Donnerstag, Juni 4, 2026
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Was, wenn Marken einen Klang hätten, den jeder sofort erkennt?

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EightSix Musik Marke Plattform Entscheidungen System Die Co-Gründer von EightSix Shai Caleb Hirschson (l.) und Gordian Gleiss (r.). Bild: EightSix

EightSix macht Musik für Marken strategisch nutzbar und schafft klare Systeme für konsistente Entscheidungen

Wer steckt hinter EightSix und welche Hintergründe bringen die Gründerinnen und Gründer mit?

Hinter EightSix stehen Gordian Gleiß, Shai Hirschson und Joss Brightwell. Wir kommen aus Musik, Komposition, Sonic Branding, Supervision, Produktion und strategischer Markenarbeit. EightSix ist aus 86Tales heraus entstanden, einer Firma, mit der wir über Jahre Musik für Marken, Kampagnen und Kommunikationsformate entwickelt haben. Uns verbindet die Erfahrung, dass Musik in Unternehmen oft eine enorme Wirkung hat, aber selten mit derselben Klarheit geführt wird wie Design oder Sprache.

Wie ist die Idee zu EightSix entstanden und welches Problem im Marketing wolltet ihr konkret lösen?

Die Idee zu EightSix ist direkt aus der Arbeit von 86Tales entstanden. Über Jahre haben wir dort erlebt, wie Musikentscheidungen in Unternehmen getroffen werden. Meist subjektiv, politisch und kaum nachvollziehbar. Jeder hat eine Meinung, aber oft gibt es kein System. Ein Team entscheidet so, das nächste völlig anders. Das Ergebnis ist ein Klangbild ohne Linie. EightSix ist entstanden, weil wir dieses Problem nicht nur kreativ, sondern strukturell lösen wollten.

Welche Vision verfolgt EightSix im Bereich Musik und Markenkommunikation?

Unsere Vision ist, Musik in Unternehmen genauso ernst zu nehmen wie visuelles Design. Mit klaren Regeln, einem gemeinsamen Verständnis und einer langfristigen Logik. Wir wollen, dass jede Marke weiß, wie sie klingt, warum sie so klingt und wie sie diesen Klang über alle Kanäle und Märkte hinweg konsistent hält.

An welche Zielgruppen richtet sich EightSix und welche Bedürfnisse stehen dabei im Fokus?

Wir arbeiten mit Marken und Agenturen, die Musik nicht als Dekoration sehen, sondern als strategisches Werkzeug. Das sind meist CMOs, Brand Leads oder Marketingentscheider in mittelgroßen bis großen Organisationen. Im Fokus stehen Klarheit, Konsistenz, schnellere Entscheidungen und ein System, das auch in komplexen Teamstrukturen funktioniert.

Warum wird Musik im Marketing aus eurer Sicht noch immer unterschätzt?

Weil es in den meisten Unternehmen kein gelerntes Vokabular dafür gibt. Für Farben, Typografie und Layout gibt es Brand Books und Guidelines. Für Musik oft nicht. Deshalb wird Musik häufig als letzte Entscheidung im Prozess behandelt. Kurz vor der Deadline, nach Bauchgefühl und oft ohne klaren Rahmen. Dabei ist sie einer der stärksten Hebel für Wiedererkennung und Emotion.

Wie schafft ihr es bei EightSix, Musikentscheidungen datenbasiert und nachvollziehbar zu machen?

Wir haben mit dem Brand Studio eine Plattform gebaut, die Marken eine gemeinsame Sprache für Musik gibt. Statt nur über Geschmack zu diskutieren, arbeiten Teams mit klaren Parametern. Zum Beispiel Stimmung, Energie, Tempo, Instrumentierung oder kulturelle Referenzen. Diese Parameter werden aus der Markenidentität abgeleitet. So wird aus Intuition ein Framework, das teilbar, nachvollziehbar und skalierbar ist.

Was unterscheidet euren Ansatz von klassischen Agenturen im Bereich Sound und Branding?

Viele Ansätze enden beim Audio Logo oder bei einem Sound Manual. Das ist wichtig, löst aber nicht das operative Problem im Alltag. Was passiert, wenn ein Team drei Monate später neue Musik für eine Kampagne braucht? Wer entscheidet dann, was zur Marke passt? EightSix verbindet kreative Exzellenz mit einem System, das auch nach dem Projekt weiterlebt. Wir machen nicht nur den Klang. Wir machen die Entscheidungsfähigkeit rund um Klang.

Welche Herausforderungen begegnen euch, wenn ihr kreative Prozesse mit Daten und Technologie verbindet?

Die größte Herausforderung ist Vertrauen. Viele Kreative reagieren verständlicherweise skeptisch auf Systeme, die ihre Arbeit zu stark einengen könnten. Unser Ziel ist aber nicht, Kreativität zu ersetzen, sondern sie besser abzusichern. Die Kunst liegt darin, Struktur zu schaffen, ohne die Magie zu verlieren.

Wie reagieren Unternehmen darauf, Musik nicht mehr rein subjektiv auszuwählen?

Erstaunlich positiv. Viele Teams empfinden es als Erleichterung. Endlich gibt es eine Grundlage, auf der man diskutieren kann, ohne dass es persönlich wird. Ohne gemeinsame Kriterien gewinnt oft einfach die lauteste Stimme. Mit einem klaren Rahmen werden Musikentscheidungen schneller, sicherer und besser begründbar.

Welche Rolle spielt eure Plattform bei der täglichen Arbeit mit Kundinnen und Kunden?

Das Brand Studio ist der Ort, an dem die musikalische Identität einer Marke sichtbar und anwendbar wird. Dort können Teams Musik gegen ihre Markenparameter prüfen und Entscheidungen über Märkte und Kanäle hinweg konsistent halten. Bei Siemens Hausgeräte nutzen wir diesen Ansatz, um eine klare musikalische Sprache über unterschiedliche Touchpoints hinweg zu sichern.

Wie wollt ihr EightSix in Zukunft weiterentwickeln und welche nächsten Schritte plant ihr?

Wir wollen EightSix als führende Plattform für strategische Musikentscheidungen weiter ausbauen. Dazu gehören neue Integrationen, weitere Musikquellen, internationale Skalierung und noch stärkere Anwendungen für große Markenorganisationen. Unser Ziel ist, dass in Zukunft keine große Marke mehr ohne ein klares Musik Governance System arbeitet.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Build what you need. Dann bleibt ihr auch dann dran, wenn es schwierig wird.

Zweitens: Seid bereit, eure ursprüngliche Idee immer wieder zu hinterfragen. Wir haben über Jahre gelernt, dass das eigentliche Problem nicht Musik selbst ist, sondern die Entscheidung rund um Musik.

Drittens: Unterschätzt nie die Kraft klarer Sprache. Wenn ihr nicht in einem Satz sagen könnt, was ihr macht und warum es relevant ist, habt ihr kein Kommunikationsproblem, sondern ein Strategieproblem.

Bild:Die Co-Gründer von EightSix Shai Caleb Hirschson (l.) und Gordian Gleiss (r.). Bild: EightSix

Wir bedanken uns bei Shai Caleb Hirschson und Gordian Gleiss für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Jeder dritte Patient ohne wirksame Therapie trotz Fortschritt?

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Precisis EASEE Epilepsie Therapie im Fokus Agela Liedler Bildcredits Precisis

Precisis entwickelt mit EASEE eine neue Epilepsie Therapie, die gezielt Anfälle im Gehirn unterdrückt und Patienten nachhaltig entlastet

Wie ist Precisis entstanden und was war der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer neuen Therapie für Epilepsie?

PRECISIS hat ein kleines, intelligentes medizinisches Gerät erfunden, mit dem epileptische Anfälle gestoppt werden können. Dünne Elektrodenplättchen werden unter die Kopfhaut gelegt. Diese senden elektrische Pulse, um die Anfälle punktgenau an ihrem Ursprungsort im Gehirn zu unterdrücken. Die Wirkung hält dauerhaft an, die Patienten fühlen sich im Alltag frei und geschützt.

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, mit Precisis in einem so forschungsintensiven Bereich zu gründen?

Es gibt eine traurige Statistik, die trotz duzender neuer Pillen im Markt bis heute nicht besser geworden ist: Jeder dritte Epilepsie Patient bekommt seine Anfälle nicht los, obwohl er starke und viele Medikamente im Cocktail einnimmt. Im Schnitt leiden solche Patienten über 22 Jahre (!) lang, bis sie eine andere, individuellere Methode (chirurgisch oder technisch) zur Unterbrechung ihrer Anfälle vorgestellt bekommen. Wir bei Precisis sind angetreten, diesen Missstand aufzulösen.

Mit dem Neuroimplantat EASEE® hat Precisis eine neue Therapieoption geschaffen. Was steckt hinter dieser Technologie?

Das Neue an unserer Erfindung ist der Kunstgriff, dass die elektrischen Pulse den Kopfknochen durchdringen können und das definierte Gebiet im Gehirn gezielt beruhigen. Damit wird die Hürde für Patienten klein, sich ein Implantat unter die Haut legen zu lassen. Wir nennen das eine minimalinvasive Methode. Das Gehirn bleibt bei der Prozedur vollkommen unberührt.
Mit der konsequenten Fokussierung unserer technologischen Erfindung auf das Patientenwohl lagen wir von Anfang an richtig. Das Gerät heißt EASEE (Anspielung auf easy), weil es das Leben mit Epilepsie leichter macht. Inzwischen tragen Hunderte von Patienten das EASEE Gerät und wollen es nicht mehr missen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Precisis im Bereich der Behandlung neurologischer Erkrankungen?

Da es sich bei der EASEE Technologie um eine individuelle, intelligente Stimulationsmethode handelt, ist sehr gut vorstellbar, dass auch andere neurologische Erkrankungen, deren Ursprung in einem abgegrenzten Areal des Gehirns liegt, davon profitieren können. Derzeit denken wir hier vor allem an Patienten mit schwerer Depression, die allein mit Medikamenten nicht zurechtkommen.

Wie möchten Sie diese Vision in den kommenden Jahren konkret umsetzen?

Wir haben in den kommenden Jahres Großes vor. Zunächst werden wir den Zugang zur EASEE Therapie für erwachsene Patienten in ganz Europa erleichtern. Darüber hinaus rechnen wir damit, dass wir ab ca. in einem Jahr auch Teenagern im Alter ab 12 Jahren die EASEE Methode anbieten können. Parallel dazu werden wir den Sprung auf den amerikanischen Markt wagen. Wichtig ist uns bei allen Vorhaben, dass Patienten, ihre Angehörigen und natürlich Ärzte über unsere neue Methode gut informiert werden. Bis dato prägt die Pharmaindustrie mit ihrer enormen Marktmacht sowohl die öffentliche Kommunikation als auch die Ausbildung der Ärzte. Im umkämpften Markt der neurologischen Erkrankungen Fuß zu fassen, erfordert Kraft und Ausdauer.

Welche Patientengruppen sprechen Sie mit Ihrer Lösung an und welche Probleme lösen Sie im Alltag der Betroffenen?

Es geht darum, die lange Leidensdauer solcher Epilepsie Patienten zu verkürzen, die trotz der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten nicht anfallsfrei geworden sind.

Was unterscheidet Precisis und das EASEE® System von klassischen Therapieansätzen bei Epilepsie?

Bisher galt die Regel, dass alle technischen oder chirurgischen Methoden in der Epilepsie Therapie als Ultima Ratio angesehen wurden. Mit dem neuen effektiven EASEE Konzept kann den Patienten nun viel früher ein minimal invasives System angeboten werden. Vor allem junge Leute, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, schätzen daran, dass EASEE – wenn denn gewünscht – auch wieder entfernt werden kann. Anders als bei Gehirnoperationen, bei denen das kranke Areal herausgeschnitten oder verödet wird, hinterlässt EASEE keinerlei Schäden am Gewebe.

Welche Herausforderungen sind Ihnen beim Aufbau von Precisis im MedTech Bereich besonders begegnet?

Die Zulassungsbedingungen und die Erstattungsregeln sind intelligenten, digitalen Therapie Methoden gegenüber nicht adäquat, weil sie viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Patienten, die an schweren neurologischen Erkrankungen leiden, haben hingegen einen Anspruch darauf, möglichst rasch mehr qualifizierte Lebenszeit zu gewinnen.

Wie erleben Sie die Startup Szene als Gründerin in einer technologiegetriebenen Branche?

Wir bei Precisis haben das Glück, dass unser Geschäftsmodell leicht verständlich ist. Der Sinn unseres Handelns ist für potenzielle Mitarbeiter schnell eingängig und so gewinnen wir einfacher als andere Firmen hochmotivierte Teammitglieder.

Welche nächsten Schritte und Entwicklungen planen Sie für Precisis?

Precisis möchte innerhalb kurzer Zeit auf dem amerikanischen Markt aktiv sein.

Wo sehen Sie Precisis in fünf bis zehn Jahren?

In fünf bis zehn Jahren wird unsere Plattformtechnologie EASEE auch für andere neurologische Krankheiten einsetzbar sein.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Schnell sein. Eine starke Markenbotschaft prägen. Nur die Besten ins Team holen.

Bild Bildcredits @Precisis

Wir bedanken uns bei Angela Liedler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Warum ist es für Start-ups entscheidend, ihren psychologischen Reifegrad zu kennen?

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Jobglück im Startup psychologischer Reifegrad Achim Pothmann Autor

Jobglück als Frühwarnindikator

Start-ups starten oft wie ein gut eingespieltes Radteam auf einer sonnigen Etappe. Jeder tritt mit voller Kraft in die Pedale, die Richtung ist klar, die Energie spürbar. Die Vision zieht. Die Verbindung im Team ist eng. Kurz gesagt: Es läuft grandios.

Doch dann, oft schneller als gedacht, kippt die Dynamik. Trotz wachsender Marktchancen steigen plötzlich Fluktuation und Unruhe. Erste kulturelle Risse entstehen, die Motivation sinkt. Und das, obwohl das Geschäftsmodell funktioniert. Viele Gründer reagieren dann wie jemand, der auf der Fahrradtour einfach noch fester tritt – ohne zu merken, dass die Kette längst nicht mehr sauber greift.

Diese Phänomene sind kein Zufall. Sie sind Ausdruck eines sinkenden psychologischen Reifegrades des Unternehmens.

Der unsichtbare Erfolgsfaktor: psychologischer Reifegrad

Der psychologische Reifegrad beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihre Arbeit als sinnvollen und positiven Teil ihrer Lebenszeit erleben. Er beantwortet eine einfache, aber entscheidende Frage: Wie geht es den Menschen wirklich in diesem Unternehmen und wie gerne arbeiten sie dort?

Am Anfang eines Start-ups ist diese Frage meist leicht zu beantworten. Menschen kommen nicht nur wegen eines Jobs, sondern wegen einer Idee. Die Verbindung zur Vision und untereinander ist stark. Das erzeugt ein hohes Maß an Jobglück – also das „Gernemachen“ im Job. Und genau daraus entsteht ein hoher Reifegrad: Engagement, Vertrauen und echte Zusammenarbeit sind die logische Folge.

Doch Wachstum verändert die Spielregeln.

Skalierung frisst Verbindung – wenn man nicht gegensteuert

Mit jedem neuen Mitarbeitenden wird das System komplexer. Neue Perspektiven, neue Erwartungen, neue Dynamiken kommen hinzu. Was vorher intuitiv funktionierte, braucht plötzlich Struktur. Was vorher Nähe war, wird Distanz. Die Mitarbeitenden der ersten Stunde fühlen sich nicht mehr genügend mitgenommen und die Neuen docken nicht an, wie es zum Start bei allen der Fall war.

Wenn Start-ups an dieser Stelle nicht bewusst gegensteuern, passiert etwas Entscheidendes: Die Verbindung zwischen den Menschen nimmt ab. Und mit ihr sinkt das Jobglück.

Das ist der Moment, in dem der psychologische Reifegrad zu sinken beginnt.

Nicht sofort ins Extreme. Die wenigsten Start-ups werden direkt toxisch. Aber viele rutschen schleichend von einem hohen Reifegrad in mittlere Stufen ab.

Der psychologische Reifegrad eines Unternehmens: Vom Miteinander zum Gegeneinander

Vereinfacht lassen sich fünf Reifegrade unterscheiden:

Reifegrad 1 – toxisch
Reifegrad 2 und 3 – unglücklich / noch unglücklich
Reifegrad 4 – relativ glücklich
Reifegrad 5 – glücklich

Entscheidend ist die Trennlinie zwischen den oberen und unteren Bereichen. Zwischen Reifegrad 4 und 3 verläuft kein kleiner Unterschied, sondern ein fundamentaler Bruch.

In den oberen Reifegraden dominieren Vertrauen, Miteinander und ein hoher Kooperationsgrad. Menschen unterstützen sich, übernehmen Verantwortung und ziehen gemeinsam in eine Richtung.

Unterhalb dieser Schwelle kippt das System: Aus Miteinander wird Gegeneinander. Egoismus ersetzt Kooperation. Es wird mehr gekämpft als gestaltet. Schuldzuweisungen nehmen zu, Enttäuschungen häufen sich. Die Verbindung zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden bröckelt – und manchmal sogar innerhalb von Teams.

Das Unternehmen funktioniert vielleicht noch. Aber es verliert seine Kraft.

Jobglück als Frühwarnindikator

Hier kommt ein oft unterschätzter Hebel ins Spiel: das Jobglück der Mitarbeitenden.

Jobglück ist kein „Nice to have“ und schon gar keine Wohlfühlromantik. Es ist ein präziser Indikator dafür, wie gesund ein Unternehmen wirklich ist. Denn wer gerne arbeitet und sich verbunden fühlt, bringt sich ein, bleibt und leistet mehr. Wer das nicht tut, zieht sich zurück – innerlich oder ganz real.

Das bedeutet für Start-ups: Jobglück ist das Thermometer für den psychologischen Reifegrad. Sinkt es, ist das kein individuelles Problem einzelner Mitarbeitender, sondern ein systemisches Signal.

Oder anders gesagt: Wenn im Team die Freude an der Arbeit leiser wird, sollten bei der Geschäftsführung die Alarmglocken lauter werden.

Was bedeutet das konkret für wachsende Start-ups?

Die zentrale Herausforderung lautet: Wie sichern wir die Qualität des Jobglücks, während wir skalieren?

Die Antwort ist unbequem, aber klar: Das, was am Anfang zufällig gut funktioniert hat, muss später bewusst gestaltet werden.

Das betrifft vor allem drei Hebel:

Verbindung aktiv gestalten. Regelmäßige echte Begegnung, klare Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis der Vision sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.

Führung neu denken. Führung bedeutet nicht mehr primär Zielerreichung zu kontrollieren, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen gerne und gut arbeiten können.

Reifegrad bewusst entwickeln. Jeder Wachstumsschritt erfordert eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit. Wer das ignoriert, fällt zurück – egal wie stark das Produkt ist.

Fazit: Erst verstehen, dann skalieren

Viele Start-ups investieren massiv in Produkt, Marketing und Wachstum. Das ist wichtig. Aber sie übersehen oft den entscheidenden Hebel: den Zustand ihres eigenen Systems.

Der psychologische Reifegrad ist kein theoretisches Konstrukt. Er ist die Basis für nachhaltigen Erfolg. Wer ihn kennt, kann gezielt steuern. Wer ihn ignoriert, fährt irgendwann mit Vollgas – aber in die falsche Richtung.

Oder um im Bild zu bleiben: Erfolg entsteht nicht nur durch kräftiges Treten. Sondern durch eine gut geölte Kette, ein stabiles Team und die Fähigkeit, auch bei Gegenwind gemeinsam weiterzufahren.

Bildcredits: Lutz Tölle, Tölle Studios GmbH

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Bug Bounty Switzerland Finanzierung: 12 Millionen für globale Expansion

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Bug Bounty Switzerland Finanzierung 12 Millionen Franken Bildunterschrift: (v.l.n.r.) Stefan Velikov, Lukas Heppler (Co-Founder), Sandro Nafzger (Co-Founder), Florian Badertscher (Co-Founder), Lino Simoni

Die Bug Bounty Switzerland Finanzierung markiert einen entscheidenden Schritt für das Schweizer Cybersecurity Startup: Mit 12 Millionen Franken aus einer Series-A-Runde treibt das Unternehmen seine internationale Expansion und die Weiterentwicklung seines KI-gestützten Security-Testings voran.

Bug Bounty Switzerland Finanzierung treibt internationale Expansion voran

Die Series-A-Finanzierungsrunde positioniert Bug Bounty Switzerland für die internationale Expansion seines KI-gestützten Cyber Resilience Shield – in einem Moment, in dem künstliche Intelligenz die Cyberbedrohungen und -chancen für Unternehmen grundlegend verändert.

Zürich, 29. April, 2026 – Bug Bounty Switzerland, der Schweizer Pionier für Ethical Hacking, intelligentes Security-Testing und das Service-as-Software-Modell, gibt im Zuge der Bug Bounty Switzerland Finanzierung den Abschluss einer Series-A-Finanzierungsrunde über 12 Millionen Franken bekannt. Angeführt wurde die Runde von Direttissima Growth Partners, mit gleichwertiger Beteiligung der Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Direttissima, ein europäischer Growth-Equity-Investor mit Sitz in Zürich und München, bringt operative Scale-up-Erfahrung im B2B-Technologiebereich sowie ein Netzwerk von Unternehmer-Investoren mit. DBAG, seit 1985 börsennotiert, investiert über seine Long-Term-Investment-Strategie – Eigenkapital ohne die Haltefristen einer Fondsstruktur – und ermöglicht damit eine echte langfristige Partnerschaft. Das Investment erfolgt als Minderheitsbeteiligung und im Rahmen einer Kapitalerhöhung. Das Gründerteam hält weiterhin die Mehrheit der Anteile und prägt die strategische Ausrichtung massgeblich. Philipp Bolliger, Partner bei Direttissima, wird neu dem Verwaltungsrat von Bug Bounty Switzerland beitreten.

Bug Bounty Switzerland Finanzierung stärkt KI-basiertes Security Testing

Eigenfinanziert, profitabel und vertrauenswürdig, wo es zählt
Diese Finanzierungsrunde markiert den nächsten Entwicklungsschritt von Bug Bounty Switzerland: den Übergang vom eigenfinanzierten Gründerteam zum kategorieprägenden europäischen Scale-up – und einen Schritt hin zu kontinuierlichem, intelligentem Security-Testing als Plug-and-Play-Lösung für Unternehmen weltweit. Das Kapital fliesst in die internationale Expansion, den Ausbau der KI-gestützten hin zu zunehmend autonomer Orchestrierung von Security-Tests sowie in das Teamwachstum.

Bug Bounty Switzerland wurde 2020 gegründet, hat aber seine Wurzeln in den ersten Bug-Bounty-Programmen der Schweiz, die bis ins Jahr 2015 zurückreichen. Das Unternehmen war durchgehend eigenfinanziert, ist profitabel und geniesst das Vertrauen von über 50 Unternehmenskunden: Finanzinstitute, globale Konsumgütermarken, Betreiber kritischer Infrastruktur sowie öffentliche Stellen, darunter das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) der Schweiz. Das Ergebnis ist etwas, das wertvoller ist als eine Kundenliste: ein tiefes Verständnis dafür, wie Security-Testing in Unternehmen funktionieren muss – festgehalten in der Plattform, in dokumentierten Vorgehensweisen und im Kontext, der von einem Einsatz zum nächsten mitgetragen wird.

Bug Bounty Switzerland Finanzierung als Meilenstein im Cybersecurity Markt

Ein anderer Ansatz für Security-Testing: Ergebnis statt Tools
Unternehmen sind im permanenten Wandel. Cloud, SaaS, APIs und KI-gestützte Entwicklung liefern Code schneller, als klassische Penetrationstests mithalten können – und jeder Test ist nur so gut wie seine Planung. Gleichzeitig nutzen Angreifer KI, um Schwachstellen schneller zu finden, zu instrumentalisieren und auszunutzen als je zuvor. Vor diesem Hintergrund werden punktuelle Tests strukturell unzureichend; kontinuierliches, intelligentes und ergebnisorientiertes Testing wird zur Notwendigkeit. Die bisherige Antwort des Markts war beratungslastig und über einzelne Tools fragmentiert – genau in dem Moment, in dem neue europäische Regulierung Unternehmen zu kontinuierlichem, szenariobasiertem Testing drängt.

Bug Bounty Switzerland verfolgt einen anderen Ansatz.

Statt Tools zu verkaufen und die Abdeckung dem Käufer zu überlassen, wird das Ergebnis verkauft: kontinuierliche, messbare Testabdeckung der gesamten exponierten Angriffsfläche, End-to-End. Bug Bounty Switzerlands Cyber Resilience Shield kombiniert KI-gestützte Orchestrierung, langjährig aufgebauten Testing-Kontext, eine geprüfte globale Community von über 16 000 ethischen Hackern sowie (zunehmend) offensive KI-Agenten – bereitgestellt als Abonnement, das innerhalb von 24 Stunden aktiviert werden kann und keine internen Spezialisten erfordert. Kunden ersetzen ein Flickwerk aus Einzel-Pentests und nicht verbundenen Scannern durch eine einzige kontinuierliche Plattform. Sie berichten von deutlichen Einsparungen bei Kosten und Erkennungszeit sowie von einer grösseren Testtiefe. Was geliefert wird, ist nicht nur Testing – es ist Transparenz. Vom CISO bis zum Verwaltungsrat werden Erkenntnisse laufend in den jeweiligen unternehmerischen Kontext und die entsprechenden Risikobetrachtungen übersetzt.

So werden sowohl das C-Level-Management als auch der Verwaltungsrat handlungsfähig.

«Angesichts der grundlegenden Veränderungen der Cybersicherheit durch KI benötigen Unternehmen einen Schutz, der kontinuierlich, intelligent und einfach nutzbar ist. Genau das liefern wir bereits einigen der sicherheitsbewusstesten Organisationen Europas – und bringen es jetzt weltweit in den Markt. Mit der Unterstützung von Direttissima und DBAG machen wir intelligentes Security-Testing zum neuen Standard.»
Sandro Nafzger, CEO & Co-Founder, Bug Bounty Switzerland

«BBS vereint drei Dinge, die selten zusammenkommen: ein differenziertes Produkt, aufgebaut auf jahrelangem proprietärem Know-how und Daten, profitables Wirtschaften von Beginn an ohne externe Finanzierung und ein Markt, in dem kontinuierliches Security-Testing von Best-Practice zum Standard wird. Das Team hat sich das Recht erarbeitet, diese Kategorie neu zu definieren und anzuführen.»
— Philipp Bolliger, Partner, Direttissima Growth Partners

«BBS entspricht unserem Long-Term-Investment-Profil: ein gründergeführtes, profitables Unternehmen mit einem klaren technologischen Vorteil in einem strukturell wachsenden Markt. Unser Eigenkapital gibt dem Team die Flexibilität, seinen Vorsprung über viele Jahre auszubauen, statt auf einen einzelnen Zyklus zu optimieren.»
— Jochen Baumann, Mitglied der Geschäftsleitung, Deutsche Beteiligungs AG

Bildunterschrift: (v.l.n.r.) Stefan Velikov, Lukas Heppler (Co-Founder), Sandro Nafzger (Co-Founder), Florian Badertscher (Co-Founder), Lino Simoni

Quelle Bug Bounty Switzerland AG

Wer zählt heute noch stundenlang Pläne von Hand?

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monco.ai Mengenermittlung Baustelle effizienter monco.ai teambild

monco.ai automatisiert die Mengenermittlung auf der Baustelle und reduziert manuellen Aufwand in der Bauplanung deutlich

Wie ist monco.ai entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Startup?

monco.ai hat einen etwas ungewöhnlichen Ursprung. Wir sind drei Armenier in München – Ashot, Tigran und Victor – und unsere gemeinsame Geschichte beginnt nicht in einem Münchner Hörsaal, sondern bereits 2015 auf einem Tech Event in Eriwan. Wir waren damals Teenager mit demselben Faible für Mathematik und Software. Danach hat uns das Leben erst einmal getrennt: Victor kam 2018 für sein Bachelorstudium in Wirtschaftsinformatik an die TUM, Ashot und Tigran studierten in Armenien Mathematik und Data Science und arbeiteten parallel mehrere Jahre für das US Startup Embodied – an Computer Vision und NLP, lange bevor LLMs überhaupt ein Thema waren. 2021 hat uns dann ein Zufall wieder zusammengeführt: Ashot und Tigran sind beide für den Master nach München an die TUM gezogen, ohne zu wissen, dass Victor dort längst studiert. Drei Armenier, plötzlich im selben Hörsaal in einer Stadt, die keiner von uns ursprünglich auf dem Plan hatte.

Die eigentliche Idee zu monco.ai entstand kurz darauf – und sie kam aus Ashots Familie.

Sein Vater leitet seit Jahrzehnten Rohbau Projekte in Armenien. Ashot war zur selben Zeit Praktikant bei Mercedes und arbeitete dort an 3D Visualisierung für autonomes Fahren. Eines Abends hat er das Setup aus reiner Neugier auf ein Baustellenvideo angewendet – und in derselben Sekunde war klar: Das ist exakt das Problem, mit dem sein Vater jeden Tag zu tun hat – Materialien und Mengen präzise zu erfassen. Sein Vater hat uns daraufhin eine reale Baustelle als Testumgebung zur Verfügung gestellt, und wir haben zu dritt angefangen, neben Studium und Job mit Drohnen und Computer Vision zu experimentieren.

Die Drohne war am Ende technisch nicht die richtige Lösung – aber sie war unsere Eintrittskarte in die Branche. Aus diesem ersten Experiment ist über mehrere Iterationen das geworden, was monco.ai heute ist: eine KI gestützte Plattform für die Mengenermittlung, mit der wir im Elektrohandwerk gestartet sind und die wir Schritt für Schritt auf weitere Gewerke ausweiten – HKLS, Trockenbau und perspektivisch das gesamte Handwerk auf der Baustelle.

Welche persönliche Motivation stand am Anfang, eine KI Lösung für die Bauindustrie zu entwickeln?

Bei jedem von uns dreien lagen die Motivationen etwas anders – und gerade diese Mischung hat das Team tragfähig gemacht.
Für Ashot war es persönlich. Sein Vater steht seit Jahrzehnten als Bauleiter auf Rohbau Projekten in Armenien, und Ashot hat von Kindesbeinen an miterlebt, mit welchen eingeschränkten digitalen Mitteln Bauleiter im Alltag eigentlich arbeiten. Diesen Menschen etwas Sinnvolles in die Hand zu geben, war für ihn ein konkreter, fast familiärer Antrieb.
Victor brachte die Optimierungsfrage aus seinem Wirtschaftsinformatik Studium mit: Wenn eine Branche wirtschaftlich so groß, aber digital so wenig erschlossen ist, dann hat jeder Effizienzgewinn unmittelbare Wirkung – nicht nur auf einem Dashboard, sondern in der realen Welt.

Tigran reizte vor allem die technische Seite. Das, was er und Ashot bei Embodied jahrelang an Computer Vision und Deep Learning aufgebaut haben, wollte er an einem Problem einsetzen, das wirklich relevant ist und nicht nur in Forschungspapieren lebt – idealerweise in einem Team, mit dem er bereits jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet hat.
Was uns drei verbindet, ist die Außenperspektive. Wir sind Quereinsteiger im doppelten Sinne – als Ausländer in Deutschland und als KI Leute in einer der traditionsreichsten Branchen überhaupt. Diese Distanz hilft, weil man Dinge hinterfragt, an die sich Insider längst gewöhnt haben. Ganz branchenfremd sind wir aber auch nicht: Victors Großvater war im Bau tätig, Tigrans Onkel ebenfalls. Wir kommen nur aus einer ungewohnten Richtung.

Welche Vision verfolgen Sie mit monco.ai für die Digitalisierung von Baustellen?

Unsere Vision beginnt nicht abstrakt, sondern bei einem ganz konkreten Schmerzpunkt, den wir in zahllosen Gesprächen mit Elektrobetrieben gehört haben: Bevor ein Betrieb überhaupt einen Preis für ein Pauschalangebot nennen kann, muss er die Mengen aus den Planunterlagen ermitteln. Wie viele Steckdosen, Schalter, Lichtauslässe, wie viele Leitungsmeter? Bei komplexen Projekten kostet das mehrere Tage bis zu einer ganzen Woche manueller Arbeit – und in vielen Betrieben übernehmen das Niederlassungs oder Standortleiter persönlich, weil schlicht das Personal fehlt.

Genau hier setzt unser Produkt an. Mit dem Smart Surveyor von monco.ai laden Anwender ihre PDF Pläne hoch, und unsere KI ermittelt die relevanten Mengen automatisch – aus Tagen werden Stunden. Bei einem unserer ersten Kunden, der Rudolf Fritz GmbH (Teil der Elevion Group), hat das Team allein an einem Standort über 41.000 Installationselemente und mehr als 73 Kilometer Kabeltrassen über acht Projekte hinweg ermittelt. Standortleiter Marius Nihorencu fasst es so zusammen: „Die Mengenermittlung hat uns früher bei größeren Projekten mehrere Wochen gekostet. Mit dem Smart Surveyor haben wir das Ergebnis innerhalb von Stunden – und können uns auf die eigentliche Kostenabrechnung konzentrieren.“

Wir haben uns bewusst für das Elektrohandwerk als Einstiegspunkt entschieden, weil hier der Schmerz besonders konkret und das Volumen an wiederkehrenden Plansymbolen besonders hoch ist. Aber das Problem ist gewerkeübergreifend: HKLS Betriebe, Trockenbauer, Sanitär und Klimatechniker stehen vor exakt derselben Herausforderung – Pläne durchgehen, zählen, dokumentieren, kalkulieren. Unsere langfristige Vision ist deshalb eine Plattform, die das gesamte Handwerk auf der Baustelle entlastet und dafür sorgt, dass das Bauwesen nicht weiter die letzte große undigitalisierte Branche bleibt.

Wie möchten Sie erreichen, dass Baustellen künftig stärker datenbasiert gesteuert werden?

Datenbasierte Steuerung im Bau beginnt nicht damit, dass man auf der Baustelle Sensoren installiert – sondern damit, dass man die wichtigsten Eingangsdaten überhaupt erst einmal in eine maschinenlesbare Form bringt. Heute liegen die meisten Planunterlagen als PDF vor, und in vielen Betrieben werden Mengen, Zeitansätze und Materialbedarfe nach wie vor manuell daraus extrahiert. Das heißt: Die wichtigste Informationsgrundlage eines Projekts ist faktisch nicht digital.

Genau diese Lücke schließen wir Schritt für Schritt. Sobald Mengen, Positionen und Projektparameter strukturiert vorliegen – als Excel Liste, als GAEB Leistungsverzeichnis oder direkt im ERP System des Kunden, etwa in PDS – lassen sie sich auswerten, vergleichen und in Echtzeit aktualisieren. Das ist die eigentliche Voraussetzung für datenbasierte Entscheidungen, von der ersten Bid No Bid Frage über die Angebotskalkulation bis zur späteren Soll Ist Steuerung im Projekt.
Unser Ansatz ist dabei bewusst pragmatisch: Wir versuchen nicht, alles auf einmal zu digitalisieren, sondern fangen bei jenem Schritt an, der heute am meisten Zeit kostet und am stärksten unterautomatisiert ist – der Mengenermittlung.

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihrer Lösung konkret an und welche Probleme lösen Sie im Alltag?

Heute sprechen wir vor allem Elektrobetriebe im DACH Raum an – vom inhabergeführten Mittelstand bis zu größeren Unternehmen mit mehreren Standorten. Innerhalb dieser Betriebe richten wir uns an Kalkulationsteams sowie Niederlassungs und Standortleiter, die regelmäßig Pauschalangebote erstellen oder verantworten. Mittelfristig öffnen wir uns für weitere Gewerke – HKLS, Trockenbau und langfristig das gesamte ausführende Handwerk –, weil das zugrundeliegende Problem dort dasselbe ist.

Das vielleicht aufschlussreichste Detail haben wir in den Gesprächen mit unseren Kunden gelernt: In sehr vielen Betrieben gibt es gar kein eigenes Kalkulationsteam mehr. Dort übernehmen Standort oder Niederlassungsleiter selbst die Mengenermittlung, weil schlicht das Personal fehlt. Wir reden also über Führungskräfte, die abends auf Grundrissen Steckdosen zählen, statt ihre Niederlassung zu führen oder Mitarbeiter zu entwickeln. Betriebswirtschaftlich ist das schwer zu rechtfertigen – menschlich oft auch nicht.
Genau hier liegt unser eigentlicher Mehrwert im Alltag. Wir geben diesen Menschen ihre Zeit zurück. Und wir machen es Betrieben überhaupt erst möglich, deutlich mehr Pauschalangebote abzugeben – inklusive solcher Projekte, die sie aus reinen Zeitgründen früher gar nicht erst kalkuliert hätten. Aus einem Engpass wird damit ein Wachstumshebel.

Wie unterstützt monco.ai Bauleiter und Projektverantwortliche bei Entscheidungen?

Bauleiter und Projektverantwortliche – im Elektrohandwerk häufig Standort und Niederlassungsleiter sowie Kalkulationsverantwortliche – stehen täglich vor derselben kritischen Entscheidung: Soll dieses Projekt überhaupt angeboten werden, und wenn ja, zu welchem Preis? Heute fehlt vielen Betrieben schlicht die Zeit, jedes Pauschalangebot sauber durchzukalkulieren. Die Folge ist meist eine von zwei Varianten: Entweder wird das Angebot mit hohen Sicherheitsaufschlägen abgegeben und der Auftrag geht verloren, oder es wird aus Kapazitätsgründen gar nicht erst abgegeben. Beides ist teuer.

Mit monco.ai bekommen Entscheider die belastbaren Mengen für eine fundierte Bid No Bid Entscheidung in einem Bruchteil der bisherigen Zeit. Das verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Rollen: Führungskräfte können sich wieder auf das Führen konzentrieren, statt selbst Pläne zu zählen. Im weiteren Projektverlauf bilden die strukturierten Daten aus monco.ai die Grundlage für Leistungsverzeichnisse, ERP Übergaben und Soll Ist Vergleiche – also genau jene Datenbasis, auf der echte Projektsteuerung überhaupt erst möglich wird.
Wichtig ist uns dabei: monco.ai konzentriert sich bewusst auf die Mengenermittlung – den zeitintensivsten und fehleranfälligsten Schritt im Kalkulationsprozess. Die Preisgestaltung, Stundensätze und Margen verbleiben beim Betrieb. Denn jeder Elektrounternehmer kalkuliert anders, je nach Region, Auftragslage und Strategie – und genau das soll auch so bleiben.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Integration von KI in bestehende Bauprozesse?

Die größte Herausforderung ist nicht technischer Natur, sondern liegt im Vertrauen. Das Bauhandwerk ist – aus guten Gründen – eine Branche, in der man sich auf Erfahrungswerte verlässt und nicht auf Versprechen. Ein Standortleiter, der seit zwanzig Jahren Mengen aus Plänen extrahiert, weiß ziemlich genau, wo man sich verzählen kann und welche Details über Gewinn oder Verlust eines Projekts entscheiden. Dieser Person erklären zu wollen, dass eine KI das jetzt besser macht, ist der falsche Ansatz. Wir haben gelernt, dass es viel überzeugender ist, das System parallel zur bestehenden Arbeit laufen zu lassen und die Ergebnisse direkt vergleichbar zu machen. Vertrauen entsteht über Treffer, nicht über Folien.

Eine zweite Herausforderung ist die Heterogenität der Planunterlagen. Es gibt keinen Standard – jedes Architektur und Planungsbüro hat eigene Symboliken, Maßstäbe, Beschriftungen und Detaillierungsgrade. Was für einen Menschen mit etwas Erfahrung trotzdem lesbar bleibt, ist für eine KI eine echte Herausforderung. Wir haben bewusst sehr viel Entwicklungsarbeit in genau diesen Punkt gesteckt – weil eine KI, die nur unter Idealbedingungen funktioniert, in der Bauwelt wertlos ist.

Und drittens: die Integration in bestehende Tool Landschaften. Ein Elektrobetrieb arbeitet selten mit nur einem System – da gibt es Branchensoftware wie PDS, Excel Vorlagen, eigene Preislisten, GAEB Schnittstellen. Wenn wir diese Welten nicht respektieren, sind wir nur ein weiteres Insel Tool. Genau deshalb ist der Export in die existierenden Systeme bei uns kein Add on, sondern Kernbestandteil des Produkts.

Wie gehen Sie mit der Komplexität und Vielfalt von Baustellen in Ihrer Technologie um?

Unser Ansatz ist, die Komplexität nicht zu ignorieren, sondern sie zur Trainingsgrundlage zu machen. Statt zu hoffen, dass irgendwann einmal alle Pläne im selben Format vorliegen, arbeiten wir mit der Realität, wie sie ist – mit handgezeichneten Notizen auf Plänen, mit unterschiedlichen Symboliken, mit Ausschreibungsunterlagen, die in einem PDF zwölf verschiedene Detaillierungsgrade vereinen.

Methodisch hilft uns dabei, dass Ashot und Tigran jahrelang an Computer Vision Problemen gearbeitet haben, die diese Art von Heterogenität erforderten – lange bevor KI im Mainstream angekommen ist. Wir kombinieren klassische Bildverarbeitungsmethoden mit modernen Vision und Sprachmodellen, weil keine der beiden Welten alleine reicht. Die KI muss verstehen, was sie sieht, und gleichzeitig die fachliche Logik dahinter kennen – ein Symbol ist nur so wertvoll wie das Wissen, was dieses Symbol im Kontext eines Elektroplans bedeutet.
Was uns dabei sehr hilft, ist die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Jedes Projekt, das durch unser System läuft, macht es ein Stück besser – nicht im Sinne von „die KI lernt von selbst“, sondern weil wir die Edge Cases, die uns unsere Kunden zeigen, systematisch in die Weiterentwicklung einfließen lassen. Komplexität wird so zum Vorteil, nicht zum Hindernis.

Was unterscheidet monco.ai von klassischen Baustellenkontrollen oder bestehenden Softwarelösungen?

Die ehrlichste Antwort ist: Aus Kundensicht ist unser Hauptwettbewerber gar keine Software – sondern manuelle Arbeit. In den allermeisten Betrieben werden Mengen heute nach wie vor von Hand aus PDF Plänen extrahiert, oft von Niederlassungs oder Standortleitern persönlich. Das ist der Status quo, gegen den wir antreten.
Die zweite Alternative, die uns regelmäßig begegnet, sind CAD Teams, die Mengen aus digitalen Planunterlagen ableiten. Dieser Weg funktioniert technisch, hat aber zwei strukturelle Schwächen: Er setzt voraus, dass DWG Dateien überhaupt vorliegen – was bei Angebotsanfragen meistens nicht der Fall ist, weil der Kunde nur PDF Pläne herausgibt. Und selbst wenn DWG vorhanden ist, dauert das Verfahren mehrere Wochen, bindet Personal und ist gerade bei mittleren Projekten wirtschaftlich kaum darstellbar. Klassische Baustellenkontrollen oder Mengen Software wiederum setzen voraus, dass Mengen schon strukturiert vorliegen – sie helfen also erst nach dem Schritt, an dem unsere Kunden den eigentlichen Schmerz haben.

Genau in diese Lücke gehen wir. monco.ai arbeitet mit dem, was tatsächlich da ist – PDF Plänen in unterschiedlichster Qualität – und liefert in Stunden, was ein CAD Team in Wochen erstellt. Dazu kommen drei bewusste Designentscheidungen: Wir sind herstellerunabhängig, also nicht an bestimmte Produktkataloge gebunden. Wir greifen nicht in die Preisgestaltung ein, weil jeder Betrieb anders kalkuliert. Und wir liefern unsere Ergebnisse in den Formaten, die unsere Kunden ohnehin nutzen – Excel, GAEB, PDS. Wir sind kein neues Insel System, sondern eine Beschleunigung der Prozesse, die ohnehin laufen.

Welche Rolle spielen Echtzeitdaten und automatisierte Analysen in Ihrem System?

Echtzeitdaten sind im Bau ein vielzitiertes Schlagwort, hinter dem oft wenig Substanz steht. Wir verstehen darunter etwas sehr Konkretes: Sobald ein Plan im System ist, sind Mengen, Positionen und Projektparameter unmittelbar verfügbar – nicht erst nach Tagen oder Wochen manueller Auswertung. Das ist die eigentliche Echtzeit, auf die es im Kalkulationsalltag ankommt.

Darauf bauen die automatisierten Analysen auf. Unser Research Tool ermöglicht es Kalkulatoren, schon vor der eigentlichen Mengenermittlung gezielte Fragen an die Planunterlagen zu stellen oder sich automatische Zusammenfassungen der wesentlichen Projektparameter geben zu lassen – etwa: Wie groß sind die Flächen, welche Anschlussarten sind vorgesehen, gibt es Besonderheiten in der Verkabelung. Damit lässt sich in Minuten beurteilen, ob ein Projekt überhaupt zum eigenen Betrieb passt, bevor man Stunden in eine detaillierte Kalkulation steckt.

Mittelfristig wird genau dieser Datenstrang die Grundlage für mehr: Soll Ist Vergleiche während der Bauausführung, automatisierte Nachkalkulation, frühzeitige Erkennung von Abweichungen. Aber wir wollen ehrlich bleiben – das ist Roadmap, nicht Status quo. Heute liegt unser Wert dort, wo der größte Schmerz ist: am Anfang des Projekts, wenn aus einem Plan eine belastbare Mengenliste werden muss.

In welche Richtung möchten Sie monco.ai in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir denken die Roadmap in drei Schichten – jede baut auf der vorherigen auf.
Kurzfristig erweitern wir den Smart Surveyor um die Kalkulation von Zeitaufwänden. Heute liefern wir präzise Mengen, aber die Übersetzung in Stunden – also wie lange ein Elektromonteur tatsächlich braucht, um diese Installationen umzusetzen – machen unsere Kunden noch selbst. Genau hier setzen wir als Nächstes an, weil das den Weg von der Planunterlage zum fertigen Angebot noch einmal massiv verkürzt. Wer mit monco.ai heute aus Wochen Stunden macht, wird künftig aus Stunden Minuten machen können.
Mittelfristig öffnen wir die Plattform für weitere Gewerke. Wir haben bewusst im Elektrohandwerk angefangen, weil dort der Schmerz besonders konkret und das Problem besonders klar abgegrenzt ist.

Aber HKLS Betriebe, Trockenbauer, Sanitär und Klimatechniker stehen vor exakt derselben Aufgabe. Unsere Technologie ist von Anfang an so gebaut, dass sich neue Gewerke darauf abbilden lassen – nicht durch Zukauf oder Insellösungen, sondern durch konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Plattform.
Langfristig wollen wir den Bogen von der Kalkulation in die Bauausführung schlagen. Wenn Mengen, Zeitansätze und Materialbedarfe einmal strukturiert vorliegen, ergeben sich daraus völlig neue Möglichkeiten: Soll Ist Vergleiche während der Bauphase, automatisierte Nachkalkulation, frühzeitige Erkennung von Abweichungen. Das ist die Brücke vom Angebot zur datenbasiert gesteuerten Baustelle – und damit zu der Vision, mit der wir gestartet sind.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Lasst das Problem euch finden, nicht umgekehrt. Wir sind mit einer Drohnen Idee gestartet, die technisch ambitioniert klang, aber das eigentliche Problem unserer Kunden nicht gelöst hat. Erst der direkte Kontakt mit der Realität auf einer Baustelle in Armenien – wo Ashots Vater uns ein echtes Projekt zur Verfügung gestellt hat – hat uns gezeigt, wo der Schmerz tatsächlich liegt. Wer im Elfenbeinturm baut, baut am Bedarf vorbei. Geht raus, fragt, beobachtet – und seid bereit, die eigene Lieblingsidee zu kippen, wenn die Realität sie nicht trägt.

Zweitens: Fokus ist eine Entscheidung, keine Einschränkung. Die größte Versuchung für ein junges Startup ist, allen alles versprechen zu wollen. Wir hätten leicht behaupten können, monco.ai sei „eine KI für die gesamte Bauindustrie“ – das hätte sich in Pitches besser verkauft. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und mit einem klar abgegrenzten Segment angefangen, dem Elektrohandwerk. Diese Entscheidung war eine der wichtigsten, die wir bisher getroffen haben. Tiefe schlägt Breite – und ein zufriedener Erstkunde ist mehr wert als zehn neugierige Interessenten.

Drittens: Vertrauen im Gründerteam entsteht über Jahre, nicht über Pitches. Wir kennen uns seit 2015 von einem Tech Event in Eriwan, sind danach getrennte Wege gegangen und haben uns 2021 in München zufällig wiedergesehen. Diese Vorgeschichte ist kein netter Hintergrund, sondern die Grundlage dafür, dass wir auch in schwierigen Phasen miteinander funktionieren. Co Founder findet man nicht auf einem Networking Event – man erkennt sie über Jahre an der Art, wie sie unter Druck arbeiten, wie sie kommunizieren, wie sie mit Konflikten umgehen. Wenn die Wahl zwischen einem brillanten Lebenslauf und jahrelangem gegenseitigem Vertrauen steht – nehmt das Vertrauen.

Bild Bildcredits @monco.ai

Wir bedanken uns bei Victor Dzhagatspanyan für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Boardrooms im Blindflug: Warum fehlende KI-Kompetenz Unternehmen teuer zu stehen kommen kann

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KI Governance EU AI Act Aufsichtsrat Risiko Peyman Pouryekta Portrait Fotograf- Peter Rigaud

In den letzten zwei Jahren haben wir eine beispiellose technologische Goldgräberstimmung erlebt. Nahezu jedes Unternehmen hat versucht, ein Stück vom KI Kuchen zu ergattern. Doch während die Marketingabteilungen die neuesten KI Features feiern, tickt im Hintergrund eine haftungsrechtliche Zeitbombe.

Die aktuellen Zahlen zeigen ein gefährliches Paradox: Laut DAX Digital Monitor weisen rund 95% der DAX Unternehmen Digitalkompetenz in ihren Aufsichtsräten aus – doch diese basiert häufig auf Selbsteinschätzung und ist in vielen Fällen nicht belegbar. Gleichzeitig erfüllen nur noch 30% der Unternehmen überhaupt die grundlegenden Kriterien für Digital Leadership.

Mit anderen Worten: Auf dem Papier ist Kompetenz fast flächendeckend vorhanden – in der Realität fehlt sie in der Breite. Genau in den Boards, die strategische Technologieentscheidungen kontrollieren und bei wesentlichen Investitionen zustimmen müssen, entsteht so ein strukturelles Verständnisdefizit. Und das in einem Umfeld, in dem der EU AI Act Bußgelder von bis zu 7 % des weltweiten Jahresumsatzes vorsieht.

Wir delegieren kritische KI und Datenrisiken in die IT Abteilung und behandeln sie als rein technisches Problem. Doch während der Aufsichtsrat rechtlich den Kopf hinhalten muss, tappt er bei den strategischen und regulatorischen Implikationen häufig im Dunkeln. Im Jahr 2026 ist das kein kalkulierbares Risiko mehr, sondern ein erhebliches Governance und Haftungsrisiko.

Die Illusion der Delegation ist Geschichte

Lange Zeit war es in deutschen Chefetagen normal, komplexe technische Themen nach „unten“ zu delegieren. Man kaufte Software ein, vertraute auf die IT Leitung und hakte das Thema Digitalisierung ab. Doch seit der EU AI Act 2026 vollumfänglich greift, ist diese Ära der Bequemlichkeit endgültig beendet.

Die Regulierung macht unmissverständlich klar: KI Systeme sind häufig systemkritische Infrastruktur. Wenn ein Algorithmus bei der Kreditvergabe diskriminiert, im Recruiting Bias zeigt oder finanzielle Fehlentscheidungen provoziert, haftet das Unternehmen – und zwar mit hohen Bußgeldern.

Für Aufsichtsräte und Vorstände bedeutet das: KI Governance wird zur zentralen Überwachungsaufgabe. Die Gesamtverantwortung lässt sich nicht delegieren. Im Rahmen der Business Judgment Rule müssen Entscheider heute sicherstellen, dass sie die Risiken ihrer Technologieeinsätze verstanden und angemessen bewertet haben. Wer hier auf den weit verbreiteten „Schulungs Geiz“ setzt, verlässt sich auf ein zu schwaches Fundament und erhöht sein Haftungsrisiko. Auch in 2026 ist Unwissenheit keine Verteidigungsstrategie, sondern kann im schlimmsten Fall zur Pflichtverletzung werden.

Investment auf Treibsand: Wie fehlende KI Governance zum Exit Killer wird

Wir müssen aufhören, KI Ethik als optionales Nice to have zu behandeln. In einer datengetriebenen Ökonomie ist KI Governance ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements.

Besonders für Gründer und Investoren gilt: Eine mangelhafte KI Governance ist 2026 das größte unsichtbare Risiko für die Bewertung. Zwar treibt die aktuelle Goldgräberstimmung viele VCs dazu, bei der Due Diligence beide Augen zuzudrücken, solange die Umsatzversprechen stimmen – oft auch, weil sie die technischen Risiken selbst nicht richtig bewerten können. Doch dieses Spiel auf Zeit endet spätestens beim Exit oder der nächsten Finanzierungsrunde. Wenn dann ein Investor oder Käufer mit entsprechender Expertise das unkalkulierbare Risiko entdeckt, wird die vermeintliche Goldgrube zum Deal Breaker.

Echte technologische Souveränität entsteht erst dann, wenn das Board klare Governance Leitplanken für den Einsatz von KI setzt. Wer blind auf externe Modelle vertraut, ohne eigene Kontrollmechanismen zu definieren, baut sein Business auf Treibsand.

Leadership Resilienz: Die Blackbox durchleuchten

Die entscheidende Frage für die C Suite lautet: Wie führt und überwacht man ein Unternehmen, dessen Kernprozesse von KI Systemen gesteuert werden, die man selbst nicht versteht? Die Antwort liegt in einer neuen Form der Leadership Resilienz.

Ein modernes Board muss in der Lage sein, das Governance Framework für den Einsatz von KI zu prüfen. Doch genau hier zeigt sich in der Praxis eine strukturelle Schwäche: In vielen Boards fehlt es weiterhin an tiefgehender Technologie und KI Expertise, um dieser Verantwortung wirklich gerecht zu werden.

Dabei dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Oberflächliche Schulungen sind 2026 nur noch das absolute Minimum. KI Expertise sitzt meistens noch am Katzentisch – ohne echten Einfluss. Der entscheidende Hebel ist die strukturelle Verankerung direkt im Gremium, sei es durch die Besetzung des Aufsichtsrats oder die dauerhafte Einbindung externer Spezialisten. Es geht nicht darum, den Code zu lesen, sondern das Framework zu validieren:

Nach welchen spezifischen Kriterien wurde die KI getestet?
Welche regulatorischen Schwellenwerte des EU AI Act sind für unser Geschäftsmodell kritisch?
Wie sieht der „Human in the loop“ Prozess aus, um algorithmische Fehlentscheidungen jederzeit korrigieren zu können?

Ein resilientes Board lebt fachliche Diversität. Wir brauchen technische Expertise am Tisch, die Komplexität in rechtliche Sicherheit übersetzt.

Fazit: Governance als Wettbewerbsvorteil

Der erste Hype um KI ist der harten Realität der Regulierung gewichen. Was bleibt, ist die drängende Frage der persönlichen Verantwortung. Gründer, Investoren und Vorstände, die KI Governance als Teil ihrer strategischen DNA begreifen, gehen als Gewinner aus dieser Transformation hervor. Nicht, weil sie „ethischer“ handeln, sondern weil sie ihre Hausaufgaben im Risikomanagement gemacht haben.

Es ist Zeit, den fachlichen Stillstand zu beenden. Die Frage ist nicht mehr, ob die KI kommt – sie prägt bereits zentrale Prozesse und Geschäftsmodelle unserer Wirtschaft. Die Frage ist, ob Sie als Führungskraft bereit sind, die Verantwortung für diese Steuerung zu übernehmen, bevor der erste 7 Prozent Bescheid auf dem Tisch liegt.

Bild: Fotograf: Peter Rigaud

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Patronus Notruf Uhr: Sicherheit neu gedacht

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Patronus Notruf Uhr für mehr Sicherheit Senioren Ben Staudt

Die Patronus Notruf Uhr steht für eine neue Generation von Sicherheitstechnologie für Seniorinnen und Senioren

Wie ist Patronus entstanden und wer steht hinter der Entwicklung der Notruf-Uhr?

Patronus wurde 2020 von Ben Staudt und Tim Wagner in Berlin gegründet. Der Ausgangspunkt war eine persönliche Beobachtung: Bens Großmutter hatte einen Hausnotruf-Knopf und trug ihn nie. Sie nannte ihn ihre „Nachttischdekoration“. Zu klobig, zu stigmatisierend, zu sehr das Eingeständnis, dass man Hilfe braucht.

Bevor wir unser erstes Produkt entwickelt haben, haben wir mit über tausend potenziellen Kunden gesprochen. Was wir gehört haben, hat uns bestätigt: Das ist kein Einzelfall. Das ist ein strukturelles Problem.

Was hat euch dazu bewegt, den klassischen Hausnotruf neu zu denken?

Der rote Knopf ist seit Jahrzehnten unverändert, obwohl sich die Zielgruppe deutlich verändert hat. Heutige Senioren sind aktiver, mobiler, digital-affin und selbstbewusster als die Generationen vor ihnen. Sie wollen nicht als hilfsbedürftig wahrgenommen werden. Sie wollen raus, unterwegs sein, ihr Leben leben. Ein Gerät, das nur zu Hause funktioniert und nach Medizintechnik aussieht, passt nicht mehr zu dieser Realität. Wir haben uns gefragt: Wie würde ein Gerät aussehen, das Menschen wirklich tragen wollen, weil es ihr Leben erleichtert, nicht weil es sie an ihre Verletzlichkeit erinnert?

Welche Vision verfolgt Patronus im Bereich Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag?

Wir wollen eine Welt schaffen, in der Älterwerden Sicherheit, Unabhängigkeit und Verbindung bedeutet, unterstützt durch Technologie, die sich an Menschen anpasst, nicht umgekehrt. Das klingt groß, ist aber sehr konkret gemeint: Wer weiß, dass im Notfall sofort Hilfe da ist, traut sich mehr. Geht spazieren. Bleibt länger selbstständig.

Wie möchtet ihr diese Vision in den kommenden Jahren konkret umsetzen?

In drei Richtungen. Erstens: Marktführerschaft in Deutschland weiter ausbauen und in Europa expandieren. Zweitens: Die Familien-App weiterentwickeln, sodass Angehörige noch besser eingebunden sind. Drittens: Einsamkeit im Alter aktiv angehen. Wir arbeiten an einem KI-Begleiter auf der Uhr, einem digitalen Gesprächspartner für die Stunden, in denen niemand da ist. 12 % der Menschen über 75 führen an einem durchschnittlichen Tag kein persönliches Gespräch. Das ist ein Gesundheitsproblem, das wir nicht ignorieren können.

An wen richtet sich euer Produkt in erster Linie und welche Bedürfnisse stehen dabei im Fokus?

Unsere Kernzielgruppe sind Seniorinnen und Senioren, die selbstständig leben. Unser durchschnittlicher Nutzer ist 78 Jahre alt, lebt allein und ist primär weiblich. Was sie eint: Sie wollen so lange wie möglich ihr eigenes Leben führen. Sie wollen nicht zur Last fallen. Und sie wollen wissen, dass im Ernstfall jemand da ist, ohne ständig daran erinnert zu werden, dass ein Ernstfall eintreten könnte. Genau dieses Spannungsfeld versuchen wir aufzulösen.

Welche Rolle spielen Angehörige im Konzept von Patronus?

Eine zentrale Rolle. Heute sind 25.000 Angehörige über die Patronus-Familien-App mit ihren älteren Familienmitgliedern verbunden. Die App löst ein emotionales Dilemma: Man macht sich Sorgen, will aber nicht kontrollieren. Sie zeigt, ob die Uhr getragen wird, ob die Person das Haus verlassen hat, wo sie gerade ist, und benachrichtigt im Notfall sofort. Eine Tochter, die weit weg wohnt, muss nicht mehr täglich anrufen, um sicherzugehen. Sie kann loslassen, weil sie Bescheid weiß. Und die Mutter behält ihre Selbstständigkeit, weil jemand im Hintergrund da ist, ohne dass sie sich täglich erklären muss.

Was unterscheidet Patronus von klassischen Hausnotrufsystemen und anderen Lösungen am Markt?

Drei Dinge. Erstens: Mobilität. Unsere Uhr funktioniert überall in Deutschland, nicht nur zu Hause. Eine integrierte SIM-Karte macht sie unabhängig von Basisstationen. Zweitens: Design. Sie sieht aus wie eine normale Smartwatch, kommt in verschiedenen Farben und signalisiert nichts außer Stil. Drittens: Nutzung. 85 % unserer Nutzerinnen und Nutzer tragen die Uhr täglich. Das ist der eigentliche Beweis. Ein Notfallgerät, das nicht getragen wird, ist kein Notfallgerät.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Entwicklung und Verbreitung eurer Notruf-Uhr?

Die größte Herausforderung ist Vertrauen. Senioren sind eine Zielgruppe, die von der Technologiebranche jahrzehntelang enttäuscht oder ignoriert wurde. Komplizierte Geräte, überfordernde Interfaces, Produkte, die für sie gebaut wurden, ohne sie zu fragen. Wir müssen jeden Tag beweisen, dass wir es anders meinen. Durch Einfachheit, durch persönlichen Support, durch ein Produkt, das wirklich funktioniert.

Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld zwischen einfacher Bedienbarkeit und moderner Technik um?

Indem wir Komplexität verstecken, nicht vereinfachen. Die Uhr hat im Wesentlichen einen Knopf. Dahinter steckt eine Infrastruktur aus Notrufzentralen, GPS-Tracking, Familien-App und bald KI. Aber das sieht der Nutzer nicht. Wir haben von Anfang an mit echten Nutzern entwickelt, nicht für sie. Über tausend Gespräche vor dem ersten Produkt. Kontinuierliches Feedback danach. Die Frage war immer: Was braucht eine Person, die 78 ist und nicht mit dem Smartphone groß geworden ist? Und was braucht sie nicht?

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen plant ihr für Patronus?

Kurzfristig: Ausbau der Familien-App mit mehr Kommunikationsfunktionen und relevanten Notfallinformationen. Mittelfristig: der KI-Begleiter, ein digitaler Gesprächspartner auf der Uhr, der Einsamkeit im Alter aktiv adressiert. Langfristig: Vitalzeichen-Tracking für chronische Erkrankungen und die Expansion in weitere europäische Märkte. Wir denken Patronus nicht als Notfallgerät, sondern als Plattform für selbstbestimmtes Altern.

Wie stellt ihr sicher, dass eure Lösung im Alltag zuverlässig funktioniert?

Zuverlässigkeit ist die Grundvoraussetzung. Wir arbeiten mit professionellen Notrufzentralen zusammen, die direkt an Rettungsleitstellen angeschlossen sind. Die Uhr ist staub- und wasserdicht. Die SIM-Karte nutzt das deutsche Mobilfunknetz. Und wir haben über eine halbe Million Notrufe beantwortet. Das ist kein theoretischer Stresstest, das ist gelebte Praxis.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die ein relevantes Problem lösen möchten?

Erstens: Sprecht mit euren Kunden, bevor ihr irgendetwas baut. Wir haben über tausend Gespräche geführt, bevor wir eine einzige Zeile Code geschrieben haben. Das hat uns vor den teuersten Fehlern bewahrt.

Zweitens: Sucht euch eine Zielgruppe, die die Branche unterschätzt. Der Markt für Senioren-Technologie war jahrzehntelang vernachlässigt, nicht weil das Problem klein ist, sondern weil niemand hingeschaut hat. Genau dort entstehen die interessantesten Chancen.

Drittens: Messt, was wirklich zählt. Nicht Downloads, nicht Registrierungen, sondern ob die Menschen euer Produkt täglich benutzen. Bei uns ist das die Frage, ob die Uhr am Handgelenk ist. Alles andere ist eine Hilfsgröße.

Bild Bildcredits @Patronus

Wir bedanken uns bei Ben Staudt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was, wenn die besten Antworten längst da sind – aber niemand sie hört?

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Synfia.ai KI Feedback Gespräche Insights Plattform Bild: René Mähr und Simon Rutar © Cecilia Capri

Synfia.ai zeigt, wie KI-gestützte Gespräche Feedback auf ein neues Niveau heben und daraus verwertbare Insights für Unternehmen entstehen.

Wer steckt hinter Synfia.ai und welche Erfahrungen bringt das Team im Bereich KI und Marktforschung mit?

Hinter Synfia.ai steht ein interdisziplinäres Team aus Expertinnen und Experten an der Schnittstelle von Business, IT und Innovation. Ich selbst bringe über 15 Jahre Erfahrung in Venture Building und Corporate Innovation mit. Ergänzt wird das Team durch Psychologen mit starkem Fokus auf Interview-Methodik und Human-Machine Interaction, sowie Data-Analytics und Voice AI Experten.Wir verbinden technologische Kompetenz mit fundierter Interviewmethodik und sozialwissenschaftlichem Know-how. Zusätzlich arbeiten wir eng mit Universitäten in ganz Europa zusammen. So stellen wir sicher, dass unsere Lösung nicht nur technologisch stark ist, sondern auch methodisch sauber und menschlich wirksam.

Wie ist die Idee zu Synfia.ai entstanden und welches Problem wolltet ihr damit lösen?

Die Idee entstand aus der Überzeugung, dass Conversational AI ein zentrales Interface der Zukunft wird. Unser erster Anwendungsfall lag in der Innovations- und Ideenmobilisierung.
Unternehmen wollen viele Menschen einbinden, stoßen aber an Grenzen: Interviews sind nicht skalierbar, Formulare zu oberflächlich.
Wir haben daher KI-gestützte Sprachinterviews entwickelt. Mitarbeitende konnten ihre Ideen einbringen und wurden gleichzeitig durch gezielte Rückfragen zur Reflexion angeregt. So entstehen strukturierte, tiefgehende Datensätze.
Das hat global funktioniert und schnell gezeigt: Dieses Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen – von Kundenfeedback bis hin zu Mitarbeiter- und Stakeholderbefragungen.

Welche Vision verfolgt Synfia.ai im Umgang mit Feedback und datenbasierten Entscheidungen?

Wir bauen eine neue Kategorie: Conversational Insight Infrastructure. Unser Ziel ist es, Organisationen die Fähigkeit zu geben, jederzeit mit tausenden Menschen zu sprechen und daraus direkt verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Wir ermöglichen es, Feedback aus unterschiedlichsten Gruppen schnell, tief und skalierbar zu erfassen. Von Kunden über Mitarbeitende bis hin zu neuen Märkten. Entscheidungen sollen nicht mehr auf Annahmen basieren, sondern auf echten Stimmen. Dadurch befähigen wir Organisationen, systematisch zuzuhören und auch jene einzubeziehen, die bisher kaum gehört wurden. So entstehen fundiertere und bessere Entscheidungen.

An welche Zielgruppen richtet sich eure Lösung und welche Bedürfnisse stehen dabei im Fokus?

Unsere Kunden sind mittelständische und Großunternehmen sowie öffentliche Organisationen. Alle stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen viele Menschen verstehen. Synfia.ai kommt überall dort zum Einsatz, wo das „Warum“ entscheidend ist. Von Kundenfeedback über Mitarbeiterbefragungen bis hin zu Innovation und Transformation. Wir liefern Tiefe bei gleichzeitiger Skalierbarkeit. Und das in Echtzeit, global und über 70 Sprachen hinweg.

Warum stoßen klassische Umfragen aus eurer Sicht an ihre Grenzen?

Gerade klassische Fragebögen reduzieren komplexe Meinungen auf einfache Antworten. Das reicht heute nicht mehr. Unternehmen brauchen Kontext, Nuancen und echte Beweggründe. Interviews liefern das. Sie sind aber nicht skalierbar und sehr teuer. Wir schließen genau diese Lücke. Mit KI-gestützten Gesprächen, die in die Tiefe gehen und gleichzeitig tausendfach parallel stattfinden können. Der entscheidende Unterschied: Wir generieren nicht nur Daten, sondern echte Insights. Dazu kommen neue Möglichkeiten wie Mehrsprachigkeit auf Knopfdruck und eine extrem niedrige Einstiegshürde durch Sprache.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Auswertung: Transkripte werden automatisch analysiert und in verwertbare Insights übersetzt.

Wie gelingt es Synfia.ai, aus Befragungen echte Gespräche zu machen?

Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Technologie und Methodik. Wir verbinden leistungsfähige Sprach-KI mit psychologischem und sozialwissenschaftlichem Know-how. Unsere KI nutzt bewährte Interviewtechniken, stellt gezielte Rückfragen und schafft eine sichere Gesprächsatmosphäre. Gleichzeitig gestalten wir die Interaktion so, dass sie sich natürlich und sicher anfühlt. So entsteht ein Gespräch, das sich natürlich anfühlt und echte Offenheit ermöglicht. Und genau das verändert die Qualität der Antworten grundlegend.

Was unterscheidet euren Ansatz von traditionellen Marktforschungs- und Feedback-Tools?

Wir denken Feedback neu: Nicht als Formular, sondern als Dialog. Unser Ansatz ist Voice-first, KI-gestützt, dynamisch und individuell. Statt starrer Fragebögen entstehen Gespräche mit individuellen Folgefragen. Der größte Unterschied liegt im End-to-End-Prozess: Von der Erstellung über die Durchführung bis zur Auswertung passiert alles in einer Plattform.Was früh er Monate gedauert hat, ist heute in Tagen oder sogar Stunden möglich. Und das ohne technische Hürden. Unser Fokus ist klar: maximale Erkenntnis bei minimalem Aufwand.

Welche Rolle spielt die KI konkret während eines Gesprächs mit Nutzerinnen und Nutzern?

Die KI ist die Interviewerin. Sie führt durch das Gespräch, stellt vertiefende Fragen und sorgt dafür, dass relevante Themen wirklich verstanden werden. Sie erkennt Zusammenhänge, hält den Fokus und reagiert auf Unsicherheiten. Gleichzeitig ist sie ein unterstützender Gesprächspartner, der erklärt, einordnet und Orientierung gibt. So entsteht ein Dialog auf Augenhöhe.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim Aufbau von Synfia.ai konfrontiert und wie geht ihr damit um?

Eine der größten Herausforderungen war die Marktaufklärung. Viele Unternehmen mussten erst erkennen, was KI-gestützte Gespräche leisten können. Zudem stellt sich oft die Frage, ob Menschen überhaupt mit einer KI sprechen wollen. Unsere Antwort ist klar: Ja (wenn es richtig umgesetzt ist). Wir setzen daher auf Pilotprojekte. Sie machen den Mehrwert sofort erlebbar und schaffen Vertrauen.

Wie stellt ihr sicher, dass qualitative Insights auch skalierbar und nutzbar werden?

Skalierung entsteht bei uns durch Struktur. Unsere KI arbeitet innerhalb klar definierter Leitplanken und sorgt für konsistente Gesprächsqualität. Alle Gespräche werden automatisch transkribiert, analysiert und strukturiert. So entstehen aus tausenden Einzelgesprächen belastbare Muster und klare Erkenntnisse. Qualität und Skalierung schließen sich bei uns nicht aus – sie verstärken sich.

In welche Richtung wollt ihr Synfia.ai in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir entwickeln Synfia.ai zur zentralen Infrastruktur für Feedback und Insights in Organisationen. Der Fokus liegt auf noch stärkerer Analyse, Integration und Nutzung im Alltag von Unternehmen. Unser Ziel ist klar: Jede wichtige Entscheidung soll auf echten, skalierbaren Gesprächen basieren.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Ratschläge sind immer so eine Sache, aber vielleicht so. Was für uns drei Prinzipien sind, die wir in unserem täglichen Handeln verinnerlicht haben:
Erstens: Klare Werte im Team sind das Fundament für alle Entscheidungen und nachhaltiges Wachstum.
Zweitens: Der größte Fortschritt entsteht dort, wo der aktuelle Engpass konsequent identifiziert und gelöst wird.
Drittens: Nähe zum Kunden ist entscheidend – kontinuierliches Feedback treibt Produktqualität und Wachstum.

Bild: René Mähr und Simon Rutar © Cecilia Capri

Wir bedanken uns bei René Mähr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Patronus Smartwatch Senioren erhält 11 Millionen Euro für nächste Wachstumsphase

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Patronus Smartwatch Senioren erhält 11 Millionen Euro für nächste Wachstumsphase Ben Staudt

Patronus Smartwatch Senioren löst ein zentrales Problem im Alltag

11 Millionen Euro für Patronus: Die Smartwatch, die Senioren wirklich tragen

Patronus hat über eine halbe Million Notrufe beantwortet, zählt mehr als 25.000 Seniorinnen und Senioren zu seinen Nutzern und beweist: Technologie für Ältere muss weder hässlich noch kompliziert sein. Jetzt kommt die nächste Phase.

Bens Großmutter hatte einen. Den roten Knopf des Hausnotrufs. Er hing ihr um den Hals oder hätte es tun sollen. Stattdessen lag er auf dem Nachttisch. „Nachttischdekoration“ nannte sie ihn selbst. Viel zu klobig. Zu stigmatisierend. Zu sehr das stille Eingeständnis, dass man Hilfe braucht.

Ben Staudt, Gründer von Patronus, kennt diese Geschichte nicht nur aus seiner eigenen Familie. Bevor er und sein Team 2021 ihr erstes Produkt auf den Markt brachten, sprachen sie mit über tausend potenziellen Kunden. Was sie hörten, war jedes Mal dasselbe: Das Problem ist nicht technischer Natur. Es ist ein Würde-Problem.

43% der Menschen über 75 in Deutschland leben allein. Klassische Hausnotrufgeräte existieren seit Jahrzehnten und haben sich kaum verändert. Rund 1,2 Millionen Menschen nutzen sie. Wie viele sie besitzen, aber nicht tragen, wird nicht erfasst. Studien zeigen jedoch, dass nur 14 % sie durchgehend tragen.

Eine Uhr, die Opa seinen Boule-Kumpels zeigt
Die Antwort von Patronus ist eine Smartwatch, aber keine, die nach Medizintechnik aussieht. Das Gerät kommt in verschiedenen Farben, zeigt die Uhrzeit und sitzt wie eine normale Armbanduhr. Eine integrierte SIM-Karte macht sie unabhängig vom Heimnetzwerk. Ein einziger Knopfdruck verbindet im Notfall sofort mit der Notrufzentrale: 24 Stunden, sieben Tage die Woche, überall in Deutschland.

Patronus Smartwatch Senioren überzeugt Nutzer und Angehörige

Viele Senioren tragen ihren Notrufknopf aus Angst vor Fehlalarmen oder Stigmatisierung nicht. Patronus ist dieses Problem von Grund auf angegangen, mit dem Ergebnis, dass 85% der Nutzerinnen und Nutzer die Uhr täglich tragen. Heute sind das 25.000 Menschen und Patronus hat für sie bereits über eine halbe Million Mal den Notruf beantwortet. Die Patronus Smartwatch Senioren zeigt hier eine deutlich höhere Akzeptanz.

Nähe, ohne zur Last zu fallen

Parallel zur Uhr hat Patronus eine App für Angehörige entwickelt, die ein Dilemma löst, das viele Familien kennen: Man macht sich Sorgen. Aber man will nicht kontrollieren.
Die App zeigt, ob die Uhr getragen wird, ob die Person das Haus verlassen hat und wo sie gerade ist. Im Notfall werden Angehörige sofort benachrichtigt. Man kann direkt über die Uhr anrufen. Heute sind 50.000 Angehörige über die Patronus-Familien-App mit ihren älteren Familienmitgliedern verbunden.

Was sich dahinter verbirgt, ist eigentlich ein emotionales Produkt: Eine Tochter in München, deren Mutter in Berlin allein lebt, muss nicht mehr täglich anrufen, um sicherzugehen. Sie sieht in der App, dass ihre Mutter heute Morgen spazieren war. Sie kann loslassen, weil sie Bescheid weiß. Die Mutter kann loslassen, weil jemand im Hintergrund da ist, ohne dass sie sich täglich erklären muss.

Was als Nächstes kommt: der KI-Begleiter

12% der Menschen über 75 in Deutschland führen an einem durchschnittlichen Tag kein persönliches Gespräch. Einsamkeit unter älteren Menschen ist inzwischen als ernsthaftes Gesundheitsrisiko anerkannt und hat Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit, erhöht das Demenzrisiko und verkürzt die Lebenserwartung.

Patronus plant, diesem Problem mit einem KI-Begleiter zu begegnen: einem digitalen Assistenten auf der Uhr, der immer verfügbar ist. Kein Ersatz für menschliche Nähe, aber eine echte Antwort für die Stunden, in denen niemand da ist.

„Wir wollen eine Welt schaffen, in der das Älterwerden Sicherheit, Unabhängigkeit und Verbindung bedeutet“, sagt Ben Staudt, Gründer von Patronus. „Unterstützt durch Technologie, die sich an Menschen anpasst und nicht umgekehrt.“

Patronus Smartwatch Senioren profitiert von Millioneninvestition

11 Millionen Euro: Investoren setzen auf den demografischen Rückenwind
Für die Weiterentwicklung der Uhr hat Patronus kürzlich erneut Kapital aufgenommen. Insgesamt kamen 11 Millionen Euro von Investoren wie 3TS Capital Partners, Grazia Equity, Singular, Burda Principal Investments, Adjacent, NAP und UVC Partners. Die Patronus Smartwatch Senioren steht dabei im Zentrum der weiteren Entwicklung.

„Patronus hat bewiesen, dass man Produkte für Senioren entwickeln kann, die diese wirklich annehmen“, sagt Markus Fleischer von 3TS Capital Partners. „Wir investieren in Unternehmen, die Wachstumsbranchen neu definieren und positiven Impact haben. Ben und sein Team schaffen es, neueste Technologien wie KI im Alltag zu integrieren und das Leben vieler ein wenig besser zu machen.”

Der Zuspruch der Investoren spiegelt wider, was demografische Daten seit Jahren zeigen: Der Bedarf an digitalen Lösungen für ältere Menschen wächst rasant. In Deutschland allein gibt es heute 9,6 Millionen Menschen über 75. In Europa sind es 53,1 Millionen. Die Zahl der pflegenden Angehörigen nimmt ab, die Zahl derer, die allein leben wollen und können, steigt.

Bild Ben Staudt@Patronus

Quelle NAP Investment Management GmbH

The Green Deal Show: Neue YouTube-Startup-Show setzt auf Reichweite statt Millionen-Deals

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The Green Deal Show: Neue YouTube-Startup-Show mit Creator-Power

Key Takeaways

  • Die neue Show „The Green Deal Show“ verbindet nachhaltige Start-ups mit Creator-Power, um Sichtbarkeit als entscheidenden Faktor für Wachstum zu nutzen.
  • In jeder Episode pitchen Start-ups vor einer Creator-Jury und einem Live-Publikum, wobei Reichweite gegen Rabatte und prozentuale Erlöse getauscht wird.
  • Die Jury besteht aus bedeutenden Stimmen der Creator-Szene, die eine Millionenreichweite auf verschiedenen Plattformen haben.
  • Die erste Staffel umfasst drei Episoden, die am 22. Mai auf YouTube starten, und zeigt erfolgreiche, nachhaltige Ideen im Alltag.
  • Das Format fördert nachhaltige Innovationen und bringt unternehmerisches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung zusammen.

Reichweite statt Millionen-Deals: Neues YouTube-Format „The Green Deal Show“ verbindet Start-ups mit Creator-Power

Ein neues Showformat bringt Start-ups mit nachhaltigem Geschäftsmodell mit Creator-Power zusammen – und zeigt, wie Sichtbarkeit zur wichtigsten Währung für Wachstum wird. In „The Green Deal Show“ investieren Creator nicht Geld, sondern ihre Reichweite: Sie machen Produkte sichtbar und werden im Gegenzug am Erfolg beteiligt. Pro Episode pitchen vier Start-ups vor einer Creator-Jury und einem Live-Publikum – Community und Creator entscheiden gemeinsam, welches Potenzial in den Ideen steckt. Gleichzeitig zeigt das Format, dass Nachhaltigkeit auch anders erzählt werden kann: alltagstauglich, inspirierend und unterhaltsam. Die erste Folge von „The Green Deal Show“ erscheint am 22. Mai auf YouTube. Die erste Staffel umfasst drei Episoden.

The Green Deal Show: Ein neues Konzept für Startup-Wachstum

Was passiert, wenn nicht Investor:innen, sondern Creator darüber entscheiden, welche Startups groß werden? Wenn statt Millionen-Deals plötzlich Reichweite, Community und Vertrauen im Mittelpunkt stehen? Genau hier setzt „The Green Deal Show“ an – ein neues Showformat, das die Regeln klassischer Gründershows neu denkt. Für viele junge B2C-Start-ups ist Reichweite heute oft wichtiger als Kapital: Sichtbarkeit, Vertrauen und Community sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Das neue Youtube-Format bietet eine Alternative zu klassischen Finanzierungsmodellen: Wachstum entsteht nicht allein durch Investor:innen, sondern durch Menschen, die Produkte entdecken, teilen und weiterempfehlen.

Creator fungieren dabei als Schnittstelle zwischen Innovation und Konsument:innen. Sie übersetzen Ideen in Geschichten, bringen Produkte in den Alltag ihrer Communities und schaffen so eine Nähe, die klassische Werbung oft nicht erreicht. „Mit „The Green Deal Show“ wollen wir ein Format etablieren, das Millionen Menschen erreicht und Nachhaltigkeit in ein positives Licht rückt – unterhaltsam, zugänglich und nah an der Lebensrealität der Zielgruppe. Creator sind dabei die entscheidenden Multiplikator:innen, um genau diese Themen groß zu machen“, so Philipp Lippert, Showrunner der Produktionsfirma Quintus Studios.

Die Show bringt Creator und nachhaltige Start-ups zusammen

DAS SHOW-KONZEPT

Durch die Show führt Gen-Z-Journalistin und Moderatorin Magdalena Stefely, die auch in der aktuellen Staffel von „The Race“ dabei ist. Pro Episode pitchen vier bis fünf Start-ups mit nachhaltigem Geschäftsmodell ihre Ideen vor einer wechselnden, dreiköpfigen Creator-Jury und einem Live-Publikum. Entscheidet sich ein Creator für ein Start-up, wird ein individueller Deal verhandelt: Reichweite gegen einen Rabattcode für die Community und eine prozentuale Beteiligung an den Erlösen, die durch die Kommunikation auf den Kanälen der Creator entstehen.

So entsteht ein Modell, das Unternehmertum mit der Logik der digitalen Welt verbindet. Creator werden zu strategischen Partnern, die nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern aktiv am Erfolg der Start-ups beteiligt sind. Gleichzeitig profitieren die Unternehmen vom direkten Zugang zu relevanten Zielgruppen – authentisch, nahbar und ohne Umweg über klassische Werbeformate.

Gedreht wird Mitte April 2026 vor Live-Publikum: Die Zuschauer:innen vor Ort stimmen in jeder Folge per Online-Tool darüber ab, wieviele digitale Coins sie in die einzelnen Startups investieren würden. Ein Joker-Mechanismus erlaubt es den Creatorn, Einblicke in das Abstimmungsverhalten zu erhalten und ihre Entscheidung daran auszurichten.

The Green Deal Show nutzt YouTube als Bühne für Impact

DIE JURY: MILLIONENREICHWEITE & VIELFÄLTIGE COMMUNITIES

Die Jury von „The Green Deal Show“ vereint einige der spannendsten Stimmen der deutschsprachigen Creator-Szene – von Wissenschaft über Comedy bis Lifestyle und Gaming. Mit dabei sind Marie Nasemann, Doktor Whatson, Staiy, Saskia Fröhlich, Alexander Prinz, Larsipilami, Just Leo und Hamel. Gemeinsam erreichen sie ein Millionenpublikum auf YouTube, Instagram, TikTok und Twitch – und stehen dabei für Haltung, Verantwortung und die Bereitschaft, ihre Reichweite für Themen zu nutzen, die über reines Entertainment hinausgehen.

FÖRDERUNG NACHHALTIGER IDEEN

„The Green Deal Show“ zeigt, dass Nachhaltigkeit alles andere als Verzicht bedeutet. Im Fokus stehen Ideen, die den Alltag smarter, schöner und bewusster machen – von innovativen Produkten über smarte Services bis hin zu neuen Lifestyle-Konzepten. Zu den Start-ups der ersten Staffel gehören unter anderem SIRPLUS, das sich für die Rettung überschüssiger Lebensmittel einsetzt, hey mela, das den weltweit ersten veganen Schwangerschaftstest entwickelt hat, sowie moot, das Upcycling-Mode für einen bewussten Lifestyle entwickelt.

Die Start-ups verbinden unternehmerisches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung und entwickeln Lösungen, die praktisch, inspirierend und alltagstauglich sind. Nachhaltigkeit wird damit nicht nur sichtbar, sondern positiv erlebbar – und zeigt: Veränderung kann Spaß machen und echten Impact erzeugen.

Alle teilnehmenden Start-ups durchlaufen eine Showtauglichkeitsprüfung, bei der sowohl die wirtschaftliche Tragfähigkeit als auch Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden. „Wir schauen nicht nur auf Zahlen – uns interessiert, ob eine Idee wirklich trägt. Unser Ziel ist es, Start-ups zu pushen, die echten Impact schaffen und dabei wirtschaftlich erfolgreich sind. Denn nur so können sie Veränderungen im Alltag vieler Menschen anstoßen” erklärt Leon Reiner, Gründer von Impact Hub Berlin.

YOUTUBE ALS BÜHNE FÜR IMPACT

Für „The Green Deal Show“ fiel die Wahl bewusst auf YouTube. Die Plattform verbindet Unterhaltung, Information und Community und bietet damit ideale Bedingungen, um junge, digitale Zielgruppen direkt zu erreichen. Längere Aufmerksamkeitsspannen, Raum für Storytelling und die Möglichkeit, komplexe Themen verständlich und emotional zu erzählen, machen YouTube zum perfekten Ort, um nachhaltige Innovationen sichtbar zu machen.

Die erste Folge von The Green Deal Show erscheint am 22. Mai auf YouTube. Die erste Staffel umfasst drei Episoden.

WER STECKT DAHINTER?

Produziert wird das Format von Quintus Studios, die für digitale, reichweitenstarke Entertainment-Formate stehen und gezielt Inhalte mit gesellschaftlicher Relevanz entwickeln. Das Impact Hub Berlin begleitet das Projekt als Partner und prüft die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Start-ups. Als Teil eines globalen Netzwerks unterstützt es Gründer:innen dabei, nachhaltige Innovationen zu skalieren. Der zweite Partner, die ecosign.Akademie für Nachhaltigkeit und Design übernimmt die Prüfung der Nachhaltigkeitskriterien. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Format und bringt ihre Expertise im Bereich Umwelt- und Klimaschutz ein.

Foto/Quelle: Quintus Studios GmbH

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