Mittwoch, September 9, 2026
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Telfo: Wie zwei Mannheimer Gründer den Voice-AI-Markt erobern

Telfo will sich mit Voice AI und KI-Telefonassistenten im deutschen Markt etablieren. Die beiden Gründer Deniss Danilciks und Santiago Morelli zeigen, wie künstliche Intelligenz die Telefonie von Unternehmen automatisieren und gleichzeitig persönlicher gestalten kann.

Können Sie Telfo kurz vorstellen und erzählen, wie es zur Gründung im Voice-AI-Markt kam?

Telfo wurde von Santiago Morelli und mir, Deniss Danilciks, gegründet. Ich bin 20 Jahre alt und BWL-Student an der Universität Mannheim. Schon vor Telfo haben wir mit unserer eigenen Agentur zahlreiche Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe bei Webdesign, Automatisierung, Server-Infrastruktur und Telefonanlagen unterstützt.

Dabei haben wir immer wieder dasselbe Problem gesehen: Unternehmen investieren viel Geld in neue Anfragen, verlieren aber einen Teil davon am Telefon und damit letztlich auch Umsatz. Gerade in Stoßzeiten oder außerhalb der Öffnungszeiten fehlt häufig schlicht die Kapazität, jeden Anruf zuverlässig anzunehmen.

Mit Voice AI beschäftigen wir uns deshalb schon länger. Im Mai 2025 haben wir mit der Entwicklung begonnen und seitdem hunderte Gespräche mit Unternehmen rund um Telefonie, Automatisierung und KI geführt. Seit Februar 2026 haben wir zahlende Kunden, inzwischen im dreistelligen Bereich.

Telfo war für uns deshalb weniger die Entscheidung, auf einen aktuellen KI-Trend aufzuspringen, sondern vielmehr die logische Antwort auf ein Problem, das wir zuvor schon bei vielen Unternehmen gesehen hatten.

Wer steht hinter Telfo, und welche Erfahrungen bringt das Team in den Aufbau des Unternehmens ein?

Gegründet wurde Telfo von Santiago Morelli und mir. Insgesamt sind wir aktuell fünf Leute und kommen aus BWL, Wirtschaftsinformatik, Jura und Artificial Intelligence.

Im Team ergänzen wir uns bei Entwicklung, KI, Infrastruktur, Produkt und rechtlichen Themen. Ich selbst bringe vor allem unternehmerische Erfahrung und die vorherige Zusammenarbeit mit vielen unserer heutigen Zielbranchen ein.

Diese Mischung passt sehr gut zu Voice AI. Für einen zuverlässigen KI-Telefonassistenten reicht es nicht, nur ein Sprachmodell anzubinden. Man muss Unternehmensprozesse verstehen, Datenschutz sauber umsetzen, Integrationen bauen und gleichzeitig ein Produkt entwickeln, das auch ein Mitarbeiter ohne technisches Studium problemlos bedienen kann.

Der Voice-AI-Markt wächst schnell und erste Wettbewerber verfügen über Millionenfinanzierungen. Warum sehen Sie trotzdem Raum für Telfo?

Weil wir es bei unseren Kunden sehen.

Zu Telfo kommen nicht nur Unternehmen, die zum ersten Mal einen KI-Telefonassistenten einsetzen. Wir gewinnen auch Kunden, die zuvor bereits andere Voice-AI-Lösungen getestet oder genutzt haben und dabei festgestellt haben, dass zwischen einer funktionierenden Demo und einem wirklich guten Telefonassistenten ein großer Unterschied liegt.

Der Markt ist aus unserer Sicht noch lange nicht entschieden. Eine große Finanzierungsrunde macht noch keinen guten KI-Telefonassistenten. Gerade am Telefon fallen Qualitätsunterschiede schnell auf: lange Antwortzeiten, doppelt gestellte Fragen oder eine KI, die den bisherigen Gesprächsverlauf nicht berücksichtigt.

Unser Anspruch bei Telfo ist deshalb, dass die KI nicht nur menschlich klingt, sondern logisch handelt. Sie behält den Gesprächskontext, stellt bereits beantwortete Fragen nicht erneut und reagiert darauf, wenn ein Anrufer seine Aussage korrigiert oder verändert.

Dazu kommt die persönliche Umsetzung. Unsere Kunden können uns direkt erreichen und Abläufe sehr individuell mit uns aufsetzen. Dass dafür Nachfrage besteht, sehen wir sowohl an Neukunden als auch an Unternehmen, die von anderen Anbietern zu Telfo wechseln.

Wer die Gesprächsqualität selbst beurteilen möchte, kann den KI-Telefonassistenten direkt über die Telfo-Website ausprobieren.

Welche Vision verfolgen Sie mit Telfo, und welche Rolle möchten Sie langfristig im Markt für KI-Telefonie einnehmen?

Wir wollen Telfo zu einem der führenden Voice-AI-Anbieter in Deutschland aufbauen.

Dabei möchten wir unsere Expertise nicht verwässern, indem wir plötzlich jede beliebige KI-Software anbieten. Sprache und Telefonie bleiben unser Kern. Aktuell konzentrieren wir uns stark auf Inbound-Telefonie und setzen Outbound dort ein, wo es sinnvoll ist.

Wenn ein Kunde für einen guten Telefonprozess aber eine zusätzliche Integration oder ein ergänzendes Tool benötigt, bauen wir das natürlich.

Wir wollen spezialisiert sein, aber nicht starr.

Kanzleien, Praxen und Handwerksbetriebe haben sehr unterschiedliche Anforderungen. Wie stark muss sich ein KI-Telefonassistent an einzelne Branchen anpassen?

Sehr stark.

Eine Kanzlei führt andere Gespräche als eine Arztpraxis oder ein Handwerksbetrieb. Deshalb reicht es nicht, beim gleichen Standardagenten lediglich den Begrüßungssatz auszutauschen.

Wir standardisieren bei Telfo die technische Basis, passen aber Gesprächslogik, Weiterleitungen, Datenfelder, Integrationen und nachgelagerte Prozesse an den jeweiligen Anwendungsfall an.

Wir integrieren unter anderem Microsoft 365 und Outlook, Kalender, CRM- und ERP-Systeme, RA-MICRO oder beispielsweise Afterbuy. Wenn ein relevantes System keine passende offene Schnittstelle besitzt, suchen wir auch individuelle Integrationswege.

Trotzdem muss die Umsetzung effizient bleiben. Unser Ziel ist nicht, für jeden Kunden ein komplett neues Softwareprojekt zu starten. Wir möchten die Vorteile eines skalierbaren SaaS-Produkts mit der notwendigen Individualisierung eines geschäftskritischen Telefonprozesses verbinden.

Was kann Telfo besser oder anders machen als große, branchenübergreifend arbeitende Voice-AI-Anbieter?

Vor allem die Gesprächslogik ist für uns entscheidend.

Wenn ein Anrufer bereits erklärt hat, worum es geht, darf die KI ihn später nicht noch einmal danach fragen. Wenn jemand eine Angabe korrigiert, muss der neue Kontext übernommen werden. Und eine Weiterleitung sollte nicht einfach blind ausgelöst werden, sondern nur dann, wenn sie in der konkreten Situation tatsächlich sinnvoll ist.

Technisch nutzen wir je nach Anwendungsfall sowohl moderne Realtime-Modelle als auch modularere Spracharchitekturen. Uns interessiert dabei nicht, welche Architektur auf einer Präsentation moderner wirkt. Entscheidend ist, was bei einem echten Telefonat besser funktioniert.

Hinzu kommt der persönliche Support. Unsere Kunden können direkt mit uns sprechen. Gerade bei geschäftskritischer Telefonie halten wir das für besonders wichtig.

Wie entscheiden Sie bei Telfo, welche Technologie Sie selbst entwickeln und wo bestehende KI-Lösungen die bessere Wahl sind?

Wir entwickeln insbesondere die Teile selbst, bei denen daraus ein echter Produktvorteil entsteht: Orchestrierung, Gesprächslogik, Integrationen, Routing, Dashboard und individuelle Schnittstellen.

Bei Basistechnologien greifen wir dagegen auf die jeweils besten verfügbaren Komponenten zurück. Es wäre wenig sinnvoll, nur für das Etikett „alles selbst entwickelt“ ein eigenes großes Sprachmodell aufzubauen.

Entscheidend ist für uns nicht, möglichst viel Code selbst geschrieben zu haben. Entscheidend ist, die Teile zu kontrollieren, die für Qualität, Zuverlässigkeit und Nutzererfahrung unseres Produkts wichtig sind.

Voice AI entwickelt sich rasant. Besteht die Gefahr, dass KI-Telefonie schon bald zur austauschbaren Standardtechnologie wird?

Die einfache künstliche Stimme wird definitiv austauschbarer. Einen beeindruckenden Demo-Agenten kann man heute relativ schnell bauen.

Bei einem System, dem ein Unternehmen tatsächlich seine Telefonie anvertraut, kommen aber ganz andere Themen dazu: Gesprächslogik, Datenschutz, Auftragsverarbeitungsverträge, Integrationen, Weiterleitungen, Speicherfristen, Verfügbarkeit und der Umgang mit unerwarteten Gesprächssituationen.

Bei Telfo können beispielsweise Speicherfristen individuell festgelegt werden. Wir hosten zentrale Systeme bei Hetzner in Nürnberg, nutzen Telefonieanbieter in der EU und können je nach eingesetzter Modellarchitektur auch mit Zero Data Retention arbeiten.

Die Basistechnologie hinter Voice AI wird standardisierter. Ein gutes Unternehmensprodukt wird dadurch aber noch lange nicht zur Commodity.

Welche Produktvorteile können langfristig bestehen, wenn sich die technologische Basis ständig weiterentwickelt?

Vor allem die Dinge, die näher am Kundenproblem liegen als am zugrunde liegenden KI-Modell.

Gesprächslogik, Integrationen, Branchenwissen, Datenschutz und zuverlässige Prozesse entstehen nicht automatisch dadurch, dass das nächste Sprachmodell besser wird.

Für uns ist besonders wichtig, dass der KI-Telefonassistent nicht nur spricht, sondern auch handelt. Telfo kann Termine koordinieren, Informationen in andere Systeme übergeben, Prozesse auslösen oder abhängig vom Gespräch die richtige Person einbinden.

Ein Kunde hat uns beispielsweise zurückgemeldet, dass die Mitarbeiter am Empfang durch die First-Level-Unterstützung der KI insgesamt rund 80 Prozent mehr Anfragen bearbeiten konnten. Der KI-Telefonassistent übernimmt dort vor allem einfache und wiederkehrende Vorgänge und ist gleichzeitig rund um die Uhr erreichbar.

Genau solche Effekte sind für uns wichtiger als ein weiterer Prozentpunkt in irgendeinem technischen Benchmark.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, als sehr junge Gründer gegen deutlich größere und finanzstärkere Wettbewerber anzutreten?

Mehr Kapital ist natürlich ein Vorteil. Große Unternehmen können schneller Teams aufbauen und deutlich mehr Geld für Vertrieb und Bekanntheit ausgeben.

Wir können dafür schneller reagieren.

Wenn ein Kunde ein echtes Problem nennt, muss es bei uns nicht erst durch mehrere Abteilungen und Meetings laufen. Santiago und ich sind als Gründer weiterhin sehr nah am Produkt, an der Technik und vor allem an unseren Kunden.

Das zwingt uns auch dazu, Probleme wirklich zu verstehen, statt einfach Funktionen von Wettbewerbern nachzubauen.

Gerade in einem jungen Markt wie Voice AI kann diese Geschwindigkeit ein großer Vorteil sein.

Wie soll sich Telfo in den kommenden Jahren entwickeln, und welche Branchen bieten aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?

Wir wollen Telfo zunächst in Deutschland sehr stark machen und uns langfristig als einer der führenden Anbieter für Voice AI und KI-Telefonassistenten etablieren.

Heute arbeiten wir bereits mit Kanzleien, Arztpraxen, Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und größeren B2B-Szenarien bis hin zu Callcenter-Anwendungen.

Besonders interessant sind Branchen, in denen Telefonie täglich ein echter Engpass ist.

Das kann eine kleine Praxis sein, bei der während einer Behandlung niemand ans Telefon gehen kann, genauso wie ein größeres Unternehmen mit hohem Anrufvolumen und komplexen Weiterleitungsprozessen.

Unsere Zahl zahlender Kunden hat sich in einzelnen Monaten bereits ungefähr verdoppelt. Solche Wachstumsraten zeigen uns ziemlich deutlich, dass der Bedarf an professioneller KI-Telefonie vorhanden ist – und an welchen Stellen bestehende Lösungen noch nicht überzeugen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen jungen Gründerinnen und Gründern geben, die bewusst in einen bereits stark umkämpften Technologiemarkt einsteigen möchten?

Erstens: Sehr viel mit Kunden reden. Wir haben hunderte Gespräche geführt. Dabei merkt man schnell, dass das Problem, das man sich am Schreibtisch vorstellt, nicht unbedingt das Problem ist, für dessen Lösung jemand tatsächlich bezahlt.

Zweitens: Nicht einfach Wettbewerber kopieren und auf den LinkedIn-Thought-Leadership-Zug aufspringen. Viel interessanter ist die Frage, was deren Kunden vermissen und welche Probleme bislang niemand wirklich gut löst.

Drittens: Einfach anfangen. Man kann sehr viel Zeit damit verbringen, Startup zu spielen. Am Ende muss jemand das Produkt kaufen und damit zufrieden sein.

Wir verbringen lieber eine Woche mit einem echten Kundenproblem als eine Woche damit, nach außen wie besonders aktive Gründer auszusehen.

Fotograf: Sam Newman

Wir bedanken uns bei Deniss Danilciks und Santiago Morelli für das Interview.

Aussagen des Autors und der Interviewpartner geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Telfo

Telfo: Voice AI für KI-Telefonassistenten Logo

Kontakt:

Telfo GmbH
Öhmdstraße 2
68169 Mannheim
Deutschland

telfo.ai
info@telfo.ai

Ansprechpartner: Deniss Danilciks

Social Media:
LinkedIn

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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