Freitag, Januar 30, 2026
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Kann ein Getränk wirklich das Wohlbefinden verändern?

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Spraga Kombucha Getränke neu entdecken @Spraga

Spraga steht für natürlichen, lebendigen Kombucha und möchte das bewusste Trinken zu einem genussvollen Teil des Alltags machen

Wie ist die Idee zu Spraga entstanden und welche Menschen stehen hinter dem Unternehmen?

Spraga ist aus der Idee entstanden, die Welt des bewussten Trinkens neu zu definieren: ein natürlicher Begleiter, bei dem jeder Schluck Freude und Sinnhaftigkeit vereint, und dabei das persönliche Wohlbefinden stärkt. Unser internationales Team kommt aus der Getränkebranche, der Wissenschaft und dem Marketing. Uns verbindet die Leidenschaft für lebendige Produkte, die nicht nur schmecken, sondern auch etwas bewirken.

Hinter Spraga steht hier in Deutschland ein erfahrenes Trio aus der Getränke- und Markenwelt: Constantin Höhmann leitet als Country Manager die Markteinführung und will „echten, lebendigen Kombucha“ hierzulande etablieren. Unterstützt von Laura Strube, die als Marketing Lead Spraga als moderne, bewusste Lifestyle-Brand positioniert, und Heiko Nebe, der als Head of On Trade für starke Präsenz in Gastronomie und Fachhandel sorgt. Spraga wurde 2019 gegründet und ist bereits in mehreren europäischen Märkten verfügbar. Mit dem Markteintritt in Deutschland bringen wir nun echten, lebendigen Kombucha zu den Menschen – und das mit einem starken, erfahrenen Team aus Vertrieb, Marketing und Gastronomie.

Was war der entscheidende Moment, in dem aus der Leidenschaft für fermentierte Getränke ein Startup wurde?

Der Schlüssel war die Erkenntnis, dass der Markt für Kombucha in Europa bisher kaum echtes, probiotisches Produktverständnis bietet. Viele Getränke nennen sich Kombucha, sind aber pasteurisiert und damit nicht lebendig. Wir wollten zeigen, dass echter Kombucha ein lebendiges, modernes Getränk sein kann – funktional, geschmacklich komplex und gleichzeitig alltagstauglich. Dieser Anspruch hat uns motiviert, Spraga als neue Getränkekategorie aufzubauen – das für ein ungewöhnlich echtes Getränk steht, das Genuss und funktionalen Mehrwert verbindet – und so zur täglichen Wahl für einen ausgewogenen Lebensstil wird.

Welche Vision verfolgt Spraga mit seinen Kombucha-Produkten und wie wollt ihr sie langfristig umsetzen?

Unsere Vision ist es, die Welt des bewussten Trinkens neu zu definieren. Wir wollen, dass Menschen Kombucha nicht als Nischenprodukt sehen, sondern als selbstverständlichen Teil ihres Alltags – so wie Kaffee oder Mineralwasser. Jeder Schluck Spraga soll Freude und Sinnhaftigkeit verbinden: Genuss, der getreu dem Motto „Good Gut Feelings only“ dem Wohlbefinden gut tut. Langfristig setzen wir das durch konsequente Markenführung, authentische Kommunikation und partnerschaftliche Zusammenarbeit im Handel und in der Gastronomie um.

Was unterscheidet Spraga von anderen Herstellern im Bereich fermentierter Getränke?

Spraga steht für „echt anders“. Wir pasteurisieren nicht, wir arbeiten mit einer natürlichen SCOBY-Kultur und verwenden ausschließlich Bio-Zutaten. Unser Kombucha ist probiotisch, vegan, alkoholfrei und voller lebender Mikroorganismen. Dazu kommt unser Anspruch an Geschmack – überraschend aromatisch, leicht säuerlich und einfach lecker. Wir sagen gern: Gesund muss nicht langweilig sein – laut, lecker, lebendig, aber immer echt.

Wie wichtig ist euch bei Spraga das Thema Nachhaltigkeit – von den Zutaten bis zur Produktion?

Nachhaltigkeit ist für uns ein Grundprinzip. Wir verwenden ausschließlich biologische Zutaten und arbeiten mit verantwortungsvollen Partnern zusammen. Unsere Brauereien in Prag und ab 2026 auch in Lissabon produzieren ressourcenschonend mit modernster Technologie. Außerdem setzen wir auf kurze Lieferketten und wiederverwertbare Materialien – weil gutes Gefühl nicht nur im Bauch, sondern auch im Gewissen entstehen soll.

Teamfoto @ Spraga mit Dosen stehend

Welche Zielgruppe wollt ihr mit euren Kombucha-Sorten besonders ansprechen und wie geht ihr auf deren Bedürfnisse ein?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die bewussten Genuss leben – urban, aktiv, neugierig. Sie wollen sich etwas Gutes tun, ohne auf Geschmack zu verzichten. Für sie ist Spraga die natürliche, moderne Alternative zu Softdrinks und alkoholhaltigen Klassikern. Wir hören genau hin, welche Geschmacksprofile gefragt sind, und bieten Sorten, die überraschen, aber vertraut bleiben – etwa Ingwer & Zitrone oder Apfel & Birne.

Welche Herausforderungen bringt die Produktion eines natürlichen, nicht pasteurisierten Getränks mit sich?

Die größte Herausforderung ist Stabilität bei gleichzeitiger Natürlichkeit. Ein lebendiges Produkt verändert sich – das ist sein Wesen. Dank moderner Echtzeit-Analysen und automatisierter Kontrollen sichern wir dennoch gleichbleibende Qualität. Unser Team aus Braumeistern und Mikrobiologen überwacht jede Charge genau, damit Spraga in jeder Dose in unseren eigenen Brauereien dieselbe Frische und Lebendigkeit behält.

Wie stellt ihr sicher, dass Qualität und Geschmack bei jeder Dose Spraga konstant bleiben?

Durch einen streng kontrollierten Fermentationsprozess, der Wissenschaft und Handwerk verbindet. Wir nutzen eine eigene SCOBY-Kultur, arbeiten mit Bio-Vollblatttee und setzen auf fein abgestimmte Rezepturen. Jede Dose Spraga ist das Ergebnis eines standardisierten, digital überwachten Brauprozesses – kombiniert mit traditioneller Braukunst. Das ist echte Qualität, die man schmeckt.

Welche Rolle spielt Forschung und Entwicklung in eurer täglichen Arbeit?

Eine sehr große. Wir sehen uns nicht nur als Getränkehersteller, sondern als Fermentationspioniere. In unseren eigenen Labors und Brauereien testen wir regelmäßig neue Zutaten, Fermentationszeiten und Teesorten. Forschung ist für uns kein Projekt, sondern Teil unserer DNA – weil nur durch Innovation nachhaltiger Genuss entsteht.

Wie wollt ihr Spraga in den nächsten Jahren weiterentwickeln – national oder auch international?

In Deutschland bauen wir gerade eine völlig neue Kategorie auf – das hat Priorität. Aber langfristig ist Spraga international gedacht. Kombucha ist ein globaler Trend, und wir wollen ihn mitgestalten. Neben der Expansion in weitere europäische Länder planen wir Partnerschaften mit Gastronomie, Handel und Sport – wie etwa unsere Kooperation mit dem Deutschen Padelverband, die perfekt zu unserem aktiven, gesundheitsbewussten Lifestyle passt.

Was war bisher der wichtigste Meilenstein in eurer Unternehmensgeschichte?

Ganz klar der Markteintritt in Deutschland. Es ist ein starkes Signal für die Marke und zeigt, dass Spraga bereit ist, eine neue Getränkekategorie zu etablieren. Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung unserer vier ersten Sorten – Original, Granatapfel, Ingwer & Zitrone sowie Apfel & Birne – die unser Produktversprechen „Natürlich. Lebendig. Echt anders.“ verkörpern.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Bleibt ehrlich zu eurem Produkt. Authentizität ist die stärkste Währung im Markt. 2. Denkt groß, aber startet präzise. Erfolg kommt, wenn Vision und Umsetzung im Gleichgewicht sind. 3. Baut Beziehungen, keine Kontakte. In dieser Branche entscheidet Vertrauen – zu Partnern, zum Team und zu den Konsument:innen.

Foto: Teamfoto @ Spraga

Wir bedanken uns bei Laura Strube für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Spraga

Kontakt:

Spraga Portugal
Lisabon
Rua da Artilharia Um
63b
Portugal

https://spraga.de/
info@spraga.com

Ansprechpartner:
Laura Strube

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Wie funktioniert moderne Augenvorsorge, wenn Termine schwer zu bekommen sind?

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Mirantus Netzwerk Versorgung wie Zugang leichter wird Bild Dominik Pederzani und Dr. med. Claus Gruber und Moritz Ackermann Fotocredit Max Hübl

Mirantus Health entwickelt digitale Lösungen für eine schnelle, wohnortnahe und niedrigschwellige augenärztliche Versorgung

Wie ist Mirantus Health entstanden und welche Personen stehen hinter der Entwicklung der Eye Health Plattform mira?

Mirantus Health wurde 2022 aus einem Forschungsprojekt heraus gegründet. Ziel war es, Augenoptik und Augenheilkunde digital zu verbinden, um den Zugang zur Versorgung zu verbessern. Hinter der Plattform stehen Dr. med. Claus Gruber, der zuvor am Moorfields Eye Hospital in London forschte, sowie Dominik Pederzani, ein WHU-Absolvent und erfahrener Gründer, und Philipp Deutschen, ehemaliger McKinsey-Berater.

Welche Vision verfolgt Mirantus Health im Bereich der frühzeitigen und niedrigschwelligen augenärztlichen Versorgung?

Mirantus möchte durch hochwertige digitale Lösungen einen einfachen, schnellen und wohnortnahen Zugang zur Augenversorgung schaffen. Auffälligkeiten sollen früh erkannt werden, um das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten.

Wie trägt mira dazu bei, die Versorgungslücke in Europa zu schließen und gleichzeitig das Gesundheitssystem zu entlasten?

Mira schafft zusätzliche Anlaufstellen beim Optiker und reduziert Wartezeiten, weil Ergebnisberichte mit konkreten nächsten Schritten innerhalb von 24 bis 48 Stunden vorliegen. Bei Auffälligkeiten unterstützt ein bundesweites Netzwerk von bereits über 400 Partner-Augenärzten, das kontinuierlich ausgebaut wird. So werden Betroffene schnell weiterbehandelt und gleichzeitig Praxen und Gesundheitssystem entlastet.

Für welche Zielgruppen ist die Softwarelösung mira besonders relevant und welche Bedürfnisse adressieren Sie damit?

Mira richtet sich an Optiker, die ihr Angebot erweitern möchten, an Menschen mit Versorgungsbedarf, an Kommunen in unterversorgten Regionen und an Augenärzte, die digital arbeiten oder regionale Weiterbehandlung übernehmen möchten. Alle profitieren von schneller Versorgung und klaren Abläufen.

Wie funktioniert der Prozess vom Augen Check beim Optiker bis zum digitalen Ergebnisbericht innerhalb von 24 bis 48 Stunden?

Der Optiker erhebt standardisierte Messungen wie Netzhautbilder, Visus oder Augeninnendruck. Die Daten werden digital an einen Augenarzt übermittelt. Dieser erstellt innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen Ergebnisbericht. Der Ergebnisbericht stellt dabei keine Diagnose dar, sondern zeigt den Untersuchten auf, ob es Auffälligkeiten gibt, die abklärungsbedürftig sind. Bei Abklärungsbedarf können sich Betroffene für die Terminfindung auch an Mirantus wenden, wenn sie keinen eigenen Augenarzt haben. Mirantus unterstützt dann gemeinsam mit einem Partner-Netzwerk von bereits über 400 Augenärzten.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Ausbau eines Versorgungssystems, das Optiker und Augenärzte digital vernetzt?

Wichtig sind konstant hohe Qualität, die Integration verschiedener Messgeräte, der Aufbau einer skalierbaren technischen Architektur und Vertrauen bei allen Beteiligten.

Was unterscheidet mira von bisherigen Ansätzen im Bereich Telemedizin und augenärztlicher Früherkennung?

Mirantus legt großen Wert auf wissenschaftliche Evidenz und engagiert sich aktiv in der Versorgungsforschung, um langfristige Akzeptanz für neue Versorgungsmodelle bei allen Beteiligten zu erreichen. „Mira“ ist eine Expertenlösung für den Fachhandel. Jeder Ergebnisbericht wird von einem in Deutschland approbierten Augenarzt erstellt, nicht automatisiert durch KI. Die Plattform ist modular und kann zusätzliche Geräte einbinden. Das Netzwerk umfasst bereits über 400 Partner-Augenärzte in Deutschland, und dieses Netzwerk wird laufend erweitert.

Wie nutzen Betroffene die schnelle Weitervermittlung über das Netzwerk von mehr als 400 Augenärzten und welche Vorteile bringt das?

Bei Auffälligkeiten erhalten Betroffene auf Wunsch schnelle Unterstützung bei der Terminfindung per Telefon oder online. Das reduziert Wartezeiten, gibt Sicherheit und ermöglicht eine Versorgung vor Ort. Das Netzwerk von aktuell über 400 Partner-Augenärzten wächst weiter, um die regionale Abdeckung zu verbessern.

Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Augenheilkunde um und welchen Beitrag kann Mira langfristig leisten?

Standardisierte Voruntersuchungen entlasten Praxen und schaffen zusätzliche Versorgungspunkte, damit sich Augenärzte in Praxen und Kliniken sich auf abklärungsbedürftige Fälle konzentrieren können. So kann trotz Fachkräftemangel eine stabile Basis-Versorgung gewährleistet werden. Dieses Konzept orientiert sich an dem etablierten englischen Versorgungsmodell.

Welche nächsten Schritte planen Sie für die Skalierung auf über 1.000 Standorte in der DACH Region bis 2027?

Bis 2027 sollen über 1.000 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreicht werden. Der Ausbau des Optiker-Netzwerks, neue technische Module, neue Partnerschaften mit Gesundheits- und Industriepartnern und die aktuelle Finanzierung unterstützen diese Expansion. Auch das Netzwerk der über 400 Partner-Augenärzte wird weiter wachsen, um die Versorgung in der gesamten DACH-Region zu stärken.

Wie kann die Zusammenarbeit mit Optikerinnen, Augenärzten und kommunalen Einrichtungen weiter ausgebaut werden?

Durch klare Kooperationsmodelle, digitale Schulungen, regionale Netzwerke und den verstärkten Einsatz von Augenmobilen in ländlichen Gebieten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die im HealthTech Bereich eine innovative Versorgungslösung entwickeln möchten?

Gerade im Gesundheitsbereich ist es entscheidend, so früh wie möglich echte wissenschaftliche Evidenz aufzubauen – sie schafft Vertrauen und gibt Deiner Idee Stabilität.
Gründerinnen und Gründer sollten zudem darauf achten, Menschen aus Medizin, Technik und vor allem zukünftige Nutzer:innen von Anfang an zusammenzubringen. Nur wenn alle Perspektiven gehört werden, entsteht eine Lösung, die ein echtes Problem löst.
Zuletzt sollte man darauf achten die Bedeutung starker Partner im Gesundheitssystem nicht zu unterschätzen. Mit starken Partnern kann aus Innovation nicht nur ein Konzept, sondern eine nachhaltige Verbesserung entstehen.

Bild Dominik Pederzani und Dr. med. Claus Gruber und Moritz Ackermann Fotocredit Max Hübl

Wir bedanken uns bei bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Was braucht es heute wirklich, um Marken im Foodmarkt sichtbar zu machen?

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Spoonful Food Marketing wie Marken heute wachsen Spoonful Geschäftsführerinnen

Spoonful ist eine spezialisierte Food und Beverage Marketingagentur, die Marken dabei unterstützt, in einem komplexen und hart umkämpften Markt sichtbar, wettbewerbsfähig und strategisch stark aufgestellt zu sein

Wie ist Spoonful – Food + Beverage Marketing entstanden und welche persönlichen Erfahrungen bringen Katharina Wagner und Karolina Kunyik in die Führung des Unternehmens ein?

Die Gründung erfolgte aus dem Marktverständnis heraus, dass es in DE an spezialisierten Foodmarketing Agenturen mangelt, sie ihren Fokus auf diese sehr speziell Branche richten. Vor allem für mittelständische und kleinere Marken ist dies jedoch essenziell, um auch rechtlich in diesem schwierigen Terrain sicher zu navigieren. Mit ihrem Hintergrund aus Jahren bei Unilever und Nestlé kannte Katharina diese Lücke im Markt und gründete 2018 Spoonful. Karolina kam 3 Jahre später mit ihrer starken Digitalexpertise hinzu, die das Führungsteam neben Katharina (mit Strategie- und Branding-Fokus) ideal ergänzt.

Welche Vision verfolgt Spoonful für die Foodbranche und wie möchten Sie diese mit Ihrem spezialisierten Agenturansatz erreichen?

Unsere Vision ist es, vor allem etablierten Mittelständlern mit tollen Produkten mit einem flexiblen und handlungsorientierten Marketingansatz zu helfen, sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen. Oft fehlt es hier an Wissen oder Manpower in den internen Marketingabteilungen. Diese Lücke möchten wir gerne schließen.

Für welche Kundengruppen ist Ihre Arbeit besonders relevant und wie stellen Sie sicher, dass Marken aus Tradition, Start-up-Szene oder dem internationalen Umfeld gleichermaßen profitieren?

Primär arbeiten wir für mittelständische Unternehmen, die uns als verlängerte Werkbank einsetzen und so ihre oft kleinen Marketingteams ideal ergänzen. Durch unser Team können wir diverse Fachbereiche abdecken, für die wenige interne Mitarbeiter oft nicht das Know-How mitbringen. Die unterschiedlichen Marken aus dem In- und Ausland, die wir betreuen, profitieren voneinander, da wir Wissenstransfer zwischen verschiedenen Unternehmensgrößen miteinander verbinden. So lernen große Unternehmen, was in kleinen „Trial & Error“ Prozessen gut funktioniert hat, und kleinere Brands erfahren, was man mit größeren Mediabudgets im Wachstumsprozess noch erreichen kann.

Was macht Spoonful zur Agentur von Foodies für Foodies und warum ist tiefes Branchenwissen heute wichtiger denn je?

In Zeiten von KI kann jeder mit geringem Wissen Marketingakvititäten planen und durchführen. Das Wissen darüber, wie Erfolge zu bewerten sind, was gut und schlecht funktioniert oder, wie Inhalte zu kuratieren sind, kann dadurch jedoch nicht ersetzt werden. Durch unser tägliches Arbeiten in der immer gleichen Branche häufen wir jahrelanges Expertenwissen an, das dabei hilft, Kampagnen nicht nur gut zu planen und umzusetzen, sondern auch die bestmöglichen ROAS zu erzielen.

Wie gelingt es Ihrem Team, ohne lange Einarbeitung präzise auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden einzugehen und Projekte schnell in die Umsetzung zu bringen?

Auch hier hilft die Spezialisierung auf eine Branche. Viele Rahmembedingungen sind uns bekannt, wir können sogar oft die Kunden auf Dinge hinweisen, die sie selbst nicht beachtet hätten. Dadurch entfällt ein langwieriger Einweisungsprozess und wir können direkt beginnen, Ergebnisse zu erzielen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen als inhabergeführte Food-Marketing-Agentur im stark umkämpften Markt und wie meistern Sie diese?

Budget ist in der aktuellen Situation ein omnipräsentes Thema. Auch wenn wir über viel Branchen Know-How verfügen: Zaubern können wir natürlich nicht. Das bedeutet, dass auch wir keine maximalen Ergebnisse mit minimalem Budget erzielen können. Wenn Marken nicht über einen gewissen Grundstock verfügen, der investiert werden kann, wird es schwierig.

Wie hilft Ihre vollständig remote aufgestellte Arbeitsweise dabei, trotz Fachkräftemangels bestmögliches Know-how ins Team zu holen?

Wir können dadurch die besten Köpfe für unser Team rekrutieren, und aus Erfahrung sind Mitarbeiter von Agenturen sehr erpicht darauf, mit maximaler Flexibilität zu arbeiten. Durch ein hybrides Team können wir die besten Welten aus remote und Face-to-Face-Arbeit miteinander verbinden und sind so für viele Mitarbeiter ein sehr attraktiver Arbeitgeber.

Was zeichnet die Zusammenarbeit mit den langjährig verbundenen freien Expertinnen und Experten aus und wie stärkt dieses Netzwerk die Qualität Ihrer Projekte?

Für Unternehmen mit kleineren Marketingteams zählt Expertise in diversen Bereichen. Durch unser langjährig erprobtes, branchenspezifisches Netzwerk können wir innerhalb kürzester Zeit die besten Experten für Projekte rekrutieren, selbst wenn wir das Know How mal nicht im internem Team abbilden können. Diese Vorarbeit und Selektion unsererseits ermöglicht unseren Kunden den Zugang zu echten Branchenspezialisten ohne große eigene Investments.

Wir bleiben ständig am Ball und bilden uns derzeit natürlich vor allem im Bereich KI weiter.

Wie gelingt es Ihnen, Marken sowohl strategisch als auch kreativ und im Handel zu stärken und warum ist dieser All-in-One-Ansatz für viele Kunden entscheidend?

Food & Beverage verkauft sich nicht ohne starkes Design. Deshalb sind wir vor allem in diesen Bereichen mit unseren Kollegen stark aufgestellt und können mit viel Erfahrung und Expertise agieren.

Welche Rolle spielen tiefgreifende Verbrauchertrends und rechtliche Vorgaben für Ihre tägliche Arbeit und wie fließen diese Erkenntnisse in die Markenführung ein?

Rechtliche Rahmenbedingungen zu kennen ist für unsere Arbeit essenziell. Auch wenn wir nicht rechtlich bindend beraten dürfen (das dürfen nur anwälte) und das Restrisiko immer beim Kunden bleibt, ist unser breites Know How immer sehr hilfreich, um die meisten Eventualitäten vorab zu beachten, von der Strategie über den Claim bis hin zu den Social Media Captions.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die eine spezialisierte Agentur in einem dynamischen Markt erfolgreich aufbauen wollen?

Branche kennen, wissen was die Marketingabteilungen dort brauchen und dann darauf zugeschnitten seinen Namen, seinen Fokus und seine Leistungsbereiche aufbauen. So, dass der „Kunde“ sieht, wie ihm geholfen wird und dass man die Branche wirklich verstanden hat.

Bild Katharina Wagner Fotocredit Spoonful

Wir bedanken uns bei Katharina Wagner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Personal Branding für Experten: Warum Sichtbarkeit allein keine Marke baut

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Branding für Personal und Marke im Expertenumfeld Kai Gerrit Krause

Personal Branding ist längst kein Trend mehr, sondern ein zentraler Baustein für den langfristigen Erfolg von Beratern, Dienstleistern und wissensbasierten Experten.Die gängige Vorstellung lautet: Wer regelmäßig Content veröffentlicht, eine klare Positionierung kommuniziert und eine „eigene Geschichte“ erzählt, baut automatisch eine starke Personenmarke auf. Doch genau daran scheitern viele. Nicht, weil diese Elemente falsch wären, sondern weil sie nur die Oberfläche darstellen.
Eine Expertenmarke entsteht nicht durch Ästhetik oder Aktivität. Sie entsteht durch Wahrnehmung. Und diese Wahrnehmung wird heute über mehrere Ebenen gleichzeitig gesteuert. Genau an diesem Punkt setzt ein neueres Verständnis von Personal Branding an, das immer mehr Relevanz gewinnt: der Gedanke, dass eine Marke als System funktioniert, nicht als Ansammlung von Einzelmaßnahmen.

Der Fehler: Personal Branding wird oft mit Marketing verwechselt

Viele Selbstständige sehen Personal Branding als eine Art visuelle Verpackung: Farben, Schriften, Storytelling, einheitliches Auftreten. Das Problem: Das erzeugt Konsistenz, aber keine Autorität.
Ein Beispiel: Wer sich selbst googelt und auf chaotische Social-Media-Profile, alte Interviewausschnitte, nicht gepflegte Webseiten oder widersprüchliche Positionierungen stößt, verliert Vertrauen. Unabhängig davon, wie professionell der Feed gestaltet ist.
Gerade im Expertenmarkt, in dem Vertrauen oft vor dem ersten Gespräch entschieden wird, ist die digitale Außenwirkung ein psychologischer Hebel. Ein potenzieller Kunde nimmt innerhalb weniger Sekunden wahr, ob jemand etabliert, gefragt oder relevant ist. Nicht, weil er tief recherchiert, sondern weil das erste Bild bereits entscheidet.
Eine starke Marke lebt nicht davon, was sie postet, sondern davon, wie man sie wahrnimmt.

Die unterschätzte Rolle der Produktarchitektur

Was viele Experten nicht sehen: Das Angebot selbst ist Teil der Marke.

  • Ein unscharfes Angebot wirkt wie eine unscharfe Marke.
  • Ein überladenes Portfolio signalisiert Unsicherheit.
  • Ein einziges hochwertiges Kernprodukt signalisiert Fokus, Exzellenz und Expertise.


Im klassischen Markenaufbau großer Unternehmen spielt das Produktdesign eine zentrale Rolle. Es ist nicht nur ein Wertschöpfungsinstrument – es ist ein Identitätsträger. Bei Personenmarken ist es nicht anders.
Gerade Berater und Dienstleister profitieren enorm davon, wenn ihr Produkt nicht nur „buchbar“, sondern unverwechselbar wirkt. Ein Experte, der ein klares, eigenständiges Format oder Leistungsmodell etabliert, baut automatisch mehr Wahrnehmungstiefe auf als jemand, der „Coaching“, „Beratung“ oder „Strategie“ verkauft.

Warum Testimonials helfen, aber nicht entscheidend sind

Die meisten Experten versuchen, sich über Social Proof zu positionieren. Testimonials, Fallstudien, Videoaussagen – all das kann Vertrauen stärken, ist aber nicht der eigentliche Faktor, der eine starke Marktposition erzeugt.
Der wirkliche Unterschied liegt in Prestige-Referenzen.
Ein einziger Kunde mit hoher Glaubwürdigkeit kann mehr bewegen als zehn normale positive Rezensionen. Menschen folgen Statussignalen. Das ist verhaltenspsychologisch gut belegt. Wenn ein Experte mit Branchenführern, bekannten Unternehmen oder öffentlich sichtbaren Persönlichkeiten zusammenarbeitet, entsteht ein Wahrnehmungseffekt, der sich kaum imitieren lässt.
Das bedeutet nicht, dass jeder sofort große Namen gewinnen muss. Aber es zeigt: Nicht die Anzahl der Testimonials zählt, sondern die Signalwirkung der richtigen Referenz.

Google, Glaubwürdigkeit & die Mechanik dahinter

Ein weiterer oft übersehener Punkt: Bevor jemand mit einem Experten spricht, googelt er ihn. Bewusst oder unbewusst.

  • Wie professionell wirken die Suchergebnisse?
  • Welche Artikel erscheinen?
  • Welche Fotos?
  • Welche Interviews?
  • Welche Plattformen nennen den Namen?

Selbst wenn die Social-Media-Präsenz aktiv ist, kann ein schlechter Google-Eindruck das komplette Vertrauen untergraben. Umgekehrt erzeugt ein starker Google-Eindruck einen Effekt, den man kaum über Social Media replizieren kann: substanzielle Glaubwürdigkeit.
Ein Experte, der in relevanten Kontexten erscheint – Magazine, Podcasts, Gastartikel, Buchverlage, Kongresse –, wird automatisch als vertrauenswürdiger eingestuft. Die digitale Psychologie dahinter: Menschen schließen von externen Quellen auf interne Kompetenz.

Vier Dimensionen im Personal Branding als System

In den letzten Jahren hat sich ein moderner Ansatz etabliert, der Personal Branding nicht als einzelne Maßnahme, sondern als strukturiertes System beschreibt. Ein inzwischen viel diskutiertes Framework dafür ist das sogenannte vierdimensionale System. Es geht davon aus, dass starke Expertenmarken auf vier Dimensionen beruhen, die gemeinsam Wahrnehmung, Vertrauen und Nachfrage beeinflussen.
Das Konzept dahinter ist, Branding nicht nur als Content-Disziplin zu sehen, sondern als strategisches Zusammenspiel aus psychologischen, digitalen und geschäftsmodellbezogenen Faktoren.
Für Experten bedeutet das:

Eine Marke ist kein Designprojekt und kein Social-Media-Projekt. Eine Marke ist ein System, das:

  • Vertrauen aufbaut, bevor man spricht
  • Nachfrage erzeugt, bevor man verkauft
  • und Autorität etabliert, bevor man sichtbar wird

Wer dieses System versteht, vermeidet den klassischen Fehler, immer mehr Content zu produzieren und trotzdem stagnierende Ergebnisse zu sehen.

Fazit: Expertenmarken entstehen im Kopf – nicht im Feed

Personal Branding ist heute kein Nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit. Doch wer es auf Content, Farben oder Persönlichkeitsstory reduziert, baut keine echte Marke auf, sondern eine Fassade.
Entscheidend sind:

  • ein klares Kernprodukt
  • ein glaubwürdiges digitales Bild (vor allem bei Google & KI)
  • starke Prestige-Referenzen
  • und ein System, das Wahrnehmung bewusst steuert

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Selbstständigen, die um Aufmerksamkeit kämpfen, und Experten, die Nachfrage aufbauen – selbst in gesättigten Märkten.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

SpaceTech Startups – die neue Gründungswelle im All

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SpaceTech Startups: New Space Economy und Raumfahrttechnologie Image by Mohamed Hassan from Pixabay

Was früher exklusiv für Regierungen und Raumfahrtagenturen war, ist heute ein Spielfeld für Gründer:innen und Investoren. Immer mehr junge Unternehmen erobern die Umlaufbahn – mit innovativen Technologien, neuen Geschäftsmodellen und enormem wirtschaftlichem Potenzial. SpaceTech Startups, die New Space Economy und moderne Raumfahrttechnologie prägen eine neue Ära: Das All wird zum Markt der Zukunft.

SpaceTech Startups – Innovation zwischen Erde und Orbit

Die SpaceTech Startups nutzen Technologie, um Raumfahrt effizienter, günstiger und zugänglicher zu machen. Sie entwickeln Satelliten, Trägersysteme, Datenplattformen oder Anwendungen, die weit über den Weltraum hinaus wirken.

Die junge Branche boomt: Allein in Europa sind laut ESA über 250 SpaceTech-Unternehmen aktiv, Tendenz steigend. Sie konzentrieren sich nicht nur auf Raketen und Missionen, sondern auf Daten, Kommunikation und Klimabeobachtung.

Ein Beispiel: Das deutsche Startup Isar Aerospace entwickelt Trägerraketen, die Satelliten ins All bringen – unabhängig von staatlichen Programmen. Ein anderes, OroraTech aus München, nutzt Satellitendaten, um Waldbrände weltweit in Echtzeit zu erkennen.

Diese SpaceTech Startups zeigen, dass Raumfahrt längst mehr ist als Forschung – sie ist Business mit globaler Relevanz.

New Space Economy – das All als Wirtschaftsfaktor

Die New Space Economy beschreibt den Übergang von staatlich dominierter Raumfahrt hin zu einem offenen, kommerziellen Markt. Private Unternehmen entwickeln, was früher Milliardenprojekte waren – schnell, effizient und kundenorientiert.

Der Weltraum wird dabei zum logischen nächsten Schritt der Digitalisierung. Satelliten liefern Daten für Navigation, Klima, Landwirtschaft oder Energieversorgung. Diese Informationen bilden die Grundlage für zahlreiche Geschäftsmodelle auf der Erde.

Allein der Markt für Erdbeobachtungsdaten soll bis 2030 auf über 15 Milliarden Dollar wachsen. Die New Space Economy ist damit nicht nur Hightech, sondern auch ein zentraler Wirtschaftszweig für Nachhaltigkeit, Sicherheit und Infrastruktur.

Raumfahrttechnologie – Hightech für eine nachhaltige Zukunft

Raumfahrttechnologie ist längst kein abgehobenes Thema mehr. Viele Innovationen, die ursprünglich für das All entwickelt wurden, finden Anwendung auf der Erde: von Materialien über Energiesysteme bis zu Sensortechnik.

Startups treiben diese Entwicklung aktiv voran. Sie arbeiten an Mikro-Satelliten, die günstiger und effizienter sind, oder an Software, die Satellitendaten für die Landwirtschaft, Energieplanung oder Katastrophenvorsorge nutzbar macht.

Diese Technologien helfen, Klimaveränderungen zu beobachten, Ressourcen besser zu managen und Krisen frühzeitig zu erkennen. SpaceTech Startups sind damit auch Akteure der Nachhaltigkeit.

Europas Aufbruch ins All

Europa hat in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Mit Initiativen wie der ESA Business Incubation und nationalen Förderprogrammen entstehen Netzwerke, die Gründer:innen im Bereich SpaceTech gezielt unterstützen.

Deutschland gilt mit Standorten wie München, Bremen und Augsburg als Hotspot. Hier entstehen Startups, die Satelliten bauen, Raketen testen oder Datenplattformen betreiben. Besonders stark wächst der Markt für Downstream-Anwendungen – also die Nutzung von Weltraumdaten für wirtschaftliche Zwecke auf der Erde.

Die New Space Economy in Europa wird damit zum Innovationsmotor für Energie, Mobilität, Klima und Kommunikation.

Herausforderungen der SpaceTech Startups

So groß das Potenzial, so anspruchsvoll die Realität: SpaceTech Startups stehen vor hohen Eintrittsbarrieren. Forschung, Materialentwicklung und Testverfahren sind teuer, und regulatorische Hürden komplex.

Hinzu kommt der Faktor Zeit – zwischen Idee, Bau und Start vergehen oft Jahre. Dennoch lohnt sich der Mut. Denn die Unternehmen, die heute in Orbittechnologien investieren, schaffen die Basis für ganze Industrien von morgen – von Weltraumlogistik bis Ressourcenmanagement.

Die Zukunft gehört jenen, die Technologie und Geduld vereinen.

Raumfahrttechnologie trifft Nachhaltigkeit und Datenintelligenz

Eine der spannendsten Entwicklungen liegt im Zusammenspiel von Raumfahrttechnologie und Datenanalyse. Satellitendaten liefern wertvolle Erkenntnisse über Klima, Energieverbrauch und Umweltveränderungen.

Startups nutzen KI, um diese Daten zu analysieren und nutzbar zu machen – etwa zur Optimierung von Lieferketten, zur Messung von CO₂-Emissionen oder zur Beobachtung von Naturkatastrophen.

So entsteht ein neuer Wirtschaftszweig, der Technologie, Verantwortung und Effizienz verbindet – ganz im Sinne einer nachhaltigen New Space Economy.

Fazit

Die SpaceTech Startups stehen für die nächste Evolutionsstufe des Unternehmertums: Sie denken nicht in Märkten, sondern in Planeten. New Space Economy und moderne Raumfahrttechnologie zeigen, wie Innovation den Himmel öffnet – und Lösungen für die Erde schafft.

Die Raumfahrt wird damit zur Bühne für Pioniergeist, Zusammenarbeit und nachhaltige Technologie. Was einst Science-Fiction war, ist heute Business – und die Sterne sind erst der Anfang.

Bild Image by Mohamed Hassan from Pixabay

Was braucht es wirklich, damit Laden weltweit störungsfrei funktioniert?

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Pionix EVerest Ladeinfrastruktur für zuverlässiges Laden Marco Möller Pionix Founder und CEO

Pionix entwickelt offene Softwarelösungen für die Ladeinfrastruktur und treibt mit EVerest eine gemeinsame technische Basis voran, die zuverlässiges und interoperables Laden weltweit ermöglichen soll

Wie ist Pionix entstanden und welche Erfahrungen bringt Gründer Marco Möller mit, um ein global relevantes EV-Tech-Unternehmen aufzubauen?

Pionix wurde 2021 von Marco Möller, Johanna Claussen und Cornelius Claussen gegründet. Von 2009-2016 hat das Gründerteam das Landvermessungs-Drohnen-Startup MAVinci gebootstrapped und dann schlussendlich an Intel verkauft. Nach dem Exit und drei Jahren bei Intel ist das Gründerteam eine kurze Zeit im Bereich Startup-As-A-Service aktiv gewesen, woraus auch die idee für Pionix entstand. Als Team haben sie erkannt, dass die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität ist. Das war der Startschuss für Pionix. Parallel sind die Pionix-Gründer als Business Angles investiert, unter anderem bei VetVise, Golfstrom, Resourcly und kausable.

Welche Vision verfolgt Pionix mit EVerest und wie wollen Sie die Mobilitätswende durch offene, interoperable Ladeinfrastruktur konkret beschleunigen?

Open-Source-Software ermöglicht Zuverlässigkeit und Interoperabilität beim Laden. EVerest schafft eine gemeinsame Basis, die Kompatibilitätsprobleme eliminiert und den Rollout von Ladeinfrastruktur sowie den Betrieb schneller, günstiger und verlässlicher macht.

Für wen sind Ihre Lösungen wie Pionix Cloud und ChargeBridge besonders relevant und wie lösen sie die alltäglichen Probleme von Herstellern, Betreibern oder Flotten?

Pionix Cloud ist unser Wartungs- und Überwachungstool für Unternehmen, das sichere Online-Updates, Ferndiagnosen und Einblicke in den Systemzustand bietet, um die Wartung der eingesetzten Ladegeräte effizienter zu gestalten. Unser Produkt ChargeBridge ist ein vorzertifiziertes Plug-and-Play-Hardwaremodul, das die Entwicklung und Integration von Ladesystemen vereinfacht indem es alles Nötige für einen Ladeport kapselt.

Was macht den Open-Source-Ansatz im EVerest-Stack so einzigartig und warum ist er der Schlüssel für zuverlässiges Laden weltweit?

Der Open-Source-Ansatz im EVerest-Stack bündelt die Ingenieurskunst und das Testen vieler Firmen in einem gemeinsamen Codefundament. Da inzwischen eine kritische Masse an Herstellern und Betreibern auf EVerest setzt, gibt es ein faktisches Referenzverhalten, auf das sich alle im Markt verlassen können. Das reduziert Testaufwand, verhindert Fragmentierung und macht Interoperabilität planbar. So entsteht ein kontinuierlich geprüfter, industriell gehärteter Baustein, der weltweit zuverlässiges Laden ermöglicht.

Wie gehen Sie mit den Herausforderungen einer fragmentierten Branche um, in der proprietäre Systeme häufig inkompatibel sind?

Wir begegnen der Fragmentierung, indem wir mit EVerest eine offene gemeinsame Basis schaffen, gegen die heute bereits viele Hersteller testen. Durch die erreichte kritische Masse entsteht ein klar definiertes Referenzverhalten, das Inkompatibilitäten reduziert und proprietäre Abweichungen sichtbar macht. Wir selbst testen kontinuierlich gegen zahlreiche Systeme im Markt, nehmen an Interoperabilitätsevents teil und nutzen automatisierte Zertifizierungstools. Dieser kollaborative Ansatz funktioniert wie ein technisches Crowdsourcing und sorgt dafür, dass Probleme früher gefunden und schneller behoben werden. So wächst die Zuverlässigkeit für alle Beteiligten.

Pionix hat mit EVerest eine der einflussreichsten Cleantech-Initiativen angestoßen. Wie verändert diese Plattform die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Betreibern und Automobilkonzernen?

EVerest führt zu höherer Qualität und Geschwindigkeit. Der gemeinsame Open-Source-Stack reduziert Duplizierung bei Software-Umgebungen und erlaubt schnellen Wissensaustausch. Dadurch entstehen standardisierte Integrationspfade statt Insellösungen. Auch erlaubt er vielen Herstellern schnellen kostenlosen Zugriff auf eine weit verbrertete Referenz einer Ladestation, was selbst Fahrzeuge und Abrechnungssysteme mittelfristig verbessert.

Welche Bedeutung hat die aktuelle Finanzierungsrunde für Ihre internationale Expansion und welche Märkte stehen für Sie im Vordergrund?

Mit der abgeschlossenen Finanzierungsrunde können wir unsere Enterprise-Lösungen weiter entwicklen und in anderen Ländern skalieren. Die Mobilitätswende ist eine globale Frage – dazu wollen wir in international Wachstumsregionen wie Nordamerika und Asien verstärkt Fuß fassen.

Wie möchten Sie Ihre Enterprise-Produkte weiterentwickeln, um Ausfälle beim Laden langfristig drastisch zu reduzieren?

Wir reduzieren Ladeausfälle, indem wir Enterprise-Funktionen aufbauen, die Fehler sehr früh erkennen und remote beheben können. Dazu gehören eine gemeinsame, kompatible und intensiv getestete Softwarebasis, Remote-Diagnose von Hardware und Software, stabile Over-the-Air Updates und perspektivisch KI-gestützte Predictive Maintenance. Mit ChargeBridge vereinfachen wir zusätzlich den Hardwareaufbau, machen Systeme modularer und reduzieren Softwarekomplexität, was die Wartung verkürzt und Fehlerquoten senkt. All das baut auf der Stärke der EVerest-Community auf, die bereits heute für eine extrem robuste Grundlage sorgt.

Was sind die wichtigsten technologischen und organisatorischen Schritte, um aus Pionix einen globalen Standardsetter im EV-Ladeökosystem zu machen?

Für uns geht es nicht um neue Standards, sondern um breite Nutzung einer gemeinsamen, zuverlässigen Softwarebasis. Die nächsten Schritte sind klar: wir bauen die EVerest-Community weiter aus, binden Ladestationsbetreiber viel stärker ein und wachsen gezielt in wichtigen Regionen wie Asien. Parallel sorgen wir dafür, dass mehr Kunden unsere Enterprise-Produkte einsetzen, wodurch EVerest im Markt noch sichtbarer und belastbarer wird.

Welche Rolle spielt der Standort Baden-Württemberg für Ihre Arbeit und welchen Einfluss hat das regionale Innovationsumfeld auf Ihre Entwicklung?

Baden-Württemberg bietet die Nähe zu Automobil- und Zuliefernetzwerken, Fachkräften und industriellem Know-how. Das ist ein idealer Standort für Kooperationen mit OEMs und Partnern.

Wie bereiten Sie sich darauf vor, dass in den kommenden Jahren eine noch engere Kooperation mit der globalen Open-Source-Community notwendig sein wird?

Mit der Linux Energy Foundation wird EVerest unabhängig betrieben. Als Pionix sind wir weiterhin ein wichtiger Treiber hinter der Initiative und werden auch zukünftig eng daran arbeiten. Vorallem das Erweitern der Community über Hersteller hinaus hin zu Betreibern ist ein wichtiger Schritt.

Welche drei Ratschläge geben Sie anderen Gründerinnen und Gründern, die Impact-Technologie skalieren und gleichzeitig eine Branche grundlegend verändern möchten?

Bedeutende Ideen erfordern oft viel Unterstützung und Zustimmung von anderen. Erstens: Verbreite daher deine Ideen unermüdlich und so weit wie möglich. Zweitens: Denke bei Gegenwind daran, dass Veränderungen nicht ohne ein wenig Widerstand geschehen. Drittens: Gib dich niemals mit einem Nein zufrieden, da beginnen Verhandlungen erst.

Bild Fotocredit Pionix

Wir bedanken uns bei Marco Möller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie weit kann KI gehen, ohne dass wir die Kontrolle verlieren?

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99BOTS Unternehmen KI für sichere Automatisierung Stephan Doll CEO 99BOTS

99BOTS entwickelt KI-Agenten, die komplexe Unternehmensprozesse vollständig automatisieren und dabei maximale Prozesssicherheit gewährleisten

Wie ist 99BOTS entstanden und welche Erfahrungen und Kompetenzen bringen Sie und Ihr Team in die Entwicklung von PULSE DeepConnect ein?

99BOTS ist aus der Überzeugung entstanden, dass es in der KI-Automatisierung eine Lücke gibt: Wir brauchen Lösungen, die nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern Aufgaben revisionssicher, tiefgreifend und End-To-End abarbeiten. Meine Mitgründer Susanne Herr, Sebastian Jansen, Florian Lisker und ich bringen zusammen mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Tech-Lösungen in der Finanzbranche mit, unter anderem beim Marktführer in der bAV-Administration, Lurse. Unser Team vereint diese tiefe Prozess- und Branchenexpertise mit fortschrittlichster KI-Technologie, um intelligente Automatisierung zu schaffen, die wirklich in die komplexen Systemlandschaften unserer Kunden passt.

Welche Vision verfolgt 99BOTS im Hinblick auf digitale Souveränität und wie soll diese Vision mit PULSE DeepConnect Schritt für Schritt erreicht werden?

Unsere Vision ist klar: Wir wollen dem übermächtigen US-Markt im Bereich der Künstlichen Intelligenz eine starke, prozesssichere europäische Lösung entgegensetzen. Digitale Souveränität ist für uns nicht nur ein Schlagwort, sondern absolut notwendig.
Unsere Architektur ist bewusst nicht an ein einzelnes KI-Modell gekoppelt. Für Unternehmen ist das entscheidend, weil sich KI-Modelle heute in rasantem Tempo weiterentwickeln: Ein Modell, wie zum Beispiel GPT, BERT oder Gemini, kann morgen teurer werden, Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen, eingestellt oder von einem besseren Modell überholt werden. Wer dann an ein bestimmtes Modell gebunden ist, verliert technische Handlungsfähigkeit – und oft auch Geld.
Modellgebundene Agenten-Frameworks schließen echte Wahlfreiheit praktisch aus: Sie zwingen Unternehmen, alle Prozesse, Schnittstellen und Agentenlogiken an genau ein Modell zu knüpfen. Ein Wechsel wäre dann so aufwendig, als würde man das Fundament eines Hauses austauschen müssen. Genau dieses Risiko eliminieren wir.

Mit unserer modellunabhängigen Architektur können Unternehmen jederzeit auf das Modell umsteigen, das für sie gerade am sichersten, leistungsfähigsten oder wirtschaftlichsten ist – ohne ihre Prozesse neu bauen zu müssen. Diese Freiheit schützt Investitionen und stärkt die digitale Unabhängigkeit in Europa.

Für welche Unternehmen ist eine prozesssichere Conversion AI besonders relevant und wie adressiert Ihre Lösung die größten Bedürfnisse dieser Zielgruppen?

Eine prozesssichere Conversion AI ist besonders relevant für Unternehmen in regulierten oder sensiblen Bereichen wie Versicherungen, Finanzdienstleistung, Gesundheitswesen, Sozialträgern, öffentlicher Verwaltung oder Industrie – kurz: in stark regulierten Branchen. Dort sind Fehler oder die typischen „Halluzinationen“ klassischer KI nicht nur lästig, sondern ein Compliance-Risiko. PULSE DeepConnect löst genau dieses Problem, indem es moderne KI mit klaren, regelbasierten Leitplanken kombiniert. Jede Entscheidung bleibt nachvollziehbar, revisionssicher und DSGVO-konform – ohne den Automatisierungsgrad zu begrenzen. So können Unternehmen komplexe Anliegen nicht nur beantworten, sondern vollständig und regelkonform erledigen. Damit erfüllt PULSE DeepConnect das wichtigste Bedürfnis dieser Zielgruppen: maximale Automatisierung bei voller Kontrolle und ohne regulatorische Risiken.

Was macht PULSE DeepConnect im Vergleich zu herkömmlichen Chatbots oder Standard-LLMs so grundlegend anders und warum ist dieser Ansatz gerade für regulierte Branchen entscheidend?

Der grundlegende Unterschied liegt in der Zielsetzung: Dass Gespräche mit KI hundertprozentig menschlich wirken – ist für uns nicht entscheidend, wir wollen Ergebnisse erzielen, die Menschen wirklich weiterbringen. Konventionelle Chatbots bleiben in 90 Prozent der Fälle an der Oberfläche. PULSE DeepConnect hingegen überträgt die Denk- und Handlungskompetenz des besten menschlichen Agenten in die digitale Welt. Gerade für regulierte Branchen ist das entscheidend, weil unser Ansatz Compliance-Gefahren durch Halluzinationen und mangelnde Revisionssicherheit von Standard-Agenten konsequent vermeidet.

Wie gelingt es Ihnen, komplexe Kundenprozesse revisionssicher und vollständig automatisiert abzubilden, ohne die Kontrolle über sensible Daten aus der Hand zu geben?

Unsere Architektur setzt klare Leitplanken: Der Agent bewegt sich frei innerhalb dieser definierten Rahmen, trifft eigene Entscheidungen, besorgt Informationen, stellt Rückfragen und liefert Ergebnisse, steuert den Kommunikationsprozess – aber nur dann, wenn sie den vorgegebenen Strukturen entsprechen. So bleibt die Automatisierung flexibel, zuverlässig und jederzeit unter voller Kontrolle unserer Kunden.

Mit welchen technischen oder regulatorischen Herausforderungen sehen Sie sich als deutsches KI-Unternehmen konfrontiert und wie begegnet 99BOTS diesen Hürden?

Als deutsches KI-Unternehmen sehen wir die hohen regulatorischen Anforderungen – besonders in Bezug auf Datenschutz und Prozesssicherheit – nicht als Hürde, sondern als unser Fundament. Wir begegnen diesen Herausforderungen, indem wir bewusst eine prozesssichere, DSGVO- und AI-Act-konforme europäische Lösung schaffen. Damit positionieren wir uns als Gegengewicht zum oft intransparenten US-Markt, indem wir die Prinzipien der digitalen Souveränität und Sicherheit in den Vordergrund stellen.

Welche Rolle spielt Ihre modellunabhängige Architektur im Hinblick auf digitale Unabhängigkeit und warum ist dieser Punkt für viele Unternehmen heute so wichtig?

Die modell-dynamische Architektur ist der Schlüssel zur digitalen Unabhängigkeit. Sie erlaubt es PULSE DeepConnect, zum einen flexibel zwischen verschiedenen KI-Modellen zu wechseln oder überlässt es dem Kunden, gezielt Modelle auszuwählen . Das ist heute so wichtig, weil es sich kein Unternehmen leisten kann, von einem einzigen Technologieanbieter abhängig zu sein, dessen Strategie sich jederzeit über Nacht ändern kann. Wir bieten damit langfristige Investitionssicherheit und echte Entscheidungsfreiheit bei der Wahl der besten Technologie.

Wie verändern Lösungen wie PULSE DeepConnect die Zusammenarbeit zwischen Teams und KI-Agenten und welches Entlastungspotenzial sehen Sie bereits in der Praxis?

Wir sehen eine fundamentale Veränderung: PULSE DeepConnect ist nicht nur ein Tool, sondern ein echter KI-Agent, der die Kompetenz des besten menschlichen Mitarbeitenden digitalisiert. Das bedeutet enorme Entlastung. In Tests konnten wir zeigen, dass unsere Kunden bis zu 80 Prozent ihrer Routineaufgaben End-to-End auf einen Agenten auslagern können. Das schafft Entlastung, steigert die Effizienz und verschafft Teams den notwendigen Vorsprung, um sich auf wertschöpfendere Tätigkeiten zu konzentrieren.

Welche Pläne verfolgen Sie für die Weiterentwicklung Ihrer KI-Agenten. Besonders im Hinblick darauf, dass in Zukunft KI-Systeme direkt miteinander kommunizieren sollen?

Wir verstehen uns als Wegbereiter der nächsten Stufe der Automatisierung: der Agent-to-Agent-Kommunikation. Schon heute lassen wir PULSE DC-Agenten in komplexen Prozessen miteinander sprechen, Informationen austauschen und Abläufe eigenständig koordinieren. Und genau darauf bauen wir weiter auf.

Unsere Vision: In wenigen Jahren werden KI-Agenten und persönliche KI – Assistenten direkt miteinander verhandeln, sich abstimmen und ganze Prozessketten autonom steuern. Mit dem PULSE ECOSYSTEM schaffen wir schon jetzt die technologische Basis, die die Zukunft der KI-Kommunikation möglich macht. Wir bieten die Technologie für Unternehmen, die sich auf das „Internet der Ergebnisse“ vorbereiten wollen.

Welche Bedeutung hat „Made in Germany“ für Ihre Technologie und wie positioniert sich 99BOTS damit im Wettbewerb gegenüber US-Anbietern?

Deutsche Unternehmen wollen die Flexibilität moderner KI-Agenten – aber mit der Verlässlichkeit und Kontrolle klassischer, regelbasierter Systeme. Genau dafür steht unser Ansatz. „Made in Germany“ bedeutet für uns: höchste Ansprüche an Prozesssicherheit, Datenschutz und nachvollziehbare Entscheidungen.

Damit positionieren wir uns bewusst als europäische Alternative zu US-Anbietern: technologisch auf Augenhöhe, aber mit dem zusätzlichen Mehrwert von Compliance, Souveränität und einem KI-Framework, das die Anforderungen regulierter Branchen wirklich versteht.

Wohin soll sich 99BOTS in den kommenden Jahren entwickeln und welche Ziele setzen Sie sich für die Skalierung Ihrer Lösung im Markt?

Unser Ziel ist es, das PULSE ECOSYSTEM weiter zu skalieren und unsere modularen Agenten tief in die spezifischen Systemlandschaften und regulatorischen Rahmenbedingungen von Unternehmen zu integrieren, um administrativen Aufwand massiv zu reduzieren und operative Exzellenz zu garantieren.

Welche drei Ratschläge möchten Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ebenfalls ein technologisch anspruchsvolles Produkt in einem regulierten Umfeld aufbauen wollen?

  1. Holt euch Leute aus der Branche ins Team.
    Wer die Prozesse nicht versteht, baut am Markt vorbei. In regulierten Umfeldern ist Branchenwissen der größte Hebel.
  2. Fancyness reicht nicht – KI braucht klare Leitplanken.
    Schicke Demos beeindrucken kurz, aber Unternehmen brauchen Verlässlichkeit. KI darf kreativ sein, aber immer entlang definierter Regeln und Strukturen.
  3. Gebt euren Kunden die Kontrolle zurück.
    Regulierte Branchen akzeptieren meist nur Technologien, die sie steuern können. Baut Systeme, bei denen der Kunde jederzeit weiß, was passiert – und warum.

Bild @privat

Wir bedanken uns bei Stephan Döll für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Können Daten am Point of Sale den Unterschied zwischen Erfolg und Stillstand machen?

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anybill Händler Daten am Point of Sale neu gedacht anybill ceo lea frank

anybill entwickelt digitale Lösungen für den Handel und zeigt mit Purchase Intelligence, wie Händler ihre Kassendaten erstmals einfach und unmittelbar für bessere Entscheidungen nutzen können

Wie kam es zur Entwicklung von Purchase Intelligence, und was war der Auslöser, diese KI-basierte Erweiterung für die anybill Plattform zu schaffen?

Viele Händler verfügen über detaillierte Kassendaten, nutzen sie aber kaum für Entscheidungen im Tagesgeschäft. Anders als im E-Commerce fehlt im stationären Handel oft der direkte Zugang zu strukturierten Kunden- und Warenkorbdaten und Datenanalyse ist entweder zu komplex oder organisatorisch nicht abbildbar. Purchase Intelligence entstand deshalb aus der Frage: Wie können wir datenbasierte Entscheidungen so einfach machen wie im Onlinehandel – und das direkt am Point of Sale? Ausgehend von dieser Herausforderung haben wir eine Lösung entwickelt, die die vorhandenen Belegdaten nutzbar macht, automatisiert auswertet und Handlungsempfehlungen in Echtzeit bereitstellt.

Welche konkreten Herausforderungen im stationären Handel wollten Sie mit Purchase Intelligence lösen?

Im stationären Handel sehen wir immer wieder drei strukturelle Herausforderungen. Erstens: Händler sitzen auf vielen Kassendaten, die aber unstrukturiert vorliegen. Es fehlt zum Teil an einheitlichen Formaten, klaren Kategorien und oft sogar am Zugang – die Daten sind zwar da, aber praktisch kaum nutzbar. Zweitens und viel wichtiger: Die Auswertung ist komplex. Viele Entscheidungen entstehen aus Erfahrung, weil Zeit, Ressourcen oder Data-Science-Know-how fehlen. Selbst größere Händler arbeiten häufig mit Insellösungen oder manuellen Excel-Auswertungen. Drittens: Geschwindigkeit. Handel ist ein Tagesgeschäft, in dem sich Absatzentwicklungen schnell ändern. Klassische Analyseprozesse können diese Dynamik nicht abbilden.

Wie funktioniert die Verbindung zwischen digitalen Kassenbelegen und datengetriebenen Handlungsempfehlungen in der Praxis?

Digitale Belege werden von der Plattform automatisiert eingelesen und in strukturierte Warenkorbdaten umgewandelt. Machine-Learning-Modelle erkennen Muster – etwa Veränderungen im Kaufverhalten oder auffällige Absatzentwicklungen. Auf dieser Basis generiert Purchase Intelligence konkrete Empfehlungen, zum Beispiel Preis- oder Sortimentsanpassungen, passende Promoformate oder Potenziale für Bundles. Über den digitalen Beleg können Aktionen bei Bedarf sogar direkt an Kund:innen ausgespielt werden.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Lösung von klassischen Data-Analytics-Tools, die bereits im Handel eingesetzt werden?

Die gängigen Analyse-Tools setzen voraus, dass Händler eigene Datenexperten haben. Das ist im Alltag selten der Fall. Purchase Intelligence verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Die Daten werden automatisch bereinigt und statt komplexer Dashboards erhalten Händler konkrete, umsetzbare Empfehlungen in Echtzeit. Was uns ebenfalls unterscheidet, ist die direkte Aktivierung am Point of Sale: Erkenntnisse können sofort über den digitalen Beleg ausgespielt werden. Und mit der Chatfunktion können Händler ihre Daten in natürlicher Sprache abfragen, ohne Reports oder Analysewissen zu benötigen. So wird Datenanalyse für Händler jeder Größe nutzbar – auch für diejenigen, die bisher ohne eigene Analytics gearbeitet haben.

Wie stellt anybill sicher, dass die erhobenen und analysierten Daten DSGVO-konform und sicher verarbeitet werden?

Alle Daten werden auf Servern mit deutschem Standort verarbeitet und sind vollständig DSGVO-konform. Standardmäßig nutzen wir anonymisierte Warenkorbdaten. Personenbezug entsteht nur, wenn Händler das explizit wünschen und entsprechende Einwilligungen vorliegen.

Welche Rolle spielt Agentic AI in Ihrem System und wie trägt sie zur Verbesserung der Datenqualität bei?

Agentic AI sorgt bei Purchase Intelligence dafür, dass mehrere spezialisierte KI-Agents parallel an den Daten arbeiten, sich gegenseitig prüfen und dadurch die Qualität der Empfehlungen erhöhen. Sie erkennen automatisch, welche Maßnahmen für Händler sinnvoll sind, und können deren Wirkung bewerten oder bei Bedarf eigenständig anstoßen – immer mit einem Human-in-the-Loop für sensible Entscheidungen. So entsteht ein System, das kontinuierlich dazulernt und bessere Entscheidungen ermöglicht.

Wie nutzen Händler die Chatfunktion von Purchase Intelligence – und welche Vorteile bietet die Interaktion in natürlicher Sprache?

Händler gehen mit sehr konkreten Fragen in Analysen, zum Beispiel: ‚Wie wirkt sich diese Aktion aus?‘ oder ‚Welche Warengruppe entwickelt sich gerade ungewöhnlich?‘ Genau das können sie jetzt bei Chat with your Data eintippen und bekommen die Antwort sofort ohne Reports, Excel oder sonstigen Analyseaufwand. Die Ergebnisse werden direkt auf Basis bereits aufbereiteter Daten verständlich zurückgegeben, ähnlich wie bei ChatGPT, aber mit direktem Zugriff auf die eigenen Retail-Daten.

Was bedeutet die Einführung von Purchase Intelligence für Ihre Kunden, insbesondere für kleinere Händler, die bisher kaum Zugang zu datengetriebenen Entscheidungen hatten?

Gerade kleinere Händler erhalten durch Purchase Intelligence erstmals Zugang zu datenbasierten Insights, die bisher großen Handelsketten vorbehalten waren ohne dafür eigenes Personal einstellen zu müssen. Sie können schneller reagieren, Sortimente laufend optimieren und Marketingaktionen datenbasiert planen. Das kann im Wettbewerb einen echten Unterschied machen.

Welche Ergebnisse konnten erste Partner wie HOYER bereits durch den Einsatz Ihrer Lösung erzielen?

HOYER berichtet, dass mit Purchase Intelligence erstmals klar sichtbar wurde, wo und wie sich Kundenverhalten verändert und wie sich Produktabsätze entwickeln. Das spart Zeit und führt zu klareren Entscheidungen. Die Rückmeldungen zu Purchase Intelligence sind sehr positiv, weil die Handlungsempfehlungen konkret, verständlich und sofort umsetzbar sind.

Wie sehen Sie die Zukunft des stationären Handels im Zusammenspiel von KI, Datenanalyse und Kundenerlebnis am Point of Sale?

Der stationäre Handel wird in den nächsten Jahren datengetrieben arbeiten – genau wie der E-Commerce es heute schon tut. KI wird helfen, Sortimente dynamischer zu steuern, Preise gezielter anzupassen, Warenkörbe besser zu verstehen und Kund:innen relevanter anzusprechen. Der Point of Sale wird zu einem digitalen Touchpoint, an dem Analyse und Aktivierung zusammenfließen.

Welche neuen Geschäftsfelder oder Funktionen planen Sie künftig, um das anybill Ökosystem weiter auszubauen?

Wir arbeiten daran, die Verzahnung zwischen Datenanalyse, Retail Media und Loyalty weiter zu vertiefen. Zukünftige Funktionen werden darauf abzielen, Kampagnen stärker zu automatisieren, KI-basierte Vorhersagen auszubauen und Händler-Apps, Wallets sowie Loyalty-Systeme noch nahtloser einzubinden. Der digitale Beleg entwickelt sich damit zunehmend zu einer vollwertigen Kommunikations- und Datenbasis im Handel.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern raten, die ein technologisches Produkt entwickeln, das tief in bestehende Geschäftsprozesse integriert werden soll?

Man sollte sich immer am tatsächlichen Problem orientieren statt an der Technologie. Die technologische Tiefe darf da sein, gleichzeitig ist es wichtig, für Anwender die Komplexität zu reduzieren – besonders wenn man in bestehende Systeme integriert. Dieser Punkt ist wichtig, denn je leichter sich eine Lösung in bestehende Systeme einfügt, desto höher ist die Akzeptanz im Markt. Und: Früh mit echten Nutzer:innen arbeiten. Bedürfnisse und Prozesse sehen im Alltag oft anders aus als in der Produktidee und das beste Produkt entsteht selten im Konferenzraum, sondern im Austausch mit denjenigen, die es später verwenden.

Bild Fotocredit © anybill GmbH

Wir bedanken uns bei Lea Frank für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Corporate Innovation – warum Konzerne Startups brauchen (und umgekehrt)

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Corporate Innovation: Startup Kooperation und Innovationskultur

Innovation entsteht dort, wo Unterschiedliches aufeinandertrifft. Während Startups Geschwindigkeit, Mut und frische Ideen mitbringen, verfügen Konzerne über Kapital, Strukturen und Marktkenntnis. Corporate Innovation, strategische Startup Kooperation und gelebte Innovationskultur zeigen, dass Zukunft heute gemeinsam gestaltet wird – nicht im Alleingang.

Corporate Innovation – das neue Zusammenspiel von Agilität und Struktur

In der klassischen Wirtschaft waren Konzerne die Innovationsmotoren. Heute hat sich das Bild gewandelt: Große Unternehmen tun sich schwer, mit der Dynamik junger Märkte Schritt zu halten. Genau hier setzt Corporate Innovation an – sie verbindet die Innovationskraft von Startups mit der Stabilität etablierter Unternehmen.

Viele Konzerne haben erkannt, dass bahnbrechende Ideen selten in Vorstandsetagen entstehen. Stattdessen entstehen sie dort, wo Gründergeist auf Ressourcen trifft. Innovationsprogramme, Corporate Accelerators oder Venture Studios schaffen dafür die Plattform.

Ein Beispiel: BMW und Lufthansa arbeiten mit Startups zusammen, um nachhaltige Materialien und neue Mobilitätslösungen zu entwickeln. Diese Form der Corporate Innovation sorgt für gegenseitiges Lernen – und für Lösungen, die ohne Partnerschaft undenkbar wären.

Startup Kooperation – der Brückenschlag zwischen Welten

Startup Kooperation bedeutet, zwei völlig unterschiedliche Kulturen zusammenzubringen: die agile, experimentierfreudige Welt der Gründer:innen und die strukturierte, prozessorientierte Welt der Corporates.

Das gelingt nur, wenn beide Seiten verstehen, was sie voneinander lernen können. Startups profitieren von Reichweite, Kapital und Produktionskapazitäten, während Konzerne durch Kooperationen Zugang zu neuen Technologien und Denkweisen erhalten.

Diese Zusammenarbeit kann unterschiedlich aussehen – von gemeinsamen Pilotprojekten über Joint Ventures bis hin zu Corporate Investments. Wichtig ist: Beide Seiten müssen auf Augenhöhe agieren. Nur dann wird aus einer Partnerschaft eine echte Allianz.

Ein Beispiel: Das Chemieunternehmen BASF arbeitet mit Startups im Bereich nachhaltiger Materialien zusammen. Das ermöglicht es, Innovationen schneller in den Markt zu bringen und gleichzeitig das eigene Portfolio zu modernisieren.

Innovationskultur – der entscheidende Erfolgsfaktor

Innovationskultur ist der Schlüssel, um Kooperationen zwischen Startups und Konzernen erfolgreich zu gestalten. Sie beschreibt, wie offen ein Unternehmen für neue Ideen, Experimente und Fehler ist.

In Startups ist diese Kultur meist Teil der DNA – man testet, scheitert und lernt schnell. Konzerne hingegen müssen diese Haltung oft erst erlernen. Hier helfen Programme, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit fördern und Experimente zulassen.

Führung spielt dabei eine zentrale Rolle. Manager:innen, die Vertrauen schaffen und Fehler als Lernchance sehen, ermöglichen echte Innovation. Corporate Innovation funktioniert nur, wenn Kultur und Struktur zusammenpassen.

Unternehmen, die Offenheit fördern, ziehen kreative Köpfe an – und bleiben langfristig wettbewerbsfähig.

Warum Startups Konzerne brauchen

Auch wenn Startups oft als David gegen Goliath auftreten, profitieren sie enorm von Kooperationen mit großen Partnern. Kapital, Erfahrung und Netzwerke sind entscheidende Hebel, um Ideen zu skalieren.

Gerade in regulierten Branchen wie Energie, Gesundheit oder Mobilität kann eine Startup Kooperation der Türöffner sein, um schnell Marktzugang zu erhalten. Außerdem können Startups durch Kooperationen ihre Geschäftsmodelle testen und professionalisieren.

Die Kunst liegt darin, flexibel zu bleiben, ohne die eigene Vision aufzugeben. Erfolgreiche Gründer:innen sehen Partnerschaften nicht als Abhängigkeit, sondern als strategische Erweiterung.

Warum Konzerne Startups brauchen

Auf der anderen Seite brauchen Konzerne den Spirit junger Gründer:innen. In einer Welt, die sich täglich verändert, ist Anpassungsfähigkeit wichtiger als Größe. Startups bringen genau das mit: Geschwindigkeit, Neugier und Mut zur Lücke.

Corporate Innovation ist deshalb kein Marketingbegriff, sondern Überlebensstrategie. Unternehmen, die sich nicht permanent erneuern, verlieren Anschluss. Startups sind für sie Ideengeber, Katalysatoren und manchmal auch Stachel im System.

Ein gutes Beispiel ist Siemens mit seiner Plattform „Next47“, die gezielt in Startups investiert, um disruptive Technologien frühzeitig zu fördern. So entsteht ein Kreislauf aus Wissen, Kapital und Kreativität.

Innovationskultur als gemeinsame Sprache

Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es eine gemeinsame Sprache: Vertrauen, Transparenz und klare Ziele. Innovationskultur bedeutet, Hierarchien aufzubrechen und Raum für Experimente zu schaffen – unabhängig von Unternehmensgröße.

Erfolgreiche Kooperationen entstehen dort, wo beide Seiten lernen wollen. Startups profitieren von Strukturen, Corporates von Flexibilität. Das Ergebnis: Innovation, die skaliert.

Fazit

Die Zukunft der Wirtschaft entsteht im Zusammenspiel von Agilität und Erfahrung. Corporate Innovation, strategische Startup Kooperation und eine offene Innovationskultur sind die Grundlage dafür.

Wer gemeinsam denkt, wächst nachhaltiger. Denn echte Innovation entsteht nicht durch Konkurrenz, sondern durch Kooperation – und durch den Mut, gemeinsam Neues zu wagen.

Bild @pixabay.com

How to EnergyTech: Wie man erfolgreiches Wachstum auf dem deutschen Energiemarkt erzielt

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Energiemarkt verstehen für nachhaltigen Startup Erfolg Jan Lozek Autor Fotograf Moritz Leisen

Wer heute ein Start-up im Energiesektor gründet

Wer heute ein Start-up im Energiesektor gründet, verfolgt meist eine große Vision. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, sondern um Wirkung, um Klimaschutz und um die Zukunft unseres Energiesystems. Kaum ein anderer Markt vereint technologische Innovation, gesellschaftliche Verantwortung und politische Dynamik so stark wie der Energiesektor. Doch wer hier bestehen will, merkt schnell, dass andere Regeln gelten.

Der deutsche Energiemarkt ist stabil und verlässlich, zugleich aber streng reguliert. Entscheidungen dauern länger, Prozesse sind komplex und Vertrauen wiegt mehr als Geschwindigkeit. Für Gründer*innen bedeutet das: Erfolg entsteht nicht durch Disruption, sondern durch ein tiefes Verständnis des Systems.

Ich habe in den letzten Jahren viele Gründer*innen auf ihrem Weg begleitet. Manche konnten innerhalb weniger Jahre wachsen, andere sind früh ins Straucheln geraten. Der Unterschied lag selten in der Technologie. Es waren meist die, die das System verstanden, die langfristig Erfolg hatten.

„Im Energiemarkt gewinnt, wer das System wirklich versteht und es mit Geduld verändert.“

Der lange Atem

Einer der größten Stolpersteine im Energiemarkt ist das Thema Zeit. Stadtwerke, Netzbetreiberinnen und kommunale Auftraggeberinnen arbeiten in Zyklen, die auf Jahre ausgelegt sind. Wer glaubt, in wenigen Monaten ein Produkt großflächig verkaufen zu können, unterschätzt die Realität.

Doch genau darin liegt auch eine Chance. Wer früh mit den relevanten Akteurinnen spricht, regulatorische Prozesse versteht und erste Pilotprojekte realisiert, baut Vertrauen auf, das Bestand hat. Erfolgreiche Gründerinnen betrachten ihren Markteintritt nicht als Sprint, sondern als Langstrecke mit Etappen, Partner*innen und klaren Meilensteinen.

Gerade weil der Markt träge wirkt, entstehen Vorteile für Start-ups, die strategisch denken. Wer weiß, wie Genehmigungen, Ausschreibungen und Netzanschlüsse ablaufen, kann Risiken früh erkennen und umgehen. Erfolg bedeutet hier nicht, gegen das System anzukämpfen, sondern sich im richtigen Moment einzufügen und es von innen heraus zu verbessern.

„Vertrauen entsteht im Energiemarkt nicht durch Tempo, sondern durch Verlässlichkeit und Beständigkeit.“

Warum interdisziplinäre Teams entscheidend sind

Technologie ist das Rückgrat vieler Energy Tech Start-ups, aber nicht ihre Seele. Zu oft bestehen Teams fast ausschließlich aus Ingenieurinnen und Entwicklerinnen, die sich intensiv mit der technischen Lösung befassen, jedoch die Dynamik des Marktes unterschätzen. Erfolgreiche Start-ups setzen deshalb auf interdisziplinäre Teams, in denen technisches, wirtschaftliches und politisches Know-how vereint ist.

Gründer*innen, die sich früh Expertise in Regulierungsfragen, Vertrieb und Finanzierung sichern, verschaffen sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Sie verstehen, wie Förderprogramme funktionieren, wie politische Entscheidungen entstehen und wie Innovationen in bestehende Strukturen integriert werden können.

Diese Vielfalt ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wenn ein Team die Sprache von Investorinnen ebenso spricht wie die von Behörden oder Energieversorger:innen, entsteht eine Brücke zwischen Technologie, Markt und Gesellschaft. Und genau diese Brücken sind im Energiesektor der Schlüssel zum Wachstum.

„Die besten Teams verbinden Technik, Marktverständnis und Politik zu einer gemeinsamen Sprache des Fortschritts.“

Die Cap Table als strategisches Werkzeug

In kaum einem Bereich ist die Wahl der Investorinnen so entscheidend wie im Energiemarkt. Kapital ist wichtig, aber nicht ausreichend. Entscheidend sind die Netzwerke, die Erfahrung und der Zugang zum Markt, den Investorinnen mitbringen.

Start-ups, die ihre Cap Table bewusst gestalten, holen sich Partner:innen an Bord, die mehr als Geld bieten. Energieversorger:innen, Industrieunternehmen oder spezialisierte Fonds bringen Marktkenntnis, strategische Kontakte und operative Unterstützung in Pilotprojekten ein. Sie öffnen Türen, die allein oft verschlossen blieben.

Dabei ist nicht jede Finanzierung ein Fortschritt. Die besten Gründer:innen achten darauf, dass ihre Investor:innen dieselbe Vision teilen: nachhaltiges Wachstum statt kurzfristiger Profit. Eine klar strukturierte Cap Table mit transparenten Rollen und Verantwortlichkeiten schafft Vertrauen und legt die Basis für langfristige Stabilität.

„Kapital ist wichtig, doch der wahre Wert eines Investors liegt in Erfahrung, Zugang und gemeinsamen Zielen.“

System Impact belegen

Im Energiemarkt reicht es nicht, ein gutes Produkt zu haben. Entscheidend ist, welchen Beitrag es tatsächlich leistet. Start-ups müssen nachweisen können, wie ihre Technologie das Energiesystem dekarbonisiert, effizienter macht oder stabilisiert. Dafür braucht es klare Kennzahlen, Pilotprojekte mit Ergebnissen und belastbare Daten.

Unternehmen, die ihren Einfluss präzise belegen können, gewinnen schneller Vertrauen, bei Kund:innen ebenso wie bei Partner:innen und Investor:innen. Im Energiesystem zählt Glaubwürdigkeit, nicht Lautstärke. Greenwashing wird hier sofort erkannt. Wer seinen Carbon ROI belegen kann, überzeugt mit Fakten statt mit Versprechen.

„Im Energiesektor überzeugt nicht, wer am lautesten wirbt, sondern wer Wirkung sichtbar macht und Vertrauen verdient.“

Zukunft gestalten

Trotz aller Herausforderungen lohnt sich der Weg. Der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien hat ein Rekordtempo erreicht. Laut der Internationalen Energieagentur wird sich die installierte Leistung aus erneuerbaren Quellen bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Diese Entwicklung wird vor allem durch Solarenergie getragen, findet jedoch in einem Umfeld statt, das von Lieferkettenproblemen, finanziellen Engpässen und regulatorischen Hürden geprägt ist.

Auch die Internationale Agentur für erneuerbare Energien zeigt, dass das Tempo noch nicht ausreicht, um die globalen Ziele zu erreichen. 2024 wurden weltweit rund 582 Gigawatt an erneuerbarer Leistung installiert. Um die auf der Uno-Klimakonferenz von Dubai vereinbarte Verdreifachung bis 2030 zu schaffen, wären jährlich über 1100 Gigawatt nötig. Trotzdem wächst das Vertrauen in die Zukunft des Sektors. Immer mehr Investitionen fließen in nachhaltige Technologien, und jedes Jahr entstehen neue Geschäftsmodelle, die Effizienz, Digitalisierung und Klimaschutz verbinden.

Für Gründer:innen bedeutet das: Der Weg mag lang und anspruchsvoll sein, aber er führt in eine Zukunft mit enormem Potenzial. Der Energiemarkt ist kein Ort für schnelle Gewinne, sondern für nachhaltige Wirkung. Wer Geduld und strategische Klarheit mitbringt, gestaltet aktiv die Energiezukunft und baut zugleich ein stabiles, wachsendes Unternehmen auf.

„Geduld ist im Energiemarkt keine Schwäche, sondern die Kraft, mit der echter Wandel möglich wird.“

Bild Fotograf Moritz Leisen

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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