Dienstag, September 1, 2026
StartInterviewsDURVAG: Wie das Startup per Kickstarter die vollmobile Zapfanlage baut

DURVAG: Wie das Startup per Kickstarter die vollmobile Zapfanlage baut

DURVAG entwickelt eine mobile, akkubetriebene Zapfanlage und setzt für den Weg zur Serienproduktion auf eine Kickstarter-Kampagne.

Können Sie DURVAG kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine vollständig mobile Zapfanlage entstanden ist?

DURVAG ist eigentlich aus einer ganz einfachen Idee entstanden. Wir gehen mit Freunden oft angeln und trinken natürlich auch gerne ein Bier. Aber Flaschenbier draußen richtig kalt zu bekommen, ist ziemlich schwierig, und eine ganze Kiste Bier ist außerdem ordentlich schwer. Wer Fassbier möchte, muss normalerweise Zapfanlage, Generator, Kabel, CO2 und weiteres Zubehör mitschleppen. Deshalb wollten wir ein einziges Gerät entwickeln, das man zu Hause auflädt, zusammen mit einem Fass mitnimmt und mit dem man überall kaltes Bier zapfen kann. Ursprünglich wollten wir die Zapfanlage nur für uns und unsere Freunde bauen. Doch nach und nach wurde das Projekt immer größer, bis wir beschlossen haben, DURVAG in die Welt zu bringen.

Wer steht hinter dem familiengeführten Startup, und wie teilen Sie die Aufgaben bei Entwicklung und Unternehmensaufbau auf?

Robert Jr.
Robert kümmert sich bei DURVAG vor allem um Konstruktion, Marketing und die Kommunikation mit unserer Community. Statt Bier schließt er an DURVAG lieber Limonade an – dafür haben wir zumindest immer jemanden, der fahren kann.

Matyáš
Matyáš ist für die Programmierung verantwortlich und hat DURVAG sozusagen zum Leben erweckt. Ohne ihn würden weder die Steuerung noch die gesamte Logik funktionieren. Er war es auch, der ursprünglich die Idee hatte.

Robert Sr.
Robert Senior kümmert sich im Team um die Produktionsseite. Er organisiert die Fertigung der Kunststoffteile, koordiniert Kooperationen und kümmert sich um die einzelnen Komponenten, die wir für die Markteinführung von DURVAG benötigen.

Kryštof
Kryštof ist unsere rechte Hand. Er ist jederzeit zur Stelle, wenn wir Technik, Material oder neue Ideen für Videos brauchen. Von uns allen ist Kryštof der größte Stammgast – über warmes Bier sollte man mit ihm lieber keine Witze machen.

Roman
Roman ist unser Elektrotechniker. Er ist für sämtliche Schaltungen, die Batterien und die komplette Verkabelung verantwortlich. Ohne ihn hätte der Prototyp keine Chance gehabt, überhaupt zu entstehen.

Rund zwei Jahre haben Sie an DURVAG gearbeitet. Welche technischen Herausforderungen waren bei der Entwicklung besonders anspruchsvoll?

Eine herkömmliche Zapfanlage hat einen großen Nachteil: Sie braucht einen Stromanschluss. Für uns als Angler kam das nicht infrage. Natürlich gibt es auf dem Markt verschiedene Lösungen mit Eis, Kühlung für 5-Liter-Fässer und Ähnlichem. Aber keine davon bietet die Möglichkeiten einer vollwertigen Zapfanlage, an die sich ein klassisches Fass wie in der Gastronomie anschließen lässt. Deshalb haben wir begonnen, DURVAG zu entwickeln.

Kühlung und Druckversorgung sind in einem akkubetriebenen Gerät vereint. Was unterscheidet DURVAG damit von klassischen mobilen Zapflösungen?

Das gesamte Konzept ist natürlich völlig neu. Eine herkömmliche Zapfanlage arbeitet mit Trockenkühlung, die zwar schnell und effizient ist, aber sehr viel Leistung benötigt. Wir mussten dafür sorgen, dass das Bier in der Anlage schnell heruntergekühlt wird und die Kälte gleichzeitig möglichst lange erhalten bleibt. Eine Lösung zu finden, mit der sich das Bier zuverlässig kühlen lässt und das Gerät trotzdem den ganzen Tag betrieben werden kann, war wahrscheinlich die größte Herausforderung.

Für welche Zielgruppen haben Sie DURVAG entwickelt, und in welchen Situationen sehen Sie den größten Nutzen?

DURVAG ist für alle Bierliebhaber gedacht, die frisch gezapftes Bier überall draußen genießen möchten – zum Beispiel beim Camping, Angeln oder auf einer Gartenparty. Man muss sich weder um Kabel noch um einen Stromanschluss oder andere Dinge kümmern. Die Zapfanlage überwacht Temperatur und Druck selbstständig und zeigt außerdem an, wie viel Bier noch im Fass ist.

Das stärkste Interesse kommt bislang aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern. Wie erklären Sie sich diese Resonanz?

Das hat uns selbst ziemlich überrascht. Allerdings ist die Camping- und Outdoor-Kultur in den deutschsprachigen Ländern stärker ausgeprägt als in Tschechien. Daher ist es gut möglich, dass die Idee einer Zapfanlage, die man überallhin mit in die Natur nehmen kann, in der deutschsprachigen Community noch etwas stärker ankommt.

Am 1. September startet Ihre Kickstarter-Kampagne. Warum haben Sie sich für Crowdfunding entschieden, um den Produktionsstart zu finanzieren?

Im Laufe der Entwicklung haben wir festgestellt, dass es alles andere als günstig ist, ein so großes technisches Gerät bis zur Serienreife zu bringen. Allein die erforderlichen Zertifizierungen kosten mehrere zehntausend Euro. Deshalb hoffen wir, über Kickstarter möglichst viel Unterstützung zu erhalten, damit DURVAG in der bestmöglichen Form realisiert werden kann.

Kickstarter hat DURVAG bereits vor dem Kampagnenstart als „Project We Love“ ausgewählt. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?

Das ist für uns natürlich eine große Ehre. Nur ein sehr kleiner Teil der Projekte auf Kickstarter erhält die Auszeichnung „Project We Love“. Wenn ein Projekt diese Auszeichnung sogar schon vor dem Start der Kampagne bekommt, ist das ein umso schöneres Gefühl. Es zeigt, dass DURVAG auch dem Kickstarter-Team so gut gefällt, dass es das Projekt prominent präsentieren möchte. Für uns ist das außerdem ein erstes starkes Zeichen dafür, dass Interesse an DURVAG besteht.

Für die finale Entwicklungsphase arbeiten Sie mit der Westböhmischen Universität in Pilsen zusammen. Welche Aufgaben stehen dabei im Mittelpunkt?

Die Westböhmische Universität wird im Grunde den gesamten professionellen Teil der Weiterentwicklung und die Vorbereitung des Geräts für die Produktion übernehmen. Dazu gehören unter anderem die Optimierung der Kühlleistung, Messungen und Belastungstests. Wir haben zwar zwei Jahre an DURVAG gearbeitet, allerdings eher unter „Garagenbedingungen“. Die Westböhmische Universität verfügt für die Entwicklung über deutlich bessere Ausstattung und umfassendes Know-how. Deshalb möchten wir diese Phase nun in ihre Hände geben.

Sie möchten die technische Weiterentwicklung langfristig in Tschechien halten. Warum ist Ihnen dieser Standort für DURVAG wichtig?

Wir sind ein tschechisches Team und lieben tschechisches Bier. Auch wenn DURVAG gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf großes Interesse stößt, möchten wir, dass das Produkt bei uns zu Hause in Tschechien entsteht.

Welche nächsten Schritte stehen nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne auf dem Weg zur Produktion an?

Im ersten Schritt übergeben wir sämtliche bisherigen Entwicklungsunterlagen an die Westböhmische Universität. Dort wird das gesamte System weiter optimiert und zur Produktionsreife gebracht. Auf dieser Grundlage können wir anschließend die Fertigung der Spritzgussformen, Leiterplatten, Batterien und weiterer benötigter Komponenten in Auftrag geben. Der Weg wird sicher nicht einfach, aber darauf sind wir vorbereitet.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Hardwareprodukt von der ersten Idee bis zur Marktreife entwickeln möchten?

  • Das Wichtigste, was wir während der Entwicklung gelernt haben, ist: Man sollte sich nicht scheuen, nach dem zu fragen, was man braucht. In den zwei Jahren sind wir auf Dutzende Probleme gestoßen, die wir entweder mühsam selbst hätten lösen können – oder indem wir einfach jemanden um Hilfe gebeten haben.
  • Rechnet alles gründlich durch. Wir selbst waren sehr überrascht, wie teuer es ist, überhaupt ein Produkt bis zur Produktion zu bringen.
  • Dokumentiert alles. Wenn ihr auf Kickstarter oder eine ähnliche Plattform wollt, werdet ihr im Nachhinein für jedes Foto und jedes Video dankbar sein, das während der Entwicklung entstanden ist. Je mehr Material, desto besser. Und zumindest bleiben euch schöne Erinnerungen.

Fotocredits: © DURVAG, LLC

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

spot_img
- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!