Dienstag, Mai 26, 2026
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Accounted Buchhaltung Österreich: Die App für EPU

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Accounted Buchhaltung Österreich App Accounted Jolene Lederer

Accounted Buchhaltung Österreich richtet sich gezielt an EPU und Freelancer, die eine einfache und rechtssichere Lösung suchen

Wie ist die Idee zu GetAccounted beziehungsweise der App Accounted Buchhaltung Österreich entstanden?

Ich betreibe seit drei Jahren eine Eventfotoproduktion für Maturabälle in der Steiermark (JL-Creative). Irgendwann war klar, dass ich eine ordentliche Buchhaltung brauche, die mit dem Wachstum mithält. Ich habe die gängigen Tools ausprobiert und bin jedes Mal am selben Problem gescheitert: Die sind nicht für Österreich gebaut. Also habe ich angefangen, mir selbst etwas zu bauen. Ich habe 2022 eine HAK abgeschlossen und hatte durch mein Fotobusiness schon vorher eigene interne Tools entwickelt, weil es in der Eventbranche kaum fertige Software gibt. Mit dem gleichen Ansatz ist dann Accounted entstanden.

Was war der konkrete Auslöser, eine Buchhaltungslösung speziell für Österreich zu entwickeln?

Ich habe sevDesk, Lexoffice und FreeFinance ausprobiert. Bei allen drei dasselbe Problem: Die Apps sind auf Deutschland ausgelegt, die UVA funktioniert anders, und die E1a-Beilage gibt es gar nicht. Die Apps nehmen einen in der Steuerwelt nicht bei der Hand und sagen einem, was man wirklich alles konkret beachten muss. Für mich war das der Punkt, an dem ich gesagt habe: Wenn es das nicht gibt, baue ich es selbst.

Welche Vision verfolgst du mit GetAccounted und wie soll sich die App langfristig entwickeln?

Accounted soll die Buchhaltungs-App sein, die österreichische EPU und Freelancer als erstes finden, wenn sie nach einer Lösung suchen, die wirklich für Österreich gemacht ist. Kein Zwanzig-Jahres-Plan, sondern konkrete nächste Schritte: Gerade arbeite ich am Kanzleimodus, damit Steuerberater direkt auf die Daten ihrer Mandanten zugreifen können. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an. Und langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung schaffen, damit auch Dienstgeber ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App machen können.

Welche Zielgruppe steht bei Accounted Buchhaltung Österreich im Fokus und welche Probleme löst du konkret?

Die App ist für Ein-Personen-Unternehmen und Freelancer in Österreich gebaut, die eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen. Also Leute wie ich: Fotografen, Grafiker, Berater, Handwerker.

Warum stoßen viele bestehende Buchhaltungstools im DACH-Raum an ihre Grenzen beim österreichischen Steuerrecht?

Weil der DACH-Raum aus Softwaresicht meistens „D“ bedeutet und „A“ und „CH“ als Anhängsel mitlaufen. Die Steuergesetzgebung unterscheidet sich aber in vielen Details: Die Kleinunternehmergrenze liegt in Österreich bei 55.000 Euro und funktioniert anders als in Deutschland. Die E1a-Beilage zur Einkommensteuererklärung ist eine österreichische Besonderheit. USt-Sätze und Kategorisierungen sind teilweise unterschiedlich. Für die Hersteller lohnt es sich oft nicht, diese Unterschiede sauber einzubauen, weil der österreichische Markt im Vergleich zu Deutschland klein ist.

Was macht Accounted funktional besonders und wo liegt der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen?

Man kann Belege am iPhone oder Mac einscannen, die werden automatisch erkannt und nach kurzer Kontrolle direkt eingebucht. Die App zeigt live, wo man mit der Einkommensteuererklärung steht, damit es am Jahresende keine Überraschungen gibt. Und es gibt 13 Branchenvorlagen, die EPU das Einrichten der richtigen Kategorien ersparen. Der größte Unterschied zu bestehenden Lösungen ist aber, dass Accounted nur auf Apple-Geräten funktioniert und Accounted keinerlei Zugriff auf die Unternehmensdaten hat, weil sich alles in der eigenen Apple ID des Benutzers abspielt.

Warum hast du dich bewusst für eine native App ohne eigenes Backend entschieden?

Ich wollte, dass die Daten der Nutzer bei ihnen bleiben und nicht auf irgendeinem Server liegen, den ich betreibe und absichern muss. Accounted nutzt CloudKit, das heißt, die Daten werden über das iCloud-Konto der Nutzer synchronisiert. Ich sehe sie nicht und habe keinen Zugriff darauf. Gleichzeitig wollte ich eine App, die sich auf Apple-Geräten wie eine echte App anfühlt und nicht wie ein Browser-Fenster mit Logo. Nativ in SwiftUI und SwiftData zu entwickeln war aufwändiger, aber das Ergebnis ist schneller, stabiler und braucht keine Internetverbindung zum Arbeiten.

Welche Rolle spielen Datenschutz und Datensouveränität bei GetAccounted?

Eine zentrale Rolle. Buchhaltungsdaten sind sensible Unternehmensdaten. Bei Accounted liegen diese Daten ausschließlich im iCloud-Konto der Nutzer, nicht auf meinen Servern. Das war eine bewusste Entscheidung, nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern auch, weil ich als Ein-Personen-Unternehmen nicht die Verantwortung für die sichere Aufbewahrung fremder Finanzdaten übernehmen möchte.

Mit welchen Herausforderungen warst du als Ein-Personen-Unternehmen beim Aufbau von Accounted konfrontiert?

Zeit ist die größte Herausforderung. Ich arbeite Vollzeit und betreibe daneben eine Eventproduktion mit bis zu zehn Mitarbeitern. Accounted musste in den Stunden entstehen, die übrig geblieben sind. Dazu kommt, dass man als Solo-Entwicklerin alles selbst machen muss: Konzept, Design, Entwicklung, Testing, App-Store-Texte, Website, Marketing. Man kann sich nicht auf das konzentrieren, was man am besten kann, weil alles gleichzeitig fertig werden muss. Und Marketing ist ehrlich gesagt der Teil, der mir am schwersten fällt.

Wie hast du es geschafft, die App ohne Funding und Team umzusetzen?

Indem ich keine andere Wahl hatte. Ich hatte kein Budget für externe Entwickler und keinen Investor, der mir ein Team finanziert. Also habe ich alles selbst gelernt und selbst gebaut. Das geht, wenn man bereit ist, abends und am Wochenende zu arbeiten. Was mir geholfen hat, ist, dass ich vorher schon interne Tools für meine Eventproduktion programmiert hatte. Accounted war nicht mein erstes Software-Projekt, nur mein erstes, das im App Store gelandet ist.

Welche nächsten Schritte sind für GetAccounted geplant?

Wird es neue Funktionen oder Erweiterungen geben?
Als nächstes kommt der Kanzleimodus. Damit können Steuerberater direkt auf die Buchhaltungsdaten ihrer Mandanten zugreifen, ohne dass Daten exportiert und per Mail verschickt werden müssen. Danach stehen Bugfixes und UX-Verbesserungen an, weil ich aus dem Feedback der ersten Nutzer lerne, wo die App im Alltag noch hakt. Langfristig möchte ich eine ELDA-Anbindung umsetzen, damit EPU mit Dienstnehmern ihre Sozialversicherungsmeldungen direkt aus der App erledigen können.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die alleine ein Softwareprodukt entwickeln?

Erstens: Bau etwas, das du selbst brauchst. Wenn du dein eigener erster Nutzer bist, weißt du immer, ob das Produkt funktioniert oder nicht. Ich habe Accounted gebaut, weil ich selbst keine Lösung gefunden habe, die für mich als österreichische EPU passt. Das ist ein anderer Antrieb, als eine Marktlücke auf dem Papier zu füllen. Zweitens: Fang an, bevor du bereit bist. Die App muss nicht perfekt sein, wenn sie im Store landet. Wichtiger ist, dass sie dort ist und echte Menschen sie benutzen und dir sagen, was fehlt. Drittens: Sei ehrlich darüber, was du nicht kannst. Ich bin keine Steuerexpertin und kein Marketing-Profi. Aber ich kann Probleme erkennen und Lösungen bauen. Den Rest lerne ich unterwegs.

Bildrechte: © bottleplus

Wir bedanken uns bei Jolene Lederer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Pencilrec Automatisierung: KI für effizientere Unternehmen

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Pencilrec Automatisierung mit KI erklärt Philipp Gassen Pencilrec

Pencilrec Automatisierung verbindet KI, Daten und Systeme, um Unternehmensprozesse effizienter und intelligenter zu gestalten

Wie ist Pencilrec entstanden und welche Idee steckt hinter der Pencilrec Automatisierung?

Die Idee entstand früh.

Mit 14 Jahren habe ich angefangen zu filmen und daraus meinen ersten Auftrag gemacht. Irgendwann habe ich mich verloren, wollte eigentlich Politiker werden. Dann war ich in den USA, habe dort einen Geschäftspartner kennengelernt, der mich wieder auf Kurs gebracht hat. Mit 18 habe ich mein Gewerbe angemeldet: erst Film und Video, dann Webseiten, einfache Dashboards, Marketing. Mit 19 kam der nächste Schritt, die Pencilrec GmbH. Der Gedanke dahinter: Unternehmen kommen zu uns, liefern ihre internen Daten, wir verknüpfen und werten diese aus und leiten daraus echte Erkenntnisse ab, von der Zielgruppe bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen.

Was hat dich als Gründer dazu bewegt, mit Pencilrec Automatisierung einen anderen Ansatz als klassische Digitalagenturen zu verfolgen?

Agenturen gibt es zu viele, und der häufigste Einwand meiner Kunden ist, dass sie zu teuer sind. Aber das Problem ist nicht der Preis an sich, sondern die Fragmentierung. Wer Video braucht, geht zu Agentur A. Wer eine Webseite will, zu Agentur B. Systeme entwickeln lässt er bei C, Beratung holt er bei D. Das sind vier Ansprechpartner, viermal Overhead, viermal Reibungsverlust. Bei Pencilrec gibt es einen Ansprechpartner und ein System, das alles verbindet.

Wie würdest du die Vision von Pencilrec und seiner Automatisierungslösung beschreiben?

Ich will, dass moderne Unternehmensinfrastruktur für jeden greifbar ist. In den USA ist professionelles Marketing längst Standard, auch für kleine Unternehmen. In Deutschland kommt das gerade erst an, mit vier Jahren Verzögerung. Genau diesen Fehler darf man bei KI und Automatisierung nicht wiederholen. Pencilrec will Unternehmen von innen heraus reformieren, langweilige und wiederholbare Aufgaben abnehmen und Produktivität steigern. Branchenübergreifend.

Euer Ansatz verbindet Intelligence, Infrastructure und Content. Wie greifen diese drei Bereiche konkret ineinander?

Daten stecken in allem, in jedem Kanal, jedem System, jedem Inhalt. Intelligence analysiert Nutzerverhalten und Zielgruppen, indem sie Kommunikation auswertet und Systeme miteinander verknüpft. Diese Erkenntnisse fließen direkt in den Content ein und umgekehrt. Das Problem bei 99 Prozent der Unternehmen ist, dass diese drei Bereiche parallel laufen, weil es zu viele Ansprechpartner gibt und die Systeme nicht miteinander reden. Bei Pencilrec gibt es ein System, das alles verbindet.

Welche Zielgruppe steht bei Pencilrec aktuell im Fokus und welche Probleme löst ihr konkret?

Aktuell entwickeln wir Systeme für die Immobilienbranche, eine Branche, die zwar neue Software einsetzt, deren Systeme aber oft nicht miteinander kommunizieren. E Mails, CRM, Kalender: alles Silos. Unser Produkt Grownd legt sich als Intelligenzschicht über die bestehenden Systeme, liest Daten über Schnittstellen aus und matcht sie miteinander. Das Ergebnis sind konkrete Handlungsempfehlungen. Das System erkennt zum Beispiel, welcher Deal zu kippen droht, wo einem Abschluss noch Informationen fehlen oder welche Leads gerade am relevantesten sind. KI bereitet alles vor, handelt tut der Mensch. Andere Branchen schließen wir dabei nicht aus.

Warum setzt Pencilrec bewusst darauf, bestehende Systeme zu nutzen statt neue Tools einzuführen?

Die meisten Systeme, die Unternehmen nutzen, passen zu 95 Prozent auf ihre Bedürfnisse. Die großen Anbieter haben einen enormen Vorsprung, da macht es keinen Sinn, als vergleichsweise kleines Unternehmen in direkten Wettbewerb zu treten. Deshalb setzen wir nicht daneben, sondern darüber. Wir verbinden uns über Schnittstellen mit den bestehenden Lösungen, lesen die Daten aus, verknüpfen und werten sie aus und spielen die Ergebnisse wieder ins System zurück.

Was macht euren Ansatz der Pencilrec Automatisierung im Vergleich zu klassischen Software oder Marketinglösungen besonders?

Wir machen beides gleichzeitig, Software und Marketing, und nutzen die Daten aus beiden Quellen, um das jeweils andere besser zu machen. Das ist eine Rückkopplung, die klassische Lösungen nicht bieten. Dazu kommt: Unsere Software legt sich als Schicht über bestehende Systeme. Der Kunde muss nichts ersetzen, wir ergänzen, was fehlt.

Welche Rolle spielen KI und Automatisierung konkret in euren Lösungen und im Alltag eurer Kunden?

KI spielt eine zentrale Rolle, sowohl in der Entwicklung als auch in den Systemen der Kunden. Aber wir setzen sie bewusst ein: Sie bereitet vor, der Mensch entscheidet. Automatisierungen nehmen repetitive Aufgaben ab, KI liefert Analysen und Empfehlungen, die Ausführung liegt beim Mitarbeiter. In der direkten Kundenkommunikation unterstützen wir KI nur teilweise. Es gibt Aufgaben, die von Menschen erledigt werden sollten. Das ist für uns keine Einschränkung, sondern Haltung.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim Aufbau dieser integrierten Systeme konfrontiert?

Die entscheidende Frage ist immer, ob eine Schreib und Leseschnittstelle verfügbar ist. In den meisten Fällen ist zumindest eine Leseschnittstelle vorhanden, wir können die bestehenden Daten auslesen, auch wenn wir nicht direkt ins System zurückschreiben können. Das ist dennoch ein enormer Fortschritt für die Kunden. Wir arbeiten pragmatisch mit dem, was vorhanden ist.

Wie entwickelt ihr eure Softwarelösungen weiter und welche Branchen stehen künftig im Fokus?

Wir beobachten, wo in einer Branche echte Probleme liegen, und bauen Systeme, die modular genug sind, um sich individuell anpassen zu lassen, für jeden Makler, Verwalter oder Investor anders. Ein Produkt ist nie abgeschlossen. Als nächste Branche sehen wir das Handwerk: administrativer Aufwand, Terminplanung, Kommunikation, vieles lässt sich dort automatisieren. Aber das Interesse muss vorhanden sein.

Welche nächsten Schritte plant ihr für Pencilrec?

Gibt es neue Produkte oder Entwicklungen in der Pipeline?
Es gibt immer etwas in der Pipeline. Aktuell bauen wir weitere Lösungen für unsere bestehenden Kunden, darunter Tools für Markenüberwachung und tiefere Research Funktionen. Ein Produkt ist für uns nie fertig, sondern wächst mit dem Kunden und den Möglichkeiten. Wir entwickeln iterativ und nah an der Praxis.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die im Bereich Software und Automatisierung starten?

Erstens: Jede Dienstleistung muss einen messbaren Mehrwert haben, und der ist am Ende immer monetär. Wenn du das nicht klar benennen kannst, hast du ein Problem. Zweitens: Einfach machen. Man kommt nicht voran, wenn man nur redet. Der Schritt, den viele scheuen, ist der einzige, der zählt. Drittens: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt. Es gibt keinen perfekten Moment, den gibt es nie. Wer wartet, wartet immer.

Bildrechte: © privat

Wir bedanken uns bei Philipp Gassen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Floryn Unternehmensfinanzierung: Schnelle Kredite für KMU

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Floryn: Unternehmensfinanzierung für KMU Floryn-CEO Gion van den Bogaert

Floryn Unternehmensfinanzierung steht für schnelle, flexible Kredite für KMU und setzt auf datengetriebene Prozesse statt Bürokratie.

Wie ist Floryn entstanden und wer sind die Köpfe hinter der Floryn Unternehmensfinanzierung?

Floryn wurde 2016 von drei Unternehmern gegründet: Sven van der Biezen, Marijn van Aerle und mir. Sven und Marijn haben sich inzwischen neuen Projekten gewidmet, aber ihre Handschrift prägt das Unternehmen weiterhin. Heute wird Floryn von mir als CEO geführt, gemeinsam mit Stephan Punt als Chief Commercial Officer, Thijs Huiting als Chief Risk Officer und Stijn Meurkens als Chief Technology Officer. Zusammen leiten wir ein Team von rund 80 Mitarbeitenden in den Niederlanden und Deutschland. Auf Investorenseite wird Floryn von starken niederländischen Investoren unterstützt: Peak Capital, Endeit Capital und Kalo Bagijn. Sie begleiten uns seit mehreren Wachstumsphasen und teilen unsere langfristige Vision, der führende alternative KMU Kreditgeber in Europa zu werden.

Was war der konkrete Auslöser für die Floryn Unternehmensfinanzierung im Bereich digitale Finanzierung?

Floryn wurde gegründet, um eine klare strukturelle Lücke im KMU Finanzierungsmarkt zu schließen. Traditionelle Banken konzentrieren sich meist auf größere Kreditvolumina und arbeiten oft mit langsamen, bürokratischen Prozessen. Gleichzeitig wird der Bedarf an kleineren Finanzierungen, insbesondere zwischen 10.000 und 250.000 Euro, häufig nicht ausreichend bedient. Wir haben unser Modell gezielt entwickelt, um diese Ineffizienzen zu lösen und den Zugang zu Kapital für KMU zu verbessern.

Bei Floryn haben wir eine echte Leidenschaft für Unternehmer. Wir haben das Unternehmen aufgebaut, um Hindernisse zu beseitigen, die ausbremsen. Jedes Unternehmen braucht Zugang zu Kapital, um zu wachsen, Mitarbeiter einzustellen und Chancen zu nutzen. Für die meisten europäischen KMU ist dieser Zugang jedoch schwer erreichbar. Banken verstehen kleinere Unternehmen oft nicht ausreichend, konzentrieren sich auf größere Kredite und verlangen langwierige Prozesse und umfangreiche Dokumentation. Wir haben fast ein Jahrzehnt in Technologie und Daten investiert, um KMU ausschließlich auf Basis ihrer Bankdaten wirklich zu verstehen. Dadurch können wir Kapital nahezu sofort bereitstellen, ohne Bürokratie und ohne unnötige Reibung.

Welche Vision verfolgt Floryn für die Zukunft der Unternehmensfinanzierung in Europa?

Banken und Unternehmer funktionieren grundlegend unterschiedlich. Banken vermeiden Risiken, jeder KMU Kredit bindet teures Eigenkapital und regulatorische Anforderungen werden immer strenger. Unternehmer hingegen gehen berufliche Risiken ein. Dieses Missverhältnis ist strukturell und lässt sich nicht allein durch besseren Service lösen. Genau deshalb wird der Markt für alternative Finanzierungen weiterwachsen.

Unsere Vision ist eine Zukunft, in der sich die Finanzierung an den Unternehmer anpasst und nicht umgekehrt. Das bedeutet den Übergang von rückblickenden Kreditprüfungen hin zu vorausschauenden, datengetriebenen Finanzierungsmodellen. Die Rolle von Floryn besteht darin, Unternehmensfinanzierung schneller, flexibler und zugänglicher zu machen, angetrieben durch Daten und Technologie.

Wie gelingt es Floryn Unternehmensfinanzierung, Kreditentscheidungen schneller zu treffen als klassische Banken?

Die Geschwindigkeit entsteht durch einen vollständig digitalen Prozess. Unternehmen übermitteln ihre Bankdaten über PSD2, wodurch Floryn die Kreditwürdigkeit auf Basis von Transaktionsdaten in Echtzeit bewerten kann. Dies wird mit einer proprietären, KI gestützten Risiko Engine und schlanken internen Prozessen kombiniert. So können Entscheidungen schnell und effizient getroffen werden, ohne langwierige Kreditgremien.

Welche Zielgruppe steht bei Floryn besonders im Fokus und welche Probleme löst ihr konkret?

Floryn richtet sich primär an kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere inhabergeführte Betriebe in der Wachstumsphase. Im Fokus stehen Unternehmen mit Finanzierungsbedarf zwischen 10.000 und 250.000 Euro. Diese Unternehmen sehen sich häufig mit langsamen Entscheidungsprozessen, eingeschränktem Zugang zu Kapital und unflexiblen Finanzierungsstrukturen konfrontiert. Floryn löst diese Probleme durch schnelle, flexible und leicht zugängliche Finanzierungslösungen, die auf die operativen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Wie stellt Floryn sicher, dass die Finanzierungslösungen flexibel und fair bleiben?

Floryn bietet flexible Kreditlinien ohne starre Darlehensstrukturen. Unternehmen können Mittel nach Bedarf abrufen und zurückzahlen und zahlen nur Zinsen auf den tatsächlich genutzten Betrag. Die Preisgestaltung ist transparent und nutzungsbasiert, ohne feste Rückzahlungspläne. Dadurch passt sich die Finanzierung an den tatsächlichen Geschäftsalltag an.

Was unterscheidet Floryn im Kern von traditionellen Banken und anderen Fintechs?

Wir positionieren uns zwischen Banken und alternativen Kreditgebern und kombinieren die Stärken beider Modelle. Im Vergleich zu traditionellen Banken bietet Floryn schnellere Prozesse, weniger Bürokratie und einen stärkeren Fokus auf kleinere Finanzierungsvolumina. Im Vergleich zu vielen alternativen Kreditgebern legt Floryn mehr Wert auf Effizienz, Skalierbarkeit, niedrige Ausfallraten und wettbewerbsfähige Preise.

Welche Herausforderungen begegnen euch im stark regulierten Finanzmarkt und wie geht ihr damit um?

Wir arbeiten im bestehenden regulatorischen Rahmen und verfügen über eine PSD2 Lizenz der niederländischen Zentralbank, die einen sicheren Zugriff auf Finanzdaten ermöglicht. Neben regulatorischen Anforderungen ist der Aufbau von Vertrauen eine zentrale Herausforderung, insbesondere in konservativen Märkten wie Deutschland. Wir begegnen dem mit Transparenz, starken lokalen Partnerschaften und einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz in den Niederlanden.

Welche Rolle spielen Daten und Technologie bei euren Kreditentscheidungen?

Daten und Technologie bilden den Kern des Floryn Modells. Kreditentscheidungen basieren auf Banktransaktionsdaten und werden mithilfe einer firmeneigenen, KI gestützten Risikobewertungs Engine verarbeitet. Ein Ratingsystem von A bis C bestimmt die Finanzierungsbedingungen und ermöglicht es uns, wettbewerbsfähige Zinssätze anzubieten und gleichzeitig niedrige Ausfallquoten aufrechtzuerhalten.

Wie möchtet ihr Floryn in den kommenden Jahren weiterentwickeln und skalieren?

Wir konzentrieren uns darauf, die Präsenz von Floryn in ganz Europa auszubauen, wobei Deutschland der erste wichtige Schritt ist. Kurzfristig wollen wir im Preissegment von 10.000 bis 250.000 Euro wachsen und dabei operative Exzellenz und Marktanteile erzielen. Strategische Partnerschaften spielen eine Schlüsselrolle bei der Beschleunigung dieses Wachstums. Doch wir werden nicht mit dem deutschen Markt aufhören und planen, ab nächstem Jahr weitere Länder hinzuzufügen.

Gibt es neue Produkte oder Märkte, die ihr aktuell im Blick habt?

Deutschland ist in dieser Phase der wichtigste neue Markt für uns. Der offizielle Markteintritt folgt jetzt einem Soft Launch Anfang des Jahres. Produktseitig liegt unser Fokus aktuell auf dem Ausbau des Angebots an Geschäftskreditlinien. Wir prüfen gleichzeitig aber auch die Expansion in weitere Länder.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Es gibt keine Patentlösung und es kommt darauf an, ob man sich in der Gründungsphase befindet, das Unternehmen skalieren will oder bereits seit einigen Jahren erfolgreich geführt wird.

Eines gilt aber immer: Stellt sicher, dass ihr das beste Team habt, von Einstellung und Mitarbeiterbindung bis hin zum Mitarbeiteraustritt. Die richtigen Leute im Team machen immer den Unterschied. Und hört nie auf, mit euren Kunden zu sprechen. Nur so könnt ihr sicherstellen, dass sie mit eurem Produkt zufrieden und bereit sind, dafür auch zu zahlen. Letztlich: Kennt eure Liquiditätsreserven und kümmert euch rechtzeitig um Kapital, bevor euch das Geld ausgeht.

Bildrechte: © Floryn

Wir bedanken uns bei Gion van den Bogaert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie entsteht die Industrie von morgen schon heute?

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Industrie Start-ups Künstliche Intelligenz Innovation Dr. Julian Lohf Bildrechte/ Fotograf Ingrid Hertfelder

Industrie, Start-ups und Künstliche Intelligenz stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries und treiben die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle voran.

Wie positioniert sich der de:hub Stuttgart – Future Industries innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle spielt der Hub für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart?

CODE_n wurde 2012 gegründet und gehört damit zu den frühen Startup-Initiativen Deutschlands.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries positioniert sich innerhalb der bundesweiten Digital Hub Initiative als zentraler Knotenpunkt für industrielle Zukunftstechnologien. Mit dem Innovation Campus rund um CODE_n verfügt der Hub über einen starken physischen Anker, der Start-ups, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und etablierte Corporates zusammenbringt. Diese enge Vernetzung ermöglicht es, neue Technologiefelder von KI-gestützter Automatisierung über Robotik bis hin zu Dual-Use-Technologien flexibel und frühzeitig anzuvisieren.
Gleichzeitig profitiert der Hub von der Nähe zur global agierenden GFT Technologies. Ein Technologieunternehmen mit tiefen Wurzeln in der Region, aus dem CODE_n als Business Innovation Einheit entstanden und im Jahr 2018 ausgegründet wurde. Das Unternehmen bringt weitreichende technologische Kompetenzen und globale Perspektiven in die Community ein.

Für die industrielle Transformation im Großraum Stuttgart spielt der Hub eine wichtige Rolle: Er verbindet die Innovationskraft junger Unternehmen mit der Erfahrung, Marktkenntnis und industriellen Stärke der zahlreichen Weltmarktführer der Region. Auf dem Campus entstehen seit seiner Gründung wertschöpfende und wachstumsstarke Unternehmen wie Flip, Instagrid, Straiv, TruPhysics oder GLOBE Fuel Cell Systems. Das signalisiert, dass der Hub nicht nur der Nährboden für Gründungen, sondern auch für Skalierungen verschiedener Technologiefokusse bildet.
Der de:hub Stuttgart – Future Industries wirkt so als Innovationsplattform, die maßgeblich dazu beiträgt, die industrielle Zukunftsfähigkeit der Region und des Landes Baden-Württemberg zu sichern.

Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub Stuttgart – Future Industries? Warum sind diese Themen entscheidend für die Zukunft industrieller Wertschöpfung?

Ein Teil dieser technologischen Schwerpunkte ließen wir bereits anklingen. Dennoch lohnt sich ein kurzer Blick auf die zentralen Themenfelder, auf die sich der de:hub Stuttgart – Future Industries derzeit konzentriert.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere Künstliche Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien. Diese sind von zentraler Bedeutung für die industrielle Transformation in Baden-Württemberg, da sie direkt auf Automatisierung und teils auf neue datenbasierte Geschäftsmodelle einzahlen. Nicht neu ist: Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Produktivitäts- und Innovationsfaktor in industriellen Prozessen.
Robotik bildet die nächste Stufe der industriellen Automatisierung. Neben klassischen Industrierobotern gewinnen flexible Systeme wie kollaborative Robotik, autonome Logistiklösungen oder intelligente Serviceroboter zunehmend an Bedeutung. Um diese Entwicklungen stärker in den Blick zu nehmen, tauscht sich unser Hub Director regelmäßig mit unterschiedlichen Kompetenzträgern aus. Unter anderem traf er sich im März mit dem Repräsentanten Baden-Württembergs in China. Im Mittelpunkt stand, wie unsere Start-ups schneller Zugang zu internationalen Dynamiken und Märkten bekommen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Dual-Use-Technologien, also Lösungen mit sowohl zivilen als auch sicherheitsrelevanten Anwendungsmöglichkeiten. Viele Unternehmen aus unserer Community entwickeln Technologien, die sich auf unterschiedliche Märkte übertragen lassen, zuletzt jedoch auch unter der Krise der Automobilindustrie litten. Umso wichtiger ist eine realistische und ausgewogene Positionierung Deutschlands in diesem Feld.

Welche Rolle spielen Start-ups im Ökosystem des de:hub Stuttgart? Wie werden junge Unternehmen konkret dabei unterstützt, industrielle Lösungen zu entwickeln und zu skalieren?

Start-ups nehmen im Ökosystem des de:hub Stuttgart eine zentrale Rolle ein. Sie bringen frische Ideen und experimentierfreudige Ansätze ein, die den etablierten Unternehmen als Impuls für neue, mutige Wege dienen.
Wesentlich ist der physische Campus selbst. Auf dem Gelände stehen Office- und Coworking-Flächen zur Verfügung, die Start-ups sowohl eine flexible Infrastruktur als auch Raum für Skalierung bieten.

Darüber hinaus bietet der Hub ein modulares Membership-Programm, das auf die individuellen Bedürfnisse der Start-ups zugeschnitten ist. So können Gründer gezielt die Services auswählen, die für ihr Geschäftsmodell und ihre Wachstumsphase relevant sind. Insbesondere der Zugang zu Beratungsleistungen für die Bereiche Förderung und Finanzierung, Recht und Steuern sowie Marketing und Buchhaltung bilden die entscheidende Basis für den Aufbau eines erfolgreichen Business.
Für internationale Start-ups steht zudem unser Softlanding Programm bereit, das den Einstieg in den deutschen Markt erleichtert, regulatorische und kulturelle Hürden adressiert und den direkten Zugang zu regionalen Akteuren wie Verbänden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und sowohl Peers als auch etablierten Corporates ermöglicht.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen? Wie gelingt der Transfer von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen?

Die Zusammenarbeit des Hubs mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen dient vor allem dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in industrielle Anwendungen zu überführen. Durch die engen Kooperationen werden Start-ups und Spin-offs frühzeitig unterstützt, Forschungsideen rasch in Prototypen und Pilotlösungen zu verwandeln.
Und natürlich einfach Lust aufs Gründen zu machen.
Die vermehrten Gründungsaktivitäten in der Region werden vor allem im kommenden Jahr eine große Rolle im Hub spielen. Priorisiert werden dementsprechend die Integration neuer Teams in die bestehende Community und inhaltliche Unterstützung von neuen unternehmerischen Persönlichkeiten.

Wie unterstützt der de:hub Stuttgart Unternehmen dabei, ihre Produktions- und Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten?

Uns ist wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem sich junge Teams von Beginn an auf die stetige Weiterentwicklung ihrer Lösung konzentrieren können und ihnen zugleich der Einstieg in den Markt durch den Netzwerkeffekt vereinfacht gelingt.
Unserer Meinung nach ist es unabdingbar den Teams bereits von Anfang an finanziell unter die Arme zu greifen. Nicht zwingend durch Investments, sondern durch kostenlose bis hochattraktive Bürokonditionen. Der Netzwerkeffekt durch die physische Eingliederung in eine lebendige Community kombiniert mit einem angebotsreichen Ökosystem ergibt sich hieraus fast automatisch. Mit welchen Services wir darüber hinaus unterstützen, benannten wir bereits vorab.
Unterm Strich können wir als Hub befähigen und antreiben, intrinsisch motiviert zur Ausgründung und Skalierung müssen die Teams nach wie vor selbst sein.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – sowohl für Startups als auch für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der Region Stuttgart?

Der Erfolg unserer Aktivitäten zeigt sich vor allem daran, ob der Campus lebt: Wenn er gut gefüllt ist, Menschen gerne hier arbeiten und unsere Community wächst. Besonders wertvoll ist für uns das Feedback aus der Community wie etwa, wenn Start-ups oder Unternehmen berichten, dass über unsere Innovationsformate neue Leads entstanden sind und konkrete Kooperationen angestoßen wurden. Entscheidend ist, ob aus Vernetzung konkrete Wertschöpfung entsteht. Die Leistung der Gründungsteams lässt sich zudem u. a. anhand ihrer wachsenden Sichtbarkeit, in ihrer zunehmenden Etablierung innerhalb von Branchen oder in ihrer Aktivität auf internationalen Märkten messen.

Wenn Start-ups aus unserem Umfeld an Dynamik gewinnen und gleichzeitig etablierte Unternehmen neue Innovationsimpulse mitnehmen, ist das für uns ein sehr greifbarer Maßstab für den Erfolg unserer Arbeit, unserer Community. Wir messen Zufriedenheit und Weiterempfehlungsquote unserer Partner sehr genau, denn langfristige Kundenbeziehungen und eine hohe Auslastung unseres Campus sind Ausdruck echten Mehrwerts für die Region und das Ökosystem.

Darüber hinaus betrachten wir die Entwicklung der Community als strategischen Erfolgsfaktor für die Region Stuttgart. Eine engagierte, interdisziplinäre Community, die aktiv kooperiert und Wissen teilt, stärkt die Innovationsfähigkeit des Standorts nachhaltig und zieht national wie international Leistungsträger und Unternehmen langfristig an.

Welche Ziele verfolgt der de:hub Stuttgart – Future Industries in den kommenden Jahren, um den Weg in eine digitale und smarte Industrie weiter zu ebnen?

Der de:hub Future Industries Stuttgart verfolgt in den kommenden Jahren das klare Ziel, den industriellen Mittelstand konsequent bei der Transformation hin zu einer digitalen, KI-gestützten und resilienten Industrie zu begleiten. Im Fokus stehen der praxisnahe Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Dual-Use-Technologien sowie deren konkrete Anwendung in Produktion, Entwicklung und Wertschöpfungsketten.

Gleichzeitig bauen wir unser Ökosystem strategisch weiter aus. Durch die gezielte Einbindung internationaler Start-ups, die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie die Stärkung unserer Community als kollaborative Innovationsplattform. Unser Anspruch ist es, Stuttgart als führenden Innovationsstandort für Future Industries in Europa zu positionieren und belastbare Netzwerke zu schaffen, die langfristig Wettbewerbsfähigkeit sichern. Der Hub soll nicht nur Impulsgeber sein, sondern ein produktiver Arbeitsraum, in dem Innovation systematisch entsteht und in industrielle Realität überführt wird.

Bildrechte/ Fotograf Ingrid Hertfelder

Wir bedanken uns bei Dr. Julian Lohf für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Nox Mobility Nachtzug erhält 2 Millionen Euro für neue Reiseform

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Nox Mobility Nachtzug sichert sich 2 Mio Euro Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Nox Mobility Nachtzug: Nox Mobility sammelt 2 Millionen Euro in Pre-Seed-Runde ein, um den europäischen Nachtzug neu zu erfinden

Nox Mobility Nachtzug erhält Finanzierung für Markteintritt

Berlin, 22. April 2026 – Nox Mobility hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2 Millionen Euro abgeschlossen, um eine neue Generation von Nachtzügen mit vollständig privaten Räumen aufzubauen. Die Runde wird vom Berliner Investor IBB Ventures angeführt, mit Beteiligung des italienischen Investors Tommaso Lucca sowie Branchenexperten wie HomeToGo-Mitgründer Dr. Patrick Andrae. Das frische Kapital fließt in den Teamaufbau, den Bau eines Mockups in Originalgröße sowie die Vorbereitung der ersten Strecken, die 2027 an den Start gehen sollen.

Nachtzüge erleben gerade eine Renaissance – doch trotz wachsender Nachfrage und Rekordbuchungen auf beliebten Strecken schrumpft der Markt seit Jahrzehnten. Zwischen 2001 und 2019 sank die Zahl der wöchentlichen Nachtzugverbindungen in Europa von rund 1.200 auf etwa 450.

Nox Mobility Nachtzug setzt auf private Zimmer statt Abteile

Eigenes Zimmer statt Abteilromantik – Nox denkt den Nachtzug neu

Während Passagiere bei herkömmlichen Nachtzügen Schlafabteile teilen, bekommt bei Nox Mobility jeder Reisende sein eigenes privates Zimmer mit Schlafplatz. Das Startup positioniert sich als echte Alternative zu Kurzstreckenflug und zusätzlicher Hotelübernachtung – zu einem vergleichbaren Preis. Die Züge starten abends von zentralen Bahnhöfen und kommen am nächsten Morgen direkt im Stadtzentrum an, ohne Flughafentransfer und Sicherheitskontrolle.

Operativ verbindet Nox Mobility die Zuverlässigkeit des Fliegens mit dem Gefühl eines Boutique-Hotels. Für Freizeitreisende ersetzt die Fahrt die Hotelübernachtung gleich mit. Business-Reisende – die in Frankreich bereits 30 Prozent der Nachtzug-Passagiere ausmachen – ersparen sich frühe Abflüge, Übernachtungen und verlorene Arbeitszeit. Mit durchdachtem Design, persönlichem Service an Bord und verlässlichen Abfahrtszeiten macht Nox Mobility Nachtzüge zu einer berechenbaren und angenehmen Reiseoption.

„Aus Berlin sind Mobilitätsunternehmen entstanden, die das Reisen in Europa verändert haben. Nox hat das Team, um das erneut zu schaffen: finanzielle Rückendeckung, operative Glaubwürdigkeit und eine Community, die schon jetzt wartet. Die Infrastruktur ist vorhanden. Was fehlt, ist ein Produkt, in dem man wirklich schlafen will“, sagt Roman Pimonov, Senior Investment Manager bei IBB Ventures.

„Als Mitgründer eines Berliner Travel-Tech-Unternehmens bin ich fest davon überzeugt, dass die europäische Bahn die nachhaltigere Art zu reisen ist. Deshalb setzen wir bei HomeToGo bei allen Geschäftsreisen konsequent auf die Bahn statt auf das Flugzeug. Nox trägt diese Vision weiter – und beweist, dass Nachhaltigkeit und echte Gastfreundschaft kein Widerspruch sein müssen“, sagt Dr. Patrick Andrae, Mitgründer & CEO von HomeToGo.

Nox Mobility Nachtzug will europäische Mobilität verändern

Ein Gründerteam, das Freizeit- und Geschäftsreisen neu erfindet

Nox Mobility wurde 2025 von Unternehmern mit Erfahrung in den Bereichen Bahn, Mobilitätsplattformen und Tech-Startups gegründet.

Thibault Constant hat mit Simply Railway (600.000+ Abonnenten) eine der größten Eisenbahn-Communities Europas aufgebaut. Janek Smalla bringt operative Expertise von FlixTrain und Bolt mit und hat neue Geschäftsmodelle in einigen der reguliertesten Mobilitätsmärkten Europas skaliert. Artur Hasselbach war zuvor Mitgründer des Payment-Fintechs orderbird, das für über 140 Millionen Euro von Nexi übernommen wurde, und gilt als ausgewiesener Mobilitätsexperte mit VC-Hintergrund.

„Nachtzüge sind eine der letzten großen ungenutzten Chancen im europäischen Mobilitätsmarkt. Die Infrastruktur steht, der Markt ist bereit. Diese Runde zeigt, dass Investoren an unseren Ansatz glauben: ein Produkt zu bauen, das Menschen wirklich lieben und mit einem tragfähigen Geschäftsmodell“, sagt Artur Hasselbach, Mitgründer von Nox Mobility.

Janek Smalla, Mitgründer von Nox Mobility, ergänzt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass aktuell viele neue Bahnbetreiber in Europa starten oder wachsen. Aber wir wollen mehr als ein weiteres Bahnunternehmen sein. Unser Anspruch ist es, das Image des Nachtzugs grundlegend zu verändern – hin zu einem echten Hospitality-First-Erlebnis.“

„Mehr als 600.000 Menschen folgen Simply Railway, weil sie an die Zukunft des Nachtzugs glauben. Sie schreiben mir jede Woche, was aktuell bei Nachtzugreisen im Argen liegt: enge Abteile mit Fremden, Verspätungen, intransparente Preise. Nox Mobility ist das Ergebnis von Jahren in Nachtzügen, unzähligen Gesprächen mit Fahrgästen und dem genauen Hinschauen, was funktioniert und was nicht“, sagt Thibault Constant, Mitgründer von Nox Mobility.

Bild Nox Mobility Mitgründer, L-R: Janek Smalla, Artur Hasselbach, Thibault Constant – © Nox Mobility

Quelle Breforth Communications

Femizide: Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung

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Femizide Deutschland: Interview mit Kristina Wolff Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Fast jeden Tag bringt in Deutschland ein Mann (s)eine Frau um – und der Staat schaut weg. Dr. Kristina Wolff ist Wissenschaftlerin, FEMEN-Aktivistin und Autorin des Buchs „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide“. Seit 2019 führt sie ehrenamtlich eine Datenbank*, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Damit schafft sie eine verlässliche Datengrundlage für dieses strukturelle Problem, das als Ansammlung von Einzelfällen abgetan wird. Im Interview mit herCAREER schildert sie, wie die Regierung, Institutionen und ganze Bevölkerungsgruppen die Sicherheit von Frauen und Mädchen systematisch vernachlässigen.

„Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle.“

herCAREER: Ihr Buch heißt „WIE VIELE NOCH? Deutschlands gebilligte Femizide“. Inwiefern billigt der Staat tödliche Gewalt gegen Frauen?

Dr. Kristina Wolff: Deutschland fehlt jegliche Haltung zu diesem Thema. Es fehlen der politische Wille, eine nationale Strategie sowie Gelder für Prävention und den Schutz von Betroffenen. In anderen Ländern wird zum Beispiel opferzentriert gearbeitet – zum Beispiel hält das spanische Parlament eine Schweigeminute für jedes Opfer eines Femizids ab, genau wie Großbritannien und Kanada. In Deutschland wurde zwei Tage vor unserem Gespräch in Mannheim eine 19-jährige Frau von einem 17-jährigen Jugendlichen getötet. Am gleichen Tag postete das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bei Instagram ein Style-Video mit der amtierenden Bundesfrauenministerin Prien – die auch in der Causa Ulmen mit krachendem Schweigen auffällt. Das spiegelt die Ignoranz in der Bundespolitik wider, die ich seit Jahren kritisiere.

herCAREER: Vergangenes Jahr trat das Gewalthilfegesetz (GewHG) in Kraft. Es soll den Schutz gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder in Deutschland deutlich verbessern. Werten Sie das nicht als Fortschritt?

Dr. Kristina Wolff: Der Kernauftrag des Staates – nach demokratischem Verständnis und im Sinne der Istanbul-Konvention – ist die Gewaltprävention. Und die verweigert Deutschland – auch hinsichtlich des GewHG. Es wird viel zu spät eingeführt und sichert Gewaltbetroffenen erst ab 2032 einen Rechtsanspruch, was bedeutet, dass nach der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik über 2.000 weitere Femizide in Kauf genommen werden. Außerdem beinhaltet es nur den Schutz und den Anspruch auf Rechtsberatung. Beides benötigt man erst, wenn man bereits Gewalterfahrungen durchlitten hat. Mit dem als „Meilenstein“ gefeierten Gesetz werden über einen Zeitraum von zehn Jahren 2,6 Milliarden Euro an die 16 Bundesländer ausgeschüttet. Schon 2022 hat das European Institute for Gender Equality allerdings festgestellt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland den Staat jedes Jahr 53 Milliarden Euro kostet. Das sind 148 Millionen Euro pro Tag – das GewHG liefert dagegen 162,5 Mio pro Jahr. Es ist eine Farce.

herCAREER: Seit 2019 dokumentieren Sie in eigener Recherche Femizide in Deutschland. Gab es in den vergangenen Jahren konstruktive Entwicklungen?

Dr. Kristina Wolff: Nein. Der erste Femizid, den ich bewusst wahrgenommen habe, war der Femizid an der Ex-Politikerin Petra Kelly durch ihren Partner, einen deutschen Ex-Generalmajor. Das ist bald 35 Jahre her – und bis heute wird in Deutschland fast jeden Tag eine Frau umgebracht. Ich werde in Interviews oft gebeten, zumindest zum Schluss noch eine positive Botschaft abzugeben. Aber ich habe keine! Ich gehe davon aus, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland zukünftig deutlich zunehmen und immer brutaler werden wird.

herCAREER: Daten sind heutzutage eine harte Währung, ohne Daten keine Handlungsgrundlage. Wie kann es sein, dass es – abgesehen von Ihrer – keine Datenbank für Femizide in Deutschland gibt?

Dr. Kristina Wolff: Das Problem beginnt schon damit, dass es in Deutschland keine einheitliche Definition des Begriffs Femizid gibt. Im Jahr 2018 hat die Partei Die Linke eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, ob diese die Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) übernehmen möchte: „Ein vorsätzliches Töten von Frauen und Mädchen, weil sie Frauen oder Mädchen sind.“ Die Regierung hat diese Definition abgelehnt, da sie ihr zu schwammig ist. Das ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist, dass bis heute noch keine eigene Definition nachgeliefert wurde. Was mir große Sorgen macht: Männer beanspruchen immer häufiger eine Deutungshoheit über Femizide oder das, was als Gewalt gegen Frauen eingestuft wird.

herCAREER: Inwiefern?

Dr. Kristina Wolff: In einer Studie, die knapp vier Jahre lang (2022-25) durch die Deutsche Forschungsgesellschaft finanziert wurde, lieferte der Studienleiter Prof. Dr. Kinzig keinerlei Erkenntnisgewinn: Er evaluierte Daten, die allein aus dem Jahr 2017 stammten. In Ermangelung einer deutschen Definition von „Femizid“ definierte Kinzig den Betriff eigenmächtig und reduzierte die Grundgesamtheit der zu untersuchenden Fälle um mehr als die Hälfte auf 127 Fälle. So sind die Daten weder repräsentativ für Deutschland noch mit anderen Ländern vergleichbar.

Der frisch veröffentlichte Sicherheitsbericht des Landes Baden-Württemberg für 2024 wurde nicht geschlechtsdifferenziert verfasst, sondern unterscheidet sowohl Tatverdächtige als auch Opfer lediglich in „deutsch“ oder „nichtdeutsch“.

Und die kürzlich veröffentlichte Dunkelfeldstudie „LeSubia“ suggeriert, dass nahezu gleich viele Männer wie Frauen von Gewalt durch ihre Partner:innen und Ex-Partner:innen betroffen seien. Ein Blick ins Studiendesign verrät, wie diese Verzerrung zustande kommt: Das Gewaltverständnis sei breit angelegt und gehe über den strafrechtlichen Gewaltbegriff hinaus, erfasse „teilweise auch nicht strafbewehrte Formen von (psychischer, digitaler und sexualisierter) Gewalt.“ Ghosting mit Femiziden gleichzusetzen, entspricht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. So wird die strukturelle geschlechtsbezogene Gewalt verharmlost.

herCAREER: Es gibt doch eine Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Warum liefert sie nicht die entsprechenden Daten?

Dr. Kristina Wolff: Unter anderem, weil die PKS nie zu diesem Zweck aufgesetzt wurde. Eigentlich soll sie als Leistungsnachweis für die Arbeit der Polizei dienen und hat das Ziel, der Bevölkerung zu vermitteln, dass sie in einem sicheren Land lebt.

herCAREER: Es besteht also ein Interessenkonflikt …

Dr. Kristina Wolff: Ja, einer, der der Rolle des oder der amtierenden Innenminister:in . Wie will diese:r den Frauen, die die Mehrheit der deutschen Bevölkerung stellen, bei diesen Zahlen vermitteln, dass Deutschland sicher ist? Und selbst wenn die PKS volle Transparenz bieten würde, könnten wir die Daten derzeit nicht zu unseren Zwecken auslesen. Zwar lassen sich die infrage kommenden Straftatbestände „vollendeter Mord“, „vollendeter Totschlag“ und „Körperverletzung mit Todesfolge“ darin finden. Aber sehr viele wichtige Details werden in der Statistik nicht abgefragt und abgebildet: Sie fragt etwa nicht, ob die weiblichen Opfer schwanger waren. Außer bei Messerkriminalität fragt sie nicht nach der Tatwaffe. Sie fragt nicht nach der Anzahl hochgradiger Gefährder, also bekannter Gewalttäter, und auch nicht nach einer Gewalthistorie der Täter. Auch das Motiv bildet die Statistik nicht ab.

Dazu sei gesagt: Alle Femizide basieren immer auf dem männlichen Anspruch auf Macht und Kontrolle. Aber Täter sagen aus, sie hätten aus Liebe getötet, aus Verzweiflung, aus Eifersucht oder um die Opfer von ihrem Leid zu erlösen – mit solchen Relativierungen zielen sie auf Strafmaßminderung ab. Wir haben einen riesigen Datenpool, können daraus aber nicht die Erkenntnisse ziehen, die wir brauchen, um Femizide als gesamtgesellschaftliches Problem zu definieren.

herCAREER: Bei uns wird jede Form von Gewalt gegen Frauen häufig als Zuwanderungs-Problem deklariert. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Kristina Wolff: Ein Argument, das gerne und vorrangig von Männern vorgebracht wird. Gewaltbetroffene haben sicher viele Fragen zum fehlenden Schutz von Mädchen und Frauen in Deutschland an die Regierungsverantwortlichen – ich bezweifle stark, dass die Frage nach dem Pass ihrer Peiniger dazugehört. Dazu ist dieses Framing völlig abwegig, weil seit über zehn Jahren 65 bis 70 Prozent der Tatverdächtigen bei Femiziden einen deutschen Pass haben. Wenn wir diese Diskussion konsequent führen würden, dann müssten wir in der PKS a) Täter berücksichtigen, die mit deutschem Pass im Ausland Frauen angreifen und töten, und b) beleuchten, wie viele deutsche Täter in Deutschland Frauen mit nichtdeutschem Pass umbringen. Mit dieser Argumentation wird das Problem ausgelagert. Es soll der Eindruck vermittelt werden, dass strukturelle, tradierte, patriarchale und sexualisierte Gewalt nichts mit unserem Land und unseren Männern zu tun hat.

herCAREER: Mit Ihren Aufzeichnungen für das Femicide Observation Center Germany wollen Sie Transparenz schaffen. Nach welchen Parametern sammeln und sortieren Sie die Daten und was geschieht dann damit?

Dr. Kristina Wolff: Die Datenbank ist eine große Excel-Tabelle, die versuchte und vollendete Attentate gegen Mädchen und Frauen erfasst. Ich schlüssele die Tötungsdelikte nach über 100 Parametern auf. Dabei prüfe ich beispielsweise, ob das Opfer schwanger war oder ob die Tat vermeidbar gewesen wäre, weil bereits Todesandrohungen durch den Täter oder eine Wegweisung vorlagen – also der Täter bereits offiziell aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurde. Ich prüfe auch, ob die Tat im öffentlichen Raum begangen wurde und ob Kinder betroffen sind.

herCAREER: Wie kommen Sie an diese Informationen?

Dr. Kristina Wolff: Die Arbeit beginnt mit der ersten Pressemeldung zu einer getöteten Frau. Dann beobachte ich in den folgenden Stunden und Tagen, welche weiteren Informationen veröffentlicht werden. Nicht jeder Femizid ist den Behörden eine Pressemeldung wert. Das heißt, manche muss ich aktiv suchen oder bei Staatsanwaltschaften abfragen und wieder andere werden mir von Privatpersonen zugespielt. Ich dokumentiere diese Artikel, indem ich sie als chronologisch sortierte PDFs ablege. Aus der Summe der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte lassen sich belastbare Trends und Aussagen ableiten, die ich dann publiziere.

herCAREER: Wie viele Femizide haben Sie bis zu unserem Gespräch am 30.03.2026 verzeichnet?

Dr. Kristina Wolff: Ich habe dieses Jahr bisher 55 Femizide dokumentiert, einige davon sind bis dato noch versuchte Femizide, die letzte Meldung lautete „lebensgefährlich verletzt“. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Für 2025 habe ich 165 vollendete Tötungsdelikte festgehalten, hochgerechnet erwarte ich auch für 2026 etwa 200 dokumentierte Femizide. Ich erhebe allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da ich immer mit der Arbeit hinterherhinke und keine Möglichkeit habe, meine Daten mit der PKS abzugleichen. Ich arbeite neben meiner Erwerbstätigkeit und an den Wochenenden Fälle ab. Es ist unbefriedigend, aber mehr geht unter den derzeitigen Umständen nicht.

herCAREER: Hat Ihnen je eine Behörde Mittel oder Unterstützung angeboten?

Dr. Kristina Wolff: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich werde als Quertreiberin betrachtet, die den Finger in die Wunde legt. Ich übe mit meiner Arbeit Kritik an allen Beteiligten: Legislative, Exekutive und Judikative, dem Hilfesystem und den involvierten Anwält:innen. Und ich frage immer wieder: „Wie konntet ihr alle es so weit kommen lassen?” Dazu kommt, dass ich als FEMEN-Aktivistin kontinuierlich sehr öffentlichkeitswirksam die Botschaft propagiere: „Frauen werden umgebracht, weil ihr euren Job nicht macht.“

herCAREER: Wer muss zuerst Verantwortung übernehmen?

Dr. Kristina Wolff: In diesem Fall stinkt der Fisch wirklich vom Kopf her. Ich kann alle Politiker:innen nur daran erinnern, dass sie einen Eid auf das Grundgesetz geschworen haben. In Artikel 2, Absatz 2 heißt es: „Jeder und jede hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.” Theoretisch bräuchten wir die Istanbul-Konvention gar nicht, denn gemäß unserer Verfassung müssen alle, insbesondere die Bundespolitiker:innen, daran interessiert sein, dass Frauen und Mädchen in unserem Land unversehrt und selbstbestimmt leben können. Indem staatliche Repräsentant:innen das (weiterhin) ignorieren, sind sie aktiver Teil der strukturellen Gewalt gegen Frauen.

herCAREER: Stichwort Istanbul-Konvention: Deutschland durchläuft gerade zum zweiten Mal die Prüfung durch GREVIO, die unabhängige Expertengruppe des Europarats. Bei der ersten Prüfung im Jahr 2022 wurden Deutschland „gravierende Defizite“ bescheinigt und konkrete Forderungen an die Regierung gestellt. Wie wird die Evaluation Ihrer Meinung nach ausfallen?

Dr. Kristina Wolff: Die Bundesregierung torpediert die Kommission in ihrem sogenannten Staatenbericht mit einem Katalog angeblicher Maßnahmen, die alle erst nach einer Gewalterfahrung greifen. Die schiere Masse der Maßnahmen soll den Eindruck erwecken, dass gehandelt wird. Stattdessen steigen die Zahlen von Gewalt und tödlicher Gewalt gegen Frauen seit Jahren an. Diese Liste führt beispielsweise das Gewalthilfetelefon an. Das existiert seit 1973, lange vor der Istanbul-Konvention! Ich wehre mich gegen diese Augenwischerei und habe mein Buch und meine Daten – als Teil der sogenannten Schattenberichte, die NGOs und Privatpersonen liefern sollen – an GREVIO geschickt, damit sie das Bild vervollständigen.

herCAREER: Im Vergleich zu Schweden, Frankreich, Italien und Spanien fehlt uns eine nationale Strategie. Was machen diese Länder richtig?

Dr. Kristina Wolff: Solange der politische Wille für die Bevölkerung nicht erkennbar ist, kann sich auch kein gesellschaftlicher Wille durchsetzen. Andere Länder erreichen Veränderung. Einige Beispiele: Kanada hat einen nationalen Gedenk- und Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen. Er erinnert an ein Massaker an 14 Studentinnen im Jahr 1989. In Großbritannien liest die Abgeordnete Jess Phillips seit 11 Jahren anlässlich des Internationalen Frauentags die Namen der Femizid-Opfer des vergangenen Jahres vor. Dieses Jahr waren es 110 Namen, die der Femicide Census erfasst hat – eine Datenbank, die ebenfalls von einer Privatperson geführt wird. Spanien ist federführend bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Europa und hat eine nationale Strategie aufgesetzt, die jedes Jahr überarbeitet und verbessert wird.

Sie wird mit entsprechenden Etats, Zielen und Verantwortlichkeiten hinterlegt und berücksichtigt, dass die Exekutive geschult ist und die Staatsanwaltschaften schneller arbeiten. Spanische Medien, analog und digital, melden jeden einzelnen Femizid sofort und schaffen so Bewusstsein. Die Ministerien ächten diese Gewaltexzesse umgehend öffentlich auf der offiziellen Homepage. Auch die Fußfessel würde in Deutschland nicht eingesetzt werden, wenn sie in Spanien nicht bereits mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote genutzt würde. In Ludwigsburg haben wir am 10. März jedes Jahres einen Gedenktag und eine Schweigeminute für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt eingeführt. Das ist ein leicht umzusetzendes und kostengünstiges Instrument, wurde aber weder vom Land noch vom Bund aufgegriffen. Bewusstsein und Erinnerungskultur sind Prävention, so wie sie von der Istanbul-Konvention eingefordert wird! In Deutschland finden sich Billigung und stille Akzeptanz sogar in der Sprache wieder.

herCAREER: Haben Sie hier Beispiele?

Dr. Kristina Wolff: In Medien heißt es „Gewalt an Frauen“, anstatt „Gewalt gegen Frauen“, was die korrekte Präposition wäre. Die Justiz nennt es „erweiterten Suizid“, wenn sich der Täter nach dem Mord an einer Frau oder einem Kind das Leben nimmt. Das Opfer wird so zur „Erweiterung“ entmenschlicht. Im Englischen heißt es dagegen korrekterweise Murder Suicide. Und statt der passiven Formulierung „Frau wurde erstochen“ bei sexualisierter und tödlicher Gewalt müsste es lauten: „Ein weiterer Mann hat (s)eine Frau erstochen“. Wenn Medien die Sprache aus Polizeiberichten und Pressemeldungen reproduzieren oder sogar voyeuristisch ändern, verfestigt und normalisiert auch das Gewaltstrukturen.

herCAREER: Welche Schritte braucht Deutschland auf politischer, institutioneller und individueller Ebene?

Dr. Kristina Wolff: Mit den Behörden mache ich sehr unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt Richter:innen, Staatsanwält:innen und Polizist:innen, die mich sehr unterstützt haben. Ich glaube, das Problem kann nur durch die Verbindung aller politischen Instanzen gelöst werden. Das heißt, das BMBFSFJ hat zwar die federführende Verantwortung, aber letztlich müssen das Bundesinnenministerium, das Bundesjustizministerium, das Kultusministerium und das Bundesgesundheitsministerium zusammenarbeiten. Auch das Wirtschaftsministerium muss involviert sein, denn wenn Frauen attackiert und/oder umgebracht werden, hat das erwiesenermaßen gravierende wirtschaftliche Konsequenzen. Meine Forderung ist, dass diese Instanzen ressortübergreifend eine gemeinsame Strategie entwickeln, angefangen mit einer gemeinsamen Definition des Begriffs „Femizid” und der adäquaten Bereitstellung von Mitteln sowie einem nachhaltigen Qualitätsmanagement. Ein Stück Butter unterliegt in Deutschland strengeren interdisziplinären Regeln und Gesetzen als der Schutz von weiblichem Leben.

herCAREER: Welche Forderungen stellen Sie an Männer?

Dr. Kristina Wolff: Ich fordere Männer auf, sich ein Beispiel an Alexander van der Bellen, dem österreichischen Bundespräsidenten, zu nehmen. Er hat am Internationalen Frauentag Männer dazu aufgerufen hat, sich nicht länger hinter dem Hashtag #NotAllMen zu verstecken. Es reicht nicht, zu sagen: „Ich kenne das Problem, aber ich bin ja selbst kein Täter.“ Das ist zu wenig! Wer sich darauf ausruht, ist Teil des Problems. Mittlerweile betrachte ich diese Verweigerungshaltung als Teil der strukturellen Gewalt. Das gilt auch für Frauen: Es reicht nicht aus, sich betroffen zu zeigen. Sich diesem Thema weiterhin zu verweigern, ist unterlassene Hilfeleistung.


Die herCAREER Expo steht für: Austausch, Expertise und Inspiration.
Am 22. und 23. Oktober 2026 öffnet die herCAREER Expo ihre Türen im MOC München – ein Event, das Menschen anspricht, ganz gleich, ob sie aktiv auf Jobsuche sind oder einfach nach Inspiration und Netzwerk suchen.

Bild Prof. Dr. Kristina Wolff Gründerin des Femicide Observation Center Deutschland (F.O.C.G.) Aktivistin und Referentin zahlreicher Vorträge zum Thema © Die Hoffotografen

Das Interview führte herCAREER-Redakteurin Kristina Appel

*Wir hatten zunächst geschrieben, das FOCG sei die einzige Datenbank, die Femizide in Deutschland dokumentiert. Das ist nicht korrekt. Es gibt weitere nationale Initiativen, die Tötungsdelikte gegen Frauen dokumentieren, wie z. B. Feminizidmap.org.

Quelle messe.rocks GmbH

Linexa Finanzierung: Münchner Startup bringt KI in Europas Fabriken

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Linexa Finanzierung: 2 Mio für KI in Fabriken

Linexa Finanzierung stärkt Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit

  • Chinas Fabriken laufen im Dunkeln. Europas stehen still.
    Münchner Startup Linexa will das ändern und sammelt Millionen ein.
  • Linexa schließt 2 Millionen Euro Pre Seed ab, angeführt von Project A, mit Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehem. CTO CDO Kuka und Körber) als Angels.
  • Linexas Plattform entschlüsselt jahrzehntealte Steuerungstechnik herstellerübergreifend und macht damit Europas Fabriken erstmals KI fähig.
  • Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt Linexa bereits ein und beschleunigt die Digitalisierung der Produktion.

Die europäische Fertigungsindustrie steht unter massivem Druck: VW baut über 35.000 Stellen ab, ZF Friedrichshafen kürzt 14.000, Schaeffler 4.700. Gleichzeitig entstehen in China sogenannte Dark Factories: Werke, die so weit automatisiert sind, dass sie kein Licht mehr brauchen.

Der Grund ist strukturell: Steuerungsgeräte von Dutzenden Herstellern, über Jahrzehnte kontinuierlich angepasst, steuern dieselbe Linie und niemand versteht das System als Ganzes. Jede Anpassung riskiert Produktionsausfälle. Diese kosten bis zu 2,3 Millionen Dollar pro Stunde.

Die logische Konsequenz lautet bis heute: „Never change a running system.“

Linexa Finanzierung bringt KI direkt auf Maschinenebene

Das Münchner Startup Linexa bietet Fertigungsunternehmen, was ihnen aktuell fehlt: ein vollständiges Bild ihrer eigenen Produktion und KI Agenten, die diese optimieren.

Heute gibt Linexa eine Pre Seed Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro bekannt. Die Runde wird von Project A angeführt, als Angel Investoren beteiligen sich u. a. Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehemaliger CTO CDO von Kuka und Körber).

Das Kapital fließt in den Ausbau der Plattform und das Wachstum des Teams.

„Jeder Produktionsstandort, der in Deutschland und Europa schließt, jeder Hidden Champion, der von ausländischen Investoren aufgekauft wird, schwächt unsere Wirtschaftskraft und damit die Unabhängigkeit Europas. Eine starke Fertigungsindustrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands. Linexa gibt Fertigungsunternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Anlagen zurück und stärkt damit deren Wettbewerbsfähigkeit“, so Viktor Stryczek, Mitgründer und Co CEO.

Während konkurrierende Lösungen auf Geschäftsprozesse oder Sensordaten setzen, erschließt Linexa den Steuerungscode direkt auf Maschinenebene und überführt die Funktionslogik in ein einheitliches Datenmodell.

Was das in der Praxis bedeutet: Ein Kosmetikhersteller stellt eine Abfülllinie von Flüssigseife auf Handcreme um. Linexa analysiert die gesamte Steuerungslogik der Linie, erkennt Risiken, bevor sie zu Stillständen werden, und reduziert die Umrüstzeit deutlich.

Linexa Finanzierung zeigt erste Erfolge in der Praxis

Einer der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands setzt die Plattform bereits ein, mit dem Ziel, die Neuaufstellung der Produktionsnetzwerke und weitere Digitalisierunginitiativen mit Linexa durchzuführen.

Florian Heinemann, General Partner, Project A:
„Die europäische Fertigung ist unser wirtschaftliches Fundament. Mit Linexa gelingt die Shopfloor Modernisierung schnell genug, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten. Deshalb haben wir investiert.“

Bild Founding Team @ Linexa GmbH

Quelle Linexa GmbH 

smart Concept #2 zeigt Zukunft des fortwo Nachfolgers

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smart Concept #2 zeigt neuen fortwo Nachfolger
  • smart präsentiert mit dem Concept #2 einen Ausblick auf den Nachfolger des legendären smart fortwo
  • Mit ersten Design-Eindrücken des Zweisitzers Concept #21 setzt smart ein klares Signal und liefert einen vielversprechenden Ausblick auf die Neuinterpretation der urbanen Ikone: den kommenden smart #2
  • Am 22. April lädt smart zu dem exklusiven globalen Markenevent „Change of Perspectives“ ein
  • Auf der Auto China 2026 in Peking enthüllt die Marke ihre bislang ambitionierteste Produkterweiterung: den mit Spannung erwarteten Nachfolger des legendären fortwo

smart Concept #2 kündigt neue Generation des fortwo an

Getreu der Tradition, urbane Mobilität neu zu definieren, stellt smart heute die ersten offiziellen Designskizzen und Detailbilder des smart Concept #2 vor. Das mit Spannung erwartete Designmodell eröffnet den langersehnten Ausblick auf die Neugestaltung des legendären zweisitzigen Stadtautos der Marke.

Die konsequente Weiterentwicklung der Marke und des Produktportfolios steht im Mittelpunkt des smart Global Brand Events am 22. April. Im Anschluss feiert das smart Concept #2 auf der Auto China 2026, einer der weltweit wichtigsten Automobilmessen, seine Premiere.

smart Concept #2 definiert urbanes Design neu

Ein Ausblick auf das smart Concept #2: Unkonventionell neu gedacht

Das smart Concept #2 bewahrt die Essenz des beliebten urbanen Zweisitzers und wird für die Gegenwart mutig neu interpretiert. Als erstes konkreteres Abbild des vollelektrischen smart #2 greift das Konzeptmodell die prägenden Merkmale des legendären smart fortwo auf und präsentiert eine neue Vision des Stadtautos.

Das smart Concept #2 interpretiert die Designvision von smart aus einer stilprägenden Perspektive, in der Funktion zum Ausdruck von Haltung wird. Getreu der Designphilosophie „Love, Pure, Unexpected“ geht das Konzeptmodell über intelligente Praktikabilität hinaus und versteht sich als natürliche Erweiterung der persönlichen Identität.

Das markante Exterieur zeichnet sich durch eine ausdrucksstarke zweifarbige Lackierung in mattem Weiß und warmem Gold aus. Präzise Linien und sorgfältig ausgearbeitete Details wie Schnallen und edle Lederakzente greifen den Minimalismus der Moderne ebenso auf wie Einflüsse aus der Premium-Mode. Auf das Wesentliche reduziert, wird die kompakte Silhouette zur Leinwand für Individualität. Zugleich überzeugt das Concept #2 durch eine bemerkenswerte Designkontinuität, die den Geist des allerersten smart Zweisitzers aufgreift und ihn konsequent in ein neues elektrisches Zeitalter überführt. So verkörpert es die charakteristische smart Designphilosophie in einer einzigartig kompakten Formensprache und einer nahtlosen Verbindung von Kontrasten, aus der verborgene und unerwartete Faszination entsteht.

smart Concept #2 als Teil der globalen Markenstrategie

Vorschau auf den smart #62 EHD für China: Sportlichkeit trifft auf Eleganz

Ein weiteres Highlight des smart Global Brand Event 2026 ist die Weltpremiere des smart #6 EHD, der ersten Premium-Fastback-Limousine der Marke. Das vom Mercedes-Benz Global Design Team entworfene Modell verkörpert eine unverwechselbare Originalität und setzt neue Impulse in der Branche. Das Fahrzeug wird exklusiv auf dem chinesischen Markt angeboten und ist in Europa nicht erhältlich.

Beide Modelle, die für unterschiedliche Segmente entwickelt wurden, verkörpern die globale smart Designphilosophie „Love, Pure, Unexpected“ und zeichnen sich durch das charakteristische Design des Mercedes-Benz Global Design Teams aus. In Anlehnung an den charakteristischen smart Markenslogan „Open Your Mind“ lädt die in diesem Jahr gestartete Kampagne „Change of Perspectives“ dazu ein, über bisherige Annahmen hinauszudenken. Als Marke, die die Welt seit jeher aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, nutzt smart diesen dynamischen Geist, um ein wachsendes Produktportfolio voranzutreiben, das auf die vielfältigen Kundenbedürfnisse zugeschnitten ist und den urbanen Mobilitäts-Lifestyle in Deutschland, Europa und weiteren internationalen Märkten bereichert.

Haftungsausschluss

1Konzeptfahrzeug, das nicht zum Verkauf angeboten wird.

2Nicht für den europäischen Markt erhältlich.

Bild smart Concept Bildcredits smart Europe GmbH

Quelle smart Europe GmbH

Re-Fresh Global im Interview: Wie ein Startup Textilrecycling neu denkt

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Re-Fresh Global Interview zum Textilrecycling Urte Zahn Fotograf Carolin Weinkopf

Im Re-Fresh Global Interview erzählt Urte Zahn, wie das Unternehmen das Textilrecycling revolutionieren und gemischte Textilabfälle erstmals industriell verwertbar machen will

Wie ist Re-Fresh Global entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?

Re-Fresh Global ist aus einem sehr konkreten Problem der Textilindustrie entstanden: Gemischte Textilabfälle lassen sich mit herkömmlichen Methoden bis heute nur sehr begrenzt recyceln. Lediglich 1 Prozent werden derzeit in neue Fasern recycelt. Genau dort setzt unsere Technologie an.

Re-Fresh Global’s Gründerin und heutige Chief Product & Technology Officer Revital Nadiv bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der Textil- und Modeindustrie mit. In dieser Zeit hat sie aus nächster Nähe erlebt, wie groß das Problem nicht recycelbarer Mischtextilien tatsächlich ist. Daraus entstand der Anspruch, nicht nur über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern eine industriell skalierbare Lösung aufzubauen.

Ich bin seit Januar 2026 CEO von Re-Fresh Global. Ich bringe langjährige Erfahrung in industrieller Transformation, Innovation und im Aufbau neuer Geschäftsmodelle mit. Mich hat an Re-Fresh Global überzeugt, dass hier ein reales Industrieproblem mit einer skalierbaren technologischen Lösung adressiert wird. Genau diese Skalierung und den Aufbau des Unternehmens treibe ich heute mit voran.

Was hat euch dazu bewegt, euch auf das Recycling von Textilabfällen zu fokussieren?

Weltweit fallen jährlich 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Das entspricht einem verlorenen Rohstoffwert von 500 Milliarden US-Dollar. Gerade gemischte Textilien wie Poly-Baumwolle sind mit bestehenden Verfahren bis heute nur begrenzt hochwertig und im großen Maßstab verwertbar.

Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck in Europa deutlich, etwa durch die Abfallrahmenrichtlinie, Extended Producer Responsibility und die Verpackungsverordnung. Aus meiner Sicht ist aber vor allem entscheidend, dass die industrielle Infrastruktur fehlt, um gemischte Textilabfälle tatsächlich zu verarbeiten. Darauf ist der Ansatz von Re-Fresh Global ausgerichtet.

Welche Vision verfolgt Re-Fresh Global für die Zukunft der Textilindustrie?

Unsere Vision ist, dass Textilabfälle künftig nicht mehr vor allem als Entsorgungsproblem behandelt werden, sondern als Rohstoffquelle. Dafür braucht es Technologien und Infrastruktur, mit denen gemischte Textilien im industriellen Maßstab verarbeitet und in neue Zellulose- und Faserrohstoffe überführt werden können.

Wenn das gelingt, werden deutlich weniger Textilien verbrannt oder deponiert und stattdessen als wertvolle Ausgangsmaterialien in neue industrielle Anwendungen zurückgeführt.

Wie möchtet ihr mit eurer Technologie eine echte Kreislaufwirtschaft ermöglichen?

Gemischte Textilien sind bislang vor allem deshalb schwer zu verwerten, weil sie sich nur begrenzt trennen lassen und die industrielle Infrastruktur dafür weitgehend fehlt. Genau dort setzt unsere Technologie an: Wir haben ein enzymatisches Verfahren entwickelt, das gemischte Textilabfälle so aufbereitet, dass daraus hochwertige Rohstoffe entstehen.

Dabei entstehen mit Re-SanPulp™ ein Material für Nonwovens und textile Anwendungen sowie mit Re-Celloop™ ein Zelluloseprodukt für Einsatzfelder wie Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffe.

Entscheidend ist für uns aber nicht nur das Material selbst, sondern auch die Skalierung: Mit unserem lizenzierbaren Smart-Up™ System wollen wir ermöglichen, dass Textilabfälle näher an ihrem Entstehungsort verarbeitet werden. Das reduziert Transporte, stärkt die regionale Wertschöpfung und schafft lokale Arbeitsplätze.

Wer gehört zur Zielgruppe von Re-Fresh Global und welche konkreten Probleme löst ihr?

Zu unserer Zielgruppe gehören zum einen Industrien, die neue biobasierte und zirkuläre Rohstoffe suchen. Mit Re-Celloop™ adressieren wir insbesondere Anwendungen in Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffen. Dort lösen wir das Problem, dass nachhaltige, plastikfreie und lokal verfügbare Zellulosealternativen bislang nur begrenzt verfügbar sind.

Zum anderen adressieren wir mit Re-SanPulp™ Branchen wie Automotive und Haushaltsgeräte, in denen der Druck steigt, bis 2030 deutlich mehr recycelte Materialien in bestehende Produkte und Lieferketten zu integrieren. Hier bieten wir eine nachhaltige Rohstoffquelle für Autoinnenräume und Haushaltsgeräte.

Für Investoren ist Re-Fresh Global interessant, weil wir eine konkrete industrielle Umsetzungslücke mit einer skalierbaren Technologie und einem klaren Kommerzialisierungsansatz adressieren.

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell beim Aufbau eures Geschäftsmodells im Recyclingbereich?

Die größte Herausforderung ist ganz klar Kapital. Deep-Tech-Unternehmen brauchen Zeit, um Technologie zu entwickeln, zu validieren und in industrielle Anwendungen zu überführen. Viele Investoren suchen kürzere Zeithorizonte und schnellere Renditen, als sie im Aufbau industrieller Deep-Tech-Modelle realistisch sind. Wir sammeln aktuell 5 Millionen Euro, um unsere Demo-Fabrik in Thüringen zu bauen und parallel Technologie, Pilotprojekte und Kommerzialisierung weiter voranzutreiben.

Hinzu kommt, dass die regulatorische Richtung zwar klar ist, sich die konkreten Anforderungen in einzelnen Bereichen aber weiterentwickeln. Das erhöht den Druck im Markt, schafft aber noch nicht automatisch Umsetzungssicherheit.

Auch auf Kundenseite sehen wir eine typische Spannung: Viele Unternehmen verstehen das Problem und erkennen die Dringlichkeit, zögern aber noch, neue Materialien in bestehende Lieferketten zu integrieren. Deshalb sind Pilotprojekte für uns so wichtig. Sie schaffen Validierung, Vertrauen und die Grundlage für den nächsten Schritt in die industrielle Anwendung.

Wie geht Re-Fresh Global mit technischen Hürden bei der Verarbeitung gemischter Textilien um?

Die größte technische Herausforderung im Textilrecycling sind gemischte Textilien aus verschiedenen Fasertypen wie Baumwolle, Polyester, Elasthan und Viskose. Bei Re-Fresh Global haben wir dafür einen enzymatischen Prozess entwickelt, der eine selektive Trennung der Fasertypen ermöglicht, ohne die Materialien dabei zu zerstören. Unser Verfahren kann auf verschiedene Textilzusammensetzungen eingestellt werden. Dabei erreichen wir je nach Material eine Verwertungsquote von bis zu 95 Prozent.

Was unterscheidet Re-Fresh Global von anderen Ansätzen im Textilrecycling?

Viele Ansätze im Textilrecycling konzentrieren sich vor allem auf Textil-zu-Textil-Lösungen. Re-Fresh Global verfolgt bewusst einen Open-Loop-Ansatz: Wir verarbeiten Textilabfälle nicht nur zu neuen Faseranwendungen, sondern auch zu hochwertigen Zellulosematerialien für verschiedene Industrien.

Damit erweitern wir die Verwertungsmöglichkeiten gemischter Textilabfälle deutlich und schaffen echtes Upcycling für Materialströme, die bislang nur sehr begrenzt genutzt werden konnten. Gleichzeitig verbrauchen wir nach unseren bisherigen Daten rund 50 Prozent weniger Energie und verursachen rund 85 Prozent weniger CO2-Emissionen als vergleichbare Virgin-Materialien.

Welche Rolle spielt eure biotechnologische Lösung für die Skalierbarkeit eures Modells?

Der enzymatische Ansatz ist für die Skalierbarkeit unseres Modells zentral, weil er sich auf unterschiedliche Textilzusammensetzungen und Qualitäten einstellen lässt. Gleichzeitig können Enzyme in großen Mengen produziert und in modularen Anlagen eingesetzt werden. Genau darauf ist unser Smart-Up™ System ausgelegt: Es ist an verschiedenen Standorten effizient replizierbar.

Welche nächsten Schritte plant Re-Fresh Global in Bezug auf Wachstum und Marktausbau?

Der nächste große Schritt für Re-Fresh Global ist der Aufbau unserer Demo-Fabrik in Thüringen. Dafür sammeln wir aktuell 5 Millionen Euro Seed-Kapital, um die nächste industrielle Phase und Einsätze zu finanzieren.

Gleichzeitig bauen wir auf unserer bisherigen Traktion auf: Wir haben sieben bezahlte Pilotprojekte abgeschlossen und damit 500.000 Euro Umsatz generiert. Parallel bringen wir unsere Smart-Up™ Mikrofabrik in den Einsatz, schließen laufende Pilotprojekte mit europäischen OEMs ab und arbeiten an den nächsten Schritten in Richtung Serienintegration. Anwendungen in Akustik und Automotive treiben wir weiter voran, und erste Re-Celloop™ Materiallieferungen für die Kosmetikindustrie sind bereits angelaufen. Gleichzeitig wollen wir für Re-Celloop™ weitere Pilotprojektpartner gewinnen, um zusätzliche industrielle Anwendungen zu erschließen.

Wo seht ihr Re-Fresh Global in den nächsten fünf Jahren?

In fünf Jahren sehen wir Re-Fresh Global als einen etablierten Infrastruktur- und Technologieanbieter für enzymatisches Textilrecycling. Entscheidend wird sein, dass unsere Smart-Up™ Mikrofabriken beziehungsweise standardisierten Module dort eingesetzt werden, wo Textilabfälle anfallen, und damit lokale Verwertungsinfrastruktur entsteht.

Aus heutigen Pilotprojekten sind dann belastbare Serienanwendungen mit Partnern in Automotive, Kosmetik, Verpackung und Haushaltsgeräten geworden. Re-SanPulp™ und Re-Celloop™ ersetzen Virgin-Materialien in industriell relevantem Maßstab.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Arbeitet an einem Problem, das wirklich relevant ist. Nicht jedes interessante Thema ist auch ein tragfähiges Unternehmen. Entscheidend ist, ob es dafür einen echten Bedarf und langfristig einen belastbaren Markt gibt.

Zweitens: Verwechselt Aufmerksamkeit nicht mit Fortschritt. Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen zählen am Ende Validierung, Umsetzung und echte Kundenbeziehungen mehr als gute Sichtbarkeit allein.

Drittens: Sucht euch die richtigen Menschen an eure Seite. Das gilt für Team, Partner und Investoren gleichermaßen. Wer ein komplexes Unternehmen aufbauen will, braucht nicht nur Kapital und Kompetenz, sondern auch Vertrauen, Ausdauer und die Bereitschaft, gemeinsam durch schwierige Phasen zu gehen.

Photocredit: Carolin Weinkopf

Wir bedanken uns bei Urte Zahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wird über Gesundheit noch offen gesprochen

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Every Health sexuelle Gesundheit und Telemedizin

Every Health gestaltet den Zugang zu sexueller Gesundheit neu und nutzt Telemedizin für eine diskrete und moderne Versorgung

Wie ist Every Health entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?

Every Health ist aus Frust entstanden. Dima und Alex haben sich kennengelernt und schnell gemerkt, dass sie dieselbe Erfahrung teilen: Wer sich in Deutschland um seine sexuelle Gesundheit kümmern will, landet in einem System, das dafür nicht gemacht wurde. Lange Wartezeiten, überforderte Ärztinnen, unangenehme Gespräche und ganz viel Stigma. Dima hat ukrainische Wurzeln, ist in München aufgewachsen und hat vor Every Health als VC bei Atlantic VC gearbeitet. Alex hat als Geschäftsführer Natural Mojo zur führenden Supplements-Brand in sechs europäischen Märkten skaliert. Seit 2023 haben wir in Berlin ein Team aufgebaut, das heute aus knapp zehn Leuten besteht. Darüber hinaus haben wir ein starkes Netzwerk aus spezialisierten Fachärztinnen, Laborpartnern und Apotheken.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben die Gründung geprägt?

Dima erinnert sich noch genau an den Moment, als er selbst zum ersten Mal einen STI-Test machen wollte. Beim Hausarzt wurde es sofort unangenehm, die Fragen fühlten sich an wie ein Verhör, und am Ende war nicht mal klar, ob die richtigen Tests überhaupt gemacht wurden. Dazu kam das Gefühl, sich für den eigenen Lebensstil rechtfertigen zu müssen. Du sitzt da, in einer Arztpraxis, und plötzlich geht es nicht mehr um deine Gesundheit, sondern darum, wie du lebst und mit wem.

Du merkst, wie dein Gegenüber anders mit dir spricht, sobald das Thema auf dem Tisch liegt. Und du fragst dich: Warum muss das so schwer sein? Jeder zweite Mensch wird laut WHO in seinem Leben eine Geschlechtskrankheit bekommen. Jeden Tag stecken sich weltweit eine Million Menschen neu an. Das System macht es allen unnötig schwer, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Die Konsequenz sind vermeidbare Infektionen und späte Diagnosen.

Welche Vision verfolgt Every Health für eine inklusivere Gesundheitsversorgung?

Sexuelle Gesundheit sollte so selbstverständlich sein wie eine Skincare-Routine. Kein Schamgefühl, kein Erklärungsbedarf, kein Spießrutenlauf durchs System. Every Health baut eine Plattform, auf der sich jeder Mensch unkompliziert, diskret und auf medizinisch höchstem Niveau um seine sexuelle Gesundheit kümmern kann. Uns geht es um mehr als nur eine bessere Experience zu bieten. Es geht um einen kulturellen Wandel. Eine Welt, in der es völlig normal ist, über sexuelle Gesundheit zu reden, sich regelmäßig zu testen und Prävention ernst zu nehmen.

Wie gelingt es Every Health, medizinische Angebote speziell auf die Bedürfnisse der LGBTQIA+ Community zuzuschneiden?

Die queere Community war der Ausgangspunkt, weil dort die Versorgungslücken am deutlichsten sichtbar sind. Der Ansatz dahinter gilt aber für alle: Zuhören, verstehen, was Menschen wirklich brauchen, und dann Produkte bauen, die genau das liefern. Klar gibt es Unterschiede in Risiken für unterschiedliche Gruppen und Verhaltensweisen. Aber am Ende des Tages profitieren alle von niedrigschwelligem Zugang zu guter Versorgung – egal wen man liebt. Gute sexuelle Gesundheitsversorgung ist inklusiv per Definition.

Welche Rolle spielt Telemedizin im Konzept von Every Health und wo liegen ihre größten Vorteile?

Telemedizin beseitigt die größte Hürde: den Gang zum Arzt. Für viele Menschen ist die Krankheit gar nicht das Problem. Der Weg zur Diagnose ist es. Wer sich schämt, geht nicht hin. Wer auf dem Land lebt, findet keine Spezialist*innen. Oder wer einen vollen Terminkalender hat, schiebt es ewig auf. Every Health bringt die Versorgung nach Hause: Heim-Tests mit Labor-Anbindung, Online-Anamnesen, ärztliche Konsultation, Rezept, alles digital, alles diskret und bequem von zuhause aus. Das senkt die Hemmschwelle massiv und sorgt dafür, dass mehr Menschen sich um ihre Gesundheit kümmern.

Vor welchen Herausforderungen steht Every Health beim Aufbau eines diskriminierungsfreien Gesundheitssystems?

Das deutsche Gesundheitssystem ist ganz gut in dem, wofür es gebaut wurde. Aber es wurde für eine andere Zeit gebaut. Die Strukturen sind träge, die Regulierung oft nicht auf der Höhe der technischen Möglichkeiten, und Innovation wird eher gebremst als gefördert. Das Gesundheitswesen ist eine der traditionellsten Branchen überhaupt. Manchmal fühlt es sich an, wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Dazu kommt, dass sexuelle Gesundheit gesellschaftlich immer noch mit Stigma belegt ist, und das spiegelt sich auch in den Institutionen wider. Aber genau das ist der Antrieb: Wenn nicht wir das ändern, wer dann?

Was unterscheidet Every Health konkret von klassischen digitalen Gesundheitsanbietern?

Die meisten digitalen Gesundheitsanbieter verkaufen Produkte. Wir bauen Verständnis auf. Ein riesiger Teil des Problems ist fehlendes Wissen. Menschen wissen nicht, welche Infektionen es gibt, wie sie übertragen werden oder wann man sich testen lassen sollten. Wo andere Pillen verschicken, geben wir Wissen mit und binden Nutzer*innen aktiv in ihre eigene Gesundheit ein. Und wir bieten den gesamten Prozess aus einer Hand: Diagnostik, Beratung und bei Bedarf Verschreibung und Medikamente. Keine Brüche, kein Ärzte-Marathon, keine Wartezeiten. Alles an einem Ort – von der ersten Frage bis zur Behandlung.

Wie stellt Every Health sicher, dass Vertrauen und Sicherheit bei sensiblen Gesundheitsthemen gewährleistet sind?

Vertrauen entsteht durch Kompetenz und Transparenz. Medizinisch arbeiten wir mit renommierten Laboren, spezialisierten Fachärzt*innen und Schwerpunktapotheken. Jeder Inhalt auf unserer Plattform ist medizinisch geprüft, Datenschutz selbstverständlich DSGVO-konform. Aber das Wichtigste ist die Haltung: Wir kommunizieren auf Augenhöhe. Wer sich bei uns testet oder beraten lässt, soll sich sicher fühlen und es auch sein.

Welche Entwicklungen plant Every Health in den kommenden Jahren?

Wir denken Gesundheit viel größer als Tests und Rezepte. Die Vision ist eine Plattform, die Menschen ganzheitlich durch ihre sexuelle Gesundheit begleitet: Prävention, Diagnostik, Behandlung, Pflege und darüber hinaus. Wir wollen, dass sexuelle Gesundheit und Selbstfürsorge so selbstverständlich werden wie eine Skincare-Routine. Europas erste Adresse für intime Gesundheit. Wir schaffen eine neue Kategorie: Jeder Mensch soll unkomplizierten Zugang zu erstklassiger intimer Gesundheitsversorgung haben.

Welche Rückmeldungen aus der Community haben das Angebot besonders geprägt?

Wir bekommen regelmäßig Emails und DMs von Nutzerinnen, die uns für die Aufklärungsarbeit danken. Das Schönste daran: Viele erzählen uns, dass sie angefangen haben, selbst offen über sexuelle Gesundheit zu sprechen, mit Freunden, mit Sexualpartnern.
Gleichzeitig kommen dabei teilweise wirklich Horrorstories hoch. Erfahrungen, die Nutzerinnen mit Ärzt:innen gemacht haben, von abwertenden Kommentaren bis hin zu falschen Tests oder komplett verweigerter Behandlung. Das macht einen traurig und zeigt uns jedes Mal aufs Neue, wie dringend wir eine Verbesserung brauchen.

Auch konkrete Features entstehen direkt aus solchen Gesprächen. Die anonyme Partnerbenachrichtigung zum Beispiel: In einem Customer Research Interview hat uns jemand erzählt, dass er nach einem positiven Ergebnis verantwortungsvoll handeln wollte, aber Angst davor hatte. Also haben wir einen Weg gebaut, Sexualpartner anonym zu benachrichtigen.
Letztens hat sich ein Nutzer unseres STI-Präventionsservices bei uns bedankt, weil er früher vier bis fünf Chlamydien-Infekte pro Jahr hatte und seit er unseren Service nutzt keinen einzigen mehr. Und eine Lehrerin hat angefragt, ob sie unseren Test im Sexualkundeunterricht zeigen darf.

Was waren bisher die wichtigsten Learnings?

Man kann viel überlegen, grübeln, planen. Aber am Ende des Tages weiß man erst, ob etwas funktioniert, wenn man es umsetzt. Wir haben gelernt, schnell rauszugehen, echtes Feedback zu sammeln und dann nachzubessern. Perfektion im Stillen bringt niemandem etwas.
Gerade in einem so traditionellen Feld wie Medizin begegnet man ständig Menschen, die nicht an Neues glauben. Die Zweifel säen, die sagen: „Es bleibt alles so wie es ist.“ Manche versuchen aktiv, dir Steine in den Weg zu legen. Da muss man einen starken Willen haben und gut filtern: Für wen machen wir das eigentlich? Was sind deren reale Probleme? Wenn man sich das immer wieder vor Augen führt, wird der Lärm von außen leiser.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben?

Löst ein Problem, das euch selbst nachts wachhält. Wenn die Motivation nur der Markt ist, werdet ihr in der ersten wirklich harten Phase aufgeben. Wenn es persönlich ist, macht ihr weiter.
Redet mit euren Nutzer:innen, bevor ihr baut, und hört danach nie auf damit. Die gefährlichste Annahme im Startup ist, dass man weiß, was die Leute wollen.
Gute Leute machen so viel aus. Egal ob Mitarbeitende, Geschäftspartner oder Investoren: Menschen um sich zu haben, die dieselbe Ambition, Professionalität und Treue teilen, entscheidet oft über Make or Break.

Bildrechte: © Every Health

Wir bedanken uns bei Lupo Porschen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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