Dienstag, September 1, 2026
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PetPlanner: Wie die Plattform Tierbesitzer und Dienstleister zusammenbringt

PetPlanner bringt Dienstleister und Tierbesitzer zusammen und ermöglicht die digitale Buchung, Bezahlung und Verwaltung von Terminen.

Können Sie PetPlanner kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

PetPlanner ist eine Buchungsplattform für Tierdienstleistungen. Tierbesitzern ermöglicht die Plattform passende Dienstleister in ihrer Nähe zu finden und direkt online zu buchen, inklusive Bezahlung. Für Dienstleister ist die Plattform eine Business-Management Lösung, das bedeutet, von der Kundenakquise über Terminorganisation bis hin zu Zahlung und Abrechnung deckt sie die administrativen Prozesse des selbstständigen Alltages ab. Die Idee stammt aus meinen Erfahrungen als Tierbesitzerin und Tierdienstleisterin.

Sie kommen selbst aus der Tierbranche. Welche Erfahrungen haben Sie dazu bewegt, PetPlanner zu gründen?

Ich habe mich mit 18 Jahren als Pferdetrainerin selbstständig gemacht und schnell festgestellt, dass die Suche nach passenden Experten, wie Hufbearbeitern oder Pferdephysiotherapeuten eine sehr zeitintensive Aufgabe ist, die für Tierbesitzer einen großen Aufwand darstellt. Gleichzeitig habe ich in meiner Selbstständigkeit erfahren, dass ich einen großen Teil der Zeit, die ich eigentlich mit der Arbeit mit Menschen und Pferden verbringen wollte, am Schreibtisch verbrachte. Terminorganisation, Kundenkommunikation und Rechnungsstellung bescherten mir lange Nächte. Doch gerade für diese Branche, die ihre Zeit lieber aktiv mit Tieren, statt am Schreibtisch verbringt, schien es keine passende Softwarelösung zu geben. Daraus entstand die Idee, dieses Problem selbst zu lösen.

Welche Vision verfolgen Sie mit PetPlanner, und was möchten Sie in der Tierdienstleistungsbranche langfristig verändern?

Meine Vision ist, eine zentrale Anlaufstelle für Tierbesitzer zu schaffen, auf der sie schnell und sicher passende Experten buchen können. Für Tierdienstleister in ganz Deutschland und langfristig auch international möchte ich ein effizientes Tool etablieren, dass ihnen Zeit am Tier zurückgibt und ihnen zu mehr Professionalität in ihrer Selbstständigkeit verhilft.

Ihre Plattform verbindet Business-Software und Marktplatz. Warum war Ihnen diese Kombination von Anfang an wichtig?

Verzeichnisse gibt es viele, doch damit bleibt die Arbeit auf beiden Seiten am Benutzer hängen. Sowohl für Besitzer als auch Dienstleister braucht es verschiedenste Programme und Prozesse, um so etwas Simples, wie die Buchung eines Physiotherapietermins, abzuwickeln. Es war schnell klar, dass PetPlanner nur dann einen nachhaltigen Mehrwert bietet, wenn wir von der Kundenakquise bis zur Abrechnung alle Prozesse abbilden und sich Dienstleister damit auf eine Plattform verlassen können. Auch haben wir aus Gesprächen mit unserer Zielgruppe klar herausgehört, dass beide Seiten der Anwendung, Marktplatz und Business-Software, benötigt werden, also lag auf der Hand, die Aspekte in einer Plattform zusammenzuführen.

Welche organisatorischen Herausforderungen beschäftigen selbstständige Tierdienstleister besonders, und wie setzt PetPlanner dort an?

Es ergaben sich vor allem zwei Kernprobleme im Status-quo für Dienstleister:

Zum einen verbringen Tierdienstleister viel Zeit damit, Termine zu organisieren und sich dahingehend mit Kunden abzustimmen. Vor allem bei mobil arbeitenden Anbietern kann dies sehr komplex und zeitaufwendig sein, da nicht nur Verfügbarkeit, sondern auch Fahrtzeiten mitberücksichtigt werden müssen.

PetPlanner startet bei der Terminierung immer beim Kunden. Wir kennen Arbeitszeiten, Arbeitsort und Mobilitätsradius der Dienstleister und unterbreiten dem Kunden auf dieser Basis Terminvorschläge, die für den Kalender des Anbieters optimiert sind. Dienstleister können die Terminanfrage dann annehmen, ablehnen oder direkt Gegenvorschläge senden.

Zum anderen sind Zahlungsausfälle für Solo-Selbstständige ein großes Problem. Es kommt immer wieder vor, dass Kunden entweder kurzfristig absagen oder zum Termin unentschuldigt fehlen. In diesen Fällen haben Anbieter kaum eine Handhabe, trotzdem an ihr Geld zu kommen. Die meisten Dienstleister haben keine Vorabzahlung, sondern arbeiten auf Rechnung oder mit Bargeld. Selbst wenn der Kunde kommt und der Termin stattfindet, ist es meist Vertrauenssache, dass die Forderung rechtzeitig beglichen wird.

Bei PetPlanner wird das Geld bereits bei Buchung des Kunden eingezogen und nach dem Termin durch die Rechnungsstellung mit einem Klick an den Dienstleister freigegeben. Im Falle einer Stornierung greifen automatisch die durch den Dienstleister hinterlegten Stornierungsbedingungen. Damit geht das Risiko von Zahlungsausfällen gegen null.

Tierbesitzer können über die App passende Experten in ihrer Nähe finden und buchen. Welche Kriterien sind für Vertrauen und Qualität besonders wichtig?

Die Qualität der Angebote hat für uns einen besonderen Stellenwert. Dienstleister müssen eine Gewerbeanmeldung hochladen. Außerdem fordern wir für geschützte Berufe Zertifikate oder Genehmigungen. Hundetrainer zum Beispiel benötigen eine Ausbildung und eine Genehmigung vom Veterinäramt, um ihren Beruf ausüben zu dürfen. Ein solcher Nachweis muss bei uns hochgeladen werden und wird durch uns geprüft, bevor es dem Anbieter möglich ist, in diesem Bereich Services anzulegen.

PetPlanner begleitet Dienstleister von der Kundenakquise bis zur Abrechnung. Was unterscheidet Ihre Lösung von klassischen Buchungs- und Verwaltungstools?

Es sind vor allem zwei Aspekte, die uns von anderen Produkten unterscheiden. PetPlanner ist eine Lösung, die die beiden Seiten, Marktplatz und Business-Software vereint. Dadurch können Tierbesitzer Termine direkt online buchen und müssen nicht, wie bei bestehenden Verzeichnissen, alle Schritte ab der Kontaktaufnahme mit dem Anbieter manuell durchführen. Außerdem ist die Plattform für Dienstleister eine Komplettlösung, gerade der Zahlungsaspekt unterscheidet uns von anderen Buchungsplattformen. Die allgemeine Ausrichtung für Dienstleistungen verschiedenster Berufe und für alle Haustiere ermöglicht es Anbietern auch, die Anwendung zu nutzen, wenn sie unterschiedliche Berufe ausüben, zum Beispiel Sattlerei und Physiotherapie oder Hundetraining und Maulkorbberatung. Dieser Aspekt ist für viele Anbieter relevant, die bei bestehenden in einzelnen Berufsfeldern verbreiteten Anwendungen aufgrund ihres vielfältigen Angebotes keinen Platz finden.

Ein Marktplatz muss gleichzeitig für Anbieter und Kunden attraktiv sein. Wie meistern Sie diese Herausforderung beim Aufbau von PetPlanner?

Das Cold Start Problem ist unter Startup Gründern bekannt und definitiv eine Herausforderung – auch für uns. Wir setzen in diesem frühen Stadium vor allem auf Kooperationen. Affiliate Partner, Tierschutzorganisationen oder auch Fachverbände sind für uns ein entscheidender Wachstumsmotor. Gleichzeitig sind wir viel auf Messen unterwegs, um persönlich mit unseren Zielgruppen ins Gespräch zu kommen, auch das hat sich als sehr effektiver Vertriebskanal erwiesen.

Und zu guter Letzt setzten wir gerade hier Lokal um Mainz auf Ausprobieren: Von Blumensträußen oder Pralinen zu Valentinstag über klassischer PR-Arbeit bis hin zu einem mobilen Fotostand in der Innenstadt bringen wir unsere Marke in die Köpfe. Und es funktioniert: Gerade hier bei uns ist unser Wachstum am stärksten und zeigt damit das Potential, dass dem Punkt näherkommen, an dem Netzwerk Effekte greifen und sich unser organisches Wachstum hier in der Region verschnellert.

Nur vier Monate nach Veröffentlichung wurde Ihre App zweimal mit Gold bei den German Stevie Awards ausgezeichnet. Was bedeutet diese frühe Anerkennung für Sie?

Vor allem ehrt und das Juryfeedback und die Auszeichnung sehr. Für uns bedeutet es, dass wir das richtige Ziel haben und die Prioritäten bei der Produktentwicklung passend gesetzt haben. Gleichzeitig unterstreicht die Auszeichnung noch einmal, wie entscheidend jetzt unser Wachstum und die Richtige Umsetzung aller Marketingaktivitäten ist, denn eine gute Idee ohne passende Exekution ist nichts wert.

User Experience wurde bei den German Stevie Awards besonders ausgezeichnet. Welche Rolle spielt einfache Bedienbarkeit bei der Entwicklung Ihrer Plattform?

Gerade der Gewinn in der Kategorie „User Experience“ bestätigt uns darin, bei der Entwicklung die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben. Für das UI/UX Design haben wir uns eine professionelle Agentur an Bord geholt, die uns die App von vorne bis hinten auf Basis unserer Prozesse durchkonzipiert hat. Der Qualitätsanspruch von Verbrauchern an Apps ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen und eine intuitive Oberfläche kann den Unterschied zwischen Erfolg und Untergang machen. Gerade im Angesicht unserer umfangreichen Prozesse und der vielen Individualisierungsmöglichkeiten muss die Benutzung der App simpel bleiben, sonst werden Nutzer frustriert und springen ab.

Dass die German Stevie® Awards diesen Aspekt und unsere Umsetzung gewürdigt haben, ist sehr motivierend.

PetPlanner wurde 2025 in Mainz gegründet. Welche nächsten Wachstums- und Entwicklungsschritte haben Sie für das Unternehmen geplant?

Für dieses Jahr stehen klar Marktangang und Produktverbesserung mit Kundenfeedback auf dem Programm. Im kommenden Jahr wollen wir den Break-Even-Point erreichen und uns in Deutschland als führende Plattform etabliert haben. Auch der Zugang für Österreich und Schweiz steht 2027 an. Und dann heißt es: Wachsen. Vor allem unser strategisches Partnernetzwerk möchten wir erweitern.

Auch die Plattform selbst wird sich weiterentwickeln. In den kommenden Monaten folgt der App die Webversion und wir werden stetig Kundenfeedback einarbeiten und die Prozesse noch weiter für Individualisierungen und Branchenspezifische Anforderungen erweitern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus eigenen Branchenerfahrungen ein digitales Geschäftsmodell entwickeln möchten?

Als erstes ganz klar: Marketing ist fast alles. Egal wie gut dein Produkt ist, solange deine Zielgruppe dich nicht kennt und nicht einsieht, dass sie ihr Problem tatsächlich hat, bleibt es sehr einsam. Metawerbung und „ein bisschen Social Media“ sind bei weitem nicht die entscheidenden Faktoren. Am Ende geht es immer um Vertrauen und das bekommt man am besten durch das Netzwerk dritter.

Der zweite Ratschlag geht in die Richtung Lean Startup. Ja, wir leben nicht mehr in der .com Blase, man kann nicht mehr alles auf den Markt werfen und sich später um Qualität kümmern, aber gerade als Gründer und Ideengeber steht man sich doch recht gern mit seinem eigenen Anspruch im Weg. Die Liste der „Absolut essenziellen Features“ die wir noch überhaupt nicht gebaut haben ist lang und ehrlich gesagt, hat sich noch niemand beschwert. Also heißt die Devise „weglassen“ und erstmal an den Markt gehen, die Kunden sagen einem schnell, was sie wirklich brauchen und was nicht.

Der dritte Punkt bezieht sich auf die aktuellen KI-Entwicklungen. KI ist ein wahnsinnig mächtiges Tool – wenn man es einzusetzen weiß. Aktuell sehe ich in der App-Szene aber den Trend, dass wahnsinnig viele mit KI zusammengeschusterte Lösungen auf den Markt geworfen werden, deren Internetauftritt und Social Media meistens auch vollständig KI-generiert sind. Sie machen den Anschein, Unternehmertum wäre plötzlich ganz leicht, weil ja die KI alles kann. Das ist aber ein Irrglaube. Ja, KI ist ein enormer Booster in der Softwareentwicklung und kann bei gewissen Marketingaufgaben auch als Hilfsmittel dienen, wer aber das eigene Produkt prozessual und UX-technisch nicht ausgearbeitet und die eigene Marketingstrategie nicht vollumfänglich konzeptioniert und verstanden hat, fliegt schnell auf die Nase. Am Ende hilft KI auch nur dort wirklich weiter, wo der Unternehmer selbst Kompetenzen besitzt.

Bild: v.l.n.r. Marc Dierichsweiler (Gründer), Louisa Reschenberg (Marketing Managerin), Vivien Dierichsweiler (Gründerin und Geschäftsführerin), Alexander Vinnai (Gründer). Bildcredits/Fotograf: Julius Dierichsweiler

Wir bedanken uns bei Vivien Dierichsweiler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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