Montag, Januar 5, 2026
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Female Leadership in Tech: Wo Gründerinnen heute wirklich stehen

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Female Leadership: Gründerinnen verändern die Tech-Welt Image by Igor Link from Pixabay

Ob Software, KI oder Fintech – die Tech-Szene wächst rasant, doch Frauen sind in Führungsrollen nach wie vor unterrepräsentiert. Female Leadership, starke Gründerinnen in Tech und mehr Diversity im Startup-Ökosystem sind längst überfällig, um Innovation wirklich ganzheitlich zu denken.

Der Status quo – Zahlen, die zum Nachdenken anregen

Die Startup-Welt gilt als dynamisch, offen und zukunftsorientiert. Doch wenn es um Geschlechtergerechtigkeit geht, zeigen die Zahlen ein anderes Bild. Laut aktuellem Deutschen Startup Monitor sind nur rund 17 Prozent der Gründerinnen in Deutschland weiblich oder Teil eines gemischten Teams. Auch beim Zugang zu Kapital hinken sie hinterher: Nur etwa zwei Prozent des weltweiten Venture-Capital-Volumens fließen an rein weiblich geführte Startups.

Diese Schieflage hat strukturelle Ursachen. Viele Investorinnen und Investoren setzen unbewusst auf Gründer, die ihnen ähnlich sind – meist männlich, technisch geprägt und risikofreudig. So entstehen Bias-Strukturen, die weibliche Gründerinnen in Tech-Bereichen benachteiligen. Dabei zeigen internationale Studien längst, dass gemischte Führungsteams erfolgreicher wirtschaften, innovativer denken und nachhaltiger handeln.

Warum Female Leadership Innovation fördert

Female Leadership bringt eine andere Form von Führung hervor – weniger hierarchisch, stärker kollaborativ und langfristiger orientiert. Frauen in Führungspositionen setzen häufig auf Kommunikation, Einbindung und Verantwortungsteilung. Das steigert nicht nur die Zufriedenheit im Team, sondern fördert auch die Innovationskraft.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Unternehmen mit diversen Managementstrukturen bessere Entscheidungen treffen und profitabler sind. Unterschiedliche Perspektiven schaffen neue Lösungswege und fördern Kreativität. In der Tech-Szene, in der komplexe Probleme schnelle, aber durchdachte Lösungen erfordern, ist diese Vielfalt ein echter Wettbewerbsvorteil.

Erfolgreiche Beispiele zeigen das Potenzial weiblicher Führung: Melania Wöss von Ada Health, Melanie Perkins von Canva oder Hanno Renner und seine Mitgründerin bei Personio stehen für Gründerteams, die Technologie mit Empathie und Weitblick verbinden.

Gründerinnen in Tech – Mut, Netzwerk und Sichtbarkeit

Der Weg für Gründerinnen in Tech ist oft steiniger als für ihre männlichen Kollegen. Der Mangel an weiblichen Vorbildern, fehlende Netzwerke und stereotype Erwartungen erschweren den Einstieg. Viele Gründerinnen berichten, dass sie in Investorengesprächen härter hinterfragt werden, insbesondere in technischen Bereichen.

Doch eine neue Generation von Gründerinnen verändert das Bild. Sie nutzen Social Media, um Sichtbarkeit zu schaffen, bauen eigene Communities auf und unterstützen sich gegenseitig. Netzwerke wie Global Digital Women, Grace Female Accelerator oder Female Founders fördern gezielt Frauen in Technologiebranchen und bieten Zugang zu Kapital, Mentoring und Medienpräsenz.

Mentorinnen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie geben Wissen weiter, schaffen Vertrauen und öffnen Türen. Diese Art von gegenseitiger Unterstützung ist oft das, was weiblichen Gründerinnen hilft, langfristig zu wachsen und sich zu positionieren.

Diversity Startup – mehr als ein PR-Thema

Diversity im Startup ist weit mehr als eine Marketingfloskel. Vielfalt schafft messbaren Mehrwert – ökonomisch, sozial und kulturell. Teams mit unterschiedlichen Perspektiven entwickeln Produkte, die breitere Zielgruppen ansprechen, und vermeiden blinde Flecken in der Entwicklung.

Viele Startups erkennen mittlerweile, dass Diversität kein moralisches, sondern ein strategisches Thema ist. Sie fördert Innovation, Attraktivität als Arbeitgeber und Marktrelevanz. Besonders Tech-Unternehmen profitieren davon, wenn ihre Teams die Vielfalt ihrer Nutzer widerspiegeln.

Damit Vielfalt aber funktioniert, braucht es mehr als schöne Worte. Sie muss Teil der Unternehmens-DNA werden. Das beginnt bei inklusiven Bewerbungsprozessen und reicht bis zur Führungskultur.

Strukturelle Hürden – warum Veränderung Zeit braucht

Die Tech-Branche hat ein Kulturproblem, das tief verankert ist. Noch immer gilt Technik in vielen Köpfen als männliches Feld. Frauen, die in technischen Positionen führen, müssen sich häufiger beweisen, werden unterbrochen oder unterschätzt.

Hinzu kommen gesellschaftliche Hürden wie fehlende Kinderbetreuung, mangelnde Flexibilität und stereotype Rollenbilder. Viele Gründerinnen entscheiden sich bewusst gegen eine Familie, weil sie wissen, dass Vereinbarkeit mit dem Gründeralltag oft kaum möglich ist.

Doch langsam verändert sich etwas. Immer mehr weibliche Role Models treten in die Öffentlichkeit und inspirieren andere. Auch die mediale Präsenz von Gründerinnen nimmt zu, wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Sichtbarkeit bleibt der Schlüssel, um alte Muster aufzubrechen.

Wege nach vorn – was sich wirklich ändern muss

Die Förderung von Female Leadership beginnt schon in der Bildung. Mädchen müssen früh ermutigt werden, sich für MINT-Fächer zu interessieren und technische Kompetenz aufzubauen. Später braucht es gezielte Programme, die Frauen den Zugang zu Kapital erleichtern und Investorinnen stärken.

Mehr Female Investors bedeuten auch mehr Perspektiven auf Gründerinnen in Tech. Panels, Accelerator-Programme und Medien sollten diverser besetzt sein, um neue Vorbilder sichtbar zu machen.

Zudem sollten Startups selbst Verantwortung übernehmen. Vielfalt entsteht nicht durch Zufall, sondern durch bewusstes Handeln. Wer offen rekrutiert, Mentoring fördert und flexible Arbeitsmodelle anbietet, schafft Strukturen, in denen Innovation wirklich gedeiht.

Fazit – Vielfalt schafft Zukunft

Female Leadership ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit für nachhaltigen Fortschritt. Gründerinnen in Tech beweisen täglich, dass Kompetenz, Mut und Innovation keine Geschlechter kennen. Und Diversity im Startup ist der Schlüssel, um aus Ideen echte Veränderungen zu machen.

Die Zukunft der Tech-Welt ist weiblicher, diverser und empathischer – wenn wir heute die Strukturen dafür schaffen.

Bild: Image by Igor Link from Pixabay

Kann natürliche Hautpflege wirklich Luxus und Wissenschaft vereinen?

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ALPINULIN Hautpflege inspiriert von der Kraft der Natur Eva Giesswein Fotocredit Madelein Gabl Photography

Alpinulin vereint die Kraft alpiner Pflanzen mit moderner Forschung und entwickelt hochwertige Skincare-Produkte, die Natürlichkeit, Wirksamkeit und Achtsamkeit verbinden.

Wie ist ALPINULIN entstanden und was hat Sie persönlich dazu inspiriert, eine Skincare-Marke mit alpinen Inhaltsstoffen zu gründen?

Die Idee zu ALPINULIN ist aus einer sehr persönlichen Erfahrung heraus entstanden. Ich habe früher als Juristin gearbeitet, war viel unterwegs – in Amerika, in Asien, in unterschiedlichen Klimazonen. Meine Haut hat diese ständigen Wechsel nicht gut vertragen: trockene Flugluft, hohe Luftfeuchtigkeit, Umweltbelastung – all das hat sie spürbar beansprucht.
Als ich mich mit meiner Familie in Tirol niedergelassen habe, wo mein Mann herkommt, war ich fasziniert von der Klarheit, der Luft und der Ursprünglichkeit der alpinen Natur. Ich begann, mich mit den Pflanzen der Alpen zu beschäftigen – mit ihrer Widerstandskraft und Reinheit. So entstand ALPINULIN: eine Marke, die natürliche Wirkkraft mit wissenschaftlicher Präzision verbindet – aus einem echten Bedürfnis heraus.

Welche Werte und Erfahrungen haben die Gründung von ALPINULIN geprägt, und wie fließen diese in Ihre Produktentwicklung ein?

ALPINULIN steht auf drei Grundpfeilern: Echtheit, Achtsamkeit und Wirksamkeit. Echtheit bedeutet, dass wir unsere Rohstoffe kennen und verantwortungsvoll auswählen. Achtsamkeit beschreibt unseren respektvollen Umgang mit Natur und Haut. Und Wirksamkeit ist unser Versprechen: Unsere Pflege soll nicht nur angenehm sein, sondern spürbar wirken.
Diese Werte prägen jede Produktentwicklung – von der Auswahl der Inhaltsstoffe bis zur Textur. Wir arbeiten nur mit dem, was Sinn ergibt – nicht mit dem, was Trend ist.

Was bedeutet „Pure Alpine Skincare“ für Sie und wie spiegelt sich dieser Anspruch in Ihren Produkten wider?

„Pure Alpine Skincare“ ist für mich ein Bewusstsein. Es geht um Klarheit, Reduktion und Reinheit – nicht im dogmatischen Sinn, sondern im ehrlichen.
Unsere Formulierungen sind durchdacht, präzise und sensibel. Wir setzen auf ausgewählte Wirkstoffe, die die Haut unterstützen, nicht überfordern. Auch beim Thema Duft sind wir achtsam: Wir verwenden dezente, hautfreundliche Duftkompositionen, die das Pflegeerlebnis abrunden, ohne die Haut zu reizen.

Welche Vision verfolgt ALPINULIN langfristig – geht es vor allem um nachhaltige Pflege oder um ein neues Bewusstsein für natürliche Inhaltsstoffe?

Unsere Vision geht über Pflege hinaus. ALPINULIN entwickelt sich zu einer Longevity-Marke – wir wollen Menschen ganzheitlich begleiten, von außen und von innen. Schönheit ist für uns kein oberflächliches Ideal, sondern Ausdruck von Balance, Gesundheit und Lebensenergie.
Nachhaltigkeit bleibt dabei selbstverständlich ein zentraler Wert – aber wir denken sie weiter, als reine Verpackungs- oder Rohstofffrage: Es geht um ein nachhaltiges Lebensgefühl.

Wie schaffen Sie es, die Wirksamkeit natürlicher Inhaltsstoffe aus den Alpen wissenschaftlich und kosmetisch zu vereinen?

Wir arbeiten eng mit Expert:innen aus Forschung und Kosmetiktechnologie zusammen. Die Alpenpflanzen, die wir verwenden – etwa Edelweiß, Alpenrose oder Schneealge – sind wahre Überlebenskünstler. Sie schützen sich selbst vor UV-Strahlung, Kälte und Austrocknung. Diese Mechanismen machen wir uns für die Hautpflege zunutze.
So entsteht eine Symbiose aus Natur und Wissenschaft: Reine alpine Wirkstoffe, modern formuliert und klinisch geprüft.

Wer ist die Hauptzielgruppe von ALPINULIN, und wie sprechen Sie diese mit Ihrer Marke und Produktwelt an?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die bewusst leben, Qualität schätzen und einen achtsamen Umgang mit sich selbst pflegen. Sie suchen Produkte, die wirksam sind, aber nicht laut.
Wir sprechen sie über emotionale, echte Geschichten an – nicht über Versprechen. ALPINULIN ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern eine Haltung: klar, ruhig und ehrlich.

Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung bis zur Verpackung?

Nachhaltigkeit ist für uns gelebte Verantwortung. Wir achten auf kurze Lieferwege, arbeiten mit Partnern, die fair und transparent handeln, und wählen Verpackungen, die recycelbar sind oder einen klaren Zweck erfüllen.
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, Produkte zu entwickeln, die lange Freude machen – anstatt ständig Neues zu konsumieren.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Kosmetikmarke in einem stark umkämpften Markt wie der Hautpflegebranche?

Die größte Herausforderung ist Sichtbarkeit – in einem Markt, der von großen Playern und vielen Versprechen dominiert wird. Als junge Marke muss man Vertrauen aufbauen, Schritt für Schritt.
Wir tun das, indem wir konsequent authentisch bleiben. Wir überlassen lieber anderen das große Marketingrauschen – und setzen auf echte Ergebnisse und glaubwürdige Kommunikation.

Was unterscheidet ALPINULIN von anderen natürlichen oder veganen Skincare-Marken am Markt?

ALPINULIN steht für alpine Reinheit, wissenschaftliche Präzision und ganzheitliche Pflege. Viele Marken sind natürlich – wir sind natürlich und funktional.
Unsere Produkte haben eine klare Herkunft und einen eindeutigen Charakter: Sie sind inspiriert von der alpinen Natur und entwickelt für Menschen, die das Echte suchen – im Leben wie in ihrer Hautpflege.

Wie möchten Sie das Sortiment von ALPINULIN in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Gibt es bereits neue Produktideen oder Kategorien?

Ja, ALPINULIN wächst weiter – aber achtsam. Aktuell arbeiten wir an einer Linie mit Longevity-Kosmetik und an hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln, die die Hautpflege von innen unterstützen.
Damit gehen wir den nächsten logischen Schritt: hin zu einer Marke, die ganzheitliche Schönheit versteht – für Haut, Körper und Geist.

Was treibt Sie als Gründerin persönlich an, und welche Rolle spielt Leidenschaft im täglichen Unternehmensalltag?

Mich treibt die Freude an Gestaltung und Sinn an. Ich liebe es, etwas aufzubauen, das Menschen guttut. Leidenschaft ist für mich kein großes Wort, sondern eine tägliche Haltung: neugierig bleiben, dazulernen, Dinge mit Herz tun.
Ich sehe ALPINULIN als eine Reise – und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse, die mich weiter inspirieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen geben, die ebenfalls ein nachhaltiges Beauty-Label aufbauen möchten?

Bleiben Sie geduldig. Aufbau braucht Zeit – und Vertrauen wächst nicht über Nacht.
Hören Sie auf Ihr Gefühl. Es gibt viele Meinungen, aber Ihre eigene Intuition ist meist der beste Kompass.
Tun Sie es aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Nachhaltigkeit und Authentizität kann man nicht spielen – sie müssen echt sein.

Bild Eva Giesswein Fotocredit Madelein Gabl Photography

Wir bedanken uns bei Eva Giesswein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Kann Papier die Zukunft des Verpackens retten?

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Papair: Mit PapairWrap nachhaltige Lösungen für Kunden schaffen. Papair Gruender vlnr Fabian Solf, Christopher Feist und Steven Widdel

Papair entwickelt innovative Papierluftpolsterfolien und nachhaltige Verpackungslösungen, die Kunststoff im Versand- und Logistikbereich ersetzen und Unternehmen den Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen erleichtern

Wie kam es zur Idee, eine Luftpolsterfolie aus Papier zu entwickeln – und welcher Moment war der Auslöser, Papair zu gründen?

Die Idee stammt von unserem Mitgründer Fabian Solf und wurde im wahrsten Sinne des Wortes am Küchentisch geboren. Er nahm diese Idee mit in ein Seminar zum Thema Entrepreneurship im Rahmen seines Studiums. Die Professoren ermutigten ihn, die Idee weiterzuverfolgen und ein Projekt daraus zu machen. Dazu holte er sich seine beiden Freunde Christopher Feist und Steven Widdel mit ins Boot. Gemeinsam begannen sie zu tüfteln, erste Prototypen zu entwickeln und Gespräche mit potenziellen Investoren und Kunden zu führen. Schnell wurde klar: Dafür braucht es ein eigenes Unternehmen.
Der Start von Papair war dann im Frühjahr 2020 (pünktlich zu Corona :/) mit Unterstützung eines Gründungsstipendiums des Landes Niedersachsen.

Welche Herausforderungen gab es in der Entwicklung von PapairWrap, bis das Produkt marktreif und patentiert war?

Wir kamen alle direkt aus dem Studium – ohne Erfahrung in der Verpackungsbranche. Die Entwicklung unserer Papierluftpolsterfolie bedeutete also nicht nur ein neues Produkt zu schaffen, sondern auch die passende Technologie, den gesamten Herstellungsprozess und die Produktionsanlagen zu entwickeln. Das war ein langer Weg, der technisches Know-how, die richtigen Partner im Maschinenbau und jede Menge Ausdauer verlangte.

Auch finanziell war der Aufbau einer eigenen Produktion eine große Herausforderung. Wir mussten immer wieder Investoren von unserer Idee überzeugen – und tun das bis heute. Im August 2023, drei Jahre nach der Gründung, lief dann das erste maschinell hergestellte PapairWrap vom Band.
Inzwischen verfügen wir über Patente in Australien, Chile und Japan sowie über das europäische Einheitspatent – für das Produkt, den Herstellungsprozess und die Maschine.

Der Umstieg auf nachhaltige Verpackungen ist für viele Unternehmen komplex – wie gelingt Papair der Spagat zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit?

Wir bieten nicht einfach nachhaltige Verpackungen, sondern ganzheitliche Verpackungslösungen, die an die Verpackungsprozesse unserer Kunden angepasst sind. Dabei schauen wir uns die Kommissionierungsabläufe genau an, um sie zu verstehen und bei Bedarf zu optimieren. PapairWrap kann Luftpolsterfolie aus Kunststoff 1:1 ersetzen, aber oft sind anstatt der Rollenware Beutel oder vorkonfektionierte Bögen eine wirtschaftlichere und effizientere Lösung. Zusätzlich unterstützen wir mit Verpackungstests und Prüfprozessen in unserem eigenen Labor, um individuelle, leistungsfähige Konzepte zu entwickeln. Unsere Kunden müssen sich um nichts kümmern – wir übernehmen den gesamten Prozess von der Analyse bis zur Umsetzung.

Mit Rossmann setzt erstmals eine der größten deutschen Drogerieketten auf euer Produkt – wie kam die Zusammenarbeit zustande und was bedeutet sie für euch?

Der erste Kontakt zu Rossmann entstand tatsächlich schon 2021 im Rahmen einer unserer ersten Akquise-Aktionen. Seitdem haben wir in engem Austausch gestanden, Prozesse vor Ort analysiert und Verpackungslösungen immer wieder angepasst. Unser Ziel war nie, einfach nur Papier statt Plastik zu liefern, sondern Lösungen zu entwickeln, die optimal zu den Abläufen bei Rossmann passen.

Und in Verbindung mit dem E-Commerce-Lager des neuen Rossmann Logistikzentrums wurden grundlegende Umstellungen plastikfreier Verpackung möglich. Das Ergebnis sind maßgeschneiderte PapairBags und PapairSheets, die inzwischen fest im Regelbetrieb laufen.

Was unterscheidet PapairWrap technisch und funktional von klassischer Luftpolsterfolie aus Kunststoff?

Genau genommen hat PapairWrap kein Luftpolster – und es ist auch keine Folie. Der Begriff beschreibt jedoch gut, was unser Material leistet. Der Polstereffekt entsteht durch die spezielle Form und Geometrie der „Bubbles“, die Stöße und Erschütterungen zuverlässig ableiten.

In der Anwendung steht PapairWrap der Kunststoffvariante in nichts nach und kann genauso eingesetzt werden: Es lässt sich flexibel an unterschiedliche Produktgeometrien anpassen und kann in verschiedenen Breiten, Stärken und auch als Beutel oder Zuschnitte eingesetzt werden.
Darüber hinaus bieten wir Varianten mit speziellen Oberflächenbeschichtungen an – etwa zum Schutz empfindlicher Oberflächen vor Kratzern oder für den Einsatz bei Feuchtigkeit und Öl. Bei allen Produkten verzichten wir vollständig auf Kunst- und Klebstoffe. PapairWrap besteht zu ausschließlich aus Papier – ein echtes Monomaterial.

Die Verpackungsindustrie steht durch die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) unter Druck – wie positioniert sich Papair in diesem sich wandelnden Marktumfeld?

Laut EU-Verpackungsverordnung müssen bis 2030 alle Verpackungsmaterialien vollständig recycelbar sein. Unsere Produkte erfüllen diese Anforderung bereits heute.

In einer globalen Wirtschaft mit komplexen Lieferketten und starkem Online-Handel müssen Waren zuverlässig vor Transportschäden geschützt werden. Der Vorteil von Papierverpackungen: Sie lassen sich in etablierten, funktionalen Recyclingsystemen problemlos wieder in den Kreislauf zurückführen. So machen wir unseren Kunden den Umstieg auf nachhaltige Verpackungen leicht – ohne Kompromisse bei Schutz oder Funktionalität.

Welche Rolle spielt die Skalierbarkeit eurer Produktion, um künftig größere Handelsketten und Industriepartner zu beliefern?

Als produzierendes Unternehmen ist Skalierung immer mit hohen Investitionen in Maschinen, Anlagen sowie Personal- und Betriebskosten verbunden. Als Start-up sind wir dafür auf Investoren und Fördermittel angewiesen. Gleichzeitig ist die Skalierung entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können – nur so können wir auch größere Handelsketten und Industriepartner zuverlässig beliefern.

Unsere Patente spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie sichern nicht nur unsere eigene Produktion und den Vertrieb von PapairWrap, sondern ermöglichen es uns auch, Lizenzen für die Herstellung zu vergeben und so Kapazitäten gezielt zu erweitern.

Nachhaltigkeit ist ein Trendthema – doch für viele Unternehmen zählt am Ende der Preis. Wie überzeugt ihr Entscheider, dass nachhaltige Lösungen langfristig wirtschaftlicher sind?

Wir betrachten Verpackung immer ganzheitlich und berücksichtigen nicht nur den Einkaufspreis, sondern alle relevanten Kostenbestandteile – von Lizenzgebühren für Entsorgung bis zu Lagerhaltungs- und Handlingkosten.

Der Vorteil von Papier: Die Entsorgungskosten liegen aktuell mehr als 50 % unter denen von Kunststoff. Gleichzeitig ermöglicht ein effizienter Einsatz von Verpackungsmaterial kürzere Handlingzeiten und geringere Lagerkosten. Betrachtet man die Total Cost of Ownership, zeigt sich oft erhebliches Potenzial, die Gesamtkosten spürbar zu senken – nachhaltige Lösungen können also wirtschaftlich deutlich attraktiver sein.

Welche Branchen zeigen aktuell das größte Interesse an euren papierbasierten Verpackungslösungen?

Unsere Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Dazu zählen unter anderem Intralogistik im Automotive-Bereich, Online-Handel, Transportverpackungen für Bauteile oder Türen, Home & Living, Sanitär, Ersatz- und Kleinteilversand sowie Keramik und Kunsthandwerk. Kurz gesagt: Überall dort, wo Waren beim Transport vor Stößen, Schäden oder Kratzern geschützt werden müssen.

Wie stark prägt euch als Gründerteam der Gedanke, mit Papair aktiv zur Reduzierung von Plastikmüll beizutragen?

Wir alle sind täglich mit den Problemen von Plastikmüll und dessen Entsorgung konfrontiert. In manchen Bereichen, zum Beispiel zur Haltbarmachung von Lebensmitteln, sind Kunststoffverpackungen unverzichtbar. Mit PapairWrap zeigen wir jedoch, dass in vielen anderen Bereichen auf Kunststoff verzichtet werden kann – ohne Abstriche bei Schutz oder Sicherheit.

Das ist der Ursprung und Kern unseres Unternehmens. Wir stehen erst am Anfang dieses Transformationsprozesses, unterstützen unsere Kunden aktiv bei der Reduktion von Plastikmüll und entwickeln zugleich wirtschaftlich tragfähige Lösungen für beide Seiten. Es ist großartig zu sehen, dass ökologisches und wirtschaftliches Handeln hier Hand in Hand gehen können.

Wie viel Mut gehört dazu, in einer so etablierten und kapitalintensiven Branche wie der Verpackungsindustrie als Startup anzutreten?

Darüber haben wir uns zu Beginn zum Glück keine Gedanken gemacht. Wenn wir Anfangs gewusst hätten, was auf uns zukommt, hätten wir vielleicht gar nicht begonnen. Aber wir haben immer analysiert, entschieden und einen Schritt nach dem anderen gemacht – angetrieben von der Überzeugung, dass wir ein gutes und zukunftsweisendes Produkt haben. Und heute zu sehen, dass namenhafte Unternehmen auf unsere Lösungen setzen und wir in einem Atemzug mit den großen Unternehmen der Verpackungsbranche genannt werden, macht uns schon stolz und bestätigt uns, dass unser Weg der richtige ist.

Was sind eure nächsten Schritte nach dem Erfolg mit Rossmann – steht eine weitere Expansion oder Produktentwicklung an?

Die Kooperation mit Rossmann wird sicherlich auch in anderen Branchen positive Effekte entfalten. Mit einer weiteren Produktionsmaschine werden wir künftig PapairWrap in größeren Mengen, verschiedenen Breiten und für noch vielseitigere Einsatzfälle herstellen können.

Parallel bleibt Produktentwicklung ein zentrales Thema: Wenn wir unseren Kunden Lösungen anbieten wollen, müssen wir ihre Herausforderungen genau verstehen, um innovative Verpackungskonzepte entwickeln zu können.

Wenn ihr in die Zukunft blickt: Welche Vision habt ihr für Papair und für die Verpackungswelt im Jahr 2030?

2030 ist gar nicht mehr so weit entfernt. In einer Verpackungswelt, die mit internationalen Lieferketten und zunehmendem Versandhandel vor der Herausforderung steht, Verpackungsabfälle zu reduzieren und zukunftsweisende Lösungen zu finden, sehen wir Papair als einen der Keyplayer unter den Verpackungsproduzenten.

Als Startup ermöglichen uns unsere Flexibilität und Agilität, schnell, kreativ und lösungsorientiert auf Kundenanfragen und Bedarfe zu reagieren. So können wir neue Herausforderungen direkt aufgreifen und maßgeschneiderte Konzepte entwickeln – immer mit dem Ziel, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Lösungen anzubieten.

Bild Papair Gruender vlnr Fabian Solf, Christopher Feist und Steven Widdel @Papair

Wir bedanken uns bei Klaus Schirmer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Mobil trotz Chaos: So sichern Sie Ihre Entschädigung bei Flugverspätung

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Entschädigung bei Flugverspätung: Ihre Rechte und Tipps Wer fliegt, der hat auch Rechte. Bildquelle: Leonhard Niederwimmer via pixabay.com

Wer regelmäßig fliegt, kennt das Spiel: Die Anzeige springt von „Boarding in Kürze“ zu „Delayed“. Erst eine halbe Stunde, dann zwei. Am Ende sitzen hunderte Passagiere zwischen Snacks, Steckdosen und stiller Wut. Doch was viele nicht wissen: Dieses Warten kann bares Geld wert sein, und zwar dank klar geregelter EU-Rechte.

1. Wenn Geduld zur Währung wird

Flugverspätungen sind längst kein Ausnahmefall mehr. Allein 2024 wurden laut Eurocontrol in Europa über 25 % aller Flüge verspätet oder gestrichen. Ursachen reichen von Wetterchaos über Personalmangel bis zu IT-Pannen. Für Reisende zählt aber vor allem eines: Wie bekomme ich mein Geld zurück, oder wenigstens eine faire Entschädigung?

Hier greift die EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004. Sie regelt, wann Fluggesellschaften zahlen müssen und wie viel. Die Beträge liegen zwischen 250 € und 600 € pro Person, abhängig von der Flugstrecke und der Verspätungsdauer. Entscheidend ist dabei, ob die Airline selbst verantwortlich ist. Ein Streik der eigenen Crew zählt dazu, ein Gewitter nicht.

2. Anspruch prüfen, aber richtig

Viele Passagiere scheitern an der Bürokratie. Formulare, Paragraphen, fehlende Belege, schnell wird aus dem Urlaubsärger eine Wochenaufgabe. Wer sich diesen Aufwand sparen möchte, kann auf spezialisierte Dienstleister setzen. Plattformen, die spezialisiert sind auf Flugverspätung Entschädigung übernehmen die komplette Abwicklung: Sie prüfen den Anspruch, fordern das Geld direkt bei der Airline ein und zahlen bei Erfolg aus, oft innerhalb weniger Wochen.

Der Vorteil: Kein juristisches Risiko, keine Vorkosten. Der Dienstleister behält lediglich eine Erfolgsprovision, falls der Anspruch durchgeht. So verwandelt sich die frustrierende Wartezeit am Gate zumindest nachträglich in eine kleine Wiedergutmachung.

3. Diese Fälle lohnen sich besonders

Nicht jede Verzögerung ist ein Fall für die Entschädigung. Eine Faustregel hilft:

ab 3 Stunden Verspätung am Zielort → Anspruch möglich
bei kurzfristiger Flugabsage (< 14 Tage) → Anspruch möglich
bei verpasstem Anschlussflug → je nach Ursache ebenfalls möglich
bei außergewöhnlichen Umständen (z. B. Unwetter) → meist kein Anspruch

Wichtig: Die Airline darf sich nicht pauschal mit „technischen Problemen“ herausreden. Der Europäische Gerichtshof hat mehrfach entschieden, dass solche Störungen in den Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft fallen, und somit entschädigungspflichtig sind.

4. So gehen Sie strategisch vor

Wer die Entschädigung selbst einfordert, sollte strukturiert vorgehen:

Beweise sichern
Boardingpässe, Buchungsbestätigung, Fotos der Anzeigetafel.

Verspätungsdauer dokumentieren
genaue Ankunftszeit notieren.

Schriftlich reklamieren
am besten per E-Mail mit Fristsetzung.

Rückmeldung abwarten
Airlines haben meist 4–6 Wochen Zeit zur Antwort.

Bei Ablehnung
Wenden Sie sich an Schlichtungsstellen, oder dementsprechende Portale.

Tipp: Je sachlicher und präziser das Schreiben, desto höher die Erfolgschancen. Emotionen beeindrucken Airlines selten, Fakten dagegen schon.

5. Kulanz, Komfort & Konsumentenrechte

Neben der finanziellen Entschädigung haben Reisende auch Anspruch auf Betreuung: Mahlzeiten, Getränke, Hotelübernachtung bei längeren Verzögerungen sowie Transport zwischen Flughafen und Unterkunft. Diese sogenannten Betreuungsleistungen gelten unabhängig davon, ob später eine Auszahlung erfolgt.

Wer seine Rechte kennt, erlebt Flugchaos mit deutlich weniger Problemen. Gerade Vielflieger oder Unternehmer:innen, die auf Pünktlichkeit angewiesen sind, profitieren von einer klaren Strategie: Emotion raus, Fakten rein, Ansprüche einfordern. Dabei profitiert nicht nur wer Business fliegt, sondern jeder.

6. Zahlen, die wachrütteln

Laut einer aktuellen Erhebung der Europäischen Verbraucherzentrale verzichten über die Hälfte aller Betroffenen auf ihre Entschädigung. Das hat den Grund, dass viele einfach nicht wissen, dass ihnen eine zusteht. Dabei summieren sich die nicht eingeforderten Gelder europaweit auf über eine Milliarde Euro pro Jahr. Eine Zahl, die zeigt: Wer informiert ist, fliegt besser. Ein Blick auf offizielle Quellen, wie die Verbraucherzentrale Deutschland hilft, die eigenen Ansprüche zu verstehen und einzuordnen. Dort finden sich auch Vorlagen für Beschwerdebriefe und juristische Hinweise.

7. Fazit: Kontrolle zurückgewinnen

Flugverspätungen sind ärgerlich, aber kein Schicksal. Wer die Regeln kennt und systematisch handelt, kann aus dem Chaos zumindest einen Teil des verlorenen Werts zurückholen. Die Entschädigung ist dabei auch ein Stück Selbstwirksamkeit in einem System, das sonst oft anonym wirkt.

Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion: Mobil zu bleiben heißt heute nicht nur reisen, sondern auch seine Rechte zu kennen.

Bild: Wer fliegt, der hat auch Rechte. Bildquelle: Leonhard Niederwimmer via pixabay.com

Autor Sven Oswald

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Heilbronn Slush’D hat 2025

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Slush’D 2025: Heilbronn als Innovationszentrum

Die vierte Ausgabe der Heilbronn Slush’D hat 2025 erneut Maßstäbe gesetzt und sich als zentrale Plattform für Innovation und Unternehmertum in Europa positioniert. Unter dem Motto „ONE Driving Force“ versammelten sich über 1.000 Teilnehmer:innen in Heilbronn, darunter Gründer:innen, Investor:innen sowie Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um Impulse für die Zukunft der europäischen Innovationslandschaft zu setzen. Die Veranstaltung, ausgerichtet von Campus Founders, unterstrich einmal mehr die wachsende Bedeutung der Region als dynamisches Innovationszentrum und Ort der Zusammenarbeit über Sektor- und Ländergrenzen hinweg. Heilbronn Slush’D hat 2025 verdeutlicht, wie lebendig und vielfältig Europas Innovationsszene ist – von KI und Deep Tech über Robotik bis zu nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Slush’D 2025: Heilbronn

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Wir waren erneut ausverkauft und konnten deutlich mehr internationale Teilnehmer, Partner und Redner in Heilbronn begrüßen. Man hat die Energie unseres diesjährigen Mottos „One Driving Force“ im Publikum gespürt. Das Feedback war durchweg positiv und das Besondere ist immer, wenn Menschen zum ersten Mal in Heilbronn sind, und die Dimensionen dessen begreifen, was hier entsteht und wie viel Dynamik im Ökosystem steckt. Ebenfalls war die Qualität der Startups im Pitch-Wettbewerb sehr hoch. Wir sind gespannt, für wie viele Erfolgsgeschichten heute der Grundstein gelegt wurde “ sagt Oliver Hanisch, CEO der Campus Founders.

„Die Heilbronn Slush’D hat erneut gezeigt, dass wir alle Voraussetzungen haben, um ein erfolgreiches Innovations-Ökosystem zu bauen – nicht nur hier in Heilbronn, sondern auch in ganz Deutschland und Europa. Es gibt die Talente, neue Technologien, Innovationen – und auch Kapital. Jetzt geht es darum, dass wir dieses Kapital auch für Startups zugänglich machen und grössere Summen vor Ort investieren. So geben wir ihnen die Chance aus ihrem Heimatmarkt heraus global zu wachsen und unsere Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit für die Zukunft zu sichern.”

On stage: Visionen, die Europa bewegen

Die Main Stage wurde zum Treffpunkt von GründerInnen, InvestorInnen und ExpertInnen, die Europas Zukunft durch Technologie, Nachhaltigkeit und Unternehmergeist neu denken, und aktiv voranbringen.

Agate Freimane, Founding General Partner bei Norrsken VC, eröffnete das Programm mit einem eindringlichen Appell an Durchhaltevermögen und Eigenverantwortung: „Keine Ausreden – nur Lösungen. Ausreden bringen dich nicht weiter. Finde einen Weg, egal wie schwer er ist.“ Ihre Worte prägten einen Tag voller Tatkraft, Klarheit und Pioniergeist, verkörpert von GründerInnen, die aus jeder Herausforderung einen nächsten Schritt machten. Sophia Rödiger, CMO bei 1KOMMA5°, sprach im Anschluss über die Erfolgsformel für Wachstum in Europa: „Topic, Timing, Talent – das ist das Erfolgsrezept für Skalierung.“ Andy Bruckschloegel, Mitgründer von Bits & Pretzels, Ryte und Semrush, brachte zudem die zehn wichtigsten Zutaten für Startup-Erfolg auf den Punkt.

Schon nach den ersten Programmpunkten zeigte sich, dass kaum ein Thema so präsent ist wie Künstliche Intelligenz. Breana Callan vom KI-Bundesverband fasste es prägnant zusammen: „AI isn’t potential anymore – it’s proven momentum.“ Mit der neuen AI-on-Demand-Plattform will der Verband europäische KI-Kompetenzen bündeln – von Services und Ressourcen bis zu Tools – und sie leicht zugänglich machen. Forschende, Mittelständler, Technologieanbieter, EU-Projekte und Innovationszentren sollen dort künftig gemeinsam am Fortschritt arbeiten.

Neben KI stand auch Robotik im Fokus als ein weiterer Proof Point für Europas technologische Exzellenz. 

In einem Panel zu Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Startups betonte David Reger, CEO von Neura Robotics, den Wettbewerbsvorteil solcher Partnerschaften: „Unternehmen profitieren von Startup-Innovationen, bevor sie der Markt überhaupt kennt.“ Henning Löser, Senior Manager des Audi Production Lab, ergänzte die Perspektive der Corporates: „Wir brauchen Menschen, die Regeln brechen dürfen. Startups können und sollen schnell scheitern, lernen und besser werden – aber wer mit Corporates arbeiten will, muss verstehen, wie sie ticken.“ Stephan-Daniel Gravert, CPO bei mimic robotics, hob Vertrauen als Basis jeder Zusammenarbeit hervor, während Timo Gessmann, CTO bei Schunk, den Wert von Ökosystemen betonte: „Innovation entsteht nie im Alleingang sondern im Netzwerk“.

Zum Abschluss kam Matt Domo, Mitgründer von Amazon Web Services (AWS) und einer der ersten Amazon-Mitarbeiter, eigens aus den USA nach Heilbronn. In seinem Blueprint für das europäische Innovationsökosystem rief er dazu auf, Silodenken zu beenden und Überregulierung zu vermeiden – jetzt sei die Zeit für gemeinsames Handeln.

Slush’D 2025: Heilbronn

Ein weiteres Signal für Europas wachsende Innovationskraft kam von HyImpulse Technologies: Das Heilbronner SpaceTech-Unternehmen teilte auf der Slush’D Bühne exklusive Einblicke. Das Unternehmen hat kürzlich eine Finanzierungsrunde über 45 Millionen Euro, angeführt von Campus Founders Ventures, abgeschlossen.  Das Investment beschleunigt die Kommerzialisierung der SL1-Orbitalrakete und stärkt Europas unabhängigen und kosteneffizienten Zugang zum Weltraum.

Auf dem Gelände konnten Besucher die SR75-Rakete von HyImpulse sehen, eines der zentralen Exponate des Festivals. Neura Robotics und Schunk zeigten zudem einen humanoiden Roboter mit beweglichen Händen – ein Beispiel für den technologischen Fortschritt in der Robotik.  Für einen Hauch Startup-Flair sorgte ein Pop-up-Barbershop mitten in der Ausstellungsfläche: sowohl Networking-Hotspot als auch Social-Media-Favorit.

Pitch Competition: Bühne frei für Europas mutigste Startups

Insgesamt 50 Startups traten live in fünf Award-Kategorien an – vor einem voll besetzten Publikum und einer Jury aus InvestorInnen, ExpertInnen und PartnerInnen. Der renommierte ONE Hundred Award – inklusive der Chance auf ein Investment von 100.000 Euro durch Campus Founders Ventures – ging an EcoComply. Das Startup hat eine Plattform entwickelt, die Hersteller dabei unterstützt, ihre Produkte effizient auf gesetzliche Anforderungen wie CE-Kennzeichnung, RoHS, REACH, WEEE und mehr zu prüfen und vorzubereiten.

Slush’D 2025: Heilbronn

Der neu eingeführte Co-Innovation Award ging an common sense robotics – eine intelligente Plattform, die manuelle Arbeit in industriellen Umgebungen automatisiert und optimiert. Das Unternehmen verbindet Künstliche Intelligenz (KI) mit Robotik, um Aufgaben zu verstehen, zu planen und entweder Menschen bei der Ausführung zu unterstützen oder sie vollständig autonom durchzuführen. Der Preis umfasst ein Budget von 25.000 Euro für ein Proof-of-Concept mit dem Award-Partner Audi.

Weitere Auszeichnungen wie der ONE Driving Force Award (25.000 Euro, unterstützt von D11Z.Ventures) wurde an Sleak AI verliehen, der Female Founders Award (5.000 Euro, unterstützt von Wissensstadt Heilbronn / WoMent) an ChangePath, sowie der Campus Founders Community Award (5.000 Euro, Publikumspreis) an Bloom Future.

Slush’D 2025: Heilbronn

„Gravity“: Das nächste Kapitel

Der Spirit der Heilbronn Slush’D lebt weiter – und bekommt im Dezember ein neues Zuhause. Am 3. Dezember eröffnen die Campus Founders offiziell GRAVITY, ihren neuen, 8.266 Quadratmeter großen Standort in Heilbronn. Als Gravitationszentrum für Unternehmertum und Co-Innovation konzipiert, bietet das Gebäude über 200 Arbeitsplätze, 21 Meetingräume und zwei Eventflächen – und stärkt die Position von Heilbronn als eines der dynamischsten Innovations-Ökosysteme Europas.

Bilder@ Heilbronn Slush’D/ Campus Founders gGmbH

Wie revolutioniert Fantasy Tennis das digitale Fan-Erlebnis?

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Tentasy – Fantasy Tennis für Tennisfans digitale Spielerlebnis

Tentasy ist eine kostenlose Fantasy-Sports-Plattform für Tennis. Fans können ihr eigenes Dream-Team erstellen und Matches interaktiv miterleben.

Können Sie Tentasy kurz vorstellen und erzählen, wer die Köpfe hinter dem Unternehmen sind?

Tentasy ist eine kostenlose Fantasy-Sports-Plattform für Tennis. Nutzer stellen ihr eigenes Dream-Team aus Profis zusammen, sammeln Punkte und treten gegeneinander an. Die Punkte basieren auf den echten Leistungen der Spieler. Hinter Tentasy stehen Philipp Westerkamp und Dennis Jurado Portero. Wir spielen seit über 25 Jahren Tennis, waren über zehn Jahre als Trainer aktiv und bringen sportwissenschaftliche sowie betriebswirtschaftliche Erfahrung mit.

Welche Idee stand am Anfang von Tentasy und wie hat sich daraus das heutige Konzept entwickelt?

Die Idee entstand aus dem Wunsch, unsere Leidenschaft für Tennis auch abseits des Platzes auszuleben. Schon seit unserer Kindheit hat uns gestört, dass es im Tennis kaum digitale Angebote gibt – obwohl der Sport weltweit riesig ist. In anderen Disziplinen wie Fußball oder Basketball sind Fantasy-Plattformen längst selbstverständlich. Diese Lücke wollten wir schließen und Tennisfans eine Möglichkeit geben, Matches nicht nur zu verfolgen, sondern aktiv mitzuerleben.

Was ist die langfristige Vision von Tentasy und auf welchem Weg möchten Sie diese erreichen?

Unsere Vision ist, Fantasy Tennis zu einem festen Bestandteil des Tenniserlebnisses zu machen – so selbstverständlich wie Fantasy Football im American Football. Wir wollen eine Plattform schaffen, die Tennisfans dauerhaft begleitet, während Matches, zwischen Turnieren und im Austausch mit anderen. Der Schlüssel liegt in einer aktiven Community, die das Produkt mitgestaltet. So entsteht ein digitales Ökosystem, das Tennisfans verbindet und den Sport interaktiver macht.

Wer zählt zu Ihrer Hauptzielgruppe und wie stellen Sie sicher, dass deren Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden?

Unsere Hauptzielgruppe sind Tennisfans aller Altersgruppen, die Matches aktiv miterleben wollen. Das reicht vom Hobbyspieler bis zum langjährigen Tour-Fan. Um die Bedürfnisse zu treffen, setzen wir auf direkten Austausch: über Social Media, Feedbackrunden und eine Beta-Test-Phase. Zusätzlich planen wir einen Discord-Channel, in dem Nutzer Ideen einbringen und die Weiterentwicklung mitgestalten können.

Welche Rolle spielt der Community-Gedanke bei Tentasy, wenn es um den Aufbau und die Weiterentwicklung der Plattform geht?

Die Community ist das Herzstück von Tentasy. Wir wollen keine App „von oben“ entwickeln, sondern eine Plattform, die gemeinsam mit den Fans wächst. Nutzer sollen sich einbringen können, Feedback geben und Ideen beisteuern. Tentasy soll zu einem Ort werden, an dem Tennisfans sich wiederfinden und gemeinsam Neues schaffen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen aktuell im Markt und wie geht Ihr Team damit um?

Die größte Herausforderung liegt darin, dass Tennis im Bereich Fantasy-Sport noch nahezu unerschlossen ist. Tentasy bewegt sich in einem Markt, den es in dieser Form bislang nicht gibt. Diese Ausgangslage verlangt viel Aufklärungsarbeit – der Markt muss erklärt, etabliert und mit Vertrauen gefüllt werden. Gleichzeitig bietet genau das die größte Chance: als Pioniere etwas völlig Neues zu schaffen. Der Schwerpunkt liegt auf einer intuitiven Nutzererfahrung, klarer Kommunikation und Kooperationen mit Tennisvereinen, um Fans direkt dort abzuholen, wo sie ohnehin aktiv sind.

Was unterscheidet Tentasy von klassischen Fantasy-Sportangeboten und worin liegt Ihr größter Mehrwert?

Viele Fantasy-Sportangebote sind entweder kostenpflichtig oder stark werbegetrieben. Tentasy geht einen anderen Weg. Wir sind kostenlos, fair und werbefrei im klassischen Sinne. Statt Bannern oder Pop-ups setzen wir auf native Sponsorenintegration, die Teil des Spielerlebnisses ist. Ein Beispiel: Bei der Kapitänswahl kann ein virtueller Nutrition-Partner eingebunden werden. Entscheidet sich ein Nutzer in dieser Phase für das Produkt des Partners, erhält sein Kapitän für das jeweilige Turnier doppelte Punkte. Diese Option gibt es nur einmal pro Turnier – so bleibt die Integration natürlich und wird Teil des Spielerlebnisses statt klassischer Werbung.

Gab es auf Ihrem bisherigen Weg einen Moment, der für Sie entscheidend war und den Kurs des Unternehmens geprägt hat?

Ja, diesen Moment gab es. Kurz bevor wir aufgeben wollten – weil der Kontakt zu den Lizenzgebern fast unmöglich schien – stieß ich zufällig auf den International Licensing Summit in New York. Nur sechs Tage später sollte er stattfinden, und unser potenzieller Lizenzgeber war dort Sponsor. Ich habe spontan ein Ticket gebucht, bin hingeflogen und konnte den Licensing Manager persönlich treffen. Das Gespräch lief großartig und zeigte uns: Das Potenzial unseres Projekts wird auch von offizieller Seite gesehen. Dieser Austausch hat uns den entscheidenden Schub gegeben, weiterzumachen.

Wie möchten Sie Tentasy in den kommenden Jahren weiterentwickeln und welche neuen Funktionen oder Angebote dürfen Nutzer erwarten?

Der erste Schritt ist die Entwicklung des Prototyps, danach folgt die vollständige App. Zunächst konzentrieren wir uns auf den deutschsprachigen Markt, langfristig ist die Vision global. Neben dem Liga-System wollen wir zusätzliche Challenges und Kooperationen mit den Profi-Touren (ATP und WTA) einführen. Ein besonderes Ziel ist die Integration unserer Fantasy-Punkte in Live-Übertragungen – damit Nutzer ihre Teams parallel zum echten Geschehen verfolgen können.

Welche Bedeutung haben Partner oder Investoren in Ihrer Wachstumsstrategie und wie wichtig ist Ihnen Unabhängigkeit?

Partner und Sponsoren sind ein zentraler Bestandteil unserer Monetarisierungsstrategie. Statt klassischer Werbung setzen wir auf Kooperationen, die direkt in das Spielerlebnis eingebunden sind. So entsteht für Marken ein echter Mehrwert, weil sie Teil des Spiels und der Community werden.
Investoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, vor allem im Hinblick auf Lizenzkosten und Skalierung. Trotzdem ist uns Unabhängigkeit wichtig. Wir nehmen nicht jedes Investment an, nur weil Kapital verfügbar ist. Entscheidend ist, dass Partner unsere Vision teilen und langfristig denken – nicht nur kurzfristig Rendite erwarten.

Wenn Sie anderen Gründern drei Tipps mitgeben könnten, welche wären das aus Ihrer bisherigen Erfahrung?

Erstens: Perfektionismus kann bremsen. Fangt an, auch wenn noch nicht alles perfekt ist.
Zweitens: Sprecht früh mit anderen Gründern und holt euch Feedback – das spart Zeit und hilft, Perspektive zu gewinnen.
Drittens: Macht etwas, hinter dem ihr wirklich steht. Leidenschaft ist die wichtigste Antriebskraft, wenn es mal schwierig wird.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft von Tentasy und für den europäischen Startup-Markt insgesamt?

Für Tentasy wünschen wir uns, dass wir Fantasy Tennis als neue digitale Spielform im Tennissport etablieren. Unser Ziel ist es, Tennisfans weltweit aktiv einzubinden – nicht nur als Zuschauer, sondern als Teil des Geschehens. Wir wollen zeigen, dass selbst ein Nischenmarkt wie Fantasy Tennis großes Potenzial hat, wenn Leidenschaft und Innovation zusammenkommen.
Im europäischen Startup-Markt sehen wir die größte Herausforderung darin, dass junge Unternehmen mit neuen oder schwer greifbaren Ideen kaum Zugang zu Finanzierung finden. Gerade in Pioniermärkten schrecken Banken und Investoren oft zurück. Wir wünschen uns mehr Offenheit und gezielte Förderung für Startups, die neue Wege gehen – mit langfristigem Denken statt kurzfristiger Renditeerwartung.

Bild Dennis Jurado Portero Fotograf Philipp Westerkamp

Wir bedanken uns bei Dennis Jurado Portero für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Tentasy

Tentasy logo tennisball bunt

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Tentasy GmbH
Eilbeker Weg 14
D-22089 Hamburg
dennisjuradoportero@gmail.com

Ansprechpartner: Dennis Jurado Portero

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Mentale Gesundheit im Startup-Alltag: Warum Gründer unter Dauerstrom stehen und wie sie Resilienz aufbauen können

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Mentale Gesundheit im Startup: Resilienz als Erfolgsfaktor Image by Lukas Bieri from Pixabay

Hoher Leistungsdruck, endlose To-do-Listen und kaum Pause – im Startup herrscht Dauerbetrieb. Doch wer langfristig erfolgreich sein will, muss mentale Gesundheit, Resilienz und Achtsamkeit im Business genauso ernst nehmen wie Cashflow und Wachstum.

Der Preis der Vision – warum Gründer oft an ihre Grenzen stoßen

Gründen ist Leidenschaft, Risiko und permanenter Einsatz. Viele Gründerinnen und Gründer arbeiten täglich bis spät in die Nacht, jonglieren zwischen Investorenterminen, Produktentwicklung und Teamführung. Der Traum vom eigenen Unternehmen kann schnell zum emotionalen Drahtseilakt werden.

Studien zeigen, dass Gründer deutlich häufiger unter Schlafmangel, Angstzuständen oder Erschöpfung leiden als Angestellte. Das Gefühl, ständig performen zu müssen, verbunden mit finanzieller Unsicherheit, erzeugt einen enormen Druck. Gleichzeitig fehlt es in vielen jungen Unternehmen an Strukturen, die Entlastung bieten.

Mentale Gesundheit wird in der Startup-Szene noch immer unterschätzt – oft gilt Schwäche als Scheitern. Doch genau hier beginnt das Problem. Wer ständig im „Fight-or-Flight“-Modus arbeitet, verliert langfristig die Fähigkeit, klar zu denken und gute Entscheidungen zu treffen.

Mentale Gesundheit Startup – ein unterschätztes Erfolgsthema

Die mentale Gesundheit im Startup ist kein weiches Thema, sondern ein zentraler Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Ein Gründer, der übermüdet, gestresst und innerlich leer ist, kann sein Team weder inspirieren noch strategisch führen. Mentale Stabilität ist die Basis für Kreativität, Innovationskraft und Führungsqualität.

Inzwischen erkennen auch Investoren, dass Gründerpsychologie ein relevanter Bestandteil unternehmerischer Leistungsfähigkeit ist. Wer resilient und reflektiert ist, meistert Krisen besser und trifft rationalere Entscheidungen. Mentale Gesundheit ist also nicht Privatsache – sie ist Businessstrategie.

Resilienz Gründer – was mentale Stärke wirklich bedeutet

Resilienz für Gründer bedeutet nicht, unverwundbar zu sein, sondern mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen. Scheitern gehört im Startup-Kontext fast immer dazu. Entscheidend ist, wie schnell man sich davon erholt und was man daraus lernt.

Resilienz entsteht durch Selbstreflexion, gesunde Routinen und bewusste Pausen. Gründer, die regelmäßig Abstand gewinnen, können klarer priorisieren und langfristig gesünder führen. Auch der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern hilft, Belastungen einzuordnen und neue Perspektiven zu finden.

Ein praktisches Beispiel: Ein Gründerteam steht kurz vor dem Produktlaunch, als ein Investor abspringt. Statt in Panik zu verfallen, konzentriert sich das Team auf Lösungen, führt offene Gespräche im Netzwerk und gewinnt wenige Wochen später neue Partner. Diese Fähigkeit, in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben, ist Kern echter Resilienz.

Achtsamkeit im Business – Fokus statt Dauerstress

In der Gründerwelt gilt Schnelligkeit als Tugend. Doch wer immer nur beschleunigt, verliert den Fokus. Hier kommt Achtsamkeit im Business ins Spiel. Achtsamkeit bedeutet, bewusst zu handeln, statt nur zu reagieren. Sie hilft, Prioritäten zu erkennen und Entscheidungen klarer zu treffen.

Kleine Achtsamkeitsroutinen – etwa fünf Minuten bewusste Atmung vor Meetings, Fokuszeiten ohne Ablenkung oder kurze Spaziergänge zwischen Calls – können einen enormen Unterschied machen. Sie fördern Konzentration und senken Stresslevel.

Auch für Teams ist Achtsamkeit ein wertvolles Werkzeug. Regelmäßige Check-ins, offene Kommunikation über Arbeitsbelastung und der bewusste Umgang mit Erschöpfung schaffen psychologische Sicherheit. So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen wachsen können – nicht nur in Zahlen, sondern auch persönlich.

Mentale Gesundheit als Teil der Unternehmenskultur

Wenn Startups wachsen, steigt der Druck auf Gründer und Teams gleichermaßen. Deshalb sollte mentale Gesundheit frühzeitig Teil der Unternehmenskultur werden. Ein gesundes Unternehmen erkennt, dass nachhaltige Leistung nur mit Erholung und Balance möglich ist.

Das beginnt mit offener Kommunikation. Führungskräfte, die ehrlich über eigene Überforderung sprechen, schaffen Raum für Vertrauen. Auch Strukturen helfen: flexible Arbeitszeiten, klare Zieldefinitionen und die Ermutigung, Pausen zu machen.

Einige junge Unternehmen gehen sogar noch weiter. Sie etablieren wöchentliche Mental-Health-Sessions, holen Coaches ins Boot oder nutzen digitale Tools, um Belastungen im Team frühzeitig zu erkennen. Diese Investition zahlt sich aus – durch höhere Motivation, geringere Fluktuation und bessere Zusammenarbeit.

Fazit – Erfolg beginnt im Kopf

Gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Erfolg entsteht nicht durch Dauerleistung, sondern durch Balance. Wer seine mentale Gesundheit im Startup schützt, stärkt die eigene Widerstandskraft und die seines Teams.

Resilienz Gründer erkennen, dass Pausen keine Schwäche sind, sondern ein strategisches Werkzeug. Und Achtsamkeit im Business bedeutet, bewusst Prioritäten zu setzen – für Fokus, Klarheit und langfristigen Erfolg.

Am Ende ist mentale Stärke kein Zufall. Sie ist die Grundlage für nachhaltige Gründung, gute Führung und echte Innovationskraft.

Bild Image by Lukas Bieri from Pixabay

Kann ein Softdrink wirklich gut schmecken und trotzdem gesund sein?

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XO SODA: Softdrinks für eine neue Generation Rory Paterson, CEO & Co-Founder bei XO SODA @ XO SODA

XO SODA entwickelt funktionale Softdrinks mit präbiotischen Ballaststoffen, die Genuss und Gesundheit verbinden und eine neue Generation von Limonaden prägen.

Können Sie uns XO SODA und die Menschen hinter dem Startup kurz vorstellen?

XO SODA ist ein Getränkeunternehmen der nächsten Generation mit einem einfachen Ziel: eine neue Kategorie von „besseren“ Softdrinks in Europa zu schaffen, die nicht nur gut schmecken, sondern auch gut für den Körper sind.
Gegründet wurde es von mir und meinem Mitgründer Nick Janssen. Ich bin seit 2014 als Unternehmer im Bereich funktionaler Getränke tätig, und Nick und ich haben uns während der Pandemie über gemeinsame Freunde kennengelernt, während er mehrere Startups beriet. Schnell merkten wir, dass wir die gleiche Vision teilen: Soda für eine neue Generation neu zu erfinden.

Was war der entscheidende Moment, der Sie dazu inspiriert hat, XO SODA zu gründen?

Eigentlich war es ein Moment, der über mehr als ein Jahrzehnt herangereift ist. Nachdem ich verschiedene Getränkeunternehmen aufgebaut und beraten hatte, wurde mir klar, dass die Kategorie, die am meisten Innovation benötigt, zugleich die größte und am stärksten in den Alltag eingebundene ist – Soda.
Jahrzehntelang bestand die größte „Innovation“ bei Softdrinks in neuen Geschmacksrichtungen, nicht in der Rezeptur. Die meisten Softdrinks waren entweder vollgepackt mit 40–50 Gramm Zucker oder enthalten künstliche Inhaltsstoffe, um ein Null-Zucker-Versprechen einzuhalten. Wir sahen die Chance, Soda von Grund auf neu zu denken: das Erlebnis zu bewahren, das die Menschen lieben, aber das schlechte Gewissen zu entfernen.

Welche Vision verfolgen Sie mit XO SODA und wie möchten Sie diese langfristig umsetzen?

Unsere Vision ist einfach: XO SODA soll die erste Wahl für die aktuelle und kommende Generation von Softdrink-Konsumenten werden. Wir möchten das Denken der Menschen über Softdrinks verändern – so dass man Soda genießen kann und sich dabei gut fühlt. Langfristig bauen wir ein Portfolio und eine Markenpräsenz auf, die europaweit und darüber hinaus skalierbar ist, und schaffen so einen neuen Standard für funktionale Softdrinks.

Ihre Limonaden enthalten präbiotische Ballaststoffe. Warum war dieser Ansatz für Sie so wichtig?

Früher habe ich viel Kombucha getrunken und mit einem meiner vorherigen Unternehmen sogar Europas erstes probiotisches Wasser auf den Markt gebracht. Dabei habe ich im Laufe der Zeit gelernt, dass Probiotika zwar wertvoll sind, aber in kleinen Dosen nicht besonders wirksam – und dass Ballaststoffe tatsächlich der eigentliche Motor für die Darmgesundheit sind.
Die Herausforderung war: Wie können wir es einfach machen, diese gesunden Ballaststoffe jeden Tag zu konsumieren? Soda schien das perfekte Medium zu sein – vertraut, ritualisiert und genussvoll. Also haben wir ein Getränk entwickelt, das echte funktionale Vorteile bietet, dabei aber so gut schmeckt, dass man es der klassischen Limonade vorzieht.

Wer ist die Hauptzielgruppe von XO SODA und wie stellen Sie sicher, dass deren Bedürfnisse getroffen werden?

Unsere Kernzielgruppe sind Gen Z, Gen Alpha und die jüngeren Millennials – also Konsumenten, die bewusster, neugieriger und markenorientierter sind als je zuvor. Wir haben eine Marke geschaffen, die zu ihrem Lebensstil passt: kräftige Geschmacksrichtungen, ein modernes, unverwechselbares Design und Produkte, die ihnen wirklich einen Nutzen bringen. Sie wollen nicht nur bessere Alternativen – sie wollen spannende Alternativen.

Welche besonderen Herausforderungen sind Ihnen bisher begegnet und wie haben Sie diese gemeistert?

Als Europas erste präbiotische Limonade, die im Mai 2023 auf den Markt kam, bestand unsere größte Herausforderung darin, Einzelhändler davon zu überzeugen, dass diese Kategorie es wert ist, aufgebaut zu werden.
Ich erinnere mich noch an unser erstes Käufergespräch Ende 2022 – wir traten mit einer neongrün-pinken Dose Watermelon XO an, die sechs Gramm Ballaststoffe enthielt. Zunächst waren sie skeptisch, doch nachdem sie probiert hatten und die Zahlen zur Marktchance sahen, stimmten sie einem Testverkauf zu. Das war der Wendepunkt.

Was unterscheidet XO SODA von anderen Getränken im Bereich gesunder Softdrinks?

Wir haben Jahre damit verbracht, Geschmack und Erlebnis zu perfektionieren – wir wollten kein weiteres „gesundes“ Getränk entwickeln, das auf Genuss verzichtet. XO SODA bietet das echte Soda-Erlebnis, ist dabei aber tatsächlich gut für den Körper.
Unsere Rezeptur basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist stabil, mit einer einzigartigen Ballaststoffmischung, die sich nicht zersetzt – ein häufiges Problem vieler ballaststoffhaltiger Getränke. Außerdem haben wir eine Marke aufgebaut, der Verbraucher vertrauen können – eine Marke, die hält, was sie auf der Dose verspricht.

Wie reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher auf die bisherigen Sorten und welches Feedback hat Sie am meisten überrascht?

Die Resonanz war überwältigend. Unsere ersten Geschmacksrichtungen – Watermelon, Tropical, Red Berries und Lychee – haben sich alle sehr gut verkauft und oft unsere Erwartungen übertroffen. Besonders überraschend war, wie schnell die Konsumenten das Konzept einer „funktionalen Limonade“ angenommen haben, sobald sie sie probiert hatten – es wird deutlich, dass für diese neue Kategorie wirklich ein echter Bedarf besteht.

Welche Entwicklungen oder neuen Produkte planen Sie in naher Zukunft?

Wir werden unser Geschmacks- und Sortimentsportfolio weiter ausbauen – inklusive Multipacks für den Handel und neuen funktionalen Varianten, die auf spezifische Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der Fokus liegt darauf, das Gleichgewicht zwischen hervorragendem Geschmack und echtem Nutzen beizubehalten.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Geschäftsmodell?

Nachhaltigkeit ist zentral für unser Vorgehen. Wir haben uns für Dosen entschieden, weil sie unendlich recycelbar sind, und die meisten unserer Märkte haben Pfandsysteme, die verantwortungsbewusstes Recycling fördern. Über die Verpackung hinaus konzentrieren wir uns darauf, ein effizientes, transparentes und umweltbewusstes Unternehmen aufzubauen.

Wenn Sie auf Ihre bisherige Reise zurückblicken. Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen sind alles. An manchen Tagen läuft alles schief, an anderen passt alles perfekt. An sich selbst zu glauben und die Fähigkeit, Probleme zu lösen, ist das, was einen vorwärtsbringt.
Kenne deine Kategorie in- und auswendig – sowohl aus Sicht der Konsumenten als auch der Handelspartner. Dieses Wissen sollte die Grundlage deiner gesamten Strategie bilden.
Denke groß. Suche dir ein Problem, das groß genug ist, um echten Wandel zu bewirken – und nicht über Nacht einfach kopierbar ist.

Wo sehen Sie XO SODA in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir, dass XO SODA die Wahrnehmung von Softdrinks verändert hat. Wir sehen unsere Dosen in den Regalen mehrerer Länder – Getränke, die gut aussehen, gut schmecken und gut tun. Die Vision ist, „bessere“ Softdrinks zum neuen Standard zu machen.

Bild: Rory Paterson, CEO & Co-Founder bei XO SODA @ XO SODA

Wir bedanken uns bei Rory Paterson für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Von der Idee zum MVP: 5-Tage-Startup-Fahrplan für die Frühphase

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In 5 Tagen zum MVP: Startup-Fahrplan für Gründer Bild von Adrian auf Pixabay

Die ersten Schritte einer Startup-Gründung sind oft chaotisch. Da ist diese eine Idee, die nachts nicht schlafen lässt, aber der Weg von diesem ersten Geistesblitz zu einem greifbaren Produkt wirkt wie ein undurchdringlicher Nebel. Viele Gründer verlieren sich in dieser Phase – entweder in endlosen Planungssessions oder im überstürzten Loslegen ohne echte Strategie.

Dabei braucht es in der Frühphase keine monatelange Planung. Was es braucht, ist Fokus und einen strukturierten Sprint, um aus einer Idee einen testbaren Prototypen zu machen.

Ein 5-Tage-Fahrplan kann genau das leisten: In fünf intensiven Tagen entsteht aus einem vagen Konzept ein MVP-Konzept mit klarer Richtung.

Tag 1: Die Idee auf den Prüfstand stellen

Der erste Tag gehört der schonungslosen Ehrlichkeit. Viele Gründer verlieben sich so sehr in ihre Idee, dass sie vergessen zu fragen, ob die Welt sie überhaupt braucht. An diesem Tag geht es darum, die Idee zu dekonstruieren und ihre Grundannahmen zu hinterfragen.

Was genau ist das Problem, das gelöst werden soll? Wer hat dieses Problem tatsächlich? Und wie gravierend ist es wirklich? Diese Fragen klingen banal, aber die Antworten entscheiden oft über Erfolg oder Scheitern. Eine gute Übung ist es, mindestens zehn potenzielle Nutzer anzurufen oder zu treffen – nicht um das Produkt zu verkaufen, sondern um zu verstehen, ob das Problem überhaupt existiert.

Ein Beispiel: Ein Gründerteam wollte eine App entwickeln, die Restaurantbesuche mit automatischer Rechnung-Splitting-Funktion vereinfacht. Nach Gesprächen mit Freunden und Bekannten stellte sich heraus, dass die meisten Menschen dieses „Problem“ mit einer schnellen Venmo-Überweisung lösen. Das eigentliche Schmerzpunkt lag woanders: Bei der Reservierung und dem Warten auf einen Tisch. Die Idee wurde angepasst, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wurde.

Tag 1 endet idealerweise mit einer klaren Problem-Statement und ersten Hypothesen über die Zielgruppe. Wer am Ende dieses Tages noch von seiner Idee überzeugt ist, hat die erste Hürde genommen.

Tag 2: Zielgruppe schärfen und validieren

Am zweiten Tag wird es konkret. Die Zielgruppe ist jetzt nicht mehr „junge Menschen“ oder „kleine Unternehmen“, sondern beispielsweise „selbstständige Grafikdesigner zwischen 28 und 40, die mit Freelancer-Plattformen unzufrieden sind“. Je präziser die Definition, desto fokussierter kann später entwickelt werden.

Dieser Tag sollte damit verbracht werden, tiefer in die Welt dieser Zielgruppe einzutauchen. Wo hängen diese Menschen online ab? Welche Tools nutzen sie bereits? Was frustriert sie an bestehenden Lösungen? Hier helfen Plattformen wie Reddit, spezialisierte Facebook-Gruppen oder LinkedIn-Communities. Auch der Blick auf Bewertungen von Konkurrenzprodukten liefert wertvolle Insights – negative Reviews sind Goldgruben für ungelöste Probleme.

Ein weiterer wichtiger Schritt: Das Erstellen einer Persona. Keine abstrakte Marketing-Persona, sondern eine echte, greifbare Beschreibung einer realen Person. Mit Namen, Job, Tagesablauf und konkreten Schmerzpunkten. Diese Persona wird zur Richtschnur für alle weiteren Entscheidungen.

Tag 3: Die Lösung skizzieren

Der dritte Tag ist der kreativste – aber auch der gefährlichste. Hier entsteht die erste konkrete Vision der Lösung. Die Gefahr besteht darin, zu groß zu denken. Statt eines simplen MVP entstehen in Gedanken bereits umfangreiche Plattformen mit dutzenden Features.

Besser ist es, mit einem Product-Discovery-Workshop starten, um systematisch die Kernfunktionen zu identifizieren. Das zentrale Prinzip: Welches eine Feature würde das Hauptproblem der Zielgruppe bereits spürbar lindern? Alles andere ist Beiwerk.

Eine bewährte Methode ist die „Feature-Matrix“. Auf der einen Achse steht der Nutzen für den Kunden, auf der anderen der Entwicklungsaufwand. Features, die hohen Nutzen bei niedrigem Aufwand versprechen, kommen zuerst. Der Rest wird gnadenlos nach hinten verschoben.

An diesem Tag sollten auch grobe Wireframes oder Skizzen entstehen. Keine aufwendigen Designs, sondern Stift-auf-Papier-Zeichnungen, die zeigen, wie die Lösung funktionieren könnte. Tools wie Figma oder sogar einfache PowerPoint-Mockups reichen völlig aus. Es geht um Funktionalität, nicht um Ästhetik.

Tag 4: Ressourcen klären und Machbarkeit prüfen

Tag 4 bringt einen zurück auf den Boden der Tatsachen. Jetzt werden die harten Fragen gestellt: Was kostet das alles? Welche Skills werden benötigt? Wie lange dauert die Entwicklung realistisch?

Viele Gründer übersehen in der Euphorie die Ressourcenfrage. Wer kein technisches Gründungsmitglied im Team hat, muss entweder einen Entwickler anheuern, eine Agentur beauftragen oder selbst coden lernen. Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. No-Code-Tools wie Bubble oder Webflow können für erste MVPs ausreichen, haben aber ihre Grenzen.

Auch die Finanzierung gehört auf den Tisch. Bootstrapping ist eine Option, erfordert aber oft, dass Gründer nebenbei weiterarbeiten. Fördermöglichkeiten und Gründerkredite können den Druck nehmen und ermöglichen vollständige Konzentration auf das Startup. Wichtig ist, realistisch zu kalkulieren – mit Puffer für unvorhergesehene Kosten.

Ein weiterer Punkt: Das Team. Fehlen Kompetenzen? Dann ist jetzt der Zeitpunkt, Mitgründer oder erste Mitarbeiter zu suchen. Oder zumindest Mentoren und Advisors, die in kritischen Bereichen beraten können. Networking-Events, Startup-Stammtische oder Plattformen wie AngelList helfen dabei.

Am Ende von Tag 4 sollte klar sein: Ja, das ist machbar. Oder: Nein, wir müssen den Scope noch einmal reduzieren. Beides sind wertvolle Erkenntnisse.

Tag 5: Der MVP-Plan steht

Der finale Tag dient der Konsolidierung. Alle Erkenntnisse der vergangenen Tage fließen in einen konkreten MVP-Plan. Dieser Plan muss keine 50-seitige Ausarbeitung sein. Eine gut strukturierte Notion-Seite oder ein Google Doc reichen völlig.

Was gehört rein? Erstens: Eine klare Definition des MVP-Scopes. Welche Features werden gebaut, welche nicht? Zweitens: Ein realistischer Zeitplan. Wann soll der erste Prototyp stehen? Wann beginnen die ersten Nutzer-Tests? Drittens: Meilensteine und Metriken. Woran wird Erfolg gemessen? Anmeldungen? Aktive Nutzer? Bezahlende Kunden?

Ein oft übersehener, aber kritischer Punkt: Die Testing-Strategie. Der MVP ist nicht das Endprodukt, sondern ein Experiment. Wie wird getestet? Wer sind die ersten Tester? Wie wird Feedback gesammelt und ausgewertet? Tools wie Typeform für Surveys oder Hotjar für Nutzerverhalten-Tracking sollten von Anfang an eingeplant werden.

Auch der Launch-Kanal gehört in den Plan. Wird der MVP zunächst nur an eine handverlesene Gruppe von Beta-Testern verteilt? Oder gibt es einen öffentlichen Launch über Product Hunt, Reddit oder LinkedIn? Beides hat Vor- und Nachteile – wichtig ist, dass die Strategie zur Zielgruppe passt.

Die Zeit nach den fünf Tagen

Nach diesen fünf intensiven Tagen steht ein solides Fundament. Aber – und das ist entscheidend – die Arbeit fängt jetzt erst richtig an. Der Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Viele Gründer scheitern nicht an schlechten Ideen, sondern an mangelnder Execution.

Ein häufiger Fehler: Nach dem initialen Sprint verliert sich das Team wieder in Perfektion. Monate vergehen, in denen am Produkt gefeilt wird, bevor auch nur ein einziger echter Nutzer es sieht. Besser ist es, schnell eine erste Version zu bauen und sie in die Hände echter Menschen zu geben – auch wenn sie unvollkommen ist.

Gründerwissen hilft hier weiter: Feedback ist der wertvollste Rohstoff in der Frühphase. Jede Iteration sollte auf echten Nutzerdaten basieren, nicht auf Annahmen im stillen Kämmerlein. Wer bereit ist, schnell zu scheitern und zu lernen, hat einen enormen Vorteil gegenüber denen, die monatelang im Verborgenen entwickeln.

Auch der Austausch mit anderen Gründern hilft enorm. Die Startup-Szene lebt von gegenseitiger Unterstützung. Wer Fragen hat, Feedback braucht oder einfach jemanden zum Brainstormen sucht, findet in Communities und auf Plattformen wertvolle Ressourcen und Kontakte.

Fazit: Geschwindigkeit schlägt Perfektion

Der 5-Tage-Fahrplan ist kein Garant für Erfolg. Aber er gibt Struktur in einer Phase, die oft von Unsicherheit geprägt ist. Wer diese fünf Tage konsequent durchzieht, hat am Ende mehr als nur eine Idee – er hat einen Plan, ein Team und einen klaren nächsten Schritt.

Das Wichtigste: Loslegen. Die perfekte Idee, das perfekte Timing, das perfekte Team – all das gibt es nicht. Was es gibt, sind Gründer, die trotz Unsicherheit den ersten Schritt wagen. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Idee, die ewig nur eine Idee bleibt, und einem Startup, das tatsächlich das Licht der Welt erblickt.

Bild von Adrian auf Pixabay

Autor Simon Peters

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie wir grünen Strom endlich vollständig nutzen können

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CYTOK – Methan speichern, Energie effizient nutzen Die Crew der hydrogen pirates

CYTOK entwickelt innovative Power-to-Gas-Technologien, die Wasserstoff in synthetisches Methan umwandeln und so eine effiziente, sichere und emissionsfreie Energiespeicherung ermöglichen

Können Sie uns CYTOK vorstellen und erzählen, wer die Köpfe hinter dem Startup sind?

Die CYTOK GmbH – auch bekannt als die „hydrogen pirates“ – wurde im Mai 2023 von Martin Weiss und Klaus Schirmer gegründet. Von Beginn an konnten wir weitere erstklassige Mitarbeiter mit langjährigen Erfahrungen in den Bereichen Power-to-Gas und insbesondere der Methanisierung gewinnen. Mit unserer patentierten Technologie wandeln wir Wasserstoff in synthetisches Methan (e-Methan) um. Dieses kann anschließend vollständig emissionsfrei verbrannt werden, wodurch die Hürden der Wasserstoffnutzung entfallen und bestehende Erdgastechnologien und deren Infrastruktur weiterverwendet werden können.

Welche Vision verfolgen Sie mit CYTOK und wie möchten Sie diese in den kommenden Jahren verwirklichen?

Wir möchten die effiziente und wirtschaftliche Speicherung von grünem Strom signifikant vorantreiben. Die Lastspitzen der Windkraft- und PV-Produktion müssen genutzt und nicht abgeregelt werden. Das gilt nicht nur für die großen Megawatt-Anlagen, sondern beginnt bereits dezentral auch bei kleineren PV-Anlagen.Mit unserer Technologie wird somit 100% des erneuerbaren Stroms vor Ort verbraucht. Aktuell treiben wir unsere standardisierte Container-Lösung voran: Sie senkt Stückkosten, beschleunigt die Fertigung und erleichtert den Roll-out im In- und Ausland.

Referenzanlage am Ferien- und Freizeitgebiet Bernsteinsee

Für welche Zielgruppen ist Ihre Power-to-Gas-Technologie besonders interessant und welche Probleme lösen Sie konkret?

Unsere Anlagen adressieren Betreiber, die ihre eigene erneuerbare Stromerzeugung optimal und zu 100% verwerten wollen: Wohnquartiere, Gewerbeimmobilien, Industrie, Hotels – überall dort, wo Versorgungssicherheit, Planbarkeit und hoher Eigenverbrauch wirklich zählen.
Unsere dezentralen Anlagen nutzen und speichern im Megawatt-Bereich grünen Strom aus den eigenen EE-Anlagen. Die Speicherung von Überschüssen als Methan ist deutlich einfacher und sicherer als Wasserstoff und zudem redundant zu bestehender Infrastruktur und Anlagen. Dazu kommt die von uns entwickelte emissionsfreie Verbrennung im sogenannten modifizierten OxyFuel-Verfahren, bei der wir den Sauerstoff aus der Elektrolyse anstatt aus der Luft nutzen, und das CO2 in einem geschlossenen Kreislauf immer wieder zur Herstellung von Methan nutzen.
Zunehmend werden aber auch unsere Methanisierungsanlagen im großen Leistungsbereich separat angefragt. So können etwa große Strommengen in Form von emissionsneutralem Methan gespeichert werden und zusätzlich wird dadurch nicht-fossiles CO2, z. B. aus Biogasanlagen, Kläranlagen etc. als Wertstoff für die Herstellung sogenannter e-fuels gebunden.

Wie gelingt es Ihnen, bestehende Infrastrukturen wie Biogasanlagen oder Gasnetze sinnvoll in Ihre Lösung einzubinden?

Biogas aus den herkömmlichen Anlagen besteht zu fast 50% aus CO2. Dieses kann wie zuvor beschrieben zusammen mit Wasserstoff zu klimaneutralem e-Methan umgesetzt werden. Damit wird die Effizienz von Biogasanlagen fast verdoppelt. Die vorhandenen Gasnetze können als Speicher für diese grünen Gase genutzt werden, eine Umrüstung auf Wasserstoff ist in diesem Fall nicht nötig.

So funktioniert die Power-to-Gas-Technologie
So funktioniert die Power-to-Gas-Technologie

Was macht Ihr geschlossenes CO₂-Kreislaufverfahren einzigartig im Vergleich zu anderen Technologien?

Das patentierte Kreislaufverfahren des CO2 ermöglicht die dezentrale Produktion von grünem Methan. Indem wir das CO2 aus der eigenen Verbrennung nutzen, sind wir nicht auf andere Quellen oder das wenig effiziente Filtern aus der Luft angewiesen. Zudem erzielen wir durch die Wärmeauskopplung aus Elektrolyse und Methanisierung einen sehr hohen Nutzungsgrad von 80 – 85%. Auch die Redundanz unserer Technologie zur bestehenden Erdgasversorgung und damit Versorgungssicherheit ist für viele unserer Kunden sehr wichtig.

Mit welchen größten technischen oder wirtschaftlichen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell konfrontiert?

Das Gute ist, dass die von uns eingesetzten Technologien alle schon bekannt und bewährt sind, so sind die Zulassungsvoraussetzungen wie TÜV-Abnahmen usw. unproblematisch. Im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten stecken allerdings sehr viel Knowhow und viele Erfahrungswerte aus unserer Referenzanlage, die bereits seit 2021 am Bernsteinsee in Niedersachsen läuft. Wirtschaftlich überzeugen unsere Anlagen durch einen hohen Autarkiegrad und planbare Betriebskosten. Das Interesse an innovativen Energiespeicherlösungen ist groß – wenn Finanzierungen künftig noch stärker langfristig gedacht werden, kann Deutschland hier eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wie wichtig sind Pilotprojekte wie die Anlage am Bernsteinsee für die Weiterentwicklung und das Vertrauen potenzieller Kunden?

Überaus wichtig! In der Theorie gibt es sehr viele Ideen, innovative Technologien und Pläne. Für die Interessenten ist es sehr wichtig zu sehen, dass die Technologie stabil funktioniert und die erwarteten Ergebnisse bringt. Ein Kunde – etwa aus der Immobilienwirtschaft – trägt Verantwortung für die Energieversorgung seiner Mieter und kann sich keine Experimente leisten. Er braucht Vertrauen in Stabilität und Versorgungssicherheit. Genau das zeigt unsere Anlage am Bernsteinsee auf eindrucksvolle Weise.

Martin Weiss und Klaus Schirmer | Geschäftsführer und Gründer der CYTOK – hydrogen pirates
Martin Weiss und Klaus Schirmer | Geschäftsführer und Gründer der CYTOK – hydrogen pirates

Welche Rolle spielen die modularen Containerlösungen in Ihrer Wachstumsstrategie?

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Menschheit leider an die sehr billige fossile Energie gewöhnt. Erneuerbarer Strom wird heute bereits deutlich kostengünstiger erzeugt, doch die erforderlichen Speichertechnologien können weiterhin maßgeblich die Kosten solcher Gesamtanlagen steigern. Dabei beobachten wir, dass auch andere Speichertechnologien zunehmend günstiger werden – und genau das bestärkt uns, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Mit unserer standardisierten Container-Lösung leisten wir dazu einen wichtigen Beitrag: Sie reduziert die Investitions- und Betriebskosten, ermöglicht höhere Stückzahlen und schafft so die Basis für den weiteren Ausbau und das Wachstum von CYTOK.

Wo sehen Sie die größten Chancen für den Einsatz Ihrer Technologie in den nächsten fünf Jahren?

Besonders große Chancen sehen wir im dezentralen Bereich der Gebäudeversorgung – sowohl bei Wohnquartieren als auch bei gewerblichen Immobilien. Durch zunehmend günstige Preise für grünen Überschussstrom eröffnen sich darüber hinaus wirtschaftlich attraktive neue Geschäftsfelder, etwa in der Produktion von grünem Methan und der Aufbereitung von Biogas.

Wie gehen Sie bei CYTOK mit dem Thema Skalierbarkeit um und welche nächsten Schritte planen Sie dafür?

Unsere Skalierung erfolgt zweigleisig: über höhere Stückzahlen (Container-Standardisierung) und über Leistungswachstum einzelner Anlagen. Elektrolyse und Methanisierung sind nahezu unbegrenzt nach oben skalierbar; mit zunehmender Größe sinken die spezifischen Kosten. Nächste Schritte: Serienreife der Container, Ausbau der Lieferkette und weitere größere Projekte.

Welche drei Ratschläge möchten Sie anderen Gründerinnen und Gründern aus Ihrer bisherigen Erfahrung mitgeben?

Erstens: Einen langen Atem zu haben und den „Worst-Case“ in der Zeitplanung möglichst finanziell abzudecken.
Zweitens: Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.Den eigenen Optimismus und ein wenig Idealismus behalten, was auch kommt.
Und Drittens: Eingefahrene Denkweisen nicht ungeprüft akzeptieren, falls möglich über die deutschen Grenzen hinausdenken. Neue Wege suchen, wenn die alten nicht zum Erfolg führen.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen. Welche Rolle soll CYTOK in der Energiewende in Deutschland und Europa spielen?

Wir möchten mit CYTOK eines der führenden Unternehmen im Bereich Power-to-Gas, Methanisierung und emissionsfreie Energieversorgung werden, über die deutschen Grenzen hinaus. Mit unserem japanischen Partner, der GPSS Group, haben wir beispielsweise bereits einen Kooperationsvertrag und Lizenzvertrag für Japan und den weiteren Markteintritt im asiatischen Raum.
Doch hinter all dem steht mehr als nur technologische Innovation – es ist unsere innere, gemeinsame Überzeugung als Crew: „Die kommenden Generationen haben ein Recht auf einen gesunden Planeten! Deshalb setzen wir uns leidenschaftlich für saubere und nachhaltige Energie für alle ein!“

Bilder @CYTOK

Wir bedanken uns bei Klaus Schirmer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


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Kurt-Dunkelmann-Straße 2
D-18057 Rostock

https://cytok.de
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Ansprechpersonen: Klaus Schirmer und Martin Weiss

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