Samstag, Oktober 10, 2026
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GrantFlow Advisor: Wie KI Fördermittelberater bei der Recherche entlastet

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GrantFlow: Berater nutzen KI für Förderprogramme Adrian Marjanovic Founder at GrantFlow

GrantFlow unterstützt Berater mit KI bei der Recherche nach Förderprogrammen und organisiert gleichzeitig Mandanten, Dokumente, Fristen und Bearbeitungsstände.

Können Sie GrantFlow Advisor kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für einen digitalen Arbeitsplatz für Fördermittelberater entstanden ist?

GrantFlow Advisor ist ein digitaler Arbeitsplatz für Fördermittelberater. Die Plattform unterstützt bei der Recherche nach geeigneten Förderprogrammen und organisiert gleichzeitig Mandanten, Dokumente, Notizen, Fristen und Bearbeitungsstände. Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Fördermittelberatung heute noch stark von manueller Recherche, unterschiedlichen Datenquellen und vielen einzelnen Werkzeugen geprägt ist. Wir wollten deshalb nicht nur eine weitere Förderdatenbank entwickeln, sondern eine zentrale Arbeitsumgebung für den gesamten Beratungsprozess.

Wer steht hinter GrantFlow, und welche Erfahrungen haben Ihnen gezeigt, wo die größten Probleme in der Fördermittelberatung liegen?

GrantFlow wurde von mir, Adrian Marjanovic, gegründet und gemeinsam mit einem spezialisierten Team technisch und fachlich weiterentwickelt. In zahlreichen Gesprächen mit Fördermittelberatern wurde deutlich, dass nicht das Fachwissen das eigentliche Problem ist. Viel Zeit geht vielmehr durch wiederkehrende Recherchen, verstreute Informationen, die Prüfung formaler Voraussetzungen und die Organisation laufender Mandate verloren. Genau an diesen Stellen möchten wir Berater entlasten.

Recherche, Förderkriterien, Dokumente und Fristen kosten Berater viel Zeit. Welche dieser Aufgaben lassen sich aus Ihrer Sicht besonders sinnvoll digitalisieren?

Besonders gut lassen sich standardisierbare Vorarbeiten digitalisieren. Dazu gehören das Filtern nach Standort, Rechtsform, Unternehmensgröße oder Förderart, die strukturierte Erfassung von Mandantendaten sowie die Verwaltung von Dokumenten und Fristen. Auch mögliche Förderprogramme können automatisiert vorausgewählt und vergleichbar dargestellt werden. Die abschließende fachliche Beurteilung eines Vorhabens bleibt jedoch Aufgabe des Beraters.

GrantFlow prüft zunächst feste Förderkriterien und setzt anschließend KI ein. Warum haben Sie sich bewusst für diese Kombination entschieden?

Nicht jede Aufgabe benötigt KI. Eindeutige Voraussetzungen wie Fördergebiet, Rechtsform, Unternehmensgröße oder die Art der Förderung lassen sich zuverlässiger über feste Regeln prüfen. Erst danach bewertet die KI die inhaltliche Übereinstimmung zwischen dem konkreten Vorhaben und den Förderprogrammen. Diese Kombination reduziert unpassende Ergebnisse und nutzt KI dort, wo sie tatsächlich einen Mehrwert bietet: beim Einordnen komplexer Inhalte und Zusammenhänge.

Mehr als 1.500 geprüfte Förderprogramme bilden die Grundlage der Plattform. Wie stellen Sie sicher, dass Berater trotz dieser Datenmenge schnell zu relevanten Ergebnissen kommen?

Die Nutzer müssen nicht selbst eine große Datenbank durchsuchen. GrantFlow grenzt die Programme zunächst anhand der konkreten Unternehmens- und Projektdaten ein. Anschließend werden die verbleibenden Programme einzeln mit dem Vorhaben abgeglichen und nach ihrer Relevanz bewertet. So entsteht keine unübersichtliche Trefferliste, sondern eine priorisierte Auswahl, die der Berater fachlich weiterprüfen kann.

Offizielle Quellen, Datenstand und offene Voraussetzungen bleiben bei jedem Ergebnis sichtbar. Warum ist diese Transparenz beim Einsatz von KI besonders wichtig?

Förderentscheidungen können erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Deshalb darf ein KI-Ergebnis nicht wie eine unumstößliche Antwort erscheinen. Berater müssen nachvollziehen können, auf welcher Quelle eine Empfehlung beruht, wie aktuell die Informationen sind und welche Voraussetzungen noch geprüft werden müssen. Die KI soll den Weg zu einer fundierten Entscheidung verkürzen, aber nicht die Entscheidungsgrundlage verbergen.

Sie betonen ausdrücklich, dass GrantFlow Fördermittelberater nicht ersetzen soll. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen automatisierter Vorarbeit und menschlicher Expertise?

GrantFlow übernimmt wiederkehrende Recherche- und Organisationsaufgaben. Die Einordnung des Geschäftsmodells, die Strukturierung eines förderfähigen Vorhabens, die Kommunikation mit Förderstellen und die Verantwortung gegenüber dem Mandanten bleiben beim Berater. Fördermittelberatung besteht nicht nur darin, ein Programm zu finden. Entscheidend ist, ob ein Vorhaben richtig verstanden, sinnvoll gestaltet und überzeugend dargestellt wird. Dafür braucht es Erfahrung und menschliches Urteilsvermögen.

Förderprogramme können komplexe Voraussetzungen und Interpretationsspielräume haben. Wo stößt KI bei der Bewertung aus Ihrer Sicht an ihre Grenzen?

KI stößt dort an Grenzen, wo Richtlinien unklar formuliert sind, Einzelfallentscheidungen erforderlich werden oder eine Förderstelle eigene Auslegungsspielräume besitzt. Auch strategische Fragen – beispielsweise wie ein Investitionsvorhaben strukturiert oder zeitlich geplant werden sollte – lassen sich nicht allein aus Programmdaten beantworten. GrantFlow macht solche offenen Punkte deshalb sichtbar, anstatt eine Sicherheit vorzutäuschen, die es in der Praxis nicht gibt.

GrantFlow möchte nicht nur die Recherche erleichtern, sondern den gesamten Mandatsverlauf organisieren. Welchen Vorteil bietet dieser Ansatz gegenüber einzelnen Fördermittel- oder KI-Tools?

Ein einzelnes Recherchetool liefert im besten Fall passende Programme. Danach beginnt jedoch die eigentliche Beratungsarbeit: Informationen müssen eingeholt, Dokumente verwaltet, Fristen überwacht und Entscheidungen dokumentiert werden. Wenn dafür mehrere voneinander getrennte Systeme genutzt werden, entstehen Medienbrüche und zusätzlicher Aufwand. GrantFlow verbindet Recherche und Mandatsorganisation in einer Arbeitsumgebung. Dadurch bleibt der gesamte Verlauf nachvollziehbar und das Wissen zum Mandat an einem Ort.

Welche Rückmeldungen aus Ihren bisherigen Gesprächen mit Fördermittelberatern haben die Entwicklung von GrantFlow besonders beeinflusst?

Besonders häufig wurde der Wunsch geäußert, Ergebnisse schnell nachvollziehen und gegenüber Mandanten erklären zu können. Deshalb zeigen wir nicht nur mögliche Programme, sondern auch Gründe für die Bewertung, offizielle Quellen und noch offene Voraussetzungen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Berater sehr unterschiedlich arbeiten. Daher soll GrantFlow keine starre Vorgehensweise erzwingen, sondern bestehende Prozesse strukturieren und unterstützen. Viele praktische Funktionen sind unmittelbar aus diesen Gesprächen entstanden.

Welche Vision verfolgen Sie mit GrantFlow, und welche nächsten Entwicklungsschritte sind für die Plattform geplant?

Unsere Vision ist, GrantFlow zum zentralen digitalen Arbeitsplatz für professionelle Fördermittelberatung zu entwickeln. Berater sollen weniger Zeit mit wiederkehrender Suche und Verwaltung verbringen und mehr Zeit für die strategische Begleitung ihrer Mandanten haben. Die nächsten Schritte konzentrieren sich auf die weitere Verbesserung des Matchings, die Vertiefung der Mandatsverwaltung, effizientere Teamarbeit und eine noch bessere Unterstützung bei der strukturierten Prüfung von Fördervoraussetzungen. Dabei entwickeln wir die Plattform eng am Feedback der Anwender weiter.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die KI für einen Bereich entwickeln, in dem Fachwissen und menschliche Entscheidungen entscheidend bleiben?

Erstens sollte KI nur dort eingesetzt werden, wo sie ein konkretes Problem besser löst – nicht, weil sie gerade technisch möglich ist.

Zweitens müssen Ergebnisse nachvollziehbar bleiben, insbesondere wenn Entscheidungen finanzielle oder rechtliche Folgen haben können.

Drittens sollte man Fachanwender früh in die Entwicklung einbeziehen. Die besten Produkte entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im kontinuierlichen Austausch mit den Menschen, die später täglich damit arbeiten.

Fotocredits: © privat / GrantFlow

Wir bedanken uns bei Adrian Marjanovic für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

26 % geringere Sterblichkeit: Implicity holt 35 Millionen Euro für Herz-KI

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Implicity: Plattform für Remote Monitoring erhält 35 Mio. Euro Arnaud Rosier Copyright Implicity

Healthtech: Implicity erhält 35 Millionen Euro Wachstumskapital für KI-gestütztes Herzmonitoring

  • In Deutschland hat das Healthtech-Unternehmen Implicity bereits 26 Kunden; rund 2.000 Patienten werden hierzulande über die Plattform betreut.
  • Angeführt wird das Investment von IRIS gemeinsam mit Five Arrows.
  • Mit dem Kapital will Implicity unter anderem seine Marktposition in Europa festigen und in die Entwicklung KI-gestützter Prognose- und Diagnoseverfahren investieren.

Implicity, ein führender Anbieter von KI-gestütztem Remote Monitoring zur Überwachung der Herzaktivität, hat eine Finanzierungsrunde über 35 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird vom europäischen Tech-Growth-Investor IRIS angeführt. Ebenfalls beteiligt ist Five Arrows, die Alternative-Assets-Sparte von Rothschild & Co. Ein Teil des Kapitals soll unter anderem in den Bereich Forschung und Entwicklung fließen.

KI bündelt Daten für die kardiologische Versorgung

Seit dem internationalen Expertenkonsens führender kardiologischer Fachgesellschaften aus dem Jahr 2023 ist das Remote Monitoring von Patienten ein etablierter Bestandteil der kardiologischen Versorgung. Mit der zunehmenden Fernüberwachung von Herzpatienten wächst wiederum die Datenmenge, die von Ärzten und medizinischen Teams verarbeitet werden muss. Diese Daten stammen beispielsweise aus implantierten elektronischen Herzgeräten oder dem Monitoring bei Herzinsuffizienz. Die Herausforderung besteht darin, dass Ärzte zwischen unterschiedlichen Systemen wechseln und Warnmeldungen priorisieren müssen, um die Momente zu erkennen, die tatsächlich ein Eingreifen erfordern.

Implicity setzt hier mit einer herstellerunabhängigen, KI-gestützten Plattform an. Die Plattform bündelt, vereinheitlicht und analysiert Daten aus unterschiedlichen Bereichen der kardiologischen Versorgung, vom Management von Herzrhythmusstörungen bis hin zum Monitoring von Herzinsuffizienz. Das Ziel besteht darin, medizinischen Teams die klinisch relevanten Informationen aus der wachsenden Menge an Datenströmen schneller zugänglich zu machen und diesen damit mehr Zeit für andere Bereiche der Patientenversorgung zu ermöglichen.

„Ich bin nicht Arzt geworden, um Daten zu verwalten, sondern um Patienten zu behandeln“, sagt Dr. Arnaud Rosier, Elektrophysiologe, CEO und Mitgründer von Implicity. „Dank der neuen Finanzierung können wir deutlich mehr Patienten erreichen und aus der Fülle an Daten genau die Informationen herausfiltern, die für ihre Behandlung entscheidend sind. So helfen wir Ärzten, ihre Patienten bestmöglich zu versorgen. An dieser Zukunft der Kardiologie arbeite ich, seit ich als Elektrophysiologe angefangen habe.“

Klinische Evidenz: 26 Prozent niedrigere Sterblichkeitsrate

Anders als bei herkömmlichen Remote-Monitoring-Lösungen basiert die Technologie von Implicity auf CE-gekennzeichneten und von der FDA freigegebenen KI-Algorithmen sowie auf umfangreicher Evidenz aus der klinischen Praxis.

Dabei konnten bereits messbare Effekte nachgewiesen werden (1):

  • Senkung der Sterblichkeitsrate um 26 Prozent
  • Rückgang von Krankenhausaufenthalten von 4 Prozent

In Deutschland nutzen derzeit 26 medizinische Einrichtungen die Plattform für rund 2.000 Patienten. Zum Kundenstamm gehören unter anderem die CardioPraxis Mainz und Ingelheim sowie die Praxis für Kardiologie Ludwigslust/Parchim.

In Frankreich wird Implicity unter anderem in großen öffentlichen Krankenhausnetzwerken eingesetzt, darunter die Universitätskliniken CHU Tours und CHU Grenoble. Am Institut Mutualiste Montsouris in Paris unterstützte die Plattform die Ausweitung des Monitorings von 250 auf 5.000 Patienten. Die Produktivität des Monitoring-Teams stieg dabei um das Zwanzigfache. Auch in den USA ist Implicity bereits im Markt vertreten und arbeitet dort mit führenden akademischen Gesundheitssystemen sowie einer wachsenden Zahl von Partnern im Remote Monitoring zusammen.

Insgesamt wird die Plattform täglich in mehr als 250 medizinischen Einrichtungen in Deutschland, Frankreich und den USA für die Überwachung von mehr als 120.000 Patienten eingesetzt.

Kapital für weiteres Wachstum und KI-Entwicklung

Mit der Finanzierung will Implicity seine internationale Expansion weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau der Vertriebsaktivitäten und des operativen Geschäfts in den USA, wo das Unternehmen seit 2022 mit einem Standort in Cambridge (Massachusetts) vertreten ist. Gleichzeitig ist es ein erklärtes Ziel, die eigene Marktposition in Europa weiter zu festigen.

Ein weiterer Teil der Finanzierung wird in die Weiterentwicklung der KI-Technologie fließen. Im Fokus stehen dabei Algorithmen zur Vorhersage von Herzinsuffizienz. Diese sollen medizinische Teams mit zusätzlichen prognostischen Informationen unterstützen und dazu beitragen, die Versorgung von Patienten im Remote Monitoring gezielter zu steuern.

Implicity verfolgt darüber hinaus das Ziel, eine zentrale Plattform in einem bislang fragmentierten Markt für Remote Monitoring aufzubauen. Die Technologie wird bereits in der Kardiologie eingesetzt und soll auf dieser Grundlage künftig auch auf ergänzende neue Bereiche ausgeweitet werden.

Nicolas Herschtel, Partner im Growth-Team bei IRIS, erklärt:

„Langfristiger Erfolg in der Healthtech-Branche erfordert eine seltene Kombination aus leistungsfähiger Technologie, hohen regulatorischen Standards und einem klaren klinischen Nutzen. Implicity hat sich in komplexen Gesundheitssystemen als vertrauenswürdiger Partner etabliert, da die Plattform Krankenhäuser im Alltag konkret bei administrativen und operativen Prozessen entlastet. Wir freuen uns darauf, das Team dabei zu unterstützen, seine Präsenz im US-Markt weiter auszubauen und die nächste Wachstumsphase des Unternehmens mitzugestalten.“

François-Xavier Lehman, Director bei Five Arrows, ergänzt:

„Implicity gehört zu den wenigen Unternehmen, die hohe klinische Standards und regulatorische Anforderungen mit einem konkreten Nutzen für Patienten verbinden. Die Plattform führt bislang fragmentierte Daten aus der Herzversorgung zusammen und generiert daraus Informationen, die medizinische Teams direkt für ihre Entscheidungen nutzen können. Das verbessert die Versorgung und entlastet zugleich das Krankenhauspersonal im Alltag. Genau solche Unternehmen, die wirtschaftliches Wachstum mit einem nachhaltigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung verbinden, wollen wir unterstützen.“

Bild Arnaud Rosier Copyright Implicity

Quelle ELEMENT C GmbH

† SignalHF ist ein von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) freigegebenes Medizinprodukt der Klasse II. Weitere Informationen finden Sie in der Gebrauchsanweisung.

‡ Der IM007 ILR ECG Analyzer ist ein von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) freigegebenes Medizinprodukt der Klasse II. Weitere Informationen finden Sie in der Gebrauchsanweisung.

NRW.BANK beteiligt sich an Phagestack

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Phagestack: Labor entwickelt Lösungen gegen Bakterien Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Biotech-Start-up eröffnet eigenes Labor im BioCampus Cologne

Die NRW.BANK beteiligt sich über ihr Programm NRW.SeedCon am Biotech-Start-up Phagestack aus Pulheim. Das 2023 gegründete Unternehmen entwickelt eine datenbasierte Plattform, mit der sich antimikrobielle Wirkstoffe gezielt gegen bestimmte schädliche Bakterien entwickeln lassen. Mit der Finanzierung hat Phagestack jetzt ein eigenes Labor im BioCampus Cologne eröffnet.

„Unsere Förderung zielt darauf, modernste Technologien aus dem Labor in die Praxis zu bringen“, sagt Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK. „Phagestack verbindet künstliche Intelligenz mit eigener Laborforschung. Mit unserer Beteiligung unterstützen wir das Unternehmen dabei, diesen Ansatz weiterzuentwickeln und so neue Lösungen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen voranzubringen.“

„Die Aufnahme des Laborbetriebs am BioCampus Köln ist ein entscheidender Schritt vorwärts bei unserer Mission, die weltweite Antibiotikaresistenz zu bekämpfen“, sagte Ewald Fernbach, Geschäftsführer von Phagestack GmbH. „Indem wir unsere Algorithmen für künstliche Intelligenz und Datenbanken durch solide, praxisnahe Validierung im Nasslabor untermauern, können wir unseren Partnern umfassende Unterstützung bieten – von der anfänglichen Identifizierung von Wirt-Erreger-Zielstrukturen bis hin zur Bereitstellung standardisierter, hochwirksamer Bakteriophagenpräparate.“

Machine Learning und Bakteriophagen gegen Antibiotikaresistenzen

Phagestack wurde 2023 von Ewald Fernbach, Jonas Fernbach und Robert Faber gegründet. Das Start-up adressiert die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika. Im Fokus stehen unter anderem Bakteriophagen. Das sind Viren, die bestimmte Bakterien befallen und dadurch gezielt gegen diese eingesetzt werden können. Dabei kombiniert Phagestack Machine-Learning-basierte Verfahren und Datenbanken mit biologischen Wirkstoffen und Labordienstleistungen.

Im Unterschied zu Breitbandantibiotika sollen die Präzisionslösungen gezielt gegen bestimmte schädliche Bakterien wirken. Nützliche Bakterien und mikrobielle Ökosysteme sollen dadurch möglichst geschont und das Risiko weiterer Resistenzen verringert werden. Neben dem Gesundheitsbereich sieht das Unternehmen Einsatzmöglichkeiten in Aquakultur, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Eigenes Labor erweitert Angebot

Mit dem neuen Labor im BioCampus Cologne kann Phagestack seine digitalen Datenressourcen und Machine-Learning-Verfahren mit eigenen Laborkapazitäten verbinden. Das Unternehmen kann dadurch Wirkstoffkandidaten nicht nur datenbasiert identifizieren, sondern auch im Labor untersuchen und validieren. Zudem erweitert Phagestack sein Angebot um die maßgeschneiderte Isolierung und Charakterisierung von Phagen, In-vitro-Screenings und genomische Verifizierungen. Hinzu kommen Leistungen rund um die Produktion biologischer Wirkstoffe.

Die Finanzierung über NRW.SeedCon unterstützt Phagestack beim Aufbau dieser Laborkapazitäten. Darüber hinaus erhält das Unternehmen Unterstützung aus dem Start-up-Ökosystem und durch die Gateway Factory (Gateway Exzellenz Start-up Center).

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.nrwbank/seedcon

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Quelle NRW.BANK

Schluss mit Lade-Chaos für E-Lkw: FRYTE holt 5 Millionen Euro

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FRYTE: E-Lkw und Ladeinfrastruktur europaweit vernetzen FRYTE Mobility GmbH

FRYTE Mobility schließt Seed-Finanzierungsrunde unter Führung von 4impact capital und Rethink Ventures ab – Gesamtfinanzierung steigt auf 5 Mio. Euro

FRYTE Mobility, ein in München ansässiges Tech-Startup, das eine zentrale Softwareplattform zur Vernetzung von Logistik- und Energiesystemen für den Betrieb von E-Lkw entwickelt, hat seine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 3,5 Mio. Euro abgeschlossen. Die Gesamtfinanzierung steigt damit auf 5 Mio. Euro. Das Kapital wird dazu verwendet, die Plattform von FRYTE europaweit auszubauen, um E-Lkw mit der benötigten Ladeinfrastruktur zu verbinden. FRYTE koordiniert, wann und wo E-Lkw laden, und bietet so E-Lkw-Flotten zuverlässige Lade-Slots und den Betreibern von Ladestationen (CPOs) eine planbare Auslastung. Die Finanzierungsrunde wurde gemeinsam von 4impact capital und Rethink Ventures angeführt; beteiligt waren zudem die bestehenden Investoren Revent, F-LOG, accilium ventures sowie eine Gruppe von Angel-Investoren.

Die Lücke im Betrieb von E-Lkw schließen

Der zuverlässige Betrieb von E-Lkw steht und fällt mit dem Laden zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Doch heute planen Transportmanagementsysteme Touren meist ohne Einblick in die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig betreiben CPOs ihre Ladepunkte, ohne im Voraus zu wissen, welche E-Lkw wann und mit welchem Energiebedarf eintreffen. Logistik und Energie planen dieselbe Fahrt – bislang jedoch getrennt voneinander.

FRYTE schließt diese Lücke. Die offene Softwareplattform verbindet Transportmanagementsysteme (TMS) mit Ladepunkt-Managementsystemen (CPMS) über etablierte Branchenstandards wie OCPI. So werden Tourenplanung, Energiebedarf und Ladeinfrastruktur in einem durchgängigen Prozess zusammengeführt. Ladevorgänge können dadurch im Voraus und standort- sowie betreiberübergreifend reserviert werden. Das Ergebnis: verlässlich reservierte Ladeslots für Flottenbetreiber und planbare Auslastung für CPOs.

An Standorten mehrerer Anbieter ist FRYTE bereits vollständig im Produktivbetrieb und hat mehr als 200 Reservierungen abgewickelt – von der Planung durch die Disposition über den Ladevorgang durch die Fahrer bis zur Bestätigung durch den CPO.

Sebastian Wolff, CTO und Mitgründer von FRYTE Mobility, sagt:

„E-Lkw können nur dann flächendeckend und effizient geladen werden, wenn die Ladeinfrastruktur betreiberübergreifend vernetzt ist. Dafür braucht es offene Standards. Beim Laden haben wir diesen Schritt bereits gemacht – der nächste wichtige Meilenstein ist das Transportmanagement.“

Pauline Wink, Founding Partner bei 4impact capital, kommentiert:

„E-Lkw erreichen in mehreren europäischen Ländern in Kürze Kostenparität mit Diesel-Fahrzeugen (Total Cost of Ownership), und die CO₂-Vorgaben der EU beschleunigen den Wandel hin zum elektrischen Schwerlastverkehr zusätzlich. Das bedeutet: von heute Zehntausenden E-Lkw in Europa hin zu Hunderttausenden bis 2030. Was fehlt, sind nicht mehr Ladepunkte oder mehr Software, sondern eine Schicht, die Logistik-, Lade- und Energiesysteme zusammenbringt. Die meisten Anbieter bauen vertikale Insellösungen. FRYTE baut die horizontale Koordinationsschicht, und Max und Sebastian setzen sich seit dem ersten Tag voll für dieses Problem ein. Diese Kombination aus Timing und Tiefe ist selten – deshalb haben wir investiert.“

Kapitaleinsatz: Ausbau der kommerziellen Präsenz

Das neue Kapital wird genutzt, um das kommerzielle Team von FRYTE auszubauen und die Integrationen mit Ladepunktbetreibern und CPMS-Backends zu vertiefen. FRYTE wird zudem die Reservierungsfunktionalität weiterentwickeln – aufbauend auf jüngsten Pilotmeilensteinen mit Partnern wie TRATON Charging Solutions mit MAN Charge & Go, FIEGE, Fraport AG, Energie Südbayern und Dettendorfer Energy.

Maximilian Zähringer, CEO und Mitgründer von FRYTE Mobility, sagt:

„Unser Produkt ist bereit für die Skalierung, und das Fundament, das wir gemeinsam mit Partnern wie TRATON, Fraport und Energie Südbayern gelegt haben, beweist das. Mit dieser Runde können wir uns voll auf die kommerzielle Skalierung konzentrieren – also darauf, mehr CPOs und Logistik-Kunden in ganz Europa auf die Plattform zu bringen. Mit Rethink Ventures, 4impact capital und unseren Bestandsinvestoren haben wir die perfekte Kombination: ihre Expertise in Logistik und Energie sowie ihr Zugang zu neuen Märkten helfen uns, schneller zu wachsen und genau die Betreiber zu erreichen, die FRYTE am dringendsten brauchen.“

Matthias Schanze, Founding Partner bei Rethink Ventures, ergänzt:

„Bis 2035 werden E-Lkw auf europäischen Straßen 45 TWh benötigen – etwa 10 % des gesamten deutschen Stromverbrauchs von 2025. Diesen Bedarf zu decken, ist nicht nur eine Frage der Hardware; es erfordert, Energieverfügbarkeit und Logistikbetrieb aufeinander abzustimmen. FRYTE baut genau die skalierbare Infrastruktur auf, die das möglich macht – und wir freuen uns, das Team in seiner nächsten Wachstumsphase zu unterstützen.“

FRYTE auf der IAA Transportation

FRYTE Mobility lädt die Presse an seinen Stand auf der IAA Transportation 2026 ein (Halle 12, Stand SA02) – am offiziellen Pressetag, dem 14. September. CEO Maximilian Zähringer ist vor Ort und steht für Interviews sowie Hintergrundgespräche zum Wachstumskurs von FRYTE, dem Markt für E-Lkw-Laden und den Auswirkungen der neuen Finanzierung auf die Produkt-Roadmap zur Verfügung.

Bildcredits FRYTE Mobility GmbH

Quelle FRYTE Mobility GmbH

Dogscan: Charité-Studie bestätigt Lungenkrebs-Früherkennung

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Dogscan: Lungenkrebs und Lungenkrebsfrüherkennung

Dogscan möchte Lungenkrebs möglichst früh erkennen und die Lungenkrebsfrüherkennung mit einem wissenschaftlich untersuchten Verfahren sinnvoll ergänzen.

Seit unserem ersten Interview 2024 ist einige Zeit vergangen. Was hat sich seitdem bei Dogscan am stärksten verändert?

Am stärksten verändert hat sich, wie wir Dogscan als Unternehmen aufstellen. Aus einer außergewöhnlichen Idee ist Schritt für Schritt ein immer professionelleres System entstanden, bei dem neben der Arbeit mit unseren Hunden heute wissenschaftliche Forschung, medizinische Zusammenarbeit, standardisierte Prozesse und neue Zugangswege im Mittelpunkt stehen.

Eine der größten unternehmerischen Veränderungen war für uns der Einstieg der WISAG als strategischer Partner und Gesellschafter. Damit haben wir nicht nur Unterstützung für unsere weitere Entwicklung gewonnen, sondern auch einen neuen Weg, Menschen direkt über Unternehmen und ihren Arbeitsplatz mit dem Thema Lungenkrebsfrüherkennung zu erreichen.

Gleichzeitig ist Dogscan aus der reinen Entwicklungsphase herausgewachsen und wird heute bereits von vielen Menschen genutzt. Unser persönlicher Antrieb ist dabei derselbe geblieben: Wir möchten dazu beitragen, dass Lungenkrebs früher entdeckt wird und dadurch mehr Menschen eine bessere Behandlungsperspektive erhalten.

Damals wollten Sie Dogscan als festen Bestandteil der medizinischen Vorsorge etablieren. Wie weit sind Sie diesem Ziel inzwischen nähergekommen?

Wir sind diesem Ziel inzwischen deutlich nähergekommen. Ein wichtiger Meilenstein war die Veröffentlichung einer retrospektiven Studie zu unserem Verfahren, die gemeinsam mit Wissenschaftlern der Charité Berlin und dem Forschungsinstitut Havelhöhe durchgeführt und in einem internationalen Open-Access-Fachjournal veröffentlicht wurde.

Gleichzeitig erleben wir, dass Dogscan zunehmend auch in der medizinischen Vorsorge ankommt. Wir werden mittlerweile in Präventionspraxen und umfangreiche medizinische Check-up Programme integriert.

Dort wird Dogscan derzeit in der Regel als zusätzlicher Selbstzahler Baustein angeboten und wir sehen, dass dieses Angebot sehr gut angenommen wird.

Ein Grund dafür ist aus unserer Sicht eine weiterhin bestehende Lücke in der Lungenkrebsfrüherkennung. Seit April 2026 gibt es in Deutschland zwar erstmals die Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT als Kassenleistung, sie richtet sich aber an eine klar definierte Hochrisikogruppe: Personen zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre geraucht haben und auf mindestens 15 Packungsjahre kommen. Bei ehemaligen Rauchern darf die Rauchpause zudem nicht länger als zehn Jahre gewesen sein.

Damit gibt es viele Menschen mit einem subjektiven oder tatsächlichen Risikoprofil, die nicht in diese Kohorte fallen beispielsweise jüngere Menschen, Personen mit geringerer Rauchhistorie oder Menschen, die sich aufgrund familiärer oder beruflicher Belastungen intensiver mit ihrer Lungengesundheit beschäftigen. Für asymptomatische Menschen außerhalb der definierten Low Dose-CT-Kohorte sind die Möglichkeiten einer spezifischen Lungenkrebsfrüherkennung weiterhin begrenzt.

Genau hier sehen wir Dogscan als möglichen ergänzenden Baustein. Unser Verfahren soll keine bestehende medizinische Früherkennung ersetzen und stellt keine Diagnose. Es kann aber einen niedrigschwelligen zusätzlichen Hinweis liefern, der bei einem auffälligen Ergebnis eine gezielte ärztliche Abklärung anstößt. Deshalb freut es uns besonders, dass Dogscan zunehmend nicht mehr isoliert betrachtet, sondern von Ärzten und Präventionsmedizinern in umfassendere Vorsorgekonzepte eingebunden wird.

Welche Erfahrungen haben Sie seit Ihrem Auftritt in der Höhle der Löwen gemacht, und welchen Einfluss hatte die Sendung langfristig auf Dogscan?

Die Höhle der Löwen hat Dogscan einem sehr breiten Publikum bekannt gemacht. Für ein junges Unternehmen war diese Aufmerksamkeit eine enorme Chance und hat dazu geführt, dass sich viele Menschen erstmals mit unserem Ansatz und teilweise überhaupt erstmals intensiver mit dem Thema Lungenkrebsfrüherkennung beschäftigt haben.

Gleichzeitig haben wir gelernt, wie viel Erklärung ein ungewöhnliches Verfahren gerade im Gesundheitsbereich benötigt. Wie arbeiten die Hunde? Was bedeutet ein Ergebnis? Wie zuverlässig ist das Verfahren? Und vor allem: Was passiert bei einem auffälligen Ergebnis?

Die Sendung hat uns Reichweite gegeben. Langfristiges Vertrauen entsteht aber nicht im Fernsehen, sondern durch unsere tägliche Arbeit, transparente Kommunikation, wissenschaftliche Untersuchungen und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Menschen, die unseren Test nutzen. Diese Erkenntnis hat unsere Entwicklung stark geprägt.

In unserem Interview 2024 sprachen Sie über die wissenschaftliche Validierung Ihrer Methode. Wo stehen Sie bei diesem wichtigen Schritt inzwischen?

Hier haben wir einen für uns sehr wichtigen Meilenstein erreicht: Im Juni 2026 wurde im Journal of Breath Research eine retrospektive Studie zu unserem Verfahren veröffentlicht, an der Wissenschaftler des Forschungsinstituts Havelhöhe und der Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligt waren. Untersucht wurden Daten von 824 Personen, darunter 111 mit histologisch bestätigtem Lungenkrebs. Insgesamt flossen 11.900 Untersuchungen von Atemproben in die Auswertung ein.

Die Ergebnisse haben uns natürlich sehr gefreut: Die fünf Hunde erreichten einzeln Sensitivitäten zwischen 82 und 89 Prozent bei Spezifitäten von jeweils über 95 Prozent. Vereinfacht gesagt beschreibt die Sensitivität, wie zuverlässig tatsächlich vorhandener Lungenkrebs erkannt wird, während die Spezifität angibt, wie zuverlässig Personen ohne Lungenkrebs auch als unauffällig erkannt werden.

Besonders interessant war die gemeinsame Bewertung unseres aus fünf Hunden bestehenden CDDC®:

Wenn mindestens drei der fünf Hunde eine Probe übereinstimmend als auffällig bewerteten, lag die Sensitivität bei über 95 Prozent. Gleichzeitig wurden in dieser Auswertung bei der gemeinsamen Entscheidung keine falsch-positiven Ergebnisse beobachtet.

Für unseren Ansatz der Früherkennung ist außerdem interessant, dass auch Patienten in frühen Tumorstadien Teil der Untersuchung waren: 18 Prozent der Lungenkrebspatienten befanden sich in Stadium I oder II und 46 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Probenabgabe noch keine onkologische Behandlung erhalten.

Bei aller Freude über diese Ergebnisse ist uns aber wichtig, sie wissenschaftlich richtig einzuordnen. Es handelt sich um eine retrospektive Auswertung unter Trainingsbedingungen und damit noch nicht um den Nachweis dieser Leistungswerte in einem realen Bevölkerungsscreening.

Deshalb verstehen wir die Veröffentlichung nicht als Abschluss unserer Forschung, sondern als wichtigen Ausgangspunkt für die nächsten Schritte. Gemeinsam mit unseren wissenschaftlichen und medizinischen Partnern arbeiten wir bereits an weiteren Studien und Untersuchungen. Dabei geht es insbesondere um prospektive und verblindete Studiendesigns, repräsentativere Risikokollektive und die Frage, wie sich die Methode unter realen klinischen Vorsorgebedingungen bewährt.

Unser Ziel ist es, die wissenschaftliche Evidenz kontinuierlich weiter auszubauen und Schritt für Schritt belastbar zu beantworten, welchen zusätzlichen Nutzen Dogscan innerhalb der medizinischen Lungenkrebsfrüherkennung bieten kann.

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie über die Früherkennung von Lungenkrebs mithilfe von Tumorspürhunden gewonnen?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für uns kommt aus der tatsächlichen Anwendung von Dogscan.

Bis heute haben wir bei 51 Personen mit unserem CDDC®-Verfahren ein positives Ergebnis ausgegeben, die vorher nichts von ihrer Lungenkrebserkrankung wussten. Bei allen wurde der Verdacht anschließend medizinisch bestätigt.

Besonders beeindruckend ist für uns, in welchen Stadien die Erkrankungen entdeckt wurden: 17 der 51 Personen waren im Stadium I und weitere 11 im Stadium II. Damit wurden bereits bei der erstmaligen Testung rund 55 Prozent der bestätigten Erkrankungen in einem frühen Stadium gefunden. Weitere 9 Fälle waren im Stadium III und 14 im Stadium IV.

Dass wir bereits beim ersten Test einen so hohen Anteil früher Stadien sehen, passt aus unserer Sicht zu dem Ansatz von Dogscan: Unser Angebot richtet sich gerade an symptomfreie Menschen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Rauchhistorie, beruflicher Belastungen oder anderer Faktoren ein erhöhtes Risiko sehen und sich frühzeitig mit ihrer Lungengesundheit beschäftigen möchten.

Besonders spannend wird für uns deshalb die regelmäßige Anwendung. Wenn Menschen heute ein unauffälliges Ergebnis erhalten und Dogscan künftig beispielsweise regelmäßig wiederholen, können Veränderungen möglicherweise noch früher auffallen. Wir sind überzeugt, dass darin großes Potenzial liegt: Lungenkrebs möglichst zu einem Zeitpunkt zu erkennen, an dem noch keine Symptome vorhanden sind und die Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen deutlich besser sind.

Genau das ist letztlich unser Ziel: nicht erst zu reagieren, wenn Lungenkrebs Beschwerden verursacht, sondern Menschen die Chance zu geben, früher einen Hinweis zu bekommen und rechtzeitig die weitere medizinische Abklärung einzuleiten.

Die Kostenübernahme durch Krankenkassen war eines Ihrer großen Ziele. Welche Fortschritte konnten Sie hier erzielen?

Eine flächendeckende Kostenübernahme durch Krankenkassen haben wir bisher noch nicht erreicht.

Die wissenschaftliche Veröffentlichung gibt uns aber eine wesentlich konkretere Grundlage für Gespräche mit Versicherern und möglichen Finanzierungspartnern.

Parallel haben wir erkannt, dass der Zugang nicht ausschließlich über Krankenkassen erfolgen muss. Deshalb gewinnt die betriebliche Gesundheitsvorsorge für uns stark an Bedeutung. Über Arbeitgeber können wir Menschen erreichen, die sich mit klassischer Vorsorge vielleicht deutlich weniger beschäftigen würden.

Dabei unterscheiden wir klar zwischen einer Finanzierung durch Unternehmen und einer Erstattung durch Krankenversicherungen. Unser langfristiges Ziel bleibt aber dasselbe: Der Zugang zu einer sinnvollen Früherkennung sollte möglichst wenig davon abhängig sein, ob jemand bereit oder finanziell in der Lage ist, diese vollständig selbst zu bezahlen.

Wie hat sich die Nachfrage nach Dogscan entwickelt, und welche Zielgruppen erreichen Sie inzwischen besonders gut?

Neben unserem Privatkundengeschäft ist insbesondere das Interesse von Unternehmen, Präventionsanbietern und medizinischen Kooperationspartnern deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt. Medienberichte und persönliche Empfehlungen sind weiterhin wichtige Wege, über die Menschen auf uns aufmerksam werden.

Im Privatbereich erreichen wir besonders Menschen, die sich aktiv mit ihrer Lungengesundheit auseinandersetzen – beispielsweise Raucher und ehemalige Raucher oder Menschen, in deren Familie Lungenkrebs bereits eine Rolle gespielt hat.

Im Unternehmensbereich betrachten wir darüber hinaus Beschäftigtengruppen, die beruflich beispielsweise Staub, Rauch oder Dämpfen ausgesetzt sein können. Gleichzeitig möchten wir noch besser verstehen, welche Zielgruppen ein niedrigschwelliges Angebot tatsächlich nutzen und wie wir diese Menschen sinnvoll in bestehende Vorsorgestrukturen einbinden können.

Die Skalierung Ihres Verfahrens war eine zentrale Herausforderung. Welche Lösungen haben Sie dafür gefunden?

Für uns bedeutet Skalierung nicht einfach, möglichst viele Hunde auszubilden. Entscheidend ist, dass die Qualität des gesamten Verfahrens auch bei deutlich steigenden Stückzahlen erhalten bleibt.

Genau darauf haben wir unsere Strukturen in den vergangenen Jahren ausgerichtet.

Mit unseren heutigen Kapazitäten können wir bereits bis zu 350.000 Tests pro Jahr auswerten – und von dieser Grenze sind wir aktuell noch weit entfernt. Gleichzeitig können wir durch die Ausbildung weiterer Hundeteams zusätzliche Kapazitäten aufbauen. Wir sind deshalb auch darauf vorbereitet, wenn künftig Unternehmen, Versicherungen oder andere Partner größere Testkontingente abrufen möchten.

Wie groß das Potenzial eines einfach zugänglichen und versandfähigen Verfahrens sein kann, zeigt sich für uns auch international. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatten wir beispielsweise die Gelegenheit, mit Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, dem Generaldirektor der WHO, über unseren Ansatz zu sprechen. Auch mit weiteren Akteuren mit Bezug zu Afrika gab es Gespräche und erste Überlegungen zu großflächigeren Pilotprojekten.

Gerade in Regionen, in denen eine flächendeckende CT-Infrastruktur nur eingeschränkt verfügbar ist, könnte ein niedrigschwelliger Test, bei dem lediglich eine Atemprobe genommen und anschließend zentral ausgewertet wird, perspektivisch sehr viele Menschen erreichen. Solche Überlegungen befinden sich noch in einem frühen Stadium, zeigen uns aber, warum Skalierbarkeit für Dogscan von Anfang an mehr bedeutet als nur Wachstum in Deutschland.

Die Grundlage dafür bleiben standardisierte Abläufe, kontinuierliche Qualitätskontrollen und das Wohlergehen unserer Hunde. Größere Stückzahlen dürfen bei uns niemals zulasten der Qualität gehen.

Welche Rückmeldungen von Nutzern, Ärzten oder medizinischen Partnern haben die Weiterentwicklung von Dogscan besonders beeinflusst?

Eine Rückmeldung hören wir von unseren Nutzern besonders häufig: Sich überhaupt mit der Frage zu beschäftigen, ob man Lungenkrebs haben könnte, macht zunächst Angst. Viele schieben das Thema deshalb lieber von sich weg. Gleichzeitig entsteht aber schnell eine andere Sichtweise: Unser Test verändert nicht, ob jemand Lungenkrebs hat oder nicht – er kann lediglich dazu beitragen, früher davon zu erfahren. Und genau dieser Zeitpunkt kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Von unseren Nutzern hören wir außerdem immer wieder, wie wichtig die einfache Anwendung und die Möglichkeit ist, die Atemprobe unkompliziert zu Hause abzugeben. Gleichzeitig haben wir sehr schnell verstanden, dass unsere Verantwortung nicht mit der Ergebnismitteilung endet. Gerade bei einem auffälligen Ergebnis entsteht unmittelbar die Frage: Was mache ich jetzt?

Deshalb ist uns die medizinische Begleitung besonders wichtig geworden. Jedes Ergebnis wird ärztlich eingeordnet, und insbesondere bei einem auffälligen Ergebnis begleiten wir die Betroffenen bei den nächsten Schritten und der weiteren medizinischen Abklärung. Niemand soll mit einem solchen Ergebnis allein gelassen werden.

Auch unsere medizinischen Partner haben diese Entwicklung stark beeinflusst. Ihr Blick richtet sich besonders auf die Aussagekraft und Grenzen des Verfahrens sowie darauf, was nach einem auffälligen Ergebnis passiert. Heute betrachten wir Dogscan deshalb nicht mehr nur als einzelnen Test, sondern als einen gesamten Prozess – von der einfachen Probenentnahme bis zur medizinischen Einordnung und, wenn notwendig, der weiteren Abklärung.

Auch eine nationale und internationale Expansion war geplant. Wie haben sich diese Pläne entwickelt?

In Deutschland konzentrieren wir uns inzwischen stärker darauf, Dogscan über Unternehmen, Apotheken, Präventionsanbieter und medizinische Kooperationspartner zugänglich zu machen.

Dabei geht es uns weniger darum, einfach möglichst schnell viele Vertriebskanäle aufzubauen, sondern Dogscan dort zu integrieren, wo ein sinnvoller Vorsorge- und Abklärungsprozess gewährleistet werden kann.

International haben sich insbesondere rund um Luxemburg und Großbritannien Gespräche und Projektansätze entwickelt. Diese befinden sich in unterschiedlichen Vorbereitungsstadien und wir möchten keinen Markteintritt vorwegnehmen, bevor die jeweiligen Voraussetzungen tatsächlich geschaffen sind.

Gerade international haben wir gelernt, dass Interesse allein nicht ausreicht. Für jedes Land müssen regulatorische Anforderungen, medizinische Partner, Logistik und mögliche Abklärungspfade berücksichtigt werden. Deshalb verfolgen wir unsere internationale Expansion heute deutlich strukturierter als noch vor einigen Jahren.

Welche neuen Ziele und Meilensteine stehen für Dogscan als Nächstes auf der Agenda?

Unsere nächsten großen Schritte lassen sich im Wesentlichen auf drei Bereiche herunterbrechen: wissenschaftliche Validierung, medizinische Integration und Zugang.

Wissenschaftlich steht die nächste prospektive klinische Untersuchung im Mittelpunkt. Dafür müssen wir auch die notwendige Finanzierung der Forschung weiter voranbringen.

Medizinisch möchten wir den Weg von einem auffälligen Hinweis bis zur ärztlichen Abklärung noch klarer gestalten und Dogscan stärker in bestehende Vorsorgestrukturen integrieren.

Und beim Zugang arbeiten wir daran, dass Vorsorge langfristig nicht allein davon abhängt, ob jemand sie privat bezahlt. Deshalb bauen wir Kooperationen mit Unternehmen und Präventionsanbietern weiter aus und führen Gespräche mit Versicherern und weiteren Partnern.

Parallel entwickeln wir unsere Kapazitäten und internationale Vorhaben weiter. Unser Maßstab bleibt dabei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, Qualität und organisatorische Leistungsfähigkeit immer mit unserer Reichweite Schritt halten.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken: Welche drei Erkenntnisse würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Erstens: Plant ausreichend Zeit für Nachweise und Vertrauen ein. Gerade im Gesundheitsbereich reichen eine gute Idee und erste positive Ergebnisse nicht aus. Belastbare Daten, funktionierende Strukturen und gute Partnerschaften brauchen Zeit.

Zweitens: Hört besonders genau hin, wenn Menschen kritische Fragen stellen. Kritik ist nicht immer angenehm, aber häufig zeigt sie sehr präzise, was am eigenen Produkt, an der Kommunikation oder am Geschäftsmodell noch nicht gut genug ist.

Und drittens: Haltet an eurem persönlichen Antrieb fest, aber nicht zwangsläufig an jedem ursprünglichen Plan. Unsere Motivation hat sich seit der Gründung nicht verändert: Wir möchten dazu beitragen, Lungenkrebs früher zu erkennen. Wie wir Menschen erreichen, wie wir Dogscan wissenschaftlich weiterentwickeln, welche Partner wir einbinden und wie wir unser Unternehmen organisieren, haben wir dagegen immer wieder verändert.

Ich glaube, genau diese Kombination aus Beharrlichkeit beim Ziel und Flexibilität beim Weg ist eine der wichtigsten Lektionen unserer bisherigen Reise.

Bildcredits Dogscan

Wir bedanken uns bei Florian Wienen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

FaceLedger: Wie ein Startup das Rechtedilemma bei KI-Werbung löst

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FaceLedger: KI verändert die Werbung mit Gesichtern FaceLedger Gründer Marcel Mankus

FaceLedger schafft einen Marktplatz, auf dem Menschen ihr Erscheinungsbild für KI-generierte Werbung lizenzieren und die Kontrolle über dessen Nutzung behalten.

Können Sie FaceLedger kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für einen Marktplatz zur Lizenzierung des eigenen Erscheinungsbildes entstanden ist?

FaceLedger ist ein Marktplatz, auf dem verifizierte Menschen ihr Erscheinungsbild als Foto-Datensatz für KI-generierte Werbung lizenzieren. Unternehmen bekommen den Datensatz, einen automatisch erzeugten Lizenzvertrag mit Grenzen nach Zeit, Gebiet und Kanälen und einen Lizenznachweis für jede Kampagne. 65 Prozent des Lizenzpreises gehen an die Person. Ich arbeite seit Jahren in der Werbung. Seit generative KI in der Produktion angekommen ist, entstehen Gesichter in Minuten. Was in derselben Zeit nicht entsteht, ist das Recht, sie zu verwenden. Ein generiertes Gesicht kann niemand fragen. Die Verträge mit echten Models regeln Fotos und Videos, aber keine KI-Nutzung. Stock Footage deckt die Verwendung von einem Bild oder Video ab. Aus dieser Lücke ist FaceLedger entstanden.

Wer steht hinter FaceLedger, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?

Hinter FaceLedger stehe ich, Marcel Mankus, als Gründer und Geschäftsführer der Faceledger UG in Frankfurt am Main. Ich habe in Aachen Maschinenbau studiert, danach einige Jahre selbstständig Content für Marken produziert, anschließend Medien- und Kommunikationsmanagement in Frankfurt abgeschlossen. Seitdem arbeite ich in der Werbung an der Schnittstelle von Konzept und Technik. Das Ingenieurstudium ist mein Fundament: Ich will verstehen, wie ein System funktioniert, bevor ich es einsetze. Die Jahre in der Produktion haben mir gezeigt, wie Shootings, Rechte und Freigaben in der Praxis laufen. Beides zusammen ist FaceLedger: ein System, das die Rechte an einem Menschen so sauber abbildet, dass eine Werbeproduktion damit arbeiten kann.

KI-generierte Werbung verändert die klassische Arbeit mit Models und Bildmaterial. Welches konkrete Problem möchten Sie mit FaceLedger lösen?

Das Problem ist die Lücke zwischen dem, was KI erzeugen kann, und dem, was ein Unternehmen verwenden darf. Ein rein generiertes Gesicht gehört niemandem, jeder kann Ähnliches erzeugen. Niemand kann belegen, dass es keiner realen Person ähnelt. Vor Gericht zählt Wiedererkennbarkeit, nicht Absicht. Ein echtes Model wiederum hat einen Vertrag für ein Shooting, nicht für neue Posen, neue Szenen und neue Kanäle aus einem Datensatz. FaceLedger schließt genau diese Lücke: ein echter, verifizierter Mensch, der eingewilligt hat, ein Vertrag, der die KI-Nutzung ausdrücklich regelt, dazu ein Nachweis, den das Unternehmen vorzeigen kann. Wir sehen das nicht als Compliance-Werkzeug, sondern als neue Produktionsform für Werbung: flexibel wie gepromptet, sicher wie geshootet.

Menschen stellen einen Foto-Datensatz ihres Erscheinungsbildes zur Verfügung. Wie stellen Sie sicher, dass sie trotzdem jederzeit die Kontrolle über dessen kommerzielle Nutzung behalten?

Die Kontrolle ist in den Ablauf eingebaut, nicht nur in den Text. Jede Person legt beim Onboarding fest, für welche Branchen sie nicht zur Verfügung steht, etwa Tabak, Politik oder Bademode. Unternehmen sehen vor einer Lizenz nur die Profilbilder, die die Person selbst freigegeben hat, nie den Datensatz. Jede einzelne Anfrage muss die Person aktiv annehmen, ohne Annahme entsteht kein Vertrag und kein Zugriff. Jede Lizenz ist begrenzt nach Zeit, Gebiet und Kanälen der Kampagne. Nach Laufzeitende wird der Datensatz beim Unternehmen gelöscht. Die Einwilligung kann die Person jederzeit widerrufen, dann gibt es keine neuen Lizenzen mehr. Und jeder Profilaufruf wird protokolliert. Das Prinzip dahinter: Die Person wird gefragt, verdient mit und kann Nein sagen.

Unternehmen erhalten für jede Kampagne klar definierte Nutzungsrechte nach Zeit, Gebiet und Kanälen. Warum reicht eine klassische Model-Freigabe für KI-Anwendungen aus Ihrer Sicht nicht mehr aus?

Weil eine Model-Freigabe für einen endlichen Output geschrieben wurde: ein Shooting, ein Satz Bilder, ein Film. Mit KI ist der Output grenzenlos. Aus einem Datensatz lässt sich ein Mensch in jede Pose, jede Situation und jede Aussage setzen. Deepfakes zeigen, wohin das im schlimmsten Fall führt. Eine Freigabe für Fotos und Videos aus dem Shooting schützt die Person davor nicht. Und dem Unternehmen gibt sie keinen Beleg, dass genau diese Nutzung erlaubt war. Unsicher sind also beide Seiten.

Einfach ein Gesicht zu generieren löst das nicht. Ein erfundenes Gesicht gehört niemandem, morgen erzeugt die Konkurrenz mit einem ähnlichen Prompt fast dasselbe und weil die Modelle mit Bildern aus dem Internet trainiert sind, ähneln generierte Gesichter immer wieder realen, oft bekannten Menschen, ohne dass die Produktion es merkt. Haften muss sie trotzdem.

Deshalb ist bei uns die Lizenz das Produkt, nicht das Bild: ein Vertrag je Nutzung mit Laufzeit, Gebiet und Kanälen, Ausschlüsse, die die Person selbst festlegt, Annahme jeder einzelnen Anfrage, Löschung nach Laufzeitende und ein Lizenznachweis, den das Unternehmen vorzeigen kann.

Mit „Bring your own model“ können Marken ihre bisherigen Models auch für KI-generierte Werbung einsetzen. Für welche Unternehmen ist dieser Ansatz besonders interessant?

Für Marken, die schon mit eigenen Models arbeiten und jetzt mit KI produzieren wollen, ohne ihre Gesichter zu verlieren. Das sind vor allem gründergeführte Marken aus Mode, Beauty und Schmuck mit eigenem Onlineshop, die jede Saison neue Motive brauchen und bei denen die Kundinnen und Kunden die Models kennen. Die Models registrieren sich bei uns, wir übernehmen die Verifizierung und den Drehtag für den Datensatz. Die Marke lizenziert die KI-Nutzung sauber, statt Verträge zu dehnen, die dafür nie gedacht waren. Die Models verdienen an jeder Kampagne mit. Interessant ist es auch für Agenturen, die für ihre Kunden haften und deshalb einen Vertrag brauchen, den sie vorzeigen können.

Die Lizenzpreise beginnen bei 900 Euro netto, davon gehen 65 Prozent an die jeweilige Person. Wie sind Sie zu diesem Preismodell und der Aufteilung gekommen?

Der Preis ist öffentlich und deterministisch: Laufzeit, Gebiet und Kanäle bestimmen ihn, es gibt keine Verhandlung. Das war eine bewusste Entscheidung, weil Verhandlungen über Gesichter Zeit kosten und Misstrauen erzeugen. Die 900 Euro als Einstieg orientieren sich daran, was eine Lizenz ersetzt: einen Produktionstag plus Nutzungsrechte, aus dem sich viele Motive erzeugen lassen. Die 65 Prozent für die Person sind das Gegenteil dessen, was Stockplattformen zahlen. Der Mensch ist der Wert, nicht die Plattform, also bekommt er den größeren Teil. Mit den 35 Prozent finanzieren wir Verifizierung, Vertragserzeugung, Zahlungsabwicklung und den Nachweis.

Bei einem Geschäftsmodell rund um Gesichter, KI und Nutzungsrechte ist Vertrauen entscheidend. Was sind aktuell die größten Hürden, um Menschen und Marken von FaceLedger zu überzeugen?

Bei den Menschen ist es die Sorge, die Kontrolle über das eigene Gesicht zu verlieren. Die Antwort darauf ist nicht ein Versprechen, sondern der Ablauf: Ausschlüsse, Annahme jeder einzelnen Anfrage, Grenzen im Vertrag, Löschung, Widerruf. Wer das einmal durchgespielt hat, versteht es. Bei den Marken ist die größte Hürde die Gewohnheit. Ein Gesicht zu generieren kostet nichts und dauert Sekunden. Das Rechtsrisiko ist abstrakt, bis es konkret wird. Wir müssen also erklären, warum ein echter Mensch mit Vertrag mehr wert ist als ein beliebiges Gesicht. Die dritte Hürde ist, dass wir jung und klein sind. Wir haben noch keine großen Namen als Referenz. Das ändert sich nur mit den ersten Kampagnen, deshalb ist das gerade meine Hauptaufgabe.

Seit August ist die Plattform bereits in acht Sprachen verfügbar. Warum haben Sie sich so früh für eine internationale Ausrichtung entschieden?

Weil man schon heute in den Medien sieht, wie unterschiedlich Länder auf künstliche Intelligenz reagieren. Die einen regulieren früh, die anderen lassen laufen, beides hat Vor- und Nachteile. Die Frage nach der Identität stellt sich aber überall gleich. FaceLedger hat sich zum Ziel gesetzt, die Plattform für Identität im KI-Zeitalter zu werden, weltweit. Zum Start liegt der Fokus auf Deutschland, Lizenzen gibt es zunächst nur für Menschen mit Aufenthalt hier, andere Länder stehen auf einer Warteliste. Mit den acht Sprachen erreichen wir aber schon jetzt Menschen in über 100 Ländern in ihrer Amtssprache und machen dort auf das Thema aufmerksam.

Ein Marktplatz funktioniert erst richtig, wenn auf beiden Seiten genügend Teilnehmer vorhanden sind. Wie wollen Sie gleichzeitig attraktive Gesichter und zahlende Marken gewinnen?

Wir fangen nicht mit beiden Seiten gleichzeitig an, sondern mit einer kleinen Zahl an Unternehmen, die ein konkretes Problem haben und in den nächsten Wochen kaufen könnten. Mit denen sprechen wir, bevor wir irgendetwas pitchen: Wie produziert ihr heute, was passiert, wenn ihr ein echtes Gesicht verwenden wollt, wer prüft die Rechte, was kostet euch das. „Bring your own model“ löst dabei das Henne-Ei-Problem, weil die Marke ihre eigenen Models mitbringt und beide Seiten in einem Schritt entstehen. Parallel registrieren sich Menschen von selbst, seit die Plattform live ist, ohne Werbung. Das erste Zahnrad, das sich wirklich dreht, ist wichtiger als die große Zahl.

FaceLedger wurde erst im April 2026 gegründet. Welche Vision verfolgen Sie langfristig und welche nächsten Entwicklungsschritte stehen jetzt im Vordergrund?

Unsere Mission ist, das Erscheinen menschlicher Identität in KI-generierter Werbung vertraglich zu regeln: Wer sein Gesicht gibt, wird gefragt, verdient mit und kann Nein sagen. Wer es nutzt, hat einen Vertrag, der hält. Die Vision dahinter ist, synthetische Werbung menschlicher zu machen. Dass Identität etwas Schützenswertes ist, zeigt KI mehr denn je. Für diesen Schutz will FaceLedger weltweit stehen. Die nächsten Schritte sind sehr konkret: die ersten großen Unternehmen, die über die Plattform lizenzieren und wiederkommen, die Freischaltung weiterer Länder nach dem Start in Deutschland. Alles andere kommt danach.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Geschäftsmodell an der Schnittstelle von KI, Persönlichkeitsrechten und Werbung aufbauen möchten?

Erstens: Baue erst das kleinste Zahnrad, das sich wirklich dreht, nicht den ganzen Markt. Ein Kunde, eine Person, ein funktionierendes System, ein Wiederkauf. Wenn das läuft, wird alles andere leichter.

Zweitens: Nimm die Rechte ernst, bevor es jemand von dir verlangt. Gerade in Deutschland. Einwilligung, Widerruf und Nachweis sind bei diesem Thema kein Anhang, sondern selbstverständlich. Wer das von Anfang an in den Ablauf baut, muss später nicht teuer nachrüsten.

Drittens: Sprich mit Menschen, nutz deine Community, egal wie klein sie dir noch vorkommt. Meine ersten Registrierungen kamen aus Gesprächen, nicht aus einer Kampagne.

Und hab vorallem dabei Spaß, sei stolz auf das, was du baust. Das trägt durch die Tage, an denen es auch mal nicht so läuft.

Fotocredits: © privat

Wir bedanken uns bei Marcel Mankus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Gründen mit 65: Wie Frankies Matcha Latte den Getränkemarkt erobert

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Frankies: Matcha Latte als neues Produkt im Handel

Frankies bringt Matcha Latte als trinkfertiges Produkt auf Haferbasis in den Handel und setzt dabei auf persönlichen Vertrieb, Verkostungen und kreative Vermarktung.

Können Sie Frankies kurz vorstellen und erzählen, warum Sie sich mit 65 Jahren entschieden haben, noch einmal ein Startup aufzubauen?

Die Krefelder Getränkemarke Frankies (Frankies UG) ist ein Start Up im Bereich der Functional Drinks und bietet einen trinkfertigen veganen Matcha Latte To Go auf Haferbasis in den Sorten Pure und Protein-Vanille an. Gründer und Geschäftsführer Frank Hopstein hat die Marke im Alter von 65 Jahren ohne Millionenbudget und ohne eigene Vertriebsorganisation gestartet und setzt auf regionale Präsenz, Verkostungen, ungewöhnliche Promotions, Kreativität und Social Media. Ich hatte einfach Lust, noch einmal etwas Neues zu machen. Matcha Latte finde ich spannend, weil es auch ein Produkt für eine eher jüngere Zielgruppe ist und ich mich daher viel mit jüngerem Konsumverhalten und jüngeren Denkweisen auseinandersetzen musste. Vielleicht ist 65 nicht gerade das klassische Startup-Alter. Aber gute Ideen haben kein Verfallsdatum.

Sie bringen viel Lebenserfahrung mit, richten sich mit Matcha Latte aber auch an eine jüngere Zielgruppe. Was mussten Sie über deren Konsumverhalten neu lernen?

Vor allem muss man eine jüngere Zielgruppe auf deren bevorzugten Kanälen ansprechen, Social Media spielt eine überragende Rolle. Das war für mich ein Lernprozess, mittlerweile drehe ich Reels, mache entsprechende Fotos und kreiere Content. Ansonsten unterscheiden sich jüngere Menschen gar nicht so sehr von älteren Zielgruppen, das Produkt muss schmecken, die Aufmachung muss gefallen, kann auch gerne schräg sein. Zudem achten die Jüngeren durchaus auf gute Inhaltsstoffe, Qualität und natürlich auch auf den Auftritt in den sozialen Medien.

Frankies bietet trinkfertigen veganen Matcha Latte auf Haferbasis an. Welches Problem möchten Sie mit diesem Convenience-Ansatz lösen?

Frankies ermöglicht den Menschen einen unkomplizierten To Go Genuß. Viele Verbraucher kennen Matcha inzwischen, haben ihn aber noch nie probiert oder empfinden die klassische Zubereitung als sehr aufwendig. Bei unseren diversen Verkostungsaktionen sind viele Kunden überrascht, wie gut unser Matcha Latte schmeckt. Frankies will den Zugang zum Produkt vereinfachen: schütteln, öffnen, trinken, genießen. Damit verbindet die Marke Matcha Latte mit Convenience und einem Functional-Drink-Ansatz. Außerdem ist Frankies Matcha Latte ein hervorragender Kaffee-Ersatz. Mit dem enthaltenen Koffein in einer besonderen Wirkstoffkombination macht Frankies wach und verleiht neue Energie, aber sehr schonend, ohne den berühmten Coffee Crash nach der 4. oder 5. Tasse.

Nach weniger als drei Monaten sind Sie bereits in mehr als 45 EDEKA- und Marktkauf-Märkten in NRW vertreten. Wie ist Ihnen dieser Einstieg in den Handel gelungen?

Zunächst habe ich bei der regionalen Edeka Gesellschaft Rhein-Ruhr in mehreren Gesprächen eine sog. Streckenlistung erreicht, das war die Grundlage für den Verkauf in den einzelnen Märkten. Ich bin dann als Gründer und Inhaber persönlich in mittlerweile über 120 Edeka und Marktkauf Märkte gefahren und habe den Marktleitern und Mitarbeitern unser Produkt vorgestellt. Ich hatten keinen Termin, sondern es war eine klassische Kaltakquise. Mehr als ein Drittel der Märkte haben dann entweder sofort oder in den Tagen nach den Gesprächen Ware gekauft. Der Verkauf läuft natürlich permanent weiter, unser Ziel ist es, Ende des Jahres bei 100 Märkten zu sein.

Der Getränkemarkt wird von finanzstarken Marken geprägt. Wie behauptet sich ein junges Unternehmen ohne Millionenbudget und große Vertriebsorganisation?

Frankies Matcha Latte arbeitet ohne Millionenbudget und ohne Vertriebsorganisation. Der Vertrieb besteht aus dem Gründer selbst. Statt die Strategien etablierter Getränkekonzerne zu kopieren, setzt Hopstein auf einen Challenger-Ansatz: regionale Präsenz, direkten Verbraucherkontakt, Verkostungen, kreative Social Media, Micro-Creator, ungewöhnliche Promotions, den aktiven Einbezug von Meinungsbildnern und eine aktive Unterstützung der Handelspartner beim Abverkauf. Wir können große Unternehmen nicht beim Budget schlagen, also müssen wir schneller, persönlicher, kreativer und näher am Kunden sein.

Verkostungen, Micro-Creator und ungewöhnliche Promotions gehören zu Ihrer Strategie. Welche Maßnahmen funktionieren für Frankies bisher besonders gut?

Derzeit funktionieren unsere Verkostungsaktionen und kreative Promotions sehr gut. Social-Media-Aktivitäten werden wir ab sofort verstärken.

Viele Verbraucher kennen Matcha, haben ihn aber noch nie probiert. Wie möchten Sie aus einem Trendprodukt ein Getränk für eine breitere Zielgruppe machen?

Indem wir großangelegte Verkostungen organisieren und mit dem Produkt auch z. B. in Universitäten auftreten. Social Media wird ab sofort breit ausgebaut, auch der verstärkte Einsatz von Influencern ist geplant. Wir sprechen Caterer, Großunternehmen und andere Multiplikatoren an, Mund zu Mund Propaganda ist einer der wichtigsten Kaufgründe vor allem bei jüngeren Verbrauchern. Wir erzeugen mit weiteren speziellen Maßnahmen, die ich hier noch nicht verraten möchte, nachhaltige Nachfrage und bringen so Handelsorganisationen dazu, über Listungen nachzudenken.

Mit Pure und Protein-Vanille starten Sie zunächst mit zwei Varianten. Welche Überlegungen standen hinter dieser Produktauswahl?

Mit Protein-Vanille sprechen wir vor allem eine sportliche Zielgruppe an und haben mit dieser Geschmackskombination eine Alleinstellung im Markt. Zudem ist Protein-Vanille sehr gut für Matcha Latte Einsteiger geeignet, weil der Vanille Geschmack sehr lecker ist. Pure ist für die Matcha Kenner, etwas herber mit feiner Süße, für Kunden, die Ihren Matcha Latte dann noch weiter verfeinern wollen, entweder auf Eis, oder mit Fruchtaromen. Also haben wir eine Sorte für sportliche Matcha Einsteiger und eine Sorte für die Matcha Erfahrenen.

Sie sagen, dass kleine Marken schneller, persönlicher und kreativer sein müssen. Wo sehen Sie darin einen echten Vorteil gegenüber großen Getränkekonzernen?

Indem wir näher am Verbraucher sind, mit den Kunden sprechen und uns mit Ihnen auseinandersetzen. Ungewöhnliche Promotion Ideen oder Social Media entstehen vor allem dann, wenn die Budgets nicht vorhanden sind, wenn man aber trotzdem auf den Erfolg der Aktionen angewiesen ist. Außerdem finden es viele Märkte toll, wenn wirklich der Gründer und Inhaber persönlich im Markt erscheint, um sein Produkt zu präsentieren. Das macht unsere Marke sympathisch und anfassbar, sie bekommt ein Gesicht. Wir sind damit authentisch und glaubwürdig. Das sind unsere Handelspartner in der Regel nicht mehr gewohnt und finden es daher umso besser. Und Glaubwürdigkeit und Sympathie ist im Handel nach wie vor ein hohes Gut.

Mit 65 noch einmal bei null anzufangen, bringt eine besondere Perspektive auf das Gründen mit sich. Welche Rückschläge oder Zweifel haben Sie bislang am stärksten gefordert?

In der ersten Phase der Produkt- und Rezepturentwicklung haben wir auf den falschen Partner gesetzt und vier-fünf Monate Zeit verloren. Das hat Nerven gekostet, mittlerweile konnten wir das aber mit dem geschilderten Einsatz wieder aufholen. Dann war schon auch eine Unsicherheit da, ob wir mit den beiden Geschmacksrichtungen bei der Einführung richtig liegen, zum Glück haben wir die richtigen Sorten ausgesucht. Was auch fordert, sind Handelspartner, die obwohl sie das Produkt gut finden, noch abwarten wollen und damit zunächst von einer Listung absehen. Hier gilt dann für uns ok, weitermachen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Frankies, und wie möchten Sie aus der regionalen Präsenz eine überregional relevante Getränkemarke entwickeln?

Frankies Matcha Latte hat das Zeug für eine überregional erfolgreiche Getränkemarke. Bereits heute ist Matcha Latte längst mehr als ein Trendgetränk, sondern auf dem Weg zu einer eigenständigen Getränke-Kategorie. Große Marktforschungsinstitute sagen dem Produkt in den nächsten Jahren stabile 2-stellige Wachstumsraten voraus. Frankies passt mit seine tollen Inhaltsstoffen (Antioxydantien, Ballaststoffe, 9 Vitamine, Chlorophyll, etc.) optimal zum großen Gesundheits-, Longevity-Trend. Immer mehr Menschen kaufen gerne Produkte, die dabei helfen, möglichst lange gesund zu bleiben. Diese positiven Frankies Eigenschaften gilt es, einer möglichst breiten Kundengruppe bekannt zu machen. Gelingt das, wird Frankies Matcha Latte auf breiter Ebene erfolgreich sein. Daran und an einer ständig wachsenden auch überregionalen Verfügbarkeit werden wir mit aller Kraft arbeiten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die unabhängig von ihrem Alter noch einmal unternehmerisch neu anfangen möchten?

  1. Wenn man eine gute Idee hat, von der man überzeugt ist, dann nicht lange warten, sondern machen.
  2. Nicht alles ist planbar, sondern Schwierigkeiten müssen gelöst werden, wenn sie auftreten.
  3. Immer an seine Idee glauben, nicht von der deutschen Bürokratie entmutigen lassen, sondern gut organisiert dem Behörden- und Vorschriftendschungel begegnen. Hat bei mir auch geklappt.

Fotocredits: © Frankies

Wir bedanken uns bei Frank Hopstein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Telfo: Wie zwei Mannheimer Gründer den Voice-AI-Markt erobern

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Telfo: Voice AI für KI-Telefonassistenten Deniss Danilciks und Santiago Morelli

Telfo will sich mit Voice AI und KI-Telefonassistenten im deutschen Markt etablieren. Die beiden Gründer Deniss Danilciks und Santiago Morelli zeigen, wie künstliche Intelligenz die Telefonie von Unternehmen automatisieren und gleichzeitig persönlicher gestalten kann.

Können Sie Telfo kurz vorstellen und erzählen, wie es zur Gründung im Voice-AI-Markt kam?

Telfo wurde von Santiago Morelli und mir, Deniss Danilciks, gegründet. Ich bin 20 Jahre alt und BWL-Student an der Universität Mannheim. Schon vor Telfo haben wir mit unserer eigenen Agentur zahlreiche Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe bei Webdesign, Automatisierung, Server-Infrastruktur und Telefonanlagen unterstützt.

Dabei haben wir immer wieder dasselbe Problem gesehen: Unternehmen investieren viel Geld in neue Anfragen, verlieren aber einen Teil davon am Telefon und damit letztlich auch Umsatz. Gerade in Stoßzeiten oder außerhalb der Öffnungszeiten fehlt häufig schlicht die Kapazität, jeden Anruf zuverlässig anzunehmen.

Mit Voice AI beschäftigen wir uns deshalb schon länger. Im Mai 2025 haben wir mit der Entwicklung begonnen und seitdem hunderte Gespräche mit Unternehmen rund um Telefonie, Automatisierung und KI geführt. Seit Februar 2026 haben wir zahlende Kunden, inzwischen im dreistelligen Bereich.

Telfo war für uns deshalb weniger die Entscheidung, auf einen aktuellen KI-Trend aufzuspringen, sondern vielmehr die logische Antwort auf ein Problem, das wir zuvor schon bei vielen Unternehmen gesehen hatten.

Wer steht hinter Telfo, und welche Erfahrungen bringt das Team in den Aufbau des Unternehmens ein?

Gegründet wurde Telfo von Santiago Morelli und mir. Insgesamt sind wir aktuell fünf Leute und kommen aus BWL, Wirtschaftsinformatik, Jura und Artificial Intelligence.

Im Team ergänzen wir uns bei Entwicklung, KI, Infrastruktur, Produkt und rechtlichen Themen. Ich selbst bringe vor allem unternehmerische Erfahrung und die vorherige Zusammenarbeit mit vielen unserer heutigen Zielbranchen ein.

Diese Mischung passt sehr gut zu Voice AI. Für einen zuverlässigen KI-Telefonassistenten reicht es nicht, nur ein Sprachmodell anzubinden. Man muss Unternehmensprozesse verstehen, Datenschutz sauber umsetzen, Integrationen bauen und gleichzeitig ein Produkt entwickeln, das auch ein Mitarbeiter ohne technisches Studium problemlos bedienen kann.

Der Voice-AI-Markt wächst schnell und erste Wettbewerber verfügen über Millionenfinanzierungen. Warum sehen Sie trotzdem Raum für Telfo?

Weil wir es bei unseren Kunden sehen.

Zu Telfo kommen nicht nur Unternehmen, die zum ersten Mal einen KI-Telefonassistenten einsetzen. Wir gewinnen auch Kunden, die zuvor bereits andere Voice-AI-Lösungen getestet oder genutzt haben und dabei festgestellt haben, dass zwischen einer funktionierenden Demo und einem wirklich guten Telefonassistenten ein großer Unterschied liegt.

Der Markt ist aus unserer Sicht noch lange nicht entschieden. Eine große Finanzierungsrunde macht noch keinen guten KI-Telefonassistenten. Gerade am Telefon fallen Qualitätsunterschiede schnell auf: lange Antwortzeiten, doppelt gestellte Fragen oder eine KI, die den bisherigen Gesprächsverlauf nicht berücksichtigt.

Unser Anspruch bei Telfo ist deshalb, dass die KI nicht nur menschlich klingt, sondern logisch handelt. Sie behält den Gesprächskontext, stellt bereits beantwortete Fragen nicht erneut und reagiert darauf, wenn ein Anrufer seine Aussage korrigiert oder verändert.

Dazu kommt die persönliche Umsetzung. Unsere Kunden können uns direkt erreichen und Abläufe sehr individuell mit uns aufsetzen. Dass dafür Nachfrage besteht, sehen wir sowohl an Neukunden als auch an Unternehmen, die von anderen Anbietern zu Telfo wechseln.

Wer die Gesprächsqualität selbst beurteilen möchte, kann den KI-Telefonassistenten direkt über die Telfo-Website ausprobieren.

Welche Vision verfolgen Sie mit Telfo, und welche Rolle möchten Sie langfristig im Markt für KI-Telefonie einnehmen?

Wir wollen Telfo zu einem der führenden Voice-AI-Anbieter in Deutschland aufbauen.

Dabei möchten wir unsere Expertise nicht verwässern, indem wir plötzlich jede beliebige KI-Software anbieten. Sprache und Telefonie bleiben unser Kern. Aktuell konzentrieren wir uns stark auf Inbound-Telefonie und setzen Outbound dort ein, wo es sinnvoll ist.

Wenn ein Kunde für einen guten Telefonprozess aber eine zusätzliche Integration oder ein ergänzendes Tool benötigt, bauen wir das natürlich.

Wir wollen spezialisiert sein, aber nicht starr.

Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe haben sehr unterschiedliche Anforderungen. Wie stark muss sich ein KI-Telefonassistent an einzelne Branchen anpassen?

Sehr stark.

Eine Kanzlei führt andere Gespräche als eine Arztpraxis oder ein Handwerksbetrieb. Deshalb reicht es nicht, beim gleichen Standardagenten lediglich den Begrüßungssatz auszutauschen.

Wir standardisieren bei Telfo die technische Basis, passen aber Gesprächslogik, Weiterleitungen, Datenfelder, Integrationen und nachgelagerte Prozesse an den jeweiligen Anwendungsfall an.

Wir integrieren unter anderem Microsoft 365 und Outlook, Kalender, CRM- und ERP-Systeme, RA-MICRO oder beispielsweise Afterbuy. Wenn ein relevantes System keine passende offene Schnittstelle besitzt, suchen wir auch individuelle Integrationswege.

Trotzdem muss die Umsetzung effizient bleiben. Unser Ziel ist nicht, für jeden Kunden ein komplett neues Softwareprojekt zu starten. Wir möchten die Vorteile eines skalierbaren SaaS-Produkts mit der notwendigen Individualisierung eines geschäftskritischen Telefonprozesses verbinden.

Was kann Telfo besser oder anders machen als große, branchenübergreifend arbeitende Voice-AI-Anbieter?

Vor allem die Gesprächslogik ist für uns entscheidend.

Wenn ein Anrufer bereits erklärt hat, worum es geht, darf die KI ihn später nicht noch einmal danach fragen. Wenn jemand eine Angabe korrigiert, muss der neue Kontext übernommen werden. Und eine Weiterleitung sollte nicht einfach blind ausgelöst werden, sondern nur dann, wenn sie in der konkreten Situation tatsächlich sinnvoll ist.

Technisch nutzen wir je nach Anwendungsfall sowohl moderne Realtime-Modelle als auch modularere Spracharchitekturen. Uns interessiert dabei nicht, welche Architektur auf einer Präsentation moderner wirkt. Entscheidend ist, was bei einem echten Telefonat besser funktioniert.

Hinzu kommt der persönliche Support. Unsere Kunden können direkt mit uns sprechen. Gerade bei geschäftskritischer Telefonie halten wir das für besonders wichtig.

Wie entscheiden Sie bei Telfo, welche Technologie Sie selbst entwickeln und wo bestehende KI-Lösungen die bessere Wahl sind?

Wir entwickeln insbesondere die Teile selbst, bei denen daraus ein echter Produktvorteil entsteht: Orchestrierung, Gesprächslogik, Integrationen, Routing, Dashboard und individuelle Schnittstellen.

Bei Basistechnologien greifen wir dagegen auf die jeweils besten verfügbaren Komponenten zurück. Es wäre wenig sinnvoll, nur für das Etikett „alles selbst entwickelt“ ein eigenes großes Sprachmodell aufzubauen.

Entscheidend ist für uns nicht, möglichst viel Code selbst geschrieben zu haben. Entscheidend ist, die Teile zu kontrollieren, die für Qualität, Zuverlässigkeit und Nutzererfahrung unseres Produkts wichtig sind.

Voice AI entwickelt sich rasant. Besteht die Gefahr, dass KI-Telefonie schon bald zur austauschbaren Standardtechnologie wird?

Die einfache künstliche Stimme wird definitiv austauschbarer. Einen beeindruckenden Demo-Agenten kann man heute relativ schnell bauen.

Bei einem System, dem ein Unternehmen tatsächlich seine Telefonie anvertraut, kommen aber ganz andere Themen dazu: Gesprächslogik, Datenschutz, Auftragsverarbeitungsverträge, Integrationen, Weiterleitungen, Speicherfristen, Verfügbarkeit und der Umgang mit unerwarteten Gesprächssituationen.

Bei Telfo können beispielsweise Speicherfristen individuell festgelegt werden. Wir hosten zentrale Systeme bei Hetzner in Nürnberg, nutzen Telefonieanbieter in der EU und können je nach eingesetzter Modellarchitektur auch mit Zero Data Retention arbeiten.

Die Basistechnologie hinter Voice AI wird standardisierter. Ein gutes Unternehmensprodukt wird dadurch aber noch lange nicht zur Commodity.

Welche Produktvorteile können langfristig bestehen, wenn sich die technologische Basis ständig weiterentwickelt?

Vor allem die Dinge, die näher am Kundenproblem liegen als am zugrunde liegenden KI-Modell.

Gesprächslogik, Integrationen, Branchenwissen, Datenschutz und zuverlässige Prozesse entstehen nicht automatisch dadurch, dass das nächste Sprachmodell besser wird.

Für uns ist besonders wichtig, dass der KI-Telefonassistent nicht nur spricht, sondern auch handelt. Telfo kann Termine koordinieren, Informationen in andere Systeme übergeben, Prozesse auslösen oder abhängig vom Gespräch die richtige Person einbinden.

Ein Kunde hat uns beispielsweise zurückgemeldet, dass die Mitarbeiter am Empfang durch die First-Level-Unterstützung der KI insgesamt rund 80 Prozent mehr Anfragen bearbeiten konnten. Der KI-Telefonassistent übernimmt dort vor allem einfache und wiederkehrende Vorgänge und ist gleichzeitig rund um die Uhr erreichbar.

Genau solche Effekte sind für uns wichtiger als ein weiterer Prozentpunkt in irgendeinem technischen Benchmark.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, als sehr junge Gründer gegen deutlich größere und finanzstärkere Wettbewerber anzutreten?

Mehr Kapital ist natürlich ein Vorteil. Große Unternehmen können schneller Teams aufbauen und deutlich mehr Geld für Vertrieb und Bekanntheit ausgeben.

Wir können dafür schneller reagieren.

Wenn ein Kunde ein echtes Problem nennt, muss es bei uns nicht erst durch mehrere Abteilungen und Meetings laufen. Santiago und ich sind als Gründer weiterhin sehr nah am Produkt, an der Technik und vor allem an unseren Kunden.

Das zwingt uns auch dazu, Probleme wirklich zu verstehen, statt einfach Funktionen von Wettbewerbern nachzubauen.

Gerade in einem jungen Markt wie Voice AI kann diese Geschwindigkeit ein großer Vorteil sein.

Wie soll sich Telfo in den kommenden Jahren entwickeln, und welche Branchen bieten aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?

Wir wollen Telfo zunächst in Deutschland sehr stark machen und uns langfristig als einer der führenden Anbieter für Voice AI und KI-Telefonassistenten etablieren.

Heute arbeiten wir bereits mit Kanzleien, Arztpraxen, Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und größeren B2B-Szenarien bis hin zu Callcenter-Anwendungen.

Besonders interessant sind Branchen, in denen Telefonie täglich ein echter Engpass ist.

Das kann eine kleine Praxis sein, bei der während einer Behandlung niemand ans Telefon gehen kann, genauso wie ein größeres Unternehmen mit hohem Anrufvolumen und komplexen Weiterleitungsprozessen.

Unsere Zahl zahlender Kunden hat sich in einzelnen Monaten bereits ungefähr verdoppelt. Solche Wachstumsraten zeigen uns ziemlich deutlich, dass der Bedarf an professioneller KI-Telefonie vorhanden ist – und an welchen Stellen bestehende Lösungen noch nicht überzeugen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen jungen Gründerinnen und Gründern geben, die bewusst in einen bereits stark umkämpften Technologiemarkt einsteigen möchten?

Erstens: Sehr viel mit Kunden reden. Wir haben hunderte Gespräche geführt. Dabei merkt man schnell, dass das Problem, das man sich am Schreibtisch vorstellt, nicht unbedingt das Problem ist, für dessen Lösung jemand tatsächlich bezahlt.

Zweitens: Nicht einfach Wettbewerber kopieren und auf den LinkedIn-Thought-Leadership-Zug aufspringen. Viel interessanter ist die Frage, was deren Kunden vermissen und welche Probleme bislang niemand wirklich gut löst.

Drittens: Einfach anfangen. Man kann sehr viel Zeit damit verbringen, Startup zu spielen. Am Ende muss jemand das Produkt kaufen und damit zufrieden sein.

Wir verbringen lieber eine Woche mit einem echten Kundenproblem als eine Woche damit, nach außen wie besonders aktive Gründer auszusehen.

Fotograf: Sam Newman

Wir bedanken uns bei Deniss Danilciks und Santiago Morelli für das Interview.

Aussagen des Autors und der Interviewpartner geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Telfo

Telfo: Voice AI für KI-Telefonassistenten Logo

Kontakt:

Telfo GmbH
Öhmdstraße 2
68169 Mannheim
Deutschland

telfo.ai
info@telfo.ai

Ansprechpartner: Deniss Danilciks

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OnkoPass: Wie digitale Hilfe die Krebstherapie zu Hause sicherer macht

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OnkoPass: Krebsversorgung für Patientinnen und Patienten Maximilian Roederstein OnkoPass

OnkoPass unterstützt Patientinnen und Patienten bei der ambulanten Therapie und möchte die Krebsversorgung durch eine digitale Verbindung zwischen Klinik und Zuhause verbessern

Können Sie OnkoPass kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

OnkoPass ist eine digitale Begleitung für Menschen, die sich ambulant gegen Krebs behandeln lassen, mit einem Fokus auf orale Tumortherapien (Krebsmedikamente in Form von Kapseln oder Tabletten) und Kombinationstherapien, zum Beispiel Tablette plus Infusion. Wir bringen dabei das Behandlungsteam in der Klinik und die Patientinnen und Patienten zu Hause auf einem gemeinsamen System zusammen: Therapiepläne, Laborwerte, Symptome, Termine und Nachrichten laufen an einem Ort zusammen.

Die Idee ist aus einer sehr konkreten Beobachtung entstanden: Immer mehr Krebstherapien finden zu Hause statt. Das gibt Patientinnen und Patienten mehr Freiheit, verändert aber auch die Verantwortung in großem Maße. Die Therapie muss im Alltag größtenteils eigenständig organisiert werden, während das Behandlungsteam zwischen den Terminen nur eingeschränkt mitbekommt, wie es ihnen tatsächlich geht. Genau diese Lücke wollten wir schließen: nicht mit noch mehr Terminen, sondern mit einer verlässlichen Verbindung zwischen Klinik und Zuhause. Aus dieser Überzeugung ist OnkoPass entstanden.

Wer steht hinter OnkoPass, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Plattform geprägt?

Hinter OnkoPass steht ein Team, das sehr unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt. Oliver verantwortet als Geschäftsführer den kommerziellen Aufbau, Manuel als CTO die technische Architektur und IT-Sicherheit, und ich als COO das Produkt und unsere internen Prozesse. Uns drei verbindet dabei dieselbe Überzeugung: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss den Menschen in der Versorgung spürbar helfen.

Dazu kommt klinische Expertise aus Medizin und Pharmazie mit Erfahrungen in Forschung, Klinik und klinischer Digitalisierung. Was uns dabei wichtig ist: Wir entwickeln OnkoPass selbst und sehr nah mit den Anwendern in der Klinik. Wir fragen also nicht nur, was technisch möglich ist, sondern vor allem, was im Alltag eines Behandlungsteams und von Patientinnen und Patienten tatsächlich funktioniert.

Welche Vision verfolgen Sie mit OnkoPass, und wie möchten Sie die ambulante Krebsversorgung langfristig verbessern?

Unsere Vision ist, dass die Versorgung von Menschen mit Krebs nicht an der Klinikpforte endet, sondern sich sicher und möglichst nahtlos im Alltag fortsetzt. Patientinnen und Patienten sollen auch zu Hause gut begleitet sein, und Behandlungsteams sollen einen verlässlichen Überblick haben, ohne dafür ständig zusätzliche Termine und Telefonate organisieren zu müssen. Aktuell haben Krebspatientinnen und -patienten im Schnitt fast fünfzig Kontakttage mit dem Gesundheitssystem pro Jahr: Termine, Anfahrten und Koordination. Man nennt das Zeit-Toxizität, denn das ist Zeit, die Menschen im Wartezimmer und auf der Autobahn verbringen, statt mit ihrer Familie.

Langfristig wollen wir, dass OnkoPass im deutschsprachigen Raum zur digitalen Grundausstattung onkologischer Zentren gehört. Behandlungsteams sollen Auffälligkeiten früh erkennen können, während Patientinnen und Patienten zu Hause die Sicherheit haben, dass ihre Therapie nicht aus dem Blick gerät. Gleichzeitig wollen wir Versorgung besser an den tatsächlichen Bedarf anpassen: Wer seine Therapie gut verträgt und seinen Alltag sicher selbst steuern kann, braucht nicht automatisch dieselbe Betreuungsintensität wie jemand, bei dem für eine optimale Therapie mehr Unterstützung nötig ist.

An welche Zielgruppen richtet sich OnkoPass hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für Behandlungsteams sowie Patientinnen und Patienten?

OnkoPass richtet sich an zwei Gruppen gleichzeitig: an onkologische Behandlungsteams, also Pflegekräfte, (Study) Nurses und Ärztinnen und Ärzte in Krebszentren, und an die Patientinnen und Patienten selbst.

Für die Behandlungsteams geht es vor allem darum, wieder Luft zu schaffen: übersichtlichere Abläufe, weniger Verwaltungsaufwand und damit mehr Zeit für das, was wirklich zählt. Für Patientinnen und Patienten geht es um Sicherheit im Alltag: Die Therapie findet zu Hause statt, aber Fragen, Symptome oder Unsicherheiten entstehen trotzdem. OnkoPass bringt diese beiden Seiten zusammen. Das Ziel ist nicht, den persönlichen Kontakt zu ersetzen, sondern ihn gezielter dort einzusetzen, wo er wirklich gebraucht wird.

Immer mehr Krebstherapien finden ambulant statt. Warum steigt dadurch der Bedarf an digitalen Begleitlösungen?

Orale Tumortherapien haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, weil sie unter anderem Patientinnen und Patienten mehr Flexibilität im Alltag ermöglichen. Gleichzeitig verschiebt sich damit ein Teil der Behandlung aus der Klinik nach Hause. Genau dadurch entsteht ein neuer Bedarf an Begleitung.

Nebenwirkungen müssen schnell und einfach gemeldet werden können, die regelmäßige und richtige Einnahme muss im Blick bleiben, und häufig ist zusätzliches Monitoring wie zum Beispiel Blutbildkontrollen notwendig. Diese finden teilweise dezentral statt, beispielsweise beim Hausarzt. In diesem Fall müssen Informationen trotzdem zeitnah beim Behandlungsteam ankommen. Je mehr Behandlung zu Hause stattfindet, desto wichtiger wird deshalb ein digitales Bindeglied, das genau das auffängt, was früher der kurze Blick der Pflegefachkraft im Wartezimmer geleistet hat.

Was macht OnkoPass aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen digitalen Gesundheitsanwendungen?

Was OnkoPass aus meiner Sicht besonders macht, ist vor allem der klare Fokus: Von Anfang an für die Onkologie gebaut, mit einem Schwerpunkt auf orale Tumortherapien. OnkoPass ist dabei keine Stand-alone-App. Der eigentliche Mehrwert entsteht dadurch, dass Patientinnen und Patienten und ihr Behandlungsteam auf demselben System arbeiten: Patientinnen und Patienten nutzen dafür die App, Behandlungsteams ein nutzerfreundliches Dashboard.

Das zeigt sich auch in den Details. Wir können komplexe Einnahmeschemata inklusive Einnahmepausen abbilden, Laborwerte integrieren und Abläufe an die tatsächliche Situation eines Patienten oder einer Patientin anpassen. Gleichzeitig lässt sich OnkoPass direkt an Krankenhausinformationssysteme anbinden. Am Universitätsklinikum Tübingen ist uns das bereits gelungen. Dadurch kann Doppeldokumentation vermieden werden, und das Behandlungsteam kann das Management in OnkoPass direkt für die Dokumentation im KIS nutzen.

Wie unterstützt OnkoPass Patientinnen und Patienten dabei, ihre Therapie sicher und zuverlässig in den Alltag zu integrieren?

Für Patientinnen und Patienten beginnt die Unterstützung schon beim Therapiestart. In der App ist verständlich dargestellt, welches Medikament wann eingenommen werden soll. Es gibt Erinnerungen, und die Einnahme kann direkt bestätigt werden. Treten Beschwerden auf, können diese ebenfalls direkt erfasst und mit dem Behandlungsteam geteilt werden, statt bis zum nächsten Termin warten zu müssen. Erfasste Labor- und Symptomverläufe lassen sich außerdem übersichtlich verfolgen. Damit wird Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, diese Verläufe bei Therapieentscheidungen zu berücksichtigen.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung: OnkoPass ersetzt nicht die medizinische Einschätzung des Behandlungsteams. Die App schafft Struktur und Transparenz im Alltag. Die medizinische Entscheidung bleibt bei den Fachleuten. Den persönlichen Austausch gibt es natürlich weiterhin, nur in konzentrierter Form, denn die Organisationsthemen fallen weg, und man hat mehr Zeit für das eigentliche Gespräch. Genau diese Kombination aus mehr Eigenständigkeit für Patientinnen und Patienten und besserem Überblick für das Behandlungsteam ist für uns entscheidend.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer digitalen Lösung für den sensiblen Bereich der Onkologie?

In der Onkologie können Fehler besonders schwer wiegen. Deshalb steht Patientensicherheit bei uns grundsätzlich vor Geschwindigkeit. Das betrifft zunächst den Umgang mit hochsensiblen Gesundheitsdaten. Wir sind ISO 27001 zertifiziert und arbeiten als Auftragsverarbeiter der Kliniken nach deutschem Recht.

Eine zweite Herausforderung ist die technische Integration. Krankenhausinformationssysteme sind historisch sehr unterschiedlich gewachsen, und eine saubere, automatisierte Anbindung braucht deshalb enge Abstimmung mit den IT-Teams vor Ort. Und schließlich ist auch die Kommunikation anspruchsvoll: Inhalte für Patientinnen und Patienten müssen verständlich sein, ohne unnötige Fachbegriffe und ohne eine falsche Sicherheit zu vermitteln. Gerade in der Onkologie muss immer klar sein, wann das Behandlungsteam gefragt ist.

Bei alldem setzen wir konsequent auf deutsche und europäische Standards: DSGVO-konform und mit offener Anbindung an bestehende Krankenhausinformationssysteme über den internationalen FHIR-Standard.

Wie wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und onkologischen Behandlungsteams für die Weiterentwicklung von OnkoPass?

Ohne die enge Zusammenarbeit mit onkologischen Behandlungsteams gäbe es OnkoPass in dieser Form nicht. Wir entwickeln gemeinsam mit mehreren deutschen Universitätskliniken, in klinischen Studien genauso wie im laufenden Praxiseinsatz.

Für uns ist diese Nähe zur Versorgung kein formaler Schritt im Entwicklungsprozess, sondern die wichtigste Lernquelle. Nur wenn man mit Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten über ihren Alltag spricht, merkt man, ob eine Funktion wirklich entlastet oder am Ende nur zusätzliche Arbeit erzeugt. Genau daraus entstehen bei uns viele Weiterentwicklungen. In einer eigenen Studie konnten wir den administrativen Aufwand für Behandlungsteams bereits um etwa 30 Prozent senken.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei OnkoPass aktuell im Fokus?

Aktuell arbeiten wir an drei Schwerpunkten. Erstens wollen wir das Therapiemanagement noch stärker individualisieren, mit Hilfestellungen und Funktionen, die sich genauer an der konkreten Situation von Patientinnen und Patienten orientieren. Den dafür notwendigen regulatorischen Rahmen entwickeln wir parallel.

Zweitens schauen wir uns explorativ an, wie KI vor allem administrative Abläufe sinnvoll unterstützen kann. Drittens wollen wir OnkoPass perspektivisch auf weitere Erkrankungsbilder, Tumorentitäten und Arzneimittelformen ausweiten.

Wo soll OnkoPass in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie bei der Digitalisierung der Krebsversorgung einnehmen?

In den nächsten Jahren wollen wir von Pilotpartnerschaften zu einer festen Größe in onkologischen Zentren im gesamten deutschsprachigen Raum werden. Dabei bauen wir die IT-Integration, die sich am Universitätsklinikum Tübingen bereits bewährt hat, in der Fläche aus, statt auf weitere Insellösungen zu setzen.

Wir wollen dabei nicht einfach eine weitere App anbieten. Unser Anspruch ist, Versorgung im Alltag wirklich besser zu machen und die strukturierten Daten, die dabei entstehen, auch für Forschung und Versorgungsqualität nutzbar zu machen. Perspektivisch wollen wir das Prinzip, das wir bei oralen Tumortherapien entwickelt haben, auf weitere Bereiche der ambulanten Krebsversorgung übertragen.

Am Ende wäre für uns ein gutes Ergebnis, wenn OnkoPass gar nicht mehr als besondere digitale Lösung wahrgenommen wird, sondern einfach dazu gehört, wenn Krebsversorgung ambulant stattfindet.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer digitalen Gesundheitslösung einen nachhaltigen Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten möchten?

Erstens: Sucht euch von Anfang an echte Partner in der Versorgung, nicht nur Testkundinnen und Testkunden. Ohne die enge, oft auch mühsame Zusammenarbeit mit Kliniken hätten wir viele Annahmen für richtig gehalten, die sich im Alltag als falsch erwiesen hätten.

Zweitens: Nehmt Regulatorik und Datenschutz nicht als lästige Pflicht, sondern als Teil des Produkts. Gerade im Gesundheitswesen entscheidet Vertrauen darüber, ob eine Lösung überhaupt eingesetzt wird.

Drittens: Bleibt geduldig mit dem Tempo des Gesundheitswesens, ohne dabei euren eigenen Anspruch zu verlieren. Digitale Versorgung im Krankenhaus verändert sich langsamer als in anderen Branchen. Wer aber dranbleibt, zuhört und bereit ist, sein Produkt immer wieder an der Realität zu messen, kann hier einen Unterschied machen, der Menschen konkret hilft.

Fotocredits: © OnkoPass

Wir bedanken uns bei Maximilian Roederstein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Das Longevity-Paradoxon: Gäste suchen im Hotel nicht die Ausnahme, sondern ihren Alltag

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Longevity: Hotel-Routinen im Fokus von LNGVTY LNGVTY Kai Oppel und Valerie Constanze Dietrich

Longevity im Hotel: Warum Gäste ihren gesunden Alltag mit auf Reisen nehmen

Immer mehr Gäste suchen im Hotel nicht die Ausnahme, sondern ihren Alltag. Zu diesem Fazit kommt das Münchner Start-up LNGVTY.

München, 7. September 2026. Kältekammer, Diagnostik, Medical Spa oder mehrtägiges Retreat: Spezialisierte Longevity-Hotels besetzen die Spitze eines wachsenden Marktes. LNGVTY sieht jedoch ein mindestens ebenso großes Potenzial an anderer Stelle: bei Hotels, die gesundheitsbewussten Gästen ermöglichen, ihre gewohnten Routinen auf Reisen möglichst unverändert fortzuführen. Für die Hospitality-Branche entsteht damit eine neue Form der Nachfrage – die Longevity-Normalität.

Im Urlaub endlich einmal etwas ganz anderes machen, abschalten und aus dem Alltag ausbrechen: Dieses Versprechen gehört seit Jahrzehnten zur DNA der Hotellerie. Beim Thema Longevity könnte allerdings ausgerechnet das Gegenteil zu einem wichtigen Buchungsargument werden.

Das beobachtet das Münchner Longevity-Start-up LNGVTY bei der Beschäftigung mit Hotels und den Bedürfnissen gesundheitsbewusster Reisender. „Das Spannende an Longevity ist ein gewisses Paradoxon: Ein Teil dieser Zielgruppe reist gerade nicht, um seine Gewohnheiten für einige Tage hinter sich zu lassen. Der Gast sucht ein Hotel, in dem er seine guten Gewohnheiten möglichst problemlos fortsetzen kann“, sagt Kai Oppel, Co-Founder von LNGVTY (www.lngvty.eu).

Gemeint sind Menschen, für die Bewegung, Schlafroutinen, bewusste Ernährung oder Recovery keine zeitlich begrenzte Kur darstellen, sondern Teil ihres normalen Alltags sind – in der Longevity-Community gern Protokoll genannt. Auf Reisen möchten sie deshalb möglichst wenig davon aufgeben.

„Wer zu Hause morgens um sechs trainiert, möglichst zuckerarm frühstückt, auf seinen Schlaf achtet und regelmäßig Recovery einplant, will das nicht automatisch für drei Tage unterbrechen, nur weil er im Hotel ist“, sagt Valerie Constanze Dietrich, Co-Founderin von LNGVTY. „Für diese Gäste bedeutet Longevity nicht Auszeit vom Alltag. Longevity ist ihr Alltag. Für die Hospitality-Branche ist es wichtig, diesen Unterschied zu verstehen.“

Spezialangebote bleiben wichtig – aber sie repräsentieren nicht den gesamten Markt

LNGVTY sieht spezialisierte Longevity-Resorts, Medical Spas und Destinationen mit umfangreicher Diagnostik oder Hightech-Anwendungen ausdrücklich als wichtigen Teil des Marktes. Sie sprechen Gäste an, die sich bewusst Zeit für Prävention, Regeneration oder eine intensivere Beschäftigung mit ihrer Gesundheit nehmen wollen.

Daneben wächst jedoch eine zweite Zielgruppe: Menschen, die geschäftlich oder privat reisen und kein Longevity-Retreat buchen möchten, deren Auswahl eines Hotels aber zunehmend davon abhängt, wie gut es zu ihrem Lebensstil passt.

„Die Kältekammer, der Medical Check oder das mehrtägige Programm sind die sichtbare Speerspitze des Marktes. Das größere Volumen kann aber dort entstehen, wo Longevity unspektakulär und selbstverständlich in den normalen Hotelaufenthalt integriert wird“, sagt Oppel.

Für die Hotellerie liege darin eine große Chance. Denn diese Form der Positionierung setzt nicht zwangsläufig hohe Investitionen voraus. Viel entscheidender sei das Verständnis dafür, welche Routinen Gäste beibehalten möchten.

Der neue Buchungsfaktor heißt: Routinen und Protokolle

Aus Sicht von LNGVTY verändert sich damit auch die Frage, anhand welcher Kriterien gesundheitsbewusste Reisende Hotels auswählen.

Neben Lage, Preis, Design oder Sterne-Kategorie treten zusätzliche Fragen wie: Kann ich morgens vor meinem ersten Termin trainieren? Bekomme ich beim Frühstück unkompliziert gesunde und proteinreiche Lebensmittel? Kann ich das Zimmer nachts wirklich vollständig verdunkeln? Gibt es eine Sauna oder andere Recovery-Angebote – und sind diese zu sinnvollen Zeiten geöffnet?

„Für einen klassischen Gast mögen solche Punkte einzelne Amenities sein. Für jemanden, der konsequent Routinen verfolgt, können sie darüber entscheiden, ob ein Hotel überhaupt in die engere Wahl kommt“, sagt Dietrich.

Genau darin unterscheide sich Longevity teilweise von klassischen Wellnessangeboten. Wellness werde häufig bewusst als Zusatz, Belohnung oder zeitlich begrenzte Auszeit konsumiert. Longevity hingegen sei für viele Praktizierende stärker in den Alltag eingebettet.

„Das ist ähnlich wie beim Sport“, erklärt Oppel. „Wer regelmäßig läuft, sucht im Hotel nicht unbedingt ein besonderes Lauf-Retreat. Er möchte wissen, ob er morgens seine Runde machen kann. Genau diese Logik überträgt sich zunehmend auf Schlaf, Ernährung, Fitness und Recovery.“

„Longevity entsteht nicht allein dadurch, dass etwas vorhanden ist. Entscheidend ist, ob der Gast es in seinen Alltag integrieren kann“, sagt Dietrich. LNGVTY hat deshalb acht Dimensionen definiert, die in den eigenen LNGVTY Score einfließen: Schlafqualität, Lärm und Ruhe, Ernährung und Room Service, Wellness und Recovery, Guest Experience und Stress, Licht und Blackout, Luftqualität und Klima sowie Fitness. Im Mittelpunkt steht damit nicht ein einzelnes spektakuläres Angebot, sondern die Frage, wie gut ein Hotel regenerative Routinen insgesamt unterstützt.

Bild LNGVTY Kai Oppel und Valerie Constanze Dietrich

Quelle Scrivo Communications

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