Mittwoch, Oktober 28, 2026
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Der erste Merch-Auftrag als Lernstück

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Auftrag für Teamkleidung: Logo und Textil richtig planen Christoph Schulze

Der erste Auftrag für Teamkleidung ist selten der größte. Aber er ist der, aus dem ein Team am meisten lernt. Ich habe dafür über 1500 Aufträge meines eigenen Betriebs ausgewertet. Viele davon von Startups und Scaleups. Was dabei herauskommt, ist unspektakulär. Genau deshalb hilft es beim Planen.

Klein anfangen ist normal

Der typische erste Auftrag liegt bei 50 Teilen. Fast die Hälfte der Firmen startet mit weniger. Die erste Rechnung liegt im Median bei rund 1.100 Euro. Die Hälfte aller Erstaufträge bewegt sich zwischen 460 und 2.500 Euro. Bei fast jeder zweiten ist ein T-Shirt dabei, bei jeder dritten ein Hoodie. Wer beim ersten Mal 300 Teile bestellt, hat meist ein Event vor der Tür und keinen Plan für danach.

Das ist keine Kritik. Ein kleiner erster Auftrag ist die günstigste Art, herauszufinden, ob das Team die Sachen überhaupt trägt. (Ein Hoodie, der im Homeoffice läuft, sagt mehr als jede Umfrage.) Wer mit 30 oder 50 Teilen anfängt, kann beim zweiten Mal gezielt nachlegen.

Was dabei auffällt: Die Firmen, die klein starten, sind nicht die, die es nicht ernst meinen. Sie sind meist die, die vorher gefragt haben, was das Team wirklich anziehen würde. Der Auftrag folgt der Antwort, nicht umgekehrt.

Woran der erste Auftrag hakt

Drei Dinge kommen immer wieder vor. Keines davon hat mit dem Textil zu tun.

Das Logo liegt nur als PNG vor. Meist ist es die Datei aus der Kopfzeile der Website, oft nur ein paar hundert Pixel breit. Für den Bildschirm reicht das, für Stick oder Druck nicht. Gebraucht wird eine Vektordatei, also SVG, EPS oder ein PDF mit Pfaden. Ein PDF ist dabei nicht automatisch Vektor, oft steckt nur das PNG darin. Der Test: auf 800 Prozent zoomen. Bleiben die Kanten glatt, passt es. (Wer das Logo von einer Agentur hat, bekommt sie dort mit einer Mail.) Ohne Vektordatei muss das Logo nachgezeichnet werden, und das kostet Zeit, bevor überhaupt etwas produziert wird.

Die Hausfarbe gibt es nicht. Zertifizierte Bio-Textilien kommen in vielen Farben, aber selten in genau dem Blau aus dem Corporate Design. Es gibt drei saubere Wege. Erstens: das Textil in einer nahen Farbe, das Logo trägt die Hausfarbe. Zweitens: ein neutrales Textil in Schwarz, Weiß oder Grau, und das Logo bringt die Farbe. Drittens, und das ist neu: ungefärbte Bio-Rohware, die erst nach der Bestellung in der Wunschfarbe gefärbt wird. Das gab es lange nur in Mengen, die kein junges Unternehmen bestellt, inzwischen geht es ab gut hundert Teilen. Der Haken: Die Färbung braucht rund vier Wochen, bevor überhaupt bedruckt wird, und zwei Färbepartien sind nie exakt gleich. (Wer diesen Weg wählt, lässt sich vorher ein Farbmuster freigeben.) Alle drei funktionieren. Was nicht funktioniert, ist die Entscheidung erst zu treffen, wenn das Angebot schon steht.

Niemand weiß, wer lagert. Fünfzig Hoodies kommen in drei Kartons. Wer nimmt sie an? Wo stehen sie? Wer gibt neuen Leuten eins? Wird das nicht vor der Bestellung geklärt, steht der Karton nach einem Jahr halb voll im Abstellraum. Ein Name reicht. Es muss nicht HR sein, aber es muss jemand sein.

Zeit ist der stille Fehler

Von der Freigabe des Designs bis zur Lieferung vergehen drei bis vier Wochen. Das ist normal und lässt sich nur in Ausnahmen verkürzen. In meinen Zahlen ist der November mit Abstand der stärkste Monat, rund die Hälfte mehr Lieferungen als im Durchschnitt. Das heißt: Wer Kleidung zu Weihnachten oder zum Jahresauftakt verteilen will, fragt im Oktober an. Wer im November anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben Produktionsplätze.

Dasselbe gilt für Sommerfeste und Firmenläufe. Mai und Juni sind der zweite Höhepunkt. Gibt es eine Deadline, lohnt es sich, sie in der ersten Mail zu nennen. Dann lässt sich rückwärts planen.

Der erste Auftrag ist selten der letzte

Knapp zwei Drittel der Firmen bestellen nach dem ersten Auftrag erneut, im Median nach rund drei Monaten. Das ist der eigentliche Grund, beim ersten Mal die Grundlagen sauber zu machen: die Vektordatei ablegen, die Farbentscheidung notieren, die Zuständigkeit festhalten. Der zweite Auftrag ist dann eine Mail mit einer Zahl drin.

Wer das beim ersten Mal versäumt, fängt beim zweiten Mal von vorn an. Dieselben Fragen, dieselben Rückfragen, dieselbe Wartezeit. Der Unterschied zwischen einem Team, bei dem Merch einfach läuft, und einem, bei dem es jedes Mal ein Projekt ist, liegt fast nie am Produkt. Er liegt an drei Entscheidungen, die vor der ersten Bestellung getroffen wurden.

Bildrechte: Christoph Schulze

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Selbstständigkeit als Perspektive für Arbeitssuchende

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Gründung: Selbstständigkeit mit tragfähigem Geschäftsmodell Maximilian Ossot Credits Firmenkompass gmbH

Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Nach Angaben des KfW-Gründungsmonitors wurden rund 690.000 Gründungen gezählt, etwa 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Blick auf die Zahlen zeigt allerdings auch: Der Anstieg findet vor allem im Nebenerwerb statt. Rund 70 Prozent der Gründungen wurden neben einer anderen Erwerbstätigkeit begonnen. Die klassische Vollerwerbsgründung blieb dagegen nahezu stabil. Damit stellt sich eine wichtige Frage: Kann Selbstständigkeit auch für Menschen ohne Beschäftigung eine realistische Alternative zur nächsten Jobsuche sein? Grundsätzlich ja. Allerdings ist Arbeitslosigkeit allein kein guter Grund für eine Gründung. Entscheidend ist, ob persönliche Voraussetzungen, Geschäftsmodell und Markt zusammenpassen.

Arbeitslosigkeit ist kein Geschäftsmodell

Wer seinen Arbeitsplatz verliert, verfügt weiterhin über sein berufliches Wissen, seine Erfahrung und häufig auch über ein belastbares Netzwerk. Gerade Fach- und Führungskräfte bringen Kompetenzen mit, die sich unter bestimmten Bedingungen in eine selbstständige Tätigkeit übertragen lassen. Das kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn eine berufliche Spezialisierung auch außerhalb eines einzelnen Arbeitgebers nachgefragt wird. Der erste Schritt sollte deshalb nicht die Suche nach irgendeiner Geschäftsidee sein. Wichtiger ist die Frage, welches konkrete Problem sich mit den eigenen Fähigkeiten lösen lässt und ob dafür tatsächlich zahlungsbereite Kunden existieren. Eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit darf nicht zur Flucht vor einer schwierigen Jobsuche werden. Wer lediglich möglichst schnell wieder ein Einkommen erzielen möchte, übersieht leicht die wirtschaftlichen Anforderungen eines Unternehmens. Selbstständigkeit bedeutet nicht automatisch mehr berufliche Sicherheit. Einnahmen müssen erst aufgebaut, Kunden gewonnen und laufende Kosten gedeckt werden.

Markt statt Bauchgefühl

Eine vermeintlich gute Geschäftsidee ist noch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Entscheidend ist die Marktvalidierung. Dabei geht es darum, möglichst früh zu prüfen, ob ein konkretes Angebot ein relevantes Kundenproblem löst und ob Kunden bereit sind, dafür Geld auszugeben. Gerade in der Gründungsphase kann eine einfache und klar definierte Zielgruppe sinnvoller sein als ein möglichst breites Angebot. Wer versucht, alles für jeden anzubieten, hat es häufig schwerer, den eigenen Nutzen verständlich zu vermitteln. Auch die Kundengewinnung sollte deshalb früh Teil der Gründungsplanung sein. Ein Businessplan mit plausiblen Umsatzannahmen reicht nicht aus, wenn unklar bleibt, wie diese Umsätze tatsächlich entstehen sollen. Entscheidend sind belastbare Annahmen zu Zielgruppe, Preis, Vertriebsweg, Nachfrage und Wettbewerb.

Digitale Kompetenzen als Wettbewerbsfaktor

Für viele Gründungen sind digitale Fähigkeiten inzwischen ebenso relevant wie fachliche Qualifikation. Eine professionelle Website, digitale Vertriebswege, automatisierte Prozesse oder der Einsatz von künstlicher Intelligenz können den Aufbau eines kleinen Unternehmens erleichtern. Gleichzeitig ersetzen digitale Werkzeuge natürlich weder Marktkenntnis noch Kundennähe. Gerade bei einer Gründung aus der Arbeitslosigkeit sollte deshalb geprüft werden, welche digitalen Kompetenzen bereits vorhanden sind und wo Nachholbedarf besteht. Wer sein Fachwissen mit modernen Werkzeugen verbinden kann, eröffnet sich zusätzliche Möglichkeiten, Leistungen effizient zu erbringen oder neue Kundengruppen zu erreichen.

Förderung kann den Start erleichtern

Für Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, existieren unter bestimmten Voraussetzungen Fördermöglichkeiten. Empfänger von Arbeitslosengeld I können einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Im Bürgergeldbezug lässt sich eine selbstständige Tätigkeit unter bestimmten Voraussetzungen durch Einstiegsgeld unterstützen. Solche Leistungen können die finanzielle Situation während der Gründungsphase stabilisieren. Sie ersetzen jedoch keine wirtschaftliche Planung. Auch eine geförderte Gründung muss langfristig Einnahmen erwirtschaften und ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen zugleich, dass Gründungen aus der Arbeitslosigkeit durchaus langfristig Bestand haben können. Rund 80 Prozent der mit Gründungszuschuss geförderten Personen waren 40 Monate nach der Gründung noch selbstständig.

Idee muss überprüfbarer Plan werden

Die aktuellen Gründungszahlen zeigen vor allem, dass Selbstständigkeit für viele Menschen zu einem Bestandteil ihrer beruflichen Strategie wird. Für Arbeitslose kann sie ebenfalls eine Perspektive sein. Sie sollte jedoch nicht als schnelle Notlösung verstanden werden. Ob der Schritt sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab: den eigenen Qualifikationen, der finanziellen Ausgangslage, einer klar definierten Zielgruppe und vor allem von der tatsächlichen Nachfrage. Wer diese Punkte systematisch prüft, kann aus einer ersten Idee einen belastbaren unternehmerischen Plan entwickeln. Für manche Menschen bleibt die nächste Festanstellung der passendere Weg. Für andere kann der Verlust des Arbeitsplatzes der Ausgangspunkt für ein eigenes Unternehmen sein. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell zu gründen, sondern herauszufinden, ob aus den eigenen Kompetenzen unter realen Marktbedingungen ein tragfähiges Geschäft entstehen kann.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

250.000 Euro für 2,5 Prozent: Dieser Abend bringt die Investoren ins Grübeln

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Investoren: Technologie und Geschäftsmodell sorgen für Spannung Jelena Meyer Vicente präsentiert mit „Zenny“ Ohrakupressur zur Selbstanwendung. Investorin Janna Ensthaler (l.) macht den Praxistest. RTL / Bernd-Michael Maurer

Investoren müssen am 5. Oktober 2026 bei VOX zwischen ungewöhnlichen Produkten, ambitionierten Bewertungen und Geschäftsideen aus Lifestyle, Technologie, Familienalltag und Wellness entscheiden.

Am Montagabend wird es für die Investorinnen und Investoren besonders vielseitig. Gleich mehrere Konzepte könnten für intensive Diskussionen sorgen. Während ein Gründerteam eine Bewertung von zehn Millionen Euro aufruft, treten zwei junge Marken in einem direkten Battle gegeneinander an. Dazu kommen Männerpflege, eine besondere Babytragetasche und ein Akupressur-Konzept zur Selbstanwendung.

Die neue Folge läuft am 5. Oktober 2026 um 20:15 Uhr bei VOX. Mit dabei sind je nach Pitch Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Johannes Kliesch und Andreas W. Herb.

Zwei Konzepte kämpfen um die Aufmerksamkeit der Investoren

Gleich zu Beginn wartet eine besondere Konkurrenzsituation. whiffy und POP CHARMS treten in einem Battle gegeneinander an. Beide Konzepte beschäftigen sich mit dem Smartphone, könnten aber unterschiedlicher kaum sein.

POP CHARMS aus Frankfurt am Main setzt auf stylische Accessoires für Handyhüllen. Gründerin Kerstin Raibold bietet 20 Prozent der Firmenanteile für 70.000 Euro an. whiffy aus Berlin verfolgt dagegen einen ungewöhnlichen Ansatz: Friedrich Schulz, Anna Gregor und Sven Hecker haben Duft-Pods für Smartphones entwickelt. Für 100.000 Euro bieten sie 15 Prozent ihrer Firmenanteile.

Auch unter den Investorinnen und Investoren gehen die Meinungen auseinander. Janna Ensthaler und Ralf Dümmel interessieren sich für POP CHARMS, während Judith Williams und Carsten Maschmeyer whiffy favorisieren. Damit bekommt Frank Thelen eine entscheidende Rolle bei der Frage, welches Team die nächste Runde erreicht.

Don Quiff verbindet Haarstyling mit Kopfhautpflege

Robert Tarquini, Klaus Laimer und Max Kögl reisen aus Salzburg an und wollen mit Don Quiff eine neue Position im Markt für Männerpflege besetzen. Im Mittelpunkt steht die Idee, Styling und Pflege miteinander zu verbinden.

Das zentrale Produkt ist ein Energy Wax mit Koffein und Biotin. Nach Angaben der Gründer soll das Produkt nicht nur für das Styling eingesetzt werden, sondern gleichzeitig Haar und Kopfhaut pflegen. Der Ansatz dahinter: Während Shampoo bereits nach kurzer Zeit wieder ausgespült wird, verbleibt ein Stylingprodukt über viele Stunden im Haar.

Friseur Robert Tarquini bringt mehr als 30 Jahre Berufserfahrung mit und entwickelte das Wax zunächst für den Einsatz im eigenen Salon. Wirtschaftlich kann das Team bereits erste Zahlen vorweisen. Insgesamt wurden nach Angaben der Gründer rund 200.000 Euro Umsatz erzielt. Rund 40.000 Euro davon sollen innerhalb von drei Monaten über den TikTok-Shop entstanden sein.

Für 120.000 Euro möchten die drei Gründer 20 Prozent ihrer Firmenanteile abgeben. Im Pitch dürfte allerdings nicht nur der Verkaufserfolg eine Rolle spielen. Auch die wissenschaftliche Grundlage der beworbenen Wirkung wird hinterfragt.

Eine Kinderärztin entwickelt eine Lösung aus ihrer eigenen Praxis

Eine ganz andere Geschichte bringen Katharina und Caspar Schroth aus Berlin mit. Katharina Schroth ist Kinderärztin und Mutter von vier Kindern. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie Peanut entwickelt, eine Babytragetasche, die Babys in einer sicheren Seitenlage beruhigen soll.

Die Idee entstand aus dem beruflichen Alltag der Ärztin. Für Hüftultraschalluntersuchungen hatte sie bereits vor Jahren eine eigene Seitenlagerungshilfe gebaut. Dabei beobachtete sie, dass Babys darin schnell zur Ruhe kamen. Eltern erkundigten sich daraufhin nach einer entsprechenden Lösung für zu Hause.

Aus dieser Beobachtung entwickelte das Ehepaar einen Prototyp. Die Tasche soll neben dem beruhigenden Effekt auch den Hinterkopf entlasten. Für den Markteintritt suchen Katharina und Caspar Schroth nun 100.000 Euro. Im Gegenzug bieten sie den Investoren 20 Prozent der Firmenanteile.

Eine Millionenbewertung sorgt bei den Investoren für Gesprächsstoff

Zahlenmäßig sticht an diesem Abend vor allem HEIONTEC hervor. Andreas Heine, Anton Ledwon, Dr. Frank Schneider und Waldemar Lewtschenko fordern 250.000 Euro und bieten dafür lediglich 2,5 Prozent ihrer Firmenanteile. Rechnerisch entspricht das einer Unternehmensbewertung von zehn Millionen Euro.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Technologie. HEIONTEC arbeitet daran, elektrische Energie aus vorhandener Umgebungswärme zu gewinnen. Das Verfahren basiert auf speziell entwickelten elektrochemischen Zellen. Zwischen zwei Elektroden befindet sich ein eigens entwickelter Elektrolyt, durch den mithilfe der Umgebungswärme elektrische Energie entstehen soll.

Als mögliche Einsatzgebiete sieht das Team unter anderem Sensoren und andere Kleinstverbraucher in Industrieanlagen oder Gebäuden. Gerade dort sind zahlreiche Messpunkte im Einsatz, deren Batterien regelmäßig ausgetauscht werden müssen oder die eine Verkabelung benötigen.

Damit treffen im Pitch zwei entscheidende Fragen aufeinander: Wie groß ist das wirtschaftliche Potenzial der Technologie – und rechtfertigt dieses bereits die aufgerufene Bewertung?

Zenny bringt Akupressur in den Alltag

Jelena Meyer Vicente aus Bottrop präsentiert mit Zenny ein Konzept, das Akupressur einfacher zu Hause anwendbar machen soll. Das Kit arbeitet ohne Nadeln und enthält Ohrkarten sowie sogenannte Zenny Patches.

Die selbstklebenden Patches bestehen aus medizinischem Silikon und einem kleinen, mit 24-karätigem Gold plattierten Metallgewicht. Sie werden mithilfe einer Pinzette auf ausgewählte Punkte am Ohr geklebt und können dort mehrere Tage verbleiben. Durch leichtes Massieren sollen die jeweiligen Punkte stimuliert werden.

Der persönliche Hintergrund der Gründerin spielt bei der Entstehung eine wichtige Rolle. Als ihre Mutter an Brustkrebs erkrankte und eine Chemotherapie erhielt, beschäftigten sich Mutter und Tochter mit verschiedenen komplementären Ansätzen. Dazu gehörte auch Akupressur, die nach Darstellung der Gründerin während dieser Zeit unter anderem bei Schwindel oder Übelkeit als begleitendes Ritual genutzt wurde.

Aus dieser Erfahrung entwickelte Meyer Vicente schließlich die Idee, Akupressur leichter für die Selbstanwendung zugänglich zu machen. Für Zenny sucht sie 100.000 Euro und bietet dafür zehn Prozent der Firmenanteile.

Von 70.000 bis 250.000 Euro: Die Investoren haben die Wahl

Die Folge am 5. Oktober deckt damit eine ungewöhnlich große Bandbreite ab. Auf der einen Seite stehen leicht verständliche Konsumprodukte, die schnell in den Handel oder über Social Commerce skaliert werden könnten. Auf der anderen Seite steht mit HEIONTEC eine Technologie, deren wirtschaftliche Perspektive deutlich komplexer bewertet werden muss.

Auch die geforderten Investments unterscheiden sich erheblich. POP CHARMS startet mit 70.000 Euro, während HEIONTEC 250.000 Euro verlangt und gleichzeitig nur einen sehr kleinen Unternehmensanteil anbietet.

Genau diese Mischung dürfte den Abend interessant machen. Denn für die Investoren geht es nicht allein darum, welche Idee auf den ersten Blick begeistert. Entscheidend sind Geschäftsmodell, Marktpotenzial, Bewertung, Skalierbarkeit und die Frage, bei welchem Team Kapital und Erfahrung tatsächlich den nächsten Wachstumsschritt ermöglichen können.

Welche Konzepte am Ende ein Investment erhalten und bei welchen die Vorstellungen von Gründern und Investoren zu weit auseinanderliegen, zeigt VOX am 5. Oktober 2026 um 20:15 Uhr.

Bild Jelena Meyer Vicente präsentiert mit „Zenny“ Ohrakupressur zur Selbstanwendung. Investorin Janna Ensthaler (l.) macht den Praxistest. RTL / Bernd-Michael Maurer

175 Millionen Dollar für Reverion: Series-B-Finanzierung für Megafactory

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Reverion Finanzierungsrunde: 175 Mio. Dollar für Megafactory Gruppen Bild stehend

Reverion sichert sich 175 Millionen Dollar für Brennstoffzellen-Megafactory

Das bayerische Energy-Tech-Unternehmen Reverion hat eine Series B über 175 Millionen Dollar abgeschlossen. Der Deeptech- und Klimafonds Kembara führt die Runde an. Mit dem Geld baut Reverion in Deutschland eine Megafactory, die die Fertigung seiner Brennstoffzellenkraftwerke um den Faktor zehn steigern soll.

Kembara führt die bisher größte Runde von Reverion an

  • Finanzierungssumme: 175 Millionen Dollar
  • Runde: Series B, die bisher größte Finanzierungsrunde des Unternehmens
  • Lead-Investor: Kembara, ein europäischer Wachstumsfonds für Deeptech und Klimatechnologien
  • Neue Investoren: Allianz, KfW Capital (über ein von UVC verwaltetes SPV), Aurum Impact, Carbon Equity
  • Bestandsinvestoren: Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, European Innovation Council (EIC), alfa8, Possible Ventures
  • Mitgründer: Stephan Herrmann (CEO), Felix Fischer (COO)
  • Sitz: Eresing, Bayern
  • Team: über 200 Mitarbeitende

Strom aus Gas ohne Verbrennung – und wieder zurück

Reverion setzt auf Festoxidbrennstoffzellen. Diese wandeln Gas auf elektrochemischem Weg in Strom um, also ohne Verbrennung. Dabei trennt die Anlage das CO2 aus dem Brennstoff in reiner Form ab. Läuft die Anlage mit Biogas, fällt ihre CO2-Bilanz laut Unternehmen negativ aus. Für den Betrieb mit Erdgas nennt Reverion eine solche Bilanz nicht.

Der zweite Kern der Technik ist die Umkehrbarkeit. Dieselbe Anlage arbeitet auch im Elektrolysebetrieb. Sie macht dann aus überschüssigem Strom speicherbare Gase. Betreiber können dadurch auf Preissignale im Strom- und im Gasmarkt reagieren: Ist Strom teuer, erzeugen sie ihn selbst. Ist er billig, speichern sie ihn als Gas.

Zudem verweist Reverion auf einen hohen Wirkungsgrad. Im laufenden Kundenbetrieb habe man 74,2 Prozent elektrischen Wirkungsgrad gemessen. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen damit den Effizienz-Weltrekord für thermische Kraftwerke.

„Sonne und Wind liefern uns saubere Energie, aber bisher nur, wenn das Wetter mitspielt. Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf“, sagt CEO Stephan Herrmann. Die Series B lege daher den Grundstein für die industrielle Großserie. Außerdem soll das Produkt in die Megawatt-Klasse wachsen. „Für Reverion eröffnen sich dadurch ganz neue Märkte“, so Herrmann.

Rechenzentren werden zur wichtigsten Kundengruppe

Ursprünglich kam die Nachfrage vor allem aus dem landwirtschaftlichen Biogassektor. Inzwischen fragt jedoch zunehmend die Tech-Branche an. Der Grund: Rechenzentren brauchen sehr viel Strom und stoßen an die Grenzen des öffentlichen Netzes. Netzanschlüsse verzögern sich deutlich. Gleichzeitig wächst vor Ort der Widerstand gegen neue Standorte.

Reverion will dieses Problem direkt am Ort des Verbrauchs lösen. Die Anlagen erzeugen Strom aus Biogas oder Erdgas und nutzen dafür die örtliche Gasinfrastruktur. Betreiber sichern sich so eine Versorgung rund um die Uhr, die weder vom Netzausbau noch von Preisschwankungen am Strommarkt abhängt.

„Schon heute erfahren wir eine extrem hohe internationale Nachfrage nach unseren Brennstoffzellenkraftwerken“, sagt COO Felix Fischer. Energieversorger und Industriekunden hätten erkannt, dass echte Energiesicherheit steuerbaren, sauberen Strom voraussetze.

Auch der Lead-Investor sieht den Wachstumsmarkt bei den Rechenzentren. „Hyperscaler brauchen enorme, verlässliche Leistung, können dabei aber keine Abstriche bei ihren Klimazielen machen“, sagt Robert Trezona, der bei Kembara den Bereich Klima leitet. Neben der Effizienz zähle dort daher auch der CO2-Fußabdruck. Mit der Runde finanziere Kembara nun die industrielle Großskalierung.

Megafactory mit bis zu 800 neuen Stellen

Den Großteil des Kapitals steckt Reverion in einen neuen Produktionsstandort in Deutschland. Die Megafactory soll 250 Megawatt Fertigungskapazität pro Jahr erreichen. Wo genau sie entsteht, nennt das Unternehmen bislang nicht. Am neuen Standort sollen bis zu 800 Arbeitsplätze entstehen. Bereits am Stammsitz in Eresing ist das Team zuletzt von 100 auf über 200 Mitarbeitende gewachsen.

Derzeit laufen sieben Anlagen bei Kunden im Regelbetrieb. Jede Einheit leistet inzwischen 500 Kilowatt. Parallel arbeitet Reverion daran, die Technik für Projekte im Multi-Megawatt-Bereich zu skalieren. Die Projektpipeline beziffert das Unternehmen auf ein Umsatzpotenzial von über zwei Milliarden Dollar. Außerdem befinden sich erste internationale Projekte in der Entwicklung.

Das Kapital soll dabei nicht nur Wachstum finanzieren. Laut Fischer ebnet es auch den Weg, das Unternehmen in Richtung langfristiger Profitabilität zu führen.

Bild Reverion

Vom Vereinsheim zum Netzwerk: Wie Physio CKI die Physiotherapie revolutioniert

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Physio CKI: Physiotherapie mit Qualität skalieren Chaled Qarizada, Physiotherapeut und Gründer von Physio CKI

Physio CKI zeigt, wie sich Physiotherapie von einem kleinen Behandlungsraum zu 18 Standorten entwickeln lässt, ohne die Qualität aus den Augen zu verlieren

Können Sie Physio CKI kurz vorstellen und erzählen, wie 2012 in einem nur fünf Quadratmeter großen Raum alles begonnen hat?

„Physio CKI habe ich 2012 im Vereinsheim des TSV Germania Windeck gegründet. Zuvor war ich als angestellter Physiotherapeut tätig, doch leider konnte ich mich dort nicht weiterentwickeln. Deshalb wollte ich etwas Eigenes aufbauen. Ich sprach mit dem Vorstand des Vereins, denn in dem Vereinsheim hatte ich bereits einen kleinen Raum, in dem ich die Fußballer behandelte. Wir einigten uns darauf, dass ich den Raum ab sofort auch für meine eigenen Patienten nutzen durfte. Meine erste Praxis war zwar klein, aber dadurch blieb die Atmosphäre persönlich und vertraut. Mit wenig Platz konnte ich eine solide Basis schaffen, aus der alles Weitere gewachsen ist. Ich wusste schnell, dass ich mehr Menschen erreichen möchte und mein Geschäftsmodell erweitern will.“

Sie sind selbst Physiotherapeut. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie nicht nur behandeln, sondern ein eigenes Unternehmen aufbauen möchten?

„Schon während meiner Kindheit, in der ich oft ausgegrenzt wurde, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zwischenmenschliche Verbindungen zu schaffen. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und mich motiviert, ein Unternehmen zu schaffen, in dem ich nicht nur Menschen helfe, sondern auch ein Umfeld aufbaue, in dem mein Team und ich gemeinsam wachsen können.“

Der Schritt vom Physiotherapeuten zum Unternehmer verlangt völlig neue Fähigkeiten. Was mussten Sie auf diesem Weg am schnellsten lernen?

„Der wichtigste Lernprozess war, unternehmerisch zu denken. Als Physiotherapeut war ich es gewohnt, direkt mit Patienten zu arbeiten. Doch der Schritt in die Selbstständigkeit und später in die Expansion erforderte ganz neue Kompetenzen: Organisation, Personalführung, strategisches Wachstum. Ich musste lernen, Prozesse effizient zu gestalten, das Team zu motivieren und eine klare Vision zu kommunizieren. Besonders die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die über die Behandlung hinausgehen, war essenziell – ich habe viel auf mein Bauchgefühl vertraut und schnell gemerkt, dass ich mich darauf verlassen kann.“

Aus einem einzelnen Behandlungsraum ist ein Netzwerk mit 18 Standorten entstanden. Welche Entscheidung war für dieses Wachstum besonders wichtig?

„Ganz klar: ein Netzwerk mit mehreren Standorten aufzubauen. Dabei war es entscheidend, Qualität und Werte der Marke konsequent zu wahren. Ich habe früh auf eine starke Unternehmenskultur gesetzt, die nicht nur die Behandlung, sondern auch den Zusammenhalt und die Ideale des Unternehmens in den Fokus stellt. Das schnelle Wachstum wurde durch klare Strategien, kontinuierliche Weiterentwicklung und eine enge Zusammenarbeit mit meinem Team möglich.“

Physiotherapie ist stark von der persönlichen Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten geprägt. Wie lässt sich diese Qualität über viele Standorte hinweg erhalten?

„Eine persönliche Note bei der Behandlung ist sehr wichtig und diese möchte ich trotz vieler Standorte bewahren. Schließlich war mein Ziel nie, primär Quantität, sondern vor allem weiterhin Qualität zu bieten. Dafür brauche ich natürlich Mitarbeitende, die nicht nur fachlich kompetent sind, sondern auch die gleichen Wertevorstellungen haben. Daher setze ich auf eine Unternehmenskultur, in der Loyalität, Transparenz und Weiterentwicklung zentral sind. Regelmäßige Schulungen, ein offener Austausch und die Förderung einer starken Teamatmosphäre sorgen für flächendeckenden exzellenten Service.“

Mit jedem neuen Standort wachsen auch Personalbedarf, Organisation und Verantwortung. Was war beim Skalieren von Physio CKI bislang die größte Herausforderung?

„Das größte Hindernis war, das richtige Personal zu finden, das unsere hohen Standards teilt. Es ist nicht nur wichtig, neue Standorte zu eröffnen, sondern auch, sicherzustellen, dass überall die gleiche Qualität herrscht. Das erfordert eine klare Organisation, kontinuierliche Schulungen und eine Unternehmenskultur, die Mitarbeitende motiviert und bindet.“

Fachkräfte sind im Gesundheitsbereich besonders gefragt. Wie schaffen Sie ein Umfeld, in dem gute Physiotherapeuten langfristig bleiben möchten?

„Gute Fachkräfte wollen sich entwickeln, wertgeschätzt werden und Teil eines Teams sein, das ihre Arbeit ernst nimmt. Deshalb setzen wir auf offene Kommunikation, zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Atmosphäre, in der Kollegialität großgeschrieben wird. Ich möchte, dass unsere Mitarbeitenden nicht nur einen Job, sondern eine Perspektive sehen.“

Viele Physiotherapeuten entscheiden sich für eine eigene kleine Praxis. Warum haben Sie stattdessen früh größer gedacht?

„Ich wollte nicht nur eine einzelne Praxis, sondern ein Netzwerk aufbauen, das den Anspruch hat, die Patientenjourney von Anfang bis zum Ende zu verbessern. Ich sehe das Potenzial, Standards zu setzen und eine Brand zu schaffen, die für Qualität und Innovation steht. Für mich war klar: Wenn man groß denkt, kann man mehr Menschen erreichen und nachhaltiger etwas bewirken.“

Wenn Sie heute auf Ihren Start 2012 zurückblicken: Welche unternehmerische Entscheidung würden Sie mit Ihrem heutigen Wissen anders treffen?

Mit meinem heutigen Wissen würde ich noch früher auf Digitalisierung setzen und meine Prozesse konsequenter standardisieren. Damit hätte ich die Abläufe effizienter gestalten und die Qualität in allen Standorten noch besser sichern können. Außerdem hätte ich den Markenaufbau noch intensiver vorantreiben sollen, um eine stärkere Identifikation mit Physio CKI und eine noch höhere Wiedererkennung zu schaffen. Ein weiterer Punkt, den ich heute anders angehen würde, ist die frühzeitige Investition in Weiter- und Fortbildungen. Damit hätte ich mein Team noch breiter aufstellen und auf den hohen Anspruch, den wir haben, optimal vorbereiten können.

Welche Vision verfolgen Sie mit Physio CKI, und wie soll sich das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Meine Vision ist es, eine innovative und nachhaltige Health Care Brand für Physiotherapie zu schaffen, die sowohl qualitativ hochwertige Versorgung bietet als auch digital auf dem neuesten Stand ist. In den kommenden Jahren möchte ich das Unternehmen weiter vergrößern und die Marke als Vorreiter in der Branche etablieren.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus ihrem Fachberuf heraus ein Unternehmen aufbauen möchten?

  1. Mach es, aber behalte immer deine Vision im Blick, das Ganze auch gesund und professionell zu führen. Es ist wichtig, nicht in einem Hinterzimmer zu agieren, sondern von Anfang an eine fachgerechte Infrastruktur aufzubauen. Jeder fängt klein an, aber die langfristige Zielsetzung sollte eine nachhaltige Größe sein, die auch die Qualität der Versorgung sichert.
  2. Sichtbar werden. Es ist entscheidend, dass potenzielle Kunden und Mitarbeitenden dich kennenlernen und Vertrauen aufbauen können.
  3. Und mein letzter Punkt: Versuch nicht, das Rad neu zu erfinden. Nutze bestehende Lösungen und verbessere sie kontinuierlich, um effizienter und erfolgreicher zu sein. Das spart Zeit und Ressourcen und führt schneller zum gewünschten Ergebnis.

Bildcredits Physio CKI

Wir bedanken uns bei Chaled Qarizada für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sichere Industrie-KI: Wie Startup IGNAITE Daten im Unternehmen hält

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IGNAITE: KI für Unternehmen ohne Cloud-Abhängigkeit Teamfoto

IGNAITE entwickelt KI für Unternehmen, die ihre Daten unter eigener Kontrolle behalten und künstliche Intelligenz direkt in bestehende Prozesse integrieren möchten.

Können Sie IGNAITE kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, KI speziell für bestehende Unternehmens- und Industrieprozesse nutzbar zu machen?

IGNAITE ist ein KI-Unternehmen aus Hoppstädten-Weiersbach in Rheinland-Pfalz. Wir entwickeln KI-Lösungen, die direkt in den Unternehmen laufen, statt in der Cloud: LOKI, einen On-Premise-KI-Wissensassistenten, der auf das interne Wissen eines Unternehmens zugreift, MINERVA, eine modulare Edge-KI-Sensorplattform für die Fertigung, und HEIMDALL, eine Art Firewall für KI, die sensible Daten aus Anfragen an Cloud-KI-Dienste herausfiltert. Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass gerade mittelständische Industrieunternehmen enormes Wissen in Dokumenten, Maschinen und Köpfen haben, es aber kaum nutzen können. Gleichzeitig wollten viele dieser Unternehmen ihre Daten nicht an externe Cloud-Anbieter geben. Genau diese Lücke wollten wir schließen: KI, die dort ankommt, wo die Wertschöpfung passiert, und die Kontrolle über die Daten beim Unternehmen lässt.

Wer steht hinter IGNAITE, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?

IGNAITE wurde im Juli 2022 von drei Gründern gemeinsam mit zwei Professoren gegründet. Diese Verbindung aus unternehmerischer Praxis und wissenschaftlicher Tiefe prägt uns bis heute. Ich selbst komme aus dem industriellen Mittelstand. Von 2016 bis 2022 war ich bei BITO Lagertechnik tätig, zuletzt als CEO des BITO-Campus. Dadurch kenne ich die Perspektive unserer Kunden sehr genau: wie Entscheidungen im Mittelstand getroffen werden, welche Rolle Verlässlichkeit und Vertrauen spielen und wie wichtig es ist, dass neue Technologie im Alltag funktioniert. Mit dieser Erfahrung bin ich 2022 in die Gründung von IGNAITE gegangen und verbinde sie heute mit einem starken Team aus KI-Entwicklung, Softwarearchitektur und Hardware-Know-how. Wir sind bisher ohne institutionelle Investoren gewachsen, finanziert durch Bootstrapping, ein Wandeldarlehen und Förderprojekte. Das hat uns gezwungen, sehr früh nah an echten Kundenproblemen zu arbeiten.

Viele Industrieunternehmen beschäftigen sich mit KI, setzen sie aber noch nicht umfassend ein. Welche Hürden erleben Sie in der Praxis besonders häufig?

Die größte Hürde ist selten die Technik, sondern Unsicherheit. Viele Unternehmen wissen nicht, wo sie anfangen sollen und welcher Anwendungsfall wirklich etwas bringt. Dazu kommen berechtigte Bedenken beim Datenschutz: Konstruktionsdaten, Kundeninformationen oder interne Prozesse sollen das Haus nicht verlassen. Häufig fehlt außerdem internes KI-Know-how, und die IT-Abteilungen sind ohnehin schon ausgelastet. Und schließlich erleben wir eine gewisse Pilotmüdigkeit: Viele haben schon einen Test gemacht, der nie in den produktiven Betrieb überführt wurde. Deshalb setzen wir auf Lösungen, die schnell einsatzbereit sind und einen klaren, messbaren Nutzen im Alltag zeigen.

IGNAITE möchte moderne KI in bestehende Systeme und Prozesse integrieren. Warum ist dieser Ansatz für Unternehmen sinnvoller, als vorhandene Strukturen komplett zu ersetzen?

Weil die bestehenden Systeme das Rückgrat eines Unternehmens sind. ERP, Dokumentenmanagement, Maschinensteuerungen, all das wurde über Jahre aufgebaut und funktioniert. Diese Strukturen komplett zu ersetzen, wäre teuer, riskant und würde den Betrieb stören. KI entfaltet ihren Wert dann, wenn sie auf das vorhandene Wissen zugreift und die Menschen in ihrer gewohnten Arbeit unterstützt. LOKI zum Beispiel verbinden wir vorab mit den Systemen des Kunden und liefern ihn fertig konfiguriert aus, sodass er innerhalb von zwei bis vier Wochen startklar ist. Das senkt die Einstiegshürde enorm und sorgt für Akzeptanz bei den Mitarbeitenden.

Sensible Unternehmensdaten und Datenschutz sind zentrale Herausforderungen beim KI-Einsatz. Wie begegnen Sie diesen Anforderungen bei Ihren Lösungen?

Datensouveränität ist bei uns kein Zusatz, sondern der Ausgangspunkt. LOKI läuft vollständig On-Premise auf einer Hardware beim Kunden. Die Daten verlassen das Unternehmen nicht, es gibt keine Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Anbietern. Mit MINERVA verarbeiten wir Sensordaten direkt an der Maschine, also am Edge. Und für Unternehmen, die trotzdem Cloud-KI nutzen möchten, haben wir HEIMDALL entwickelt, das sensible Informationen herausfiltert, bevor eine Anfrage das Haus verlässt. Außerdem lassen sich Zugriffsrechte so abbilden, dass jeder Mitarbeitende nur das sieht, was er auch sehen darf. So wird KI mit DSGVO und internen Compliance-Anforderungen vereinbar.

Welche Prozesse in Industrieunternehmen eignen sich aus Ihrer Sicht besonders gut für den Einsatz von KI und wo ist der Nutzen bislang eher begrenzt?

Sehr gut eignen sich wissensintensive Prozesse: das schnelle Finden von Informationen in technischen Dokumentationen, Normen und Handbüchern, Unterstützung im Service und Support, die Einarbeitung neuer Mitarbeitender oder die Aufbereitung von Angeboten. Auch in der Fertigung sehen wir großes Potenzial, etwa bei Qualitätsprüfung und Zustandsüberwachung von Maschinen. Begrenzt ist der Nutzen dort, wo Daten fehlen oder sehr unstrukturiert sind, wo Entscheidungen hochgradig individuell sind oder wo ein Prozess so selten vorkommt, dass sich die Automatisierung nicht rechnet. KI ist kein Selbstzweck. Wenn ein bestehender Prozess gut funktioniert, muss man ihn nicht zwingend mit KI ausstatten.

Der Markt für KI-Lösungen wächst rasant. Was soll IGNAITE gegenüber anderen Anbietern langfristig besonders machen?

Die meisten KI-Angebote am Markt setzen auf die Cloud. Wir gehen bewusst den anderen Weg: Unsere KI läuft lokal, direkt im Unternehmen unserer Kunden. Das bedeutet echte Datensouveränität. Konstruktionsdaten, Kundeninformationen und internes Know-how bleiben dort, wo sie hingehören, und es entsteht keine Abhängigkeit von großen außereuropäischen Plattformen. Möglich wird das durch die Kombination aus Software und Hardware, die uns von vielen Anbietern unterscheidet. Wir liefern nicht nur eine Anwendung, sondern ein vollständiges System: LOKI kommt beispielsweise vorkonfiguriert auf leistungsfähiger Hardware ins Haus, bereits verbunden mit den vorhandenen Systemen. Mit MINERVA bringen wir KI sogar direkt an die Maschine in der Fertigung. Für unsere Kunden heißt das: eine Lösung aus einer Hand, volle Kontrolle über die eigenen Daten und ein Ansprechpartner, der das Gesamtsystem versteht. Dazu kommt unser Verständnis für den Mittelstand, in dem Verlässlichkeit und langfristige Partnerschaft mehr zählen als der nächste Hype.

Neue KI-Technologien entwickeln sich in sehr kurzen Zyklen. Wie bauen Sie Lösungen, die für Unternehmen trotzdem langfristig einsetzbar bleiben?

Wir bauen modular. Die Anbindung an die Unternehmenssysteme, die Rechteverwaltung und die Benutzeroberfläche sind vom eigentlichen KI-Modell entkoppelt. Wenn ein besseres Modell verfügbar ist, können wir es austauschen, ohne dass der Kunde seine Prozesse oder Integrationen neu aufbauen muss. Bei MINERVA gilt dasselbe für die Hardware: Sensormodule lassen sich ergänzen oder ersetzen. Außerdem setzen wir auf offene Modelle und vermeiden Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern. So bleibt die Investition des Kunden geschützt, auch wenn sich die Technologie weiterentwickelt.

Gerade bei industriellen Prozessen können Fehler weitreichende Folgen haben. Wie verbinden Sie Automatisierung mit Kontrolle und Sicherheit?

Bei uns bleibt der Mensch in der Verantwortung. Unsere Systeme unterstützen Entscheidungen, sie treffen sie nicht eigenmächtig in kritischen Bereichen. LOKI zeigt zum Beispiel immer an, aus welchen Quellen eine Antwort stammt, damit sie nachvollziehbar und überprüfbar ist. Wir führen KI schrittweise ein: zuerst als Assistenz, und erst wenn sich die Qualität in der Praxis bewährt hat, mit mehr Automatisierung. Klare Zugriffsrechte, Transparenz über die Datengrundlage und definierte Freigabeprozesse sind für uns Grundvoraussetzung. Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch Nachvollziehbarkeit.

Technische Machbarkeit bedeutet nicht automatisch wirtschaftlichen Mehrwert. Wie entscheiden Sie gemeinsam mit einem Unternehmen, ob sich der Einsatz von KI tatsächlich lohnt?

Wir starten nicht mit der Technologie, sondern mit dem Problem. In einem KI-Potenzialworkshop schauen wir gemeinsam mit dem Unternehmen auf konkrete Prozesse: Wo geht heute Zeit verloren, wo entstehen Fehler, wo hängt Wissen an einzelnen Personen? Daraus leiten wir priorisierte Anwendungsfälle ab und bewerten sie nach Aufwand und Nutzen. Oft zeigen wir den Mehrwert direkt in einer Demo mit den echten Dokumenten des Kunden. Dann wird schnell greifbar, ob sich der Einsatz lohnt. Und manchmal ist die ehrliche Antwort auch, dass KI an einer Stelle gerade nicht die beste Lösung ist. Diese Ehrlichkeit zahlt sich langfristig aus.

Welche Vision verfolgen Sie mit IGNAITE, und welche Rolle möchten Sie künftig bei der KI-Transformation der Industrie spielen?

Wir möchten, dass jedes mittelständische Industrieunternehmen in Deutschland KI nutzen kann, ohne die Kontrolle über seine Daten abzugeben. Unsere Vision ist eine souveräne, europäische KI-Infrastruktur, die direkt in den Unternehmen läuft. IGNAITE soll dabei der verlässliche Partner sein, der Mittelständler vom ersten Workshop bis zum produktiven Betrieb begleitet, mit Lösungen, die funktionieren, verständlich sind und mitwachsen. Wir sehen uns als Brücke zwischen moderner KI-Forschung und dem industriellen Alltag.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die KI-Lösungen für etablierte Unternehmen und bestehende IT-Strukturen entwickeln möchten?

Erstens: Hören Sie genau zu. Etablierte Unternehmen brauchen keine Technologie-Show, sondern die Lösung für ein konkretes Problem. Je früher Sie mit echten Kunden sprechen, desto besser wird Ihr Produkt.

Zweitens: Respektieren Sie das Bestehende. Die vorhandenen Systeme und Abläufe haben ihren Grund. Wer sich sauber integriert, statt alles umkrempeln zu wollen, gewinnt Vertrauen und kommt deutlich schneller in den produktiven Einsatz.

Drittens: Nehmen Sie Datenschutz und Sicherheit von Anfang an ernst. Im Mittelstand sind das keine Nebenthemen, sondern oft die entscheidende Frage. Wer hier von Beginn an überzeugende Antworten hat, hebt sich deutlich vom Wettbewerb ab.

Bild Teamfoto Bildcredits IGNAITE

Wir bedanken uns bei Richard Haxel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Schluss mit Kompromissen: Wie MYRON Menswear für kleinere Männer neu denkt

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MYRON: Passform für Männer neu gedacht Bildunterschrift: Kevin Scholl, Gründer von MYRON. Foto: Kevin Scholl / privat. Hintergrund für das Querformat KI-gestützt erweitert

MYRON entwickelt Kleidung für Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter und setzt dabei auf eine Passform, die Länge, Weite und Proportionen berücksichtigt

Können Sie MYRON kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihren eigenen Problemen beim Kleidungskauf die Idee für eine Menswear-Marke entstanden ist?

MYRON ist ein Münchner Menswear-Label für Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter. Wir entwickeln Kleidung, bei der Länge, Weite und Proportionen gemeinsam berücksichtigt werden.

Ich bin selbst 1,70 Meter groß und kannte das Problem seit Jahren: Eine kleinere Größe war oft zu eng, die passende Weite wiederum zu lang. Mir gefielen die Kleidungsstücke, aber an mir saßen sie anders als gedacht. Daraus entstand die Frage, warum ich mich ständig mit Kompromissen zufriedengeben sollte. Mit MYRON wollte ich Kleidung entwickeln, die zu meinem Körper und zu meinem Stil passt.

Wer steht hinter MYRON, und welche Erfahrungen bringen Sie persönlich in den Aufbau der Marke ein?

Ich habe MYRON gemeinsam mit meinem Bruder gegründet und verantworte den operativen Aufbau inzwischen allein. Mein Hintergrund liegt im Wirtschaftsingenieurwesen. Außerdem habe ich bei PwC Erfahrungen mit Prozessanalysen und strukturiertem Arbeiten gesammelt.

Eine klassische Modeausbildung habe ich nicht. Die Entwicklung von Schnitten, die Zusammenarbeit mit Produzenten und den Aufbau eines Onlineshops musste ich mir Schritt für Schritt erschließen. Dabei hilft mir, Probleme systematisch anzugehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass eine saubere Tabelle noch keine gute Passform garantiert: Entscheidend ist, wie sich ein Kleidungsstück am Menschen verhält.

Sie haben mehr als 100 Männer vermessen, bevor Sie Ihr Größensystem entwickelt haben. Welche Erkenntnisse aus diesen Vermessungen haben Sie besonders überrascht?

Besonders deutlich wurde, wie unterschiedlich Männer mit ähnlicher Körpergröße gebaut sein können. Aus der Körpergröße allein lässt sich weder die benötigte Weite noch die genaue Verteilung von Oberkörper- und Beinlänge zuverlässig ableiten.

Das hat unseren Ansatz geprägt. Ein Mann mit 1,70 Meter braucht nicht automatisch ein schmales Oberteil. Er kann mehr Platz an Brust und Schultern benötigen, ohne deshalb längere Ärmel zu brauchen. Wir mussten deshalb stärker in Kombinationen denken und weniger in einer einzigen Größenangabe.

Bei MYRON werden Länge und Weite stärker voneinander getrennt als bei klassischen Konfektionsgrößen. Welches Problem lösen Sie damit konkret?

Wir möchten vermeiden, dass Kunden eine falsche Länge akzeptieren müssen, nur um die passende Weite zu bekommen. Bei einem Oberteil braucht beispielsweise ein breiter gebauter Mann mehr Raum am Körper, aber nicht zwangsläufig längere Ärmel oder einen längeren Rumpf.

Unsere Oberteile kombinieren deshalb unterschiedliche Längen mit Regular und Loose Fit. Bei Hosen bieten wir drei Längen und drei Weitenkombinationen an. Dabei geht es auch um die Position des Knies, den Beinverlauf und den Saum. Eine Hose nachträglich zu kürzen kann die Länge korrigieren, verändert aber nicht automatisch die übrigen Proportionen.

Ihre Zielgruppe sind Männer zwischen 1,60 und 1,80 Meter Körpergröße. Warum wird diese Gruppe von etablierten Modemarken aus Ihrer Sicht bislang nicht ausreichend berücksichtigt?

Es gibt spezialisierte Anbieter, die ich vor allem aus dem Ausland kenne. Ihre Designsprache und Umsetzung unterscheiden sich allerdings von dem, was wir mit MYRON entwickeln möchten.

Viele etablierte Marken arbeiten mit Größensystemen, in denen Länge und Umfang gemeinsam wachsen. Ein Mann mit 1,63 Meter braucht beispielsweise kurze Ärmel, kann aber gleichzeitig die Brust- und Schulterweite einer M benötigen. Die kleinere Größe ist dann zu eng, die größere zu lang. Eine zusätzliche XS löst diesen Konflikt nicht.

Auf Produktseiten sieht man häufig große, schlanke Models in Größe M. Wer deutlich kleiner ist, aber eine ähnliche Weite benötigt, bekommt dadurch noch keine passende Alternative. Viele Käufer arrangieren sich dann mit Umschlagen, Änderungen oder einer unpassenden Länge.

Bestehende Schnitte und Größenstrukturen zu erweitern bedeutet zusätzlichen Entwicklungs- und Produktionsaufwand. Wir haben MYRON deshalb von Anfang an um diese Passformfrage herum aufgebaut.

Mehr Größenkombinationen bedeuten auch mehr Varianten in Produktion und Lagerhaltung. Welche Herausforderungen entstehen dadurch für eine junge DTC-Marke?

Jede zusätzliche Kombination verteilt die Nachfrage auf weitere Varianten. Gerade am Anfang wissen wir noch nicht genau, welche Kombinationen besonders häufig gebraucht werden. Gleichzeitig müssen Mindestbestellmengen erfüllt werden, und Bestand bindet Geld.

Deshalb konzentrieren wir uns zunächst auf eine überschaubare Kollektion. Wir müssen sorgfältig entscheiden, welche Produkte und Farben wir ergänzen und welche Größen wir nachproduzieren. Dazu kommt die Abstimmung mit den Produzenten: Mehr Varianten verlangen eindeutig dokumentierte Maße und eine genaue Kontrolle der Umsetzung. Fehler wirken sich bei einer kleinen Marke unmittelbar aus.

Passform ist online schwer zu vermitteln, weil Kunden Kleidung nicht vorher anprobieren können. Wie möchten Sie Vertrauen in Ihr eigenes Größensystem schaffen?

Ein eigenes Größensystem muss vor allem verständlich sein. Kunden sollen schnell erkennen können, welche Länge und welcher Fit für sie infrage kommen. Dafür nutzen wir Maßtabellen, Größenangaben zu unseren Models und Erklärungen zu den unterschiedlichen Passformen.

Auf unserer Website gibt es außerdem einen interaktiven Passformvergleich: Mit einem Schieberegler lässt sich der Unterschied zwischen Standard-Fit und MYRON-Fit direkt gegenüberstellen. Die Darstellung veranschaulicht beispielsweise, wie sich überschüssiger Stoff an Ärmeln oder Hosenbeinen auf die Silhouette auswirkt. So wird unser Ansatz auch ohne schnitttechnisches Vorwissen verständlich.

Ergänzend bieten wir persönliche Unterstützung bei der Größenwahl und eine kostenlose Retoure. Langfristig entsteht Vertrauen durch die tatsächliche Erfahrung: Das bestellte Kleidungsstück muss die Erwartungen erfüllen, die wir vorher geweckt haben.

Der Modemarkt ist von großen Marken und zahlreichen DTC-Labels geprägt. Was soll MYRON langfristig unverwechselbar machen?

MYRON soll für eine Verbindung aus durchdachter Passform und einer klaren gestalterischen Haltung stehen. Ich mag Kleidung, die entspannt und modern wirkt, aber auch eine gewisse Eleganz hat. Sie soll im Alltag funktionieren und durch Schnitt, Material und Details überzeugen.

Dabei möchte ich Männer nicht auf ihre Körpergröße reduzieren. Sie ist für uns eine wichtige Grundlage der Konstruktion, aber keine Identität, die wir unseren Kunden überstülpen wollen. Menschen sollen MYRON tragen, weil ihnen die Kleidung gefällt und sie sich darin wohlfühlen.

Aus einem persönlichen Problem wurde zunächst eine Produktidee und anschließend eine Marke. Wann haben Sie gemerkt, dass daraus tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen könnte?

Einen einzelnen Moment gab es für mich nicht. Zunächst zeigten mir die Gespräche und Vermessungen, dass das Problem über meine eigene Erfahrung hinausgeht. Mit den ersten Bestellungen kam dann eine andere Form der Bestätigung: Menschen waren bereit, Geld für unseren Lösungsansatz auszugeben.

Trotzdem würde ich frühe Verkäufe nicht mit einem bereits bewiesenen Geschäftsmodell gleichsetzen. Wir stehen noch am Anfang. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir Kunden wiederholt erreichen, mit unseren Produkten überzeugen und wirtschaftlich nachproduzieren können. Die bisherigen Erfahrungen geben mir den Antrieb, diesen Weg weiterzugehen.

Ein eigenes Größensystem lässt sich nicht einfach aus bestehenden Standards übernehmen. Wie entwickeln Sie dieses mit zunehmender Kundenzahl weiter?

Die ursprünglichen Vermessungen bilden unsere Grundlage. Mit jeder Bestellung kommen praktische Erfahrungen dazu: Welche Kombinationen werden gekauft? Wo entstehen Unsicherheiten? Warum wird ein Teil zurückgeschickt?

Ein konkretes Thema aus bisherigen Rückmeldungen sind beispielsweise zusätzliche schmalere Bundweiten. Solche Hinweise helfen uns, Lücken zu erkennen. Dabei möchten wir nicht auf jede einzelne Rückmeldung sofort mit einer Schnittänderung reagieren, sondern wiederkehrende Muster verstehen. Anpassungen sollen anhand von Samples überprüft werden, bevor sie in die nächste Produktion einfließen.

Welche Vision verfolgen Sie mit MYRON, und wie soll sich die Marke über das heutige Angebot hinaus entwickeln?

Ich möchte, dass Männer unserer Zielgruppe bei MYRON eine Garderobe aufbauen können, bei der sie sich auf die Passform verlassen können. Wer eine passende Hose gefunden hat, soll später auch andere Schnitte und Anlässe innerhalb der Marke abdecken können.

Als nächste Schritte interessieren mich weitere Hosenformen, etwa eine Straight Jeans oder eine elegantere Hose, sowie zusätzliche Oberteile. Langfristig kann ich mir auch ausgewählte Accessoires vorstellen. Entscheidend ist für mich, dass neue Produkte zur Marke passen und wir unsere bestehende Kollektion zuverlässig weiterentwickeln. Breite allein ist noch kein Fortschritt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem eigenen Alltagsproblem eine neue Produktmarke aufbauen möchten?

Erstens: Prüft, ob andere Menschen das Problem ähnlich erleben. Die eigene Erfahrung ist ein guter Ausgangspunkt, ersetzt aber keine Gespräche und Tests mit potenziellen Kunden.

Zweitens: Kontrolliert die Umsetzung bis ins Detail. Wir haben selbst erlebt, wie falsch übertragene Maße einen Schnitt unbrauchbar machen können. Samples, eindeutige Unterlagen und sorgfältige Freigaben verdienen viel Aufmerksamkeit.

Drittens: Beschäftigt euch früh mit dem Vertrieb. Ich habe lange sehr viel Energie in das Produkt und die Marke gesteckt. Heute ist mir noch klarer, dass auch ein gutes Produkt regelmäßig erklärt und sichtbar gemacht werden muss. Produktentwicklung und Kundengewinnung müssen gemeinsam vorankommen.

Bild Bildunterschrift: Kevin Scholl, Gründer von MYRON. Foto: Kevin Scholl / privat. Hintergrund für das Querformat KI-gestützt erweitert

Wir bedanken uns bei Kevin Scholl für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Media Kit für Startups: Das brauchen Journalisten

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Media Kit: Journalisten finden alle Startup-Fakten Anna Ferdinand

Wer Pressearbeit macht, sollte Journalisten das Leben so einfach wie möglich machen. Genau dafür ist ein gutes Media Kit da – also die digitale Pressemappe eines Startups. Es bündelt die wichtigsten Informationen kompakt, verständlich und journalistisch aufbereitet.

Ein Media Kit ersetzt keine gute Story. Aber wenn ein Journalist sich nach einem Pitch näher mit einem Startup beschäftigt oder selbst recherchiert, sollten die wichtigsten Fakten zum Unternehmen schnell auffindbar sein – ohne lange Suche und widersprüchliche Angaben.

Was in ein Media Kit gehört

Ein professionelles Media Kit muss nicht umfangreich sein. Entscheidend ist, dass die wichtigsten Informationen schnell erfassbar sind.

Dazu gehört zunächst ein kurzes Unternehmensprofil. Was macht das Startup? Welches Problem löst es? Für wen ist das Angebot relevant? Wichtig sind klare Aussagen statt Marketing-Slogans.

Ergänzt wird das Unternehmensprofil durch ein Fact Sheet. Darin stehen die wichtigsten Daten auf einen Blick. Dazu können Gründungsjahr, Sitz, Gründerteam, Mitarbeiterzahl, Auszeichnungen und Awards, Geschäftsmodell, Produkte oder relevante Unternehmenskennzahlen gehören.

Auch ein Gründerprofil sollte nicht fehlen. Journalisten interessieren sich häufig nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Menschen dahinter. Wer hat gegründet? Welche Expertise bringt die Person mit? Was ist der persönliche oder berufliche Hintergrund?

Ein Boilerplate fasst das Unternehmen zusätzlich in wenigen Sätzen zusammen. Diese Kurzbeschreibung lässt sich zum Beispiel am Ende einer Pressemitteilung verwenden und sorgt dafür, dass das Startup überall konsistent beschrieben wird.

Gute Pressefotos sind kein Nice-to-have

Zu einem Media Kit gehören auch professionelle Pressefotos. Mindestens ein bis zwei gute Bilder des Gründers oder der Gründerin sollten verfügbar sein. Je nach Geschäftsmodell können zusätzlich Team-, Produkt- oder Unternehmensfotos sinnvoll sein.

Wichtig ist, dass die Bilder für Printmedien in ausreichend hoher Auflösung vorliegen und klar angegeben ist, wer sie nutzen darf und wie der Bildnachweis lautet.

Gerade bei kurzfristigen Anfragen kann gutes Bildmaterial entscheidend sein. Wenn eine Redaktion einen Beitrag plant und passende Fotos fehlen, erhöht das unnötig den Abstimmungsaufwand.

Journalistische Informationen statt Werbesprache

Ein Media Kit ist kein Sales-Deck. Formulierungen wie „revolutionär“, „einzigartig“ oder „führend“ helfen Journalisten wenig, wenn sie nicht belegt werden können.

Redaktionen brauchen vor allem belastbare Informationen. Was unterscheidet das Geschäftsmodell tatsächlich? Welche Entwicklung im Markt ist relevant? Welche Zahlen lassen sich belegen? Und welche Expertise bringt das Gründerteam mit?

Das Ziel ist nicht, das Startup möglichst groß klingen zu lassen. Das Ziel ist, es schnell einordnen zu können.

Deshalb sollten alle Angaben aktuell und konsistent sein. Stehen auf der Website 15 Mitarbeitende, im Fact Sheet aber 22, wirkt das unprofessionell. Dasselbe gilt für Gründungsjahr, Finanzierungsrunden, Standorte oder Produktinformationen.

Ein Ansprechpartner muss erreichbar sein

Ein oft unterschätzter Bestandteil des Media Kits sind klare Kontaktdaten für Redaktionen.

Eine allgemeine Mailadresse allein reicht nicht immer aus. Besser ist ein konkreter Ansprechpartner mit Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Journalisten arbeiten häufig unter Zeitdruck. Wenn eine Rückfrage schnell geklärt werden kann, erleichtert das die Zusammenarbeit deutlich.

Wer Pressearbeit macht, sollte sich deshalb auch als Dienstleister für Journalisten verstehen. Informationen sollten schnell verfügbar sein, Rückfragen zügig beantwortet werden und zugesagte Unterlagen zuverlässig kommen.

Das Media Kit gehört auf die Website

Am einfachsten ist ein Media Kit als Download auf der Website. Es kann beispielsweise im Bereich „Über uns“ eingebunden werden.

Noch besser ist eine eigene Presseseite. Dort können neben dem Media Kit auch Pressefotos, aktuelle Pressemitteilungen oder Unternehmensnews und bereits erschienene Medienberichte gebündelt werden.

Ein solcher Pressebereich hat zwei Vorteile: Journalisten finden bei einer eigenen Recherche schnell belastbare Informationen. Gleichzeitig können Gründer nach einem Pitch direkt auf eine zentrale Seite verweisen.

Ein „Bekannt aus“-Bereich mit bisherigen Medienberichten kann zusätzlich zeigen, welche Themen bereits aufgegriffen wurden und wie das Unternehmen öffentlich eingeordnet wird.

Das Media Kit ist Teil guter Pressearbeit

Ein professionelles Media Kit sorgt nicht automatisch für Berichterstattung. Dafür braucht es weiterhin relevante Themen, gute Pitches und die gezielte Ansprache passender Redaktionen.

Es schafft aber die Grundlage dafür, dass Journalisten ein Startup schnell verstehen und einordnen können. Genau das ist besonders dann wichtig, wenn ein Pitch Interesse geweckt hat oder eine Redaktion selbst recherchiert.

Für Startups bedeutet das: Je einfacher sie Journalisten den Zugang zu relevanten Informationen machen, desto professioneller wirkt die Zusammenarbeit. Ein gutes Media Kit spart Zeit, reduziert Rückfragen und sorgt dafür, dass die wichtigsten Fakten genau dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mit Sprach-KI gegen Einsamkeit: Berliner Startup Amara erhält 3,7 Millionen Euro

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Amara Finanzierungsrunde: 3,7 Mio. Euro für AgeTech portrait founder amara

Amara sichert sich 3,7 Millionen Euro für sprachbasierte Senioren-Technologie

Das Berliner AgeTech-Startup Amara hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,7 Millionen Euro eingesammelt. Econa, Caesar VC und IBB Ventures beteiligen sich. Mit dem Geld will das Team seine Sprachtechnologie weiterentwickeln, die ältere Menschen ohne komplizierte Bedienung mit Familie und Alltag verbindet.

Econa, Caesar VC und IBB Ventures investieren in Berliner AgeTech-Startup

  • Finanzierungssumme: 3,7 Millionen Euro
  • Runde: Pre-Seed
  • Investoren: Econa, Caesar VC, IBB Ventures
  • Gründer: Philipp Hartz, Richard Hector
  • Sitz: Berlin
  • Gründung: 2025 (Betreibergesellschaft H2 Technologies GmbH)

Nach eigener Einschätzung zählt die Runde zu den größten öffentlich bekannten Pre-Seed-Finanzierungen im europäischen AgeTech-Markt. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt nicht vor.

Sprache statt Menüs: So funktioniert Amara

Amara dreht das übliche Prinzip um. Ältere Menschen sollen nicht lernen, wie Technik funktioniert. Stattdessen soll sich die Technik an sie anpassen. Deshalb setzt das Startup vollständig auf Sprache. Nutzerinnen und Nutzer rufen per Stimme Nachrichten, Spiele und Quizze auf. Außerdem können sie Gespräche führen und mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben. Menüs, Passwörter oder Hilfe durch Angehörige brauchen sie dafür nicht.

„Ältere Menschen scheitern nicht an Technologie. Technologie scheitert oft an ihnen“, sagt Mitgründer Richard Hector. Das Team hat Amara daher von Anfang an gemeinsam mit älteren Menschen entwickelt.

Künstliche Intelligenz arbeitet dabei im Hintergrund. Sie macht die Bedienung per Sprache erst möglich und sorgt zudem für Abwechslung im Alltag. Im Mittelpunkt soll jedoch nicht die Maschine stehen, sondern der Kontakt zu anderen Menschen.

Bewusst ohne Überwachung

Ein klarer Unterschied liegt im Umgang mit Daten. Amara verzichtet auf Dashboards und Berichte, die Angehörigen zeigen, wie jemand seinen Tag verbringt. Die älteren Menschen bleiben damit selbstbestimmt. Sie entscheiden selbst, wann und wie sie mit Familie, Freunden und Umfeld in Kontakt treten.

Den Bedarf sieht das Startup vor allem in der Demografie. In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen über 80 Jahre. Viele von ihnen leben schon lange vorher allein. Gleichzeitig wohnen Familien oft weit voneinander entfernt. Dadurch wird es schwerer, im Alltag verbunden zu bleiben.

Erfahrene Gründer mit persönlichem Antrieb

Hartz und Hector sind keine Neulinge. Seit mehr als 20 Jahren gründen, führen und finanzieren sie Tech-Unternehmen in Europa. Den Anstoß für Amara gab jedoch die eigene Familie.

„Als meine Großmutter nach einem Besuch sagte: ‚Jetzt werde ich wieder einsam sein‘, wurde mir klar, dass es ihr nicht nur um Einsamkeit ging“, erzählt Philipp Hartz. Es sei vielmehr darum gegangen, nicht mehr selbst Teil des Familienalltags zu sein. „Älterwerden ist kein Problem, das gelöst werden muss“, sagt Hartz. Niemand solle sich aber von den Menschen abgeschnitten fühlen, die ihm wichtig sind.

Hausnotruf und Alarmarmband zum Jahreswechsel geplant

Mit dem neuen Kapital will Amara seine Technik ausbauen und die nächsten Wachstumsschritte vorbereiten. Neben Kontakt und Teilhabe rückt dabei auch Sicherheit in den Fokus. Zum Jahreswechsel 2026/2027 will das Startup sein Angebot Amara Home um einen Hausnotruf und ein Alarmarmband erweitern.

Langfristig planen die Gründer mehr als ein einzelnes Produkt. Sie wollen ein digitales Ökosystem aufbauen, das Senioren in vielen Bereichen ihres Alltags unterstützt.


Wie viel Kapital hat Amara eingesammelt?

Amara hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,7 Millionen Euro eingesammelt.

Wer sind die Investoren von Amara?

An der Runde beteiligen sich Econa, Caesar VC und IBB Ventures.

Was macht Amara?

Amara entwickelt eine sprachbasierte Technologie für ältere Menschen. Nutzer greifen per Stimme auf Nachrichten, Spiele und Gespräche zu und bleiben so mit Familie und Freunden in Kontakt.

Wer hat Amara gegründet?

Philipp Hartz und Richard Hector, die seit über 20 Jahren als Gründer und Investoren in der europäischen Tech-Szene aktiv sind.

Was plant Amara als Nächstes?

Zum Jahreswechsel will Amara sein Angebot Amara Home um einen Hausnotruf und ein Alarmarmband erweitern.

Bild Philipp Hartz und Richard Hector@ Amara

Quelle schoesslers GmbH

Wie Diana von „Die Höhle der Löwen“ zu Gründerin von artem oral care wurde

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artem oral care: Zahnpflege in Die Höhle der Löwen Rebecca Linneweber, Diana Zur Löwen und Julia von Wolff (v.li.), Gründerinnen von Artem oral care Foto: RTL

Diana zur Löwen kehrt mit artem oral care als Gründerin zurück, denkt Zahnpflege neu und wird am 28. September 2026 in der Höhle der Löwen pitchen.

Wie ist die Idee zu artem oral care entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter artem oral care stehen Diana und Rebecca. Die Idee entstand, als Diana in der Drogerie vor dem Zahnpflegeregal stand: Dort hatte sich seit Jahrzehnten kaum etwas verändert, während Haut- und Haarpflege längst eine Skinification erlebt haben. Dazu kam ein persönlicher Painpoint, denn Diana leidet selbst unter Zahnfleischrückgang. Über einen LinkedIn-Post suchte sie eine Co-Founderin, Rebecca bewarb sich und passte perfekt: Bei ihr wurde Parodontitis festgestellt, und nach vier Jahren in der Unternehmensberatung ergänzt sie Diana mit Operations und Finance, während Diana Marketing und Brand verantwortet. Gemeinsam mit Zahnärztinnen, Zahnärzten und einem Labor entwickelten sie die ersten Produkte.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell eures Startups aus?

Wir sind im Bereich Mund- und Zahnpflege tätig und verorten uns in der Kosmetik: Wir bringen Skincare in die Zahnpflege. Unser Sortiment bildet eine komplette, mikrobiomfreundlich gedachte Routine, von Zahnpasta für morgens und abends über Mundspray und Mundziehöl bis zu Zahnseide und einer elektrischen Zahnbürste mit einem Kooperationspartner. Aktuell verkaufen wir Direct-to-Consumer über unseren eigenen Onlineshop und wachsen über organische Reichweite auf Social Media und Meta Ads. Mittelfristig wollen wir in die Drogerie und international wachsen.

Welches konkrete Problem löst ihr und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Viele Menschen wissen wenig über Zahnpflege und darüber, welche Inhaltsstoffe zu ihnen passen. Wir wollen zeigen, dass Zahnpflege Spaß machen kann, und Menschen dazu bringen, sich damit zu beschäftigen, denn Mundgesundheit ist wichtig für den ganzen Körper. Dafür klären wir auf und verbinden das mit Produkten, die clean, ästhetisch und lifestylig sind und die man gerne im Bad stehen hat.

Warum habt ihr euch mit artem oral care für die Teilnahme an Die Höhle der Löwen entschieden und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Die Höhle der Löwen ist eine unserer Lieblingssendungen, und es gibt kaum eine größere Bühne, um eine neue Kategorie wie Oral Skincare bekannt zu machen und solche sollen Investoren potenziell zu überzeugen. Besonders spannend war es für Diana, die die Sendung früher als Investorin erlebt hat und diesmal als Gründerin auf der anderen Seite stand.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe bei Die Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Einer unserer Wunschlöwen war Judith Williams. Sie hat viele eigene Marken aufgebaut und investiert gleichzeitig, deckt also beide Seiten ab, so wie Diana es gerade auch für sich aufbaut. Mit ihrer Beauty-Erfahrung passt sie perfekt zu unserer Vision.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren bei Die Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Vor allem Unterstützung auf dem Weg in den stationären Handel und Erfahrung darin, eine Marke zu einer echten Love Brand zu entwickeln.

Welche nächsten Schritte sind für artem oral care nach eurem Auftritt bei Die Höhle der Löwen geplant und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Wir bauen unser Sortiment weiter aus: Aktuell arbeiten wir an einer Mundspülung, an unserer Zahnpasta in Tubenform und an einem Lipgloss, der die Zähne noch strahlender wirken lassen soll.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Dass eine starke Marke nur so gut ist wie das Produkt dahinter und man bei Formulierung und Inhaltsstoffen keine Abkürzungen nehmen sollte. Und dass die richtige Co-Founderin mit ergänzenden Stärken alles leichter macht.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen leiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Sprecht früh mit echten Kundinnen und Kunden und hört genau hin. Sucht euch Mitgründer, deren Stärken eure ergänzen. Und traut euch, eine Kategorie neu zu denken, auch wenn sie seit Jahrzehnten unverändert scheint.

Was unterscheidet euer Produkt im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Wir arbeiten sehr clean, positionieren uns aber nicht als Öko-Marke, sondern als Lifestyle-Brand mit modernen, studienbasierten Inhaltsstoffen. Unsere Formulierungen verbinden Mikrobiomfreundlichkeit, etwa durch ein Postbiotikum auf Ferment-Basis, mit Skincare-Inhaltsstoffen wie Panthenol, die den gesamten Mundraum pflegen. Beim Whitening setzen wir statt auf Aktivkohle oder Peroxid auf Enzyme, die oberflächliche Verfärbungen sanft lösen können. Dazu kommt ein Brandfing, das eher an Beauty erinnert als an klassische Zahnpasta.

Wie bereitet ihr eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den enormen Nachfrage-Ansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Wir wachsen kontinuierlich und haben unsere Kapazitäten schrittweise erhöht. Mit unseren Lieferanten und unserem Fulfillment-Partner haben wir früh über eine mögliche Ausstrahlung gesprochen, und sobald der Termin feststand, haben wir alles auf rechtzeitiges Hochfahren ausgerichtet. Alle Partner ziehen mit. Sollte es dennoch zu Verzögerungen kommen, informieren wir unsere Kundinnen und Kunden proaktiv und transparent.

Sehen sie artem oral care am 28. September 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Rebecca Linneweber, Diana Zur Löwen und Julia von Wolff (v.li.), Gründerinnen von artem oral care  Foto: RTL

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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