Sonntag, Februar 1, 2026
Start Blog Seite 15

Founder Purpose – wie persönliche Werte das Startup prägen

0
Founder Purpose: Wertebasiertes Gründen und Markenidentität Image by Gerd Altmann from Pixabay

Jedes Startup beginnt mit einer Idee. Doch erfolgreiche Startups beginnen mit etwas Tieferem: einer inneren Überzeugung. Der Founder Purpose, das Prinzip des wertebasierten Gründens und die Bedeutung einer starken Markenidentität im Startup zeigen, wie sehr Persönlichkeit, Haltung und Motivation über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Founder Purpose – wenn Motivation zum Motor wird

Founder Purpose beschreibt den persönlichen Antrieb, der Menschen dazu bewegt, ein Unternehmen zu gründen. Es ist der Kern der Vision – unabhängig von Markt, Produkt oder Kapital.

Dieser innere Kompass entscheidet darüber, wie Gründer:innen handeln, welche Risiken sie eingehen und welche Richtung sie einschlagen. Studien zeigen, dass Startups mit klar formuliertem Purpose langfristig erfolgreicher, resilienter und attraktiver für Talente sind.

Ein gutes Beispiel: Viele Social-Impact-Unternehmen entstehen aus einer persönlichen Erfahrung oder einem Problem, das der oder die Gründer:in gesehen und selbst lösen wollte. Diese Klarheit macht die Mission authentisch – und ansteckend.

Wertebasiertes Gründen – Haltung als Fundament

Wertebasiertes Gründen bedeutet, dass Entscheidungen nicht nur aus ökonomischer Perspektive getroffen werden, sondern auch aus Überzeugung. Gründer:innen definieren klare Werte, die als Leitlinien dienen – für Produkte, Partnerschaften und die Kultur im Team.

Dazu gehören Fragen wie:

  • Wofür steht mein Unternehmen wirklich?
  • Welche Entscheidungen widersprechen meinen Werten?
  • Wie möchte ich, dass Kund:innen uns wahrnehmen?

Diese Haltung sorgt dafür, dass Startups nicht nur wachsen, sondern auch integer bleiben. In Zeiten, in denen Kund:innen Transparenz erwarten, wird Werteklarheit zum echten Wettbewerbsvorteil.

Viele junge Unternehmen zeigen bereits, wie es geht: von nachhaltigen Food-Startups bis hin zu Tech-Teams, die Datenschutz und Fairness in den Mittelpunkt ihrer Produkte stellen. Werte erzeugen Vertrauen – und Vertrauen schafft Bindung.

Markenidentität Startup – Persönlichkeit wird zur Marke

Die Markenidentität im Startup beginnt nicht beim Logo. Sie beginnt beim Founder Purpose.

Eine starke Marke entsteht, wenn Persönlichkeit, Haltung und Angebot zusammenpassen. Wenn Gründer:innen aus Überzeugung handeln, spüren das Kund:innen und Teams gleichermaßen.

Markenidentität bedeutet:

  • konsistente Kommunikation
  • klare Botschaften
  • nachvollziehbare Werte
  • authentisches Auftreten

Startups, deren Gründer:innen eine klare Innenwelt haben, entwickeln eine starke Außenwirkung. Das macht Marken glaubwürdig – und unterscheidet sie von Wettbewerbern.

Purpose als Führungsinstrument

Der Founder Purpose wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Eine starke Vision motiviert Teams, gibt Orientierung und schafft Zusammenhalt.

Gerade in unsicheren Zeiten – schwankende Märkte, technische Herausforderungen, begrenzte Ressourcen – hilft Purpose, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.

Teams, die wissen, warum sie jeden Tag arbeiten, sind engagierter, loyaler und kreativer.

Wertebasiertes Gründen in der Praxis

Wertebasiertes Gründen ist keine Marketingstrategie, sondern ein täglicher Prozess. Er zeigt sich in unzähligen Entscheidungen:

  • Welche Lieferanten wähle ich?
  • Welche Features baue ich zuerst?
  • Welche Kundenbeziehungen passen – und welche nicht?

Purpose-geführte Startups trauen sich, Nein zu sagen. Sie bleiben langfristig glaubwürdiger und bauen stabilere Strukturen auf.

Ein Beispiel: Einige Tech-Startups entscheiden sich bewusst gegen Investoren, deren Werte nicht zu ihren passen – selbst wenn das bedeutet, langsamer zu wachsen.

Markenidentität durch Authentizität

Der größte Vorteil einer klaren Markenidentität im Startup ist Authentizität. Kunden erkennen schnell, ob ein Startup wirklich lebt, was es kommuniziert.

Wenn Purpose und Verhalten übereinstimmen, entsteht eine starke, konsistente Marke.
Wenn sie nicht übereinstimmen, entsteht Misstrauen.

Gründer:innen, die ihren Purpose klar formulieren, schaffen automatische Differenzierung:
Nicht das Produkt ist der USP – sondern die Haltung dahinter.

Der Mensch hinter dem Unternehmen

In einer Welt voller Automatisierung und KI spielt der menschliche Kern eine immer größere Rolle. Startups, die auf Persönlichkeit setzen, wirken nahbar.

Der Founder Purpose macht Unternehmen greifbarer:
Er zeigt, warum eine Marke existiert.
Er macht Mut.
Er inspiriert.

Das ist besonders wichtig in Märkten, in denen sich Produkte ähneln. Die Geschichte dahinter macht den Unterschied – und erzeugt Loyalität.

Fazit

Die stärksten Startups beginnen nicht mit Kapital, sondern mit Klarheit. Founder Purpose, wertebasiertes Gründen und eine klare Markenidentität im Startup schaffen Unternehmen, die authentisch, resilient und sinnstiftend sind.

Gründer:innen, die ihre persönlichen Werte leben, prägen nicht nur ihre Marke – sie prägen eine neue Wirtschaftskultur.

Bild Image by Gerd Altmann from Pixabay

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Kann ein Genussmoment wirklich frei von schlechtem Gewissen sein?

0
treatfuls better-for-you Snacks für Menschen Tugce Cakir (links) und Magdalena Parylak Treatfuls founderteam bild

treatfuls bietet moderne vegane Bio Süßigkeiten ohne raffinierten Zucker und verbindet hochwertigen Genuss mit natürlichen Zutaten für alle, die bewusst naschen möchten

Wie würden Sie treatfuls und das Team dahinter einem Menschen vorstellen, der noch nie von Ihnen gehört hat?

treatfuls steht für bessere Süßigkeiten – für alle, die das Leben genießen wollen und sich selbst und ihrem Körper dabei gleichzeitig etwas Gutes tun möchten. Hinter der Marke stehen wir beide: Magda und Tugce. Zwei Gründerinnen, die hochwertigen Genuss lieben und zeigen möchten, dass „better-for-you“ Snacks Spaß machen dürfen.

Unsere Produkte verbinden Lifestyle, Humor und hochwertige, vegane Bio-Zutaten zu einer modernen Alternative zu klassischen Süßigkeiten. Wir bringen frischen Wind in eine Kategorie, die oft als „öko, beige und langweilig“ wahrgenommen wird, und kombinieren vollwertige Rezepturen mit Farbe, Leichtigkeit und Geschmack.

treatfuls lebt von einer Mischung aus Professionalität und Freigeist: Wir arbeiten präzise, denken mutig, handeln verantwortungsvoll – und verlieren nie die Freude an dem, was wir tun.

Welche persönliche Motivation hat zur Gründung von treatfuls geführt und was treibt Sie heute noch an?

Unsere Motivation entstand aus einer sehr privaten Lücke: Tugce hat starke Cravings und braucht nach jeder herzhaften Mahlzeit etwas Süßes. Magda hingegen achtet extrem auf hochwertige, klare Zutaten und fand kaum etwas, das ihren Ansprüchen entsprach – bio, vegan, glutenfrei, ohne raffinierten Zucker.

Wir haben lange nach Snacks gesucht, die beides vereinen: echten Genuss und gute Inhaltsstoffe. Die Realität: Es gab sie nicht. Genau aus dieser Spannung heraus entstand die Idee für treatfuls. Bis heute treibt uns an, zu beweisen, dass Genuss und Gesundheit kein Widerspruch sind. Wir wollen Produkte schaffen, die Menschen täglich begleiten und zeigen, wie leicht „better-for-you“ sein kann – ohne Verzicht, ohne Dogma, ohne Kompromisse.

Welche Vision verfolgt treatfuls und welche konkreten Schritte planen Sie für die nächsten Jahre?

Unsere Vision ist klar: Wir wollen den Süßwarenmarkt neu denken und die Better-for-You-Snackmarke werden, zu der Menschen intuitiv greifen, wenn sie Süßes ohne raffinierten Zucker möchten. Wir sehen treatfuls eher als Lifestyleprodukt denn als klassische Süßigkeit.

Der Bio-Riegelbereich wird oft als „öko“ oder langweilig wahrgenommen – wir möchten ihn bunter, moderner und emotionaler machen. Weg vom Verzichtsnarrativ, hin zu Freude, Geschmack und Selbstverständlichkeit.

Die nächsten Schritte sind eindeutig: unser Sortiment weiterentwickeln, neue Kategorien erschließen, die Präsenz im Handel und online ausbauen und konsequent an unserem Anspruch festhalten – Geschmack, Qualität und bessere Zutaten.

Für welche Zielgruppen entwickeln Sie Ihre veganen Bio-Snacks – und welche Bedürfnisse erfüllen sie?

treatfuls richtet sich an alle Menschen, die Süßes lieben und wirklich den Geschmack klassischer Süßigkeiten erleben möchten, aber ohne raffinierten Zucker, ohne Zusatzstoffe und ohne schlechtes Gewissen.

Unser größtes Nutzerbedürfnis ist klar: Wir stillen das echte Craving nach etwas Süßem. Nicht ein „funktionaler Riegel“, sondern eine Süßigkeit, die schmeckt wie das, wonach man sich sehnt. Gleichzeitig passt treatfuls in jede Alltagssituation: morgens zum Frühstück, mittags zum Kaffee, als Energie vor oder nach dem Sport, unterwegs mit Kindern, im Büro während des Mittagstiefs, oder abends auf der Couch. Und das Besondere: Unsere Riegel decken rund 20 % des täglichen Ballaststoffbedarfs ab – sie stillen Heißhunger, sättigen sinnvoll und unterstützen das allgemeine Wohlbefinden.

Wie stellen Sie sicher, dass Geschmack, Nachhaltigkeit und Transparenz in jedem Produkt zusammenkommen?

Wir sind vom ersten Rezept bis zum fertigen Produkt persönlich involviert. Viele Ideen entstehen tatsächlich noch immer in Magdas Thermomix – dort testen wir Grundlagen, vergleichen klassische Süßwaren und überlegen dann, wie wir sie gesünder interpretieren können. Anschließend entwickeln wir die Rezepturen gemeinsam mit unseren europäischen Produktionspartnern weiter.

Unsere Zutaten entsprechen genau dem, wie wir selbst essen: bio, vegan, glutenfrei, ohne Soja und ohne raffinierten Zucker. Beim Schokoladen-Sourcing arbeiten wir u. a. mit Zotter, einem Bean-to-Bar-Familienunternehmen, das fair und transparent produziert.

Unsere Produktion findet in Spanien, Portugal und Bulgarien statt. Diese Partner haben wir persönlich ausgewählt, und wir besuchen sie mindestens einmal jährlich, um Prozesse, Qualität und Beziehungen auf Augenhöhe sicherzustellen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns: faire Arbeitsbedingungen, faire Preise und langfristige Partnerschaften – nicht kurzfristige Optimierung.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell im Food- und Snackmarkt – und wie gehen Sie damit um?

Der klassische Einzelhandel ist für junge Marken anspruchsvoll: Entscheidungen dauern lange, Listungen werden in Stufen getestet und der Wettbewerb um Regalplätze ist enorm. Das verursacht hohe Kosten und eine lange Vorlaufzeit. Hinzu kommen volatile Rohstoffpreise, die sich heute oft monatlich ändern – früher waren Jahrespreise üblich. Für Startups wie uns bedeutet das: Unsicherheit in Kalkulation, Liquidität und Pricing.

Unsere Antwort darauf ist eine klare finanzielle Disziplin: präzise Liquiditätsplanung, abgestimmte Zahlungsfristen, fokussierter Cashflow-Aufbau und starke, langfristige Partnerschaften entlang der Lieferkette.

Was macht treatfuls im Vergleich zu anderen veganen Snackmarken wirklich einzigartig?

Wir verbinden Better-for-You-Qualität mit einer spielerischen, emotionalen Markenwelt. Unsere Verpackungen mit Statements wie „sweeter than your ex“ oder „best date you’ll ever have“ sorgen für ein Schmunzeln am Regal – und öffnen die Tür zu Menschen, die sonst vielleicht nie zu gesunden Snacks greifen würden.

treatfuls flirtet quasi mit den Konsument*innen. Die Verpackung zieht an, der Geschmack überzeugt, und die Werte halten das Versprechen. Wir sind eine Better-for-You-Marke, die nicht belehrt, sondern begeistert – für Gesundheitsbewusste und alle, die Lust auf Genuss und gute Laune haben.

Wie wichtig sind Verpackung, Inhaltsstoffe und Fair-Trade-Schokolade für Ihr Markenversprechen – und warum?

Unser Anspruch, „alles anders und besser“ zu machen, beginnt bei den Inhaltsstoffen: Bio, vegan, glutenfrei, ohne Soja und ohne raffinierten Zucker. So essen wir selbst und genauso möchten wir, dass treatfuls ist. Fairtrade-Schokolade ist für uns nicht verhandelbar. Gute Produkte können nur dann gut sein, wenn die Menschen dahinter fair behandelt werden.

Und schließlich das Packaging: Es bringt Humor und Leichtigkeit in eine Kategorie, die oft mit Moral oder Verzicht verbunden wird.
Unser Markenversprechen lautet: „it’s a treat, not a cheat“ – Genuss ohne Reue, aber mit Spaß.

Welche Entwicklungen oder Produktneuheiten dürfen wir in naher Zukunft erwarten?

Es kommt einiges: Ein Highlight ist unser neuer Matcha-Aufstrich – inspiriert durch eine Asienreise und in dieser Form im europäischen Markt bisher einzigartig. Außerdem arbeiten wir an einer neuen Kategorie im Bereich gebackener Süßwaren, unter anderem an gesünderen Cookies, die unser Portfolio perfekt ergänzen. Unsere Linie bleibt dabei konstant: natürliche Zutaten, bessere Nährwerte und ein Geschmackserlebnis, das klassische Süßwaren neu interpretiert.

Wie hat sich der Markt für gesunde Snacks verändert – und was bedeutet das für Ihre Strategie?

Der Better-for-You-Markt wächst seit Jahren deutlich stärker als der klassische Süßwarenmarkt – rund 30 % versus 3–5 % pro Jahr. Während viele Marken auf Proteine setzen, sehen wir ein starkes Momentum im Bereich Ballaststoffe und natürlicher Zutaten. Unsere Riegel decken rund 20 % des täglichen Ballaststoffbedarfs ab und entsprechen damit genau diesem Trend. Der Verzicht auf raffinierten Zucker ist für uns ein weiterer zentraler Baustein. Wir verbinden „better-for-you“ mit echtem Süßigkeitenfeeling – genau das wünschen sich immer mehr Konsument*innen.

Drei Ratschläge für Gründer*innen im Food-Bereich

Erstens: Austausch suchen. Die Foodbranche lebt von gegenseitiger Unterstützung. Wer sich vernetzt, lernt schneller und vermeidet teure Fehler.

Zweitens: Hartnäckig bleiben. Viele Türen öffnen sich erst nach mehreren Anläufen – der Handelsweg ist lang und komplex.

Drittens: Lücken erkennen und mutig besetzen. Erfolgreiche Marken entstehen dort, wo andere blind sind. Wer seine Kategorie wirklich versteht, kann bewusst besser sein.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit treatfuls – und wo sehen Sie das Unternehmen in einigen Jahren?

Wir sehen treatfuls als langfristiges, gesund wachsendes Unternehmen, das wir mit Freude weiterentwickeln möchten. Die Süßwarenbranche bietet enormes Innovationspotenzial – in neuen Kategorien, Produkten und Märkten.

Unser Ziel ist ambitioniert, aber klar: Wir möchten die führende Better-for-You-Snackmarke in Europa werden. Eine Marke, die Innovation, Werte und Geschmack vereint und Menschen zeigt, wie moderne Ernährung aussehen kann: genussvoll, natürlich, fair und voller Spaß.

Bild Gründerinnen Fotocredit treatfuls

Wir bedanken uns bei Tugce Cakir und Magdalena Parylak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sind wir bereit für Milchprodukte, die ohne Kompromisse auskommen?

0
Precision Labs Milch Produkte neu gedacht Gründerteambild mit Produkten in der hand

Precision Labs entwickelt moderne Milchalternativen, die vertrauten Geschmack mit besseren Nährwerten und mehr Nachhaltigkeit verbinden

Wie würden Sie Precision Labs und das Team dahinter Menschen vorstellen, die Ihr Startup noch nicht kennen?

Malte Zeeck (Co-Gründer): Precision Labs ist ein Münchner Food-Tech-Startup, das Milchprodukte ernährungsphysiologisch neu denkt. Unter unserer Marke Precision® entwickeln wir Milchalternativen, die drei wesentliche Faktoren vereinen: vertrauten Geschmack, ein überlegenes Nährstoffprofil und deutlich mehr Nachhaltigkeit. Unser Gründerteam – Fabio Labriola, Malte Zeeck und Philipp von Plato – bringt langjährige Erfahrung aus Tech, Skalierung und Produktentwicklung mit. Gemeinsam verfolgen wir ein klares Ziel: Milchprodukte zu schaffen, die zeitgemäß sind, weniger Ressourcen benötigen und gleichzeitig ernährungsphysiologisch genau das liefern, was moderne Ernährung braucht.

Was hat Sie persönlich motiviert, Precision Labs zu gründen und Milchprodukte komplett neu zu denken?

Malte Zeeck: Wir alle sind mit Milch aufgewachsen und mögen ihren Geschmack. Gleichzeitig sehen wir ihre ökologischen und gesundheitlichen Grenzen. Die Idee hinter Precision® war, beides zusammenzubringen: vertrauter Geschmack, aber moderner gedacht. Wir wollten zeigen, dass Ernährung genussvoll und gleichzeitig verantwortungsvoll sein kann – und dass Technologie genau dort einen echten Unterschied macht.

Welche Kernvision verfolgt Precision Labs langfristig und welche Meilensteine planen Sie auf dem Weg dorthin?

Malte Zeeck: Unsere Vision ist eine Zukunft, in der Milchprodukte komplett ohne Kühe auskommen – nährstoffreich, genussvoll und nachhaltig. Langfristig entwickeln wir Produkte auf Basis von naturidentischem Milchprotein aus Präzisionsfermentation. Heute sind unsere Produkte bereits zu rund 97 Prozent kuhfrei. Schritt für Schritt erweitern wir unser Sortiment: Milchmischgetränke, Joghurtalternativen, Käsealternativen und später vollständig tierfreie Milchprodukte. Parallel skalieren wir in Deutschland, Österreich und perspektivisch weiteren europäischen Märkten.

Für wen entwickeln Sie Precision® Produkte und welche Bedürfnisse dieser Zielgruppen stehen im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?

Malte Zeeck: Wir entwickeln für Menschen, die bewusst genießen möchten und Wert auf Geschmack, funktionale Nährstoffe und Nachhaltigkeit legen. Dazu gehören sowohl private Haushalte als auch Gastronomie und Handel. Wichtig ist uns, Produkte zu schaffen, die im Alltag funktionieren – vom Cappuccino bis zum Kochen – ohne dass man umdenken muss.

Ihr erstes Produkt kombiniert hochwertiges Milchprotein mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Was macht diese Mischung aus Ihrer Sicht so besonders?

Malte Zeeck: Die Kombination aus hochwertigem Milchprotein und funktionalen pflanzlichen Zutaten wie Zichorienwurzel, Zitrusfaser und Rapsöl sorgt für eine cremige Textur, ein rundes Geschmacksprofil und ein sehr ausgewogenes Nährstoffverhältnis. Unser Milchprotein enthält alle 9 essenziellen Aminosäuren und ist damit ernährungsphysiologisch überlegen. Gleichzeitig kommt Precision® mit deutlich weniger Zucker aus als Kuhmilch und Pflanzenmilchalternativen – bei gewohntem Geschmack und ganz ohne Laktose.

Wie gelingt es Ihnen, anspruchsvollen Geschmack, Schäumfähigkeit und ein verbessertes Nährstoffprofil miteinander zu vereinen?

Malte Zeeck: Wir optimieren Rezeptur und Verfahrenstechnik bis ins Detail. Kleinste Anpassungen bei Druck, Temperatur oder Zusammensetzung beeinflussen Textur und Geschmack. Gemeinsam mit Partnern wie dem Fraunhofer Institut haben wir diese Parameter über viele Monate präzise entwickelt, bis Schäumverhalten, Mundgefühl und Nährstoffprofil stimmig waren.

Die EU-Zulassung für vollständig kuhfreie Produkte auf Basis von Präzisionsfermentation wird erst 2027 erwartet. Wie gehen Sie mit solchen regulatorischen Herausforderungen um?

Malte Zeeck: Wir arbeiten frühzeitig mit Behörden zusammen und investieren parallel in Forschung, Sicherheit und Skalierbarkeit. Märkte wie die USA, Israel oder Singapur, in denen die Technologie heute schon zugelassen ist, liefern uns wertvolle Erfahrungswerte. So stellen wir sicher, dass wir nach der EU-Zulassung sofort marktreife Produkte bereit haben.

Precision Labs konnte namhafte Investorinnen und Investoren, darunter Spitzensportler, überzeugen. Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für dieses Vertrauen?

Malte Zeeck: Letztlich hat das Produkt selbst überzeugt: im Geschmack, im Nährwertprofil und durch seine deutlich nachhaltigere Zusammensetzung. Hinzu kommt die Kombination aus moderner Technologie, einem erfahrenen Gründerteam und einer klaren Vision für die Zukunft der Milch. Besonders Spitzensportlerinnen und Spitzensportler schätzen das vollständige Aminosäureprofil, den geringeren Zuckergehalt und die bessere Fettsäurebilanz – alles Faktoren, die Leistung und Regeneration unterstützen.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei der Entwicklung Ihrer Produkte?

Malte Zeeck: Nachhaltigkeit ist für uns ein Grundprinzip. Wir reduzieren tierische Bestandteile schrittweise, optimieren unsere Produktion und arbeiten bevorzugt mit pflanzlichen Rohstoffen, die eine geringere Umweltbelastung aufweisen. Unser Ziel ist ein messbarer Beitrag zu einer ressourcenschonenderen Milchindustrie.

Was macht Precision im Vergleich zu bisherigen Milchalternativen zu einem potenziellen Gamechanger?

Malte Zeeck: Precision® denkt Milch ernährungsphysiologisch völlig neu: Wie müsste Milch heute aussehen, wenn man sie ohne historische Einschränkungen entwickeln könnte? Das Ergebnis ist eine Milchalternative, die vertraut schmeckt, alle 9 essenziellen Aminosäuren liefert, laktosefrei ist, weniger Zucker enthält und nachhaltiger produziert werden kann. Precision® ist damit keine klassische Pflanzenmilch, sondern eine neue Kategorie – ein Produkt, das Genuss, Funktionalität und Verantwortung vereint, ohne Kompromisse.

Wie sehen die nächsten Schritte aus, von der Markterschließung bis zum geplanten Roll-out in Deutschland und Österreich?

Malte Zeeck: Wir expandieren schrittweise in Deutschland und Österreich: Derzeit sind unsere Produkte online und in ausgewählten EDEKA-Märkten erhältlich. Der bundesweite Roll-out ist für 2026 geplant, ebenso wie die Markteinführung in Österreich. Parallel erweitern wir unser Portfolio und bereiten uns auf die Einführung vollständig kuhfreier Produkte vor.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ebenfalls eine Food-Tech-Innovation auf den Markt bringen wollen?

Malte Zeeck: Fokus auf Differenzierung: Schafft ein Produkt, das echten Mehrwert bietet: Geschmack, Gesundheit und Nachhaltigkeit sollten Hand in Hand gehen.
Forschung und Qualität zuerst: Perfektioniert Rezeptur und Verfahrenstechnik, bevor ihr groß in den Markt gehen.
Netzwerk & Mentoring: Holt euch erfahrene Partner, Investoren und Expert:innen ins Boot. Sie helfen, Stolperfallen zu vermeiden und Visionen zu skalieren.

Was hat sich nach Ihrem Auftritt in der Höhle der Löwen unmittelbar verändert – sowohl für Ihr Team als auch für das Interesse am Produkt?

Malte Zeeck: Der Auftritt hat unsere Sichtbarkeit massiv erhöht – im Handel, bei Konsument:innen und in den Medien. Die Nachfrage ist stark gestiegen und das Feedback war sehr wertvoll. Für unser Team war es ein großer Motivationsschub und eine Bestätigung, dass unser Ansatz verstanden wird.

Welche Entwicklungen oder Herausforderungen sind nach der Ausstrahlung hinzugekommen, die Sie vorher vielleicht nicht erwartet hätten?

Malte Zeeck: Das Wachstum nach der Ausstrahlung war schneller als geplant. Das hat unsere Produktions- und Logistikkapazitäten gefordert, uns aber auch klare Hinweise gegeben, wo wir Prozesse weiter skalieren müssen. Gleichzeitig hat es gezeigt, wie groß das Interesse an innovativen Milchalternativen tatsächlich ist.

Bild Markus Hetzenegger Fotocredit PR / Precision®

Wir bedanken uns bei Malte Zeeck für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie gelingt es heute, aus Ideen echte Unternehmen zu formen?

0
Bosch Business Innovations Venture Building Geschäftsmodellen Axel Deniz CEO Bosch Business Innovations

Bosch Business Innovations baut gemeinsam mit externen Gründerinnen und Gründern neue, technologiegetriebene Geschäftsmodelle auf und etabliert Venture Building als langfristigen Wachstumsmotor im Konzern

Herr Deniz, viele Corporate Venture Builder wie Allianz, ProSiebenSat.1 oder SAP haben ihre Aktivitäten eingestellt. Warum scheitern so viele dieser Modelle – und was macht Bosch Business Innovations anders?

Das stimmt, Venture Building in der westlichen Welt erlebt eine Art Winter. Zahlreiche Corporates in Europa und USA haben sich erstmal zurückgezogen. In anderen Teilen der Welt zeigt sich ein völlig anderes Bild: In APAC oder MENA, selbst in Sub-Saharan Africa, ist Venture Building sehr stark im Venturing-Mix vieler Corporates vertreten. Wir sind als Global Player natürlich in der Luxussituation, hier entscheiden zu können, in welcher Region wir Venture Building machen und wo nicht.

Aber nicht nur beim Wo, auch beim Wie wollen wir eigene Maßstäbe setzen: Unsere Ventures sollen nicht opportunistisch entstehen, sondern auf Basis definierter Investment-Thesen, wir sagen „Beyond Business“-Bereiche dazu, also eher weiter vom Core. Wir bauen nur dort Ventures, wo Märkte neue Player aufnehmen können und wo wie als Konzern starke „unfaire Vorteile“ in die Ventures übertragen können. Konkret ist unsere erste Frage: Können wir einem neuen Venture aus dem sehr starken Research- und IP-Portfolio von Bosch heraus einen Technologievorsprung von zwei Jahren verschaffen? Wenn die Antwort Nein lautet, fangen wir gar nicht erst an.

Sie sprechen davon, Venture Building nicht als kurzfristigen Innovationstrick, sondern als verlässlichen Business-Baustein zu etablieren. Wie gelingt die Transformation von einer Hype-Einheit hin zu einer dauerhaften Innovationsfabrik?

Zunächst mal hätte ich nichts gegen etwas Hype (lacht)! Bosch ist im systematischen Bauen von Spin-offs erst seit 2025 aktiv, wir sind noch gar nicht wirklich bekannt genug im Innovationsökosystem! Wie werde ich einer AAA-Star-Founderin erklären, ihr nächstes Venture mit uns zu bauen? Ohne zumindest ein bisschen Hype wird das nicht gehen.
Aber im Ernst: Nach innen musst Du normalerweise Konzern-Dauerbrenner, wie Ungeduld, Leadership-Wechsel, Strategieschwenks und Kostenprogramme gut navigieren. Das ist bislang weniger mein Thema. Ich habe bei Bosch ein besonnenes Umfeld und sehr klare und professionelle Entscheider im Top-Management vorgefunden, was mich sehr positiv stimmt. Dennoch musst Du natürlich Erfolge vorweisen und nach innen wirklich relevant sein, nicht nur als „kleine Startup-Truppe“ wirken, sondern als wichtiger Player in der Transformation Ihres Konzerns etwas bewegen.

Im Kerngeschäft des Venture Buildings gefällt mir der Begriff der „Innovationsfabrik“ gut, Venture Building muss wie eine Maschine sein: Viele Experimente, schnelles und häufiges Neinsagen. Dabei hilft es, dass Venture Building als Handwerk schon etabliert ist. Eigentlich ist aus den früheren Erfahrungen vieler anderer Unternehmen schon klar, wie es auf jeden Fall nicht geht. Man kann also recht einfach auf ein Playbook kommen, wie es gehen kann. Dann muss man sich da im Aufsatz von Team und Strukturen schnell auf einen hohen Reifegrad bringen, nicht rumwurschteln und denken, man kann alles allein.

Deshalb schauen wir stark nach außen, Bosch hat großartige Technologie, aber für ein Venture braucht es mehr! Wir öffnen uns sehr systematisch für Entrepreneure, andere Corporates, Universitäten, Scale- und Startups sowie externe Kapitalgeber, nur gemeinsam mit tollen Gründerinnen und Gründern sowie komplementären Partnern wird es gehen. „Ökosystem statt Egosystem“ ist unsere Grundüberzeugung, um ein nachhaltiges neues Buiness zu haben.

Die Stiftungsstruktur von Bosch wird oft als Besonderheit hervorgehoben. Inwiefern gibt sie Ihnen tatsächlich die Freiheit, jenseits von Quartalsdenken langfristige Innovationspfade zu verfolgen?

Die Stiftung hält 94 Prozent der Anteile an der Robert Bosch GmbH. Das ist anders als bei vielen Anderen. Auch der Leitsatz “Technik fürs Leben” bei Bosch ist besonders und verpflichtet uns. Also ja, wir sind strategisch nicht vom nächsten Quartalsergebnis abhängig. Aber im Operativen handeln wir trotzdem so, als wären wir es! Eine „sense of urgency“ ist sehr wichtig. So arbeiten Startups, so wollen wir auch arbeiten.

Wie nutzen Sie die weltweit einmalige Patentbibliothek von Bosch konkret, um neue Ventures mit nachhaltigem Wettbewerbsvorteil aufzubauen?

Stimmt, die Ausgangslage ist tatsächlich außergewöhnlich und wie gemalt für Venture Building: Bosch hält über 76.000 aktive Patente weltweit. Jeden Tag kommen viele weitere dazu. Noch spannender ist es, wo die herkommen: Aus den Köpfen sehr vieler schlauer Menschen! Bosch ist eines der forschungsstärksten Industrieunternehmen der Welt -mit mehr als 20.000 Forscher:innen und Developern in Forschungsstandorten auf mehreren Kontinenten.
Nun ist es allgemein bekannt, dass sich viele forschende Unternehmen schwertun, vom Lab zum Business zu kommen. Geoffrey Nicholson hat gesagt: “Research is the transformation of money into knowledge; innovation is the transformation of knowledge into money”. Bei Letzterem hakt es oft, besonders in Europa.

Kurz gesagt, wollen wir unseren Ventures Jahre an Entwicklungszeit sparen und damit die Technologierisiken reduzieren, die mit Early-stage Ventures einhergehen, insbesondere bei DeepTech und Hardware. Deshalb greifen wir gezielt auf diese Infrastruktur bei Bosch zu. Das ist mehr als ein einfacher Griff zu einem Technologiestapel im Regal oder zu einem Patent. Wir wollen den Ventures auch Zugang zu Wissen, Expert:innen und Systemverständnis geben. Nach der frühen Phase geht es dann um Skalieren und Industrialisieren. Dafür haben wir „Venture Scouts“, die Bosch wie Trüffelschweine vom Keller bis zum Dachboden durchsuchen und die gefundenen Assets den Ventures systematisch zuführen. Ein konkretes Beispiel im Kontext unserer Investmentthese Carbon Capturing: Da gibt es beispielsweise weltweit bei Bosch über 100 relevante Patente im Bereich der CO₂-Entnahme und mehr als 1.000 Forschende mit Domänenwissen plus ein belastbares Netzwerk in der Industrie.

Venture Building ist stark vom Fokus abhängig. Warum sind klare Investment-Thesen – beispielsweise im Bereich Carbon Capturing – entscheidend für den langfristigen Erfolg?

Ohne klare Thesen verliert sich Venture Building in Opportunismus oder Trendjagd. Nachhaltiger Erfolg in jeder Form des Corporate Venturing entsteht nur, wenn in Portfolios gedacht wird, die so diversifiziert wie nötig aber so fokussiert wie möglich sind. Also: Erstmal immer nur in jenen Themen Ventures bauen, von denen man auch etwas versteht und wo man „defensible tech“, also den unfairen Vorteil hat, siehe oben. Dann sollte man innerhalb einer These, bzw. eines Suchfelds vertikal mehrere Ventures bauen, um Synergien zu haben. Es sollte dann hinreichend Thesen geben, um keine Klumpenrisiken zu produzieren.

Aber auch nicht zu viele, um sich nicht zu verzetteln. Wir planen ca. fünf Themen in den nächsten fünf Jahren ein. Aktuell konzentrieren wir uns noch auf zwei Thesen: Erstens auf softwaredefinierte Fertigung, mit dem Ziel, Produktionsprozesse durch intelligente Softwarelösungen fundamental neu zu denken. Zweitens auf Carbon Capturing – ein Feld, in dem wir mit Hilfe unserer Technologien eine Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft ermöglichen wollen. Zudem geben wir in Kürze eine neue These bekannt. Diese Felder stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung und adressieren Probleme, die bleiben. Genau dort sehen wir unseren Platz als Corporate Venture Builder.

Sie selbst kommen aus der Welt der Startups als Seriengründer. Wie prägt diese unternehmerische Erfahrung Ihre Arbeit als CEO eines Corporate Venture Builders im Konzernumfeld?

Ich habe mehrere Jahre in San Francisco gelebt und habe dort aus erster Hand erfahren, dass es ein ganzes Ökosystem braucht, um ein Startup großzuziehen. Diese Erkenntnis ist bei mir hängen geblieben. So denken wir bei Bosch Business Innovations auch in Ökosystemen. Als Gründer habe ich zudem erlebt, wie es ist, mit einer Idee ganz am Anfang zu stehen: Man ist voller Energie, aber auch voller Unsicherheit. Ich weiß, wie schwer es ist, die ersten Kunden zu gewinnen, Investoren zu überzeugen und gleichzeitig das Team zusammenzuhalten. Und ich weiß auch, dass viele Gründer ein mulmiges Gefühl haben, wenn ein großer Konzern ins Spiel kommt – die Sorge, Momentum zu verlieren oder die Kontrolle über die eigene Innovation abzugeben.

Genau da setzen wir bei Bosch Business Innovations an: Wir verstehen uns nicht als Kontrollinstanz, sondern als Partner. Unsere Aufgabe ist es, Gründerinnen und Gründer zu unterstützen, ohne ihre Eigenständigkeit einzuschränken. Wir wollen die Innovationskraft verstärken, nicht eindämmen. Für mich persönlich ist das die wichtigste Lehre aus meiner eigenen Gründerzeit: Ein Corporate Venture Builder darf keine Bremse sein, sondern muss Beschleuniger und Sparringspartner auf Augenhöhe sein.

Welche Rolle spielen Partnerschaften mit externen Startups und VCs in Ihrer Strategie – und wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen Corporate Venture Capital-Modellen?

Wir sind keine Corporate Venture Capital-Einheit, das macht bei uns Bosch Ventures und das sehr erfolgreich. Wir investieren nur in Ventures, die wir selbst mit bauen: Von Gründern und Gründerinnen geführte Spin-offs. Dabei setzen wir bewusst auf Partnerschaften. Wir arbeiten eng mit Early-stage Venture Capital-Investoren zusammen, denn wir sind überzeugt, dass unsere Ventures für sie einen sehr interessanten Dealflow darstellen! Für unsere Ventures ist es eine Auszeichnung, sich auch Kapital am Markt zu beschaffen. Diese Offenheit für externe Co-Investoren unterscheidet uns deutlich von vielen anderen Corporate Venture Buildern.

Innovation im Konzern stößt oft an kulturelle Grenzen. Wie schaffen Sie es, Unternehmergeist in einem traditionsreichen Unternehmen wie Bosch lebendig zu halten?

Der Firmengründer Robert Bosch ist ein Musterbeispiel für Entrepreneurship. Heute ist der Geist noch da, Bosch legt großen Wert auf Innovation und investiert viel, damit sie gelingt. An der Technik scheitert Innovation in der Regel nicht, aber Technik alleine reicht nicht aus, das Unternehmertum ist die andere Seite. Deshalb setzen wir darauf, gezielt Entrepreneure von außen in das Venture Building zu holen. Gründerinnen und Gründer bekommen bei uns eine Plattform, um Ideen voranzubringen, bei denen das Technologierisiko schon reduziert wurde. So gelingt es uns, Unternehmertum bei Bosch nicht nur lebendig zu halten, sondern gezielt zu fördern.

Ihr Anspruch reicht über Dekaden. Welche Themenfelder sehen Sie als entscheidend für die kommenden 10 Jahre Venture Building – und wie wollen Sie diese konkret besetzen?

Wir investieren viel Mühe in unsere Investmentthesen. Plausible mögliche Zukünfte gibt es viele. Grundsätzlich werden sich die Zukunftsfelder im Venture Building an den großen Domänen unserer Zeit orientieren: Wie wir uns fortbewegen, elektrifizieren, ernähren, gesund halten, wie wir produzieren und bauen – diese Value pools werden interessant bleiben, ungeachtet der vielen Tansformationen rund um AI, Klimawandel oder Geopolitik, die die nächsten 10 Jahre prägen werden.

Zum Schluss: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen – wie soll Bosch Business Innovations im Jahr 2040 dastehen?

Wenn ich an das Jahr 2040 denke, sehe ich Bosch Business Innovations nicht mehr als klassische Innovationseinheit, sondern als den Ort, an dem Bosch seine nächsten großen Geschäfte aufgebaut hat, die in ihrem Segment weltweit Maßstäbe setzen.

Bild Fotocredit Christina Politidou, Bosch Business Innovations GmbH

Wir bedanken uns bei Axel Deniz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

3Bears boostet Wachstum mit Sportstar Serge Gnabry

0
Serge Gnabry stärkt 3Bears mit neuem Investment

3Bears sichert sich ein siebenstelliges Investment für europaweite Expansion Top Investoren und Fußballstar Serge Gnabry an Bord

Das Münchner Start-up 3Bears, bekannt für seine Haferprodukte ohne Industriezucker, hat erfolgreich eine Finanzierungsrunde im siebenstelligen Millionenbereich abgeschlossen. Mit der neuen Kapitalspritze plant das Unternehmen eine umfassende Expansion in Europa, insbesondere in die Niederlande, Belgien und das Vereinigte Königreich. Zudem soll die Markenpräsenz gestärkt und die Handelsaktivitäten ausgebaut werden. Unterstützt wird dieser Wachstumsschritt von strategischen Investoren, darunter ein Papierverpackungshersteller, ausgewählte Business Angels sowie Fußballstar Serge Gnabry, der sich als Investor und Markenbotschafter engagiert.

3Bears verfolgt die Mission, natürliche, nachhaltige Haferprodukte europaweit zugänglich zu machen. Ein weiterer Fokus liegt auf innovativen Papierverpackungslösungen, die den Einsatz von Plastik reduzieren und die Produkte umweltfreundlicher machen sollen. Die Finanzierung beschleunigt nun gezielt die Umsetzung dieser Vision.

Strategische Investoren stärken Wachstum

Die neue Finanzierungsrunde bringt nicht nur Kapital, sondern auch wertvolles Know-how ins Unternehmen. Neben einem erfahrenen Verpackungshersteller und mehreren Business Angels beteiligt sich auch Serge Gnabry an 3Bears. Der Fußballprofi bringt nicht nur seine Reichweite als Markenbotschafter ein, sondern auch seine Begeisterung für natürliche Ernährung.

„Als Sportler achte ich sehr auf meine Ernährung. Natürliche Produkte wie die von 3Bears passen perfekt zu meiner Philosophie. Ich freue mich, Teil dieser spannenden Wachstumsstory zu sein“, sagt Serge Gnabry.

Auch die VIORA Beteiligungs eGbR, von Benjamin Kußmann initiiert, sieht großes Potenzial: „Unsere Beteiligung ist eine bewusste Entscheidung in ein stark wachsendes Segment. Mit Caroline und Tim haben wir Gründer kennengelernt, die authentisch, professionell und visionär zugleich sind.“

Fokus auf Expansion und nachhaltige Verpackungen

Serge Gnabry stärkt 3Bears mit neuem Investment

Das Investment wird vor allem in die internationale Expansion eingesetzt. Die ersten Zielmärkte sind die Niederlande und Belgien, gefolgt von weiteren europäischen Regionen. Parallel investiert 3Bears in den Ausbau des Marketings sowie in die Weiterentwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen. Damit soll die Marke in Europa noch stärker positioniert werden.

Mit neuen Partnern an der Seite betritt 3Bears ein neues Kapitel. Strategische Expertise, ein starkes Netzwerk und eine klare visionäre Ausrichtung sollen die Marke weiter beschleunigen und zur Referenz im Bereich natürlicher Haferprodukte machen.

Die Gründerstory von 3Bears

Gegründet wurde 3Bears von Caroline und Tim Nichols, einem deutsch-britischen Ehepaar, das seine Leidenschaft für Porridge und natürliche Ernährung in ein erfolgreiches Geschäftsmodell überführt hat. Seit 2016 hat sich das Unternehmen zu einem führenden Anbieter von Haferprodukten in Deutschland entwickelt und wächst jährlich im zweistelligen Prozentbereich.

„Wir freuen uns sehr, diese starken Partner an Bord zu haben, die unsere Vision teilen“, sagt Caroline Nichols. Tim Nichols ergänzt: „Mit der Unterstützung unserer Investoren und Sportlern wie Serge Gnabry können wir unser Wachstum weiter beschleunigen, unsere Produkte noch nachhaltiger gestalten und neue Märkte erschließen.“

Bild @3Bears

Quelle 3Bears

Wie gehen wir mit Trauer um, wenn sie plötzlich im Arbeitsalltag steht?

0
TRAUDO für Unternehmen und Trauer im Arbeitsalltag Petra Seidler

TRAUDO bietet ein einfaches, sichtbares Kommunikationsmittel, das Unternehmen hilft, Trauer im Arbeitsalltag einfühlsam und selbstbestimmt zu begleiten

Wie entstand TRAUDO und welche persönliche Geschichte von Petra Seidler führte zur Entwicklung der Schneckenhaus Anstecknadel?

Ich habe selbst in meinem Leben sehr dunkle Momente erlebt. So hatte ich beispielsqweise zwischen der Geburt meiner beiden Söhne zwei Fehlgeburten und eine nicht entdeckte Eileiterschwangerschaft, die mich fast das Leben gekostet hätte. In der Zeit habe ich gelernt, wie schnell man beruflich isoliert werden kann. Und wie schnell ein Unternehmen verstummt.
Ich bin damit nicht allein. Schätzungsweise 4,7 Millionen Beschäftigte sind von akuter Trauer betroffen. Dies bedeutet, dass sich etwa jede*r 10. Erwerbstätige in einem akuten Trauerprozess befindet. Und dann geht das große Schweigen los. Niemand traut sich mehr aufs Klo, weil die trauernde Kollegin am Wasserspender steht.
Der deutschen Wirtschaft gehen dadurch jährlich etwa 15 Milliarden Euro verloren. Aus dieser Erkenntnis ist TRAUDO entstanden. Eine Anstecknadel als nonverbales Kommunikationsmittel, das Unternehmen und Mitarbeitenden den ersten Schritt heraus aus der Hilf- und Sprachlosigkeit ermöglicht.

Was ist die zentrale Vision hinter TRAUDO und wie soll das Tool langfristig zu einer gesunden Trauerkultur in Unternehmen beitragen?

Ich möchte das Bild von Trauer in der Gesellschaft und auch in der Berufswelt dahingehend verändern, dass sie ein selbstverständlicher Bestandteil im zwischenmenschlichen Miteinander wird. Außerdem möchte ich zeigen, dass man selbst in äußerst schwierigen Lebenssituationen nicht gänzlich machtlos ist, sondern immer noch etwas selbstbestimmt gestalten kann. Ich möchte aus TRAUDO die „AIDS-Schleife für Trauer” machen – und noch mehr als das. TRAUDO zeigt nicht nur an, dass jemand trauert, sondern gleichzeitig auch, welchen Umgang er*sie sich wünscht. In Unternehmen ist TRAUDO eine unkomplizierte Hilfestellung für alle Beteiligten, den Begriff Trauerkultur mit Leben, Menschlichkeit und Haltung zu füllen. Mit TRAUDO gelingt die Integration von Trauer in Arbeitsabläufe.

Für welche Zielgruppen wurde TRAUDO entwickelt und wie unterstützen die farblichen Signale trauernde Menschen im Alltag?

TRAUDO wurde speziell für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen entwickelt, kann aber auch im privaten Umfeld genutzt werden. Primäre Zielgruppen sind HR-Abteilungen, Betriebsärzte und Führungskräfte.
Die farblichen Signale unterstützen trauernde Menschen, indem sie als emotionales Barometer dienen:
Grau: Signalisiert Rückzug. Die Botschaft an das Umfeld lautet: „Ich brauche noch meine Ruhe und möchte nicht darüber sprechen“. Die Form des Schneckenhauses erinnert daran, dass man noch im Schneckenhaus verharrt.
Grün: Signalisiert Offenheit. Die Botschaft lautet: „Ihr dürft mich ansprechen – ich bin bereit für Austausch und Mitgefühl“.
Dieses nonverbale Zeichen gibt dem Betroffenen in einer Phase des Kontrollverlusts enorme Selbstbestimmung zurück.

Wie erleichtert TRAUDO den Umgang zwischen Kolleg*innen und warum wirkt das einfache Prinzip der Sichtbarkeit so stark?

TRAUDO erleichtert den Umgang, indem es die Last des Erklärens von den Betroffenen nimmt und dem Umfeld eine sichere Orientierung bietet. Kolleginnen und Vorgesetzte müssen nicht mehr raten, ob sie die Person ansprechen sollen oder lieber nicht. Das Zeichen klärt die Situation, so dass die trauernde Person weder im unpassenden Moment angesprochen wird noch das Thema dauerhaft totgeschwiegen wird.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen, wenn Sie Unternehmen für das Thema Trauer und Kommunikation sensibilisieren?

Die größte Herausforderung liegt darin, dass Tod und Trauer in unserer leistungsorientierten Gesellschaft konsequent ausgeklammert und als Störfaktor angesehen werden. Die Erwartungshaltung ist, dass die Arbeit schnellstmöglich „business as usual“ weitergehen muss. Hier stoßen wir oft auf fehlendes Wissen: Führungskräfte sind zwar gut in Krisenmanagement und Konfliktlösung geschult, aber nicht im Umgang mit Trauer. Mit TRAUDO geben wir ihnen ein Tool an die Hand, das Führung in Ausnahmesituationen erleichtert.

Was macht TRAUDO einzigartig im Vergleich zu bestehenden Angeboten im Bereich betrieblicher Fürsorge?

TRAUDO ist einzigartig, weil es die Sprachlosigkeit an der Quelle bekämpft – nämlich im direkten, alltäglichen Kontakt zwischen Kolleg*innen. Bestehende Angebote konzentrieren sich oft auf formale Prozesse wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) oder die Definition von Trauer-Guidelines. TRAUDO hingegen ist ein nonverbales, physisches Zeichen, das sofort und ohne Worte wirkt. Mittels einfachster Mechanik gelingt es TRAUDO, eines der größten menschlichen Gefühle zu managen.

Wie reagieren Unternehmen auf die Idee eines emotionalen Barometers und welche Erfahrungen haben Sie in ersten Einsätzen gesammelt?

Die Idee eines emotionalen Barometers trifft auf großen Zuspruch, weil sie ein dringend benötigtes Konzept für eine Trauerkultur bietet. Unternehmen erkennen schnell, dass das Problem nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich ist. Wir sprechen von knapp 15 Milliarden Euro an Produktivitätsverlusten jährlich durch psychische Belastungen, zu denen Trauer maßgeblich beiträgt. Zusätzlich profitieren Unternehmen von der wachsenden Bindung. Mitarbeiter honorieren es, wenn Unternehmen in Krisensituationen für sie da sind. Dieses Verhalten wird nie vergessen.

Welche Rolle spielt die Farbe der TRAUDO Anstecknadel und wie entscheiden Betroffene, welches Signal gerade passt?

Trauer ist kein linearer Prozess. Deshalb entscheiden Betroffene immer selbst und täglich neu, welches Signal gerade passt. Heute braucht jemand vielleicht Rückzug, morgen möchte er reden. Die Nadel gibt ihnen die Freiheit, das Ob und Wann der Kommunikation selbstbestimmt zu wählen, ohne sich erklären zu müssen.

Wie planen Sie, TRAUDO weiterzuentwickeln und welche neuen Ansätze könnten künftig Teil Ihres Angebots werden?

Wir sehen TRAUDO als Fundament für den Aufbau eines umfassenden betrieblichen Trauer-Managementsystems. Dazu gehören zertifizierte Trainings und Workshops, um Führungskräfte und Teams für Trauerarbeit zu qualifizieren. Darüber hinaus bieten wir bereits mobile Begleitformate wie das Trauermobil TRAUTE an, um den Dreiklang aus Raum, Nähe und Aktion zu ermöglichen.

Inwiefern kann ein professioneller Umgang mit Trauer die Arbeitgeberattraktivität und die Bindung im Team stärken?

Ein professioneller Umgang mit Trauer ist nicht nur Teil der betrieblichen Fürsorgepflicht, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Unternehmen, die in Krisensituationen authentisch und unterstützend agieren, profitieren von deutlich höherer Mitarbeitendenbindung und gesteigerter Arbeitgebendenattraktivität. Die Loyalität der Mitarbeitenden wächst enorm, wenn ein Unternehmen sich in einer echten Lebenskrise unterstützend zeigt. Wer vorausschauend plant und Strukturen schafft, schützt nicht nur die Belegschaft, sondern sichert auch langfristig den Erfolg und hält wertvolles Personal im Unternehmen.

Wie möchten Sie den Zugang zu TRAUDO für Privatpersonen und Unternehmen künftig noch einfacher gestalten?

Für Privatpersonen ist TRAUDO bereits über unsere Website erhältlich.
Für Unternehmen möchten wir den Zugang durch diverse Maßnahmen vereinfachen und skalieren. So bieten wir Leitfäden und Onboarding-Kits für Unternehmen an, um die Einführung in die Belegschaft zu standardisieren. Zusätzlich wollen wir Partnerschaften (mit Krankenkassen usw.) schließen, um TRAUDO als skalierbares Tool leichter in HR-Prozesse zu integrieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ebenfalls ein sensibles gesellschaftliches Thema unternehmerisch angehen möchten?

Definiere deinen inneren Kompass klar: Dein unternehmerisches Handeln sollte sich nach Sinnhaftigkeit, Überzeugung, Verlässlichkeit und Menschenliebe ausrichten.
Hör auf, zu theoretisieren, und fang an, zu machen. Konzentrieren Sie sich auf die Kraft der praktischen Erfahrung. Suchen Sie nach dem einfachen Schritt mit großer Wirkung.
Finde eine, finde deine eigene Sprache für das Unsagbare: Sei mutig und nenne Dinge beim Namen, egal wie unüblich das vielleicht bisher war. Nur wenn es klar benannt wird, erst recht, wenn es ein Tabu war, kann man eine Veränderung initiieren.

Bild Petra Seidler Fotocredit Mit Traute

Wir bedanken uns bei Petra Seidler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie schafft man es, dass TikTok nicht nur Reichweite bringt, sondern Wirkung?

0
Promoplug TikTok Content Wie erreicht man Gen Z heute Julius Lutz Promoplug

Promoplug ist eine TikTok-Marketingagentur, die aus der Creator-Szene heraus entstanden ist und heute Marken sowie Artists dabei unterstützt, ihre Zielgruppen mit authentischem, trendnahen Kurzvideo-Content zu erreichen

Wie würden Sie Promoplug und das Team dahinter einem Menschen vorstellen, der Sie noch nicht kennt?

Wir sind eine TikTok-Marketingagentur, die aus der Creator-Szene heraus entstanden ist. Unser Team besteht aus zwölf Leuten unter 30, im Schnitt 22 Jahre alt, also mitten aus der Gen Z. Viele von uns haben selbst auf TikTok, Instagram oder YouTube angefangen. Deshalb wissen wir, wie authentischer Content entsteht und was bei der Zielgruppe wirklich ankommt. Wir repräsentieren genau die Person, die unsere Kunden mit ihrem Produkt oder ihrer Musik erreichen wollen. Wenn wir ein Konzert, ein Artist-Projekt oder eine Brand promoten, waren wir da meistens schon Fans, bevor wir den Auftrag bekommen haben.

Was war die Ursprungsidee für Promoplug und wie hat sich daraus Ihr heutiges Leistungsportfolio entwickelt?

Promoplug ist aus meiner eigenen Creator-Tätigkeit entstanden. Ich hatte damals auf TikTok etwa 100.000 Follower, viele davon Artists, die mich nach Tipps gefragt haben. Am Anfang war das ganz viel gemeinsam Zeit verbringen, brainstormen und möglichst viele virale Clips zu ihren neuesten Hörproben produzieren – vor allem im Rap, das war unser erster Playground. Mein erster richtiger Kunde war ENNIO aus München, für ihn habe ich die Konzepte geschrieben, gescriptet, gedreht und geschnitten.

Mit der Zeit sind wir als Team gewachsen, haben immer mehr eigene Expertisen dazugeholt – von Produktion, Schnitt, Beratung bis Creator-Marketing. Heute bieten wir Full Service für Musikmarketing an – vom Release über Artist-Branding bis zum passenden Content auf jedem Kanal. Festivals, Marken und Events aus der Musikbranche sind genauso dabei wie inzwischen Kampagnen für Brands außerhalb der Musik.

Unsere Hauptzielgruppe ist die Gen Z, aber wir erreichen je nach Thema auch Gen Y und ältere Zielgruppen. Auf TikTok sind längst nicht mehr nur junge Leute unterwegs, die Plattform ist viel breiter geworden. Uns geht es aber weniger um klassische Altersgruppen, sondern um die „Bubbles“, in denen sich Menschen online bewegen. Die Gen Z ist super divers und in einzelne Communities fragmentiert, deshalb arbeiten wir mit unserer eigenen Bubble-Matrix, um wirklich zu verstehen, was in welcher Lebenswelt abgeht.

Wir treffen die Erwartungen der Zielgruppe, weil wir selbst mittendrin sind. Jeder aus dem Team verbringt locker acht Stunden am Tag auf TikTok, Insta und Co. und spürt sofort, wenn sich etwas bewegt. Jeder bringt Input aus seiner eigenen Bubble mit. Wir scrollen viel, beobachten Trends und setzen neue Ideen oft noch am selben Tag um. So sind wir immer nah an dem, was wirklich abgeht – sei es der neue Sound, ein frisches Meme oder größere Makrobewegungen. Dieses Tempo und die Nähe helfen uns, Kampagnen kreativ und passgenau aufzubauen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im täglichen Agenturgeschäft rund um Social-Media-Content und wie gehen Sie damit um?

Die größte Herausforderung ist die extreme Geschwindigkeit der Plattformen. TikTok funktioniert in Echtzeit. Wenn gestern ein Trend startet, muss heute schon ein Video dazu raus. Das heißt für uns: Teile des Teams müssen wirklich jeden Tag auf TikTok unterwegs sein, die ForYou-Pages scannen, Neues entdecken und gleichzeitig in der echten Welt die Augen und Ohren offen halten. Wir fragen permanent im Freundeskreis nach: Warum feiert ihr diesen Sound? Hast du das auf TikTok entdeckt? Warum war dieses Meme plötzlich überall? Dieses ständige „durch die TikTok-Brille schauen“ ist Teil unseres Alltags, auch im privaten Umfeld.

Dazu kommt, dass wir ein sehr junges Team sind, das privat und beruflich viel Zeit zusammen verbringt. Die Balance zwischen Freundschaft und klaren Verantwortlichkeiten zu halten, war gerade am Anfang nicht immer leicht.

Und als Solo-Founder musste ich mir wirklich alles selbst beibringen: die GmbH-Gründung, rechtliche Fragen, Steuern und Finanzen. Bei mir lief alles nach dem Prinzip „Learning by Doing“. Es gab keine Investoren oder Unternehmerfamilie im Rücken. Stattdessen habe ich vieles ausprobiert, mich manchmal geirrt und daraus gelernt. Mit jedem Schritt wächst man mehr in die eigene Rolle hinein.

Was macht Promoplug aus Ihrer Sicht einzigartig im Vergleich zu klassischen Marketingagenturen?

Was uns von klassischen Agenturen unterscheidet? Ganz klar: Wir sind die Zielgruppe. Wir leben, was wir vermarkten. Unser Team ist jung, aber mittlerweile auch strukturiert, durch klare Prozesse und erfahrene Leads. 60 Prozent im Team sind eigene Creator und bringen damit eine Energie und Echtheit ins Marketing, die man nicht faken kann. Wir sind abends auf denselben Konzerten, über die wir tagsüber Kampagnen konzipieren – das spürt man in allem, was wir machen.

Welche Rolle spielt Ihr „iPhone first, Camera second“-Ansatz für Ihren kreativen Prozess und Ihre Ergebnisse?

Unser „iPhone first, Camera second“-Ansatz spielt eine maßgebliche Rolle. Die besten Ideen entstehen oft spontan, meistens einfach aus dem Moment heraus, und dann muss die Umsetzung direkt passieren. Vom Einfall bis zum Upload sollen idealerweise nur 15 Minuten vergehen. Gerade dieses Tempo sorgt dafür, dass unsere Clips echt und nahbar wirken und nicht wie perfekte Hochglanzproduktionen. Der Content bekommt so einen klaren Creator-Look, weil wir direkt aus der Situation filmen und nicht erst ein großes Set bauen. Oft reicht das Handy und ein gutes Auge, denn was zählt, ist die Idee und die schnelle Umsetzung. Natürlich gibt’s bei uns auch aufwändigere Produktionen, etwa für Marken oder Festivals, aber unser Kern bleibt: schnell, authentisch und immer dran an dem, was gerade funktioniert.

Mit welchen Entwicklungen im Bereich Kurzvideo-Content rechnen Sie in den kommenden Monaten und wie stellen Sie sich darauf ein?

Hier müssen wir natürlich über KI sprechen. Mein Take: Es werden sich spezialisierte Agenturen durchsetzen, die ihre Zielgruppe wirklich kennen und diese Bubbles genau verstehen – KI wird dabei das Tool sein, das Produktionen günstiger macht und uns ermöglicht, noch verrücktere Ideen mit weniger Budget zu testen. Schon jetzt hilft uns AI, Lizenz-Content, Third-Party-Clips oder Fan-Accounts zu produzieren und in großer Masse auszuspielen. Was für uns in den nächsten Jahren noch wichtiger wird: Mit KI können wir nicht nur Workflows beschleunigen und massenhaft Clips rausbringen, sondern auch Zeit für Strategie und wirklich neue Ideen schaffen. Trotzdem bleibt das wichtigste: Nur wer die Trends, Menschen und Popkultur wirklich versteht, kann mit und trotz KI etwas bewegen.

Was können andere Gründerinnen und Gründer aus Ihrer Erfahrung in der Creator-Economy lernen?

Was andere Gründer von meiner Erfahrung lernen können? Fang einfach an. Mach erstmal etwas Naheliegendes, das sinnvoll ist und sich weniger abstrakt anfühlt als gleich „ein Business gründen“. Bei mir war’s 2020 TikTok. Kein Businessplan, einfach Videos machen. Das war der Startpunkt für alles. Also: ausprobieren, machen, verwerfen, neu machen. Jeder Versuch bringt Momentum. Zweifel gehören dazu, aber Stillstand ist das Schlimmste. Einfach mal ein Jahr lang jeden Tag Videos posten oder ein eigenes Miniprojekt starten – daraus entsteht oft mehr, als man am Anfang denkt.

Welche Vision verfolgt Ihr Unternehmen im Bereich Creator-Economy und Social-Content und wie möchten Sie diese Realität werden lassen? & Wohin soll sich Promoplug langfristig entwickeln und welche nächsten Schritte planen Sie?

Unsere Vision: Wir wollen zeigen, wie Marken und Artists heute wirklich auf Augenhöhe mit der Zielgruppe sprechen können. Popkultur leben, nicht nur beobachten. Deshalb bauen wir gerade unser Brand Department weiter aus, arbeiten an internationalen Kampagnen und eigenen Third-Party-Content-Strukturen. Ein großes Thema ist auch unsere neue Software „contentplug“, damit können Newcomer Artists direkt und einfach kreative Ideen entwickeln und umsetzen.
Als großer Fan der Startup Economy und Mitglied des Young Founders Network e.V liebe ich den Austausch und die Arbeit mit anderen Gründer:innen. Dieses Jahr konnten wir die ersten beiden „media4revenue“-Deals mit jungen Consumer Startups eintüten. In diesen Modellen sind wir nicht nur als Agentur aktiv, sondern werden direkt am Social- und TikTok-Erfolg beteiligt. Solche Kooperationen stehen auf jeden Fall weiter ganz oben auf unserer Agenda für die nächsten Jahre.

Welche drei Ratschläge würden Sie jungen Teams mitgeben, die im Social-Media- oder Marketingbereich starten möchten?

Erstens: Probieren geht über Studieren. Jeden Tag Videos posten, alles tracken und immer wieder neu ausprobieren bringt dich weiter als jedes Social Media Marketing-Studium. Baut so auch euer Team auf: Mein erster Mitarbeiter, Damon Müller, den habe ich auf einem kleinen Rap-Konzert in Kreuzberg kennengelernt. Damals hat er bei Media Markt gearbeitet, aber die krassesten Video-Edits gemacht. Heute ist er Head of Production und Teil des Management Teams.
Zweitens: Verkauft euch nicht unter Wert. Ich habe anfangs zu viel Privatleben ins Berufliche gemischt, keine Verträge unterschreiben lassen, nach Sympathie rekrutiert und mich zu spät um steuerliche und rechtliche Fragen gekümmert. Macht das anders!
Drittens: Geht immer auf Winning-Formate. Artists, Creator, Influencer oder Brands können mit einem einzigen erfolgreichen Format ihren Kanal von null auf sechsstellige Abonnentenzahlen pushen. Es gibt viele spannende Best Cases. Am besten schafft man es, intern im Unternehmen oder im Team so eine kleine Serie oder ein Format zu etablieren – mit klarer Idee, festem Ablauf, aber immer aktuellen, trendbezogenen Themen.

Foto: @ promoplug

Wir bedanken uns bei Julius Lutz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Ist dies der Moment für ein alternatives Investment?

0
21shares Canton Network ETP im Finanzüberblick Adrian Fritz portrait bild

21shares bietet als etablierter Emittent regulierter Krypto-ETPs Anlegern einen transparenten und börsengehandelten Zugang zu digitalen Vermögenswerten und innovativen Blockchain-Infrastrukturen

Wie würden Sie 21shares und das Team hinter dem neuen Canton Network ETP Menschen vorstellen, die Ihr Unternehmen noch nicht kennen?

21shares ist einer der weltweit größten Emittenten regulierter Krypto-ETPs mit dem breitesten Lösungsangebot und bietet Anlegern seit Jahren transparenten Zugang zu digitalen Vermögenswerten. Das Team vereint langjährige Blockchain- und Finanz-Expertise mit der Überzeugung, Krypto für alle zugänglich zu machen.

Was hat 21shares motiviert, als erster weltweit ein ETP auf die Canton Coin zu bringen und welche Überzeugung steckt hinter diesem Schritt?

Als Netzwerk-Teilnehmer hat 21shares die Fortschritte des Canton Networks aus erster Hand erlebt und sieht darin eine der wichtigsten Infrastruktur-Innovationen für institutionelle Finanzmärkte. Das ETP ist ein logischer Schritt, um Investoren an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen.

Welche Vision verfolgt 21shares mit dem Canton Network ETP und welche Rolle soll das Produkt im institutionellen Blockchain-Markt künftig einnehmen?

Das ETP soll den Zugang zu einer Infrastruktur erleichtern, die traditionelle Finanzdienstleistungen und Blockchain-Technologie verbindet. Es dient als Brücke, um institutionelle Innovationen über regulierte Kapitalmarktprodukte investierbar zu machen.

Für welche Anlegergruppen wurde das Canton Network ETP entwickelt und welche Bedürfnisse dieser Zielgruppen adressiert es besonders deutlich?

Das Produkt richtet sich an Anleger, die frühzeitig in institutionelle Blockchain-Infrastruktur investieren möchten. Es adressiert insbesondere das Bedürfnis nach reguliertem, transparentem und börsengehandeltem Zugang zu einem komplexen Ökosystem. Wie alle ETPs ist es sowohl für versierte Privatanleger als auch institutionelle Investoren geeignet.

Canton Network gilt als erste datenschutzorientierte und interoperable Blockchain für institutionelle Finanzdienstleistungen. Was macht diese Infrastruktur aus Ihrer Sicht so einzigartig?

Canton ist die erste Blockchain, die institutionelle Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und regulatorische Konformität gleichzeitig erfüllt. Sie verbindet bislang isolierte Systeme, ohne Kompromisse bei Privatsphäre, Skalierbarkeit oder Kontrolle einzugehen.

Wie gelingt es 21shares, Transparenz, regulatorische Sicherheit und technologische Innovation miteinander zu verbinden?

Als etablierter ETP-Emittent setzt 21shares auf vollständig regulierte Strukturen, während der eigene Validator-Node direkten technologischen Zugang schafft. Die Kombination ermöglicht innovative Produkte, die zugleich alle Kapitalmarktstandards erfüllen.

Das Unternehmen ist selbst als Validator dem Canton Network beigetreten. Wie verändert diese aktive Rolle Ihre Perspektive auf die Weiterentwicklung des Ökosystems?

Durch den Betrieb eines eigenen Validator-Nodes erhält 21shares unmittelbare Einblicke in Netzwerkprozesse und Interoperabilitätsfortschritte. Das vertieft das Verständnis für technologische Entwicklungen und stärkt den eigenen Beitrag zum Ökosystem.

21shares Canton Network ETP im Finanzüberblick Bernhard Wenger Portrait Bild
Bernhard Wenger

Welche Herausforderungen bestehen derzeit bei der institutionellen Einführung von Blockchain-Technologie und wie begegnen Sie diesen?

Zentrale Hürden liegen in regulatorischer Sicherheit, Interoperabilität und Datenschutzanforderungen, obwohl hier aktuell große Entwicklungsschritte stattfinden. Canton adressiert diese Aspekte technisch, während 21shares den Zugang zu Krypto über börsengehandelte Produkte im regulierten Rahmen ermöglicht.

Viele große Institutionen wie J.P. Morgan, Goldman Sachs oder Deloitte unterstützen das Canton Network. Welche Bedeutung hat dieses Umfeld für Ihre strategische Ausrichtung?

Die Beteiligung führender Finanzakteure unterstreicht die Glaubwürdigkeit und Relevanz der Infrastruktur. Für 21shares bestätigt sie die strategische Entscheidung, auf institutionelle Blockchain-Lösungen zu setzen.

Welche Entwicklungen und Erweiterungen planen Sie rund um das Canton Network ETP in den kommenden Monaten?

Bei 21shares versuchen wir immer durch unsere Krypto-Know-How und Expertise in der Strukturierung von Finanzinnvationen Investoren zu einem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit zu bieten, an Trends und neuen Protokollen teilzuhaben. Dies manifestiert sich in unserem breiten Lösungsangebot und der Tatsache, dass wir viele “Worlds first” emittiert haben.

Welche Impulse könnte das Canton Network ETP Ihrer Einschätzung nach für die globale Finanzmarktinfrastruktur setzen?

Das ETP macht eine institutionelle Interoperabilitätsplattform erstmals über die Börse investierbar. Damit könnte es die Einführung neuer, vernetzter Finanzapplikationen beschleunigen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die selbst im Bereich digitaler Vermögenswerte oder Blockchain-Infrastruktur starten möchten?

Bauen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen und mit denen Sie fundamental ähnliche Werte teilen – ein belastbares Gründerteam übersteht auch schwierige Phasen.
Wählen Sie einen Markt, der langfristiges Wachstumspotenzial bietet, und konzentrieren Sie sich konsequent darauf, echte Probleme Ihrer Nutzer zu lösen.
Denken Sie früh über Distribution und Skalierbarkeit nach, denn selbst starke Produkte entfalten ihren Wert erst, wenn sie zuverlässig den Weg zu ihren Zielgruppen finden.

Bild Fotocredit 21shares

Wir bedanken uns bei Adrian Fritz und Bernhard Wenger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum KI für SaaS-Unternehmen in der Regel nicht funktioniert – und was wirklich Wachstum erzeugt

0
KI und SaaS Warum Unternehmen trotz Technologie stagnieren Andre Adam Autor

Künstliche Intelligenz gilt seit Jahren als Heilsversprechen für SaaS-Unternehmen. Automatisierung, Effizienz, Skalierung. Die Annahme: KI macht Produkte besser, Marketing leichter und Vertrieb planbarer. Doch in der Praxis zeigt sich immer deutlicher: Für die meisten SaaS-Unternehmen liefert KI nicht die Ergebnisse, die sie erwarten. Nicht, weil KI schlecht wäre, sondern weil die Mechanik dahinter falsch verstanden wird.
Die zentrale Erkenntnis: KI verstärkt bestehende Systeme. Sie löst aber keine strukturellen Probleme. Genau das ist der Grund, warum viele SaaS-Unternehmen trotz KI nicht wachsen.

KI ersetzt keine Strategie sondern verstärkt bestehende Systeme

Der Irrtum: KI wird als Ersatz für Strategie genutzt
Viele Teams setzen KI ein, um Content schneller zu produzieren, Features schneller zu entwickeln oder Marketingprozesse zu standardisieren. Die Hoffnung: Mehr Output führt zu mehr Wachstum.
Doch hier liegt der Fehler. KI skaliert weder Positionierung noch Produktklarheit. Sie reproduziert nur das, was bereits vorhanden ist. Wenn die Kernbotschaft unklar ist, werden Texte nur schneller unklar. Wenn das Produkt nicht differenziert ist, entstehen nur mehr generische Features. KI verstärkt die Richtung des Unternehmens – auch wenn sie falsch ist.
Für SaaS-Unternehmen bedeutet das: KI ist kein strategisches Werkzeug. Sie ist ein taktischer Beschleuniger.

Die fehlende Produktlogik als echtes Wachstumsproblem

Das unterschätzte Problem der Produktlogik
SaaS-Modelle stehen heute unter immensem Wettbewerbsdruck. Kategorien sind gesättigt. Funktionen ähneln sich. Preise werden verglichen. In dieser Situation hilft KI nur bedingt. Denn wenn das Produkt selbst keine präzise Wertlogik hat, kann KI die Differenzierung nicht erzeugen.
Genau hier scheitern viele Teams: Sie nutzen KI zur Feature-Entwicklung oder Dokumentation, aber ignorieren die Mechanik, die Kaufentscheidungen im SaaS-Markt steuert. Entscheidend ist nicht, wie viel man entwickelt. Entscheidend ist, ob das Produkt ein klares, unverwechselbares Nutzungsszenario besitzt.
KI kann Code generieren. Aber keine Identität.

Warum KI generierter Content keine Wirkung entfaltet

Warum KI-generierter Content im SaaS-Markt fast nie Wirkung erzeugt
Viele SaaS-Unternehmen setzen KI ein, um Thought-Leadership zu simulieren. Blogposts, LinkedIn-Beiträge, Whitepaper – alles automatisch erstellt. Das Ergebnis: Inhalte, die korrekt, aber belanglos sind.
Der Grund ist strukturell. KI kann nur bestehendes Wissen remixen. Sie hat keinen Standpunkt, keine Marktanalyse, keine echte Sicht. Thought-Leadership entsteht jedoch durch Perspektive, nicht durch Textmenge.
Fachpublikum erkennt sofort, wenn ein Unternehmen Substanz liefert – oder nur Output.
Besonders im SaaS-Bereich, in dem Kaufentscheidungen stark von wahrgenommener Kompetenz abhängen, entsteht dadurch ein Problem: KI-Content macht Marken austauschbarer statt relevanter.

Der entscheidende Faktor Glaubwürdigkeit im SaaS Markt

Der wahre Engpass: Glaubwürdigkeit
Bevor Unternehmen Features vergleichen, prüfen sie Glaubwürdigkeit:
Wer steht hinter dem Produkt?
Welche Resultate liefert es?
Wer nutzt es bereits?
Welche Nischen erkennt das Unternehmen?
Welche Denkweise steckt dahinter?
Diese Fragen entscheidet keine KI. Und spätestens beim ersten Google-Treffer zeigt sich die Wahrheit. Unternehmen mit KI-generierter Kommunikation bauen selten Tiefe auf. Sie sind sichtbar, aber nicht vertrauenswürdig. Genau deshalb stagnieren viele SaaS-Unternehmen trotz steigender Content-Aktivität.

Wachstum gelingt nur auf einem stabilen strategischen Fundament

Die systemische Perspektive: Warum KI nur funktioniert, wenn das Fundament stabil ist
Ein modernes Verständnis von Wachstum im SaaS-Bereich geht davon aus, dass Unternehmen auf drei Ebenen überzeugen müssen:
Produktlogik: klare Problemlösung, klare Zielgruppe, klare Differenzierung
Marktwahrnehmung: externer Proof, Referenzen, Reputation
Strategische Kommunikation: Position, Perspektive, narrative Tiefe
KI kann im besten Fall Ebene 3 unterstützen. Sie kann aber nicht Ebene 1 bauen und nicht Ebene 2 ersetzen. Genau deshalb scheitern die meisten Versuche, KI als Wachstumstreiber einzusetzen.
Wachstum entsteht nicht durch KI-generierte Texte oder Funktionen. Wachstum entsteht durch ein System, das Identität, Glaubwürdigkeit und Produktstruktur verbindet. Erst wenn diese Basis steht, wird KI tatsächlich wertvoll – als Beschleuniger, nicht als Ersatz.

KI wird erst wertvoll wenn Produkt Struktur und Wahrnehmung stimmen

Fazit: KI löst keine strukturellen Probleme – sie macht sie sichtbarer
Für SaaS-Unternehmen ist KI kein strategisches Werkzeug. Sie ist ein Verstärker. Und genau darin liegt die Herausforderung. Ein unscharfes Produkt wird durch KI nicht klarer. Eine generische Positionierung wird durch KI nicht einzigartiger. Und ein Unternehmen ohne vertrauenswürdige Signale wird durch KI nicht glaubwürdiger.
Wer KI sinnvoll nutzen will, braucht zuerst ein stabiles Fundament: eine präzise Produktarchitektur, klare Wertlogik und ein System, das Vertrauen aufbaut, bevor die Technologie ins Spiel kommt.
SaaS-Unternehmen wachsen nicht durch KI. Sie wachsen durch Klarheit, Struktur und Wahrnehmung. KI ist erst dann ein Vorteil, wenn das System dahinter funktioniert.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Human AI – wie Startups künstliche Intelligenz menschlicher machen

0
Human AI: Ethische KI und vertrauenswürdige Technologie Foto/Quelle: stock.adobe.com – GamePixel

Künstliche Intelligenz prägt unseren Alltag – vom Chatbot im Kundenservice bis zur Analyse medizinischer Daten. Doch je leistungsfähiger Algorithmen werden, desto dringender wird die Frage nach Verantwortung. Eine neue Generation von Gründer:innen will genau hier ansetzen: Human AI, ethische KI und vertrauenswürdige Technologie stehen im Mittelpunkt einer Bewegung, die Intelligenz wieder menschlich machen will.

Human AI – Technologie mit Empathie

Der Begriff Human AI beschreibt den Ansatz, künstliche Intelligenz so zu gestalten, dass sie den Menschen nicht ersetzt, sondern unterstützt. Es geht darum, Technologie empathisch, transparent und inklusiv zu denken.

Viele Startups sehen in Human AI die nächste Entwicklungsstufe – weg von rein datengetriebener Effizienz hin zu Systemen, die menschliche Werte berücksichtigen. Ziel ist es, KI-Lösungen zu schaffen, die intuitiv und fair sind, statt undurchsichtig und fehleranfällig.

Beispielhaft dafür ist das Berliner Startup Aleph Alpha, das erklärbare KI-Systeme entwickelt. Nutzer:innen sollen nachvollziehen können, wie Entscheidungen entstehen. Genau diese Transparenz ist der Kern von Human AI: Vertrauen entsteht, wenn Technik verständlich bleibt.

Ethische KI – Verantwortung im Code

Ethische KI ist mehr als ein Modebegriff – sie wird zum entscheidenden Qualitätsmerkmal digitaler Innovation. Immer häufiger achten Investor:innen, Behörden und Kund:innen darauf, ob Unternehmen moralische Prinzipien in ihre Algorithmen integrieren.

Dabei geht es nicht nur um Datenschutz, sondern um Gerechtigkeit und Fairness. Eine ethische KI muss verhindern, dass Vorurteile in Daten zu Diskriminierung führen. Sie sollte erklärbar, überprüfbar und nachvollziehbar sein – auch für Laien.

Viele Startups arbeiten daher mit Ethikbeiräten oder unabhängigen Prüfinstanzen zusammen. Einige, wie das Wiener Startup Mostly AI, setzen auf synthetische Daten, um sensible Informationen zu schützen. Andere, wie der französische Anbieter Hugging Face, fördern Open-Source-KI, um Manipulation und Intransparenz zu vermeiden.

Diese Entwicklungen zeigen: Verantwortung wird zur Innovationsstrategie.

Vertrauenswürdige Technologie als Wettbewerbsvorteil

In einer Welt, in der Daten zur Währung geworden sind, wird Vertrauen zum Kapital. Vertrauenswürdige Technologie ist daher nicht nur ein ethisches Ziel, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Nutzer:innen bevorzugen Systeme, denen sie trauen können – besonders in sensiblen Bereichen wie Medizin, Bildung oder Finanzen. Startups, die auf Datenschutz, Sicherheit und Transparenz setzen, schaffen Loyalität.

Laut einer Deloitte-Studie würden 62 Prozent der Konsument:innen KI-Produkte eher nutzen, wenn sie nachvollziehen könnten, wie Entscheidungen getroffen werden. Human AI liefert genau das – Technologie, die Sicherheit vermittelt statt Misstrauen.

Human AI im Alltag – vom Gesundheitswesen bis zum Recruiting

Die Anwendungsmöglichkeiten von Human AI sind vielfältig. Im Gesundheitswesen unterstützt sie Ärzt:innen bei Diagnosen, ohne ihre Expertise zu ersetzen. Im Recruiting helfen KI-Tools, Bewerbungen fairer zu bewerten, indem sie Vorurteile minimieren.

Auch in der Bildung entstehen neue Modelle: adaptive Lernplattformen, die den individuellen Lernstil berücksichtigen, statt Schüler:innen in Algorithmen zu pressen.

Diese Beispiele zeigen, dass vertrauenswürdige Technologie kein Widerspruch zu Effizienz ist. Im Gegenteil: Sie steigert Akzeptanz und Langfristigkeit.

Startups als Ethikpioniere

Gerade junge Unternehmen treiben diesen Wandel voran. Ihnen fehlt oft die Trägheit großer Konzerne – sie können mutig neue Maßstäbe setzen.

Viele Human AI-Startups arbeiten interdisziplinär: Informatiker:innen treffen auf Psycholog:innen, Designer:innen auf Ethiker:innen. Diese Vielfalt sorgt für Innovation, die nicht nur technisch, sondern auch sozial funktioniert.

Auch die Politik fördert diesen Ansatz. Mit Programmen wie „AI made in Europe“ will die EU Standards schaffen, die ethische KI und Transparenz stärken. Das eröffnet europäischen Gründern eine Chance: Mit Vertrauen als USP gegen die Dominanz amerikanischer und chinesischer Anbieter.

Die Grenzen künstlicher Intelligenz sind menschlich

So mächtig KI auch ist – sie bleibt ein Werkzeug. Menschliche Intuition, Kreativität und Moral sind durch keine Maschine ersetzbar. Human AI erinnert daran, dass Technologie im Dienst des Menschen stehen sollte, nicht umgekehrt.

Gründer:innen, die das verstehen, entwickeln Produkte, die nicht nur funktionieren, sondern verstanden werden. Sie gestalten Zukunft, ohne den Menschen aus dem Mittelpunkt zu verlieren.

Fazit

Die Zukunft der KI ist nicht nur smart, sondern sensibel. Human AI, ethische KI und vertrauenswürdige Technologie markieren den Beginn einer Ära, in der Algorithmen Verantwortung tragen.

Startups, die Empathie in Code übersetzen, schaffen mehr als Effizienz – sie schaffen Vertrauen. Und das ist die Grundlage jeder echten Innovation.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – GamePixel

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Neueste Beiträge

Travel Technology auf der ITB Berlin 2026

Travel Technology auf der ITB Berlin 2026

0
6 ausgebuchte Hallen, globale Player und neue Kongressformate: Die ITB Berlin 2026 zeigt, wie KI und Agentic Commerce das Reisen verändern.
OBI übernimmt 42watt für energetische Sanierungsprojekte Für OBI CEO Dr. Sebastian Gundel ist die Integration von 42watt ins Serviceportfolio von OBI ein wichtiger Schritt in der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens.

OBI investiert in 42watt