Mittwoch, Mai 20, 2026
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Was verrät ein Hoodie heute über die Stärke einer Marke?

Sunday entwickelt Merchandise Lösungen für Marken, Communitys und modernes Employer Branding mit datenbasierten Kampagnen und globalen Prozessen

Wie entstand die Idee zu Sunday und warum wollten Sie Merchandise völlig neu denken?

Die Idee entstand vor zehn Jahren wegen einem Missverständnis bei einem Konzert. Ich sah einen DJ namens Audiophonic auflegen und war fest davon überzeugt, dass er ein weltweiter Superstar sein musste, weil jeder im Publikum seine T-Shirts trug. Wie sich herausstellte, war er gar kein Weltstar, sondern einfach nur unglaublich gut darin, Merchandise zu nutzen, um damit eine sichtbare Community aufzubauen. Dieser DJ wurde später der Mitgründer von Sunday. Die Erkenntnis, dass Merch meine Wahrnehmung so positiv beeinflussen und sofort ein Gefühl von Zugehörigkeit schaffen konnte, wurde schließlich zum Fundament von Sunday. Genau deshalb wollte ich die Branche neu denken: Weil Unternehmen Merchandise viel zu lange als Nebenprodukt und nicht als strategischen Marketingkanal behandelt haben.

Was hat Sie an der Wirkung von Merchandise und Markenwahrnehmung besonders fasziniert?

Es geht um die Macht der physischen Sichtbarkeit in einer digitalen Welt. Ich habe erlebt, wie durchdachter Merch die Wahrnehmung einer Marke verändern kann – von einem „Nice-to-have“ hin zu einem vollständig integrierten Markenerlebnis. Wenn Unternehmen verstehen, welche Kollektionen Menschen tatsächlich gerne tragen und nutzen, müssen sie nicht länger ins Blaue hinein entscheiden. Stattdessen können sie gezielt in Produkte investieren, die echtes Wachstumspotenzial haben. Es geht darum, wegzukommen von billigen Werbegeschenken und hin zu kuratierten Kollektionen, die so hochwertig sind, dass sie zu einem strategischen Hebel für die Marke werden. Am Ende werden physische Produkte so zu echten Wachstumsfaktoren mit klar messbarem ROI.

Welche Vision verfolgt Sunday heute im Bereich modernes Merchandise und Employer Branding?

Unsere Vision ist es, sich vom reinen Verkauf von T-Shirts hin zum Verkauf von „Kampagnen“ zu bewegen. Wir sind die Infrastruktur, die es einem Unternehmen ermöglicht, eine Onboarding-Kampagne oder eine Rekrutierungsinitiative ganz einfach durchzuführen. Wir rücken Merch in den Vordergrund und geben Unternehmen volle Transparenz über ihre Budgets und den Vertrieb.

Warum gewinnen physische Markenmomente aus Ihrer Sicht gerade wieder an Bedeutung?

In einer zunehmend digitalen Welt werden physische Berührungspunkte zur letzten greifbaren Verbindung zwischen einer Marke und einer Person. Hochwertige, aufmerksam ausgewählte physische Geschenke geben Menschen das Gefühl, etwas Besonderes zu sein – in einer Art und Weise, wie es digitale Interaktionen oft nicht schaffen.

Wie unterstützt Sunday Unternehmen dabei, Zugehörigkeit und Community sichtbar zu machen?

Wir bieten die führende Infrastruktur, um interne Unternehmenskultur in greifbare und wirkungsvolle Markenerlebnisse zu verwandeln. Unsere Plattform lässt sich über das gesamte Unternehmens-Ökosystem hinweg skalieren: Das reicht von Bitpanda, die automatisierte Workflows nutzen, um Mitarbeiterjubiläen zu feiern, über kuratierte „C-Level-Stores“ für hochkarätiges Networking, bis hin zur Unterstützung großer Events wie den Firmenläufen von Zalando. Durch die Strukturierung dieser Touchpoints helfen wir Unternehmen, Markenvertrauen und einen „Social Proof“ aufzubauen, den die Menschen auch gerne tragen.

Welche Erwartungen haben Unternehmen heute an hochwertiges Merchandise im Vergleich zu früher?

Die größte Veränderung in den letzten zwei Jahren liegt im Bereich der Effizienz. Vor zehn Jahren wollten Kunden noch 50 Muster sehen und mussten Stunden mit der Designstrategie verbringen. Heute wollen sie, dass das System die Arbeit für sie erledigt. Sie schätzen inzwischen vorgefertigte Vorlagen, Kontrolle und Geschwindigkeit mehr als einen langen, manuellen Designprozess. Außerdem erwarten sie Transparenz. CFOs wollen genau sehen, wohin das Budget fließt.

Sunday arbeitet inzwischen mit tausenden Unternehmen zusammen. Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell besonders stark?

Wir sehen einen starken Trend hin zur Nutzung von Daten anstelle von Bauchgefühl. Unternehmen nutzen unsere Plattform, um Engagement-Raten, Zufriedenheits-Feedback und sogar die Tragehäufigkeit zu erfassen. Wir sehen auch, dass Merch im Account-Based Marketing (ABM) hervorragende Ergebnisse erzielt. Cloudflare hat beispielsweise eine 35.000-Euro-Kampagne in 3 Millionen Euro abgeschlossenen Umsatz verwandelt.

Wie gelingt es Sunday, Merchandise von einem einfachen Giveaway zu einem strategischen Markeninstrument weiterzuentwickeln?

Durch Messbarkeit. Unsere Plattform erfasst die Markenimpressionen und quantifiziert den ROI. Wenn ein Brand Manager sieht, welche Kollektionen tatsächlich getragen werden, kann er datenbasierte Entscheidungen treffen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer international sichtbaren Merchandise Plattform?

Die größte Herausforderung ist nicht die Technologie selbst. Sondern die Tatsache, dass die meisten Unternehmen ihr Merchandise immer noch lokal organisieren – genau so, wie sie es seit Jahrzehnten tun.

Das hat funktioniert, als Merchandise noch unkompliziert war: ein paar Produkte, ein lokaler Lieferant, ein Event, ein Büro, ein Budget. Aber die Anforderungen haben sich geändert. Heute benötigen Unternehmen Merchandise für globales Onboarding, Events, Kundenkampagnen, Employer Branding, Partner-Aktivierungen, Lagerhaltung, Einzelversand, Reporting, Zoll, Bestandstransparenz und Markenkonsistenz über Ländergrenzen hinweg.

Die Komplexität ist gewachsen, doch in vielen Unternehmen bleibt der eigentliche Aufwand unsichtbar. Er versteckt sich in E-Mail-Verläufen, Excel-Dateien, Lagerräumen, lokalen Lieferantenbeziehungen, verstreuten Rechnungen, doppelten Bestellungen, ungenutzten Beständen und Teams, die dasselbe Problem in verschiedenen Märkten unabhängig voneinander lösen.

Ein großer Teil beim Aufbau einer international sichtbaren Plattform besteht deshalb darin, Unternehmen dabei zu helfen, diese Realität überhaupt sichtbar zu machen. Die ersten Gespräche drehen sich selten um Features. Es geht vielmehr darum zu verstehen, wie Merchandise aktuell verwaltet wird, wo versteckte Kosten entstehen, wie viel Zeit verloren geht und was möglich wird, wenn man Prozesse zentralisiert.

Early Adopter haben das bereits erkannt. Sie sehen Merchandise als strategischen Markenkanal, der Struktur, Sichtbarkeit und Skalierbarkeit braucht. Der Großteil des Marktes befindet sich jedoch noch in der Orientierungsphase.

Eine weitere Herausforderung ist, dass die Merchandise-Branche nach wie vor sehr stark auf den Produktpreis fixiert ist. Das Gespräch beginnt oft mit „Was kostet dieser Hoodie?“ statt mit „Wie hoch sind die Gesamtkosten für die Verwaltung des Merchandise im gesamten Unternehmen?“ oder „Welchen Ertrag bringt diese Kampagne?“.

Das ist der Wandel, den wir herbeiführen wollen: vom lokalen Produktkauf zum zentralisierten Merchandise-Management. Vom Stückpreis zum Gesamtwert. Von der verstreuten Abwicklung zu einer einzigen Plattform, auf der Unternehmen ihr Merchandise weltweit entwerfen, produzieren, lagern, versenden und messen können.

Was unterscheidet Sunday aus Ihrer Sicht von klassischen Merchandise oder Werbeartikelanbietern?

Wir decken den gesamten Lebenszyklus ab: Wir lagern die Artikel, übernehmen den weltweiten Versand zu Konditionen, die 50–60 % günstiger als der Standard sind, und bieten Tools wie „Redeem Links“ (Einlöselinks) an. So können Marken Geschenke an Kunden senden, die sie auf Events treffen, ohne physischen Bestand mit sich herumtragen zu müssen.

Welche nächsten Ziele und Entwicklungen stehen bei Sunday aktuell im Fokus?

Unser unmittelbares Ziel ist es, unseren Kunden den Übergang zu einem vollständig digitalen, kollaborativen Bestellprozess zu erleichtern. Damit holen wir den Merch aus dem Büroschrank und bringen ihn in ein professionelles Marketing-Dashboard.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben?

  1. Rigoros fokussieren. Es gibt immer zu viele Ideen, Chancen, Märkte, Features und Kundenanfragen. Die größte Herausforderung besteht nicht darin, Dinge zu finden, die man tun könnte, sondern zu entscheiden, was man bewusst nicht tut. Echter Fortschritt entsteht, wenn sich das gesamte Unternehmen auf wenige Prioritäten konzentriert und diese konsequent verfolgt, bis sie funktionieren.
  2. Immer weitermachen. Ein Unternehmen aufzubauen ist deutlich härter und langwieriger, als die meisten erwarten. Es wird Phasen geben, in denen die Strategie unklar ist, sich der Markt träge anfühlt oder das Timing falsch erscheint. In genau diesen Momenten zählt Beständigkeit. Lernen Sie weiter, verbessern Sie sich kontinuierlich, sprechen Sie mit Kund:innen und gehen Sie weiter voran.
  3. Technologie als skalierbaren Motor verstehen. Menschen schaffen Qualität und Vertrauen, aber Technologie ermöglicht Skalierung, ohne dass die Komplexität im gleichen Maß wächst. Wenn Sie etwas aufbauen wollen, das international wachsen kann, müssen Ihre Prozesse, das Kundenerlebnis, das Reporting und die Operations durch eine starke Technologiebasis gestützt werden. Andernfalls führt Wachstum nur zu mehr manueller Arbeit.

Titelbild: @ Sunday

Wir bedanken uns bei Niels Vandecasteele für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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