für Manipulation. Gefälschte Rezensionen, gelöschte Bewertungen oder koordinierte Angriffe können die öffentliche Wahrnehmung erheblich verzerren.

Wer seine Bewertungen kontinuierlich beobachtet, transparent kommuniziert und frühzeitig reagiert, schützt nicht nur seine Reputation, sondern stärkt auch seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Literatur:

BBC (2021): UK businesses caught buying five-star Google reviews
https://www.bbc.com/news/technology-56321576

Clayton, J., (2020): Amazon’s murky world of one-star reviews
https://www.bbc.com/news/technology-54063039

Erskine, R., (2018): You Just Got Attacked By Fake 1-Star Reviews. Now What?
https://www.forbes.com/sites/ryanerskine/2018/05/15/you-just-got-attacked-by-fake-1-star-reviews-now-what/

Karrasch, T., (2024): Mysteriöses Verschwinden: Wie Unternehmen darum kämpfen, positive Google-Bewertungen zurückzubekommen
https://omr.com/de/daily/geloeschte-google-reviews

Paget, S., (2025): Local Consumer Review Survey 2025
https://www.brightlocal.com/research/local-consumer-review-survey/

Prinz, M., (o.j.): Klage zugestellt wegen negativer Bewertung – Tipps vom Rechtsanwalt
https://www.prinz.law/bewertungen/klage-zugestellt-wegen-negativer-bewertung/

ReviewTrackers (2022): Online Reviews Statistics and Trends: A 2022 Report by ReviewTrackers
https://www.reviewtrackers.com/reports/online-reviews-survey/

Titelbild: Prof. Dr. Susanne Ardisson (Portrait Hamburg, © Andrea Heinsohn)

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wer fängt Menschen auf, wenn Hilfe dringend gebraucht wird?

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mentalis psychische Gesundheit und Versorgung digital Teamfoto mentalis

mentalis stärkt die Versorgung der psychischen Gesundheit mit hybriden Ansätzen

Wie würden Sie mentalis und das Team dahinter vorstellen?

mentalis ist ein Digital-Health-Unternehmen aus Nürnberg, das seit 2018 Soforthilfeprogramme für Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt. Wir sind eine Ausgründung der FAU Erlangen-Nürnberg und kommen entsprechend stark aus der Wissenschaft. Unsere Programme verbinden psychologische Gespräche am Telefon mit störungsspezifischen Therapie-Apps. Gemeinsam legen wir viel Herzblut darin, psychische Versorgung niedrigschwellig und alltagsnah zu gestalten.

Welche Motivation stand am Anfang von mentalis und wie prägt sie Ihre heutige Ausrichtung im Bereich psychische Gesundheit?

Viele psychisch belastete Menschen fühlen sich nicht schnell genug oder nicht ausreichend unterstützt – besonders nach Klinikaufenthalten oder während langer Wartezeiten. Genau diese Versorgungslücke wollten wir schließen. In unserer Arbeit begleitet uns immer die Frage: Wie können wir Menschen mit psychischen Erkrankungen schnell und gleichzeitig sehr individuell helfen?

Welche Vision verfolgen Sie für eine moderne, digitale Versorgungslandschaft und welchen Beitrag möchte mentalis dazu leisten?

Wir glauben an eine hybride Versorgung, die digital unterstützt, aber menschlich bleibt. Digitale Angebote sollen persönliche Behandlungen sinnvoll ergänzen, nicht ersetzen. mentalis möchte genau diese Brücke schlagen.

Für welche Zielgruppen ist mentalis besonders relevant und wie unterstützen Ihre hybriden Programme Menschen mit psychischen Belastungen?

mentalis richtet sich an Menschen mit Depression, Alkoholproblemen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen – oft in Übergangsphasen wie nach einem Klinikaufenthalt. Zusätzlich bieten wir ein Soforthilfeprogramm für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene an. Durch die Kombination aus persönlicher Begleitung und App erhalten Betroffene Unterstützung, die sich gut in den Alltag integrieren lässt.

Ihr Modell kombiniert App-basierte Übungen mit persönlichem Tele-Coaching. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil für die Nutzerinnen und Nutzer?

Der größte Vorteil liegt in der Verbindung aus persönlicher Beziehung und Flexibilität. Klient:innen werden individuell begleitet und können gleichzeitig selbstständig mit der App arbeiten. Diese Kombination hat sich sowohl in Studien als auch in unserer Praxis als sehr wirkungsvoll erwiesen.

Viele Betroffene erleben nach einem Klinikaufenthalt eine Versorgungslücke. Wie adressiert mentalis diese Herausforderung?

Unsere Nachsorgeprogramme setzen genau in dieser Übergangsphase an und bieten eine strukturierte Weiterbegleitung nach der Entlassung – nahtlos an die Klinik anschließend. Wir verstehen uns dabei ausdrücklich nicht als Ersatz für eine ambulante Therapie. Wenn jemand schnell einen Therapieplatz vor Ort bekommt, freuen wir uns – in der Zwischenzeit begleiten wir gern überbrückend.

Was macht mentalis einzigartig im Vergleich zu anderen digitalen Gesundheitsangeboten?

Viele digitale Angebote verzichten auf den persönlichen Kontakt – bei uns steht er im Mittelpunkt und wir kombinieren ihn mit unseren Apps, sodass wir das Beste aus zwei Welten kombinieren und miteinander integrieren.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Programme sowohl wissenschaftlich fundiert als auch alltagsnah und individuell einsetzbar sind?

Wir sind ein Uni-Spin-off, haben viele wissenschaftliche Studien durchgeführt und machen es auch weiterhin. Zudem basieren unsere Programme auf evidenzbasierten psychotherapeutischen Ansätzen und werden kontinuierlich überprüft. Gleichzeitig entwickeln wir sie eng an den Erfahrungen der Betroffenen weiter. So bleiben sie wissenschaftlich fundiert und im Alltag gut umsetzbar.

mentalis psychische Gesundheit und Versorgung digital Jürgen Stein Managing Director
Jürgen Stein Managing Director

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Programmbereiche planen Sie für die kommenden Monate?

Unser Fokus liegt vor allem auf der Weiterentwicklung bestehender Programme. Wir prüfen laufend, welche Themen Menschen mit psychischen Erkrankungen aktuell beschäftigen und ob wir diese schon ausreichend abdecken. Besonders wichtig ist uns dabei eine App, die intuitiv funktioniert – auch für Menschen, die wenig technikaffin sind.

Wie verändert sich die psychische Gesundheitsversorgung aus Ihrer Sicht durch digitale Angebote wie mentalis?

Digitale Angebote sorgen dafür, dass Menschen besser Unterstützung bekommen können und sich nicht allein gelassen fühlen. Gerade in Wartezeiten oder Übergangsphasen können sie Stabilität geben – und das verändert die Versorgung spürbar.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass mentalis Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Das de:hub Netzwerk bietet uns wertvolle Sichtbarkeit und einen intensiven Austausch mit relevanten Partnern. Besonders der interdisziplinäre Dialog zwischen Startups, Wissenschaft und Wirtschaft ist für uns sehr wertvoll.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihre Startups ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen?

Ja, auf jeden Fall. Das Netzwerk erleichtert Kooperationen und beschleunigt Lernprozesse. Gerade im stark regulierten Digital-Health-Bereich ist dieser Austausch ein großer Vorteil.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern im Bereich Digital Health oder psychische Gesundheit mitgeben?

Erstens: Wissenschaftliche Evidenz von Anfang an ernst nehmen. Zweitens: Die Bedürfnisse der Nutzer:innen konsequent in den Mittelpunkt stellen. Drittens: Geduld mitbringen – nachhaltige Innovation im Gesundheitswesen braucht Zeit.

Bildcredits © mentalis

Wir bedanken uns bei Jürgen Stein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wann werden komplexe Inhalte endlich verständlich?

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rooom für 3D Erlebnisse direkt im Browser Gruppenbild

rooom macht 3D über eine browserbasierte Lösung zugänglich

Wie würden Sie rooom und das Team dahinter vorstellen?

rooom macht komplexe Produkte, Services und Prozesse so erlebbar, dass Menschen sie sofort verstehen – in 3D, AR oder VR. Das läuft direkt im Browser: Link öffnen, loslegen – ohne App, ohne Installationsstress. Hinter rooom steht ein neugieriges Team aus Tech, Design und Customer Success, das nicht „nice Demos“ baut, sondern Lösungen, die im Alltag wirklich funktionieren und messbar Wirkung bringen.

Welche Motivation führte zur Gründung von rooom und wie hat sich daraus Ihre heutige technologische Ausrichtung entwickelt?

Ich komme aus der Praxis: Schon als Teenager habe ich programmiert und PC-Spiele entwickelt – dadurch war 3D für mich nie „Spielerei“, sondern ein Werkzeug, um Dinge verständlicher zu machen.
Später habe ich mit einer eigenen Digital-Transformation-Agentur Unternehmen wie BOSCH und Hewlett-Packard begleitet und immer wieder das gleiche gesehen: 3D würde Produkte und Prozesse massiv leichter erklärbar machen – aber die Hürden waren zu hoch (Spezialsoftware, Installation, Hardware, Expertenwissen).
Also haben wir rooom so gebaut, dass 3D in Unternehmen genauso selbstverständlich wird wie ein Video: im Browser, auf jedem Gerät, leicht zu erstellen, leicht zu integrieren – und skalierbar für echte Use Cases.

Welche Vision verfolgen Sie für digitale 3D-Erlebnisse und wie möchte rooom diese Vision über seine Plattform umsetzen?

Wir glauben an ein immersives Web: dreidimensional, inklusiv und alltagstauglich – ein Web, das Produkte, Wissen und Räume besser verständlich macht. Dafür bieten wir eine modulare Plattform, mit der Teams Experiences schnell erstellen, teilen und auf allen Geräten ausspielen können – ohne Friktion, aber mit Enterprise-Anspruch.

Für welche Branchen oder Unternehmen ist rooom besonders relevant und wie erfüllen Sie deren Anforderungen an moderne Präsentations- und Interaktionsformate?

Überall dort, wo Komplexität erklärt werden muss: Industrie & Manufacturing (Produkt-/Anlagenzwillinge, Training, Service), Consumer Goods & E-Commerce (3D/AR für mehr Vertrauen und weniger Retouren) sowie Public Sector & Education (Wissensräume, virtuelle Campus, digitale Tourismus-Erlebnisse). Der Kern ist immer gleich: einmal Inhalte erstellen – und dann in vielen Formaten ausspielen, skalierbar und in bestehende Systeme passend.

Ihre Plattform ist browserbasiert und no-code. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil für Ihre Kundinnen und Kunden?

Der größte Vorteil ist Geschwindigkeit: Teams kommen in Tagen in die Umsetzung statt in Monaten – ohne Agentur-Dauerloop und ohne IT-Bottleneck. Und weil alles per Browser funktioniert, erreicht man Menschen sofort: Link, QR-Code oder Einbindung in vorhandene Kanäle – fertig.

Viele Firmen möchten immersive Inhalte nutzen, haben aber hohe technische Hürden. Wie adressiert rooom diese Herausforderungen?

Wir nehmen die Hürden konsequent raus: Inhalte lassen sich ohne Programmierkenntnisse erstellen, testen und verbessern – auch, wenn im Team niemand „3D-Profi“ ist. Dazu helfen Automatisierung und KI genau dort, wo sie Zeit frisst (z. B. beim Aufbereiten und Optimieren von 3D-Daten) – kombiniert mit unser eigenen, über Jahre entwickelten patentierten Technologie.
Und ganz wichtig im Unternehmensalltag: rooom lässt sich einfach in bestehende Kanäle und Systeme bringen – z. B. auf die Website, in den Shop, direkt in Microsoft Teams oder in interne Plattformen – damit es nicht bei einer Demo bleibt, sondern wirklich genutzt wird.

Was macht rooom einzigartig im Vergleich zu anderen Lösungen im Bereich 3D, VR oder AR?

Die Kombination aus schneller Content-Erstellung, Ausspielung in 3D/AR/VR direkt im Browser und echter Integrationsfähigkeit in bestehende Systemlandschaften. Dazu kommt unser Fokus auf Enterprise-Readiness „made in Europe“: Hosting in Deutschland/EU, DSGVO-konforme Ausrichtung und Security-Standards (wir ISO 27001), die in großen Organisationen erwartet werden.

Wie verändern virtuelle Showrooms, Events oder Trainings den Alltag in Marketing, Vertrieb oder Weiterbildung?

Statt lange zu erklären, wird direkt gezeigt – das beschleunigt Entscheidungen und reduziert Missverständnisse. Im Marketing sorgt das für mehr Aufmerksamkeit und bessere Conversion, im Vertrieb für schnellere Abstimmung, und im Training für skalierbares Enablement über Standorte hinweg – ohne dass jedes Training wieder bei null startet.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Module planen Sie in den kommenden Monaten?

Unser Fokus ist „von Content zu Systems“: Wir machen es einfacher, komplette virtuelle Umgebungen automatisch zu erstellen und sie mit Unternehmensdaten zu verbinden – damit sich Räume, Produkte oder Trainings dynamisch aktualisieren lassen. Gleichzeitig treiben wir AR/XR-Headset-Szenarien voran und erweitern KI-Features, die echte Effizienz bringen: schneller produzieren, schneller anpassen, schneller ausrollen – ohne Security-Kompromisse.

rooom für 3D Erlebnisse direkt im Browser CEO Hans Elstner
CEO Hans Elstner

Wie beobachten Sie die Zukunft immersiver Technologien und welche Rolle soll rooom darin spielen?

Immersive Experiences werden vom „Wow“ zum Standard-Interface für Verständnis – besonders bei komplexen Produkten, Räumen und Prozessen. rooom will die Plattform sein, die das praktikabel macht: niedrigschwellig im Einsatz, skalierbar im Betrieb und klar business-wirksam.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass rooom Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Das de:hub Netzwerk bringt relevante Player zusammen – und öffnet Türen auch über den eigenen Hub hinaus. Ich habe dadurch deutschlandweit wertvolle Kontakte und Austausch gehabt, z. B. auf Formaten wie dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Für rooom bedeutet das: schnellerer Zugang zu Use Cases, mehr Bühnen- und Messepräsenz, stärkere Partnerschaften – und ein klarer Weg von Vernetzung zu Pilotprojekten und skalierbaren Lösungen. Zusätzlich hilft die Initiative auch beim Blick über Deutschland hinaus, etwa durch internationale Messe- und Matchmaking-Formate.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihre Startups ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Ja – weil man dort schneller an echte Problemstellungen, verlässliche Partner und ein belastbares Netzwerk kommt, statt im reinen „Pitch-Modus“ stecken zu bleiben. Wer Co-Creation ernst meint, bekommt im de:hub Umfeld Tempo, Sichtbarkeit und Zugang zu Umsetzungskraft.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich immersive Technologien oder SaaS-Plattformen starten möchten?

Löst ein echtes Business-Problem – nicht nur ein Tech-Problem: Wirkung schlägt Wow-Effekt.
Geht früh raus aus dem „Keller“: sprecht mit Kundinnen und Kunden, zeigt Prototypen, sammelt Feedback – auch wenn es manchmal wehtut.
Und dann: iteriert konsequent. Baut klein, testet messbar, lernt schnell – „Lean Startup“ von Eric Ries ist dafür bis heute eine ziemlich gute Pflichtlektüre.

Bildcredits © room AG

Wir bedanken uns bei Hans Elstner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Warum wird so viel Energie verschwendet, obwohl die Lösung längst existiert?

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Unocconi Wärmerückgewinnung Energieeffizienz Duschen Valentin und Steffen Nittbaur

Unocconi vertreibt Systeme zur Wärmerückgewinnung beim Duschen und verbessert damit gezielt die Energieeffizienz in Gebäuden ohne Einschränkung des Komforts

Was ist Unocconi für ein Unternehmen und wer sind die Menschen, die das Startup gegründet haben und heute prägen?

Ich heiße Steffen, habe über 25 Jahre in der Automobilindustrie gearbeitet und bin dann mit Mitte 50 über ein Abfindungsprogramm ausgestiegen. Danach habe ich im Fernstudium Umweltwissenschaften studiert und bin dabei auf des Thema Wärmerückgewinnung beim Duschen gestoßen. In 2023 habe ich mit meinem Sohn Valentin die Unocconi GmbH gegründet, um dieses in Deutschland noch weitgehend unbekannten Verfahren zu etablieren und dafür geeignete Systeme zu vertreiben. Valentin ist Betriebswirt und war im technischen Vertrieb Maschinenbau tätig. Zuerst hat er Unocconi nur nebenher gemacht, dann aber gekündigt und ist jetzt (Vollblut-) Unternehmer.

Welche persönliche oder berufliche Erfahrung hat zur Idee geführt, mit Unocconi auf Wärmerückgewinnung beim Duschen zu setzen?

Als Umweltwissenschaftler habe ich gelernt, dass Menschen ökologisch sinnvolle Maßnahmen, die aber ihre Lebensqualität einschränken, meist ablehnen (Suffizienz). Deswegen müssen Produkte und Verfahren etabliert werden, bei denen die Menschen ihr Leben weiterführen können, ohne sich einschränken zu müssen (Effizienz). Das beste Beispiel ist die Beleuchtung: Früher waren 100 Watt Glühbirnen für eine Lichtstärke notwendig, für die heute ein 10 Watt LED-Leuchtmittel ausreicht. Die teilweise Rückgewinnung von wertvoller Wärmeenergie, die beim täglichen Duschen bisher völlig ungenutzt im Abfluss verschwindet, erschien uns ein sehr sinnvolles Verfahren, um die Energieeffizienz auch im Sanitärbereich zu verbessern.

Welche Vision verfolgt Unocconi im Kontext Energiewende und nachhaltiger Gebäudetechnik?

Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, dass in wenigen Jahren die Wärmerückgewinnung beim Duschen genauso bekannt und selbstverständlich ist, wie das heute schon z. B. bei der Fassadendämmung oder bei PV-Anlagen der Fall ist. Und so einen nicht unwesentlichen Beitrag in Richtung Wärmewende zu leisten.

Wie helfen die Lösungen von Unocconi dabei, Energieverluste im Alltag konkret zu reduzieren?

Die Funktionsweise ist einfach: Das warme Abwasser gibt seine Energie über einen Wärmetauscher an das kalte Frischwasser ab, das dadurch bereits vorerwärmt für die Erzeugung von Warmwasser zur Verfügung steht. Dadurch lässt sich der Energiebedarf für Warmwasser im Durchschnitt halbieren – ohne Komfortverlust für die Nutzenden.

An welche Zielgruppen richtet sich Unocconi aktuell und warum sind gerade diese besonders relevant?

Um unsere innovativen Verfahren bekannt zu machen und Vertrauen zu gewinnen, adressieren wir an alle Stakeholder – Endkunden, SHK-Betriebe, TGA-Planende, Architekten, Energieberatende, … Aber auch die Presse und nachhaltige NGO’s sind für uns wichtige und oft sehr interessierte Multiplikatoren unseres Anliegens.

Wie stellen Sie sicher, dass die Bedürfnisse von privaten Bauherren, Projektentwicklern oder gewerblichen Kunden gleichermaßen erfüllt werden?

Anbieter von Bauleistungen können den Endkunden eine Innovation anbieten, die noch sehr selten ist und die das Angebot damit einzigartig macht. Und Endkunden lassen sich eine Energieeffizienzlösung einbauen, deren Investition sich je nach Nutzungsprofil in wenigen Jahren amortisiert und die zudem staatlich gefördert wird.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, eine noch wenig verbreitete Technologie in den Markt zu bringen?

Wir müssen die Technologie bekannt machen und dafür Vertrauen aufbauen. Deswegen kommunizieren wir auf allen Ebenen, stehen für technische Detailfragen kompetent und verbindlich zur Verfügung und zeigen unsere Produkte auf den einschlägigen SHK-Messen. Bei unseren Kunden sammeln wir Bewertungen ein und veröffentlichen diese.

Was unterscheidet Unocconi aus Ihrer Sicht von anderen Lösungen im Bereich Energieeffizienz und Warmwasser?

Andere kleinere Unternehmen aus den Bereich Energieeffizienz im Baubereich, die wir immer wieder mal auf den einschlägigen Messen kennenlernen, kämpfen mit den gleichen Herausforderungen wie wir bei Unocconi. Bei der Wärmerückgewinnung aus Duschabwasser sind wir in Deutschland aber noch fast die Einzigen. Einige größere Unternehmen haben sich in der Vergangenheit aus dem Thema zurückgezogen, da es für sie zu erklärungsintensiv war.

Welche Rolle spielen Partner und Installationsbetriebe für das Wachstum von Unocconi?

Ein sehr wichtige: Wir haben ein Partnernetzwerk, in dem wir „Fans“ der Wärmerückgewinnung beim Duschen versammelt haben, die uns in der Verbreitung dieses Themas unterstützen. Denn zur finalen Kaufentscheidung sind neben dem Endkunden oft auch der SHK-Profi, der Energieberatende oder z. B. ein Architekt notwendig.

Wohin soll sich Unocconi in den nächsten Jahren entwickeln und an welchen Themen arbeiten Sie derzeit besonders intensiv?

Die Wärmerückgewinnung beim Duschen ist eine Nische, in der wir bei dem zu erwartenden Marktwachstum und den großen Sanitärherstellern, die dann aktiv werden, unseren Platz behaupten müssen. Deswegen arbeiten wir daran, unser Produktportfolio sukzessive zu erweitern, um noch weiter vom Produkt- zum Lösungsanbieter zu werden.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich Klima und Energie ein Startup aufbauen möchten?

Viel Geduld und Frustrationstoleranz mitbringen. Nicht nur ökologische Benefits in den Vordergrund stellen, da Klimaschutz aktuell leider einen sehr geringen Stellenwert hat. Und einfach jetzt starten, statt zu warten, dass sich gesellschaftliche oder persönliche Rahmenbedingungen irgendwann mal günstig entwickeln.

Bildcredits:  Unocconi

Wir bedanken uns bei Steffen Nittbaur für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Trauer im Team: Warum Wegsehen keine Option ist

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Trauer im Unternehmen: Verlust und Führung Petra Berghaus Fotografin Bildcredits Lotta Laabs

Aus meiner Arbeit weiß ich: Je tragischer ein Verlust ist, desto unsicherer reagiert oft das Umfeld. Das gilt besonders im beruflichen Kontext.

Der Tod eines Partners, eines Kindes oder eines nahen Angehörigen bringt nicht nur das Leben der betroffenen Person aus dem Gleichgewicht, sondern verunsichert auch Kolleginnen und Kollegen sowie Führungskräfte. Viele wissen nicht, was sie sagen oder tun sollen und entscheiden sich deshalb fürs Schweigen.

Trauer lässt sich jedoch nicht an der Bürotür abgeben. Sie ist da, ob wir sie ansprechen oder nicht. Wird sie ignoriert, verstärkt das häufig das Gefühl von Einsamkeit, Fremdsein und innerem Rückzug.

Wenn Mitgefühl auf Sprachlosigkeit trifft

Gerade im Arbeitsalltag prallen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Leistungsanforderungen, Teamdynamik und der Wunsch, nichts falsch zu machen. Aus dieser Unsicherheit entstehen oft gut gemeinte, aber hilflose Reaktionen oder eben gar keine.

Dabei braucht es keine perfekten Worte. Ein schlichtes, ehrliches „Es tut mir leid“ reicht oft aus. Zuhören ist wichtiger als Trösten. Und ebenso wichtig ist es, auszuhalten, wenn jemand gerade nicht sprechen möchte.

Führung bedeutet auch, Unsicherheit zuzulassen

Viele Führungskräfte haben Angst, Trauer anzusprechen. Diese Angst ist menschlich. Doch Nicht Handeln sendet ebenfalls eine Botschaft und die lautet häufig: Dein Verlust hat hier keinen Platz.

Hilfreich sind klare, respektvolle Gespräche. Was ist im Moment möglich? Welche Aufgaben können vorübergehend abgegeben werden? Welche Form von Flexibilität hilft jetzt? Solche Absprachen geben Orientierung, ohne zu überfordern.

Warum Strukturen entlasten

Besonders in dynamischen Unternehmen ist es hilfreich, Trauer nicht jedes Mal neu improvisieren zu müssen. Ein einfacher Rahmen, etwa klare Ansprechpartner, transparente Absprachen und sensible Kommunikation im Team, nimmt Druck aus akuten Situationen.

Strukturen bedeuten nicht Kälte. Sie schaffen Sicherheit. Für Betroffene ebenso wie für Kolleginnen und Kollegen, die unterstützen wollen, aber unsicher sind, wie.

Wenn ein Team gemeinsam trauert

Manchmal betrifft ein Verlust nicht nur Einzelne, sondern das ganze Team, etwa beim Tod eines Kollegen. Kurze, bewusste Rituale können helfen. Eine Schweigeminute, ein gemeinsamer Gedanke oder ein Ort für Erinnerungen. Nicht groß, nicht öffentlich, aber ehrlich.

Rituale geben Halt, weil sie dem Unfassbaren einen Rahmen geben, ohne den Arbeitsalltag dauerhaft zu blockieren.

Trauer als Teil moderner Unternehmenskultur

Trauer ist kein Sonderfall, sondern Teil des Lebens. Unternehmen, die das anerkennen, stärken Vertrauen, Loyalität und menschliche Verbundenheit. Nicht trotz, sondern gerade in schwierigen Zeiten.

Am Ende zeigt sich Unternehmenskultur nicht in Leitbildern, sondern darin, wie Menschen begleitet werden, wenn Worte fehlen.


Fotografin/Bildcredits: Lotta Laabs

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

seed+speed Ventures startet neuen KI-Fonds über 90 Millionen Euros

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seed+speed Ventures KI-Fonds B2B-Startups Carsten Maschmeyer Fotograf Thomas von Aagh

Der Fonds investiert in europäische B2B-Startups in der Pre-Seed- und Seed-Phase.

seed+speed Ventures, der in Berlin ansässige Early-Stage-Fonds unter der Leitung von Carsten Maschmeyer und Alexander Kölpin, hat sein Fundraising bei 90 Millionen Euro abgeschlossen. Das ursprünglich geplante Zielvolumen für den dritten Fonds lag bei 30 Millionen Euro. Mit Zustimmung der Investoren wurde der Hard Cap zweimal erhöht.

seed+speed III investiert in europäische B2B- und Enterprise-Software-Unternehmen in der Pre-Seed- und Seed-Phase mit Erstinvestments zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro. Pro Startup kann der Fonds mehrere Millionen Euro an Folgekapital bereitstellen.

Mit dem neuen Fonds legt seed+speed Ventures einen klaren Fokus auf den sicheren Einsatz von KI im Unternehmensalltag – von Sicherheit, Datenschutz und Governance über Qualität und Kostenkontrolle bis hin zu messbarer Produktivität.

Zur Investorenbasis zählen institutionelle Investoren wie Banken und Stiftungen, Medienhäuser, Family Offices, Industrieholdings, Experten aus dem Rechts- und Steuerbereich, Immobilienunternehmer sowie vermögende Privatpersonen.

Carsten Maschmeyer über Europas KI-Potenzial

Carsten Maschmeyer, Managing Partner bei seed+speed Ventures, erklärt:

„Wenn Europa im globalen KI-Wettbewerb bestehen will, müssen wir Innovation dringend vorantreiben. Wir glauben fest an KI aus Europa. Es gibt hier starke, innovative Gründerinnen und Gründer mit Erfindergeist und Technologie auf Weltklasseniveau. Was leider oft fehlt, ist die Kraft, daraus große Unternehmen aufzubauen – genau hier setzen wir an. Besonders stolz sind wir darauf, dass mehrere erfolgreiche Gründer aus unseren ersten beiden seed+speed Fonds nach ihren Exits nun selbst als Investoren eingestiegen sind. Das ist ein starkes Vertrauenssignal.“

Alexander Kölpin über Enterprise KI und frühe Investments

Alexander Kölpin, Managing Partner bei seed+speed Ventures, ergänzt:

seed+speed Ventures_Alexander Kölpin_Managing Part ner_(c)seed+speed Ventures
seed+speed Ventures Alexander Kölpin Managing Partner Credits: seed+speed Ventures

„Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen werden, sondern wie sie KI nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir investieren in Pre-Seed- und Seed-Teams, die KI als Kerntechnologie entwickeln, ebenso wie in Unternehmen, die Werkzeuge für den sicheren und effektiven Einsatz von KI bereitstellen. Mit 90 Millionen Euro haben wir ein starkes Early-Stage-Vehikel für Enterprise KI in Europa geschaffen. Wir investieren bewusst sehr früh und begleiten Gründerinnen und Gründer mit Folgefinanzierungen, Go-to-Market-Umsetzung und vertriebsgetriebenem Wachstum, damit aus europäischer Technologie Lösungen entstehen, die internationale Standards setzen.“

seed+speed Ventures als Lead-Investor mit größeren Tickets

Die Investmentstrategie von seed+speed fokussiert sich auf europäische Pre-Seed- und Seed-Startups mit klarer KI-Komponente – entweder Unternehmen mit eigener KI für B2B- und Enterprise-Software oder Tools, die den sicheren und effizienten Einsatz externer KI ermöglichen.

Mit einem Fondsvolumen von 90 Millionen Euro kann das Team nun größere Erstinvestments tätigen und flexibler investieren, sei es als Lead- oder Co-Lead-Investor oder im Rahmen von Folgefinanzierungen. seed+speed unterstützt seine Portfolio-Unternehmen insbesondere beim Aufbau skalierbarer Go-to-Market-Strukturen in Europa und stellt Gründerteams ein dediziertes Support-Team für Sales, PR, Marketing und Social Media zur Seite.

Pro Jahr plant seed+speed Investitionen in sieben bis neun neue Startups.

Erfolgsbilanz der Fonds I und II

Die Fonds I und II konzentrierten sich auf Startups aus dem deutschsprachigen Raum. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen im Portfolio von seed+speed zählen Prezise.ai (Exit), Finanzguru, pliant, Kertos, Prewave, Enginsight und Orderlion.

Öffnung für ganz Europa mit seed+speed III

Das Fundraising für seed+speed III begann im Sommer 2024. Erstmals steht der neue Fonds auch europäischen Startups außerhalb der DACH-Region offen.

Seitdem hat das Investmentteam bereits in 13 Startups investiert.

Ausgewählte Portfolio-Unternehmen von seed+speed III

Orq.ai mit Sitz in Amsterdam (Niederlande) ist eine Generative-AI- Kollaborations- und LLMOps-Plattform, die Teams dabei unterstützt, KI-Agenten sicher in der Produktion zu entwickeln, zu testen, auszurollen und zu überwachen. Im Dezember 2025 schloss Orq.ai eine Seed-Finanzierungsrunde über 5 Millionen Euro ab.

RIIICO mit Sitz in Düsseldorf ist eine KI-basierte Softwareplattform, mit der Industrieunternehmen digitale 3D-Modelle bestehender Fabriken erstellen können. So lassen sich Werks­erweiterungen, neue Produktionslinien und Umbauprojekte viermal schneller und flexibler planen und umsetzen. Zu den Kunden zählen bereits namhafte Automobilhersteller. Im Juni 2025 sammelte RIIICO 5 Millionen US-Dollar in einer Seed-Runde ein.

Optimuse aus Wien ist eine KI-Plattform für Planung, Sanierung und Betrieb von Gebäuden. Sie zeigt Planern frühzeitig, welche technischen Optionen Kosten und Emissionen am effektivsten senken. Am 1. Oktober 2025 schloss Optimuse eine Seed-Finanzierungsrunde über 4 Millionen Euro ab.

Eleven Dynamics mit Sitz in Solothurn (Schweiz) bietet automatisierte Inline-Messtechnik und Qualitätskontrolle für die industrielle Fertigung. Unternehmen können damit ihre Taktzeiten reduzieren und gleichzeitig die Qualität steigern. Zu den Kunden zählen unter anderem BMW, Audi und Sauber Motorsport. Im Februar 2025 sicherte sich Eleven Dynamics eine Seed+-Finanzierung über 3,5 Millionen Schweizer Franken.

Titelbild Carsten Maschmeyer Fotograf Thomas von Aagh

Quelle: Maschmeyer Group/ MM Support GmbH

Wie bleibt man sich treu, wenn plötzlich alles schneller wird?

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Viva Maia: mexikanische Naturkosmetik mit Proof Verena und Herbert Fotograf: Mathias Gonzales Hirschfeld

Viva Maia entwickelt wirksame Naturkosmetik mit mexikanischen Inhaltsstoffen und verbindet klinischen Proof mit lokaler Wertschöpfung in Mexiko.

Wie hat sich Viva Maia seit dem letzten Interview organisatorisch und strategisch weiterentwickelt?

Wir sind immer noch ein kleines, familiengeführtes Team. Wir fokussierteren uns stark auf das Thema Supply, da wir unsere Supply Chain in Mexiko komplett selber aufbauen. Außerdem spielt Marketing für uns eine große Rolle. In dem Bereich sind wir gerade auch stark auf der Suche nach Leuten, die Lust haben, mit uns mexikanische Naturkosmetik in Deutschland / Europa noch bekannter zu machen. Strategisch haben wir unsere Positionierung geschärft: klinischer Proof dank unabhängiger Studien + mexikanische Herkunft und Herstellung + wirksame Naturkosmetik.

Wie hast du die Zeit nach der Höhle der Löwen erlebt und welche konkreten Auswirkungen hatte der Auftritt auf Viva Maia?

Irgendwie surreal sich im Fernsehen zu sehen… ich finde man sieht anders aus als in Wirklichkeit 😉 Es ist einfach ein enormer „Growth-Schub“ in sehr kurzer Zeit. Der Auftritt hat uns auch in Sachen Vertrauen geholfen. Und ganz simple: mehr Reichweite, mehr Erstkäufe, mehr Wiederkäufe. Natürlich hat das auch intern den Druck erhöht, Prozesse, Supply und Customer Experience schneller zu professionalisieren.

Welche Entscheidungen aus der Anfangsphase würdest du heute anders treffen und warum?

Ich würde früher härter priorisieren. Weniger gleichzeitig, dafür schneller auf wenigen Dinge fokussieren. Und ich würde Prozesse (Produktion, Forecasting, Customer Support) früher „mitwachsen lassen“, statt sie erst unter „Druck“ nachzuziehen.

Welche persönlichen und unternehmerischen Learnings hast du aus „Die Höhle der Löwen“ für deinen weiteren Weg mitgenommen?

Vor allem eins: Wachstum kann man nur dann wirklich genießen, wenn Operations, Cashflow und Teamstruktur mithalten. Wenn nicht, wird Reichweite schnell zu Stress. Im schlimmsten Fall zu vermeidbaren Fehlern oder sogar Misserfolg. Wir geben deshalb unser Bestes, Wachstum so zu steuern, dass unsere Kernwerte nicht unter die „Räder kommen“. Gerade weil wir Nachhaltigkeit und Produktqualität bewusst priorisieren.

Mexikanische Naturkosmetik ist weiterhin euer Markenkern. Wie schafft ihr es, kulturelle Authentizität zu bewahren und gleichzeitig für den europäischen Markt zu skalieren?

S. Antwort davor + Indem wir „mexikanisch“ nicht als Deko nutzen, sondern als Fundament. Wir entwickeln nicht um Trendwirkstoffe herum, sondern um Herkunft, Rohstoffe und das Heilwissen dahinter. Deshalb bauen wir unsere eigene Produktion in Mexiko auf und schaffen Wertschöpfung dort, wo die Rohstoffe wachsen. Auch wenn das uns oft vor „Ops-Probleme“ stellt.

Welche Rolle spielen mexikanische Produzentinnen und lokale Wertschöpfung heute konkret in eurem Geschäftsmodell?

Eine zentrale. Wir arbeiten bewusst mit lokalen Partnerinnen und Wertschöpfungsketten in Mexiko. Das macht uns manchmal langsamer. Aber dafür bleiben wir unserem Core treu.

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Versprechen. Wo stößt ihr dabei aktuell an Grenzen und wie geht ihr damit um?

Die größte Grenze ist ehrlich gesagt die „Realität in der Lieferkette“, z.B. auch bei Retouren. Es ist erschreckend zu sehen, was in Kosmetik nicht mehr „verkaufsfähig“ ist: ein kleiner Knick in der Verpackung, eine Delle im Produkt, und es kann nicht mehr regulär rausgehen. Das landet bei uns im Büro, und ich sehe diese Mengen ganz direkt. Ich verstehe die Kundensicht total -> wenn ich bestelle, will ich auch ein einwandfreies, neues Produkt. Aber, man sieht nicht, was mit all den Produkten passiert, die inhaltlich völlig okay sind, aber optisch nicht mehr „perfekt wirken“. Das nehmen wir als klaren Ansatzpunkt, um bessere Lösungen zu finden. z. B. Retouren landen bei uns im Büro und werden nicht einfach entsorgt. Dann kann ich entscheiden, ob ich ein Influencer Send Out z.B. mit diesen Produkten mache (ich weiß klingt komisch aber gerade wenn es um das Testen von Produkten geht, kann man auch eine Creme mit einer Delle bekommen.

Wie entwickelt ihr neue Produkte und welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine Idee umgesetzt wird oder nicht?

Wir stellen uns die Frage: Was fehlt wirklich? z.B. ein Routine Step oder ein Benefit den die bisherigen Produkte nicht abdecken. Dann prüfen wir Wirksamkeit, Formulierbarkeit, Rohstoffqualität, regulatorische Machbarkeit und ob wir den Nutzen klar beweisen und kommunizieren können. Nur wenn Produkt, Proof und Story zusammenpassen, setzen wir es um. Daher ist unsere Produktpalette auch relativ klein.

Welche Inhaltsstoffe oder traditionellen Rezepturen stehen aktuell besonders im Fokus eurer Produktentwicklung?

Vor allem mexikanische Heilpflanzen mit antioxidative, regenerierende Wirkstoffe, sowie beruhigende, barrierestärkende Wirkstoffe. Core bei uns sind die Kakteen mit über 150+ Optionen. Und natürlich unser Hero Ingreidient Tepezcohuite.

Der Kosmetikmarkt ist stark umkämpft. Worin siehst du heute den klarsten Wettbewerbsvorteil von Viva Maia?

Unser größter Wettbewerbsvorteil ist diese seltene Kombination: echte mexikanische Herkunft und Wirkstoffe, klinischer Proof und spürbare Wirksamkeit. Gleichzeitig bauen wir Vertrauen über Nähe auf: Ich zeige als Gründerin bewusst, was hinter den Kulissen passiert.

Wie hat sich eure Zielgruppe verändert und was habt ihr über eure Kundinnen in den letzten Monaten neu gelernt?

Unsere Zielgruppe ist „breiter“ geworden, mehr Menschen kommen über Empfehlung und Proof zu uns, also positives „Word of Mouth“.

Welche Vertriebskanäle funktionieren für euch aktuell am besten und wo experimentiert ihr noch bewusst?

Am stärksten ist die Kombination aus Direct-to-Consumer, organischem Social und Creator Content.

Wie beeinflussen wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Kosten eure Preisstrategie?

Wirtschaftliche Unsicherheit trifft uns vor allem über Zoll- und Handelsbedingungen, weil wir global arbeiten und Mexiko seit 2025 immer wieder unter Zoll-/Tarifdruck und kurzfristigen Fristen steht. Letztes Jahr war in Hinblick dessen ein wirklicher „Kampf“ und das wird dieses Jahr 2026 sicherlich so weitergehen. Qualität nicht kompromittieren und Schwankungen über sehr schlanke interne Kosten, bessere Planung/Forecasting und Effizienz in der Supply Chain abfedern. Wir werden sehen was 2026 bringt.

Welche Rolle spielen Storytelling und Aufklärung bei euren Kundinnen im Vergleich zu klassischen Beauty-Versprechen?

Eine sehr große. Da unsere Wirkstoffe größtenteils in Europa nicht so bekannt sind, ist bei uns Aufklärung das A und O und schafft Vertrauen. Außerdem bin ich als Gründerin generell sehr offen und transparent und poste die meisten Inhalte zu was wir tun immer noch selber, was ich denke auch ein wichtiger Core unserer Strategie ist.

Wie gehst du persönlich mit dem Spannungsfeld zwischen Wachstum, Verantwortung und unternehmerischem Druck um?

Indem ich konsequent priorisiere: klare Ziele, klare Teamverantwortung. Und wirklich immer die 80/20 Regel, ich versuche mich die meiste Zeit nur auf das zu konzentrieren, das wirklich einen „Impact“ hat. Das klappt ehrlich gesagt nicht immer.

Was war in den letzten Monaten der emotional herausforderndste Moment als Gründerin?

In den letzten Monaten war es emotional am härtesten, wenn Erwartungen und Realität plötzlich auseinanderlaufen, vor allem in der Supply Chain. Wir hatten uns für 2025 viel vorgenommen, und dann kamen mehrere unerwartete Zwischenfälle, die Pläne auf einmal unrealistisch gemacht haben. Das Frustrierende ist: Intern kann oft niemand wirklich etwas dafür, Lieferketten, Klima, etc. das ist alles sehr komplex und von externen Faktoren abhängig, aber nach außen wirkt es schnell so, als würden wir die gleichen Fehler wiederholen. Dieses Gefühl, obwohl man alles gibt, als „unzuverlässig“ wahrgenommen zu werden, geht mir persönlich am meisten nahe.

Welche Vision verfolgst du mit Viva Maia in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Viva Maia soll die Referenz für wirksame, mexikanisch verwurzelte Skincare in Europa werden. Ich möchte verändern, dass Mexiko in Europa nicht nur als „Lifestyle-Herkunft“ wahrgenommen wird, sondern als echtes Powerhouse für Naturkosmetik. Mexiko gehört zu den megadiversen Regionen der Welt, mit unglaublich resilienten, klimaangepassten Pflanzen aus Wüstenregionen und Extrembedingungen, die hochwirksam und einzigartig sind. Viele unterschätzen das, obwohl so viele Wirkstoffe und Lebensmittel ursprünglich aus Mexiko kommen -> Tomaten, Kakao/Schokolade, Chili oder Avocado etc. die Liste ist unendlich lang wenn man sich damit mal befasst).

Gibt es einen nächsten großen Schritt, den ihr euch bisher bewusst aufgehoben habt?

Erst bringen wir unsere Supply Chain auf das nächste Level, damit Verfügbarkeit, Planung und Qualität auch bei Wachstum stabil bleiben. Und sobald dieses Fundament steht, gehen wir den nächsten großen Schritt: die Internationalisierung.

Was möchtest du mit Viva Maia langfristig verändern – über Kosmetik hinaus?

Langfristig möchte ich mit Viva Maia beweisen, dass natürliche Skincare nicht „nur natürlich“, sondern genauso effektiv sein kann wie synthetische.

Bildcredits Fotograf: Mathias Gonzales Hirschfeld

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kann Kühlung auch ohne Kompromisse für Umwelt und Effizienz funktionieren?

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MAGNOTHERM Kühlung ohne Kältemittel Gruppenfoto

MAGNOTHERM steht für Kühlung ohne Kältemittel und neue technologische Ansätze

Wie würden Sie MAGNOTHERM und das Team dahinter vorstellen?

MAGNOTHERM ist ein DeepTech Startup mit tiefgreifender Expertise in Materialwissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das Team setzt sich aus Ingenieuren, Wissenschaftlern und Entrepreneuren zusammen, die sich gemeinsam das Ziel gesteckt hat, die Kältebranche umzukrempeln.

Welche wissenschaftliche Grundlage führte zur Gründung von MAGNOTHERM und wie beeinflusst sie Ihre Arbeit heute?

Das Gründerteam formierte sich am Fachgebiet Funktionale Materialien an der Technischen Universität Darmstadt, wo seit 2012 unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Gutfleisch erfolgreich an Permanentmagneten, Magnetokalorischen Materialien und mehr geforscht wird. Hinzu arbeitet Mitgründer Dr. Tino Gottschall am Hochfeld-Magnetlabor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf und erforscht magnetokalorische Materialien für umweltfreundliche Kühltechnologien sowie Anwendungen in der Wasserstoffverflüssigung. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir tagtäglich an Sptizentechnologie, die den State-of-the-Art herausfordern.

Welche Vision verfolgen Sie für eine nachhaltige Kälte- und Wärmetechnologie und welchen Beitrag möchten Sie mit MAGNOTHERM leisten?

Unsere Vision ist es, die 500-Milliarden-USD-schwere Kältebranche nachhaltig zu verändern. Die aktuell dominierende Gaskompressionstechnologie muss abgelöst werden, um sichere und energieeffiziente Kühlung ohne klimaschädliche FCKW- oder FKW-Kältemittel bereitstellen zu können. Unsere Mission ist es, die Technologie der Magnetischen Kühlung als bessere Alternative zur Gaskompression am Markt zu etablieren.

Für welche Anwendungen oder Branchen ist Ihre magnetokalorische Technologie besonders relevant und wie erfüllen Sie deren Anforderungen?

Wir sind im Lebensmitteleinzelhandel gestartet und haben mit POLARIS und ECLIPSE zwei Produkte für Getränke- und Lebensmittelkühlung vorgestellt. Mit der STELLAR-Plattform, die wir zusammen mit Kunden entwickeln, kann unsere Technologie für IT-Equipment, Gebäudeklimatisierung und industrielle Anwendungen genutzt werden. Es handelt sich immer um einen sog. Kaltwassersatz, der temperiertes Wasser für die jeweilige Anwendung zur Verfügung stellt und sich so nahtlos in bestehende Konzepte integrieren lässt.

Ihre Lösungen kommen ohne klimaschädliche Kältemittel aus. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil für Kunden und Umwelt?

Unser Vorteil ist, dass wir sowohl sichere als auch energieeffiziente Kühlung bereitstellen können, die den regulatorischen Anforderungen erfüllen und kein hochqualifiziertes Wartungspersonal erfordert. Der Trend weg von FCKW- und FKW-Kältemitteln ist umumkehrbar. Bereits heute ist Kühlung für ca. 10% aller Treibhausgase verantwortlich und der Bedarf an Kühlung wird in den kommenden Jahrzenten explodieren. Mit dem Montreal-Protokoll konnten wir als Weltgemeinschaft das Ozonloch stabilisieren. Weitere Verordnungen zielen nun auf Kältemittel mit extrem hohen Treibhauspotential ab, die bis zu 20.000-mal höher als CO2 sind. Die Alternativen setzen zum Teil PFAs frei und werden zukünftig auch reguliert. Die einzigen Alternativen sind Natürliche Kältemittel, die explosiv, entzündlich, stark komprimiert oder giftig sind. Dies macht Kühlung teurer, erfordert zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und bedarf hochqualifizierte Kältetechniker.

Welche technischen oder regulatorischen Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau marktreifer magnetokalorischer Systeme und wie gehen Sie damit um?

Wir haben mit der CE-Zertifizierung geringe regulatorische Anforderungen und konnten auch die technische Machbarkeit sowie Dauerfestigkeit mit der POLARIS- und ECLIPSE-Plattform demonstrieren. Unsere größte Herausforderung in der Markteinführung ist es, die Produktion der Systeme im Einklang mit den Kundenanforderungen zu finanzieren.

Was macht MAGNOTHERM einzigartig im Vergleich zu klassischen Kühl- und Heiztechnologien?

Wir verzichten komplett auf das Kältemittel. Damit haben wir null Treibhauspotential, setzen kein PFAs frei und können die Energieeffizienz deutlich steigern. Darüber hinaus können wir zwischen Kühlen und Heizen umschalten. Somit sind unsere Lösungen nicht nur von allen Regularien befreit, auch die Wartung wird deutlich einfacher, sodass man kein hochspezialisiertes Personal vonnöten ist.

Wie schwierig ist es, neue Technologien in etablierten Branchen wie Kühlung oder Gebäudetechnik zu platzieren, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Die Kühlbranche ist die unsichtbare Infrastruktur, die essentiell für unsere Gesellschaft ist. Wenn die Kühlung ausfällt, bedeutet das im mildesten Fall nicht funktionierende Maschinen oder keine kalten Getränke, aber im schlimmsten Fall der Ausfall des Internets, unterbrochene Kühlketten in der Lebensmittelversorgung bis hinzu Todesfällen durch Überhitzung oder fehlende Medikamente. Dementsprechend ist die Ausfallsicherheit der Systeme die absolute Priorität. Für hochintegrierte Systeme, wie das bei Gebäuden der Fall ist, ist dies umso wichtiger, denn ein Tausch ist aufwendig und teuer. Darüber hinaus sind viele Akteure entlang der Wertschöpfungskette involviert.

Vor diesem Hintergrund müssen wir mit unserer neuartigen Technologie sicherstellen, dass die Ausfallsicherheit gegeben ist und vom Kunden abgenommen wird. Wir konzentrieren uns daher auf Anwendungen mit kurzen Wertschöpfungsketten, sodass wir den direkten Zugang zu den Betreibern der Systeme aufbauen können und möglichst alle intermediären Parteien zunächst umgehen. Dies ist vor allem im Lebensmitteleinzelhandel möglich, die verschiedenste Kühlsysteme, von ganz klein bis hin zu gesamten Gebäudekomplexen, im Einsatz haben und diese häufig selbst besitzen und betreiben.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Anwendungen planen Sie in den kommenden Monaten?

Auf Basis unserer ECLIPSE-Plattform werden wir mit Kühlregalherstellern verschiedene magnetische Kühlmöbel entwickeln und Endkunden im LEH liefern. Mit ECLIPSE 2D und ECLIPSE TL haben wir bereits für Testzwecke zwei Kühlmöbel entwickelt, die direkt bei uns erworben werden können. Für den weiteren Produktionsaufbau arbeiten wir jedoch mit etablierten Kühlregalherstellern zusammen, sodass MAGNOTHERM sich auf die kälteerzeugende ECLIPSE-Plattform konzentriert. Darüber hinaus wird die ECLIPSE-Plattform für weitere Anwendungen weiterentwickelt. Jüngst haben wir mit einem Partner erfolgreich getestet, dass ECLIPSE sich auch für Raumklimatisierung von Container-basierten Wohneinheiten eignet. Darüber hinaus entwickeln wir mit Partnern unsere STELLAR-Plattform weiter, um magnetische Kühlung auch für größere Leistungsbereiche einsatzfähig zu machen.

MAGNOTHERM Kühlung ohne Kältemittel Timur Sirman
CEO & Co-Founder Magnotherm Timur Sirman

Wie verändert sich der Markt für nachhaltige Kühltechnologien aus Ihrer Sicht und welche Rolle möchte MAGNOTHERM künftig einnehmen?

Über den Lauf der vergangenen fünf Jahre habe ich einen stark steigendes Interesse an nachhaltiger Kühlung wahrgenommen. Mit natürlichen Kältemitteln gibt es bereits Lösungen, die das Treibhauspotential von Kühlsystemen deutlich senken können. Aufgrund der Sicherheitsrisiken und der komplizierten Wartung ist die Marktdurchdringung jedoch langsam. Daher laufen weiterhin 95% der Kältesysteme auf den umweltschädlichen und gesundheitsschädlichen Kältemitteln. Der Bedarf an sicheren sowie energieeffizienten Kühllösungen ist daher größer denn je. Hier nimmt MAGNOTHERM bereits heute eine führende Rolle als Pionier von kältemittel-freien Kühlsystemen ein und wird die Zukunft der Kältebranche maßgeblich beeinflussen.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass MAGNOTHERM Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Das de:hub Netzwerk bringt alle relevanten Akteure aus der Startup-Branche zusammen und hat uns ermöglicht, unsere internationale Präsenz durch Messebesuche aufzubauen und mittels Match-Making persönliche Kontakte zu Finanzinvestoren und Kooperationspartner zu knüpfen.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das de:hub wird international als die Eintrittstür in die deutsche Startup-Szene verstanden. Teil dieses Netzwerkes zu sein hilft enorm, eine Plattform für Kooperationen zu schaffen und mit potentiellen Partnern ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus ist der Austausch zwischen den teilnehmenden Startups von großem Wert.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich Deep Tech oder nachhaltige Industrieinnovation starten möchten?

Um erfolgreich eine Deep Tech Innovation umzusetzen bedarf es aus meiner Erfahrung nach multipler Finanzierungsinstrumente. Neben Risikokapital von Venture Capitalists sollte man sich gut über regionale, nationale oder internationale Förderprogramme informieren und genau evaluieren, wie diese die Entwicklungskosten ganz oder teilweise decken können. Ein diverses Gründer-Team, d.h. verschiedene Erfahrungen, Perspektiven, Meinungen und Qualifikationen erhöhen in komplexen Entscheidungsräumen die Qualität der Entscheidungen. Wichtig dabei ist, dass man als Team konsensfähig ist und zügig zu Entscheidungen kommt. Für nachhaltige Industrieinnovationen kann ich empfehlen, den Nachhaltigkeitsaspekt aus persönlicher Überzeugung zu verfolgen, für Kunden jedoch weitere Vorteile herauszuarbeiten, sodass ein breites Werteversprechen gemacht werden kann.

Bildcredits © MAGNOTHERM

Wir bedanken uns bei Timur Sirman für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie viel Autonomie braucht Logistik, um wirklich zu funktionieren?

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FERNRIDE Autonomie und Logistik im industriellen Einsatz Fernride Co-Founders Hendrik Kramer, Dr. Maximilian Fisser und Jean-Michael Georg Bildcredits © FERNRIDE

FERNRIDE verbindet Autonomie und Logistik zu skalierbaren industriellen Lösungen

Wie würden Sie FERNRIDE und das Team dahinter vorstellen?

FERNRIDE ist ein europäischer Technologieführer für Dual-Use-Bodenautonomie. Wir sind das erste und bislang einzige Unternehmen mit einer CE-zertifizierten Level-4-Lösung am Markt.
Unsere Technologie hat sich erfolgreich im operativen Einsatz bewährt, unter anderem bei Volkswagen, MAN, DB Schenker, HHLA und BSH, und wurde für den 24/7-Betrieb in realen Anwendungen entwickelt. FERNRIDE kombiniert in einer End-to-End Lösung fahrzeugseitige Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement..
Hinter FERNRIDE steht ein interdisziplinäres Team mit einigen der renommiertesten Experten im autonomen Fahren, funktionaler Sicherheit und industrieller Produktentwicklung in Europa. 2020 sind wir mit dem de:hub German Startup Award als bestes deutsches Startup ausgezeichnet worden.

Welche Motivation führte zur Gründung von FERNRIDE und wie hat sich Ihr Ansatz aus der Forschung heraus entwickelt?

Die Motivation zur Gründung von FERNRIDE entstand aus dem Anspruch, ein skalierbares europäisches Technologieunternehmen aufzubauen, das reale Probleme in der physischen Welt löst (also nicht nur im digitalen Raum). Unser Gründer Hendrik Kramer hat bereits im Alter von 16 Jahren unternehmerische Erfahrung gesammelt – unter anderem durch den Aufbau eines eigenen Unternehmens im Familienumfeld –, wollte sich jedoch bewusst auf Deep-Tech mit gesellschaftlicher Relevanz konzentrieren.

FERNRIDE’s Mitgründer Dr. Jean-Michael Georg hat am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der TU München promoviert. Aus mehr als 10 Jahren Forschung an diesem Institut wurde schnell klar, dass teleoperiertes und autonomes Fahren reif für den Markt ist. Mit dieser Technologie können die wichtigsten Probleme gelöst werden: Wirtschaft und Sicherheit, die stark von Menschen abhängen, die gefährliche, repetitive und zunehmend unattraktive Arbeit leisten. In Bereichen wie Logistik, Industrie und Verteidigung verschärfen sich diese Engpässe dramatisch: Allein in Europa fehlen Hunderttausende Berufskraftfahrer, und auch Streitkräfte kämpfen mit strukturellem Personalmangel.

FERNRIDE setzt genau hier an: Die Automatisierung gefährlicher und repetitiver Tätigkeiten durch zuverlässige Bodenautonomie. Unser Ansatz hat sich dabei konsequent von der Forschung hin zu industriell einsetzbaren, zertifizierbaren Systemen entwickelt. Der Fokus auf Dual-Use- und insbesondere Verteidigungsanwendungen ergibt sich aus der Dringlichkeit dieser Herausforderungen – und aus der Überzeugung, dass strategische Schlüsseltechnologien in Europa beherrscht werden müssen, um technologische und geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren.

Welche Vision verfolgen Sie für autonome Logistikprozesse und wie möchte FERNRIDE diese Vision Schritt für Schritt realisieren?

FERNRIDE’s Vision ist eine Zukunft, in der Robotik das menschliche Potenzial freisetzt, um eine bessere Welt zu schaffen. Dort kann Autonomie Menschen von gefährlicher, repetitiver Arbeit entlasten – und so Sicherheit, Verfügbarkeit und Produktivität in kritischen Logistikprozessen massiv erhöhen. FERNRIDE verfolgt dafür eine human-centric Automation: Autonomie ersetzt Menschen nicht „blind“, sondern skaliert ihre Wirkung – mit klarer Sicherheitslogik, Teleoperation und Flottensteuerung als integrierter Gesamtlösung.
Schritt für Schritt realisieren wir diese Vision über einen praxisgetriebenen Skalierungsansatz:

  1. Fokus auf kritische Einsatzfelder: Wir starten dort, wo der Nutzen am größten ist – insbesondere im Verteidigungsbereich, weil Autonomie dort Personal entlastet, Risiken reduziert und im Ernstfall Leben schützen kann.
  2. Bewährte Plattform statt Einzelprojekte: Wir bringen eine bereits in zivilen Anwendungen erprobte Technologieplattform in neue Domänen und härten sie für anspruchsvollere Bedingungen.
  3. Sicherheit & Zulassung als Kernkompetenz: Skalierung gelingt nur, wenn Autonomie zertifizierbar und regelkonform ist – deshalb sind Safety Engineering, Nachweisführung und robuste Betriebsprozesse zentral.
  4. Operativer Rollout in Iterationen: Wir gehen von klar abgegrenzten Use Cases über Pilotbetrieb zu Flottenbetrieb – mit messbaren KPIs wie Einsatzzeit, Interventionsrate, Sicherheitsperformance und Kosten pro transportierter Einheit.
  5. Ökosystem & Integration: Statt alles neu zu bauen, integrieren wir uns in bestehende Fahrzeuge und Logistiksysteme – und arbeiten mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette.
    So entsteht aus Autonomie nicht nur ein technologisches Versprechen, sondern ein schrittweise industrialisierbarer Logistikstandard – zuerst in Defence-orientierten Szenarien, dann skaliert in Industrie und ziviler Logistik.

Für welche Einsatzbereiche ist Ihre Ground Autonomy Platform besonders relevant und wie erfüllen Sie dort die Anforderungen der Logistikbranche?

Unsere Ground Autonomy Platform ist besonders relevant für Logistikumgebungen, in denen Zuverlässigkeit, Sicherheit und Verfügbarkeit entscheidend sind – etwa in der Verteidigungslogistik, in industriellen Anwendungen sowie in Terminals, Depots und Werksverkehren. Gerade dort, wo Prozesse rund um die Uhr laufen und menschliche Arbeit gefährlich, repetitiv oder schwer skalierbar ist, schafft Autonomie einen messbaren Mehrwert.
Die Anforderungen der Logistikbranche erfüllen wir durch einen klaren Plattform- und Industrialisierungsansatz: FERNRIDE bietet eine CE-zertifizierte Level-4-Lösung, die für den Dauerbetrieb ausgelegt ist und Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement integriert. Unsere Technologie lässt sich sowohl in bestehende Fahrzeugflotten integrieren als auch in neue Fahrzeuge einbauen und ermöglicht so eine schrittweise, wirtschaftliche Skalierung – mit Fokus auf Sicherheit, operative Stabilität und messbare Effizienzgewinne.

Ihr Ansatz kombiniert autonome Fahrfunktionen mit menschlicher Teleoperation. Wo liegt darin aus Ihrer Sicht der größte Vorteil?

Die Kombination aus autonomem Fahren und Teleoperation ist aus unserer Sicht der entscheidende Faktor, um Autonomie sicher, skalierbar und realitätsnah in den Betrieb zu bringen. Autonome Systeme übernehmen den Großteil der Fahr- und Transportaufgaben, während Teleoperator:innen gezielt in Ausnahme- oder Grenzsituationen eingreifen können, in denen volle Autonomie an Grenzen stößt.
Der größte Vorteil liegt darin, Sicherheit und Effizienz miteinander zu verbinden: Ein:e Teleoperator:in kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig betreuen, Risiken frühzeitig entschärfen und Ausfallzeiten minimieren – ohne dass dauerhaft Personal im Fahrzeug erforderlich ist. So entsteht ein robuster Betriebsmodus, der nicht auf perfekte Bedingungen angewiesen ist, sondern auch in komplexen, dynamischen Logistikumgebungen zuverlässig funktioniert.
Zusätzlich ist die Kombination von Autonomie und Teleoperation der kosteneffizienteste Weg zu vollständiger Autonomie. Gleichzeitig kann schon heute mit teilweiser Autonomie ein kommerzieller Service angeboten werden.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Automatisierung industrieller Transportprozesse und wie gehen Sie damit um?

Die größten Herausforderungen bei der Automatisierung industrieller Transportprozesse liegen weniger in der reinen Fahrfunktion, sondern in der Komplexität realer Betriebsumgebungen. Industrie- und Logistikflächen sind dynamisch, verändern sich ständig und sind geprägt von Mischverkehr, unklaren Randbedingungen und hohen Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus werden Sekundärtätigkeiten, wie beispielsweise das Verbinden von Truck mit Anhänger über elektrische und pneumatische Verbindung, heutzutage noch manuell vom Fahrer erledigt. Gleichzeitig erwarten Betreiber einen unterbrechungsfreien 24/7-Betrieb und klare wirtschaftliche Effekte.
FERNRIDE begegnet diesen Herausforderungen mit einem systemischen Ansatz: Wir kombinieren autonome Fahrfunktionen mit Teleoperation, klar definierten Betriebsprozessen und einem zentralen Flottenmanagement. Statt Autonomie als isolierte Technologie zu betrachten, denken wir sie als Betriebssystem für Logistik – inklusive Safety-Engineering, Zertifizierbarkeit und enger Integration in bestehende Fahrzeuge und IT-Systeme. So lassen sich komplexe Prozesse schrittweise automatisieren, ohne Stabilität, Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit zu gefährden.

Was macht FERNRIDE einzigartig im Vergleich zu anderen Anbietern im Bereich autonomer Logistiklösungen?

FERNRIDE unterscheidet sich von anderen Anbietern vor allem durch den konsequenten Fokus auf reale industrielle Einsatzfähigkeit statt auf Demonstratoren oder Forschungssysteme. Wir sind das erste und bislang einzige Unternehmen mit einer CE-zertifizierten Level-4-Autonomielösung im Markt und verfügen über nachweisliche Betriebserfahrung in produktiven Logistikumgebungen.
Ein weiterer zentraler Unterschied ist unser integrierter Plattformansatz: Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement sind von Beginn an als zusammenhängendes System entwickelt worden. Dadurch lässt sich Autonomie sicher skalieren und wirtschaftlich betreiben – auch in komplexen und sicherheitskritischen Umgebungen. Ergänzt wird dies durch unsere Retrofit-Fähigkeit, die es Kunden ermöglicht, bestehende Flotten weiterzuverwenden, sowie durch unsere klare Dual-Use-Ausrichtung, mit der wir zivile und verteidigungsnahe Anforderungen auf einer gemeinsamen technologischen Basis adressieren.

Wie verändert die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge die wirtschaftlichen und operativen Möglichkeiten für Ihre Kunden?

Die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge eröffnet unseren Kunden deutlich schnellere und wirtschaftlichere Wege zur Automatisierung. Statt komplette Flotten zu ersetzen, kann Autonomie schrittweise in laufende Betriebsprozesse integriert werden – mit kurzen Implementierungszeiten und klar kalkulierbaren Kosten.
Operativ ermöglicht Retrofit eine hohe Flexibilität: FERNRIDE’s Lösung ist fahrzeug-agnostisch. Das heisst, Kunden können unterschiedliche Fahrzeugtypen automatisieren, ihre Flotten bedarfsgerecht skalieren und den Übergang von manuellem zu autonomem Betrieb kontrolliert gestalten. Gleichzeitig bleiben Wartungs-, Ersatzteil- und Betriebsprozesse weitgehend unverändert. So wird Autonomie nicht zu einem disruptiven Umbruch, sondern zu einem planbaren Effizienzhebel, der sowohl wirtschaftliche als auch operative Risiken reduziert.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie für Ihre Plattform in den kommenden Monaten?

In den kommenden Monaten konzentrieren wir uns auf den gezielten Ausbau der operativen Fähigkeiten unserer Plattform – immer mit dem Ziel, Autonomie in noch anspruchsvolleren Einsatzszenarien zuverlässig einsetzbar zu machen. Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt ist dabei das dynamische Leader-Follower-Prinzip, bei dem Fahrzeuge flexibel zwischen Führungs- und Folgefunktionen wechseln können. In Kombination mit autonomem Ausweichen von Hindernissen, insbesondere in Offroad- und unstrukturiertem Gelände, eröffnet dies neue Einsatzmöglichkeiten für Konvoi-, Versorgungs- und Logistikszenarien.
Darüber hinaus arbeiten wir an der weiteren Härtung der Plattform für kritische Anwendungen, etwa durch verbesserte Wahrnehmung und robusterer Kommunikation und Connectivity. Ziel ist es, die Plattform so weiterzuentwickeln, dass sie nicht nur technisch leistungsfähiger wird, sondern auch einfacher skalierbar und effizienter im realen Betrieb eingesetzt werden kann.

Wie beobachten Sie die zukünftige Rolle autonomer Systeme in der Transport- und Logistikbranche und welche Position soll FERNRIDE darin einnehmen?

Autonome Systeme werden sich in der Transport- und Logistikbranche von einzelnen Pilotprojekten zu einem operativen Standard entwickeln – zunächst in klar abgegrenzten, sicherheitskritischen Bereichen und anschließend skaliert in immer breitere Anwendungen. Treiber sind dabei nicht nur Effizienzgewinne, sondern vor allem struktureller Personalmangel, steigende Sicherheitsanforderungen und der Druck, logistische Prozesse resilienter zu gestalten.
FERNRIDE positioniert sich in diesem Wandel als europäischer Referenzanbieter für Dual-Use-Bodenautonomie. Unser Anspruch ist es, Autonomie nicht als isolierte Technologie zu liefern, sondern als zertifizierbare, betreibbare Plattform, die sich nahtlos in bestehende Logistiksysteme integriert. So wollen wir maßgeblich dazu beitragen, dass autonome Logistik in Europa sicher, skalierbar und strategisch unabhängig umgesetzt wird.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass FERNRIDE Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Teil des de:hub Netzwerks zu sein, hat für FERNRIDE vor allem strategische Bedeutung. Das Netzwerk verbindet technologische Exzellenz mit industrieller Umsetzungskompetenz und schafft genau den Austausch zwischen Startups, etablierten Unternehmen, Forschung und öffentlicher Hand, der für Deep-Tech-Innovationen entscheidend ist.
Konkret profitieren wir vom Zugang zu relevanten Industriepartnern, von Sichtbarkeit in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsstrukturen sowie vom fachlichen Austausch zu Themen wie Regulierung, Skalierung und Markteintritt. Für FERNRIDE ist der de:hub damit weniger ein reines Startup-Ökosystem, sondern ein Hebel, um industrielle Autonomie-Lösungen schneller in den realen Einsatz zu bringen und europäische Technologiekompetenz nachhaltig zu stärken.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Ja, insbesondere für Gründerinnen und Gründer im Deep-Tech- und Industrieumfeld ist das de:hub Netzwerk sehr empfehlenswert. Unsere Erfahrung ist, dass es hier weniger um kurzfristigen Hype geht, sondern um substanzielle Zusammenarbeit mit relevanten Industrie-, Forschungs- und öffentlichen Akteuren.
Der größte Mehrwert liegt im qualifizierten Zugang zu Entscheidungsträgern, im offenen Austausch zu regulatorischen und strukturellen Herausforderungen sowie in der Möglichkeit, technologische Themen früh in größere industrielle und politische Kontexte einzuordnen. Gerade für Startups, die langfristig skalierbare Technologien entwickeln wollen, bietet das de:hub Umfeld eine belastbare Plattform für nachhaltiges Wachstum.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich autonome Systeme, Logistik oder Industrieinnovation starten möchten?

Erstens: Denkt Autonomie vom Kunden bzw. von dessen operativen Prozessen her, nicht von der Technologie. Viele Systeme funktionieren im Demo-Setup, scheitern aber im 24/7-Einsatz an Edge-cases, Safety-Anforderungen oder fehlenden Betriebsprozessen. Wer von Anfang an aus der Sicht des Kunden denkt und Zertifizierbarkeit, Wartung und Skalierung mitdenkt, spart Jahre.
Zweitens: Löst ein echtes, dringendes Problem – nicht nur ein technisches. In Logistik und Industrie sind Personalmangel, Sicherheit und Verfügbarkeit die eigentlichen Treiber. Technologie ist nur dann erfolgreich, wenn sie messbar Risiken reduziert oder Kosten senkt und sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt.
Drittens: Baut früh industrielle Glaubwürdigkeit auf. Das bedeutet reale Pilotprojekte, belastbare Partnerschaften und die Bereitschaft, Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen. Gerade in autonomen Systemen zählt am Ende weniger die Vision als der Nachweis, dass die Lösung unter realen Bedingungen zuverlässig funktioniert.

Teambild: Fernride Co-Founders Hendrik Kramer, Dr. Maximilian Fisser und Jean-Michael Georg Bildcredits © FERNRIDE

Wir bedanken uns bei Hendrik Kramer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

b2venture legt Fonds V mit 150 Millionen Euro auf

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b2venture legt Fonds V auf: 150 Millionen Euro für die nächste Generation europäischer Tech-Champions

Key Takeaways

  • b2venture hat Fonds V erfolgreich am Hard Cap von 150 Millionen Euro geschlossen und investiert in frühe, skalierbare Technologien.
  • Der Fonds pflegt einen gründerorientierten Ansatz und unterstützt erfolgreiche Gründer, die selbst zu Investoren werden.
  • Fonds V hat über 350 Angel-Investoren, die aktive Unterstützung leisten und ihre Erfahrung in den Fonds einbringen.
  • Die Investitionen konzentrieren sich auf Deep Tech Unternehmen, insbesondere in den Bereichen KI und Robotik.
  • Mathias Ockenfels wird neuer Partner bei b2venture und stärkt das Team mit seiner Expertise in der Plattform Economy.

b2venture, einer der etabliertesten Early-Stage-Investoren Europas, hat Fonds V erfolgreich am Hard Cap von 150 Millionen Euro geschlossen. Damit legt b2venture den größten Fonds seiner 25-jährigen Geschichte auf und investiert mit Fonds V in skalierbare, resiliente Technologien sowie digitale Geschäftsmodelle in der Frühphase.

b2venture verfolgt seit seiner Gründung einen einzigartigen Ansatz: konsequent gründerorientierte und mit langfristiger Perspektive investieren. Fonds V setzt diese Linie fort und knüpft an das intergenerationale Modell an, bei dem erfolgreiche Gründer selbst zu Investoren werden und ihre Erfahrung, Netzwerke und ihr Kapital an junge Gründerteams weitergeben. Dieses Prinzip trägt inzwischen fünf b2venture-Fondsgenerationen und unterstreicht damit die Stärke und Skalierbarkeit des community-basierten Modells.

Starke Investorenbasis: LPs und über 350 Angel-Investoren

b2ventures Fonds V baut auf eine starke, breit aufgestellte Investorenbasis:  langjährige und neue Limited Partners wie Family Offices, institutionelle Investoren und high-net-worth Individuals. Viele von ihnen begleiten b2venture bereits über mehrere Fondsgenerationen hinweg. Zu den neuen Limited Partners zählen unter anderem Flexstone, der Schweizer Pensionsfonds Stiftung Abendrot, Portfolio-Unternehmer wie Thomas Hagemann (SevenSenders) sowie langjährige b2venture Super Angels wie Joachim Schoss. 

Ein Alleinstellungsmerkmal von b2venture’s Investorenbasis ist eine starke Community aus über 350 erfahrenen Angel-Investoren, die den Fonds aktiv unterstützt. Die Angel-Investoren investieren gemeinsam mit b2venture und bringen ihre Erfahrung aus dem Aufbau und der Skalierung erfolgreicher Unternehmen ein. So verbindet b2venture Kapital mit unternehmerischer Praxis, basierend auf einem klaren Fokus auf Qualität und langfristigen Investmentansatz. 

25 Jahre Early-Stage-Erfahrung mit Community-Fokus

„Unseren Namen b2venture nehmen wir sehr wörtlich: “ we are here to venture”: wir investieren in neue Ideen und unterstützen unternehmerisches Wagnis, mit Kapital, Erfahrung und langfristiger Perspektive. b2venture steht seit 25 Jahren für eine konsequente Philosophie: außergewöhnliche GründerInnen früh zu unterstützen und sie langfristig zu begleiten. Fonds V führt diesen Ansatz konsequent fort und steht zugleich für unsere intergenerationale Kontinuität, getragen von einem wertebasierten, community-getriebenen Investmentansatz, sagt Florian Schweitzer, Partner bei b2venture. “Wir freuen uns sehr, mit Fonds V weitere Gründerteams dabei zu unterstützen, führende internationale Unternehmen aufzubauen.“

Seit mehr als 20 Jahren begleitet b2venture den Aufbau europäischer Tech-Unternehmen, darunter DeepL, 1KOMMA5°, Raisin, SumUp, Nelly und Urban Sports Club. Die Bilanz: mindestens ein Unicorn pro Fonds, 11 IPOs und die langfristige Begleitung hunderter Founder-Teams. Im Jahr 2025 verzeichnete b2venture einen IPO (Navan) und sieben weitere Exits, darunter Araris Biotech, Beekeeper sowie zuletzt Neptune (Übernahme durch OpenAI).

Erste Investments Fonds V

Mit Fonds V plant b2venture Investitionen in rund 35 Early-Stage-Startups in ganz Europa, mit Fokus auf skalierbare und langfristig tragfähige Technologien. Zu den ersten Investments von Fonds V gehören Unternehmen wie:

  • Nautica Technologies – autonome Schwarmroboter im Abonnementmodell zur Reinigung von Schiffsrümpfen
  • Hive Robotics – die KI-gestützte Plattform für autonome Systeme ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Luft-, Land- und See-Einheiten
  • Augmented Industries – die KI-gestützte Plattform, die Industriefachkräften hilft, komplexes Wissen dokumentieren und Probleme effizienter lösen
  • Assemblean – Production-as-a-Service-Plattform für die effiziente Fertigung komplexer Produkte

Diese Investments unterstreichen den Fokus von b2venture auf Deep Tech sowie Industrie-, Automatisierungs- und Infrastrukturunternehmen – mit Fokus auf KI und Robotik.

„Venture Capital ist vor allem ein People Business“, sagt Jan-Hendrik Bürk, Partner bei b2venture. „Unsere Angel-Community spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie unterstützt uns bei der Auswahl und Unterstützung von Teams, die langfristig erfolgreiche Tech-Companies aufbauen. Mit Fonds V stärken wir dieses Modell weiter, mit echter fachlicher Expertise und nicht nur mit Kapital.“

Wachsendes Leadership-Team: Mathias Ockenfels wird Partner bei b2venture

Anfang dieses Jahres hat b2venture Mathias Ockenfels als Partner gewonnen. Seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Marketplaces, Plattform Economy und netzwerkeffektbasierte Geschäftsmodelle verstärkt das Fonds-Investmentteam und unterstreicht den Ausbau der nächsten Partnergeneration bei b2venture.

Gleichzeitig wechselt der langjährige Partner Jochen Gutbrod in den exklusiven Kreis der b2venture-Superangels. Seit seinem Einstieg im Jahr 2014 hat er die Investmentarbeit des Unternehmens entscheidend mitgeprägt, unter anderem durch frühe Investments in Raisin und Blacklane. Das b2venture Team dankt ihm für seine langjährige Partnerschaft und seinen prägenden Beitrag.

Gegründet in St. Gallen, einem starken Netzwerk in der Alpenregion und tief verwurzelt in Schweizer Werten, hat b2venture unterschiedliche Marktzyklen durchlaufen – von der ersten Internetwelle bis zum Aufkommen von KI. Fonds V führt diesen langfristigen Ansatz fort und setzt auf Partnerschaften, die auf Vertrauen und Beständigkeit.

Foto/Quelle: b2venture

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