Ästhetische Medizin verändert sich. Patienten sind informierter, sensibler und anspruchsvoller als je zuvor. Gleichzeitig stehen viele Praxen unter Druck: steigende Erwartungen, hoher Konkurrenzdruck, knappe Zeitfenster und eine digitale Welt, die schneller reagiert als jedes Team es leisten kann. Inmitten dieser Dynamik entsteht ein Bereich, der oft unterschätzt wird – die Patient Journey als strategisches System.
Viele Praxen investieren viel Energie in Außenwirkung und Marketing. Doch ein großer Teil der Probleme entsteht nicht vor der Anfrage, sondern danach. Genau dort entscheidet sich, ob Vertrauen entsteht, ob Patienten vorbereitet erscheinen und ob Behandlungen tatsächlich stattfinden. Und genau hier setzt ein moderner Ansatz an, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: AI-gestützte Patient Journeys.
Der Trugschluss Mehr Marketing löst keine internen Probleme
Die meisten ästhetischen Praxen sehen das Problem in der Sichtbarkeit. Mehr Content soll mehr Anfragen bringen. Mehr Anfragen sollen mehr Termine erzeugen. Doch in der Realität scheitern viele Prozesse an einem anderen Punkt: der fehlenden Struktur zwischen Erstkontakt und Behandlung.
Typische Szenarien sind:
– Patienten bekommen nicht alle Informationen, die sie brauchen. – Fragen bleiben offen oder wiederholen sich in jedem Gespräch. – Teams arbeiten unter Zeitdruck und ohne klare Priorisierung. – No-Shows entstehen, weil Patienten unsicher bleiben. – Nachsorge wird kommuniziert, aber nicht verankert.
Es ist ein Muster, das sich in vielen Praxen zeigt: Die Nachfrage steigt, die Qualität der Führung sinkt. Marketing erzeugt Bewegung – doch ohne System entsteht Chaos. Eine Praxis mit hoher Nachfrage, aber schwachen Abläufen wirkt für Patienten widersprüchlich. Genau das untergräbt Vertrauen, lange bevor ein Kennenlerntermin stattfindet.
Warum Kommunikation heute ein Sicherheitsfaktor ist
Ästhetische Behandlungen sind für viele Menschen eine emotionale Entscheidung. Unsicherheit gehört dazu. Patienten wollen nicht nur Ergebnisse, sondern Orientierung. Sie wollen Abfolge, Klarheit, Risikoabwägung, Erwartungsmanagement.
Wenn eine Praxis diese Orientierung nicht liefert, sucht sich der Patient eine andere, die es tut.
Aus psychologischer Sicht ist der Grund dafür klar: Menschen bewerten Kompetenz anhand der Klarheit, mit der jemand erklärt, führt und strukturiert. Eine klare Patient Journey signalisiert Professionalität. Eine unklare Reise signalisiert Risiko. Dieser Effekt entsteht in Sekunden – lange bevor ein Gespräch stattfindet.
Genau deshalb gewinnt Prozessdesign heute an Bedeutung. Es ist nicht nur Organisation. Es ist Wahrnehmungsmanagement.
Wie AI Patient Journeys transformiert – ohne Menschlichkeit zu ersetzen
Viele verbinden Automatisierung mit Kälte. Doch in der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Gut eingesetzte AI schafft Raum für Menschlichkeit. Nicht, weil sie Menschen ersetzt, sondern weil sie Routinearbeit übernimmt.
Drei Bereiche haben sich besonders bewährt:
Vorab-Informationen AI-gesteuerte Informationssequenzen bereiten Patienten auf Gespräche vor. Sie reduzieren Unsicherheiten und schaffen ein Grundverständnis, ohne zu überfordern.
Follow-up und Nachsorge Strukturierte Abläufe verhindern, dass Informationen verloren gehen. Patienten fühlen sich begleitet, nicht abgefertigt.
Team-Entlastung Teams müssen weniger wiederholen und können sich stärker auf individuelle Fragen konzentrieren. Das verbessert die Qualität jeder Interaktion.
Der entscheidende Punkt: AI ersetzt keine Aufklärung. Sie unterstützt sie. Sie macht Kommunikation vorhersehbarer, verständlicher und konsistenter.
Der Unterschied zwischen Praxen, die wachsen – und solchen, die stagnieren
In Gesprächen mit Praxisinhabern zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Die erfolgreichsten Praxen setzen nicht auf mehr Marketing. Sie setzen auf Klarheit in fünf Bereichen:
– ein verständlicher und psychologisch sauber geführter Informationsweg – transparente Prozesse – saubere Vorqualifizierung – konsequente Nachsorge – ein Team, das entlastet arbeitet statt hektisch reagiert
Diese Praxen wirken nicht größer oder lauter. Sie wirken sicherer. Und Sicherheit ist im ästhetischen Kontext der stärkste Wachstumshebel.
Der Blick nach vorn Systeme statt Aktionismus
Der Trend in der Ästhetik ist eindeutig. Patienten wollen Orientierung. Praxen wollen Entlastung. Und der Markt belohnt diejenigen, die beides miteinander verbinden. Die Patient Journey wird zu einem der wichtigsten strategischen Elemente – oft wichtiger als Social Media oder Werbung.
Was heute entsteht, ist kein technischer Trend, sondern ein struktureller Wandel. Ästhetische Medizin wird weniger von Kampagnen beeinflusst und stärker von Prozessen, die Vertrauen erzeugen. Systeme, die Patienten führen. Kommunikation, die verständlich bleibt. Abläufe, die Sicherheit geben.
Am Ende entscheidet nicht die Reichweite einer Praxis. Sondern die Klarheit, mit der sie Menschen durch eine sensible Entscheidung begleitet.
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Werbetext, oft als Copywriting bezeichnet, ist heute ein fundamentaler Baustein für den langfristigen Erfolg jeder Organisation, die Produkte oder Dienstleistungen anbietet. Viele gehen davon aus, dass der Schlüssel darin liegt, ständig Content zu produzieren – sei es in Form von Blogartikeln, Social-Media-Posts oder Produktbeschreibungen. Die Vorstellung ist: Wer regelmäßig Texte veröffentlicht, kommuniziert eine klare Botschaft und steigert automatisch die Konversionsrate.
Doch dieser Ansatz greift oft zu kurz. Das Scheitern liegt selten in der Fehlerhaftigkeit dieser Elemente, sondern in ihrer isolierten Anwendung. Effektiver Werbetext definiert sich nicht über die Menge des produzierten Materials oder dessen oberflächliche Attraktivität. Er definiert sich über die Fähigkeit, beim Leser eine Überzeugung zu erzeugen. Diese Überzeugung ist komplex und wird durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren gleichzeitig gesteuert. Ein modernes Verständnis von Copywriting betrachtet den Verkaufstext daher als ein strategisches System und nicht als eine lose Sammlung von Schreibmaßnahmen.
Die Verwechslung von Text und Marketing
Ein häufiger Irrtum besteht darin, Werbetext primär als einen visuellen oder informativen Akt zu sehen. Man konzentriert sich auf die richtige Wortwahl, das Gendern oder eine ansprechende Gestaltung des Textblocks. Dies kann zwar Konsistenz schaffen, generiert aber nur selten die nötige Kaufautorität.
Stellen Sie sich vor, ein potenzieller Kunde besucht eine Ihrer Landingpages. Stößt er dort auf einen Text, der zwar sprachlich korrekt, aber inhaltlich unstrukturiert, widersprüchlich oder mit unnötig vielen Fachbegriffen überladen ist, wird er schnell das Vertrauen verlieren. Dies geschieht unabhängig davon, wie professionell die Seite aussieht. Gerade in Märkten, in denen Vertrauen vor dem ersten Kontakt aufgebaut werden muss, ist die psychologische Textarchitektur ein entscheidender Mechanismus. Kunden erkennen in wenigen Sekunden, ob ein Angebot relevant, einzigartig und vertrauenswürdig präsentiert wird. Der erste Eindruck, der durch den Text vermittelt wird, entscheidet über den weiteren Verlauf. Ein starker Werbetext wird nicht primär durch das, was er sagt, sondern durch die Wirkung und Klarheit seiner Aussage definiert.
Die Basis Klarheit im Angebot
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die enge Verbindung zwischen dem Werbetext und der Klarheit des zugrunde liegenden Angebots. Die Worte müssen die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe punktgenau treffen.
Ein allgemein gehaltener Text, der versucht, alle anzusprechen, wirkt oft beliebig und schafft keine Relevanz. Ein Text, der hingegen den Fokus auf einen klar definierten Kunden und dessen spezifisches Problem legt, signalisiert Expertise und Kompetenz. Der Text wird somit zum Empathie-Träger. Die Formulierung eines klaren, eigenständigen Problemlösungsansatzes oder einer einzigartigen Vision schafft automatisch mehr Überzeugungstiefe, als das bloße Anpreisen von generischen Vorteilen.
Warum Nutzen wichtiger ist als Merkmale
Die meisten Texte konzentrieren sich darauf, eine lange Liste von Produktmerkmalen oder technischen Spezifikationen zu präsentieren. Diese Aufzählung liefert zwar Informationen, ist aber kein effektiver Auslöser für eine Kaufentscheidung.
Der wirkliche Unterschied liegt im tief sitzenden emotionalen Nutzen. Ein einziger, klar kommunizierter Vorteil, der dem Kunden Schmerz erspart oder ein tiefes Verlangen erfüllt, kann eine viel größere Wirkung entfalten als zahlreiche neutrale Fakten. Kaufentscheidungen basieren stark auf dem Wunsch nach einem besseren Ergebnis oder einem besseren Gefühl. Es ist verhaltenspsychologisch nachgewiesen, dass Menschen Ergebnisse und Transformation kaufen. Die Anzahl der Features ist demnach weniger relevant als die Signalwirkung des wichtigsten Kundennutzens.
Glaubwürdigkeit durch konsistente Kommunikation
Ein weiterer wesentlicher Punkt, der oft übersehen wird: Bevor eine Kaufentscheidung fällt, sucht der Kunde nach externer und interner Bestätigung. Dies geschieht durch die Überprüfung verschiedener Kommunikationskanäle.
Ein effektiver Werbetext muss über alle Plattformen hinweg eine konsistente, glaubwürdige Tonalität und Botschaft aufweisen. Selbst wenn die Hauptüberschrift sehr fesselnd ist, kann ein unprofessioneller Text auf der „Über Uns“-Seite oder eine unklare Formulierung in der E-Mail-Kommunikation das Vertrauen schnell beschädigen. Umgekehrt erzeugt ein kanalübergreifender, starker Texteindruck eine substanzielle Kaufbereitschaft. Ein Text, der die interne Kompetenz und Qualität des Angebots widerspiegelt, wird automatisch als vertrauenswürdiger eingestuft.
Die systemische Sichtweise
Ein moderner Ansatz beschreibt Werbetext als ein System, das vier Dimensionen umfasst, die gemeinsam Resonanz, Vertrauen und letztlich die Konversion beeinflussen. Dieses strategische Zusammenspiel aus psychologischen Faktoren, Textstruktur und Angebotsklarheit führt dazu, dass ein Text nicht nur schön klingt, sondern tatsächlich verkauft.
Ein erfolgreicher Werbetext ist kein isoliertes Schreibprojekt, sondern ein System, das Vertrauen aufbaut, bevor der Preis genannt wird, und Nachfrage erzeugt, bevor der Verkauf abgeschlossen ist. Wer dieses System versteht, kann vermeiden, ständig mehr Content zu erstellen, ohne dass sich die Verkaufsergebnisse verbessern.
Fazit Überzeugung ist das Ziel
Werbetext ist heute unerlässlich. Wer ihn jedoch auf die reine Sprachoberfläche, auf Keywords oder oberflächliches Storytelling reduziert, baut keine effektive Verkaufsbasis auf.
Entscheidend sind: eine präzise Definition des Kundennutzens. ein glaubwürdiges und konsistentes Textbild auf allen Kanälen. eine starke Betonung der emotionalen Vorteile statt nur der Merkmale. und ein systematischer Ansatz, der die Überzeugung des Kunden bewusst steuert.
Hier liegt der Unterschied zwischen Unternehmen, die um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden ringen, und jenen, die auch in gesättigten Märkten eine starke Kaufbereitschaft aufbauen.
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Die Höhle der Löwen – Endlich Weihnachten verwandelt die Weihnachtsfolge in ein festliches Highlight voller Emotionen, Innovationen und besonderen Gründerauftritten.
Die Weihnachtsfolge von Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten gehört traditionell zu den emotionalsten Momenten des Jahres. Diese besondere Ausgabe vereint Gründergeist mit funkelndem Lichterglanz und zeigt, wie inspirierend Unternehmertum in einer festlichen Atmosphäre sein kann. Wenn die Löwen in Weihnachtsstimmung kommen, entstehen Momente, die weit über klassische Pitches hinausreichen. Die Weihnachtsfolge lebt von Nähe, Begeisterung und der Freude an kreativen Ideen.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten eröffnet mit Plätzchenduft und Gründerfreude
Wenn Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten beginnt, erfüllt sofort der Duft von frisch gebackenen Plätzchen das Studio. Die Weihnachtsfolge startet mit Jennifer Kraus, die mit ihrer Idee Streuselade die Höhle in eine lebendige Weihnachtsbäckerei verwandelt. Ihre bunten Schokostreusel begeistern die Löwen ebenso wie das gemeinsame Verzieren der Kekse.
Doch trotz der festlichen Stimmung bleibt es nicht nur gemütlich. Die Bewertung ihres Unternehmens führt zu intensiven Fragen und klaren Ansagen. Die Weihnachtsfolge zeigt eindrucksvoll, wie nahe Genuss und unternehmerische Realität beieinander liegen. Ob Jennifer ein Weihnachtswunder erlebt, bleibt bis zum Ende offen.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten trifft auf TannTastisch
Tradition und Innovation verschmelzen, als Dr Christian Mai seine Marke TannTastisch präsentiert. Seine Entdeckung, dass junge Tannentriebe zitronig frisch schmecken und reich an Vitamin C sind, führt zu einer überraschend vielfältigen Produktwelt. Von Marmelade über Senf bis zu Gin und Wellness reicht das Spektrum.
In Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten probieren sich die Löwen durch 41 Produkte. Der Gründer zeigt, wie viel Potenzial in der Nordmanntanne steckt. Doch die zentrale Frage lautet, ob Tannprodukte nicht zu stark mit der Weihnachtszeit verbunden sind. Die Weihnachtsfolge macht deutlich, wie schwer es innovative Konzepte außerhalb ihrer natürlichen Saison haben.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten zeigt ein Holzspielzeug mit Herz
Maria Mittermüller stellt mit LEuLi ein mitwachsendes Holzspielzeug vor, das perfekt in die emotionale Stimmung der Weihnachtsfolge passt. Zwei Kinder spielen live im Studio und demonstrieren die Vielseitigkeit des Produkts, das von Motoriktraining bis Puppentheater zahlreiche Funktionen umfasst.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten schafft damit einen warmen Moment, der Nostalgie und moderne Pädagogik verbindet. Doch trotz aller Begeisterung bleiben Fragen zur Skalierung, zu Produktionskapazitäten und zum Preis bestehen. Ob die Gründerin ein Weihnachtswunder erlebt, entscheidet sich erst im Finale des Pitches.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten sorgt für Spannung mit dem Schneemobil Bobsla
Für einen Adrenalinschub in der Weihnachtsfolge sorgen Sergey Ignatyev und Werner Kirchner Höffer mit ihrem elektrischen Schneemobil Bobsla. Das Gefährt soll wendig, nachhaltig und vor allem sicher sein. Doch ein Test von Frank Thelen entwickelt sich plötzlich zu einem dramatischen Schreckmoment, als er ungebremst in ein Tor prallt. Glücklicherweise bleibt er unverletzt.
Die Szene zeigt, wie schnell Innovation aufregend und riskant zugleich sein kann. Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten macht an diesem Punkt eindrucksvoll deutlich, dass selbst in einer festlichen Folge echte Herausforderungen nicht ausbleiben. Ob der Pitch trotzdem zu einem Deal führt, bleibt spannend.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten findet emotionale Töne mit Joy_
Joy_ ist ein flexibler Gutschein für jedes online verfügbare Produkt und passt damit ideal in die Weihnachtsfolge. Die Möglichkeit, Videobotschaften, Fotos oder kreative Verpackungen einzubinden, begeistert die Löwen sofort. Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten zeigt hier die moderne Form des Schenkens.
Doch die Diskussionen über Margen, Einkaufsmodelle und Bewertungen führen zu intensiven Verhandlungen. Die Weihnachtsfolge wird an dieser Stelle besonders emotional, da mehrere Löwen gleichzeitig Angebote abgeben und die Gründer zwischen Leidenschaft und Logik entscheiden müssen.
Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten mit der farbenfrohen Streuselade
Zum Abschluss der Weihnachtsfolge sorgt Streuselade nochmals für strahlende Gesichter. Die farbenfrohen Schokostreusel bringen Freude, Kreativität und eine große Portion Weihnachtsgefühl in Die Höhle der Löwen Endlich Weihnachten. Doch trotz aller Begeisterung bleibt die Bewertung des Unternehmens anspruchsvoll. Ob es zum großen Weihnachtsmoment kommt, zeigt sich erst im Finale der Sendung.
Bild (v.l.) Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Judith Williams Moderator Amiaz Habtu hat vor dem Studio eine Crêperie aufgebaut. Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler und Judith Williams lassen es sich schmecken. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer
Marco Reinbold erklärt, wie sevdesk by Cegid Gründer und Selbstständige dabei unterstützt, Finanzprozesse digital zu vereinfachen und die E Rechnung sicher umzusetzen
Herr Reinbold, die E-Rechnungspflicht gilt seit Anfang des Jahres – trotzdem schreiben laut Ihrer Umfrage viele Gründer Rechnungen noch per Hand. Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung?
Marco Reinbold: Viele Gründer unterschätzen den Aufwand analoger Prozesse, sei es aus Gewohnheit, Unwissen oder Zeitmangel. Oft kommt auch die Sorge hinzu, dass die Digitalisierung teuer, kompliziert oder aufwendig sei. Zudem wird die E-Rechnungspflicht nicht überall klar kommuniziert. Viele wissen gar nicht genau, was sich konkret ändert, weshalb sie die Dringlichkeit nicht wahrnehmen.
Welche konkreten Risiken entstehen für Unternehmer, wenn sie weiterhin auf analoge Prozesse oder Tools wie Word und Excel setzen?
Marco Reinbold: Die Risiken sind vielfältig. Wer die E-Rechnungspflicht ignoriert, muss mit Bußgeldern oder Abmahnungen rechnen. Manuelle Prozesse sind fehleranfällig und nicht revisionssicher. Zudem kosten sie viel Zeit. Ohne eine digitale Übersicht über Zahlungsziele, Forderungen und Steuern drohen schnell Liquiditätsengpässe. Wer wachsen will, braucht skalierbare Prozesse. Mit Word und Excel stößt man hier schnell an Grenzen.
In Ihrer Umfrage zeigt sich: 22 Prozent der Befragten verwalten ihre Finanzen im Kopf. Was sagt dieses Ergebnis über das digitale Mindset vieler Gründer aus?
Marco Reinbold: Es zeigt vor allem, dass großer Aufklärungsbedarf besteht. Viele Gründer sind Experten auf ihrem Gebiet, aber keine Zahlenmenschen. Die Finanzen „im Kopf“ zu managen, mag für Improvisation und Flexibilität stehen, birgt aber auch ein unterschätztes Risiko. Oft fehlt das Verständnis dafür, dass digitale Tools keine Belastung, sondern echte Business-Enabler sind.
Wie weit können Gründer mit KI in der Finanzplanung tatsächlich kommen? Wo liegen die Chancen, aber auch die Grenzen?
Marco Reinbold: KI kann vieles leisten. Sie kategorisiert Einnahmen und Ausgaben automatisch, erstellt Forecasts für Liquidität und Cashflow und unterstützt bei der Steuerberechnung. Auch Hinweise auf Optimierungspotenziale sind möglich. Doch es gibt klare Grenzen. Schlechte Daten führen zu falschen Ergebnissen. Komplexe steuerliche Fragen oder strategische Entscheidungen sollten weiterhin von Menschen getroffen werden. Und ohne Grundverständnis für Zahlen kann selbst die beste KI in die Irre führen.
Immer mehr Selbstständige suchen Informationen bei Google oder ChatGPT. Welche Rolle können solche Tools künftig in der Finanzorganisation spielen?
Marco Reinbold: Solche Tools entwickeln sich zu digitalen Sparringspartnern. Sie helfen bei Rückfragen, geben Orientierung und liefern erste Einschätzungen. ChatGPT kann beispielsweise Begriffe erklären, Vorlagen prüfen oder Tipps zur Steueroptimierung geben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Nutzer die Antworten einordnen und bewerten können.
Wann wird der Einsatz von KI oder Chatbots im Finanzbereich riskant – etwa für die Liquidität oder rechtliche Anforderungen?
Marco Reinbold: Wer sich blind auf die Technik verlässt, ist selbst schuld. Dann können falsch interpretierte Daten schnell zu Fehlern in der Steuererklärung führen. Eine KI kennt keine Fristen. Ohne menschliche Kontrolle entstehen Lücken, die später teuer werden können.
Viele Gründer scheuen sich vor der E-Rechnungspflicht, weil sie technische Hürden befürchten. Wie kann diese Einstiegshürde gesenkt werden?
Marco Reinbold: Durch einfache Tools mit klarer Nutzerführung. Gute Software erleichtert den Einstieg mit Tutorials, Vorlagen und einem intuitiven Onboarding. Auch Steuerberater und öffentliche Stellen sollten aktiver über die neuen Anforderungen informieren.
Welche Rolle spielt eine benutzerfreundliche, automatisierte Buchhaltungssoftware wie sevdesk by Cegid dabei, E-Rechnungen sicher und einfach umzusetzen?
Marco Reinbold: sevdesk verbindet Pflicht und Nutzen. Die Software automatisiert rechtlich sichere Prozesse wie E-Rechnungen und ist so intuitiv, dass auch Nicht-Buchhalter sofort loslegen können. Sie verknüpft Rechnungsstellung, Banking, Steuerberater und Reporting, also alles, was zur Finanzorganisation gehört. So sparen Young Founders und Selbstständige wertvolle Zeit und behalten den Überblick.
Was raten Sie Gründern, die bislang noch manuell arbeiten, um ihre Prozesse effizient zu digitalisieren, ohne sich zu überfordern?
Marco Reinbold: Fangen Sie klein an, zum Beispiel mit der E-Rechnung. Wählen Sie eine Software, die mitwächst. Bauen Sie außerdem regelmäßig kleine Lernimpulse ein: Mit kurzen Lernvideos und Coachings lässt sich viel erreichen. Wichtig ist es auch, zunächst die Prozesse zu digitalisieren, die Zeit und Nerven kosten, etwa die Belegerfassung, das Erstellen von Rechnungen oder die Steuerübersicht.
Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, Buchhaltung und E-Rechnung nicht nur als Pflicht, sondern als echten Business-Booster zu verstehen?
Marco Reinbold: Gute Buchhaltung ist kein Verwaltungsakt, sondern ein Realitätscheck für den eigenen Erfolg. Wer seine Zahlen kennt, kann bessere Entscheidungen treffen. Wer sauber arbeitet, spart Zeit und Geld beim Steuerberater. Und wer Prozesse automatisiert, gewinnt Zeit für das, was das Business wirklich voranbringt: Kunden, Produkte und Wachstum.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren in Bezug auf KI-gestützte Buchhaltung und Finanzmanagement?
Marco Reinbold: Wir sehen die nächsten Schritte bereits heute: Selbstlernende Systeme erkennen Muster und geben Empfehlungen. Nahtlose Verbindungen zwischen Banking, Buchhaltung, Steuern und Versicherungen. Persönliche Assistenten, die Unternehmer aktiv begleiten, beispielsweise mit Erinnerungen oder Warnungen, à la „Achte auf deine Umsatzsteuervorauszahlung nächste Woche“. Und ganz zentral: mehr Vertrauen in KI durch Systeme, die nicht nur rechnen, sondern auch ihre Entscheidungen erklären.
Sovereign AI entwickelt eine KI Plattform, die juristisches Fachwissen aus dem Bau und Immobilienrecht digital zugänglich und für alle verständlich macht
Wie ist aus dem gemeinsamen Interesse an Recht und Technologie die Idee zur Sovereign AI Betriebs GmbH entstanden?
Mir war früh klar, dass ich als jüngstes Kind der Familie keinen klassischen juristischen Weg einschlagen würde. Gleichzeitig habe ich mich schon immer für Technik und digitale Produkte interessiert – erst beim Webdesign, später in der App-Entwicklung. Daraus ist die Idee entstanden, beide Welten zusammenzuführen: Das juristische Fachwissen einer spezialisierten Kanzlei mit über 25 Jahren Erfahrung so aufzubereiten, dass es digital nutzbar wird und allen offensteht.
Die Idee, rechtliches Wissen digital zugänglich zu machen, hat übrigens eine Vorgeschichte: Bereits seit mehr als 10 Jahren betreibt die Kanzlei KOENEN BAUANWÄLTE unter bauanwalt.de die Plattform „Bauanwalt Online“ (BAO) – ein digitaler Ratgeber für Bauherren, Planer und Bauunternehmer. Dahinter stand schon damals der Gedanke, Fachwissen zum Bau- und Architektenrecht frei zugänglich zu machen und Rechtsstreitigkeiten durch frühzeitige Information zu vermeiden. Als sich mit KI völlig neue Möglichkeiten eröffneten, war der Schritt zu Sovereign AI eine logische Weiterentwicklung dieser langjährigen Bemühungen.
Jakob, Sie haben mit 18 Jahren ein Legal-Tech-Unternehmen gegründet. Was hat Sie dazu bewegt, schon so früh Verantwortung zu übernehmen?
Ich wollte immer ein eigenes Produkt entwickeln, das einen echten Nutzen stiftet. Während des Beginns der Corona-Zeit, da war ich 13 Jahre alt, habe ich eine App gebaut, die Schülern helfen sollte, ihre Hausaufgaben und ihren Online-Unterricht besser zu organisieren. Das war mein erster ernsthafter Versuch, ein digitales Produkt zu entwickeln, das Probleme wirklich löst. Leider hatte die Zielgruppe nicht wirklich Interesse daran dieses Problem zu lösen. Dennoch war es eine sehr wichtige Erfahrung.
Für mich war es also weniger ein bewusster Entschluss, früh „Verantwortung zu übernehmen“, sondern eher ein natürlicher Prozess: Ich wollte etwas bauen, das Menschen hilft, und mich dabei auf meine technische Leidenschaft stützen.
Ich habe früh Websites entwickelt, vertiefte Informatik im Leistungskurs und besuchte parallel Jura-Vorlesungen als Gaststudent der JuniorUni Münster. Ich bin dabei weniger Entwickler im klassischen Sinn, sondern eher jemand, der abstrakte Ideen und Visionen formuliert, technische Möglichkeiten einordnet und daraus ein stimmiges Produktkonzept formt.
Diese Verbindung von Recht und Technologie prägt Sovereign AI fundamental – es ist ein Generationenprojekt, das Wissen demokratisiert und zugänglich macht. Unter dem Dach der Marke Sovereign bot sich schließlich die Gelegenheit, ein Produkt zu entwickeln, das juristische Expertise ins digitale Zeitalter bringt.
Welche Vision verfolgen Sie mit Sovereign Legal AI und wie wollen Sie erreichen, dass Recht für alle verständlicher und zugänglicher wird?
Viele Menschen erleben Recht als etwas Abschreckendes, als etwas, das nur dann relevant wird, wenn etwas schiefgeht. Das finde ich schade, denn Recht ist eigentlich ein Schutzmechanismus und etwas, das allen zur Verfügung stehen sollte.
Unsere Vision ist, dieses Wissen aus Bibliotheken, Fachkommentaren und aus der juristischen Praxis zu lösen und so aufzubereiten, dass jeder es verstehen und nutzen kann. Unsere KI macht jahrzehntelange Praxiserfahrung durchsuchbar, erklärt komplexe Fragen verständlich und zeigt die verlässlichen Originalquellen direkt mit an.
Sovereign Legal AI basiert auf jahrzehntelanger Rechtspraxis. Wie haben Sie dieses Wissen in eine funktionierende KI-Struktur überführt?
Wir arbeiten auf drei Ebenen:
1 Inhalte: Im Zentrum steht eine juristisch kuratierte Wissensbasis. Dazu gehören Rechtsinformationen mit Systematik, Fachartikel, Urteile, Gesetze und interne Aufbereitungen aus 25 Jahren Rechtspraxis. Wir haben Beiträge von Fachanwälten zu typischen Praxisproblemen wie Mängeln, Nachträgen und Genehmigungsfragen sowie eine von Fachanwälten kommentierte Urteilsdatenbank, beginnend mit den wichtigsten BGH-Entscheidungen, ergänzt durch relevante Instanzenrechtsprechung.
2 Training und Entwicklung: Die technische Entwicklung erfolgte gemeinsam mit den Anwältinnen und Anwälten der Kanzlei Koenen Bauanwälte. In einer Beta-Phase wurde das System im Alltag getestet und stetig verfeinert. Anwältinnen und Anwälte testen die KI laufend, geben Rückmeldungen, formulieren Anmerkungen und korrigieren Antworten.
3 Community-Ansatz: Sovereign AI ist ein Community-Projekt. Gemeinsam mit Anwälten, Kanzlei-Partnern und Nutzern entwickeln wir Features weiter. Wenn Nutzer – nur mit Einwilligung – Hinweise geben oder Lücken benennen, erweitert sich das System und wächst mit der Praxis.
Eine zuverlässige KI basiert immer auf verlässlichen Daten und genau dafür haben wir von Anfang an gesorgt.
Was unterscheidet Ihre Lösung von klassischen juristischen Datenbanken oder generativen KI-Systemen, die mit ungesicherten Informationen arbeiten?
Es gibt zwei zentrale Unterschiede:
Erstens: Wir sind das Gegenmodell zu großen Verlagssystemen. Wir glauben nicht, dass juristisches Wissen hinter Paywalls versteckt bleiben sollte. Die Basisversion bleibt kostenfrei und ist unser Beitrag zur juristischen Teilhabe im Baurecht. Fachartikel, Urteile und Inhalte aus der Praxis stellen wir kostenlos bereit.
Zweitens: Unsere KI arbeitet ausschließlich mit geprüften Inhalten – keine Foren, keine ungesicherten Quellen, kein zufälliges Internetmaterial. Die Antworten der KI werden in der Regel mit Originalquellen aus Gesetz, Rechtsprechung und Kommentarliteratur belegt und bleiben damit nachvollziehbar. Das unterscheidet Sovereign AI von generativen Blackbox-Systemen.
Die Autoren der Fachinhalte werden transparent angezeigt, sodass man immer weiß, welche juristische Stimme hinter einer Antwort steht. KI-Antworten selbst sollte man nicht zitieren. Dafür gibt es ausreichend Beispiele. Aber die dahinterliegenden Aussagen eines Fachanwalts oder einer Fachanwältin eben schon. Damit kombinieren wir das Beste aus zwei Welten: die Zuverlässigkeit einer Kanzlei und die Geschwindigkeit von KI.
Wie stellen Sie sicher, dass die von Sovereign Legal AI genutzten Informationen juristisch korrekt, nachvollziehbar und aktuell bleiben?
Wir beschränken uns aktuell auf das Bau- und Immobilienrecht und eng verbundene Gebiete. Für diese Bereiche stehen 18 Anwältinnen und Anwälte der Kanzlei KOENEN BAUANWÄLTE als Team dahinter.
Jede Veröffentlichung kommt von Fachanwälten, die dafür auch juristisch Verantwortung übernehmen. Außerdem wird das System laufend geprüft, aktualisiert und erweitert. Datenschutz und Datensicherheit haben höchsten Stellenwert: Die auf den Servern von Sovereign AI in der EU gespeicherten Daten werden nicht nur technisch geschützt, sondern auch regelmäßig überprüft – sowohl durch unseren Datenschutzbeauftragten als auch durch den bestellten KI-Beauftragten.
Ihre Plattform versteht sich als Community-Projekt. Welche Rolle spielt das Feedback der Nutzenden bei der Weiterentwicklung?
Eine zentrale. Wir sammeln Feedback im Sovereign Store, in der Community und in Beta-Tests. Daraus entstehen neue Features, präzisere Inhalte und Verbesserungen an der Benutzeroberfläche.
Viele Funktionen, die wir heute haben (z. B. tiefere Quellenansichten oder neue Suchmodi) sind direkt aus Nutzerfeedback entstanden. Die Community und Academy bieten über eine digitale Plattform wählbare Austauschformate, Workshops und Fortbildungen. Hier werden auch die Inhalte der KI diskutiert und weiterentwickelt. Dieser Prozess begleitet uns dauerhaft.
Jakob Koenen und sein Vater Prof. Dr. Andreas Koenen Fotograf Andreas Loechte Photography
Welche Zielgruppen möchten Sie mit Sovereign Legal AI konkret ansprechen – und wie erleichtern Sie ihnen den Zugang zu juristischem Wissen?
Unsere Nutzer sind vor allem Personen aus dem Bau- und Immobilienbereich: Architektinnen, Projektentwickler, Bauherren, Kommunen, Ingenieure, Bauleiter und Co.
Viele von ihnen haben weder Zeit noch Budget, um teure Kommentare zu kaufen oder ständig Quellen zu prüfen. Sovereign AI gibt juristisch fundierte Orientierung bei typischen Fragen der Projektpraxis wie Fristen, Formvorgaben, Mängelrechte und Vergabeformen.
Wir reduzieren diesen Aufwand, indem die KI geprüfte Inhalte durchsucht und die Originalquelle direkt mitliefert. Das spart Zeit, Geld und vermeidet Fehler. Die KI ist keine Rechtsberaterin, sondern ein intelligentes Werkzeug zur Strukturierung, Einordnung und Dokumentation. Sie bietet tägliche Verfügbarkeit ohne Schwellenangst und stellt ein barrierefreies Fundament, auf dem souveräne Entscheidungen überhaupt erst möglich werden.
Welche Herausforderungen mussten Sie auf dem Weg von der Idee bis zur funktionsfähigen KI-Plattform meistern?
Leider einige. Vor allem technische Herausforderungen: Wir mussten zunächst eine Struktur entwickeln, die es Anwältinnen und Anwälten überhaupt ermöglicht, ihre Inhalte, ihr Feedback und ihre Korrekturen sinnvoll einzubringen. Dafür brauchten wir ein System, das sowohl technisch zuverlässig ist als auch in den juristischen Arbeitsalltag passt.
Eine wesentliche Herausforderung war auch das systematische Sammeln und Strukturieren der Inhalte: Seit 2004 entwickelt die Kanzlei digitale Produkte und sammelt Daten, Urteile und Rechtswissen. Diese 20 Jahre Digitalisierung mussten in eine für KI nutzbare Form gebracht werden.
Rechtlich mussten wir sicherstellen, dass Sovereign AI keine Rechtsberatung erbringt, sondern als Informationswerkzeug fungiert. Die Trennung ist bewusst: Sovereign befähigt, die Anwaltskanzlei berät. Wer souverän arbeiten kann, erkennt, wann er einen Anwalt braucht. Und wer einen Anwalt braucht, kommt vorbereitet.
Wie wollen Sie das Unternehmen und die Plattform in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Gibt es Pläne, zusätzliche Rechtsgebiete zu integrieren?
Wir entwickeln die Plattform kontinuierlich weiter – sowohl technisch als auch inhaltlich. Kurzfristig konzentrieren wir uns auf neue Features wie Vorlagen für typische Rollen (Bauleitung, GU/GÜ, Architektur), Dokumenten-Gerüste und Qualitätsanker. Außerdem arbeiten wir an besseren Suchmechanismen und einer einfacheren Quellenansicht.
Mittelfristig planen wir, weitere Rechtsgebiete zu erschließen. Das machen wir aber erst dann, wenn wir die gleiche inhaltliche Tiefe und Qualität gewährleisten können wie im Bau- und Immobilienrecht. Parallel dazu suchen wir bereits nach geeigneten Partnern und Fachanwälten, mit denen wir diese neuen Rechtsgebiete inhaltlich sauber und praxisnah aufbauen können.
Was bedeutet für Sie persönlich „demokratisiertes Recht“ – und wie verändert das den juristischen Alltag in Zukunft?
Recht sollte nicht nur denen zugänglich sein, die es studiert haben oder einen Anwalt im direkten Umfeld haben. Demokratisiertes Recht bedeutet für mich, juristisches Wissen in die Mitte der Gesellschaft zu holen – verständlich, transparent und kostenlos. Für mich geht es immer noch um denselben Gedanken: Freiheit beginnt mit Bewusstsein. Das Bewusstsein über die eigenen Möglichkeiten und das Wissen, wie man diese durchsetzen kann.
Für den juristischen Alltag bedeutet das, dass Anwälte sich stärker auf Beratung, Strategie und Einzelfallarbeit konzentrieren können, während Basiswissen für alle verfügbar wird. Künstliche Intelligenz nimmt Routineaufgaben ab: Texte strukturieren, Dokumente zusammenfassen, Formulierungen verbessern. Das schafft Zeit für das, was wirklich zählt: Zuhören, Analysieren, Bewerten, Vertreten.
Die größte Veränderung liegt in der Haltung: Anwälte sind nicht mehr nur Problemlöser, sondern eher Prozessbegleiter und Befähiger. Wer Mandanten zeigt, wie sie Standard-Aufgaben selbst bewältigen können, schafft Vertrauen und wird für die wirklich schwierigen Fälle umso gezielter gefragt.
Welche drei Ratschläge würden Sie jungen Gründerinnen und Gründern geben, die wie Sie früh in den Tech- oder Legal-Bereich einsteigen möchten?
1 Fangt früh an, echte Probleme zu beobachten. Die besten Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Menschen wirklich kämpfen. Beobachtet die Lücken, die Frustration, die Umwege – dort liegt der Ansatzpunkt.
2 Baut etwas Kleines, aber Funktionierendes. Ein Prototyp, der echten Nutzen stiftet, ist wertvoller als ein riesiger Plan, der nie fertig wird. Iteriert, testet, verbessert, aber bringt etwas in die Welt, das Menschen tatsächlich nutzen können.
3 Sucht euch Mentoren, die ehrlich sind. Gerade in regulierten Bereichen wie Recht oder KI braucht man Menschen, die korrigieren, bevor man falsch abbiegt. Lernt von denen, die den Weg schon gegangen sind, und seid offen für Kritik, die euch weiterbringt.
Bild Jakob Koenen Fotograf Andreas Loechte Photography
Wir bedanken uns bei Jakob Koenen für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
pi-optimal entwickelt selbstlernende Workflows, die Unternehmen helfen, tägliche Entscheidungsprozesse effizienter und intelligenter zu steuern
Wie ist die Idee zu pi-optimal entstanden und welches Problem wollten Sie damit ursprünglich lösen?
Vor etwa neun Jahren bin ich über ein YouTube-Video gestolpert, das mein Leben verändert hat. Es zeigte einen Algorithmus, der versuchte, Super Mario zu spielen. Am Anfang war er katastrophal – er lief in jeden Gegner, fiel in jedes Loch. Aber mit jeder Runde wurde er besser. Nach tausenden Versuchen meisterte er das Level perfekt.
Damals wusste ich nicht, dass diese Methode Reinforcement Learning heißt. Aber die Idee, dass ein System durch Interaktion mit seiner Umwelt selbstständig lernen und sogar menschliche Fähigkeiten übertreffen kann – das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe daraufhin meine gesamte Studienrichtung geändert.
Fast forward sieben Jahre: Ich forschte am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme an genau diesen Technologien. Gleichzeitig arbeitete ich als Data Scientist in einer Marketing-Agentur – gemeinsam mit Mehmet, meinem späteren Co-Founder. Dort entwickelten wir die erste Anwendung eines selbstlernenden Algorithmus für einen Marketing-Agenten.
Diese Algorithmen aus der Forschung und aus Videospielen in die echte Welt zu bringen – das war der Grundstein für pi_optimal. Heute fragen wir uns: Wie würde unsere Welt aussehen, wenn alle Prozesse wie der Mario in diesem Video selbst lernen und sich kontinuierlich verbessern könnten? Das ist unsere Motivation.
Wer steht hinter pi-optimal und welche beruflichen oder akademischen Erfahrungen haben Sie in das Projekt eingebracht?
Wir sind zu Viert mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Forschung und Praxis.
Ich selbst habe Kognitionswissenschaft in Tübingen studiert und am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme an Reinforcement Learning geforscht. Parallel dazu habe ich vier Jahre als Data Scientist in einer mittelständischen Marketing-Agentur gearbeitet und davor bei Bertelsmann im AdTech-Bereich – ich kenne die Schmerzpunkte unserer Kunden aus erster Hand.
Mehmet kommt aus der Computational Neuroscience, hat am Graduate Training Centre in Tübingen studiert und ebenfalls mehrere Jahre in derselben Agentur gearbeitet. Er ist unser Experte für skalierbare Produktarchitektur und filtert meine manchmal zu ambitionierten Ideen und baut die Systeme, die tatsächlich funktionieren.
Urs bringt Startup-Erfahrung aus Berlin mit und hat den Agentur-Markt als unsere erste Zielgruppe identifiziert. Er verantwortet alles rund um Go-to-Market und Operations.
Mehdi studiert Bio-Informatik und verantwortet trotz Vollzeitstudium unsere Forschung. Er arbeitet daran, die Brücke zwischen akademischer Innovation und produktionsreifer Software zu schlagen.
Was uns verbindet: Wir kommen aus der Forschung, aber wir wollen Produkte bauen, die in der echten Welt funktionieren. Nach mehreren Jahren Forschungsarbeit haben wir unseren MVP innerhalb sechs Wochen entwickelt und auf der DMEXCO präsentiert.
Wie würden Sie in wenigen Sätzen erklären, was pi-optimal genau macht und welchen konkreten Nutzen Ihre Kunden daraus ziehen?
Ein typischer Agentur-Alltag: Zehn Google-Ads-Kampagnen gleichzeitig managen. Jeden Tag hunderte kleine Entscheidungen treffen – Gebote anpassen, Keywords optimieren, Budgets verschieben. Das ist keine kreative Arbeit, das ist Fleißarbeit, die trotzdem Expertise erfordert.
Unser erstes Prodkt pi-automate übernimmt genau diese Arbeit. Nutzer beschreiben in einfacher Sprache, was sie erreichen wollen – keine Programmierung, kein Code. Das System trifft dann Entscheidungen wie der beste Kampagnenmanager, aber rund um die Uhr und über alle Kampagnen gleichzeitig.
Der konkrete Nutzen: Unsere Pilot-Agenturen sparen 8 Stunden pro Woche an manueller Optimierungsarbeit. Das ist ein Tag pro Woche, den Teams für Strategie, Kundenbeziehungen oder bessere Work-Life-Balance nutzen können.
Und das Wichtigste: Der Nutzer behält die volle Kontrolle – setzt die Leitplanken, sieht jede Entscheidung, kann jederzeit überschreiben. Wir automatisieren die Arbeit, nicht das Urteilsvermögen.
Welche Vision verfolgt pi-optimal langfristig – wohin soll sich das Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln?
Unsere Vision: Jeder Workflow in jedem Unternehmen sollte sich kontinuierlich verbessern – automatisch, ohne zusätzlichen Aufwand.
Heute verbringen Menschen unzählige Stunden damit, Prozesse zu optimieren, die sich eigentlich selbst optimieren könnten. Das ist verschwendetes Potenzial – für Unternehmen und für die Menschen, die Besseres tun könnten.
Wir starten bewusst fokussiert mit Marketing-Agenturen. Der Markt für Marketing-Automation in Europa liegt bei über 10 Milliarden Euro, und die Schmerzpunkte sind klar messbar. Aber die gleichen Muster – wiederkehrende Entscheidungen, die von Daten profitieren würden – finden wir überall: in Sales Operations, E-Commerce, Customer Success.
Wenn wir beweisen, dass selbstverbessernde Workflows funktionieren, öffnet das Türen in dutzende Branchen. Das ist die Plattform, die wir bauen.
Was war für Sie die größte technische oder unternehmerische Herausforderung bei der Entwicklung der Plattform?
Die größte Herausforderung ist, Zuverlässigkeit und Lernfähigkeit zu vereinen. Selbstlernende Systeme können exzellente Entscheidungen treffen – aber Unternehmen brauchen Konsistenz. Ein System, das meistens brillant ist, aber gelegentlich Unsinn macht, ist für den Geschäftsalltag unbrauchbar.
Unsere Lösung: Wir setzen lernende Komponenten nur dort ein, wo sie ihre Stärken ausspielen – bei komplexen Entscheidungen und der Anpassung an neue Situationen. Drumherum bauen wir ein deterministisches Framework, das Zuverlässigkeit garantiert. Diese Architektur ist unser technischer Kern und das Ergebnis vieler Iterationen.
Wie schaffen Sie es, mit Ihrer Technologie rund um Reinforcement Learning reale Probleme von Unternehmen effizient zu lösen?
Der Schlüssel liegt in der Kombination von Reinforcement Learning mit großen Sprachmodellen. Klassisches Reinforcement Learning braucht riesige Datenmengen – das funktioniert für Google, aber nicht für eine Agentur mit 50 Kampagnen.
Durch die Integration von Sprachmodellen erreichen wir sample-effizientes Lernen: Unsere Systeme können aus den Datenmengen lernen, die normale Unternehmen haben. Das macht selbstverbessernde Workflows für den Mittelstand praktikabel.
Gleichzeitig setzen wir auf deterministische Frameworks um die lernenden Komponenten herum. So garantieren wir Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit – entscheidend für den Einsatz in echten Geschäftsprozessen.
Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Ihrer Lösung an und wie gelingt es Ihnen, deren Bedürfnisse genau zu treffen?
Wir fokussieren uns auf kleine bis mittelgroße digitale Agenturen in Deutschland mit 5-30 Mitarbeitern. Diese Agenturen verbringen 40+ Stunden pro Woche mit manueller Kampagnenoptimierung – ein klarer, messbarer Schmerzpunkt.
Unseren Kunden-Fit erreichen wir durch drei Dinge: Erstens, wir kennen den Markt aus eigener Erfahrung – ich habe selbst vier Jahre als Data Scientist in einer Marketing-Agentur gearbeitet. Zweitens, wir validieren kontinuierlich mit echten Pilotprojekten statt theoretischen Annahmen. Drittens, wir lösen ein konkretes Problem mit messbarem Outcome: 8 Stunden Zeitersparnis pro Woche. Das ist keine abstrakte Verbesserung, das ist ein kompletter Arbeitstag.
Nach 10+ Gesprächen auf der DMEXCO und zwei aktiven Pilotprojekten wissen wir: Das Problem ist real, und unsere Lösung adressiert es direkt.
pi-optimal wirbt damit, Entscheidungsprozesse ohne große Datensätze zu optimieren. Was macht diesen Ansatz Ihrer Meinung nach so besonders?
Das ist tatsächlich unser technischer Durchbruch. Klassisches Machine Learning braucht riesige Datenmengen – das funktioniert für Google, aber nicht für eine Agentur mit 50 Kampagnen.
Wir kombinieren Reinforcement Learning mit großen Sprachmodellen. Dadurch erreichen wir, was wir „sample-effizientes Lernen“ nennen: Unsere Systeme können aus den Datenmengen lernen, die normale Unternehmen haben – nicht aus Millionen von Datenpunkten.
Das macht den Unterschied. Plötzlich werden selbstverbessernde Workflows für den Mittelstand praktikabel, nicht nur für Tech-Giganten. Eine Agentur mit 30 Mitarbeitern kann dieselbe Technologie nutzen, die sonst nur Konzernen vorbehalten war.
Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen KI-Trainingsmethoden oder anderen Anbietern im Markt?
Die meiste „Automation“ am Markt ist in Wahrheit regelbasiert – statische Wenn-Dann-Logik mit einem Chatbot als Interface. Das bricht, sobald sich Bedingungen ändern.
Assistenten wie ChatGPT können analysieren und Vorschläge machen, aber sie führen nichts aus und sie lernen nicht aus den spezifischen Ergebnissen eines Unternehmens.
Wir machen beides: Wir führen aus UND wir lernen. Unsere Automation passt sich bereits an veränderte Bedingungen an. Die volle Selbstverbesserung – bei der das System aus jedem Ergebnis lernt und sich Monat für Monat steigert – rollen wir gerade schrittweise aus.
Das ist der fundamentale Unterschied: Nicht Automation, die man einmal einrichtet und die dann stagniert. Sondern Workflows, die kontinuierlich besser werden.
Welche weiteren Branchen außer der digitalen Werbung könnten künftig von Ihrer Technologie profitieren?
Nach Agenturen sehen wir drei klare nächste Schritte:
Sales Operations – Lead Scoring, optimales Timing für Outreach, Pipeline-Optimierung. Überall, wo Vertriebsteams heute auf Bauchgefühl setzen.
E-Commerce – dynamische Preisgestaltung, Bestandsoptimierung, Personalisierung. Entscheidungen, die heute entweder manuell oder mit starren Regeln getroffen werden.
Customer Success – proaktive Churn-Prävention, Account Health Monitoring, Upselling-Timing. Die Muster sind dieselben: wiederkehrende Entscheidungen, die von Daten profitieren.
Langfristig: Überall dort, wo Menschen regelmäßig Optimierungsentscheidungen treffen, können selbstverbessernde Workflows Wert schaffen. Das ist ein riesiger Markt – aber wir bleiben diszipliniert. Erst beweisen wir es mit Agenturen, dann expandieren wir.
Was sind die nächsten Schritte oder Entwicklungen, an denen Sie derzeit arbeiten?
Wir haben gerade unseren ersten Piloten erfolgreich abgeschlossen und starten den zweiten. Der Fokus liegt jetzt darauf, aus Piloten zahlende Kunden zu machen und auf 10-20 Agenturen zu skalieren.
Technisch arbeiten wir daran, die Selbstverbesserungs-Fähigkeit vollständig in pi-automate zu integrieren.
Mittelfristig: 50+ Kunden und der Start in die zweite Branche.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer komplexen technologischen Idee wie Ihrer starten möchten?
Erstens: Baut ein echtes Produkt, das ein echtes Problem löst – nicht ein Forschungsprojekt. Wir hätten noch Jahre forschen können. Stattdessen haben wir in sechs Wochen einen MVP gebaut und auf der DMEXCO präsentiert. Die Marktreaktion war unsere beste Validierung.
Zweitens: Erfolg ist nicht linear. Doppelt so viel Arbeit bedeutet nicht doppelter Fortschritt. Oft sind es die unerwarteten Dinge – der Bar Crawl nach einer Konferenz, das zufällige Gespräch – die den entscheidenden Unterschied machen. It’s not about the grind, es geht um Kreativität und offene Augen für Chancen.
Drittens: Seid transparent über das, was funktioniert und was noch nicht.
NutriUnited vereint handwerkliche Lebensmittelbetriebe unter einem gemeinsamen Dach, um ihre Zukunft zu sichern und ihre Werte zu bewahren.
Wie würden Sie NutriUnited und das Team dahinter Menschen vorstellen, die Ihr Unternehmen noch nicht kennen?
Wir sind ein Team aus Veteranen und jungen, ambitionierten Unternehmern, die sich aufgemacht haben, die Zukunft des mittelständischen Lebensmittelhandwerks zu sichern. Wir wollen ein Zuhause für Menschen und Unternehmen schaffen, die bei Lebensmitteln nicht nur an Skaleneffekte und den Preis denken. Sondern an Handwerk und Liebe zum Produkt. Wer authentische, oftmals regionale Produkte sucht, die mit Liebe gemacht werden, ist bei uns richtig. Von Menschen für Menschen. Es ist unser Anspruch, der Tradition unserer Unternehmen eine Zukunft zu geben.
Was hat Josef Brunner persönlich motiviert, NutriUnited zu gründen und sich erneut dem Lebensmittelhandwerk zuzuwenden?
Josef ist Sohn eines Bäckers und kehrt mit NutriUnited zu seinen unternehmerischen Wurzeln zurück. Gleichzeitig hat er in den vergangenen Jahren in Food Startups investiert und dadurch gesehen, wie schwer es für junge Unternehmen aus diesem Bereich ist, sich nachhaltig erfolgreich zu etablieren. Die Situation wird weiter verschärft, weil viele mittelständische Lebensmittelunternehmen keine Nachfolge finden und somit eine unsichere Zukunft haben. All das führt zu einer potenziell dramatischen Veränderung in der Lebensmittelbranche. Und dieser Entwicklung wollen wir uns mit NutriUnited entgegenstellen.
Welche Vision verfolgen Sie mit NutriUnited langfristig und wie wollen Sie diese Mission – Familienbetriebe stärken und Nachfolgen sichern – konkret erreichen?
Wir wollen mit NutriUnited die Zukunft des mittelständischen Lebensmittelhandwerks sichern. Wir lieben die Liebe zum Handwerk und lokales Unternehmertum. Menschen in der Region für die Region, die Produkte verkaufen, hinter denen sie stehen und die sich durch mehr als nur den Preis definieren. Mit NutriUnited schaffen wir für diese Betriebe eine neue Heimat, in der ihre Werte weiterleben und wir gemeinsam neue Wege gehen. Langfristig wollen wir ein namhafter und kommerziell erfolgreicher Spieler im Markt sein und die Lebensmittelbranche aus dem Mittelstand heraus maßgeblich mitgestalten. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ein Weg, auf den wir sich freuen!
Für welche Unternehmen oder handwerklichen Betriebe ist NutriUnited ein Zuhause und wie stellen Sie sicher, dass deren individuelle Identität erhalten bleibt?
Unternehmen, die ihren Erfolg nicht durch einen ständigen Preiskampf definieren. Unternehmen, bei denen es menschelt und die lieben, was sie tun. Wir suchen nach Firmen mit Tradition und einer echten Differenzierung. Wer durch Konzerne, die sich auf Preisoptimierungen konzentrieren, fundamental gefährdet ist, passt wahrscheinlich weniger zu uns, als ein Unternehmen, das sich erfolgreich in der oftmals lokalen Nische etabliert hat. Organisches Wachstum ist uns weniger wichtig als ein solides Fundament, auf dem wir aufbauen können. Das Wichtigste bei uns ist allerdings das Menschliche. Wenn es menschlich nicht passt, sind Zahlen irrelevant.
NutriUnited setzt auf eine Buy-and-Build-Strategie. Was macht diesen Ansatz im Lebensmittelbereich für Sie besonders wirkungsvoll?
Wir glauben daran, dass man die Lebensmittelbranche von innen besser disruptieren kann als von außen. Oder zumindest schneller. Daher bietet es sich an, Unternehmen zu übernehmen, die keine eigene Nachfolge haben. Dort finden wir langjährige, stabile und belastbare Kundenbeziehungen vor und können auf bestehende und funktionierende Prozesse aufsetzen. Wir kaufen also nicht nur Unternehmen, sondern auch Fähigkeiten, Vertriebskanäle, Produktportfolios und Wissen, das uns dabei hilft, aus NutriUnited einen erfolgreichen Marktteilnehmer zu formen. Mit anorganischen Mitteln und dem weiteren organischen Ausbau der akquirierten Fähigkeiten.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell bei der Integration traditioneller, familiengeführter Unternehmen in eine moderne Unternehmensgruppe?
Eine gute Balance zwischen Skalierung, Synergien und lokalem, autarken Unternehmertum zu finden. Dazu arbeiten wir an unserem eigenen „Betriebssystem“: Dem NutriUnited Business System. Synergien dort heben, wo es sinnvoll ist, dadurch aber niemals die Authentizität und Agilität vor Ort gefährden.
Die Investorenliste ist beeindruckend. Welche Rolle spielen diese Unternehmerpersönlichkeiten für die strategische Entwicklung von NutriUnited?
Unsere Investoren verstehen sich als Mitunternehmer und wir beziehen sie dort, wo sie helfen können, auch aktiv mit ein. Für uns sind diese Menschen ein Geschenk und wir verspüren tiefe Dankbarkeit, dass sie an uns und unsere Mission glauben. Für so viele Themen, die uns beschäftigen, haben wir Menschen mit unglaublicher Expertise und einer beeindruckenden unternehmerischen Vita an Bord. Für uns ist das wahrscheinlich unser größter Wettbewerbsvorteil.
Wie gelingt es Ihnen, trotz Wachstum und neuer Akquisitionen klein, agil und kundennah zu bleiben – also Ihrer „Anti-Konzern“-Philosophie treu zu bleiben?
In dem wir keine Zentralfunktionen in der Holding aufbauen und den lokalen Geschäftsführern vor Ort maximale gestalterische Freiheit geben. Dennoch wollen wir über unser NutriUnited Business-System natürlich Synergien heben. Diese Synergien heben wir allerdings lokal in den Unternehmen und haben dort bestimmte Champions, die für die Gruppe Funktionen übernehmen. Allerdings können die Unternehmen vor Ort selbst entscheiden, ob sie dieses Angebot annehmen oder – zum Beispiel – weiterhin selbst einkaufen.
Was unterscheidet NutriUnited aus Ihrer Sicht von klassischen Food-Konzernen und was sehen Sie als Ihren stärksten Unique Selling Point?
Erstens, dass wir kein Konzern sind. Kein gigantischer Wasserkopf in der Holding, keine zentralen Funktionen, die Kosten erzeugen und den Fokus weg vom Produkt und den Kunden nehmen. Wir wollen agil zwischen den Elefantenbeinen der Großen tanzen und schnell reagieren können. Wir sind ein Verbund von Unternehmern und kein großer, monolithischer Klotz, der unbeweglich ist und sich mehr mit sich selbst als mit dem Markt und dem Kunden beschäftigt. Unser USP ist Authentizität. Wir sind keine Marke, wir sind Menschen, die Produkte für Menschen machen. Bei uns ist übrigens neben PowerPoints Slides auch das Wort „Konzern“ verboten.
Welche weiteren Entwicklungen oder Zukäufe planen Sie, um die Gruppe auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit handwerklicher Lebensmittelproduzenten zu sichern?
Unsere Reise ist in drei Phasen aufgeteilt. In der ersten Phase konzentrieren wir uns darauf, ein stabiles und tragfähiges Gerüst aufzubauen, das nicht nur profitabel ist, sondern auch diverse Fähigkeiten inkludiert, die wir zur weiteren Skalierung benötigen. Diese Phase werden wir voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen haben. Danach schalten wir mit Übernahmen einen Gang hoch, konzentrieren uns allerdings weiterhin auf den deutschsprachigen Raum. In der dritten Phase, die noch etwas Unschärfe mit sich bringt, werden wir dann potenziell auch in andere Märkte und andere Produktgruppen skalieren.
Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat Ihr Ansatz, Nachfolgelösungen für mittelständische Lebensmittelbetriebe zu schaffen?
Aus unserer Sicht, eine sehr große. Über 150,000 Unternehmen – über verschiedene Industrien verteilt – suchen in Deutschland eine Nachfolge. Finden sie diese nicht, verlieren wir nicht nur Vielfalt, sondern laufen auch in ein großes kommunales Finanzierungsproblem. Es werden Arbeitsplätze verloren gehen, ländliche Umgebungen werden weiter geschwächt und Konzerne werden die Industrien beherrschen. Eine graue Zukunft ohne Vielfalt. Shareholder Value wird Authentizität ablösen. Das ist ein dystopisches Zukunftsbild, das wir verhindern müssen. Speziell in Deutschland, dem Land der Mittelständler.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ebenfalls im Food-Bereich oder im Aufbau einer Unternehmensgruppe starten möchten?
Habt ein klares Zielbild für Euer Unternehmen und leitet daraus ab, welche Fähigkeiten ihr wann und in welcher Ausprägung braucht. Macht Euch Gedanken darüber, wie ihr den Ausbau finanziert und nutzt die komplette Klaviatur der verschiedenen Finanzierungsmittel, die euch zur Verfügung stehen. Es gibt mehr als Fremdkapital und Eigenkapital. Lest keine Marktstudien: Die Wahrheit liegt im Regal.
Bild Josef Brunner Fotocredit NutriUnited
Wir bedanken uns bei Josef Brunner für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Jedes Startup beginnt mit einer Idee. Doch erfolgreiche Startups beginnen mit etwas Tieferem: einer inneren Überzeugung. Der Founder Purpose, das Prinzip des wertebasierten Gründens und die Bedeutung einer starken Markenidentität im Startup zeigen, wie sehr Persönlichkeit, Haltung und Motivation über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Founder Purpose – wenn Motivation zum Motor wird
Founder Purpose beschreibt den persönlichen Antrieb, der Menschen dazu bewegt, ein Unternehmen zu gründen. Es ist der Kern der Vision – unabhängig von Markt, Produkt oder Kapital.
Dieser innere Kompass entscheidet darüber, wie Gründer:innen handeln, welche Risiken sie eingehen und welche Richtung sie einschlagen. Studien zeigen, dass Startups mit klar formuliertem Purpose langfristig erfolgreicher, resilienter und attraktiver für Talente sind.
Ein gutes Beispiel: Viele Social-Impact-Unternehmen entstehen aus einer persönlichen Erfahrung oder einem Problem, das der oder die Gründer:in gesehen und selbst lösen wollte. Diese Klarheit macht die Mission authentisch – und ansteckend.
Wertebasiertes Gründen – Haltung als Fundament
Wertebasiertes Gründen bedeutet, dass Entscheidungen nicht nur aus ökonomischer Perspektive getroffen werden, sondern auch aus Überzeugung. Gründer:innen definieren klare Werte, die als Leitlinien dienen – für Produkte, Partnerschaften und die Kultur im Team.
Dazu gehören Fragen wie:
Wofür steht mein Unternehmen wirklich?
Welche Entscheidungen widersprechen meinen Werten?
Wie möchte ich, dass Kund:innen uns wahrnehmen?
Diese Haltung sorgt dafür, dass Startups nicht nur wachsen, sondern auch integer bleiben. In Zeiten, in denen Kund:innen Transparenz erwarten, wird Werteklarheit zum echten Wettbewerbsvorteil.
Viele junge Unternehmen zeigen bereits, wie es geht: von nachhaltigen Food-Startups bis hin zu Tech-Teams, die Datenschutz und Fairness in den Mittelpunkt ihrer Produkte stellen. Werte erzeugen Vertrauen – und Vertrauen schafft Bindung.
Markenidentität Startup – Persönlichkeit wird zur Marke
Die Markenidentität im Startup beginnt nicht beim Logo. Sie beginnt beim Founder Purpose.
Eine starke Marke entsteht, wenn Persönlichkeit, Haltung und Angebot zusammenpassen. Wenn Gründer:innen aus Überzeugung handeln, spüren das Kund:innen und Teams gleichermaßen.
Markenidentität bedeutet:
konsistente Kommunikation
klare Botschaften
nachvollziehbare Werte
authentisches Auftreten
Startups, deren Gründer:innen eine klare Innenwelt haben, entwickeln eine starke Außenwirkung. Das macht Marken glaubwürdig – und unterscheidet sie von Wettbewerbern.
Purpose als Führungsinstrument
Der Founder Purpose wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Eine starke Vision motiviert Teams, gibt Orientierung und schafft Zusammenhalt.
Gerade in unsicheren Zeiten – schwankende Märkte, technische Herausforderungen, begrenzte Ressourcen – hilft Purpose, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.
Teams, die wissen, warum sie jeden Tag arbeiten, sind engagierter, loyaler und kreativer.
Wertebasiertes Gründen in der Praxis
Wertebasiertes Gründen ist keine Marketingstrategie, sondern ein täglicher Prozess. Er zeigt sich in unzähligen Entscheidungen:
Welche Lieferanten wähle ich?
Welche Features baue ich zuerst?
Welche Kundenbeziehungen passen – und welche nicht?
Purpose-geführte Startups trauen sich, Nein zu sagen. Sie bleiben langfristig glaubwürdiger und bauen stabilere Strukturen auf.
Ein Beispiel: Einige Tech-Startups entscheiden sich bewusst gegen Investoren, deren Werte nicht zu ihren passen – selbst wenn das bedeutet, langsamer zu wachsen.
Markenidentität durch Authentizität
Der größte Vorteil einer klaren Markenidentität im Startup ist Authentizität. Kunden erkennen schnell, ob ein Startup wirklich lebt, was es kommuniziert.
Wenn Purpose und Verhalten übereinstimmen, entsteht eine starke, konsistente Marke. Wenn sie nicht übereinstimmen, entsteht Misstrauen.
Gründer:innen, die ihren Purpose klar formulieren, schaffen automatische Differenzierung: Nicht das Produkt ist der USP – sondern die Haltung dahinter.
Der Mensch hinter dem Unternehmen
In einer Welt voller Automatisierung und KI spielt der menschliche Kern eine immer größere Rolle. Startups, die auf Persönlichkeit setzen, wirken nahbar.
Der Founder Purpose macht Unternehmen greifbarer: Er zeigt, warum eine Marke existiert. Er macht Mut. Er inspiriert.
Das ist besonders wichtig in Märkten, in denen sich Produkte ähneln. Die Geschichte dahinter macht den Unterschied – und erzeugt Loyalität.
Fazit
Die stärksten Startups beginnen nicht mit Kapital, sondern mit Klarheit. Founder Purpose, wertebasiertes Gründen und eine klare Markenidentität im Startup schaffen Unternehmen, die authentisch, resilient und sinnstiftend sind.
Gründer:innen, die ihre persönlichen Werte leben, prägen nicht nur ihre Marke – sie prägen eine neue Wirtschaftskultur.
treatfuls bietet moderne vegane Bio Süßigkeiten ohne raffinierten Zucker und verbindet hochwertigen Genuss mit natürlichen Zutaten für alle, die bewusst naschen möchten
Wie würden Sie treatfuls und das Team dahinter einem Menschen vorstellen, der noch nie von Ihnen gehört hat?
treatfuls steht für bessere Süßigkeiten – für alle, die das Leben genießen wollen und sich selbst und ihrem Körper dabei gleichzeitig etwas Gutes tun möchten. Hinter der Marke stehen wir beide: Magda und Tugce. Zwei Gründerinnen, die hochwertigen Genuss lieben und zeigen möchten, dass „better-for-you“ Snacks Spaß machen dürfen.
Unsere Produkte verbinden Lifestyle, Humor und hochwertige, vegane Bio-Zutaten zu einer modernen Alternative zu klassischen Süßigkeiten. Wir bringen frischen Wind in eine Kategorie, die oft als „öko, beige und langweilig“ wahrgenommen wird, und kombinieren vollwertige Rezepturen mit Farbe, Leichtigkeit und Geschmack.
treatfuls lebt von einer Mischung aus Professionalität und Freigeist: Wir arbeiten präzise, denken mutig, handeln verantwortungsvoll – und verlieren nie die Freude an dem, was wir tun.
Welche persönliche Motivation hat zur Gründung von treatfuls geführt und was treibt Sie heute noch an?
Unsere Motivation entstand aus einer sehr privaten Lücke: Tugce hat starke Cravings und braucht nach jeder herzhaften Mahlzeit etwas Süßes. Magda hingegen achtet extrem auf hochwertige, klare Zutaten und fand kaum etwas, das ihren Ansprüchen entsprach – bio, vegan, glutenfrei, ohne raffinierten Zucker.
Wir haben lange nach Snacks gesucht, die beides vereinen: echten Genuss und gute Inhaltsstoffe. Die Realität: Es gab sie nicht. Genau aus dieser Spannung heraus entstand die Idee für treatfuls. Bis heute treibt uns an, zu beweisen, dass Genuss und Gesundheit kein Widerspruch sind. Wir wollen Produkte schaffen, die Menschen täglich begleiten und zeigen, wie leicht „better-for-you“ sein kann – ohne Verzicht, ohne Dogma, ohne Kompromisse.
Welche Vision verfolgt treatfuls und welche konkreten Schritte planen Sie für die nächsten Jahre?
Unsere Vision ist klar: Wir wollen den Süßwarenmarkt neu denken und die Better-for-You-Snackmarke werden, zu der Menschen intuitiv greifen, wenn sie Süßes ohne raffinierten Zucker möchten. Wir sehen treatfuls eher als Lifestyleprodukt denn als klassische Süßigkeit.
Der Bio-Riegelbereich wird oft als „öko“ oder langweilig wahrgenommen – wir möchten ihn bunter, moderner und emotionaler machen. Weg vom Verzichtsnarrativ, hin zu Freude, Geschmack und Selbstverständlichkeit.
Die nächsten Schritte sind eindeutig: unser Sortiment weiterentwickeln, neue Kategorien erschließen, die Präsenz im Handel und online ausbauen und konsequent an unserem Anspruch festhalten – Geschmack, Qualität und bessere Zutaten.
Für welche Zielgruppen entwickeln Sie Ihre veganen Bio-Snacks – und welche Bedürfnisse erfüllen sie?
treatfuls richtet sich an alle Menschen, die Süßes lieben und wirklich den Geschmack klassischer Süßigkeiten erleben möchten, aber ohne raffinierten Zucker, ohne Zusatzstoffe und ohne schlechtes Gewissen.
Unser größtes Nutzerbedürfnis ist klar: Wir stillen das echte Craving nach etwas Süßem. Nicht ein „funktionaler Riegel“, sondern eine Süßigkeit, die schmeckt wie das, wonach man sich sehnt. Gleichzeitig passt treatfuls in jede Alltagssituation: morgens zum Frühstück, mittags zum Kaffee, als Energie vor oder nach dem Sport, unterwegs mit Kindern, im Büro während des Mittagstiefs, oder abends auf der Couch. Und das Besondere: Unsere Riegel decken rund 20 % des täglichen Ballaststoffbedarfs ab – sie stillen Heißhunger, sättigen sinnvoll und unterstützen das allgemeine Wohlbefinden.
Wie stellen Sie sicher, dass Geschmack, Nachhaltigkeit und Transparenz in jedem Produkt zusammenkommen?
Wir sind vom ersten Rezept bis zum fertigen Produkt persönlich involviert. Viele Ideen entstehen tatsächlich noch immer in Magdas Thermomix – dort testen wir Grundlagen, vergleichen klassische Süßwaren und überlegen dann, wie wir sie gesünder interpretieren können. Anschließend entwickeln wir die Rezepturen gemeinsam mit unseren europäischen Produktionspartnern weiter.
Unsere Zutaten entsprechen genau dem, wie wir selbst essen: bio, vegan, glutenfrei, ohne Soja und ohne raffinierten Zucker. Beim Schokoladen-Sourcing arbeiten wir u. a. mit Zotter, einem Bean-to-Bar-Familienunternehmen, das fair und transparent produziert.
Unsere Produktion findet in Spanien, Portugal und Bulgarien statt. Diese Partner haben wir persönlich ausgewählt, und wir besuchen sie mindestens einmal jährlich, um Prozesse, Qualität und Beziehungen auf Augenhöhe sicherzustellen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns: faire Arbeitsbedingungen, faire Preise und langfristige Partnerschaften – nicht kurzfristige Optimierung.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell im Food- und Snackmarkt – und wie gehen Sie damit um?
Der klassische Einzelhandel ist für junge Marken anspruchsvoll: Entscheidungen dauern lange, Listungen werden in Stufen getestet und der Wettbewerb um Regalplätze ist enorm. Das verursacht hohe Kosten und eine lange Vorlaufzeit. Hinzu kommen volatile Rohstoffpreise, die sich heute oft monatlich ändern – früher waren Jahrespreise üblich. Für Startups wie uns bedeutet das: Unsicherheit in Kalkulation, Liquidität und Pricing.
Unsere Antwort darauf ist eine klare finanzielle Disziplin: präzise Liquiditätsplanung, abgestimmte Zahlungsfristen, fokussierter Cashflow-Aufbau und starke, langfristige Partnerschaften entlang der Lieferkette.
Was macht treatfuls im Vergleich zu anderen veganen Snackmarken wirklich einzigartig?
Wir verbinden Better-for-You-Qualität mit einer spielerischen, emotionalen Markenwelt. Unsere Verpackungen mit Statements wie „sweeter than your ex“ oder „best date you’ll ever have“ sorgen für ein Schmunzeln am Regal – und öffnen die Tür zu Menschen, die sonst vielleicht nie zu gesunden Snacks greifen würden.
treatfuls flirtet quasi mit den Konsument*innen. Die Verpackung zieht an, der Geschmack überzeugt, und die Werte halten das Versprechen. Wir sind eine Better-for-You-Marke, die nicht belehrt, sondern begeistert – für Gesundheitsbewusste und alle, die Lust auf Genuss und gute Laune haben.
Wie wichtig sind Verpackung, Inhaltsstoffe und Fair-Trade-Schokolade für Ihr Markenversprechen – und warum?
Unser Anspruch, „alles anders und besser“ zu machen, beginnt bei den Inhaltsstoffen: Bio, vegan, glutenfrei, ohne Soja und ohne raffinierten Zucker. So essen wir selbst und genauso möchten wir, dass treatfuls ist. Fairtrade-Schokolade ist für uns nicht verhandelbar. Gute Produkte können nur dann gut sein, wenn die Menschen dahinter fair behandelt werden.
Und schließlich das Packaging: Es bringt Humor und Leichtigkeit in eine Kategorie, die oft mit Moral oder Verzicht verbunden wird. Unser Markenversprechen lautet: „it’s a treat, not a cheat“ – Genuss ohne Reue, aber mit Spaß.
Welche Entwicklungen oder Produktneuheiten dürfen wir in naher Zukunft erwarten?
Es kommt einiges: Ein Highlight ist unser neuer Matcha-Aufstrich – inspiriert durch eine Asienreise und in dieser Form im europäischen Markt bisher einzigartig. Außerdem arbeiten wir an einer neuen Kategorie im Bereich gebackener Süßwaren, unter anderem an gesünderen Cookies, die unser Portfolio perfekt ergänzen. Unsere Linie bleibt dabei konstant: natürliche Zutaten, bessere Nährwerte und ein Geschmackserlebnis, das klassische Süßwaren neu interpretiert.
Wie hat sich der Markt für gesunde Snacks verändert – und was bedeutet das für Ihre Strategie?
Der Better-for-You-Markt wächst seit Jahren deutlich stärker als der klassische Süßwarenmarkt – rund 30 % versus 3–5 % pro Jahr. Während viele Marken auf Proteine setzen, sehen wir ein starkes Momentum im Bereich Ballaststoffe und natürlicher Zutaten. Unsere Riegel decken rund 20 % des täglichen Ballaststoffbedarfs ab und entsprechen damit genau diesem Trend. Der Verzicht auf raffinierten Zucker ist für uns ein weiterer zentraler Baustein. Wir verbinden „better-for-you“ mit echtem Süßigkeitenfeeling – genau das wünschen sich immer mehr Konsument*innen.
Drei Ratschläge für Gründer*innen im Food-Bereich
Erstens: Austausch suchen. Die Foodbranche lebt von gegenseitiger Unterstützung. Wer sich vernetzt, lernt schneller und vermeidet teure Fehler.
Zweitens: Hartnäckig bleiben. Viele Türen öffnen sich erst nach mehreren Anläufen – der Handelsweg ist lang und komplex.
Drittens: Lücken erkennen und mutig besetzen. Erfolgreiche Marken entstehen dort, wo andere blind sind. Wer seine Kategorie wirklich versteht, kann bewusst besser sein.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit treatfuls – und wo sehen Sie das Unternehmen in einigen Jahren?
Wir sehen treatfuls als langfristiges, gesund wachsendes Unternehmen, das wir mit Freude weiterentwickeln möchten. Die Süßwarenbranche bietet enormes Innovationspotenzial – in neuen Kategorien, Produkten und Märkten.
Unser Ziel ist ambitioniert, aber klar: Wir möchten die führende Better-for-You-Snackmarke in Europa werden. Eine Marke, die Innovation, Werte und Geschmack vereint und Menschen zeigt, wie moderne Ernährung aussehen kann: genussvoll, natürlich, fair und voller Spaß.
Precision Labs entwickelt moderne Milchalternativen, die vertrauten Geschmack mit besseren Nährwerten und mehr Nachhaltigkeit verbinden
Wie würden Sie Precision Labs und das Team dahinter Menschen vorstellen, die Ihr Startup noch nicht kennen?
Malte Zeeck (Co-Gründer): Precision Labs ist ein Münchner Food-Tech-Startup, das Milchprodukte ernährungsphysiologisch neu denkt. Unter unserer Marke Precision® entwickeln wir Milchalternativen, die drei wesentliche Faktoren vereinen: vertrauten Geschmack, ein überlegenes Nährstoffprofil und deutlich mehr Nachhaltigkeit. Unser Gründerteam – Fabio Labriola, Malte Zeeck und Philipp von Plato – bringt langjährige Erfahrung aus Tech, Skalierung und Produktentwicklung mit. Gemeinsam verfolgen wir ein klares Ziel: Milchprodukte zu schaffen, die zeitgemäß sind, weniger Ressourcen benötigen und gleichzeitig ernährungsphysiologisch genau das liefern, was moderne Ernährung braucht.
Was hat Sie persönlich motiviert, Precision Labs zu gründen und Milchprodukte komplett neu zu denken?
Malte Zeeck: Wir alle sind mit Milch aufgewachsen und mögen ihren Geschmack. Gleichzeitig sehen wir ihre ökologischen und gesundheitlichen Grenzen. Die Idee hinter Precision® war, beides zusammenzubringen: vertrauter Geschmack, aber moderner gedacht. Wir wollten zeigen, dass Ernährung genussvoll und gleichzeitig verantwortungsvoll sein kann – und dass Technologie genau dort einen echten Unterschied macht.
Welche Kernvision verfolgt Precision Labs langfristig und welche Meilensteine planen Sie auf dem Weg dorthin?
Malte Zeeck: Unsere Vision ist eine Zukunft, in der Milchprodukte komplett ohne Kühe auskommen – nährstoffreich, genussvoll und nachhaltig. Langfristig entwickeln wir Produkte auf Basis von naturidentischem Milchprotein aus Präzisionsfermentation. Heute sind unsere Produkte bereits zu rund 97 Prozent kuhfrei. Schritt für Schritt erweitern wir unser Sortiment: Milchmischgetränke, Joghurtalternativen, Käsealternativen und später vollständig tierfreie Milchprodukte. Parallel skalieren wir in Deutschland, Österreich und perspektivisch weiteren europäischen Märkten.
Für wen entwickeln Sie Precision® Produkte und welche Bedürfnisse dieser Zielgruppen stehen im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?
Malte Zeeck: Wir entwickeln für Menschen, die bewusst genießen möchten und Wert auf Geschmack, funktionale Nährstoffe und Nachhaltigkeit legen. Dazu gehören sowohl private Haushalte als auch Gastronomie und Handel. Wichtig ist uns, Produkte zu schaffen, die im Alltag funktionieren – vom Cappuccino bis zum Kochen – ohne dass man umdenken muss.
Ihr erstes Produkt kombiniert hochwertiges Milchprotein mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Was macht diese Mischung aus Ihrer Sicht so besonders?
Malte Zeeck: Die Kombination aus hochwertigem Milchprotein und funktionalen pflanzlichen Zutaten wie Zichorienwurzel, Zitrusfaser und Rapsöl sorgt für eine cremige Textur, ein rundes Geschmacksprofil und ein sehr ausgewogenes Nährstoffverhältnis. Unser Milchprotein enthält alle 9 essenziellen Aminosäuren und ist damit ernährungsphysiologisch überlegen. Gleichzeitig kommt Precision® mit deutlich weniger Zucker aus als Kuhmilch und Pflanzenmilchalternativen – bei gewohntem Geschmack und ganz ohne Laktose.
Wie gelingt es Ihnen, anspruchsvollen Geschmack, Schäumfähigkeit und ein verbessertes Nährstoffprofil miteinander zu vereinen?
Malte Zeeck: Wir optimieren Rezeptur und Verfahrenstechnik bis ins Detail. Kleinste Anpassungen bei Druck, Temperatur oder Zusammensetzung beeinflussen Textur und Geschmack. Gemeinsam mit Partnern wie dem Fraunhofer Institut haben wir diese Parameter über viele Monate präzise entwickelt, bis Schäumverhalten, Mundgefühl und Nährstoffprofil stimmig waren.
Die EU-Zulassung für vollständig kuhfreie Produkte auf Basis von Präzisionsfermentation wird erst 2027 erwartet. Wie gehen Sie mit solchen regulatorischen Herausforderungen um?
Malte Zeeck: Wir arbeiten frühzeitig mit Behörden zusammen und investieren parallel in Forschung, Sicherheit und Skalierbarkeit. Märkte wie die USA, Israel oder Singapur, in denen die Technologie heute schon zugelassen ist, liefern uns wertvolle Erfahrungswerte. So stellen wir sicher, dass wir nach der EU-Zulassung sofort marktreife Produkte bereit haben.
Precision Labs konnte namhafte Investorinnen und Investoren, darunter Spitzensportler, überzeugen. Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für dieses Vertrauen?
Malte Zeeck: Letztlich hat das Produkt selbst überzeugt: im Geschmack, im Nährwertprofil und durch seine deutlich nachhaltigere Zusammensetzung. Hinzu kommt die Kombination aus moderner Technologie, einem erfahrenen Gründerteam und einer klaren Vision für die Zukunft der Milch. Besonders Spitzensportlerinnen und Spitzensportler schätzen das vollständige Aminosäureprofil, den geringeren Zuckergehalt und die bessere Fettsäurebilanz – alles Faktoren, die Leistung und Regeneration unterstützen.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei der Entwicklung Ihrer Produkte?
Malte Zeeck: Nachhaltigkeit ist für uns ein Grundprinzip. Wir reduzieren tierische Bestandteile schrittweise, optimieren unsere Produktion und arbeiten bevorzugt mit pflanzlichen Rohstoffen, die eine geringere Umweltbelastung aufweisen. Unser Ziel ist ein messbarer Beitrag zu einer ressourcenschonenderen Milchindustrie.
Was macht Precision im Vergleich zu bisherigen Milchalternativen zu einem potenziellen Gamechanger?
Malte Zeeck: Precision® denkt Milch ernährungsphysiologisch völlig neu: Wie müsste Milch heute aussehen, wenn man sie ohne historische Einschränkungen entwickeln könnte? Das Ergebnis ist eine Milchalternative, die vertraut schmeckt, alle 9 essenziellen Aminosäuren liefert, laktosefrei ist, weniger Zucker enthält und nachhaltiger produziert werden kann. Precision® ist damit keine klassische Pflanzenmilch, sondern eine neue Kategorie – ein Produkt, das Genuss, Funktionalität und Verantwortung vereint, ohne Kompromisse.
Wie sehen die nächsten Schritte aus, von der Markterschließung bis zum geplanten Roll-out in Deutschland und Österreich?
Malte Zeeck: Wir expandieren schrittweise in Deutschland und Österreich: Derzeit sind unsere Produkte online und in ausgewählten EDEKA-Märkten erhältlich. Der bundesweite Roll-out ist für 2026 geplant, ebenso wie die Markteinführung in Österreich. Parallel erweitern wir unser Portfolio und bereiten uns auf die Einführung vollständig kuhfreier Produkte vor.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ebenfalls eine Food-Tech-Innovation auf den Markt bringen wollen?
Malte Zeeck: Fokus auf Differenzierung: Schafft ein Produkt, das echten Mehrwert bietet: Geschmack, Gesundheit und Nachhaltigkeit sollten Hand in Hand gehen. Forschung und Qualität zuerst: Perfektioniert Rezeptur und Verfahrenstechnik, bevor ihr groß in den Markt gehen. Netzwerk & Mentoring: Holt euch erfahrene Partner, Investoren und Expert:innen ins Boot. Sie helfen, Stolperfallen zu vermeiden und Visionen zu skalieren.
Was hat sich nach Ihrem Auftritt in der Höhle der Löwen unmittelbar verändert – sowohl für Ihr Team als auch für das Interesse am Produkt?
Malte Zeeck: Der Auftritt hat unsere Sichtbarkeit massiv erhöht – im Handel, bei Konsument:innen und in den Medien. Die Nachfrage ist stark gestiegen und das Feedback war sehr wertvoll. Für unser Team war es ein großer Motivationsschub und eine Bestätigung, dass unser Ansatz verstanden wird.
Welche Entwicklungen oder Herausforderungen sind nach der Ausstrahlung hinzugekommen, die Sie vorher vielleicht nicht erwartet hätten?
Malte Zeeck: Das Wachstum nach der Ausstrahlung war schneller als geplant. Das hat unsere Produktions- und Logistikkapazitäten gefordert, uns aber auch klare Hinweise gegeben, wo wir Prozesse weiter skalieren müssen. Gleichzeitig hat es gezeigt, wie groß das Interesse an innovativen Milchalternativen tatsächlich ist.
Bild Markus Hetzenegger Fotocredit PR / Precision®
Wir bedanken uns bei Malte Zeeck für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Payline ist ein vollständig mobiles Bezahlsystem, das bargeldlose Zahlungen einfach und fair über das Smartphone ermöglicht. Als Teil des Pioneers Club entwickelt das Team seine Lösung gemeinsam mit starken Partnern kontinuierlich weiter.