Montag, März 9, 2026
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seed+speed Ventures startet neuen KI-Fonds über 90 Millionen Euros

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seed+speed Ventures KI-Fonds B2B-Startups Carsten Maschmeyer Fotograf Thomas von Aagh

Der Fonds investiert in europäische B2B-Startups in der Pre-Seed- und Seed-Phase.

seed+speed Ventures, der in Berlin ansässige Early-Stage-Fonds unter der Leitung von Carsten Maschmeyer und Alexander Kölpin, hat sein Fundraising bei 90 Millionen Euro abgeschlossen. Das ursprünglich geplante Zielvolumen für den dritten Fonds lag bei 30 Millionen Euro. Mit Zustimmung der Investoren wurde der Hard Cap zweimal erhöht.

seed+speed III investiert in europäische B2B- und Enterprise-Software-Unternehmen in der Pre-Seed- und Seed-Phase mit Erstinvestments zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro. Pro Startup kann der Fonds mehrere Millionen Euro an Folgekapital bereitstellen.

Mit dem neuen Fonds legt seed+speed Ventures einen klaren Fokus auf den sicheren Einsatz von KI im Unternehmensalltag – von Sicherheit, Datenschutz und Governance über Qualität und Kostenkontrolle bis hin zu messbarer Produktivität.

Zur Investorenbasis zählen institutionelle Investoren wie Banken und Stiftungen, Medienhäuser, Family Offices, Industrieholdings, Experten aus dem Rechts- und Steuerbereich, Immobilienunternehmer sowie vermögende Privatpersonen.

Carsten Maschmeyer über Europas KI-Potenzial

Carsten Maschmeyer, Managing Partner bei seed+speed Ventures, erklärt:

„Wenn Europa im globalen KI-Wettbewerb bestehen will, müssen wir Innovation dringend vorantreiben. Wir glauben fest an KI aus Europa. Es gibt hier starke, innovative Gründerinnen und Gründer mit Erfindergeist und Technologie auf Weltklasseniveau. Was leider oft fehlt, ist die Kraft, daraus große Unternehmen aufzubauen – genau hier setzen wir an. Besonders stolz sind wir darauf, dass mehrere erfolgreiche Gründer aus unseren ersten beiden seed+speed Fonds nach ihren Exits nun selbst als Investoren eingestiegen sind. Das ist ein starkes Vertrauenssignal.“

Alexander Kölpin über Enterprise KI und frühe Investments

Alexander Kölpin, Managing Partner bei seed+speed Ventures, ergänzt:

seed+speed Ventures_Alexander Kölpin_Managing Part ner_(c)seed+speed Ventures
seed+speed Ventures Alexander Kölpin Managing Partner Credits: seed+speed Ventures

„Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen werden, sondern wie sie KI nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir investieren in Pre-Seed- und Seed-Teams, die KI als Kerntechnologie entwickeln, ebenso wie in Unternehmen, die Werkzeuge für den sicheren und effektiven Einsatz von KI bereitstellen. Mit 90 Millionen Euro haben wir ein starkes Early-Stage-Vehikel für Enterprise KI in Europa geschaffen. Wir investieren bewusst sehr früh und begleiten Gründerinnen und Gründer mit Folgefinanzierungen, Go-to-Market-Umsetzung und vertriebsgetriebenem Wachstum, damit aus europäischer Technologie Lösungen entstehen, die internationale Standards setzen.“

seed+speed Ventures als Lead-Investor mit größeren Tickets

Die Investmentstrategie von seed+speed fokussiert sich auf europäische Pre-Seed- und Seed-Startups mit klarer KI-Komponente – entweder Unternehmen mit eigener KI für B2B- und Enterprise-Software oder Tools, die den sicheren und effizienten Einsatz externer KI ermöglichen.

Mit einem Fondsvolumen von 90 Millionen Euro kann das Team nun größere Erstinvestments tätigen und flexibler investieren, sei es als Lead- oder Co-Lead-Investor oder im Rahmen von Folgefinanzierungen. seed+speed unterstützt seine Portfolio-Unternehmen insbesondere beim Aufbau skalierbarer Go-to-Market-Strukturen in Europa und stellt Gründerteams ein dediziertes Support-Team für Sales, PR, Marketing und Social Media zur Seite.

Pro Jahr plant seed+speed Investitionen in sieben bis neun neue Startups.

Erfolgsbilanz der Fonds I und II

Die Fonds I und II konzentrierten sich auf Startups aus dem deutschsprachigen Raum. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen im Portfolio von seed+speed zählen Prezise.ai (Exit), Finanzguru, pliant, Kertos, Prewave, Enginsight und Orderlion.

Öffnung für ganz Europa mit seed+speed III

Das Fundraising für seed+speed III begann im Sommer 2024. Erstmals steht der neue Fonds auch europäischen Startups außerhalb der DACH-Region offen.

Seitdem hat das Investmentteam bereits in 13 Startups investiert.

Ausgewählte Portfolio-Unternehmen von seed+speed III

Orq.ai mit Sitz in Amsterdam (Niederlande) ist eine Generative-AI- Kollaborations- und LLMOps-Plattform, die Teams dabei unterstützt, KI-Agenten sicher in der Produktion zu entwickeln, zu testen, auszurollen und zu überwachen. Im Dezember 2025 schloss Orq.ai eine Seed-Finanzierungsrunde über 5 Millionen Euro ab.

RIIICO mit Sitz in Düsseldorf ist eine KI-basierte Softwareplattform, mit der Industrieunternehmen digitale 3D-Modelle bestehender Fabriken erstellen können. So lassen sich Werks­erweiterungen, neue Produktionslinien und Umbauprojekte viermal schneller und flexibler planen und umsetzen. Zu den Kunden zählen bereits namhafte Automobilhersteller. Im Juni 2025 sammelte RIIICO 5 Millionen US-Dollar in einer Seed-Runde ein.

Optimuse aus Wien ist eine KI-Plattform für Planung, Sanierung und Betrieb von Gebäuden. Sie zeigt Planern frühzeitig, welche technischen Optionen Kosten und Emissionen am effektivsten senken. Am 1. Oktober 2025 schloss Optimuse eine Seed-Finanzierungsrunde über 4 Millionen Euro ab.

Eleven Dynamics mit Sitz in Solothurn (Schweiz) bietet automatisierte Inline-Messtechnik und Qualitätskontrolle für die industrielle Fertigung. Unternehmen können damit ihre Taktzeiten reduzieren und gleichzeitig die Qualität steigern. Zu den Kunden zählen unter anderem BMW, Audi und Sauber Motorsport. Im Februar 2025 sicherte sich Eleven Dynamics eine Seed+-Finanzierung über 3,5 Millionen Schweizer Franken.

Titelbild Carsten Maschmeyer Fotograf Thomas von Aagh

Quelle: Maschmeyer Group/ MM Support GmbH

Wie bleibt man sich treu, wenn plötzlich alles schneller wird?

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Viva Maia: mexikanische Naturkosmetik mit Proof Verena und Herbert Fotograf: Mathias Gonzales Hirschfeld

Viva Maia entwickelt wirksame Naturkosmetik mit mexikanischen Inhaltsstoffen und verbindet klinischen Proof mit lokaler Wertschöpfung in Mexiko.

Wie hat sich Viva Maia seit dem letzten Interview organisatorisch und strategisch weiterentwickelt?

Wir sind immer noch ein kleines, familiengeführtes Team. Wir fokussierteren uns stark auf das Thema Supply, da wir unsere Supply Chain in Mexiko komplett selber aufbauen. Außerdem spielt Marketing für uns eine große Rolle. In dem Bereich sind wir gerade auch stark auf der Suche nach Leuten, die Lust haben, mit uns mexikanische Naturkosmetik in Deutschland / Europa noch bekannter zu machen. Strategisch haben wir unsere Positionierung geschärft: klinischer Proof dank unabhängiger Studien + mexikanische Herkunft und Herstellung + wirksame Naturkosmetik.

Wie hast du die Zeit nach der Höhle der Löwen erlebt und welche konkreten Auswirkungen hatte der Auftritt auf Viva Maia?

Irgendwie surreal sich im Fernsehen zu sehen… ich finde man sieht anders aus als in Wirklichkeit 😉 Es ist einfach ein enormer „Growth-Schub“ in sehr kurzer Zeit. Der Auftritt hat uns auch in Sachen Vertrauen geholfen. Und ganz simple: mehr Reichweite, mehr Erstkäufe, mehr Wiederkäufe. Natürlich hat das auch intern den Druck erhöht, Prozesse, Supply und Customer Experience schneller zu professionalisieren.

Welche Entscheidungen aus der Anfangsphase würdest du heute anders treffen und warum?

Ich würde früher härter priorisieren. Weniger gleichzeitig, dafür schneller auf wenigen Dinge fokussieren. Und ich würde Prozesse (Produktion, Forecasting, Customer Support) früher „mitwachsen lassen“, statt sie erst unter „Druck“ nachzuziehen.

Welche persönlichen und unternehmerischen Learnings hast du aus „Die Höhle der Löwen“ für deinen weiteren Weg mitgenommen?

Vor allem eins: Wachstum kann man nur dann wirklich genießen, wenn Operations, Cashflow und Teamstruktur mithalten. Wenn nicht, wird Reichweite schnell zu Stress. Im schlimmsten Fall zu vermeidbaren Fehlern oder sogar Misserfolg. Wir geben deshalb unser Bestes, Wachstum so zu steuern, dass unsere Kernwerte nicht unter die „Räder kommen“. Gerade weil wir Nachhaltigkeit und Produktqualität bewusst priorisieren.

Mexikanische Naturkosmetik ist weiterhin euer Markenkern. Wie schafft ihr es, kulturelle Authentizität zu bewahren und gleichzeitig für den europäischen Markt zu skalieren?

S. Antwort davor + Indem wir „mexikanisch“ nicht als Deko nutzen, sondern als Fundament. Wir entwickeln nicht um Trendwirkstoffe herum, sondern um Herkunft, Rohstoffe und das Heilwissen dahinter. Deshalb bauen wir unsere eigene Produktion in Mexiko auf und schaffen Wertschöpfung dort, wo die Rohstoffe wachsen. Auch wenn das uns oft vor „Ops-Probleme“ stellt.

Welche Rolle spielen mexikanische Produzentinnen und lokale Wertschöpfung heute konkret in eurem Geschäftsmodell?

Eine zentrale. Wir arbeiten bewusst mit lokalen Partnerinnen und Wertschöpfungsketten in Mexiko. Das macht uns manchmal langsamer. Aber dafür bleiben wir unserem Core treu.

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Versprechen. Wo stößt ihr dabei aktuell an Grenzen und wie geht ihr damit um?

Die größte Grenze ist ehrlich gesagt die „Realität in der Lieferkette“, z.B. auch bei Retouren. Es ist erschreckend zu sehen, was in Kosmetik nicht mehr „verkaufsfähig“ ist: ein kleiner Knick in der Verpackung, eine Delle im Produkt, und es kann nicht mehr regulär rausgehen. Das landet bei uns im Büro, und ich sehe diese Mengen ganz direkt. Ich verstehe die Kundensicht total -> wenn ich bestelle, will ich auch ein einwandfreies, neues Produkt. Aber, man sieht nicht, was mit all den Produkten passiert, die inhaltlich völlig okay sind, aber optisch nicht mehr „perfekt wirken“. Das nehmen wir als klaren Ansatzpunkt, um bessere Lösungen zu finden. z. B. Retouren landen bei uns im Büro und werden nicht einfach entsorgt. Dann kann ich entscheiden, ob ich ein Influencer Send Out z.B. mit diesen Produkten mache (ich weiß klingt komisch aber gerade wenn es um das Testen von Produkten geht, kann man auch eine Creme mit einer Delle bekommen.

Wie entwickelt ihr neue Produkte und welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine Idee umgesetzt wird oder nicht?

Wir stellen uns die Frage: Was fehlt wirklich? z.B. ein Routine Step oder ein Benefit den die bisherigen Produkte nicht abdecken. Dann prüfen wir Wirksamkeit, Formulierbarkeit, Rohstoffqualität, regulatorische Machbarkeit und ob wir den Nutzen klar beweisen und kommunizieren können. Nur wenn Produkt, Proof und Story zusammenpassen, setzen wir es um. Daher ist unsere Produktpalette auch relativ klein.

Welche Inhaltsstoffe oder traditionellen Rezepturen stehen aktuell besonders im Fokus eurer Produktentwicklung?

Vor allem mexikanische Heilpflanzen mit antioxidative, regenerierende Wirkstoffe, sowie beruhigende, barrierestärkende Wirkstoffe. Core bei uns sind die Kakteen mit über 150+ Optionen. Und natürlich unser Hero Ingreidient Tepezcohuite.

Der Kosmetikmarkt ist stark umkämpft. Worin siehst du heute den klarsten Wettbewerbsvorteil von Viva Maia?

Unser größter Wettbewerbsvorteil ist diese seltene Kombination: echte mexikanische Herkunft und Wirkstoffe, klinischer Proof und spürbare Wirksamkeit. Gleichzeitig bauen wir Vertrauen über Nähe auf: Ich zeige als Gründerin bewusst, was hinter den Kulissen passiert.

Wie hat sich eure Zielgruppe verändert und was habt ihr über eure Kundinnen in den letzten Monaten neu gelernt?

Unsere Zielgruppe ist „breiter“ geworden, mehr Menschen kommen über Empfehlung und Proof zu uns, also positives „Word of Mouth“.

Welche Vertriebskanäle funktionieren für euch aktuell am besten und wo experimentiert ihr noch bewusst?

Am stärksten ist die Kombination aus Direct-to-Consumer, organischem Social und Creator Content.

Wie beeinflussen wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Kosten eure Preisstrategie?

Wirtschaftliche Unsicherheit trifft uns vor allem über Zoll- und Handelsbedingungen, weil wir global arbeiten und Mexiko seit 2025 immer wieder unter Zoll-/Tarifdruck und kurzfristigen Fristen steht. Letztes Jahr war in Hinblick dessen ein wirklicher „Kampf“ und das wird dieses Jahr 2026 sicherlich so weitergehen. Qualität nicht kompromittieren und Schwankungen über sehr schlanke interne Kosten, bessere Planung/Forecasting und Effizienz in der Supply Chain abfedern. Wir werden sehen was 2026 bringt.

Welche Rolle spielen Storytelling und Aufklärung bei euren Kundinnen im Vergleich zu klassischen Beauty-Versprechen?

Eine sehr große. Da unsere Wirkstoffe größtenteils in Europa nicht so bekannt sind, ist bei uns Aufklärung das A und O und schafft Vertrauen. Außerdem bin ich als Gründerin generell sehr offen und transparent und poste die meisten Inhalte zu was wir tun immer noch selber, was ich denke auch ein wichtiger Core unserer Strategie ist.

Wie gehst du persönlich mit dem Spannungsfeld zwischen Wachstum, Verantwortung und unternehmerischem Druck um?

Indem ich konsequent priorisiere: klare Ziele, klare Teamverantwortung. Und wirklich immer die 80/20 Regel, ich versuche mich die meiste Zeit nur auf das zu konzentrieren, das wirklich einen „Impact“ hat. Das klappt ehrlich gesagt nicht immer.

Was war in den letzten Monaten der emotional herausforderndste Moment als Gründerin?

In den letzten Monaten war es emotional am härtesten, wenn Erwartungen und Realität plötzlich auseinanderlaufen, vor allem in der Supply Chain. Wir hatten uns für 2025 viel vorgenommen, und dann kamen mehrere unerwartete Zwischenfälle, die Pläne auf einmal unrealistisch gemacht haben. Das Frustrierende ist: Intern kann oft niemand wirklich etwas dafür, Lieferketten, Klima, etc. das ist alles sehr komplex und von externen Faktoren abhängig, aber nach außen wirkt es schnell so, als würden wir die gleichen Fehler wiederholen. Dieses Gefühl, obwohl man alles gibt, als „unzuverlässig“ wahrgenommen zu werden, geht mir persönlich am meisten nahe.

Welche Vision verfolgst du mit Viva Maia in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Viva Maia soll die Referenz für wirksame, mexikanisch verwurzelte Skincare in Europa werden. Ich möchte verändern, dass Mexiko in Europa nicht nur als „Lifestyle-Herkunft“ wahrgenommen wird, sondern als echtes Powerhouse für Naturkosmetik. Mexiko gehört zu den megadiversen Regionen der Welt, mit unglaublich resilienten, klimaangepassten Pflanzen aus Wüstenregionen und Extrembedingungen, die hochwirksam und einzigartig sind. Viele unterschätzen das, obwohl so viele Wirkstoffe und Lebensmittel ursprünglich aus Mexiko kommen -> Tomaten, Kakao/Schokolade, Chili oder Avocado etc. die Liste ist unendlich lang wenn man sich damit mal befasst).

Gibt es einen nächsten großen Schritt, den ihr euch bisher bewusst aufgehoben habt?

Erst bringen wir unsere Supply Chain auf das nächste Level, damit Verfügbarkeit, Planung und Qualität auch bei Wachstum stabil bleiben. Und sobald dieses Fundament steht, gehen wir den nächsten großen Schritt: die Internationalisierung.

Was möchtest du mit Viva Maia langfristig verändern – über Kosmetik hinaus?

Langfristig möchte ich mit Viva Maia beweisen, dass natürliche Skincare nicht „nur natürlich“, sondern genauso effektiv sein kann wie synthetische.

Bildcredits Fotograf: Mathias Gonzales Hirschfeld

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kann Kühlung auch ohne Kompromisse für Umwelt und Effizienz funktionieren?

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MAGNOTHERM Kühlung ohne Kältemittel Gruppenfoto

MAGNOTHERM steht für Kühlung ohne Kältemittel und neue technologische Ansätze

Wie würden Sie MAGNOTHERM und das Team dahinter vorstellen?

MAGNOTHERM ist ein DeepTech Startup mit tiefgreifender Expertise in Materialwissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das Team setzt sich aus Ingenieuren, Wissenschaftlern und Entrepreneuren zusammen, die sich gemeinsam das Ziel gesteckt hat, die Kältebranche umzukrempeln.

Welche wissenschaftliche Grundlage führte zur Gründung von MAGNOTHERM und wie beeinflusst sie Ihre Arbeit heute?

Das Gründerteam formierte sich am Fachgebiet Funktionale Materialien an der Technischen Universität Darmstadt, wo seit 2012 unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Gutfleisch erfolgreich an Permanentmagneten, Magnetokalorischen Materialien und mehr geforscht wird. Hinzu arbeitet Mitgründer Dr. Tino Gottschall am Hochfeld-Magnetlabor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf und erforscht magnetokalorische Materialien für umweltfreundliche Kühltechnologien sowie Anwendungen in der Wasserstoffverflüssigung. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir tagtäglich an Sptizentechnologie, die den State-of-the-Art herausfordern.

Welche Vision verfolgen Sie für eine nachhaltige Kälte- und Wärmetechnologie und welchen Beitrag möchten Sie mit MAGNOTHERM leisten?

Unsere Vision ist es, die 500-Milliarden-USD-schwere Kältebranche nachhaltig zu verändern. Die aktuell dominierende Gaskompressionstechnologie muss abgelöst werden, um sichere und energieeffiziente Kühlung ohne klimaschädliche FCKW- oder FKW-Kältemittel bereitstellen zu können. Unsere Mission ist es, die Technologie der Magnetischen Kühlung als bessere Alternative zur Gaskompression am Markt zu etablieren.

Für welche Anwendungen oder Branchen ist Ihre magnetokalorische Technologie besonders relevant und wie erfüllen Sie deren Anforderungen?

Wir sind im Lebensmitteleinzelhandel gestartet und haben mit POLARIS und ECLIPSE zwei Produkte für Getränke- und Lebensmittelkühlung vorgestellt. Mit der STELLAR-Plattform, die wir zusammen mit Kunden entwickeln, kann unsere Technologie für IT-Equipment, Gebäudeklimatisierung und industrielle Anwendungen genutzt werden. Es handelt sich immer um einen sog. Kaltwassersatz, der temperiertes Wasser für die jeweilige Anwendung zur Verfügung stellt und sich so nahtlos in bestehende Konzepte integrieren lässt.

Ihre Lösungen kommen ohne klimaschädliche Kältemittel aus. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil für Kunden und Umwelt?

Unser Vorteil ist, dass wir sowohl sichere als auch energieeffiziente Kühlung bereitstellen können, die den regulatorischen Anforderungen erfüllen und kein hochqualifiziertes Wartungspersonal erfordert. Der Trend weg von FCKW- und FKW-Kältemitteln ist umumkehrbar. Bereits heute ist Kühlung für ca. 10% aller Treibhausgase verantwortlich und der Bedarf an Kühlung wird in den kommenden Jahrzenten explodieren. Mit dem Montreal-Protokoll konnten wir als Weltgemeinschaft das Ozonloch stabilisieren. Weitere Verordnungen zielen nun auf Kältemittel mit extrem hohen Treibhauspotential ab, die bis zu 20.000-mal höher als CO2 sind. Die Alternativen setzen zum Teil PFAs frei und werden zukünftig auch reguliert. Die einzigen Alternativen sind Natürliche Kältemittel, die explosiv, entzündlich, stark komprimiert oder giftig sind. Dies macht Kühlung teurer, erfordert zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und bedarf hochqualifizierte Kältetechniker.

Welche technischen oder regulatorischen Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau marktreifer magnetokalorischer Systeme und wie gehen Sie damit um?

Wir haben mit der CE-Zertifizierung geringe regulatorische Anforderungen und konnten auch die technische Machbarkeit sowie Dauerfestigkeit mit der POLARIS- und ECLIPSE-Plattform demonstrieren. Unsere größte Herausforderung in der Markteinführung ist es, die Produktion der Systeme im Einklang mit den Kundenanforderungen zu finanzieren.

Was macht MAGNOTHERM einzigartig im Vergleich zu klassischen Kühl- und Heiztechnologien?

Wir verzichten komplett auf das Kältemittel. Damit haben wir null Treibhauspotential, setzen kein PFAs frei und können die Energieeffizienz deutlich steigern. Darüber hinaus können wir zwischen Kühlen und Heizen umschalten. Somit sind unsere Lösungen nicht nur von allen Regularien befreit, auch die Wartung wird deutlich einfacher, sodass man kein hochspezialisiertes Personal vonnöten ist.

Wie schwierig ist es, neue Technologien in etablierten Branchen wie Kühlung oder Gebäudetechnik zu platzieren, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Die Kühlbranche ist die unsichtbare Infrastruktur, die essentiell für unsere Gesellschaft ist. Wenn die Kühlung ausfällt, bedeutet das im mildesten Fall nicht funktionierende Maschinen oder keine kalten Getränke, aber im schlimmsten Fall der Ausfall des Internets, unterbrochene Kühlketten in der Lebensmittelversorgung bis hinzu Todesfällen durch Überhitzung oder fehlende Medikamente. Dementsprechend ist die Ausfallsicherheit der Systeme die absolute Priorität. Für hochintegrierte Systeme, wie das bei Gebäuden der Fall ist, ist dies umso wichtiger, denn ein Tausch ist aufwendig und teuer. Darüber hinaus sind viele Akteure entlang der Wertschöpfungskette involviert.

Vor diesem Hintergrund müssen wir mit unserer neuartigen Technologie sicherstellen, dass die Ausfallsicherheit gegeben ist und vom Kunden abgenommen wird. Wir konzentrieren uns daher auf Anwendungen mit kurzen Wertschöpfungsketten, sodass wir den direkten Zugang zu den Betreibern der Systeme aufbauen können und möglichst alle intermediären Parteien zunächst umgehen. Dies ist vor allem im Lebensmitteleinzelhandel möglich, die verschiedenste Kühlsysteme, von ganz klein bis hin zu gesamten Gebäudekomplexen, im Einsatz haben und diese häufig selbst besitzen und betreiben.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Anwendungen planen Sie in den kommenden Monaten?

Auf Basis unserer ECLIPSE-Plattform werden wir mit Kühlregalherstellern verschiedene magnetische Kühlmöbel entwickeln und Endkunden im LEH liefern. Mit ECLIPSE 2D und ECLIPSE TL haben wir bereits für Testzwecke zwei Kühlmöbel entwickelt, die direkt bei uns erworben werden können. Für den weiteren Produktionsaufbau arbeiten wir jedoch mit etablierten Kühlregalherstellern zusammen, sodass MAGNOTHERM sich auf die kälteerzeugende ECLIPSE-Plattform konzentriert. Darüber hinaus wird die ECLIPSE-Plattform für weitere Anwendungen weiterentwickelt. Jüngst haben wir mit einem Partner erfolgreich getestet, dass ECLIPSE sich auch für Raumklimatisierung von Container-basierten Wohneinheiten eignet. Darüber hinaus entwickeln wir mit Partnern unsere STELLAR-Plattform weiter, um magnetische Kühlung auch für größere Leistungsbereiche einsatzfähig zu machen.

MAGNOTHERM Kühlung ohne Kältemittel Timur Sirman
CEO & Co-Founder Magnotherm Timur Sirman

Wie verändert sich der Markt für nachhaltige Kühltechnologien aus Ihrer Sicht und welche Rolle möchte MAGNOTHERM künftig einnehmen?

Über den Lauf der vergangenen fünf Jahre habe ich einen stark steigendes Interesse an nachhaltiger Kühlung wahrgenommen. Mit natürlichen Kältemitteln gibt es bereits Lösungen, die das Treibhauspotential von Kühlsystemen deutlich senken können. Aufgrund der Sicherheitsrisiken und der komplizierten Wartung ist die Marktdurchdringung jedoch langsam. Daher laufen weiterhin 95% der Kältesysteme auf den umweltschädlichen und gesundheitsschädlichen Kältemitteln. Der Bedarf an sicheren sowie energieeffizienten Kühllösungen ist daher größer denn je. Hier nimmt MAGNOTHERM bereits heute eine führende Rolle als Pionier von kältemittel-freien Kühlsystemen ein und wird die Zukunft der Kältebranche maßgeblich beeinflussen.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass MAGNOTHERM Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Das de:hub Netzwerk bringt alle relevanten Akteure aus der Startup-Branche zusammen und hat uns ermöglicht, unsere internationale Präsenz durch Messebesuche aufzubauen und mittels Match-Making persönliche Kontakte zu Finanzinvestoren und Kooperationspartner zu knüpfen.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das de:hub wird international als die Eintrittstür in die deutsche Startup-Szene verstanden. Teil dieses Netzwerkes zu sein hilft enorm, eine Plattform für Kooperationen zu schaffen und mit potentiellen Partnern ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus ist der Austausch zwischen den teilnehmenden Startups von großem Wert.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich Deep Tech oder nachhaltige Industrieinnovation starten möchten?

Um erfolgreich eine Deep Tech Innovation umzusetzen bedarf es aus meiner Erfahrung nach multipler Finanzierungsinstrumente. Neben Risikokapital von Venture Capitalists sollte man sich gut über regionale, nationale oder internationale Förderprogramme informieren und genau evaluieren, wie diese die Entwicklungskosten ganz oder teilweise decken können. Ein diverses Gründer-Team, d.h. verschiedene Erfahrungen, Perspektiven, Meinungen und Qualifikationen erhöhen in komplexen Entscheidungsräumen die Qualität der Entscheidungen. Wichtig dabei ist, dass man als Team konsensfähig ist und zügig zu Entscheidungen kommt. Für nachhaltige Industrieinnovationen kann ich empfehlen, den Nachhaltigkeitsaspekt aus persönlicher Überzeugung zu verfolgen, für Kunden jedoch weitere Vorteile herauszuarbeiten, sodass ein breites Werteversprechen gemacht werden kann.

Bildcredits © MAGNOTHERM

Wir bedanken uns bei Timur Sirman für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie viel Autonomie braucht Logistik, um wirklich zu funktionieren?

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FERNRIDE Autonomie und Logistik im industriellen Einsatz Fernride Co-Founders Hendrik Kramer, Dr. Maximilian Fisser und Jean-Michael Georg Bildcredits © FERNRIDE

FERNRIDE verbindet Autonomie und Logistik zu skalierbaren industriellen Lösungen

Wie würden Sie FERNRIDE und das Team dahinter vorstellen?

FERNRIDE ist ein europäischer Technologieführer für Dual-Use-Bodenautonomie. Wir sind das erste und bislang einzige Unternehmen mit einer CE-zertifizierten Level-4-Lösung am Markt.
Unsere Technologie hat sich erfolgreich im operativen Einsatz bewährt, unter anderem bei Volkswagen, MAN, DB Schenker, HHLA und BSH, und wurde für den 24/7-Betrieb in realen Anwendungen entwickelt. FERNRIDE kombiniert in einer End-to-End Lösung fahrzeugseitige Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement..
Hinter FERNRIDE steht ein interdisziplinäres Team mit einigen der renommiertesten Experten im autonomen Fahren, funktionaler Sicherheit und industrieller Produktentwicklung in Europa. 2020 sind wir mit dem de:hub German Startup Award als bestes deutsches Startup ausgezeichnet worden.

Welche Motivation führte zur Gründung von FERNRIDE und wie hat sich Ihr Ansatz aus der Forschung heraus entwickelt?

Die Motivation zur Gründung von FERNRIDE entstand aus dem Anspruch, ein skalierbares europäisches Technologieunternehmen aufzubauen, das reale Probleme in der physischen Welt löst (also nicht nur im digitalen Raum). Unser Gründer Hendrik Kramer hat bereits im Alter von 16 Jahren unternehmerische Erfahrung gesammelt – unter anderem durch den Aufbau eines eigenen Unternehmens im Familienumfeld –, wollte sich jedoch bewusst auf Deep-Tech mit gesellschaftlicher Relevanz konzentrieren.

FERNRIDE’s Mitgründer Dr. Jean-Michael Georg hat am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der TU München promoviert. Aus mehr als 10 Jahren Forschung an diesem Institut wurde schnell klar, dass teleoperiertes und autonomes Fahren reif für den Markt ist. Mit dieser Technologie können die wichtigsten Probleme gelöst werden: Wirtschaft und Sicherheit, die stark von Menschen abhängen, die gefährliche, repetitive und zunehmend unattraktive Arbeit leisten. In Bereichen wie Logistik, Industrie und Verteidigung verschärfen sich diese Engpässe dramatisch: Allein in Europa fehlen Hunderttausende Berufskraftfahrer, und auch Streitkräfte kämpfen mit strukturellem Personalmangel.

FERNRIDE setzt genau hier an: Die Automatisierung gefährlicher und repetitiver Tätigkeiten durch zuverlässige Bodenautonomie. Unser Ansatz hat sich dabei konsequent von der Forschung hin zu industriell einsetzbaren, zertifizierbaren Systemen entwickelt. Der Fokus auf Dual-Use- und insbesondere Verteidigungsanwendungen ergibt sich aus der Dringlichkeit dieser Herausforderungen – und aus der Überzeugung, dass strategische Schlüsseltechnologien in Europa beherrscht werden müssen, um technologische und geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren.

Welche Vision verfolgen Sie für autonome Logistikprozesse und wie möchte FERNRIDE diese Vision Schritt für Schritt realisieren?

FERNRIDE’s Vision ist eine Zukunft, in der Robotik das menschliche Potenzial freisetzt, um eine bessere Welt zu schaffen. Dort kann Autonomie Menschen von gefährlicher, repetitiver Arbeit entlasten – und so Sicherheit, Verfügbarkeit und Produktivität in kritischen Logistikprozessen massiv erhöhen. FERNRIDE verfolgt dafür eine human-centric Automation: Autonomie ersetzt Menschen nicht „blind“, sondern skaliert ihre Wirkung – mit klarer Sicherheitslogik, Teleoperation und Flottensteuerung als integrierter Gesamtlösung.
Schritt für Schritt realisieren wir diese Vision über einen praxisgetriebenen Skalierungsansatz:

  1. Fokus auf kritische Einsatzfelder: Wir starten dort, wo der Nutzen am größten ist – insbesondere im Verteidigungsbereich, weil Autonomie dort Personal entlastet, Risiken reduziert und im Ernstfall Leben schützen kann.
  2. Bewährte Plattform statt Einzelprojekte: Wir bringen eine bereits in zivilen Anwendungen erprobte Technologieplattform in neue Domänen und härten sie für anspruchsvollere Bedingungen.
  3. Sicherheit & Zulassung als Kernkompetenz: Skalierung gelingt nur, wenn Autonomie zertifizierbar und regelkonform ist – deshalb sind Safety Engineering, Nachweisführung und robuste Betriebsprozesse zentral.
  4. Operativer Rollout in Iterationen: Wir gehen von klar abgegrenzten Use Cases über Pilotbetrieb zu Flottenbetrieb – mit messbaren KPIs wie Einsatzzeit, Interventionsrate, Sicherheitsperformance und Kosten pro transportierter Einheit.
  5. Ökosystem & Integration: Statt alles neu zu bauen, integrieren wir uns in bestehende Fahrzeuge und Logistiksysteme – und arbeiten mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette.
    So entsteht aus Autonomie nicht nur ein technologisches Versprechen, sondern ein schrittweise industrialisierbarer Logistikstandard – zuerst in Defence-orientierten Szenarien, dann skaliert in Industrie und ziviler Logistik.

Für welche Einsatzbereiche ist Ihre Ground Autonomy Platform besonders relevant und wie erfüllen Sie dort die Anforderungen der Logistikbranche?

Unsere Ground Autonomy Platform ist besonders relevant für Logistikumgebungen, in denen Zuverlässigkeit, Sicherheit und Verfügbarkeit entscheidend sind – etwa in der Verteidigungslogistik, in industriellen Anwendungen sowie in Terminals, Depots und Werksverkehren. Gerade dort, wo Prozesse rund um die Uhr laufen und menschliche Arbeit gefährlich, repetitiv oder schwer skalierbar ist, schafft Autonomie einen messbaren Mehrwert.
Die Anforderungen der Logistikbranche erfüllen wir durch einen klaren Plattform- und Industrialisierungsansatz: FERNRIDE bietet eine CE-zertifizierte Level-4-Lösung, die für den Dauerbetrieb ausgelegt ist und Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement integriert. Unsere Technologie lässt sich sowohl in bestehende Fahrzeugflotten integrieren als auch in neue Fahrzeuge einbauen und ermöglicht so eine schrittweise, wirtschaftliche Skalierung – mit Fokus auf Sicherheit, operative Stabilität und messbare Effizienzgewinne.

Ihr Ansatz kombiniert autonome Fahrfunktionen mit menschlicher Teleoperation. Wo liegt darin aus Ihrer Sicht der größte Vorteil?

Die Kombination aus autonomem Fahren und Teleoperation ist aus unserer Sicht der entscheidende Faktor, um Autonomie sicher, skalierbar und realitätsnah in den Betrieb zu bringen. Autonome Systeme übernehmen den Großteil der Fahr- und Transportaufgaben, während Teleoperator:innen gezielt in Ausnahme- oder Grenzsituationen eingreifen können, in denen volle Autonomie an Grenzen stößt.
Der größte Vorteil liegt darin, Sicherheit und Effizienz miteinander zu verbinden: Ein:e Teleoperator:in kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig betreuen, Risiken frühzeitig entschärfen und Ausfallzeiten minimieren – ohne dass dauerhaft Personal im Fahrzeug erforderlich ist. So entsteht ein robuster Betriebsmodus, der nicht auf perfekte Bedingungen angewiesen ist, sondern auch in komplexen, dynamischen Logistikumgebungen zuverlässig funktioniert.
Zusätzlich ist die Kombination von Autonomie und Teleoperation der kosteneffizienteste Weg zu vollständiger Autonomie. Gleichzeitig kann schon heute mit teilweiser Autonomie ein kommerzieller Service angeboten werden.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Automatisierung industrieller Transportprozesse und wie gehen Sie damit um?

Die größten Herausforderungen bei der Automatisierung industrieller Transportprozesse liegen weniger in der reinen Fahrfunktion, sondern in der Komplexität realer Betriebsumgebungen. Industrie- und Logistikflächen sind dynamisch, verändern sich ständig und sind geprägt von Mischverkehr, unklaren Randbedingungen und hohen Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus werden Sekundärtätigkeiten, wie beispielsweise das Verbinden von Truck mit Anhänger über elektrische und pneumatische Verbindung, heutzutage noch manuell vom Fahrer erledigt. Gleichzeitig erwarten Betreiber einen unterbrechungsfreien 24/7-Betrieb und klare wirtschaftliche Effekte.
FERNRIDE begegnet diesen Herausforderungen mit einem systemischen Ansatz: Wir kombinieren autonome Fahrfunktionen mit Teleoperation, klar definierten Betriebsprozessen und einem zentralen Flottenmanagement. Statt Autonomie als isolierte Technologie zu betrachten, denken wir sie als Betriebssystem für Logistik – inklusive Safety-Engineering, Zertifizierbarkeit und enger Integration in bestehende Fahrzeuge und IT-Systeme. So lassen sich komplexe Prozesse schrittweise automatisieren, ohne Stabilität, Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit zu gefährden.

Was macht FERNRIDE einzigartig im Vergleich zu anderen Anbietern im Bereich autonomer Logistiklösungen?

FERNRIDE unterscheidet sich von anderen Anbietern vor allem durch den konsequenten Fokus auf reale industrielle Einsatzfähigkeit statt auf Demonstratoren oder Forschungssysteme. Wir sind das erste und bislang einzige Unternehmen mit einer CE-zertifizierten Level-4-Autonomielösung im Markt und verfügen über nachweisliche Betriebserfahrung in produktiven Logistikumgebungen.
Ein weiterer zentraler Unterschied ist unser integrierter Plattformansatz: Autonomie, Teleoperation und Flottenmanagement sind von Beginn an als zusammenhängendes System entwickelt worden. Dadurch lässt sich Autonomie sicher skalieren und wirtschaftlich betreiben – auch in komplexen und sicherheitskritischen Umgebungen. Ergänzt wird dies durch unsere Retrofit-Fähigkeit, die es Kunden ermöglicht, bestehende Flotten weiterzuverwenden, sowie durch unsere klare Dual-Use-Ausrichtung, mit der wir zivile und verteidigungsnahe Anforderungen auf einer gemeinsamen technologischen Basis adressieren.

Wie verändert die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge die wirtschaftlichen und operativen Möglichkeiten für Ihre Kunden?

Die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge eröffnet unseren Kunden deutlich schnellere und wirtschaftlichere Wege zur Automatisierung. Statt komplette Flotten zu ersetzen, kann Autonomie schrittweise in laufende Betriebsprozesse integriert werden – mit kurzen Implementierungszeiten und klar kalkulierbaren Kosten.
Operativ ermöglicht Retrofit eine hohe Flexibilität: FERNRIDE’s Lösung ist fahrzeug-agnostisch. Das heisst, Kunden können unterschiedliche Fahrzeugtypen automatisieren, ihre Flotten bedarfsgerecht skalieren und den Übergang von manuellem zu autonomem Betrieb kontrolliert gestalten. Gleichzeitig bleiben Wartungs-, Ersatzteil- und Betriebsprozesse weitgehend unverändert. So wird Autonomie nicht zu einem disruptiven Umbruch, sondern zu einem planbaren Effizienzhebel, der sowohl wirtschaftliche als auch operative Risiken reduziert.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie für Ihre Plattform in den kommenden Monaten?

In den kommenden Monaten konzentrieren wir uns auf den gezielten Ausbau der operativen Fähigkeiten unserer Plattform – immer mit dem Ziel, Autonomie in noch anspruchsvolleren Einsatzszenarien zuverlässig einsetzbar zu machen. Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt ist dabei das dynamische Leader-Follower-Prinzip, bei dem Fahrzeuge flexibel zwischen Führungs- und Folgefunktionen wechseln können. In Kombination mit autonomem Ausweichen von Hindernissen, insbesondere in Offroad- und unstrukturiertem Gelände, eröffnet dies neue Einsatzmöglichkeiten für Konvoi-, Versorgungs- und Logistikszenarien.
Darüber hinaus arbeiten wir an der weiteren Härtung der Plattform für kritische Anwendungen, etwa durch verbesserte Wahrnehmung und robusterer Kommunikation und Connectivity. Ziel ist es, die Plattform so weiterzuentwickeln, dass sie nicht nur technisch leistungsfähiger wird, sondern auch einfacher skalierbar und effizienter im realen Betrieb eingesetzt werden kann.

Wie beobachten Sie die zukünftige Rolle autonomer Systeme in der Transport- und Logistikbranche und welche Position soll FERNRIDE darin einnehmen?

Autonome Systeme werden sich in der Transport- und Logistikbranche von einzelnen Pilotprojekten zu einem operativen Standard entwickeln – zunächst in klar abgegrenzten, sicherheitskritischen Bereichen und anschließend skaliert in immer breitere Anwendungen. Treiber sind dabei nicht nur Effizienzgewinne, sondern vor allem struktureller Personalmangel, steigende Sicherheitsanforderungen und der Druck, logistische Prozesse resilienter zu gestalten.
FERNRIDE positioniert sich in diesem Wandel als europäischer Referenzanbieter für Dual-Use-Bodenautonomie. Unser Anspruch ist es, Autonomie nicht als isolierte Technologie zu liefern, sondern als zertifizierbare, betreibbare Plattform, die sich nahtlos in bestehende Logistiksysteme integriert. So wollen wir maßgeblich dazu beitragen, dass autonome Logistik in Europa sicher, skalierbar und strategisch unabhängig umgesetzt wird.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass FERNRIDE Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Teil des de:hub Netzwerks zu sein, hat für FERNRIDE vor allem strategische Bedeutung. Das Netzwerk verbindet technologische Exzellenz mit industrieller Umsetzungskompetenz und schafft genau den Austausch zwischen Startups, etablierten Unternehmen, Forschung und öffentlicher Hand, der für Deep-Tech-Innovationen entscheidend ist.
Konkret profitieren wir vom Zugang zu relevanten Industriepartnern, von Sichtbarkeit in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsstrukturen sowie vom fachlichen Austausch zu Themen wie Regulierung, Skalierung und Markteintritt. Für FERNRIDE ist der de:hub damit weniger ein reines Startup-Ökosystem, sondern ein Hebel, um industrielle Autonomie-Lösungen schneller in den realen Einsatz zu bringen und europäische Technologiekompetenz nachhaltig zu stärken.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Ja, insbesondere für Gründerinnen und Gründer im Deep-Tech- und Industrieumfeld ist das de:hub Netzwerk sehr empfehlenswert. Unsere Erfahrung ist, dass es hier weniger um kurzfristigen Hype geht, sondern um substanzielle Zusammenarbeit mit relevanten Industrie-, Forschungs- und öffentlichen Akteuren.
Der größte Mehrwert liegt im qualifizierten Zugang zu Entscheidungsträgern, im offenen Austausch zu regulatorischen und strukturellen Herausforderungen sowie in der Möglichkeit, technologische Themen früh in größere industrielle und politische Kontexte einzuordnen. Gerade für Startups, die langfristig skalierbare Technologien entwickeln wollen, bietet das de:hub Umfeld eine belastbare Plattform für nachhaltiges Wachstum.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich autonome Systeme, Logistik oder Industrieinnovation starten möchten?

Erstens: Denkt Autonomie vom Kunden bzw. von dessen operativen Prozessen her, nicht von der Technologie. Viele Systeme funktionieren im Demo-Setup, scheitern aber im 24/7-Einsatz an Edge-cases, Safety-Anforderungen oder fehlenden Betriebsprozessen. Wer von Anfang an aus der Sicht des Kunden denkt und Zertifizierbarkeit, Wartung und Skalierung mitdenkt, spart Jahre.
Zweitens: Löst ein echtes, dringendes Problem – nicht nur ein technisches. In Logistik und Industrie sind Personalmangel, Sicherheit und Verfügbarkeit die eigentlichen Treiber. Technologie ist nur dann erfolgreich, wenn sie messbar Risiken reduziert oder Kosten senkt und sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt.
Drittens: Baut früh industrielle Glaubwürdigkeit auf. Das bedeutet reale Pilotprojekte, belastbare Partnerschaften und die Bereitschaft, Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen. Gerade in autonomen Systemen zählt am Ende weniger die Vision als der Nachweis, dass die Lösung unter realen Bedingungen zuverlässig funktioniert.

Teambild: Fernride Co-Founders Hendrik Kramer, Dr. Maximilian Fisser und Jean-Michael Georg Bildcredits © FERNRIDE

Wir bedanken uns bei Hendrik Kramer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

b2venture legt Fonds V mit 150 Millionen Euro auf

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b2venture legt Fonds V auf: 150 Millionen Euro für die nächste Generation europäischer Tech-Champions

Key Takeaways

  • b2venture hat Fonds V erfolgreich am Hard Cap von 150 Millionen Euro geschlossen und investiert in frühe, skalierbare Technologien.
  • Der Fonds pflegt einen gründerorientierten Ansatz und unterstützt erfolgreiche Gründer, die selbst zu Investoren werden.
  • Fonds V hat über 350 Angel-Investoren, die aktive Unterstützung leisten und ihre Erfahrung in den Fonds einbringen.
  • Die Investitionen konzentrieren sich auf Deep Tech Unternehmen, insbesondere in den Bereichen KI und Robotik.
  • Mathias Ockenfels wird neuer Partner bei b2venture und stärkt das Team mit seiner Expertise in der Plattform Economy.

b2venture, einer der etabliertesten Early-Stage-Investoren Europas, hat Fonds V erfolgreich am Hard Cap von 150 Millionen Euro geschlossen. Damit legt b2venture den größten Fonds seiner 25-jährigen Geschichte auf und investiert mit Fonds V in skalierbare, resiliente Technologien sowie digitale Geschäftsmodelle in der Frühphase.

b2venture verfolgt seit seiner Gründung einen einzigartigen Ansatz: konsequent gründerorientierte und mit langfristiger Perspektive investieren. Fonds V setzt diese Linie fort und knüpft an das intergenerationale Modell an, bei dem erfolgreiche Gründer selbst zu Investoren werden und ihre Erfahrung, Netzwerke und ihr Kapital an junge Gründerteams weitergeben. Dieses Prinzip trägt inzwischen fünf b2venture-Fondsgenerationen und unterstreicht damit die Stärke und Skalierbarkeit des community-basierten Modells.

Starke Investorenbasis: LPs und über 350 Angel-Investoren

b2ventures Fonds V baut auf eine starke, breit aufgestellte Investorenbasis:  langjährige und neue Limited Partners wie Family Offices, institutionelle Investoren und high-net-worth Individuals. Viele von ihnen begleiten b2venture bereits über mehrere Fondsgenerationen hinweg. Zu den neuen Limited Partners zählen unter anderem Flexstone, der Schweizer Pensionsfonds Stiftung Abendrot, Portfolio-Unternehmer wie Thomas Hagemann (SevenSenders) sowie langjährige b2venture Super Angels wie Joachim Schoss. 

Ein Alleinstellungsmerkmal von b2venture’s Investorenbasis ist eine starke Community aus über 350 erfahrenen Angel-Investoren, die den Fonds aktiv unterstützt. Die Angel-Investoren investieren gemeinsam mit b2venture und bringen ihre Erfahrung aus dem Aufbau und der Skalierung erfolgreicher Unternehmen ein. So verbindet b2venture Kapital mit unternehmerischer Praxis, basierend auf einem klaren Fokus auf Qualität und langfristigen Investmentansatz. 

25 Jahre Early-Stage-Erfahrung mit Community-Fokus

„Unseren Namen b2venture nehmen wir sehr wörtlich: “ we are here to venture”: wir investieren in neue Ideen und unterstützen unternehmerisches Wagnis, mit Kapital, Erfahrung und langfristiger Perspektive. b2venture steht seit 25 Jahren für eine konsequente Philosophie: außergewöhnliche GründerInnen früh zu unterstützen und sie langfristig zu begleiten. Fonds V führt diesen Ansatz konsequent fort und steht zugleich für unsere intergenerationale Kontinuität, getragen von einem wertebasierten, community-getriebenen Investmentansatz, sagt Florian Schweitzer, Partner bei b2venture. “Wir freuen uns sehr, mit Fonds V weitere Gründerteams dabei zu unterstützen, führende internationale Unternehmen aufzubauen.“

Seit mehr als 20 Jahren begleitet b2venture den Aufbau europäischer Tech-Unternehmen, darunter DeepL, 1KOMMA5°, Raisin, SumUp, Nelly und Urban Sports Club. Die Bilanz: mindestens ein Unicorn pro Fonds, 11 IPOs und die langfristige Begleitung hunderter Founder-Teams. Im Jahr 2025 verzeichnete b2venture einen IPO (Navan) und sieben weitere Exits, darunter Araris Biotech, Beekeeper sowie zuletzt Neptune (Übernahme durch OpenAI).

Erste Investments Fonds V

Mit Fonds V plant b2venture Investitionen in rund 35 Early-Stage-Startups in ganz Europa, mit Fokus auf skalierbare und langfristig tragfähige Technologien. Zu den ersten Investments von Fonds V gehören Unternehmen wie:

  • Nautica Technologies – autonome Schwarmroboter im Abonnementmodell zur Reinigung von Schiffsrümpfen
  • Hive Robotics – die KI-gestützte Plattform für autonome Systeme ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Luft-, Land- und See-Einheiten
  • Augmented Industries – die KI-gestützte Plattform, die Industriefachkräften hilft, komplexes Wissen dokumentieren und Probleme effizienter lösen
  • Assemblean – Production-as-a-Service-Plattform für die effiziente Fertigung komplexer Produkte

Diese Investments unterstreichen den Fokus von b2venture auf Deep Tech sowie Industrie-, Automatisierungs- und Infrastrukturunternehmen – mit Fokus auf KI und Robotik.

„Venture Capital ist vor allem ein People Business“, sagt Jan-Hendrik Bürk, Partner bei b2venture. „Unsere Angel-Community spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie unterstützt uns bei der Auswahl und Unterstützung von Teams, die langfristig erfolgreiche Tech-Companies aufbauen. Mit Fonds V stärken wir dieses Modell weiter, mit echter fachlicher Expertise und nicht nur mit Kapital.“

Wachsendes Leadership-Team: Mathias Ockenfels wird Partner bei b2venture

Anfang dieses Jahres hat b2venture Mathias Ockenfels als Partner gewonnen. Seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Marketplaces, Plattform Economy und netzwerkeffektbasierte Geschäftsmodelle verstärkt das Fonds-Investmentteam und unterstreicht den Ausbau der nächsten Partnergeneration bei b2venture.

Gleichzeitig wechselt der langjährige Partner Jochen Gutbrod in den exklusiven Kreis der b2venture-Superangels. Seit seinem Einstieg im Jahr 2014 hat er die Investmentarbeit des Unternehmens entscheidend mitgeprägt, unter anderem durch frühe Investments in Raisin und Blacklane. Das b2venture Team dankt ihm für seine langjährige Partnerschaft und seinen prägenden Beitrag.

Gegründet in St. Gallen, einem starken Netzwerk in der Alpenregion und tief verwurzelt in Schweizer Werten, hat b2venture unterschiedliche Marktzyklen durchlaufen – von der ersten Internetwelle bis zum Aufkommen von KI. Fonds V führt diesen langfristigen Ansatz fort und setzt auf Partnerschaften, die auf Vertrauen und Beständigkeit.

Foto/Quelle: b2venture

Vention sammelt 110 Mio. US-Dollar für Physical AI ein

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Vention sammelt 110 Mio. US-Dollar für Physical AI in der Fertigungsindustrie
Vention Secures $110M USD in Funding to Accelerate the Next Generation of Manufacturing Automation. (CNW Group/Vention Inc.)

Key Takeaways

  • Vention hat eine Finanzierungsrunde über 110 Millionen US-Dollar abgeschlossen, um den Einsatz von Physical AI in der Fertigung zu beschleunigen.
  • Das Unternehmen plant, die Mittel in die Weiterentwicklung von Physical-AI-Forschung und neue Softwarefunktionen zu investieren.
  • Vention stärkt seine internationale Präsenz, vor allem in Nordamerika und Europa, um näher an den Kunden zu agieren.
  • Der Ansatz von Vention kombiniert Hardware, Software und KI, um automatisierte Lösungen effizienter zu gestalten.
  • Die Beteiligung von NVentures unterstreicht die strategische Bedeutung von Physical AI für die Industrie.

Das Automatisierungsunternehmen Vention hat eine Finanzierungsrunde über 110 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Zu den Investoren zählen Investissement Québec, Desjardins Capital, von Fidelity Investments Canada ULC verwaltete Fonds sowie NVentures, der Venture-Capital-Arm des Chipkonzerns NVIDIA. Mit dem Kapital will Vention den Einsatz von Physical AI in der industriellen Fertigung beschleunigen und seine internationale Präsenz ausbauen.

Die Finanzierung erfolgt in einer Phase, in der viele Industrieländer ihre Produktionskapazitäten stärken und Unternehmen verstärkt nach skalierbaren Automatisierungslösungen suchen. Vention positioniert sich dabei mit einem Ansatz, der Software, Hardware und KI-gestützte Funktionen in einer einheitlichen Umgebung zusammenführt.

Wofür das Kapital eingesetzt werden soll

Nach Angaben des Unternehmens fließt ein wesentlicher Teil der Mittel in die Weiterentwicklung der Physical-AI-Forschung. Geplant sind zudem neue Funktionen für die Softwareumgebung sowie der Ausbau eines Portfolios vorkonfigurierter und vorentwickelter Anwendungen. Diese sollen es ermöglichen, Automatisierungslösungen schneller zu planen und umzusetzen.

Darüber hinaus ist vorgesehen, die globale Präsenz zu stärken. Der Fokus liegt auf Nordamerika und Europa, insbesondere auf Deutschland. Dort will Vention seine operativen Strukturen und die lokale Marktpräsenz ausbauen, um näher an Industrieunternehmen und deren Automatisierungsprojekten zu agieren.

Warum der Zeitpunkt für die Finanzierung relevant ist

Die Investition fällt in eine Phase wachsender industriepolitischer Initiativen. In den USA und Europa wird der Ausbau lokaler Fertigungskapazitäten vorangetrieben, unter anderem vor dem Hintergrund stabilerer Lieferketten und einer höheren Unabhängigkeit von globalen Produktionsnetzwerken. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Produktionsprozesse schneller anzupassen und mit begrenzten Fachkräftekapazitäten zu betreiben.

In diesem Umfeld steigt der Druck, Automatisierung nicht mehr ausschließlich als langfristiges Einzelprojekt zu planen, sondern als skalierbaren Bestandteil der Produktionsstrategie. Vention adressiert diesen Bedarf mit dem Anspruch, Automatisierung stärker zu standardisieren und über mehrere Werke hinweg nutzbar zu machen.

Wie Vention Automatisierung technisch organisiert

Der Ansatz von Vention zielt darauf ab, industrielle Automatisierung in einer durchgängigen Umgebung abzubilden. Modulare Hardware, Softwarewerkzeuge und KI-gestützte Funktionen werden dabei kombiniert, um Planung, Programmierung, Inbetriebnahme und Betrieb automatisierter Anlagen miteinander zu verzahnen.

Ein zentraler Baustein ist der Einsatz von Physical AI. Künstliche Intelligenz soll unter anderem bei der Auslegung von Anlagen, der Definition von Maschinenspezifikationen und der Programmierung von Robotikzellen unterstützen. Vention spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten Zero-Shot-Automation-Konzepten, bei denen Systeme ohne umfangreiche Integrationsschritte einsatzbereit sein sollen.

Wo Unternehmen die Lösungen von Vention einsetzen

Nach Darstellung des Unternehmens nutzen insbesondere große Industrieunternehmen die Systeme von Vention über mehrere Standorte hinweg. Genannt werden Anwender aus Branchen wie Automotive, Luft- und Raumfahrt, Logistik, Lebensmittel und Getränke sowie Konsumgüter.

In diesen Organisationen werden zunehmend zentrale Advanced-Manufacturing-Teams aufgebaut, die Automatisierung als unternehmensweite Aufgabe koordinieren. Der Ansatz besteht darin, einmal entwickelte Lösungen an unterschiedlichen Produktionsstandorten auszurollen und innerhalb derselben technischen Umgebung weiterzuentwickeln.

Abgrenzung zu klassischen Automatisierungsansätzen

Vention grenzt sich von klassischer Automatisierung ab, die häufig durch lange Projektlaufzeiten und hohe Integrationsaufwände geprägt ist. Das Unternehmen setzt stattdessen auf stärker softwareorientierte Prozesse, bei denen Automatisierung modular aufgebaut und wiederverwendet werden kann.

Nach Angaben von Vention sollen KI-gestützte Konfigurationstools, Programmierhilfen und autonome Anwendungen dazu beitragen, Automatisierungsprojekte schneller umzusetzen. Konkrete Kennzahlen zu Produktivitätsgewinnen oder Kosteneffekten nennt das Unternehmen nicht.

Welche Signalwirkung die Beteiligung von NVentures an Vention hat

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Beteiligung von NVentures, dem Venture-Capital-Arm von NVIDIA. Die Investition eines der weltweit führenden Anbieter von KI-Hardware und -Software unterstreicht die strategische Bedeutung von Physical AI für industrielle Anwendungen.

Aus Unternehmenssicht passt die Beteiligung zu dem Ziel, KI nicht nur in der digitalen Welt, sondern auch in physischen Produktionsumgebungen zu verankern. Inwieweit sich daraus technologische oder strategische Kooperationen ergeben, bleibt offen.

Wie Leistungsversprechen einzuordnen sind

Die Aussagen zu verkürzten Projektlaufzeiten, Skalierbarkeit und Standardisierung beruhen auf Angaben des Unternehmens sowie auf der beschriebenen Nutzung durch Enterprise-Kunden. Unabhängige Vergleichsdaten oder belastbare Kennzahlen zur Effizienz liegen dazu nicht vor.

Fest steht, dass Vention mit der aktuellen Finanzierungsrunde seine Position im Umfeld wachsender Fertigungsinvestitionen stärken will. Welche Rolle Physical AI dabei langfristig im industriellen Alltag einnimmt, dürfte sich erst mit der weiteren Verbreitung entsprechender Systeme zeigen.

Foto/Quelle: Vention

Können wir Frische eigentlich richtig einschätzen?

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FreshX Technology Technologie und Lösung für Frische Gründerteamfoto

FreshX Technology entwickelt eine Technologie zur objektiven Frischebewertung von Lebensmitteln und bietet dafür eine praxisnahe Lösung

Was ist FreshX Technology und welche Personen stehen hinter dem Startup?

FreshX Technology ist ein FoodTech-Startup, das eine neuartige Technologie zur objektiven Frischebewertung von Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten entwickelt. Gegründet wurde das Unternehmen von Patrick Peter, der die technologische Entwicklung, Konzeption und strategische Ausrichtung verantwortet, sowie von Co-Founder Torben Rieger, der insbesondere für mikrobiologische Prozesse und deren Einordnung zuständig ist.

Ergänzt wird das Gründerteam durch weitere Teammitglieder aus den Bereichen Ingenieurwesen, Betriebswirtschaft, SAP, Design und Marketing, um sowohl die technologische Entwicklung als auch die Markteinführung ganzheitlich abzudecken.

Neben einer patentierten technologischen Lösung für Endkunden arbeitet FreshX an einem B2B-Gerät für den Einsatz entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette, mit dem Ziel, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen.

Wie ist die Idee entstanden, Frische von Lebensmitteln messbar zu machen?

Die Idee entstand aus einer sehr konkreten Alltagssituation. Im August 2024 musste ich innerhalb einer Woche zweimal größere Mengen Hähnchenfleisch entsorgen, nicht weil es offensichtlich verdorben war, sondern aus Unsicherheit. Ich wollte daraufhin ein Gerät kaufen, das mir objektiv sagen kann, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist, musste aber feststellen, dass es eine solche Lösung nicht gibt.

In Gesprächen mit anderen zeigte sich schnell, dass dieses Problem viele Menschen betrifft und ein großer Bedarf besteht. Daraus entstand zunächst die Idee einer B2C-Lösung für den Haushalt. Im Rahmen von Förderprogrammen und Gesprächen mit Investoren wurde zunehmend deutlich, dass das Problem im Unternehmensumfeld noch deutlich größer ist. Deshalb haben wir begonnen, parallel zur Konsumentenlösung auch eine B2B-Variante zu entwickeln.

Welche Vision verfolgt FreshX Technology im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung?

Unsere Vision ist es, Entscheidungen über Lebensmittel nicht länger auf Unsicherheit, Optik oder pauschalen Haltbarkeitsdaten zu stützen, sondern auf objektiven Messwerten. FreshX Technology soll Menschen und Unternehmen dabei unterstützen, Lebensmittel gezielter zu nutzen, statt sie vorsorglich zu entsorgen. Langfristig möchten wir dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung messbar zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensmittelsicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen. Darüber hinaus zielt unsere Technologie darauf ab, die Kosten für Qualitätssicherung deutlich zu senken, indem zeitaufwendige und teure Laboranalysen in vielen Fällen ersetzt werden können.

An wen richtet sich eure Lösung primär und welche konkreten Probleme löst ihr für diese Zielgruppen?

Unsere Lösung richtet sich an zwei zentrale Zielgruppen.

Für Privatpersonen bietet FreshX Technology eine objektive Entscheidungshilfe bei der Frage, ob Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte noch genießbar sind. Sie hilft dabei, Unsicherheit zu reduzieren, unnötige Entsorgung zu vermeiden und gleichzeitig gesundheitliche Risiken besser einzuschätzen.

Für Unternehmen und Institutionen, etwa Produzenten, Handel oder Behörden, adressiert die Technologie Herausforderungen in der Qualitätskontrolle und Lebensmittelsicherheit. Sie ermöglicht schnellere Vor-Ort-Einschätzungen, reduziert Abhängigkeiten von zeit- und kostenintensiven Laboranalysen und unterstützt dabei, Ausschuss, Rückrufe und qualitätsbedingte Verluste zu verringern.

Wie funktioniert eure Technologie im Kern, ohne zu tief ins Technische zu gehen?

In der Konsumentenlösung wird ein tragbares Gerät, etwa in der Größe eines Smartphones, auf das jeweilige Lebensmittel aufgelegt. Während der Messung werden charakteristische Veränderungen erfasst, die beim Verderb von Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten entstehen. Diese Signale werden mit einer internen Referenzdatenbasis abgeglichen und in eine verständliche Einschätzung übersetzt. Nach 30 Sekunden erhält der Verbraucher eine Rückmeldung ob das Lebensmittel noch genießbar ist und falls ja, wie lange es noch im Kühlschrank aufbewahrt werden kann.

Die B2B-Variante basiert auf einer anderen technologischen Grundlage und ist für professionelle Anwendungen ausgelegt. Sie arbeitet kontaktlos, ist schneller und ermöglicht eine flächige Analyse. Dadurch lassen sich mikrobiologische Belastungen nicht nur punktuell, sondern räumlich verteilt erfassen und dokumentieren, was insbesondere für Qualitätskontrollen und Prozessüberwachung relevant ist.

Was unterscheidet FreshX Technology von bestehenden Methoden zur Frische und Qualitätskontrolle?

Bestehende Methoden zur Frische- und Qualitätskontrolle basieren häufig auf subjektiven Einschätzungen, pauschalen Haltbarkeitsdaten oder zeit- und kostenintensiven Laboranalysen. FreshX Technology verfolgt einen anderen Ansatz. Die Frischebewertung erfolgt schnell, vor Ort und auf Basis objektiver Messsignale.

Im Gegensatz zu klassischen Verfahren sind die Lösungen portabel, alltagstauglich und sowohl für den Einsatz im Haushalt als auch in professionellen Prozessen konzipiert. Dadurch lassen sich Entscheidungen früher treffen, Prozesse vereinfachen und Lebensmittel gezielter nutzen, ohne auf aufwendige Labordiagnostik angewiesen zu sein.

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell bei der Entwicklung und Markteinführung eurer Lösung?

In der Konsumentenlösung befinden wir uns technologisch bereits in einer fortgeschrittenen Phase. Aktuelle Schwerpunkte liegen vor allem auf dem Produktdesign und der Optimierung der Nutzererfahrung, um die Messung möglichst intuitiv und mühelos zu gestalten. Parallel dazu bereiten wir die notwendigen regulatorischen Schritte und Zulassungen für den Markteintritt vor.

Im B2B-Bereich ist die größte Herausforderung der hohe Forschungs- und Entwicklungsaufwand. Die Anforderungen an Validierung, Skalierbarkeit und Prozessintegration sind deutlich komplexer und entsprechend kostenintensiv. Aus diesem Grund haben wir uns bewusst dafür entschieden, zunächst mit der B2C-Variante zu starten und die Business-Lösung parallel schrittweise weiterzuentwickeln.

Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld zwischen Konsumentenlösung und Einsatz im Unternehmensumfeld um?

Wir sehen Konsumenten- und Unternehmenslösung nicht als Konkurrenz, sondern als unterschiedliche Anwendungen derselben technologischen Grundlage. Während die Konsumentenlösung gezielt auf eine einfache, intuitive Nutzung im Alltag hin entwickelt wird, wird die Business-Variante an Prozesse, Dokumentation und Anforderungen im professionellen Umfeld angepasst.

Um den Fokus zu halten, entwickeln wir beide Anwendungen getrennt und zielgruppenspezifisch. Aktuell priorisieren wir bewusst die Markteinführung der Konsumentenlösung und bauen die B2B-Anwendung parallel schrittweise weiter aus.

Welche nächsten Schritte und Entwicklungen sind bei FreshX Technology geplant?

In den kommenden Monaten liegt der Fokus auf der Finalisierung der Konsumentenlösung und der Vorbereitung des Markteintritts. Dazu gehören weitere Produkttests, die Optimierung von Design und Nutzerführung sowie die notwendigen regulatorischen Schritte. Parallel dazu treiben wir Pilotprojekte und Validierungen im B2B-Bereich voran, um die Technologie unter realen Bedingungen weiter zu erproben.

Kurzfristig stellen wir die Technologie auf mehreren Startup-Finalveranstaltungen vor, darunter dem Finale der Brightlands Startup Challenge am 3. Februar sowie dem Finale des Startup Your Idea Contests der Universität zu Köln am 4. Februar.

Welche Rolle spielen Daten und Lernprozesse aus Messungen für die Weiterentwicklung eurer Technologie?

Daten spielen eine zentrale Rolle in der Entwicklung unserer Technologie, insbesondere in der frühen Phase. Gerade zu Beginn haben Messungen geholfen, Annahmen zu überprüfen und die relevanten Einflussfaktoren präzise zu identifizieren.

Durch den systematischen Umgang mit diesen Erkenntnissen konnten wir die Technologie gezielt anpassen und stabilisieren. Die kontinuierliche Auswertung von Messdaten stellt heute sicher, dass die Frischebewertung reproduzierbar, zuverlässig und an reale Anwendungsbedingungen angepasst ist.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Zuerst ein echtes Problem verstehen und erst danach eine Lösung entwickeln. Viele Startups bauen ein Produkt und suchen im Nachhinein nach einem passenden Anwendungsfall.

Nicht an der Zielgruppe vorbeientwickeln. Möglichst früh in den Austausch gehen, Feedback einholen und reale Nutzungsszenarien beobachten.

Frühzeitig ein realistisches Geschäftsmodell aufstellen, um die eigenen finanziellen Spielräume zu kennen und fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Bildcredits © COLLECT⁴

Wir bedanken uns bei Patrick Peter für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up:

Kontakt:

FreshX Technology OHG
Rosmarinweg 2a
50859 Köln

https://freshx-technology.com
kontakt@freshx-technology.com

Ansprechpartner: Patrick Peter

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Wo entstehen Innovationen wirklich?

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de:hub vernetzt Startups und Mittelstand in Deutschland Teambild de:hub Bildcredits: Hannes Schmidt

de:hub vernetzt Startups und Mittelstand, um Innovationen gemeinsam mit Wissenschaft voranzubringen

Wie würden Sie de:hub und das Team hinter der Initiative in wenigen Sätzen vorstellen?

de:hub ist das nationale Netzwerk von Hubs, das Startups, Mittelstand und Wissenschaft zusammenbringt, um Innovationen in ganz unterschiedlichen Branchen und Technologien voranzutreiben. Unser Team koordiniert die Hubs, entwickelt Programme und Cross-Industrie-Formate, macht diese Aktivitäten sichtbar und eröffnet allen Beteiligten Möglichkeiten, voneinander zu lernen, zu kooperieren und Innovationen gemeinsam umzusetzen.

Welche Motivation und welches Leitbild steckt hinter de:hub und wie möchten Sie damit die Start-up-Landschaft in Deutschland beeinflussen?

Wir glauben an die Kraft von Kooperationen und Allianzen. Unser Leitbild ist es, Innovationen sichtbar zu machen, Gründerinnen und Gründer zu stärken und den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Mittelstand zu fördern. Wir wollen ein dynamisches Ökosystem schaffen, das neue Kooperationsmöglichkeiten eröffnet und Startups befähigt, ihre Ideen schneller umzusetzen und nachhaltig zu wachsen.

Für welche Zielgruppen richtet sich de:hub und wie unterstützen Sie Startups, Mittelstand und Forschung konkret mit Ihrem Netzwerk?

de:hub richtet sich an Startups, innovative Mittelständler und Wissenschaft. Startups profitieren von Mentoring, Pilotprojekten und Förderprogrammen. Mittelstand und Industrie erhalten Zugang zu neuen Technologien und jungen Innovatoren, während Forschungseinrichtungen Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen in die Praxis erhalten.

Wie erleichtert de:hub insbesondere jungen Unternehmen den Zugang zu Kontaktmöglichkeiten, Know-how und Wachstumschancen?

Wir bieten Programme, Workshops, Mentoring und direkte Vernetzung mit Unternehmen, Wissenschaft und Investoren. Durch die Hubs können Gründerinnen und Gründer wertvolle Kontakte knüpfen, Wissen aufbauen und ihre Projekte schneller skalieren.

Die Initiative verbindet Startups mit etablierten Unternehmen und Wissenschaft. Was sehen Sie als den größten Vorteil dieser Verbindung — für alle Beteiligten?

Die Verbindung schafft gegenseitigen Nutzen: Startups erhalten Marktfeedback, Expertise und Wachstumschancen, Unternehmen und Mittelstand profitieren von neuen Ideen und Technologien, und Forschungseinrichtungen können ihre Ergebnisse praxisnah anwenden. So entsteht ein dynamisches Ökosystem, das Innovationen beschleunigt.

Welche strukturellen oder organisatorischen Herausforderungen begegnen de:hub und wie geht die Initiative damit um?

de:hub nutzt die Vielfalt seiner Hubs aktiv als Chance: Cross-Industrie-Formate, gemeinsame Programme und Netzwerkveranstaltungen eröffnen zusätzliche Synergien. So entstehen neue Kooperationen, Projekte und Wachstumsoptionen für Startups, Unternehmen und Forschung gleichermaßen.

Was unterscheidet de:hub klar von anderen Startup-Netzwerken oder Förderprogrammen in Deutschland?

de:hub vereint branchenübergreifend Startups, Mittelstand und Forschung in einem deutschlandweiten, strukturierten Netzwerk. Anders als reine Förderprogramme bieten wir konkrete Umsetzungsmöglichkeiten, Pilotprojekte und strategische Partnerschaften, die direkten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Angebote von de:hub (z. B. Hubs, Programme, Matching) breit verfügbar und gleichzeitig hochwertig bleiben?

Die regional verankerten Hubs stellen eine breite Abdeckung sicher, während Evaluationen und zielgruppenspezifische Programme für hochwertige Angebote sorgen. So kombinieren wir Reichweite mit Relevanz und Wirkung.

de:hub vernetzt Startups und Mittelstand in Deutschland  Claudia Behrendt Bildcedits  RCKT GmbH

Claudia Behrendt Bildcedits  RCKT GmbH 

Wie soll sich de:hub in den nächsten Jahren weiterentwickeln — sowohl inhaltlich als auch strukturell?

Wir wollen den Fokus auf echten Impact und verständliche Beteiligungsmöglichkeiten für den Mittelstand sowie für Startups und Scale-Ups setzen. Dazu bauen wir die Plattformen für Austausch und Matching gezielt aus und entwickeln neue Programme, die speziell auf Wachstums- und Kooperationschancen zugeschnitten sind. Für Scale-Ups bedeutet das etwa Unterstützung bei Skalierung, Internationalisierung und strategischen Partnerschaften. Ziel ist ein noch enger verzahntes, effizientes Innovations-Ökosystem, das Startups, Scale-Ups, Unternehmen und Forschung zusammenbringt, um Innovation schneller in Marktwert umzusetzen.

Welche Bedeutung hat de:hub für Gründerinnen und Gründer, die heute ein Unternehmen aufbauen möchten — und warum lohnt sich eine Beteiligung?

de:hub bietet Zugang zu Netzwerken, Know-how, Pilotkunden und Fördermöglichkeiten — gebündelt an einem Ort. Eine Beteiligung lohnt sich, weil Startups so schneller wachsen, Kooperationen aufbauen und nachhaltige Geschäftsmöglichkeiten entwickeln können.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben, die erwägen, de:hub als Plattform und Netzwerk zu nutzen?

Nutzt die Hubs aktiv für Austausch, Kooperationen und Netzwerken.
Greift auf Mentoring, Workshops und Programme zurück, um Know-how gezielt auszubauen.
Denkt partnerschaftlich: Zusammenarbeit mit Unternehmen, Mittelstand und Wissenschaft eröffnet neue Chancen und Märkte.

Teamfoto Bildcredits @ Hannes Schmidt

Wir bedanken uns bei Claudia Behrendt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wird Elektromobilität erst dann alltagstauglich, wenn jeder Stellplatz laden kann?

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ChargeX Elektromobilität und Ladeinfrastruktur für Unternehmen. ChargeX COO Michael Masnitza

ChargeX entwickelt intelligente Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität und ermöglicht Unternehmen sowie Immobilienbetreibern den einfachen, skalierbaren Betrieb von Ladestationen an nahezu jedem Stellplatz

Wie würden Sie ChargeX und das Team dahinter vorstellen?

Bei ChargeX entwickeln, produzieren und betreiben wir Ladestationen für Elektroautos. Geschäftskunden und Immobilienverwalter erhalten bei uns alles von Hardware über die Software bis hin zum Strom aus einer Hand. Unser USP ist, dass wir sehr einfach jeden Stellplatz zu einem Ladeplatz machen können – ohne viele Fachkräfte und selbst bei sehr begrenztem Stromnetzanschluss.

Wir haben ChargeX 2018 mit einem großartigen interdisziplinären Team gegründet: Tobias Wagner als CEO für HR und Vertrieb, Johannes Engeln als CTO für die technische Entwicklung und ich selbst habe die Geschäftsentwicklung und das Produkt- und Partnermanagement verantwortet. Wir hatten etwas Arbeitserfahrung in einem E-Mobility StartUp und von Anfang an das Glück, ein starkes Netzwerk aus Unterstützern aus der Branche und anderen Gründern zu haben, die schon ein gutes Stück weiter und erfahrener waren als wir. Heute besteht die Geschäftsführung neben mir als COO aus Tobias Scharfen (CEO), der bereits ein e-mobility StartUp zum erfolgreichen Exit geführt hat, und Max Kirchenberger (CTO), unserem ersten Mitarbeiter. Beide sind meinen Mitgründern nachgefolgt, als diese gegangen sind. Unser Team besteht heute aus 25 hoch motivierten E-Mobilist*innen, hybrid in München und remote.

Welche Motivation hat zur Gründung von ChargeX geführt und wie prägt sie Ihren heutigen Ansatz?

Tobias und ich hatten die Idee zu Aqueduct, weil wir die täglichen Probleme bei unserem ehemaligen Arbeitgeber selbst gesehen haben. Traditionelle Ladeinfrastruktur ist sehr ineffizient, damit teuer und nicht skalierbar. Wir haben erkannt, dass wir durch die Nutzung langer Standzeiten zu Hause und am Arbeitsplatz eine deutlich effizientere Ladeinfrastruktur entwickeln können. Das ist bis heute unsere DNA. Wir lösen die Probleme unserer Kunden wann immer möglich mit unserer eigenen Spitzentechnologie.

Unsere Kunden entscheiden sich bis heute für Aqueduct, weil es speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurde und laufend an neue Anforderungen angepasst wird. Das bestätigen bereits mehr als 800 zufriedene Kunden aus dem Deutschen Mittelstand.

Welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft der Elektromobilität und welchen Beitrag möchte ChargeX dazu leisten?

Ein Großteil der Ladevorgänge wird zuhause und am Arbeitsplatz stattfinden. Denn dort steht das Auto sehr lange ungenutzt auf dem Parkplatz – der perfekte Moment, um es zu laden. Und auch die Ladeerfahrung mit dem höchsten Komfort für den Fahrer. Aber damit das zur Realität wird, müssen wir es ermöglichen, dass jeder Stellplatz auch zu einem Ladeplatz werden kann. Unser Beitrag ist, dass wir genau das für Gewerbeimmobilien, also Büros etc., ermöglichen. Trotz Fachkräftemangel und unserem Stromnetz, das von Tag zu Tag mehr an seine Grenzen kommt. Genau hier greift unsere Technologie.

Für welche Nutzergruppen ist Ihre Plattform besonders interessant und wie unterstützen Sie diese beim Umstieg auf E-Mobilität?

Wir spezialisieren uns auf Gewerbeobjekte. Wir bieten entsprechend Ladelösungen für das Laden von Mitarbeitern, Firmenwagen, Flotten PKW, etc. Im Firmenumfeld müssen nicht nur Ladestationen aufgebaut und schonend für das Stromnetz gemanagt werden, sondern alle Daten und Prozesse müssen in die Firma eingeführt werden. Hier sind wir unschlagbar mit einer einfachen Komplettlösung und einem herausragenden persönlichen Kundenservice.

Ihr Modell verbindet Anreize für Verbraucher mit nachhaltiger Mobilität. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil?

Der Umstieg auf E-Mobilität hat natürlich für Firmen in erster Linie auch kommerzielle Vorteile. Seit ein paar Jahren sind E-Autos als Firmenwagen oder Flottenfahrzeug schlicht günstiger in der Gesamtkostenbetrachtung als ein Verbrenner. Die Ladetechnik wird benötigt, um dieses Einsparungspotential zu heben. Aber natürlich ist ein Arbeitsplatz mit Lademöglichkeit ein attraktiver Mitarbeiter Benefit. Auch eine Büroimmobilie mit elektrifizierten Stellplätzen ist hochwertiger als eine vergleichbare ohne Ladeinfrastruktur.

Und zuletzt sind Immobilienbesitzer und -verwalter verpflichtet, Ladeinfrastruktur an ihren Immobilien bereitzustellen. Wir sind die schnellste und unkomplizierteste Lösung, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Im Immobiliensegment bieten wir daher die komplette Infrastruktur als Betreiber an – von der Planung bis zur Stromlieferung.

Neben Endkunden richten Sie sich auch an Betreiber von Ladeinfrastruktur. Wie erfüllt ChargeX die spezifischen Anforderungen dieser Zielgruppe?

Betreiber haben auch das Problem, dass ihnen Fachkräfte fehlen und der Netzanschluss an ihren Standorten nicht ausreicht. Unsere Technologie ist dafür perfekt. Da sie bei uns Hardware und Software aus einer Hand bekommen, ist die Verfügbarkeit unserer Infrastruktur auch deutlich höher als bei anderen Anbietern, was die operativen Kosten drastisch senkt und damit den Businesscase unserer Kunden verbessert.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Markt für E-Mobilität und Ladeinfrastruktur und wie gehen Sie damit um?

Der Markt für Ladeinfrastruktur in Deutschland war leider in den letzten Jahren von großen Schwankungen geprägt. Denn er ist direkt an den Markt der E-Autos gekoppelt. Je mehr Elektroautos auf die Straße kommen, desto mehr Ladestationen werden benötigt. Als wir 2018 ChargeX gegründet haben, wurde viel Lobbyarbeit gegen die Elektromobilität betrieben. Trotz diesem Widerstand aus der traditionellen Industrie hatte die Elektromobilität bis Ende 2022 einen sehr starken Aufschwung. 2023 und 2024 war E-Mobilität dann politisch zeitweise nicht gewollt, was eine harte Phase der Konsolidierung eingeleitet hat. In dieser Zeit mussten wir bei ChargeX auch viele harte Entscheidungen treffen und Mitarbeiter gehen lassen. Seit Anfang 2025 wächst der Markt wieder organisch und alle Marktakteure vom OEM bis zur Politik stehen heute voll hinter der batterieelektrischen Mobilität. Wir haben uns weiterhin durch solides unternehmerisches Handeln als Innovationsführer und zuverlässiger Partner für den Mittelstand im Markt etabliert.

Was unterscheidet ChargeX klar von anderen Plattformen, die ebenfalls Loyalitätsprogramme oder E-Mobility-Services anbieten?

Wir arbeiten gerne an sehr schweren Problemen. Nur wenige Anbieter machen sich Gedanken, wie Planung, Installation oder Wartung vereinfacht werden können. “Das machen ja andere” gibt es bei uns nicht. Wir übernehmen gerne Verantwortung für die gesamte Kette bis in den Betrieb hinein. Das führte in der Anfangszeit oft dazu, dass wir in einer kalten Tiefgarage oder auf einem verschneiten Parkplatz die Installation oder Wartung unserer Stationen begleitet haben, aber so waren und sind wir immer sehr nah an unseren Kunden und Partnern. Erst gestern ist ein Kollege nach Köln gefahren, um eine neuartige Installation aus dem Produktmanagement heraus zu begleiten.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie, um die Plattform in den nächsten Monaten auszubauen?

Wir sind heute schon sehr gut beim Aufbau und im Betrieb unserer Ladetechnik. Als nächstes nehmen wir uns den Netzanschluss vor. Hier gibt es noch sehr viele Hebel, um die Installationen schneller und günstiger zu machen. Aber auch die Integration unserer Ladesysteme in den Energiemarkt ist ein Zukunftsthema für ChargeX. Unsere 6000 Ladestationen im Feld haben sehr viel steuerbare Leistung, die wir künftig den Netzbetreibern zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen können.

Wie verändert sich der Markt rund um Ladeinfrastruktur aus Ihrer Sicht und welche Rolle soll ChargeX künftig darin spielen?

Der Markt professionalisiert sich immer mehr und die klassischen Early Adopter sind oft schon bedient. Die nächste Phase ist die wirklich großflächige Elektrifizierung. Sehr bald wird jedes Auto einen Stecker haben. Aber wir haben einfach nicht die Fachkräfte und Stromnetz Kapazitäten

Eine große Hürde muss dafür noch genommen werden: Wie stellen wir Ladestationen auch in Tiefgaragen von großen Mietshäusern und Wohnquartieren bereit. An dieser Fragestellung arbeiten wir zum Beispiel im MCube Forschungsprojekt zusammen mit der Stadt München und vielen weiteren lokalen Akteuren.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass ChargeX Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile entstehen dadurch?

Der de:hub ist für mich Sichtbarkeit. Wir erhalten durch den de:hub eine Bühne, Zugang zu Events und Kontaktmöglichkeiten in Wirtschaft und Politik. Für einen jungen Gründer wie mich war der de:hub perfekt, um mein Netzwerk schnell aufzubauen. Natürlich geht das auch in die andere Richtung. Wir repräsentieren sehr gerne den Innovationsstandort Deutschland und München als Innovationszentrum für die Mobilität der Zukunft. Schließlich ist die Zukunft elektrisch!

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Rahmen des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Die Hubs sind eine einmalige Gelegenheit, die eigene Idee und Vision einem breiten Publikum aus Wirtschaft und Politik näher zu bringen. Aber dafür muss man selbst viel Zeit investieren und auf den Events präsent sein. Aber die Arbeit lohnt sich. Bei der de:hub Pitch Night hat der damalige Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck versucht, unsere Ladestation zu installieren. Das war definitiv eines meiner persönlichen Highlights.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich nachhaltige Mobilität oder digitale Plattformen starten möchten?

In der Mobilität sind Nutzer und Kunden oft nicht die gleiche Person. Beide zu kennen und auch klar unterscheiden zu können, wäre mein erster Ratschlag. Der zweite geht um Regulatorik und politische Vernetzung. Mobilität und geteilte Räume sind vermutlich neben Energie und Finanzen die am stärksten regulierten Märkte, insbesondere in Deutschland. Dieses Wissen über die Rahmenbedingungen muss auf Gründer Ebene liegen und sollte nicht delegiert werden, auch wenn das Thema manchmal sehr zäh ist.

Als letzter Ratschlag: “Ship your product fast”! Mobilitätslösungen können nicht auf dem Papier entwickelt werden. Nur echtes Nutzer- und Kundenfeedback bringen echte Insights. Und zufriedene Kunden sind das beste Marketing.

Bildcredits @ ChargeX

Wir bedanken uns bei Michael Masnitza für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Moderne Ernährungskonzepte auf der Basis von Hanf

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Moderne Ernährungskonzepte mit Hanf Bild von pixabay

Hanf hat sich vom Nischenprodukt zu einer festen Größe in modernen Ernährungskonzepten entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Hanfsamen und Hanfproteine – verarbeitet zu alltagstauglichen Produkten wie Riegeln, Shakes oder Toppings. 

Ein Beispiel dafür ist HANS Brainfood: Das Unternehmen nutzt Hanfsamen in Bio-Qualität als Grundlage für verschiedene Produktideen und verbindet damit aktuelle Food-Trends mit dem Denken eines jungen Start-ups.

Hanf als Baustein moderner Ernährungskonzepte

Moderne Ernährungskonzepte setzen auf einfache Abläufe, kurze Zutatenlisten und Rohstoffe, die vielseitig einsetzbar sind – als Proteinquelle, als Lieferant wertvoller Fette und als geschmackliche Komponente. Hanf passt gut in dieses Bild, weil er reichhaltig an wichtigen Nährstoffen ist. Zudem lassen sich Hanfprodukte flexibel in Ernährungskonzepte übertragen, von Samen über Pulver bis hin zu Snacks. 

So entstehen Ansätze, die Genuss, Alltagstauglichkeit und Nachhaltigkeit verbinden, ohne dass die Zutaten von weit her kommen müssen. Genau darin liegt der Reiz hanfbasierter Ernährungsbausteine: ein vertrauter Rohstoff, neu interpretiert für Zwischenmahlzeiten und Küchen-Basics.

Hanfsamen im Alltag – klein, nussig, vielseitig

Hanfsamen gelten als „Superfood“, weil sie viele Nährstoffe bündeln und dabei angenehm unkompliziert sind. Sie lassen sich sowohl in der kalten als auch in der warmen Küche verwenden. Ihr Geschmack ist mild mit einer nussigen Note – dadurch passen sie sowohl in süße als auch in herzhafte Gerichte.

Geschält oder ungeschält – was in der Küche zählt

Geschälte Hanfsamen sind weich und lassen sich direkt über Bowls, Salate oder Joghurt streuen. Ungeschälte Varianten sind knackiger und eignen sich gut als Topping oder als Zutat in Teigen und Müslimischungen. Entscheidend ist nicht, welche Variante „besser“ ist, sondern wofür sie gedacht ist: Textur, Mundgefühl und die Rolle im Rezept geben die Richtung vor.

Nährwert – Hanfprotein im Vergleich

Bei pflanzlichen Proteinen gibt es viele Optionen für Shakes und Rezepte – zum Beispiel Erbsen, Reis, Soja, Kürbis, Sonnenblume oder Leinsamen. Hanfprotein hat dabei ein eigenes Profil: Es liefert Proteine, bleibt in seiner Struktur aber eher naturbelassen und bringt ein dezent nussiges Aroma mit. 

Im Vergleich zeigt sich, dass manche Pulver vor allem auf einen sehr hohen Proteinwert setzen, während andere besonders neutral schmecken oder sich leicht auflösen. Hanfprotein liegt dazwischen und wirkt insgesamt ausgewogen – es passt gut, wenn neben dem Protein auch Geschmack und Konsistenz eine Rolle spielen.

Worauf bei Proteinpulvern geachtet wird

Heute zählt bei Proteinpulvern stärker, wo die Rohstoffe herkommen, wie sie verarbeitet werden und wie schlicht die Rezeptur bleibt. Mechanische Herstellungsverfahren ohne Lösungsmittel, nachvollziehbare Lieferketten und kurze Zutatenlisten gelten dabei immer häufiger als Qualitätsmerkmale. Pflanzliche Proteine passen damit in viele Ernährungsstile – nicht nur für Veganer.

Hanfriegel, Shakes und Snacks

Der Snack-Markt hat sich vom klassischen Süßwarenregal hin zu nährstoffreichen Zwischenmahlzeiten entwickelt. Riegel, Cookies oder Shakes verbinden schnelle Verfügbarkeit mit einer gut kalkulierbaren Nährstoffdichte. 

Hanf spielt dabei eine übergeordnete Rolle, weil Hanfsamen Struktur geben. In Bio-Qualität entstehen Formate, die im Alltag als Frühstücks-Backup, Büro-Snack oder Begleiter rund ums Training funktionieren, ohne dass die Zutatenliste kompliziert wirkt.

  • Hanfsamen als Topping für Bowls, Salate und Suppen
  • Hanfprotein in Shakes, Porridge oder Pancake-Teigen
  • Riegel und Cookies als planbarer Snack für unterwegs
  • Proteinmischungen als Basis für schnelle Frühstücks-Drinks
  • Aufstriche für Brot und Wraps

Bio, Regionalität und Qualität – warum Herkunft wieder zählt

Regionale Rohstoffe sind mehr als ein Trend. Sie helfen, Lieferprobleme zu reduzieren und machen Herkunft und Produktion transparenter. Hanf kann in Europa angebaut werden, und Bio-Siegel geben eine klare Orientierung zu Anbau und Verarbeitung. 

Anbieter mit eigenen Feldern oder festen Partnern in der Region können die Qualität besser im Blick behalten. Laboranalysen, verständliche Angaben auf dem Produkt und eine gut nachvollziehbare Herkunft stehen dabei für Qualität – nicht durch Versprechen, sondern durch überprüfbare Standards.

Hanfprodukte 2026 – vom Trend zur Produktlogik

Rund um Hanf ist inzwischen ein eigener kleiner Markt entstanden. Für 2026 zeigen sich drei Trends: alltagstaugliche Produkte, die Samen und Proteine sinnvoll kombinieren, ein stärkerer Fokus auf regionale Rohstoffe und Fertigprodukte, die mit kurzen Zutatenlisten auskommen. 

Gleichzeitig rückt die Qualität deutlicher in den Vordergrund. Sie wird über Laboranalysen, Zertifikate und nachvollziehbare Herkunft eingeordnet – und wird durch Digitalisierung unterstützt, etwa bei Logistik, Lagerhaltung und der strukturierten Aufbereitung von Produktdaten.

HANS Brainfood – Herkunft, Idee und Motivation

HANS Brainfood steht beispielhaft für einen Startup-Ansatz in einer spezialisierten Food-Nische rund um Hanf. Das Unternehmen wurde 2019 in Regensburg gegründet und verfolgt das Ziel, Hanf als Nutzpflanze wieder stärker im Alltag zu verankern. Die Idee entstand aus dem Wunsch nach einem Snack mit klarer Rezeptur und gut planbarer Nährstoffzusammensetzung. 

Das Geschäftsmodell setzt auf Bio-Qualität, regionale Rohstoffe und proteinbetonte Produkte. Zum Sortiment gehören Hanfsamen für den direkten Verzehr, hanfbasierte Proteinpulver sowie snackige Formate wie Riegel, ergänzt durch Rezeptideen und themennahe Inhalte.

Fazit

Hanfbasierte Ernährungskonzepte wirken vor allem deshalb überzeugend, weil sie praktisch sind. Hanfsamen lassen sich leicht in Mahlzeiten integrieren, Hanfprotein eignet sich als Zutat für Shakes und Backideen, und Riegel oder Snacks bieten eine gut planbare Lösung für unterwegs. 

Der Markt bewegt sich dabei weg vom kurzfristigen Hype und hin zu klaren Produkten, überprüfbarer Qualität und nachvollziehbarer Herkunft. Als Beispiel zeigt HANS Brainfood, wie sich ein regionaler Rohstoff in verschiedene Formate übertragen lässt, um damit Geld zu verdienen.

Bild von Luisella Planeta LOVE PEACE 💛💙 auf Pixabay

Autor Wolfgang Schneider

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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